GURU Januar 2020

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SPORT UND FITNESS

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Foto: D. Wiechmann.

Text: Bernhard Kütter.

Borussias Scouts suchten und fanden echte Kerle

Vier Neuzugänge, vier Brecher, vier Volltreffer

dabei oft der Beigeschmack arrogant rüber. Im

Grunde aber ist sie nur das Wissen und der

Glaube an die eigenen Stärken, die im Fall Embolo

seine enorme Wucht und sein Durchsetzungsvermögen

sind. Bensebaini „überragt“

Embolo sogar noch - um einen Zentimeter.

Ramy Bensebaini.

Wie mag wohl der Auftrag gelautet

haben, mit dem Max Eberl Borussia

Mönchengladbachs Chefscout Steffen

Korell und seine Mitarbeiter in die

europäischen Stadien geschickt hat?

„Kerle muss ich han, Pfundskerle“, könnte

Gladbachs Sportdirektor in Anlehnung

der Ausdruckskraft von Trainerlegende

Hennes Weisweiler gesagt haben. Und so

schwärmten sie denn aus, auf der Suche

nach Spielern, die mehr oder zumindest

ebenso Bodybuilder waren wie Fußballer.

Doch die Ausschreibung ließ sich nicht auf

Zahlen reduzieren. Es gibt auch sanfte Riesen

wie einst Luuk de Jong, der es unter Lucien Favre

nicht schaffte, zum Stammspieler zu werden.

Nun sind Marcus Thurams 1,89 Meter, Ramy

Bensebainis 1,86 Meter, Breel Embolos 1,85

Meter und letztlich auch Stefan Lainers 1,75

Meter durchaus beeindruckend, aber wesentlicher

ist die Art und Weise, wie Gladbachs Neue

ihre im wahrsten Sinne des Wortes Stärken einbringen.

Thuram betreibt intensiv Mimikry.

Wenn der Franzose so durch die Gegend, die

berufsmäßig schon mal öfter der Stadionrasen

ist, schlufft, gaukelt er den Beobachtern vor,

eher ein Fall fürs Schulsonderturnen zu sein als

ein Sturmsprinter. Umso überraschender, wenn

er seine gut 80 Kilo in Bewegung bringt. Antrittsstark,

geschmeidig und gradlinig. Das Gegenteil

betreibt Embolo. Dem ehemaligen

Schalker ist bei jedem Schritt die Kraft (85 Kilo)

anzusehen, die ihm innewohnt. Aufrecht,

Kreuz durchgedrückt, Brust raus - der Schweizer

ist das Fleisch gewordene Selbst- und Körperbewusstsein.

Wie einst bei Franz Beckenbauer

mit seiner kerzengraden Haltung kommt

Doch er wirkt gar nicht so groß, ist aber offensichtlich

ein Bewegungstalent. Zu sehen bei

seinen ungemein kraftvollen Kopfbällen, für

die er lehrbuchartig seinen Körper wie eine

Peitsche einsetzt, um dem Ball die so gefährliche

Wucht zu verleihen. Zudem ist der Algerier

der neue Meister der finalen Grätsche. In

der Nordkurve heißt er nur noch Sensebaini.

Doch der 24-Jährige ist kein tumber Spieler-

Fäller, der Linksverteidiger hat wie kaum ein

anderer Borusse eine außergewöhnliche Körperbeherrschung

und Flexibilität. Beim Kopieren

der spektakulären Flug- und Fallrückzieher-Einlagen,

die er bereits gezeigt hat,

hätten sich viele seiner Kollegen ernsthaft verletzt.

Der Kleinste und Leichteste (75 Kilo) ist

sein Kollege auf der anderen Seite. Rechtsverteidiger

Lainer aber ist der Größte, wenn es

um Grell und Einsatz geht. Die österreichische

Urgewalt scheint seine Ausdauer aus einem

unerschöpflichen Energiereservoir zu

speisen. 96. Minute? Egal - der ehemalige

Salzburger zieht auch den allerletzten Sprint

durch, als wenn die Partie gerade erst angepfiffen

worden. Unbremsbar und unverwüstlich.

Vier Neuzugänge, vier Volltreffer: Roses

Musketiere bereichern den fußballerisch bereits

bestens ausgestatteten Gladbach-Kader

mit einer neuen Körperlichkeit. Der Erfolg ist

an der Tabelle abzulesen.

Stefan Lainer.

Breel Embolo.

Marcus Thuram wird im Spiel gegen Bayern gefoult:

Mit dem bekannten Ende.

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