GURU Januar 2020

gurumagazin

NOTIZEN AUS DER PROVINZ

Kolumne

Ihr Helmut Wichlatz

Wenn Neugier Schule macht

Alle Jahre wieder reißt uns die PISA-Studie

aus dem selbstgefälligen Halbschlaf und

führt uns vor Augen, wie wir langsam

verblöden. Nicht direkt wir, aber dafür

unsere Kinder. Und das ist an sich ja noch

schlimmer.

Dass man in Deutschland an sich in einem

Land der Bekloppten und Bescheuerten lebt,

in dem man sich auf einiges an Blödsinn und

Blödheit gefasst machen muss, ist längst

rund. Und weil sich die Anzeichen zumeist

schleichend einstellen, kann man irgendwie

damit umgehen. Jetzt steht fest, dass jeder

fünfte 15-jährige gerade einmal über das

Lesevermögen eines Grundschülers verfügt.

Das schreckt auf und man muss sich etwas

ausdenken, um dem Problem zu begegnen.

Oder man sucht sich einen Universalschuldigen,

dem man die Sache in die Schuhe

schieben kann. Bei den Eltern sind es die

Lehrer, bei den Lehrern die Eltern und bei

der Politik Eltern und Lehrer. Alle Seiten gemeinsam

hacken auf den Schülern herum.

Als ob gerade die etwas dafür könnten, dass

an deutschen Schulen seit Jahren irgendwie

der Wurm drin ist.

Woran liegt das? Ich glaube, wir haben uns

zu lange auf den Lorbeeren unserer Eltern

ausgeruht. Warum sollte man einen Gedanken

an die Schulen verschwenden, wo

wir doch das Volk der Dichter und Denker

sind? Und weil wir ja per Definition toll

sind, konnten wir auch an und in den

Schulen sparen. Wenn für uns große grüne

Tafeln, Overhead-Projektoren und Videocassetten

ausgereicht haben, dann wird

das für den Nachwuchs ja wohl dicke reichen.

Denkste!

Dazu kommt ein System von teilweise sehr

schlechten und nicht zielgruppengerechten

Schulbüchern in den Händen von viel zu

satten und auf sich selbst fixierten Lehrkräften,

die entweder schwanger oder wegen

Burnout in Kur oder für irgendeine Partei im

Bundestag sind. Das kann ja nichts werden.

Und wenn wir das im „Weltspiegel“ als Reportage

aus einem Schwellenland vorgesetzt

bekämen, würden wir das auch verstehen.

Aber hier? Bei uns? Nee, hier ist alles, wie es

immer war.

Das mag sein. Aber ist es deshalb automatisch

gut? Ist es nicht. Denn wenn es das

wäre, hätten wir bei der PISA-Studie auch

mal eine reelle Chance, aus dem Mittelmaß

hervorzutreten und uns nicht von Albanien,

der Volksrepublik

China

oder Transnistrien

überholen

lassen zu müssen.

In einigen Wochen stehen die Halbjahreszeugnisse

an und mit ihnen Stress in manchem

trauten Heim. Dann werden

Mobiltelefone weggeschlossen, der Freizeitsport

gestrichen und Nachhilfestunden mit

Onkel Jürgen vereinbart. Der hat schließlich

auch irgendwie sein Abitur geschafft. Das war

zwar zu Zeiten der D-Mark, aber Abitur ist

Abitur, oder? Und was wird´s bringen? Nix.

Vielleicht sollten wir mal die Köpfe zusammenstecken

und uns überlegen, wo an den

Schulen der Hase im Pfeffer liegt und wie

wir ihn da wieder rausbekommen. Die Kultusminister

bemühen sich ja redlich und

verstehen doch nicht, dass es keine ideologische

Frage ist und auch nichts, was man

mit Geld allein vom Tisch bekommt. Ich

bin mir ziemlich sicher, dass es nicht an

den Schülern liegt. Die können nur lernen,

was man ihnen zu lernen aufgibt. Kinder

sind von Natur aus neugierig und Neugier

ist eine ideale Voraussetzung für schulischen

Erfolg.

Vielleicht auch bei uns, den Alten. Vielleicht

sollten wir auch wieder anfangen, neugierig

zu werden und neue Wege suchen aus alten

Krisen. Dann wären wir sogar noch Vorbilder

für unsere PISA-gebeutelten Kinder.

Einen Versuch wäre es wert.

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