Berliner Zeitung 11.12.2019

BerlinerVerlagGmbH

26 Berliner Zeitung · N ummer 288 · M ittwoch, 1 1. Dezember 2019

·························································································································································································································································································

Netzwerk

STREAMING

Scheidung

statt

Liebe

VonJörg Hunke

Die Oscars werden zwar erst im

Februar des kommenden Jahres

verliehen, aber schon jetzt wird

über Favoriten diskutiert. Einer von

ihnen ist „Marriage Story“ vonNoah

Baumbach. Der Film bekam am

Montag auch sechs Golden-Globe-

Nominierungen, unter anderem für

den besten Film. Die Hauptdarsteller

Scarlett Johansson und Adam

Driver wurden zudem als beste

Schauspielerin beziehungsweise

bester Schauspieler vorgeschlagen.

Worum geht es in dem Film? Und

wo sind die beiden Schauspieler

noch zu sehen?

„Marriage Story“: Nicole (Scarlett Johansson)

und Charlie (Adam Driver)

scheinen für einander bestimmt zu

sein. Sie kümmern sich auch rührend

um den gemeinsamen Sohn.

Doch dann begeht der narzisstische

Charlie den größten Fehler, den ein

Mann machen kann: Er hört auf,

seine Frau zu verehren. Nicole ist

enttäuscht, verlässt NewYork, um in

Hollywood Kariere als Schauspielerin

zumachen. Die Liebe, soerzählt

es der Film, geht auf tragische Weise

verloren. Was bleibt, ist ein böser

Scheidungskrieg.

Zu sehen bei Netflix

Charlie (Adam Driver) kämpft um die Aufmerksamkeit

seines Sohnes.

NETFLIX

Matchpoint: Es gibt einen Moment in

dem Film, in dem der Tennisball auf

der Netzkante tanzt. Glück oder Pech,

Sieg oder Niederlage? Die Szene erzählt

davon, wie das ist mit den

schicksalhaften Momenten im Leben.

Die Menschen scheinen keinen

Einfluss zu haben in solchen Augenblicken.

Scarlett Johansson spielt in

dem Meisterwerk von Woody Allen

aus dem Jahr 2005 eine erfolglose

Schauspielerin, deren Liebesbeziehung

mit einem Mann aus der britischen

Oberklasse nicht gut ausgeht.

Zu sehen bei iTunes, Amazon und Maxdome

„Girls“: Neben Lena Dunham gehörte

Adam Driver zu den Stars der

HBO-Serie, Driver wurde damals

auch in der Rubrik„Bester Nebendarsteller“

für einen Emmy nominiert. In

der Serieg geht es vor allem um

Freundinnen, die noch nicht genau

wissen, was sie wollen –vom Leben,

vonden Männern, vonsich selbst.

Zu sehen bei Amazon, iTunes,Maxdome, Sky Ticket

und Google Play.

Jörg Hunke nutzt die dunkle

Winterzeit für anregende

Filmabende.

Es grünt so grün: Weresgemütlich angehen lässt mit seinem Mountainbike, kann beim Spielen auch die Natur genießen.

Freude am Fahrunfall

„Lonely Mountains: Downhill“, das Spiel aus Berlin, gilt als herausragend: Wird es auch ausgezeichnet?

VonJan Bojaryn

Großen Erfolg mag das

Spiel haben, aber es sieht

klein aus: Der Fahrradfahrer

erinnert an eine

Spielzeugfigur. Erhat kein Gesicht,

er ist auf dem Bildschirmnur aus der

Distanz zu sehen. Auch der Berg

wirkt nicht ganz echt, die satten

Grünflächen erinnern anFilz. Doch

sobald das Spiel losgeht, erwacht die

Simulation zum Leben: Wind

rauscht, Vögel zwitschern, Reifen

greifen in das Erdreich. Als der Fahrer

die erste Kurve nimmt, auf einen

Abgrund zurast, in letzter Sekunde

das Steuer herumreißt, geht ein Raunen

durch das Publikum. Niemand

denkt mehr an Spielzeug.

Ausgetüftelte Abfahrten

Dann ist eine Lenkbewegung des

Spielers zu halbherzig, der Fahrer

klatscht mit satterWucht gegen einen

Baum. Viereckiges Pixelblut mischt

sich mit dem dreckigen Gelächter der

Zuschauer. Jetzt sind alle froh, dass

der Fahrer nicht echter aussieht. Normalerweise

wird„Lonely Mountains:

Downhill“ ohne Publikum gespielt.

Beimehreren Messeveranstaltungen,

etwa während der Gamescom, hat es

sich aber als gutes Zuschauerspiel behauptet.

Dasfunktioniertähnlich wie

beim Vorbild. Wenn sich besonders

gute Mountainbiker todesmutig den

Berg hinunterstürzen, dann wollen

Menschen zuschauen. Und anders

als in der Wirklichkeit kann hier beim

Zuschauen jeder seiner Schadenfreude

freien Lauf lassen. Niemand

tut sich wirklich weh.

Das Computerspiel ist gerade auf

dem Markt erschienen und schon

jetzt ein voller Erfolg. Auf gute Kritiken

sind gleich fünf Nominierungen

für den renommierten Deutschen

Entwicklerpreis gefolgt, der am heutigen

Mittwoch in der Flora inKöln

Ein Jahr nach dem Startvon Apple

PayinDeutschland können deutlich

mehrVerbraucher den Mobil-Bezahldienst

des iPhone-Konzerns nutzen

als zuvor. AmDienstag starteten

371 von insgesamt 379 deutschen

Sparkassen den Service für ihre rund

50 Millionen Kunden. Als weitereKreditinstitute

kamen in einem Schwung

auch Commerzbank, Norisbank und

die LBBW hinzu. Alleine die Commerzbank

zählt rund elf Millionen

Privatkunden.

Zunächst können nur von den

Banken ausgegebene Kreditkarten

HAUPTSTADT IN NEUN KATEGORIEN VERTRETEN

Der Preis: Der Deutsche Entwicklerpreis

ist die älteste

Auszeichnung für die Entwicklung

herausragender

Computerspiele aus

deutschsprachigen Ländern.

Er wird seit 2004 vergeben,

in diesem Jahr gabes96

Einreichungen.

verliehen wird. Viele Kenner der

Szene wurden von dem Spiel überrascht.

Das Thema wirkt unscheinbar,

das Entwicklerteam ist klein.

Hinter „Lonely Mountains: Downhill“

steckt das Berliner Studio Megagon

Industries; über weite Strecken

waren das nur Jan Bubenik und Daniel

Helbig.

Helbig und Bubenik hatten vorher

bei Spieleentwicklern und in einer

Medienagentur gearbeitet. Megagon

haben sie gegründet, um gemeinsam

Spiele machen zu können.

Nach zwei Handyspielen war „Lonely

Mountains“ das erste größere

Projekt. Die Grundidee: mit einem

Mountainbike einen Berg herunterfahren.

Ein einfaches Spiel sollte es

werden, das mit präziser Steuerung

Tiefe gewinnt. Lange wurde an den

Grundlagen gefeilt, bis 2017 eine

erste Demo-Version der Öffentlichkeit

gezeigt wurde.„Wirwaren ziemlich

nervös“, erzählt Bubenik. Aber

Konzept und Spielmechanik funktionierten,

das Spiel zog beständig

Publikum an.

Die Motivation war dringend nötig,

denn das minimal besetzte Team

musste Jahre andiesem einen Projekt

arbeiten. Die physikalische Si-

Die Kandidaten: In neun Kategorien

sind Spiele, die in

Berlin entwickelt worden

sind, vertreten. Besonders

oft wurden die vomMedienboard

Berlin-Brandenburg

geförderten Games „Trüberbrook“

und „Lonely Mountains

Downhill“ nominiert.

Der Förderer: Das Medienboard

Berlin-BrandenburgfördertFilme,

Computerspiele

undVirtual-Reality-Projekte.

Das könnte einVorteil für die

Zukunft sein, denn immer häufiger

werden Innovationen aus

der Spielewelt bei der Filmproduktion

genutzt.

mulation, die ausschweifenden Strecken,

der gleichzeitige Start auf PC

und Spielkonsolen —das sind Aufgaben

für verschiedene Spezialisten.

Bei Indie-Studios wie Megagon sind

deshalb Multitalente gefragt. Das

Studio besteht nur aus ein paar

Schreibtischen in einem Kreuzberger

Coworking-Space, indem auch

die Entwickler des prämierten

Grafikadventures „Trüberbrook“ sitzen.

Finanziert wurde die jahrelange

Entwicklungsarbeit durch das Medienboard

Berlin-Brandenburg

und einer geglückten Kampagne

auf der Crowdfunding-Plattform

Kickstarter.Nach langer Arbeit und

einem stressigen Start scheint es

jetzt, als hätte sich die Mühe gelohnt.

Bubenik sagt, er sei „mehr

als glücklich“, dass sein Spiel in

gleich fünf Kategorien nominiert

ist. Der Deutsche Entwicklerpreis

ist nicht irgend eine Auszeichnung.

DieJurysetzt sich aus zahllosen Insidern

zusammen, da ist eine

mehrfache Nominierung wie ein

Ritterschlag der Branche.

Das Lob ist verdient. „Lonely

Mountains: Downhill“ zeigt beim

Spielen, warum eine so einfache Idee

Banken setzen auf Apple

Geldinstitute wie die Sparkassen vertrauen dem Bezahlsystem aus dem Silicon Valley

und Debitkarten eingebunden werden.

Eine Lösung für die in Deutschland

oft genutzte Girocard, die viele

Verbraucher noch unter dem alten

Markennamen EC-Karte kennen, ist

noch in Arbeit. Sie soll im kommenden

Jahr eingeführt werden, sagte

Apple-Pay-Chefin Jennifer Bailey.

Apple Paygilt als sicheres und datenschutzfreundliches

Zahlungsmittel,

obwohl viele Bankkunden noch

skeptisch sind. Bei der repräsentativen

Innofact-Umfrage des Vergleichsportals

Verivox sagten immerhin

gut ein Drittel der Befragten (35

Prozent): „Ich glaube, esist nicht sicher.“

Zur Sicherheit trägt auch die

Tatsache bei, dass die Informationen

über die Einkäufe nicht an Apple

übertragen werden.

Außerdem bleibt der Käufer gegenüber

dem Verkäufer anonym.

„Wenn Sie mit Apple Pay ineinem

Laden sechsmal hintereinander eine

Flasche Wein kaufen, erhält der Verkäufer

sechs unterschiedliche Nummern–und

keine davon ist die Nummer,

die auf Ihrer Karte steht“, sagte

MikkoHypponen vomfinnischen Sicherheitsunternehmen

F-Secure.

so viele Jahre inAnspruch nehmen

kann. Die Liebe zum Detail ist spürbar.Vier

Berge stecken in dem Spiel,

mit je vier Strecken. Jede von ihnen

hält Entdeckungen und Verstecke

bereit. Grundsätzlich können Spieler

überhaupt nur ein paar Knöpfe drücken,

neben dem Lenken gibt es nur

Bremsen und Beschleunigen in zwei

Geschwindigkeiten. Aber die Abfahrten

sind meisterhaft ausgetüftelt.

Wer dem gut sichtbaren Trampelpfad

folgt, der hat beste Chancen,

sturzfrei unten anzukommen. Wer

dabei aber auch schnell sein will, der

muss das Unterholz nach Abkürzungen

absuchen, in die Tiefe rasen,

vielleicht das Fahrradmodell wechseln,

damit es besser zu Strecke und

Strategie passt.

Erleichterung im Ziel

MEGAGON INDUSTRIES

Das Spiel folgt einem Rhythmus.

Jede Streckebeginnt mit einem wartenden

Fahrer in der Idylle. Auf der

ersten Fahrtgeht es nur um das Kennenlernen

und Staunen. Ab dann

aber werden Stürze gezählt und die

Zeit gestoppt. Mitjeder gemeisterten

Herausforderung kommen neue

Strecken undAufgaben dazu. Spieler

können nicht nur ein paar Trikotfarben

freischalten, sondern auch den

wesentlichen Inhalt, die Berge und

Räder.Wer vorsichtig fährt, erlebt die

Abfahrt als leisen Nervenkitzel. Wer

dagegen einen Geschwindigkeitsrekord

aufstellen will, der reiht irrsinnige

Amokfahrten aneinander,

stürzt aberhunderte Male, schwitzt

und glüht beim Spielen.

DasAnkommen im Basislageram

Fußdes Berges ist dann, als hätte jemand

endlich ein Fenster geöffnet –

eine Erleichterung. Fast will man in

das aufgestellte Zelt kriechen und

den zwitscherndenVögeln lauschen.

Aber stets locken neue Aufgaben;

und jeder Versuch braucht nur ein

paar Minuten.

Die Einführung von Apple Pay bei

den Sparkassen und weiteren Banken

steht im Schatten einer neuen

gesetzlichen Regelung, die nach Experteneinschätzungen

vor allem auf

Apple Paygemünzt ist. Ende November

wurde im Bundesrat eine Erweiterung

eines Gesetzes zur Bekämpfung

der Geldwäsche verabschiedet,

die Plattform-Betreibern vorschreibt,

Finanzdiensten Zugang zu

Infrastruktur wie NFC zu gewähren.

Apple kritisierte das Gesetz, sieht für

sich selbst aber keinen Handlungsbedarf.

(dpa)

Pete

Frates

gestorben

Er war ein Antreiber der

„Ice Bucket Challenge“

Die„Ice Bucket Challenge“ wurde

2014 als Internet-Phänomen

weltweit bekannt –nun ist einer ihrer

ersten Unterstützer tot. Der ehemalige

College-Baseballspieler Pete

Frates sei „nach einer heldenhaften

Schlacht“ gegen die ALS-Krankheit

gestorben, teilte seine Familie über

die Internetseite seines ehemaligen

Teams am Boston College mit. Er

wurde 34 Jahrealt.

Frates war einer derjenigen ALS-

Kranken, die die Idee der „Ice Bucket

Challenge“ (Mutprobe mit einem

Eiswasserkübel) früh aufgriffen, um

die Nervenkrankheit ins Bewusstsein

zu rücken und Spenden zu generieren.

Weltweit beteiligten sich

unzählige Menschen an der Aktion,

darunter auch Prominente.Sängerin

Helene Fischer ließ sich im BH eiskaltesWasser

über denKörper schütten,

Schauspieler Robert Downey Jr.

war im Whirlpool zu sehen und Microsoft-Gründer

Bill Gates trug dabei

ein blaues Hemd.

Es ging darum, die Videos ins Internet

zu stellen und Freunde zu nominieren,

die sich der Mutprobe

ebenfalls unterziehen sollten. Im

Kampf gegen ALS kamen so Millionen

zusammen. Amyotrophe Lateralsklerose

(ALS) führt zuzerstörten

Nerven und fortschreitender Muskellähmung.

Die Betroffenen können

sich im Verlauf der Erkrankung nicht

mehr bewegen. Siehaben Schwierigkeiten

beim Schlucken, Sprechen

und Atmen, bleiben in der Regel aber

geistig fit. Die Krankheit tritt häufig

um das 50. Lebensjahr auf, etwa die

Hälfte der Patienten stirbt innerhalb

der ersten drei Jahre. (dpa)

Der ehemalige College-Baseballspieler Pete

Frates wurde 34 Jahre alt. GETTY/M. LLOCCISANO

Unterstützung für

die Produktion

von Serien

Hamburg will zwei

Millionen Euro bereitstellen

I

n Hamburg sollen künftig mehr

hochwertige Serien zum Beispiel

für Streamingdienste gedreht werden.

Dafür will die Hansestadt die

Mittel für die Filmförderung Hamburg

Schleswig-Holstein (FFHSH)

um zwei Millionen Euro aufstocken.

Das sieht ein Antrag der rot-grünen

Regierungsfraktionen vor, über den

in der kommenden Woche in der

Bürgerschaft abgestimmt werden

soll. Wird er absegnet, könnte die

Filmförderung von 2020 an Filmemacher

bei der Serienproduktion

zusätzlich unterstützen. FFHSH-Geschäftsführer

Helge Albers zufolge

kann Hamburg damit nun auch vor

die Kamera von sogenannten High-

End-Serien geholt werden. „Künftig

können Serien auf Kinoniveau direkt

in unserer Region entwickelt und gedreht

werden. Das ist ein starkes Signal

für einen starken Filmstandort“,

sagte Albers laut Mitteilung. Noch im

Oktober hatten Hamburger Filmemacher,darunter

auch Starregisseur

Fatih Akin, mehr Geld für Serien aus

der Hansestadt gefordert. (dpa)

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine