Global Compact Jahrbuch 2019: SDGs und Agenda 2030

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In den vier Jahren seit der Einigung auf die 17 Sustainable Development Goals (SDG), kurz Global Goals, gab es helle Punkte des Fortschritts, zum Beispiel lebt die Weltbevölkerung besser und die Kindersterblichkeit unter fünf Jahren ist gesunken. Die Fortschritte bei den meisten der Global Goals waren jedoch schleppend oder sogar umgekehrt. Heute leben noch 700 Millionen Menschen in extremer Armut, über 170 Millionen sind arbeitslos und mehr als 70 Millionen suchen Zuflucht. Hungersnöte, extreme Klimaereignisse, Überbevölkerung, Wasserknappheit, geschlechtsspezifische Gewalt und ein Anstieg bewaffneter Konflikte und Extremismus bestimmen nach wie vor das Leben auf der ganzen Welt. Die 2019 Ausgabe des deutschen Global Compact Jahrbuchs zieht eine erste Zwischenbilanz.

SDGs und

Agenda 2030

JAHRBUCH 2019


Herausgegeben mit freundlicher Unterstützung durch:


ZITAT

I take away

three concrete

messages from

your discussions these

last two days.

First, a welcome and

clear renewal of the commitment

by leader after

leader to implement the

2030 Agenda.

Amina Mohammed, UN Deputy Secretary-General’s

closing remarks at High-level Political Forum on

Sustainable Development (25. September 2019)

This is absolutely critical to respond to challenges that affect all countries:

poverty, gross inequalities, discrimination against women and girls;

climate change and a rapidly deteriorating natural environment.

Second, I sensed wide recognition that we are off track to achieve the

Goals by 2030 – and real determination to get us back on track.

We heard an impressive range of acceleration actions by governments,

the private sector, local authorities, civil society, the philanthropic

sector, the scientific community and more.

And whether through the Special Events with key stakeholders or

through the numerous activities at the SDG Action Zone, the global

movement behind the Goals continues to grow.

Third, the task ahead is clear.

In issuing a global appeal for a decade of action to deliver the Goals by

2030, the Secretary-General noted that we can still achieve the SDGs;

that a transformation of society and the economy is required to do so.

As the Secretary-General said, we need global action, local action and

people action.

globalcompact Deutschland 2019

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Zitat:

Amina Mohammed, UN Deputy Secretary-General

Setting the Scene

Die Europäische Union, Deutschland und

die Agenda 2030

Von Marlehn Thieme

Was wurde beim SDG-Gipfel 2019 der Vereinten

Nationen erreicht?

Von Jenni Lee

Deutschland bei 29 von 66 Nachhaltigkeitszielen

nicht auf Kurs

Scheitern die SDGs in Asien?

Erster unabhängiger Weltnachhaltigkeitsbericht

veröffentlicht

SDG Business Forum fordert:

Nicht länger planen – jetzt geht es um Zielerreichung

Let‘s all become activists

By Lise Kingo

INHALT

Erste SDG-gebundene Anleihe bringt 2,5 Milliarden

Euro ein

32

Quo Vadis SDGs?

6

Setting the Scene –

Wie weit sind wir von der

Erreichung der globalen

Entwicklungsziele entfernt?

28

„Business Leadership for 1.5°C“ hebt die Vorreiterrolle

von Klimaexperten hervor

48

„Ein Wirtschaftssystem, das auf Wachstum und Profit

ausgelegt ist, kann nicht nachhaltig sein“

30

News

50

Von Tomasz Konicz

Weniger Kapitalismus, mehr Demokratie

Von Hans-Jürgen Urban

Quo Vadis Global Goals?

52

Kauf weniger!?

34

36

Über Sinn und Zweck eines Corporate Purpose

Von Dr. Kai Rolker

Wir wollen Sinn!

54

Von Richard Häusler

Streitpunkt Wachstum – Forscher legen

Konsensvorschlag vor

Von Daniel Erk

40

Das Geschäft von morgen: Die Leadership-Agenda für

die 2020er Jahre

Von Richard Roberts

106

Global Goals Forum & DGCN TNK

Impressionen

44

46

Statement on the Purpose of a Corporation

„Wir müssen aufhören, Zukunft negativ zu begründen“

Von Dr. Elmer Lenzen

108

112

Rückblick: Global Goals Forum 2019 und DGCN

Teilnehmerkonferenz

Publikationen


104

Global Goals Forum & DGCN TNK

Good Practice

58

60

ABB

ABB zeigt die Zukunft des Energiemanagements

ALDI

ALDI Verpackungsmission: Wichtige Akzente für die

Kreislaufwirtschaft

82

84

iPoint-systems

DIBICHAIN: Transparente Stoffkreisläufe mit

Blockchain

ista

ista unterstützt die „Generation Klimaschutz“

62

Antalis

Bei Antalis steht alles in Zeichen von CSR & Green

Printing

86

Lufthansa Group

Drei Zeithorizonte für Klimaschutz im

Luftverkehr

64

BASF

Warum wir Standards brauchen, die die Leistung von

Unternehmen messen

88

macondo publishing

Blockaden überwinden, Zukunft sichern: „Nachhaltig

Erfolgreich Führen“

66

Bayer

Ein besseres Leben für mehr Menschen im Rahmen der

ökologischen Grenzen

90

MAN

MAN reduziert seine CO 2

-Emissionen um mehr als

ein Viertel

68

BMW Group

Nachhaltigkeit hat bei der BMW Group eine lange

Tradition

92

Merck

Bilharziose bis 2030 ausrotten:

Jedes Kind zählt

70

Bosch

Klimaneutralität als Ziel in 2020

94

Pervormance International

Die erste klimaneutrale Klimaanlage der Welt

72

CEWE

CEWE: Klimastrategie zum Anfassen

96

Symrise

Symrise – Einsatz für Nachhaltigkeit

74

Daimler

Daimler verankert das Thema Nachhaltigkeit im

Zentrum des Geschäfts

98

TÜV Rheinland

Überprüfung von Sozial- und Umweltstandards in

globalen Lieferketten

76

E.ON

E.ON macht das Internet nachhaltiger

100

Weidmüller

„Geerdetes“ Klima-Konzept für neues Bürogebäude

78

Evonik

Nah am Kunden

102

Wilo

Klimaschutz in der DNA


AGENDA

6 globalcompact Deutschland 2019


SETTING THE SCENE

Wie weit sind wir von der

Erreichung der globalen

Entwicklungsziele entfernt?

In den vier Jahren seit der Einigung auf die 17 Sustainable Development Goals (SDG), kurz

Global Goals, gab es helle Punkte des Fortschritts, zum Beispiel lebt die Weltbevölkerung

besser und die Kindersterblichkeit unter fünf Jahren ist gesunken. Die Fortschritte bei den

meisten der Global Goals waren jedoch schleppend oder sogar umgekehrt. Heute leben

noch 700 Millionen Menschen in extremer Armut, über 170 Millionen sind arbeitslos und

mehr als 70 Millionen suchen Zuflucht. Hungersnöte, extreme Klimaereignisse, Überbevölkerung,

Wasserknappheit, geschlechtsspezifische Gewalt und ein Anstieg bewaffneter

Konflikte und Extremismus bestimmen nach wie vor das Leben auf der ganzen Welt.

Auf dem SDG-Summit 2019 in New York zog man eine erste Zwischenbilanz.

globalcompact Deutschland 2019

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AGENDA

Die

Europäische

Union,

Deutschland

und die

Agenda 2030

Von Marlehn Thieme, Vorsitzende des RNE

Wir befinden uns zweifelsohne in einer

politisch spannenden, aber auch sehr

herausfordernden Zeit. Die gesellschaftliche

Polarisierung ergreift die Welt und auch die

Nachhaltigkeitsherausforderungen: die globale

Klimakrise spitzt sich zu – und ihre

Wahrnehmung wird breiter, zugleich wird

die Ablehnung nachhaltiger Politikansätze

populistisch ausgeschlachtet.

Die Menschen fühlen: es wird von

Sommer zu Sommer heißer und heißer,

die Zahl der Stürme und Überflutungen

nimmt zu. Trotz zunehmender

wissenschaftlicher Erkenntnisse, die

gemeinsames internationales Handeln

unabdingbar machen, werden Multilateralismus

und internationale Allianzen

zum Schutz unseres Planeten immer

schwieriger, viele Länder wollen ihren

fairen Anteil nicht übernehmen und argumentieren

zunehmend nationalistisch.

Ende September hatten wir bei den

Vereinten Nationen einen Klima- und

SDG-Gipfel mit zahlreichen Staats- und

Regierungschefs. Kurz zuvor wurde der

globale Nachhaltigkeitsbericht der Vereinten

Nationen herausgegeben. Dieser

zeigt: wir schreiten nicht entschieden

genug voran. Mit den gegenwärtigen

Maßnahmen rücken wir weltweit lediglich

an die Erreichung von 3 Unterzielen

von insgesamt 169 Zielen heran.

8 globalcompact Deutschland 2019


SETTING THE SCENE

Das sind:

1. Reduzierung von Kindersterblichkeit und

2. Müttersterblichkeit, sowie

3. Zugang zu Grundschulbildung.

Diese Ziele sind zwar wichtig, vor allem aber recht einfach

zu fassen und zu messen. Die erdrückende Mehrzahl der

Unterziele ist komplexerer Natur. Können wir uns deshalb

leisten, sie nicht zu erreichen?

Ich meine: nein.

Es bleiben uns gute 10 Jahre, um Maßnahmen zu ergreifen,

auch diese anderen 166 Ziele zu erreichen. Für einige SDGs

sind im Moment sogar rückläufige Tendenzen zu beobachten.

Das empfinde ich als alarmierendes Signal!

Hierbei handelt es sich unter anderem um die Ziele zur

• Reduzierung von Ungleichheit,

• Reduzierung unseres materiellen Konsumfußabdruckes und,

hierüber wird im Moment viel geredet,

• zur globalen Reduzierung von Treibhausgasen.

Hier eine Umkehr der gegenwärtigen Trends zu erreichen

erfordert mutige und weitreichende politische Maßnahmen

und internationale Führung und Gemeinsamkeit.

Während des SDG- und Klimagipfels der Vereinten Nationen

waren alle Staats- und Regierungschefs aufgefordert, entlang

der vom UN Bericht identifizierten 5 Transformationspfade

konkrete Handlungsoptionen auf den Tisch zu legen – und

zwar in den Bereichen

1. menschliches Wohlergehen,

2. nachhaltige und gerechte Wirtschaftssysteme,

3. Ernährungssysteme,

4. Dekarbonisierung und Zugang zu Energie,

5. städtische Entwicklung und globale Umweltgemeingüter.

Deutschland und Finnland sicherten beispielsweise zu, bis

2050 klimaneutral zu werden. Die europäische Union wird 25

Prozent ihres nächsten Haushalts für Klimaschutzmaßnahmen

vorsehen. Wir werden das genau nachprüfen.

Indien hat eine weitreichende Solar-Allianz gegründet und

möchte seinen Anteil an erneuerbaren Energien signifikant

bis 2022 erhöhen. Frankreich wird kein Handelsab- >>

globalcompact Deutschland 2019

9


AGENDA

Was

können wir

tun, diesen

Schwung

jetzt auch

konstruktiv

zu nutzen?

kommen mehr mit Ländern eingehen,

die Politiken gegen das Pariser Klimaabkommen

haben.

Die Liste an Zusagen ließe sich nun noch

beliebig fortsetzen und zeigt – trotz der

gemeinsamen Vision von Paris: einen

gemeinsamen Fahrplan zur Erreichung

des Zieles, die globale Klimaerwärmung

auf 1,5°C zu begrenzen, gibt es nicht.

Nach dem Klimagipfel war vor dem

SDG-Gipfel, bei dem alle Staats- und

Regierungschefs einzeln und gemeinsam

um konkrete Maßnahmenpakete für

das Erreichen der SDGs rangen. Über

100 sogenannte „Beschleunigungsmaßnahmen“

wurden öffentlich zugänglich

bei den Vereinten Nationen registriert.

Vier Jahre nach Beschluss der SDGs und

Appellen an eine politische Kurskorrektur

schicken wir uns an zu handeln.

Die angekündigten Maßnahmen sind

als Meilenstein zu bewerten. Ebenso

das Momentum, das die Agenda 2030

aufgenommen hat. Was können wir tun,

diesen Schwung jetzt auch konstruktiv

zu nutzen?

Wir kommen zunehmend unter Druck,

endlich die Veränderungen mit quantifizierbaren

Zielen und konkreten Maßnahmen

und Zeithorizonten zu versehen.

Nur so können wir aus meiner Sicht die

Ziele innerhalb zehn Jahren erreichen.

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung

hat mit Unterstützung des BMU und des

BMZ die Initiative ergriffen und gemeinsam

mit Partnern ein „Globales

Forum von Nachhaltigkeitsräten und

vergleichbaren Beratungsgremien“ gegründet.

Vergleichbar sind für uns solche

Institutionen, die gegenüber ihrer

Regierung eine Beratungsfunktion zur

Nachhaltigkeit haben und diese mit einem

Multi-Stakeholder-Ansatz ausfüllen.

Dieses Global Forum soll nun dafür sorgen,

dass Interessierte viel schneller und

zielgerichteter als bisher an Informationen

kommen: Wie z.B. ein Peer Review

funktioniert, den wir in Deutschland

schon zweimal mit großem Impact durchgeführt

haben, oder auf welche Weise ein

Nachhaltigkeitsrat wirkungsvoll mit seiner

Regierung interagiert. Wir wollen den

schnellen Austausch von Informationen

über die Erfolgsfaktoren und Hemmnisse

in der Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien

und -fahrplänen auf nationaler

Ebene ermöglichen. Was wir jetzt brauchen

ist eine steile Lernkurve und organisationales

Lernen – bei allen Beteiligten,

Regierungen, Wirtschaft, Zivilgesellschaft

und Bürgerinnen und Bürgern.

Auch wenn durch die SDGs viele Länder

ihre Prozesse und Institutionen am vernetzten

Zielsystem der SDGs orientieren,

ist es immer noch nicht selbstverständlich,

Nachhaltigkeitsräte oder vergleichbare

Organisationen einzurichten. Überlegungen

dieser Art wecken zuweilen

massive Vorbehalte und abwehrende

Skepsis sowohl bei Regierungen als auch

bei Stakeholder-Organisationen. Es werden

Bevormundung, Etat-Zwänge oder

Konkurrenz befürchtet. Dabei entsteht

durch Beteiligung auch Mitverantwortung

und nur so eine Transformation!

Das Global Forum setzt hier an und

unterstützt bereits bestehende Einrichtungen

dabei, sich in die nationale Nachhaltigkeitsarchitektur

und -prozesse zu

integrieren. Es wird interessierten Regierungen

und Akteuren als realpolitisches

Wissensnetzwerk dienen, wo sie sich

direkt und schnell informieren können.

Wir setzen darauf, dass auf dieser Ebene

auch Organisationen wie die nationalen

Business Councils oder Global Compact

Chapter Anschluss finden und wir neue,

kraftvolle Verbindungen im Sinne von

SDG 17 „Partnerschaften zur Erreichung

der Ziele“ schaffen können.

Lassen Sie mich nun zu Deutschland

kommen: Wo stehen wir in Deutschland

mit der Umsetzung der Nachhaltigkeitsund

Klimapolitik? Beides kann nicht

mehr getrennt voneinander betrachtet

werden. Zu sehr bedingen sich Entscheidungen

in beiden Politikfeldern

wechselseitig.

Die Bundesregierung startete am

29. Oktober die Überarbeitung der deutschen

Nachhaltigkeitsstrategie mit einer

Auftaktkonferenz in Berlin. Vier

Regionalkonferenzen folgen bis Ende

Februar 2020.

Ich ermuntere die Bundesregierung ausdrücklich,

entschieden und vorbildlich,

10 globalcompact Deutschland 2019


SETTING THE SCENE

vor allem für die jungen Generationen

auch sichtbar und nachvollziehbar, voranzugehen.

Unser Wohlstand, unsere

Emissionen und unser Ressourcenverbrauch

verpflichten uns, voranzugehen

und Führung zu zeigen, damit andere

verlässlich folgen!

Jede politische Veränderung birgt Risiken

– umso mehr, als die deutsche

Nachhaltigkeitsstrategie als Leitlinie der

Bundespolitik über Legislaturperioden

hinaus in den letzten 18 Jahren ein eher

bescheidenes Dasein fristete, nicht nur

in der Bundesregierung, sondern auch

in der allgemeinen Öffentlichkeit zu

wenig wahrnehmbar war.

Jetzt, wo es darum geht, das Vertrauen

zurückzugewinnen und Verantwortung

für an Nachhaltigkeitszielen festgemachte

politische Veränderungen zu zeigen,

muss die Bundesregierung auf diesen

Politikansatz, diese Leitlinie setzen. Politik

braucht Gespür für das Machbare

und das Zumutbare. Dieses Gespür zu

entwickeln wird die große Chance bei

den bevorstehenden Regionalkonferenzen

zur Fortschreibung der deutschen

Nachhaltigkeitsstrategie sein.

Wir müssen die Parallelität aushalten,

dass es den einen zu weit und den anderen nicht weit genug

geht. Ohne die Bereitschaft, Risiken einzugehen, wird es

keine Vorsorge für die Umwelt, die Gesellschaft und unsere

ökonomische Grundlage für gutes Leben geben.

Andersherum ausgedrückt: Transformation ohne Ehrgeiz ist

nur eine hohle Geste. Wer die schwarze Null langfristig halten

will, muss die grüne Null heute wollen und einkalkulieren.

Wir brauchen nicht mehr Ausgaben für Nachhaltigkeit, von

allen, nicht zwangsläufig eine höhere Staatsquote – aber

einen konsequent an den SDGs ausgerichteten Wettbewerb

und ebensolche öffentlichen Haushalte.

Der Wohlstand von morgen muss heute schon vorbereitet

werden – Carlowitz lässt grüßen –, und zwar durch vorausschauendes

investierendes Wirtschaften, Wettbewerbsgeist

und die Bereitschaft zur raschen Veränderung auch

durch einen ordnungspolitischen Rahmen mit nachhaltiger

Steuerungswirkung. Eins muss klar sein: Innovation findet

im Zweifel woanders statt. Nachhaltigkeitspolitik ist auch

Standortpolitik.

Lassen Sie mich dieses Potenzial anhand der zwei Beispiele

des Klimaschutzprogrammes der Bundesregierung und wissenschaftlichen

Erkenntnissen zum nachhaltigen Wirtschaften

ausführen.

Ein CO 2

-Preis ist die zentrale Maßnahme, um schnell, dynamisch

und dauerhaft ein Steuerungssignal zu setzen. Er hat

eine lenkende und symbolische Bedeutung für die Transformation

der Wirtschafts- und Konsummuster. Die Erweiterung

des CO 2

-Handelssystems um die Bereiche Gebäude und

Verkehr ist ein richtiger, aber in der jetzt vorgeschlagenen

Form aber unzureichender Schritt. Die Einführung eines

CO 2

-Preises ist zwar positiv, der Preis liegt aber weit unter

dem, was Wissenschaftler und Finanzakteure fordern, um

ein wirksames Steuerungssignal zu setzen. Das 1,5°C-Ziel

erfordert weit mehr und tiefer eingreifende Reduktionen.

Und auf klarere Perspektiven können sich Unternehmen

und Bürgerinnen und Bürger einstellen. Klimaschutz ist

ein Marathon mit vielen Zwischenstationen zum Nachsteuern,

das wird auch nötig sein. Wir fordern von der Bundesregierung

umfassende Maßnahmen um für die Bürgerinnen

und Bürger Alternativen zu den heute nicht nachhaltigen

Lebensstilen zu schaffen.

Dazu gehört auch ein klares Signal, um nachhaltiges Wirtschaften

und ressourcenleichten Konsum anzureizen.

Wissenschaftliche Quellen belegen, dass die generellen Geschäftsrisiken

nachhaltiger Geschäftsmodelle kleiner und

Investitionen rentabler sind als in Unternehmen, die nachhaltiges

Wirtschaften ignorieren. >>

globalcompact Deutschland 2019

11


AGENDA

Betreiben wir business as usual und melken

schon altgewordene cash cows, werden

mit dem traditionellen Fokus auf Finanzkennzahlen

die externen Effekte von

zum Beispiel Umweltschäden, Bildungsdefiziten

und Innovationsrisiken ausgeblendet.

Dabei liegen für Unternehmen

gerade hier die großen Risiken. Je länger

sie wegschauen, umso größer werden

die Risiken. Daher müssen wir stärker

hinschauen: zum Beispiel auf Menschenrechte

in Wertschöpfungsnetzwerken

und Innovationen für Ressourcen- und

Klimaschutz.

Ich verweise besonders auf dieser

Konferenz gerne auf die Rats-Initiative

Deutscher Nachhaltigkeitskodex, mit

der wir seit über sieben Jahren stetig

und beharrlich darauf hinarbeiten, dass

diese Risiken und die konstruktive Befassung

mit ihnen als Chancen erkannt,

gemanagt und berichtet werden. Dass

wir, wenn nötig, die Unternehmen auch

einzeln einsammeln können, haben wir

in den letzten Jahren gezeigt. Was wir

nun brauchen, sind öffentlich wahrnehmbare

Partnerschaften – auch von

Global Compact und Nachhaltigkeitskodex,

und einen politischen Ordnungsrahmen,

der die Verbreitung in Freiheit des

Wettbewerbs und Verbindlichkeit der

Anwendung weiter fördert.

Ich bin davon überzeugt, dass wir alle

Instrumente haben, um mithilfe von

Politik und Regierungshandeln auf allen

politischen Ebenen, mit der Zivilgesellschaft,

Wirtschaft und Wissenschaft eine

nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen.

Wichtig ist, diese nun konsequent

zu nutzen und intelligent miteinander

zu verknüpfen, statt sie gegeneinander

auszuspielen.

Lassen Sie mich abschließend nach Europa

schauen. Vier Jahre nach Verabschiedung

der SDGs legte Frans Timmermans

ein Reflexionspapier vor, welches drei

Szenarien zur Umsetzung der SDGs in

Europa skizzierte. Durch die Europawahl

und die neue Kommission ist nun erkennbar

Schwung in die Umsetzung der

Agenda 2030 auf EU-Ebene gekommen.

Es bleiben nur noch gut 10 Jahre zur

Umsetzung. Die Umsetzungsmaßnahmen

müssen deshalb rasch und konzertiert

formuliert und umgesetzt werden.

Daher erwarten wir von dem neuen

europäischen Parlament und der neuen

Kommission unter der Präsidentschaft

von Ursula von der Leyen in den kommenden

12 Monaten drei zentrale Weichenstellungen:

Erstens wurde die Verpflichtung zur Umsetzung

der SDGs von der neuen Kommissionspräsidentin

allen Kommissarinnen

und Kommissaren für ihre Arbeit in den

kommenden Jahren mitgegeben. Damit

ist die Aufforderung enthalten, das Zielsystem

der SDGs in jedem Kommissariat

anzuwenden. Was nun folgen muss,

ist die Etablierung von Mechanismen

und Prozessen, um diesem vernetzten

Zielsystem Rechnung zu tragen.

Eine zentrale Koordinationsfunktion

wird dabei sicher der neue Vizekommissionspräsident

Frans Timmermans

übernehmen. In seiner Rede beim SDG-

Es bleiben

nur noch

gut 10 Jahre

zur

Umsetzung.

12 globalcompact Deutschland 2019


SETTING THE SCENE

Gipfel im September vor den Vereinten Nationen hat er eine

systemische Perspektive angedeutet, indem er eine Transformation

des Ernährungs- und des Finanzsystems anstrebt.

Darüber hinaus soll Europa bis 2050 klimaneutral werden. Um

auf diese Ziele hinzusteuern und sie in einen wirtschafts- und

gesellschaftspolitischen Gesamtkontext einzubetten, brauchen

wir dringend eine europäische Nachhaltigkeitsstrategie, die

auch Überprüfungen ermöglicht.

Auch der neue Wirtschaftskommissar hat den Auftrag erhalten,

das europäische Semester an den SDGs auszurichten. Das

Europäische Semester erlaubt die frühzeitige Überprüfung

der Haushalts- und Reformprogramme aller Mitgliedsstaaten.

Das ist ein begrüßenswerter Schritt, da der Nachhaltigkeitsgedanke

so Einfluss auf die Budgetplanung bekommt. Somit

erhalten wir die Möglichkeit, Erfolge künftig nicht nur wirtschaftlich,

sondern auch in ihrem Beitrag zur Umwelt und

zur Erreichung der sozialen Ziele zu messen. Wir erwarten

von der europäischen Kommission einen konsequenten Umsetzungsfahrplan,

in dem Zeitplanung, Ziele und konkrete

Maßnahmen festgelegt werden.

Zweitens erwarten wir uns die größte Signalwirkung, wenn

im kommenden Jahr die Verhandlung des mehrjährigen

Finanzrahmens der EU für die kommenden – für die SDGs

entscheidenden – 7 Jahre abgeschlossen wird. Wenn hier

die Weichen so gestellt werden, dass sich die Budgetplanung

an den SDGs orientiert, kann ein Wandel wirklich gelingen.

Drittens wird Deutschland im kommenden Jahr die EU Ratspräsidentschaft

übernehmen. Das ist eine hervorragende

Möglichkeit, die Agenda 2030 zur Zukunftsagenda für die

Europäische Union zu machen und die Verwirklichung der

globalen Nachhaltigkeitsziele voranzubringen. Die Europa

2030-Strategie muss meines Erachtens eine Nachhaltigkeitsstrategie

sein.

Grundgesetz einfließen. Dies wird Signalwirkung auch für

europäische und internationale Normen entfalten und die

Governance von Nachhaltigkeit entscheidend verbessern. Für

Regierungen, Verwaltungen und auch für Unternehmen würde

das bedeuten, dass Handeln im Sinne der drei Dimensionen

der Nachhaltigkeit vom Wünschenswerten zur Norm würde.

Damit würde dem Umstand Rechnung getragen, dass immer

mehr Menschen verantwortlich und verbindlich eingebunden

und aktiv werden können, erkennen doch immer mehr

Menschen die objektiv steigende Dringlichkeit nachhaltiger

Entwicklung.

In der Nachhaltigkeitspolitik sind wir an dem Punkt angekommen,

an dem es um nicht weniger als um Freiheit, Gerechtigkeit

und Frieden geht, sondern um die Erhaltung der Umwelt

und um ein Leben in Würde für alle Menschen und Völker.

Eine vorausschauende, wirkungsvolle und gut begründete

Nachhaltigkeitspolitik ist ein Gebot der Demokratie – und

zugleich ihre Bewährungsprobe.

ÜBER DIE AUTORIN

Marlehn Thieme ist seit 2004 Mitglied des Rates für Nachhaltige

Entwicklung. Von 2013 bis 2019 war sie dessen Vorsitzende.

Außerdem ist sie Präsidentin der Welthungerhilfe, Vorsitzende

des ZDF-Fernsehrates und Mitglied des Rates der Evangelischen

Kirche in Deutschland (EKD).

Mit dem zukunftsgewandten Aachener Vertrag beschreiben

die Partner Frankreich und Deutschland, wie sie die Transformationsprozesse

gemeinsam bewältigen möchten. Diese

bilaterale Zusammenarbeit ist ausdrücklich für weitere EU-

Mitgliedstaaten geöffnet, sodass einzelstaatliche Transformationserfahrungen,

beispielsweise die spanischen und deutschen

Erfahrungen mit dem Kohleausstieg, zum Wohle der europäischen

Transformation europäisiert werden können. Auch der

EU-Außenhandel muss zukünftig unter SDG-Gesichtspunkten

gestaltet werden.

Unsere Erwartung an die Bundesregierung ist deshalb ein

entschiedenes Eintreten für die Agenda 2030 auf nationaler

und auf europäischer Ebene.

Die politischen Leitplanken sind zukunftsfähig – nun müssen

sie handlungsleitend werden. Die Ideen von Nachhaltigkeit,

Vorsorgeprinzip und Generationengerechtigkeit müssen durch

eine verfassungsrechtlich verbindliche – und damit sanktionierbare

– Aufnahme des Nachhaltigkeitsprinzips in das

globalcompact Deutschland 2019

13


AGENDA

Was wurde beim

SDG-Gipfel 2019

der Vereinten Nationen

erreicht?

In der Woche der Generalversammlung

2019 der

Vereinten Nationen wurde eine

Reihe von Themen im Zusammenhang

mit der SDG-Agenda

behandelt, von Klimaschutzmaßnahmen

über allgemeine

Gesundheitsversorgung bis hin

zur Entwicklungsfinanzierung

Von Jenni Lee

Auf der Tagesordnung des zweitägigen

SDG-Gipfels stand zudem die erste Überprüfung

der SDGs auf staatlicher Ebene

seit der Verabschiedung der globalen

Ziele im Jahr 2015. Das Fazit war: Die

Welt ist nicht auf dem richtigen Weg,

um die SDGs zu erreichen, da Millionen

von Menschen immer noch ihre

Grundrechte, Bedürfnisse und Würde

verweigert werden.

Die stellvertretende UN-Sekretärin

Amina Mohammed erinnerte die Teilnehmer

daran, dass die Situation zwar

ernüchternd, aber nicht hoffnungslos ist.

Sie sagte: „Wir können die SDGs noch

erreichen. Es ist noch Zeit, damit wir auf

den richtigen Weg kommen.“

Diese Länder und Sektoren bereiten

sich auf die Umsetzung der SDGs in

den nächsten zehn Jahren vor

Amina Mohammed,

die stellvertretende

UN-Sekretärin

Auf dem Gipfel verabschiedeten die UN-

Mitgliedstaaten eine „politische Erklärung“

(In der Diplomatensprache steht

das für eine gemeinsame Absichtserklärung).

Darin werden gemeinsame

Normen für die Bewertung von Ländern

festgelegt, um es den Bürgern zu ermöglichen,

Politiker für ihre Versprechen zur

Verantwortung zu ziehen.

In der politischen Erklärung mit dem

Titel “Gearing up for a decade of action

14 globalcompact Deutschland 2019


SETTING THE SCENE

and delivery for sustainable development” heißt es unter

anderem: „Wir sind fest entschlossen, die Agenda 2030 als

Aktionsplan für Menschen, Planeten, Wohlstand, Frieden und

Partnerschaft umzusetzen – ein Plan, um die Menschheit von

der Tyrannei der Armut zu befreien und unseren Planeten für

zukünftige Generationen zu heilen und zu sichern.“

Auf dem Gipfel wurden zudem mehr als 100 registrierte SDG

„Beschleunigungsaktionen“ vorgestellt. So verpflichtete sich

beispielsweise Mexiko, den Zugang zu Energie zu verbessern,

die Niederlande verpflichteten sich, mehr Menschen Zugang

zur Justiz zu gewähren, und das Vereinigte Königreich stellte

515 Millionen Pfund für Bildung zur Verfügung. Eine Gruppe

von Nationen der Pazifischen Inseln gründete die „Pacific Blue

Shipping Partnership“, um die Schifffahrt in der Region bis

2050 zu dekarbonisieren.

Neben den Regierungen haben auch andere Sektoren die

Maßnahmen der SDG verstärkt.

Städte: Mehr als 20 Städte rund um den Globus haben sich

einer Erklärung angeschlossen, um die SDGs voranzubringen

und ihre Fortschritte durch „Voluntary Local Reviews“ zu verfolgen.

US-Städte wie Pittsburgh und New York berichteten

in diesem Rahmen, wie sie bei den SDGs in den Vereinigten

Staaten vorankommen. Die lokalen und regionalen Regierungen

und Verwaltungen betonten die Notwendigkeit, die SDGs

zu lokalisieren, und verpflichteten sich, „niemanden, keinen

Ort und kein Gebiet zurückzulassen“.

Unternehmen: Viele Unternehmen setzen sich weiterhin

öffentlich für die SDGs ein. Auf der UN-Generalversammlung

gab der UN Global Compact bekannt, dass sich 87 große Unternehmen

verpflichtet haben, ihre Arbeit auf die Begrenzung

des globalen Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad Celsius auszurichten.

Darüber hinaus haben einige der weltweit größten

Asset Owner auf dem Climate Action Summit die „Net-Zero

Asset Owner Alliance“ ins Leben gerufen und sich verpflichtet,

bis 2050 klimaneutrale Anlageportfolios zu realisieren.

Universitäten: Ein Verbund von Universitäten hat sich im

Rahmen des „University Global Compact“ verpflichtet zusammenzuarbeiten,

um Wissen auszutauschen und Innovationen

bei den SDGs voranzutreiben – ein eindrucksvolles Beispiel

dafür, wie Akteure in einem Sektor als Kooperationspartner

und nicht als Konkurrenten arbeiten. Darüber hinaus kündigte

die Carnegie Mellon University an, dass sie eine „Voluntary

University Review“ durchführen wird, um ihre Beiträge zu

den SDGs zu bewerten.

Data zur besseren Nutzung aktueller Daten für die SDGs. Die

Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

(OECD) und das UN-Entwicklungsprogramm UNDP

haben dazu den „Global Hub for the Governance of the SDGs

ins Leben gerufen, um die Länder bei der Umsetzung der SDGs

zu unterstützen.

Was bedeutet der SDG-Gipfel für den Fortschritt bei den

globalen Zielen?

Der Gipfel hat die SDGs ganz oben auf die globale Agenda

gesetzt, den politischen Handlungswillen gestärkt und die

Dynamik mobilisiert, auf die wir jetzt auf bauen müssen. Die

auf dem Gipfel eingegangenen Verpflichtungen müssen der

Ausgangspunkt – und nicht das Ende – für ein intensiviertes

Vorgehen für die SDGs sein. Die stellvertretende Generalsekretärin

Amina Mohammed fasste drei Kernbotschaften zusammen,

die sich aus dem Gipfel ergeben haben:

1. Eine klare Erneuerung der Verpflichtung zur Umsetzung

der Agenda von 2030

2. Eine beeindruckende Reihe von Beschleunigungsmaßnahmen

3. Um die SDGs noch zu erreichen, ist eine Transformation

von Gesellschaft und Wirtschaft erforderlich.

Das Jahr 2020 soll zu einem „Superjahr des Aktivismus“

werden

Viele Führungskräfte und Organisationen, darunter auch die

UN-Stiftung, fordern, dass 2020 ein „Superjahr des Aktivismus“

wird, um die Umsetzung der SDGs zu beschleunigen. Wie die

kommende Präsidentin und CEO der UN Foundation, Elizabeth

Cousens, sagte, müssen wir 2020 zu einem Sprungbrett für

weitere Maßnahmen machen und „die Dringlichkeit erhöhen,

die Phantasie steigern, die Ergebnisse steigern“.

Auf dem Weg in das letzte Jahrzehnt der Agenda 2030 müssen

die führenden Politiker der Welt ihre Bemühungen um die

SDGs verstärken, einschließlich:

• Die Menschen, die am weitesten zurückliegen, erreichen;

• Unterstützung lokaler Maßnahmen, Forschung und

Innovation,

• Stärkung der Datensysteme und -institutionen,

• Neugewichtung der Beziehung zwischen Mensch und Natur

und

• Erschließung von mehr Finanzmitteln – aus öffentlichen

und privaten Quellen – für die SDGs.

Zivilgesellschaft und multilaterale Institutionen: Zivilgesellschaftliche

Gruppen und internationale Institutionen

haben eine Reihe neuer Anstrengungen unternommen, um

die Fortschritte zu beschleunigen, wie z.B. die Initiative „Data

for Now“ der Global Partnership for Sustainable Development

ÜBER DIE AUTORIN

Jenni Lee ist Senior Director of Communications bei der Stiftung

der Vereinten Nationen.

globalcompact Deutschland 2019

15


AGENDA

29 66

Deutschland bei von Nachhaltigkeitszielen nicht auf Kurs

Die Entwicklungszusammenarbeit trifft bei der Umsetzung der Agenda 2030 auf viele Herausforderungen.

Experten fordern deshalb ein engeres Zusammenspiel von Digitalisierung und nachhaltiger

Entwicklung, berichten über die Umsetzung des Agenda-Prinzips „Niemanden zurücklassen“

und zeigen auf, was weiter zu tun ist, damit die Agenda 2030 Wirklichkeit wird.

„Vier Jahre nach Verabschiedung der Agenda 2030 mit ihren

17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development

Goals, SDGs) sehen wir eine Diskrepanz zwischen

strategischen Ansprüchen und praktischer Umsetzung“, sagt

der Wissenschaftler Prof. Dr. Jörg Faust. „Die Gründe hierfür

sind vielfältig: Das Zielsystem der SDGs ist sehr ambitioniert

und es bestehen zahlreiche Konflikte zwischen den einzelnen

Zielen. Unterschiedliche Politikfelder müssen besser ineinandergreifen,

um deutlichere Fortschritte bei der Umsetzung zu

erzielen. Und in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit

treffen viele unterschiedliche Akteure aufeinander, die

widersprüchliche Interessen haben und sich oftmals nicht

ausreichend abstimmen.“

Neues Entwicklungsverständnis der Agenda 2030

Die 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedete Agenda

2030 für nachhaltige Entwicklung mit ihren 17 SDGs erhob

Nachhaltigkeit zum Leitprinzip globaler Entwicklung. Sie

fordert, dass die drei Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie,

Wirtschaft und Soziales immer gemeinsam berücksichtigt werden.

Nur einzelne Aspekte wie etwa das Pro-Kopf-Einkommen

zur Messung von Entwicklung zu betrachten, greift zu kurz.

Der kürzlich vom Deutschen Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit

(DEval) vorgelegte Bericht „Nachhaltigkeit

gestalten. Die Agenda 2030 in der Entwicklungszusammenarbeit“

setzt sich mit den Herausforderungen auseinander, die sich

16 globalcompact Deutschland 2019


SETTING THE SCENE

aus dem neuen Entwicklungsverständnis der Agenda für die

Entwicklungszusammenarbeit und deren Evaluierung ergeben.

Wie blicken Wissenschaftler auf den Stand der deutschen

Nachhaltigkeitspolitik?

„Mit der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie verfügt die Regierung

grundsätzlich über einen vielversprechenden Rahmen,

nachhaltige Entwicklung bis 2030 voranzutreiben“, betonte

Prof. Dirk Messner vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung

Globale Umweltfragen anlässlich des SDG-Summits

im September 2019 in New York. „Dieser Rahmen muss aber

mit deutlich effektiveren Politiken gefüllt werden: Bei 29 von

66 gesetzten Zielen ist die Regierung nicht auf Kurs. Das sind

– angesichts der bereits massiven und immer weiter wachsenden

globalen Herausforderungen – 29 dringende Weckrufe.“

Prof. Martin Visbeck sagte: „Der UN-Doppelgipfel muss von

der Bundesregierung auch genutzt werden, um die Agenda

2030 mit ihren Sustainable Development Goals (SDGs) – also

den Rahmen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie – in

Deutschland und global weiter zu stärken und die notwendigen

und transformativen Umsetzungsimpulse zu setzen.“

Natürliche Lebensgrundlagen

„Besonders kritisch ist der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen.

Nach aktuellem Stand würden nur fünf der 25 selbst

gesetzten Umweltziele erreicht“, erklärte Dr. Julia Hertin

Über das DEval

Das Deutsche Evaluierungsinstitut der

Entwicklungszusammenarbeit

(DEval) ist vom Bundesministerium für

wirtschaftliche Zusammenarbeit und

Entwicklung (BMZ) mandatiert, Maßnahmen

der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

unabhängig und

nachvollziehbar zu analysieren und zu

bewerten. Mit seinen strategischen und

wissenschaftlich fundierten

Evaluierungen trägt das Institut dazu

bei, die Entscheidungsgrundlage für

eine wirksame Gestaltung des Politikfeldes

zu verbessern und Ergebnisse

der Entwicklungszusammenarbeit

transparenter zu machen. Das Institut

gehört zu den Ressortforschungseinrichtungen

des Bundes, beschäftigt

derzeit rund 70 Mitarbeitende und wird

von Prof. Dr. Jörg Faust geleitet.

vom Sachverständigenrat für Umweltfragen. „Dieser Trend

kann nur durch ein gemeinsames Handeln der gesamten

Bundesregierung verändert werden. Vor allem Landwirtschaft

und Verkehr müssen mehr Verantwortung übernehmen und

ökologische Leitplanken anerkennen. Dafür brauchen wir

eine verbindlichere Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie,

eine Stärkung des Umweltministeriums und neue Formen der

Zusammenarbeit zwischen den Ressorts“.

Prof. Harald Grethe vom Wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik,

Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz

verwies ebenfalls auf die entscheidende Rolle der Landwirtschaft

und der Ernährung für eine erfolgreiche Umsetzung

deutscher Nachhaltigkeitspolitik: „Eine deutliche Verringerung

des Konsums tierischer Produkte ist dringend erforderlich,

um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen,

und essenzieller Bestandteil eines global nachhaltigen Ernährungsstils.“

Ebenfalls sei der Umbau der Gemeinsamen

Agrarpolitik der EU sowohl auf europäischer Ebene wie auch

in Deutschland dringend erforderlich: „Wir müssen das EU-

Agrarbudget endlich für die Honorierung von Landwirtinnen

und Landwirten verwenden, die besonders viel zur Erreichung

unserer Umwelt-, Klima- und Tierschutzziele beitragen, statt es

als pauschale Flächeneigentumssubvention zu verschleudern“.

Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster

„Ebenfalls kritisch sieht es etwa aus beim Ziel ,Nachhaltige

Konsum- und Produktionsmuster‘ (SDG12)“, betonte Prof.

Peter Kenning vom Sachverständigenrat für Verbraucherfragen.

„Für einige Indikatoren der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie,

etwa den Energieverbrauch des Konsums oder

den Marktanteil von Produkten mit Umweltzeichen, hat die

Bundesregierung seit Jahren kaum Verbesserungen erzielen

können. Diese sind aber dringend geboten – denn nicht

nachhaltige Konsummuster wirken sich negativ auf zahlreiche

Nachhaltigkeitsziele aus.“ Als wichtigen Schritt nach vorne

schlägt Kenning etwa vor: „Die gesamte Warenkette muss

viel konsequenter in den Blick genommen werden, denn

Probleme entstehen vor allem in den frühen Stadien wie etwa

Rohstoffabbau, Produktion, Handel, Logistik. Es gilt daher

nachhaltige Maßnahmen zu fördern, die früh ansetzen und

globale Kooperationen im Sinne der Nachhaltigkeit zu stärken.

Zudem sollte die Verbraucherinformation erheblich verbessert

werden beispielsweise im Hinblick auf die Kreislauffähigkeit

oder Lebensdauer technischer Geräte.“

Gemeinsame Verantwortung

Die Agenda 2030 ist ein klarer Auftrag für nahezu alle Politikfelder

– nicht nur für die Entwicklungszusammenarbeit – gleichermaßen

in Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländern.

Der DEval-Bericht schreibt der Entwicklungszusammenarbeit

aber eine wichtige koordinierende Rolle zu, um die Kooperation

zwischen verschiedenen Akteuren politikfeldübergreifend voranzubringen.

Die Botschaft ist klar: Nur wenn jeder Einzelne,

Regierungen und nichtstaatliche Akteure ihren Beitrag leisten,

kann nachhaltige Entwicklung erreicht werden.

globalcompact Deutschland 2019

17


AGENDA

Scheitern die

in Asien?

Nach einem neuen Bericht der Wirtschaftsund

Sozialkommission der Vereinten Nationen

für Asien und den Pazifik (ESCAP)

werden Asien und der Pazifikraum auf

ihren derzeitigen Kurs bis 2030 keines

der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung

erreichen. Die Studie stellt fest, dass bei

mehr als der Hälfte der SDGs der Fortschritt

stagniert oder sogar umgekehrt ist.

Richard Weltfort von der Firma Elevate

erläutert, warum dies so ist: „Die

Situation verschlechtert sich in einer

Reihe von Bereichen, darunter die Bereitstellung

von sauberem Wasser und

sanitären Einrichtungen (SDG 6), die

Gewährleistung menschenwürdiger Arbeit

und Wirtschaftswachstum (SDG 8)

und die Unterstützung eines verantwortungsbewussten

Verbrauchs und einer

verantwortungsvollen Produktion (SDG

12). Dennoch hat die Region angemessene

Fortschritte bei der Beseitigung der

Armut (SDG 1), der Gewährleistung des

Zugangs aller zu qualitativ hochwertiger

Bildung und lebenslangem Lernen (SDG

4) und der Erreichung erschwinglicher

und sauberer Energie (SDG 7) erzielt.

Doch selbst wenn gute Fortschritte erzielt

wurden, sagt der ESCAP, dass es zu

langsam ist, um diese Ziele bis 2030 zu

erreichen. Insbesondere viele SDG-Ziele

im Zusammenhang mit der Umwelt und

den natürlichen Ressourcen verzeichnen

negative Trends. Die Erzeugung

gefährlicher Abfälle, die Reduzierung

der Waldflächen und die permanente

Ausdehnung der Gewässer sind die

drei SDG-Indikatoren, die bis 2030 im

Vergleich zu 2015 am stärksten zurückgehen

dürften.

Es gibt große Unterschiede zwischen

den Subregionen Asien und Pazifik, die

unterschiedliche Erfolge und Herausforderungen

aufweisen, so der Bericht.

Alle Teilregionen haben Fortschritte bei

der Erreichung unterschiedlicher Ziele

gemacht, aber alle Teilregionen müssen

negative Trends umkehren. Der Mangel

an ausreichenden Fortschritten bei der

Stärkung globaler Partnerschaften und

der Mittel zur Umsetzung der Agenda

von 2030 (Ziel 17) ist etwas, was alle

Subregionen gemeinsam haben. Fortschritte

auf dem Weg zu diesem Ziel

sind notwendig um sicherzustellen, dass

Asien über die Mittel verfügt, um politische

Lösungen zu finanzieren, gezielt

einzusetzen und umzusetzen, um alle

Ziele zu erreichen, heißt es darin.

Über alle Ziele und alle Teilregionen

hinweg fordert der ESCAP dringende

Maßnahmen, um diese negativen Trends

umzukehren, und betont, dass es notwendig

ist, die Anstrengungen gezielt auf

die Beschleunigung der Fortschritte auf

dem Weg zu allen Zielen auszurichten

und das Engagement der Region für die

Verbesserung der Qualität der für die

Messung der Fortschritte wesentlichen

Daten und Statistiken zu verstärken.

Tatsächlich ist der Mangel an zuverlässigen

Daten über alle SDGs und in allen

Subregionen eine der größten Herausforderungen

in Asien und im Pazifikraum.

Trotz einer deutlichen Erhöhung der Verfügbarkeit

von SDG-Indikatoren seit 2017

bestehen bei zwei Dritteln der globalen

SDG-Indikatoren weiterhin Datenlücken.

Fast ein Viertel aller SDG-Ziele, für die

es keine Beweise gibt, beziehen sich auf

die Umwelt.“

18 globalcompact Deutschland 2019


SETTING THE SCENE

Erster unabhängiger

Weltnachhaltigkeitsbericht veröffentlicht

Eine Welt ohne Armut, in

der das Wohlergehen

aller Menschen gesichert ist:

Dieses Ziel für das Jahr 2030

sei nur erreichbar, wenn das

Verhältnis zwischen Mensch

und Natur grundlegend

verändert und Ungleichheiten

reduziert würden. Zu diesem

Schluss kommt der UNO-

Weltnachhaltigkeitsbericht

2019, der unter der Leitung

von Peter Messerli und von

Endah Murniningtyas verfasst

wurde.

Der Global Sustainable Development

Report (GSDR) wurde im Auftrag aller

UNO-Staaten erstellt und soll die Fortschritte

bei der Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele

der Agenda 2030 der Vereinten

Nationen aufzeigen. Der Bericht

zeigt nun klar, dass das gegenwärtige

Entwicklungsmodell nicht nachhaltig

ist und dass sogar die in den letzten

zwei Jahrzehnten erreichten Fortschritte

gefährdet sind, weil die sozialen Ungleichheiten

zunehmen und möglicherweise

unumkehrbare Umweltschäden

auftreten. Die Wissenschaftlerinnen und

Wissenschaftler kommen zum Schluss,

dass die Ziele der Agenda 2030 nur mit

einem tiefgreifenden Wandel erreicht

werden können.

Der Bericht nennt 20 Punkte, bei denen

Interventionen im kommenden Jahrzehnt

zu einem transformativen und

beschleunigten Fortschritt in Richtung

mehrerer Ziele führen können. Diese

gezielten Maßnahmen basieren auf der

jüngsten wissenschaftlichen Literatur,

in der die tieferen systemischen Zusammenhänge

analysiert werden. Aufgezeigt

werden darin Synergien und Konflikte

zwischen den einzelnen Zielen.

Bei Ernährungssystem und Energie

ansetzen

Der Bericht plädiert für den universellen

Zugang zu hochwertigen Grunddienstleistungen

wie Gesundheitswesen, Bildung,

Wasser- und Sanitärinfrastruktur,

Wohnen und sozialer Schutz als Voraussetzungen

für die Beseitigung von Armut

und für menschliches Wohlergehen.

Er ruft dazu auf, vermehrt auf die Beendigung

von rechtlicher und sozialer

Diskriminierung zu achten sowie Gewerkschaften,

Nichtregierungsorganisationen,

Frauenverbände und andere

Organisationen der Zivilgesellschaft als

wichtige Partner bei der Umsetzung der

Agenda 2030 einzubinden.

Die Lebensmittel- und Energiesysteme

identifizieren die Autorinnen und Autoren

als besonders wichtige Schauplätze

für Veränderungen – da diese Systeme,

wie sie derzeit funktionieren, die Welt

in die Nähe von Kipppunkten in Bezug

auf die Umwelt bringen, und sie gleichzeitig

zentral sind für die menschliche

Gesundheit und das Wohlbefinden. „Wir

haben Systeme definiert, die heute dysfunktional

sind, und die gleichzeitig so

potent sind, dass sie die ganze Welt in die

richtige Richtung lenken können, wenn

wir es schaffen, sie neu zu konfigurieren“,

erklärt Peter Messerli, Professor für Nachhaltige

Entwicklung an der Universität

Bern und Ko-Leiter der internationalen

Expertengruppe.

Notwendige Transformation

erfordert starken politischen Willen

Die erforderliche umfassende Transformation

werde nicht einfach sein,

und der Bericht legt nahe, dass ein

tiefes wissenschaftliches Verständnis

erforderlich ist, um die Spannungen

und Zielkonflikte zu antizipieren und

abzumildern, die mit einem umfassenden

Strukturwandel einhergehen.

Die Autorinnen und Autoren betonen,

dass ein starker politischer Wille und

Engagement erforderlich sein werden:

„Die Agenda 2030 wird uns alle zwingen,

harte politische Entscheide zu fällen“,

so Peter Messerli.

globalcompact Deutschland 2019

19


AGENDA

SDG Business Forum fordert:

Nicht länger

planen –

jetzt geht

es um

Zielerreichung

Das vierte SDG Business Forum 2019 stand ganz im Zeichen

konkreter Lösungen zur Erreichung der Global Goals.

Das Forum ist eine gemeinsame Konferenz der Internationalen

Handelskammer (ICC), der Abteilung für Wirtschaft und

Soziales der Vereinten Nationen (UN DESA) und dem

UN Global Compact.

20 globalcompact Deutschland 2019


SETTING THE SCENE

In ihrer Grundsatzrede vor fast 600 Teilnehmenden

sagte Amina Mohammed,

stellvertretende Generalsekretärin der

Vereinten Nationen: „Die globalen Ziele

haben weltweit an Bedeutung gewonnen

und spiegeln ihren universellen

Charakter wider. Unter dem Strich sind

wir jedoch noch nicht auf Kurs. Und

die Dringlichkeit der Erreichung der

Ziele – zu denen auch ehrgeizige Klimaschutzmaßnahmen

gehören – erfordert,

dass wir das Tempo erhöhen. Es ist noch

Zeit, damit wir auf den richtigen Weg

kommen. Und es gibt eine sehr solide

Grundlage für diesen Optimismus, einschließlich

einer engagierten globalen

Bewegung – darunter viele von Ihnen in

diesem Raum –, die bereit ist, auf eine

andere Ebene zu gehen“, fügte sie hinzu.

Lise Kingo, CEO und Executive Director

des UN Global Compact, teilte die Ergebnisse

des kürzlich veröffentlichten UN

Global Compact Fortschrittsberichts 2019

mit: 90 Prozent der Teilnehmer des UN

Global Compact antworteten auf eine

Umfrage, dass sie über Richtlinien und

Praktiken für jede der zehn Prinzipien

des UN Global Compact verfügen. Von

den Befragten gaben 81 Prozent an, Maßnahmen

zur Erreichung der globalen

Ziele zu ergreifen.

Kingo betonte, dass es von entscheidender

Bedeutung sei, diese Ambitionen mit

Taten zu verbinden. „Trotz der Tatsache,

dass viele Unternehmen über Nachhaltigkeitsstrategien,

-richtlinien und -verhaltenskodizes

verfügen, ist dies keine

Garantie für messbare Auswirkungen.

Ein wirkungsvolles nachhaltiges Unternehmen

zu sein bedeutet, Nachhaltigkeit

vollständig in die Kerngeschäftsstrategie,

den Betrieb, das Supply Chain Management

und das Engagement der Interessengruppen

zu integrieren.“

Viele Firmen hinken bei

Agenda 2030 hinterher

Der Unternehmensbeitrag zur Agenda

für nachhaltige Entwicklung 2030 ist

nicht auf Kurs. Zu dem Schluss kommt

eine im Rahmen der Konferenz vorgestellte

Studie des UN Global Compact

und der Beratungsgesellschaft Accenture.

Die Studie „The Decade to Deliver:

A Call to Business Action“ stellt fest,

dass nur 21 Prozent der CEOs glauben,

dass die Wirtschaft eine entscheidende

Rolle bei der Erreichung der globalen

Ziele spielt, und weniger als die Hälfte

(48 Prozent) integrieren Nachhaltigkeit

in ihre Geschäftsabläufe. Trotz großer

Fortschritte und Innovationen seit der

Verabschiedung der Global Goals im

Jahr 2015 haben die sozioökonomischen,

geopolitischen und technologischen Unsicherheiten

der letzten vier Jahre die

Nachhaltigkeitsbemühungen der CEOs

massiv gestört.

„Da bis zum Ziel für 2030 noch weniger

als 4.000 Tage verbleiben, sind die >>

globalcompact Deutschland 2019

21


AGENDA

76% OF CEOS SAY TRUST WILL BE

CRITICAL TO COMPETITIVENESS IN

THE NEXT FIVE YEARS

88% OF CEOS BELIEVE OUR GLOBAL

ECONOMIC SYSTEMS NEED TO

REFOCUS ON EQUITABLE GROWTH

To what extent do you agree with the following statements on

globalization, Fourth Industrial Revolution technologies and

sustainable development?

Citizen trust will be critical to business competitiveness

in my industry in the next five years

To what extent do you agree with the following statement on

globalization and sustainable development?

Our global economic systems need to refocus on

equitable growth

Strongly agree

Agree

Neutral

Disagree

18%

6%

Strongly agree

Agree

Neither agree nor disagree

Disagree

8%

4%

37%

40%

39%

48%

Unternehmensführer mit den aktuellen Fortschritten nicht

zufrieden und fordern, dass ihre Branchen und Kollegen ihr

Engagement verstärken und in die Tat umsetzen“, sagte Lise

Kingo. „Das Ausmaß der Herausforderung ist beispiellos und

erfordert von allen Beteiligten, einschließlich Regierungen,

politischen Entscheidungsträgern, Wirtschaftsführern, Investoren,

Aktionären, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft,

eine Zusammenarbeit, um den Wandel zu beschleunigen.“

Herausforderndes Geschäftsumfeld

Es gibt signifikante positive Effekte für das Geschäft. Heute

sagen 99 Prozent der befragten CEOs, dass Nachhaltigkeit

entscheidend für den zukünftigen Erfolg ihres Unternehmens

ist, und 81 Prozent der Unternehmen ergreifen Maßnahmen,

um die globalen Ziele voranzutreiben. Mehr als 200 befragte

Unternehmen haben wissenschaftsbasierte Ziele für den

Klimaschutz verabschiedet, und eine ähnliche Zahl hat sich

verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen bis 2050 auf netto

Null zu senken. Darüber hinaus sehen 63 Prozent der Befragten

in der Technologie einen kritischen Beschleuniger für die

sozioökonomischen Auswirkungen ihrer Unternehmen. Über

ein Viertel (28 Prozent) nennen „Fehlender Marktbezug“ als

oberstes Hindernis für nachhaltiges Wirtschaften, und über

die Hälfte (55 Prozent) geben an, dass sie mit dem Druck

konfrontiert sind, unter extremem Kostenbewusstsein zu

operieren und gleichzeitig in längerfristige strategische Ziele

zu investieren. Nur 44 Prozent der CEOs glauben, dass für

ihr Unternehmen in den nächsten 10 Jahren eine netto Null-

Zukunft bei Dekarbonisierung in Sicht ist.

Startschuss für ein Jahrzehnt der Lieferung

Fast drei Viertel (71 Prozent) der CEOs sind der Ansicht, dass

Unternehmen mit mehr Engagement und Handeln eine

entscheidende Rolle bei der Erreichung der globalen Ziele

spielen können.

Um den Fortschritt zu beschleunigen, identifizieren die CEOs

drei kritische Anforderungen. Erstens, die dringende Notwendigkeit,

die Ambitionen der Unternehmen in ihren eigenen

Unternehmen zu erhöhen, um Maßnahmen für die Erreichung

der 17 SDGs zu priorisieren. Zweitens, die Notwendigkeit,

dass Unternehmen, Regierungen, Regulierungsbehörden und

Nichtregierungsorganisationen zusammenkommen, um realistische,

technologiegestützte und wissenschaftlich fundierte

Lösungen für die globalen Herausforderungen zu entwickeln.

Und drittens, die Neudefinition verantwortungsvoller Führung,

um der Wirtschaft zu helfen, ein führender Treiber für die

globalen Ziele zu sein.

22 globalcompact Deutschland 2019


SETTING THE SCENE

86% OF CEOS AGREE CLIMATE

ACTION IS CRITICAL TO ACHIEVING

THE GLOBAL GOALS

To what extent do you agree with the following statement on

climate action?

Without action on climate change the Global Goals won’t

be achieved

„Da Nachhaltigkeit ein wesentlicher Bestandteil

der Wettbewerbsfähigkeit jedes

Unternehmens ist – und für Wachstum,

Rentabilität und Vertrauen immer

wichtiger wird – ist es an der Zeit für

Führungskräfte sicherzustellen, dass die

globalen Ziele fest in die Unternehmensstrategie

und den Unternehmenszweck

eingebettet sind“, sagte Peter Lacy, Senior

Managing Director von Accenture

Strategy. „Die Technologie kann den

wahren Schlüssel zur Erschließung von

Fortschritten bei den globalen Zielen

darstellen. Die Geschwindigkeit digitaler,

biologischer und physischer Innovationen

wird auch in den kommenden zehn

Jahren enorm sein, und die Wirtschaft

muss Investitionen nutzen und an die

globalen Ergebnisse in den Bereichen

Umwelt, Soziales und Governance anpassen“.

Die Zukunft einer verantwortungsvollen

Führung

Damit Unternehmen in Richtung einer

nachhaltigeren Zukunft vorankommen,

heben die CEOs die erfolgskritischen

Führungsqualitäten hervor:

• Zukunftsweisender Gewinn durch

Ziel: Wachsende Erwartungen von

Verbrauchern, Mitarbeitern und der

Öffentlichkeit stellen neue Anforderungen

an Führungskräfte, die einem

höheren Zweck dienen und dazu beitragen,

eine nachhaltige Zukunft zu

sichern. Führende CEOs blicken über

den kurzfristigen Gewinn hinaus, um

die Nachhaltigkeitsagenda sinnvoll

voranzutreiben und eine Kultur der

Verantwortung und Transparenz zu

fördern, um Wirkung zu zeigen. Sie

richten Nachhaltigkeit auf ihre Kerngeschäftsstrategie,

ihre Geschäftstätigkeit

und ihre Investitionen in Innovation

und Technologie aus.

Strongly agree

Agree

Neither agree nor disagree

Disagree

• Galvanisierung von Ökosystemen: CEOs

müssen ihre breiteren Geschäfts- und

Technologie-Ökosysteme einbeziehen,

um gemeinsame Lösungen für die

SDGs zu finden. Angesichts der Art

und Komplexität dieser Themen wird

die wissenschaftsbasierte Führung eine

entscheidende Rolle bei der Förderung

von Maßnahmen und Auswirkungen

spielen, ebenso wie die Anwendung

von Technologien zur Einleitung von

Veränderungen.

• Persönliches Engagement für Nachhaltigkeit:

Verantwortungsbewusste

Führungskräfte nehmen Nachhaltigkeit

persönlich und fördern aktiv die

Kreislaufwirtschaft, halten Menschen

für Nachhaltigkeitsziele verantwortlich,

forcieren die Diskussion mit Investoren

und führen positive Veränderungen mit

Authentizität und Integrität.

39%

11%

3%

47%

Quelle Grafiken: The United Nations

Global Compact — Accenture Strategy

CEO Study on Sustainability 2019

globalcompact Deutschland 2019

23


AGENDA

Let‘s all

become

activists

By Lise Kingo, CEO & Executive Director, UN Global Compact

The UN General Assembly in New York this September was the

most important milestone since the 2030 Agenda was adopted

in 2015. Four years in, Heads of State, business leaders, civil

society and more convened for a major stocktaking exercise

to agree on shared priorities ahead of the Decade of Action for

delivering the 2030 Agenda.

And although progress is happening in

some areas, the world is not on track to

meet the 17 Global Goals by 2030. In

particular, climate change and social

inequalities are posing a major existential

threat to our future.

Although many UN Global Compact

business participants have made huge

strides to operationalize the Ten Principles

and advance the Global Goals, the

needle is not moving far enough. We

need a business transformation on a

scale we’ve never seen before to deliver

on the 2030 Agenda. Only when more

than 30 per cent of businesses are setting

radical goals and establishing a

“new normal” for the global business

community will we start experiencing

actual tipping points.

Against this backdrop, the UN Global

Compact has launched three “Global

Impact Initiatives” to challenge and

support companies in being more bold,

ambitious and transformational.

First, we are calling on companies to

set science-based targets aligned with

keeping global warming to no more

than 1.5°C and also challenging them

to aim for net-zero emissions by 2030.

We also suggest that companies take the

opportunity to optimize both internal

energy consumption and request renewable

energy from energy suppliers

to help transform the energy market

from fossil fuel to sustainable energy

supplies, as we have seen, for example,

in Denmark.

Encouragingly, over 650 companies have

committed to set science-based targets,

and more than 90 companies are aligning

with a 1.5°C scenario. We expect these

numbers to significantly increase by COP

25 — the UN climate change conference

— in Chile this December.

Time is running out to act on climate,

and we desperately need strong role

models and leadership. Bold climate

action also makes good business sense:

shifting to a low-carbon economy alone

would offer US$ 26 trillion worth of

market opportunities and could create

65 million new low-carbon jobs. The

opportunity is there, but we need more

bold leadership.

At the heart of the 2030 Agenda is the

promise to leave no one behind. Even so,

the gap for social inequalities is widening.

Gender equalities, equal opportunities

for young people to get an education

or a job, human and labour rights in

the global supply chain are all moving

backwards.

On gender equality, the Global Goals will

never be met without the full participation

of women in the global economy.

The McKinsey Global Institute projects

that closing the economic gender gap

could add a further US$ 28 trillion to

global annual gross domestic product

(GDP) by 2025.

24 globalcompact Deutschland 2019


At the current rate of progress, however, it will take more than

200 years to get there! Therefore, the UN Global Compact has

launched our second new Global Impact Initiative called “Target

Gender Equality” to work with companies across the world to

set concrete and ambitious targets to increase women’s representation

and leadership in boards, in top management — and

develop a conscious focus on including female entrepreneurs

across the global supply chain.

For some companies, women’s equal representation at the board

and senior management level are in reach, whereas for others,

a target of 30 per cent is still very ambitious. As research has

shown, 30 per cent is the minimum limit for giving women a

fair opportunity to participate and will represent a real tipping

point not only in representation and leadership, but also in

terms of business performance and outcomes.

Results from our two new surveys — captured in the UN

Global Compact Progress Report 2019 and the UN Global

Compact-Accenture Strategy CEO Study 2019 — make clear

that companies have great awareness and policies in place

on the Ten Principles (nearly 90 per cent) and on the Global

Goals (more than 80 per cent).

But when CEOs of companies participating in the UN Global

Compact are asked if they think business could have a critical

role in delivering the Global Goals, 71 per cent agree, while

only 21 per cent believe this is happening at the moment. So

companies have to become more serious and fully integrate

the Ten Principles and 17 Global Goals across Business Strategy,

Business Operations and in all Stakeholder Engagement

throughout the organization and supply chain.

This is why we have launched our third Global Impact Initiative

— SDG Ambition. We have launched our new Implementation

Model that gives clear guidance and support to more than

1,000 companies across the world on how to turn risks into

opportunities by raising ambition and deepen implementation.

In the words of Anand Mahindra, chairman of the Mahindra

Group and member of the UN Global Compact Board: “The

Global Goals are the biggest business opportunity for the

next decades.”

During the UNGA week, it also became very clear that climate

action and making the Global Goals a reality by 2030 is no

longer just a topic for high-level people in conference halls.

It is now a global movement where young people across the

world demonstrate every Friday for our generation to take

action and transform the world now.

My plea to all business leaders is to join this movement —

and to become activists ourselves. We cannot create a divide

between generations at a moment in time when we need to

join hands and drive the biggest transformation humankind

has ever faced.

globalcompact Deutschland 2019

25


AGENDA

Erste SDG-

gebundene

Anleihe bringt

2,5 Milliarden

Euro ein

Der italienische Energiekonzern Enel hat im September 2019

erstmals eine SDG-bezogene Investitionsmöglichkeit auf den

Kapitalmärkten platziert. Die Anleihe über 2,5 Mrd. € war fast

viermal überzeichnet. „Das starke Interesse der Investoren

zeigt einmal mehr, dass die Nachfrage nach SDG-Investitionen

da draußen ist“, sagte Lise Kingo, CEO und Executive Director

des UN Global Compact. „Wir hoffen, dass SDG-gebundene

Anleihen wie diese eine Flut von weiteren innovativen Finanzinstrumenten

inspirieren und zeigen, dass ein Mainstream-

Markt für Investitionen in die Global Goals möglich ist. Das

ist die Art von Finanzinnovation, die die Welt braucht, um die

Agenda für nachhaltige Entwicklung von 2030 Wirklichkeit

werden zu lassen.“

Geld, das auch dringend gebraucht wird: Nach Angaben der

Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung

sind jährlich Investitionen in Höhe von 5 bis 7 Billionen

US-Dollar erforderlich, um die SDGs bis 2030 zu realisieren.

Laut einer Pressemitteilung von Enel wird das gesammelte

Geld insbesondere für die Erreichung der folgenden SDGs

verwendet:

Ziel 7 für bezahlbare und saubere Energie, indem bis zum

31. Dezember 2021 ein Prozentsatz von mindestens 55 Prozent

aller installierten Erzeugungskapazität (auf konsolidierter

Basis) aus erneuerbaren Energien stammt.

Ziel 13 für Klimaschutzmaßnahmen durch die Erreichung eines

Niveaus der Treibhausgasemissionen bis 2030 in Höhe von 125 g

CO 2

pro kWh. Das steht im Einklang mit Enels Verpflichtung,

die direkten Treibhausgasemissionen pro kWh bis 2030 um

70 Prozent gegenüber den Werten von 2017 zu senken: Das Ziel

ist durch die Science Based Targets-Initiative (SBTi) zertifiziert

und mit dem Pariser Klimaabkommen vereinbar.

Ebenfalls im September gab PepsiCo Inc. bekannt, mit seinem

ersten Green Bond einen Nettoerlös von 1 Milliarde US-Dollar

erzielt zu haben. Geld, das man in eine Reihe von Initiativen

in den Bereichen nachhaltige Kunststoffe und Verpackungen,

Dekarbonisierung der Lieferketten sowie Wasserverträglichkeit

investiere.

Seit 2018 arbeitet die UN Global Compact Aktionsplattform

für Finanzinnovationen daran, Unternehmen zu inspirieren,

derartige innovative private Finanzinstrumente zu entwickeln.

Enel ist Schirmherr der Aktionsplattform, die eine Reihe von

Berichten über SDG-Anleihen und nachhaltige Unternehmensfinanzierung

veröffentlicht hat.

Eine kürzlich veröffentlichte Guidance ermutigt Unternehmen,

einen Markt für Mainstream-SDG-Investitionen aufzubauen,

der über genügend Umfang, Liquidität und Diversifizierung

verfügt, um große institutionelle Investoren anzuziehen. Die

neue Enel-Anleihe ist eine exakte Umsetzung des vom UN

Global Compact in Corporate Finance eingeführten „Integrated

Model for Corporate SDG Finance“ – A Roadmap to

Mainstream SDG Investments.

Gegenwind aus der Politik

So sehr viele Unternehmen im Fahrwasser des UN Global

Compact Nachhaltigkeit voranbringen, bleiben dennoch

große Hürden. Vor allem die Politik erweist sich hier immer

wieder als zögerlicher als die Wirtschaft. Die Klimastrategie

der Bundesregierung ist hierfür sicher ein Beispiel. Vor allem

aber ist der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen

ein unübersehbar negatives Signal. Claus Hecking schreibt

im Spiegel: „Nun aber schert der Präsident der größten Wirtschaftsmacht

aus. Und die Investoren? Zweifeln an der Botschaft

von Paris. In der ersten Hälfte des Jahres 2019 haben sie

für Erneuerbare-Energien-Projekte nur noch 118 Milliarden

Dollar bereitgestellt, hat das Analysehaus Bloomberg New

Energy Finance ermittelt. Das war ein Siebtel weniger als im

Vorjahreszeitraum. Und der niedrigste Wert seit sechs Jahren.“

26 globalcompact Deutschland 2019



SETTING THE SCENE

Amina J. Mohammed,

stellvertretende Generalsekretärin

der Vereinten Nationen

„Bei der derzeitigen Investitionsrate

wird es unmöglich sein, die SDGs bis

2030 zu erreichen. Das ist schlecht für

die Menschen, schlecht für die

Gesellschaft, schlecht für die Umwelt

und schlecht für die Wirtschaft.“

Francesco Starace,

CEO von Enel

„Wir haben bereits Belege dafür,

dass viele Unternehmen unser Beispiel

betrachten und versuchen, es zu

replizieren – das ist jetzt ziemlich

einfach.“

Jean-Pascal Tricoire,

CEO von Schneider Electric

„Ich begrüße es sehr, dass der

UN Global Compact die Initiative

ergreift, einen gemeinsamen Rahmen

für die Analyse der Nachhaltigkeit zu

setzen, denn – so sehr unsere

Unternehmen bereit sind – wir wollen

keine 20 Berichtssysteme und

20 Denkweisen haben.“

John Denton,

Generalsekretär der Internationalen

Handelskammer ICC

„Trotz einiger vielversprechender

Anzeichen bleibt nachhaltiges

Finanzwesen in einem Moment der

Geschichte eine Marktausnahme, in

dem die Menschen und unser Planet

dies als Norm verlangen.“

Scott Mather,

Chief Investment Officer von PIMCO

„Es gibt immer mehr Investoren, die

wirklich wissen wollen, wie ihr Geld für

sie arbeitet und was es im Hinblick auf

Nachhaltigkeit leistet.“

Paul Polman,

SDG Advocate und

ehemaliger CEO Unilever

„Das ist wahrscheinlich die größte

Geschäftsmöglichkeit, die wir

in der Geschichte der Menschheit

gesehen haben.“

globalcompact Deutschland 2019

27


AGENDA

„Business

Leadership

for 1.5°C“

hebt die

Vorreiterrolle

von Klimaexperten

hervor

Immer mehr Unternehmen ergreifen ehrgeizige Klimaschutzmaßnahmen, um den globalen

Temperaturanstieg auf 1,5°C zu begrenzen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die am Rande

des UN-Klimagipfels vom Global Compact der Vereinten Nationen, DNV GL und Sustainia

veröffentlicht wurde.

28 globalcompact Deutschland 2019


SETTING THE SCENE

87 Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung

von über 2,3 Billionen US-Dollar

und einem jährlichen CO 2

-Fußabdruck,

der den direkten Emissionen von 73

Kohlekraftwerken entspricht, haben sich

der Kampagne „Business Ambition for

1,5°C – Our Only Future“ angeschlossen.

Die Unternehmen verpflichten sich darin,

ihre Klimastrategie an wissenschaftlich

fundierten Zielen (scinece-based targets)

zu orientieren.

Der Bericht „Business Leadership for

1.5°C“ stellt Lösungen vor, die von diesen

Unternehmen entwickelt wurden.

„Unternehmen haben die Möglichkeit,

eine Führungsrolle an der Spitze der

Klimabewegung einzunehmen und sich

neu zu positionieren, wie sie mit Regierungen

und den Vereinten Nationen zusammenarbeiten

können, um Industrien

zu verlagern und ihre Geschäftsabläufe

zu verändern“, sagte Lise Kingo, CEO

und Executive Director des UN Global

Compact.

„Die bestehende Technologie kann die

gewünschte Zukunft bringen, einschließlich

der Erfüllung der Ziele des Pariser

Abkommens, aber nur durch eine deutliche

Beschleunigung an vielen Fronten“,

sagt Remi Eriksen, Group President und

CEO, DNV GL. „Der Übergang ist sicherlich

eine Risikoquelle. Aber ein saubereres

und effizienteres Energiesystem

eröffnet viele Möglichkeiten, sowohl für

die Unternehmen von heute als auch unter

kluger Führung für die kommenden

Generationen.“

Die Unternehmen, die sich an der Kampagne

beteiligen, engagieren sich für die

Festlegung wissenschaftsbasierter Ziele

durch die Science Based Targets initiative

(SBTi), die unabhängig voneinander die

Emissionsminderungsziele von Unternehmen

bewertet, in Übereinstimmung

mit dem, was Klimawissenschaftler für

die Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens

als notwendig erachten.

DISKUSSIONSPAPIER: SCIENCE

BASED TARGETS ANHAND DER

AKTUALISIERTEN KRITERIEN

Die Kernergebnisse der DGCN Peer Learning Group Klimamanagement

zu Science Based Targets werden in einem

neu erschienenen Diskussionspapier zusammengefasst.

Dieses bietet Experten eine thematische Grundlage zum

fachlichen Austausch sowie Empfehlungen für die unternehmerische

Praxis.

Im Rahmen der Peer Learning Group Klimamanagement

des Deutschen Global Compact Netzwerks (DGCN) setzten

sich die beteiligten Unternehmen mit den Herausforderungen

der Entwicklung von


AGENDA

NEWS

HUMAN RIGHTS CAPACITY DIAGNOSTIC HILFT BEI DER

SELBSTEINSCHÄTZUNG

Die unternehmerische Verantwortung zur Achtung der

Menschenrechte ist ein wichtiger Verhaltensstandard für

jedes Unternehmen und sollte durch geeignete Richtlinien,

Sorgfaltsprozesse und Beschwerdemechanismen im Unternehmen

verankert werden.

Das Human Rights Capacity Diagnostic (HRCD) des Deutschen

Global Compact Netzwerks (DGCN) hilft Unternehmen

dabei, die Managementkapazitäten zur Achtung der

Menschenrechte und Umsetzung menschenrechtlicher

Sorgfalt für Unternehmen zu ermitteln und deren Integration

gezielt voranzutreiben.

Als Selbsteinschätzungsinstrument für Unternehmen wurde

das HRCD nach den Anforderungen der UN Leitprinzipien

für Wirtschaft und Menschenrechte und des Nationalen

Aktionsplans (NAP) Wirtschaft und Menschenrechte konzipiert.

Um auch kleineren Unternehmen die Nutzung des

Tools zu ermöglichen, wurde es um eine neue Kurzversion

ergänzt. Sowohl Kurz- als auch Vollversion sind kostenfrei

nutzbar, die Auswertung erfolgt anonym.

Bei menschenrechtlicher Sorgfalt geht es um die schrittweise

Integration menschenrechtlicher Aspekte in Managementprozesse.

Dabei kann und soll auf bereits bestehende

Ansätze aufgebaut werden. Das HRCD hilft bei der Identifizierung

und Beurteilung solcher Ansätze: Für die verschiedenen

Elemente menschenrechtlicher Sorgfalt – wie z.B.

Risikoanalysen und Beschwerdemechanismen – ermittelt

das Tool, wie gut Unternehmen aufgestellt sind, um ihrer

Verantwortung zur Achtung der Menschenrechte gerecht zu

werden.

Durch die Identifizierung möglicher nächster Schritte

unterstützt das HRCD gleichzeitig bei der Festlegung von

Schwerpunkten, Zielen und Leistungsvorgaben für den

Umgang mit menschenrechtlichen Risiken. Durch die

regelmäßige Nutzung des Instruments können somit auch

Fortschritte noch gezielter nachvollzogen werden. Größere

Unternehmen wiederum kann das HRCD dabei unterstützen,

Managementkapazitäten verschiedener Unternehmensbereiche

oder Tochtergesellschaften zu beurteilen

und dadurch gezielt dort Unterstützung bei der Umsetzung

menschenrechtlicher Sorgfalt anzubieten, wo Verbesserungspotenziale

bestehen.

Das HRCD wurde von der Managementberatung twentyfifty

Itd. entwickelt und baut unter anderem auf der Arbeit mit

der Peer Learning Gruppe Menschenrechte des Deutschen

Global Compact Netzwerks auf.

mr-sorgfalt.de/de/hrcd/

30 globalcompact Deutschland 2019


SETTING THE SCENE

„SUSTAINABLE OCEAN

PRINCIPLES” VERÖFFENTLICHT

„TARGET GENDER EQUALITY“-

INITIATIVE VORGESTELLT

Am 13. September veröffentlichte der UN Global

Compact erstmals neun Prinzipien eines nachhaltigen

Ozeans und appelliert damit an Unternehmen, die

Gesundheit der Ozeane zu schützen und durch einen

nachhaltigen Umgang zu wahren.

Wie in den Sustainable Development Goals (SDGs) unter

Ziel 14 „Leben unter Wasser“ festgehalten, ist es dringend

erforderlich, die Gesundheit des Ozeans zu schützen und

wiederherzustellen, die sich aufgrund steigender Temperaturen,

Versauerung, Erschöpfung der natürlichen

Ressourcen und Verschmutzung von Land und Meer

rapide verschlechtert. Mit den UN Sustainable Ocean

Principles werden alle Interessensträger, Unternehmen

und Regierungen aufgefordert, die Ozeane, Meere und

Meeresressourcen nachhaltig und bewusst zu nutzen. Ein

gesunder und ertragreicher Ozean stellt die Basis zur Verwirklichung

der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung dar.

„Die Verschlechterung wird durch menschliche Aktivitäten

verursacht. Wir müssen einen Wendepunkt schaffen, an

dem eine kritische Masse von Unternehmen ihre Kapazitäten

und Kompetenzen nutzt, um diese Herausforderung zu

lösen“, sagte Lise Kingo, Exekutivdirektorin des UN Global

Compact.

Die Initiative „Target Gender Equality“ soll Anfang nächsten

Jahres eingeführt werden und Unternehmen des UN

Global Compact dabei unterstützen, ehrgeizige Unternehmensziele

für die Vertretung und Führungsrolle von

Frauen in Unternehmen festzulegen. Die Initiative fördert

eine verstärkte Auseinandersetzung der Unternehmen mit

den Women Empowerment Principles des UNGC sowie

den SDGs, insbesondere dem Ziel 5, welches eine uneingeschränkte

und wirksame Beteiligung der Frauen und

gleiche Führungschancen auf allen Entscheidungsebenen

fordert.

“Without women, the Global Goals will not become a

reality”, betonte Lise Kingo. Während der 74. Tagung der

Generalversammlung der Vereinten Nationen und der UN

Global Compact Leaders Week richtete sie ihren Appell an

Unternehmen, verstärkte Maßnahmen zur Förderung von

Frauen in der Wirtschaft zu ergreifen.

www.unglobalcompact.org/news/4484-10-01-2019

Die Grundsätze eines nachhaltigen Ozeans wurden in Abstimmung

mit Stakeholdern aus dem Privatsektor, NGOs,

der Wissenschaft und UN-Organisationen entwickelt und

am 23. September während der “UN Global Compact

Action Plattform on Sustainable Ocean Business” offiziell

vorgestellt. Sie bauen auf den übergreifenden Zehn

Prinzipien des UN Global Compacts zu Menschenrechten,

Arbeitsnormen, Umwelt und Antikorruption auf.

www.unglobalcompact.org/news/4472-09-13-2019

globalcompact Deutschland 2019

31


AGENDA

32 globalcompact Deutschland 2019


QUO VADIS GLOBAL GOALS?

Quo Vadis SDGs?

Noch etwa eine Dekade bleibt uns, um die Nachhaltigen Entwicklungsziele

der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals – SDGs)

umzusetzen. Dafür müssen wir alles ändern, damit vieles bleiben kann, wie

es ist, schreibt Harald Welzer in einem Beitrag. Die Schülerbewegung

Fridays for Future fordert deshalb ein Ende von Wachstum und Profit,

während andere Autoren eher für angemessenes Wachstum votieren.

Einig sind sich aber alle darin, dass Arbeit Sinn machen und Sinn

stiften muss. Sinn motiviert mehr als jeder Bonus und macht aus dem

Mitarbeiter einen Mitstreiter.

globalcompact Deutschland 2019

33


AGENDA

Über Sinn und Zweck eines

Corporate Purpose

In der Unternehmenswelt ist seit einiger Zeit der „purpose“ ein zentrales Thema. Wirft man

diesen Begriff in den Raum, so wird zumeist direkt darüber diskutiert, welchen purpose man sich

als Unternehmen denn geben sollte. Es gilt als ausgemacht, dass ein Unternehmen heute einen

purpose braucht. Ohne einen solchen würden Millennials sich gar nicht erst bewerben, langfristig

orientierte Investoren das Unternehmen meiden und die Mitarbeiter lustlos ihrer sinnentleerten

Arbeit nachgehen. Doch was meinen wir mit diesem Begriff? Und welchen Zweck hat er?

Von Dr. Kai Rolker

Der Begriff purpose kursiert seit einiger

Zeit in der Unternehmenswelt. Er erscheint

in so positivem Licht und wird

dabei so wenig hinterfragt, dass man zumindest

darüber nachdenken sollte, warum

das so ist. Mangels einer allgemein

gültigen Übersetzung und eindeutiger

Definition verharrt die Bedeutung des

Begriffs im Ungefähren. So konnte bisher

die Frage nach dem konkreten Sinn auf

elegante Weise umgangen werden. Bevor

man als Unternehmen jedoch Zeit und

Geld in die Entwicklung eines purpose

investiert, sollten Zweck und Nutzen klar

sein. „What is the purpose of purpose?“

Der Begriff purpose kann im Deutschen

„Zweck“ heißen, aber auch „Absicht“,

„Bestimmung“, „Ziel“, „Funktion“ oder

„Sinn“. Da all dies mitschwingt, wenn

man vom purpose eines Unternehmens

spricht, scheint eine einfache Übersetzung

unmöglich. Gleichwohl lohnt es,

den Faden aufzunehmen. Wenn man

etwas purposeful tut, tut man es nicht

einfach so, sondern im vollen Bewusstsein

und mit der Absicht, mit der jeweiligen

Handlung etwas Bestimmtes

erreichen zu wollen.

Man sagt ja auch, der Zweck heilige die

Mittel – das bedeutet, der Zweck wird

quasi als höhere Bestimmung gedeutet,

als normative Kraft oder gar als etwas, das

sich sogar über Normen hinwegsetzen

kann – vorausgesetzt, der Zweck liefert

eine ausreichende ethische Legitimation.

Wenn ich eine Bestimmung erkannt

habe, folge ich einem höheren Ziel, einer

Absicht, die nicht einer beliebigen Laune,

einem Zufall oder einem profanen

Bedürfnis folgt.

Was treibt uns morgens aus dem Bett?

Bei Individuen, beim einzelnen Menschen,

hat man traditionell eher nach

dem Sinn des Lebens gefragt, denn der

Mensch braucht bekanntlich keinen

Zweck, um zu existieren. Er ist einfach

nur da und somit frei, sein Leben mit

Sinn oder einer Bestimmung zu erfüllen

oder eben auch nicht. Diese Freiheit wird

einem Unternehmen nicht zugesprochen,

denn es ist künstlich geschaffen und

verändert die Umwelt, in der es seine

Geschäfte betreibt.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird

heute kaum mehr gestellt. Zu lange haben

Philosophie und Religion sich an ihr

abgearbeitet. Die moderne Wissenschaft

geht realistischer und bescheidener vor.

Sie stellt heute nicht mehr die große

Frage nach dem Sinn des Ganzen, sondern

sie untersucht, was den Einzelnen

antreibt, was das Individuum am Leben

erhält oder es zumindest dazu bringt,

morgens aus dem Bett zu steigen und

sich einer Aufgabe zu widmen.

Menschen, die einer Bestimmung folgen,

die also in sich einen purpose tragen,

sind psychisch gefestigter als solche,

die einfach vor sich hin leben. „Wer ein

Warum zu leben hat, erträgt fast jedes

Wie“ – nach diesem Motto erforschte

Viktor Frankl, einer der Urväter der Resilienzforschung,

wie Sinnerfüllung auch

angesichts schwerer Schicksalsschläge

möglich ist und Menschen in die Lage

versetzt, in Krisenzeiten seelisch stabil

zu bleiben.

Was treibt ein Unternehmen an?

Auch die Werbung hat das Thema besetzt.

„Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt“

war der Slogan einer sehr erfolgreichen

Kampagne der Volksbanken Raiffeisenbanken

in Deutschland aus dem Jahr

2009. Auch hier geht es um Bestimmung

und Zweck, und dies haben in der Tat

Individuen und Unternehmen gemeinsam.

So können wir sagen: Auch jedes

Unternehmen hat etwas, das es antreibt

und zusammenhält.

Dieses Etwas könnte man als den inneren,

die Identität des Unternehmens konstituierenden

Zweck bezeichnen, also einen

intrinsic purpose. Dieser kann enorm

34 globalcompact Deutschland 2019


QUO VADIS GLOBAL GOALS?

3. Er muss möglichst individuell sein,

aber zugleich weithin anerkannten

Werten genügen. In den frühen Tagen

hatte Apple dies so formuliert: „Apple

is dedicated to the empowerment of

man – to making personal computing

accessible to each and every individual

so as to help change the way we think,

work, learn, and communicate.”

4. Er muss in die Zukunft weisen und

auf die Lösung eines gesellschaftlichen

Problems hinweisen. Tesla definiert als

purpose „to accelerate the world’s transition

to sustainable energy“ – dies

ist ein Zweck, der weit über das Ziel

der Gewinnmaximierung hinausgeht

(und gegebenenfalls sogar zu dieser in

Widerspruch steht).

wichtig werden, was wir zum Beispiel erleben, wenn Aktivisten

sich anschicken, ein Unternehmen in Stücke zu zerteilen, um

diese einzeln an den Markt zu bringen. Der Verwaltungsrat

ist dann gefordert, seinen Aktionären zu erläutern, warum

die Existenz des Unternehmens der Zerschlagung vorzuziehen

ist, und hierfür ist es hilfreich, sich auf einen Daseinsweck

berufen zu können.

Ergänzend dazu hat Larry Fink, legendärer Chef von Blackrock,

in jüngster Zeit verstärkt gefordert, dass Unternehmen einen

social purpose entwickeln müssten und dass Investoren diesen

stärker einfordern und kontrollierten sollten.

In Hinsicht auf interne wie externe Anspruchsgruppen verspricht

der purpose also einen Gewinn für beide Seiten. Das

Unternehmen gewinnt Geld, Reputation und seine license to

operate. Die Stakeholder gewinnen, weil das Unternehmen

ihre Ansprüche zu befriedigen in der Lage ist.

Die Frage, ob jedes Unternehmen unter

allen Umständen einen purpose benötigt oder entwickeln

kann, ist gleichwohl nicht entschieden. Zumindest dürfte jeder

clevere Berater zustimmen, dass man sich über purpose seine

Gedanken machen sollte – mit seiner Hilfe. Und grundsätzlich

kann ein Unternehmen natürlich von einem purpose profitieren,

da es ja schlussendlich Menschen sind, die als Mitarbeiter

Wert generieren, als Investoren Kapital bereitstellen oder als

Gesellschaft die license to operate erteilen.

Allerdings wird der purpose nur dann positiv auf die Stakeholder

abstrahlen, wenn er die genannten Kriterien erfüllt,

denn sonst wird er schnell als Mogelpackung entlarvt und

nicht nur seinen Zweck verfehlen, sondern im Gegenteil

bewirken, dass Resilienz und Glaubwürdigkeit des Unternehmens

nachhaltig Schaden nehmen. Also: purpose ja, aber nur,

wenn er Sinn macht.

Wann hat purpose einen Zweck?

Jedes Unternehmen sollte sich dennoch fragen, ob es ein purpose

statement braucht oder nicht. Ein purpose kann sinnvoll

sein, aber eben nur dann, wenn er gewisse Bedingungen erfüllt:

1. Er muss authentisch sein und aus dem Inneren des Unternehmens

kommen. Dies ist sicher der Fall bei „TED Talks“,

die sich zu diesem purpose bekennen: „Spreading Ideas“ –

genau dies ist Sinn und Zweck der Veranstaltung.

2. Er muss klar und einfach fassbar sein, also in keinem Fall

abstrakt und abgehoben. Ein Beispiel dafür die Marke „Life is

Good“ (eine Kleidermarke), die sich diesen purpose gegeben

hat: „To spread the power of optimism.“

ÜBER DEN AUTOR

Dr. Kai Rolker ist Head Group Communications bei Clariant,

einem weltweit führenden Spezialchemieunternehmen. Bis 2012

war er Director Marketing Communications bei Synthes. Er hat

Philosophie und Alte Geschichte studiert sowie ein Masterstudium

Communication Management absolviert.

globalcompact Deutschland 2019

35


AGENDA

Wir wollen

Von Daniel Erk

Egal ob Beratungsfirma,

Betonfabrik oder AKW-

Betreiber: Warum viele

Unternehmen nicht mehr

bloß Umsatz machen,

sondern auch die Welt

verbessern wollen.

Fließbandarbeiter ziehen sich entschlossen

die Stiefel an. Schweißerinnen schieben

sich bedeutungsvoll die Schutzmasken

aus dem Gesicht. Sie strahlen. So

überzeugt sind sie von ihrem Arbeitgeber,

so berührt von ihrer Mission. Dazu türmen

sich Streichersätze auf, und sonore

Stimmen aus dem Off erzählen von Verantwortung,

Verlässlichkeit und davon,

was es heißt, ein Mensch zu sein.

Der knapp dreiminütige Werbespot

des amerikanischen Betonproduzenten

Oldcastle soll nicht nur ein positives

Firmenimage vermitteln. Er soll die Belegschaft

motivieren, für ihren Job zu

brennen. Denn er zeigt ihnen ihren purpose,

auf Deutsch etwa „Sinn“, „Zweck“

oder „Mission“. Die Antwort auf die

Frage: „Warum?“ Warum arbeiten wir

hier? Was ist der Sinn dieses Betonproduzenten?

Also, abgesehen davon, Beton

zu produzieren. Diese Frage wird gerade

in vielen Unternehmen gestellt.

Konzerne, die Gutes wollen

Unternehmen streben danach, Gewinn

zu machen – so lautete bisher die

oberste Regel im Kapitalismus. Das aber

scheint sich gerade zu ändern. Seit einigen

Jahren reden immer mehr Manager

und Unternehmer von der purpose economy.

„Der Zweck dieser Firma ist nicht,

36 globalcompact Deutschland 2019


QUO VADIS GLOBAL GOALS?

Shareholder Value zu schaffen“, erklärte

zum Beispiel Emmanuel Faber, der CEO

von Danone, neulich im Magazin The

Economist. Stattdessen wolle sein Konzern

möglichst vielen Menschen gesunde

Lebensmittel zugänglich machen. Das

klang, als ginge es ihm gar nicht mehr

um Umsatz und Gewinn, sondern darum,

die Welt zu verbessern.

Zeitgleich bitten Personalvorstände ihre

Belegschaft auf die Couch, um herauszufinden,

was diese wirklich antreibt, was

die Mitarbeiter wünschen, was sie wollen

und was sie motiviert – abgesehen vom

Geld. Denn viele Unternehmen fürchten,

in Zeiten des Fachkräftemangels

für hochkarätige Bewerber nicht mehr

attraktiv zu sein, wenn sie neben Gehalt

nicht auch noch einen Sinn und Zweck

anbieten.

Die Unternehmensberatung BCG gab

kürzlich bekannt, ihren Umfragen zufolge

legten zwar 30 Prozent der jungen

„Top-Talente“ in erster Linie Wert

auf hohes Gehalt und Karrierechancen.

Top-Talente sind nach dieser Definition

Bewerber mit Bestnoten, Berufs- und

Auslandserfahrungen. Doch immerhin

28 Prozent von ihnen bezeichnet die

Beratung als „Sinnsucher“, weil für sie

bei der Arbeit nicht in erster Linie materielle

Werte wichtig seien.

Und weil der Begriff purpose mindestens

so vage wie wichtig ist, gibt es längst

Beratungsagenturen, die Managern dabei

helfen, herauszufinden, was sie in ihrer

Firma eigentlich machen – und wozu.

Die veganen Berater

In einem der oberen Stockwerke eines

imposanten Altbaus in Berlin-Mitte residiert

Brighthouse, so etwas wie der

Branchenprimus, wenn es um unternehmerische

Sinnfragen geht. Freigelegte

Backsteinwände, vollverglaste Büros,

der Kühlschrank in der Kaffeeküche

hält die besten und koffeinreichsten

Feinschmeckerlimos bereit. Auf den

Die Idee

des

purpose ist

also so

clever wie

schlicht:

Motivierte

Menschen

leisten am

Arbeitsplatz

mehr als

abgeklärte

Zyniker.

lustvoll arrangierten Illustrationen und

Motivationszetteln, die im Flur drapiert

wurden, steht „Intelligence having fun“,

irgendjemand hat „I’m vegan“ auf ein

Blatt Papier geschrieben und danebengehängt.

Nicht unbedingt Sprüche, die

man in einer Unternehmensberatung

erwartet hätte.

Der Purpose-Trend kommt aus den USA,

aus den Start-ups und Digitalkonzernen

des Silicon Valley, die Hippiekultur und

Sinnsuche mit Konzernen und Kapitalismus

gekreuzt haben. Brighthouse

wurde 1995 von der Werbelegende Joey

Reiman gegründet, der den Begriff purpose

maßgeblich geprägt und auch in

einem Buch beschrieben hat. Dessen

vollständiger Titel lautet übersetzt: „Die

Geschichte des Zwecks: Der Weg zur

Schaffung einer strahlenderen Marke,

einer größeren Firma und eines dauerhaften

Vermächtnisses“.

2015 wurde Brighthouse von BCG übernommen.

Von derselben Unternehmensberatung

also, die in der eben zitierten Befragung

unter den jungen „Top-Talenten“

28 Prozent Sinnsucher identifiziert hat.

Eine der Frauen, die Unternehmen hilft,

ihre Mission klarer zu fassen, ist Aminta

Rother. Sie ist 30 Jahre alt, hat in Japan

Wirtschaftspsychologie und an der ESCP,

einer privaten Wirtschaftshochschule,

Marketing studiert. Danach arbeitete

sie bei einer großen Markenberatungsagentur.

Als Brighthouse eine Niederlassung

in Deutschland plante, wurde

sie abgeworben. Seit einem halben Jahr

arbeitet sie gemeinsam mit Psychologen,

Filmemachern, BWLern, Philosophen,

Designern und ehemaligen Werbetextern

bei Brighthouse. Aber wie findet ein

Unternehmen seinen purpose?

Schritt 1, erklärt Rother, sei immer die

sogenannte discovery – mit Fragebögen

und Interviews stellen die Berater

fest, was ihre Auftraggeber überhaupt

machen und was deren Mitarbeiter motiviert.

>>

globalcompact Deutschland 2019

37


AGENDA

Schritt 2: die articulation. Aus den Antworten und Geschäftsfeldern

wird die Schnittmenge gebildet. „Wir fragen uns:

Was leistet dieses Unternehmen in der Welt, und wo sind die

Bedürfnisse der Gesellschaft?“, erklärt Aminta Rother. Anders

formuliert: Wer ist das Unternehmen – und wer sollte es

idealerweise sein? Daraus wird ein Anspruch, der purpose,

formuliert.

Hinter Schritt 3, der activation, steht die Frage, mit welcher

Strategie man die Erkenntnisse umzusetzen gedenkt.

Im Schritt 4, embed, wird der purpose schließlich in die

Struktur des Unternehmens eingearbeitet.

Das Ergebnis kann weitaus mehr sein als ein pathetischer Film

mit Streichern und glücklichen Fließbandarbeitern wie im Fall

von Oldcastle. Manchmal hat die Arbeit von Rother und ihren

Kollegen unmittelbare Konsequenzen für das Geschäft. Der

Brighthouse-Europa-Chef Brad White erklärt das in Interviews

gerne an einem Beispiel: Einer der Kunden, die amerikanische

Drogeriekette CVS, nahm nach der Beratung alle Tabakprodukte

aus dem Sortiment. Der Grund: Tabak passte nicht zur Mission

der Drogerie, Menschen dabei zu helfen, ein gesünderes Leben

zu führen. CVS hatte mit Zigaretten zwar zwei Milliarden

Dollar Umsatz gemacht. Doch 91 Prozent der Kunden, erklärt

Brighthouse seinen Klienten, würden im Zweifelsfall lieber in

einem Unternehmen mit purpose einkaufen als in einem ohne.

Langfristig lohne sich der Sinn, auch wenn man kurzfristig

dafür auf Milliardenumsätze verzichten müsse.

Die Pioniere des „purpose“

Eine Firma, die ihren Sinn und ihre Mission bereits verinnerlicht

hatte, lange bevor es Beratungen wie Brighthouse gab,

versteckt sich in einer schmucklosen Ausfallstraße neben

einem S-Bahnhof im Norden von Mainz. Seit 1986 stellt das

inhabergeführte Unternehmen Werner & Mertz die Produkte

mit dem kleinen grünen Frosch her: Seifen, Waschpulver,

Scheuermittel, Kalklöser und Glasreiniger.

„Ganzheitlich nachhaltig“ steht in weinroten Buchstaben an

der Wand der Verwaltungszentrale. Daneben wachsen Blumen,

davor plätschert ein Springbrunnen im Foyer. In runden

Glasvitrinen sind Flaschen mit Reinigungsmitteln arrangiert,

während die Aufschrift auf einem Pappkarton fordert: „Recyceln

Sie Ihr Alt-Handy“. Das ökologische Bewusstsein des

Unternehmens scheint über die Jahre zu einer Haltung geworden

zu sein, die Mitarbeiter emotional an die Firma und

ihre Produkte bindet. So erzählt eine Mitarbeiterin schon kurz

nach der Begrüßung freimütig, dass sie über Freunde die Nase

rümpfe, wenn diese weniger umweltschonende Waschmittel

im Bad stehen haben.

In der Kantine wartet Detlef Matz, der Leiter des Nachhaltigkeitsmanagements.

Matz widerspricht mit seinem dünnem

Schnurrbart und den kurz gestutzten Haaren optisch dem

Öko-Klischee. „Nachhaltigkeit ist ein Wert, den legt man

nicht am Firmentor ab“, sagt er. Vom Fließbandarbeiter bis

zur Führungsebene fühlten sich heute alle den gemeinsamen

Werten verpflichtet. Man könne sich außerdem bei jedem

neuen Produkt, bei jeder Neuentwicklung und jeder Personaleinstellung

sicher sein: Dieser Wert gilt. Und das nütze

auch dem Unternehmen. Denn jemand, der für ein höheres

Ziel arbeite, sagt Matz, schaue nicht so genau auf die Uhr,

wenn es Richtung Feierabend gehe.

Ein AKW-Konzern wird grüner

Die Idee des purpose ist also so clever wie schlicht: Motivierte

Menschen leisten am Arbeitsplatz mehr als abgeklärte Zyniker.

Sinn motiviert mehr als jeder Bonus und das Weihnachtsgeld.

Purpose macht aus dem Mitarbeiter einen Mitstreiter.

Doch der Anspruch hat auch seinen Preis. Je länger Matz spricht,

desto klarer wird: Wirtschaftlich lohnt sich die Nachhaltigkeit

erst langfristig. Wenn man sein Firmengebäude wie Werner

& Mertz nach hohen Umweltstandards zertifiziert, spart das

langfristig Energie und damit Geld. Zunächst einmal kostet

es jedoch. Und das kann sich aber nicht jedes Unternehmen

leisten: Für eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit ihren

Quartalszahlen und schwankenden Kursen könnte so

38 globalcompact Deutschland 2019


QUO VADIS GLOBAL GOALS?

Doch der unfreiwillige Umbruch hatte

auch positive Folgen: Als das Unternehmen

begann, seine Aktivitäten in der

Windkraft zu kommunizieren, stieg auch

die Zahl der Bewerber. „Wir merken, dass

die Bewerber, die zu uns kommen, ein

Bedürfnis nach Sinnstiftung haben“, sagt

Zimmer. „Das ist deutlich wichtiger als

vor zehn Jahren.“

etwas wirtschaftlich Selbstmord sein.

Dass es schmerzhaft sein kann, einen

neuen purpose für sein Unternehmen

zu finden, weiß Tilman Zimmer. Er ist

Personalchef beim Stromkonzern EnBW.

Seine Abteilung nennt sich „Führung,

Fähigkeiten, Transformation“, ein Name,

der beschreibt, was Sache ist: Vermutlich

haben wenige Konzerne sich in den

vergangenen Jahren so grundsätzlich

infrage stellen müssen wie der Energieversorger.

Noch vor acht Jahren war EnBW einer

der großen Betreiber von Atomkraftwerken

in Deutschland. Vier der einst 17

Atomkraftwerke gehörten dem Unternehmen.

Als die Regierung Merkel im

Jahr 2011, zwischen der Kernschmelze

in Fukushima und den Landtagswahlen

in Baden-Württemberg, relativ spontan

entschied, dass Deutschland komplett

aus der Atomkraft aussteigt, ging EnBW

nicht nur die wirtschaftliche Grundlage

verloren, sondern auch die Richtung.

„Da wurde unser tradiertes Geschäftsmodell

über den Haufen geworfen“,

sagt Zimmer.

„Wir merken,

dass die

Bewerber,

die zu uns

kommen, ein

Bedürfnis

nach

Sinnstiftung

haben.“

Um den Wandlungsprozess zu gestalten,

hat der Stromversorger Dialogprogramme

eingeführt, für die bisher über 2.000

Gespräche mit Mitarbeitern geführt wurden,

vom Elektriker bis zum Vorstand.

Auch wenn das bei EnBW nicht purpose

genannt wird, dreht es sich um genau

dieselbe Frage, erzählt Zimmer: „Wie

müssen wir sein, um erfolgreich zu sein?

Was wird uns ausmachen, wenn wir das

geschafft haben?“

Zimmers Abteilung versteht sich als

Servicecenter, das den Mitarbeitern dabei

helfen soll, neue Kompetenzen zu

entwickeln und sich den ändernden Gegebenheiten

anzupassen. Aber die Suche

nach dem Sinn sei auch für den Konzern

an sich hilfreich, weil dieser quer durch

alle Abteilungen einen wichtigen Richtwert

vorgebe – einen Richtwert, der

unabhängig von Quartalszahlen und

strategischen Etappen gilt.

In der modernen Arbeitswelt kommt

dem purpose eine besondere Funktion

zu: Der Sinn einer Firma überdauert jede

Geschäftskrise. Der Sinn überstrahlt jeden

Transformationsprozess, ganz gleich

wie viele Stellen dieser kostet. Ein Sinn

überlebt jedes Personalkarussell in Vorstand

und Aufsichtsrat. Anders gesagt:

So ein Sinn hat etwas Beruhigendes in

unruhigen Zeiten.

Ob aus Überzeugung oder Kalkül: Es

lohnt sich, einen Sinn zu haben. Eine

Studie aus den USA zeigt, dass Unternehmen

mit purpose über einen Zeitlauf

von zehn Jahren Renditezuwächse erzielt

haben – und zwar dreimal so hohe wie

Unternehmen ohne Sinnstiftung.

globalcompact Deutschland 2019

39


AGENDA

Das Geschäft von morgen:

Die Leadership-Agenda

für die 2020er Jahre

Der Kapitalismus-as-usual funktioniert nicht länger. Er ist nicht in der Lage, die hohen

Erwartungen der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen oder das Pariser

Klimaabkommen zu erfüllen – und vor allem schon gar nicht in der erforderlichen Zeit.

Von Richard Roberts, Inquiry Lead Volans

Noch beunruhigender ist, dass Nachhaltigkeit-as-usual

auch nicht funktioniert.

Das ist eine unbequeme Wahrheit für

diejenigen von uns, die im Nachhaltigkeitsmanagement

von Unternehmen

arbeiten, aber die Beweise sind immer

schwieriger zu ignorieren: Die Treibhausgasemissionen

steigen stetig weiter

an, der Artenverlust nimmt rasant zu,

Ungleichheit und Wut durchdringen

Gesellschaft und Politik.

Das Problem von Nachhaltigkeit-as-usual

besteht darin, dass es versucht, systemische

Herausforderungen wie die Umkehrung

der globalen Erwärmung und

den Auf bau einer fairen, integrativen

Wirtschaft mit inkrementellen Ansätzen,

also stetigen kleinen Verbesserungen,

anzugehen. Jedes Unternehmen, das

einen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit

macht, verdient es, gefeiert zu werden.

Aber die Vorstellung, dass sich diese inkrementellen

Zugewinne auf Dauer zu

einer nachhaltigen globalen Wirtschaft

aufsummieren, ist Wunschdenken. Oder

zumindest ist es eine gefährlich unvollständige

Theorie des Wandels.

Darüber hinaus ist es wahrscheinlich,

dass Nachhaltigkeit-as-usual auch bei

unmittelbareren Unternehmenszielen

wie Risikominderung, Erhöhung der

Widerstandsfähigkeit und Erschließung

neuer Marktchancen nicht erreicht wird.

In einem Zeitalter extremer Wetterbedingungen

und extremer Politik reicht

es nicht aus, etwas weniger schlecht

zu sein als die Konkurrenz, um sich

vor den kommenden Schocks zu schützen.

Es wird auch nicht ausreichen, um

die stetig wachsende Gruppe kritischer

Stakeholder zu gewinnen, die mit Greta

Thunberg darin übereinstimmen, dass

wir „so handeln müssen, als ob unser

Haus brennt, weil es brennt“.

Jedes Unternehmen, das bestrebt ist, in

den 2020er Jahren eine Führungsrolle

zu übernehmen, muss drei Rs beachten:

responsibility, resilience and regeneration,

zu deutsch: Verantwortung, Widerstandsfähigkeit

und Regeneration.

Entscheidend ist, dass Unternehmen

diese 3 Rs nicht nur auf ihre eigenen

Abläufe und Wertschöpfungsketten anwenden,

sondern auch als Akteure des

Wandels auf Marktebene dafür werben,

um so die gesamte Wirtschaft zu verantwortungsvolleren,

widerstandsfähigeren

und regenerativeren Ergebnissen

zu verhelfen. Daraus ergeben sich einige

wichtige Fragen, die ich im weiteren

ansprechen werde:

• Was können Unternehmen praktisch

tun, um den Wandel auf Marktebene

zu beeinflussen?

• Was ist es, das es einigen Unternehmen

ermöglicht, bei der Nachhaltigkeit führend

zu sein, während andere kämpfen?

• Welche Art von Führung wird von jedem

von uns als Individuum im nächsten

Jahrzehnt verlangt?

• Was können Unternehmen praktisch

tun, um den Wandel auf Marktebene

zu beeinflussen?

Jedes Unternehmen nimmt mehrere

Rollen ein: Arbeitgeber, Käufer, Produzent,

Investor, Bürger. Die Art und

Weise, wie ein Unternehmen jede dieser

Funktionen ausführt, hat Einfluss auf das

Wirtschaftssystem und kann optimiert

werden, um den Fortschritt bei den 3Rs

zu katalysieren.

Unternehmen sind am effektivsten als

Agenten des systemischen Wandels,

wenn sie diese Funktionen synergistisch

ausführen, um den Fortschritt zielgerichtet

voranzutreiben. Wenn beispielsweise

eine Netto-Null-Kohlenstoffwirtschaft

das Ziel ist, sollte die Strategie, um dort-

40 globalcompact Deutschland 2019


QUO VADIS GLOBAL GOALS?

Was ist es,

das es einigen

Unternehmen

ermöglicht, bei der

Nachhaltigkeit

führend zu sein,

während andere

kämpfen?

hin zu gelangen, die Bemühungen bündeln, a) die Produktion

zu dekarbonisieren, b) niedrige bzw. Null-Emissionen von

Lieferanten zu verlangen, c) in Sach- und Finanzanlagen zu

investieren, die zukünftige Emissionen „ausschließen“ und

nicht „einschließen“, und d) sich für politische Reformen wie

einen sinnvollen Preis für Kohlenstoffemissionen einzusetzen.

Für einen umfassenden Überblick über jede der fünf Funktionen

und wie sie genutzt werden können, um den systemischen

Wandel voranzutreiben, lesen Sie den Artikel im Global Goals

Yearbook 2019, den ich zusammen mit John Elkington verfasst

habe (ab Seite 12). Vorläufig möchte ich jedoch auf eine Funktion

eingehen: die Rolle, die Unternehmen als Bürger – also

als politische Akteure – bei dem wichtigsten Thema unserer

Zeit spielen: dem Klimawandel.

Die Rolle des unternehmerischen Lobbyings in der Klimapolitik

wird immer stärker hinterfragt. Erst in den letzten Tagen hat

The Guardian einige größere Artikel publiziert, einer handelte

von den Erfolgen der Automobilindustrie bei der Behinderung

vom Klimaschutzmaßnahmen, der andere beleuchtete Googles

Unterstützung von Think Tanks, die wissenschaftliche Erkenntnisse

zum Klimawandel leugnen und der damit verbundene

Versuch, Vorschriften abzuschwächen, die hohe Kosten für

Unternehmen mit hohen Emissionen vorsehen.

Anfang des Jahres veröffentlichte InfluenceMap (dessen Forschung

in der Guardian Story über die Automobilindustrie

zitiert wird) einen Bericht, der beleuchtet, wie acht der größten

europäischen Industrieverbände beim Thema Klimapolitik

agieren. Sie fanden heraus, dass in den meisten Fällen ein

erhebliches Missverhältnis besteht zwischen dem, was >>

globalcompact Deutschland 2019

41


AGENDA

und eine Unternehmenskultur besitzen,

die dies unterstützt. Aber sein eigenes

Handeln ist so strukturiert, dass Druck

auf das Management ausgeübt wird, sich

auf kurzfristige finanzielle Erträge und

nicht auf langfristige gesellschaftliche

Auswirkungen zu konzentrieren.

die Branchenverbände tun, und den

jeweiligen Positionen ihrer einzelnen

Mitgliedsunternehmen.

Diese Analyse wurde von einer Handvoll

klimabewusster institutioneller Investoren

wie dem Church of England Pension

Board, dem schwedischen Pensionsfonds

AP7 und BNP Paribas Asset Management

aufgegriffen. Dies wiederum veranlasste

mehrere große Unternehmen – darunter

BASF, RWE und Heidelberg Cement

– ihre Branchenmitgliedschaften zu

überprüfen.

Im Juni forderte Alan Jope, CEO von

Unilever, alle Wirtschaftsverbände und

Unternehmensgruppen, denen Unilever

angehört, öffentlich auf zu prüfen, ob

ihr Ehrgeiz wirklich mit den geforderten

tiefgreifenden Emissionssenkungen

der Pariser Klimavereinbarung übereinstimmt.

„Laut der neuesten Analyse von

InfluenceMap ist Unilever das einflussreichste

positive Unternehmen“, wenn es

um das klimapolitische Engagement geht.

Druck auf Wirtschaftsverbände auszuüben

oder, wenn das nicht funktioniert,

den Austritt anzukündigen, damit diejenigen,

die in ihrem Namen in den

politischen Hauptstädten sprechen, nicht

mutige klimapolitische Maßnahmen

untergraben, wird für Unternehmen,

die kritische Aufmerksamkeit von NGOs,

Medien und Investoren vermeiden wollen,

zunehmend zu einer Notwendigkeit.

Der nächste Schritt ist die Aufnahme der

Lobbyarbeit für effektivere und mutigere

Reformen und Vorschriften – und die

Unterstützung von Kampagnengruppen,

Think Tanks und Business-to-Business-

Plattformen, die dies in ihrem Namen

tun werden.

Was ist es, das es einigen Unternehmen

ermöglicht, bei der Nachhaltigkeit führend

zu sein, während andere kämpfen

müssen?

Wir alle wissen, dass, wie wir in der Welt

als Menschen auftreten, viel mit dem zu

tun hat, was in uns vor sich geht. Das

Gleiche gilt für Organisationen. Leider

werden heute viele Unternehmen von

dem zurückgehalten, was Kate Raworth,

die Autorin von Doughnut Economics,

als „Corporate Schizophrenie“ bezeichnet.

Die Persönlichkeit eines Unternehmens

wird durch fünf Dinge bestimmt: sein

Eigentum, seinen Zweck, sein Management,

seine Datensysteme und seine

Kultur. Wenn diese fünf Dinge alle in

die gleiche Richtung gerichtet sind und

gut zusammenarbeiten, dann ist eine

Organisation am effektivsten.

Die meisten Unternehmen sind heute jedoch

zumindest leicht schizophren. Zum

Beispiel kann ein Unternehmen einen

Zweck haben, bei dem es darum geht,

Positives zur Gesellschaft beizutragen,

Diese Spannung ist nicht unvermeidlich.

Erstens üben nicht alle Beteiligungsmodelle

den gleichen Druck auf das Management

aus, sich auf kurzfristige Profite zu

konzentrieren. Viele Nachhaltigkeitspioniere

haben von einem Ankeraktionär

profitiert, der sie zumindest teilweise

von der Kurzfristigkeit der öffentlichen

Märkte abschirmt. Dieser Ankeraktionär

kann eine Regierung sein – wie es sowohl

für Ørsted (Dänemark) als auch für

Neste (Finnland) in den Zeiten des Übergangs

von der Abhängigkeit von fossilen

Brennstoffen der Fall war – oder eine

industrielle Stiftung wie in den Fällen

von Novo Nordisk und IKEA, zwei der

konsequentesten Nachhaltigkeitsperformer

seit Beginn dieses Jahrtausends.

Auch in der Geschichte der Nachhaltigkeit

von Unternehmen haben Gründerunternehmen

– von Patagonien bis The

Body Shop – eine herausragende Rolle

gespielt, wobei letztere eine besonders

interessante Fallstudie über den Einfluss

von Eigentum darstellen. The Body Shop,

das in den 1970er und 1980er Jahren

ein Pionier unternehmerischer Verantwortung

im Bereich Umwelt und Soziales

war, hatte es nach dem Börsengang

und insbesondere nach dem Kauf durch

L‘Oréal im Jahr 2006 immer schwieriger,

seine Führungsrolle in Sachen Nachhaltigkeit

zu behaupten. Seit dem Verkauf

an Natura, einem brasilianische B Corp.,

im Jahr 2017 hat The Body Shop jedoch

begonnen, sich wieder als Marktführer

auf dem CSR-Gebiet zu etablieren. Ermutigt

von den neuen Eigentümern

kehrt man zu den aktivistischen Wurzeln

zurück und das Engagement für

Mensch und Umwelt wird wieder ernst

genommen.

42 globalcompact Deutschland 2019


QUO VADIS GLOBAL GOALS?

„Die Uhr tickt.“

Als börsennotiertes Unternehmen kann es schwieriger sein,

sich an eine Strategie zu binden, die Mensch, Planet und

Gewinn in Einklang bringt, aber manchmal ist die Schuldzuweisung

an die kurzfristige Denke der Aktionäre auch

eine Ausrede.

Die Leistung von Unilever in den letzten zehn Jahren zeigt,

was innerhalb der Grenzen des SPS-Modells möglich ist. Es ist

kein Zufall, dass einer der ersten Schritte von Paul Polman,

als er 2009 CEO wurde, darin bestand, die Quartalsberichterstattung

zu beenden und einen ausdrücklichen Appell an

die langfristig engagierten Aktionäre zu richten. Die Tatsache,

dass in den letzten zehn Jahren nur so wenige andere Unternehmen

diesem Beispiel gefolgt sind, ist ebenso ein Indiz für

die schwache Führung der derzeitigen CEO-Klasse wie für den

Kurzfristigkeits-Fokus der globalen Kapitalmärkte.

Was mich schließlich zu meinem letzten Punkt bringt: Welche

Art von Führung wird von jedem von uns als Individuum im

nächsten Jahrzehnt verlangt?

Um in den nächsten zehn Jahren dorthin zu gelangen, wo wir

hin müssen, bedarf es außergewöhnlichen Mutes der Menschen

in der Wirtschaft. Der Mut, sich gegenüber Aktionären,

Wettbewerbern und sogar Kollegen zu behaupten. Der Mut,

als naiv und fehlgeleitet abgetan zu werden. Der Mut zum

Scheitern, daraus zu lernen, es erneut zu versuchen, wieder

zu scheitern, besser zu scheitern (an der Stelle entschuldige

ich mich bei Samuel Beckett für das Leihen und Verfremden

des Zitats).

ÜBER DEN AUTOR

Richard Roberts leitet einen Großteil von Volans‘ Analysen und

Präsentationen. Insbesondere leitet Richard die Arbeitsgruppe zur

New Carbon Economy und zu Volans‘ Thought Leadership über

die Zukunft des Kapitalismus. Dafür entwickelt er neue Ideen,

Whitepaper und Berichte und berät Wirtschaftsführer, wie sie

sich auf die Zukunft besser einstellen können.

Ich persönlich lasse mich von dem Aktivismus inspirieren,

den wir im Moment auf unseren Straßen sehen. Von den Hunderten

von einfachen Menschen, die bereit sind, verhaftet zu

werden, um zu versuchen, uns alle für die ökologische Krise,

in der wir uns befinden, zu sensibilisieren.

Wie würde die Welt aussehen, wenn wir alle mit dieser radikalen

Absicht, mit dieser Klarheit des Zwecks und mit dieser

Bereitschaft, persönliche und berufliche Kosten zu akzeptieren,

handeln würden?

Wollen wir Erfolg in den 2020er Jahren haben, so erfordert

dies, dass wir in der Lage sind, den Wandel auf diesen drei

verschiedenen Ebenen gleichzeitig voranzutreiben: die Spielregeln

auf systemischer Ebene zu beeinflussen, Unternehmensschizophrenie

auf organisatorischer Ebene anzugehen

und auf persönlicher Ebene Mutreserven zu erschließen, von

denen wir nicht wussten, dass wir sie haben.

Die Uhr tickt.

globalcompact Deutschland 2019

43


AGENDA

Statement on the Purpose of a Corporation

Americans deserve an economy that allows each person to succeed through hard work and creativity

and to lead a life of meaning and dignity. We believe the free-market system is the best means of

generating good jobs, a strong and sustainable economy, innovation, a healthy environment and

economic opportunity for all.

Businesses play a vital role in the economy by creating jobs, fostering innovation and providing

essential goods and services. Businesses make and sell consumer products; manufacture equipment

and vehicles; support the national defense; grow and produce food; provide health care; generate

and deliver energy; and offer financial, communications and other services that underpin economic

growth.

While each of our individual companies serves its own corporate purpose, we share a fundamental

commitment to all of our stakeholders. We commit to:

- Delivering value to our customers. We will further the tradition of American companies

leading the way in meeting or exceeding customer expectations.

- Investing in our employees. This starts with compensating them fairly and providing important

benefits. It also includes supporting them through training and education that help develop

new skills for a rapidly changing world. We foster diversity and inclusion, dignity and respect.

- Dealing fairly and ethically with our suppliers. We are dedicated to serving as good partners to

the other companies, large and small, that help us meet our missions.

- Supporting the communities in which we work. We respect the people in our communities

and protect the environment by embracing sustainable practices across our businesses.

- Generating long-term value for shareholders, who provide the capital that allows companies

to invest, grow and innovate. We are committed to transparency and effective engagement

with shareholders.

Each of our stakeholders is essential. We commit to deliver value to all of them, for the future success

of our companies, our communities and our country.

August 2019

44 globalcompact Deutschland 2019


QUO VADIS GLOBAL GOALS?

Kevin J. Wheeler

President & Chief Executive

Officer

A. O. Smith Corporation

Daniel P. Amos

Chairman and CEO

Aflac

Doug Parker

Chairman & CEO

American Airlines

Miles D. White

Chairman and Chief

Executive Officer

Abbott

Hal Yoh

Chair and CEO

Day & Zimmermann

Roger K. Newport

Chief Executive Officer

AK Steel Corporation

Mark J. Costa

Chairman and CEO

Eastman Chemical Company

Nicholas K. Akins

Chairman, President and CEO

American Electric Power

Gary Norcross

Chairman, President & CEO

FIS

Maurice R. Greenberg

Chairman and CEO

C.V. Starr & Co., Inc.

Michael S. Dell

Chairman and CEO

Dell Technologies

Punit Renjen

Global CEO

Deloitte

Kewsong Lee

Co-Chief Executive Officer

The Carlyle Group

D. James Umpleby III

Chairman and Chief

Executive Officer

Caterpillar, Inc.

Robert E. Sulentic

President & CEO

CBRE Group, Inc.

Jim Fitterling

Chief Executive Officer

Dow

Lynn Good

Chairman, President & CEO

Duke Energy

JM Lawrie

Chairman, President, and CEO

DXC Technology

W. Anthony Will

President & Chief Executive

Officer

CF Industries

Michael K. Wirth

Chairman and Chief

Executive Officer

Chevron Corporation

Julie Sweet

Chief Executive Officer

Designate

Accenture

Carlos Rodriguez

President and CEO

ADP

Mike Burke

Chairman and CEO

AECOM

Andrés Gluski

President and CEO

The AES Corporation

Greg Case

CEO

Aon

Evan G. Greenberg

Chairman & CEO

Chubb

Tim Cook

CEO

Apple

Craig Arnold

Chairman and CEO

EATON

Pedro J. Pizarro

President & CEO

Edison International

David M. Cordani

President and Chief Executive

Officer

Cigna

Eric Foss

Chairman, President & CEO

Aramark

Chuck Robbins

Chairman and CEO

Cisco Systems, Inc.

Alan B. Colberg

President and CEO

Assurant

Michael L. Corbat

Chief Executive Officer

Citigroup, Inc.

Randall Stephenson

Chairman and Chief

Executive Officer

AT&T Inc.

Darren W. Woods

Chairman and CEO

Exxon Mobil Corporation

Carmine Di Sibio

Global Chairman & CEO

EY

Frederick W. Smith

Chairman & CEO

FedEx Corporation

Hubertus M. Mühlhäuser

Chief Executive Officer

CNH Industrial

John A. Hayes

Chairman, President and CEO

Ball Corporation

James Quincey

Chairman and Chief

Executive Officer

The Coca-Cola Company

Brent Saunders

Chairman and CEO

Allergan plc

John O. Larsen

Chairman, President & CEO

Alliant Energy

Lee Styslinger, III

Chairman & CEO

Altec, Inc.

Jeffrey P. Bezos

Founder and Chief Executive

Officer

Amazon

Brian Moynihan

Chairman and CEO

Bank of America

Brian Humphries

Chief Executive Officer

Cognizant

Brian L. Roberts

Chairman & CEO

Comcast Corporation

Revathi Advaithi

Chief Executive Officer

Flex

José (Joe) E. Almeida

Chairman, President and

Chief Executive Officer

Baxter International Inc.

Philip Blake

President Bayer USA

Bayer USA

Carlos M. Hernandez

Chief Executive Officer

Fluor Corporation

James P. Hackett

President and CEO

Ford Motor Company

Ryan M. Lance

Chairman & CEO

ConocoPhillips Company

Joe Davis

Chairman, North America

BCG

Lachlan K. Murdoch

Executive Chairman & CEO

Fox Corporation

Wendell P. Weeks

Chairman, Chief Executive

Officer & President

Corning Incorporated

Brendan P. Bechtel

Chairman & CEO

Bechtel Group, Inc.

Richard C. Adkerson

Vice Chairman, President and

Chief Executive Officer

Freeport-McMoRan Inc.

Tom Linebarger

Chairman and CEO

Cummins Inc.

Corie Barry

Chief Executive Officer

Best Buy Co., Inc.

Larry Merlo

President & CEO

CVS Health

Stephen J. Squeri

Chairman and CEO

American Express

James D. Taiclet

Chairman, President and CEO

American Tower Corporation

James M. Cracchiolo

Chairman and Chief

Executive Officer

Ameriprise Financial

Gail Koziara Boudreaux

President and CEO

Anthem, Inc.

Laurence D. Fink

Chairman and Chief

Executive Officer

BlackRock, Inc.

Charles W. Scharf

Chairman & CEO

BNY Mellon

Dennis A. Muilenburg

Chairman, President & CEO

The Boeing Company

Frédéric B. Lissalde

President and Chief Executive

Officer

BorgWarner Inc.

Robert Dudley

Group CEO

BP plc

Giovanni Caforio

Chairman and Chief

Executive Officer

Bristol-Myers Squibb

globalcompact Deutschland 2019

45


AGENDA


Wir müssen

Wir müssen

aufhören,

Zukunft

negativ zu

begründen

1972 war bereits theoretisch klar, dass die

Welt an Wachstumsgrenzen stößt. 2019 wird

das immer mehr Menschen auch praktisch

klar. Bewegungen wie „Fridays for Future“

fordern ein radikales Umsteuern auf nachhaltige

Entwicklungspfade. Beim Global Goals

Forum wagte der Sozialpsychologe Harald

Welzer einen Blick auf „die Global Goals als

Katalysator einer sozialen Utopie“.

Von Dr. Elmer Lenzen

Sozialer Aufstieg ist die Chiffre der modernen, offenen Gesellschaft.

Sie steht für viele von uns für gelebte Chancengerechtigkeit.

Das findet Ausdruck im sogenannten „amerikanischen

Traum“ oder auch im Satz „Unsere Kinder sollen es mal besser

haben“. Immer spiegelt sich darin die Möglichkeit, aus eigener

Kraft vorwärts zu kommen, soziale Schichten zu durchstoßen

und für sich selbst bzw. seine Familie mehr Wohlstand zu

generieren als zuvor. In einer Welt, die an die Grenzen des

Wachstums stößt, oder sich gar bewusst entscheidet, einen

Schritt zurück zu gehen – Stichwort Postwachstum – wird

sozialer Aufstieg bzw. die Angst vor dem Abstieg zu einem

Kampfbegriff. Es entsteht eine harte Abbruchkante, die vielen

Angst und manche wütend macht.

Was gut läuft

Muss das so sein? Nein, findet Harald Welzer und entwirft in

seinem neuen Buch „Alles könnte anders sein“ eine positive

mögliche Zukunft. Anstatt nur zu kritisieren oder zu lamentieren,

macht er sich Gedanken, wie eine gute Zukunft aussehen

könnte.„Überzeugend, unterhaltsam und mit überraschenden

Perspektiven“, findet Ina Namislo von der MDR Kulturredaktion.

Welzer erläutert in seiner Berliner Keynote anlässßlich des

Global Goals Forums 2019:

„Kulturen entwickeln sich auch nicht auf der Grundlage naturwissenschaftlicher

Befunde, sondern sie entwickeln sich auf der

Grundlage dessen, was man pathetisch als Zivilisationsprozess

bezeichnen könnte, und dieser Zivilisationsprozess – man

muss es bei aller Kritik sagen –, hat im Laufe der letzten

200.000 Jahre doch zu ganz erheblichen Fortschritten im

menschlichen Zusammenleben geführt. Wir sind heute, im

Jahr 2019, global betrachtet in den reichen Gesellschaften in

einem Zustand des niedrigsten Gewalt-Niveaus, das es jemals

in der Geschichte gegeben hat; des niedrigsten Armutsniveaus,

des höchsten Bildungsniveaus, des höchsten Partizipationsniveaus

und so weiter.“

46 globalcompact Deutschland 2019


QUO VADIS GLOBAL GOALS?

Jeder einzelne von uns, so Welzer,

lebt heutzutage besser als Ludwig

XIV. Und dass Europa die letzten

70 Jahre in Frieden und Eintracht

verbracht hat, ist mit Blick auf die

Geschichte wahrlich keine Selbstverständlichkeit,

sondern eher eine

Sensation.

Was schlecht läuft

„Das historisch große Problem, vor

dem wir im Augenblick stehen,

besteht darin, dass alle zivilisatorischen

Güter, die in den letzten zwei

Jahrhunderten erschaffen worden

sind, im Wesentlichen auf der Basis eines Wirtschaftsprinzips

entstanden, das keine Grenzen kennt. Nachdem sich

dieses Wirtschaftsprinzip globalisiert hat, profitieren zwar

immer mehr Menschen von den positiven Effekten dieses

Wirtschaftsprinzips, aber gleichzeitig führt es uns selber als

Bewohner dieses Planeten immer schneller an die Grenzen. Das,

was 200 Jahre lang – und dann insbesondere in den letzten

30 Jahren – so besonders erfolgreich gewesen ist, konsumiert

seine eigenen Funktionsvoraussetzungen.“

In seinem Buch bringt Welzer es auf den einfachen Nenner:

„Wir müssen alles ändern, damit vieles bleiben kann, wie es

ist.“ Das ist kein einfacher Weg. Kritik können wir alle gut,

weiß Welzer, Loben müssen wir dagegen mühsam üben. Dabei

ärgert ihn: Diejenigen, die andere Formen des Wirtschaftens

ausprobieren wollen, müssten sich ständig rechtfertigen, dass

sie damit scheitern könnten. Während ironischerweise die,

deren Wirtschaftsmodell erwiesenermaßen scheitert und nicht

zukunftsfähig ist, einfach so weitermachen dürfen.

Das World Economic Forum hat dieses Phänomen bereits

2018 intensiv unter dem Schlagwort „unternehmerische

Schizophrenie“ diskutiert. Diese rührt oftmals daher, dass

die Konsequenzen nicht ohne sind. „Politisch bedeutet das

eine Selbst-Depriviligierung der reichen Länder“, sagt Welzer.

Wirtschaftlich führt manches, was wir unter Dekarbonisierung

diskutieren, zu Formen der Deindustrialisierung.

Welzer dazu auf dem Global Goals Forum: „Das zeichnet

gewissermaßen die Größe der Aufgabe. Deshalb finde ich

die SDGs auch gut, denn die eigentliche Aufgabe, die es im

21. Jahrhundert zu lösen gilt, ist die, wie wir es schaffen,

zugleich die zivilisatorischen Güter aufrechtzuerhalten, zu

bewahren, weiterzuentwickeln – und das auf der Basis eines

anderen, nicht zerstörerischen Naturverhältnisses. Das ist ein

Problem, für das gegenwärtig überhaupt kein Mensch irgendein

Lösungsformat anzubieten hat. Das macht die Anstrengung

deutlich, die notwendig ist, um die SDGs und die Klimaschutzziele

zu erreichen oder sich ihnen wenigstens anzunähern.“

Zugleich rät Welzer beim Blick auf Zeitrahmen wie 2030

zu mehr Gelassenheit. „Auch hier würde ich mich etwas

entspannen und tatsächlich darauf zurückkommen, dass zivilisatorische

Projekte keine Zeitbegrenzung haben, sondern

anders funktionieren. Wenn Ziele nicht erreicht werden, geht

das Leben trotzdem weiter. Dann muss man eben bessere Strategien

entwickeln. Das bedeutet auch, dass wir uns ehrlicher

machen müssen über die Bedingungen des eigenen Handelns.

Insbesondere für die reichen Gesellschaften bedeutet das

tatsächlich die Aufforderung zur Reduktion des Lebensstandards,

denn die große grüne Illusion – wir können alle so

weitermachen und Wohlstandssteigerung wird es auch dann

geben, wenn wir alle Nachhaltigkeitsziele erreichen, ist, so

glaube ich, magisches Denken.“

Was besser laufen könnte

Das zielt in erster Linie gegen die Konsumgesellschaft. Welzer

spart aber auch nicht mit Kritik am ökologischen Lager. In seinem

Buch schreibt er: „Die Uhr ist für Ökos seit Jahrzehnten auf

,fünf vor Zwölf‘ stehen geblieben. Weitergehen darf sie nicht,

denn nach High Noon folgt – was? Möglichweise etwas, was

man noch nicht kannte.“ Und an der Stelle setzt seine positive

Zukunftsutopie ein. MDR-Redakteurin Ina Namislo schreibt:

„Welzer entwirft eine Art Modul-Revolution, eine Revolution

der kleinen Schritte, die aber erst im Ganzen betrachtet volle

Wirkung entfaltet. So träumt er von einer Zukunft, in der die

Erkenntnis gereift ist, dass es kein grenzenloses Wachstum

auf einem begrenzten Planeten geben kann.“

Welzers Zukunftsutopie ist eine, in der es Städte ohne Autos

gibt, in der Menschen ein Grundeinkommen haben, Grenzen

verschwinden, Schulen statt formaler Bildung soziale Intelligenz

vermitteln. Eine Zukunft, in der Hyperkonsum Geschichte ist

und Nachhaltigkeit der neue Realismus. „Wir haben in den

reichen Gesellschaften einen extremen Mangel an Zukunft. Das

ist das große Problem. Mit Überschriften wie ,der Klimawandel

kommt immer schneller‘, der Sache nach empirisch berechtigt,

wird aber gleichzeitig die Vorstellung mit transportiert, die

Zukunft ist nicht etwas Erstrebenswertes, sondern ist eigentlich

etwas zu Vermeidendes, weil sie mit großer Wahrscheinlichkeit

schlechter als die Gegenwart sein wird. Dann kommen

alle die schlechten Nachrichten aus Umwelt, Nachhaltigkeit

und so weiter. Nun ist aber genau diese Ermangelung von

Zukunft etwas, was die Handlungsfähigkeit von Gesellschaften

– insbesondere von Demokratien – ins Mark trifft, weil

es zu Erosionsprozessen und zur Annullierung gemeinsamer

Interessen führt. Und insofern glaube ich, das die Ideen, die

mit den SDGs verbunden sind, tatsächlich die Funktion der

Stiftung von Zusammenhalt übernehmen könnten.“

globalcompact Deutschland 2019

47


AGENDA

„Ein Wirtschaftssystem, das auf

Wachstum und Profit ausgelegt ist,

kann nicht nachhaltig sein“

Von Tomasz Konicz

Ein Telepolis-Interview mit Aktivisten der Plattform Change for Future, die als antikapitalistische

Strömung innerhalb der Schülerbewegung Fridays for Future agiert

Könnten nicht die Konsumenten die ökologische

Krise abwenden? Was ist mit einem Wandel

des Konsumverhaltens? Reicht es nicht, wenn

wir alle anders oder weniger konsumieren?

Es gibt ja schon erste Aufrufe zu einer Art

ökologischer Austerität.

Change for Future: Natürlich braucht

es einen Wandel im Konsumverhalten,

aber das alleine wird nicht ausreichen.

Wir müssen zwischen existenziellen und

luxuriösen Bedürfnissen unterscheiden.

Wir wollen damit nicht sagen, dass wir

Wohlstand an sich abschaffen wollen,

sondern lediglich, dass wir unsere Konsumhaltung

hinterfragen müssen. Es

gibt Bedürfnisse, die von sich aus umweltschädlich

sind, z.B. der individuelle

Personenkraftverkehr, sprich das Auto,

gegenüber dem öffentlichen Nahverkehr

in Form von Bus und Bahn.

Jedoch schreibt der Kapitalismus uns

den Konsum als „Lifestyle“ vor. Konsum

ist, genauer gesagt, das Verlangen

nach dem Verzehr von Waren. Für ein

genaues Verständnis fehlt uns somit

der Charakter der Ware. Durch den

Charakter der Ware entsteht erst der

Zwang zum Profitstreben, da Waren

nur für den Handel hergestellt werden

und nicht zur reinen Bedürfnisstillung

unserer Gesellschaft gedacht sind. Indem

Konsumkritik nur bei der bloßen Kritik

dessen, was und wie viel konsumiert

wird, stehen bleibt, verkennt sie, dass

die Produktionsweise im Kapitalismus

Überproduktion bewirkt.

Im Kapitalismus ist jene Überproduktion

gewollt, da der Profit durch den Handel

der Waren angestrebt wird. Wir als Konsumenten

werden durch Werbung und

soziale Zwänge zum Konsum angehalten,

um diesen Profit zu ermöglichen. Unser

Besitz, also die Aneignung von Waren,

zeigt unseren sozialen Status. Wir zeigen

unsere Zugehörigkeit oder unsere

Abgrenzung zu anderen somit durch

unseren Konsum. Wer z.B. einen Kaffee

konsumiert und dabei mit Laptop im

Starbucks sitzt, zeigt nicht nur seinen

Status, er grenzt sich damit auch nach

unten von allen ab, die das nicht können.

Wir sind dazu genötigt, unseren Status zu

erhalten, wenn nicht sogar zu verbessern.

Durch die permanent präsente Werbung

wird uns suggeriert, dass wir Produkte

kaufen sollen, obwohl z.B. unser alter

Laptop noch völlig ausreicht.

Wir werden mit dieser Konsumlogik

schon als Kinder großgezogen, abhängig

gemacht und indirekt zum Kauf von

Waren gezwungen. Wir sollen uns bilden

und bestenfalls studieren, nur um später

möglichst viel besitzen zu können. Das

führt unweigerlich dazu, dass wir anstatt

solidarisch miteinander zu sein, eifersüchtig

und egoistisch werden. Was wir

lernen, ist somit nicht dem Streben nach

einer besseren Zukunft unterworfen,

sondern alleinig der Aufrechterhaltung

des Systems.

Im Kapitalismus sind es die Systemzwänge,

die in den Unternehmen über die Produktion

und damit auch über die aus ihr

folgenden Emissionen bestimmen. Der

Fokus ihrer Produktion wird immer beim

Zweck des höheren Gewinns anstatt bei

der Nachhaltigkeit liegen. Das Angebot

orientiert sich nicht mehr an der Nachfrage,

sondern an der Profittauglichkeit.

Die Produzenten, sprich die Firmen, sind

die eigentlichen Verursacher der kommenden

Klimakatastrophe: Doppelt so

viel Energie wird in der Produktion verbraucht

wie in den privaten Haushalten.

Nur wenn wir miteinander anstatt gegeneinander

unseren Konsum und unsere

Wirtschaft ausrichten, kann eine klimataugliche

Ökonomie Realität werden.

Es darf nicht sein, dass wir weiterhin in

dieser Wegwerfgesellschaft leben, während

Menschen, nicht nur bei uns, von

Hunger bedroht sind, sondern sogar im

globalen Süden millionenfach an Hunger

sterben. Gerade umweltpolitisch darf es

so nicht weitergehen. Den Unternehmen

wird es gestattet, so viel wie möglich zu

produzieren. Nein, noch schlimmer. Sie

werden sogar zum Wachstum animiert

und das auf Kosten der Länder um uns

herum. Unser gutes Leben, sprich unser

Konsum, ist der Grund dafür, warum

wir von Billiglöhnern und Sklaven in

der Dritten Welt abhängig sind. Wer

gewährleistet denn unseren Transport

von Waren auf den Autobahnen in ganz

Europa? Es sind die Niedriglöhner in den

osteuropäischen Ländern. Wer erntet

unseren Kaffee, der bei Starbucks konsumiert

wird? Die Produzenten, sprich

48 globalcompact Deutschland 2019


QUO VADIS GLOBAL GOALS?

die Firmen, die uns immer wieder zum

Konsum animieren und welche eine

Überproduktion, gemäß dem Profit- und

Wachstumsstreben im Kapitalismus, fördern,

sind die eigentlichen Verursacher

der kommenden Klimakatastrophe.

Wir sehen es als grundsätzlichen Fehler

der Politik an, den für alle notwendigen

Umweltschutz nur auf die Konsumenten, also vor allem auf

die niedrigen Schichten unserer Gesellschaft, abzuwälzen. Wir

müssen die Produktionsweise der Konzerne verändern – hin

zur Notwendigkeit, sich an Nachhaltigkeit und Gemeinnützigkeit

auszurichten. Und das bedeutet letztendlich, dass wir das

Privateigentum an Produktionsmitteln kollektivieren müssen.

Was ist der entscheidende Widerspruch des Kapitalismus, der Ökonomie

und Ökologie unvereinbar macht?

Change for Future: Wie schon erwähnt, kann ein Wirtschaftssystem,

das auf Wachstum und Profit ausgelegt ist, nicht

nachhaltig sein. Die Wachstumsmaxime zwingt die Unternehmen

ständig zu expandieren und sich auszuweiten, ohne

Erbarmen gegenüber der Konkurrenz. Das ist die sogenannte

Monopolisierung, die wir permanent erleben. „Friss oder stirb!“

Entsprechend bestehen die unternehmerischen Ziele darin,

den eigenen Marktanteil zu vergrößern und die Produktion

zu effektivieren. Um sich einen Wettbewerbsvorteil anzueignen,

wird auch teils auf unfaire Methoden zurückgegriffen.

Es werden dann billige Materialien und endliche Ressourcen

rücksichtslos verwendet. Genauso schlimm ist aber die Einsparung

von Lohn und Arbeiter*Innen. Niedrige Löhne und

Arbeitslosigkeit sind die Folge. Sie gehören zum Kapitalismus

und sind eine Zwangsläufigkeit des Wachstums. Nachhaltigkeit,

egal in welcher Form, ist für die Unternehmer*Innen

schlichtweg unökonomisch. Doch anstatt dass die Politik die

Unternehmen kontrolliert, wird sie von diesen vereinnahmt.

Das erkennen wir auch an dem Agieren der Bundespolitik,

die ihre schützende Hand über die Konzerne hält, damit die

Wirtschaft und ihre Arbeitsplätze keinen Schaden nehmen.

Entsprechende Beispiele waren die Verschiebung des Kohleausstiegs,

die Rodungen im Hambacher Forst oder die zunehmende

Privatisierung von Bus und Bahn. Die Konzerne haben eine

für uns undurchsichtige Möglichkeit gefunden, auf die Politik

Einfluss zu üben: Lobbyismus. Über diese Lobbys können sie

ihre Interessen direkt an die Politik vermitteln, an denen sich

diese dann orientiert.

Das Wahlsystem gibt uns lediglich die Möglichkeit zu entscheiden,

welche fremdbestimmten Politiker*innen im Bundestag

sind, aber im Endeffekt werden sie alle nicht gegen die Interessen

der Unternehmer*innen vorgehen können. Folglich

werden dem Zustand unserer Erde entsprechende Maßnahmen

niemals von einer solchen Politik genehmigt werden.

Wir können das eindeutig an den „umweltpolitischen“ Maßnahmen

nachvollziehen, die bisher verabschiedet wurden:

Fahrverbote, Strom- und Benzinpreiserhöhungen sowie der

Emissionssteuer der EU. Die vorherrschende Politik will die

Bewältigung des Klimawandels auf die privaten Haushalte

abwälzen, obwohl die Konzerne doppelt so viel Energie verbrauchen.

Dieses Ungleichgewicht ist es, das eine wirkliche

Bewältigung des Klimawandels im Kapitalismus ausschließt.

Wir wollen eine Bewegung schaffen, die sich nicht an die

Politiker*innen anbiedert, sondern sie dazu zwingt, unsere

Umwelt zu erhalten.

globalcompact Deutschland 2019

49


AGENDA

Weniger Kapitalismus,

mehr Demokratie

Weder Sehnsucht nach Wachstum noch Wachstumsverzicht führen aus der Krise.

Es geht um ein angemessenes Wachstum.

Von Hans-Jürgen Urban

Eine der längsten Wachstumsphasen

der Nachkriegszeit läuft aus. Angst vor

der Krise geht um. Dafür gibt es Gründe.

Wachstum ist die vielleicht wichtigste

Dynamik unseres Wirtschaftsmodells.

Staatseinnahmen, Arbeitsmärkte und

Masseneinkommen hängen am Wachstum.

Bleibt es aus, ist der Katzenjammer

groß.

Das hat systemische Ursachen. Die Jagd

nach Mehrwert ist der zentrale Antrieb

einer privatkapitalistischen Wirtschaft.

Erlahmt sie, aus welchen Gründen auch

immer, verliert das System an Stabilität.

Der Kapitalismus wächst oder er ist in

der Krise. Dazwischen gibt es nichts.

Auch die Gewerkschaften sind traditionell

Wachstumsfans. Es gehört zu ihrem

Kerngeschäft, wirtschaftliche Zuwächse

in höhere Einkommen, kürzere Arbeitszeiten

und bessere Arbeitsbedingungen

umzuwandeln. Die Erfolge dieser

Politik sind bis heute nach Geschlecht,

ethnischer Herkunft und Weltregionen

ungleich verteilt.

Für die Bevölkerungsmehrheit in den

kapitalistischen Metropolen bedeuten sie

gleichwohl einen historisch einmaligen

Lebensstandard. Die Angst und Sorge,

diesen zu verlieren, lässt viele für rassistische

und chauvinistische Erzählungen

empfänglich werden.

Doch dieses Modell stößt an Grenzen.

Wachstum im neoliberalen Kapitalismus

wird repulsiv und bedeutet keineswegs

mehr Wohlstand für alle. Es befördert

50 globalcompact Deutschland 2019


QUO VADIS GLOBAL GOALS?

ÜBER DEN AUTOR

Hans-Jürgen Urban ist Mitglied des geschäftsführenden Vorstands

der IG Metall.

gesellschaftliche Spaltung, indem es die

Vermögen der Reichen mehrt und zugleich

immer mehr Menschen in prekäre

Lebenslagen abdrängt. Und es nimmt die

Natur in einem Maße in Anspruch, das

ihre Regenerationsfähigkeit überfordert.

Die Klimakrise lässt grüßen.

Stimmt diese Diagnose, führen die traditionellen

Strategien zur Ankurbelung des

Wachstums nicht aus der Krise, sondern

weiter hinein. Diese Erkenntnis stellt den

rationalen Kern diverser Postwachstums-

Strategien dar, die in linken politischen

und akademischen Milieus an Zuspruch

gewinnen.

Auf der Basis einer prinzipiellen Wachstumskritik

werden etwa der radikale

Rückbau tragender Wirtschaftssektoren

(wie der Stahl- und Automobilindustrie),

ein genereller Konsumverzicht und

eine Kultur der Bescheidenheit gefordert.

Fragen von Erwerbsarbeit, Produktion

und Verteilung fristen hingegen ein

Schattendasein.

eine Wirtschaft, die nicht unter einem

profitgetriebenen Wachstumszwang

ächzt, sondern die wächst, wo sie wachsen

soll und auf Wachstum verzichtet,

wo es die Gesellschaft spaltet oder die

Natur überfordert.

Ein solches, gesellschafts- und naturverträgliches

Wachstum unterschiede sich

grundlegend vom bisherigen. Es fiele

wohl flacher aus, da es nicht Wachstum

auf Teufel komm raus förderte, sondern

nur dort, wo gesellschaftlicher Nutzen

zu erwarten ist; es wäre nachhaltiger,

da es die Grenzen der Natur als Grenzen

des Wachstums akzeptierte; und es

müsste sich gerechter vollziehen, indem

es die Verliererinnen und Verlierer des

Strukturwandels nicht in Arbeitslosigkeit

oder Armut abdrängt, sondern ihnen

mit gesellschaftlichen Ressourcen neue

Perspektiven eröffnet.

Doch solche Ansprüche überfordern den

Markt. Er stellt eine Spielanordnung dar,

in der private Akteure nach maximalem

Profit oder Nutzen jagen und anfallende

Kosten auf die Gesellschaft oder die Natur

abgewälzt werden können. Und in

der wirtschaftliche Macht in politische

Vetomacht umschlägt.

Sollen gesellschaftliche Gebrauchswerte,

ökologische Nachhaltigkeit und soziale

Gerechtigkeit zu Zielmarken werden,

sind andere Spielregeln unverzichtbar.

Das erfordert politische Eingriffe in die

Märkte, bis in die Unternehmensentscheidungen

hinein. Und es erfordert

den Ausbau öffentlicher Güter und Infrastruktur.

Ein zukunftstaugliches Wirtschaftsmodell

muss nicht nur langsamer, nachhaltiger

und gerechter, es muss vor allem

demokratischer wachsen. Weniger Kapitalismus

und mehr Demokratie sind

angesagt.

Doch so sympathisch diese Wachstumsablehnung

auf den ersten Blick sein mag,

sie übersieht, dass die Gegenwartsgesellschaften

nicht nur Überfluss-, sondern

auch Defizitgesellschaften sind. Und

diese Defizite liegen etwa in der sozialen

Sicherheit, im Gesundheits- und Sorgebereich,

im Bildungs- und Kultursektor

und bei der Mobilität von Menschen

und Gütern.

Sie zu beheben erfordert weiterhin

die Produktion von Gütern wie Zügen,

Bussen und Autos; und von sozialen

Diensten wie Pflege. Und es erfordert

wirtschaftliche Wertschöpfung, die in

öffentliche Investitionen in öffentliche

Güter umverteilt werden muss.

Weder traditionelle Wachstumssehnsucht

noch pauschaler Wachstumsverzicht

führen weiter. Zielführend wäre

globalcompact Deutschland 2019

51


AGENDA

KAUF

WENIGER!?

Von Richard Häusler

Wenn man mit Schülern über Nachhaltigkeit diskutiert, auch

mit Gymnasiasten, ist es zwar verblüffend, aber auch nicht

allzu verwunderlich, dass die Antworten oft eher einfach und

strikt ausfallen. Am liebsten würden die jungen Leute einfach

alles verbieten, was als Übel in der Welt zu sein scheint –

Plastik, klimaschädliche Maschinen, Fleischfabriken.

Dass es in einer pluralistischen Gesellschaft,

einem komplexen sozialen System

und in einer globalisierten Welt nicht

einfach so mit Verboten möglich ist, alle

Probleme zu lösen, dass die Kunst darin

besteht, in demokratischen Verfahren

Rahmenbedingungen richtig zu setzen

und die freie Betätigung der Menschen so

in vernünftigen Bahnen zu lenken, diese

Einsicht ist Ergebnis von Erfahrungen,

die man 10- bis 16-Jährigen noch nicht

abfordern kann. Das Modelllernen in

der Familie basiert ja auch zum großen

Teil auf dem Prinzip elterlicher Ge- und

Verbote.

In den Schulen könnte man freilich

schon etwas dafür tun, dass in Gesellschaftskunde

oder politischer Bildung

auch systemische Intelligenz gefördert

wird. Das würde die Fähigkeit entwickeln

zu erkennen, dass unsere Gesellschaft

nicht nach einem durchgehenden Prinzip

organisiert ist, sondern Resultat ganz

verschiedener Faktoren ist. Dass also z.B.

ein marktwirtschaftliches System nach

einer andere Logik oder Rationalität

funktioniert als ein Rechts-, Bildungsoder

Mediensystem. Freilich wissen das

auch viele „Große“ noch nicht wirklich.

Und daraus entsteht dann nicht selten

die Idee, es müsse ein übergeordnetes

Prinzip geben, dem sich alle gesellschaftlichen

Bereiche unterzuordnen hätten.

Derzeit ist „Nachhaltigkeit“ so eine

totalitäre Idee. Dabei wird der Begriff

dann nicht als das verwendet, was er ist,

nämlich der Überbegriff einer Menge

von Entwicklungs- und Wachstumsproblemen

unserer Zivilisation, sondern

er wird zur generellen Lösungs- und

Heilsformel.

Dass das so nicht funktionieren kann,

zeigt eine Plakatkampagne, die die Bio-

Handelskette Bio Company auf uns loslässt.

Auf großformatigen Postern des

Biosupermarkt-Filialisten kann man in

U-Bahnhöfen in Berlin derzeit die Aufforderung

lesen: „Kauf weniger“. Mit

dem Zusatz „Weil uns Nachhaltigkeit

wichtiger ist.“ Wenn Bio Company diese

Idee wirklich ernst meint, dann müsste

in den Filialen jetzt eine große Preissteigerung

einsetzen. Denn das ist das,

was der Filialist tun kann, damit die

Menschen (bei ihm) weniger kaufen.

Natürlich passiert das nicht. Und es ist

alles nur Werbung.

Das Beispiel zeigt aber auch sehr deutlich,

dass systemisches Denken über

Nachhaltigkeit Not täte. Denn natürlich

funktioniert Marktwirtschaft über den

Preis – und nicht über moralische Ap-

52 globalcompact Deutschland 2019


QUO VADIS GLOBAL GOALS?

pelle. Im Rahmen ihrer Aktion „Kauf weniger“ ließ die Bio

Company die Kunden in einer Filiale in Berlin an einem Tag

Ende September den Preis für ihren Einkauf selbst bestimmen.

Die Supermarkt-Betreiber zeigen sich vom Ergebnis angeblich

enttäuscht. Sie posten auf Facebook: „ Das Ergebnis ist ernüchternd

und offenbart Wissenslücken: 62 Prozent der Kunden

schätzten den Preis für ihren Einkauf zu niedrig ein.“ Die

Wissenslücken liegen aber in Wirklichkeit bei der Bio Company.

Denn es ist doch völlig normal, dass Käufer möglichst viel für

möglichst wenig haben wollen. Wenn Bio Company es ernst

meint mit „Kauft weniger“ und „Nachhaltigkeit ist wichtiger“,

dann erhöhen sie ihre Preise und sorgen für weniger Absatz.

Das werden sie natürlich nicht tun, weil sie genauso wie ihre

Käufer marktwirtschaftliche Nutzenoptimierer sind. Das ist

die Rationalität unseres Wirtschaftssystems.

Was hinter dem kleinen Nachhaltigkeits-Experiment im Supermarkt

steckt, ist auch die verbreitete Annahme, es gebe so

etwas wie die „wahren“ Preise von Produkten. Preise bilden

sich aber immer nur auf Märkten, und sie bilden Marktverhältnisse

ab. Sie werden deshalb als Teil von wirtschaftlicher

Rationalität niemals z.B. die externalisierten Kosten abbilden

und von sich aus so etwas wie die soziale oder ökologische

Nachhaltigkeit widerspiegeln. Um soziale und ökologische

Nachhaltigkeit zu realisieren, müssen politische Rahmenbedingungen

gesetzt (und durchgesetzt) werden.

Wir müssen deshalb nicht die Marktwirtschaft abschaffen, um

Nachhaltigkeit zu erreichen, sondern den politischen Prozess

und die Zivilgesellschaft stärken. Die Marktwirtschaft an sich

ist okay. Andreas Siemoneit hat das zusammen mit Oliver

Richters in seinem Buch „Marktwirtschaft reparieren“ sehr

deutlich herausgearbeitet. Dass er damit bislang relativ wenig

Gehör findet, hat wohl damit zu tun, dass das systemische

Denken weniger weit verbreitet ist, als man denken möchte.

Sonst würden wir in der Nachhaltigkeitsdebatte nicht immer

wieder versuchen, Systemen eine Rationalität aufzudrücken,

die sie nicht haben können.

ÜBER DEN AUTOR

Richard Häusler ist Geschäftsführer und Gesellschafter

der stratum GmbH, die sich für die nachhaltige Entwicklung

im Non-Profit-Bereich einsetzen. Das Essay erschien auf

UmweltDialog.de.

globalcompact Deutschland 2019

53


AGENDA

Streitpunkt Wachstum

Forscher legen Konsensvorschlag vor

Das Wohlergehen weltweit hängt davon ab, ob es gelingt, die ökologischen Grenzen

des Planeten einzuhalten. Der jüngste Bericht des Weltklimarats IPCC zum

1,5-Grad-Ziel zeigt die Dringlichkeit einer globalen gesellschaftlichen Transformation.

Was folgt daraus für eine wohlhabende Volkswirtschaft wie Deutschland?

Kann sie weiterhin wachsen – oder muss sie gar eher schrumpfen?

54 globalcompact Deutschland 2019


QUO VADIS GLOBAL GOALS?

Hierüber wird politisch gestritten, eine

breit akzeptierte Antwort gibt es bislang

nicht. Eine jetzt vom Umweltbundesamt

(UBA) veröffentlichte Studie präsentiert

nun einen Konsensvorschlag

zum Streitpunkt „Wachstum“ in der

Nachhaltigkeitsdebatte. Wissenschaftler

des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung

(IÖW), des RWI – Leibniz-

Instituts für Wirtschaftsforschung und

des Wuppertal Instituts für Umwelt, Klima

und Energie haben untersucht, wie

sich ausbleibendes Wirtschaftswachstum

auf die Stabilität wichtiger gesellschaftlicher

Systeme wie etwa der Renten- und

Krankenversicherung auswirken würde.

„Die Enquete-Kommission Wachstum,

Wohlstand, Lebensqualität des Deutschen

Bundestages endete im Jahr 2013,

ohne dass sie hinreichende politische

Impulse auslösen konnte“, sagt Projektleiter

Ulrich Petschow vom IÖW. „Daher

haben wir vor allem analysiert, welche

politischen Handlungsoptionen es gibt,

damit wertvolle Zeit nicht weiter ungenutzt

verstreicht. Denn für unseren

Planeten ist nichts schädlicher als Stillstand

aufgrund politischer Meinungsverschiedenheiten.“

Planetare Grenzen einhalten:

Vorsorgeorientierung in der Politik

stärken

In der Debatte um Wirtschaftswachstum

und Nachhaltigkeit kursieren viele

Begriffe wie etwa Postwachstum oder

Green Economy. Besonders die beiden

Positionen Green Growth und Degrowth

stehen sich unversöhnlich gegenüber.

Das gemeinsame Projektteam der drei

Forschungsinstitute IÖW, RWI und Wuppertal

Institut rät der Politik nun ein

„weder noch“: Keine dieser Positionen

beruhe auf Annahmen, die sich wissenschaftlich

hinreichend begründen

lassen. Um dennoch eine verantwortliche

Wirtschafts- und Umweltpolitik gestalten

zu können, schlagen die Autoren ein vorsorgeorientiertes

Vorgehen vor: Wachstumsabhängigkeit

müsse möglichst gemindert

und so der Wachstumsvorbehalt

abgeschwächt werden, der ambitionierte

„Die

Enquete-

Kommission

Wachstum,

Wohlstand,

Lebensqualität

des Deutschen

Bundestages

endete im

Jahr 2013,

ohne dass sie

hinreichende

politische

Impulse

auslösen

konnte.“

umweltpolitische Vorschläge bisher oft

ausbremst. Diesen Ansatz einer „vorsorgeorientierten

Postwachstumsposition“

stellen die Wissenschaftler in der Publikation

„Gesellschaftliches Wohlergehen

innerhalb planetarer Grenzen“ vor.

Drei Forderungen an die Politik

Das Gutachten stellt drei Forderungen

an die Politik: Erstens müssen die

ökonomischen Rahmenbedingungen

wirksamer gestaltet werden, indem

umweltschädliche Effekte von Produktion

und Konsum insbesondere durch

marktbasierte Instrumente internalisiert

werden. Zweitens gilt es, neue Pfade der

gesellschaftlichen Entwicklung auszuloten

– über partizipative Suchprozesse,

Experimentierräume und neue innovations-

und forschungspolitische Ansätze.

Und drittens sollte es sich die Politik zu

einem zentralen Ziel machen, zu prüfen,

wie gesellschaftliche Institutionen und

Prozesse unabhängiger vom Wachstum

werden können.

Wachstumsdebatte in die Breite

tragen, ökonomische Theorien

verbinden

Mit ihrer Studie wollen die Autoren

die Wachstumsdebatte für ein breites

Publikum zugänglich machen. Zudem

stellen sie Bezüge zu verschiedenen theoretischen

Ansätzen und empirischen

Studien her, wie sie in der Mainstream-

Ökonomik und in heterodoxen Ansätzen

zu finden sind. Inwieweit der Konsensvorschlag

der Wissenschaftlerinnen und

Wissenschaftler aus IÖW, RWI und Wuppertal

Institut, die auch diese Vielfalt an

Perspektiven repräsentieren, tragfähig

ist, erörterte die Konferenz „Herausforderung

Wachstumsunabhängigkeit

– Ansätze zur Integration von Umwelt-,

Sozial- und Wirtschaftspolitik“ Anfang

November 2018 in Berlin. Akteure aus

Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und

Zivilgesellschaft diskutierten über eine

stärkere Wachstumsunabhängigkeit

wichtiger gesellschaftlicher Systeme

und Institutionen und loteten politische

Implikationen aus.

globalcompact Deutschland 2019

55


GOOD PRACTICE

Good Practice

von A bis G

Für die redaktionellen Beiträge dieser Rubrik sind ausschließlich die Unternehmen und ihre Autoren selbst verantwortlich.

56 globalcompact Deutschland 2019


58

ABB

60

ALDI

62

Antalis

64

BASF

66

Bayer

68

BMW Group

70

Bosch

72

CEWE

74

Daimler

76

E.ON

78

Evonik

globalcompact Deutschland 2019

57


GOOD PRACTICE

ABB zeigt die Zukunft des

Energiemanagements

ABB verfolgt mit der „Mission to zero“ die Vision einer energieautarken und CO 2

-neutralen

Industrieproduktion. Dafür werden erneuerbare Energien mit vernetzten, skalierbaren Energiemanagementlösungen

verknüpft. In Lüdenscheid zeigt jetzt der erste nahezu klimaneutrale

Produktionsstandort, wie Energie in Zukunft erzeugt und verteilt wird.

Von Lucas Bergmann, Facility Manager, Projektleiter „Mission to Zero“, und Christian Kohlmeyer, Industrieautomation, Digital Service Sales Manager, ABB

Jedes Gebäude verbraucht Energie. Mit

innovativen Konzepten zur Optimierung

des Energieverbrauchs und besonders im

Bereich Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen

lässt sich der Energieverbrauch

deutlich verringern, wenn die Energie

zielgerichtet und bedarfsorientiert bereitgestellt

wird. ABB bietet dafür mit

der ABB Ability Energy Management

Suite (EMS) eine skalierbare, smarte und

sichere Lösung an. Sie spielt eine zentrale

Rolle bei der „Mission to zero“.

Ein Referenzprojekt für die Möglichkeiten

modernen Energiemanagements

an Industriestandorten stellte ABB im

Frühjahr 2019 der Öffentlichkeit vor. In

Lüdenscheid eröffnete das Tochterunternehmen

Busch-Jaeger den weltweit

ersten energieautarken und nahezu CO 2

-

neutralen Produktionsstandort. Dort soll,

wie Hans-Georg Krabbe, Vorstandsvorsitzender

von ABB Deutschland, sagt, gezeigt

werden, „welche Vorteile entstehen,

wenn man ein System schafft, in dem alle

Komponenten digital miteinander vernetzt

und im Sinne von Energieeffizienz,

Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung

steuerbar sind.“ Allein das Lüdenscheider

Werk wird jährlich etwa 630 Tonnen

CO 2

einsparen. Damit leistet ABB einen

wichtigen Beitrag zur Verbesserung der

Klima- und Umweltsituation. Insgesamt

zahlen die dortigen Maßnahmen auf das

UN-Nachhaltigkeitsziel 13 (Maßnahmen

zum Klimaschutz) ein.

Energiemanagementlösung

OPTIMAX ist das Herzstück

Herzstück des Energiemanagements

bei Busch-Jaeger ist die ABB-Lösung

OPTIMAX. Das weitgehend autonom

arbeitende, lernende System steuert die

passende Erzeugung, Verteilung und

Speicherung der benötigten Energie. Auf

der Basis von Vorhersagedaten berechnet

es den optimalen Energiefluss und

gleicht Abweichungen in Echtzeit aus.

OPTIMAX ist als Management-Tool für

die Smart City konzipiert. Das heißt, dass

es auch über verschiedene Gebäude und

Standorte hinweg eingesetzt werden

kann. Für die entsprechende Skalier-

58 globalcompact Deutschland 2019


arkeit ist gesorgt. Die Datenspeicherung

geschieht in der ABB-Cloud. Als

Energiequellen im Werk Lüdenscheid

sichern eine Photovoltaikanlage und

ein Blockheizkraftwerk die nahezu

autarke Energieversorgung. Die 7.300

Quadratmeter große Solarstromanlage

wurde über den Parkplätzen des Firmengeländes

installiert. Sie liefert pro

Jahr ungefähr 1.100 Megawattstunden

klimaneutralen Sonnenstrom. Das Blockheizkraftwerk

erzeugt den Strom, der

nicht von der Sonne bereitgestellt wird.

Es arbeitet mit der doppelten Energieeffizienz

eines Kohlekraftwerks.

Arbeiten alle Energiequellen auf volle

Touren, erzeugen sie 14 Prozent mehr

Strom, als am Standort gebraucht wird.

Die erzeugte Energie kann im Batteriespeicher

BESS (Battery Energy Storage

System) gespeichert werden. Dieser bietet

eine Leistung von 200 Kilowatt und

eine Kapazität von 275 Kilowattstunden.

Überschüsse können außerdem in das

öffentliche Stromnetz eingespeist werden.

Treten hingegen Bedarfsspitzen

auf, bezieht Busch-Jaeger zusätzliche

grüne Energie von der Mannheimer MVV

Energie AG.

Das OPTIMAX-System überwacht jeweils,

wieviel Energie benötigt wird, welche

Mengen vor Ort erzeugt, verbraucht

oder gespeichert werden, und ob überschüssige

Energie ins öffentliche Netz

eingespeist werden soll, oder ob Leistung

aus dem Netz bezogen werden muss.

Vielfältige Einsatzgebiete auf der

ganzen Welt

Hochbahn AG mit 44 Ladesystemen für

das dann größte Ladedepot für Elektrobusse

in Deutschland aus. In Mannheim

wurde hingegen ein Energiemanagementsystem

in einem Neubauviertel für

9.000 Einwohner realisiert.

Mithilfe von Echtzeitsteuerung und

-überwachung optimierte ABB wiederum

die Trinkwasserversorgung im vietnamesischen

Ho-Chi-Minh-Stadt. Es

gelang dort, die Trinkwasserverluste

durch beschädigte Leitungen um mehr

als 150 Millionen Kubikmeter oder 30

Prozent zu reduzieren.

Im schwedischen Västerås wurde ein

Energieversorger dabei unterstützt, eine

zentrale Plattform für das Angebot integrierter

„Infraservices“ wie Fernwärmeoptimierung

und Anlagenmanagement

aufzubauen.

Seine Energiemanagement-Kompetenz

bringt ABB auch in eine Entwicklungspartnerschaft

mit der MVV Energie AG

ein. Beide Unternehmen wollen ein dezentrales,

nahezu beliebig skalierbares

Energieerzeugungs- und -verteilungsnetzwerk

auf bauen, in das sich Industriebetriebe

und Energieerzeuger nach

ihren jeweiligen Zielvorgaben einbringen

können. ABB steuert dazu die Lösung

„Energy and Efficiency as a Service” bei,

die mit dem „Virtuellen Kraftwerk“ von

MVV verzahnt wird. Die Teilnehmer

beziehen Energie aus dem virtuellen

Energieverteilung

Energieverteilung

Kraftwerk und stellen überschüssigen

Strom zur Verfügung – alles dezentral

gesteuert vom ABB-Energiemanagement.

Mit künstlicher Intelligenz entstehen

selbstlernende Gebäude

Die Zukunft des Energiemanagements

liegt in der noch stärkeren Integration

weiterer Netzwerkkomponenten. Bereits

jetzt können beispielsweise Anwesenheitssensoren

eingebunden werden, um

sowohl das Licht als auch die Klimatisierungssysteme

in Gebäuden beliebiger

Größe optimal einzustellen. Wenn diese

Sensordaten nun in Echtzeit mit den

Energienutzungssystemen verbunden

werden, kann die Stromeinspeisung in

die Versorgungsnetze noch bedarfsgerechter

gesteuert werden.

Künstliche Intelligenz wird das Energiemanagement

schließlich noch „smarter“

machen. Damit werden in nicht allzu

ferner Zukunft selbstlernende Gebäude

möglich, die selbst „entscheiden“, wieviel

Energie wohin verteilt werden muss,

wann der beste Zeitpunkt ist, um die

Energiespeicher zu füllen, und welche

Nutzer welchen Strombedarf verursachen

werden. Gesichtserkennungssysteme

erkennen im Haus der Zukunft

die Beschäftigten, bringen sie per Aufzug

direkt zum Arbeitsplatz, schalten

das Licht passend ein und passen die

Raumtemperatur den Bedürfnissen der

jeweiligen Personen an.

Elektro-

Ladestationen

für PKWs

Die ABB Ability Energy Management

Suite ermöglicht über das Lüdenscheider

Beispiel hinaus sehr vielfältige Anwendungen

in allen Größenordnungen. So

stattet ABB beispielsweise die Hamburger

Blockheizkraftwerk

Energiespeicher

Solar-

Wechselrichter

globalcompact Deutschland 2019

59


GOOD PRACTICE

ALDI Verpackungsmission:

Wichtige Akzente für die

Kreislaufwirtschaft

Vor etwas mehr als einem Jahr haben sich ALDI Nord und ALDI SÜD auf ihre gemeinsame

Verpackungsmission begeben. Die Ziele: weniger Verpackung, mehr Recyclingfähigkeit.

Eine erste Bilanz zeigt: ALDI ist auf dem richtigen Weg.

Von Serra Schlesinger, Leiterin Unternehmenskommunikation bei ALDI Nord, und Lina Binder, Leiterin Unternehmenskommunikation bei ALDI SÜD

Verpackungen stehen oft in der Kritik, sie

erfüllen aber auch wichtige Funktionen:

Sie schützen das Produkt beim Transport,

gewährleisten die Qualität und bieten

Platz für wichtige Informationen, wie z.B.

Inhaltsstoffe und Haltbarkeit oder auch

Nachhaltigkeitssiegel. Häufig können

Verpackungen nach Gebrauch recycelt

werden – wenn sie in der richtigen

Tonne landen. Wir bei ALDI engagieren

uns daher für den bewussteren Umgang

mit Verpackungen. Nach dem Motto

„Vermeiden, Wiederverwenden, Recyceln“

haben ALDI Nord und ALDI SÜD im

Sommer 2018 die „ALDI Verpackungsmission“

gestartet. „Wir wissen, dass wir

uns ambitionierte Ziele gesetzt haben. Bis

zum Jahr 2025 möchten wir 30 Prozent

weniger Verpackungsmaterial einsetzen“

, sagt Kristina Bell, Group Buying Director

bei ALDI SÜD und verantwortlich für

Qualitätswesen und Corporate Responsibility.

„Schon 2022 sollen alle unsere

Eigenmarkenverpackungen recyclingfähig

sein“, ergänzt Rayk Mende, Geschäftsführer

Corporate Responsibility &

Quality Assurance bei ALDI Nord. Damit

bekennen sich ALDI Nord und ALDI SÜD

zu den Sustainable Development Goals

(SDGs), den Nachhaltigkeitszielen der

Vereinten Nationen. So fördern wir beispielsweise

den bewussten Konsum, setzen

auf nachhaltigere Produktionsweisen,

optimieren das Verpackungsdesign mit

Blick auf mehr Nachhaltigkeit, bessere

Entsorgung und Recycling.

In vier Jahren mehr als 40.000

Tonnen Verpackungsmaterial

eingespart

Die erste Bilanz der Verpackungsmission

fällt positiv aus: Alleine im Jahr 2018

haben ALDI Nord und ALDI SÜD im

Vergleich zum Vorjahr bereits 15.000

Tonnen Verpackungsmaterial eingespart.

Schauen wir sogar noch ein paar Jahre

weiter zurück bis ins Jahr 2015, so kommen

wir auf rund 40.000 Tonnen weniger

Verpackungsmaterial. Über die Hälfte

davon, nämlich 22.000 Tonnen, sind

Kunststoffverpackungen. „Viele kleine

und große Maßnahmen haben zu dem

beachtlichen Einsparungserfolg geführt“,

so Kristina Bell. „Wir ermutigen unsere

Lieferanten, innovative und nachhaltige

Verpackungslösungen zu entwickeln

und einzusetzen“, so Rayk Mende. So

kooperieren wir beispielsweise mit dem

Start-Up-Accelerator „TechFounders“,

um junge Unternehmen zu unterstützen,

die innovative Ideen im Bereich

Verpackungen und Plastikreduktion

entwickelt haben.

Eines der geförderten Start-Ups ist „Cyclic

Design“ aus Leipzig. Mit wiederbefüllbaren

Flaschen für Körperpflegeprodukte

hat sich das Startup bei ALDI beworben.

Die nachhaltigen Flaschen zum Aufhängen

bestehen aus nur einem Material und

sind recyclingfähig. Geplant ist, dass es

die Flaschen in Zukunft als Aktionsartikel

bei ALDI zu kaufen gibt. Auch ein

Mehrweg-Einkaufsrucksack und essbare

Trinkhalme schaffen es von der ersten

Idee bis ins ALDI Regal.

Flaschen zu 100 Prozent aus Rezyklat

Die Einwegplastik-Richtlinie der EU fordert,

dass PET-Einweggetränkeflaschen

bis spätestens 2030 zu mindestens 30 Prozent

aus Recyclingmaterial bestehen sollen.

Ein großer Teil der PET-Bierflaschen

besteht bereits heute zu 100 Prozent aus

Kunststoffrezyklat. Wo immer möglich,

setzen ALDI Nord und ALDI SÜD auch

60 globalcompact Deutschland 2019


ei anderen Produktverpackungen vollständig

auf Verpackungen aus recyceltem

Kunststoff, beispielsweise bei Wasch-,

Putz- und Reinigungsmitteln mit dem

Eco-Label.

Das wichtigste Ziel ist es natürlich, Verpackungsmüll

gar nicht erst entstehen

zu lassen, indem man Verpackungen

von vornherein vermeidet, wo immer es

geht. Allein 120 Tonnen Kunststofffolien

haben wir eingespart, seitdem Salatgurken

nicht mehr in Plastik eingeschweißt

werden. 340 Tonnen weniger Plastik

benötigten die Fairtrade-Bio-Bananen:

Sie werden bei ALDI seit Ende 2018 nur

noch mit einer dünnen Banderole umwickelt.

In den letzten Jahren hat ALDI

in den Obst- und Gemüseabteilungen

den Anteil unverpackter Waren sukzessive

ausgebaut. Noch größer ist das

Einsparvolumen durch die schrittweise

Abschaffung der Einweg-Tragetasche.

Hier konnten insgesamt sogar über 2000

Tonnen Kunststoff eingespart werden.

Auch die Zeit der kostenlosen Knotenbeutel

in der Obst- und Gemüseabteilung ist

vorbei. Hier sind wir Branchenvorreiter

und bieten nur noch eine nachhaltigere

Variante aus nachwachsenden Rohstoffen

an. Die Beutel kosten nun den

symbolischen Betrag von einem Cent.

Dies soll vor allem das Bewusstsein für

Nachhaltigkeit schärfen und deutlich machen,

dass auch die dünnen Plastikbeutel

einen Wert haben. Wer komplett auf den

Knotenbeutel verzichten möchte, kann

zukünftig unser wiederverwendbares

Frischenetz nutzen. Seit November 2019

bieten wir die robusten und waschbaren

Netze für Obst und Gemüse nach und

nach an.

„Tipps für die Tonne“ für die bessere

Mülltrennung

Verpackungen sollen möglichst recyclingfähig

sein, damit die Rohstoffe dem Wertstoffkreislauf

erhalten bleiben – so steht

es im Verpackungsgesetz. ALDI Nord

und ALDI SÜD begreifen diese Anforderung

als fortwährende Aufgabe. Schon

jetzt können etwa zwei Drittel der Produktverpackungen

als recyclingfähig

eingestuft werden. Darüber hinaus ist

zentral, dass die Verbraucher sie später

in die richtigen Abfallbehälter werfen.

Hierzu ist es wichtig zu wissen: Was

gehört in die gelbe Tonne, in den Papiermüll

oder in den Glascontainer?

Denn eines der Hauptprobleme für das

Recycling ist, dass die Konsumenten den

Müll nicht richtig trennen. In der gelben

Tonne beträgt die „Fehlwurfquote“ in

manchen Regionen nach Angaben der

Dualen Systeme bis zu 60 Prozent.

ALDI möchte mit den „Tipps für die Tonne“

zu einer besseren Mülltrennung

beitragen: Nach und nach erhalten

alle unsere Eigenmarkenverpackungen

selbsterklärende Hinweise zur richtigen

Wertstofftrennung. Denn viele Verbraucher

fragen sich: Wohinein werfe ich den

Joghurtbecher und kann der Deckel dabei

dranbleiben? Sollte ich den Deckel vom

Marmeladenglas abschrauben? Und in

welche Tonne kommt der Milchkarton?

Unsere Entsorgungshinweise stellen auf

einen Blick die unterschiedlichen Entsorgungswege

dar, so dass die Kunden sehen

können, in welche Tonne die einzelnen

Bestandteile einer Verpackung gehören.

200 Tonnen Social Plastic innerhalb

von zwei Jahren

Das Bemühen um die bessere Nutzung

des wertvollen Materials Kunststoff hört

nicht vor der eigenen Haustür auf. Deswegen

engagieren sich ALDI Nord und

ALDI SÜD dafür, dass auch in Weltregionen

mit schlechterer Entsorgungsinfrastruktur

mehr Kunststoff gesammelt

und wiederverwertet wird. Im Frühjahr

2019 hat ALDI eine Kooperation mit

dem Sozialunternehmen „Plastic Bank“

vereinbart und auf den Philippinen

eine Plastik-Sammelstelle errichtet. Die

Bevölkerung vor Ort wird von Plastic

Bank für die Rückgabe eingesammelten

Kunststoffmülls von Stränden oder aus

Gewässern mit Geld- oder Sachleistungen

entlohnt. Aus dem gesammelten Plastik,

dem „Social Plastic“, werden dann neue

Kunststoffprodukte hergestellt. Innerhalb

von zwei Jahren sollen durch die

Kooperation von ALDI mit der Plastic

Bank auf den Philippinen bis zu 200

Tonnen Social Plastic entstehen.

globalcompact Deutschland 2019

61


GOOD PRACTICE

Bei Antalis steht alles

in Zeichen von CSR &

Green Printing

Corporate Social Responsibility (CSR) steht im Mittelpunkt der Geschäftsstrategie von Antalis

und bildet die Grundlage für die Beziehungen zu den Stakeholdern der Großhandelsgruppe.

Basierend auf vier definierten CSR-Säulen – Corporate Governance, natürliche Ressourcen,

Human Ressources und das umfangreiche Produktangebot – wurden bereits jetzt viele

Fortschritte in dem Plan 2016-2020 erzielt, insbesondere im Hinblick auf die Reduzierung

des CO 2

-Fußabdruckes und der Weiterbildung der Mitarbeiter wurden große Erfolge verbucht.

Von Angelika Peled, Head of Marketing Middle Europe, Antalis

die Flexibilisierung des Transports eine

deutliche Reduzierung der CO 2

Emissionen

pro Palette erzielt. Zusätzlich werden

bereits 14.000 Pakete pro Jahr CO 2

neutral

versendet. Um die Transportemissionen

weiter zu drücken, hat das Unternehmen

mit seinen Logistikpartnern ein System

zur optimalen Nutzung der Ladekapazitäten

von Lkw entwickelt. Laut Antalis

konnte so „eine deutliche Reduzierung

Druckfrisch liegt der neue konzernweite

Antalis Nachhaltigkeitsbericht vor. „Es

ist bereits der dritte seiner Art und wir

sind stolz drauf!“, betont Nicole Werner-

Hufsky, Nachhaltigkeitsmanagerin der

Antalis GmbH.

CSR ist zum zentralen Kern der Antalis

Geschäftsstrategie geworden. Die vier

Säulen der CSR Strategie bilden die

Grundlage für die Beziehungen zu den

Stakeholdern. Dazu gehört die Corporate

Governance, natürliche Ressourcen, Human

Resources und das umfangreiche

Produktangebot der Großhandelsgruppe.

Allein von 2017 auf 2018 konnte eine

Verringerung der CO 2

-Emissionen um

16 Prozent erreicht werden: So wurde

im Zentrallager in Frechen bereits die

Beleuchtung komplett auf LED umgerüstet.

Im Logistikbereich wurde durch

Der Bedarf an Recycling-, FSC- und EU-Label-zertifizierten Papieren nimmt an

Bedeutung und Wachstum zu. Sehr zur Freude von Antalis. Die Großhandelsgruppe

hat diesen Trend bereits frühzeitig erkannt, das Portfolio entsprechend

stetig erweitert und somit seine führende Position bei der Bereitstellung umweltfreundlicher

Alternativen im Markt ausgebaut. So ist es auch kein Wunder, dass

der hauseigene CSR-Report auf Nautilus® Superwhite gedruckt wird – ein

100 Prozent recyceltes und ungestrichenes Papier.

62 globalcompact Deutschland 2019


der CO 2

-Emissionen pro Palette umgesetzt

werden“. Gerade in der Logistik

und Lagerhaltung arbeitet Antalis eng

mit ihren Partnern zusammen, um die

CO 2

-Emissionen weiter zu reduzieren.

Die Nachverfolgbarkeit und Kontrolle

der gesamten Lieferkette ist ein wichtiger

Bestandteil für Kunden und Lieferanten.

Auch hier bietet Antalis bereits innovative

Lösungen: Die digitale Plattform

Antrak®. Mit diesem Tool können Lieferanten

zusätzlich für CSR-Themen

sensibilisiert werden und Unternehmen

wie Antalis ist es möglich, voll und ganz

hinter der Aussage zu stehen, dass es sich

bei dem eigenen Sortiment um nachhaltige,

ökologische Produkte handelt.

Auch im Bereich Verpackung und visuelle

Kommunikation, den beiden wichtigsten

Wachstumspfeilern, stärkt Antalis das Angebot

an umweltfreundlichen Lösungen.

Aktuell arbeitet Antalis u.a. an neuen

Leistungsindikatoren, die ab 2020 nach

und nach eingeführt werden sollen, um

der zunehmenden Bedeutung von CSR

und den weiterentwickelnden Erwartungen

der Stakeholder auch in Zukunft

gerecht zu werden: „Es ist essentiell, die

Bemühungen um Innovation, verantwortungsbewusste

Beschaffung und Rückverfolgbarkeit

von Ressourcen, sowie

Gesundheit, Sicherheit und Entwicklung

aller Mitarbeiter weiter fortzusetzen,“

erklärt Nicole Werner-Hufsky.

EcoVadis, die erste kollaborative Plattform

zur Bewertung nachhaltiger

Leistungen von Lieferanten, würdigte

in 2018 die Qualität der langjährigen

CSR-Aktivitäten von Antalis mit einer

Gold-Auszeichnung für Frankreich und

die Niederlande sowie konzernweit mit

Silber. Damit wird Antalis für seine umfassenden

Aktivitäten im Bereich CSR

honoriert. „Wir freuen uns, dass unsere

täglichen Bemühungen mit dem Gold-

Rating von EcoVadis belohnt werden. Wir

können dadurch das Vertrauen unserer

Kunden stärken und ihnen eine gleichbleibend

hohe Qualität der Produkte und

Dienstleistungen mit geringer ökologischer

Belastung bieten“, so Hervé Poncin,

CEO von Antalis International.

Das Green Star System

Antalis hat das Green Star System entwickelt. Dabei handelt es sich um einen zuverlässigen und unkomplizierten Leitfaden,

der Kunden bei der Auswahl ihrer nachhaltigen Papiere hilft. Es werden relevante, unabhängige Zertifizierungen und Umweltlabel

für die Bewertung mit einbezogen.

Herkunft der

Rohstoffe

100% Recycling

oder zumindest

50% recycelte

Sekundärfasern**

NACHHALTIGE PRODUKTE

Zertifiziert* (FSC®

oder PEFC TM )

Nicht zertifiziert*

Nicht zertifiziertes

Herstellungsverfahren

ISO 14001

EU Ecolabel

Herstellungsverfahren

Auf dem deutschen Markt erkennt Antalis das Label „Blauer Engel“ an. Es garantiert einen umweltfreundlichen

Herstellungsprozess sowie die Verwendung von Recyclingfasern für die Papierherstellung.

*Gemäß dem FSC®- bzw. PEFC TM -Standard

**Der verbleibende Anteil hat die Anforderungen des FSC®-bzw. PEFC TM -Standards zu erfüllen.

globalcompact Deutschland 2019

63


GOOD PRACTICE

Warum wir Standards

brauchen, die die Leistung

von Unternehmen messen

Globale Erwärmung, die Ausbeutung natürlicher Ressourcen und politische wie gesellschaftliche

Unsicherheiten bewirken ein Umdenken in Wirtschaft und Gesellschaft. Investoren

und Stakeholder richten ihre Erwartungen immer stärker anhand der Wirkungen eines

Unternehmens für die Gesellschaft aus. Doch wie kann diese Wertschaffung von Unternehmen

für die Gesellschaft aussehen – in ökologischer, menschlicher, sozialer und finanzieller

Hinsicht? Und wie sind diese Beiträge messbar und vergleichbar?

Von Christian Heller, CEO der value balancing alliance, Christoph Jäkel, Head of Sustainability Strategy, BASF, und Tatjana Vetter, Sustainability Strategy, BASF

BASF erarbeitet mit weiteren internationalen

Unternehmen in der neu gegründeten

„value balancing alliance e.V.“ mit

Sitz in Frankfurt am Main einen Standard,

der diese Wertbeiträge monetär sichtbar

macht. Unterstützt wird die Allianz unter

anderem von den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften

Deloitte, EY, KPMG, PwC

und von der OECD. Gründungsmitglieder

dieser gemeinnützigen Allianz sind

neben BASF die Unternehmen Bosch,

Deutsche Bank, LafargeHolcim, Mitsubishi

Chemicals, Novartis, Philip Morris

International, Porsche, SAP und SK.

„Es geht darum, den Blickwinkel auf die

Unternehmensleistung zu erweitern“,

sagt Saori Dubourg, Mitglied des Vorstands

der BASF SE. „Mit einem ganzheitlichen

Werteverständnis möchten wir in

der Bilanzierung umfassend die Auswirkungen

auf die Umwelt, Gesellschaft und

Wirtschaft berücksichtigen. Das Schaffen

langfristiger Werte ist die Grundlage für

nachhaltigen Geschäftserfolg.“

Das Ziel der value balancing alliance

ist, die umfassende Wertschaffung von

Unternehmen als Kriterium bei unternehmerischen

Entscheidungen zu berücksichtigen

und möglichst greif bar

darzustellen. Hierzu gehören sowohl die

positiven Beiträge wie Erträge und Steuern,

aber auch die beispielsweise durch

CO 2

-Ausstoß oder Unfälle verursachten

Kosten. „Wir sehen seit einigen Jahren,

dass sich immer mehr Unternehmen mit

dieser Fragestellung auseinandersetzen

und unterschiedliche Modelle testen.

Die Methoden sind bisher noch sehr

unterschiedlich, was eine Vergleichbarkeit

der Ergebnisse unmöglich macht“,

erläutert Christian Heller, CEO der value

balancing alliance e.V.

Innerhalb von drei Jahren will die value

balancing alliance

• ein standardisiertes Modell für die Berechnung

dieser vieldimensionalen

Wertschaffung entwickeln,

• einen einheitlichen Rahmen zur Veröffentlichung

bestimmen, angelehnt an

die Finanzberichterstattung

• das Modell in unternehmerischen Entscheidungen

und Steuerung testen

• die methodischen Ergebnisse der Öffentlichkeit

zur Verfügung stellen.

„Unsere Vision ist, die Bewertung von

unternehmerischem Handeln von der

reinen Profitmaximierung zur Optimierung

von Wertschaffung für Gesellschaft

und Umwelt zu entwickeln. Mit unserem

Model werden wir Entscheidungsträger

unterstützen, langfristig den Wert ihres

Unternehmens zu sichern und zu entwickeln“,

sagt Heller. Hierfür hat die

Allianz begonnen, mit führenden Initiativen

und Organisationen zusammenzuarbeiten

wie der EU Kommission, der

Weltbank, den Universitäten aus Oxford

and Harvard, dem Impact Management

Project, der Capitals Coalition, dem International

Integrated Reporting Council

(IIRC) und dem World Business Council

on Sustainable Development (WBCSD).

Ein Modell für den als „Impact Measurement

and Valuation“ (IMV) bekannten

Ansatz setzt BASF im Unternehmen

bereits seit 2013 in Form des Programms

„Value-to-Society“ um. Zusammen mit

externen Experten hat BASF diesen Ansatz

erarbeitet, um die ökonomischen,

ökologischen und sozialen Auswirkun-

64 globalcompact Deutschland 2019


gen der Geschäftstätigkeit entlang der

Wertschöpfungskette monetär zu bewerten.

BASF teilt ihre Erfahrungen in

Netzwerken und Initiativen wie dem

WBCSD, der Natural Capital Coalition,

dem Impact Valuation Roundtable oder

dem Embankment Project for Inclusive

Capitalism. Daneben bringt sich BASF

in entsprechende Standardisierungsprozesse

innerhalb der International

Organization for Standardization (ISO)

ein.

Fragen an Christian Heller, CEO der value balancing alliance e.V.

Warum haben Sie die value balancing alliance gegründet?

Ich bin davon überzeugt, dass wir das Verständnis von Kapital

in den Rechnungslegungssystemen für Unternehmen

erweitern müssen, um eine nachhaltige Wirtschaftsweise

und gutes Wachstum zu fördern. Wenn wir das Wohlergehen

aller Menschen verbessern wollen, müssen neben finanziellen

Kennzahlen ökologische und gesellschaftliche Ziele in

gemeinsamen Schemata bewertet werden. Die value balancing

alliance konzentriert sich darauf, ein entsprechendes Modell zu

entwickeln und zu standardisieren, das Entscheidungsträger

befähigt, Wert zu vermehren und zu schützen. Mich motiviert

es, Teil der Allianz zu sein, die unsere Art und Weise, wie wir

Unternehmen führen, neu überdenkt und verändert.

Wie kann soziale und ökologische Verantwortung gemessen

werden, sodass sie sich in der Gewinn- und Verlustrechnung

widerspiegelt? Wie kann das aussehen?

Wir gestalten ein Modell, das natürliches, soziales und

Humankapital ebenso misst und bewertet wie finanzielles

Kapital. Unser Ziel ist es, die gesamte Wertschaffung in einem

konsistenten Schema zu zeigen, etwa in einer integrierten

Gewinn- und Verlustrechnung oder in einer ganzheitlichen

Ergebnisrechnung. Wir arbeiten mit Organisationen wie der

OECD und der EU sowie Universitäten zusammen, um ein neues

Verständnis für unternehmerische Leistung international zu

etablieren. Ziel ist, den ganzheitlichen Wert, den Unternehmen

in der Gesellschaft leisten, als Richtwert zu etablieren.

Was fließt in die Bewertung durch die value balancing

alliance ein?

Unser Modell wird sich auf die gemeinsamen Nenner hinsichtlich

des Beitrags der Geschäfte über verschiedene Industrien

hinweg konzentrieren. Wir werden metrische Kenngrößen

wie Finanzen, Klimawandel und Humankapital identifizieren.

Unser Vorhaben wird von der Verfügbarkeit belastbarer Daten

und gründlichen Bewertungsmethoden geleitet. Der endgültige

Rahmen muss gemeinsam mit Stakeholdern definiert

werden – aber wir werden zwischen Steuerung, Monitoring

und der Kommuni-kation des Beitrags unterscheiden, den

wir ermöglichen.

Was bedeutet Wachstum heute? Kann das Ausbalancieren

der Werte eine neue Definition von Wachstum bewirken?

Bedeuten beispielsweise engagierte, stolze Mitarbeiter mit

Work-Life Balance und Geschlechtergerechtigkeit mehr oder

besseres Wachstum?

Die value balancing alliance wird Wachstum neu definieren.

Wir werden eine Methode entwickeln, um gutes Wachstum

zu fördern und unsere Wertschaffung zu optimieren – nicht

nur die Profite, die wir erbringen. Unser Wachstumskonzept

geht weit über das Finanzielle hinaus. Aus unserer Sicht ist

Wachstum mit menschlichem Wohlergehen gekoppelt – daher

muss es viel eher qualitativ als quantitativ betrachtet werden.

Mit welchen Schritten wollen Sie Value Balancing in den

Mitgliedsunternehmen stärker verankern?

Wir erkennen heute ein globales Bestreben, die Art und

Weise unseres Wirtschaftens zu hinterfragen. Impact

Investing, Sustainable Finance, ethischer Konsum, Dreifachbilanz,

Net Positive Thinking etc. sind nur Momentaufnahmen

dieser Entwicklung. Die value balancing alliance wird, gestützt

auf ihren derzeitigen Handlungsrahmen, ein Modell entwickeln,

um die zunehmende Methodenvielfalt zu standardisieren,

mit der die Wertschaffung von Unternehmen gemessen

werden kann. Unser Ziel ist es, Entscheidungsträger wie

das Topmanagement, Investoren und Politiker zu befähigen,

die Unternehmensleistung ganzheitlicher zu bewerten und

die Entscheidungen zu verbessern, die wir für eine bessere

Zukunft treffen. Hierfür werden in einem ersten Schritt die

Mitgliedsunternehmen das Modell in ihren Entscheidungs- und

Steuerungsprozessen pilotieren.

globalcompact Deutschland 2019

65


GOOD PRACTICE

Ein besseres Leben für

mehr Menschen im Rahmen

der ökologischen Grenzen

Bayer ist ein Unternehmen mit einer einzigartigen Kombination zweier Life Science-Gebiete –

Ernährung und Gesundheit. Im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung sind wir wie kaum ein

anderes Unternehmen aufgestellt, Lösungen für die drängenden Probleme der Welt, wie den

Kampf gegen Hunger und die Erhaltung der Gesundheit der Menschen zu finden. Künftig wollen

wir einen substanziellen Beitrag dazu leisten, mehr Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern

Zugang zu Nahrungsmitteln und Medikamenten zu ermöglichen.

Von Matthias Berninger, Leiter Public Affairs & Sustainability, Bayer

Die Menschheit hat die natürlichen

Ressourcen seit Jahren über Gebühr

beansprucht. Dies hat dazu geführt,

dass wir beim Verlust an Biodiversität,

Nitrateintrag im Boden und den Treibhausgas

(THG)-Emissionen heute im „roten

Bereich“ sind, mit anderen Worten:

die ökologischen Grenzen sind hier, teils

unumkehrbar, überschritten worden.

Gleichzeitig nimmt die Weltbevölkerung

weiter zu. Zu meinen Lebzeiten hat sie

sich fast verdoppelt, bis zum Jahr 2050

wird sie nochmals um zwei Milliarden

auf dann voraussichtlich 9,7 Milliarden

Menschen steigen. Das nun anstehende

Wachstum ist aber noch wesentlich ressourcenintensiver,

weil der Wohlstand

und damit die Konsumbedürfnisse der

Masse der Menschen rasanter steigen

werden. Wir stehen daher einerseits vor

der Herausforderung, mehr Menschen

Zugang zu Nahrung und Gesundheit zu

verschaffen. Andererseits müssen wir es

schaffen, die natürlichen Ressourcen zu

schonen, die Biodiversität zu schützen

und die THG-Emissionen zu begrenzen.

Genau dies steht im Zentrum der stärkeren

Verankerung von Nachhaltigkeit

in unserer Strategie. Wir werden in den

nächsten 10 Jahren substantielle Beiträge

zur Erreichung einiger wesentlicher Ziele

nachhaltiger Entwicklung der Vereinten

Nationen (Sustainable Development

Goals, SDGs) leisten, insbesondere den

Hunger zu bekämpfen (SDG 2) und die

Gesundheit zu fördern (SDG 3). Wir werden

zudem zur Bekämpfung von Armut

beitragen (SDG 1), die Rolle der Frauen

stärken (SDG 5) sowie neue Standards

für Umwelt- und Klimaschutz setzen

(SDG 13).

Nachhaltige Intensivierung der

Landwirtschaft

Die UN beziffern die notwendige Zunahme

der Nahrungsmittelproduktion

auf 50 Prozent bis 2050 gegenüber dem

Referenzjahr 2012. Die Fläche, die dafür

nach heutigen Produktionsstandards

notwendig wäre, gibt es aber nicht, will

man nicht weiter Habitate opfern und

den Regenwald roden.

Zurzeit wird viel über den Zielkonflikt

von Norman Borlaugs „Grüner Revolution“

gesprochen, die in vielen Teilen der

Welt in der zweiten Hälfte des vergangenen

Jahrhunderts half, den Hunger

großer Massen einzudämmen, was mit

einer intensiven Ressourcennutzung

einherging. Deshalb setzen sich auch

in manchen Ländern Forderungen zur

De-Intensivierung durch. Mit Blick auf

unser Innovationspotential glauben wir,

dass es möglich sein wird, nachhaltig

zu intensivieren. Deshalb suchen wir

überall nach neuen Ideen. Für uns gibt

es keinen Gegensatz zwischen kleinen

und großen Betrieben, ökologischer oder

konventioneller Landwirtschaft, traditionellem

oder genetisch optimierten

Saatgut. Überall in der Welt praktizieren

Bauern schon heute kleine Bausteine

zur Lösung des Paradoxons in der Landwirtschaft.

Wir müssen sie nur richtig

zusammensetzen.

Bei Innovationen geht es zum einen

um den kontinuierlichen Fortschritt

und zum anderen darum, bislang un-

66 globalcompact Deutschland 2019


ekanntes Terrain zu betreten. So arbeiten

unsere Forscher beispielsweise

daran, die Widerstandsfähigkeit von

Kulturpflanzen zu verbessern. Ein Beispiel

ist Mais mit kürzeren Halmen, die

bei Stürmen nicht knicken. In einem

bahnbrechenden Projekt versuchen wir

mit Partnern Pflanzen zu entwickeln,

die ihren Stickstoff bedarf durch eigene

Produktion selbst decken und somit nicht

mehr künstlich gedüngt werden müssen.

Profitabilität der Kleinbauern

Um die Ernährungsfrage zu lösen, müssen

diejenigen gestärkt werden, die

heute in den Entwicklungsländern die

Hauptlast tragen. Dort produzieren Kleinbauern

80 Prozent der Nahrungsmittel,

leiden aber absurderweise selbst häufig

unter Hunger und Mangelernährung.

Ihnen fehlt es zumeist an Betriebsmitteln,

Know-how, dem Zugang zu Krediten

sowie Lagerungs-, Transport- und

Vertriebsmöglichkeiten. In all diesen

Belangen werden wir Kleinbauern in Zukunft

vermehrt unterstützen. Wir wollen

im Zeitraum 2020 bis 2030 mindestens

100 Millionen Kleinbauern, also fast jedem

fünften, ein besseres Auskommen

ermöglichen und damit einen Beitrag

zur Armutsbekämpfung in ländlichen

Räumen leisten.

Familienplanung als Stärkung der

Frauen

Noch immer leiden viele Menschen in

Entwicklungs-, Schwellen und Industrieländern

an einem Mangel an Mikronährstoffen.

Für gebärende Frauen und

Kleinkinder sind diese gesundheitsfördernden

Nährstoffe von besonderer Bedeutung,

weshalb wir vor allem ihnen

und insgesamt 100 Millionen Menschen

bis 2030 eine Versorgung ermöglichen

werden.

Klimaneutrales Unternehmen und

THG-Einsparungen in der Landwirtschaft

Als eines der ersten Industrieunternehmen

haben wir uns zum Ziel gesetzt, bis

2030 klimaneutral zu sein. Dafür haben

wir uns der Science Based Target-Initiative

angeschlossen. Die Optimierung der

Energieeffizienz unserer Produktion und

die 100-prozentige Umstellung auf grünen

Strom werden wir durch innovative

Kompensations-Maßnahmen zum Erhalt

der Biodiversität ergänzen.

Ein größerer Hebel liegt indes bei unseren

Kunden in der Landwirtschaft, die

mit anderen Formen der Landnutzung

fast ein Viertel der globalen THG-Emissionen

verursacht. Wir werden Landwirte

mit klimafreundlichen Produkten und

Technologien darin unterstützen, dass

auf dem Feld 30 Prozent THG-Emissionen

pro Kilogramm Ernteertrag eingespart

werden. Dies ist ebenso einmalig in der

Branche wie unser Bestreben, die Umweltbelastung

bei der Anwendung unserer

Produkte um ebenfalls 30 Prozent

zu minimieren.

Die Herausforderung für die meisten

Unternehmen, die sich zur THG-

Reduktion verpflichtet haben, besteht

darin, effektive Wege zum Offsetting

der nicht einsparbaren Emissionen zu

finden. Wir wollen über unsere digitalen

Innovationen, die es ermöglichen, auf

die Furche genau zu erkennen, was auf

und im Acker passiert, die Basis eines

neuen Geschäftszweiges für Bauern in

aller Welt schaffen. Statt auf staatliche

Lösungen zu warten oder Subventionen

zu bauen, wollen wir einen privaten

Markt zur Senkung von CO 2

in der Luft

schaffen. Landwirte bekommen so ein

neues Einkommensstandbein, wenn

sie mit der Nahrungsmittelproduktion

Anbaumethoden kombinieren, die besonders

viel CO 2

in Pflanzen und Boden

festhalten.

Wir werden der Erreichung dieser Nachhaltigkeits-Ziele

im neuen Jahrzehnt

den gleichen Stellenwert beimessen

wie den Finanzzielen und sie entsprechend

in die Vergütung des Vorstands

und Managements sowie die Entscheidungsprozesse

unseres Unternehmens

verankern.

200 Millionen Frauen haben in Entwicklungs-

und Schwellenländern gegenwärtig

noch immer keinen Zugang

zu modernen Verhütungsmitteln als

Basis für eine verantwortungsbewusste

Familienplanung. Ihnen diesen Zugang

zu verschaffen, ist ein wesentlicher Aspekt,

sie in der Ausübung ihrer Rechte

zu stärken.

Bauern bei der Reisernte in

Indien: Bayer will Kleinbauern,

auf denen wesentlich die

Nahrungsmittelproduktion

in vielen Entwicklungs- und

Schwellenländern ruht,

verstärkt unterstützen.

In Entwicklungsländern zählen Experten

den Umstand, dass Frauen ihre

Fähigkeiten heute nicht ausreichend

zur Entfaltung bringen können, zu den

größten Hemmnissen einer erfolgreichen

sozio-ökonomischen Entwicklung. Als

führendes Unternehmen auf dem Gebiet

der Kontrazeptiva werden wir bis

2030 mindestens 100 Millionen Frauen

in Entwicklungsländern bei Fragen der

Familienplanung unterstützen.

globalcompact Deutschland 2019

67


GOOD PRACTICE

Nachhaltigkeit hat bei der

BMW Group eine lange

Tradition

Die BMW Group gehört zu den Pionieren in Sachen Umweltschutz, Nachhaltigkeit und der Achtung

der Menschenrechte. Besonderen Wert legt der Konzern darauf, diese Werte nicht nur im

eigenen Unternehmen zu praktizieren, sondern sie auch für die gesamte Lieferkette verbindlich

zu machen. Zulieferer, die gegen die Sozial- und Umweltstandards verstoßen, müssen

Maßnahmen zur Abstellung aufzeigen und riskieren, zukünftig keine Aufträge mehr zu erhalten.

Von Niels Angel, Einkauf und Lieferantennetzerk, Leiter Nachhaltigkeit, Innovationsmanagement, Kooperationen, BMW Group

Bereits 1973, als die BMW Group als eines

der ersten Unternehmen überhaupt

einen Umweltschutzbeauftragten ernannte,

bekannte sie sich damit zu ihrer

Verantwortung für verantwortungsvolles

und nachhaltiges unternehmerisches

Handeln. Das Engagement, das auch

die Achtung der Menschenrechte mit

einschließt, wurde seitdem immer weiter

ausgebaut und in verschiedenen Dokumenten

wie der 1985 verabschiedeten

Unternehmensstrategie oder der 2005

durch den Vorstand der BMW Group,

den Betriebsrat und die IG Metall unterzeichneten

„Gemeinsame Erklärung

über Menschenrechte und Arbeitsbedingungen“

bekräftigt.

Die Differenzierung und Internationalisierung

der Lieferketten stellt die BMW

Group vor gewaltige Herausforderungen.

Intensiv wird daran gearbeitet, menschenrechtliche

Risiken in der Lieferkette

zu identifizieren und zu verringern. So

werden bereits seit mehreren Jahren

besonders kritische Rohstoffe und Materialien

in der Materialstrategie benannt

und deren Auswirkungen auf Umwelt

und Gesellschaft analysiert. Kooperiert

wird auch mit zahlreichen Brancheninitiativen

wie „Drive Sustainability“ oder

der Responsible-Minerals-Initiative, um

die internationalen Lieferketten nachhaltiger

zu gestalten.

Alle Lieferantenverträge der BMW Group

enthalten spezifische Klauseln, die sich

auf die Prinzipien des UN Global Compact

und der Internationalen Arbeitsorganisation

(ILO) beziehen. Die Einhaltung

der Sozial- und Umweltstandards ist für

die Zulieferer somit verbindlich. Sie

erhalten Fragebögen und müssen Auskünfte

über die Einhaltung der Standards

geben. Regelmäßig finden Audits statt.

Anhaltende Verstöße können dazu führen,

dass ein Zulieferer keine weiteren

Aufträge mehr erhält. Allein im Jahr

2018 wurde deswegen 193 Lieferantenstandorte

nicht mehr beauftragt.

Reduktion der CO 2

-Emissionen als

Bewertungsmaßstab

Um die CO 2

-Emissionen in den globalen

Lieferketten wirksam zu reduzieren, ist

die internationale Zusammenarbeit besonders

wichtig. Deswegen beteiligt sich

die BMW Group seit 2014 wie über 100

Schulungs- und Coachingprogramm

für Kenaf-Bauern in Bangladesh

68 globalcompact Deutschland 2019


andere Unternehmen – darunter auch

neun Automobil-OEMs – am Supply-

Chain-Programm des „Carbon Disclosure

Project“ (CDP). Dessen Zweck ist es, die

Umweltdaten von Unternehmen und

Kommunen standardisiert aufzubereiten,

zu veröffentlichen und dadurch

vergleichbar zu machen. Die Beteiligten

sollen motiviert werden, ihren Energieund

Ressourcenverbrauch zu reduzieren.

Um den Fortschritt zu messen, wurde ein

Zielsystem etabliert, das verschiedene

Maßnahmen zusammenführt und eine

Bewertung der Lieferanten in vier Stufen

ermöglicht. Ein zentraler Indikator ist, ob

Lieferanten mit ihren CO 2

-Reduktionen

das globale Zwei-Grad-Ziel einhalten.

190 Lieferanten, die für 75 Prozent des

gesamten Einkaufsvolumens stehen, erstatteten

zuletzt entsprechende Berichte

an die BMW Group. Insgesamt reduzierten

sie ihre CO 2

-Emissionen im Jahr 2018

um 39 Millionen Tonnen. Mittlerweile

rollen auch erste BMW-Lieferanten das

CDP-Supply-Chain-Programm auf ihre

eigenen nachgelagerten Lieferanten aus.

Die BMW Group will bis 2020 erreichen,

dass 60 Prozent ihrer Zulieferer

mindestens die zweithöchste Bewertungsstufe

erreichen. Derzeit sind es

noch 30 Prozent. Eng verbunden sind

alle genannten Aktivitäten mit den UN-

Nachhaltigkeitszielen zu Wachstum und

Arbeitsbedingungen (SDG 8). Sie knüpfen

aber auch an den Ruggie-Report und die

darin formulierten menschenrechtlichen

Sorgfaltspflichten (Due Diligence)

an. Diese werden seitens der Bundesregierung

aktuell im Monitoring des

Nationalen Aktionsplans Wirtschaft

und Menschenrechte (NAP) überprüft.

Darüber hinaus zahlen die Aktivitäten

der BMW Group auch auf die SDGs 10

(Weniger Ungleichheiten) und 12 (Konsum

und Produktion) ein.

Leuchtturmprojekte sollen die

Situation vor Ort verbessern

Mögliche Risiken in der Lieferkette

betrachtet die BMW Group darüber

hinaus gesondert. Wo Handlungsbedarf

erkannt wird, werden dann

Förderprojekte initiiert, um Veränderungsprozesse

einzuleiten. Gemeinsam

mit dem direkten Lieferanten

DRÄXLMAIER Group sowie der

Deutschen Gesellschaft für internationale

Zusammenarbeit (GIZ)

und der Zertifizierungsorganisation

„Rainforest Alliance“ wurde beispielsweise

in Bangladesch ein Projekt durchgeführt,

um die Transparenz in der Wertschöpfungskette

der Kenaf-Pflanze zu

erhöhen. Verbunde mit Kenaf-Fasern

sind bis zu 40 Prozent leichter als herkömmliche

Kunststoffe. Die BMW Group

verwendet sie unter anderem beim

Modell i3 in den Türverkleidungen. Eine

Vorstudie ergab, dass die Einkommenssituation

vieler Kenaf-Bauern prekär ist

und somit ein potenzielles menschenrechtliches

Risiko darstellt. Um diese

Situation zu verbessern, starteten die

Projektbeteiligten ein Schulungs- und

Coachingprogramm. Knapp 1.000 Kleinbauern

lernten dabei, wie sie die Erntemenge

und die Qualität der Pflanzen

verbessern konnten. Ihre Einkommen

stiegen daraufhin deutlich.

Mit einem weiteren „Leuchtturmprojekt“

ist die BMW Group in der Demokratischen

Republik Kongo aktiv. Dort wurde

ein rein privat finanziertes Pilotprojekt

zur Verbesserung der Menschenrechtssituation

im Kleinstbergbau initiiert. Die

GIZ erprobt drei Jahre lang, wie sich die

Arbeitsbedingungen der Bergarbeiter

auf einer Kobaltmine verbessern lassen.

Auch die Lebensbedingungen der umliegenden

Gemeinde werden in den Blick

genommen. Ist das Projekt erfolgreich,

soll es langfristig auf andere Kleinstminen

übertragen werden.

Mit einem weiteren

„Leuchtturmprojekt“ ist die BMW

Group in der Demokratischen

Republik Kongo aktiv.

Die BMW Group verwendet Kenaf-Fasern

unter anderem beim Modell i3 in

den Türverkleidungen.

globalcompact Deutschland 2019

69


GOOD PRACTICE

Klimaneutralität

als Ziel in 2020

Mit „Technik fürs Leben“ Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen zu geben, ist

der Anspruch von Bosch. Um die Lebensgrundlagen heutiger und künftiger Generationen zu

sichern, geht das Unternehmen deshalb in allen Bereichen smarte Wege für mehr Nachhaltigkeit.

Ein Schlüssel dazu sind vernetzte Produkte und Dienstleistungen, die das Leben

von Menschen weltweit erleichtern und natürliche Ressourcen schonen. Gleichzeitig setzt

Bosch auch in seinem sozialen Engagement und im Umgang mit seinen Mitarbeitern auf

smarte, innovative Lösungen. Mit diesem ganzheitlichen Ansatz trägt Bosch dazu bei, die Art,

wie wir wohnen, arbeiten und uns fortbewegen, nachhaltiger zu gestalten.

Von Annette Wagner und Torsten Kallweit, Bosch

Bosch ist überzeugt: Nur in einer sozial

und ökologisch intakten Welt lässt sich

langfristig wirtschaften. Der Anspruch

ist stets, den ökonomischen Erfolg zu

sichern und gleichzeitig die natürlichen

Lebensgrundlagen heutiger und künftiger

Generationen zu schützen. Mit einem

neuen Zielbild setzt sich das Unternehmen

neue ehrgeizige Ziele bis 2025 und

richtet sein Handeln noch konsequenter

an den gesellschaftlichen Herausforderungen

aus. Hierfür analysierte Bosch

globale Mega- und Nachhaltigkeitstrends,

führte eine Benchmark-Analyse mit fortschrittlichen

Unternehmen durch und

tauschte sich intensiv mit Stakeholdern

aus. Im Zentrum stehen künftig die sechs

globalen Themenfelder Klima, Energie,

Wasser, Urbanisierung, Globalisierung

und Gesundheit.

Bosch bekennt sich zum Klimaschutz

und zum 2-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens.

Um ein Zeichen zu setzen,

strebt das Unternehmen CO 2

-Neutralität

in 2020 an, und das weltweit, sowohl

bei den direkten Emissionen aus eigener

Verbrennung als auch bei den indirekten

Emissionen, die mit zugekaufter

Energie verbunden sind. Kurzfristig sind

zwei Hebel entscheidend: der Bezug

70 globalcompact Deutschland 2019


von Grünstrom aus Bestandsanlagen

sowie Kompensationsmaßnahmen. Die

Qualität des Programms wird von 2020

bis 2030 signifikant erhöht: Jedes Jahr

investiert Bosch 100 Millionen Euro in

Energieeffizienzmaßnahmen und baut

konsequent den Anteil an New Clean

Power aus: Diese Erneuerbare-Energien-

Anlagen werden infolge des Bosch-Engagements

neu errichtet. Gleichzeitig wird

die regenerative Eigenerzeugung an den

Standorten erhöht.

Klimaszenarien prognostizieren, dass

sich die bestehenden Wasserrisiken

durch Knappheit und mangelnde Qualität

weiter verschärfen. Bis 2025 will

das Unternehmen seine absolute Wasserentnahme

gezielt an 61 Standorten in

Wasserknappheitsgebieten um 25 Prozent

reduzieren. Investitionen in Höhe

von zehn Millionen Euro pro Jahr unterstützen

dieses Vorhaben, um schnell

und an der richtigen Stelle Erfolge und

Verbesserungen zu erzielen.

In einer zunehmend urbanisierten Welt

kommen täglich Produkte zum Einsatz,

die durch Herstellung, Gebrauch und

am Ende ihrer Nutzungsphase einen

ökologischen Fußabdruck hinterlassen.

Damit dieser so klein wie möglich ausfällt,

führt Bosch bereits heute für seine

wesentlichen Produktgruppen Lebenszyklusanalysen

durch, die rund 50 Prozent

seines Umsatzvolumens abdecken. Ziel

ist es, diesen Anteil weiter zu steigern

und Potenziale abzuleiten, um die ökologischen

Auswirkungen der Produkte

weiter zu verbessern – ganz im Sinne

der Kreislaufwirtschaft. Bei der Vermeidung

von Abfällen in der Produktion

konzentriert sich Bosch zukünftig auf

die Verringerung von gefährlichen Abfällen

und die Steigerung der stofflichen

Verwertungsquote.

Als global agierendes Unternehmen

übernimmt Bosch zudem weltweit Verantwortung.

So bezieht Bosch auch seine

Lieferkette mit ein, um nachhaltig und

verantwortungsvoll zu wirtschaften. Ziel

ist es, die ökologischen und sozialen

Risiken in der Lieferkette weiter konsequent

anzugehen.

Der Anspruch ist zudem, Gefährdungen

für Menschen und ihre Umwelt zu vermeiden

– Arbeitsschutz, die Einhaltung

von Stoffverboten sowie die Reduktion

von gefährlichen Stoffen sind die zentralen

Aspekte im Themenfeld Gesundheit.

Die Unfallrate soll bereits im Jahr 2020

maximal 1,7 Unfälle pro einer Million

Arbeitsstunden betragen.

Klimaneutralität von Bosch in 2020

Im Fokus stehen dabei vor allem die

Energieeffizienz und die Eigenerzeugung

von Energie aus regenerativen Quellen,

denn hier liegen die wesentlichen Hebel,

um das Klimaziel zu erreichen. Bis 2030

will Bosch 1.700 GWh Energie einsparen

und 400 GWh des Energiebedarfs selbst

regenerativ erzeugen. Um die entsprechenden

Maßnahmen finanziell zu fördern,

hat die Geschäftsführung bis 2030

ein jährliches Zusatzbudget von 100

Mio. Euro bewilligt. Zum Hintergrund:

Energie wird bei Bosch vor allem als

elektrischer Strom für den Betrieb von

Maschinen und Anlagen in der Fertigung

genutzt, außerdem als Wärmeenergie

zur Heizung und Klimatisierung von

Gebäuden sowie beim Betrieb der Öfen

von Gießereien. Insgesamt verbrauchten

die Unternehmen der Bosch-Gruppe

im Jahr 2018 rund 7.844 GWh Energie,

einhergehend mit einem Ausstoß von

3,26 Mio. Tonnen CO 2

. Bezogen auf die

Wertschöpfung ist die Emissionsintensität

im Vergleich zu 2007 damit um 31,1

Prozent gesunken.

Ein wichtiger Ansatzpunkt, um die Klimaneutralität

für Bosch zu erreichen,

liegt im Bezug von „grünem“ Strom mit

entsprechenden Herkunftsnachweisen

von bestehenden Erzeugungsanlagen

für erneuerbare Energien. Bis 2030 wird

Bosch hier die Qualität der Maßnahmen

konsequent steigern und setzt dabei insbesondere

auf „New Clean Power“, also

exklusive langfristige Bezugsverträge

mit Investoren von neu zu errichtenden

Erzeugungsanlagen für erneuerbare

Energien (z. B. Windkraftanlagen oder

Photovoltaik-Parks) sowie regenerative

Eigenerzeugung. So schafft Bosch einen

zusätzlichen Beitrag zum Klimaschutz,

denn erst durch unser Engagement werden

diese neuen Anlagen gebaut. Mit

dem Jahr 2019 haben wir begonnen,

den Bezug von Strom aus erneuerbaren

Energiequellen stark auszubauen.

Ein weiterer Hebel für das Erreichen

unseres Klimaziels sind Kompensationsmaßnahmen

(Carbon Credits). Diese sind

notwendig, um CO 2

-Emissionen aus Verbrennungsprozessen

(Heizung, Prozesswärme)

auszugleichen. In Ländern, in denen

die bereits beschriebenen Hebel nicht

ausreichend für eine CO 2

-Neutralstellung

zur Verfügung stehen (z. B. Grünstrombezug

nur eingeschränkt möglich), sind

Kompensationsmaßnahmen ebenfalls

erforderlich. Bei der Projektauswahl orientieren

wir uns an sehr hohen Standards,

z. B. dem Gold Standard.

„ Es reicht

nicht, auf den

Klimaschutz

nur zu hoffen.

Unternehmen

sollten

kurzfristig die

CO 2

-Neutralität

wagen.

Dr. Volkmar Denner,

Vorsitzender der Geschäftsführung

globalcompact Deutschland 2019

71


GOOD PRACTICE

CEWE: Klimastrategie

zum Anfassen

Die Klimastrategie von CEWE lässt sich in zwei große Bereiche aufteilen: Die Reduktion von

negativem Einfluss auf das Weltklima und die Anpassung des Unternehmens an die sich stets

wandelnden Klimabedingungen. Für die Umsetzung einer Klimastrategie ist es besonders

wichtig, einfache und leicht begreifbare Ziele zu definieren sowie klare Absprachen darüber

zu treffen, welche Maßnahmen im eigenen Unternehmen einen positiven Effekt haben. Zur

Reduktion gehören z.B. Dienstreisen mit der Bahn, während als Anpassung an neue

Klimabedingungen z.B. neue Dachkonstruktionen gebaut werden, um unsere Betriebsstätten

vor Hagelschäden oder Ähnlichem zu schützen.

Von Dr. Matthias Hausmann, Leiter Abteilung Umwelt und Chemie, CEWE

Klimastrategie bei CEWE heißt unter

anderem, die Ziele des Pariser Abkommens

von 2015 sowie die Empfehlung

des Weltklimarats IPCC einer 1,5 Grad

Begrenzung der Erderwärmung von 2018

innerhalb des Unternehmens umzusetzen.

CEWE war eines der ersten drei

deutschen Unternehmen, das seine Klimaziele

öffentlich formulierte und von

der „Science Based Targets initiative“

(SBTi) anerkennen ließ. Die Initiative

hat in 2019 die Ziele erneut geprüft und

bestätigt, dass sie auch mit der 1,5 Grad

Forderung übereinstimmen. Die beiden

SBTi Ziele von CEWE sind prägnant und

wie folgt formuliert:

1. Halbierung der Scope-1- und Scope-2-

CO 2

-Emissionen absolut von 2015 bis

2025 von 13.401 t/a auf weniger als

6.700 t / a.;

2. Verminderung der im CDP berichteten

absoluten Scope-3-CO 2

-Emissionen

um mindestens 25 Prozent in den

nächsten zehn Jahren auf Basis des

Jahres 2015.

Das bedeutet ganz klar, dass das Wachstum

der Firma CEWE von den CO 2

-Emissionen

entkoppelt werden muss, da

trotz steigender Umsätze die absoluten

Emissionen gesenkt werden sollen. Um

eine nachvollziehbare Berechnung zu

gewährleisten, hat CEWE als Basisjahr

2015, das Jahr des Pariser Abkommens,

gewählt.

Trotz eines starken Umsatzwachstums

von 554 Mio. Euro im Jahr 2015 auf 653

Mio. Euro in 2018 konnte CEWE seine

Scope-1- und Scope-2-Emission bisher um

über 2.800 t / a senken (damit sind 42,11

Prozent des gesamten Reduktionsziels

bis 2025 bereits erreicht). Weiterführendes

Ziel ist es, die Emissionen bis

2025 auf insgesamt weniger als 6.700

t / a zu senken.

Für die Umsetzung des ersten Zieles

hat CEWE zwei Maßnahmenpakete beschlossen

und bereits mit der Umsetzung

begonnen. Zum einen wird zunehmend

Grünstrom bezogen, zum anderen wird

in eigene Stromerzeugungsanlagen investiert.

Derzeit beziehen vier der 14

Produktionsbetriebe Grünstrom und

in drei Betrieben erzeugt CEWE mit

Photovoltaik-Anlagen einen Teil des

Stroms selbst.

Zusätzlich investiert das Unternehmen

in Energieeffizienz-Projekte, um den

spezifischen Strombedarf zu senken.

Der Strombedarf beträgt derzeit 650

kWh / t Material. Durch Maßnahmen

wie insbesondere die flächendeckende

Installation von LED-Beleuchtung sowie

die gezielte Steuerungsoptimierung von

Klimaanlagen und Drucklufterzeugung

soll die Effizienz erhöht werden. Weitere

Optimierungspotentiale werden

im Rahmen des Energiemanagementsystems

eruiert, bewertet und umgesetzt.

Alle größeren deutschen Betriebe

sind entsprechend der Norm ISO 50001

(Energiemanagementsystem) seit 2015

zertifiziert.

Das zweite SBTi-Ziel besteht in der Senkung

der absoluten Scope-3-Emissionen

um 25 Prozent zwischen 2015 und 2025.

Dieses Ziel ist derzeit ehrgeiziger denn

je, weil das Wachstum von CEWE auch

durch den Erwerb weiterer Standorte

eher zu einer Erhöhung des CO 2

-Fußabdrucks

im Bereich Scope 3 beigetragen

hat. So weisen wir im CDP Disclosure

72 globalcompact Deutschland 2019


Report in 2015 nur 102.746 t CO 2

aus,

während 2017 schon 108.926 t berichtet

werden mussten. Andererseits hat

CEWE bereits großen Erfolg in Einzelprojekten

im Bereich Scope 3 vorzuweisen.

So konnten die durch die Lieferlogistik

verursachten Emissionen von

14.172 t CO 2

e im Jahr 2012 auf 6.585 t

CO 2

e im Jahr 2018 halbiert werden. Die

Strategie hier war die umfangreiche

Umstellung von Lieferfahrzeugen mit

relativ geringer Auslastung auf externe

Dienstleister, die CEWE-Aufträge „dazuladen“

können und damit effizienter

ausliefern. Zusätzlich nutzt CEWE

hier die klimaneutralen Angebote der

Logistik-Dienstleister.

Weitere große Einflussfaktoren im

Bereich Scope 3 sind die Beschaffung

von Maschinen (Capital Goods) und

Druckmaterialien, hauptsächlich Papier

(Purchased Goods). Auf diese beiden

Schlüsselkomponenten entfallen mehr

als 50 Prozent der Scope-3-Emissionen.

Hier pflegen wir einen guten Kontakt

mit unseren Lieferanten und haben eine

gemeinsame Strategie zur Reduzierung

der Emissionen entwickelt, zum Beispiel

durch die Einigung auf Komplettladungsverkehr

(Full Truck Load). Die Herstellung

und die Belieferungssituation der

Ausgangsstoffe werden stets intensiv

beleuchtet und mit den Lieferanten auch

regelmäßig diskutiert.

Einige der Projekte zahlen nicht nur

auf die Verbesserung des Scope-3-CO 2

-

Fußabdrucks ein, sondern sind zusätzlich

Projekte mit weiteren Benefits. Zu

nennen sind hier zum Beispiel die Pluspunkte

für die Gesundheit der Mitarbeiter,

wenn man den Weg zur Arbeit mit

dem Fahrrad oder einem öffentlichen

Verkehrsmittel zurücklegt. Aktionen

wie „Mit dem Rad zur Arbeit“ oder

ein Fahrradleasing sind Projekte des

Gesundheitsmanagements von CEWE.

Viele Dienstreisen werden außerdem

mit der Bahn gestaltet und helfen so,

die Anreisen entspannter zu gestalten

als mit dem Auto – gleichzeitig wird

die Umwelt geschont.

Ein überaus wichtiger Punkt der CEWE-

Klimastrategie ist das CO 2

-Kompensationsprojekt

„Kasigau Wildlife Corridor“.

Hier hat sich das Unternehmen ganz

bewusst für ein Waldschutzprojekt entschieden,

weil Papier als Material aus

Holz in gewisser Weise eine Waldgefährdung

darstellt. Darüber hinaus werden

in diesem Projekt in Kenia sowohl die

lokale Bevölkerung unterstützt als auch

bedrohte Tierarten geschützt. CEWE

kompensiert mit diesem Projekt die CO 2

-

Emissionen „cradle to gate“ aller seiner

Markenprodukte CEWE FOTOBUCH,

CEWE KALENDER, CEWE CARDS, CEWE

SOFORT FOTO, CEWE WANDBILDER. Das

sind ungefähr 20.000 t CO 2

e, die aber

nicht auf die im SBTi-Ziel formulierte

Reduktion angerechnet werden.

CEWE betrachtet aber nicht nur, wie das

Unternehmen sich auf den Klimawandel

auswirkt und wie man dem Klimawandel

entgegenwirken kann, es wird auch

betrachtet, wie sich der Klimawandel

auf CEWE auswirkt. Hier spielen viele

Faktoren eine Rolle, die im Rahmen des

Chancen- und Risiko-Managements untersucht

und bewertet werden. Darunter

fallen unter anderem das geänderte Kundenverhalten

hinsichtlich der Foto- und

Druckaufträge als auch insgesamt die

Möglichkeit, dass sich das Fotografie-Verhalten

deswegen generell ändern könnte.

Zuletzt gilt es auch die durch den Klimawandel

veränderte Wetterlage zu

berücksichtigen. Der 100.000 Euro teure

Hagelschaden in unserem Münchener

Labor im Juni 2019 verdeutlichte die Situation.

Möglichen Überflutungen, Hagelund

Gewitterschäden gilt es vorzubeugen.

Darüber hinaus muss auch die heißere

Sommerlage im Norden Deutschlands

berücksichtigt werden. In den letzten

Jahren wurden große Summen in die

klimatechnische Ertüchtigung der Büroräume

investiert. Das 2017 eingeweihte

3.000 m 2 umfassende Bürogebäude konnte

trotz des heißen Sommers 2018 allein

mithilfe der installierten Geothermie

gekühlt werden.

globalcompact Deutschland 2019

73


GOOD PRACTICE

Daimler verankert das

Thema Nachhaltigkeit im

Zentrum des Geschäfts

Kaum ein Industrieprodukt ist so eng mit Freiheit, Unabhängigkeit und wirtschaftlichem Aufstieg

verbunden wie das Automobil. Es kann daher nicht überraschen, dass weltweit immer mehr

Menschen „selbstbestimmt mobil“ sein wollen. Die Herausforderung besteht darin, ihnen genau

dies zu ermöglichen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass das Mobilitätswachstum nachhaltig

ist. Dabei nimmt der Klimaschutz eine Schlüsselrolle in der Daimler Geschäftsstrategie ein.

Von Dr. Sabine Lutz, Leiterin Konzernforschung, Nachhaltigkeit sowie RD-Funktionen und Dr. Torsten Eder, Leiter Produktgruppe Powertrain, Daimler

Automobile haben die Welt verändert.

Sie werden es auch künftig tun, denn

unsere moderne Gesellschaft fußt auf

der Möglichkeit, selbstbestimmt mobil

zu sein. Autos relativieren Entfernungen,

bewegen Menschen und Güter, ermöglichen

Begegnung. Seit nunmehr 133

Jahren ist das Auto mit individuellem

Wohlstand, politischer Teilhabe und

wirtschaftlichem Aufstieg verbunden.

Und die Zahl der Fahrzeuge wächst. Bis

2030 könnte es 2 Milliarden Autos geben.

Was heißt das für uns bei Daimler?

Angesichts dieser Zahlen sind neue

Lösungen gefragt. Denn langfristig

können wir das automobile Wachstum

nur verantworten, wenn es auch

ökologisch und sozial nachhaltig ist.

„People“, „Planet“ und „Profit“ gehören

zusammen. Deshalb arbeiten wir über

alle Unternehmensbereiche hinweg an

nachhaltigen Initiativen für die Mobilität

von morgen.

Ein Beispiel ist die „Ambition 2039“,

unser Weg zu nachhaltiger und selbstbestimmter

Mobilität. Wir haben die dort

definierten Ziele wissenschaftsbasiert

von der Science Based Targets Initiative

(SBTi) prüfen lassen. Das Ergebnis: Als

erstem Premium-Automobilhersteller

bestätigt SBTi, dass sich unsere Ziele im

Einklang mit denen des Pariser Klimaabkommens

befinden.

Konkret haben wir uns mit der Mercedes-

Benz AG dazu verpflichtet, die Treibhausgasemissionen

der Werke (bislang

außer China) und bezogener Energie

(Scope 1 und 2) bis 2030 gegenüber dem

Referenzjahr 2018 zu halbieren – im

Einklang mit dem Klimaziel maximal

1,5 Grad Erwärmung. Zusätzlich sollen

Emissionen der Neuwagenflotte während

der Nutzungsphase (Teilbereich

von Scope 3) bis 2030 um mehr als 40

Prozent reduziert werden. Vergleichsjahr

ist hier ebenfalls 2018. Auch hier befindet

sich das Unternehmen im Einklang

mit dem Pariser Klimaabkommen, die

Erderwärmung auf deutlich unter 2

Grad Celsius gegenüber vorindustriellen

Werten zu begrenzen.

Doch was tun wir genau, damit unsere

Kunden in Zukunft auf klimaneutrale

Mobilität umsteigen können? Mit der

„Ambition 2039“ verfolgen wir einen

ehrgeizigen ganzheitlichen Ansatz.

Innerhalb der nächsten 20 Jahre streben

wir bei Mercedes-Benz Cars eine

CO 2

-neutrale Neuwagenflotte an. Unser

Weg zur nachhaltigen Mobilität ist

Innovation – in einem ganzheitlichen

Ansatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Den größten Einfluss auf

den CO 2

-Ausstoß haben wir natürlich

dort, wo unsere Kernkompetenz liegt:

bei unseren Produkten. Bis 2030 wollen

wir mehr als die Hälfte unserer Autos

mit Elektroantrieb verkaufen – hierzu

zählen vollelektrische Fahrzeuge mit

Batterie und/oder Brennstoffzelle und

Plug-in Hybride. Gleichzeitig wollen wir

die CO 2

-Emissionen pro Fahrzeug deutlich

reduzieren. Unser RD-Team arbeitet

gemeinsam mit etablierten Partnern und

Start-ups, um die Elektro-Performance

weiter zu steigern und die Kosten zu

senken.

Wir beschränken uns aber nicht nur

auf die Reduzierung der Emissionen in

der Nutzungsphase unserer Fahrzeuge.

Mit der Elektrifizierung verschiebt sich

ein Großteil des CO 2

-Aufkommens vom

Fahrbetrieb in die Lieferkette. Deshalb

74 globalcompact Deutschland 2019


ist es umso wichtiger, auch Lieferanten

und Geschäftspartner für Klimaschutz zu

sensibilisieren. Dafür braucht es Transparenz.

Zu diesem Zweck arbeiten wir

mit Organisationen wie CDP zusammen,

die die Umweltauswirkungen unserer

Lieferkette bewerten. Klar ist: CO 2

-Ziele

werden ein zunehmend wichtiges Kriterium

für Lieferantenentscheidungen.

Gemeinsam mit unseren Lieferanten

arbeiten wir beispielsweise auch an

wirksamen Reduzierungen bei der Batterieproduktion.

Für die nächste Generation

unserer EQ-Modelle beziehen wir

erstmals einen Teil unserer Batteriezellen

aus CO 2

-neutraler Produktion. Damit

können wir den CO 2

-Ausstoß der betreffenden

Fahrzeuge über die gesamte

Lieferkette um zweistellige Prozentsätze

reduzieren.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch,

dass heute niemand mit Gewissheit vorhersagen

kann, welcher Antriebsmix in

20 Jahren die Bedürfnisse unserer Kunden

am besten erfüllen wird. Deshalb

bleibt es wichtig, technologieoffen an

weiteren Lösungen zu arbeiten, etwa

der Brennstoffzelle oder E-Fuels.

Neben der Entwicklung klimafreundlicher

Produkte bietet auch die Produktion

selbst CO 2

-Einsparpotenziale. Bis

Ende 2022 sollen alle europäischen

Mercedes-Benz Cars-Produktionsstätten

klimaneutral sein, die anderen Werke

folgen sukzessive.

Gleichzeitig suchen wir nach Wegen,

unsere Kunden mit grünem Ladestrom

zu versorgen. Und auch an Lösungen,

um beispielsweise durch intelligentes

Recycling von Batterien den Wertschöpfungskreislauf

zu schließen, arbeiten

wir intensiv.

Natürlich enden unsere Bestrebungen

zur Dekarbonisierung nicht beim Individualverkehr:

Bei Daimler Trucks &

Buses wollen wir bis 2039 in den Triademärkten

Europa, Japan und NAFTA

nur noch Neufahrzeuge anbieten, die

im Fahrbetrieb („tank-to-wheel“) CO 2

-

neutral sind.

Bereits bis zum Jahr 2022 soll das Fahrzeugportfolio

der Daimler Truck AG

in den Hauptabsatzregionen Europa,

USA und Japan Serienfahrzeuge mit

batterieelektrischem Antrieb umfassen.

Bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts

wird Daimler Trucks & Buses sein Fahrzeugangebot

zusätzlich um wasserstoffbetriebene

Serien-Fahrzeuge ergänzen.

Keine Frage, der Wandel zur nachhaltigen

Mobilität erfordert eine gewaltige

Kraftanstrengung: finanziell wie technologisch.

Er wird nur gelingen, wenn

Autoindustrie, Kunden, Energieversorger

und Politik Hand in Hand arbeiten. Es

bedarf massiver Investitionen und konkreter

Maßnahmen – auch über die

Automobilbranche hinaus.

Klimaneutrale Energie und eine umfassende

Infrastruktur sind für diesen

Systemwechsel unerlässlich. Aber: Diese

Transformation ist die Aufgabe unserer

Generation und wir sind fest entschlossen,

unseren Beitrag zur Lösung drängender

Probleme zu leisten.

Als Unternehmen, das von Ingenieuren

gegründet wurde, glauben wir: Technologie

kann dazu beitragen, eine bessere

Zukunft zu gestalten. Unser Weg zur

nachhaltigen Mobilität ist Innovation –

in einem ganzheitlichen Ansatz entlang

der gesamten Wertschöpfungskette.

globalcompact Deutschland 2019

75


GOOD PRACTICE

E.ON macht das Internet

nachhaltiger

Die Digitalisierung ist aus Wirtschaft und Alltag kaum mehr wegzudenken. Dabei werden die

Datenmengen, die die Rechenzentren bewältigen müssen, immer größer. Die Folge: Steigender

Stromverbrauch und ein höherer CO 2

-Ausstoß. Rechenzentren kann man aber auch effizienter

und nachhaltiger gestalten. Wie das geht, zeigt E.ON. Die innovativen Lösungen verhelfen den

Kunden zu „grüneren“ Datacentern.

Von Ilke Rangette, Head of Global B2B Marketing & Communications, E.ON Business Solutions

Cloudservices, Cat Content, Streamingdienste

und Kryptowährungen: Die Digitalisierung

macht einen großen Teil

des (Wirtschafts-) Lebens aus, hat aber

auch Nachteile: Rechenzentren müssen

immer mehr Daten verarbeiten und

benötigen dadurch immense Mengen an

Strom. Das verursacht nicht nur hohe

Kosten, sondern schadet durch den CO 2

-

Ausstoß auch noch dem Klima. Einer

Untersuchung des Borderstep Instituts

zufolge benötigten im Jahr 2017 die

Rechenzentren in Deutschland knapp

13 Milliarden Kilowattstunden Strom.

Das entspricht etwa dem Strombedarf

einer Großstadt wie Berlin. Ein Ende ist

nicht in Sicht: Der ThinkTank „The Shift

Project“ erwartet sogar, dass der Energieverbrauch

für die Digitalisierung und die

entsprechenden Technologien weltweit

jedes Jahr um neun Prozent steigt.

Die Server einfach mal abschalten wie

den Computer zuhause oder im Büro

– das geht nicht. Um alle Datenflüsse

aufrechtzuerhalten, laufen Rechenzentren

24 Stunden am Tag, sieben Tage die

Woche. Die verbrauchte Energie wird

dabei in Wärme umgewandelt. Diese

Abwärme muss dann abgekühlt werden,

was besonders energieintensiv ist. Aber:

Der Prozess lässt sich auch nachhaltiger

bewerkstelligen.

Innovative Systeme von E.ON

E.ON bietet für Unternehmen jeder

Größe praktikable und individuelle

Lösungen für effizientere Datacenter.

Dafür setzt E.ON auf maßgeschneiderte

Systeme in Microgrids, um Energieverbrauch

und -versorgung zu optimieren.

Die Lösungen zur Energieerzeugung

sind dabei redundant, dezentral und

skalierbar. Das sichert den Kunden eine

zuverlässige und flexible Stromversorgung,

die sich dem individuellen Bedarf

anpassen lässt. Zum Einsatz kommen

beispielsweise nachhaltige Speicher- und

Energietechnologien wie Solarenergie

oder auch Kraft-Wärme-Kopplung (KWK).

Letzteres verwertet die Abwärme der

Rechenzentren, was die Energiekosten

um bis zu 20 Prozent senken kann.

Vielversprechend ist auch die Brennstoffzelle:

„E.ON ist eines der wenigen Unternehmen

auf der Welt mit Erfahrung im

Bau und Betrieb von Brennstoffzellenanlagen

der Megawattklasse. Wir können

diese Technologie als wichtigen Baustein

in unserem B2B-Lösungsportfolio anbieten“,

so Anthony Ainsworth, CEO von

E.ON Business Solutions. „Die Industrie

zeigt großes Interesse an der Brennstoffzelle,

um die Stromversorgung nicht nur

klimafreundlicher, sondern auch nahezu

stickoxid- und feinstaubfrei zu machen.

Wir sind davon überzeugt, dass diese

saubere Technologie in großem Umfang

eingesetzt werden kann.“

Neben effizienten HLKK-Infrastrukturen

(Heizung, Lüftung, Klima und Kälte) spielt

die sinnvolle Nutzung der Abwärme

eine wichtige Rolle, um Rechenzentren

nachhaltiger zu gestalten. „Wir bei

E.ON haben eine Fernwärmetechnologie

der nächsten Generation namens

ectogrid entwickelt, die sich perfekt in

die Infrastruktur von Rechenzentren

einfügt“, erklärt Andrea Miserocchi, Head

of Segment Sales Data Center, Telecom &

Media bei E.ON Business Solutions. An

das lokale Fernwärmenetz angeschlossen

können Rechenzentren so ihre überschüssige

Wärme unkompliziert und ohne

weitere Belastungen mit ihren Nachbarn

teilen („Good Neighbor Energy“).

Das Binero-Projekt: ein grünes

Datacenter in Schweden

Wie so ein „grünes“ Rechenzentrum in

der Praxis funktioniert, kann man in

Bällstaberg (Vallentuna) in Schweden

sehen. Dort entwickelte E.ON gemeinsam

mit der Binero Group AB, einem

schwedischen Anbieter für digitale Infrastrukturen,

ein nachhaltiges Datacenter.

76 globalcompact Deutschland 2019


Im Zentrum stand dabei nicht nur die

Herausforderung, das Internet „grüner“

zu machen. Auch Unternehmen und

Gesellschaft sollten davon profitieren.

Der Fokus bei der Entwicklung lag daher

auf energieeffizienten Technologien und

Kühlsystemen sowie auf der Energierückgewinnung.

Die entsprechenden

Lösungen lieferte E.ON.

Das neue Rechenzentrum verfügt über

jeweils zwei separate Kreislaufsysteme

sowohl für die Energieversorgung als

auch für die Kühlung. Sie sind dabei

redundant aufgebaut und so konzipiert,

dass sie die komplette IT-Last individuell

bewältigen können. Das schützt vor

Ausfällen und macht Wartungen leichter.

Die nötige Energie beziehen die Systeme

aus regionalen Netzen. Außerdem

sind sie mit einer modularen, unterbrechungsfreien

Stromversorgung (USV)

ausgestattet. Die Umwandlung von Hoch-

in Niedrigspannung erfolgt vor Ort auf

dem Grundstück des Rechenzentrums,

was große Stromressourcen ermöglicht.

Die Energie ist zu 100 Prozent nachhaltig

und stammt aus erneuerbaren Quellen,

wie zum Beispiel der Windkraft.

Die Binero Group „recycelt“ zudem die

überschüssige Abwärme ihres Datacenters.

Diese wird nämlich in das lokale

Fernwärmenetz von E.ON eingespeist.

So spart die Binero Group Energie und

unterstützt gleichzeitig die örtliche

Gemeinschaft. Wenn der Standort voll

erschlossen ist, kann E.ON durch diese

Abwärme den Energiebedarf eines Drittels

der Einwohner von Vallentuna decken.

Nachhaltige Lösungen für die

Gemeinschaft

Mit solchen Technologien liefert E.ON

hocheffiziente Lösungen zur Reduzierung

der Energiekosten, zur Erhöhung

der Verfügbarkeit der Energie und zur

Nachhaltigkeit seiner Kunden. Auch

die Gemeinschaft profitiert: „Durch die

Bündelung der E.ON-Infrastruktur mit

den anderen E.ON-Diensten (Fernwärme,

Ladestationen für Elektrofahrzeuge,

Solar-PV, Energiespeicher, Demand-

Side-Response-Dienste usw.) entwickeln

wir Stadtquartiere in den europäischen

Großstädten“, fügte Miserrochi hinzu.

Damit leistet E.ON auch einen wichtigen

Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen

(SDGs), vor allem SDG 7 (bezahlbare und

saubere Energie), SDG 11 (Nachhaltige

Städte und Gemeinden) und SDG 13

(Maßnahmen zum Klimaschutz). Die

Lösungen für Rechenzentren zahlen

außerdem auf SDG 9 (Industrie, Innovation

und Infrastruktur) und SDG 12

(nachhaltiger Konsum und Produktion)

ein.

globalcompact Deutschland 2019

77


GOOD PRACTICE

Nah am Kunden

RHEANCE One® als kosmetischer Rohstoff auf Basis pflanzlicher Zucker

Bei Entwicklung und Produktion innovativer Inhaltsstoffe für die Kosmetikindustrie setzt das

Care Solutions-Geschäft von Evonik auf Transparenz, Nachhaltigkeit und Dialog.

Von Michaela Hauberg und Hannelore Gantzer, Corporate Responsibility, Evonik

Nachhaltigkeit und Natürlichkeit sind in

der Kosmetikindustrie wichtige Erfolgsfaktoren.

Immer mehr Verbraucher beziehen

den Beitrag zu Klima- und Ressourcenschonung

aktiv in ihre Kaufentscheidungen

mit ein. Hersteller und Handelsketten

greifen die neuen Anforderungen auf und

richten ihr Portfolio entsprechend aus.

Nachhaltigkeitsversprechen stetig

weiterentwickeln

Für die Zulieferer hochwertiger Inhaltsstoffe

in der Kosmetikindustrie ist es

mit der Bereitstellung erstklassiger Qualität

zu angemessenen Preisen längst

nicht mehr getan. Vielmehr muss das

Nachhaltigkeitsversprechen umfassend

transparent gemacht und in enger Zusammenarbeit

mit dem Kunden kontinuierlich

weiterentwickelt werden.

Evonik hat sich mit seinem Geschäftsgebiet

Care Solutions schon früh auf

diese Entwicklung vorbereitet. Knapp

90 Prozent der Produkte, die Evonik

im Markt für Personal Care anbietet,

beruhen aktuell auf nachwachsenden

Rohstoffen. Lebenszyklusanalysen sorgen

für die erforderliche Transparenz von

der Rohstoffquelle, über das gehandelte

Endprodukt bis zum Verbleib potenzieller

Abbaustoffe nach der Nutzung. Kurz:

Messbarkeit und Nachverfolgbarkeit sind

für Care Solutions die Schlüssel zu einem

belastbaren Nachhaltigkeitsversprechen.

Strategische Erweiterung des

Portfolios

Die Kosmetikbranche ist ein äußerst

dynamisches Geschäft. Spezialisierung,

Forschung und Entwicklung haben einen

hohen Stellenwert. Auf dem Weg zu innovativen

Produkten kombiniert Evonik

deshalb sein Technologie-Know-how der

Bereiche organische Stoffe („Organics“),

Silikone, Biotechnologie und Wirkstoffe

zu integrierten Plattformlösungen. Die

Anwendungen reichen von der Haarund

Hauptpflege über Sonnenschutz,

Bad- und Duschpflege bis hin zu dekorativer

Kosmetik, Anti-Aging-Wirkstoffen

und Deodorants. Die höchsten Wachstumsraten

im Kernmarkt Europa erzielt

Care Solutions mit Naturkosmetik und

78 globalcompact Deutschland 2019


alternativer Konservierung. Gezielte Erweiterungen

des Portfolios tragen dieser

Entwicklung Rechnung: Mit dem Erwerb

von Advanced Botanicals (Alkion, biotechnologische

Herstellung pflanzlicher

Kosmetikwirkstoffe, 2016), Delivery Systems

(Air Products, Verkapselungstechnologien

für Kosmetikwirkstoffe, 2017)

und Dr. Straetmans (alternative Konservierungssysteme

für Kosmetikprodukte,

2017) ist Nachhaltigkeit Kernbestandteil

aller laufenden und künftigen Portfolioentwicklungen

bei Care Solutions.

Hohe Transparenz für Kunden

Die CAREtain® Toolbox: Abbildung von

Nachhaltigkeitsaspekten entlang der

gesamten Wertschöpfungskette.

Evonik entwickelt ressourcenschonende Wirkstoffe für Kosmetik.

Aber wohin geht die Reise in den kommenden

Jahren? Die Konvergenz von

Nachhaltigkeitsanforderungen und digitalen

Technologien ist eines der marktbestimmenden

Themen. Der Einsatz

digitaler Labels – wie etwa QR-Codes

– eröffnet via Smartphone bislang kaum

erschlossene Möglichkeiten der informierten

Kaufentscheidung. Wieviel Substanz

ein Nachhaltigkeitsversprechen hat, werden

Verbraucher künftig in Echtzeit und

entlang der gesamten Wertschöpfungskette

nachverfolgen können. Care Solutions

hat sich darauf mit der CAREtain®

Toolbox (Erreichbar ist dieses Tool über

einen Login auf der Website intobeauty.

evonik.com.) vorbereitet, einem eigens

entwickelten Informationssystem, das

eine Vielzahl relevanter Zahlen, Daten

und Fakten rund um die produktbezogene

Nachhaltigkeit bereitstellt. Daneben

sorgt Evonik auch mit der webbasierten

Plattform IntoBeauty für mehr Transparenz

und innovative Anstöße.

Neben der eigenen Nachhaltigkeitsverpflichtung

geht

es hier vor allem darum,

den Business-to-Business-

Kunden ein Instrument

an die Hand zu geben,

das die Entwicklung

neuer, ökologisch

optimierter Produkte

vereinfacht. Der

Informationszugriff

hinsichtlich Rohstoffquellen

und Inhaltsstoffen,

RSPO-Zertifizierung

(Roundtable

on Sustainable Palm Oil),

biologischer Abbaubarkeit

oder Naturkosmetik-Konformität

erlaubt es Kosmetikherstellern, die

Bedürfnisse ihrer Endkunden von den

ersten Entwicklungsphasen an in das

Produktdesign einzubinden – wahlweise

auch mit Fokus auf besonders ressourcenschonende

Prozesse aus Biotechnologie

oder enzymatischer Veresterung.

Entscheidet sich der Entwickler für den

Auswahlpunkt „Eco-Application“, so findet

er kalt verwendbare Emulgatoren,

multifunktionale sowie hoch konzentrierte

Inhaltsstoffe. Ebenso kann

er die biologische Abbaubarkeit

als Selektionskriterium heranziehen.

Die Beispiele zeigen:

Evonik verfügt über

langjährige Erfahrungen

und eine ausgewiesene

Expertise bei

ressourcenschonenden

Prozessen entlang eines

weiten Spektrums an

Inhaltsstoffen. Das ist

eine gute Basis für die

gemeinsame Arbeit an

einer neuen Generation

innovativer Produkte und

zukunftsweisender Lösungen.

globalcompact Deutschland 2019

79


GOOD PRACTICE

Good Practice

von H bis Z

Für die redaktionellen Beiträge dieser Rubrik sind ausschließlich die Unternehmen und ihre Autoren selbst verantwortlich.

80 globalcompact Deutschland 2019


82

iPoint-systems

84

ista

86

Lufthansa Group

88

macondo publishing

90

MAN

92

Merck

94

Pervormance International

96

Symrise

98

TÜV Rheinland

100

Weidmüller

102

Wilo

globalcompact Deutschland 2019

81


GOOD PRACTICE

DIBICHAIN:

Transparente Stoffkreisläufe

mit Blockchain

Die Circular Economy bietet als ressourcenschonendes Wirtschaftsmodell eine nachhaltige

Alternative zu bisherigen ökonomischen Strategien. Aber sie stellt Unternehmen auch vor große

Herausforderungen. Vielversprechend sind in diesem Zusammenhang digitale Technologien.

Das Softwarehaus iPoint erforscht gemeinsam mit Industriepartnern im Forschungsprojekt

DIBICHAIN, wie die Blockchain-Technologie für die Kreislaufwirtschaft angewendet werden kann.

Von Dr. Katie Böhme, Head of Corporate

Communications, iPoint-systems

In Zeiten des Klimawandels und der

zunehmenden Ressourcenknappheit

wird nachhaltiges Wirtschaften immer

wichtiger. Das heißt aber auch, das insbesondere

bei Unternehmen ein Umdenken

stattfinden muss. Als besonders

ressourcenschonend und damit

zukunftsweisend gilt die Circular Economy

(Kreislaufwirtschaft). Der zentrale

Gedanke bei einer Kreislaufwirtschaft ist

die Etablierung geschlossener Materialkreisläufe:

Statt Stoffe oder Einzelteile

von Produkten am Ende ihres Gebrauchs

zu entsorgen, sollen sie wieder in biologische

oder technische Kreisläufe zurückgeführt

werden. Recycling, Demontage

und Wiederverwertung stehen im

Vordergrund, im Idealfall gibt es keine

Abfälle. Dadurch werden wertvolle Ressourcen

gespart.

Die nötigen Prozesse einer Circular

Economy sind aber hochkomplex und

für Unternehmen sehr herausfordernd.

Um diese wirklich nachhaltig und vor

allem effizient umsetzen zu können,

gilt es, den kompletten Lebenszyklus

eines Produktes oder Stoffes im Blick

zu haben. Alle physischen Stoffströme

müssen über den gesamten Produktkreislauf

hinweg analysiert, bewertet und

schließlich interpretiert werden. Auch

die Erhebung von Daten entlang der

Lieferkette ist aufwändig. Ein Beispiel:

In einem Smartphone stecken hunderte

Einzelteile. Die wiederum bestehen aus

über 60 verschiedenen Rohstoffen und

Materialien. Will man die Lieferkette

komplett transparent machen, muss

man jedes einzelne davon bis zu seinem

Ursprungsort zurückverfolgen. Das ist

nicht nur kompliziert und zeitaufwändig,

sondern auch mit hohen Kosten verbunden.

Ein weiterer Punkt: Alle Daten, die

im Rahmen der Kreislaufwirtschaft und

entlang der Lieferkette erhoben werden,

müssen aktuell, transparent, manipulationssicher

und auch verschlüsselbar sein.

Blockchain als Schlüsseltechnologie

Das Softwarehaus iPoint-systems sieht

hierfür großes Potenzial in digitalen Technologien.

Besonders vielversprechend ist

dabei Blockchain, erklärt Jörg Walden,

iPoint-CEO: „Wir sind davon überzeugt,

dass die Blockchain-Technologie für diese

Herausforderungen und den Aufbau von

kreislaufwirtschaftlichen Systemen von

großem Nutzen sein kann. Denn mit

Blockchain können Informationen allen

Nutzern des Systems quasi in Echtzeit

kontrolliert zugänglich gemacht werden.

Das geistige Eigentum, die Intellectual

Property eines jeden Einzelnen bleibt

trotzdem geschützt und der Nutzer behält

die Datenhoheit. Nur im Konsens können

die Regeln bezüglich der Sichtbarkeit der

Daten geändert werden. Auf diese Weise

ist quasi alles und jeder miteinander

verbunden, was ganz andere Innovationszyklen

und Businessmodelle ermöglicht.“

Blockchain vereinfacht nicht nur den

Informationsfluss im Unternehmen und

mit Stakeholdern. Die Daten sind so

außerdem fälschungssicher. Einmal verifiziert,

kann man sie nicht mehr ändern

oder manipulieren, ohne dass es dem

System auffallen würde. Zudem lassen

sich die Informationen kryptographisch

verschlüsseln. Die Speicherung der Daten

in einer Blockchain erfolgt dezentral.

Damit entfällt die Abhängigkeit von

einem einzelnen Server und mehrere

Systeme überwachen den Datenfluss.

Projekt DIBICHAIN

Bisher ist allerdings noch nicht ausreichend

erforscht, wie sich die Blockchain-

82 globalcompact Deutschland 2019


Technologie auf die Kreislauswirtschaft

anwenden lässt. Um das zu ändern,

nimmt iPoint mit den Industriepartnern

Altran Deutschland, Blockchain

Research Lab, CHAINSTEP und Airbus

an dem Forschungsprojekt DIBICHAIN

teil. Hauptziel ist dabei, das Potential

der Blockchain zur digitalen Abbildung

von Produktkreisläufen zu untersuchen

– insbesondere auch im Hinblick auf

Dezentralität, Zuverlässigkeit und Fälschungssicherheit.

Als Teil der Blockchain-Strategie

der Bundesregierung,

die im September 2019 verabschiedet

wurde, wird DIBICHAIN im Rahmen

der Maßnahme „Ressourceneffiziente

Kreislaufwirtschaft – innovative Produktkreisläufe“

(ReziProK) des Bundesministeriums

für Bildung und Forschung

(BMBF) gefördert. Das Forschungsprojekt

startete im Juli 2019 und ist auf 36 Monate

ausgelegt.

Im Rahmen des DIBICHAIN-Projekts entsteht

zunächst ein Software-Demonstrator.

Dieser wird am Beispiel eines von

Airbus gefertigten bionischen Bauteils

und auf der Grundlage der Blockchain-

Technologie entwickelt. Damit will das

Projektteam die Eignung von Blockchain

für die Circular Economy bewerten. „Aus

der Evaluation des entwickelten Demonstrators

soll zum einen eine Wissensbasis

für die Anwendung einer Blockchain

für die Circular Economy entwickelt

werden und zum anderen Ansatzpunkte

für weitere Forschungsvorhaben offengelegt

werden, um das volle Potential

von Blockchain und anderen Distributed

Ledger Technologien zu erschließen“, sagt

Sebastian Galindo, iPoint-Projektmanager.

Langjährige Expertise von iPoint

iPoint unterstützt das Projekt mit

wichtiger Expertise: „Mit unserem stetig

wachsenden Ökosystem aus 50.000

Unternehmen bringt iPoint topaktuelles

Technologie-Know-How sowie

langjährige Erfahrung mit Akteuren,

Due-Diligence-Prozessen und Problemlösungen

im Downstream-Bereich in das

Forschungsprojekt mit ein“, weiß Walden.

Für das Softwarehaus ist DIBICHAIN

nicht das erste Forschungsprojekt rund

um die Blockchain-Technologie. Bereits

Anfang 2018 startete iPoint mit „Sustain-

Block“ ein Blockchain-Projekt im Bereich

Konfliktrohstoffe, das die Lieferkette digital

verfolgbar und damit transparenter

macht. Mit der Community-Plattform

SustainHub steht den Kunden außerdem

eine Softwarelösung zur effizienten und

einfachen Kommunikation und Datenerfassung

in der Lieferkette zur Verfügung.

Über das System lassen sich auch weitere

Compliance-Anforderungen im Bereich

Umwelt, Soziales und Materialien wie

etwa die REACH-Verordnung oder die

RoHS-Richtlinie bewerkstelligen.

Nicht nur die Kunden und Projektpartner

profitieren von den langjährigen

Erfahrungen. iPoint leistet mit seinen

Software-Lösungen und den Forschungsprojekten

zudem einen wichtigen Beitrag

zu den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs).

Das Geschäftsmodell und das Geschäftsportfolio

von iPoint zahlen insbesondere

sowohl auf SDG 8 (Menschenwürdige

Arbeit und Wirtschaftswachstum) als

auch auf SDG 12 (Nachhaltige/r Konsum

und Produktion) ein.

globalcompact Deutschland 2019

83


GOOD PRACTICE

ista unterstützt die

„Generation Klimaschutz“

Klimaschutz ist für den Energiedienstleister ista ein besonders wichtiges Thema. Mit „ista macht

Schule“ hilft das Unternehmen vor allem jungen Menschen dabei, ihre Schulen energieeffizienter

und nachhaltiger zu machen. Hierzu fand 2019 der „KlimaHelden-Contest“ statt: Schülerinnen

und Schüler konnten sich mit ihren nachhaltigen Schulprojekten beteiligen und Preisgelder

gewinnen.

Von Katharina Kemler, Specialist Corporate Communications, ista

Ein Thema mobilisiert derzeit besonders

viele junge Menschen: Klimaschutz. Tausende

Schülerinnen und Schüler gehen

freitags auf die Straßen, um insbesondere

für die Einhaltung der Pariser Klimaziele

zu demonstrieren. Auch Unternehmen

sind hierbei gefordert. Der Energiedienstleister

ista ist sich seiner Verantwortung

bewusst: „Klimaschutz ist ein globales

Projekt, das große gemeinsame Anstrengungen

verlangt. ‚Fridays for Future‘

geht mit gutem Beispiel voran. Junge

Menschen auf der ganzen Welt setzen

sich für ihre Zukunft ein. Sie zeigen: Wir

werden beim Klimaschutz nur gemeinsam

etwas erreichen – und dabei ist

es durchaus entscheidend, was der Einzelne

beiträgt“, sagt Thomas Zinnöcker,

CEO von ista.

Daher hat ista nicht nur seine Geschäftsstrategie

nachhaltig ausgerichtet, sondern

unterstützt mit dem Bildungsprojekt

„ista macht Schule“ junge Menschen

dabei, Klimaschutz in ihren Alltag einzubinden.

Das Projekt zahlt damit auch

auf die Sustainable Development Goals

der Vereinten Nationen ein, insbesondere

SDG 4 (hochwertige Bildung), SDG 7

(bezahlbare und saubere Energie) und

SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz).

Ein Crowdfunding-Wettbewerb für

das Klima

In diesem Rahmen veranstaltete „ista

macht Schule“ im Jahr 2019 gemeinsam

mit den Partnern „BildungsCent e.V.“,

„Die Multivision e.V.“ und „Startnext“

den KlimaHelden-Contest. Schülerinnen

und Schüler, die in ihren Schulen Nachhaltigkeitsprojekte

umsetzen wollten,

konnten sich mit ihren Ideen für den

Crowdfunding-Wettbewerb bis Ende

Die Gewinner des KlimaHelden-Contests

Januar 2019 bewerben. Um zu gewinnen,

mussten die Schülerinnen und Schüler

bis Anfang Mai 2019 möglichst viele

Menschen von ihrer Idee überzeugen.

Die ersten drei Plätze honorierte ista

mit einem Preisgeld.

Über die meisten Unterstützer und damit

über den ersten Platz konnte sich schließlich

die Gesamtschule Essen-Holsterhausen

freuen. Für ihr Lerngarten-Projekt

sammelten die Schülerinnen und Schüler

5.555 Euro von 237 Unterstützern. Damit

wird die Schule ihren Schulgarten

erweitern und ein Gewächshaus bauen.

Dort wird z. B. Gemüse für den Hauswirtschaftsunterricht

angebaut. Des Weiteren

legt die Schule einen Teich an, der als

84 globalcompact Deutschland 2019


Lebensraum für Mikroorganismen dient.

Ein Geräteschuppen ist ebenfalls geplant

und auch das Insektenhotel wollen die

jungen Essener erweitern. „Das Schulleben

sowie der Unterricht sind neben

weiteren relevanten Aspekten auf Nachhaltigkeit

ausgerichtet“, so Lehrer Petja

Kaslack. „Nachhaltigkeit ist kein Wort an

der Tafel, sondern hautnah zu erleben.“

Projekte zum Reparieren & Recyceln

Den zweiten Platz ergatterte die Projektgruppe

„RepairAG – folgen_reich

reparieren“ des Wilhelm-Gymnasiums

Braunschweig. Sie erhielt von 200 Unterstützern

4.217 Euro. Das Ziel der Projektgruppe:

Die Müllberge in ihrer Schule

reduzieren und das Wegwerfverhalten

ändern. Das Geld wollen die Schülerinnen

und Schüler in neue Arbeitsplätze

und Werkzeuge investieren. Damit sollen

kaputte Gegenstände zukünftig repariert,

statt entsorgt, werden.

Das Entsorgungsverhalten thematisierte

auch die Haupt- und Realschule Kreiensen

im niedersächsischen Greene. Mit

ihrem Projekt „Müll trennen mit Kopf,

Herz und Hand“ landeten die Schülerinnen

und Schüler mit 3.140 Euro von 91

Unterstützern auf Platz drei des Wettbewerbs.

Mit dem Geld wird die Schule

mit neuen Müllbehältern aus recyceltem

Material für ein Mülltrennungssystem

ausgestattet. So wollen die Schülerinnen

und Schüler ein Bewusstsein für das

Sammeln und Recyceln von Rohstoffen

wecken.

Das Technische Gymnasium

Holzminden sicherte

sich den Sonderpreis –

eine Schulveranstaltung

des Partners „die Multivision

e.V.“ zum Thema

„Energievision 2050“. Die

Schülerinnen und Schüler

entwickelten einen energieerzeugenden

Fußboden,

den sogenannten „Energy

Floor“, der durch Schritte

Strom generiert und

speichert. Mit der Fundingsumme

von 520

Euro soll der Prototyp

noch weiter verbessert

werden.

Ausgezeichnet wurden alle Gewinner

im Mai 2019 auf den Berliner Energietagen

im Rahmen einer Stakeholder-

Veranstaltung zum Thema „Generation

Klimaschutz“.

Ein Ergänzungspaket für die Klima-

Kiste

Mit „ista macht Schule“ bringt ista schon

seit 2017 das Thema Klimaschutz in

Bildungseinrichtungen. „Wir wollen

Jugendliche dazu befähigen, Energiesparpotenziale

in ihren Schulen aufzudecken

und bei Energieverschwendung selbst

für Abhilfe zu sorgen“, erklärt ista auf

der Projekt-Homepage. Aus dieser Idee

heraus entstand auch die „KlimaKiste“,

die ista gemeinsam mit dem gemeinnützigen

Verein BildungsCent im Jahr 2018

an 100 Schulen in ganz Deutschland

verteilte. Die „KlimaKiste“ enthält zahlreiche

Lernmaterialien sowie Messgeräte

mit denen die Schülerinnen und Schüler

selbst aktiv werden und energetische

Schwachstellen im Schulgebäude ausfindig

machen können.

Ein Jahr später war es an der Zeit Feedback

einzuholen. Rund 60 Lehrerinnen

und Lehrer nahmen an der Online-Umfrage

zur „KlimaKiste“ teil. Die wichtigsten

Erkenntnisse: Im Schulalltag

wünscht sich die Mehrheit der Lehrkräfte

zum einen mehr Zeit für das Thema

„Klima“. Zum anderen sind Materialien

in ganzen Klassensätzen gefragt. Daher

konzipierten „ista macht Schule“ und

BildungsCent ein Ergänzungspaket zur

„KlimaKiste“, das im Oktober an 50 Schulen

ausgegeben wurde. Dieses enthält

unter anderem 30 Thermometerkarten,

um unterschiedliche Raumtemperaturen

messen zu können, sowie 30 ausschaltbare

Zwischenstecker, mit denen sich

Strom sparen lässt. Neben einer Neuauflage

des KlimaWissen-Heftes gibt es

zudem eine Solarladestation, die den

Schülerinnen und Schülern die erneuerbare

Energieversorgung näherbringen

soll. Ergänzt wird das Klimapaket durch

ein Postkarten-Set. Diese können sowohl

die Schülerinnen und Schüler als auch

ihre Lehrerinnen und Lehrer nutzen, um

ihre Wünsche an die Projektverantwortlichen

zu schicken. Denn auch 2020 soll

es weitergehen mit „ista macht Schule“.

Ausgangspunkt ist die Frage an die Lehrerinnen

und Lehrer: „Was würden Sie für

den Klimaschutz tun, wenn wir Ihnen

Zeit schenken würden?“

globalcompact Deutschland 2019

85


GOOD PRACTICE

Drei Zeithorizonte für

Klimaschutz im Luftverkehr

Wie sieht der Luftverkehr der Zukunft aus und welche klimafreundlichen Technologien

stehen dafür bereit? Mit der Frage, wie die schnelle Beförderung von Menschen und Gütern

per Flugzeug möglichst effizient und umweltschonend erfolgen kann, beschäftigt sich die

Lufthansa Group intensiv.

Von Lufthansa Group Communications

Der Luftverkehr verbindet weltweit Menschen,

Länder und Kulturen und sorgt

für schnelle Warenströme rund um den

Globus. Der Luftverkehr ist auch ein

Wachstumssektor. Für die Lufthansa

Group geht das einher mit der Verantwortung,

die Umweltauswirkungen des

Fliegens auf ein unvermeidbares Maß

zu begrenzen.

Investition in sparsame Flugzeuge

Der Einsatz sparsamer Flugzeuge der

neuesten Generation ist kurzfristig der

größte Hebel, um Emissionen im Luftverkehr

zu reduzieren. Die Lufthansa Group

investiert daher fortlaufend in moderne

Flugzeug- und Triebwerkstechnologien

und erhält in den nächsten zehn Jahren

im Schnitt alle zwei Wochen ein neues,

treibstoffeffizienteres Flugzeug. Die CO 2

-

Reduktion im Vergleich zu Vorgängermodellen

beträgt dabei bis zu 25 Prozent.

Darüber hinaus erfolgen die dienstlichen

Flugreisen der Mitarbeiter der Lufthansa

Group seit 2019 CO 2

-neutral.

Engagement für effizienten

EU-Luftraum

Mittelfristig lassen sich durch ein effizientes

Luftraum-Management im euro-

86 globalcompact Deutschland 2019


päischen Luftverkehr CO 2

-Einsparungen

von bis zu 10 Prozent realisieren. In

Europa sind noch zahlreiche Flugverkehrszentren

für die Flugsicherheit in

verschiedenen nationalen Systemen zuständig.

Dadurch können Flugzeuge nur

selten den optimalen Flugweg zum Ziel

nehmen. Die Lufthansa Group setzt sich

daher für die Schaffung eines zuverlässigen

und effizienten EU-Luftraums ein.

Einsatz nachhaltiger alternativer

Flugkraftstoffe

Auf lange Sicht sind nachhaltige alternative

Flugkraftstoffe, sogenanntes Sustainable

Aviation Fuel (SAF), ein entscheidender

technologischer Schlüssel, um die

Zukunft des Fliegens nahezu CO 2

-neutral

zu gestalten. Zu dessen Produktion stehen

verschiedene Ausgangsmaterialien

zur Verfügung, insbesondere Rest- und

Abfallstoffe wie Altöle und -fette. Die

Nachhaltigkeit von SAF liegt im Herstellungsprozess:

Das CO 2

, das im Flugbetrieb

durch den Einsatz alternativer Kraftstoffe

freigesetzt wird, wurde zuvor in Form

von Biomasse oder Gasen absorbiert.

Lufthansa hat bereits 2011 alternativen

Kraftstoff im regulären Flugbetrieb

getestet und damals aufgezeigt, dass

dieser ohne Modifikation am Flugzeug

und ohne Infrastruktur-Anpassungen

eingesetzt werden kann. Die gemäß

Treibstoffspezifikation zugelassene

Höchstbeimischungsquote von SAF beträgt

derzeit 50 Prozent.

Kerosin durch Sustainable Aviation Fuel

ersetzten. Die Plattform ermittelt dafür

die Preisdifferenz und Lufthansa setzt

den nachhaltigen alternativen Kraftstoff

innerhalb von sechs Monaten ab

Frankfurt im Flugbetrieb ein. Alternativ

können Reisende Aufforstungsprojekte

der Schweizer Stiftung myclimate unterstützen

und damit langfristig zum

Klimaschutz beitragen.

Bei „Compensaid“ handelt es sich um

die weltweit erste Onlineplattform dieser

Art, die Endkunden eine transparente

und schnell wirksame Möglichkeit gibt,

mithilfe von alternativen Treibstoffen

ihren CO 2

-Verbrauch beim Fliegen auszugleichen.

Die Konzern-Airlines Lufthansa

und SWISS haben „Compensaid“ bereits

als zentrales Kompensationsangebot in

ihren Buchungsportalen verfügbar gemacht.

Eine industrieweite Nutzung von SAF

scheitert bislang an der verfügbaren

Menge und den hohen Kosten des innovativen

Treibstoffes, da derzeit nur wenige

Raffinerien weltweit in der Lage sind, SAF

zertifiziert und in ausreichenden Mengen

zu produzieren. Daher ist es wichtig, den

Auf bau von Produktionskapazitäten

voranzutreiben. Die Lufthansa Group

unterstützt dies mit konkreten Projekten.

Der Konzern sieht insbesondere in

strombasierten Kraftstoffen (Power-to-

Liquid) eine echte Alternative zu fossilem

Kerosin und hat 2019 unter anderem

mit der Raffinerie Heide in Hamburg

eine gemeinsame Absichtserklärung zur

künftigen Produktion und Abnahme

eines solchen Kerosins unterzeichnet.

Diese Technologie befindet sich derzeit

jedoch noch in einem frühen Stadium.

Von einem Elektroantrieb für Mittel- und

Langstreckenflüge ist die Luftfahrt noch

weit entfernt, da die Energiedichte heutiger

Batterien im Vergleich zu Kerosin

äußerst gering ausfällt. Gleiches gilt für

einen Wasserstoffantrieb. Selbst in verflüssigter

Form hat Wasserstoff nur ein

Drittel der Dichte im Vergleich zu Kerosin,

und die Speicherung großer Mengen

Wasserstoff, die für lange Flugreisen

notwendig wären, wäre technologisch

extrem aufwendig.

Die Lufthansa Group engagiert sich mit

Nachdruck für klimafreundliche Mobilität

und möchte nicht nur in der Luft, sondern

auch am Boden einen messbaren Beitrag

zu den globalen Nachhaltigkeitszielen

der Vereinten Nationen leisten. Bis 2030

wird der Konzern daher in Deutschland,

Österreich und der Schweiz auf einen

CO 2

-neutralen Bodenbetrieb umstellen.

Der Lufthansa Innovation Hub, die

in Berlin ansässige Digitaleinheit der

Lufthansa Group, hat eine zukunftsweisende

Kundenlösung für den Einsatz

von SAF entwickelt: Reisende können

seit August 2019 unabhängig von der

Wahl ihrer Fluggesellschaft auf der Internet-Plattform

„Compensaid“ fossiles

globalcompact Deutschland 2019

87


GOOD PRACTICE

Blockaden überwinden,

Zukunft sichern: „Nachhaltig

Erfolgreich Führen“

Alle sprechen über Nachhaltigkeit. Aber wie lässt sich das Thema in Unternehmen systematisch

verankern? Und wie können Führungskräfte besser eingebunden werden? Das bundesweite

IHK-Management-Training „Nachhaltig Erfolgreich Führen“ der DIHK-Bildungs-GmbH bietet

Antworten. macondo publishing koordiniert dabei die Ansprache der Geschäftsführer.

Von macondo publishing

In einer global vernetzten Welt sind

Integrität und verantwortliches Handeln

längst kein schmückendes Beiwerk

mehr, sondern die Lizenz zur Existenz:

Potenzielle Mitarbeiter wählen heute

Arbeitgeber nach Reputation aus. Kunden

entscheiden immer öfter nach

Umwelt- und Sozialkriterien. Der

Gesetzgeber verschärft die Auflagen,

nicht zuletzt beim Klimaschutz. Und die

Lieferketten selbst werden aufgrund von

politischen, sozialen und ökologischen

Risiken immer fragiler. Damit erhöht

sich auf alle gesellschaftlichen Akteure

der Druck, nachhaltige, zukunftsfähige

Alternativen zum Herkömmlichen

zu entwickeln. Kurz: Nachhaltigkeit ist

für jeden Geschäftsführer ein Thema.

Und doch scheuen vor allem mittelständische

Unternehmen oftmals die

damit verbundenen komplexen Umstellungen

betrieblicher Managementprozesse.

Wie lassen sich Blockaden überwinden,

und wie vermittelt man Führungskräften

wertvolles Wissen über die Dimensionen

Wirtschaft, Soziales und Umwelt? Diesen

Fragen geht das vom Bundesministerium

für Bildung und Forschung geförderte

Projekt „Nachhaltig Erfolgreich Führen“

unter Federführung der DIHK-Bildungs-

GmbH nach. Projektziel ist es, zielgruppenspezifische

Lerninhalte für die Unternehmensführung

zu entwickeln sowie

Führungskräfte aus dem mittleren Management

und Nachhaltigkeits-Agenten

bei der Umsetzung zu unterstützen.

„Wir wollen Führungskräfte im Topmanagement

von KMUs in die Lage

versetzen, für ihr Unternehmen neue

nachhaltige Wettbewerbsvorteilsstrategien

zu entwickeln“, beschreibt der

verantwortliche Projektreferent bei der

DIHK-Bildungs-GmbH, Florian Pröbsting,

den Anspruch. „Damit Führungskräfte

des mittleren Managements eine unternehmensspezifische

Nachhaltigkeitsstrategie

in ihren Verantwortungsbereichen

effektiv umsetzen können, bieten wir

zudem praxisnahe Lerneinheiten zu

relevanten Managementbereichen an.“

Realisiert wird das dreijährige Projekt

gemeinsam mit Unternehmen, Fachexperten

sowie Industrie- und Handelskammern

(IHKs). Für die Ansprache

der hierbei wesentlichen Zielgruppe

der Geschäftsführer und Inhaber sowie

Gesellschafter und Aufsichtsräte mittelständischer

Unternehmen hat Dr. Elmer

Lenzen, Geschäftsführer der macondo

publishing, die Initiative übernommen.

Nutzen klar herausstellen

„Wir wollen die Teilnehmer für Nachhaltigkeit

im Unternehmenskontext sensibilisieren

und – wo immer möglich – be-

88 globalcompact Deutschland 2019


geistern“, beschreibt Lenzen die Ziele des

IHK-Management-Trainings. „Es ist nicht

unwahrscheinlich, dass Unternehmen,

die dem Veränderungsdruck in Richtung

Nachhaltigkeit nicht standhalten, schrittweise

vom Markt verschwinden werden.

Umgekehrt schaffen Unternehmen, denen

es gelingt, nachhaltige Produkte

und Dienstleistungen zu erstellen, die

Voraussetzung für mittel- und langfristigen

Erfolg.“

Wertebasierte Führung ist gerade in Zeiten

von Globalisierung, Digitalisierung

und hohem Innovationsdruck extrem

wichtig und zugleich extrem komplex.

Das schreckt viele ab – sei es, weil der

Zugang zu schwierig erscheint, sei es,

weil das Tagesgeschäft keine Zeit für

solche „Extras“ zulässt. Genau diese Barrieren

gilt es zu durchbrechen. Nichts

überzeugt Entscheider dabei mehr als

das Urteil anderer Entscheider. Nachhaltigkeitspioniere

spielen daher als

Botschafter und Vorbilder eine enorme

Rolle.

Barrieren überwinden

Neben der Entwicklung von Chancen

geht es in dem Projekt auch und gerade

um das Überwinden von Barrieren.

Auf diesem Weg sind drei wesentliche

Hürden zu nehmen:

www.nachhaltig-erfolgreich-fuehren-ihk.de

• Die Weichenstellung für eine nachhaltige

Ausrichtung des Unternehmens ist

von der Unternehmensleitung vorzunehmen.

Dies erfordert Zeit für strategische

Überlegungen und Orientierungswissen,

um sich in der Komplexität

nachhaltiger Fragestellungen nicht zu

verzetteln. Hohe zeitliche Belastung

und zunehmende Spezialisierung in

den betrieblichen Führungsbereichen

wirken dem entgegen.

• Die Verfolgung von Nachhaltigkeitszielen

ist zwar mittlerweile gesellschaftlich

anerkannt, im Detail sind jedoch

erhebliche Zielkonflikte zwischen den

drei Säulen Ökonomie, Ökologie und

Soziales sowie ganz unterschiedliche

Interessen der Stakeholder auszugleichen.

Hinzu kommt, dass nachhaltige

Geschäftsmodelle in der Regel langfristiger

angelegt sind und der Kurzfristorientierung

einzelner Stakeholder, z. B.

von Finanzinvestoren, entgegenstehen.

Die damit verbundenen Konflikte auszuhalten

und auszutragen, erfordert ein

hohes Maß an persönlicher Motivation.

Der Weg des geringeren Widerstandes

(der nicht nachhaltige) ist häufig verlockend.

• Lange Zeit wurde Nachhaltigkeit mit

Corporate Citizenship, d. h. der Verwendung

erwirtschafteter Überschüsse

für karitative oder umweltschützende

Zwecke, gleichgesetzt. Das Bewusstsein,

dass Nachhaltigkeit nicht als „Reparaturansatz“

aufgefasst werden darf,

sondern in jeder Phase des eigenen

Wertschöpfungsprozesses sowie dem

der Zulieferer und Kunden mitgedacht

und mitverantwortet werden muss,

ist gerade bei kleinen und mittleren

Unternehmen erst im Entstehen.

Angestrebte Ziele

Lenzen und sein Team setzen auf einen

modularen Ansatz, bei dem der Zielgruppe

immer wieder Möglichkeiten

zum Quer-, Neu- und Wiedereinstieg

geschaffen werden. Dabei kommen

neben affirmativen Maßnahmen wie

Abendveranstaltungen mit eloquenten

Keynote-Speakern, einem Sommerfest

und Vernetzungstreffen vor allem auch

kognitive Maßnahmen wie Vertiefungsseminare

zu Strategie, Steuerung und

Controlling sowie persönliche Motivationstrainings

zum Einsatz.

Zum Ende des Programms sollen Teilnehmende:

• für die Themen Corporate Social Responsibility

und Nachhaltigkeit sensibilisiert

sein,

• die Bedeutung und Ansatzpunkte der

Nachhaltigkeit für sich selbst und für

das eigene Unternehmen identifizieren

können,

• Nachhaltigkeitsfelder innerhalb der

Wertschöpfungskette kennen,

• Potenziale und Herausforderungen für

die nachhaltige strategische Unternehmensausrichtung

erkennen,

• persönliche Motivation für Nachhaltigkeit

verspüren und sie als Impuls für

das eigene Leben verstehen,

• die Kompetenz und das Wissen ihrer

Fach- und Führungskräfte im Bereich

Nachhaltigkeit und Führung weiterentwickeln

wollen,

• aktiver oder passiver Teil des „Nachhaltig

Erfolgreich Führen“-Netzwerkes

sein.

globalcompact Deutschland 2019

89


GOOD PRACTICE

MAN reduziert seine

CO 2

-Emissionen um mehr

als ein Viertel

Mehr produzieren und zugleich weniger Ressourcen verbrauchen? Das muss kein Widerspruch

sein. Der Nutzfahrzeughersteller MAN zeigt, wie ein Unternehmen durch konsequentes

Klimamanagement sowohl Wachstums- als auch ökologische Ziele erreichen kann.

Von Peter Attin, Senior Vice President Coporate Responsibility, MAN

MAN hat den CO 2

-Ausstoß seiner Produktionsstandorte

um mehr als ein Viertel

gesenkt. Diese stießen im Jahr 2018 rund

26 Prozent weniger CO 2

aus als im Basisjahr

2008. Damit hat MAN sein selbst

gestecktes Ziel zwei Jahre früher erreicht

als ursprünglich geplant.

Zugleich war die wirtschaftliche Entwicklung

im Geschäftsjahr 2018 sehr

positiv: Produktion und Absatz stiegen

bei MAN Truck & Bus in Europa um

+ 10,3 Prozent auf mehr als 95.000 produzierte

Fahrzeuge. Der Geschäftsbereich

MAN Latin America legte sogar noch

deutlicher zu, auf + 32,7 Prozent. Das

entspricht mehr als 35.000 produzierten

Fahrzeugen.

Im Sinne der nachhaltigen Entwicklungsziele

der UN (SDGs) kommt es

vor allem darauf an, Zielkonflikte wo

möglich aufzulösen: Wachstum schafft

Arbeitsplätze und Wohlstand. Zugleich

ist es aber auch wichtig, den Ressourcenverbrauch

und Ausstoß von gefährlichen

Treibhausgasen davon zu entkoppeln.

Im jüngsten Nachhaltigkeitsbericht

zeigt MAN, dass man hier auf einem

sehr guten Weg ist: Insgesamt stieg der

Energieverbrauch im Vergleich zur Produktivität

nur leicht um 2,2 Prozent.

Die Treibhausgasemissionen pro produziertem

Fahrzeug sanken dagegen

um 17,2 Prozent.

Auch die absoluten Emissionen konzernweit

wurden auf 406.000 metrische

Tonnen gesenkt. Das entspricht

einer Reduktion um 141.374 metrischen

Tonnen CO 2

innerhalb von zehn

Jahren. Damit hat MAN sein selbst

gestecktes Ziel zwei Jahre früher erreicht

als ursprünglich geplant, denn

eigentlich war in der bereits im Jahr

2011 verabschiedeten MAN-Klimastrategie

eine Reduktion um 25 Prozent

erst für das Jahr 2020 vorgesehen.

„Wir sind stolz auf diesen großen Erfolg,

den unser Projektteam über alle

Standorte hinweg mit großem Einsatz

vorangetrieben hat. Als Industrieunternehmen

haben wir eine Verantwortung

zum Schutz der Umwelt und des Klimas.

Dieser Verantwortung werden wir mit

unseren gezielten Maßnahmen im Rahmen

unserer Klimastrategie gerecht“, sagt

Michael Kobriger, Vorstand Produktion

und Logistik bei MAN Truck & Bus.

Kluges Maßnahmenpaket

Das Unternehmen setzte dafür auf einen

systematischen Ansatz. Neben der Produktion

von Energie in eigenen Anlagen

und einem systematischen Energiemanagement

führte auch eine Steigerung

der Energieeffizienz in der Produktion

zu den gewünschten Verbesserungen.

In den vergangenen Jahren investierte

MAN Truck & Bus rund 40 Millionen

Euro in die CO 2

-Reduktion seines Produktionsnetzwerks.

Maßnahmen zur

Senkung des Energieverbrauchs und

der CO 2

-Emissionen greifen dabei vor

allem im Bereich des Klima- und Energiemanagements:

1. Wichtigster Baustein der Strategie ist

die Umstellung auf Grünstrom: An

den europäischen Produktionsstandorten

wurden 2018 rund 56.500 MWh

Grünstrom bezogen. Das sorgte für

eine Einsparung von umgerechnet

40.000 Tonnen CO 2

. In Lateinamerika

wurden im gleichen Zeitraum 37.200

MWh Grünstrom eingekauft.

Markante Posten in der jährlichen

Bilanz sind die Blockheizkraftwerke an

den Produktionsstandorten München

(minus 9.500 Tonnen CO 2

) und Starachowice,

Polen, (minus 4.000 Tonnen

CO 2

) sowie die Photovoltaikanlage in

90 globalcompact Deutschland 2019


der ersten klimaneutralen Produktion

in Pinetown, Südafrika. Diese spart im

Jahr 680 Tonnen CO 2

ein und versorgt

die gesamte örtliche Produktion mit

regenerativer Energie. Mit Pinetown,

Südafrika, hat MAN seine erste CO 2

neutrale Produktionsstätte.

2. Neue Konzepte bei der Gebäudesanierung,

Energieversorgung, Optimierung

von Beleuchtungs- und Heizungssteuerung.

Auch hier ist das Pinetown-Werk

Vorbild und der erste Standort, der

nach dem Energieeffizienz-Standard

ISO 50.001 zertifiziert wurde.

3. Mehr Effizienz in Transport und Logistik:

Stetige Optimierung der Leergutfahrten

und Ausbau der Kooperation

zwischen MAN und Scania (beide gehören

zum Volkswagen-Konzern). So wurde

etwa ein gemeinsames Zugkonzept

auf hochvolumigen Stecken pilotiert.

4. Sensibilisierung der Mitarbeiter: Dazu

zählt auch der Bereich der Mitarbeiter-Mobilität.

Shuttlebusse und vergünstigte

ÖPNV Tickets sorgen für

Entlastung der Umwelt. Aber auch

bei Geschäftsreisen – vor allem bei

Flügen – setzt MAN auf mehr Achtsamkeit.

5. Verbesserungen in den Bereichen

Recycling und Abfall: Die von MAN

hergestellten Produkte bestehen im

Wesentlichen aus Materialien, die sich

recyceln lassen. Um diese wertvollen

Rohstoffe zu sparen legt MAN z.B. in

den Gießereien einen besonderen

Wert auf die Wiederverwertung von

Metallen. Im Jahr 2018 wurden so

91 Prozent der Abfallmenge wiederverwertet.

Ausblick

Mit Blick auf die Jahre 2025 und 2030

arbeitet MAN aktuell an neuen Zielsetzungen

zur weiteren CO 2

-Reduktion

seiner Standorte. Zentraler Treiber

der Entwicklung ist das Pariser Klimaabkommen

und die Verpflichtungen

der Unterzeichner-Staaten. Das zeigt

sich auch in zunehmender staatlicher

Regulierung: So soll der CO 2

-Ausstoß

neuer Lastwagen und Busse bis zum

Jahr 2030 um 30 Prozent gesenkt werden.

Darauf haben sich Unterhändler

des EU-Parlaments und der EU-Staaten

geeinigt. Die neuen Vorgaben sollen

der EU helfen, ihre Klimaschutzziele

zu erreichen.

Vor allem im Bereich der urbanen Mobilität

und der Busse sieht der Nutzfahrzeughersteller

hier Potenziale: „The

future is electrifying!” heißt es deshalb

bei MAN. Das Verkehrsaufkommen in

den Städten wächst. Die urbane Mobilität

befindet sich im Wandel. Politik,

Städteplaner und Verkehrsbetreiber

stehen dabei vor immer größeren und

komplexeren Herausforderungen. Hier

sind zukunftsfähige Lösungen gefragt

– vor allem beim Personentransport.

Die Photovoltaikanlage in der ersten

klimaneutralen Produktion in Pinetown, Südafrika.

Eine Antwort auf die drängenden Fragen,

die diese Herausforderungen aufwerfen,

heißt MAN Lion’s City. MAN bietet mit

der neuen Stadtbusgeneration effiziente

und klimaschonende Mobilitätslösungen

für den Stadtverkehr, die passgenau auf

individuelle Kunden- und Marktbedürfnisse

abgestimmt sind.

Seit der Auslieferung des ersten Hybridbusses

im Jahr 2010 hat MAN rund 800

MAN Lion‘s City Hybrid-Busse verkauft.

Mit dem vollelektrischen MAN Lion’s

City E komplettiert MAN die neue Stadtbusgeneration

mit einer emissionsfreien

Variante. Immer mehr Großstädte setzen

auf die effiziente und saubere Lösung für

den innerstädtischen Verkehr.

globalcompact Deutschland 2019

91


GOOD PRACTICE

Bilharziose bis 2030

ausrotten: Jedes Kind zählt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat vor mehr als zehn Jahren die Bekämpfung

vernachlässigter Tropenkrankheiten intensiviert und konkrete Ziele festgelegt. Verschiedene

internationale Allianzen unterstützen diese Ziele. Merck hat sich dabei von Beginn an mit viel

Engagement und finanziellem Aufwand eingebracht und konzentriert sich auf die Behandlung

und Ausrottung der Wurmkrankheit Bilharziose. In naher Zukunft soll das seit vielen Jahren

von Merck bereitgestellte Medikament auch für Kleinkinder verfügbar sein.

Von Manfred Klevesath, Head of Global Health, Merck

Fast zwei Milliarden Menschen sind

auf der ganzen Welt von sogenannten

vernachlässigten Tropenkrankheiten

(Neglected Tropical Diseases, NTDs)

betroffen. Sie leben vor allem in den

tropischen und subtropischen Regionen

der Erde. Obwohl die meisten der laut

WHO insgesamt 20 NTDs grundsätzlich

behandelbar sind, fehlt es in den betroffenen

Gegenden vielfach an finanziellen

Ressourcen oder auch an medizinischer

Infrastruktur, um die Krankheiten zu

bekämpfen. Die WHO hat 2011 eine

„Roadmap“ zur Bekämpfung der NTDs

mit Zielen bis 2020 festgelegt. Nun geht

es darum, die Zielsetzungen für die kommenden

zehn Jahre fortzuschreiben.

Merck hat bei dieser neuen „NTD Roadmap

2030“ intensiv mitgearbeitet. Sie

soll in der zweiten Jahreshälfte 2020

eingeführt werden.

Zur Bekämpfung der NTDs müssen alle

relevanten Akteure an einem Strang ziehen.

Dafür wurde im Jahr 2012 die „London

Declaration on Neglected Tropical

Diseases“ ins Leben gerufen. In diesem

Papier verpflichten sich die international

tätigen Akteure dazu, gemeinsam zehn

der in der WHO-Roadmap genannten

Krankheiten zu bekämpfen und, so gut es

geht, auszurotten. Merck hat die London

Declaration von Anfang an unterstützt

und mitgetragen.

Eine der schwerwiegendsten NTDs ist

die Bilharziose, deren Bekämpfung sich

Merck besonders angenommen hat. Das

Unternehmen hat die „Global Schistoso-

92 globalcompact Deutschland 2019


miasis Alliance“ mitbegründet, um die

Vielzahl der in der Bilharziosebekämpfung

tätigen Akteure an einen Tisch zu

bringen. Dieser Verbund entwickelt ganzheitliche

Lösungen, um die Eindämmung

und Ausrottung dieser schwerwiegenden

Wurmkrankheit voranzutreiben.

Merck spendet jedes Jahr bis zu 250

Millionen Tabletten

Bilharziose, auch als Schistosomiasis

bekannt, ist eine parasitäre Wurmerkrankung

und lässt sich besonders schwierig

eindämmen. Die WHO geht davon aus,

dass mehr als 240 Millionen Menschen

pro Jahr behandelt werden müssten.

Schätzungsweise 200.000 Menschen

sterben jährlich daran. Besonders stark

betroffen sind Kinder.

Die Erkrankung kann mit einem Medikament

von Merck wirksam behandelt

werden. Das Unternehmen spendet der

WHO jedes Jahr bis zu 250 Millionen

Tabletten davon. Seit 2007 wurden

bereits mehr als eine Milliarde Stück

bereitgestellt.

Tablettenspenden und medikamentöse

Behandlung allein reichen jedoch nicht

aus, um Bilharziose auszurotten. Erforderlich

ist darüber hinaus ein integrierter

Ansatz. Dazu gehört die Bereitstellung

sauberen Trinkwassers und die Verbesserung

der hygienischen Bedingungen.

Durch die sogenannte Vektorkontrolle

werden außerdem die Schnecken bekämpft,

die dem parasitären Wurm als

Zwischenwirt dienen.

Ganz wichtig ist auch die gesundheitliche

Aufklärung der Bevölkerung.

Konkret unterstützt Merck im Bereich

Gesundheitsvorsorge beispielsweise ein

Projekt mit der NALA-Foundation und

dem äthiopischen Gesundheitsministerium

in der Region Bench Maji im

Südwesten Äthiopiens. Hier testen die

Partner, wie man mit der richtigen Aufklärung,

mit sanitären Maßnahmen, die

an die lokalen Gegebenheiten angepasst

sind, und einer starken Einbindung der

lokalen Gemeinschaften die Verbreitung

von Bilharziose reduzieren kann. Die

Dorfgemeinschaften dort wirken sehr

engagiert mit. Rund 260.000 Schülerinnen

und Schüler in 290 Schulen wurden

bereits mit den Aktivitäten zur Hygieneaufklärung

erreicht.

Aktivitäten gegen Bilharziose mehr

und mehr vernetzen

Die Gesamtbilanz der vergangenen zehn

Jahre zeigt: Die Maßnahmen zur Bekämpfung

der Bilharziose waren durchaus

erfolgreich: 71 Prozent aller behandlungsbedürftigen

Kinder wurden 2017

erreicht. Die Prävalenz, also der Anteil

der an Bilharziose Erkrankten, sank

deutlich. Dr. Johannes Waltz, Leiter des

Merck-Schistosomiasis-Eliminierungsprogramms,

prognostiziert: „In manchen

Teilen Afrikas kann es daher von nun

an tatsächlich möglich sein, Bilharziose

auszurotten, wenn gezielt diagnostiziert

und behandelt wird.“

Für die nähere Zukunft will Merck seine

Aktivitäten zur Ausrottung der Bilharziose

auf allen Ebenen intensivieren.

„Wir wollen unsere Tablettenlieferungen

optimieren, die Tabletten noch mehr

betroffenen Bevölkerungsgruppen –

insbesondere Kleinkindern – zugänglich

machen, und den integrierten Ansatz

verstärken“, umreißt Dr. Waltz die nächsten

Ziele.

Bis 2022 soll ein Medikament verfügbar

sein, mit dem kleine Kinder unter sechs

Jahren wirksam gegen Bilharziose behandelt

werden können. Seit 2012 beteiligt

sich Merck im Rahmen des „Pediatric

Praziquantel Consortium“ an dessen

Entwicklung. Die Forscher arbeiten an

einer optimalen, für Vorschulkinder

geeigneten Formulierung des bewährten

Wirkstoffs. Das neue Medikament

wurde mittlerweile erfolgreich in einer

klinischen Studie in der Elfenbeinküste

erprobt. In Kenia begann vor kurzem die

erste Phase-III-Studie mit Kindern im

Alter von drei Monaten bis sechs Jahren.

Intern bündelt Merck diese Forschungsund

Entwicklungsaktivitäten zur Verbesserung

der Bilharziosebehandlung

im „Global Health Institute“. Das Institut

koordiniert aber auch die Entwicklung

weiterer neuer Medikamente und Impfstoffe

gegen übertragbare Krankheiten.

Die 2017 gegründete Einrichtung hat

wesentlich dazu beigetragen, dass Merck

den sehr guten vierten Platz im „Access

to Medicine Index“ (ATMI) belegt. Dieses

Ranking untersucht, was die 20 größten

globalen Pharmakonzerne unternehmen,

um in über 100 Ländern mit geringem

oder mittlerem Einkommen den Zugang

zu Medikamenten zu verbessern.

Mit seinen zahlreichen Aktivitäten

zur Bekämpfung der Bilharziose trägt

Merck zur Verwirklichung des SDGs 3

bei, das Gesundheit und Wohlergehen

der Menschen in den Vordergrund stellt.

Besonders unterstützen die Aktivitäten

des Unternehmens die Umsetzung des

SDG 3.3, mit Fokus auf die Ausrottung

der NTDs bis 2030.

globalcompact Deutschland 2019

93


GOOD PRACTICE

Die erste klimaneutrale

Klimaanlage der Welt

Die beiden Sommer 2018 und 2019 übertrafen alle Hitzerekorde, und in 2020 sollen die Hitzetage

weiter ansteigen, meinen die Klimaforscher der Vereinten Nationen. Neben gesundheitlichen

Beschwerden wie Herz-Kreislaufproblemen und Atembeschwerden kommen speziell beim

Arbeiten sinkende Konzentration und Leistungsprobleme hinzu, die laut wissenschaftlichen

Studien zu enormen Produktivitätsverlusten in Milliardenhöhe führen können.

Von Gabriele Renner, Apothekerin und CEO, pervormance international

Fakt ist: Der Klimawandel bedroht die

Leistungsfähigkeit von Unternehmen.

Das ist aber noch nicht alles. Selbstverständlich

leidet bei hohen Temperaturen

auch das Wohlbefinden der Menschen.

Betroffene mit Vorerkrankungen wie

Multiple Sklerose, Parkinson, Venenleiden

etc. haben enorme Probleme, den

Lebens- und Arbeitsalltag bei hohen Temperaturen

überhaupt noch zu bewältigen.

Für Ältere und Kranke kann der Sommer

im schlimmsten Fall lebensgefährlich

werden. Das zeigen die Studien der Charité

oder des Helmholtz- Instituts, die bei

chronischen Lungenerkrankungen oder

bei Herz-Kreislaufvorerkrankungen ein

höheres Sterberisiko an Hitzetagen oder

bei Hitzewellen von bis zu 43 Prozent

eruiert haben.

Die wenigsten Gebäudeeigentümer, Unternehmen

und Stadtveranwortlichen

planen die Hitze mit ein. Eine umweltfreundliche

Klimatisierung wird immer

noch als überflüssiger Luxus angesehen.

Das geht auf Kosten der Umwelt und der

Gesundheit der Menschen. Denn gerade

dort, wo zusätzliche Kühlung am nötigsten

wäre, in Schulen, Seniorenzentren

oder Krankenhäusern, ist Klimatisierung

Mangelware. „Die Kühlung von Gebäuden

ist mittlerweile schon zwischen

März und November nötig“, betont Prof.

Dr. Uwe Franzke vom Institut für Luftund

Kältetechnik in Dresden gegenüber

dem mdr. Dies variiert natürlich je nach

Sonneneinstrahlung, Himmelsrichtung

und Bauweise. Die Hitze kommt. Vorbereitet

sind wir darauf nicht. Stadtplaner

bauen zu hoch und zu dicht für kühle

Luft. Pflanzen, Bäume oder Parks sind

Mangelware. Politiker blenden den Sommer

in der Energiedebatte eher aus, und

moderne Architekten entwerfen transparente

Schwitzkästen und erhalten dafür

Designpreise. Im Sommer klettert die

Stromlast inzwischen auf Spitzenwerte.

Im Hitzesommer 2013 wurde sogar von

bis zu 20 Prozent mehr Stromverbrauch

als im Winter berichtet. Das feuert auch

den CO 2

-Ausstoß und damit den Klimawandel

mit noch mehr Hitzetagen

weiter an. Draußen über 30 Grad, drinnen

kaum kälter – so sind die Sommer

inzwischen in Deutschland.

Gerade die nachträglich

eingebauten, kleinen

Klimageräte benötigen

enorm viel Energie.

Aber auch der

CO 2

-Ausstoß von

modernen Klimaanlagen,

die auch noch

staatlich gefördert

werden, ist enorm

und damit, was das

1,5°C Ziel angeht,

kontraproduktiv.

Alternativen sind gesucht.

In Gebäuden,

aber natürlich auch

im Freien. Denn die

Hitzebelastung in der

prallen Sonne ist noch

deutlich höher, und hinzu kommt die

UV-Strahlung, die weitere Gesundheitsprobleme

mit sich bringen kann. Bereits

2015 meldete die Berufsgenossenschaft

Bau deutlich mehr Hitzetote und seit

kurzem ist Hautkrebs als Berufskrankheit

anerkannt mit – steigenden Zahlen.

Es stellt sich in Hinsicht auf die steigenden

Temperaturen energetisch auch

die Frage, weshalb man den ganzen

Raum kühlen muss, wenn man doch

eigentlich nur den einzelnen Menschen

kühlen will. Um möglichst wenig fossile

oder elektrische Energie zur Kühlung zu

verwenden, bietet sich physikalisch die

94 globalcompact Deutschland 2019


Verdunstungskühlung von z.B. Wasser

an, die im Verhältnis die höchste Kühlenergie

erzeugt und dabei einfach mit

den hohen Temperaturen arbeitet, die

man sowieso loswerden will.

Hierzu benötigt man jedoch eine Technologie

mit einer möglichst großen

Wasseroberfläche, aus der bei hohen

Temperaturen Wassermoleküle schnell

und effektiv verdunsten können und

damit ein Maximum von 660 Watth/l

Kühlenergie erzeugt werden kann.

Der Kühleffekt ist enorm. Selbst unter

Schutzkleidung ist mit Infrarotmessung

eine Temperaturreduktion am Körper

von bis zu 12 °C im Vergleich zur Hitzesituation

nachweisbar. Das System ist

bereits in sportwissenschaftlichen Studien,

Untersuchungen von Forschungsinstituten

und vielen Anwendungsbeobachtungen

getestet und für gut befunden.

Führende Unternehmen, Spitzensportler

und öffentliche Einrichtungen nutzen

das Kühlsystem bereits.

Das führende Unternehmen in Bezug auf

Klimaschutzberatung climate partner

aus München hat zudem berechnet, dass

durch den Einsatz von E.COOLINE Kühlbekleidung,

z.B. in Form von Kühlwesten

oder T-Shirts, 90 bis 97 Prozent CO 2

gespart werden können. Somit können

private Haushalte, Unternehmen und

öffentliche Einrichtungen Beschäftigte

und Bewohner klimaneutral kühlen

und somit Gesundheit, Leistungsfähigkeit

und Wohlbefinden auch in Zeiten

des Klimawandels schützen und dabei

enorme Mengen CO 2

sparen.

Das Unternehmen pervormance

international, das das Bekleidungssystem

entwickelt und patentiert hat, ist zudem

bereits seit 2013 klimaneutral, Mitglied

im UN Global Compact und hat den Klimaschutzpreis

des Senat der Wirtschaft

2019/2020 erhalten. Durch die Verwendung

von Abfallfasern und entsprechendes

Upcycling sowie die Verwendung von

Naturstrom und weiteren Maßnahmen

zum Umweltschutz werden die CO 2

-

Emissionen soweit wie möglich reduziert.

Die unvermeidbaren Emissionen werden

durch ein zertifiziertes Waldschutzprojekt

in Papua Neuguinea kompensiert.

Somit ist die E.COOLINE-Kühlbekleidung

die erste klimaneutrale Klimaanlage der

Welt – zum Anziehen – und sowohl

Indoor als auch Outdoor geeignet.

Genau eine solche Technologie wurde

in den letzten Jahren für aktiv kühlende

Bekleidung entwickelt. Die Systemtechnologie

enthält ein 3-D-Vlies, das Wassermoleküle

auf einer extrem großen

Oberfläche speichern kann. Das Wasser

entweicht nicht auf Druck, wodurch

sich ein perfektes Reservoir ergibt, das

gleichzeitig auch zum Körper hin und

auf der Oberfläche trocken ist. Bei hohen

Temperaturen entweichen dann die

Wassermoleküle gasförmig in Form von

Wasserdampf und erzeugen eine effektive

Kühlleistung. Durch das Reservoir

hält die Kühlleistung mehrere Stunden

an und kann vor allem in Sekunden erzeugt

werden. Dieses System funktioniert

sowohl in Räumen als auch im Freien.

1a

1b

Klimatisierung Szenario 1 Jahr 3 Jahre

Klimaanlage

(hohe Leistungsaufnahme)

Klimaanlage

(niedrige Leistungsaufnahme)

2 Kühltextilien

(Bsp. kühlendes T-Shirt)

579 kg CO 2

1.737 kg CO 2

409 kg CO 2

1.227 kg CO 2

38 kg CO 2

45 kg CO 2

Die Ergebnisse weisen auf eine CO 2

-Reduktion von mindestens 367 kg CO 2

(Szenario 1b, 1 Jahr) bis zu einer Reduktion von 1.692 kg CO 2

(1a, 3 Jahre) hin.

Das entspricht einer relativen Emissionsreduktion von 90 bis 97 Prozent, wenn

anstatt einer Klimaanlage E.COOLINE Kühltextilien genutzt werden.

Da man keine externen Energiequellen

hierfür benötigt, ist die Kühlleistung

diesbezüglich klimaneutral. Durch das

Design der Bekleidung und die Anordnung

des Vlieses im Gesamtsystem der

Stoffkonstruktion können daraus Kühlwesten,

kühlende T-Shirts, Arm- und

Beinkühlung aber auch jegliche Arten

von Kopfbedeckungen und vieles mehr

produziert werden. Die Produkte sind

leicht und angenehm zu tragen, haben

unterschiedliche Designs und sehen in

der Regel aus wie ganz normale Kleidung.

globalcompact Deutschland 2019

95


GOOD PRACTICE

Symrise – Einsatz für

Nachhaltigkeit

Erfolgreich und zugleich nachhaltig wirtschaften – bei Symrise gehört das fest zur Unternehmensphilosophie.

Die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, die

Sustainable Development Goals (SDGs), geben für das weltweit tätige Unternehmen mit

Hauptsitz in Holzminden (Deutschland) die Richtung vor.

Von Christina Witter und Friedrich-Wilhelm Micus, Symrise

In diesem Kontext ist sich Symrise bewusst;

die nachhaltigen Entwicklungsziele

erreicht man vor allem gemeinsam

mit gleichgesinnten Partnern. Deshalb

arbeitet das Unternehmen eng mit Lieferanten

und Partnern zusammen und

engagiert sich in zahlreichen Initiativen

und Kooperationen zum globalen Austausch

von Wissen und Technologien.

Als Hersteller von Duft- und Geschmackstoffen,

kosmetischen Grund- und Wirkstoffen

sowie funktionalen Inhaltsstoffen

für Lebensmittel mit breit angelegtem

Geschäftsmodell sieht Symrise es als

Abb. 1

Biodiversität,

Verantwortung

Nachhaltige Forstwirtschaft,

Biodiversität,

Reduktion von Emissionen,

Innovative & nachhaltige Produkte

Ressourcenschonung, Reduktion

von Emissionen, Innovative & nachhaltige

P rodukte, Gewährleistung höchster

Qualität & Produktsicherheit,

Verantwortungsvolle Bescha

Lokale Wertschöpfung

Transparenz &

Glaubwürdigkeit

Compliance,

Lokale Wertschöpfung

Anlagensicherheit

Lokale Wertschöpfung

Arbeitssicherheit & Gesundheit, Einhaltung

von Menschenrechten, Vielfalt & Chancen -

gleichheit,Anlagensicherheit

Tierwohl

Arbeitssicherheit & Gesundheit

seine Pflicht, sämtliche nachhaltigen

Entwicklungsziele im Blick zu behalten.

Darüber hinaus hat Symrise analysiert,

zu welchen Zielen es den größten Beitrag

leisten kann. Vier Beispiele, die den Beitrag

zu fünf SDGs beleuchten, soll dieser

Beitrag im Folgenden beschreiben

(Abb. 1).

Mitarbeiterförderung &

-entwicklung

Vielfalt & Chancengleichheit

Reduktion von Emissionen

Wasser

SDG 8: Menschenwürdige

Arbeit und Wirtschaftswachstum

Das Nachhaltigkeitsziel

8 betrifft

die Arbeit bei

und mit Symrise

selbst. Bestmögliche,

gleichberechtigte

und sichere

Arbeitsbedingungen,

das soll für

Beschäftigte wie

auch Lieferanten zum

Alltag gehören. Bevor

Symrise mit einem Zulieferer

oder Geschäftspartner

zusammenarbeitet, muss er den Symrise

Code of Conduct anerkennen, der unter

anderem humane Arbeitspraktiken

und menschenwürdige Beschäftigung

festschreibt.

Konkret hatte sich Symrise vorgenommen,

dass der Frauenanteil bis 2025

auf der ersten globalen Führungsebene

unterhalb des Vorstandes mindestens

20 Prozent, auf der zweiten globalen

Führungsebene mindestens 25 Prozent

betragen sollte. Im Jahr 2018 hat Symrise

zudem an den großen Standorten die

Gehälter seiner Mitarbeiter analysiert

und keine signifikanten Abweichungen

in der Bezahlung von Männern und

Frauen festgestellt.

SDG 12: Verantwortungsvoller Konsum

und nachhaltige Produktion

Um das Nachhaltigkeitsziel 12 zu erreichen,

hat Symrise gleich mehrere

Initiativen gestartet. Bis 2025 ist eine

Erhöhung der Öko-Effizienz der Treibhausgasemissionen

(Scope 1 und 2) um

50 Prozent bezogen auf das Basisjahr

2016 sowie die Wertschöpfung geplant.

Zudem will das Holzmindener Unternehmen

den Umfang seiner sensitiven

Abfälle und Abwässer verringern. Auf

dem Weg zu nachhaltigeren Produkten

nutzt Symrise vermehrt Verfahren der

grünen Chemie: Bestehende Produkte

und Prozesse entwickeln Mitarbeiter

so weiter und optimieren sie, dass sie

weniger Rohstoffe und andere Ressour-

96 globalcompact Deutschland 2019


Lavendel

Erst der Duft von Lavendel macht viele Produkte von Symrise möglich. Lavendel-Öl ist wichtiger Bestandteil der feinsten

Parfums. Gleichzeitig steckt der Duftstoff auch in Seifen, Waschmitteln und Cremes. In der Provence prägen blau-violette

Felder seit Jahrhunderten die Landschaft. Der größte Teil der Ernte geht in die Duftstoffindustrie. Symrise engagiert sich in

den Lavendel-Anbaugebieten unter anderem in der Forschung. In Laboren und auf Versuchsfeldern verfolgen Wissenschaftler

verschiedene Ansätze, um die Pflanzen zum Beispiel widerstandsfähiger gegen bestimmte Bakterien zu machen. Der

Einsatz von Pestiziden verbietet sich, um die Zahl der ohnehin bereits stark gefährdeten Bienen, die den Lavendel bestäuben,

zu erhalten. Symrise bemüht sich, hier den Schutz der Biodiversität weiter zu verbessern. Dazu trägt etwa eine neue

Erntemaschine von CRIEPAM bei: Eine speziell geformte Röhre vor dem Schnittwerkzeug sorgt dafür, dass die Zahl der

Bienen, die während der Ernte getötet werden, um 50 Prozent sinkt. Gleichzeitig schneidet das Gerät nur das obere Drittel

der Pflanzen ab. Das spart am Ende Diesel, da nur die Blüten ohne Stängel zu den Destillen transportiert werden müssen.

Die Destillation selbst spart ebenfalls Energie, schließlich benötigt man für weniger Material auch weniger Dampf. Folglich

steigt auch die Qualität des Öls, weil die wichtigsten Bestandteile vor allem in den Blüten sitzen. Wie bei vielen anderen

Naturstoffen auch bleibt der Lavendel-Anbau nur dann langfristig ertragreich, wenn er sich nachhaltig ausrichtet.

cen wie Energie und Wasser einsetzen

müssen. Für zahlreiche Produkte gibt

eine umfangreiche „Product Sustainability

Scorecard“ Auskunft über die

Auswirkungen der einzelnen Inhaltsstoffe

entlang der Wertschöpfungskette

und weist unter anderem Daten zum

Wasserverbrauch, zu CO 2

-Emissionen

und Landverbrauch aus. Ein Weg zur

ressourcenschonenderen Industrie ist

auch der Einsatz von Seitenströmen

aus der land- und forstwirtschaftlichen

Produktion. Beispiele für solche Nebenprodukte

sind Rohsulfat-Terpentin aus

der Zellstoff- und Papierindustrie sowie

D-Limonen aus der Zitrus-Industrie.

SDG 13: Maßnahmen zum Klimaschutz

Klimaschutz als nachhaltiges Entwicklungsziel

gehört bei Symrise fest zur

Unternehmensstrategie. Von seinen

Lieferanten erwartet Symrise bis 2020

eigene Klimaziele und Maßnahmen zur

Reduktion von Treibhausgasen. Im Geschäftsjahr

2018 ist es Symrise erneut

gelungen, seine CO 2

-Emissionen in Bezug

auf die Wertschöpfung zu verringern –

und zwar um drei Prozent im Vergleich

zum Vorjahr. Von 2010 bis 2018 hatte

Symrise in Bezug auf die Wertschöpfung

bereits 45 Prozent einsparen können.

Der Konzern aus Niedersachsen veröffentlicht

schon seit Jahren zahlreiche

Klimadaten in seinen Unternehmensberichten

sowie im Rahmen verschiedener

Klima-Initiativen.

SDG 14 und 15: Biodiversität – an Land

und im Wasser

Die Nachhaltigkeitsziele 14 und 15

betreffen den Schutz der Biodiversität

– ein essenzielles Anliegen von Symrise.

Denn um stetig Düfte und Aromen

kreieren zu können, ist Symrise auf die

globale Artenvielfalt als Quelle natürlicher

Rohstoffe angewiesen. Symrise

hat die UN-Biodiversitätskonvention

unterzeichnet und eine eigene Biodiversitätsagenda

implementiert. Um nachhaltige

Anbausysteme zu stärken, ist der

Holzmindener Konzern der Sustainable

Agriculture Initiative (SAI) beigetreten,

der die 90 wichtigsten Lebensmittelhersteller

und -zulieferer angehören.

Bauern und Rohstofflieferanten, mit

denen Symrise zusammenarbeitet, müssen

bestimmte Kriterien erfüllen, wenn

es um die Wasser- und Landnutzung,

die Düngung und den Pflanzenschutz

geht. Mit verschiedenen Maßnahmen

und Initiativen trägt Symrise außerdem

dazu bei, dass die Biodiversität der Meere

erhalten bleibt.

Fazit

Symrise ist sich seiner Verantwortung

bewusst: Nachhaltigkeit ist für das Unternehmen

Verpflichtung und zugleich

Voraussetzung, um auch in Zukunft erfolgreich

wirtschaften zu können. Denn

die Bewahrung natürlicher Ressourcen

ist eine Voraussetzung für ihre künftige

Nutzung. Daher ist Nachhaltigkeit für

Symrise ein wesentlicher Bestandteil

seiner Unternehmensstrategie.

globalcompact Deutschland 2019

97


GOOD PRACTICE

Überprüfung von Sozialund

Umweltstandards in

globalen Lieferketten

In einer immer komplexer werdenden Handelswelt nimmt auch die Komplexität der globalen

Lieferketten zu. Dabei ist die Verantwortung des Herstellers groß: Er muss sicherstellen, dass

all seine Lieferanten verantwortungsvoll mit Mensch und Umwelt umgehen. Mit der Durchführung

von Supply Chain Audits will TÜV Rheinland gewährleisten, dass Standards rund um

Umweltauswirkungen, Arbeitsbedingungen, Gesundheit oder Arbeitssicherheit in möglichst

vielen Branchen und Regionen vorangetrieben werden.

Von Susanne Dunschen, Corporate Development, CSR & Sustainabililty, TÜV Rheinland

Es sind sensible Fragen, die Thomas

Seliga stellt. Es geht um das Alter, das

Verhalten von Vorgesetzten, möglichen

Missbrauch. Neben dem Fragebogen,

den er mit sich führt, sind Einfühlungsvermögen

und Respekt die wichtigsten

Grundvoraussetzungen, mit denen er

in die vertraulichen Gespräche geht.

Mit Feingefühl erarbeitet der Auditor,

ob die Antworten seines Gegenübers

ehrlich sind – oder vom Management

vorgegebene Phrasen. „Bei jedem Sozialaudit

steht der Austausch mit den

Mitarbeitern im Mittelpunkt“, betont

er. Thomas Seliga ist für TÜV Rheinland

im Einsatz, um entlang der Produktionsund

Lieferketten Arbeitsbedingungen zu

auditieren. Im Auftrag von Fabrikbetreibern,

Herstellern oder Handelsunternehmen

überwachen insgesamt über 200

Auditoren, dass Zulieferer anerkannte

Sozialstandards oder Regelwerke einhalten.

Und das weltweit. Denn es gibt

kaum ein Produkt, das nicht im Verbund

hergestellt wird, nur so entstehen Konsumgüter

für viele Märkte. Schon bei

einer Jeans kommen über zwei Dutzend

Zulieferer zusammen. Beim Smartphone

sind es locker über 100. Und beim Auto

sind es schnell Tausende.

Verbot von Kinderarbeit

Es gibt mehrere anerkannte Standards,

nach denen TÜV Rheinland prüft. Deren

gemeinsamer Nenner: das lokal geltende

Recht und grundlegende Forderungen

der Arbeitsorganisation der Vereinten

Nationen ILO. Deren Standard etwa, die

SA 8000, schreibt das Verbot von Kinder-

und Zwangsarbeit, das Recht auf

Vereinigungsfreiheit, eine Höchstgrenze

von 60 Stunden pro Woche und die

Garantie existenzsichernder Löhne fest.

Bei anderen Audits kommt der amfori

BSCI-Verhaltenskodex zum Einsatz. Er

ergänzt die UN-Vorgaben mit Umweltaspekten

wie der Einhaltung der Mindestanforderungen

für Emissionen, für den

Umgang mit Chemikalien und anderen

gefährlichen Stoffen.

TÜV Rheinland gehört zu den sechs

am meisten nachgefragten Anbietern,

allein im Jahr 2018 haben die Auditoren

des Unternehmens 10.000 Sozialaudits

durchgeführt. Schwerpunktregionen

sind unter anderem Bangladesch,

Indien und China – Schwellenländer,

in denen die Produktionsstätten

für Textilien, Pharma oder Elektrogeräte

angesiedelt sind. Mit einem

2018 gestarteten Strategievorhaben

bringt der Prüfdienstleister die Sozialaudits

in weitere Länder und Branchen.

Denn immer mehr Endkunden fordern

die soziale Verantwortung von Herstellern

ein: Welches Smartphone, welche

Jeans wird unter fairen Arbeitsbedingungen

gefertigt? „Das Bewusstsein der

Stakeholder für nachhaltigen Konsum

ist in den vergangenen Jahren deutlich

gestiegen“, erklärt Michael Weppler, Leiter

des Geschäftsbereichs Systeme. Selbst

am Kapitalmarkt werde immer mehr

Transparenz über die Corporate Social

Responsibility-Praktiken von Unternehmen

einschließlich ihrer Lieferkette

eingefordert, betont Weppler.

98 globalcompact Deutschland 2019


Bis zu fünf Tage vor Ort

Ein aussagekräftiges Sozialaudit erfordert

Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit. Bei

einem Unternehmen mit über 1.000

Mitarbeitern etwa sind Auditoren bis zu

fünf Werktage vor Ort. Sie führen Gespräche

mit dem Management, überprüfen

die Betriebserlaubnis, die Lohnlisten –

und sprechen mit Mitarbeitern. Thomas

Seliga ist seit 15 Jahren im Einsatz. Wie

auch seine Kollegen ist er umfassend geschult,

neue Mitarbeiter werden aufwendig

im Tandem mit erfahrenen Kollegen

eingearbeitet. Und das nicht ohne Grund.

„Erfahrung ist immens wichtig“, schildert

der Auditor, „denn nicht selten kommt es

vor, dass die zunächst positiven Eindrücke

täuschen.“ Doch dann melde sich die

Intuition. Und auf die scheinbar beiläufige

Frage, wo dokumentiert ist, welche

Stoffe die Mitarbeiter abends zum Nähen

mit nach Hause nehmen müssen, führt

ein beflissener Mitarbeiter den Besucher

zu einem Regal mit den entsprechenden

Ordnern – ein Verstoß, mit dem der

Arbeitgeber versucht, die Höchstgrenze

der Arbeitszeit auszuhebeln.

Auditoren nehmen keine behördliche,

polizeiliche oder staatliche Aufsichtspflicht

wahr. Alle Prüfresultate fließen

in einen Bericht ein, dieser wird dem

Auftraggeber übermittelt. K.-o.-Kriterien

wie Kinder- und Zwangsarbeit oder

Falschaussagen in kritischen Punkten

führen direkt zu einer nicht erfolgreich

abgeschlossenen Prüfung. Weniger kritische

Verbesserungsbedarfe und Unklarheiten

werden im Bericht dokumentiert

und sollen – je nach Standard und Einkäufervorgabe

– innerhalb bestimmter

Fristen behoben werden.

Positiver Beitrag

Auditoren haben sich der Neutralität

verschworen, Integrität ist die Basis des

Geschäfts. „Wir schützen nicht nur die

Marke unserer Kunden, sondern auch

unsere eigene Reputation“, betont

Michael Weppler. TÜV Rheinland zählt

Baumarktketten, weltweite Handelsriesen

und Elektronikkonzerne zu seinen

Kunden. Damit nicht jeder Hersteller

gesondert jeden Zulieferer auditieren

muss, gibt es gemeinsame Brancheninitiativen,

um Standards und Prozesse zu

vereinheitlichen. Bei einem Dutzend der

führenden Initiativen ist TÜV Rheinland

aktiv. „Sozialaudits sind dazu geeignet,

einen positiven Beitrag zur Wahrung

von Menschenrechten zu leisten und

besonders die Situation von Kindern und

Frauen weltweit zu verbessern.“ Davon

ist Thomas Seliga überzeugt.

globalcompact Deutschland 2019

99


GOOD PRACTICE

„Geerdetes“ Klima-Konzept

für neues Bürogebäude

Weidmüller geht bei der Wärmeversorgung seiner Betriebsgebäude neue Wege. Für das

Anfang 2019 eröffnete neue „Customer & Technology Center“ (CTC) wurde eine der größten

Geothermieanlagen der Region installiert. Die Nutzung der regenerativen Energie lohnt sich

für den Elektrotechnikhersteller sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch.

Von Carsten Nagel, Manager External Communication, Weidmüller Gruppe

Als eines der ersten deutschen Unternehmen

erhielt Weidmüller zu Beginn

dieses Jahrzehnts die ISO-50001-Zertifizierung

für sein Energiemanagement.

Alle Energieflüsse im Betrieb werden

erfasst und hinsichtlich ihrer Energieeffizienz

bewertet. Weidmüller bekennt

sich zu ambitionierten klimapolitischen

Zielen und wurde dafür bereits 2013 von

der gleichnamigen unternehmerischen

Exzellenzinitiative für Klimaschutz und

Energieeffizienz zum Klimaschutzunternehmen

ernannt.

Gerade bei der Wärmegewinnung geht

Weidmüller neue Wege. In einer 2011

errichteten Produktionshalle wird

beispielsweise die Abwärme von Produktionsmaschinen,

Druckluftanlage,

Kältemaschinen und ähnlichen Anlagen

für Geräte wie Wandlufterhitzer,

Lüftungsanlagen, Büroheizgeräte und

Rampenheizungen genutzt.

Die 12.000 Quadratmeter Bürofläche

des zu Jahresbeginn eröffneten „Customer

& Technology Center“ (CTC) werden

wiederum mithilfe einer der größten

Geothermieanlagen der Region beheizt

und klimatisiert.

Geothermieanlage: ökologisch und

ökonomisch gewinnbringend

Weidmüllers Maßnahmen für mehr

Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer

Energien lohnen sich ökologisch

und adressieren vor allem das

UN-Nachhaltigkeitsziel 13 (Maßnahmen

zum Klimaschutz). Darüber hinaus erfüllt

die Geothermieanlage für das CTC

die Anforderungen der Energieeinsparverordnung

(EEV) mehr als genug. Ihr

Energiebedarf liegt nämlich 45 Prozent

niedriger als vorgeschrieben.

Aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht ist

die Erdwärmegewinnung lohnend: Die

Betriebskosten für die gesamte Anlage

liegen deutlich unter dem Aufwand

für eine herkömmliche Heizungsanlage

für vergleichbar große Gebäude. Hinzu

kommt die erwartete lange Lebensdauer

von mehr als 50 Jahren. Bereits im

ersten Betriebsjahr des Systems sanken

die Energiekosten und auch die CO 2

-

Emissionen deutlich. Die durchaus beachtliche

Investitionssumme wird sich

wahrscheinlich schon nach zehn Jahren

amortisiert haben.

Äußerlich ist von der Geothermieanlage

nach Fertigstellung des Gebäudes, das

470 Mitarbeitern der Stabs- und Entwicklungsabteilungen,

der Geschäftsleitung,

des Controllings und des Marketings

Platz bietet, nichts zu sehen. Dabei

wurden dafür auf dem Außengelände

210 Bohrungen in jeweils sechs Meter

Abstand voneinander ins Erdreich getrieben.

In jedes der maximal 50 Meter tiefen

Löcher wurde eine Sonde installiert,

die das Wasser für das Klimatisierungssystem

des CTC mit Wärme aus den tiefen

Erdschichten „auftankt“, das dann in

den Heiz-/Kühlkreislauf eingeleitet wird.

Vier Jahre haben die Planungen für

das neue Bürogebäude gedauert, bis

2017 der erste Spatenstich erfolgte. Ein

„Leuchtturm“ für die Marke und das Unternehmen

Weidmüller sollte entstehen,

hatte Finanzvorstand Jörg Timmermann

damals verkündet. Intensiv befassten

sich die Planer um Projektleiter Heinz

Braunst und Facility-Management-

Leiterin Helene Derksen-Riesen mit der

Frage, wie das CTC möglichst effizient

und ressourcenschonend zu heizen und

klimatisieren wäre. Die benötigte Wärmeleistung

hatten Fachberater auf circa

620 Kilowatt beziffert.

Oberflächennahe Geothermie

benötigt wenig Zusatzenergie

Schnell rückte eine oberflächennahe

Geothermieanlage in den Blick. Denn

Erdwärme als Energiequelle muss nicht

eigens erzeugt werden und steht überall

zur Verfügung. Zusätzliche Energie muss

lediglich für den Betrieb der Wärmepumpen

zugeführt werden. Konkret

100 globalcompact Deutschland 2019


edeutet das, dass die Temperatur des

ungestörten Sondenfeldes circa zwölf

Grad Celsius beträgt. Die Wärmepumpen

machen daraus 45 Grad Celsius Vorlauftemperatur.

Den dafür notwendigen

Energiebedarf beziffert der Bundesverband

Geothermie auf etwa 25 Prozent

der Gesamtheizleistung. Zum Vergleich:

In herkömmlichen Heizungsanlagen

beträgt die Vorlauftemperatur 50 bis

60 Grad. Es muss also wesentlich mehr

Energie zum Aufheizen des Umlaufwassers

zugeführt werden.

Für das Erdwärmesystem bei Weidmüller

sollten ursprünglich 120 Wärmesonden

in eine Tiefe von 100 Metern eingebracht

werden. Bei vorbereitenden geologischen

Untersuchungen wurden allerdings

Anhydrit-Schichten gefunden. Anhydrit

wird bei Kontakt mit Wasser zu Gips

umgesetzt, wobei es zu einer Volumenvergrößerung

kommt. Das Absenken der

Wärmesonden in diese Schichten hätte

das Risiko sogenannter Hebungsrisse auf

der Erdoberfläche erhöht.

Um trotzdem die geforderte Wärmeleistung

zu erreichen, wurde deshalb nur 50

Meter tief gebohrt. In dieser Erdschicht

ist es etwa drei Grad kühler als in der

doppelten Tiefe. Deshalb wurde die Zahl

der Sonden fast verdoppelt.

Die unteren Erdschichten werden durch

die „Entnahme“ von Wärme übrigens

nicht dauerhaft abgekühlt. Denn über

das Jahr gesehen ist die Temperaturbilanz

ausgeglichen, weil erwärmtes Kühlwasser

über die Wärmesonden zurück

in die Erde geleitet wird.

Intelligente Klimasteuerung sorgt

für angenehme Temperaturen

Von all dem Installationsaufwand merken

die Weidmüller-Mitarbeiter nichts

– außer, dass sie von einem besonders

angenehmen Raumklima profitieren,

das auch Menschen gut vertragen, die

auf Klimaanlagen empfindlich reagieren.

Dafür verantwortlich ist die Technik in

den Decken, durch die das geothermisch

erwärmte Wasser in Rohren geführt wird.

Von oben strahlt entweder warme oder

kühlere Luft flächig in die Räume ab.

Für die richtigen Temperaturen in jedem

Winkel des CTC sorgt eine intelligente

Klimasteuerung. Das gesamte Gebäude

wurde in verschiedene, separat regelbare

Zonen eingeteilt. Während ein Bereich

beheizt wird, kann anderswo beispielsweise

gleichzeitig gekühlt werden. Die

Besprechungsräume erhielten noch eine

Zusatzausstattung. CO 2

-Sensoren wachen

dort darüber, dass die Luft frisch bleibt.

Ist sie verbraucht, wird verstärkt Frischluft

nachgeführt.

Für die meisten Kühlaufgaben reicht die

unveränderte Temperatur des Wassers

aus der Geothermieanlage völlig aus.

Nur etwa 30 Prozent der Kühlenergie

muss zusätzlich erzeugt werden. In der

Gesamtbilanz zeigt sich, dass für die

Klimatisierung des CTC – auch wegen

der guten Gebäudeisolation – weniger

Heiz- als Kühlenergie benötigt wird.

Technik in den Decken sorgt

für ein gutes Raumklima.

globalcompact Deutschland 2019

101


GOOD PRACTICE

Klimaschutz in der DNA

Umwelt- und Effizienztechnologien gehört die Zukunft – mit innovativen und nachhaltigen

Lösungen ökologische Herausforderungen meistern. Wilo als führender Premiumhersteller von

Pumpen und Pumpensystemen hilft weltweit nicht nur dabei, die Energie- und Wasserversorgungssysteme

zu modernisieren, sondern trägt mit seinen intelligenten Systemlösungen

nachhaltig dazu bei, den globalen Energie- und Wasserverbrauch signifikant zu senken. Damit

leistet die Wilo Gruppe einen wichtigen Beitrag, um den Klimawandel zu entschleunigen und

die Klimaschutzziele der Agenda 2030 zu erreichen.

Von Ricarda-Marie Pomper, Director Corporate Social Responsibility, Wilo

Green Technology als Chance

Wirtschaftlichen Erfolg sichern und

gleichzeitig die natürliche Lebensgrundlage

heutiger und künftiger Generationen

schützen?

Für die meisten Menschen stellt dies

ein Gegensatz dar. Die „grünen“ Zukunftsmärkte

allerdings zeichnen sich

dadurch aus, dass sie einerseits für die

Erhaltung der Umwelt eine Schlüsselrolle

einnehmen und sie andererseits

wirtschaftlich ausgesprochen bedeutungsvoll

sind.

Weltweit steigt die Nachfrage an Umweltund

Klimaschutztechnologien sowie an

Produkten und Lösungen, die umweltfreundlich

und ressourcenschonend sind.

Laut Bundesumweltministerium wird

das globale Volumen der sechs „grünen“

Leitmärkte 2025 voraussichtlich

bei 5.902 Milliarden Euro liegen.

Außer Zweifel steht: Um die im Pariser

Klimaschutzabkommen und in der

Agenda 2030 festgesetzten Ziele zu erreichen,

sind Produkte, Verfahren und

Dienstleistungen der Umwelttechnik

und Ressourceneffizienz unverzichtbar.

Nachhaltiges Denken und Handeln

Kern der Wilo-Nachhaltigkeitsstrategie

ist es, mehr Menschen mit sauberem

Wasser zu versorgen bei gleichzeitig

reduziertem ökologischen Fußabdruck.

Durch den Einsatz ihrer Produkte und

Lösungen wird die Wilo Gruppe bis 2025

dafür sorgen, dass etwa 100 Millionen

Menschen einen besseren Zugang zu

sauberem Wasser haben werden.

„Klimaschutz ist Teil unseres Geschäftsmodells“,

so Oliver Hermes. „Die Arbeit

mit den kostbaren Ressourcen Wasser

102 globalcompact Deutschland 2019


und Energie sowie der Umgang mit dem

zu schützenden Klima setzen nachhaltiges

Denken und Handeln voraus. Dies ist

bei Wilo fest in der Unternehmenskultur

verankert“, unterstreicht der Vorstandsvorsitzende

und CEO der Wilo Gruppe.

Als weltweit führendes Technologieunternehmen,

das Wasser in der Gebäudetechnik,

Wasserwirtschaft und Industrie

bewegt, schafft die Wilo Gruppe durch

Hocheffizienztechnologie einen nachhaltigen

Mehrwert.

Realistische Schätzungen gehen davon

aus, dass Pumpen etwa 10 Prozent des

weltweit erzeugten Stroms verbrauchen.

90 Prozent der Pumpen sind hierbei

veraltet und ineffizient. Durch den

Austausch der überholten Technologie

können bis zu 246 TWh Strom alleine

für Anwendungen in den Bereichen

Heizung, Kälte und Klimatisierung

eingespart werden. Dies entspricht der

Kapazität von etwa 80 mittelgroßen

Kraftwerken, die nicht mehr benötigt

würden. Das Ziel der Wilo Gruppe ist

es also, durch den Einsatz von ihren

Systemlösungen den Energieverbrauch

signifikant zu senken.

an seinen Hauptproduktionsstandorten

in Europa, Asien und Amerika: die

Reduktion der CO 2

-Emmisionen, die

Reduktion des Trinkwasserverbrauchs

und die Erhöhung der Recyclingquote.

Im Sinne der Ressourcenschonung soll

der Trinkwasserverbrauch um 20 Prozent

gesenkt und die Recyclingquote auf

90 Prozent gesteigert werden. Darüber

hinaus hat Wilo an allen Standorten

Energiesparprojekte gestartet und betrachtet

derzeit weltweit Scope 1 und

Scope 2 Emissionen – die Emissionen,

die aufgrund des Verbrauchs von Primärenergien

entstehen. Bis 2025 strebt

die Wilo Gruppe eine klimaneutrale

Produktion an.

Energieeffiziente Gebäude sind ein wichtiger

Schlüssel für mehr Nachhaltigkeit.

Aus diesem Grund treibt die Wilo Gruppe

ihre internationalen Standortentwicklungsprojekte

nach den neusten Green

Building Standards der Deutschen Gesellschaft

für Nachhaltiges Bauen e.V.

(DGNB) und gemäß dem „Leadership

in Energy und Environmental Design“

(LEED) voran. Die neuen Gebäude sind

digitaler, nachhaltiger und effizienter als

ihre Vorgänger. In Russland, Kasachstan

und Dubai bereits gelebte Realität – am

Stammsitz in Deutschland greif bare

„Vision 2020“.

Der neue WiloPark

In Dortmund, Sitz der Firmenzentrale, realisiert

die Wilo Gruppe derzeit das größte

Standortentwicklungsprojekt der fast

150-jährigen Unternehmensgeschichte.

Auf einem 26 Fußball-Felder großen Areal

baut das Unternehmen einen neuen

Stadtteil – den WiloPark. Herzstück

ist die über 55.000 Quadratmeter große

„Smart-Factory“ nach 4.0-Standard, die

im April 2020 eröffnet wird.

Bei der Planung und Umsetzung der

intelligenten Fabrik, aber auch der Büround

Vorstandsgebäude, dem Kundensowie

dem Vertriebszentrum, wurde

großen Wert auf nachhaltiges Bauen

und effizienten Betrieb gelegt.

Wärmerückgewinnung und die intelligente

Gebäudeleittechnik sowie ein

ganzheitliches Energie-Monitoring und

-Management sind Bestandteil des Nachhaltigkeitskonzeptes.

So werden zum

Beispiel Elektrizität, Wärme und Kälte

zentral über effiziente Anlagen und ein

Verteilernetz zur Verfügung gestellt. Für

eine klimafreundliche und ressourceneffiziente

Nutzung der Gebäude wird unter

anderem das Regenwasser der Außenanlage

auf den über 70.000 Quadratmetern

Dachfläche aufgefangen und zur Bewässerung

und Kältegewinnung genutzt.

Fazit

Energie- und Ressourceneffizienz sind

für den Klimaschutz unentbehrlich. Die

umweltfreundlichste Energie ist immer

noch diejenige, die nicht gebraucht wird.

Sie schafft Versorgungssicherheit, reduziert

Energiekosten und treibt die Erreichung

der Klimaschutz-Ziele voran. Die

Wilo Gruppe hat sich zu nachhaltigem

Handeln verpflichtet und leistet so ihren

Beitrag zu einer positiven Gesamtentwicklung.

Interne Hebel bewegen

Zum Schutz des Klimas sind Energieund

Ressourceneffizienz unabdingbar.

Diesen Anspruch erhebt die Wilo Gruppe

nicht nur gegenüber ihren Systemlösungen,

sondern ebenso im Hinblick

auf ihre Produktions- und Distributionsprozesse.

Basierend auf der Ambition 2025 hat

Wilo eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie

entwickelt, die alle Anspruchsgruppen

berücksichtigt und in

der gesamten Wilo-Welt umgesetzt wird.

Das Unternehmen bewegt drei Hebel

„Klimaschutz ist Teil unseres Geschäftsmodells.

Die Arbeit mit den kostbaren Ressourcen

Wasser und Energie sowie der Umgang

mit dem zu schützenden Klima setzen

nachhaltiges Denken und Handeln voraus.

Dies ist bei Wilo fest in der

Unternehmenskultur verankert.“

Oliver Hermes, Vorstandsvorsitzender

und CEO der Wilo Gruppe

globalcompact Deutschland 2019

103


AGENDA

Agenda 2030:

Läuft uns die Zeit davon?

10 Jahre bleiben noch zur Umsetzung der Agenda 2030 und der globalen

Nachhaltigkeitsziele, den SDGs. Aus diesem Anlass luden die macondo foundation und das

Deutsche Global Compact Netzwerk (DGCN) am 10. Oktober 2019 nach Berlin zum

Global Goals Forum / DGCN Teilnehmerkonferenz ein. Das Forum zog eine Bilanz über die

Fortschritte und den Handlungsbedarf in der Umsetzung der SDGs vier Jahre nach ihrer

Verabschiedung durch die Weltgemeinschaft.

104 globalcompact Deutschland 2019


GLOBAL GOALS FORUM & DGCN TNK

globalcompact Deutschland 2019

105


AGENDA

106 globalcompact Deutschland 2019


GLOBAL GOALS FORUM & DGCN TNK

AGENDA 2030:

LÄUFT UNS DIE ZEIT DAVON?

globalcompact Deutschland 2019

107


AGENDA

Rückblick:

Global Goals Forum 2019 und

DGCN Teilnehmerkonferenz

108 globalcompact Deutschland 2019


GLOBAL GOALS FORUM & DGCN TNK

Am 10. Oktober fanden sich

zum Global Goals Forum in

Berlin 370 Vertreterinnen und

Vertreter aus Politik, Wirtschaft

und Zivilgesellschaft

zusammen und regten einen

spannenden Austausch zum

Thema: „Agenda 2030: Läuft

uns die Zeit davon?“ an.

Zentrale Fragestellungen wie

gerechte Globalisierung,

Klimawandel und unternehmerische

Verantwortung wurden

in Workshops, auf dem Panel

und beim abschließenden

„Get Together“ diskutiert.

Ob Brexit, Handelskonflikte, Populismus

und Wirtschaftsabschwung – Unversöhnlichkeit

und Unvorhersehbarkeit

sind Signaturen unserer Zeit. Zugleich

brauchen wir dringender denn je nachhaltige

Lösungen: sei es in Klimafragen,

bei Verteilungsgerechtigkeit oder dem

Umbau der Wirtschaft. Unter dem Titel

Agenda 2030: Läuft uns die Zeit davon?“

diskutierten darüber Expert*innen aus

Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik

gemeinsam mit 370 Gästen beim Global

Goals Forum, das in Verbindung mit

der Herbst-Teilnehmerkonferenz des

Deutschen Global Compact Netzwerks

(DGCN) am 10. Oktober in Berlin stattfand.

Etwas mehr als zehn Jahre bleiben

noch zur Umsetzung der Agenda 2030

und der globalen Nachhaltigkeitsziele,

den SDGs. Aus diesem Anlass hatten das

DGCN und die macondo foundation nach

Berlin zum Global Goals Forum eingeladen.

Das Forum zog eine Bilanz über die

Fortschritte und den Handlungsbedarf

in der Umsetzung der SDGs vier Jahre

nach ihrer Verabschiedung durch die

Weltgemeinschaft. >>

globalcompact Deutschland 2019

109


AGENDA

Marcel Engel, Leiter des Global Compact Netzwerks Deutschland,

betonte zum Auftakt des Forums, dass bisher kein einziges

Land dieser Erde auf dem Weg ist, alle 17 Ziele zu erfüllen.

Nachholbedarf gäbe es vor allem bei den Industriestaaten,

darunter auch Deutschland. Die Bewältigung der globalen

Herausforderungen erfordere die Beteiligung aller Stakeholder.

Dies gälte ganz speziell auch für die Wirtschaft, deren Investitions-

und Innovationskraft unabdingbar für die erfolgreiche

Umsetzung der SDGs sei. Eine solche Beteiligung diene auch

deren Zukunftssicherung: „Unternehmen können dadurch Risiken

minimieren, ihre Resilienz steigern, Vertrauen bewahren,

talentierte Arbeitskräfte gewinnen, neue Geschäftsmodelle

und Produkte entwickeln sowie neue Märkte erschließen.“

Dr. Elmer Lenzen, Geschäftsführer der macondo foundation,

hob die Rolle des Multilateralismus hervor: „Multilateralismus

heißt: Das Powerplay der großen Mächte wird ersetzt durch

Regeln, denen sich alle unterwerfen. Jeder gibt und jeder

bekommt.“ Zugleich warnte Lenzen davor, gesellschaftlich

notwendige Veränderungen als reines Weiter-So zu denken:

Nostalgie ist auf diesem Weg ein schlechter Ratgeber. Alternde

Gesellschaften mögen sich die Zukunft als Vergangenheit

2.0 wünschen.

Marcel Engel

Abgerundet wurde der Auftakt durch die Videobotschaften des

UN Generalsekretärs António Guterres und der stellvertretenden

UN Generalsekretärin Amina J. Mohammed, die in ihrem

Grußwort betonte: „It is clear, business as usual is no longer

a viable path“. Vor allem im Kontext des Klimawandels und

steigender sozialer Ungleichheiten forderte sie dringendes

und transformatives Handeln aller Stakeholder.

„Transformation ohne Ehrgeiz ist nur eine hohle Geste“

Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung,

betonte hierbei die Dringlichkeit des Klimaschutzes:

„Transformation ohne Ehrgeiz ist nur eine hohle Geste. Wer

die schwarze Null langfristig halten will, muss die grüne Null

heute wollen und einkalkulieren. Wir brauchen nicht mehr

Ausgaben für Nachhaltigkeit, keine höhere Staatsquote – aber

einen konsequent an den SDGs ausgerichteten Haushalt.“

Zugleich kritisierte sie die Ergebnisse des UN-Klimagipfels im

September in New York: „Einen gemeinsamen Fahrplan zur

Erreichung des Zieles, die globale Klimaerwärmung auf 1,5°C

zu begrenzen, gibt es nicht.“

Global Goals als positive Zukunftsutopie?

Dr. Elmer Lenzen

Der bekannte Soziologe und Buchautor Harald Welzer verband

Zukunftsideen mit positiver Utopie: „Wenn wir in dem Modus

des Warnens verbleiben, muss man damit rechnen, dass

Menschen noch stärker in ihren alten Strategien verharren.

Wir müssen das kulturelle Paradigma verändern. Da kommen

wir nur hin, wenn wir andere positive Rollenmodelle zeigen.

Wir müssen wieder lernen, utopisch zu denken.“ Aus seiner

Sicht trifft die „Ermangelung von Zukunft die Gesellschaft ins

Mark“ und er räumt den SDGs Potenzial bei der Stiftung von

110 globalcompact Deutschland 2019


GLOBAL GOALS FORUM & DGCN TNK

Marlehn Thieme

Harald Welzer

positiven Zukunftsvisionen und damit

der Schaffung von gesellschaftlichem

Zusammenhalt ein.

Wie gestalten wir Zukunft

nachhaltig?

Doch die politische und ökonomische

Weltsituation erschwert nachhaltiges

Handeln. Unter dem Titel „Multilateralismus

in der Krise: Auswirkungen

auf die Umsetzung der Agenda 2030

diskutierte ein hochkarätiges Panel die

Optionen. „Wir wissen deutlich: Ein ständiges

Wirtschaftswachstum ist nicht

fortsetzbar“, findet Welzer: „Wir müssen

uns dringend Gedanken machen, wie

wir aus dem Erfolgsmodell rauskommen.“

Thomas Wessel, Personalvorstand

bei Evonik Industries AG, widerspricht:

„Solange wir noch Armut und Hunger in

der Welt haben, werden wir das Wirtschaftswachstum

brauchen. Es muss

intakt sein, um die grundlegenden Lebensbedürfnisse

zu befriedigen. Wir

müssen es aber intelligenter machen.“

Mark Griffiths, Global Leader Climate

Business Hub beim WWF, setzt auf

Partnerschaften zwischen NGOs und

Wirtschaft: „Wir müssen unser Geschäft

auf eine andere Art und Weise betreiben.

Ein Teil der Lösung besteht darin, mit

Unternehmen zusammenzuarbeiten,

weil sie sich schneller entwickeln werden

als die Politik.” Alexa Hergenröther,

Geschäftsführerin K+S Kali GmbH, sieht

das ähnlich: „Politik diskutiert stark rückwärtsgewandt.

Unternehmen denken

zukunftsorientiert. Wir brauchen sehr

viel stärker eine einheitliche Diskussion

und müssen mit den Stakeholdern noch

mehr in einen Dialog eintreten.“

Abgeschlossen wurde das Panel durch

Thorsten Pinkepank, der einen Tag zuvor

in seiner Rolle als Vorsitzender des

Lenkungskreises des Deutschen Global

Compact Netzwerks bestätigt wurde. In

seiner Replik hob er insbesondere die

Relevanz von Vertrauen zur Schaffung

gesellschaftlichen Zusammenhaltes hervor

und bestätigte die Bedeutung der

SDGs als inhaltlichen Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie

von Unternehmen.

In Workshops diskutierten die Teilnehmer*innen

Schlüsselthemen wie

Entwicklungspartnerschaften, Fragen

zum „Smart Mix“ von Pflicht und Freiwilligkeit,

Resilienz in den Lieferketten,

Wassermanagement, Korruptionsprävention

sowie die Rolle der Wissenschaft

zur Erreichung der globalen Entwicklungsziele.

Unter dem Titel „Quo Vadis Global Goals?

Aligning Profit with Purpose“ diskutierten

abschließend Gäste aus der Zivilgesellschaft

mit Unternehmensvertretern

Wege für eine gemeinsame Zukunft.

Kontrovers geführt wurde dabei die Diskussion

zum Klimaschutz und die Frage,

ob Dekarbonisierung den Industriestandort

Deutschland gefährdet.

Melanie Kubin-Hardewig von der

Deutschen Telekom wiederum hob die

Chancen der Digitalisierung hervor. Zugleich

verschwieg sie nicht die große

Rolle des Internets beim CO 2

-Ausstoß

und plädierte für eine stärkere Internalisierung

externer Kosten. Cléo Mieulet

von Extinction Rebellion forderte eine

massive Transformation unserer Gesellschaft:

Wahrheit sagen, sofort handeln,

Politik neu leben. Dazu zählen

nach Ansicht der NGO ein staatsweiter

Klimanotstand, gesetzliche Vorgaben

zur Klimaneutralität bis 2025 sowie ein

Ende des Artensterbens. Doch gesetzliche

Regelungen alleine werden die Agenda

2030 nicht umsetzen. Vor allem braucht

es ein Umdenken in den Chefetagen der

Unternehmen. Neben Profit muss auch

Sinn den Erfolg eines Unternehmens

ausmachen.

Richard Roberts vom britischen Thinktank

Volans beobachtete hier einen

Paradigmenwechsel in vielen Unternehmen:

„Um rechtzeitig dorthin zu

gelangen, wo wir hin müssen, bedarf es

eines enormen Mutes von Führungskräften

aus der Wirtschaft. Mut, sich auch

lächerlich zu machen, und eine Kultur,

die auch Fehler und Versagen toleriert“,

so Richard Roberts. Julia Jürgens von

der METRO AG ging ihrerseits auf die

Rolle von nachhaltiger Führung ein:

„Es beginnt alles mit dem einzelnen

Leiter. Ältere Führungskräfte sind im

Autopilotenmodus. Es fehlt ihnen das

Bewusstsein, das die Grundlage der

SDGs ist.“

globalcompact Deutschland 2019

111


1 Intergovernmental Panel on Climate Change (2018): Global warming of 1.5°C.

www.bit.ly/SR15Report

2 Das Budget bezieht sich bewusst auf CO 2-Emissionen und nicht THG-Emissionen.

Andere Treibhausgase neben CO 2 wie Methan und Schwefeldioxid müssen zur

erfolgreichen Einhaltung des 1,5°C-Limits ebenfalls drastisch begrenzt werden.

Deutsches Global Deutsches compact Global Netzwerk compact , Diskussionspapier Netzwerk , Diskussionspapier , science BaseD , scope TargeTs 3.1

AllgEmEinE EmpfEhlungEn:

1) Ambitionsniveau: Um einen angemessenen Beitrag zur Lösung

der Herausforderung Klimawandel zu leisten, sollten Unternehmen

sich wissenschaftlich fundierte Klimaziele in Einklang mit den Anforderungen

einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5°C

setzen. Ziele in Einklang mit dem Deutlich-Unter-2°C-Limit sind

auch zulässig und stellen die Mindestanforderung an das Ambitionsniveau

dar.

2) Einordnung der Ergebnisse: Die Entwicklung von wissenschaftlich

fundierten Klimazielen bietet einen wertvollen Impuls

für die Entwicklung einer unternehmerischen Klimastrategie und

macht deutlich, was die Einhaltung des 1,5°C- bzw. Deutlich-Unter-2°C-Limits

auf Unternehmensebene erfordert und inwiefern

bestehende Maßnahmenpotenziale ausreichend für dieses Ambitionsniveau

sind.

3) Kriterien für die Zielsetzung: Die offizielle Anerkennung der

wissenschaftsbasierten Zielsetzung durch die SBTi bietet einen klaren

kommunikativen Mehrwert und sichert die Glaubwürdigkeit von

Klimazielen gegenüber Stakeholdern. Die Kriterien der SBTi für die

Überprüfung der Ziele bieten eine hilfreiche Orientierung bei der Zielformulierung

und können auch ohne offizielle Ziel-Validierung durch

die SBTi als Kriterien der aktuellen guten Praxis eingesetzt werden.

4) umgang mit Scope-3-Emissionen: Machen Scope-3-Emissionen

mehr als 40% der Gesamtemissionen des Unternehmens aus, so

sind auch sie in die Zielformulierung zu integrieren. Die Art der Zielsetzung

muss dabei in Abhängigkeit von den Emissionsschwerpunkten

in der Wertschöpfungskette individuell gewählt werden, sollte

aber in jedem Fall zu einer Emissionsreduktion für Scope 3 führen.

3 Das Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC)

verdeutlicht mit einer “CO 2-Uhr”, wie viel des vom IPCC spezifizierten CO 2-Budgets für

die Einhaltung der 1,5°C- bzw. 2°C-Temperaturschwelle noch verfügbar ist.

www.bit.ly/CO 2-Uhr

Publikationen

Alle Bücher sind erhältlich unter globalcompact.de/Publikationen

Studie

Moderne Sklaverei und Arbeitsausbeutung

Herausforderungen und Lösungsansätze für deutsche Unternehmen

Aktualisierte Ausgabe 2019

Die Studie geht der Frage auf den Grund,

was moderne Sklaverei eigentlich ist, wie

sie entsteht, warum das Thema auch für

deutsche Unternehmen von Bedeutung

ist und was Unternehmen tun können,

um Risiken moderner Sklaverei und

Arbeitsausbeutung im Zusammenhang

mit ihren eigenen Aktivitäten und Lieferketten

wirksam zu bekämpfen. Insofern

richtet sie sich an interessierte Akteure

aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft,

die sich auf praktische Weise

mit diesen Fragestellungen auseinandersetzen

möchten. Die spezifischen,

in dieser Studie beleuchteten Risiken

moderner Sklaverei sind dabei von Land

zu Land und von Branche zu Branche unterschiedlich.

Generell besteht vor allem

dort ein erhöhtes Risiko, wo wirtschaftliche,

soziale und gesellschaftliche Rahmenbedingungen

Menschen verwundbar

gegenüber Ausbeutung machen.

Ratgeber

Korruptionsprävention in der Lieferkette – Wie Unternehmen

mit Herausforderungen umgehen können

Erschienen im Dezember 2017

Eines der Hauptrisiken ist Korruption,

nicht selten verbunden mit der Verletzung

von Menschenrechten und der Umgehung

von Umwelt- und Qualitätsstandards

durch beauftragte Lieferanten. Im

Fokus der öffentlichen Wahrnehmung

stehen dabei jedoch nicht nur die Lieferanten

selbst, sondern häufig auch die

beauftragenden Unternehmen. Korruptionsprävention

dient folglich nicht nur

der Reduzierung von rechtlichen und

kommerziellen Risiken. Entsprechende

Maßnahmen können die Reputation

eines Unternehmens bei den eigenen

Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und

anderen Akteuren erheblich steigern,

Kosten sparen und letztendlich Wettbewerbsvorteile

bringen.

Diskussionspapier

Science Based Targets – Wissenschaftlich fundierte Klimaziele

als Grundlage für die unternehmerische Klimastrategie

Erschienen im Oktober 2019

Stärker denn je steht der Klimawandel

als eine der drängendsten globalen Herausforderungen

unserer Zeit im Fokus

der Wirtschaft. Für Unternehmen können

sich aus der globalen Erwärmung

und der globalen Bestrebung diese zu

begrenzen erhebliche Risiken, aber auch

Chancen für die Geschäftsentwicklung

ergeben. Unternehmen erhalten hierbei

Unterstützung durch die „Science Based

Targets“ Initiative (SBTi)4, eine Partnerschaft

von CDP, UN Global Compact,

World Resources Institute (WRI) und

World Wide Fund for Nature (WWF).

1. HinTergrunD

Global Compact

Netzwerk Deutschland

D i s k u s s i o n s p a p i e r

Erkenntnisse der Klimawissenschaft

Stärker denn je steht der Klimawandel als eine der drängendsten

globalen Herausforderungen unserer Zeit im Fokus der

Wirtschaft. Für Unternehmen können sich aus der globalen

Erwärmung und der globalen Bestrebung diese zu begrenzen

erhebliche Risiken, aber auch Chancen für die Geschäftsentwicklung

ergeben. Der Intergovernmental Panel on Climate

Change (IPCC) zeigt in seinem 2018 veröffentlichten

Sonderbericht 1 zum Thema 1,5°C globale Erwärmung auf,

dass sich die Erde bis heute im globalen Mittel gegenüber der

vorindustriellen Zeit um 1°C erwärmt hat. Schon auf diesem

Niveau von Erderwärmung sind drastische Folgen des Klimawandels

spürbar, zum Beispiel in Form von zunehmenden

Extremwetterereignissen, Dürren, Überflutungen, einem Anstieg

des Meeresspiegels und sterbenden Korallenriffen. Mit

jedem weiteren Grad Temperaturanstieg verschärfen diese

Auswirkungen sich signifikant. Daraus leitet sich die Notwendigkeit

einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf

maximal 1,5°C gegenüber der vorindustriellen Zeit ab. Nur

so lassen sich unumkehrbare Schäden an Lebensräumen,

Ökosystemen und Biodiversität begrenzen sowie Kosten der

Anpassung an den Klimawandel in Wirtschaft, Gesundheitswesen

und Sozialsystemen im Rahmen halten.

Der Weltklimarat greift dabei auf das Konzept eines dynamischen

globalen „CO 2-Budgets“ zurück. Dieses beschreibt

die maximale Menge an CO 2-Emissionen, welche insgesamt

in die Atmosphäre emittiert werden kann, wenn bestimmte

Grenzen globaler Erwärmung eingehalten werden sollen. 2

Um das CO 2-Budget zu bestimmen, werden globale CO 2-Emissionen

aus der Verbrennung fossiler Energieträger und aus

Industrieprozessen seit Beginn der Industrialisierung kumulativ

addiert. Der IPCC beziffert dabei das CO 2-Budget,

mit dessen Einhaltung die globale Erwärmung bis 2100 mit

einer Wahrscheinlichkeit von zumindest 66% auf maximal

1,5°C begrenzt werden kann, auf ca. 2.620 Gigatonnen. Für

eine Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 2°C (66%

Wahrscheinlichkeit) liegt das Budget bei ca. 3.370 Gigaton-

Science

Based Targets

Wissenschaftlich fundierte Klimaziele als Grundlage

für die unternehmerische Klimastrategie

nen CO 2. Bis heute wurden jedoch global bereits ca. 2.270

Gigatonnen CO 2 emittiert – damit wurden etwa 90% des

CO 2-Budgets für 1,5°C und 67% des Budgets für 2°C bereits

aufgebraucht. 3 Soll die globale Erwärmung erfolgreich auf

maximal 1,5°C begrenzt werden, verbleibt demnach ein

CO 2-Restbudget von ca. 350 Gigatonnen – welches ohne eine

drastische Reduktion der globalen CO 2-Emissionen von aktuell

ca. 42 Gigatonnen pro Jahr in nur etwas mehr als acht

Jahren aufgebraucht wäre. Für eine Begrenzung der Erwärmung

auf 2°C verbleiben entsprechend noch ca. 1.100 Gigatonnen

bzw. noch hypothetische 26 Jahre.

01

112 globalcompact Deutschland 2019


IMPRESSUM

Verlag:

macondo publishing GmbH

Dahlweg 87

48153 Münster

Tel.: +49 (0) 251 – 200782-0

Fax: +49 (0) 251 – 200782-22

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Chefredakteur:

Dr. Elmer Lenzen

Redaktion:

Ulrich Klose, Elena Köhn

Bildredaktion:

Marion Lenzen

Gestaltung:

Gesa Weber

Lektorat:

Marion Lenzen, Bettina Althaus

Bei dieser Publikation wurde aus Gründen

der sprachlichen Vereinfachung bei einigen

Texten nur die männliche Form verwendet.

Es sind jedoch stets Personen männlichen,

weiblichen und diversen Geschlechts

gleichermaßen gemeint.

Klimaneutralität:

Das vorliegende Druckerzeugnis ist

durch anerkannte Klimaschutzprojekte

klimaneutral gestellt worden.

(Nature Office Gold Standard Portfolio -

GS, VER)

Papier:

Magno Volume, FSC-zertifiziert

Zitat:

klimaneutral

natureOffice.com | DE-220-ZS5HED9

gedruckt

Amina Mohammed, UN Deputy Secretary-

General’s closing remarks at High-level

Political Forum on Sustainable Development

(25. September 2019)

Autoren dieser Ausgabe

(in alphabetischer Reihenfolge):

Niels Angel, Peter Attin, Lucas Bergmann,

Matthias Berninger, Lina Binder, Dr. Katie

Böhme, Susanne Dunschen, Dr. Torsten

Eder, Daniel Erk, Hannelore Gantzer, Richard

Häusler, Michaela Hauberg, Dr. Matthias

Hausmann, Christian Heller, Christoph

Jäkel, Torsten Kallweit, Katharina Kemler,

Lise Kingo, Manfred Klevesath, Christian

Kohlmeyer, Tomasz Konicz, Jenni Lee,

Dr. Elmer Lenzen, Dr. Sabine Lutz, Friedrich-

Wilhelm Micus, Carsten Nagel, Angelika

Peled, Ricarda-Marie Pomper, Ilke Rangette,

Gabriele Renner, Richard Roberts, Dr. Kai

Rolker, Serra Schlesinger, Marlehn Thieme,

Hans-Jürgen Urban, Tatjana Vetter, Annette

Wagner, Christina Witter

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben

nicht die Meinung des Herausgebers wieder.

Titelbild:

UN Photo/Manuel Elias

Bildnachweis:

UN Photo/Evan Schneider (S. 3, 11),

UN Photo/Laura Jarriel (S. 4 oben, 6/7, 12,

14/15), PeopleImages.com/iStockphoto.com

(S. 4 unten, 32/33), André Wagenzik (S. 5, 13,

16, 43, 46, 104/105, 106/107, 108/109, 110,

111), UN Photo/Ariana Lindquist (S. 9),

UN Photo/Eskinder (S. 19), UN Photo/Manuel

Elias (S. 20/21), UN Global Compact_Chae

Kihn for J.S. Photo (S. 25, 26, 27 oben, 27

unten), UN Photo/Rick Bajornas (S. 27,

2. von oben), Schneider Electric (S. 27,

3. von oben), UN Global Compact (S. 27,

4. von oben, 28), PIMCO (S. 27, 5. von

oben), UNGC/Joel Sheakowski (P. 29,

30/31), Deagreez/iStockphoto.com (S. 35),

MandicJovan/stock.adobe.com (S. 36),

Yakobchuk Olena/stock.adobe.com

(S. 38/39), Pugun & Photo Studio/

stock.adobe.com (S. 41), Andrii Starunskyi/

stock.adobe.com (S. 42), JuliSonne/

stock.adobe.com (S. 49), anandoart/

iStockphoto.com (S. 50, 51), P!xel66/

Fotolia.com (S. 53), Marion Lenzen (S. 54),

ABB (S. 58, 59), ALDI (S. 60, 61), Antalis

(S. 62, 63), Rui Camilo/BASF (S. 65), Bayer

(S. 67), BMW (S. 68, 69 links), Jean-Luc

Mathey/BMW (S. 69 rechts), Bosch

(S. 70/71), CEWE (S. 73), Daimler (S. 75),

E.ON (77), adrian bedoy/Evonik (S. 78),

Harald Reusmann/Evonik (S. 79 oben),

iPoint-systems (S. 83), ista (S. 84, 85), Jens

Goerlich/Lufthansa (S. 86), Lufthansa (S. 87),

IHK-Akademie-Mittelfranken (S. 89), MAN

(S. 91), Marcus Perkins/Merck (S. 92 links,

93 links), Merck (S. 92 rechts, 93 rechts),

pervormance international (S. 94, 95),

Symrise (S. 97), Marco Moog/TÜV Rheinland

(S. 99), Weidmüller (S. 101), WILO (S. 102,

103), Deutsche Telekom (S. 106 oben links)

Bezugspreis:

€ 15,00 zzgl. Porto:

[D] + € 1,00

[CH] + € 3,50

[EU] + € 2,00

[Int.] + € 5,50

Rechte:

Alle Rechte vorbehalten.

Nachdruck, Aufnahme in Online-Dienste

und Internet sowie Vervielfältigung jeglicher

Art nur nach vorheriger schriftlicher

Zustimmung des Verlags.

Für unverlangt eingeschickte Manuskripte,

Fotos und Illustrationen übernehmen wir

keine Gewähr.

ISSN 1614-7685

ISBN-13: 978-3-946284-08-6

Printed in Germany © 2019

Anschrift DGCN:

Geschäftsstelle Deutsches Global Compact

Netzwerk (DGCN)

Deutsche Gesellschaft für Internationale

Zusammenarbeit (GIZ) GmbH

Reichpietschufer 20

10785 Berlin

Tel.: +49 (0) 30 72614-204

Fax: +49 (0) 30 72614-130

Mail: globalcompact@giz.de

URL: www.globalcompact.de


Die 10 Prinzipien

des United Nations

Global Compact

Im Mittelpunkt der Global Compact-Initiative stehen zehn Prinzipien zu Menschenrechten,

Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung. Der Global Compact ruft weltweit

Unternehmen dazu auf, sich zu diesen Prinzipien öffentlich zu bekennen und aktiv für ihre

Umsetzung einzusetzen.

MENSCHENRECHTE

Prinzip 1: Unterstützung

und Respektierung

der internationalen

Menschenrechte im eigenen

Einflussbereich

Prinzip 2: Sicherstellung,

dass sich das eigene

Unternehmen nicht an

Menschenrechtsverletzungen

beteiligt

UMWELT

Prinzip 7: Unterstützung eines

vorsorgenden Ansatzes im

Umgang mit Umweltproblemen

Prinzip 8: Ergreifung von

Schritten zur Förderung einer

größeren Verantwortung

gegenüber der Umwelt

Prinzip 9: Hinwirkung

auf die Entwicklung und

Verbreitung umweltfreundlicher

Technologien

ARBEITSNORMEN

Prinzip 3: Wahrung der

Vereinigungsfreiheit und

wirksame Anerkennung

des Rechts zu

Kollektivverhandlungen

Prinzip 4: Abschaffung jeder

Art von Zwangsarbeit

KORRUPTIONSBEKÄMPFUNG

Prinzip 10: Unternehmen sollen

gegen alle Arten der Korruption

eintreten, einschließlich

Erpressung und Bestechung

Prinzip 5: Abschaffung der

Kinderarbeit

Prinzip 6: Beseitigung von

Diskriminierung bei Anstellung

und Beschäftigung


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Deutscher Bundespräsident

German Federal President

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Deutsche Bundeskanzlerin

German Federal Chancellor

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BISHERIGE AUSGABEN

»

Let us choose to unite the power

of markets with the authority of

universal ideals. Let us choose to

reconcile the creative forces of private

«

entrepeneurship with the needs of the

disadvantaged and the requirements

of future generations.

Kofi Annan, Secretary-General of the United Nations

global

compact

25 | 30 US$

global compact Deutschland | 2005

Deutschland

global

compact

2005

Today it is increasingly clear

that UN objectives – peace,

security, development go hand-inhand

with prosperity and growing

markets.

If societies fail, so will markets.

Kofi Annan, former Secretary-General of the United Nations

global

compact

25,00 EUR

global compact Deutschland | 2006

Deutschland

global

compact

2006

the Compact as an organizing tool

for your global operations. Ensure that

your boards, subsidiaries and supply chain

partners use the Compact as both a

management guide and a moral compass.

25,00 EUR

Ban Ki-moon,

Secretary General of the United Nations

global compact Deutschland | 2007

global

Deutschland

compact

2007

Ich freue mich, dass die Mitglieder des Global Compact Deutschland in einem

Jahrbuch über ihre Aktivitäten berichten. Ich wünsche mir, dass dieses Buch noch

mehr Unternehmen anspornt, sich zu den Prinzipien des Global Compact zu bekennen

und diese mit Engagement umzusetzen – im eigenen Betrieb ebenso wie über dessen

Grenzen hinaus. Wir brauchen dieses Engagement der Unternehmen für mehr Ausgleich

und Gerechtigkeit der internationalen Ordnung.

I am pleased that the members of Global Compact Germany are reporting on their

activities in a yearbook. I hope that this book will encourage even more companies to

adopt the Global Compact Principles and carry them out with commitment – in their own

operations and beyond their boundaries. We need this involvement of

companies for more balance and justice in the international order.

global compact Deutschland | 2008

Deutschland

global

compact

Deutschland

global

compact

Unternehmerische

Verantwortung muss ein

Eckpfeiler werden für ethische

und stabile Märkte.

global compact Deutschland 2010

Deutschland

global

compact

Durch Vorbilder und Kooperationen

in Initiativen und Netzwerken können

wir das Bewusstsein für Nachhaltigkeit auch

als wirtschaftlichen Erfolgsfaktor weiter

schärfen. Hierbei nimmt der Global Compact

eine wichtige Rolle ein. Allen Akteuren, die

sich in diese weltweite Initiative einbringen,

sage ich von Herzen Dank.

global compact Deutschland 2011

Deutschland

global

compact

Ich wünsche dem deutschen Global Compact Jahrbuch einen großen Leserkreis.

Möge es zu weiteren Anstrengungen für kreative und erfolgreiche Partnerschaften

animieren, die der Globalisierung nicht nur ein freundliches Gesicht verleihen, sondern vor

allem deren vielfältige Chancen und positive Entwicklungen konkret erfahrbar machen.

I wish the German Global Compact Yearbook a large readership. May it

animate further efforts towards creative and successful partnerships that not only give

globalisation a friendly face but, above all, make it possible to experience

concretely its many opportunities and positive developments.

2008

2009

30,00 EUR

30,00 EUR

30,00 EUR

2010

2011


globalcompact.de

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978-3-946284-06-2

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Printed in Germany, Dezember 2019

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