Aufrufe
vor 5 Jahren

KÖLN - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung

KÖLN - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung

KÖLN - Institut für ökologische

- Zudem findet sich eine derartige neue mittelschwere Umweltkatastrophe etwa seit Mitte der 80er Jahre ca. alle 1-2 Monate an wichtiger Stelle in der öffentlichen Berichterstattung. Hierbei hängt die Intensität der Wahrnehmung nicht nur von der Schwere des ökologischen Risikos ab, sondern vor allem von der kulturellen und der lokalen Nähe, d.h. der möglichen Betroffenheit des eigenen Wohnortes (z.B. wurde die ökologisch vielfach folgenschwerere Tankerkatastrophe im Golf von Alaska im Frühjahr 1989 in der Bundes-republik weniger dramatisch thematisiert als der "Fall Sandoz"), -Die langfristigen Bewußtseinseffekte derartiger mittelschwerer Umweltskandale sind widersprüchlich: Einerseits addieren sie sich zu einem allgemein steigendem Umweltbewußtsein, wie es alle vergleichenden Langzeit-Meinungsbefragungen der letzten 15-20 Jahre feststellen. Durch die zahlreichen Störfälle wurde das Ansehen der Chemieindustrie nachhaltig ramponiert. Andererseits führen sie zu "Gewöhnungseffekten": So affektheischend von der lokalen Presse mit dem ökologischen Risko aufgemacht wird, so schnell verschwindet das Thema wieder in der Versenkung, wenn es seinen Sensationscharakter eingebüßt hat. Aktivierte "Betroffenheit", die zu spontanen Aktionen und sozialer Bewegung führt, stellt sich (gegenüber den Hochzeiten der Neuen Sozialen Bewegungen Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre) überwiegend nur noch einen Moment lang und zudem nur bei einer Bevölkerungsminderheit ein. Diese Ambivalenz findet sich auch bei der Reaktion der kommunalen Öffentlichkeit im "Fall Sandoz": Einerseits ist das kritische Potential gegenüber der benachbarten chemischen Industrie allgemein gestiegen, was sich z.B. darin ausdrückte, daß nicht nur die Grünen, sondern auch kommunale Sozialdemokraten und Gewerkschaftler in Wiesbaden und Köln eine grundsätzliche "Chemiewende" forderten (dies bei einem in diesen Städten großen Einfluß der IG Chemie auf dieses traditionelle sozialdemokratische Milieu !). Andererseits aber war die spontane Basismobilisierung beim "Fall Sandoz" im Grunde äußerst gering: Jeweils nur ein paar hundert Bürger beteiligten sich an Menschenketten und kurzen symbolischen Blockaden der Rheinbrücken, die im Rahmen der internationalen Protestaktion von Basel bis Rotterdam am 14. Dezember 1986 stattfanden. Der "Fall Sandoz" eignet sich damit wenig als ein empirisches Beispiel für das konfliktorische Zusammenspiel zwischen einer aktiven sozialen Bewegung am Ort und den kommunalen politischen Institutionen. In Wiesbaden wurde diese fehlende Bürger-Aktivierung besonders deutlich: Das Umweltamt unterstrich, daß Reaktionen der Öffentlichkeit bei dem "Fall Sandoz" für das Verwaltungshandeln so gut wie keine Rolle spielten. Selbst das Informationsbedürfnis der Bürger sei durch den Bericht der Stadtverordnetenversammlung, über den die Lokalprese berichtete, ausreichend befriedigt worden. Verstärkte Bürgerreaktionen, z.B. über das Umwelttelefon, wurden nicht festgestellt, die Wiesbadener Bürger hätten sich offenbar durch die Medien bereits ausreichend informiert gefühlt. In Köln hingegen waren zwar die Telefone von Umweltamt, Feuerwehr und Wasserwerken äußerst stark benutzt worden, allerdings fast nur zu Infor-r mationsz wecken. Dies schien zudem weniger an der anderen alternativkritischen und studentischen politischen Kultur Kölns gelegen zu haben (die es in Wiesbaden so nicht gibt), sondern vielmehr an einem zufälligen Katastrophenfehlalarm, der von der Bevölkerung mit der Giftwelle in Verbindung gebracht wurde.

expeed.de - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
Mit Holz in die Zukunft? - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
IWH Online 2/2012 - Institut für Wirtschaftsforschung Halle
IWH Online 4/2013 - Institut für Wirtschaftsforschung Halle
IWH Online 2/2013 - Institut für Wirtschaftsforschung Halle
Depression - Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung
Flyer - Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung
Klimawirkungen der - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
S - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
l l. - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
J - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
verkehrswende - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
SJ - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
u - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
Qualitätssicherung - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
1 - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
fr - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
Einleitung - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
2006 - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
managementsystemen - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
1 - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
Zusammenfassung - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
J - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
10 Jahre Chemiepoliti - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
Diss Skizze - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
Photovoltaik in Berlin - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
Arbeit und Mobilität - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
Ziellandstudie China - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
"Klassische Bluse" und - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
SJtAr "X - Institut für ökologische Wirtschaftsforschung