Berliner Zeitung 11.12.2019

BerlinerVerlagGmbH

22 Berliner Zeitung · N ummer 288 · M ittwoch, 1 1. Dezember 2019

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Feuilleton

Balladen

für die

Ewigkeit

Roxette-Sängerin Marie

Fredriksson gestorben

Politiker

beim

Zungenkuss

Ein Kalender von

und für Idealisten

VonHarry Nutt

Auch wenn sie Julia Roberts in

„Pretty Woman“ dem Gefühl

emotionaler Verletztheit mit dem

Song „It Must Have Been Love“ bloß

ihre Stimme verliehen hatte, war die

schwedische Sängerin Marie Fredriksson

bald selbst eine Stilikone.Mit

ihrer strubbeligen Kurzhaarfrisur

und einem weit ausgeschnittenen

Trägerkleid verkörperte

die

1958 im schwedischen

Össjö

geborene Sängerin

an der Seite

ihres musikalischen

Partners

Per Gessle die

Fortsetzung des

schwedischen

Popmärchens

Marie Fredriksson nach Abba.

(1958–2019) Als Roxette

avancierten die

beiden in den späten 80er-Jahren zu

einem der erfolgreichsten Duette der

Popgeschichte. Hits wie „Listen To

Your Heart“ und „The Look“ standen

für die verführerische Leichtigkeit einer

Epoche, der nach der Auflösung

der politischen Machtblöcke die

Welt in viele Richtungen offenzustehen

schien. Das Roxette-Prinzip basierte

dabei auf balladesker Beschwingtheit

und melancholischer

Tiefe. In hoher Schlagzahl lieferte

Roxette eingängige Melodien und

IMAGO

gehaltvolle Up-Tempo-Nummern,

die beim Wiederhören auch jenseits

der nervigen Formats der 80er-

Jahre-Shows ihren Reiz nicht verlorenhaben.

Ein jähes Ende des immer auch

etwas gesprenkelt wirkenden Gute-

Laune-Gefühls brachte 2002 die

Nachricht, dass Fredriksson an einem

Hirntumor erkrankt sei. Zwar

stand sie bald wieder auf der Bühne,

war in der Folgezeit aber deutlich gehandicapt.

Als Roxette 2015 aus Anlass

ihres 30-jährigen Bandjubiläums

auf Tournee gingen, absolvierte

Fredriksson die Konzerte im

Sitzen. Kurz danach rieten ihr die

Ärzte von Konzerten ab. AmMontag

ist Marie Fredriksson, Mutter zweier

Kinder, die auch als Malerin figürlicher

Zeichnungen in Erscheinung

getreten war, imAlter von 61Jahren

gestorben.

Blutiges Wasser im Waschbecken ist nur eines der verhängnisvollen Zeichen, mit denen sich Emma Müller (Caroline Hartig) konfrontiertsieht.

Doppelgängerin in der Schnipseljagd

VonTorsten Wahl

Pro Sieben hat seinen Teenie-Thriller „Schattenmoor“ im Netz zerstückelt

Ein Mädchen flüchtet panisch

mit einer Videokamera

durch einen Wald am

See, stürzt und wird von einem

schwarz gekleideten Verfolger

gestellt. EinMädchen, das neu ins noble

Schulinternat „Schattenmoor“

einzieht, wundert sich, dass alle sie

anstarren: Denn Emma sieht genau

so aus wie die seit Wochen verschwundene

Ann-Sophie, die Flüchtende

aus dem Wald. Caroline Hartig

spielt eine Doppelrolle. Der Schatten

der Doppelgängerin scheint Emma

zu verfolgen. Mit immer drastischeren

Zeichen wird ihr ein Countdown

angezählt: Mal ringelt sich eine

Schlange aus ihrem Schrank, mal

blutet sie unter der Dusche.

Die ersten Szenen mit der

Flucht und der Ankunft im Internat

waren als „Preview“ schon am

1. Dezember auf Pro Sieben zu sehen.

Heute läuft der Thriller komplett.

Bis zum Wochenende hatte

der Sender sieben weitere Häppchen

des Films ins Netz gestellt.

Die immer kürzeren Schnipsel ergaben

zusammen etwa 80 Minuten,

rund drei Viertel des Films.

Senderchef Daniel Rossmann verspricht

„neue Erzählformen“ und

ein „einzigartiges Seherlebnis“.

Starke Worte von einem Sender,

der sieben Jahre lang nicht einen

einzigen Spielfilm mehr produziert

hatte. Bis 2007 liefen noch regelmäßig

Filme unter dem Logo

„Made by Pro Sieben“, ein Neuanfang

2012 wurde rasch wieder beendet.

„Schattenmoor“ ist nun keine

eigene Erfindung, sondern basiert

auf dem neuseeländischen Format

„Reservoir Hill“, das 2010 einen

Emmy bekommen hatte, dank seiner

originellen Interaktivität. Zuschauer

konnten in Rollen schlüpfen

und Hinweise zur Fortführung

geben. Das Mitspielen hält sich bei

„Schattenmoor“ online in Grenzen:

Zuschauer können sich die Instagram-Profile

der Figuren angucken

und in jedem Schnipsel eine

extra Rückblende dazu wählen, in

der Emma sich in Ann-Sophie verwandelte.

Mit immer drastischeren Zeichen

wird Emma ihr Countdown angezählt:

Mal ringelt sich eine Schlange

aus ihrem Schrank,

mal blutet sie unter der Dusche.

Insgesamt bauten die Preview-

Häppchen nicht etwa mehr Spannung

auf, sondern nervten immer

mehr. Die Figuren, die die beiden

Autoren Marvin Machalett und

BenZwanzig hier aufbieten, scheinen

aus dem Baukasten amerikanischer

Teenie-Dramen zu stammen.

So tritt Ann-Sophie in den

Rückblenden stets als arrogante,

intrigante „Bitch“ auf, ein Mathe-

Genie mit großer Brille ist das

OBS

„Brain“. Ebenso störend ist die forcierte

Jugendsprache. Selbst die

natürliche Emma sondert ständig

Sätze abwie „Ich bin schon ganz

fucking unten!“ Recht penetrant

stellt die Jugendserie den Sex in

den Vordergrund: Mal zwischen

den Schülern, mal mit dem Kunstlehrer

(Max vonThun). DasThema

immerhin hat Tradition bei Pro

Sieben, frühere Filme hießen „Sex

Up – Jungen haben’s auch nicht

leicht“, „Geile Zeiten“ oder „Tote

Hose –Kann nicht, gibt’s nicht“.

Sowohl die jungen Darsteller wie

Caroline Harting, David Hugo

Schmitz oder Timur Bartels als auch

Regisseur Marc Schießer durften

schon stärkere Talentproben abliefern.

Marc Schießer war Autor und

Regisseur der Serie„Wishlist“, die bei

Funk zu sehen ist und den Grimme-

Preis gewann. Dort war das Smartphone

nicht nur, wie in „Schattenmoor“,

ein Mobbing-Mittel, sondern

stellte die moderne Existenz in

Frage: Wersich über die „Wishlist“-

Appetwas wünschte,der musste bezahlen

–jegrößer der Wunsch, desto

härter die Gegenleistung. Dassprach

nicht nur Jüngere an – „Schattenmoor“

aber lässt zumindest die älterenZuschauer

kalt.

VonSusanne Lenz

Untergangsszenarien sind derzeit

in aller Munde,dakommt dieser

Kalender gerade recht. Denn darin

geht es um nichts weniger als die Rettung

der Welt. Zwölf Zeichnerinnen

und Zeichner – der kleine Berliner

Jaja-Verlag nennt sie Idealisten –haben

sich Gedanken dazu gemacht,

wie alles besser werden kann. Los

geht es im Januar mit dem Thema

Mülltrennung auf einemWimmelbild

von Anne Wenkel. Hausmüll, Seife,

Gemüse,Wasser –zuallem fällt ihr etwas

ein. Sogar zum Brot, das man sich

nicht jedes Mal ineine neue Papiertüte

packen lassen müsste, wenn

man einen Leinenbeutel dabei hätte.

Aber es geht nicht nur um Mama

Erde, die Lea Wegner als muskelbepackte

Ringerin gemalt hat, sondern

auch darum, was die Menschen auf

diesem Planeten so treiben. Micetwa

hat eine Weltkarte der Pressefreiheit

gezeichnet. Ein säbelschwingender

Prinz Salman vonSaudi-Arabien sagt:

„Ich zerstückele euch Journalisten.“

Am unteren Seitenrand ein Zitat, das

das Herz der Autorin höher schlagen

lässt: „Freier Journalismus ist voll

wichtig! Kauft ein Online-Abo oder jeden

Tageine Zeitung!“ Yeah! Es wird

geradelt, Toleranz und Solidarität geübt.

Lieblingsbild: Politiker beim

Gruppensex im Februar, Donald

Trump und Kim Jong Un beim Zungenkuss.Herrlich!

Weltrettung Wandkalender für2020, Jaja Verlag

Berlin, 22 Euro

TOP 10

Montag,9.Dezember

1 Danowski ZDF 5,30 18 %

2 Tagesschau ARD 4,86 17 %

3 heute journal ZDF 3,67 14 %

4 heute ZDF 3,63 15 %

5 Wer weiß denn ... ARD 3,56 18 %

6 SokoMünchen ZDF 3,55 17 %

7 RTL Aktuell RTL 3,08 14 %

8 Rosenheim-Cops ZDF 2,95 23 %

9 Wilde Nächte ARD 2,91 10 %

10 WISO ZDF 2,88 11 %

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Sonnabend, 29.12.2019

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Sonnabend, 29.12.2019

Montag, 23.12.2019, 10 Uhr

Montag, 23.12.2019, 12 Uhr

Montag, 23.12.2019, 15 Uhr

Freitag, 27.12.2019, 10 Uhr

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