FINE Das Weinmagazin - 04/2019

tretorri

Themenschwerpunkte der 47. Ausgabe sind unter anderem:
DER FRÜHBURGUNDER 1947 – EIN WEINWUNDER
TASTING Frühburgunder aus dem Assmannshäuser Höllenberg

Weitere Themen sind:
BORDEAUX Château Angélus und seine junge Chefin
TASTING Château Angélus
ROUSSILLON Die Domaine Gauby, ein Vorbild für die Region
CHAMPAGNE Krug x Pepper: Eintauchen in neue Geschmackswelten
CHAMPAGNE 2008: Große Champagner aus einem schwierigen Jahr
CHAMPAGNE Vincent Chaperon, der neue Chef de Cave von Dom Pérignon
FRAUEN IM WEIN Catherina Grans vom Moselweingut Grans-Fassian
TASTING Zehn Jahre danach: Trockne Rieslinge des Jahrgangs 2009
WEIN UND SPEISEN Jürgen Dollase in The Restaurant, Zürich
SARDINIEN Emanuele Raggneda von der Tenuta Capichera
SARDINIEN Sella & Mosca ist eines der größten Weingüter Europas
ÖSTERREICH Der Winzer Urban Stagård
ÖSTERREICH Das Kamptal: Tradition, Terroir und Tatkraft
DIE PIGOTT KOLUMNE Was deutsche Winzer aus dem Jahr 2018 lernen
GROSSE DUTZEND Gaia & Rey
FINE SHERRY Die Bodega Delgado Zuleta in Sanlúcar
SHERRY González Byass und die Bodega Tío Pepe
WEINHAMMER Das Auktionsjahr 2019
WEIN UND ZEIT Die Roten von der Ahr
NAHE Das Weingut Prinz Salm
WORTWECHSEL Ökologischer Weinbau ist doch nur ein Hype. Oder?
GENIESSEN Eintopf: Deftig mit Kräftig
ABGANG Ralf Frenzel

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4197772 515002 04

ASSMANNSHÄUSER

HÖLLENBERG

DER FRÜHBURGUNDER 1947 – EIN WEINWUNDER

Bordeaux Roussillon Champagne Nahe Österreich

Château Angélus Das Vorbild Der große Das Weingut Riesling vom

in Saint-Emilion Gérard Gauby Jahrgang 2008 Prinz Salm Lesehof Stagård


Grosse Weine von Mosel und Rheingau

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FINE

DAS WEINMAGAZIN 4|2019

DIE DOMAINE GAUBY 24 KRUG X PEPPER 34 CHAMPAGNER 2008 40 DOM PÉRIGNON 44

FRÜHBURGUNDER AUS DEM

ASSMANNSHÄUSER HÖLLENBERG 48

CHÂTEAU ANGÉLUS 12

CATHERINA GRANS 52 DIE TENUTA CAPICHERA 74 SELLA & MOSCA 80

BODEGA

URBAN STAGÅRD 86 DELGADO ZULETA 108 GONZÁLEZ BYASS 116 PRINZ SALM 132

ZEHN JAHRE DANACH: RIESLINGE 58

DAS GROSSE DUTZEND: GAIA & REY 104

9 FINE EDITORIAL ________________Thomas Schröder

12 FINE BORDEAUX ________________Château Angélus und seine junge Chefin

20 FINE TASTING ___________________Château Angélus

24 FINE ROUSSILLON ______________Die Domaine Gauby, ein Vorbild für die Region

34 FINE CHAMPAGNE ______________Krug x Pepper: Eintauchen in neue Geschmackswelten

40 FINE CHAMPAGNE ______________2008: Große Champagner aus einem schwierigen Jahr

44 FINE CHAMPAGNE ______________Vincent Chaperon, der neue Chef de Cave von Dom Pérignon

48 FINE TASTING ___________________Frühburgunder aus dem Assmannshäuser Höllenberg

52 FINE FRAUEN IM WEIN __________Catherina Grans vom Moselweingut Grans-Fassian

58 FINE TASTING ___________________Zehn Jahre danach: Trockne Rieslinge des Jahrgangs 2009

66 FINE WEIN UND SPEISEN _______Jürgen Dollase in The Restaurant, Zürich

74 FINE SARDINIEN ________________Emanuele Raggneda von der Tenuta Capichera

80 FINE SARDINIEN ________________Sella & Mosca ist eines der größten Weingüter Europas

86 FINE ÖSTERREICH ______________Der Winzer Urban Stagård

94 FINE ÖSTERREICH ______________Das Kamptal: Tradition, Terroir und Tatkraft

102 FINE DIE PIGOTT KOLUMNE ____Was deutsche Winzer aus dem Jahr 2018 lernen

104 DAS GROSSE DUTZEND ________Gaia & Rey

108 FINE SHERRY ___________________Die Bodega Delgado Zuleta in Sanlúcar

116 FINE SHERRY ___________________González Byass und die Bodega Tío Pepe

124 FINE WEINHAMMER ____________Das Auktionsjahr 2019

128 FINE WEIN UND ZEIT ___________Die Roten von der Ahr

132 FINE NAHE ______________________Das Weingut Prinz Salm

140 FINE WORTWECHSEL ___________Ökologischer Weinbau ist doch nur ein Hype. Oder?

142 FINE GENIESSEN _______________Eintopf: Deftig mit Kräftig

146 FINE ABGANG __________________Ralf Frenzel

6 FINE 4 | 2019 INHALT

INHALT FINE 4 | 2019 7


VEREHRTE LESERIN,

LIEBER LESER,

wenn Sie mich in diesem Augenblick nach

meinem am meisten ersehnten Genusserlebnis

fragten, hätte ich nur eine einzige

Antwort: in Ruhe ein Glas meines

italienischen Lieblingsroten trinken.

Aber daraus wird vorerst nichts. Widrige

Umstände haben mich in die Horizontale

gezwungen – in ein Berliner Klinikbett.

Und die Medikation der sorglichen Ärzte

verbietet strikt jeden Alkohol, sei er auch in

der edelsten Darreichungsform zuhanden.

Das ist er vielfach, denn liebe Freunde bedenken mich mit kostbaren Flaschen

Wein und Champagner, selbst Kaviar fehlt nicht, um meiner Genesung aufzuhelfen.

Bald soll mir dies alles aber behagen, denn das Fest der Liebe und

der Hoffnung ist nah, da gedenke ich, der Welt wieder in der Aufrechten

zu begegnen.

Oft kommen mir derzeit Szenen aus meiner Kinderlektüre in den Sinn,

Geschichten von rauhbauzigen Räubern und Piraten, die es vermochten,

ihre Blessuren – Schwerthiebe und Musketenschüsse, Amputationen samt

Verschraubungen von Holzbeinen und Handhaken – zwar nicht mit Wein,

aber im Zweifel mit einer ordentlichen Flasche Rum ins Reich des Vergessens

zu schicken und schließlich gar zu heilen. Kolossale Kerle! Und

ich? Träume mich nur in die Sauerkirscharomen meines Sangiovese. Da

trennen sich im erinnernden Nachschmecken der wahre Wert, alle Lust,

Emotion, Erwartung und Erfüllung, vom Warenwert des Weins, der sich

nur auf dem Kassenbon wiederfindet.

Und natürlich gibt es noch eine dritte Wertnotierung, die kühles Profitbegehren

und brennende Leidenschaft für Wein vereinen kann, nämlich

die spektakulären Auktionen von Weinrarissima, zu denen sich in den einschlägigen

Häusern Geld und Kennerschaft versammeln, Spekulanten auf

Jäger und Sammler treffen, auf der Suche nach dem maximalen Gewinn

oder dem ultimativen Genuss. Jedes Jahr blickt Stefan Pegatzky einmal auf

die Resultate dieser Ralley – verblüffend genug auch heuer!

Nicht zu reden von dem ungewöhnlichen, an Produktionsgeheimnisse

des Dom Pérignon rührenden Gespräch, das Stefan Pegatzky mit dem neuen

Chef de Cave Vincent Chaperon führt; noch einen Augenblick zu schweigen

von der verlockenden Sammlung der Premium-Champagner des Jahrgangs

2008 und dreier Krug-Gewächse, die wir zu den Festtagen empfehlen wollen –

staunenswert sind auf je ihre Weise alle Weine und Winzer, die wir in diesem

Heft präsentieren. Von Château Angélus, dem in die allererste Reihe von

Saint-Emilion aufgestiegenen Gut, dessen spannende Geschichte Armin

Diel detailreich nachzeichnet (Sigi Hiss verkostet zwanzig Jahrgänge), über

zwei außerordentliche Fattorien, Capichera und Sella & Mosca im Norden

der Weininsel Sardinien, die Kristine Bäder vorstellt, sowie den Riesling-

Maniac Urban Stagård im österreichischen Kremstal, den Luzia Schrampf

porträtiert, und die junge Moselweinmacherin Catherina Grans, der Martin-

Wurzer-Berger respektvoll attestiert, dass sie den großen Namen Grans-

Fassian erfolgreich in die Zukunft führt, bis zu Felix Prinz zu Salm-Salm,

der sich als christlicher Winzer versteht. Christian Volbracht hat sich an der

Nahe dem uralten Weingut, dem Eigner in zweiunddreißigster Generation

und seinen Weinen mit hohem Interesse genähert.

Dazu wie immer umfängliche, das Verständnis der Weine vertiefende

Tastings: Michael Schmidt verkostet zehn Jahre danach den Riesling-

Jahrgang 2009 und beurteilt dessen Entwicklung; Kristine Bäder zeigt sich

enthusiasmiert von zwölf piemontesischen Chardonnays Gaia & Rey aus

dem Keller von Angelo Gaja und hat – eines der Highlights dieser Ausgabe

– das Privileg, alte Frühburgunder vom Assmannshäuser Höllenberg

bis ins Jahr 1943 zurück zu genießen: sie zählen zweifellos zum Kulturerbe

der deutschen Weingeschichte – darunter wahre Weinwunder. Dazu passt,

dass sich Daniel Deckers in seiner archivalisch stets sorgfältig hinterlegten

Essay-Rubrik »Wein und Zeit« der wechselvollen Historie der Ahr-Rotweine

annimmt: Niedergang – und Aufstieg zu einer heute strahlenden Enklave

für Erzeuger brillanter Spätburgunder. Aufstieg und frischer Glanz auch im

iberischen Südwesten, wo Stefan Pegatzky der Wiedergeburt eines großen

Weins aus seinen Traditionen folgt: Sherry – an zwei Beispielen, die heute

wieder getrost zur Weltklasse gezählt werden dürfen. Jürgen Dollase lässt

sich in The Restaurant des Zürcher Grandhotels Dolder vom Abenteuer einer

gemeinsamen Arbeit faszinieren, das Koch und Sommelière bei der gegenseitigen

Steigerung der Geschmacksintensität zugleich von Wein und Speisen

zum Nutzen des Gastes zu bestehen haben. Schräge Fragen und spöttische

Antworten umspielen den Dialog über ein angesagtes Thema zwischen Dirk

Würtz und Uwe Kauss – und Stuart Pigott sieht kluge deutsche Winzer bei

der Bewältigung der komplexen Klima-Problematik auf so pragmatischen

wie sensiblen, vor allem aber qualitätsfördernden Wegen.

Unter den herausragenden Winzern Frankreichs und der Welt zählt

er, obschon längst auch eine Legende, zu den bekanntesten Unbekannten:

Gérard Gauby, der fast im Alleingang mit innovativen Methoden die Weinregion

des Roussillon im Südosten der Grande Nation ins Rampenlicht von

Markt und Wertschätzung bei Weintrinkern und ausgepichten Kennern

geleitet hat. Unter seinesgleichen, so berichtet Rainer Schäfer nach seinem

Besuch, hat er neue Kollegen, die seinen Methoden begeistert folgen, Kampfgefährten

und eine weltweit wachsende Schar von Liebhabern seiner und

der saftigen, eleganten Weine aus dem Roussillon gefunden. Mit Gérard

Gauby starten wir in eine Serie über die von ihm inspirierten Winzer und

Weine der Region.

Schließlich: Ursula Heinzelmann. Sie wagt es, Ihnen nach den Festtagen

eine in FINE bisher nicht beachtete kulinarische Spezialität zu empfehlen:

Eintopf – in Gesellschaft richtiger Weine auch dies ein Hochgenuss. Sei’s

drum! Ihnen allen aber soll doch ein Festmahl zu den Feiertagen aufgetischt

sein. Ziehen Sie Ihre beste Flasche auf, erheben Sie die Gläser auf Ihr und unser

aller Wohl, trinken Sie auf die auch uns Weinliebhaber ja stets umtreibende

unsterbliche Hoffnung und auf die Gesundung der Welt.

Fröhliche Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr!

Thomas Schröder

Chefredakteur

EDITORIAL

FINE 4 | 2019 9


FINEAUTOREN

KRISTINE BÄDER Als Winzertochter aus Rheinhessen

freut sie sich über die positive Entwicklung dieser Weinregion,

als ehemalige Chefredakteurin des Sommelier

Magazins über die der deutschen Weine im Allgemeinen.

Darüber hinaus hat die studierte Germanistin eine besondere

Beziehung zu den Weinen aus Portugal.

DANIEL DECKERS Die Lage des deutschen Weins ist

sein Thema – wenn er nicht gerade als Politik-Redakteur

der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über Gott und die

Welt, über Lateinamerika oder Rauschgift zur Feder greift.

An der Hochschule Geisenheim lehrt er Geschichte des

Weinbaus und -handels. In seinem Buch »Wein. Geschichte

und Genuss« beleuchtet er durch mehr als dreitausend

Jahre die Rolle dieses unschätzbaren Kulturguts als Spiegel

der Zeitläufte.

ARMIN DIEL Einerseits ist er Winzer – seine Weine von

der Nahe, die nun in der Verantwortung seiner Tochter

Caroline entstehen, spielen im nationalen wie im internationalen

Ranking eine Rolle. Andererseits ist er Publizist.

Als einstiger Mitherausgeber des Wein-Gault-Millau hat er

den Guide an die Spitze der weinkritischen Publikationen

in Deutschland gebracht.

JÜRGEN DOLLASE Kunst, Musik und Philosophie hat

er in Düsseldorf und Köln studiert. Er war Rockmusiker

und Maler. Heute ist er der bei weitem einflussreichste

Kritiker der kulinarischen Landschaft in Deutschland und

Europa. Vielbeachtet sind seine Bücher über die Kunst des

Speisens; zuletzt erschien der Band »Geschmacksschule«

in der Reihe SZ Gourmet Edition (bei Tre Torri). Sein

visionäres Kochbuch »Pur, präzise, sinnlich« widmet sich

der Zukunft des Essens.

URSULA HEINZELMANN Die Gastronomin und

gelernte Sommelière schreibt unter anderem für die Frankfurter

Allgemeine Sonntagszeitung, für Efflee und Slow

Food sowie Bücher zum Thema Essen und Trinken. Das

jüngste Buch, »China – Die Küche des Herrn Wu«, (bei

Tre Torri) gibt tiefe Einblicke in die vielfältige Kochkunst

der Chinesen.

SIGI HISS Auch nach einigen zehntausend Weinen ist

das Verkosten immer noch seine große Leidenschaft – sei

es in internationalen Jurys, im Auftrag renommierter Weinpublikationen

oder für Weingüter. Bei der Bewertung der

Weine sind ihm Unabhängigkeit und Neutralität unabdingbarer

Grundsatz. Seine Publikationen erscheinen in den

wichtigen Fachmedien. Für alles außer Spirituosen ist er zu

begeistern, seine besondere Liebe gilt allem, was gereift ist.

UWE KAUSS In Weinkellern kennt er sich aus: Der

Autor und Journalist schreibt seit zwanzig Jahren über Wein,

etwa für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, das

Weinmagazin Enos, wein.pur und Genuss-Magazin in

Wien und das Internetportal wein-plus.eu. Daneben hat er

sechzehn Sach- und Kindersachbücher, einen Roman und

zwei Theaterstücke publiziert.

Titel-Foto: Frühburgunder Höllenberg, GUIDO BITTNER

STEFAN PEGATZKY Der promovierte Germanist

kam 1999 nach Berlin und erlebte hautnah mit, wie sich

die Metropole von der Bier- zur Weinstadt wandelte. Seit

einigen Jahren schreibt er regelmäßig über Wein und Genuss.

In der Tre-Torri-Reihe »Beef!« erschien der Band »Raw.

Meisterstücke für Männer«, in der »Gourmet Edition –

Kochlegenden« die Bücher zu Hans Haas, Harald Wohlfahrt

und Marc Haeberlin.

STUART PIGOTT In der gehobenen Weinwelt ist er ein

Begriff. Seit der 1960 in London geborene studierte Kunsthistoriker

und Maler im Wein, im deutschen Wein zumal,

sein Lebensthema fand, hat er sich mit unkonventioneller

Betrachtungsweise in die Ränge der weltweit geachteten

Autoren und Kritiker geschrieben. Sein Buch »Planet Riesling«

erschien bei Tre Torri.

RAINER SCHÄFER wuchs in Oberschwaben auf und

lebt seit zwanzig Jahren in Hamburg, wo er über die Dinge

schreibt, die er am meisten liebt: Wein, gutes Essen und

Fußball, stets neugierig auf schillernde Persönlichkeiten,

überraschende Erlebnisse und unbekannte Genüsse. Als Ko-

Autor hat er über »100 Länder, 100 Frauen, 100 Räusche«

berichtet.

MICHAEL SCHMIDT Der »deutsche Engländer«, wie

ihn die britische Weinszene nennt, schreibt für die Purple

Pages der Weinpäpstin Jancis Robinson über deutschen

Wein. Bei Sotheby’s Wine Encyclopedia und dem World

Atlas of Wine von Hugh Johnson und Jancis Robinson ist er

als Berater für das Kapitel Deutschland zuständig.

LUZIA SCHRAMPF Sie weiß alles – zumindest über den

österreichischen Wein. Über ihr Lieblingsthema berichtet

die Journalistin regelmäßig im Wiener Standard wie in der

Süddeutschen, in World of Fine Wine und Decanter. In

ihrem Buch »Weinmacher« hat sie alle wichtigen Winzer

ihres Landes porträtiert.

CHRISTIAN VOLBRACHT Der Journalist, Autor und

Antiquar schreibt über Wein und Gastronomie, seit er für

die Deutsche Presse-Agentur in Paris gearbeitet hat. Seine

besondere Leidenschaft gehört neben Wein und gutem

Kochen den Pilzen und Trüffeln. Er ist Sammler und Inhaber

des Buchantiquariats MykoLibri, als Buchautor ergründete

er das Thema »Trüffeln – Mythos und Wirklichkeit« (bei

Tre Torri).

DIRK WÜRTZ Der Winzer war über Jahre Kellermeister in

den Rheingauer Weingütern Robert Weil und Balthasar Ress.

Seit 2018 ist er in einer Beteiligungsgesellschaft zuständig

für die Wein-Sparte; zudem wurde er zum Betriebsleiter

des Weinguts St. Antony in Nierstein ernannt. In seinem

Blog schreibt er seit zehn Jahren über alles rund um den

Wein. Mit Uwe Kauss streitet er in unserer Kolumne »Wortwechsel«

über aktuelle Themen der Weinszene.

MARTIN WURZER-BERGER Der studierte Künstler

und katholische Theologe arbeitet in Münster als Maler

und importiert Weine, vor allem französische. Er ist Chefredakteur

und Herausgeber der Avantgarde-Zeitschrift

»Journal Culinaire. Kultur und Wissenschaft des Essens«

und Vorsitzender der Deutschen Akademie für Kulinaristik.

Editorial-Foto: PEKKA NUIKKI

VERLEGER UND HERAUSGEBER

Ralf Frenzel

ralf.frenzel@fine-magazines.de

CHEFREDAKTEUR

Thomas Schröder

thomas.schroeder@fine-magazines.de

REDAKTION

Carola Hauck

ART DIRECTION

Guido Bittner

MITARBEITER DIESER AUSGABE

Kristine Bäder, Dr. Daniel Deckers,

Armin Diel, Jürgen Dollase,

Ursula Heinzelmann, Sigi Hiss,

Uwe Kauss, Dr. Stefan Pegatzky,

Stuart Pigott, Rainer Schäfer,

Michael Schmidt, Luzia Schrampf,

Christian Volbracht, Dirk Würtz,

Martin Wurzer-Berger

FOTOGRAFEN

Guido Bittner, Rui Camilo,

Johannes Grau, Marco Grundt,

Alex Habermehl, Christof Herdt

VERLAG

Tre Torri Verlag GmbH

Sonnenberger Straße 43

65191 Wiesbaden

www.tretorri.de

Geschäftsführer: Ralf Frenzel

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Judith Völkel

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+49 611-57 990

anzeigen@fine-magazines.de

DRUCK

Eversfrank Berlin GmbH

FINE Das Weinmagazin erscheint

vierteljährlich zum Einzelheft-Preis

von € 15,– (D), € 16,90 (A),

CHF 30,– (CH), € 18,50 (I)

VERTRIEB

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10 FINE 4 | 2019


ANGELUS- LÄUTEN

AUF CHÂTEAU ANGÉLUS GIBT STÉPHANIE

DE BOÜARD-RIVOAL DEN TAKT VOR

Von ARMIN DIEL

Fotos MARCO GRUNDT

Es ist Anfang September in Saint-Emilion. Bei strahlendem Sonnenschein stehe ich

vor der prachtvollen Fassade von Château Angélus und bewundere das markante

Glockenspiel auf dem Dach, mit dem ausländische Gäste hier begrüßt werden:

Im System gespeichert sind einhundertsechzig verschiedene Nationalhymnen.

Die beiden großen Glocken heißen Emilion und Angélus, sie sind umgeben von

achtzehn kleineren. Aus Anlass des zweihundertdreißigjährigen Jubiläums von

Château Angélus wurden sie nach den Plänen der Familie de Boüard de Laforest

bei Paccard in Sevrier gefertigt, einer der letzten privaten Glockengießereien

des Landes, die sich in den Savoyer Alpen unweit vom Lac d’Annecy befindet.

12 FINE 4 | 2019 BORDEAUX

BORDEAUX FINE 4 | 2019 13


KRUG

×

PEPPER

EINTAUCHEN IN NEUE GESCHMACKSWELTEN

Von RAINER SCHÄFER

Fotos MARCO GRUNDT

Natürlich war es eine Ehre und Auszeichnung für Hendrik Otto, als das berühmte Champagnerhaus Krug ihn

einlud, an seinem Single-Ingredient-Konzept mitzuwirken – schließlich werden dafür nur wenige ausgewählt.

Hendrik Otto, Jahrgang 1974, ist einer der besten Köche Deutschlands; er hat schon in Harald Wohlfahrts

Drei-Sterne-Restaurant Schwarzwaldstube in Baiersbronn gearbeitet. Seit fast zehn Jahren kocht er im Lorenz

Adlon Esszimmer in Berlin, das seit 2012 zwei Sterne hält. Die Maison Krug begann 2015, jedes Jahr ein

anderes Lebensmittel oder Gewürz in den Mittelpunkt seiner Zusammenarbeit mit Köchen aus der ganzen

Welt zu stellen: Die Zutat soll von Grund auf entdeckt und erforscht werden, es sollen raffnierte Geschmackskompositionen

und ein möglichst perfektes Zusammenspiel mit Champagner entstehen. Nach Kartoffel, Ei,

Pilz und Fisch dreht sich heuer alles um »Pepper« – was in diesem Fall die variationsreiche Palette von Chilischoten

über Pfeffer bis zur Paprika meint. Hendrik Otto hatte aber auch Respekt vor dieser Aufgabe, sogar

ein wenig Skepsis machte sich bei ihm breit. »Wie fasse ich das Thema an?«, fragte er sich vor der Reise nach

Mexiko. »Und wie werde ich Krug gerecht?« Champagner aus diesem Haus ist für ihn mehr als ein nobles

Getränk mit Schaum und Bläschen, da könne er »sich reindenken wie in einen großen Wein. Es gibt viele

Champagner, aber Krug ist einzigartig.«

34 FINE 4 | 2019 CHAMPAGNE

CHAMPAGNE FINE 4 | 2019 35


FRÜHBURGUNDER

AUS DEM

HÖLLENBERG

Von KRISTINE BÄDER Fotos GUIDO BITTNER

Außerhalb von Deutschland kennt man den Frühburgunder kaum. Das mag

daran liegen, dass das Antonym zum Spätburgunder in anderen Sprachen nicht

funktioniert. Zum französischen Pinot Noir oder dem italienischen Pinot Nero

lässt sich eben schwer ein sprachlicher Gegensatz formulieren. Immerhin gibt es in

Frankreich und Italien den Versuch, mit dem Zusatz »précoce« oder »precoce«

auf das herausstechende Unterscheidungsmerkmal zum Spätburgunder hinzuweisen:

seine deutlich frühere Reife.

In den 1960er Jahren war Frühburgunder fast komplett aus

den deutschen Weinbergen verschwunden. Nur noch etwa

fünfzehn Hektar standen unter Ertrag, das Aus der Rebsorte

schien besiegelt. Gerade noch rechtzeitig entschied man

sich in der Forschungsanstalt in Geisenheim, sein Potential

doch noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Durch gezielte

Erhaltungszüchtung und Klonenselektion konnte man dessen

schlechteste Eigenschaft im Anbau – die Anfälligkeit für die

Blattrollkrankheit und damit eine verminderte Blütefestigkeit –

deutlich verbessern. Heute wächst die Sorte immerhin wieder

auf knapp zweihundertfünfzig Hektar, mit Schwerpunkten in

Rheinhessen, der Pfalz und an der Ahr.

Einer der ambitioniertesten Frühburgunder-Erzeuger

kommt allerdings aus Franken. Paul Fürst hat die Rebsorte

nie ganz aufgegeben; inzwischen sind es knapp zwei Hektar,

die er mit seinem Sohn Sebastian bewirtschaftet. Das ergibt

auch historisch einen Sinn: Immerhin stammt das älteste

Dokument zum Frühburgunder aus dem fränkischen Bürgstadt

und datiert aus dem Jahr 1875. Nur im rheinhessischen

Ingelheim gibt es eine ähnlich lange Tradition der Sorte. Die

zweite Region, in der man nie aufgehört hat, sich dem Frühburgunder

zu widmen, liegt ausgerechnet im Rheingau. Im

Assmannshäuser Höllenberg steht er neben den berühmten

Spätburgunder-Reben. »Es ist eine sehr fordernde Sorte, noch

mehr Diva als der Spätburgunder«, erklärt Dieter Greiner von

den Hessischen Staatsweingütern Kloster Eberbach. In der

Domäne Assmannshausen stellt man sich in jedem Jahr der

Herausforderung, »im Wettlauf gegen die Zeit den richtigen

Erntezeitpunkt zu erwischen.« Der Höllenberg im Westen des

Rheingaus gilt als eine der besten Rotweinlagen Deutschlands.

48 FINE 4 | 2019 RHEINGAU

RHEINGAU FINE 4 | 2019 49


DER

WEINDESIGNER

AUF CAPICHERA, IM NORDEN SARDINIENS, HAT

EMANUELE RAGGNEDA SEINE LANGSAM

WACHSENDE LEIDENSCHAFT FÜR WEIN ENTDECKT

Von KRISTINE BÄDER

Fotos JOHANNES GRAU

Emanuele Raggneda liebt Vermentino. Für einen Weingutsbesitzer

auf Sardinien mag das selbstverständlich sein, aber

seine Liebe geht weit über das übliche Maß hinaus. Nicht

ohne Grund gelten die Vermentinos der Tenuta Capichera

inzwischen als die besten auf der Mittelmeerinsel, und selbst

auf dem Festland spricht man von einem der besten Weißweine

Italiens. Das liegt an der intensiven Auseinandersetzung

des Winzers mit der Weißweinsorte und dem Mut,

deren zahlreiche Möglichkeiten immer weiter auszuloten.

74 FINE 4 | 2019 SARDINIEN

SARDINIEN

FINE 4 | 2019 75


IDOL UND IDEAL

IM LESEHOF VON URBAN

UND DOMINIQUE STAGÅRD

IN KREMS-STEIN DREHT SICH

FAST ALLES UM RIESLING

Von LUZIA SCHRAMPF

Fotos RUI CAMILO

»Der Riesling ist meine Sorte«, sagt Urban Stagård, und das ist nicht

zu übersehen: »Riesling« ist auf die Innenseite seines rechten Unterarms

tätowiert und steht auf seiner Kappe, die er wie eine Art Markenzeichen

trägt. Ausgelöst wurde die Rieslingbegeisterung, die er mit

seiner Frau Dominique teilt, durch ein Wow-Erlebnis mit einer Probekiste

deutscher Rieslinge des Jahrgangs 2007, »querbeet aus allen

möglichen Weinbaugebieten, die uns gezeigt hat, was Riesling sein

kann«. Es folgten weitere Kisten deutsche Rieslinge aller Gewichtsklassen,

angefangen beim Gutswein. »Danach begannen wir darüber

nachzudenken, was wir an Weingärten haben und wie wir den Betrieb

anlegen könnten«, erzählt der Winzer.

86 FINE 4 | 2019 ÖSTERREICH

ÖSTERREICH

FINE 4 | 2019 87


DAS KAMP TAL

TRADITION, TERROIR UND TATKRAFT

Von LUZIA SCHRAMPF

Fotos JOHANNES GRAU

Das Kamptal hat erstklassige Voraussetzungen, um Spitzenweine zu erzeugen. Es ist ein Cool-

Climate-Gebiet par excellence, dessen Möglichkeiten eine innovationsfreudige Winzergeneration

jeder Altersstufe heute klug zu nutzen versteht. Viel Finesse und sehnige Kraft zeichnen die Weine

des Kamptals aus. Ihre Power beruht nicht auf Alkohol, sondern auf dem Spiel mit den komplexen

Bestandteilen in ihrer Struktur: Frucht, Mineralität, Frische, Tiefgang. Meist ist es Grüner Veltliner,

der knapp zweitausend der insgesamt dreitausendneunhundert Hektar des Anbaugebiets einnimmt.

Daneben ist Riesling mit rund vierhundert Hektar die einzementierte Nummer zwei in

der Rebsortenstatistik.

94 FINE 4 | 2019 ÖSTERREICH

ÖSTERREICH

FINE 4 | 2019 95


DAS GROSSE DUTZEND

GAIA & REY

Von KRISTINE BÄDER

Fotos GUIDO BITTNER

»Weißwein aus dem Piemont – das heißt für die

meisten immer noch Moscato oder Arneis.« Gaia

Gaja weiß, wie schwierig es ist, das Image einer

Region zu verändern. »Obwohl Italien fast komplett

vom Meer umgeben ist, sind wir ein Rotweinland«,

konstatiert sie. Weißwein aus Italien, der sei schon

vor vierzig Jahren bestenfalls aus Soave oder dem

Friaul gekommen. Auch heute denke man höchstens

an Fiano aus Kampanien.

Als ihr Vater Angelo Gaja 1979 die ersten Parzellen des

1859 gegründeten Weinguts im Piemont mit Chardonnay

bepflanzte, waren ihm die Skepsis und der Spott der

Kollegen sicher. Chardonnay im Piemont passte nicht in deren

Vorstellung. Dabei schienen die schweren Lehmböden mit dem

hohen Kalkanteil die beste Voraussetzung für Chardonnay zu

bieten. Zuvor hatte der Winzer schon mit Sauvignon Blanc und

sogar mit Riesling experimentiert. »Es gelang uns aber nicht,

die Mineralität, wie man sie aus Deutschland kennt, in den Wein

zu bekommen.« Angelo Gajas Ziel war es, einen Weißwein zu

keltern, der sowohl zur Spitze Italiens gehören sollte als auch

lange reifen konnte. »Mein Vater hat schon früh begonnen,

sich um Weine mit Kontinuität zu bemühen«, sagt Gaia Gaja.

In gleich zweierlei Hinsicht war Angelo Gajas Initiative

eine Premiere: Nicht nur, dass er als Erster Chardonnay im

Piemont anpflanzte. Er entschied sich auch, einen Weißwein

im Barrique auszubauen – ein Novum im italienischen

Weinbau. Die Reben für den Gaia & Rey in der Alta Langa

wachsen in rund dreihundertfünfzig Metern Höhe in einer

104 FINE 4 | 2019 DAS GROSSE DUTZEND

DAS GROSSE DUTZEND FINE 4 | 2019 105


STEFAN PEGATZKY WEINHAMMER: DAS AUKTIONSJAHR 2019

AUF DÜNNEM EIS

Robust, mit einigen spektakulären Höhepunkten – trotz Rezessionsangst,

Handelskonflikten und geopolitischen Unsicherheiten war 2019 ein

starkes Weinauktionsjahr. Die dunklen Wolken am Horizont künden für

manche nun von einem Wetterwechsel. Sind sie möglicherweise sogar

die Vorzeichen eines grundsätzlicheren »Klimawandels«?

Foto: Sotheby’s

Er hat es wieder getan. Nach den Weltrekorden von 2018

im Oktober (Bonhams, Edinburgh) und November

(Christie’s, London) stellte ein Macallan 1926 Single

Malt am 24. Oktober mit 1,7 Millionen Euro zum dritten Mal

in Folge den Höchstpreis für »Wine & Spirits« auf, diesmal

im Rahmen der Auktion »The Ultimate Whisky Collection«

von Sotheby’s in London. Ein weiteres Beispiel dafür, dass

Spirituosen im internationalen Auktionsgeschäft längst aus

dem Schatten der unlängst noch dominierenden Weinwelt

getreten sind. Das hat sich freilich nicht nur unter Sammlern,

sondern auch bei internationalen Investoren herumgesprochen.

Im »Wealth Report 2019« von Knight Frank Research notierte

Ultrapremium-Whisky zum vierten Quartal 2018 als Anlageklasse

auf Platz 1 mit einer Gewinnspanne in zwölf Monaten

von 40 Prozent und in zehn Jahren von sagenhaften 582 Prozent.

Womit nicht nur alle anderen Luxus-Anlageklassen wie

Kunst, Oldtimer und Schmuck um Längen geschlagen wurden,

sondern selbstverständlich auch klassische Anlageformen wie

Aktien oder Gold.

Auch wenn sich diese Werte bis zum Ende des zweiten

Quartals 2019 auf 23 beziehungsweise 540 Prozent abschwächten:

An der Tatsache, dass mit Whisky ein neuer, hell leuchtender

Stern am Sammlermarkt aufgegangen ist, gibt es längst keinen

Zweifel mehr. Angetrieben wird diese Entwicklung von, wie

könnte es anders sein, Asien. Seit einigen Jahren sprießen

etwa in Chinas Großstädten Whisky-Bars aus dem Boden –

darunter so einzigartige Projekte wie die Macallan Whisky Bar

& Lounge in Macau oder die futuristische, in ihrer Architektur

von einer kupfernen Brennblase inspirierte Inns Whiskey Bar in

Chengdu –, während der chinesische Whisky-Tourismus nach

Schottland solche Ausmaße angenommen hat, dass unlängst

ein Direktflug von Beijing nach Edinburgh eingerichtet wurde.

Nach Angabe des Hurun-Reports über chinesischen Luxuskonsum

beträgt der Durchschnittsverkaufspreis einer Flasche

Whisky in China 83 Dollar, wobei drei von zehn Käufern auch

bereit wären, mehr als 159 Dollar auszugeben. Und natürlich

wird auch der Ersteigerer des Weltrekord-Macallan im Fernen

Osten vermutet. »Es scheint«, so Sami Robertson von Knight

Frank in Singapur, dass in Asien »Single Malts den Wein abgelöst

hätten«. Für die Luxusweinbranche wäre das ein Horrorszenario.

Blickt man auf die Auktionsergebnisse und Verkaufszahlen

des Fine-Wine-Markts im vergangenen Jahr, so deutet

zunächst wenig in diese Richtung. Die Auswertung des

»Wine Spectator« über die Weinauktions ergebnisse 2018 zeigt

ein weltweites Wachstum von 26 Prozent – in vorderster Front

Hongkong und Shanghai mit satten 40 Prozent Plus – wobei allein

Sotheby’s, der Marktführer bei Saalauktionen, um 112 Prozent

zulegen konnte, was zusammen mit dessen New Yorker Ergebnissen

für einen Rekordumsatz von mehr als 100 Millionen Dollar

sorgte. Ende November kam eine weitere Rekordmeldung, diesmal

aus Burgund: die jährliche Weinversteigerung der Hospices

de Beaune hatte einen nie dagewesenen Auktionsumsatz von

14,2 Millionen Euro erreicht.

Doch zu dieser Zeit stürzten bereits die internationalen

Aktienindices in den Keller, und Rezessionsangst machte, nicht

Kein Wein, aber der Hammer: Für

schwindelerregende 1,7 Millionen

Euro wechselte der Macallan Single

Malt 1926 bei Sotheby’s in London

den Besitzer.

zuletzt aufgrund drohender Handelskriege, die Runde. Mit

großer Spannung waren daher die Frühjahrversteigerungen

2019 erwartet worden – und siehe da: von Schwäche keine

Spur. Das lag auch daran, dass die führenden Auktionshäuser

auf zwei Erfolgsrezepte setzten, die sich – nach den Fälscherskandalen

der letzten Jahrzehnte – bewährt hatten: Verkäufe

von berühmten Einzelsammlerkollektionen und Direkt verkäufe

von Top-Domänen. Zachys in New York verdoppelte im März

mit 13,6 Millionen Dollar bei der diesjährigen Ausgabe von

»La Paulée« aus den Kellern ausgesuchter Burgund-Winzer

nahezu seine Ergebnisse des letzten Jahres. Gut zwei Wochen

später verdoppelte das Haus auch die Schätzungen einer

spektakulären Ex-Keller-Auktion von Château Lafite-Rothschild.

Dabei wurden, mit Jahrgängen von 1869 aufwärts, nahezu die

Preise der legendären Hongkong-Auktion von 2010 erreicht,

ebenfalls mit Beständen direkt vom Château, die seinerzeit

mit ihren aberwitzigen Rekorden den Gipfelpunkt des China-

Wein-Hypes markiert hatte.

Auktionshaus der Stunde aber war erneut Sotheby’s.

Dessen Ende März mit Spannung erwartete

»Tran-scend-ent«-Versteigerung eines anonymen,

dem Vernehmen nach asiatisch-stämmigen Sammlers aus

der fünften Generation von Immobilienentwicklern, war

als höchstgeschätzte Weinauktion aller Zeiten angekündigt

worden. Und tatsächlich entsprach die Veranstaltung – fast –

allen Erwartungen: Mit einem Umsatz von 29,8 Millionen

Dollar erzielte sie den Weltrekord – zumindest für eine Weinversteigerung

aus Privatbesitz –, einzig die Genfer Baghera-

Versteigerung von 2018 aus dem Nachlass des Burgund-Winzers

Henri Jayer blieb unerreicht. Star der Auktion war auch hier

die Bourgogne, insbesondere ein Lot von zwölf Flaschen

Romanée-Conti von 1990 für 348 000 Dollar. Am Tag darauf

versteigerte Sotheby’s ebenfalls in Hongkong in einer heftig

umkämpften Wohltätigkeitsauktion die ersten Kisten der auf

fünfundsiebzig Exemplare limitierten Versailles-Celebration-

Edition von Château Mouton Rothschild. Glorreiche Tage, die

für Adam Bilbey, Chef von Sotheby’s Wine Asia, bekräftigte,

dass »Hongkong der wichtigste Auktionsort der Welt« sei.

Zur gleichen Zeit senkte sich bereits ein tiefer Schatten über

diese Einschätzung. Mitte Februar war vom Security Bureau

der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong ein Gesetzentwurf

vorgelegt worden, der die Auslieferung von verdächtigen

Straftätern nach Festland-China ermöglichen sollte. Tatsächlich

hatte Peking der Sonderverwaltungszone nach dem Prinzip »Ein

Land, zwei Systeme« für den Zeitraum von fünfzig Jahren ein

weitgehend unabhängiges, rechts staatliches System zugesichert.

Erste Demonstrationen begannen im März – am 16. Juni gingen

zwei Millionen Menschen gegen das geplante Auslieferungsgesetz

auf die Straße. Ab August 2019 eskalierte der Protest.

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WEINHAMMER

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FINEABGANG

WERTSCHÄTZUNG

Die Deutschen haben den Ruf von Schnäppchenjägern, und Untersuchungen

scheinen dieses zweifelhafte Renommee zu belegen: Im internationalen

Vergleich kauft niemand so preisbewusst wie das Volk der Dichter und

Denker. Zumindest was die Preise betriff, denken wir also ziemlich viel, offensichtlich

aber nicht weit genug. Denn den Sinngehalt dieser Mentalität kann man

getrost anzweifeln. Dass die signalroten Streichpreise, zu denen ein Produkt

angeboten wird, nur deshalb machbar sind, weil der angebliche Originalpreis

zuvor entsprechend angehoben wurde, ist fast zwingend logisch.

Der Kampf um den Kunden geht hierzulande trotzdem immer mehr über den

Preis. Das hat inzwischen auch den Weinmarkt erreicht. Wer Wein kauft, sucht

im Netz nach dem billigsten Anbieter. Lockvogelangebote bringen die Kunden

auf die entsprechende Homepage – wo dann der eben noch so günstige Wein

auf einmal doch nicht mehr so günstig oder gar nicht mehr zu haben ist. Oder –

im besten Fall – der Dumpingpreis gilt für die einzige noch verfügbare Flasche.

Seien wir ehrlich: Jeder in der Kette muss sein Geld verdienen, das Weingut, der

Importeur, der Händler. Hinter Schnäppchen aber verbergen sich halt gern auch

Mogelpackungen, zumindest bei qualitativ anspruchsvollen Produkten. Ob das

den zeitlichen Aufwand wert ist, den die Schnäppchensuche kostet, muss jeder

selbst entscheiden.

Ralf Frenzel

Herausgeber

V O N G R U N D A U F E I N Z I G A R T I G .

VDP.WEINGUT ST. ANTONY GMBH & CO. KG · WILHELMSTRASSE 4 · 55283 NIERSTEIN · WWW.ST-ANTONY.DE · TEL: + 49 6133 50911-0 · INFO@ST-ANTONY.DE

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