IKZplus ENERGY

strobel.verlag

IKZ-ENERGY berichtet über den Einsatz von Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz in Gebäuden. Das Themenspektrum reicht von der Photovoltaik über die Solarthermie, Bioenergie, Geothermie, energieeffiziente Heiztechnik bis hin zur Systemintegration, Gebäudeautomation und weiteren EE-Themen

IKZplus 11/12 | November 2019

www.ikz.de

Intelligente Verteilung von PV-Strom

www.resol.de

Saisonale Wärmespeicher Seite 10

Schaltbare Wärmedämmung Seite 16

Freiflächenheizung Seite 22


jetzt auch auf

Folge uns auf Instagram!


INHALT/INTRO

4 Firmen & Fakten

19 Impressum

34 Tipps & Trends

Sonnenenergie

6 „Die Komplexität der zu installierenden Systeme steigt“

Interview mit Norbert Betzl (Solarwatt) zu PV-Anlagen,

Aufdach- und Indachmontage.

10 Wiederentdeckte Langzeitparker

Saisonale Wärmespeicher erfahren im Zuge der

Energiewende eine neue Bedeutung.

Energieeffizienz

14 Altbausanierung mit Signalwirkung

Haus aus dem Jahr 1850 zu einer zeitgemäßen Wohn- und

Arbeitswelt umgebaut.

16 Fassaden mit variablen Wärmedämmwerten

Am ZAE Bayern werden Dämmungen entwickelt, die Wärme

zuführen oder ableiten können.

20 Klimaschützender einkaufen gehen

Oldenburger Pilotprojekt zeigt Einspar-Potenzial für

Supermärkte auf.

22 Väterchen Frost die Stirn bieten

Einsatzfelder, Verlegung und Auslegung, Wärmebereitstellung

und Regelung von Freiflächenheizungen

Die Weichen sind gestellt

Kritik am neuen Klimapaket der

Bundesregierung hagelte es von

Anfang an. Zu weich formuliert

sei es, zu viele Ausnahmen gäbe

es. Unabhängig dieser in Teilen

sicher berechtigten Argumente

sind die Weichen inzwischen

gestellt. Für Planer, Handwerker

und Immobilienverantwortliche

stellen sich deshalb vor

allem zwei Fragen: Wann kommen

die angekündigten Förderbausteine,

Austauschprämien, steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten?

Werden die Fördermaßnahmen auch rückwirkend

gewährt? Diese Fragen sind berechtigt, denn der Verbraucher

und damit Entscheider ist derzeit verunsichert. Er überlegt, ob

er die geplante Sanierungsmaßnahme durchführen oder noch

ein bisschen warten soll. Handwerksverbände sprechen bereits

von Auftragsstornierungen in Millionenhöhe. Der Sog könnte

auch die Erneuerbare-Energien-Branche treffen. Das wäre bitter,

denn ausgereifte Techniken für die Strom- und Wärmewende

stehen zur Genüge zur Verfügung, einige stellen wir in dieser

Ausgabe vor. Die Bundesregierung steht nun in der Pflicht,

rasch für klare Verhältnisse zu sorgen.

Markus Sironi

Chefredakteur

m.sironi@strobelmediagroup.de

Bioenergie

26 Nummer sicher ist planbar und kein Hexenwerk

Bekanntes und Neues zum Thema Befüllen, Lagern,

Lagerbau und Entnahme von Holzpellets.

Smart Energy

30 „Wir wollen eine Volksladebox“

Kosten für die E-Ladesäule in Speisen, Mitgliedsbeiträge

oder Jahreskarten einkalkulieren.

10

Bild: Solites

32 Nachhaltiges Energiemanagement

Bio-Hotel im Allgäu steigert Grad der Eigenstromnutzung

durch Energiespeicher auf mehr als 70 %.

Bild: Tim Reckmann, Pixelio

16 22

Bild: Rehau

11/12/2019 www.ikz.de 3


News-Ticker

Batterien statt Module

Freiberg. Das ehemalige Werk in Freiberg

des insolventen Solarmodulherstellers

Solarworld erhält eine Nachnutzung: Der

Staplerspezialist JT Energy Systems übernimmt

den Standort und will dort ab

2020 Batteriesysteme sowie Ladegeräte

für Gabelstapler und Hubwagen montieren.

Wasserstoff-Heizkessel

Rozenburg/Niederlande. Im niederländischen

Rozenburg nahe Rotterdam hat

die BDR Thermea Gruppe ein Pilotprojekt

gestartet, bei dem der weltweit erste

wasserstoffbetriebene Haushaltskessel

unter realen Bedingungen betrieben

wird. Der Kessel verbrennt Wasserstoff,

der mithilfe von Wind- oder Sonnenenergie

erzeugt wird. Nach dem ersten

Pilotversuch in den Niederlanden soll in

Großbritannien ein weiterer Feldversuch

starten.

Nächster Meilenstein

für HPS

Berlin, Zandt. Die Zollner Elektronik AG

wird für die Berliner Home Power Solutions

GmbH (HPS) Picea-Geräte fertigen.

Das im bayerischen Zandt ansässige Unternehmen

kann nach eigenen Angaben

in den kommenden Jahren jährliche

Produktionskapazitäten für Geräte im

4-stelligen Bereich sicherstellen. Mit

Picea wird Wasserstoff in einer Brennstoffzelle

in Strom und Wärme umgewandelt.

So sollen Häuser komplett autark

versorgt werden.

1000-Dächer PV-Programm

Bochum. Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen,

Vonovia aus

Bochum, will in den kommenden

Jahren mindestens 1000 Dachflächen

mit PV-Modulen ausrüsten. Vonovia

f okussiert sichdabei zunächst auf seinen

Immobilien bestand. Die ersten Anlagen

wurden bereits installiert.

PV per Crowdfunding

Hecklingen/Sachsen-Anhalt. Der Baustart

der ersten förderfreien Freiflächen-

Solaranlage Deutschlands, die komplett

durch Crowdfinanzierung realisiert wurde,

ist erfolgt. Der Online-Marktplatz

Enyway baut diese Anlage zusammen

mit BayWa r. e. in Hecklingen/Sachsen-

Anhalt. Sie hat eine Gesamtleistung von

1,3 MW.

EEG-Umlage steigt

Bonn. Nachdem die EEG-Umlage zuletzt

zweimal in Folge gesunken war, steigt sie

nun wieder an. Laut Bundesnetzagentur

beträgt die Umlage im kommenden Jahr

6,756 ct/kWh, das ist eine Steigerung um

0,351 Ct. Fachverbände warnen davor,

dass dies von Energieversorgern in Richtung

höherer Strompreise ausgenutzt

werden könnte.

FIRMEN & FAKTEN

Kurz notiert

Shrimps, Fisch

und Strom

Freiburg, Vietnam. Im Projekt

„Shrimps“ (Solar-Aquaculture Habitats

as Resource-Efficient and

Integrated Multilayer Production

Systems) wollen das Fraunhofer-

Institut für Solare Energiesysteme

ISE und Partner demonstrieren,

dass die doppelte Flächennutzung

durch Aquakulturen und Photovoltaik

sinnvoll ist. Im Mekong-

Delta und am Oberlauf des Mekongs

werden Pilotanlagen installiert

und erprobt.

Aquakulturanlagen in Südostasien

werden aus Hygienegründen

zunehmend mit geschlossenen

Gewächshäusern überbaut, um das Einschleppen von Krankheiten durch Vögel

oder andere Wassertiere zu verhindern. Diese Überdachungen erlauben theoretisch eine

Integration von Solarmodulen.

Den ersten Analysen zufolge kann die 1 MW große Pilotanlage in Bac Lieu voraussichtlich

etwa 15 000 t CO 2 -Emissionen jährlich einsparen und den Wasserverbrauch im Vergleich

zu einer konventionellen Shrimp-Farm um 75 % senken. Eine weitere Anlage mit

400 kW Leistung wird über einer Aquakulturanlage installiert, in der Welse der Art Pangasius

gezüchtet werden.

www.ise.fraunhofer.de

Geplante Pangasius-Photovoltaik-Anlage zur autarken

Energieversorgung in An Giang. Die Solarmodule werden

über der Wasserfläche aufgeständert. Nebeneffekt: Sie

verringern so den Wasserverbrauch durch Verdunstung,

aber auch die Verluste durch fischfressende Vögel.

Energielabel für Heizkessel geändert

Stuttgart. Aufgrund verschärfter Anforderungen hat sich die Skala des EU-Energielabels

für neue Heizkessel geändert: Hinzu gekommen ist die neue Effizienzklasse A +++ , die Stufen

E bis G entfallen. Darauf weist Zukunft Altbau hin, das vom Umweltministerium Baden-Württemberg

geförderte Informationsprogramm rund um die energetische Sanierung.

Heizungen, die regenerative Energien nutzen, erhalten ein A +++ , ein A ++ oder ein A + .

Das ist bei Solarkollektoren als Ergänzung zur Wärmeerzeugung der Fall, bei den meisten

Holzheizungen und bei effizienten Wärmepumpen. KWK-Anlagen können die Noten A +++

bis B erhalten. Gasheizungen und Ölheizungen mit Brennwerttechnik liegen auf der Skala

bei A oder B – in seltenen

Fällen auch A + . Eine bessere

Einstufung ist möglich,

wenn die Anlagen mit Erneuerbaren

Energien kombiniert

werden, etwa einer

thermischen Solaranlage

oder einer Wärmepumpe.

Bild: BWP

www.zukunftaltbau.de

Bild: Fraunhofer ISE

Die Skala des EU-Energielabels

für neue Heizkessel

weist nun auch die Kategorie

A +++ auf. Die Stufen E bis G

sind entfallen.

IKZplus • IKZ-ENERGY 11/12/2019


FIRMEN & FAKTEN

Kurz notiert

Heimspeichermarkt: Zahlen nach oben korrigiert

Bonn. Aufgrund des starken Marktwachstums auf dem Heimspeichermarkt

in Deutschland 2018 prognostizierte das Marktforschungsinstitut

EuPD Research Anfang des Jahres für 2019 gut

51 000 Neuinstallationen von Heimspeichern in Deutschland.

Selbst dieser im Vergleich zu 2018 gesteigerte Wert wird wahrscheinlich

um fast 10 000 Einheiten übertroffen.

Für das erste Halbjahr 2019 errechnet EuPD Research eine Anzahl

von Heimspeicherinstallationen im deutschen Markt von

28 900 Stück, wobei diese sowohl Neuinstallationen als auch

Nachrüstsysteme für bestehende Photovoltaikanlagen umfasst.

Die Zahlen der vergangenen Jahre belegen, dass im zweiten Halbjahr

mehr Photovoltaikanlagen und damit einhergehend Heimspeichersysteme

installiert werden. Auf dieser Basis prognostiziert

EuPD Research

für das

Gesamtjahr

2019 eine Anzahl

von 60 500

Speicherinstallationen

in Deutschland und damit erstmals über der 60 000er-

Installationsmarke. Dies bedeutet ein Wachstum von einem Drittel

gegenüber dem Vorjahr.

In Bezug auf die Marktpositionierung der verschiedenen Anbieter

in Deutschland zeigt die aktuelle Analyse wie in den Vorjahren

das bayerische Unternehmen Sonnen auf dem ersten

Platz. Mit BYD und LG Chem folgen zwei asiatische Hersteller

auf den Plätzen zwei und drei. Mit den heimischen Anbietern

E3/DC und SENEC komplettieren sich die ersten fünf Ränge der

größten Anbieter von Heimspeichern in Deutschland im ersten

Halbjahr 2019.

www.eupd-research.com

Bild: EuPD Research

In diesem Jahr

wird erstmals die

Marke von 60 000

Neuinstallationen

überschritten.

Der Heimspeichermarkt

wächst

gegenüber dem

Vorjahr um ein

Drittel.

Photovoltaik in der Nordsee

Brüssel. Ein Konsortium aus den Unternehmen Tractebel, Jan De

Nul Group, DEME, Soltech und der Universität Gent will in der

belgischen Nordsee ein Offshore-Solarkraftwerk errichten. Die

Partner des Konsortiums sind nach eigenen Angaben die ersten,

die eine Offshore-Solarlösung in der Nordsee erproben wollen.

Ihr Ziel ist es, Offshore-Solarkraftwerke in der belgischen

Nordsee zu realisieren – eventuell in Kombination mit Windrädern

oder Aquakulturen. Der Zeitpunkt der Realisierung ist

noch offen. Damit die Solartechnologie in rauen Offshore-Umgebungen

funktioniert, müssen die bisherigen PV-Module so angepasst

werden, dass sie Salzwasser sowie starken Strömungen

und Wellen standhalten. Darüber hinaus muss ein Konzept für

die Schwimmerstruktur entwickelt werden.

www.tractebel-engie.com

Bild: Pixabay

Windkraft auf dem Meer gibt es schon. Ein Konsortium will nun

erproben, Offshore-Solarkraftwerke in der Nordsee zu errichten.

11/12/2019 www.ikz.de 5


SONNENENERGIE

PV-Montagesysteme

„Die Komplexität

der zu installierenden Systeme steigt“

Interview mit Norbert Betzl (Solarwatt) zu PV-Anlagen, Aufdach- und Indachmontage

Solarwatt hat erst jüngst einen dicken Fisch an Land gezogen über einen 1 MW-Auftrag von Deutschlands größtem Wohnungsunternehmen

Vonovia im Rahmen dessen 1000-Dächer PV-Programms. Der EEG-Debatte zum Trotz boomt die Photovoltaik in Deutschland.

Ein wesentlicher Bestandteil der Wettbewerbsfähigkeit ist neben guten Modulen die ihr zugrunde liegende Montage. Wir sprachen

mit Norbert Betzl, bei Solarwatt als Director Product Management Solar Modules verantwortlich für das Solarmodul-Portfolio über

Aufdach- und Indachsysteme und wie sich die Situation für Planer und Installateure weiter entwickeln wird.

ZUR PERSON:

Der studierte Geophysiker Norbert

Betzl ist seit 2004 in verschiedenen

Positionen in der Solarindustrie

tätig – u.a. in der Produktentwicklung

und -prüfung sowie im

Produktmanagement. Heute verantwortet

er als Director Product

Management Solar Modules das

Solarmodul- Portfolio von Solarwatt.

Energieversorgung aus erneuerbaren

Quellen, verbunden mit der

Ermächtigung der Bürger zu weitreichender

Entscheidungsfreiheit bei

ihrer Strom- und Wäremversorgung,

treiben ihn an.

Bild: Solarwatt

IKZ-ENERGY: Herr Betzl, überlassen Modulhersteller

den Solarteuren, mit welchen

Montagesystemen sie die Module

beim Endkunden verbauen? Wie macht

es Solarwatt?

Norbert Betzl: Grundsätzlich liegt es

in der Verantwortung des Solarteurs,

welches Montagesystem er auswählt. Für

Aufdachsysteme empfehlen wir die Montagesysteme,

die wir als Handelsware im

Portfolio haben und die der Solarteur über

unseren Online-Shop gleich mitbestellen

kann. Wir unterstützen ihn durch Online-

Konfiguratoren bei der Auswahl und Auslegung

des gesamten Systems. Solarwatts

Indach-Lösung EasyIn ist PV-Modul und

Montagesystem in einem, dabei spart sich

der Installateur die Auswahl komplett.

IKZ-ENERGY: Was sind die Vorteile von

Aufdach-Montagesystemen im Vergleich

zu Indach-Lösungen – was sind die Nachteile?

Norbert Betzl: Der Vorteil bei einer Aufdach-Anlage

ist, dass der Installateur

nicht die Kompetenzen eines Dachdeckers

braucht. Für ihn ist die Installation

dadurch einfacher. Prinzipiell kann

auf jedes geeignete Dach eine Aufdach-

PV-Anlage installiert werden. Da man

bei einer Indach-Anlage in die bestehende

Dachkonstruktion eingreift, empfielt

sich diese Variante vor allem für einen Gebäude-Neubau

oder bei einer Dachsanie-

Bild: Solarwatt

Die Montage eines PV-Systems wird

mehr und mehr ein Schlüssel in der

Wett bewerbsfähigkeit von Solarteuren. Die

Systeme vereinfachen sich. Aufdach-Lösungen

sind noch in der Mehrzahl. Aber Indach-

Lösungen gewinnen an Fahrt.

6 IKZplus • IKZ-ENERGY 11/12/2019


SONNENENERGIE

PV-Montagesysteme

Bild: Solarwatt

Die Nachfrage nach PV boomt. „Der Fachkräftemangel macht auch vor der Berufsgruppe der

Elektroinstallateure und Solarteure nicht halt. Für eine fachgerechte Installation einer PV-

Anlage ist es notwendig, sich nicht nur auf oberflächlich angelernte, mobile Arbeitskräfte zu

verlassen, wenn die Anlage in der gebotenen Qualität realisiert werden soll“, sagt Norbert Betzl.

rung. Obwohl beide Anlagearten gleich

zuverlässig sind, gilt das edle Design der

Indach-Variante als großer Vorteil. Dadurch,

dass sich die Module harmonisch

in die Dachhaut einfügen, konnten sogar

schon denkmalgeschützte Gebäude mit

einer PV-Anlage ausgerüstet werden. Die

Indach-Module sind etwas teurer als ihre

Pendants für die Aufdach-Montage, dafür

spart man sich aber die unnötige Material-Doppelung

Dachhaut-Solarmodul

auf der Fläche, auf der die Module installiert

werden.

IKZ-ENERGY: Welche allgemeinen Trends

gibt es am Markt? Oder sind Montagesysteme

im Grunde genommen technisch

ausgereizt? Renusol hat bspw. eine neue

Universalklemme für Glas-Glas-Module

auf den Markt gebracht, die Installateuren

noch mehr Zeitersparnis verspricht – geht

es noch um Innovationen, vor denen die

Montagesystem-Hersteller stehen, vielleicht

auch angesichts sich verändernder

Modultechnik?

Norbert Betzl: Die Branche tendiert zu

einfacheren Montagesystemen, die mit

weniger Einzelteilen die zügige Montage

von PV-Anlagen ermöglichen. Damit

spart der Installateur Kosten, andererseits

trägt es der angespannten Arbeitskräftesituation

Rechnung. Gleichzeititg wird ein

ansprechendes Erscheinungsbild der PV-

Anlage für die Kunden immer wichtiger.

Ausgereizt sind Dinge aber immer nur so

lange, bis wieder jemand eine geniale Idee

hat. Dementsprechend werden die Innovationen

nicht aufhören. Das Zusammendenken

des Modulrahmenkonzepts und

des Montagesystems bietet beispielsweise

noch einiges an Potenzial, aber auch viele

zu lösende Herausforderungen.

IKZ-ENERGY: Was werden die Herausforderungen

für das Handwerk bei der Montage

von PV-Anlagen in Zukunft sein –

auch angesichts neuer technischer und

markttechnischer Entwicklungen?

Norbert Betzl: Der Fachkräftemangel

macht auch vor der Berufsgruppe der

Elektroinstallateure und Solarteure nicht

halt. Für eine fachgerechte Installation einer

PV-Anlage ist es notwendig, sich nicht

nur auf oberflächlich angelernte, mobile

Arbeitskräfte zu verlassen, wenn die Anlage

in der gebotenen Qualität realisiert werden

soll. Dies gilt noch mehr für Indachanlagen.

Sobald sich die Situation im

Arbeitsmarkt wieder entspannt, wird allerdings

der Kostendruck im Wettbewerb

wieder relevant. Es ist nicht einfach, hier

eine Balance zu finden.

Auf die Anlage selbst bezogen, wird

sich die mechanische Montage der PV-Anlage

weiter vereinfachen. Allerdings steigt

die Komplexität der zu installierenden

Systeme: Immer häufiger sind PV-Module

in das Energiemanagementsystem zu integrieren

oder mit Speicher und Heizung

zu vernetzen. Sie sind zu Komponenten ei-

Reportagen aus

dem SHK-Handwerk

Die komplette Serie

gibt es auf:

Jetzt registrieren:

www.ikz-select.de

11/12/2019 www.ikz.de


SONNENENERGIE

PV-Montagesysteme

ner Energie-Gesamtlösung geworden. Die

Kunden möchten möglichst wenig Mühe

mit dieser Komplexität haben und erwarten

umfassende, aber für Laien nachvollziehbare

Informationen, bevor ein Angebot

gestellt wird. Das Handwerk braucht

Kompetenzen, komplexe Systeme kundenfreundlich

erklären, planen, installieren

und warten zu können. Entweder

muss der Solarteur diese Kompetenzen

vorweisen oder Akteure unterschiedlicher

Gewerke koordinieren können.

IKZ-ENERGY: Welche Entwicklungen hat

es in jüngster Zeit aus Ihrer Sicht gegeben,

die Indach-Montage wirtschaftlich attraktiver

zu machen als bisher – optisch ist

sie’s ja schon

Norbert Betzl: Die sinkenden Kosten für

PV-Anlagen generell senken auch die

Höhe der Investitionskosten für Indachanlagen

deutlich. Das verringert zwar zunächst

nicht den Preisunterschied Aufdach

versus Indach, aber wenn der Kunde

bzw. der Investor generell deutlich weniger

Geld in die Hand nehmen muss, ist

der Aufpreis für Indach eher bezahlbar.

Auch der zunehmende Trend, Bestandsgebäude

zu sanieren, spricht für den Einsatz

von Indach-Anlagen. Daneben zeigen

sich auch Routine-Effekte bei den Installateuren:

Immer mehr Planer und Solarteure

verlieren ihre Scheu vor dieser Art

PV-Anlage. Und je erfahrener sie im Umgang

mit Indachsystemen sind, desto effizienter

und damit kostengünstiger werden

diese Anlagen in Planung und Installation.

Durch neue Technologien bei

Bild: Vonovia

Der Beginn des Post-EEG-Zeitalters ist privatwirtschaftlich längst schon gesetzt. Der Solarstrom

der Vonovia-Projekte wird heute zwar größtenteils ins öffentliche Netz eingespeist. Mittel- bis

langfristig setzt das Unternehmen jedoch auf eine dezentrale Energieversorgung der eigenen

Quartiere. Das Unternehmen hatte in einem ersten Schritt zunächst seinen Wohnungsbestand

auf PV-Tauglichkeit sondiert. Innerhalb der ersten Tranche werden 210 Gebäude mit PV

ausgerüs tet. Das Programm startet in Dresden und München. Die ersten Anlagen in Dresden

sind bereits installiert.

Solarzellen sind auch die Unterschiede

im Energieertrag der Indachlösungen, die

durch die höheren Betriebstemperaturen

entstehen, signifikant kleiner geworden.

IKZ-ENERGY: Dachziegel halten 60 Jahre

und länger – was halten Sie denen in

puncto Langlebigkeit einer solaren Dachhaut

entgegen?

Norbert Betzl: Auch bei Dachziegeln gibt

es Abstufungen hinsichtlich der Qualität

und Gebrauchsdauer, nicht jeder Ziegel

hält 60 Jahre. Viele Dächer werden nur

für eine Lebensdauer von 35 Jahren ausgelegt.

Die Lebensdauererwartung von

hochwertigen Glas-Glas-Modulen sehen

wir bei mindestens 40 Jahren. Das heißt,

sie können mit Dachziegeln durchaus mithalten.

Auch ein Ziegeldach wird innerhalb

seiner Lebensdauer gewartet, ggf.

werden einzelne Ziegel ausgetauscht. Warum

sollte das nicht für die PV-Dachhaut

genauso legitim sein?

Sind Installateure in der Klemme? „Auf die Anlage selbst bezogen, wird sich die mechanische

Montage der PV-Anlage weiter vereinfachen. Allerdings steigt die Komplexität der zu

installierenden Systeme“, sagt Norbert Betzl.

Bild: Pixabay

IKZ-ENERGY: Gibt es einen signifikanten

Trend hin zum vermehrten Einbau von

Indach-Modulen und worauf lässt sich

das zurückführen aus Sicht von Solarwatt?

Norbert Betzl: Ja, wir sehen einen Trend

bei der Sanierung von Bestandsgebäuden,

konkret beispielsweise bei Projekten, in

denen größere Gebäude im städtischen

Umfeld für eine Umnutzung saniert werden.

Dabei müssen heute die steigenden

Anforderungen der Stadtbildentwicklung

und der energetischen Gebäudesanierung

bestmöglich verbunden werden. Indachanlagen

sind absolut prädestiniert dafür.

(Stadt-)Planer und Anbieter beginnen, diese

Möglichkeiten zu erkennen und zu nutzen.

Die Fragen stellte Dittmar Koop, Fachjournalist

für Erneuerbare Energien

8 IKZplus • IKZ-ENERGY 11/12/2019


Wir setzen Standards – Sie profitieren.

Höchste Systemeffizienz mit der

PLENTICORE plus Speicherlösung

Mit dem PLENTICORE plus und dem BYD-Speicher profitieren Sie in vielfältiger Hinsicht:

• Höchstmögliche Stromkostenersparnis und Reduzierung der CO 2 -Emissionen getestet

bei der HTW Berlin Stromspeicher Inspektion 2019*

• Ertragssteigernde Features, z. B. selbstlernendes Schattenmanagement, dynamische

Wirkleistungssteuerung und intelligentes Batteriemanagement

• Optimale System- und Anschaffungskosten: Hybridwechselrichter (2 in 1) managt Solarmodule

und Speicher

Die KOSTAL-Gruppe – ein weltweit agierendes Familienunternehmen mit über 100 Jahren Erfahrung.

www.kostal-solar-electric.com . Tel.: +49 761 47744-100 . * www.stromspeicher-inspektion.de


SONNENENERGIE

Saisonale Wärmespeicher

Wiederentdeckte Langzeitparker

Saisonale Wärmespeicher erfahren im Zuge der Energiewende eine neue Bedeutung

Saisonale Wärmespeicher dienen zur Speicherung von Wärme für eine Saison, also vom Sommer bis zum Winter. Für sommerliche

Kälteanwendungen kann ebenso Kälte vom Winter bis zum Sommer gespeichert werden. Der Bericht stellt die Technik vor und gibt

einen Überblick.

Die Entwicklung saisonaler Wärmespeicher

begann Ende der 1970er-Jahre nach

den ersten Ölpreiskrisen. Unterstützt

durch Forschungsprogramme wurden

unterschiedliche Speicherbautechniken

und viele verschiedene Speichermaterialien

erforscht. Nach einer zurückhaltenden

Entwicklung in den letzten Jahren

nimmt die Nachfrage nach saisonalen

Wärmespeichern nun wieder zu: Die Forderung

der europäischen Gebäuderichtlinie

nach „nearly zero energy buildings“ im

Neubau unterstützt diese Nachfrage ebenso

wie die weiter fortschreitende Stromund

Wärmewende insbesondere im Bereich

der Fernwärmeversorgung.

Blick über den Tellerrand

Ein Blick nach Dänemark, das schon einen

deutlich höheren erneuerbaren Stromanteil

als Deutschland hat, zeigt außerdem

mögliche zukünftige Entwicklungen auch

für den deutschen Energiemarkt: Erneuerbare

Energien übernehmen vermehrt die

(sommerliche) Stromproduktion vollständig.

Dies führt dazu, dass die vorhandenen

Fernwärmesysteme ihre Wärmequelle

verlieren: Die seither Abwärme liefernden

fossil betriebenen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen

gehen außer Betrieb, da

deren Strom nicht mehr ins Stromnetz

abgegeben werden darf. Hier ergibt sich,

dass je nach technisch-wirtschaftlichen

Randbedingungen der Einsatz von großvolumigen,

multifunktionalen Wärmespeichern

(„saisonale Wärmespeicher“)

und großen solarthermischen Kollektorflächen

eine wirtschaftliche Lösung zur

Sicherstellung der Strom- und Wärmeversorgung

ganzer Siedlungen und Städte

darstellt.

Vier grundlegende Technologien

Seit 1995 wurden die folgenden vier Technologien

für saisonale oder Multifunktions-Wärmespeicher

entwickelt, die jeweils

in mehreren Pilotanlagen in Betrieb

sind:

• Tank-Wärmespeicher. Sie bestehen

meist aus einem ins Erdreich eingelassenen

Stahlbetonbehälter, der außen

wärmegedämmt und im Inneren meist

mit Edelstahlblech wasser(dampf)dicht

ausgekleidet ist. Der Behälter wird mit

Wasser gefüllt, das durch Solarwärme

bis auf 98 °C erwärmt werden kann.

• Erdbecken-Wärmespeicher. Sie entstehen,

indem eine Baugrube wärmegedämmt,

mit Kunststoffbahnen abgedichtet

und mit Wasser gefüllt wird.

Dieser wärmegedämmte Teich wird

durch einen schwimmenden, wärmegedämmten

Deckel geschlossen. Alternativ

liegt der Deckel auf einer wassergesättigten

Kiesfüllung der Speichergrube

auf. Die Maximaltemperatur im

Speicher wird durch die Temperaturbeständigkeit

der Kunststofffolien beschränkt

und liegt derzeit bei unter

90 °C.

• Erdsonden-Wärmespeicher. Sie nutzen

das Gestein im Untergrund zur

Wärmespeicherung. Durch von Wasser

durchflossene Erdwärmesonden,

die in vertikale Bohrlöcher eingegossen

werden, wird das Gestein erwärmt

und wieder abgekühlt.

• Aquifer-Wärmespeicher. Sie werden

durch Brunnen erschlossen, die aus

unterirdischen, wasserführenden Gesteinsschichten

(Aquiferen) Wasser an

In den letzten Jahren haben sich immer mehr Fernwärmeversorgungsunternehmen

für den Bau von großen Wärmespeichern entschieden, die

meist als oberirdisch stehende, hohe Stahlbehälter realisiert wurden.

Erdbecken-Wärmespeicher. Sie entstehen, indem eine Baugrube

wärmegedämmt, mit Kunststoffbahnen abgedichtet und mit Wasser

gefüllt wird.

10 IKZplus • IKZ-ENERGY 11/12/2019


SONNENENERGIE

Saisonale Wärmespeicher

Typen von saisonalen oder Multifunktions-Wärmespeichern. In Klammern ist die durchschnittliche

Wärmekapazität je m³ Speichervolumen als Richtwert angegeben.

die Erdoberfläche pumpen, dieses erwärmen

und wieder in den Untergrund

einspeichern. Durch eine Umkehr des

Pumpvorgangs kann die gespeicherte

Wärme genutzt werden.

Wärmespeicher sind passive Systembestandteile,

da sie selbst keine Energie produzieren.

Der Nutzen und damit die Wirtschaftlichkeit

eines Wärmespeichers werden

vorwiegend durch die hydraulische

und regelungstechnische Systemeinbindung

bestimmt.

Blick auf die Investitionskosten

Die Kosten zeigen eine starke Degression

mit Zunahme des Speichervolumens. Zudem

ist ein deutlicher Zusammenhang

zwischen den Baukosten und dem Speichertypus

zu erkennen: Tank-Wärmespeicher

sind hierbei eher im oberen Bereich

der Kosten wiederzufinden. Darunter

liegen in absteigender Reihenfolge die

Kosten von Erdbecken-, Erdsonden- und

Aquifer-Wärmespeichern.

Bei der Betrachtung der dargestellten

Kos ten muss berücksichtigt werden, dass

nicht alle Speichertypen an jedem Standort

realisiert werden können, da sie sehr

unterschiedliche Anforderungen an die

geologischen und hydrogeologischen Verhältnisse

des Untergrundes stellen. Des

Weiteren sind sie auch hinsichtlich ihrer

thermischen Leistungsfähigkeit und Effizienz

nicht direkt vergleichbar. So können

beispielsweise mit einem wassergefüllten

Tank- oder Erdbecken-Wärmespeicher sehr

hohe Be- und Entladeleistungen sowie hohe

Nutzungsgrade erreicht werden. Erdsonden-Wärmespeicher

dagegen sind in ihren

maximalen Be- und Entladeleistungen beschränkt,

und auch die Nutzungsgrade

liegen bedingt durch die fehlende Wärmedämmung

an den seitlichen Randbereichen

und am Boden im direkten Vergleich niedriger.

Diese Eigenschaften können bzw.

müssen in einem Speichersystem durch

geeignete zusätzliche anlagentechnische

Komponenten wie Pufferspeicher und Wärmepumpen

kompensiert werden.

Aktuelle Entwicklungen

In den letzten Jahren haben sich immer

mehr Fernwärmeversorgungsunternehmen

für den Bau von großen Wärmespeichern

mit bis zu 50 000 m³ Volumen entschieden,

die meist als oberirdisch stehende,

rund 30 m hohe Stahlbehälter

realisiert wurden. Diese sind Stand der

Technik und aufgrund der hohen Wasserlast,

die der Behälter halten muss, dementsprechend

massiv und mit Investitionskosten

in Höhe von mehreren Hundert

Euro je Kubikmeter teuer. Sie dienen der

Spitzenlastpufferung zwischen großen

Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und

Wärmenetzen und werden in der Regel

mit einer Speicherzyklenzahl von 500 bis

600 im Jahr genutzt. Die Speicherzyklenzahl

summiert alle Be- und Entladewärmemengen

über ein Betriebsjahr und bezieht

diese Summe auf die maximale Wärmekapazität

des Wärmespeichers. Sie ist

damit ein Maß für die Nutzungshäufigkeit

des Wärmespeichers.

Wird der Wärmespeicher in den Untergrund

integriert, trägt dieser die Wasserlast

mit und die Bauweise kann wesentlich

kostengünstiger ausgeführt werden.

Dies ist für saisonale Wärmespeicher notwendig,

da das Speichervolumen nur ein

Mal im Jahr genutzt wird und daher sehr

kostengünstig sein muss. Wasserspeicher

und die Wärmespeicherung im Untergrund

bieten hierfür die günstigsten Investitions-

und Betriebskosten.

Moderne saisonale Wärmespeicher werden

in Form von Multifunktions-Wärmespeichern

zum zentralen System„knoten“:

Sie nehmen Solarwärme auf, wenn die Sonne

scheint, die Abwärme von Industrieprozessen

und auch von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen,

wenn deren stromgeführter

Betrieb aufgrund der Strompreise an der

Strombörse wirtschaftlich ist. Sie ermöglichen

über Power-to-Heat-Kessel die Teilnahme

am Regelenergiemarkt der Strombörse

und eine Sektorkopplung durch

Umwandlung von Überschuss-Strom bei-

ZEWO Air – Dezentrale

Entlüftung

Abluftsystem gemäß

DIN 18017-3 / DIN 1946-6

ohne Wärmerückgewinnung

ZEWOTHERM. ENERGIE. BEWUSST. LEBEN.

WWW.ZEWOTHERM.DE


SONNENENERGIE

Saisonale Wärmespeicher

Multifunktions-

Wärmespeicher in

einem Wärmenetz

mit Erneuerbaren

Energien und

Sektorkopplung.

spielsweise aus Windturbinen über Wärmepumpen

in Wärme. Sie können Leistungsspitzen

der Wärmeverbraucher

puffern und Betriebsausfälle von Wärmeerzeugern

überbrücken. Trotzdem ist

ihre jährliche Speicherzyklenzahl deutlich

geringer als bei den vorab erwähnten große

Pufferspeichern mit bis zu 50 000 m³.

Daher muss die Bauweise solcher Multifunktions-Wärmespeicher

wesentlich kostengünstiger

sein und der der saisonalen

Wärmespeicher entsprechen.

Fazit

Der durch zunehmende Anteile erneuerbaren

Stroms im Stromnetz verursachte

Wandel im Bereich der Kraft-Wärme-

Kopplung mit fossilen Erzeugern führt zu

einem wachsenden Interesse von Wärmenetzbetreibern

an kostengünstig zu realisierenden,

großvolumigen Wärmespeichern.

Das Förderkonzept „Wärmenetze

4.0“ des Bundeswirtschaftsministeriums

(BMWi) unterstützt diese Entwicklung, indem

in jeder geförderten Studie eine Variante

mit saisonaler Wärmespeicherung

betrachtet werden muss. Sicher ist nicht

für jedes Projekt diese Variante die wirtschaftlichste.

Die Auseinandersetzung

mit möglichen Wärmespeichertechnologien,

deren Bau und deren Systemintegration

hat allerdings trotzdem zu erfolgen.

Alternativ fördert das Marktanreizprogramm

für Erneuerbare Energien des

BMWi die Realisierung großer Wärmespeicher

über die KfW-Bank.

Die fortschreitende Dekarbonisierung

der Strom- und Wärmeerzeugung führt

dazu, dass die Speicher fossiler Energieträger

durch Energiespeicher zu ersetzen

sind, die CO 2 -freie Energien speichern. Der

im Vergleich zum Stromverbrauch wesentlich

größere bundesdeutsche Wärmeverbrauch

zeigt hier die Notwendigkeit

für große multifunktional genutzte

saisonale Wärmespeicher – vom Einfamilienhaus

über große Baukomplexe bis hin

zu Wärmenetzen.

Autor: Dirk Mangold, Leiter des Steinbeis

Forschungsinstituts für solare und zukunftsfähige

thermische Energiesysteme (Solites) in

Stuttgart

Bilder: Solites

Spezifische Kosten von

saisonalen oder Multifunktions-Wärmespeichern

(Angaben ohne

Planungskosten und

MwSt.). Das Diagramm

zeigt eine Übersicht

über die Baukosten

der in Deutschland,

Dänemark und Kanada

realisierten saisonalen

und multifunktionalen

Wärmespeicher. Die

Kosten sind auf den

Geldwert von 2017

normiert und auf einen

m³ Wasser äquivalent

und damit auf dieselbe

Wärmekapazität je m³

bezogen.

12 IKZplus • IKZ-ENERGY 11/12/2019


HERSTELLUNG · VERSORGUNG · VERTRIEB · LAGERUNG · PRODUKTE UND ANWENDUNG

HERSTELLUNG · VERSORGUNG · VERTRIEB · LAGERUNG · PRODUKTE UND ANWENDUNG

Foto: Fotolia / Andriy Bezuglov

DVFG-Studie: Flüssiggasbetriebene

Heizanlagen im Emissionstest

Energieeffizient und zukunftssicher:

Hybride Heizsysteme

Foto: W. Kröger

1 | 2019 STROBEL VERLAG

www.fluessiggas-magazin.de

Kamine und Kaminöfen:

Sicher und sauber mit Flüssiggas

Treibhausgasminderung im Verkehr:

Neue Anreize für LPG und LNG

Autoregion Saar e. V. präsentiert

Autogasanlage für Direkteinspritzer

6 | 2018 STROBEL VERLAG

www.fluessiggas-magazin.de

Kälteauskopplung optimiert

das Potenzial von LNG

HERSTELLUNG · VERSORGUNG · VERTRIEB · LAGERUNG · PRODUKTE UND ANWENDUNG

Foto: Adobe Stock / Richard

Flüssiggas-Gesamtabsatz 2018:

Flüssiggasversorger verzeichnen erneut ein Absatzplus

70 Jahre im Verband organisierte Flüssiggaswirtschaft

Wachsende Nachfrage nach Brenngas

fördert Tankgeschäft

3 | 2019 STROBEL VERLAG

www.fluessiggas-magazin.de

Alle Themen rund um FLÜSSIGGAS – seit 1955!

• Informationen aus der Branche für

die Branche

• Objektreportagen, Produktneuheiten,

Fachartikel u.v.m.

• Autogas und Tankstellentechnik

• Firmen und Produkte

• Markt und Menschen

• Unabhängige Berichterstattung

• 6 x jährlich

STROBEL MEDIA GROUP

Postfach 5654, 59806 Arnsberg

Leserservice Flüssiggas

Tel. 02931 8900-50/54

leserservice@strobelmediagroup.de

www.fluessiggas-magazin.de


ENERGIEEFFIZIENZ

Aus Alt wird Neu

Altbausanierung mit Signalwirkung

Haus aus dem Jahr 1850 zu einer zeitgemäßen Wohn- und Arbeitswelt umgebaut

Mit viel Geschick und Sachverstand hat ein Freiburger Architektenehepaar ein sanierungsbedürftiges Haus aus dem Jahr 1850 zu einer

zeitgemäßen Wohn- und Arbeitswelt auf neuesten Energiestandard umgebaut.

Modern, auffallend und energieeffizient:

Wer das Wohnhaus der Familie Grießbach

in Freiburg sieht, würde nie erwarten, dass

es sich dabei um einen Altbau aus dem 19.

Jahrhundert handelt. Lange hatte das Ehepaar

Grießbach nach einem geeigneten

Zuhause in der südbadischen Metropole

gesucht und es schließlich 2005 in der

über 150 Jahre alten, sanierungsbedürftigen

Immobilie gefunden. Petra und Herbert

Grießbach sind Architekten – so nahmen

sie das umfangreiche Sanierungsvorhaben

selbst in die Hand.

Das Dämmkonzept

Mit viel Geschick und Sachverstand hat

das Freiburger Architektenehepaar aus ihrem

renovierungsbedürftigen Haus ein gemütliches

Energiespardomizil zum Leben

und Arbeiten gemacht. Der sanierte Altbau

sticht mit einem Endenergieverbrauch von

rund 40 kWh/m 2 und Jahr (kWh/m 2 a) viele

Neubauten aus – und das, obwohl die Sanierung

bereits 2005 erfolgte.

Um das neue Familiendomizil energetisch

auf Vordermann zu bringen, hat das

Ehepaar die Gebäudehülle des Hauses gedämmt.

Dabei wurde unter anderem die

zuvor ungedämmte Fassade mit einem

20 - 30 cm dicken Wärmeverbundsystem

(WLG 035) versehen. Der Außenwandaufbau

befindet sich damit auf Passivhausniveau.

Wegen der engen Bebauung im innerstädtischen

Bereich mit einem schmalen

Fußweg mussten die Bauherren auf

eine noch stärkere Dämmung des Erdgeschosses

verzichten. Da es im Vorderhaus

unter dem Laden keinen Keller gibt, wurde

der Boden zum erdberührten Bereich mit

rund 14 cm Dämmung versehen. Das Gleiche

erfolgte im Souterrain im Hinterhaus.

Architektonische Konzeption

Heute besteht das markante Gebäude aus

mehreren Wohnungen, einem Laden im

Erdgeschoss und einem Architektenbüro

im Hinterhaus, das früher als Tabakfabrik

genutzt wurde. Die beiden Wohnungen

im ersten und zweiten Obergeschoss haben

die Grießbachs modernisiert und vermietet.

Die Dachgeschosswohnung wurde

um ein Geschoss in Holzbauweise erweitert.

Dazu war aus statischen Gründen

zunächst die Entfernung des alten Dachstuhls

nötig. Im Anschluss konnten innerhalb

von zwei Tagen alle Wände samt

Dachkonstruktion montiert werden. Das

Spitzdach ist einem Flachdach mit Dachterrasse

gewichen, der Sparrenzwischenraum

der Dachkonstruktion wurde mit

Zellulosedämmung gefüllt. So entstand

Vorher- (kleines Bild) Nachher-

Vergleich. Wie auch richtig alte Altbauten

architektonisch umgestylt und energetisch

auf einen Stand gebracht werden

können, der viele Gegenwartsgebäude

alt aussehen lässt, zeigt das Wohn-

Geschäftshaus-Projekt des Architekten-

Ehepaars Grießbach in Freiburg.

14 IKZplus • IKZ-ENERGY 11/12/2019


Schnittzeichnung des Objekts. Heute besteht das markante Gebäude aus mehreren Wohnungen, einem Laden im Erdgeschoss und einem

Architektenbüro im Hinterhaus, das früher als Tabakfabrik genutzt wurde. Die beiden Wohnungen im ersten und zweiten Obergeschoss haben die

Grießbachs modernisiert und vermietet. Die Dachgeschosswohnung wurde um ein Geschoss in Holzbauweise erweitert. Dazu war aus statischen

Gründen die Entfernung des alten Dachstuhls nötig. Das alte Spitzdach (grün skizziert) ist einem Flachdach mit Dachterrasse gewichen. So

entstand eine Maisonette-Wohnung, die die Hauseigentümer nun selbst bewohnen. Über dem Büro im Hinterhaus wohnt die Tochter.

eine behagliche Maisonette-Wohnung,

die die Hauseigentümer nun selbst bewohnen.

Über dem Büro im Hinterhaus

wohnt die Tochter.

Wo früher ein Licht- und Luftschacht

das Vorderhaus vom Rückgebäude

trennte, erschließt heute ein massives

Treppenhaus mit schwarz durchgefärbten

Sichtbetontreppenläufen beide Gebäudeteile.

Durch Um- und Anbau im Vorderund

Hinterhaus erweiterte sich die Wohnfläche

um 162 auf insgesamt 486 m 2 . Zu

den 190 m 2 Nutzfläche für die Büro- und

Verkaufsräume kamen rund 50 m 2 hinzu.

Alle Dachflächen sind begrünt und haben

damit einen positiven Einfluss auf das

Kleinklima vor Ort.

Das Lüftungskonzept

Die Wärmedämmung der Immobilie hat

sich gelohnt: Die Temperatur der Böden

und Innenwände weicht seitdem kaum

mehr von der Innenlufttemperatur ab – sie

fühlen sich ganzjährig angenehm warm an.

Der Schimmel, der in der alten Immobilie an

diversen Stellen auftrat, ist verschwunden.

Auch der Austausch der undichten

Fens ter war notwendig. Neue, dreifachverglaste

Passivhausfenster mit gedämmten

Holzrahmen verhindern, dass ein permanenter

Luftzug die Behaglichkeit in

den Wohnräumen stört und Heizwärme

nach außen strömt. Zudem haben die Bauherren

dezentrale Lüftungsanlagen mit

Wärmerückgewinnung installieren lassen.

Sie sorgen automatisch für frische

und angenehme Raumluft, ohne dass im

Winter Wärme verloren geht.

Die Zentralgeräte mit Kreuzstromwärmetauschern

(Wärmebereitstellungsgrad

0,85) sind mit Sommer-Bypassklappen

und Pollenfiltern ausgestattet. Die Ansaugung

der Außenluft erfolgt zentral

über das Dach. In den Räumen wird die

Luft über Deckenauslässe eingeblasen

beziehungsweise abgesaugt. Dabei wird

ein rund 0,5-facher Luftwechsel erreicht.

In der Gewerbeeinheit im Erdgeschoss

befindet sich eine kontrollierte Abluftanlage.

Das Wärmekonzept

Der geringe Restwärmebedarf wird von einer

Gasbrennwertheizung in Kombination

mit einer Solarthermieanlage geliefert.

Auf dem Dach des Vorderhauses wurden

rund 12 m 2 Flachkollektoren in 45° Neigung

aufgestellt. Die Solaranlage und der

950 l fassende Solarschichtenspeicher decken

damit 64 % des Warmwasserbedarfs

der Bewohner und unterstützen die Heizung.

Die Gasbrennwerttherme ist direkt in

den Pufferspeicher integriert. Das minimiert

Strahlungs- und Wärmeübergangsverluste.

Die Wärme wird dem Schichtenspeicher

direkt zugeführt, ohne zusätzliche

Pumpen und Rohrleistungen. Aus

diesem Schichtenspeicher wird im oberen,

wärmsten Bereich die Wärme zur Brauchwarmwasserbereitung

und im mittleren

Bereich die Wärme für das Heizsystem

entnommen.

Die Sanierung hat sich gelohnt

Die Bewohner des Hauses können sich über

ein dauerhaft angenehmes Raumklima und

niedrige Heizkosten freuen. Der Heizenergiebedarf

sank von rund 250 kWh/m 2 a um

etwa 85 % auf rund 40 kWh/m 2 a. Die CO 2 -

Emissionen verringerten sich ebenfalls

dras tisch: von 70 kg pro Quadratmeter und

Jahr (kg/m²a) auf unter 10 kg/m²a.

Fazit: Das Konzept ist aufgegangen. Die

im Voraus errechnete Energieeinsparung

wurde nach der Sanierung erreicht. Aus

dem vernachlässigten Stadthaus ist ein

klimafreundliches Zuhause mit modernem

Wohnkomfort geworden. Die Bewohner

fühlen sich rundum wohl – und das

seit inzwischen 15 Jahren.

Autor: Frank Hettler, Leitung bei Zukunft Altbau

Bilder: Grießbach

Weitere Informationen

In einem Kurzfilm erklären die Hauseigentümer,

wie sie vorgegangen sind

und welche Maßnahmen sie durchgeführt

haben: www.youtube.com/

watch?v=eQrHylEh-Ps.

11/12/2019 www.ikz.de 15


ENERGIEEFFIZIENZ

Wärmedämmung

Fassaden mit variablen

Wärmedämmwerten

Am ZAE Bayern werden Dämmungen entwickelt,

die Wärme zuführen oder ableiten können

Thermografie einer Gebäudehülle.

Konventionelle Wärmedämmungen

zielen auf Optimierung ab – indem

sie bestmöglich isolieren. Das am

ZAE entwickelte Konzept hingegen

kann isolieren, Wärme zuführen oder

abführen.

Bild: Tim Reckmann, Pixelio

Eine am ZAE Bayern in Entwicklung befindliche schaltbare Wärmedämmung (SWD) soll die während der Heizperiode auf die Wände

fallende Solarstrahlung absorbieren und bei Bedarf in das Gebäudeinnere transportieren. Der Bericht stellt die zugrunde liegenden

Überlegungen und die daraus resultierende Konzeption vor. Mit einer Markteinführung von SWD ist in 5 Jahren zu rechnen.

Gute Beispiele anpassungsfähiger „Wärmedämmung“

findet man in der Natur.

So plustern Vögel bei Kälte ihr Federkleid

auf und vergrößern damit das wärmedämmende

Luftpolster um ihren Körper.

Auch für unsere Gebäude wäre es von Vorteil,

auf Kälte und solare Einstrahlungen

aktiv zu reagieren und gezielt den Wärmehaushalt

mit variablen Wärmeverlusten

und -gewinnen über die Fassade

zu beeinflussen. Bereits seit den 90er-

Jahren wird die schaltbare Wärmedämmung

(SWD) am Bayerischen Zentrum für

Angewandte Ener gieforschung e. V. (ZAE

Bayern) in Würzburg erforscht und entwickelt.

Durch den Einsatz dieser innovativen

Technologie lässt sich die Energieeffizienz

durch die gezielte Nutzung des Außenklimas

verbessern. In der Heizperiode

entstehen bei Sonneneinstrahlung auf die

Außenfassade solare Wärmegewinne. Diese

werden durch das Absenken des Wärmedämmwertes

der Wand gezielt in das

Gebäudeinnere transportiert. In den Sommermonaten

kann gleichermaßen die

nächtliche Abkühlung der Umgebung genutzt

werden, um Gebäuden Wärme zu

entziehen.

Aufbau und Funktion

In ihrem Grundzustand stellt die schaltbare

Wärmedämmung einen thermischen

Superisolator dar, da sie im Aufbau einem

Vakuumisolationspaneel (VIP) entspricht.

Dabei spricht man von einem Superisolator,

wenn die Wärmeleitfähigkeit deutlich

unter 0,026 W/(m · K), d. h. der Wärmeleitfähigkeit

von Luft liegt. Beim VIP

wird eine Platte aus hochporösem, offenporigem

und druckstabilem Kernmaterial

(z. B. Glasfasermatten) mit einer Dicke von

wenigen Zentimetern von einem möglichst

gasdichten Hüllmaterial aus Metallfolie

oder einem mehrlagigen Kunststoffverbundlaminat

mit integrierten

Metallschichten umschlossen und evakuiert.

Innerhalb der Hülle herrscht dann

ein ausreichend niedriger Restgasdruck

kleiner 0,01 hPa, um die Wärmeübertragung

über die Gasphase zu unterdrücken.

Die verbleibenden wesentlichen Wärmetransportmechanismen

der Wärmestrahlung

und der Festkörperwärmeleitung

im Kernmaterial führen zu

Wärmeleitfähigkeitswerten von unter

0,005 W (m · K). Im Vergleich zu konventionellen

Wärmedämmstoffen, wie Polystyrol-Schaum

mit einer mittleren Wärmeleitfähigkeit

von etwa 0,032 W/(m · K),

ist dies eine Reduzierung des Dämmwertes

um mindes tens den Faktor 6.

Die SWD unterscheidet sich zu einem

VIP prinzipiell durch die Möglichkeit, den

16 IKZplus • IKZ-ENERGY 11/12/2019


ENERGIEEFFIZIENZ

Wärmedämmung

Gasdruck in dem Paneel ändern zu können.

Auf diese Weise kann die Wärmeleitfähigkeit

der SWD bei Bedarf erhöht

werden, da durch einen steigenden Gasdruck

in den Poren des Kernmaterials die

jetzt dominante Gaswärmeleitung die gesamte

Wärmeübertragung der SWD signifikant

erhöht. Um diesen Effekt weiter zu

erhöhen, wird hochwärmeleitender Wasserstoff

als Füllgas eingesetzt. Wasserstoff

besitzt eine Wärmeleitfähigkeit von

0,18 W/(m · K) bei Normaldruck und bei

25 °C im Vergleich zu Luft mit einer Wärmeleitfähigkeit

von 0,026 W/(m · K). Entscheidend

ist, dass sich Wasserstoff durch

sogenannte Metallhydridgetter zeitweise

chemisch binden und sich dieser Vorgang

durch eine Temperaturregulierung zuverlässig

steuern lässt. Solche Metallhydridgetter

bestehen z. B. aus Legierungen von

Übergangsmetallen wie Chrom, Vanadium,

Titan oder Mangan. So wird Wasserstoff

bei Raumtemperatur im Hydridgetter

gebunden, was dazu führt, dass in der

SWD ein ausreichend niedriges Vakuum

erzeugt wird und eine Superisolation vorliegt.

Bei Temperaturen im unteren dreistelligen

Celsiusbereich, die durch Beheizen

des Getters erreicht werden, wird der

Wasserstoff freigegeben und die SWD

wärmeleitend. Allerdings beträgt die notwendige

elektrische Heizleistung für 1 m 2

SWD nur 5 W. Die notwendige elektrische

Leistung kann tagsüber zeitgleich durch

Photovoltaik bereitgestellt werden.

Nutzung einer SWD

an einer Gebäudefassade

An südorientierten Gebäudefassaden

ermöglicht die SWD vor allem die Nutzung

von solaren Einträgen zur Wärmegewinnung

während der Heizperiode, so

z. B. an sonnigen Wintertagen. Die an der

nach außen gerichteten Seite der SWD

absorbierte Solarstrahlung erwärmt dort

Prinzipielle Funktion einer Schaltbaren Wärmedämmung (SWD) an einer Gebäudefassade zur

Heizungsunterstützung. Während der Heizperiode einfallende solare Strahlung wird an der

Absorberschicht der SWD absorbiert und erwärmt die Vorderseite der SWD. Gleichzeitig wird die

SWD auf wärmeleitend geschaltet. Die Wärme kann so von der heißen Vorderseite in die Gebäudewand

fließen und zeitlich verzögert in den Innenraum abgegeben werden. In der Nacht oder

bei Bewölkung bleibt die SWD hoch wärmedämmend und minimiert die Wärmeverluste über

die Gebäudehülle.

Bild: ZAE

Bild: ZAE

Die Grafik zeigt die Abhängigkeit der

Wärmeleitfähigkeit innerhalb der SWD

für verschiedene Wasserstoffdrücke. Im

wärmedämmenden Zustand, d.h. für

Gasdrücke unter 0,01 hPa, kann die SWD

eine Wärmeleitfähigkeit von 0,003 W/(m · K)

annehmen, dagegen ist im wärmeleitenden

Zustand eine Wärmeleitfähigkeit von bis zu

0,16 W/(m · K) erreichbar. Dadurch ergibt sich

ein Schaltfaktor von etwa 50 zwischen den

Wärmeleitfähigkeitswerten beider Zustände.

Die Schaltzeiten dafür liegen dabei im

Minutenbereich.

11/12/2019 www.ikz.de 17


ENERGIEEFFIZIENZ

Wärmedämmung

Solare Energieeinträge auf eine Südfassade während eines Jahres für den Standort Würzburg (links) und die mit einer SWD erzielbaren

Wärmeerträge (rechts).

die SWD. Diese Wärme wird bei Bedarf

durch die nun wärmeleitend geschaltete

SWD und das dahinterliegende Mauerwerk

in das Gebäudeinnere transportiert.

Das massive Mauerwerk bewirkt zusätzlich

einen Zeitverzug der Wärmewelle

um einige Stunden. Zur Vermeidung von

konvektiven Wärmeverlusten, d. h. durch

Windströmung abtransportierte Wärme,

wird vor der SWD eine transparente Verglasung

angebracht. Die Temperaturen

an der Absorberschicht der SWD können

dabei bis zu 100 °C betragen. Nachts

oder bei ausbleibender solarer Einstrahlung

bleibt die SWD in einem passiven Zustand

und hat hier einen exzellenten Wärmedämmwert

von kleiner 0,005 W/(m · K).

In den Sommermonaten kann die SWD

auch zur passiven nächtlichen Kühlungsunterstützung

von Gebäuden genutzt werden.

Die SWD lässt sich sowohl bei Sanierungen

an Bestandsgebäuden montieren

als auch im Neubau an unterschiedlichen

Wandkonstruktionen einsetzen, wie z. B.

Massiv- und Holzständerbauweise sowie

Pfosten-Riegel-Konstruktionen.

Ergebnisse aus der Praxis

Prototypen von schaltbaren Wärmedämmungen

in einer Edelstahlhülle wurden

bereits in den 1990er-Jahren am ZAE

Bayern entwickelt und erfolgreich getestet.

Als nachteilig für die Marktreife erwiesen

sich dabei die relativ hohen Kosten für

die Bereitstellung der gasdichten Edelstahlumhüllung

und die Wärmebrücken am

Rand der Edelstahlumhüllung. Zwischenzeitlich

wurden (nichtschaltbare) Vakuumisolationspaneele

mit einer Hülle aus

Kunststoff-Folien erfolgreich entwickelt,

die in großer Zahl schon in verschiedenen

Märkten eingeführt sind. Eine bauaufsichtliche

Zulassung für den Einsatz in verschiedenen

Bereichen für Neubau und Renovierung

wurde ebenfalls schon erreicht.

Im erfolgreich abgeschlossenen, vom

Bundesministerium für Wirtschaft und

Energie (BMWi) geförderten Forschungsund

Entwicklungsprojekt Enotec (2015)

wurde eine hinsichtlich thermischer und

produktionstechnischer Eigenschaften

Bild: Pixabay

Bild: ZAE

Bislang können Gebäude mit konventionellen

Wärmedämmungen solare Wärmegewinne

nur über Fenster erzielen. In Zukunft könnten

das bei Bedarf schaltbare Wärmedämmungen

unterstützen.

18 IKZplus • IKZ-ENERGY 11/12/2019


ENERGIEEFFIZIENZ

Wärmedämmung

optimierte SWD entwickelt, im Labor vermessen

und unter realen Bedingungen auf

ihr Energieeinsparpotenzial untersucht.

Durch den Einsatz von beschleunigten

Alterungsverfahren konnten Langzeitbeständigkeiten

von mehreren Jahrzehnten

bei der Verwendung von Hochbarrierelaminaten

aus Kunststoff- oder Aluminiumverbundfolien

als Hüllfolie nachgewiesen

werden. Das Konzept einer schaltbaren

Wärmedämmung auf Basis von VIP wurde

deshalb erfolgreich neu aufgegriffen und

soll nun zur Marktreife geführt werden.

Erstaunliche Effizienz

Die möglichen Wärmegewinne und -verluste

im Heiz- und Kühlfall lassen sich

rechnerisch ermitteln. Hier wird beispielhaft

die Heizanwendung an einer Südfassade

im Zeitraum vom 1. Oktober bis 30.

April für Klimadaten aus dem Testreferenzjahr

für Würzburg betrachtet. In der

Heizperiode können bei einer Schaltdauer

von insgesamt 762 Stunden Wärmegewinne

von 89 kWh pro Quadratmeter Fassadenfläche

generiert werden.

Will man die Effizienz einer SWD beleuchten,

dann bietet sich ein Vergleich mit

einer Heizung mit Wärmepumpe an. Auch

hier wird mit einem Anteil Strom ein Vielfaches

an Wärme bereitgestellt. Für den

Vergleich wird mit einer Wärmepumpe mit

einer Leistungszahl von 3,5 gerechnet und

wieder die Heizperiode betrachtet.

Es zeigt sich, dass, spezifisch bezogen

auf den m 2 Fassadenfläche, die Wärmepumpe

deutlich mehr elektrische Energie

benötigt (ca. 25 kWh), um die gleiche

Wärmemenge bereitzustellen als die SWD

(ca. 4 kWh). Im Winter ist somit die fiktive

Leis tungszahl der SWD mit 23 das

6-Fache der Wärmepumpe.

Vergleich der SWD

zu konventionellen Dämmstoffen

Betrachtet man die Kosten für eine SWD,

so führt derzeit der Einsatz teilweise kostenintensiver

Materialien noch zu einem

verhältnismäßig komplexen und investitionsintensiven

Bauteil. Dem entgegen

steht jedoch ein hohes Einsparpotenzial

bei Heiz- und Kühlenergie, was prinzipiell

zu einer Verkürzung der Amortisationszeiten

führt.

Ein anderer wichtiger Gesichtspunkt

ist die ökologische Bewertung der SWD.

Im direkten Vergleich der Ökobilanz für

eine SWD und einem konventionellen

Wärmedämmverbundsystem schneidet

die SWD in fast allen wichtigen ökologischen

Faktoren positiver ab. Wichtigster

Pluspunkt: Die SWD als aktives Element

kann thermische Einträge generieren und

somit Heizenergie substituieren.

Fazit

Bei Gebäuden mit konventionellen Wärmedämmsystemen

werden solare Wärmegewinne

nur über die Verglasungsflächen

erzielt. Auch nächtliche Abkühleffekte in

Sommermonaten werden in den gut „verpackten“

Gebäuden in der Regel nur durch

die Lüftung über geöffnete Fens ter und

Türen erreicht. Die SWD aktiviert dahingegen

die lichtundurchlässigen Fassadenflächen

und ermöglicht die verstärkte

Nutzung solarer Einträge durch die

Gebäudehülle und unterstützt die sommerliche

nächtliche Auskühlung durch

die Reduzierung des Wärmewiderstands

der Gebäudehülle.

Im Rahmen des laufenden vom BMWi

öffentlich geförderten Demonstrationsprojektes

VIDI wird die schaltbare Wärmedämmung

großflächig an einer Testfassade

mittels Langzeitmessungen in

der Heizperiode als auch in Sommermonaten

auf sein Energieeinsparpotenzial

untersucht. In der Folge des Projektes

kommt es mittelfristig zu einer Produktentwicklung

der schaltbaren Wärmedämmung,

die eine Markteinführung

innerhalb der kommenden 5 Jahre erwarten

lässt.

Autor: Hans-Peter Ebert, Bereichsleiter

Energieeffizienz am ZAE Bayern

Impressum

Fachmagazin des Mehrwert-Konzeptes IKZplus

www.ikz.de · www.ikz-energy.de · www.strobel-verlag.de

Verlag

STROBEL VERLAG GmbH & Co. KG

Postanschrift: Postfach 5654, 59806 Arnsberg

Hausanschrift: Zur Feldmühle 9-11, 59821 Arnsberg,

Telefon: 02931 8900-0, Telefax: 02931 8900-38

Herausgeber

Dipl.-Kfm. Christopher Strobel, Verleger

Redaktion

Markus Sironi

Chefredakteur IKZ -Medien

Gas- und Wasserinstallateurmeister, Zentralheizungsund

Lüftungsbauermeister, gepr. Energieberater

Telefon: +49 2931 8900-46

E-Mail: m.sironi@strobelmediagroup.de

Dittmar Koop

Dipl.-Ing. (TU) Stadt- und Raumplanung

Redaktions-Sekretariat: Birgit Brosowski

Telefon: 02931 8900-41, Telefax: 02931 8900-48

E-Mail: redaktion@strobelmediagroup.de

Anzeigen

Anzeigenleiter: Stefan Hoffmann

E-Mail: s.hoffmann@strobelmediagroup.de

Mediaservice: Anke Ziegler und Sabine Trost

Telefon: 02931 8900-21 oder 02931 8900-24

E-Mail: anzeigen@strobelmediagroup.de

Vertrieb / Leserservice

Reinhard Heite,

Telefon: 02931 8900-50,

E-Mail: r.heite@strobelmediagroup.de

Druckvorstufenproduktion

STROBEL PrePress & Media, Postfach 5654, 59806 Arnsberg

E-Mail: datenannahme@strobelmediagroup.de

Layout und Herstellung

Daniela Vetter

Druck (Lieferadresse für Beihefter und Beilagen)

Dierichs Druck + Media GmbH & Co KG,

Frankfurter Straße 168, 34121 Kassel

Veröffentlichungen

Zum Abdruck angenommene Beiträge, Manuskripte und Bilder

gehen mit Ablieferung in das Eigentum des Verlages über. Damit

erhält er gleichzeitig im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen

das Veröffentlichungs- und Verarbeitungsrecht. Der Autor räumt

dem Verlag das unbeschränkte Nutzungsrecht ein, seine Beiträge

im In- und Ausland und in allen Sprachen, insbesondere in Printmedien,

Film, Rundfunk, Datenbanken, Telekommunikations- und

Datennetzen (z. B. Online-Dienste) sowie auf Datenträgern

(z. B. CD-ROM) usw. ungeachtet der Übertragungs-, Träger- und

Speichertechniken sowie öffentlich wiederzugeben. Für unaufgefordert

eingesandte Manuskripte übernehmen Verlag und

Redaktion keine Gewähr.

Mit Namen gezeichnete Beiträge geben die Meinung der Verfasser

wieder und müssen nicht mit der des Verlages übereinstimmen.

Für Werbeaussagen von Herstellern und Inserenten in abgedruckten

Anzeigen haftet der Verlag nicht. Die Wiedergabe von

Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen und

dergleichen in dieser Zeitschrift berechtigt nicht zu der Annahme,

dass solche Namen ohne Weiteres von jedermann benutzt werden

dürfen; oft handelt es sich um gesetzlich geschützte eingetragene

Warenzeichen, auch wenn sie nicht als solche gekennzeichnet sind.

Nachdruck, Reproduktion und das Übersetzen in fremde Sprachen

ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages gestattet. Dieses

gilt auch für die Aufnahme in elektronische Datenbanken und

Vervielfältigungen auf Datenträgern jeder Art. Sofern Sie Artikel

aus IKZ-ENERGY in Ihren internen elektronischen Pressespiegel

übernehmen wollen, erhalten Sie die erforderlichen Rechte unter

www.pressemonitor.de oder unter Telefon 030 284930, PMG

Presse-Monitor GmbH. Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen

Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.

11/12/2019 www.ikz.de 19


ENERGIEEFFIZIENZ

Supermärkte

Bild: Danfoss

Supermarkt im modernen Retro-Style, der

nicht nur bzgl. Energie- und Gebäudetechnik

europaweit Zeichen setzt.

Klimaschützender einkaufen gehen

Oldenburger Pilotprojekt zeigt Einsparpotenzial für Supermärkte auf

Im Februar 2018 startete das Pilotprojekt Aktiv & Irma in Oldenburg. Der energieeffiziente Supermarkt zeigt, wie hoch das Potenzial

des Lebensmitteleinzelhandels für die Energiewende ist und wie er bald schon europaweit Schule machen könnte. Für IKZ-

Energy skizzieren das Danfoss-Geschäftsführer Ole Møller-Jensen und Jan-Hendrik Sewing, Vice President von Danfoss Cooling,

beide Experten auf dem Gebiet der Energieeffizienz, in einem Gastbeitrag.

Supermärkte verbrauchen viel Strom. Je

nach Größe jährlich 500 000 bis 1 Mio. kWh.

Die Stromrechnung beträgt im Schnitt über

100 000 Euro pro Jahr, das sind rund 10 %

der Gesamtkosten eines Marktes. Entsprechend

hoch ist die Motivation der Supermärkte,

mittels energieeffizienter Technik

Kosten zu sparen. Auch der Nutzen für den

Klimaschutz ist groß. Wären alle 232 000

Supermärkte Europas mit smarten, energiesparenden

Technologien ausgestattet und

an das Stromnetz angebunden, könnten sie

laut einer Hochrechnung von Danfoss 10

Kohlekraftwerke einsparen.

Eigener PV-Strom,

intelligentes Energiemanagement

Mit einer auf dem Dach installierten Photovoltaikanlage

deckt der Oldenburger

Supermarkt Aktiv & Irma übers Jahr bereits

ein Viertel seines Strombedarfs. Und

dies, obwohl die Anlage aufgrund der außergewöhnlichen

Dachform und der Verschattungen

über eine Nennleistung von

100 kW p verfügt, was für ein Gewerbeprojekt

nicht viel ist.

Eine 60-kW-Lithium-Ionen-Batterie

speichert überschüssige Sonnenenergie.

Wenn der Markt zusätzlichen Strom für

seine Kühltheken benötigt, wird ein Teil

des Bedarfs über den Akku abgedeckt. Das

Energiemanagement verbindet und steuert

die Energieströme zum und vom Speicher.

Kühlsystem als Speicher

Der Supermarkt erzeugt nicht nur

PV-Strom für den Eigenverbrauch, sondern

kann auch auf kostenträchtige

Lastspitzen reagieren. Lastspitzen beim

Verbrauch können ausgeglichen sowie

netz- und etatschonend verschoben werden.

Das Kühlsystem des Supermarkts wirkt

dabei als Speicher für überschüssigen

Strom. Wenn Netzstrom günstig ist, können

die Kühlregale um einige Grad heruntergefahren

werden. Ändern sich die Konditionen

wieder, kommen die Kühlregale

eine Weile mit weniger Strom aus: mit - 6

statt - 8 °C. Die Lebensmittel nehmen dabei

keinen Schaden. Geheizt wird über die Abwärme

der Kühlung. Als Wärmespeicher

dient ein einfacher Boiler, der allerdings

relativ groß dimensioniert ist.

Das technische Konzept

Das von Danfoss entwickelte Supermarkt-Konzept

beinhaltet ein Energiemanagement,

das aus zwei Komponenten

besteht und einen intelligenten Zwei-Wege-Anschluss

an das Stromnetz ermöglicht.

Der Danfoss AK-SM 800 System

Manager stellt sicher, dass das Verhältnis

zwischen Temperatur und Druck im

Kühl- und Kältesys tem des Supermarktes

optimal ist und der Energieverbrauch minimiert

wird. Dies geschieht durch ständige

Verarbeitung der Daten sowie Steuerung

zahlreicher digitaler Sensoren

und Mikrocomputer, die im gesamten

System installiert sind. Teil des Energiemanagements

ist die Plattform ennexOS

von SMA Solar Technology. Sie verbindet

und steuert die Ener gieströme verschiedener

Quellen zum und vom Speicher,

einschließlich Solarenergie sowie

Strom aus dem Batteriespeicher. Insge-

20 IKZplus • IKZ-ENERGY 11/12/2019


ENERGIEEFFIZIENZ

Supermärkte

samt erlaubt die Integration der Danfoss

und SMA Steuerungen völlig neue Größenordnungen

der Optimierung.

Exkurs: CO 2 als Kältemittel

CO 2 wird als Kältemittel in Deutschland

in den meisten neuen Supermärkten eingesetzt.

Da aber CO 2 nur unter sehr hohem

Druck wirksam wird, würde hierbei

theoretisch viel Strom verbraucht. Aktiv

& Irma in Oldenburg nutzt daher für seine

Kühlwandregale und Tiefkühlinseln

Expansionsventile, die den hohen Druck

der Kühlkompressoren direkt in die Kompressoren

zurückleiten und auf diese Weise

Energie sparen.

Das Ziel: ein „Energiegesamtsystem“

Die erste Optimierung des Oldenburger

Supermarktes fand im Juni 2019 statt,

knapp anderthalb Jahre nach Projektstart.

Schon hier zeichneten sich starke

Einsparungen ab. Der gesamte Energieverbrauch

des Marktes liegt schon jetzt

geschätzt rund 20 % unter dem europäischen

Durchschnitt für Supermärkte.

40 t CO 2 pro Jahr werden dabei vermieden.

Nach unseren aktuellen Schätzungen werden

dank der Kombination aus Lösungen

von Danfoss und SMA weitere 15 % Energie

eingespart werden können. Angesichts

der Komplexität des Projektes ist es noch

zu früh, umfassend Bilanz zu ziehen, doch

es ist klar, wohin die Reise geht. Ziel ist

ein „Energiegesamtsystem“, bei dem die

gewonnene Flexibilität mit den Netzanforderungen

synchronisiert werden soll.

Geplant ist eine Vernetzung des Energiemanagementsystems

für die Kühlung

mit sämtlichen Energieverbrauchern wie

Beleuchtung und Backshops sowie der

Speicherinfrastruktur. Überdies soll der

Bild: Danfoss

Das Kühlsystem des Supermarkts wirkt als Speicher für überschüssigen Strom. Nur eins von

zahlreichen Features.

Supermarkt ins öffentliche Energiesystem

eingebunden werden. Insgesamt könnten

unserer Einschätzung nach die Energiekosten

von Supermärkten auf diese Weise

künftig um bis zu 45 % gesenkt werden.

Vor dem Hintergrund, dass Supermärkte

ohnehin ihre Energiekosten optimieren,

wäre dies ein beeindruckendes Ergebnis.

Fazit: Auch Bestandssupermärkte

und Nachbarbranchen

können profitieren

Supermärkte kommen global betrachtet

auf 2 % des gesamten Stromverbrauchs und

sind durch hohen Margendruck motiviert,

Kosten zu sparen. Das Interesse der Branche

an diesem Konzept ist folglich groß. Neben

den Neubauten auf der grünen Wiese

lässt sich das Modell auch für bestehende

Supermärkte adaptieren. Die Amortisationszeit

liegt zwischen 4 und 8 Jahren und

hängt sehr vom jeweiligen Markt ab. Eine

weitere Rolle spielt, ob es sich um einen

Neubau oder einen Bestandssupermarkt

handelt. Zudem könnten nicht nur der Lebensmitteleinzelhandel,

sondern auch benachbarte

Branchen wie Lager oder Distributoren

von dem Modell profitieren.

Autoren:

Ole Møller-Jensen ist Geschäftsführer der Danfoss

GmbH und President Danfoss Central Europe Region.

Er ist seit 1978 für den dänischen Technologiekonzern

tätig und ein gefragter Experte im

Bereich Energieeffizienz.

Dr. Jan-Hendrik Sewing ist seit 2018 Senior Vice

President von Danfoss Cooling. Er leitet die Business

Division Electronic Controllers & Services sowie das

Food Retail-Geschäft weltweit. Seine langjährige

Erfahrung in Automatisierung, Service sowie Internet

of Things (IoT) bringt er in die Entwicklung

energieeffizienter Lösungen für Supermärkte ein.

Bild: Pixabay

Überraschend ist die riesige Menge Stroms, die

Europas Supermärkte jedes Jahr verbrauchen.

Wären alle 232 000 Supermärkte Europas mit

smarten, energiesparenden Technologien

ausgestattet und an das Stromnetz angebunden,

könnten sie laut einer Hochrechnung von Danfoss

10 Kohlekraftwerke einsparen.


ENERGIEEFFIZIENZ

Freiflächenheizungen

Freie Bahn: Freiflächenheizungen verhindern

Glätte und sie vermeiden den Einsatz von

Streusalz und Streusplitt.

Bild: Rehau

Väterchen Frost die Stirn bieten

Einsatzfelder, Verlegung und Auslegung, Wärmebereitstellung und Regelung von Freiflächenheizungen

Freiflächenheizungen werden in erster Linie dazu eingesetzt, Glätte-Unfälle im Winter zu vermeiden, z. B. auf Treppenstufen oder

Wegen. Ein Vorteil ist der automatisierte Betrieb. Ein anderer, Abwärme nutzen zu können. Der Bericht zeigt, wie ein solches Konzept

aufgebaut wird und was in der Auslegung beachtet werden sollte.

Eine Freiflächenheizung kann in nahezu

jeden Bodenaufbau, wie zum Beispiel

in einer betonierten Rampe, Pflasterbelag

oder auch – geschützt in einer Schotter-/Splitt-

oder Betonschicht – unter einer

Asphaltdecke eingebaut werden. Die Gestaltung

des Bodenaufbaus richtet sich in

erster Linie nach der Funktion und den

statischen Anforderungen. Das Heizrohr

selbst ist dabei nicht lastabtragend. Heizrohre

aus PE-Xa zeichnen sich durch eine

hohe Kerbschlagzähigkeit aus und können

direkt in eine Schotter- oder Splittschicht

verlegt werden – es ist keine separate

Sandschicht erforderlich. Rohre aus

PE-Xa sind robust und sowohl für hohe

Temperaturen als auch für Temperaturen

deutlich unter dem Gefrierpunkt geeignet.

Einsatzfelder

Wasserführende Freiflächenheizungen

sind robust und langlebig und mit der

Anpassung der Vorlauftemperatur ist die

Leistung flexibel steuerbar. Die Vorteile

einer Freiflächenheizung liegen im automatisierten

Betrieb, es muss kein Personal

vorgehalten und Streusalz kann vermieden

werden. Zudem ist der Einsatz von Abwärme

möglich, so wird beispielsweise die

Restwärme von Thermalbädern genutzt,

um die Wege in Saunagärten und Außenbecken,

bei denen der Einsatz von Streusalz

kritisch ist, von Glätte frei zu halten.

Weitere Anwendungsbereiche sind unter

anderem Tiefgaragenabfahrten oder

Hubschrauberlandeplätze von Kliniken,

deren Funktion auch in den Wintermonaten

gewährleistet sein muss. Ein Sonderfall

ist die Rasenheizung, die in der deutschen

Bundesliga verpflichtend ist, um

auch in den Wintermonaten den Spielbetrieb

zu sichern und das Verletzungsrisiko

der Spieler zu verringern.

Zur Verlegung

Der Verlegeabstand beträgt, abhängig von

Einbautiefe und geforderter Leistung, üblicherweise

zwischen 10 und 20 cm. Überwiegend

werden die Rohrabmessungen

25 x 2,3 mm und 20 x 2,0 mm verwendet. In

wenigen Fällen, wie beispielsweise der einer

Treppenheizung, werden auch kleinere

Dimensionen eingesetzt. Die Rohre können

in eine Verlegeschiene geclipst oder

auch an einer Trägermatte befestigt werden.

Unter Pflasterbelägen sollten Trägermatten

korrosionsgeschützt sein, da Rost

durch den Aufbau an die Oberfläche diffundieren

und sich auf dem Pflasterbelag

abzeichnen kann. Besonderes Augenmerk

ist darauf zu richten, dass schmelzender

Schnee auch abfließen kann, sei es durch

den versickerungsfähigen Aufbau selbst

oder durch Rinnen oder Bodenabläufe unmittelbar

neben der beheizten Fläche oder

innerhalb der beheizten Fläche selbst.

Unter-Dämmung

nur in speziellen Fällen

Verlegeabstand und Verlegetiefe des Heizrohres

beeinflussen die Heizmitteltemperatur,

die erforderlich ist, um die ge-

22 IKZplus • IKZ-ENERGY 11/12/2019


ENERGIEEFFIZIENZ

Freiflächenheizungen

wünschte Oberflächentemperatur zu erreichen

sowie die Reaktionsfähigkeit des

Systems. Eine Dämmung unterhalb der

beheizten Fläche ist nur in seltenen Fällen

erforderlich, zum Beispiel bei einer freitragenden

Rampe oder Brücke und auch bei

einem hohen Grundwasserspiegel. In diesen

Fällen wären die Verluste nach unten

ohne Dämmung sehr hoch. Für ein gleichmäßiges

Temperaturprofil an der Oberfläche

ist eine Rohrverlegung als Doppelmäander

oder schneckenförmig in gleichmäßigem

Verlegeabstand zielführend. Eine

Verlegung als Einfachmäander hat ein ungleichmäßiges

Temperaturprofil zur Folge.

Sind konstruktionsbedingt Fugen von

Betonplatten zu kreuzen, dann ist darauf

zu achten, dass auch über den erforderlichen

Schutzrohren eine gleichmäßige

Beheizung stattfindet.

Eckpunkt I zur praktischen Auslegung

Die Wärmeverteilung wird wie bei einer

Industrieflächenheizung realisiert. Die

Heizkreise können einzeln an einen Heizkreisverteiler

angeschlossen werden oder

auch an einen Rohrverteiler mit Tichelmann-Rücklauf.

Rohrverbindungen müssen

gegen das eingesetzte Frostschutzmittel,

in der Regel Ethylen- oder Propylenglycol,

beständig sein. Hierzu bieten sich

Lösungen wie beispielsweise die O-Ringfreie

Schiebehülsenverbindungstechnik

an. Aufwand und Kosten für den Einbau

der Heizrohre sind vergleichbar mit einer

Industrieflächenheizung mit entsprechendem

Verlegeabstand.

Bilder: Rehau

Installation einer Treppenheizung. Im Bau (links) und im Betrieb (rechts).

Weitere Eckpunkte

zur praktischen Auslegung

Aufgabe einer Freiflächenheizung ist,

bei Gefahr von Glätte eine gleichmäßige,

knapp über dem Gefrierpunkt liegende

Oberflächentemperatur zu erzielen

und diese zu erhalten. Glätte durch

Reif oder gefrierende Niederschläge tritt

bei einer Außentemperatur unter -8 °C

praktisch nicht mehr auf und unterhalb

einer Außentemperatur von -12 °C

findet in unseren Breiten nahezu kein

Schneefall mehr statt. Dies bedeutet für

eine Freiflächenheizung, dass eine Auslegung

für eine Außentemperatur unterhalb

von -12 °C in der Regel nicht erforderlich

ist. Eine Oberflächentemperatur

von unter 0 °C ist unkritisch, sofern die

Oberfläche trocken ist. So ist in den überwiegenden

Anwendungsfällen die Auslegung

in einem Bereich von 150 W/m² bis

200 W/m² ausreichend.

Die Berücksichtigung einer zusätzlichen

Leistung für das Schmelzen von

Schnee hängt vom Anwendungsfall ab.

Das Schmelzen von Schnee ist energieintensiv.

Um beispielsweise 1 cm frisch gefallenen

Schnee innerhalb einer Stunde

zu schmelzen, wird eine Leistung von

rund 100 W/m² benötigt. Während für

übliche Wege und Zufahrten eine langsame

Schneeschmelze akzeptabel ist,

ist bei Rettungswegen und Hubschrauberlandeplätze

auf Kliniken gefordert,

fallenden Schnee möglichst sofort zu

schmelzen. Für derartige Anwendungen

kann die Leistung bis 300 W/m² betragen

und bei exponierten Flächen übersteigen.

Mit einer wassergeführten Freiflächenheizung

ist eine flexible Leistungsabgabe

durch Anpassung der Vorlauftemperatur

möglich. Sollte im späteren Betrieb

eine höhere Leistung erforderlich werden,

Bild: Rehau

Der Verlegeabstand

beträgt,

abhängig von

Einbautiefe

und geforderter

Leistung,

üblicherweise

zwischen 10

und 20 cm.

11/12/2019 www.ikz.de 23


ENERGIEEFFIZIENZ

Freiflächenheizungen

kann diese bei gleichem Massenstrom mit

einer höheren Temperaturspreizung übertragen

werden.

Für ein gleichmäßiges Temperaturprofil an der Oberfläche ist eine Rohrverlegung in

gleichmäßigem Verlegeabstand zielführend.

Wärmebereitstellung und Regelung

Aufgrund der Verwendung von Frostschutzzusätzen

werden Freiflächenheizungen

mit einer Systemtrennung und

Frostschutzüberwachung des Wärmetauschers

an das Heizungsrohrnetz angebunden.

Alle verbauten Rohrleitungen

und Anlagenkomponenten müssen für

das Frostschutzmittel geeignet sein. Bei

der Verwendung von zum Beispiel Propylenglycol

können üblicherweise Mischer,

Pumpen, Ausdehnungsgefäße etc. verwendet

werden, die auch bei der Solarthermie

eingesetzt werden.

Die Regelung besteht im Prinzip aus einer

witterungsgeführten Vorlauftemperaturregelung,

die mit einem oder mehreren

Oberflächentemperaturfühlern als

Referenzgröße ergänzt wird. Diese Fühler

können knapp unter der Oberfläche eingebaut

werden und sollten sich an Stellen

befinden, an denen zuerst Glätte zu

erwarten ist, beispielsweise in verschatteten

oder exponierten Bereichen, die einer

hohen nächtlichen Abstrahlung ausgesetzt

sind. Witterungsverhältnisse wie

Wind, Sonneneinstrahlung und Niederschläge

beeinflussen die Leistungsabgabe

an der Oberfläche. Mithilfe der Oberflächentemperaturfühler

kann die Vorlauftemperatur

bedarfsweise angepasst

werden. Schnee- und Eiswarner können

ebenfalls in die Regelung eingebunden

werden. Jedoch ist hier die Reaktionsgeschwindigkeit

des Bodenaufbaus zu beachten.

Die Heizung kann ausgeschaltet oder

in einem Stand-by-Betrieb abgesenkt werden,

wenn keine Glätte zu erwarten ist,

um einen unnötigen Energieverbrauch

zu vermeiden, zum Beispiel bei Außentemperaturen

über +5 °C oder unter -12 °C

über einen längeren Zeitraum. Die Regelung

beeinflusst den Wärmeverbrauch

und damit die Energiekosten der Freiflächenheizung.

Der Energiebedarf ist aufgrund

wechselnder klimatischer Bedingungen

sowie Betriebsweisen schwer vorherzusagen.

Bild: Rehau

Freiflächenheizungen schonen nicht nur Fußgängerbeine. Als Rasenheizung sind sie bspw. in

den Stadien der Fußballbundesliga verpflichtend.

Bild: Birgit Winter, Pixelio

Ein Fazit

Freiflächenheizungen dienen der Sicherheit

auf Verkehrswegen und verhindern

im automatisierten Betrieb Glätte dann,

wenn es nötig ist. Sie vermeiden den Einsatz

von Streusalz und Streusplitt. Wasserführende

Systeme sind – bei richtiger

Wahl des Rohrwerkstoffes – robust und

langlebig. Zudem kann Abwärme genutzt

werden und der Einsatz von regenerativer

Energie und nachwachsenden

Rohstoffen ist möglich. Dadurch ist bei

wasserführenden Systemen ein ökonomischer

und ökologischer Betrieb möglich.

Autor: Thomas Beck, Senior Engineer

Produktmanagement Flächenheizung/-kühlung,

Rehau AG + Co

24 IKZplus • IKZ-ENERGY 11/12/2019


Ausgabe Dezember 2018

MAGAZIN FÜR GEBÄUDE- UND ENERGIETECHNIK

www.ikz.de

Bild: New Africa

Foto: CASA

SONDERHEFT

Urheber Copyright xiefei

Klima & Lüftung 2019

Foto: hacohob

Lüftung • Klima • Kälte • Planung

Das Sonderheft zum Thema Klima & Lüftung 2019 sollte in keinem Haustechnik- und Fachplanungsbetrieb

fehlen. 76 Seiten stark! Sichern Sie sich jetzt Ihr persönliches Exemplar!

Einzelpreis: € 10,- inkl. MwSt. inkl. Versand

Heftbestellungen bitte schriftlich an: leserservice@strobelmediagroup.de

Kontakt für Rückfragen: Reinhard Heite, Tel. 02931 8900-50

Zur Feldmühle 9-11

59821 Arnsberg

Tel. 02931 8900 0

Fax 02931 8900 38

www.strobelmediagroup.de

Link zur

Kiosk-App (E-Paper)

www.ikz.de/app


Bild: DEPI

Pelletheizungen müssen sich im Wettbewerb gegenüber

anderen Heizsystemen auch über Komfort und

Betriebssicherheit bewähren. Mit der Installation des

Kessels allein ist das noch nicht getan.

Nummer sicher ist

planbar und kein Hexenwerk

Bekanntes und Neues zum Thema Befüllen, Lagern, Lagerbau und Entnahme von Holzpellets

Seit den ersten selbstgebauten Pelletlagern Ende der 1990er-Jahre hat sich viel getan. Insbesondere die Themen Sicherheit, Qualität

und Belüftung sind in den Fokus gerückt. Der Sachverständige und Experte für Holzpellets, Hans Martin Behr, stellt in seinem Beitrag

für IKZ-Energy den aktuellen Stand der Entwicklung vor.

Bild: DEPI

Das Standardwerk

für die Holzpelletlagerung

ist seit

vielen Jahren die

Lagerbroschüre des

DEPV/DEPI, z. B. für

Schrägbodenlager.

In Zeiten der Wärmewende und dem vermehrten

Austausch von fossilen gegen erneuerbare

Heizungen sind Komfort und

Betriebssicherheit der entscheidende Faktor,

mit dem Pelletheizungen heute punkten

müssen. Ein reibungsloser Heizungsbetrieb

und die daraus folgende Kundenzufriedenheit

hängen von vielen Faktoren

ab, u. a.: Vom Brennstoff, der im Regelfall

von zertifizierten Produzenten und Händlern

in der Qualität ENplus A1 stammt.

Vom Einblasvorgang, der möglichst schonend

erfolgen soll. Das wird von ENpluszertifizierten

Händlern gewährleistet.

Und insbesondere vom Pelletlager inkl.

Befüllleitungen und Austragssystemen.

Seit 2005 ein Standardwerk

Das Pelletlager ist ein komplexes System,

indem viele Komponenten ineinandergreifen.

Ein gut gebautes Pelletlager erfüllt

folgende Anforderungen:

• Erhalt der Pelletqualität bis zur Feuerung,

• sichere Handhabung, sodass die Vorgaben

an Zugänglichkeit, Brand- und

Explosionsschutz sowie die Lagerbelüftung

eingehalten werden.

Damit das Kundenlager fachgerecht ausgeführt

wird, veröffentlicht der Deutsche

Energieholz- und Pellet-Verband (DEPV)

seit 2005 eine Informationsbroschüre,

die laufend aktualisiert wird. „Lagerung

von Holzpellets“ richtet sich vor allem an

Heizungsinstallateure, Planer sowie Ingenieure

und Architekten. Die Broschüre

gilt mittlerweile als „Stand der Technik“.

26 IKZplus • IKZ-ENERGY 11/12/2019


BIOENERGIE

Holzpellets – Lagerung

Die Anforderungen an das Pelletlager aus

der Anfang des Jahres erschienenen Norm

DIN EN ISO 20023 werden in der neu erschienenen

Lagerbroschüre des DEPV umfassend

aufbereitet und anhand vieler Beispiele

und Skizzen dargestellt.

Schwerpunktwandel

im Laufe der Zeit

Ein kleiner Rückblick: In den ersten Ausgaben

lag das Hauptaugenmerk noch auf

der baulichen Konstruktion des Lagers,

d. h. auf Statik, Größe, Schrägen, Einblasweg

und brandschutzrechtlichen Anforderungen

aus der Musterfeuerungsverordnung.

2010 gab es dann vom DEPV

die ersten Sicherheitsaufkleber für Pelletlager,

die 2015 mit dem Erscheinen der

VDI-Richtlinie 3464 „Lagerung von Holzpellets

beim Verbraucher“ Eingang in die

Normung fanden. Dementsprechend wurde

die Belüftung des Lagers aufgrund der

Freisetzung von Kohlenmonoxid und

flüchtiger Kohlenwasserstoffe auch in der

Lagerbroschüre aufgearbeitet.

Anfang 2019 wurde die deutsche Übersetzung

der DIN EN ISO 20023 „Sicherer

Umgang und Lagerung von Holzpellets

in häuslichen und anderen kleinen

Feuerstätten“ veröffentlicht. Sowohl die

VDI 3464 als auch die ISO behandeln Lager

bis 100 t Kapazität. In der internationalen

Norm wurden u. a. vertiefende Anforderungen

für Aufstellräume von Gewebesilos

getroffen und statt einer einzelnen

Lüftungsleitung werden nun eine Zu- und

eine Abluftleitung gefordert.

Die Anfang des Jahres grundsätzlich

überarbeitete Lagerbroschüre des DEPV

fasst die Anforderungen aus der ISO

20023 und der VDI 3464 zusammen und

wird um die Erfahrungen des DEPV und

seiner Mitgliedsunternehmen mit Pelletlagern

ergänzt.

Die Lagerbroschüre kann kostenlos

beim DEPI als PDF heruntergeladen

oder für einen kleinen Unkostenbeitrag

auch im Shop bestellt

werden: www.depi/

lagerbroschuere.

Schächten, muss eine sichere Einstiegshilfe

vorgehalten werden. Zudem sollte der Befüllstutzen

im Lichtschacht im 45°-Bogen

nach oben ansteigend ausgeführt sein, sodass

der Fahrer bequem und ohne Stauchungen

den Schlauch anschließen kann.

Der Abstand von der Geländeoberfläche

nach unten in den Schacht sollte max.

25 cm betragen.

Anforderungen an die Statik

Besonders zu beachten sind auch die statischen

Anforderungen an das Lager, da es

dem Gewichtsdruck und den Druckspitzen

standhalten muss, die beim Kammerwechsel

im Silofahrzeug oder bei sogenannten

Stopfern auftreten können. Diese

Bild: Dittmar Koop

Druckspitzen können sich bis zu 0,03 bar

kurzzeitig aufbauen, was einer Horizontallast

von 3 kN/m entspricht. Berücksichtigt

man den Gewichtsdruck, so sollte die

Wand bei einer normalen Raumhöhe von

2,1 bis 2,5 m 11 bis 15 kN/m standhalten.

Sind Schrägen an der Wand angebracht,

kann sich dieser Wert noch erhöhen. Die

Wände müssen fest mit Boden und Decke

verbunden sein. Aber auch die Lagertür

und die Einlegebretter müssen den Anforderungen

gewachsen sein.

Schrägböden und Schallschutz

Speziell für Schrägbodenlager wurden

einige Anforderungen spezifiziert. Neu

ist, dass bei Schrägen aus dauerhaft rei-

Bild: DEPI

Anforderungen zur Lage

Ein wesentliches Thema ist die Zugänglichkeit.

Pelletlager müssen auf kurzen

Wegen und arbeitssicher erreichbar sein.

Die Einblasstrecke sollte maximal 30 m

betragen. Händler übernehmen keine Gewähr

für die Qualität der Ware, wenn die

Länge überschritten wird, da die Menge

an Feinanteil und Bruch steigt.

Die Befüll- und der Absaugstutzen

müssen sicher erreichbar und deshalb

nicht höher als 2 m angebracht sein.

Sind die Stutzen außerhalb der Reichhöhe,

muss es eine sichere Aufstiegshilfe

geben. Geeignet sind beispielsweise Podeste

oder Rampen. Auch in die Tiefe, in

Dieser Anblick freut keinen Pelletlieferanten: tief in einem Schacht angebrachte Befüllstutzen.

Das Regelwerk empfiehlt max. 25 cm unter der Geländeoberkante.

11/12/2019 www.ikz.de 27


BIOENERGIE

Holzpellets – Lagerung

Bild: DEPI

Eine weitere Neuerung betrifft die vormals

separate Lüftungsleitung, die jetzt

als Zu- und Abluftleitung konzipiert werden

muss, sodass ein natürlicher Luftaustausch

gewährleistet ist. Die optimale Belüftung

kann individuell über ein neues

Online-Tool des Deutschen Pelletinstituts

(DEPI), den Lagerkonfigurator (www.depi.

de/lagerkonfigurator), berechnet werden.

Die Planungsskizzen zeigen auch die optimale

Position der Stutzen und der Prallmatte.

Beratungspflicht des Installateurs

Ein Übergabeprotokoll war bereits zuvor

sowohl in der Lagerbroschüre als auch im

Anhang der VDI 3464 enthalten. Durch

die Aufnahme in die internationale Normierung

hat es aber einen Bedeutungszuwachs

erfahren. Es sollte – verbunden

mit der impliziten Beratungspflicht des

Heizungsinstallateurs bei Übergabe einer

jeden neugebauten Heizungsanlage

mit Pelletlager, auch wenn das Lager vom

Eigentümer selbst gebaut wurde – beidseitig

unterzeichnet und dem Kunden

übergeben werden. Dabei sollte der Heizungsbauer

das Lager prüfen und über

Sicherheitshinweise (Belüftung, Vermeiden

von Zündquellen) und die mindestens

alle zwei Jahre stattfindende Komplettentleerung

bzw. Reinigung informieren.

Das Übergabeprotokoll hilft im Fall

von Störungen oder Reklamationen.

Nach einer ausführlichen Beratung muss der Heizungsbauer dem Kunden ein Übergabeprotokoll

für sein Pelletlager aushändigen.

bungsarmen Oberflächen, wie beispielsweise

Laminat oder der glatten Seite von

Siebdruckplatten, ein Winkel von mind.

35 ° notwendig ist. OSB-Platten sind kein

geeignetes Material für Schrägbodenlager.

Beim Bau ist auf die Druckentlastung der

Austragung und die Statik der Schrägen

zu achten. So hat sich eine Kombination

von Winkelträgern mit stabilen Kanthölzern

bewährt.

Neu sind Empfehlungen zum Schallschutz

bei Entnahmeschnecken. Für die

Schallentkopplung werden Gummiauflagen

oder Schwingungspuffer an den

Befes tigungsstellen empfohlen.

Keine Flachbodenlager

mit Saugsonden

Erstmals spricht sich der DEPV gegen

Flachbodenlager mit Saugsonden aus.

Der Grund: Immer wieder bleiben zwischen

den Saugsonden Restmengen zurück.

Wird das Flachlager nicht regelmäßig

komplett entleert, konzentriert sich

in den Restmengen der Feinanteil. Dies

führt zu steileren Schüttwinkeln und zu

steigenden Restmengen, die nicht automatisch

ausgetragen werden können. Dadurch

erhöht sich der Feinanteil im Lager

weiter und es steigt das Risiko von Störungen

im Heizungsbetrieb.

Neuerungen zum Thema Belüftung

Ein weiteres Dauerthema für den Gesundheitsschutz

im Pelletlager ist die Belüftung.

So definiert die DIN EN ISO 20023

Anforderungen an luftdurchlässige Gewebesilos:

Bis 15 t Kapazität muss der

Aufstellraum eine Lüftungsöffnung von

15 cm²/t haben oder mind. das Vierfache

Volumen des Gewebesilos, wenn er nicht

gleichzeitig auch der Heizraum ist.

Ein Ausblick

Als nächstes steht die Überarbeitung der

VDI 3464 bzgl. der Übernahme der Neuerungen

aus der ISO 20023 an. Zudem wird

an der ISO 20024, der Norm für Lager

über 100 t Fassungsvermögen, gearbeitet,

die derzeit als Entwurf vorliegt. Hier

ist eine Gefährdungsbeurteilung des Lagers

bzgl. Brand- und Explosionsschutz

sowie Gesundheitsschutz zentraler Bestandteil.

Schaut man auf die Gesamtheit der Pelletlager

in Deutschland, bleibt festzustellen,

dass sich der Anteil an „guten“ Lagern,

insbesondere auch bei den Fertiglagern,

erhöht hat. Das liegt sicherlich auch an der

wachsenden Zahl von kompetenten Heizungsbauern,

dem Engagement der Kesselhersteller

und der DEPI-Qualifizierung

zum Pelletfachbetrieb.

Autor: Hans Martin Behr,

von der Industrie- und Handelskammer

Hellweg-Sauerland öffentlich bestellter und

vereidigter Sachverständiger für

Holzfeuerungsanlagen bis 2 MW

28 IKZplus • IKZ-ENERGY 11/12/2019


Besser inwohnen

www.in-wohnen.de

bad

Mit vielen Ideen fürs Vernetzte Wohnen

®

Herbst

2019

D € 5,50 | A € 6,00

L € 6,50 | CHF 9,00

TAPETEN IM BAD

Nein? Doch!

Im

Gespräch mit

Andreas Enslin,

Chefdesigner

von Miele

Waschmaschine, Trockner & Co.

smart + nachhaltig waschen

WOHNRAUMLÜFTUNG – FEINSTAUB ADE | DUSCHEN – ABER RICHTIG!

inwohnen

ist das topaktuelle Planungsmagazin für Bad, Küche und moderne Haustechnik.

inwohnen erscheint 4x im Jahr am Kiosk und richtet sich an investitionsbereite

Bauherren und Renovierer. Das Magazin präsentiert innovative Wohnwelten mit

vielen nützlichen Tipps und Problemlösungen, jede Ausgabe mit Themen-Extra.

© Alliance

Fordern Sie ein kostenloses Probeexemplar an!

STROBEL VERLAG GmbH & Co. KG

Postfach 5654, 59806 Arnsberg

Leserservice inwohnen

Tel. 02931 8900-50/54, Fax -38

leserservice@strobelmediagroup.de

www.in-wohnen.de

www.in-wohnen.de


SMART ENERGY

E-Mobilität

Bild: A. Krebs, Pixabay

„Wir

wollen eine

Volksladebox“

Kosten für die E-Ladesäule in Speisen,

Mitgliedsbeiträge oder Jahreskarten

einkalkulieren

Das Gütersloher Unternehmen Westaflex baut mittlerweile seit acht Jahren die Stromladesäulen Ladefoxx. Das smarte E-Ladesystem

ist aus dem Wunsch oder gar der Notwendigkeit heraus entstanden, Elektrofahrzeuge spontan überall und ungeplant auf- und

zwischenladen zu können. In seinem Gastbeitrag für IKZ-Energy erläutert Westaflex-Geschäftsführer Jan Westerbarkey das Konzept.

Bisher wird die E-Mobilität hierzulande

unter anderem durch die dürre Ladesäulen-Landschaft

behindert. Es gibt zu

wenige, belegte oder gar defekte Ladepunkte.

Hinzu kommen kostspielige Anschaffungs-

und Wartungskosten für die

Betreiber, die zudem mit den starren Auflagen

des deutschen Eichrechts zu kämpfen

haben. E-Fahrer haben es immer noch

mit Reichweitenproblemen zu tun. Sie planen

ihre Strecken streng nach der Verfügbarkeit

von E-Säulen. Um möglichst sorgenfrei

von A nach B zu kommen, müssen

sie sich im Vorfeld gleich bei mehreren

regionalen Anbietern registrieren. Dabei

ist nicht nur das häufige Anmelden lästig,

sondern auch das permanente Mitführen

sogenannter Händlerkarten.

Günstig und gut

Die Marke Ladefoxx verspricht nun gleich

mehrere dieser Probleme auf einmal zu lösen.

Mit der Low-Tech-Ladesäule „Countdown“

haben wir eine kosteneffiziente,

smarte E-Zapfsäule entwickelt, die sowohl

die Betreiber als auch die Ladekunden auf

unterschiedlichste Weise entlastet. Das beginnt

schon beim Preis: Eine Countdown

Wallbox ist bereits ab 799 Euro zu haben.

Im Vergleich dazu liegt der Preis einer nach

deutschem Eichrecht installierten Hightech-Ladesäule

inkl. zweier Ladepunkte bei

etwa 7000 Euro. Die Installation ist einfach

und wenig Fachpersonal-intensiv. Die Ladeleistung

von 11 kW (16 A/ Ladedose Typ 2)

entspricht der Anschluss-Leistung eines Küchenherdes.

Der Fachelektriker prüft und

misst die Zuleitung zur Anschlussdose und

belegt die Klemmleiste. Mauerdurchbruch

oder Erdverlegung bis zum Anschlusspunkt

kann bereits der Hausmeister erledigen.

Wir wollten keine Profi-Hardware für Spezialisten,

sondern eine Volksladebox.

Alternative Abrechnungssysteme

Auch die Abrechnung ist bewusst einfach

gestaltet. Die E-Ladesäule von Ladefoxx

kann auf die Zähl- und Abrechnungsprozesse

nach dem bekannten Händlerkartenmodell

verzichten. Wo etwas verbraucht

wird, muss genau gemessen und

abgerechnet werden – in Deutschland

greift hierfür das Eichrecht. Der Countdown-Ladepunkt

kalkuliert allerdings

eine Stellplatzgebühr aus Eigen- und Netzstrombezug

und nicht Session fee oder

nach kWh. Somit fällt er nicht unter das

Eichrecht. Die Abrechnung regelt der Betreiber.

Das kann zum Beispiel der Buchhändler,

Friseur, die Kfz-Werkstatt oder

der Discounter sein. Der Strom ist für die

E-Mobilfahrer kostenfrei. Die Betreiber

kalkulieren den Preis als Service-Angebot

ein in Speisen, Mitgliedsbeiträge oder

Jahreskarten.

Oder der Besitzer, bspw. ein Hotelier,

händigt an seinen Kunden den Schlüssel

aus, mit dem das E-Mobil über einen

längeren Zeittraum vollständig aufgeladen

werden kann. Hierfür kann eine Gebühr

erhoben werden. Das Abrechnungssystem

selbst kann von den Ladekunden

30 IKZplus • IKZ-ENERGY 11/12/2019


SMART ENERGY

E-Mobilität

pauschal und komfortabel entweder über

eine geldwerte Bonuskarte oder eine Zeitschaltsteuerung

genutzt werden. Mit unserem

System können E-Säulen-Betreiber

ihren Kunden kostengünstiges Nachladen

ermöglichen, ohne ihnen vorab eine

RFID-Karte oder Ähnliches aushändigen

zu müssen – wir machen damit das E-Laden

so einfach und unkompliziert, wie es

längst sein sollte.

Dadurch, dass wir die E-Säulen für

kommerzielle Betreiber erschwinglich

machen und sie diese relativ leicht bspw.

an ihre Kundenparkplätze anbringen können,

schaffen wir deutschlandweit ein

dichteres Verfügbarkeitsnetz. Und dort,

wo vorher vielleicht lediglich eine High-

Tech-Ladesäule eines öffentlichen Betreibers

stand, stehen bald vielleicht acht von

unseren Low-Tech-E-Säulen, die gewerblich

genutzt werden können.

Schlank machen

Low-Tech bedeutet Verzicht auf alles,

was unnötig Kosten verursacht. Durch

das Eichrecht ist der Betrieb einer Ladesäule

mit laufenden Kosten verbunden

für Roaming, Eichprüfung und

Wartung, was deutliche Zuschläge zum

Strompreisbezug für den Betreiber bedeutet.

Low-Tech-Ladesäulen können

aufgrund anderer Abrechnungsmodalitäten

darauf verzichten und haben Platz

für smarte Software-Bausteine wie die

Bild: Pulse Design

Die jüngsten Vorschläge der Bundesregierung sehen den Aufbau von 1 Mio. Elektromobil-

Ladestellen in Deutschland vor. Übertrieben, sagen Fachkreise. In den Fokus rückt allerdings

nicht nur die Menge, sondern auch die technische Lösung.

Countdown-Schaltung. Im Countdown-

Modus wird der Ladevorgang grundsätzlich

von der Ladestation und nicht

vom Fahrzeug beendet. Nach Abschluss

des Ladevorgangs ist das Kabel aus der

Wallbox-Buchse umgehend frei und wird

bei verschlossenem E-Fahrzeug nur am

E-Auto festgehalten. So kann der Händler

und E-Säulenbetreiber sein Geschäftsmodell

um das Zusatzangebot „kostenlos

parken und laden“ erweitern – bspw.

für den Zeitraum der Beratung, des Verkaufsgesprächs

oder der Warenauswahl.

Jedoch gilt die Faustregel: Ein smarter

Software-basierter Ladepunkt hat alle

Optionen einer ausgewachsenen Hardware-basierten

Ladesäule. Sollten sich

Countdown-Ladesäule von Ladefoxx: Durch

die intelligente Countdown-Schaltung ist

die Ladezeit frei definierbar, das können

30 Minuten oder zwei Stunden sein. Nach

dieser Zeit wird das Fahrzeug automatisch

entkoppelt, der Ladeanschluss wird frei für

andere Nutzer.

Anforderungen wandeln, erfolgt die Erweiterung

durch Freischaltung von Software-Optionen.

Die Software kann remote

ausgerollt werden, ohne die jeweiligen

Aufstellungsstandorte aufsuchen zu

müssen. Gleichzeitig kann eine Ferndiagnose

und Monitoring problemlos aufgeschaltet

werden, ohne ein Stück Hardware-Bauteil

nachzurüsten.

Ladefoxx adressiert alle E-Mobilisten

Wer ist die Zielgruppe von Ladefoxx-Ladesäulen?

Grundsätzlich spricht Westaflex

mit seinem Konzept alle E-Mobilisten

an – vom E-Roller-Fahrer über E-Biker und

E-Scooter bis hin zum E-Car-Fahrer. Die

Countdown-Ladesäule adressiert insbesondere

Gewerbetreibende und Einzelhändler,

Hotels und Gaststätten. Doch Ladefoxx

bietet ein breites Spektrum an. Mit

den Ladesäulen lassen sich ganze Parkhäuser

und Firmenflächen ausrüsten, genauso

wie die heimische Garage, Fahrzeugflotten,

Fuhrparks oder Carsharing-

Netzwerke, und nicht zuletzt der einzelne

Elektrofahrzeug-Besitzer.

Autor: Jan Westerbarkey, Geschäftsführer der

Westaflex GmbH in Gütersloh.

Bild: VDE

11/12/2019 www.ikz.de 31


SMART ENERGY

Photovoltaik

Der Energiespeicher steuert auch die

Speicherung der Überschussproduktion

von PV-Anlage und BHKW.

Nachhaltiges Energiemanagement

Bio-Hotel im Allgäu steigert Grad der Eigenstromnutzung durch Energiespeicher auf mehr als 70 %

Es ist das erste zertifizierte Bio-Hotel im Allgäu und zählt zu den Vorreitern des Trends zur Nachhaltigkeit - das Hotel Eggensberger in

Hopfen am See. Vor allem das Energiekonzept wirkt innovativ. Der Strombedarf des Allgäuer Betriebs wird zu großen Teilen gedeckt

durch eine 1000 m² umfassende Photovoltaik-Anlage (PV) sowie eines mit Biogas betriebenen hauseigenen BHKW.

Die Herausforderung

Während vor allem die PV-Anlage tagsüber

Strom erzeugt, ist der Bedarf des

Hotels in den Abendstunden am höchsten.

Um trotzdem einen hohen Grad an

Eigenstromnutzung zu erreichen, muss

diese zeitliche Differenz zwischen Erzeugung

und Bedarf überbrückt werden. Zu

diesem Zweck kommt bei Eggensberger

der „Sirio Power Supply“ (SPS) der Riello

Power Systems GmbH zum Einsatz. Der

Ener giespeicher steuert die Speicherung

der Überschussproduktion von PV-Anlage

und BHKW und speist sie bei geringer

Sonneneinstrahlung oder in den Nachtstunden

wieder ein. So kann das Hotel

fast 72 % selbst verbrauchen und der Rest

wird ins öffentliche Netz eingespeist. Die

integrierte USV-Anlage bietet gleichzeitig

Schutz vor Stromausfall und steigert

die Netzqualität.

Vorreiterrolle in der Hotelbranche

Das Bio-Hotel Eggensberger hat sich dem

Ziel verschrieben, seinen Gästen höchsten

Komfort zu bieten. Und dies möglichst,

ohne die Umwelt unnötig zu belasten.

Deshalb setzt das erste zertifizierte

Bio-Hotel im Allgäu auch seit fast 20 Jahren

unter anderem auf die Verwendung

von Bio-Lebensmitteln und Naturprodukten.

Aber es sollte noch mehr getan werden.

„2014 wollten wir auch in Bezug auf

Ener gieeffizienz eine Vorreiterrolle in

der energieintensiven Hotelbranche einnehmen“,

sagt Andreas Eggensberger, Geschäftsführer

der Eggensberger OHG. „Unser

Plan war es, den Eigenverbrauch mit

Erneuerbaren Energien abzudecken, die

zum größten Teil selbst gewonnen werden.“

Dies sollte vor allem durch die Erweiterung

der bereits bestehenden Photovoltaik-Anlage

von 50 kW p auf 170 kW p

gelingen. Fündig wurde der Hotel-Betreiber

bei der GermanPV GmbH. Dabei handelt

es sich um ein herstellerunabhängiges

PV-Systemhaus, das mit anderen in

der Sonnenstromtechnik aktiven Unternehmen

ganzheitliche Energiekonzepte

entwickelt.

Maximierung der Eigenstromnutzung

Zu Beginn des Projekts analysierte GermanPV

den Strombedarf des Hotels. Die

Experten stellten fest, dass beim Einsatz

einer größer dimensionierten Anlage –

eine PV-Leistung von 167,8 kW p wurde angestrebt

– vor allem während der Sonnenstunden

in der Mittagszeit mehr Energie

als nötig produziert wird. Am Abend jedoch

steht nur wenig Eigenstrom zur Verfügung.

Sollte das Hotel aber vor allem im

Sommer weitestgehend unabhängig vom

32 IKZplus • IKZ-ENERGY 11/12/2019


SMART ENERGY

Photovoltaik

öffentlichen Stromnetz sein, müsste ein

hoher Grad an Eigenstromversorgung

erreicht werden. Aus diesem Grund ist

es notwendig, die tagsüber produzierte

Überschussenergie zu speichern und bei

Bedarf an die Verbraucher abzugeben.

Hierfür arbeitet GermanPV mit der Riello

Power Systems GmbH zusammen, die

einen sogenannten „SPS-Speicher“ entwickelt

hat.

„Diese Speicher können beliebig viele

kleine bis mittlere Systeme der Stromerzeugung

aus verschiedenen Energiequellen

wie Solar- und Windenergie sowie

BHKW und USV-Anlagen integrieren

und managen“, sagt Mathias Sigl, Geschäftsführer

der Riello Power Systems

GmbH. Durch einen externen Batteriespeicher,

der entsprechend den Anforderungen

der Last dimensioniert ist, erlaube

es das Gerät, regenerativ erzeugte

Energie zu speichern, um sie dann am

Abend oder bei geringer Sonneneinstrahlung

wieder einspeisen zu können.

Hierbei könne ein Wirkungsgrad

von 96 % erreicht werden. So ist es dem

Hotel möglich, weitgehend unabhängig

vom öffentlichen Netz zu sein, da die regenerativen

Energiequellen bestens ausgenutzt

werden.

Energiemanagementsystem und

USV-Anlage in einem

Die Anlage übernimmt das Management

aller Energiequellen inklusive der eigenen

Erzeugungsanlagen und der Verbraucher.

Steuerung und Überwachung der eingesetzten

Bleigel-Batterien erfolgen über

das integrierte Programm „Battery Care

System“. Dieses stellt Leistungsfähigkeit

und Zuverlässigkeit der Batterien sicher,

indem die Ladung mit zwei Spannungskennlinien

erfolgt, um den Ladestrom zu

optimieren. Zur Verlängerung der Lebensdauer

verfügt das System über eine temperaturabhängige

Spannungskompensierung

und einen Entladungsschutz. Durch

den integrierten Ausgangstransformator

wird die galvanische Trennung zwischen

Verbraucher und Batteriesystem gewährleistet.

„Im Gegensatz zu handelsüblichen Systemen

verfügt der ,SPS-Speicher‘ nicht nur

über alle Funktionalitäten eines Speichers,

sondern auch über die einer Doppelwandler-USV“,

sagt Andreas Eggensberger. Mithilfe

einer integrierten USV-Anlage bietet

der SPS-Speicher zusätzlich Schutz für

alle angeschlossenen Verbraucher. Gleichzeitig

verbessert das Gerät durch Ein- und

Ausgangsfilter die Stromqualität. Dies ist

wichtig, da vor allem regenerative Energie

anfällig für Netzprobleme, beispielsweise

Verzerrungen, Spannungsabfälle

und -spitzen sowie Frequenzschwankungen,

ist.

Drei Anwendungsfälle

Im Hotel Eggensberger ist nun seit April

2014 das Modell „SPS 200“ mit einer Nennleistung

von 200 kVA und einem maximalen

Ladestrom von 432 A in Betrieb. Das

Aufladen der Batterien erfolgt durch die

PV-Anlage, das BHKW oder übers Stromnetz.

Dabei muss zwischen drei Fällen

unterschieden werden: ausreichende, geringe

und keine Sonnenenergie. Bei ausreichender

Sonneneinstrahlung wird der

Verbrauch komplett von der PV-Anlage getragen.

Die Batterien werden mit der erzeugten

Überschussenergie als Rückstrom

über den Bypass der SPS-Anlage geladen,

Strom aus dem öffentlichen Netz wird dafür

nicht genutzt. Ist die Batterie geladen,

wird die restliche Energie dem öffentlichen

Netz zur Verfügung gestellt. Hierbei wird

eine Überschusseinspeisung ohne Wirkungsgradverluste

garantiert, da die PV-

Anlage direkt über einen Statischen-Bypass

an das öffentliche Netz gekoppelt ist.

Fällt die Sonnenenergie geringer aus

(zum Beispiel bei schlechtem Wetter oder

in den Morgen- und Abendstunden), liefert

die Batterie die notwendige Differenz.

In den Nachtstunden und wenn die Batterie

leer ist, wird das Hotel über das öffentliche

Netz versorgt. Gleichzeitig sichert

der „SPS-Speicher“ das Netz gegen

Störungen sowie mithilfe der integrierten

USV gegen Ausfälle ab.

Eigenstromnutzung

erreicht bis zu 72 %

Mit 90 kWh-45 kWh für den täglichen Verbrauch

sowie 45 kWh zur Absicherung bei

Stromausfällen – verfügt das Hotel Eggensberger

nun über Deutschlands größte

Speicheranlage in einem Hotel. Sie ermöglicht

es dem Betreiber, bis etwa 72 % des

mit der PV-Anlage erzeugten Stroms selbst

zu nutzen. Dadurch gehört das Hotel nicht

nur zu den umweltfreundlichsten in der

Bundesrepublik – etwa 40 % des Bedarfs

können durch Eigenstromnutzung abgedeckt

werden –, sondern es kann jährlich

einen Großteil der Energiekosten einsparen.

Diese sind seit der Nutzung des Speichers

von 7 % auf unter 5 % des Umsatzes

gesunken. Eggensberger: „So ermöglichen

uns die Einsparungen, regional erzeugtes

Biogas für das Gästeauto und das Blockheizkraftwerk

dazuzukaufen.“

Bilder: Biohotel Eggensberger

www.eggensberger.de

www.riello-powersystems.de

www.germanpv.com

Die bestehende Photovoltaik-Anlage wurde

im Jahr 2014 von 50 auf 170 kW p erweitert.

11/12/2019 www.ikz.de 33


TIPPS & TRENDS

Produkte

M-Tec GmbH

Wärmepumpen mit integriertem EMS

Der österreichische Wärmepumpenhersteller M-Tec stattet seine Erd- und

Luftwärmepumpen ab sofort mit einem integrierten Energiemanagementsystem

(EMS) aus. Das E-Smart ist künftig in allen Wärmepumpen der Österreicher

integrierbar. Für bereits installierte Wärmepumpen bietet M-Tec

ein Modul für die Nachrüstung an. Als zentrale Schnittstelle steuert das

EMS die Produktion und den Verbrauch der Energie. Ziel ist eine Maximierung

des Eigenverbrauchs. Überschüssiger Solarstrom wird zur Wärmepumpe,

zu einem Batteriespeicher oder einer Ladestation für Elektroautos

geführt. Zusätzlich benötigter Strom wird eingekauft, wenn er am

preiswertesten ist.

Bild: M-Tec

M-Tec GmbH, Aumühlweg 20, A-4812 Pinsdorf, Tel.: +43 (0)7612 20805 - 0,

office@mtec-wp.at, www.mtec-wp.com

SMA Solar Technology AG, K2 Systems GmbH

Montageplanung und

Anlagenauslegung vernetzt

Ab sofort lassen sich Solarsysteme von der Dachmontage bis zum elektrischen

Anlagendesign noch einfacher und komfortabler planen. Die neue

Planungssoftware von K2 Systems verfügt jetzt über eine direkte Schnittstelle

zum Wechselrichter-Auslegungstool Sunny Design von SMA. Durch

die Vernetzung der mechanischen und elektrischen Planung von Solarsystemen

entfällt die mehrfache Dateneingabe und der Planungsaufwand soll

damit deutlich reduziert werden. Voraussetzung für die Nutzung sind ein

K2 Base und ein Sunny Design Benutzerkonto.

SMA Solar Technology AG, Sonnenallee 1, 34266 Niestetal, Tel.: +49 (0)561 9522 - 0,

Fax: (0)561 9522 - 100, info@sma.de, www.sma.de

Bild: SMA

K2 Systems GmbH, Industriestraße 18, 71272 Renningen, Tel.: (0)7159 42059 - 0,

Fax: (0)7159 42059 - 177, info@k2-systems.com, www.k2-systems.com

Enisyst GmbH

MSR-Komplettpaket von Enisyst

Mit seinem neuen Komplettpaket bietet der EMS-Spezialist Enisyst Kommunen,

Stadtwerken und Unternehmen an, ihre Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik

(MSR) zu sanieren. Die Steuerung optimiert den Betrieb von

Heizungs-, Kühl- und Solarstromanlagen mit Stromspeichern. Zudem regelt

sie ab sofort auch Lüftungssysteme und Ladesäulen für Elektrofahrzeuge.

Das Steuerungssystem arbeitet herstellerunabhängig und es ist modular

aufgebaut, sodass es jederzeit erweitert werden und auch in Bestandsanlagen

integriert werden kann. Über die webbasierte Benutzeroberfläche

und das Fernwartungstool lassen sich die Anlagen ortsunabhängig steuern

und überwachen.

Bild: Enisyst

Enisyst GmbH, Robert-Bosch-Str. 8/1, 72124 Pliezhausen, Tel.: +49 (0)7127 34979 - 88,

info@enisyst.de, www.enisyst.de

34 IKZplus • IKZ-ENERGY 11/12/2019


TIPPS & TRENDS

Produkte

Heckert Solar GmbH

Cloud-Angebot jetzt auch von Heckert

PV-Modulhersteller Heckert Solar hat gemeinsam mit den Energieversorgern Innogy,

EnviaM und LEW eine SolarCloud auf den Markt gebracht, mit der Betreiber von

Photovoltaikanlagen ihren selbst erzeugten Strom in einen virtuellen Speicher

einlagern können. Angeboten werden individuelle Speicherpakete zwischen

1 000 und 3 500 kWh. Für alle Neu-Anlagen bis max. 10 kW p PV-Leistung bietet

Heckert außerdem speziell abgestimmte Komplett-Pakete inklusive Garantie-Erweiterung

für Solarmodule und PV-Allgefahrenversicherung an.

Bild: Heckert Solar

Heckert Solar GmbH, Carl-von-Bach-Str. 11, 09116 Chemnitz,

Tel.:+49 (0)371 458568 - 0, Fax: (0)371 458568 - 880,

info@heckert-solar.com, www.heckert-solar.com

Bild: IBC Solar

IBC Solar AG

Neue Energieplattform von IBC

IBC Solar hat seine neue Energieplattform efa:home auf dem Markt eingeführt.

Das Energiemanagementsystem (EMS) soll die Energieflüsse im

Eigenheim optimieren unter dem Gesichtspunkt, dass so viel Solarstrom

wie möglich im eigenen Haus verwendet wird. Das System ist herstellerunabhängig.

Es kann sich mit Wechselrichtern, Speichern, Wärmepumpen

und Ladeinfrastrukturen für Elektromobilität diverser Hersteller vernetzen.

Neue Produkte können jederzeit in das EMS eingebunden werden.

In Kombination mit der passenden App hat der Kunde stets alle Informationen

auf einen Blick. Ein Serviceportal für Installateure erlaubt zudem

den Zugriff auf alle relevanten Daten.

IBC Solar AG, Am Hochgericht 10, 96231 Bad Staffelstein,

Tel.: +49 (0)95739224 - 0, Fax: +49 (0)9573 9224 - 111,

info@ibc-solar.de, www.ibc-solar.de

Deutsche Rockwool GmbH & Co. KG

Flächenheizung per Clips

Fußbodenaufbauten mit Flächenheizung bestehen in der Regel

aus drei Funktionslagen, deren Verlegung zeitintensiv und aufwendig

ist: eine Trittschalldämmung aus Mineralwolle, eine Abdichtung

mit PE-Folie und Noppenplatten zur Befestigung der Heizungsrohre.

Mit der neuen Floorrock Heat bringt Rockwool alle drei Lagen

in einem Schritt ein. Die Heizungsrohre werden einfach mit Rohrclipsen

auf der Dämmplatte befestigt. Floorrock Heat basiert auf einer Steinwolle-Dämmplatte.

Diese wird mit einer Abdichtungslage durch eine neue Stepptechnik so fest

verbunden, dass eine stabile Grundlage für die Befestigung flexibler Heizungsrohre mittels

Rohrclipsen entsteht. Durch die Verlegung dieses neuartigen Verbundprodukts soll dem

Handwerker viel Zeit beim Aufbau der Fußbodenkonstruktion erspart bleiben. Eine zweiseitige

Überlappung erleichtert die schnelle Verklebung der dichtgestoßenen Platten.

Bild: Rockwool

Deutsche Rockwool GmbH & Co. KG, Rockwool Straße 37-41, 45966 Gladbeck, Tel.: +49 (0)2043 408 - 0, Fax: +49 (0)2043 408 - 570,

info@rockwool.de, www.rockwool.de

11/12/2019 www.ikz.de 35


Qualität vom Marktführer!

Als weltweiter Marktführer für Lithium-Solarstromspeicher bieten wir nicht nur höchste Qualität Made in Germany.

Denn durch die intelligente Vernetzung aller sonnenBatterien zu unserer sonnenCommunity versorgen wir bereits über

160.000 Menschen mit dezentral erzeugter, sauberer und bezahlbarer Energie. So funktioniert die Energieversorgung

der Zukunft – sichern Sie sich diese Spitzentechnologie schon heute.

• 100 % Unabhängigkeit vom Energieversorger

• Bereits über 40.000 verkaufte Systeme

• Intuitives, anschlussfertiges Komplettsystem

• Sichere und langlebige Zelltechnologie

• Smart-home-ready mit intelligentem Zubehör

• Strom-Sharing in der sonnenCommunity

• sonnenFlat mit 0 Euro Stromkosten*

• Saubere E-Mobilität mit dem sonnenCharger

Weitere Informationen erhalten Sie unter 0800/929 33 40 oder auf sonnen.de

* Für Mitglieder der sonnenCommunity. Begrenztes Kontingent.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine