Berliner Zeitung 13.01.2020

BerlinerVerlagGmbH

Der letzte Tanz: Abschied von Clärchens Ballhaus – Seite 3

Gedenken für

Luxemburg

und

Liebknecht

Seite 14

4°/8°

Weniger Sonne

Wetter Seite 2

Wiedie Treuhand

Berlin Kosmetik abwickelte

Berlin Seite 10

www.berliner-zeitung.de

Fit für die Rückrunde? Die

Probleme des 1. FC Union

Sport Seite 18

Montag,13. Januar 2020 Nr.10HA-76. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Verträge richtig kündigen:

Vorsicht bei Dienstleistern

Wirtschaft Seite 6

Dschungelcamp

Das schnelle

Ende der

Politik-Reha

VonHarry Nutt

Aufstieg und tiefer Fall lagen im

Lebenslauf von Günther Krause

oft nah beieinander. Der 1953 in

Halle an der Saale geborene Ingenieur

war gerade einmal 36 Jahrealt,

als er Staatssekretär beim Ministerpräsidenten

der letzten DDR-Regierung

wurde und ihm zusammen mit

Wolfgang Schäuble die Aufgabe zufiel,

den Einigungsvertrag auszuhandeln.

Vom Bundesminister

für

besondere Aufgaben

in der gerade

wiedervereinigten

Regie-

Günther Krause,

als Minister und Unternehmer

gescheitert

rung wechselte

er 1991 in das

Amt des Bundesverkehrsministers.Aber

Gasgeben

und Tempo

machen hatte

Krause wohl falsch verstanden. Politik

ist ein Dschungel. Korruptionsvorwürfe

begleiteten seine politische

Laufbahn bis zum Rücktritt

1993, von der sich die sogenannte

Putzfrauenaffäre bis heute am hartnäckigsten

gehalten hat.

Für Günther Krause sollte das

Dschungelcamp also zu einer ArtRehabilitationsparcour

werden. Er

wollte richtigstellen, dass es die

Putzfrauenaffäresonie gegeben hat.

Krause versuchte sich nach 1993 in

verschiedenen privatwirtschaftlichen

Unternehmungen, die zwar

weitere juristische Komplikationen

bereithielten, von denen er trotz einer

Verurteilung aber weitgehend

freigesprochen wurde.

Politische Ideen und gesellschaftliche

Vorschläge hat Krause,der stolz

darauf ist, mit Angela Merkel per Du

zu sein, immer noch. Aber die wirder

in der RTL-Show „Ich bin ein Star –

Holt mich hier raus!“, nun nicht mehr

vortragen. Nach nur einem Taghat er

das Camp verlassen, aus gesundheitlichen

Gründen, wie es heißt. Dabei

hatte er noch verträumt sinniert:„Das

Leben ist schön.“ Kurz nach Sendestartaber

war klar,dass Krause vonallen

Dschungelprüfungen, in denen

voreinem Millionenpublikum der innere

Schweinehund überwunden

werden muss, freigestellt war. Zwar

hatte Krause noch selbstsicher die

Aufgabe übernommen, die Campregeln

vorzutragen. Als Ex-Minister, so

sagte er mehr zu sich selbst, könne er

das natürlich. Seine Camp-Genossen

aber hatten sich dabei eher gelangweilt.

Krauses Auszug wirft natürlich

die Frage auf, ob sein kurzer Auftritt

ein großer Fake-Tripp war. Esgehe

ihm gut, ließ RTL verlauten, Krause

habe einen Schwächeanfall erlitten.

Das Dschungelcamp dient Zuschauernwie

Teilnehmernals Möglichkeit,

kurz nach Silvester am eigenen

Selbstbildnis zu feilen. Krause hatte

am Ende nur eins im Sinn. „Liebe Angela,

liebe Angie“, richtete er seine

Botschaft vom Krankenbett aus an

die Kanzlerin, „falls du zusiehst, ich

werde wieder richtig gesund. Du

brauchst dir keine Sorgen zu machen.

Du wirst mich nicht los!“

Gefahr für den Ostbahnhof

Die Dachkonstruktion wird rund um die Uhr überwacht. Bei Sturm oder viel Schnee droht die Sperrung

VonPeter Neumann

„Die Sicherheit der Kunden und Fahrgäste hat

für die Bahn absoluten Vorrang.“

Ein Sprecher der Bahn über die Vorsichtsmaßnahmen am Ostbahnhof

Bloß keinen Orkan! Und

bitte nicht doch noch einen

weißen Winter mit

Massen von Schnee! Denn

dann müsste eine große Berliner

Bahnstation für alle Reisenden, alle

S-Bahnen und alle Züge gesperrt

werden. Folge wäre, dass eine der am

stärksten befahrenen Schienenstrecken

in der Hauptstadtregion lahm

läge. „Bei extremen Wettersituationen

wie starkem Sturmoder starkem

Schneefall würde der Ostbahnhof

vorübergehend gesperrt – als Vorsichtsmaßnahme“,

sagte ein Bahnsprecher

der Berliner Zeitung. Statische

Berechnungen hätten ergeben,

dass die Hallendachkonstruktion

unter bestimmten Bedingungen

nicht mehr als tragfähig gelten kann.

Werauf die S-Bahn Richtung Alexanderplatz

wartet und den Bereich

jenseits des Gleises genau betrachtet,

kann sie sehen. DieStahlzylinder

sind Teil eines Monitoringsystems,

das die nördliche Bahnsteighalle des

Ostbahnhofs seit einigen Monaten

überwacht. Tagund Nacht überprüfen

die Sensoren, ob sich die Dachkonstruktion

in unzulässiger Weise

bewegt. Zu dem aufwendigen Messaufbau

gehören auch die grellgrünen

Aufkleber, die an einigen der

29 Stahlrahmenbinder kleben – so

werden die Dachträger genannt.

Messfühler in anderen Bereichen

ermitteln, wie starkder Wind gerade

ist. Auffälliger sind die grünen Netze

unter den oberen Fensterscheiben,

die verhindern sollen, dass vom

Dach der Nordhalle etwas hinunterfällt.

Keine Frage: Die Hallendachkonstruktion

des Ostbahnhofs erinnertaneinen

Patienten, der rund um

die Uhrüberwacht werden muss.

Diestählerne Nordhalle von1924,

209 Meter lang, 54 Meter breit und 18

Meter hoch, ist in die Jahre gekommen.

Mehrmals entdeckten Bauleute

gerissene Zuganker – diese

Stahlteile sorgen im unteren Bereich

der Konstruktion für Stabilität. Im

Frühjahr 2019 wurde damit begonnen,

Fensterscheiben zu entfernen,

damit das Dach weniger starkbelastet

wird. Ebenfalls im vergangenen

Jahr kamen Statiker in den Friedrichshainer

Bahnhof, um sich mit

der Halle über den Bahnsteigen zu

befassen. Ihre Bilanz: Bei besonderen

Wetterbedingungen wie Sturm

oder starkem Schneefall ließe sich

nicht mehr nachweisen, dass die

Konstruktion noch tragfähig ist.

Darumsei es in solchen Fällen nötig,

dass der Zugbetrieb eingestellt und

die Halle umgehend geräumt wird.

„Wir wollen kein Risiko eingehen“,

bekräftigte der Bahnsprecher. Selbst

wenn das dazu führt, dass die Stadtbahn,

die das Berliner Stadtzentrum

vonOst nachWest durchmisst, unterbrochen

wird. „Falls es wirklich zu einer

vorübergehenden Sperrung

kommt, dürfen auch keine Züge

mehr den Ostbahnhof passieren.“ Ob

S-Bahn-Fahrgäste, Regionalzugnutzer,

ICE-Reisende: Alle Fahrgäste

müssten sich andereWege suchen.

„Klar ist: Der Ostbahnhof ist sicher“,

betonte der Mann von der

Bahn. Die Dachkonstruktion werde

rund um die Uhr überwacht. „Die

Bahn ist mit einer Schneeräumeinsatzbereitschaft,

die rund um die

Uhr für den Ostbahnhof zur Verfügung

steht, auf einen möglichen

Wintereinbruch vorbereitet. Die Si-

cherheit der Kunden und Fahrgäste

hat für die Bahn absoluten Vorrang.“

Immerhin: „Die Wahrscheinlichkeit,

dass das aufgezeigte Szenario

eintritt, ist freilich sehr gering.“ Auch

sei absehbar,dass die strenge Sicherheitsregelung

nicht mehr lange gelten

werde. „Mit dem Abschluss der

aktuell laufenden bauvorbereitenden

Maßnahmen im März2020 kann

sie aufgehoben werden“, sagte der

Bahnsprecher. Der Einbau von Stützenhat

2019 begonnen.

In diesem Frühjahr geht die Sanierung

der Hallendachkonstruktion,

die voreinem Jahrzehnt begonnen

hat, in eine wichtige Phase. Für

mehr als 70 Millionen Euro wird das

Dach erneuert, so die Bahn. „Die

DieWut

wächst

Teheran hat erst spät

zugegeben,

das Passagierflugzeug

abgeschossen zu haben.

Die Bevölkerung reagiert

mit neuen Protesten.

Seiten 2und 8

Merkel will

Lösung für

Libyen

Putin unterstützt den Vorstoß,

Waffenruhe tritt in Kraft

Bei einem Besuch von Bundeskanzlerin

Angela Merkel (CDU)

in Moskau hat der russische Präsident

Wladimir Putin seine Unterstützung

für eine von der Bundesregierung

geplante Konferenz zum Libyen-Konflikt

erklärt, die unter

Ägide der Uno inBerlin stattfinden

soll. In der Nacht zum Sonntag trat in

Libyen eine Waffenruhe in Kraft. In

Libyen herrscht seit dem Sturz von

Langzeitherrscher Muammar al-

Gaddafi 2011 Bürgerkrieg.

Merkel nannte das Treffen mit Putin

sehr „hilfreich und produktiv“.

Insgesamt dauerten die Gespräche

fast vier Stunden, doppelt so lange

wie geplant. Zuletzt war die Kanzlerin

2018 in Russland. Auch die Entwicklung

im Nahen Osten, der Abschuss

des Passagierjets in Teheran

und der Weiterbau der Ostseepipeline

Nord Stream 2bis 2021 waren

Gegenstand des Treffens.

MitBezug aufLibyenwarnte Merkel

vor überzogenen Erwartungen.

Sie räumte ein: „Solch eine Berliner

Konferenz kann nur der Auftakt sein

für einen längeren Prozess.“ Die

Konferenz solle unter der Führung

der Vereinten Nationen zustandekommen.

Wenn Putin den abtrünnigen

General Chalifa Haftar nach Berlin

bringe, könnte dies der Start für

Friedensgespräche sein.

Putin und der türkische Präsident

Recep Tayyip Erdogan hatten die

Waffenruhe am Mittwoch in Istanbul

angemahnt. Die Türkei unterstützt

die von den UN anerkannte Regierung

von Ministerpräsident Fajis al-

Sarradsch und hatte trotz internationaler

Kritik beschlossen, eigene Soldaten

in das nordafrikanische Land

zu schicken. Russland unterstützt

dagegen Haftar.

Einen Tagnach den Gesprächen

mit Deutschland sprach Putin auch

mit dem französischen Präsidenten

Emmanuel Macron. Beide Seiten

wollten eine diplomatische Lösung

in Libyen voranbringen, teilte der

Kreml am Sonntagabend mit. Der

Élyséepalast gab zu dem Telefongespräch

zunächst nichts bekannt.

Merkel telefonierte nach ihrer Rückkehr

mit Erdogan über die Situation

im nordafrikanischen Bürgerkriegsland.

Das meldete die staatliche

Nachrichtenagentur Anadolu am

späten Sonntagabend. (dpa/AFP)

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Entgelt bezahlt

Bauarbeiten dauern voraussichtlich

bis 2025 und finden, so weit möglich,

unter dem rollenden Rad statt –mit

wenig Einschränkungen für den

Zugverkehr. Dafür wird ein Hängegerüst

als Zwischenboden eingebaut“,

teilte der Sprecher mit.

Es ist ein umfangreiches Projekt

für einen Bahnhof, der an Bedeutung

verloren hat. Diejüngsten Zahlen

datieren von2016. Damals stand

der Ostbahnhof mit 72 000 Besuchern

pro TaginBerlin auf Platz 10.

Während 77 Prozent der Fernverkehrsreisenden

in Berlin am Hauptbahnhof

ein- und ausstiegen, waren

es am Ostbahnhof 4,1 Prozent.

In den vergangenen Jahren wurde

der ICE-Verkehr ausgedünnt. Als der

damalige Frankfurter Bahnhof 1842

öffnete, lag er noch inmitten von

Blumenfeldern. Als er 1881 den Namen

Schlesischer Bahnhof bekam,

war er von Mietskasernenvierteln

umringt. Handwerker aus Schlesien,

denen die Industrialisierung die Arbeit

genommen hatte und junge

Frauen, die in einem begüterten

Haushalt eine Stellung anstrebten,

kamen dort an. Im Wartesaal sprach

der Serienmörder Karl Grossmann

viele seiner Opfer an.

1950 gab es erneut eine Umbenennung:

in Ostbahnhof. Als die Station

1987 Hauptbahnhof getauft

wurde,hatte sie ihr Aussehen verändert.

Diealte Empfangshalle war gesprengt

und durch ein Gebäude ersetzt

worden, das der DDR-Hauptstadt

zur 750-Jahr-Feier ein repräsentatives

Entree verschaffen sollte.

Seit 1998 heißt die inzwischen umgebaute

Anlage wieder Ostbahnhof. 4 194050 501603

DPA/AP/EBRAHIM NOROOZ

11003


2* Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020

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Tagesthema

Nach der gezielten Tötung

des Top-Generals Ghassem

Soleimani schien

sich ein militärischer

Konflikt zwischen dem Iran und den

USA anzubahnen –das ist nun vorerst

vom Tisch. In der Islamischen

Republik selbst aber wirkt der US-

Drohnenangriff noch stark nach.

Viele reden weiter von Vergeltung

und Blut, Diplomatie ist für manche

zum Schimpfwort geworden. Die

Hardliner und die erzkonservativen

Kräfte, die von Anfang an gegen den

Reformkurs von Präsident Hassan

Ruhani waren, haben nach sieben

Jahren politischer Abwesenheit nun

wieder die Oberhand. Beiden Reformerndagegen

herrscht Ratlosigkeit.

An diesem Trend dürften auch die

spontanen Proteste wenig ändern,

die sich nach dem offensichtlich irrtümlichen

Abschuss einer Passagiermaschine

mit 176 überwiegend iranischen

Todesopfern Bahn gebrochen

haben. Die Demonstranten

empören sich über die dafür verantwortlichen

Revolutionsgarden und

auch über die Führungsclique des

von islamischen Geistlichen gesteuerten

Regimes,weil diese den fatalen

Abschuss erst nach tagelangem

Leugnen einräumten.

Doch die politische Mehrheit in

dem Staat mit seinen gut 80 Millionen

Einwohnern repräsentieren die

wenigen Hundert Demonstranten

derzeit nicht. Schon im Februar finden

Parlamentswahlen statt, renommierte

Reformer sind gar nicht erst

angetreten. Beobachter gehen daher

von einem klaren Sieg der Reformgegner

aus. Eine erwartete Koalition

von Hardlinern und ErzkonservativenimParlament

könnte dann auch

den Ausgang der Präsidentenwahl

im kommenden Jahr starkbeeinflussen.

DerenSpitzenkandidat, werimmer

es wird, gilt schon jetzt als Favorit

für den Präsidentenposten. Ein

Politologe in Teheran resümiert deshalb:

„Das Ziel von (US-Präsident

Donald) Trump und seinen Leuten,

einen Regimewechsel im Iran zu erzwingen,

ist aufgegangen –nur eben

in die falsche Richtung.“

Die Zukunft der Hardliner

VonFarshid Motahari, Teheran

Iranische Studenten demonstrieren nach einer Trauerfeier für die Opfer des Flugzeugabsturzes vor der Amir-Kabir Universität in der Innenstadt von Teheran.

TÖDLICHER IRRTUM

21. Februar 1973 1. September 1983 3. Juli 1988 4. Oktober 2001 17. Juli 2014 8. Januar 2020

• • • • • •

Israelische Kampfjets schießen

über der vonIsrael besetzten

Sinai-Halbinsel eine

libysche Boeing 727 ab,die

vonTripolis nach Kairo fliegen

sollte, aber vomKurs abgekommen

war.108 der 112 Insassen

sterben. Die israelische

Regierung erklärt, die

Boeing sei über israelische

Militäranlagen geflogen und

habe eine Aufforderung zur

Landung zurückgewiesen.

Eine Boeing 747 der südkoreanischen

Fluglinie Korean

Air Lines (KAL) wird über der

Insel Sachalin im Osten Russlands

abgeschossen. Alle 269

Insassen sterben. Die sowjetische

Luftwaffe erklärteiner

Verurteilung durch den UN-Sicherheitsrat

fünf Tage später,

dass die Boeing vonJagdflugzeugen

abgeschossen wurde,

weil sie vonihrer Route abgekommen

sei.

Ein Airbus A-300 vonIran Air

wird über dem Persischen Golf

abgeschossen. Alle 290 Insassen

sterben. Die Maschine

war Richtung Dubai unterwegs.

Die US-Fregatte „USS

Vincennes“ räumt den Abschuss

ein. Sie hätte sie für

einen iranischen Kampfjet gehalten

und mit zwei Raketen

abgeschossen. Die USA zahlen

eine Entschädigung von

gut 101 Millionen Dollar.

Iran

Nach dem Abschuss der ukrainischen Boeing 737 sind viele Iraner empört

über die Regierung in Teheran. Doch was bedeutet das für die Wahlen,

die im Februar stattfinden?

Eine Tupolew-154 der Siberia

Airlines explodiertüber dem

Schwarzen Meer,inder Nähe

der Halbinsel Krim. Alle 78 Insassen

sterben. Die Maschine

war vonTel Aviv nach Nowosibirsk

in Sibirien unterwegs.

Eine Woche nach dem Unglück

gesteht die Ukraine ein,

dass das Flugzeug voneiner

versehentlich abgeschossenen

ukrainischen Rakete getroffen

wurde.

Im Osten der Ukraine stürzt

eine Boeing 777 der Malaysia

Airlines ab.Alle298 Insassen

sterben. Eine internationale

Untersuchung zeigt, dass Flug

MH17 mit einer Rakete sowjetischer

Bauartabgeschossen

wurde. Die Separatisten leugnen

den Abschuss. Die BUK-

Rakete stammte voneiner

russischen Flugabwehrbrigade

in Kursk im Südwesten

Russlands.

In der Nähe vonTeheran stürzt

eine ukrainische Boeing 737

ab.Bei demAbsturz kommen

alle 176 Insassen ums Leben.

Während das Regime zunächst

vontechnischen Problemen

spricht, gibt es dann

einigeTagespäter zu, die Maschine

versehentlich abgeschossen

zu haben. Präsident

Hassan Rohani gabein öffentliches

Schuldeingeständnis

ab.

DPA

Das alles sah nach dem Amtsantritt

des Präsidenten Ruhani im Jahr

2013 ganz anders aus. Erversprach

eine Versöhnung mit dem Westen

und setzte zwei Jahre später dieses

Versprechen mit dem Wiener Atomabkommen

auch um. Politisch und

wirtschaftlich war der Gottesstaat

auf dem Weg, sich international wieder

zu integrieren. Auch innenpolitisch

sollte sich vieles ändern, besonders

nach dem guten Abschneiden

der Reformer bei der Parlamentswahl

2016. Sogar politische Gefangene

sollten freikommen und mehr

Meinungs- und Pressefreiheit zugelassen

werden.

„Aber dann kam dieser Trump“,

sagt der ehemalige iranische Botschafter

in Berlin, Ali Madshedi,

heute im Rückblick. Erst veranlasste

der Republikaner den einseitigen

Ausstieg Amerikas aus dem Atomdeal,

dann drakonische Sanktionen.

Das ölreiche Land geriet plötzlich in

eine schwere politische und wirtschaftliche

Krise,dieWährung war in

kürzester Zeit nur noch die Hälfte

wert. Der moderate Kurs des Präsidenten

wurde verspottet.

Schlecht steht es auch um den

Atomdeal, der den Iran von Atomwaffen

fernhalten sollte. Nach der

Abkehr der USA und der jüngsten Eskalation

will sich der Iran nun nicht

mehr an die Auflagen halten. Die

verbliebenen Partner – China,

Deutschland, Frankreich, Großbritannien

und Russland –unterstützen

zwar den Deal, sind allein nicht

in der Lage, ihn umzusetzen. Für

Enttäuschung sorgte auch das für

viele überraschende Eingeständnis,

dass der Iran für den Abschuss der

ukrainischen Passagiermaschine

verantwortlich ist. Die Iraner fühlen

sich von Ruhanis Regierung betrogen,

weil die tagelang über einen

technischen Defekt sprach und einen

Abschuss vehement abstritt.

Zwar dürften an der Parlamentswahl

am 21. Februar laut Umfragen

nur rund 20 Prozent der Bürger teilnehmen,

die aber kommen wahrscheinlich

hauptsächlich aus dem

Lager der Hardliner. (dpa)

Bei einem Besuch von Bundeskanzlerin

Angela Merkel (CDU)

in Moskau setzten sich die Kanzlerin

und der russische Präsident Wladimir

Putin dafür ein, das Wiener

Atomabkommen von 2015 weiter

umzusetzen. Deutschland wolle die

Vereinbarung mit dem Iran „am Leben

erhalten“. Dafür müssten alle diplomatischen

Kanäle genutzt werden,

forderte sie. „Der Iran sollte

keine Atomwaffen bekommen.“

Deutschland und Russland hatten

den Deal vor rund fünf Jahren

mit ausgehandelt. Sie setzten sich

dafür eine,dass sich die Konfliktparteien

USA und Iran wieder annähern.

Nach der Ermordung des iranischen

Generals Ghassem Soleimani

hatte Iran angekündigt, keine Beschränkungen

für seine Zentrifugen

mehr zu beachten.

Merkel und Putin werben für das Atomabkommen

Nachdem zahlreiche Menschen

am Sonnabend vor der Amir-Kabir-

Universität in Teheran versammelt

hatten, um der Opfer des Flugzeugabsturzes

zugedenken, erklärte US-

Präsident Donald Trump sich mit

den Demonstranten solidarisch. Die

iranische Führung warnte er vor einem

gewaltsamen Vorgehen gegen

die Demonstranten. Für diplomatische

Spannungen sorgte die kurzzeitige

Festnahme des britischen Botschafters

Rob Macaire in Teheran.

Macaire wies Berichte zurück, wonach

er sich an den Protesten beteiligt

habe.

Er sei zu einer „Veranstaltung gegangen,

die als Trauerwache für die

Opfer der Tragödie von Flug PS752

angekündigt war“, erklärte er auf

Twitter. Irans Vize-Außenminister

Abbas Aragtschi erklärte später,

Reaktionen

in Berlin protestieren Friedensbewegte gegen einen Krieg mit dem Iran.

FLORIAN BOILLOT

Macaire sei zunächst als „ausländischer

Teilnehmer an einer illegalen

Versammlung“ festgenommen worden,

nach Überprüfung seiner Identität

aber wieder freigekommen.

Dieiranischen Revolutionsgarden

übernahmen die Verantwortung für

den Abschuss der Boeing. Irans Präsident

Hassan Ruhani erklärte aufTwitter,

sein Land bedaure den Abschuss

„zutiefst“. Das geistliche Oberhaupt

Ayatollah Ali Chamenei sprach den

Hinterbliebenen sein Beileid aus.Außenminister

Dschawad Mohammed

Sarifentschuldigte sich, machte aber

das „Abenteurertum der USA“ mitverantwortlich.

Damit bezog ersich

auf die von Trump angeordnete Tötung

des iranischen Generals Soleimani

in Bagdad.

Am Sonntagabend wurde dann

bekannt, dass acht Raketen die von

US-Truppen genutzte Luftwaffenbasis

Balad im Irak getroffen haben.

Dabei seien vier irakische Soldaten

verletzt worden, teilte das Militär der

staatlichen Nachrichtenagentur INA

zufolge mit. Werhinter dem Angriff

steckt, war zunächst unklar. Der

Stützpunkt liegt rund 80 Kilometer

nördlich der Hauptstadt Bagdad.

In den vergangenen Wochen warenimIrakmehrfach

Raketen in der

Nähe von Stützpunkten eingeschlagen,

an denen US-Truppen stationiertsind.

Davonwar auch Balad getroffen.

Der Verdacht richtet sich

meistens gegen schiitische Milizen,

die mit dem Nachbarland Iran verbündet

sind. Sie wollen wie der Iran

den Abzug der US-Truppen aus dem

Land erreichen. Auch im Stadtzentrum

von Bagdad schlugen zuletzt

mehrfach Raketen ein. (AFP/dpa)

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute verschwindet die Sonne häufig hinter Wolken. Hier und da gibt es

Lichtblicke. Dabei werden Höchstwerte von 6bis 9Grad erzielt, und der

Wind weht schwach bis mäßig aus Südwest. In der Nacht erreichen die

Temperaturen Wertevon 4bis 1Grad. Dazu ist der Himmel wechselnd bis

stark bewölkt.

Biowetter: Grippale Infekte mit

Schnupfen und Husten sind auf

dem Vormarsch. Rheumatische Gelenk-

und Muskelschmerzen machen

ebenfalls zuschaffen. Der

Tiefschlaf ist nicht sehr erholsam.

Berliner Luft: gestrige Höchstwerte

um 13 Uhr: Ozon: 48 µg/m 3 ;

Stickstoffdioxid: 10 µg/m 3 ;

Schwebstaub: 15 µg/m 3 ;

Luftfeuchtigkeit: 68%

Gefühlte Temperatur: maximal 8Grad.

Wind: schwach aus Südwest.

Wittenberge

4°/9°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

4°/8° 4°/8°

Luckenwalde

3°/7°

Cottbus

3°/8°

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Regen stark bewölkt heiter

4°/9° 8°/11° 5°/9°

Prenzlau

3°/8°

Frankfurt

(Oder)

3°/6°

Das Wolkenband eines Tiefs über dem Nordwesten Russlands reicht über uns

hinweg bis Nordfrankreich und liefert lokal Regen. Die beeindruckende Regenspirale

eines Orkantiefs südlich von Island erfasst die Britischen Inseln. Vonder

Iberischen Halbinsel bis zum westlichen Schwarzmeerraum dominiert die

Sonne.

Köln

5°/9°

Sylt

4°/7°

Saarbrücken

3°/6°

Hannover

5°/9°

Konstanz

2°/5°

Hamburg

4°/6°

Erfurt

2°/6°

Frankfurt/Main

4°/6°

Stuttgart

3°/8°

Rostock

5°/8°

Magdeburg

4°/8°

Nürnberg

2°/4°

München

2°/7°

Rügen

4°/7°

Dresden

2°/5°

Deutschland: Heute ist der Himmel

vielfach mit Wolken verhangen, und

die Temperaturen steigen am Tage

auf 4bis 9Grad. Nachts sinken die

Wertedann auf 7bis 0Grad. Der

Wind weht schwach bis mäßig aus

Südwest. Morgen wandern viele Wolken

und einzelne Regenfälle über uns

hinweg. Die Höchstwerte steigen auf

6bis 11 Grad, und der Wind weht

mancherorts mit Sturmböen aus

Südwest.

Schneehöhen:

Thüringer Wald bis 40 cm

Harz bis 25 cm

Erzgebirge bis 30 cm

Bayerische Alpen bis 160 cm

Mondphasen: 17.01. 24.01. 02.02. 09.02.

Sonnenaufgang: 08:11 Uhr Sonnenuntergang: 16:18 Uhr Mondaufgang: 19:43 Uhr Monduntergang: 10:07 Uhr

Lissabon

14°

Las Palmas

21°

Madrid


Reykjavik


Dublin


London

12°

Paris

10°

Bordeaux

13°

Palma

15°

Algier

15°

Nizza

13°

Trondheim


Oslo


Stockholm


Kopenhagen


Berlin


Mailand


Tunis

14°

Rom

12°

Warschau


Wien

5° Budapest


Palermo

15°

Kiruna

-8°

Oulu

-1°

Dubrovnik

14°

Athen

14°

St. Petersburg


Wilna


Kiew


Odessa


Varna


Istanbul


Iraklio

14°

Archangelsk

-1°

Moskau


Ankara


Antalya

18°

Acapulco 34° sonnig

Bali 23° wolkig

Bangkok 33° heiter

Barbados 27° Schauer

Buenos Aires 25° bewölkt

Casablanca 18° wolkig

Chicago 3° bewölkt

Dakar 28° sonnig

Dubai 21° sonnig

Hongkong 20° wolkig

Jerusalem 9° bewölkt

Johannesburg 32° Schauer

Kairo 16° wolkig

Kapstadt 26° heiter

Los Angeles 15° heiter

Manila 31° wolkig

Miami 27° heiter

Nairobi 25° Gewitter

Neu Delhi 21° Schauer

New York 9° bedeckt

Peking 1° wolkig

Perth 35° sonnig

Phuket 32° heiter

Rio de Janeiro 25° Gewitter

San Francisco 12° heiter

Santo Domingo 27° Gewitter

Seychellen 29° Gewitter

Singapur 33° Schauer

Sydney 24° bewölkt

Tokio 13° wolkig

Toronto 1° Schnee


Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020 3· ·

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Seite 3

Oh, du schöner Schmerz

Lametta an den Wänden, Diskokugel: In Clärchens Ballhaus ist die Zeit stehen geblieben. Wie es war, ist und für immer bleiben soll, wollen beim Abschieds-Schwoof viele noch einmal spüren.

SABINE GUDATH

Eshat sich gelohnt, zu kommen. Das

weiß man bereits, wenn die Tür

zum ersten Mal aufgeht und aus

dem Inneren „Volare“ dröhnt. In

voller Inbrunst herausgeschmettert von

Hunderten sanges- und tanzwütiger Menschen.

„Volare, oh oh. Cantare, oh oh oh.“

Schöner kann Abschiednehmen gar nicht

sein. Egal, was nun kommen wird.

Am Wochenende wurde Clärchens Ballhaus

verabschiedet. Im Moment weiß man

noch nicht, ob es eine Abschied für immer

sein wird, oder ob alles gut wird, so golden

wie die Gegenwartvielleicht oder sogar noch

besser.Wenn das denn überhaupt geht.

Das Haus, am13. September 1913 von

dem Unternehmerpaar Fritz und ClaraBühler

in einem Hinterhaus an der Auguststraße

eröffnet, ist eins der letzten erhaltenen Ballhäuser

aus der Zeit um 1900 in Berlin. Es

steht, so heruntergekommen wie es auch

sein mag, allerdings gerade mal wieder auf

seinem Zenit. So beliebt und so geliebt ist

kaum ein anderes Tanzlokal der Stadt. Wer

kann schon sagen, ob Yoram Roth, der neue

Besitzer, eshinkriegen wird: einen Umbau,

den Erhalt, die Stabilisierung des denkmalgeschützten

Ensembles, aber ohne Clärchens

Geist zu vertreiben.

Erst mal sieht es gut aus: Roth gibt sich als

Verehrer, ersagt, er sei total verliebt in Clärchens

Ballhaus, alles soll bleiben wie es ist.

Aber der Bau ist marode. Ermuss dringend

saniertwerden. Ob der alte morbide Charme

das überleben wird, steht dahin.

Alle wollen rein

Sonnabendnacht, die letzte Tanznacht im alten

Clärchens, scheint jedenfalls die halbe

Stadt entschlossen, noch einmal zu feiern, zu

singen, zu tanzen. DasHaus ist hell erleuchtet,

ein Feuer flackertvor dem Eingang. Eine

lange Schlange wartender Menschen belagert

den Eingang bereits um acht Uhr. Und

so wird es bleiben, die ganze Nacht. Das

Haus ist bereits überfüllt, bevor überhaupt

der Tanz beginnt. Es geht einfach keiner

mehr rein, erst müssen Leute wieder raus.

Siggi Markwart hat die schnellen Schuhe

an. Er trägt ein lachsfarbenes Hemd, darüber

eine blaue Weste und einen weißen Schal.

Aufdem Kopf trägt er Hut. Siggi Markwartist

80 Jahrealt. Er kommt seit 1958 zum Tanzen

in Clärchens Ballhaus.„Ichbin wie die Möbel

hier,alt, aber noch zu was gut“, sagt er.Erhat

eine Visitenkarte dabei. Sie weist ihn als

„Tanzkönig von Berlin-Mitte“ aus. Dann hat

er nicht mehr so viel Zeit für weitereGespräche.

Ermus tun, was er immer tut, wenn er

her kommt: tanzen.

Da ist er nicht allein. Werimmer an diesem

letzten Abend gekommen ist, will sich

bewegen. „Pata Pata“ –auf der Empore legt

Heide Rabe auf. Sie hat schon vor 15Jahren

Musik gemacht, als Clärchens das letzte Mal

den Besitzer gewechselt hat. Viele Pärchen

Clärchens Ballhaus schließt erst mal, da heißt es Abschied nehmen.

Der neue Besitzer will das alte Haus renovieren.

Das klingt nicht nach einem Plattmachen, sondern nach Erneuerung.

Weil aber niemand weiß, ob es nach einem Facelifting je wieder so sein

wird wie bisher –soschön morbide, schwülstig und glitzernd –, gerät

die letzte Tanznacht zu einem rauschenden Fest

sind an diesem Abend gekommen. Es wird

fotografiert, mit dem Handy,mit dem Selfiestick,

in die Menge,den Saal, die Wände,Dekorationen,

Tänzer –als ob es kein Morgen

gebe. Aber es gibt ja auch etwas zu sehen:

Frauen, Anfang 20, mit Baskenmütze,

Frauen, Mitte 50, im kurzenKleid, ein Mann

im Berlin-T-Shirt mit „Tanz-oder-gar-nicht-

Aufdruck“, eine Gruppe mit Glitzerhüten zur

Feier des Tages, Tänzer im Dreiteiler und

welche im goldenen Top.

„Sometimes“ –Schlager tropfen aus den

Lautsprechern.„Rock around the clock“ –ein

Paar legt eine Rock’n’Roll-Nummer aufs Parkett.

Ein Kreis bildet sich. Es wird imRhythmus

geklatscht. Lametta, ganz in Silber, bedeckt

die Wände. Es gibt Lampions an

Schnüren quer durch den Raum. Über der

Diskokugel sind goldene Lametta-Girlanden

zusammengebunden. Nicht nur das Haus ist

alt. Es fühlt sich drinnen auch an, wie früher.

Ein bisschen nach Abifete, ein bisschen wie

bei einer Hochzeit auf dem Dorfe. Esist, als

sei die Zeit stehengeblieben in diesem Haus.

Für einen Abend mal ein paar Jahrzehnte abstreifen,

zurück in die Zukunft, als sie noch

eine Verheißung war, vielleicht ist das der

Reiz dieses Ortes.Wenn sich schon alles verändert,

die Gesellschaft, die Arbeit, das Leben,

Clärchens Ballhaus ist immer gleich.

Jedenfalls gibt es ihn, diesen geheimen

Reiz. Mit den Äußerlichkeiten allein lässt

sich jedenfalls der Andrang an diesem Abend

nicht erklären.

Auf der Tanzfläche im Ballsaal ist schon

um 9Uhr kein Durchkommen mehr.Kellner

schleppen trotzdem unverdrossen Essen

durchs Gedränge, Pizza, riesige panierte

Schnitzel. Sogar das Essen ist vonfrüher.Paniertes

Schnitzel mit Kartoffelsalat, wer isst

heutzutage noch so was? Aufden Tischen liegen

Luftschlangen. Es gibt tatsächlich auch

Vasen mit Nelken darin. Die schlimmste

Blume von allen, altmodisch, pastellig. Es

VonJulia Haak

Schlange vor der Tür:Rein geht’snur,wenn wer

rauskommt.

GUDATH

gibt viel zu fotografieren an diesem Abend.

Eine Frau filmt die Szenerie, aber schon rufen

ihreFreundinnen sie wieder zumTanzen.

Der Mann im Berlin-T-Shirt bekommt eine

Pizza. „NeNaNaNa“ –ermuss schneller essen.

Bei„Twist and Shout“ gehen seine Arme

hoch. Eine Frau schmeißt ihre Winterstiefel

unter den Tisch und los geht’s.Esist wie auf

den Zillebildern, die hier überall an den

Wänden hängen.

Draußen vor der Tür steht David Regehr

und betrachtet die unablässig weiter anwachsende

Schlange von Menschen, die

auch noch rein wollen. Regehr hat eine dicke

Jacke an, aber er fröstelt trotzdem. Vielleicht

liegt es aber auch an seiner Stimmung. Ja,ein

bisschen Wehmut sei schon auch mit dabei,

sagt er.Aber gleichzeitig ist er auch glücklich.

Wahnsinnig glücklich. Dieser Abend, dieser

Andrang, es ist wie eine Bestätigung, dass er

alles richtig gemacht hat. Als er vor15Jahren

das Ballhaus übernommen hat, hat er wenig

verändert. So wenig wie möglich. „Dieser Ort

ist wie eine Zeitmaschine. Alles hat sich verändertnur

diese eine Sache nicht. DieLeute

haben einfach die Idee, wir gehen hier tanzen,

so ist Berlin, so war es immer“, sagt Regehr.Soeinfach.

Underhat ja recht. Manmuss nur die Auguststraße

hinaufwandern und hat die Bestätigung

für seine Worte direkt vor Augen.

Alles ist saniert, hübsch und seelenlos. Nur

Clärchens nicht. Hier ist die Fassade grau

und bröckelt, die Fenster fallen fast aus den

Rahmen. Es gibt Einschusslöcher.Wogibt es

die noch in Berlin? Drinnen ist die Ölfarbe

abgeblättert. Die meterhohen Spiegel im

Spiegelsaal sind gesplittert. Es sieht aus wie

in Babylon Berlin und wahrscheinlich ist

auch vieles tatsächlich genauso alt und unverändert

bis heute irgendwie durchgekommen.

Die Hälfte vom Stuck fehlt an der Decke.Egal.

Irgendwer hat irgendwann einfach

einen Eimer Farbe genommen und drüber

gestrichen. Das Parkett im Ballsaal schlägt

Wellen. Oben im Spiegelsaal schwankt der

Boden, wenn alle gleichzeitig springen und

man denkt, gleich, gleich liegen wir eine

Etage tiefer.

David Regehr hat gar nicht so viel Zeit für

Wehmut. Auch am letzten Abend muss er

noch ein paar Probleme lösen. Es darfkeiner

mehr rein, verfügt er um zehn. Nur, wer bereits

Karten hat. Die anderen müssen eben

warten bis Leute gegangen sind. Erstaunlicherweise

tun sie das.Sie stehen da und warten.

Als ob dies ein wirklich hippes neues

Tanzlokal wäre.

David Regehr wartet jetzt erst mal, was

kommt. Seinen Pachtvertrag hat der neue

Besitzer nicht verlängert. Am 15. Januar

müssen die Regehrs raus sein. Sie gehen direkt

nach dem Abschieds-Schwoof. „Der

neue Besitzer will einfach nur das Haus sanieren.

Das ist sein gutes Recht“, sagt David

Regehr. Esklingt, als habe er sich arrangiert

mit den neuenVerhältnissen. Einfach wirdes

allerdings nicht für den Nachfolger, und das

weiß auch David Regehr. „Es gibt das Berghain

und das Hofbräuhaus.Und dann gibt es

uns.Jetzt sind wir auf dem Zenit:Wirsind das

bekannteste Tanzlokal in Deutschland“, sagt

er.Wenn das keine Ansage ist.

Aber er hat auch etwas vorzuweisen. 15

Jahre lang haben David und Lisa Regehr mit

ihrem Partner Christian Schulz Clärchens

Ballhaus betrieben. Regehr ist Bühnenbildner,

seine Frau Tanzlehrerin. Schon vor 15

Jahren mutete dasHaus seltsam anachronistisch

an: Tanztempel mit Schankraum-

Charme. Legende ja, aber mehr Legende als

Wirklichkeit. Der Spiegelsaal, eigentlich die

ganze obere Etage, war geschlossen, vollgestellt

mit Gerümpel, die Fenster zugemauert.

Das Haus öffnete nur noch zweimal die Woche.

Schulz und die Regehrs haben Clärchens

Ballhaus zu dem gemacht, was es jetzt

ist: ein Tanzlokal mit Tausenden Besuchern,

mit Veranstaltungen an fast allen Tagen der

Woche, mitTanzkursen wie früher.

Erfolgsdruck und Verantwortung

Siehaben Fans und die haben bereits an den

neuen Besitzer geschrieben und ihn gebeten,

den Betrieb mit den bisherigen Pächtern

fortzuführen. Was daraus wird, weiß man

nicht. Yoram Roth, 1968 in Berlin geboren,

hat in NewYorkFotografie studiert. Er hatbereits

vielfach versichert, dass ihm die Seele

des Hauses am Herzen liegt und er es nicht

kaputtsanieren will. „Jetzt hat er die Verantwortung.

Vorher hatten wir sie“, sagt David

Regehr draußen am Feuer. Vielleicht wirdda

ja noch was. Er will jedenfalls nicht ausschließen,

dass es auch weitergehen könnte

mit ihm in der neuen Zeit. Nureine konkrete

Absprache,die gebe es nicht, sagt Regehr.

„Do you really want to hurt me“, schallt

von drinnen wie eine Untermalung der melancholischen

Stimmung. Aber drinnen ist es

gar nicht traurig. Hände hoch bei „I will survive“.

„Der Reiz hier ist einfach, dass alle

Leute von 18bis 88 tanzen“, sagt eine Frau.

Sieschreibt ihrer Freundin, die zu Hausegeblieben

ist, eine SMS: „Is super hier, selbst

schuld!“ Dann kommt ein Trompeterauf die

Bühne. Eine Blaskapelle durchquert den

Raum mit „Bella Ciao“. Es gibt eine Polonaise.„Wirf

dieGläser an dieWand, Russland

ist ein schönes Land.“ Undsogeht es immer

weiter.Die Nachtist lang.

Draußen vor der Tür stehen die Wartenden

noch weit nach Mitternacht im dichten

Pulk. „Clärchens Ballhaus: Ich wusste gar

nicht, dass die so beliebt sind“, sagt ein

Mann zu seiner Freundin. Siehakt ihn unter

als ob sie ihn trösten wollte.

Julia Haak

hat sich beim Abschieds-Schwoof wie

im Volkslied „janz köstlich amüsiert“.


4 Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020

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Politik

NACHRICHTEN

Schäuble erwartet schnelle

Einigung über Wahlrecht

Bundestagspräsident Wolfgang

Schäuble (CDU) rechnet mit einer

schnellen Einigung zur Reformdes

Wahlrechts.Erhabe vonallen Fraktionen

die Zusage,dass es noch im

Januar eine Entscheidung geben

müsse,sagte er der Bild am Sonntag.

Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende

Rolf Mützenich glaubt an eine baldige

Verständigung. Wiedie Wahlrechtsreformaussehen

könnte,ist

aber weiterhin unklar. (AFP)

Ministerin will Sprachtests

noch in der Kita

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek

hat sich vordem Hintergrund

mittelmäßiger Ergebnisse bei den

Pisa-Studien für Tests der Sprachfähigkeit

schon in der Kita ausgesprochen.

20 Prozent der 15-Jährigen

könnten nicht sinnverstehend lesen

–das sei alarmierend, sagte die

CDU-Politikerin der Welt am Sonntag.

„Wir brauchen eine neue Kultur

des Lesens und vorallem der

Sprachförderung generell.“ Dazu

müssten die Fähigkeiten der Kinder

in der Kita zum ersten Malgetestet

werden. Dann sei noch etwas Zeit,

Kinder mit Nachholbedarfgezielt zu

fördern. „Am Ende hilft vermutlich

nur:üben, üben, üben, auch wenn

sich das altmodisch anhört.“ (dpa)

Mindestens 23 Menschen

ertrinken im Mittelmeer

Beim Untergang vonFlüchtlingsbooten

sind mindestens 23 Menschen

im Mittelmeer ertrunken. Am

Sonnabend sank ein Boot mit Dutzenden

Migranten an Bord im Ionischen

Meer,mindestens 13 Menschen

starben. In der Nacht zum

Sonntag kenterte ein Flüchtlingsboot

vorder türkischen Küstenstadt

Cesme.Acht Menschen wurden gerettet

und elf tot geborgen, darunter

acht Kinder. (dpa)

Tsai Ing-wen gewinnt

Wahl in Taiwan

Tsai Ing-wen will sich der Einschüchterung

durch China widersetzen.

Mitder Wiederwahl der chinakritischen

Präsidentin Tsai Ing-wen haben

sich die Taiwaner erneut gegen

eine Annäherung an China ausgesprochen.

DerklareSieg der 63-Jährigen

ist eine Abfuhr für die kommunistische

Führung in Peking, die den

Druck auf die Inselrepublik verstärkt

hatte.„Ichhoffe,die Ergebnisse der

Wahl senden eindeutig das richtige

Signal an Peking“, sagte Tsai Ing-wen

vorjubelnden Anhängern. Dasdemokratische

Taiwan werde„gegenüber

Drohungen und Einschüchterung

nicht einknicken“. (dpa)

Herrscher in Oman

gestorben

Im Oman hat nach dem Todvon Sultan

Kabus bin Said sein Cousin die

Macht übernommen. Haitham bin

TarikAlSaid legte am Sonnabend

seinen Eidab, wie die Regierung in

Maskat mitteilte.Der beliebte Kabus,

der fast 50 Jahrelang regierte,hatte

seinen Cousin in seinem letzten Willen

zum Nachfolger bestimmt. Kabus

starb im Alter von79Jahren nach

schwerer Krankheit. (dpa)

AP

Das Bundesverfassungsgericht steht selbst vor Gericht –essoll zu langsam gearbeitet haben.

Bundesrichter vor dem Kadi

Das gab es noch nie: Eine Berlinerin verklagt das höchste deutsche Gericht wegen Untätigkeit

VonChristine Dankbar

Vor dem Landgericht Karlsruhe

beginnt an diesem

Montag ein Prozess,den es

so noch nicht gegeben hat.

Die Berlinerin Silke Kühne verklagt

das höchste deutsche Gericht, weil

es ihre Verfassungsbeschwerde jahrelang

verzögert hatte. Dadurch, so

die Klägerin, seien ihr in einem anderen

Verfahren erhebliche Nachteile

entstanden. Sie will deshalb

eine Schadensersatzzahlung durchsetzen.

Klägerin leidet gesundheitlich

Hintergrund ist ein Fall, der vor 13

Jahren für Schlagzeilen sorgte. Die

heute 57-Jährige arbeitete als Personalleiterin

des Musikrechteverwerters

Gema in Berlin. Sieverklagte ihrenArbeitgeber,weil

sie bei einer Beförderung

übergangen worden war

und in der Vergangenheit weniger

Geld als ein männlicher Kollege bekommen

hatte.Die Stelle hatte dann

ohne Ausschreibung genau jener

männlicher Kollege erhalten, obwohl

sie Interesse angemeldet hatte.

Der Mann hatte eine vergleichbare

Qualifikation wie sie, war aber noch

nicht so lange bei der Gema tätig.

Sie ging vor Gericht und bezog

sich dabei auf das Allgemeine

Gleichbehandlungsgesetz (AGG),

das es seit August 2006 gab. Kühne

war eine der ersten Frauen in der

Bundesrepublik, die sich auf dieses

Gesetz berief. Ihre Ausgangssituation

war gut. Als Personalchefin

hatte sie Zugang zu Daten, die Angestellte

sich ansonsten immer erst

mühsam erstreiten müssen, falls sie

erwägen, gegen ihren Arbeitgeber zu

klagen.

Silke Kühne scheitert trotzdem

schnell. Das Arbeitsgericht Berlin

weist ihre Klage im Januar 2008 ab.

Sie legt Berufung ein und scheitert

noch einmal in Bezug auf die Ungleichbezahlung.

Diesmal lässt das

Landesarbeitsgericht keine Berufung

mehr zu. Silke Kühne reicht

eine Nichtzulassungsbeschwerde

beim Bundesarbeitsgericht ein. Ihr

Anwalt Hans-GeorgKluge formuliert

außerdem eine Verfassungsbeschwerde

beim Bundesverfassungsgericht

in Karlsruhe. Es begründet

dies damit, dass die bisherigen Gerichtsentscheide

in der Sache den

besonderen Schutzauftrag des

Grundgesetzes zur Vermeidung von

Geschlechterdiskriminierung missachteten.

Nun beginnt eine Zeit des Wartens.

Vier Jahre lang sieht sich das

Bundesverfassungsgericht außerstande,die

Sache anzugehen. Immer

wieder fragt der Anwalt von Silke

Kühne nach. Gleichzeitig gibt es

noch den Rechtsstreit wegen der

Nicht-Beförderung bei der Gema. Er

war vom anderen Verfahren abgetrennt

worden und zieht sich in die

Länge. Das Verfahren zehrt anihren

Nerven und ruiniertschließlich auch

ihreGesundheit.

„Es ist gut, dass man bei vielen

Dingen vorher nicht weiß, wie sie

sich entwickeln“, sagt Silke Kühne

im Gespräch mit der Berliner Zeitung.

Sieist heute berufsunfähig. Zur

Verhandlung nach Karlsruhe kann

sie nicht anreisen.

Im Jahr 2008 erringt sie einen Teilerfolg.

In zweiter Instanz spricht ihr

das Landesarbeitsgericht Berlin eine

Entschädigung zu und verurteilt die

Gema, ihr das Gehalt nachzuzahlen,

dass ihr durch die verweigerte Beförderung

entging. Doch das Bundesarbeitsgericht

hebt das Urteil wieder

auf und gibt es an die untereInstanz

zurück. DasRingen geht weiter.

In all den Jahren kommt vomVerfassungsgericht

–nichts.Anderthalb

Jahre braucht das Gericht allein, um

die Frage zu beantworten, welches

Gremium zuständig ist. Die Wahl

fällt auf den Zweiten Senat. Dann

vergeht ein weiteres Jahr in Untätigkeit.

Im November 2011 ändern sich

die Zuständigkeiten erneut. Nunsoll

der Erste Senat Silke Kühnes Verfassungsbeschwerde

behandeln.

Vonseiten des Verfassungsgerichtes

heißt es, dass man in jener Zeit

außergewöhnlich viele politisch bedeutsame

Verfahren zu bearbeiten

hatte. Für Anwalt Kluge ist das Verfahren

von Silke Kühne aber auch

politisch bedeutsam. „Es gibt vom

Bundesverfassungsgericht noch

kein Grundsatzurteil zum Thema

Entgeltgleichheit von Mann und

Frau“, sagt er. „Wir haben den Eindruck,

dass sich das Verfassungsgericht

in diesem Fall durch Nichtstun

um eine Entscheidung herumdrücken

wollte.“

Silke Kühne wartet weiter vergeblich,

dann reicht ihr Anwalt eine Verzögerungsbeschwerde

ein. Es ist jetzt

Mai2013. Einen Monat später geht sie

DPA/ULI DECK

mit der Gema einen Vergleich ein. Sie

bekommt eine Summe, über die sie

nicht sprechen darf. Ihren Job ist sie

los. Aber noch hofft sie, wenigstens

vor dem Verfassungsgericht wegen

der Ungleichbezahlung recht zu bekommen.

Doch weil Silke Kühne einen

Vergleich geschlossen hat, sehen

auch die Verfassungsrichter keinen

Grund mehr zum Handeln und weisen

die Verfassungsbeschwerde im

September 2014 ab.

3000 Euro Entschädigung

Aber Silke Kühne denkt nicht daran

aufzugeben. Einen Tagnach der Absage

aus Karlsruhe reicht sie eine

Verzögerungsbeschwerde ein. Ihr

Anwalt begründet den Schritt unter

anderem damit, dass Silke Kühne

der Vergleich womöglich erspart geblieben

wäre, wenn dasVerfassungsgericht

rechtzeitig die faktische Ungleichbezahlung

von Männern und

Frauen bei der Gema als geschlechterdiskriminierend

gewertet hätte.

Und diesmal bekommt sie recht.

Im August 2015 verurteilt sich das

Bundesverfassungsgericht selbst,

weil es zu langsam gearbeitet habe.

Silke Kühne bekommt 3000 Euro

Entschädigung. Das ist bisher einmalig

in der Geschichte des Verfassungsgerichtes.

So wie das Schadensersatz-Verfahren,

das heute vor

dem Landgericht beginnt.

Erster Erfolg für die Streikenden in Frankreich

VonBirgit Holzer,Paris

Nach wochenlangen Streiks und

Protesten ist die französische

Regierung im Streit um die Rentenreformauf

die Gewerkschaften zugegangen.

Premierminister Edouard

Philippe stellte am Sonnabend in

Aussicht, die Erhöhung des Renteneintrittsalters

auf 64 Jahrevorerst aus

dem Gesetzentwurfzustreichen.

Ist damit der ersehnte Kompromiss

gelungen, sodass nach rund 40

Tagen Streik Zugfahrer, Lehrer und

Anwälte wieder die Arbeit aufnehmen?

Den Brief, den Philippe den

Gewerkschaften und den Arbeitgebern

geschickt hatte, legte jeder

nach seiner Fasson aus.Der Premierminister

erklärte, erbeweise, dass er

den Sozialpartnern vertraue. Allerdings

müssten diese bei einer Konferenz

über die Finanzierung des französischen

Rentensystems, dessen

Milliarden-Defizit zu wachsen droht,

bis Ende AprilalternativeVorschläge

Premierminister Philippe stellt den Verzicht auf ein höheres Renteneintrittsalter in Aussicht

vorbringen. Diese dürften weder zu

geringeren Pensionen noch zu höherenArbeitskosten

für die Arbeitgeber

führen.

Sollte kein Kompromiss gefunden

werden, behält sich die Regierung

das Recht vor, ihreReformüber

Dekrete umzusetzen. Außerdem

rückte Philippe keineswegs vondem

Ziel ab, längerfristig das Renteneintrittsalter

zu erhöhen –lediglich die

Übergangsfristen werden ausgedehnt,

sodass noch nicht wie geplant

alle Geburtsjahrgänge ab 1960 betroffen

sind. Weiterhin sollen die bislang

42 verschiedenen Rentenkassen

in ein einheitliches Punktesystem

eingehen. Das lehnen unter anderemBeamte

wie die Lehrer sowie die

Mitarbeiter der Bahn und des Pariser

Nahverkehrbetreibers RATP ab,

denn sie würden dadurch ihre Vorteile

bei der Berechnung der Pensionsansprüche

verlieren: Wurden bei

ihnen bislang die vergangenen sechs

Monate herangezogen, sollen es wie

Édouard Philippe, Premierminister von

Frankreich.

AP

in der Privatwirtschaft die vergangenen

25 Jahresein.

MehrereGewerkschaften kündigten

daher an, ihren Widerstand fortzuführen:

Sie sei „entschlossener

denn je, den Rückzug dieses Textes

durchzusetzenund das aktuelle System

zu verbessern“, erklärte die den

Kommunisten nahe stehende CGT.

Christine Dankbar

findet das deutsche Gerichtswesenfaszinierend.

Allerdings hat die Regierung den

Chef der größeren, reformorientierten

Gewerkschaft CFDT, Laurent

Berger,auf ihreSeite gebracht. Er unterstützte

stets die Umwandlung in

ein Punktesystem, nicht aber eine

Erhöhung des Renteneintrittsalters.

„Der Kompromiss ist nun akzeptabel“,

sagte Berger. Indieser Zeit der

kollektiven Hysterie müsse die

Blockadesituation beendet werden.

Die Opposition äußerte sich kritisch.

Während die Linken sowie die

Rechtsextremen weiterhin die gesamte

Reform ablehnen, bemängelten

die Konservativen, diese sei nun

völlig ausgehöhlt. Tatsächlich ließ

sich die Regierung bereits auf mehrere

Sonder-Vereinbarungen mit bestimmten

Berufsgruppen ein. Am

24. Januar soll der Gesetzesentwurf

im Ministerrat vorgestellt, ab 17. Februar

im Parlament verhandelt werden.

Für diese Woche sind aber bereits

neue Streiks und Protesttage geplant.

(mit AFP)

Flaggen

verbrennen

verboten

Schutz israelischer Fahnen

wird im Bundestag beraten

VonChristian Rath

Nach langem Zögernwill die Koalition

nun doch das Verbrennen

der israelischen Flagge verbieten.

Das Vorhaben ist aber doppelt getarnt.

Zumeinen sollen auch alle anderen

ausländischen Flaggen geschützt

werden. Zumanderen gibt es

keinen eigenen Gesetzentwurf, nur

einen Änderungsantrag zum geplanten

verbesserten Schutz der EU-

Flagge, über den der Bundestag

diese Woche berät. Der bisher nicht

veröffentlichte Änderungsantrag

liegt dieser Zeitung vor.

Auslöser der Debatte waren mehrere

Berliner Demonstrationen im

Dezember 2017. Damals wurde gegen

Donald Trumps Anerkennung

von Jerusalem als israelischer

Hauptstadt protestiert. Dabei wurden

auch einige israelische Fahnen

verbrannt. Dies führte zu einem lauten

Aufschrei, vor allem als klar

wurde, dass dies bisher nicht strafbar

ist. „Wer israelische Flaggen verbrennt,

stellt das Existenzrecht Israels

infrage,lehnt es ab“, sagte Josef

Schuster, Präsident des Zentralrats

der Juden in Deutschland. „Wer israelische

Fahnen in Brand steckt,

verbrennt unsere Werte“, erklärte

der damalige Justizminister Heiko

Maas.

Derzeit sind ausländische Fahnen

im Strafgesetzbuch nur geschützt,

wenn sie offiziell aufgehängt

werden, zum Beispiel bei einem

Staatsbesuch. Dasist im Strafgesetzbuch

geregelt (Paragraf 104). Werdagegen

bei einer Demonstration eine

In Berlin wurden bei einer Demo im Dezember

2017 Israel-Fahnen verbrannt. AFP

mitgebrachte israelische,amerikanische

oder russische Flagge anzündet,

hat strafrechtlich bisher nichts

zu fürchten.

Umfassender ist nur die deutsche

Fahne geschützt. Sie darf laut Paragraf

90a weder zerstört, beschädigt

noch verunglimpft werden. Dies gilt

auch bei einer selbst mitgebrachten

schwarz-rot-goldenen Fahne auf einer

Demonstration. Zunächst war

geplant, nur das öffentlicheVerbrennen

der israelischen Fahne unter

Strafe zu stellen. Der wissenschaftliche

Dienst des Bundestags hielt dies

in einer Stellungnahme vom März

2018 auch für zulässig. „Im Lichte

der fortwirkenden, besonderen, geschichtlich

begründeten Verantwortung

Deutschlands, erschiene es

nicht willkürlich, die israelische

Flagge in besondererWeise zu schützen“,

hieße es dort.

Dann hat aber wohl die israelische

Botschaft in Berlin gebeten, auf

ein Sonderrecht nur für die israelische

Fahne zu verzichten. Nun soll

also bestraft werden, „wer öffentlich

die Flagge eines ausländischen

Staats zerstörtoder beschädigt“.

Auch das Verbrennen der chinesischen

oder saudi-arabischen Flagge

wäre dann also verboten. Es droht

eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe

bis zu zwei Jahren. Das Ganze soll

mit einem Entwurf des Bundesrats

am Mittwoch eingebracht werden.

Hier will der Bundesrat in einem

neuen Paragraf 90c auch die EU-

Fahne und die EU-Hymne vor„Verunglimpfung“

schützen.


Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020 5· ·

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Politik

Sie nannten ihn Klinge

Im Irak-Krieg posierte Edward Gallagher mit einem getöteten Kriegsgefangenen.Nun startet er als Lifestyle-Unternehmer –mit Unterstützung von Donald Trump

VonKarlDoemens, Washington

Das Urteil der einstigen

Kameraden fällt wenig

freundlich aus.„Der Kerl

ist ein verdammtes

Übel“, sagt ein Mitglied des Alpha-

Platoon-Seals-Team 7. „Der Mann

war giftig“, berichtet ein anderer Elitesoldat.„Für

ihn war es offenkundig

okay, jeden zu töten, der sich bewegte“,

bezeugt ein dritter Veteran.

Mehr als 400 Seiten umfasst der

Untersuchungsbericht des Marineermittlungsdienstes

über Edward

Gallagher. Das Dokument, das der

New York Times zugespielt wurde,

belastet den hochdekorierten Marine-Bootsmann

schwer. Mehrfach

hatten sich andere Navy Seals über

den Mann, den sie „Blade“ (die

Klinge) nannten, beschwert. Malsoll

er während eines Einsatzes im Irak

2017 ohne Anlass wild auf ein unbewaffnetes

Mädchen und einen Mann

geschossen haben. Mal habe er andereUS-Soldaten

bedroht. Doch die

Eingaben wurden stets zurückgewiesen

oder versickerten – bis die

Militärjustiz am 11. September 2018

endlich zuschlug: Aufder Marinebasis

Camp Pendleton in Kalifornien

wurde der Scharfschützefestgenommen.

DieAnklage wog schwer.Unter

anderem sollte sich Gallagher wegen

des Mordes an einem minderjährigen

Gefangenen, schwerer Körperverletzung,

Behinderung der Justiz

und Drogenmissbrauch verantworten.

Es hätte das radikale Ende einer

militärischen Laufbahn und der Anfang

einer lebenslangen Haftstrafe

sein können. Doch tatsächlich begann

an jenem Tagdie zweite, schillernde

Karriere des Edward Gallagher,

die ihn 15 Monate später bis in

die Privatvilla des amerikanischen

Präsidenten führen sollte. Kurz zuvor

war der Navy Seal ehrenhaft aus

dem Militär ausgeschieden. Inzwischen

ist er Dauergast im Frühstücksfernsehen.

Seine Instagram-

Seite hat in rechten Kreisen Kultstatus.Und

der 40-Jährige startet ein eigenes

Mode-Label. „Stay Salty“

(Bleib zornig) steht auf den Klamotten.

Zwielichtiger Rambo

Vom mutmaßlichen Kriegsverbrecher

zum Lifestyle-Influencer –das

ist eine aberwitzige Verdrehung, wie

sie eigentlich nur in einem bitterbösen

Hollywood-Streifen denkbar ist.

Oder im Amerika Donald Trumps.In

einem Land also, woüberraschend

und straffrei ein anderer Elitesoldat

eine Tatauf sich nehmen kann, ein

Fernsehsender den als Sadisten verschrienen

Angeklagten zum patriotischen

Offizier und Gentleman verklärt,

und der Präsident den zwielichtigen

Rambo zur Symbolfigur des

eigenen Kampfes gegen die politische

Korrektheit macht.

Alle Indizien sprachen gegen Gallagher,

als im vorigen Sommer der

Prozess gegen ihn eröffnet wurde.Da

gab es nicht nur die belastenden

Aussagen seiner Kameraden. Vorallem

fand man ein schockierendes

Foto auf seinem Handy,das während

der Schlacht um Mossul im Mai2017

gemacht wurde.Auf dem Bild posiert

Gallagher neben der Leiche eines

angeblichen IS-Kämpfers. Der

zwölfjährige Junge war bei Kämpfen

verwundet und in amerikanischer

Gefangenschaft getötet worden. Gallagher

kniet hinter der Leiche und

hält grinsend den schwarzhaarigen

Kopf des Opfers wie eine Trophäe in

die Kamera.

Die Marineermittler waren überzeugt,

dass Gallagher den Jungen erstochen

hat.Vonseinem Handy wurden

nämlich mehrere belastende

Textnachrichten abgesendet. Unter

anderem schieb er an einen Freund

in Kalifornien: „Wenn ich heimkomme,

habe ich eine coole Geschichte

zu erzählen. Ich habe ihn

mit meinem Jagdmesser erledigt.“

Schon vor der Abreise in den Irak

soll er geprahlt haben, er werde sein

Messer irgendjemand in den Schä-

Edward Gallagher:Trump persönlich empfing den Vorzeige-Rambo samt Frau in seinem Feriendomizil Mar-a-Lago in Florida.

del rammen. Vordem Militärgericht

erzählte der Navy Seal freilich eine

ganz andere Geschichte. Inder war

er unschuldig und das Opfer einer

Verleumdungskampagne untergeordneter

Unteroffiziere, die mit seinem

strengen militärischen Kommando

nicht klarkamen. Zuvor

schon hatte er sich vehement über

seine Inhaftierung beklagt, einen republikanischen

Abgeordneten eingeschaltet

und die Aufmerksamkeit

des rechten Fernsehsenders Fox geweckt,

der fortan das Hohelied auf

den angeblichen patriotischen Helden

hinter Gitternsang.

Es dauerte nicht lang, bis der Präsident

durch seinen Lieblingssender

auf den Fall aufmerksam wurde. Bereits

im vorigen März –der Prozess

war noch nicht eröffnet – intervenierte

Trump ein erstes Mal. Seine

Anweisung erging wie üblich per

Twitter:„In Würdigung des Dienstes

für unser Vaterland erhält Navy Seal

Edward Gallagher ab sofort Hafterleichterung

bis zum Beginn des Verfahrens“,

entschied der Mann, der

sich selbst wegen einer angeblichen

Fußerkrankung vor dem Militärdienst

gedrückt hatte. Selbstverständlich

adressierte Trump seinen

Tweet ausdrücklich an die Frühstücks-Talkshow„Fox&Friends“,

die

er jeden Morgen einschaltet. Es war

der Beginn einer gegenseitigen Mobilisierung

des Kabelkanals und des

Präsidenten, die ihren Höhepunkt

erreichte, als Gallagher im Juli überraschend

vom Hauptvorwurf des

Gefangenenmordes freigesprochen

wurde.Urplötzlich hatte sich ein Ex-

Sanitäter gemeldet, und gegen die

Zusicherung von Straffreiheit ein

Geständnis abgelegt: Angeblich

hatte dieser Mann mit dem Messer

zugestoßen, um den Jungen vonseinem

Leiden zu erlösen. Das widersprach

zwar eigenen früheren Aussage.

Auch erklärte der Entlastungszeuge

öffentlich, dass er Gallagher

helfen wolle: „Erhat Frau und Familie.

Ersoll nicht ins Gefängnis gehen.“

Doch die Selbstbezichtigung

reichte, umden schwerstwiegenden

Anklagepunkt gegen Gallagher zu

Fall zu bringen. Rehabilitiertwar der

Elitesoldat damit aber noch nicht.

DasMilitärgericht wertete das Posierenmit

der Leiche nämlich als klaren

Vommutmaßlichen Kriegsverbrecher

zum Lifestyle-Influencer –das ist eine

aberwitzige Verdrehung, wie sie eigentlich nur

in einem bitterbösen

Hollywood-Streifen denkbar ist.

Verstoß gegen den militärischen Ehrenkodex

und degradierte den Portepee-Unteroffizier.

Außerdem

drohte ihm die unehrenhafte Entlassung

aus dem Dienst. Das brachte

Gallagher erst richtig in Rage. Seine

Haftentlassung inszenierte er in blütenweißer

Uniform mit ordensbestückter

Brust an der Seite seiner telegenen

blonden Ehefrau wie eine

IMAGO

Filmszene aus einem patriotischen

Heldenepos. Anschließend trat er

ohne Erlaubnis seiner Vorgesetzten

bei Fox auf und beschimpfte die

Seals-Kommandeure als „eine

Bande vonSchwachköpfen“.

Derartige Auftritte imponieren

dem Mann im Weißen Haus,der seinen

politischen Aufstieg selbst als

Kampf gegen das Establishment verkaufte.Wie

wenig er sich für ethische

Fragen im Allgemeinen und das

Kriegsrecht im Besonderen interessiert

hat er gerade mit der Drohung

gezeigt, iranische Kulturstätten zu

zerstören. Ähnlich ist es im Fall Gallagher.

Der Gedanke, dass Verstöße

gegen internationales Recht die Legitimität

demokratischer Staaten

untergraben und Gräueltaten im

Kampf gegen den Terror den Extremisten

weiteren Zulauf verschaffen,

ist Trump fremd. „Wir kümmernuns

um unsereKrieger.Ich werdeimmer

eintreten für unsere großen Kämpfer“,

verkündete er im Herbst voller

falschem Pathos bei einer Wahlkundgebung.

Wenige Tage später konnte der

Fernsehsender Fox eine „Breaking

News“ verkünden: Sein Moderator

Pete Hegseth, der zwischenzeitlich

zu einer Art Gallagher-Sonderberichterstatter

mutiertwar,hatte –angeblich

von Trump persönlich –exklusiv

erfahren, dass der Präsident

zugunsten des Navy Seals und

zweier weiterer Soldaten intervenieren

werde. „Viele haben sich dafür

eingesetzt“, hob Hegseth zu einer

Lobeshymne an: „Dieser Präsident

erkennt die Ungerechtigkeit.“

Tatsächlich nahm Trump die Degradierung

von Gallagher zurück

und verhinderte eine unehrenhafte

Entlassung aus dem Dienst.„Der Fall

ist von Anfang an sehr schlecht behandelt

worden“, rüffelte er seine eigene

Marineführung. Die Admirale

waren entsetzt. Siebeharrten auf der

Einhaltung der militärischen Ordnung.

Der Streit eskalierte bis in die

Spitze des Verteidigungsministeriums,

und am Ende trat Marine-

Staatssekretär Richard Spencer aus

Protestzurück.

Gallagher hingegen saß wenige

Tage nach dem Trump-Tweet sehr

entspannt in Freizeitklamotten in

der „Fox &Friends“-Talkshow. Der

Mann sei wegen „sogenannter

Kriegsverbrechen“ angeklagt gewesen,

hieß es in der Ankündigung. Tatsächlich

wurde er behandelt wie ein

Pop-Star.„DieNavy Seals lieben den

Präsidenten“, huldigte er seinem

wichtigsten Zuschauer und kofferte

gegen die Admirale: Denen gehe es

nur„um ihr Egound umVergeltung“.

Wer genau hinschaute, konnte

auf dem T-Shirt des unheimlichen

Rambos das Signet „Salty Frog Gear“

erkennen. Tatsächlich ging es Gallagher

nämlich nicht nur um seine

Rehabilitierung, sondern auch um

Werbung für seine neue Geschäftsidee

–eine eigene Lifestyle-Marke.

Schon länger versucht sich der Ex-

Soldat in den Online-Medien als Influencer.

Erwirbt für „patriotischen

Kaffee“ der Firma„Black Rifle Company“

und Protein-Shakes mit dem

makabren Namen „Total War“ (TotalerKrieg).

Auch bizarreAufkleber mit

dem Slogan „Hillary Clinton tötete

meine Freunde“ finden seine Unterstützung.

„Gott segne Sie“

Nach dem freiwilligen Abschied von

der Uniform hat er nun sein eigenes

Label gestartet: „Salty Frog Gear“

solle ein „Küsten-Gefühl mit Kanten“

vermitteln, schreibt er nebulös

im Netz. Wer sich darunter nichts

vorstellen kann, der muss nur die

Homepage aufrufen, aufder die Freizeitklamotten

„für den Angelausflug

oder den Nachmittag auf dem

Schießstand“ vermarktet werden.

Dort posiert Gallagher persönlich

mit Bart und eindrucksvollem Unterarm-Tattoo

als Model, das mit einem

halbautomatischen Sturmgewehr

desTyps AR-15herumballert.

EinpaarT-ShirtsinmehrerenFarben,

Kapuzenpullis und Whiskey-

Gläser mit dem Markenemblem –

noch ist das Angebot überschaubar.

Doch das könnte sich bald ändern.

Längst ist Gallagher in rechten Kreisen

der USA zur Kultfigur aufgestiegen,

und jeder öffentliche Auftritt

verschafft dem zwielichtigen Ex-

Navy Seal neue Popularität. Auf seiner

Instagram-Seite postet er die

sichtbaren Belege seines neuen

Ruhms. Dort finden sich nicht nur

Bilderbuchaufnahmen seiner

scheinbar perfekten Familie und Videoclips

seiner Fernsehauftritte,

sondern auch Fotos mit dem Waffennarr

und Präsidenten-Sohn Donald

Trump Jr. sowie dem Trump-

Anwalt Rudy Giuliani. Kurz vor

Weihnachten kam eine besondere

Trophäe dazu: Trump persönlich

empfing den Vorzeige-Rambo samt

Frau in seinem FeriendomizilMar-a-

Lago in Florida. Selbstverständlich

wurde auch davon ein Foto gemacht,

das Gallagher gleich werbewirksam

aufseine Instagram-Seite stellte.

„Gottsegne Sieund Ihre wunderbareFamilie“,

schrieb eine Leserin.

KarlDoemens findet die

Verklärung Gallaghers zum

Helden unheimlich.


6 Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020

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Wirtschaft

NACHRICHTEN

Arbeitsagentur setzt

auf mehr Zuwanderung

Deutschland braucht dringend Einwanderung

aus dem Ausland, um klaffende

Lücken auf dem Arbeitsmarkt zu

schließen und die Sozialsysteme langfristig

stabil zu halten. Dassagte Daniel

Terzenbach, Vorstandsmitglied der

Bundesagentur für Arbeit. DerAnteil

vonAusländernaus der EU und aus

dem Nicht-EU-Ausland am Zuwachs

der Beschäftigunghabe im Juni 2019

bereits fast 60 Prozent betragen. Im Juni

2011 habe diese Quote noch bei rund

20 Prozent gelegen. DerZuwachs reiche

noch nicht, so Terzenbach. (dpa)

Pro Bahn fordert mehr

WLAN im Regionalzug

DerFahrgastverband ProBahn hat

die Verfügbarkeit vonkostenfreiem

WLANimdeutschen Schienenregionalverkehr

als unzureichend kritisiert.

„Besonders in der Fläche ist

das zum Teil ein großes Problem“,

sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter

Naumann. Dasliege vorallem an

den sogenannten Weißen Flecken,

also der mangelhaften Abdeckung

mit Sendemasten der Mobilfunkanbieter.AndereLänder

seien deutlich

weiter. (dpa)

Airbus überholt den

US-Konkurrenten Boeing

Airbusprofitiertvon den Problemen bei

Amerikanern. GUILLAUME HORCAJUELO/EPA/DPA

Dereuropäische Airbus-Konzern hat

seinem US-RivalenBoeing2019 den

Titel als weltgrößter Flugzeugbauer

abgejagt. Insgesamt lieferte Airbus

nacheigenenAngaben 863Verkehrsflugzeuge

ausund damit 8Prozent

mehr alsimVorjahr.Boeing hat seine

Jahreszahlenzwar nochnichtvorgelegt,

kambis Ende November aber

lediglich auf 345 ausgelieferte Maschinen.

Mehr als400 bereits fertige

Exemplaredes Mittelstreckenjets

737 MaxkannBoeingbisher nicht an

dieKundenübergeben, da fürden

Typnachzweitödlichen Abstürzen

ein weltweitesFlugverbot gilt. (dpa)

Wirecard wechselt

Aufsichtsratschef aus

Beim Zahlungsdienstleister Wirecard

beginntdas neue Jahr mit einem

Wechsel an der Spitzedes Aufsichtsrats.Der

Aufsichtsratsvorsitzende

Wulf Matthias habe sein Amt mit sofortiger

Wirkung abgegeben, teilte das

Unternehmen mit. Derbisherige Leiter

des PrüfungsausschussesThomas

Eichelmann leitenun das Gremium.

Matthias werdebis zum Ende seiner

Amtszeit im Sommer 2021 dem Aufsichtsrat

als gewöhnliches Mitglied

angehören, hieß es weiter.Begründet

wurde das Vorgehenmit dem Wunsch

des 75-jährigen Matthias,einen Generationenwechsel

einzuleiten. (dpa)

Leichter kündigen

Onlinedienstleister garantierenrechtssichere Kündigungen. Doch nicht immer werden diese akzeptiert

Von Theresa Dräbing

Ob der Vertrag fürs Handy,

dasFitnessstudiooderdas

Zeitschriftenabo: Abschließen

geht schnell,

den Vertragwiederzukündigen dauertoft

unvergleichlich länger.Besonders

ärgerlich istdas dann, wenn der

Vertrag aus Versehen eingegangen

worden ist oder eineKündigungsfrist

für eine Vertragsverlängerung einfach

nur verpasst worden ist. Erst

kürzlich forderten Politiker der Grünen,

der SPD und Verbraucherschützer

ein erleichtertes Kündigungsrecht.

So sollen Verträge maximal für

ein Jahr abgeschlossen und drei Monate

verlängert werden können. Im

Verbraucherschutzministerium wurde

dazu bereits ein Entwurf erarbeitet,

abgestimmt istabernoch nichts.

Hilfe innerhalb der bestehenden

Kündigungsfristen geben bereits

zahlreiche Onlinedienstleister, die

für die Kunden den Schriftverkehr

übernehmen –ohne im besten Fall

eine Frist zu verpassen. Dazu zählen

beispielsweise Aboalarm oder Volders,aber

auch Vergleichsportale mischen

hier mit. Im Portfolio der professionellenKündigerfindetsich

immer

öfter auch die Möglichkeit, die

Verträge der Kunden ganzjährig zu

überwachen und rechtzeitig an Kündigungsfristen

zu erinnern undsogar

direkt neue Tarife vorzuschlagen.

Kopie an einen Anwalt

Verbraucher geben aufden Websites

ihre nötigen Daten wie Vertragskundennummer,Name,Adresse

und Geburtsdatum

an, die Formulierung der

Kündigung und den ganzen Rest

übernehmen die Dienstleister. Klingt

bequem, aber ist es auch wirklich

nützlich–undvorallemrechtssicher?

So gab es in der Vergangenheitdes

ÖfterenFälle,indenen Unternehmen

Kündigungen über die genannten

Dienstleister nicht annehmen wollten.

Auch bestehen im Kündigungsrecht

bereits seit 2016 deutliche Verbesserungen

für Verbraucher.Seitdem

sind für die allermeisten Fälle auch

Kündigungen per E-Mail gültig –ausgenommen

etwa Arbeits- oder Mietverträge.

„Einen Vorteil können Kündigungsdienste

Verbrauchern dann

bringen, wenn die Frist kurz bevorsteht“,

sagt Daniel Pöhler vom Verbraucherratgeber

„Finanztip“. Denn

auch dann stehen die Dienstleister

dafürein, dass die Kündigung rechtzeitig

an den Adressaten zugeht und

stellen eineBestätigung darüber aus.

Andernfalls fehlt womöglich ein Beweis,

dass die Kündigung rechtzeitig

eingegangen ist.

So seiendie Unternehmen, an die

die Kündigung geht, gesetzlich nicht

dazu verpflichtet, diese zu bestätigen,

sagt Jan Hendrik Ansink, Geschäftsführer

vonVolders.Der Kunde

stehesomit in der Beweislast. Besonders

bei digitalen Kündigungenfehle

dem Kunden aber oft der Nachweis.

„Da können wir über unsere Plattformrechtssicherliefern,

da die Kündigung

immer auch als Kopie an

Ordentlich: Bei Kündigungen zum Vertragsablauf

handelt es sich um ordentliche Kündigungen.

Die Fristen sind unterschiedlich.

Meistens betragen sie drei Monate zum Ende

des Versicherungsjahres. Wird die Frist nicht

eingehalten, verlängertsichder Vertrag in der

Regel automatisch.

KÜNDIGUNGSFRISTEN

Außerordentlich: Nach einem Schadensfall

können Versicherte –aber auch der Versicherer

–kündigen, ohne erst das laufende Vertragsjahr

abzuwarten. Dabei handelt es sich

um eine außerordentliche Kündigung.Die

Frist dazu endet einen Monat nach Abschluss

der Entschädigungsverhandlungen.

Neubauer will Aufsichtsratsposten nicht

ILLUSTRATION: SASCHA JAECK

einen Anwalt geschickt und damit

dokumentiertwird“, sagt JanAnsink.

Dafür berechnet der Anbieter einen

Betrag vonwenigen Euro.

TrotzdemgabesinderVergangenheit

dasein oder andere MalProbleme.

Nicht alle Unternehmen wollen

die automatisch generierten Kündigungen

ohne Weiteres akzeptieren.

Zuletzt gab es einen solchen Fall zwischen

dem Versicherer Huk Coburg

und dem Vergleichsportal Check 24,

das bei einem Kfz-Vertragswechsel

über das Portal die Kündigung für die

Kunden auch bei Huk Coburg übernahm.Dennochblieben

viele Verträge

über die Vertragslaufzeit hinaus

bestehen.

Zwar akzeptiere Huk Coburg laut

eigenen Angaben auchKündigungen

über Onlinedienstleister wie

Check24. Laut dem Versicherer seien

bei den Kündigungsschreiben allerdings

nicht alle rechtlichen Anforderungeneingehalten

worden. So seien

die Kündigungen nicht eindeutig

dem Willen des Versicherungsnehmers

zuzuordnen gewesen, sagt eine

Sprecherin. „Check 24 tritt als Bote

für den Kunden auf, ohne eineBotenvollmacht

vorzuweisen. Aus diesem

Grund weisen wir die Kündigung zurück.“

Check 24 will nun notfallsweitererechtliche

Schritte einleiten.

Einen ähnlich gelagerten Fall gab

es bereits vor ein paar Jahren zwischen

Aboalarm und O 2 . Auch da

fehlte laut Angaben des Mobilfunkanbieterseine

eindeutige Kundenzuordnung.

Eigene Verantwortung

„Hat man einen Vertragzum Beispiel

mit seinem Mobilfunkanbieter abgeschlossen,

so trägt man grundsätzlich

selbst die Verantwortung dafür,

dass die Kündigung rechtzeitig und

wirksam dort eingeht“, sagt Oliver

Müller, Rechtsanwalt bei der Verbraucherzentrale

Nordrhein-Westfalen.

Dies gelte in der Regel auch für

den Fall, dass man die Kündigung

über einen Kündigungsdienst versenden

lässt. „Geht bei der Kündigung

also etwas schief, so wird sich

der Anbieter inerster Linie an den

Verbraucher als Vertragspartner

wenden“, so Müller.

„Für den Großteil der Kündigungen,

die über Aboalarm versendet

werden, gilt die Kündigungsgarantie“,

betont Felix Riesenberg, Sprecher

von Aboalarm. Wenn sich ein

Anbieter weigernsollte,die Vertragsbeendigungdurch

die Kündigung zu

akzeptieren, obwohl sie rechtens ist,

stelle das Unternehmen einen Anwalt.

Umgehen kann man eine ungültige

Kündigung letztlich am besten,

wenn diese rechtzeitig ausgesprochen

wird. So habenVerbraucher im

Zweifel auch nochZeit, fehlende Angaben

nachzureichen. Wer keinen

Kündigungsdienst nutzen möchte,

sollte aber ebenso auf einen Sendenachweis

achten. Und den gibt es

nicht über den schnellen E-Mail-

Weg, sondern nur via Einschreiben

per Post oder via Sendeprotokoll per

Fax.

Siemenslehnt es ab, das Angebot an einen Vertreter der Scientists for Future weiterzureichen

Als sei

nichts

gewesen

Finanzmärkte von unruhiger

Weltlage kaum beeindruckt

Von Stefan Winter

Die Finanzmärkte sind von der

politischenUnruhebisherwenig

beeindruckt. Nur für Stunden reagierten

sie in der vergangenen Woche

so, wie man es angesichts der

Spannungen zwischen den USA und

demIranerwartethätte: Aktienkurse

fielen, Öl- und Goldpreis stiegen,

Staatsanleihen wurden gekauft. Als

sich die Kontrahenten öffentlich um

Mäßigung bemühten, waren die Anlegersofortwieder

da, der Ölpreis fiel

unter das Vorkrisenniveau. Der US-

Aktienindex DowJonesstartetauf Rekordniveau

in die neue Woche, der

Daxist nicht weit davon entfernt. Bei

13597Punktensteht der Rekord vom

Januar 2018, bei 13483 beendete er

die vergangene Woche.Nur der konstant

hohe Goldpreis zeugt vom Sicherheitsbedürfnis

der Anleger.

„Turbulent, aber erfolgreich“, beschreibt

Ulrich Kater, Chefvolkswirt

der Dekabank, den Jahresbeginn.

„Die Kapitalmärkte tun so, als sei

nichts gewesen“, sagt Jörg Zeuner,

Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft

Union Investment. Das Vertrauen in

die Kraftder Volkswirtschaften sei offenbar

groß. Dabei standdas vergangene

Jahr noch ganz im Zeichen konjunktureller

Sorge, ein zehnjähriger

AufschwungistzuEnde.Diedeutsche

Industrie rutschte in die Rezession,

die Gesamtwirtschaft nur knapp daran

vorbei. Schwächen der US-Wirtschaft

werden ebenfalls befürchtet,

dochsiezeigtsicheinumsandereMal

stabiler als erwartet.

Hochpolitisches Jahr

Auch an externen Risiken fehlt es

nicht. DerHandelsstreit der USA mit

China bremst seit Monaten dieWirtschaft

im einstigen Boomland China

und die Risikobereitschaft der Unternehmen.

Im Handelskonflikt zwischen

den USA und der EUherrscht

nur oberflächlichRuhe.Mit demBrexitingutzweiWochenbeginntzudem

das Ringen um ein Freihandelsabkommen

zwischen den Briten und

der EU. Unddie US-Wahl im Herbst

verheißtderWirtschaftvorallemeins:

Unsicherheit. „Das Jahr 2020 verspricht,

ein hochpolitisches zu werden“,

sagt Hans-Jörg Naumer, Chefvolkswirtbei

Allianz GlobalInvestors.

Doch an der Börse gewinnen seit

Wochendie Optimisten.Die größten

Konjunktursorgen drückten vor gut

einem Jahr und dann noch einmal im

Sommer 2019 die Kurse. Aber das

Schlimmste blieb aus, und sie erholtensichwieder–nichtzuletzt,weildie

Notenbanken signalisierten, dass sie

bei einem Abschwung gegensteuern

würden.

Die Experten tun sich jedoch zunehmend

schwer mit der Frage, ob

dasKursniveauzurunruhigenWeltlage

passt.Union-Experte Zeunersieht

keinen Grund zur Entwarnung:

Durch den Konflikt zwischen den

USA und dem Iran „werden die geopolitischen

Risiken um ein weiteres

ergänzt“. Andererseits spiele der Iran

weltökonomisch keine große Rolle,

und der Ölpreis reagiereaus verschiedenen

Gründen nichtmehr so sensibelwie

früher.

Windräder auf See

liefern mehr Strom

DieWindkraftwerke in der Nordsee

haben 2019 rund 21 Prozent mehr

Stromgeliefertals im Vorjahr.Insgesamt

stieg die produzierte Menge

auf 20,21 Terawattstunden (TWh),

wie der Netzbetreiber Tennet mitteilte.Dazukommen

noch 3,95 TWh

aus der Ostsee,die nicht zum Versorgungsgebiet

vonTennetgehört.

Insgesamt produzierten die deutschen

Offshore-Windkraftwerke somit

fast 24,2 TWhStrom, im Vergleich

zu 19,1 TWhimVorjahr. (dpa)

Von Teresa Dapp

Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer

will den angebotenen Sitz im

Aufsichtsgremium des künftigen

UnternehmensSiemens Energy nicht

haben – machte Siemens-Chef Joe

Kaeser indes einen anderen Vorschlag.

„Ich werde das Angebot persönlich

nicht annehmen können, habe

aber Siemens darum gebeten, das

Angebot an einen Vertreter oder eine

Vertreterin der Scientists for Future

weiterzugeben“, sagte Neubauer am

Wochenende. Kaeser lehnt dies jedoch

ab.Der Vorschlag Neubauers,sei

gut gemeint. „AberExpertenund Wissenschaftler

haben wir schon genug.“

Er fügte hinzu: „Die Lösung unserer

Umweltprobleme braucht Führungspersönlichkeiten,

die zusammen zielkonfliktäre

Systeme verstehen und

auflösen.“

Hintergrund des Dialogs zwischen

dem Siemens-Konzernchef und der

Klimaaktivistin ist die Lieferungeiner

Zugsignalanlage für ein umstrittenes

KohlebergwerkinAustralien, über die

Siemens an diesemMontagentscheiden

will. DieAdani Group will in Australien

eines der größten Kohlebergwerkeder

Welt aufbauen, das aus fünf

Untertageminenund sechsTagebaustätten

bis zu 60 Millionen Tonnen

KohleproJahrfördernsoll.DasProjekt

wirdvonUmweltschützernseitJahren

bekämpft.

Siekenne dasAktienrecht, erklärte

Neubauer ihre Entscheidung. „Mit

dem Posten wäre ich den Interessen

des Unternehmens verpflichtet und

könnte Siemens dann nicht mehr unabhängigkommentieren.Dasistnicht

mitmeinerRollealsKlimaaktivistinzu

vereinbaren.“ Siesei dem ParisKlimaabkommen

und dem 1,5-Grad-Ziel

zur Begrenzung der Erderwärmung

verpflichtet. Kaeser meinte,Neubauer

hätte im Aufsichtsrat ander Lösung

der Klimaproblematik mitwirken

können „und dabei auch Einblicke in

komplexe unternehmerische Zusammenhänge

bekommen“. Siemens habe

ebenso das Ziel, den Klimawandel

zu bekämpfen. „Meine Tür stehtweiterhin

offen“, sagte Kaeser mit Blick

auf die Diskussion mit Neubauer.

Bei der Kritik an dem Projekt in

Australien gehtesneben dem Klimaschutz

auch umden Verbrauch von

Wasser, die Zerstörung von Lebensraum

und den Transport der Kohle

über dasGreat Barrier Reef,das größte

Korallenriff der Welt. (dpa)

An derNew Yorker Börsebliebesauch in

der vorigen Woche weitgehend ruhig.

FOTO: BRIAN SMITH/IMAGO-IMAGES


Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020 7· ·

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Wirtschaft

Neun Quadratmeter für 1,8 Millionen Euro

Der Große Basar von Istanbul mit seinen 3600 Läden zählt zu den besten Shoppinglagen der Welt

Von Christine-Felice Röhrs und Linda Say

Großist der Laden nicht. 9,2

Quadratmeter Nutzfläche

ganz genau. Das Licht ist

grell, der Ladentisch kurz.

Amattraktivsten ist das Schaufenster.

Kleine Goldplättchen an roten Schleifen

schimmern dort, typisch türkische

Geschenke für Hochzeitspaare.

AmFreitag vergangener Woche sollte

diese Mini-Immobilie, derzeit ein

Goldhandel, über ein Gericht in Istanbul

versteigert werden. Ihr Wert

liege bei 12 Millionen Lira, hieß es in

derAnkündigung–satte1,8Millionen

Euro.Das Lädchen liegt immerhin in

einer der begehrtesten Shoppinglagen

der Welt: im Großen Basar vonIstanbul.

DerBasar,der ab dem 15. Jahrhundert

gebaut und ausgeweitet wurde,

ist vorallem bekannt als Touristenattraktion

–aber er ist weit mehr als das.

Er ist ein Wirtschaftszentrum, ein

Massen- und Geldmagnet in einem

Labyrinth aus überdachten Gängen,

die dem „Kapalicarsi“, dem bedecktenMarkt,seinenNamengegebenhaben.

„Eine ganze Stadt mit ihren Moscheen

und Brunnen, ihren Straßenkreuzungen

und Plätzen, und alles in

ein diffuses Licht getaucht, wie ein

dichter Wald, in den nie ein Sonnenstrahl

fällt“, schrieb der italienische

Schriftsteller Edmondo de Amicis im

19. Jahrhundert. „Auf diesen dämmrigen

Straßen drängen sich mit ohrenbetäubendemLärmKutschen,KameleundReiterdurchdiewogendeMen-

In denLäden desjahrhundertealtenGroßen Basars von Istanbul arbeiten rund 30 000 Beschäftigte.

ge. Überall wird man mit Rufen und

Winken angelockt.“ Selbst heute, wo

die meisten Kunden Touristen sind

und Pferde verboten, werden hier täglich

Millionen Euro umgesetzt.

JederimBasarweißschonWochen

vorher,dass der Laden 162 nahe Tor7

verkauft werden soll. „Oft wechseln

Läden hier nicht den Besitzer“, sagt

Rafael Dana, 68, der einige Gassen

weiter traditionelle Schuhe verkauft.

Grund für den Verkauf sei ein Erbstreit,

sagt Hasan Firat, der Chef des

Ladenbesitzer-Verbandes. Mindestens

die Hälfte des Wertes hätte ein

Bieter offerieren sollen in der Versteigerung,

die am Friedensgericht in

Caglayan, Block B, dritter Stock, genau

zehn Minuten dauern sollte. Es

wäreein guter Deal gewesen. Aber am

Freitagmorgen gehen Bieter enttäuscht

nach Hause: Ein Mitarbeiter

des Gerichts sagt, die Erben hätten

sich geeinigt, der Termin sei abgesagt.

Insgesamt gebe es 3600 Geschäfte

im Basar, sagt Hasan Firat, und rund

30000 Beschäftigte („das sind aber

nur die Versicherten“). Biszu300000

Besucher kämen am Tag, behauptet

er,die meisten Touristen. Dasist aber

nichtautomatischmitgutenGeschäften

gleichzusetzen.

DerMarkt hat schwereZeiten hinter

sich. Spätestens nach einem Anschlag

auf deutsche Touristen nicht

weit vom Basar im Januar 2016, dem

Putschversuch kurz darauf sowie innen-

und außenpolitischen Krisen im

Schlepptau dieser Ereignisse waren

FOTO: CHRISTINE-FELICE RÖHRS/DPA

die Besucherzahlen eingebrochen.

Die wohlhabenderen europäischen

und amerikanischen Kunden blieben

aus,sagt Firat, stattdessen seien „billige

Araber“ gekommen: Menschen,

die nicht 80000 Euro ausgaben für

Teppiche,sondern8für ein Keramikschälchen.

Dazu kam dann eine Lirakrise.

DemTourismussektor geht es jetzt

wieder besser.Die Besucherzahlen in

der Türkei seien allein 2019 wieder

um 14,3 Prozent gewachsen, auf

42,9 Millionen Touristen, hat die regierungsnahe

Zeitung „Daily Sabah“

im Dezember für die ersten elf Monate

des Jahres berichtet.Istanbul habe

rund 13,7 Millionen Besucher angezogen.

Aber der Basar ist mehr als ein Touristenmagnet:„Daswarimmerundist

bis heute das Zentrum der Schmuckindustrie,

aber auch anderer Branchen

wie antike Teppiche“, sagt Banu

Kent, eine Juwelierin, die für ihr Label

„der-liebling“ hier Gold und Steine

kauft und mit Handwerkskünstlernin

fast verborgenen Werkstätten zusammenarbeitet.

Der Markt hat für diese geheime

Welt des Großhandels sogar eine Art

eigene Währung: Statt mit Barem,

zahlen Kunden mitunter mit Gold –

genauer, mit Goldscheiben, die aussehenwieBierdeckel.Je

nachWertder

Ware wirdmit einer Schereein Stückchen

abgeschnitten.

Wie viel Umsatz genau im Basar

täglich erwirtschaftet wird, kann oder

will Hasan Firat nicht sagen. In seinem

Laden hängt gerahmt ein zehn

Jahre alter Artikel, in dem er sagt, es

seien 20 Millionen Dollar.Damalssei

noch täglich die Zentralbank gekommen,

um Devisen zu kaufen, sagt Firat.

Heute sei es anders, sagt er –obwohl

es so nicht wirkt: Im Basar geht

das Handeln und Kaufen, Schauen

und Staunen weiter wie eh und je.Edmondo

de Amicis hat es so beschrieben:

„... bis euch eine verrückte Lust

packt, Geldbörse, Uhr und Mantel

voneuch zu werfen und zu schreien:

Beladet mich mit allem!“ (dpa)

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Gelenkgesundheit

im Alter

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So können Sie Knorpel

und Knochen stärken

Im Alter wird der Bedarf an

essentiellen Nährstoffen

durchdie Ernährungoftmals

nichtmehr gedeckt –die Gelenkebekommen

nichtmehr

ausreichend „Nahrung“, um

ihre Aufgaben reibungslos

erfüllen zu können. Zeit,

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Knorpel und Knochen und

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Wer unter Schwindelbeschwerden

leidet, kennt das

unsichere Gefühl bei jedem

Schritt. Betroffene werden

besonders mit zunehmendem

Alter immer häufiger

durch Schwindelbeschwerden

eingeschränkt.

Edeltraud S.berichtet, wie

sieihreBeschwerden in den

Griff bekommen hat.

SchwindelimAlltag

Alles dreht sich, die Welt

gerät sprichwörtlich ins

Wanken. Soerging esauch

Edeltraud S.: „Beim Bücken

erfasste mich in letzter Zeit

ein starker Schwindel, ich

„Ich fühle mich wieder sicher“ (Edeltraud S.)

hieltmichoftimletzten Moment

noch fest, damit ich

nicht stürzte.“ Gerade beim

Gehen fühlen sich viele

Schwindelgeplagte unsicher,

was auch Edeltraud S.bestätigt:

„Besonders unangenehm

war dieses Schwindelgefühl,

wenn ich eine Straße

überquerte.“ Linderung

brachten ihr natürliche Arzneitropfen

namens Taumea

(rezeptfrei, Apotheke).

Schwindelbeschwerden:

Wiesie sichäußern,

wiesie entstehen

Schwindelbeschwerden

spüren Betroffene meist

durch ein Dreh- oder

Schwankgefühl, als stünde

man auf einem Karussell

oder einem schwankenden

Schiff. Oft kommen

auch unangenehme Begleiterscheinungen

wie Kopfschmerzen

oder Übelkeit

hinzu. Schwindel kann

entstehen, wenn Störungen

im Nervensystem auftreten

und Gleichgewichtsinformationen

falsch an das Gehirn

übertragen werden.

Hier kann der einzigartige

Dual-Komplex aus zwei natürlichen

Arzneistoffen in

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Mitder Kraft

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Schwindelbeschwerden

Der Dual-Komplex in

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natürlichen Arzneistoffe

Anamirta cocculus und

Gelsemium sempervirens.

Anamirta cocculus ist ein

bewährterWirkstoff, derlaut

Arzneimittelbild Schwindelbeschwerden

lindern kann.

Gelsemium sempervirens

kann laut Arzneimittelbild

Begleiterscheinungen

wie Kopfschmerzen und

Übelkeit mildern. Zudem

sind Taumea Tropfen gut

Erfahrungsberichtennachempfunden. DieWirkung istvon individuellenFaktorenabhängig.•AbbildungenBetroffenen nachempfunden,Namegeändert

Edeltraud S.und ihrMannkönnendas

Lebenwiederaktivgenießen

verträglich und haben keine

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Wechselwirkungen mit anderen

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TAUMEA.Wirkstoffe: Anamirta cocculusDil.D4, GelsemiumsempervirensDil.D5. TAUMEAwirdangewendet entsprechend demhomöopathischenArzneimittelbild.Dazugehört: Besserungder Beschwerden beiSchwindel.www.taumea.de •ZuRisiken undNebenwirkungenlesenSie

die Packungsbeilage undfragenSie Ihren Arzt oder Apotheker.•PharmaSGPGmbH, 82166Gräfelfing


8* Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020

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Meinung

Frankreich

ZITAT

Ein hoher Preis für

die Rentenreform

Birgit Holzer

warnt die Regierung davor, auf

kurzfristigeErfolgezusetzen.

Sollte die verfahrene Blockadesituation

in Frankreich durch das Kompromiss-

Angebot des Premierministers endlich

beendet werden, wäre ihm ein geschickter

Coup gelungen. Denn faktisch kam er

den Gewerkschaften mit seinem Vorschlag

nur minimal entgegen, indem er

die Erhöhung des Renteneintrittsalters

für eine abschlagsfreie Pension lediglich

nach hinten verschob – und auch nur,

wenn die Sozialpartner Alternativen vorschlagen,

um das Milliarden-Defizit in der

Rentenkasse einzudämmen.

Doch auch wenn die leicht abgeänderte

Reform durchgehen und die Streiks

aufhören sollten, bleibt die politische

Lage angespannt –und gefährlich für Emmanuel

Macron. Der Frust vieler Franzosen,

die ihn inzwischen als Präsidenten

der Reichen ablehnen, wächst ständig.

DieWähler werfen ihm vor, soziale Errungenschaften

auszuhöhlen. Das liegt auch

daran, dass es der Regierung bisher nicht

gelungen ist, überzeugend zu erklären,

dass sie die Reform nicht nur aus Spargründen

macht, sondern umauf die Anforderungen

eines veränderten Arbeitsmarktes

zu reagieren. DiePolitiker hätten

die Debatte mit Überlegungen zu fairen

Gehältern, beispielsweise der schlecht

bezahlten Lehrer,verbinden können.

Stattdessen entwickelte sich ein erbitterter

Machtkampf zwischen Regierung

und Gewerkschaften. Auch wenn sich ersteredurchsetzen

sollte,wäreder Preis dafür

sehr hoch. Im Fall einer möglichen

Stichwahl zwischen Macron und der

Rechtspopulistin Marine Le Pen bei den

kommenden Präsidentschaftswahlen

drohen viele Bürger entweder gar nicht zu

wählen oder für Le Pen zustimmen, die

populistisch eine Rente für Beschäftigte

ab 60 Jahren verspricht.

Iran

Tiefe Risse

im Land

Jörg Kallmeyer

ist entsetzt über den Umgang

mit der Wahrheit in Teheran.

Eswirdwohl ein Geheimnis der Staatsführung

bleiben, warum sie in so kurzer

Zeit so radikal den Kurs gewechselt

hat. Noch am Freitag dementierte Teheranden

Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine.

Nicht einmal 24 Stunden

später folgte das Schuldeingeständnis.

Vielleicht wurde der Druck der internationale

Staatengemeinschaft als sehr groß

empfunden: Die Regierungschefs von

drei westlichen Staaten hatten sich sehr

früh weit vorgewagt –die Beweislast wäre

in den nächsten Tagen und Wochen wohl

erdrückend gewesen.

Die Wahrheit über das Ende von Flug

PS 752 ist erschütternd –und sie hat die

Wucht, dem Konflikt zwischen den USA

und dem Iran eine neue Wendung zu geben.

DerAbschuss des Flugzeugs ist nicht

nur ein Desaster für die Militärs in Teheran,

die sich fragen lassen müssen,

warum sie um Himmels Willen eine Linienmaschine

mit einem feindlichen

Flugkörper verwechseln konnten. Diegesamte

iranische Staatsführung hat nun

ein Glaubwürdigkeitsproblem, weil sie im

Fall von PS752 zuerst so dreist gelogen

hat. Plötzlich sitzen die Meister der Fake

News nicht mehr in Washington, sondern

im eigenen Land. Bislang sah es so aus,als

rücke der ganzeIrangegen den Feind USA

zusammen. Nun zeigen die Demonstrationen

gegen die eigene Regierung tiefe

Risse auch in der Islamischen Republik.

US-Präsident Donald Trump hat sich

am Wochenende auf die Seite der Protestbewegung

gestellt –und ihr damit gleich

einen Bärendienst erwiesen. Öffentliche

Unterstützung aus Washington, das hat

zuletzt das Beispiel Venezuela gezeigt,

macht Oppositionellen das Leben nur

schwerer.

Krisengipfel: Ist Prinz Harry kompromissbereit?

In Thüringen ist kaum etwas berechenbar.

Esgibt wenig Fixpunkte. Sicher

ist allein, dass zweieinhalb Monate

nach der Landtagswahl die Tage

der Entscheidung nahen und davon Signale

weit über Thüringen hinaus ausgehen

werden.

Das geschäftsführende amtierende rotrot-grüne

Bündnis des linken Ministerpräsidenten

Bodo Ramelow trifft sich heute erstmals

offiziell mit Vertretern von CDU und

FDP.Der 63-Jährige will sich möglichst noch

im Februar erneut zum Regierungschef wählen

lassen. Die Zeit des Taktierens neigt sich

dem Ende. Nach Lage der Dinge wird am

Schluss eine rot-rot-grüne Minderheitsregierung

stehen –eine Minderheitsregierung,

von der niemand weiß, wie lange sie halten

wird.

Relativ klar ist, dass die Linke für sich beanspruchen

kann, was man einen Regierungsauftrag

nennt. Siehat beim Urnengang am 27.

Oktober zugelegt und ist erstmals stärkste

Partei. Ramelow, seit 30 Jahren in Thüringen

zu Hause, ist populär. Klar ist ebenso, dass

Linke und CDU gemeinsam eine Mehrheit

hätten. Doch schon an der Stelle beginnt das

große Aber.Denn so sympathisch die Idee eines

Zusammengehens beider Parteien oder

die vom Ex-Ministerpräsidenten Dieter Althaus

(CDU) ins Gespräch gebrachte Idee einer

Projektregierung sein mag: Faktisch ist

eine dunkelrot-schwarze Koalition ausgeschlossen.

Eine solche Koalition müsste nämlich die

Feindseligkeiten von30Jahren begraben und

würde überdies dazu führen, dass in der ganzen

Ost-CDU die Dämme brechen –weniger

nach links als nach rechtsaußen. Der Beschluss

der Bundespartei besagt ja, dass

Bündnisse sowohl mit der Linken als auch mit

Wir treffen uns seit fast 18 Jahren regelmäßig

bei Dada Falafel, unserem Lieblingsaraber

in Berlin-Mitte. Meine Freundin

Heike Radvan wärmt ihreHände am Teeglas

und lächelt, wenn ich sie frage, was so passiertist.

Ihrbescheidenes,feines Lächeln hat

viele Facetten, mal traurig, mal empört, mal

herzlich froh.

Und es passiert vieles in ihrem Leben.

Manche Menschen sind mit einem untrügerischen

Sensorium für Abwertungen ausgestattet.

Sie sieht, wenn Menschen respektlos

behandelt oder beschämt werden. Deswegen

hat Heike Radvan Sozialpädagogik studiert

und deswegen versucht sie, den Respekt

im Umgang miteinander herzustellen.

Inzwischen ist sie Professorin für Soziale Arbeit

an der Universität in Cottbus.

Es gibt eine Art Lächeln, die einen dicken

Klops ankündigt. Klöpse sind in unserer Sprache

Dinge, die Leute tun und damit gegen

jede Regel des Respekts verstoßen. Wenn bei

einem Vortragaus dem Publikum rassistische

Sprüche kommen und der Moderator damit

kein Problem hat. Wenn Studentinnen belästigt

werden und das für normal gehalten wird,

wenn in der Stadt Bürgerdialoge abgehalten

werden und mit allen gesprochen wird, nur

die Geflüchteten oder andere nicht-deutsch

Aussehende außen vor bleiben. Heike Radvans

Lächeln ist etwas düster, sobald sie solche

Geschichten zu erzählen beginnt.

In den 18 Jahren in denen wir solche Geschichten

miteinander teilen, haben wir gelernt,

wie wir sie ertragen können. Zu Nana-

Thüringen

Ende des

Taktierens

Markus Decker fordert, dass Politiker wieder

mehr auf Inhalte als auf mögliche

Koalitionspartner achten.

der AfD unerwünscht sind. In der CDU heißt

es, das ohnehin längst löchrig gewordene

Nein zur AfD werdenur Bestand haben, wenn

das Nein zur Linken gilt. Manmuss die unzulässige

Gleichsetzung beider Parteien nicht

verstehen, aber realpolitisch einkalkulieren.

Selbst Formen der Zusammenarbeit unterhalb

der Schwelle einer Koalition wie die

Tolerierung eines rot-rot-grünen Bündnisses

sind für die Christdemokraten riskant.

Auch deshalb, weil der seit Monaten irrlichternde

CDU-Partei- und Fraktionschef Mike

Mohring Kapitän eines schwankenden

Schiffes ist. Mehr und mehr versucht der

einstige Verfassungsschutzpräsident Hans-

Georg Maaßen als eine Art„Titanic“-Steuermann

das Ruder an sich zu reißen. Mehr

KOLUMNE

WasSoap und

soziale Arbeit

gemeinsam haben

Anetta Kahane,

Amadeu-Antonio-Stiftung

Teeund Tabuleh machen wir daraus eine

Soap. Wir stellen uns vor, diese Situationen

sind Teil einer Comedy-Serie, die einem Publikum

vorgeführt wird. Eine Karikatur der

Realität, eine überzogene Wirklichkeit, eine

maßlose Übertreibung mit Pointen. Das Publikum

kann darüber nur lachen, weil es

diese Geschichten für total absurd hält. Wie

sollte man nicht lachen, wenn ausgerechnet

ein rechtsradikaler Heimatverein eingeladen

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

Spielraum hat die bloß knapp in den Landtag

hineingerutschte FDP. Sie müsste sich eigentlich

bewegen, scheut aber wie schon

bei den Jamaika-Sondierungen 2017 die

Verantwortung. Da eine Kooperation mit

der AfD nicht in Betracht kommt, bleibt somit

lediglich die rot-rot-grüne Minderheitsregierung

übrig. Damit fangen die

Schwierigkeiten jedoch erst an. Denn so

wahrscheinlich es ist, dass Ramelow im

dritten Wahlgang die erforderliche einfache

Mehrheit des Landtages bekommt:

Ungewiss bliebe, mit wem sein Bündnis

die Pläne für die Legislaturperiode –drittes

gebührenfreies Kita-Jahr, mehr Lehrer und

Polizisten –durch das Parlament bekäme.

Zum Schwur käme es spätestens bei der

Abstimmung über denHaushalt 2021.

Fest steht: Alle demokratischen Akteure

müssen darauf achten, dass das Ganzenicht

wie ein undurchschaubares Kasperletheater

aussieht, das weder Akzeptanz noch Beachtung

verdient.

Nein, so krass wie in Thüringen ist die Situation

in anderen Bundesländern noch

nicht. Dort sind entweder die CDU, die SPD

oder die Grünen stärker, sodass – wie in

Sachsen oder Sachsen-Anhalt –Kenia-Koalitionen

entstehen. Perspektivisch indes

könnte das Erfurter Chaos weiter um sich

greifen. Um dem zu begegnen, müssten die

politischen Akteureflexibler werden. Dasbedeutet

nicht, opportunistisch zu sein, sondern

weniger taktisch –sich also tatsächlich

an politischen Inhalten zu orientieren und

allein davon die Kooperation mit möglichen

Partnern abhängig zu machen. Die Bürger

wiederum sollten bei der Stimmabgabe

noch genauer hinschauen, welche Parteien

sich demokratisch und verantwortungsbewusst

verhalten.

wird, um in der Stadtgesellschaft über Demokratie

zu diskutieren? Oder wenn Verantwortliche

der Stadt aufmerksam, vielleicht

sogar nickend zuhören, wenn die Völkisch-

Autoritären öffentlich mit Verschwörungstheorien

um sich schlagen? Dashat doch etwas

Komisches.

Wenn wir uns solche Soaps vorstellen,

dann weil geballte Erlebnisse dieser Art

kaum anders auszuhalten sind. Aber sie dienen

auch dazu, die Koordinaten wiederzufinden

vondem, was in einer Demokratie eigentlich

die Norm sein sollte. Und auf diese

amüsante Weise entstehen so auch einige

wirklich guten Ideen für soziale Arbeit in dieser

schwierigen Zeit.

Heike Radvan hat nicht nur durchgehalten,

sondern die Theorie der sozialen Arbeit

weiterentwickelt. Sieforscht zu den Themen

Rechtsextremismus und welche Rolle

Frauen hier spielen. Sie hat zu Antisemitismus

bei Sozialpädagogen, zu Rechtsextremismus

und Fragen des Umgangs mit Nazifamilien

geschrieben und denkt über ethische

und politische Probleme in der Lehre

nach. Heike Radvan sagt, dass sie immer

denkt, sie würde mit ihrem Sensorium für

Minderheiten die Perspektive der Mehrheit

teilen. Dass es bei ihren notwendigen Themen

oft nicht so ist, kann sie mit den Soaps

in Kreativität und Optimismus verwandeln.

Ihr Lächeln war etwas ungläubig, als sie

nun unter großen Beifall den renommierten

Alice-Salomon-Award bekommen hat. Ich

gratulierevon Herzen!

„Für ein ordentliches

Motorenöl zahlen

Autofahrer bereitwillig

40 Euro pro Liter, beim

Salatöl sind zwei Euro

schon zu viel.“

Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) kritisiertinder

FAS, dass die Verbraucher beim Kauf von

Lebensmitteln zu sehr auf den Preis achten.

AUSLESE

Grüne: VonGegnern

zu Staatstragenden

Die Grünen sind erwachsen geworden.

Mit allen Konsequenzen, wie

die Zeitung Welt am Sonntag zum 40. Geburtstag

der Partei jetzt feststellt:„Aus den

einstigen Staatsgegnern sind inzwischen

Staatstragende geworden, die derzeit in

elf Landesregierungen vertreten sind und

– daran erinnert ihr alter Leithirsch

Joschka Fischer – erstmals wieder eine

Machtperspektive auf Bundesebene haben.

Wenn die Grünen demnächst wieder

mitregieren sollten, werden sie erstmals

eine Jugendbewegung gegen sich haben,

die alles, was die Regierung tut, zu langsam

und zu lasch finden wird.“

Die taz schreibt: „So weitsichtig die

Grünen und die sie tragenden Milieus mit

ihrem frühen Insistieren auf die sozialökologische

Herausforderung waren, so verbohrt

und realitätsfeindlich waren sie bei

der Bearbeitung. Das meint: die Ablehnung

der Politik als Profession und Handwerk,

die Liebe zu absoluten Ansprüchen

und das Desinteresse an parlamentarischen

Mehrheiten. Die Unfähigkeit, realitätsnotwendige

Positionen zu Nato und

Militäreinsätzen zu klären, was zur

Schocktherapie in Regierungsverantwortung

führte. Die Skepsis gegenüber einem

wiedervereinigten Deutschland und den

kulturellenWerten Ostdeutscher.“

Der Tagesspiegel glaubt: „Dass die Grünen

zu einer Institution werden konnten,

haben sie der Wiedervereinigung zu verdanken.

Die Grünen wären in die Jahre

gekommen.“ KaiSchlieter

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Berlin

Berlin als Zentrum der

Mode –die

FashionWeek beginnt

Seite 12

Zerschlagen: Der VEB Berlin Kosmetik und die Interhotel-Kette Seite 10

Gefeiert: Benjamin Blümchen ist ein Berliner Seite 11

Stadtbild

Wachstuch

und Würmer

BarbaraWeitzel

entdeckt sehr spezielle Geschäfte

Das vorletzte Mal ineiner Zoohandlung

war ich vor etwa 30

Jahren, als mein Meerschweinchen

Wuschl noch lebte –esruhe in Frieden

–und das allerletzte Malvor ungefähr

20 Jahren. Grund für den Besuch

des Haustierfachgeschäftes war

das Theaterstück „Der Zimmerspringbrunnen“.

Meine Freundin

und ich saßen in der ersten Reihe.

Dasist deswegen wichtig, weil sie für

ein paar Minuten den titelgebenden

Springbrunnen auf dem Schoß halten

durfte und sich in ihn verliebte.

Sie wollte ihn nicht mehr hergeben,

musste aber, weil er für den Verlauf

des Stückes vonBedeutung war.

Der Brunnen ihrer Begierde sah

aus wie der Berliner Fernsehturm.

Ich sah ihr trauriges Gesicht und

dachte: Hey, so einen Brunnen zu

bauen, kann doch nicht schwer sein,

Schüssel, Rohr, Kugel mit Löchern,

Spitze drauf, Pumpe rein, Wasser an

und schon sprudelt es munter aus

dem kleinen Wahrzeichen. Welche

Materialien ich verwendete,weiß ich

nicht mehr, nur dass ich für die

Pumpe in eines dieser Geschäfte

musste, indenen es überall raschelt

und scharrt, die Luft irgendwie dicker

ist als anderswo und wo es viele

Gegenstände gibt, deren Zweck sich

nicht vonselbst erklärt.

An diese sehr speziellen Orte mit

ihrem sehr speziellen Angebot und

die Menschen, die darin arbeiten mit

ihrem sehr speziellen Wissen denke

ich immer, wenn ein Geschäft auftaucht,

das sich voll auf eine Sache

konzentriert und das ich deswegen

wahrscheinlich nie oder nie mehr als

Kundin aufsuchen werde. Man

braucht ja nicht alle Nase lang eine

Aquariumspumpe. Zumal wenn

man keine Fische hat. Oder Wachstuch.

Es gibt wirklich Läden, die nur

Wachstuch verkaufen. Rollenweise

steht es in den Schaufenstern, geblümt,

mit Ranken oder Obst drauf,

und auch mit Aufschrift: „All you

need is love“. Und Wachstuch, ergänzt

man innerlich.

In manchen Läden kann man nur

Jalousien kaufen, in anderen nur Helikoptermodellbauzubehör

und in

wieder anderen alles zum Angeln.

„Maden, Würmer, Kopflampen“

wirbt der Straßenaufsteller eines solchen

Geschäftes,und ich denke: Wie

viele kleine Welten doch in dieser

großen stecken.

Und von den Menschen, die dort

arbeiten. Wie fühlt es sich an, wenn

man 750 Sorten Wachstuch, ihreVorzüge

und Nachteile kennt und Worte

wie „Schnittkante“ und „Paspelband“

zum täglichen Vokabular gehören?

Ich werde es nie zu solch einem Spezialistentum

bringen. Trotzdem bin

ich froh. Denn man fragt sich doch

immer wieder: Wie haben diese Geschäfte

bis heute den Online-Handel,

die Konsumparks an den Stadträndern

und die Shoppingmalls überlebt?

Genau. Weil man sich dort auskennt.

Der Zimmerspringbrunnen

damals hat, nach einem Fachgespräch

mit dem Zoohandlungsmitarbeiter,

formidabel funktioniert –und

dabei hat ja so ein Fernsehturminder

Schüssel nicht mal was mit Tieren zu

tun. Ichhoffe,all diese Geschäfte halten

sich weiter.Auch wenn ich weder

Jalousien noch Wachstuch brauche.

Es ist gut, dass es sie gibt.

Mild mit etwas Regen

Hübsch sieht sie aus,die Ruine des Hauses der Statistik –hier gespiegelt

in einer Pfütze. Pfützen wird esinnächster Zeit wohl noch ein paar

mehr geben. Die neue Woche startet mit grauem Himmel und ein wenig

Regen –wirklich winterlich wirdsie aber nicht. Unddaran wirdsich

nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auch so schnell

nichts ändern. Die Höchstwerte liegen zwischen fünf und zehn Grad.

Spandau unter Strom

Machbarkeitsstudie empfiehlt den Einsatz von Oberleitungs-Bussen auf zwei Straßen im Berliner Westen

VonKatrin Bischoff

Er soll wieder durch Berlin

rollen –der O-Bus. Soganz

ohne Benzin oder Dieselkraftstoff.

Die Heerstraße

und der Brunsbütteler Damm in

Spandau werden zum Testfeld für die

umweltfreundlich fahrenden Nahverkehrsfahrzeuge,die

mit einer modernen

Batteriespeichertechnologie

ausgerüstet sein sollen. Damit könnten

Strecken ohne Oberleitung

„fahrleitungsfrei“ betrieben, „Baustellen

gut umfahren“ werden. Das

geht aus einer Machbarkeitsstudie

der Senatsverkehrsverwaltung hervor.

Demnach würden sich im Nahverkehrsnetz

in Spandau mehrere

Buslinien für den Test eignen: die

Metrobuslinie M32, die in der

Hauptverkehrszeit alle fünf Minuten

unterwegs ist und auf der extralange

Doppelgelenkbusse fahren könnten,

und auch die Busse der Linien M49,

X49 sowie X34 sollen wieder „an die

Strippe“ genommen werden. Alles

Linien, die auf den beiden ausgewählten

Strecken stark nachgefragt

seien. Zuerst hatte die Berliner Morgenpost

über die geplante Einführung

von O-Bussen in Spandau berichtet.

Laut Verkehrsverwaltung sei der

Testbetrieb noch am Anfang des Planungsprozesses.Essei

noch zu früh,

angesichts des Pilotcharakters des

Vorhabens ein Einführungsdatum

zu nennen. Zeitnah heißt es in der

Studie. Verkehrsexperten gehen jedoch

davon aus,dass es noch drei bis

GehörtinEberswalde zum gewohnten Stadtbild: der O-Bus.

Berlin: Den ersten gleislosen

Wagen, der seinen Strom

aus der Oberleitung bezog,

ließ Werner vonSiemens

1982 durch Charlottenburg

fahren. 1933 begann der reguläre

Einsatz vonO-Bussen

in Berlin. Die letzten Fahrzeugestellten

1973 auf der

Linie O37 ihren Betrieb ein.

AUF ZWEI LINIEN DURCH EBERSWALDE

fünf Jahre dauern werde, bis die

Fahrzeuge durch Spandau rollen

werden. O-Busse beziehen ihren

Strom aus einer Fahrleitung, die

über der Straße hängt, ähnlich wie

bei der Straßenbahn. Die Busse sind

Drei Städte: Die umweltfreundlichen

O-Busse, in anderen

Ländernauch Trolleybusse

genannt, fahren heute

noch in drei Städten

Deutschlands: im brandenburgischen

Eberswalde, im

nordrhein-westfälischen Solingen

und im baden-württembergischen

Esslingen.

BLZ/GERD ENGELSMANN

Eberswalde: Der erste O-Bus

in der Barnim-Stadt Eberswalde

fuhr am 3. November

1940. Damals wurde geschaut,

wie Treibstoff gespart

werden kann –die Wahl fiel

auf den O-Bus. Derzeit verkehren

die „Fahrzeugeander

Strippe“ auf zwei Linien

durch die Stadt.

aber nicht nur umweltfreundlich,

weil abgasarm, ihre Fahrgäste werden

auch leise befördert, und die

Fahrzeuge sind durch die sich während

der Fahrt aufladenden Batterien

nicht an Schienen gebunden.

AFP/JOHN MACDOUGALL

Der Dienstag wird noch milder: Die Temperaturen klettern auf sieben

bis 14 Grad. Auch am Mittwoch bleibt es mild.Vereinzelt fällt den DWD-

Prognosen zufolge leichter Regen, sonst bleibt es trocken. Der bisher

milde Winter führtzueinem frühen Beginn der Pollensaison –auf größere

Beschwerden müssen sich Allergiker aber nicht einstellen. Von

den Hauptallergiearten seien erst mal nur Hasel und Erle unterwegs.

Petra Nelken, die Sprecherin der

Berliner Verkehrsbetriebe (BVG),

sagte am Sonntag der Berliner Zeitung,

Spandau sei für den Testlauf

von O-Bussen ideal. Vorgesehen sei

eine für den Verkehr mit solchen

Fahrzeugen „abgeschlossene Örtlichkeit“,

und die Menschen dort

hätten schon seit langem eine Straßenbahn

gefordert. DerO-Bus sei so

etwas wie ein Ersatz dafür. Auch

nach ihren Worten befindet sich das

Projekt noch in einer sehr frühen

Phase. Doch sei der Einsatz von

Oberleitungsbussen seitens des Senats

erwünscht. DieBVG müsse nun

einen Planungsantrag stellen. Installiert

werden müssten laut Nelken

nicht nur Oberleitungen, auch

müsse der Kauf der Busse ausgeschrieben

und entsprechende Betriebshöfe

zur Verfügung gestellt

werden.

Jahrzehntelang kurvten O-Busse

durch Berlin. Dieletzte Linie,die O37

zwischen Lichtenbergund Marzahn,

wurde 1973 im Ostteil der Stadt eingestellt.

Noch heute fahren O-Busse

durch Eberswalde. Die Stadt im

brandenburgischen Barnim hielt als

eine von drei deutschen Städten mit

Erfolg an dieser Technologie fest. Die

Fahrzeuge sind dort auf zwei Linien

unterwegs. Derzeit prüft man in

Eberswalde offenbar, den O-Bus-

Verkehr auszuweiten.

Katrin Bischoff findet den

Einsatz vonO-Bussen für

die Umwelt wichtig.

NACHRICHTEN

Deutlich weniger Datenklau

an Berliner Geldautomaten

DieZahl der Datendiebstähle an

Geldautomaten in Berlin ist im vorigen

Jahr um zwei Drittel gesunken.

114 sogenannter Skimming-Attacken

erfasste die Frankfurter Einrichtung

Euro Kartensysteme.Im

Jahr zuvor waren es noch 343 Angriffe.Dennoch

gab es in Berlin

deutschlandweit wieder die meisten

Manipulationsversuche an Bankautomaten.

Im Jahr 2019 wurden insgesamt

245 Fälle gezählt. Im Land

Brandenburggab es einen einzigen

Versuch. Beim sogenannten Skimming

werden Geldautomaten manipuliert,

um Kartendaten und Geheimnummern(PIN)

vonBankkunden

auszuspähen. Einzelne Automaten

kann es dabei mehrfach

getroffen haben. In der Hauptstadt

vermuten Kriminelle nach Einschätzung

vonSicherheitsbehörden eine

große Zahl ausländischerTouristen,

deren Zahlungskarten noch nicht

mit EMV-Chip ausgestattet sind. Daten

solcher Karten können Täter

leichter verwerten. DerSchaden

durchDatenklau an Geldautomaten

in Deutschland ist den Angaben zufolge

im vergangenen Jahr aufdas

Rekordtief vongut 1,4 Millionen

Euro gesunken. (dpa)

Weihnachten beschert

Einzelhandel Rekordumsatz

Bei vielen Kunden sitzt Weihnachten die

Brieftasche locker. IMAGO-IMAGES/GAERTNER

DerBerliner Einzelhandel erwartet

aus dem jüngsten Weihnachtsgeschäft

einen Rekordumsatz vonüber

vier Milliarden Euro.Ein Jahr zuvor

seien etwa 3,8 Milliarden Euro in der

Weihnachtszeit umgesetzt worden,

sagte der Hauptgeschäftsführer des

Handelsverbands Berlin-Brandenburg,

Nils Busch-Petersen. „Das ist

ein wirklich gutes Ergebnis und

dürfte ein Plus vonrunddreiProzent

sein.“ Gerade das Geschäft nach

Weihnachten ist laut Verband für

den Einzelhandel inzwischen ausgesprochen

wichtig. „Man kann das

Weihnachtsgeschäft mittlerweile

nicht mehr ohne das Nachweihnachtsgeschäft

betrachten“, erklärte

Busch-Petersen. Derstarke Trend zu

Gutscheinen, die Menschen nach

den Weihnachtsfeiertagen einlösten,

komme dem Einzelhandel besonders

zugute. (dpa)

Sportwagenfahrer

nach Unfall gestorben

DerAutofahrer,der am Mittwoch in

Grunewald in eine leereBushaltestelle

gefahren war,ist tot. Er verstarb

in der Nacht zum Sonntag,

teilte die Polizei mit. DerSportwagen

des 73-Jährigen war aus unbekannten

Gründen vonder Halenseestraße

nach rechts abgekommen. Er war

gegen zwei Laternen gekracht und in

die Bushaltestelle gefahren. DerFahrerwurde

schwer verletzt und

musste wiederbelebt werden. (dpa)


10 Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020

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Stadtgeschichte

Das Palasthotel 1989: Es wurde 1979 an der Spree eröffnet und von der Interhotel-Kette betrieben. Nach der Wiedervereinigung wurde das Hotel bis 1992 von der Interhotel AG weitergeführt. Dann übernahm die Radisson SAS-Kette. 2001 erfolgte der Abriss.

IMAGO

Untreue Hand

Jetzt sprechen Wirtschaftskapitäne: Ost-Akteure erinnern sich an die Zerschlagung von VEB Berlin Kosmetik und der Interhotel-Kette.

VonMaritta Tkalec

Zu treuen Händen übergibt

der Treugeber an den Treunehmer.Ertut

das im Glauben,

seine Interessen würden

gewahrt. So war das auch gedacht,

als am runden Tisch am 12. Januar

1990 die Oppositionsgruppe

„Demokratie Jetzt“ einen Vorschlag

zum Umgang mit dem DDR-Volkseigentum

machte: Ausgabe von Anteilsscheinen

an die Bürger,also eine

Privatisierung in maximaler Breite.

Die Idee fand sich im Staatsvertrag

zur Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion

–als Möglichkeit. Das von

der letzten Volkskammer, der ersten

frei gewählten, beschlossene Treuhandgesetz

sah eine andere Richtung

vor: Überführung der Volkseigenen

Betriebe in Privateigentum

durch die Treuhandanstalt.

Mallorca statt Müritz

Die politisch gängige Treuhandbeschreibung

behauptet, alles sei alternativlos

und im Interesse der Nation

unumgänglich gewesen. Tatsächlich

aber stand eine demokratische Alternative

zur Brutalabwicklung und

Komplettenteignung vonoben herab

im Raum. Sie klingt nach Mühe und

Korruptionsanfälligkeit. Polen und

die Tschechoslowakei zum Beispiel

haben es gewagt. Die Staatsmacht

konnte dann schnell über den Gedanken

hinweggehen: Die Wahlen

vom Dezember 1990 gaben der Allianz

für Deutschland, der nächsten

Regierung Kohl, das Mandat, die Einheit

nach Gusto im Schweinsgalopp

auch in der Wirtschaft umzusetzen.

Die Folgen – Deindustrialisierung,

Massenarbeitslosigkeit – bekamen

die Ostdeutschen bald zu spüren. Sie

verschärften sie selbst durch unendlich

viele Einzelentscheidungen. Sie

wollten nicht mehr an die Müritz,

sondern nach Mallorca, kauften VW

statt Trabant. DerWiderstand gegen

das Plattmachen ihrer Betriebe blieb

punktuell. Mansuchte den individuellen

Ausweg: Abwandern, Umlernen,

Neustarten, ABM, Arbeitslosigkeit,

Resignation. WerimOsten unterwegs

ist, spürt: Das Trauma geht

nicht weg. Eine Erklärung dafür:

Über das Wirken der Treuhand sprechen

die ehemals Verantwortlichen

und ihre Nachfolger ungern. Eine

differenzierte Aufarbeitung steckt allenfalls

in den Anfängen.

Doch einstige DDR-Akteure mühen

sich, dass ihre Kenntnisse nicht

untergehen. Drei saßen am vergangenen

Donnerstag auf dem Sofa des

Erzählsalons Rohnstock, der sich um

die Dokumentation vonZeitzeugenwissen

bemüht. „Die Wirtschaftskapitäne

sind noch nicht zu Wort gekommen“,

stellte Initiatorin Katrin

Rohnstock einleitend fest. Nunsprachen

zum Thema „Meine Erfahrungen

mit der Treuhand“: Dr. Manfred

Domagk, bis 1990 Staatssekretär im

Amt für Preise,von der Regierung de

Mazièremit der Rettung der Interhotel-Kette

beauftragt, Dr. Christa Bertag,

bis 1990 Generaldirektorin des

VEB Kosmetik-Kombinat Berlin, und

Uwe Trostel, Mitglied im Modrow-

Kabinett und bis 1992 zwei Jahrelang

Mitarbeiter der Treuhand.

Manfred Domagk stimmte ein

mit dem Spruch eines Bundesfinanzbeamten,

gehört 1990: „Zuerst

bekamen wir die DDR an die Angel,

jetzt wickeln wir das ganze Zeug

schnell ab.“ Das „ganze Zeug“ bestand

nach Zahlen der Plankommission

aus 8000 Betrieben, 20 Milliarden

Quadratmetern Agrarfläche, 25

Milliarden Quadratmetern Immobilien,

Forsten und Seen, 40 000 Geschäften

und Gaststätten, 314 Betriebsambulatorien,

5500 Gemeindeschwestern,

dazu Hotels, Ferienheime,

Auslandsvermögen, Patente,

Kulturgüter. „Die DDR hinterließ

keine Erblast von 400 Milliarden D-

Mark“, sagt Domagk, „sondern ein

Coupon-Privatisierer: Am

12. Januar 1990, vorgenau

30 Jahren, machte die Bürgerbewegung

„Demokratie

Jetzt“ am runden Tisch den

Vorschlag,das VolksvermögeninAnteilsscheinen

an die

Bevölkerung zu verteilen.

Volksvermögen von 1,75 Billionen.“

Es gelangte zu 85 Prozent in den Besitz

Westdeutscher, zuzehn Prozent

ins Ausland –fünf Prozent blieben in

ostdeutschem Besitz.

Dafür liegen heute 70 Prozent

der strukturschwachen Gebiete auf

dem Gebiet der früheren DDR. Mit

Blick auf die politischen Zustände

sagt Domagk: „Wer den ländlichen

Raum verliert, verliertihn auch politisch.“

CHRONIK EINES IDEENWANDELS

Wahrer und Verwalter: Am

1. März 1990 beschloss die

Modrow-Regierung die Gründung

der „ersten“ Treuhandanstalt.

Sie sollte das Volkseigentum

wahren und im Interesse

der Allgemeinheit

verwalten.

Privatisierer: Mit Inkrafttretendes

Treuhandgesetzes am

1. Juli 1990 hieß die Aufgabe

Überführung der Betriebe in

Privateigentum. Am selben

Tagtratder Staatsvertrag zur

Währungs-, Wirtschafts- und

Sozialunion in Kraft.

Die Objekte, die er für den Osten

retten sollte, lagen attraktiv in Großund

Kleinstädten: Interhotels –exklusive

Devisenbringer, Mittelklassehäuser

bis hin zum größten Ferienhotel

Europas, dem „Panorama“ in

Oberhof. Einzig das Palasthotel war

DDR-Bürgernnicht zugänglich.

Domagks Stab machte 1990 eine

Bestandsaufnahme, entwickelte ein

Konzept, suchte Aktionäre, überführte

die Häuser in die Interhotel

AG – mit West LB, Steigenberger,

schwedischen und britischen Anteilseignern.

Dann erfuhr man über

das Fernsehen: Die Interhotel-Kette

wird zerschlagen. Über Nacht versuchten

Domagk und seine Leute,

mit den HotelsVerträge zu schließen.

DieWest-Presse titelte: „Ex-Funktionäre

an der Macht.“ Vier Wochen

später war Schluss –trotz massiver

Proteste der Belegschaft. Im November

übereignete die Treuhand 29

Häuser für 2,17 Milliarden Euro an

die Berliner Trigon GmbH. Eines der

größten Immobiliengeschäfte, die

jemals in Deutschland getätigt wurden.

Trigon vermietete, verpachtete

und verdiente mehr als gedacht. Der

Dramatiker Rolf Hochhuth beschreibt

in seinem Stück „Wessis in

Weimar“ dieses Geschäft als besonders

krasses Privatisierungsbeispiel:

„Nun kaufen die Wessis den Ossis

noch das einzige ab, was ihnen selber

auf die Beine helfen könnte,

nämlich Boden und Bauten.“

Ein langes Sterben ihres Babys

Berlin Kosmetik beschreibt Christa

Bertag. Sie trug die Verantwortung

für 8500 Mitarbeiter. Am 15. Mai

1990 erhielt sie den Auftrag, das

Kombinat in eine GmbH umzuwandeln.

Nach vier Wochen war das geschehen.

Zu DDR-Zeiten war in das

Kombinat investiert worden, nun

verlor man 80 Prozent des Inlandsmarktes.

Die Westimporte stiegen in

kurzer Zeit von 8,1 Milliarden DM

auf 203 Milliarden. Nach Ringen mit

der Treuhand um Finanzierung eröffnete

ein neuer Betriebsteil, der

seinerzeit modernste Kosmetikbetrieb

Europas.Doch die Handelsketten

listeten die Berliner Produkte

nicht mehr. Ander Qualität konnte

es nicht liegen. In Intershops hatte

man unter Schweizer Namen und

schönerer Verpackung gut verkauft.

Ein über Nacht aufgebauter Außendienst

schwärmte mit Bus und Straßenbahn

aus,besuchte Kunden und

Handel. DieExporte brachen ein, die

alten Kunden in Osteuropa konnten

die Devisenpreise nicht zahlen.

Die Belegschaft schrumpfte im

Berliner Stammhaus auf 200 Mitarbeiter,

die Treuhand gewährte keine

Überbrückungskredite mehr. Hoffnung

brachte ein amerikanischer

Käufer, doch der verschwand 1996

zu Thanksgiving Richtung USA –für

immer. Das Geld war alle, die Liquidation

folgte. Bertag rief noch privat

westdeutsche Firmen an mit der

Bitte zu kaufen. Nichts zu machen.

Arbeitsplätzeweg, Wertevernichtet.

Handeln im Politikauftrag

UweTrostel wandelte in seiner Treuhandzeit

220 Betriebe in Kapitalgesellschaften

um. Er beschreibt eine

Goldgräberstimmung, Investoren

hätten ihnen die Bude eingerannt.

Und ererinnert aneinen bedeutenden

Umstand: Vorder Grenzöffnung

hatte die westdeutsche Wirtschaft

ihre Kapazitäten teilweise nur zu 60

Prozent ausgelastet. Die Anlagen

hochzufahren, machte die Produktion

kostengünstiger. Den Ostmarkt

deckte man mühelos ab.Warum also

sollte die Treuhand Ostbetriebe sanieren?

Um Konkurrenten für den

Westen zu züchten? „Seit wann gibt

es im Kapitalismus so was?“, sagt

Trostel. Entsprechend habe sich die

Kohl-Regierung verhalten.

Alle drei Gäste sagten einhellig:

Ziel war dieVernichtung des Sozialismus

in der DDR. Eine Binse.Aber sie

erklärt das Handeln der Treuhand,

sie agierte im Politikauftrag und konsequent

marktkonform.

Einen originellen Vergleich für

Massenarbeitslosigkeit und Deindustrialisierung,

den Nebenwirkungen

von Währungsunion und Treuhandaktion,

fand kürzlich der ostdeutsche

Theologe Richard Schröder

in der FAZ: Das sei wie

Haarausfall bei der Chemotherapie.

Schlimm, aber nicht zu vermeiden.

DAS IST

DAS WAR

DAS KOMMT

„Der Bär von Berlin“

Holzbeleg und Budenlage

Honecker in Görden

Der Verein für die Geschichte Berlins veröffentlicht seit

2004 ein Jahrbuch mit dem Titel „Der Bär von Berlin“. Es

erscheint jeweils im Dezember.Als Herausgeber fungieren

Susanne Kähler und Wolfgang Krogel. Miteinem Umfang

zwischen 140 und 180 Seiten gibt das Jahrbuch desVereins

dem Anliegen der Berlinforschung Raum, die zahlreichen

neuen Forschungsergebnisse zur Berliner Geschichte

ausführlich darzustellen. Im jüngsten Heft u.a. Texte über

das Kaufhaus Rudolph Hertzog, die Franz-Liszt-Akademie

oder denVolksparkFriedrichshain.

Bezug über den Verein für die Geschichte Berlins, u.a. per Mail bestellen

über die Adresse: bibliothek@diegeschichteberlins.de

Eine im Jahr 1358 angelegte Liste vonzur Hanse gehörenden

Städten, genannt Rostocker Verzeichnis,enthält neben

Städten der Mark Brandenburg wie Havelberg, Kyritz,

Perlebergund Pritzwalk in der Prignitz, Gardelegen,

Salzwedel, Seehausen, Stendal und Werben in der Altmarkauch

die Namen Berlin und Cölln. Diese beiden als

Fernhändlersiedlungen gegründeten Orte gehörten

demnach von Anbeginn zum großen Handelsbund der

Hanse. Der Aufschwung des Handels hatte seinen Anfang

mehr als hundert Jahre zuvor begonnen. Nach der

Verleihung des Stadtrechts durch die askanischen Markgrafen

wahrscheinlich um 1230 vergab die Landesherrschaft

im Jahr 1251 das Privileg der Zollfreiheit. Das be-

flügelte den Handel und brachte Berlin und Cölln zusätzliche

Einkünfte, die den jungen Städten erlaubten, weitere

Privilegien zu kaufen. Besonders wichtig dabei: Wer

die Wasserwege durch Berlin/Cölln benutzte, hatte den

sogenannten Holzbeleg, einen in Holz zu entrichtenden

Zoll, zu zahlen. Noch wichtiger: das Niederlagsrecht.

Demnach mussten alle Kaufleute, die die Handelsstraßen

der Mark benutzten, über Berlin fahren, dort einige

Tage verweilen, ihreWaren an der einen Seite des Mühlendammes

ausladen, im Kramhaus „niederlegen“, anbieten

und zudem Gebühren (die „Budenlage“) für die

Nutzung des Kramhauses zahlen. Dann konnte die Reise

auf der anderen Seite des Dammes weitergehen. (mtk.)

Erich Honecker (1912–1994), viele Jahre mächtigster

Mann der DDR, wurde wegen seines kommunistischen

Widerstands gegen den Nationalsozialismus 1935 durch

die Gestapo verhaftet und vomVolksgerichtshof zu zehn

Jahren Haft verurteilt. Um die Zeit im Zuchthaus Brandenburg-Görden

rankten sich zahlreiche Mythen: Welche

Rolle spielte Honecker in der KPD-Gruppe im Zuchthaus?

Leistete er auch im Zuchthaus Widerstand? Wie

kam es zu seiner Flucht aus dem Gefängnis im März1945

und welche Rolle spielte eine Vollzugsbeamtin?

Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit dem Historiker Martin Sabrow,

14. Januar,18.30 Uhr.Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden


Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020 11

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Berlin

Angriffe gegen

Polizisten

nehmen zu

19 Beamte werden täglich

Opfer einer Gewalttat

VonJutta Schütz

In der Hauptstadt werden jeden

TagimSchnitt 19 Polizisten Opfer

einer Gewalttat. Das sagte Polizeipräsidentin

Barbara Slowik der

Deutschen Presse-Agentur. Solche

Taten gegen Beamte summierten

sich 2019 auf fast 7000. Das sei gegenüber

demVorjahr ein leichter Anstieg

gewesen. Zudem würden ihre

Kolleginnen und Kollegen immer

wieder beleidigt, bedroht und beschimpft.

Es sei unfassbar.

Gewalt zu erfahren, sei belastend.

„Deshalb ist es mir wichtig, möglichst

viel zu tun, um diese Belastung

aufzufangen“, betonte Slowik. Es

gehe um Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte,

Körperverletzung

und tätliche Angriffe. Wer so etwas

erleben müsse,werde unterstützt.

Zu den Hilfen gehöre eine Hotline,

andie sich jeder angegriffene

Beamte wenden könne, sodie Polizeipräsidentin.

Neben unmittelbarer

psycho-sozialer Unterstützung

gebe es Hilfe bei Versicherungsfragen

oder der Meldung vonDienstunfällen.

Das seien Punkte, die Betroffene

nicht immer sofort vor Augen

hätten, die aber wichtig seien, sagte

Slowik.

Zuletzt hatten in der Silvesternacht

aggressive Gruppen junger

Männer Böller auf Polizisten, Feuerwehrleute

und Passanten geworfen.

In der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain

mit einst besetzten Häusern

werden seit Jahren Polizisten

von linksextremistischen Tätern attackiert.

Auch am 1. Mai fliegen regelmäßig

Steine und Flaschen gegen

Frauen und Männer in Uniform.

Zu einem krassen Fall kam es Ende

Mai 2019, als ein Polizist bei einer

Kontrolle von drei Geschwistern in

Wedding massiv angegriffen wurde.

Sieschlugen den Beamten zu Boden.

Dessen Kollegin konnte nur durch

das Ziehen der Dienstpistole die Gewalttäter

in Schach halten. Diehinzugekommene

Mutter filmte den Angriff

noch. Beide Beamte erlitten

Blutergüsse, Prellungen sowie Quetschungen.

Berlin verlange den Kolleginnen

und Kollegen unglaublich viel

ab, unterstrich Slowik. Seit Mai 2017

werden Angriffe auf Polizisten, Feuerwehrleute

und Rettungsdienste härter

bestraft. DasStrafgesetzbuch sieht

für Drohungen und tätliche Angriffe

auf Amtsträger bei der Ausübung ihres

Dienstes Haftstrafen von bis zu

fünf Jahren vor. (dpa)

Nur weil man 70 Jahre alt

wird, heißt das noch

lange nicht, dass man alt

ist. So sieht zumindest Elfie

Donnelly das. „Ich fühle mich

manchmal noch sehr jung“, sagt sie.

Dasliegt vielleicht auch an ihrem Beruf.

Donnelly ist die Frau, die die Hörspiele

um Benjamin Blümchen und

Bibi Blocksberg erfunden hat. Mit

dem lauten„Töröö“ des sprechenden

Elefanten Benjamin und dem „Hex

hex“ der kleinen Hexe Bibi sind Millionen

Kinder aufgewachsen.

Am 14. Januar wird Donnelly 70 –

für sie aber noch lange kein Grund, in

den Ruhestand zu gehen. Stattdessen

schreibt sie unter anderem an ihrer

Autobiografie. Das sei jedoch gar

nicht so einfach:„Ich muss das Puzzle

meines Lebens erst mal zusammensetzen.“

Unddagibt es bei Elfie Donnelly

so einige Teile.

Geboren in Großbritannien als

Tochter eines Briten und einer Österreicherin,

geht ihr das Gefühl für Heimat

schnell verloren. Als sie fünf Jahre

alt ist, zieht sie mit ihrer Mutter nach

Österreich. DerVater ist schwer alkoholkrank,

wie sie erzählt. Die Mutter

stirbt, als Donnelly 15 ist.„Ich war früher

permanent auf Heimatsuche“,

sagt sie. Heute nennen sie und ihr

dritter Ehemann viele Orte ihr Zuhause

–darunter die Balearen und

Lissabon, aber auch Wien, wo sie aufwuchs

und mit 17 schwanger wurde.

Undnatürlich Berlin –„für mich eine

der wichtigsten Städte überhaupt“.

In Berlin machte sie in den 1970erund

1980er-Jahren ihre ersten

Schritte als selbstständige Autorin,

hier lernte sie ihren zweiten Ehemann

Peter Lustig kennen, den Moderator

der Kindersendung „Löwenzahn“.

„Das war bei uns beiden Liebe

auf den ersten Blick, obwohl er ja fast

13 Jahre älter war. Erhat mich ein

bisschen aus meiner Heimatlosigkeit

befreit.“ UndinBerlin hatte sie 1977

die Idee zu dem sprechenden Elefanten

mit einer Vorliebe für Zuckerstückchen:

Benjamin Blümchen.

„Natürlich entwickelte sich die Geschichte

aus meiner eigenen

Sehnsucht nach einer heilen

Welt“, erklärt sie. Die Abenteuer

des Elefanten haben überhaupt

nichts mit der Erfahrungswelt der

Kinder zu tun gehabt, erzählt sie.

Trotz oder gerade deswegen entwickelten

sich die Geschichten zu einem

gigantischen Erfolg.

Mehr als 60 Millionen Hörspiele

wurden den Kiddinx-Studios zufolge

verkauft. Allein von Benjamin Blümchen

gibt es 143 Hörspielfolgen, eine

Zeichentrickserie, 2019 kam ein Film

in die Kinos. Bibi Blocksberg hat es

auf 130 Hörspielfolgen, drei Kinofilme

und eine Trickserie

gebracht. Die Auskoppelung

„Bibi und Tina“ immerhin

auf 95 Hörspielfolgen und

ganzevier Kinofilme.

Elfie Donnelly hat damit

nur noch wenig zu tun.

Benjamin Blümchen

ist ein Berliner

Elfie Donnelly,die Schöpferin der Geschichten

rund um den Elefanten und seines bekannten

Elfie Donnelly wird

70. Noch lange

kein Grund, in den

Ruhestand zu gehen,

findet sie. DPA

Schlachtrufs „Töröö“, wird 70 Jahre alt

VonRegina Wank

Schon 1988 trat sie ihreRechte ab.Ein

radikaler Schritt, einer, der sie finanziell

einiges gekostet haben dürfte.Inzwischen

ist sie nach eigener Aussage

wieder in geringem Maße beteiligt.

Bereuen tut sie die Entscheidung

aber bis heute nicht. „Ich brauchte

damals die Freiheit“, erzählt sie.

Sie wollte nicht mehr an Serien

undVerträge gebunden sein, sondern

„tabula rasa“ machen. Das führte sie

und Peter Lustig unter anderem für

mehrereJahreinden Ashram des Gurus

Bhagwan nach Indien. „Ich war

auf Sinnsuche. Und Peter hatte als

Flüchtlingskind viele Traumata

durchlebt.“ Die beiden waren knapp

18 Jahreliiert, haben einen gemeinsamen

Sohn und blieben auch nach ihrerScheidung

Freunde.

Seitdem sie die Rechte abgetreten

hat, beschäftigt sie sich nur noch wenig

mit ihren Schöpfungen. Weder

hörtsie sich die neueren Hörspielfolgen

an, noch schaut sie sich die Filme

an –mit einer Ausnahme: „’Bibi und

Tina’ fand ich zu sexualisiert. Das ist

nicht mehr meine Bibi“, sagt sie.

Aber auch ohne Benjamin Blümchen

und Bibi Blocksberg wurde der

Autorin in den vergangenen Jahren

nicht langweilig. Nachdem sie mit

zwei Krimis einen kurzen Ausflug in

die Erwachsenenliteratur wagte,

kehrte sie schnell wieder zu ihren

Wurzeln zurück und veröffentlichte

diverse Hörspiele für Kinder. Aktuell

schreibt sie neue Folgen für ihre

Hörspielserie „Draculino“, über

einen kleinen Jungen, der zuerst

in einem katholischen Waisenhaus,dann

bei gutmütigenVampiren

aufwächst. Das Stück komme

politischer daher als die früheren Sachen,

findet sie.

Denn trotz ihres für die damalige

Zeit unkonventionellen

Lebensstils –der Sohn aus

der ersten Ehe wuchs ab

seinem vierten Lebensjahr

für einige Jahre

beim Vater auf –gerieten

ihrefrühen Figuren

recht klassisch. In den

Bibi-Blocksberg-Hörspielen

können zwar nur die

Frauen der Familie hexen. Vater

Blocksberg bleibe aber der Chef, findet

Donnelly. „Das würde ich

heute anders machen“, sagt die

Autorin. DieHörspiele seien eben

ein Kind ihrer Zeit: „Auch wenn

ich selbst ganz anders gelebt habe,

hatte ich immer im Hinterkopf, wie es

eigentlich sein müsste.“

Ginge es nach ihr,würde auch das

Benjamin-Blümchen-Universum

heute anders aussehen: Sie könne

sich eine lesbische Karla Kolumna

gut vorstellen, meint Donnelly.

Dieein oder andereSache haben

ihre alten Stücke mit den

neuen Hörspielen wie „Draculino“

aber doch gemeinsam:

„Es kommt mal wieder ein

bestechlicher Bürgermeister

vor“, sagt Donnelly und lacht.

POLIZEIREPORT

Kind schwer verletzt.

Einelf Jahrealter Junge ist am Sonnabend

bei einem Unfall in Pankow

schwer verletzt worden. Eine 53-Jährige

war gegen 16.40 Uhrmit ihrem

Opel in der Breiten Straße unterwegs

und erfasste beim Rechtsabbiegen in

die Mühlenstraße den Jungen, der in

gleicher Richtung unterwegs war.Er

soll nach Aussagen vonZeugen bei

Rotdie Fahrbahn betreten haben.

Eine Notärztin und ein Sanitäter versorgten

das Kind vorOrt und brachten

ihn dann mit Kopf- und Beinverletzungen

in ein Krankenhaus.

Fußballschals geraubt.

In Prenzlauer Berg wurden am Sonnabend

zwei Männer nach einem

Raub vorläufig festgenommen. Die

Opfer im Alter von35und 49 Jahren

hatten ein Fußballturnier in der Cantianstraße

besucht. Gegen 21 Uhr

wurden sie auf dem Heimweg von

zwei Unbekannten überfallen und

dabei getreten. DieTäter raubten außerdem

die Schals des 1. FC Union

Berlin der beiden Fans.Die Angreifer

flüchteten in ein in der Straße befindliches

Vereinsheim. Polizisten

nahmen sie später dortfest. Diebeiden

Täter,31und 35 Jahrealt, wurden

nach der Vernehmung wieder

entlassen. DieSchals wurden nicht

gefunden.

105 km/h zu schnell.

DiePolizei hat am Sonnabendnachmittag

in Siemensstadt ein Auto geblitzt.

DerAudi war mit 155 Kilometerninder

Stunde unterwegs.Erlaubt

sind auf der Nonnendammallee

50 km/h. Ihnerwarten ein

Bußgeld in Höhe vonmindestens

680 Euro,zweiPunkte in Flensburg

und drei Monate Fahrverbot.

Frau beleidigt und Freund verletzt.

In Hellersdorfhaben am Sonnabendmorgen

zwei Männer eine

Frau beleidigt und deren Freund verletzt.

Das27und 29 Jahrealte Paar

war am S-Bahnhof Wuhletal, als die

Täter die Frau beleidigten. DerAufforderung

ihres Freundes dies zu unterlassen,

überhörten sie.Als sich

das Paar dann vomOrt entfernen

wollte,trateiner der Männer dem

29-Jährigen in den Rücken, der daraufhin

auf den Boden stürzte.Beide

Täter schlugen und traten auf den

am Boden liegenden Mann ein. Die

Täter entkamen.

Mann stahl Kondome.

Ein28-Jähriger ist in Buckowbeim

Diebstahl vonKondomen erwischt

worden. EinDetektiv hatte den Dieb

in dem Geschäft in der Rudower

Straße beobachtet. Als er ihn befragen

wollte,schubste der Dieb den

Mann wegund flüchtete.Polizisten

nahmen ihn später fest. (ls.)

Schienenkreuzfahrt nach Slowenien und Istrien

LESERREISEN

Mit dem nostalgischen CLASSIC COURIER ab/bis Berlin

Piran ©slowenia.info/Alan Kosmac

Mehr Informationen auch unter www.berliner-zeitung.de/leserreisen |leserreisen@berliner-zeitung.de

Detaillierte Informationen zur Reise und rechtliche Hinweise erhalten Sie vor Buchung vom Reiseveranstalter.

Reiseveranstalter (i. S. d. G.): DNV-Touristik GmbH, Bolzstraße 126, 70806 Kornwestheim

Die Reise führt über Salzburg in die slowenische

Hauptstadt Ljubljana, zum Bleder See, über die

spektakuläre Strecke der Wocheinerbahn und auf

die Halbinsel Istrien. Der Urlaubsort Portoroz dient

als idealer Ausgangspunkt für Ausflüge nach Italien

und Kroatien, z. B. in das Seebad Opatija an der

Kvarner Bucht oder in die italienische Hafenstadt

Triest und zum berühmten Gestüt Lipica.

Zusätzliche Kosten p. P.:

·EZ-Zuschlag: ab €160,–

·Aufpreis für Sitzplatz im Clubabteil: €98,–

·Stadtführung Salzburg: €28,-

·Ausflug Triest und Lipica*: €65,-

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(* Nicht zusammen buchbar, finden zeitgleich statt)

Im Preis enthaltene Leistungen:

·Fahrt im Sonderzug ab/bis Berlin

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·Gruppen-Reiseleitung

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Österreich und Slowenien

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ab €1.135,–

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INFORMATIONEN UNTER

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KENNWORT:

BERLINER ZEITUNG


12 Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020

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Berlin

Zeit für neue Wege

Start in die Fashion Week. Die MBFW zieht mit einem neuen Konzept ins Kraftwerk, Neonyt und Panorama wechseln in den Flughafen Tempelhof

VonBeate Scheder

Mode und Accessoires mit der Handschrift der Designerin Nobieh Talaei.

Sie war die große Hoffnung

der Berliner Mode im Juli

2015, als sie auf der Fashion

Week debütierte, und sie

könnte auch jetzt wieder für neuen

Schwung sorgen. Die Berliner Designerin

Nobieh Talaei vomLabel Nobi

Talai hat das, was man eine eigene

kreative Handschrift nennt, entwirft

elegante Mode für Frauen vonheute,

die von traditioneller Nomadenkleidung

sowie von minimalistischer

Herrenkonfektion inspiriert ist, Lagenlooks

aus weich fallenden Stoffen.

Einige Saisons lang konnte das

Berliner Publikum diese Kollektionen

nur von der Ferne betrachten. Die

Designerin hatte es nach Paris gezogen.

Dass sie nun zurück ist und seit

dem vergangenen Sommer ihre Models

wieder über den Berliner Runway

schickt, gehört zu den besten

Nachrichten der jüngeren Zeit für die

Berliner Modewoche. Talaei begründet

diesen Schritt auf vielleicht naheliegendste

Art und Weise: Berlin sei

ihreHeimat, sagt sie,wenige Tage vor

ihrer neuen Schau. „Es war mir von

Anfang an klar, dass ich irgendwann

wieder in Berlin präsentiere“ Seit

über 20 Jahren lebe sie ausgesprochen

gerne in Berlin, habe dort ihr

Atelier, ihr Team und fühle sich der

deutschen Modeszene sehr verbunden.

Am Mittwochnachmittag wird

Talaei im Kraftwerk bei der Mercedes-Benz

Fashion Week (MBFW)

eine Kollektion zeigen, die sie unter

das Motto „Nobis kulturelle Schatztruhe“

zusammenfasst und als „eine

Melange aus Bildern aus meiner

Kindheit im Iran und des Erwachsenwerdens

in Europa“ beschreibt.

Talaei ist eine von neun von der Senatsverwaltung

für Wirtschaft, Energie

und Betrieb geförderten „Local

Heroes“. Ihr, Last Heirs sowie DSTM

ermöglicht dies eine Modenschau,

die übrigen sechs –Brachmann, Vladimir

Karaleev, Julia Leifert, Marcel

Ostertag, Steinrohner und Isabell

Vollrath –werden jeweils fünf Looks

in Installationen vorstellen, die während

der gesamten Fashion Week

auch ohne Einladung zu sehen sind.

Die Ausstellungen der „Local Heroes“

sowie eine weiteremit Kreationen

südafrikanischer Designer gehören

zu den Neuerungen der

MBFW in dieser Saison, ebenso wie

eine Pop-up-Galerie mit einer Ausstellung

von Armin Morbach. Möglich

macht das der größere Ort, das

Kraftwerk, eine „Location mit einem

starken Signet“, mit der man wunderbar

arbeiten könne,und die auch

bei den Designern sehr gut ankomme,

wie es Marcus Kurz, Geschäftsführer

der Kreativ- und Produktionsagentur

Nowadays undVeranstalter

der MBFW beschreibt. Der

Umzug dorthin sei nötig geworden,

weil die MBFW im E-Werk anseine

Grenzen gestoßen sei.

Umzüge und andereVeränderungen

ist man in Berlin inzwischen gewöhnt.

Im Januar 2018 wurde die zuletzt

auch qualitativ eher durchwachsene

Fashion Week neu aufgestellt.

Der Schauenkalender wurde

radikal ausgedünnt, gleichzeitig hat

die MBFW unter anderem mit Public

Screenings die Türen für ein breites

„Es war mir von Anfang an klar, dass ich

irgendwann wieder in Berlin präsentiere.“

Designerin Nobieh Talaei über ihre Rückkehr von Paris an die Spree.

Talaei ist eine von neun von der Senatsverwaltung

für Wirtschaft, Energie und Betrieb geförderten „Local Heroes“.

Die Kollektionen ihres Labels Nobi Talai entstehen in Berlin.

NOBI TALAI (2), BLZ/PONIZAK

Publikum geöffnet. Für Aufbruchsstimmung

sorgte der Relaunch damals,

die spätestens mit dem Ende

des Berliner Mode Salons im Frühjahr

2019 jedoch jäh getrübt wurde.

Schmerzlich wurde die beliebte Ausstellung

im vergangenen Sommer

vermisst. Vielleicht nur eine Frage

der Perspektive: Der Salon habe für

Deutschland und Berlin viel gebracht,

aber jetzt sei es an der Zeit

umzudenken, meint Kurz, der auch

den Berliner Mode Salon mitorganisiert

hatte. Nun gäbe es einen Freiraum

für neue Ideen.

Und umdie geht es nicht nur in

Berlin. Tatsächlich ist das Modell Fashion

Week auch international im

Umbruch begriffen. DieFrage,obein

halbjährliches Branchentreffen mit

orchestrierten Modenschauen in Zeiten

der Digitalisierung überhaupt

noch Sinn ergeben, wo Trends längst

ganz anderswo entstehen –und das

in rasender Geschwindigkeit, die mit

dem traditionellen Rhythmus kaum

mehr etwas zu tun hat –, drängt sich

selbst bei den vier Großen, in Paris,

NewYork, Mailand und London, auf.

NewYorkreduzierte die Tage,London

bot für ausgesuchte Schauen Tickets

zum Kauf an. DieStockholmer Modewoche,

die 2005, nur zwei Jahre vor

der Berliner Fashion Week erstmals

stattfand, wurde im vergangenen

Frühjahr vom Swedish Fashion

Council gleich ganz abgesagt –aus

Nachhaltigkeitsgründen. Abgelöst

werden soll sie von einem klimafreundlicheren

Konzept, an dem momentan

jedoch noch gearbeitet wird.

Wo die Reise hingehen soll, weiß offenbar

keiner so genau.

Marcus Kurz hat sich an die steten

Unkenrufe offenbar gewöhnt. Geschlagen

geben wird ersich glücklicherweise

nicht so schnell.„Ich wünsche

Berlin, dass es seine Stärken erkennt

und Neuerungen zulässt“, sagt

er. Sokönne es seinen Platz neben

anderen internationalen Standorten

behaupten und relevant bleiben.

Weniger Probleme mit der Relevanz

haben jedenfalls die Messen.

Hier läuft das Business, doch auch

sie zeigen Lust aufVeränderung: Premium

und Seek, indem sie ihr Talkprogramm

ausbauen, Panorama

und Neonyt mit neuen Standorten

am Flughafen Tempelhof, allesamt

mit einem verstärkten Interesse am

Überthema Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit könnte sich in der

Tatzueiner der genannten Stärken

Berlins schärfen, aber auch das,was

Berlin schon immer gut konnte:

kreative Lösungen für kleinere oder

größere Probleme finden, die noch

dazu cool aussehen. Start-ups, die

Mode und Technologie verbinden,

können das leisten, oder Kollaborationen

zwischen traditionellen

Marken und kreativen Köpfen: Die

Bielefelder Hemdenmarke Seidensticker

bringt eine Kapselkollektion

mit den Murkudis-Brüdern heraus,

Taschenhersteller PB1001 einen

vonLars Eidinger nach dem Vorbild

von Fruhtrunks Aldi-Tüte gestalteten

Shopper.

So oder auf andereWeise –schön

wäre es, wenn man sich wieder darauf

konzentrieren könnte,worum es

ja eigentlich gehen sollte: auf die

Mode. Die Designerinnen und Designer

hätten es verdient, Berlin auch.

Modewelt diskutiert Umweltthemen

Auf den Messen nehmen Konferenzen und Talkformate immer mehr Raum ein. Im Fokus steht dabei die Nachhaltigkeit

VonBeate Scheder

Wie können Modemessen auch

in Zukunft zeitgemäß bleiben?

Für die Berliner lautet die Antwort

offenbar: mit mehr Inhalten. Massiv

ausgebaut haben vor allem Premium,

Seek und Neonyt ihre Angebote

an Konferenzen, Talkformaten

und Netzwerkveranstaltungen, die

Aussteller und Besucher miteinander

ins Gespräch bringen sollen.

Etwa auf der Fashion Tech: Schon

seit 2015 führtdiese,veranstaltet von

der Premium-Gruppe, Start-ups,

Vordenker und Unternehmen zusammen,

die an der Schnittstelle von

Mode und Technologie arbeiten. Zuletzt

logierte die Konferenz im Kraftwerk,

indiesem Januar verdoppelt

sie sich auf zwei Standorte und wird

dabei enger an die Messen Premium

und Seek geknüpft. Ein Novum ist

das vorallem für die Seek, die bislang

ganz ohne Talks ausgekommen war.

Sowohl im Aletto-Hotel gegenüber

der Premium als auch und im Glashaus

der Arena bei der Seek stehen

auf zwei Tage verteilt, jeweils zugeschnitten

auf die jeweiligen Aussteller,

Gesprächsrunden, Workshops

und Vorträge auf der Agenda.

Inhaltlich geht es dabei um neue

Retail-Wege in der digitalisierten

Welt, online wie offline, Vermarktungsstrategien

in Hinblick auf

Nachhaltigkeit und Transparenz,

aber auch Hightech-Textilien und

Businessmodelle.

Auf der Premium selbst erweitern

sogenannte Responsible Talks

das Spektrum um Themen mit

Nachhaltigkeitsfokus. Unter anderem

sprechen dort Vertreter verschiedener

Marken, darunter Martin

Höfeler von Armedangels, Jessica

Cederberg von Gant und Michael

Kampe von Lee über die

Bei der Konferenz der „Neonyt“ geht es an zwei Tagen um das Thema Luft.

MARKUS GRÖTEKE

besonderen Herausforderungen der

Denim-Branche.

Überhaupt zieht sich Nachhaltigkeit

als das große Thema unserer Zeit

durch alle Veranstaltungen, vorallem

natürlich auf der Messe für nachhaltige

Mode Neonyt. Deren Konferenz

Fashion-Sustain steht wie auch die

gesamte Messe dieses Malunter dem

Leitthema „Luft“, und wurde gleich

auf zwei Tage ausgeweitet. Interessant

könnte es dabei schon am frühen

Dienstagnachmittag werden,

wenn in einer ersten Diskussionsrunde

Lucie Brigham vondenUN mit

Ludovic Quinault vom Label SKFK

und Harold Weghorst vom Textilhersteller

Lenzing über die Nachhaltigkeitsziele

der UN sowie die ebenfalls

vonder UN lancierte und vongroßen

Konzernen wie Kering, Gap, Nike,

Adidas, H&M oder Chanel unterstützte

„Fashion Industry Charter for

Climate Action“ sprechen.

Um Ziele und das bisher erreichte

wirdesdann ein paar Stunden später

gehen. Eingeladen sind Malin Viola

Wennbergvom schwedischen Nachhatligkeits-Thinktank

Mistra Future

Fashion, AnoshaWahidi vomBundeministerium

für wirtschaftliche Zusammenarbeit

und Entwicklung

(BMZ), die wesentlich an der Konzeption

des Grünen Knopfs beteiligt

war, Kate Heiny, zuständig für Corporate

Responsibility bei Zalando,

und die UN-Jugenddelegierte Rebecca

Freitag.

Doch nicht nur die Messen beschäftigen

sich mit solchen Themen.

Schon an diesem Montag lädt das

Umweltministerium zu einer prominent

besetzten Runde –mit dabei unter

anderen der britische Designer

Hussein Chalayan. Diskutiert wird

die Frage aller Fragen: „Wie die Mode

der Zukunft umweltverträglich wird“,

lautet der Titel derVeranstaltung.


Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020 13

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Berlin

So leer ist es auf der Publikumsbahn des Neuköllner Eisstadions selten. An den Wochenenden herrscht hier oft Hochbetrieb. Die im Dezember 1956 eröffnete Anlage verfügt über zwei Eisflächen. Die kleinere ist Vereinen und dem Privatunterricht vorbehalten. VOLKMAR OTTO (2)

Überraschender Spitzenplatz

Das Neuköllner Eisstadion hat es in eine Liste von Europas schönsten Eisbahnen geschafft. Sein Chef Andreas Miers berichtet von steigenden Besucherzahlen

Das Neuköllner Eisstadion

zählt zu den schönsten

Eisbahnen Europas –zumindest

wenn man der

britischen Tageszeitung The Guardian

Glauben schenkt. Sie hat kürzlich

ihre Leser darum gebeten, der

Redaktion die besten Eisbahnen zu

nennen. Zwölf Einrichtungen tauchen

in der Hitliste auf, ganz vorne:

die Eisbahn im Greenwich Park in

London.

Herr Miers, herzlichen Glückwunsch,

dass es Ihre Eisbahn in dieses Ranking

geschafft hat. Können Sie die

Wahl der Leser nachvollziehen?

Also mich hat diese Platzierung

ein bisschen überrascht. Aber das

liegt vielleicht daran, dass ich seit

30 Jahren hier arbeite und mir das

Eisstadion so vertraut ist. Und ich

weiß auch um die Reizeder anderen

Berliner Eissportanlagen.

Gibt es denn eine Eisbahn, die Ihnen

besser gefällt als die Neuköllner?

Nein. Ichfühle mich hier sehr wohl.

DerGuardian stützt sein Ranking auf

Leserzuschriften. Für Ihre Einrichtung

hat sich ein gewisser „Matt“

starkgemacht. Kennen Sieihn?

Der Name sagt mir gar nichts.

Aber unsere Besucher stellen sich

auch nicht vor. Wirwürden uns aber

freuen, wenn sich Matt zu erkennen

geben würde.Dann könnten wir uns

bei ihm bedanken.

„Matt“ lobt zum einen den exquisiten

Imbiss. Waskönnen Sieempfehlen?

Ich persönlich esse dort sehr selten.

Vonmeinen Kollegen habe ich

gehört, dass die Frühlingsrollen und

die Pommes sehr gut sein sollen.

Zum anderen hebt der Guardian die

günstigen Eintrittspreise hervor.

3,30 Euro zahlt man als Erwachsener.

Istdas günstiger als in anderen Berliner

Kunsteisanlagen?

Nein. Die Preise in öffentlichen

Eisstadien sind gleich, weil sie durch

eine Entgeltordnung geregelt sind.

Und dem Guardian zufolge zahlen

Geburtstagskinder nur die Hälfte.

Also, das ist mir neu. Denn Geburtstagskinder

haben bei uns freien

Eintritt. Vielleicht war Matt zur

Happy Hour bei uns, dakostet der

Eintritt nur die Hälfte.

Stimmt es denn, dass Sie eine Eisfläche

mit Zuschauertribüne haben?

Ja, aber das ist die Wettkampfbahn,

die hauptsächlich für Eishockey-

und Eiskunstlaufvereine

sowie unseren Privatunterricht

reserviert ist. Die Fläche für den

Publikumslauf hat keine eigene

Tribüne. Die Öffentlichkeit lassen

wir manchmal am Wochenende

auf die „Kampfbahn“, wie wir sagen,

wenn sehr viel los ist und

kein Verein da ist. Wie beispielsweise

an Weihnachten und Neujahr.

Wie viele Leute kommen denn zu Ihnen,

wenn Hochbetrieb ist?

ZUR PERSON

Andreas Miers, 54, leitet das Neuköllner Eisstadion seit Dezember 2017. Der Eismeister arbeitet

seit rund 30 Jahren in der Anlage.

Das können schon so 1800 bis

2000 Besucher am Tagsein, denke

ich.

Ihr Stadion ich eine reine Open-Air-

Anlage. Ist das angesichts der milder

gewordenen Winter ein Vorteil oder

ein Nachteil?

Wenn die Sonne scheint und es

klar und kühl ist, dann ist es viel

schöner,ander frischen Luft Schlittschuh

zu laufen als in der Halle.Wegen

des Klimawandels haben wir

den Start und das Ende der Saison

jetzt um eineWoche nach hinten verschoben.

Merken Sie die milderen Winter bei

den Betriebskosten?

Wenn überhaupt, dann nur geringfügig.

Es gab in der Vergangenheit

ja auch Jahre, wo es ab November

frostig war.Dasind die Betriebskosten

dann niedriger.

Zwei deutsche Anlagen haben es in

das Ranking des Guardian geschafft –

neben Neukölln noch eine temporäre

Anlage in Köln. Auch in Berlin gibt es

auf Weihnachtsmärkten solche Anlagen.

Selbst das Berghain, das Bikinihaus

und ein Möbelhaus betrieben in

der Vergangenheit zeitweise Eisbahnen.

Ist das eine ernsthafte Konkurrenz

für Sie?

Diese Angebote schaden uns

nicht. Das Gegenteil ist der Fall.

Denn diese Eisbahnen sind mit

durchschnittlich rund 200 Quadratmeter

so klein, dass die Besucher

Lust bekommen, größereAnlagen zu

besuchen. Man könnte sagen, die

kleinen Bahnen machen Appetit auf

mehr.

Wiegroßist denn IhreEisfläche?

Die Publikumsbahn hat rund

2200 Quadratmeter, mit der

„Kampfbahn“ kommen wir auf 4000

Quadratmeter.

Wie viele Besucher zählt Ihr Eisstadion

in der Saison im Schnitt?

Durchschnittlich habe wir

100 000 Besucher,Tendenz steigend.

Das liegt vielleicht auch daran, dass

die Leute durch Fernsehsendungen

wie„Dancing on Ice“ wieder eher auf

die Idee kommen, Schlittschuhlaufen

zu gehen.

Ihr Eisstadion liegt in der Nähe des S-

Bahnhofs Hermannstraße, also nicht

in der feinsten Gegend Berlins. Wer

kommt denn so zu Ihnen?

Unser Publikum ist sehr gemischt,

hierher kommen alle Bevölkerungsschichten.

Wenn man

sich die Leute auf der Eisfläche

betrachtet, dann käme man nicht

auf die Idee, dass man in einem

Bezirk ist, der nicht so gut situiert

ist.

DasNeuköllner Eisstadion ist meines

Wissens die älteste Einrichtung dieser

Art inBerlin. Wie haben die anderen

Einrichtungen der Stadt, die vielleicht

etwas moderner daherkommen,

auf die Auszeichnung reagiert?

Bis jetzt noch nicht. Aber das

kann noch kommen.

DasGespräch führte Susanne Rost.

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14 Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020

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Berlin/Brandenburg

NACHRICHTEN

Weniger Wolfsrisse

in Brandenburg

DieZahl der Wolfrisse vonNutztierenist

in Brandenburgzurückgegangen.

VonJanuar bis Ende September

2019 wurden laut Agrarministerium

291 Schafe oder Rinder getötet. 2018

seien es noch etwa 400 Tieregewesen.

„Das macht mich richtig stolz“,

sagte Knut Kucznik, Vorsitzender des

Schafzuchtverbandes Berlin-Brandenburg.

Dassei ein Erfolg der konsequenten

Herdenschutzmaßnahmen

seiner Berufskollegen. In den

vergangenen zwei Jahren habe kein

Wolf diesen Schutz überwunden

und getötet werden müssen. 2019

wurden laut Angaben fast eine Million

Euro für Herdenschutzmaßnahmen

ausgegeben. Im Jahr zuvor warenes800

000 Euro. (dpa)

Minister hofft, dass Tesla

mittelfristig Tariflohn zahlt

Brandenburgs Wirtschaftsminister

JörgSteinbach (SPD) ist optimistisch,

dass sich der US-Autobauer

Tesla in seiner künftigen „Gigafactory“

in Grünheide (Oder-Spree) mit

dem deutschen Arbeitsrecht arrangieren

wird. „Wir haben gegenüber

Tesla klargemacht, dass wir mindestens

mittelfristig Tarifbindung erwarten“,

sagte er dem Magazin Focus.„DasUnternehmen

hat sich offen

für den Ansatz gezeigt.“ Unterdessen

sorgt für Aufregung, dass

Tesla auch folgende Stellen ausschreibt:„Recruitment

Operations

Coordinator –German, Polish &

English“, also Leute,die Mitarbeiter

anwerben. Weil Polnisch als Qualifikation

verlangt wird, äußerten Kritiker

bei einer Protestdemo am Sonntag

in Fangschleuse die Befürchtung,

dass für die Gigafactoryvor allem

Fachkräfte aus Polen eingestellt werden

sollen. Zudem demonstrierten

50 Menschen gegen eine zu geringe

Bürgerbeteiligung und für den Erhalt

des Waldes. (dpa, BLZ)

.

Will, dass Tesla Tariflöhne zahlt: Wirtschaftsminister

Jörg Steinbach.

Rechte Pöbler stören

Kabarett-Aufritt

DPA

Eine Veranstaltung im Dresdner Kabarett

„Die Herkuleskeule“ ist am

Sonnabend kurznach Beginn des

Programms durch mutmaßlich

rechte Pöbler massiv gestörtworden.

Wiedie Polizei mitteilte,hat es aus

einer Zuschauergruppe vonetwa 15

Personen ausländerfeindliche sowie

verachtende Zwischenrufe gegeben.

DieAufführung sei daraufhin unterbrochen

worden. Zwei Darsteller

hätten die Störer zur Rede gestellt.

EinSchauspieler sei dabei mit einem

Bierglas beworfen und verletzt worden.

Laut Polizei stammten drei der

Störer aus dem Raum Cottbus.(dpa)

Ein Auto -– zwei

betrunkene Autofahrer

Als unbelehrbar haben sich zwei Autofahrer

erwiesen, die gleich zwei

Malimselben Wagen erwischt wurden.

Zunächst sei Polizisten am

Sonnabend bei einer Kontrolle des

Fahrzeugs in Fürstenwalde starker

Alkoholgeruch im Auto aufgefallen,

so die Polizei. DerFahrer hatte 1,34

Promille im Blut. Nach seiner Entlassung

aus dem Polizeigewahrsam

wurde das Auto erneut gestoppt.

Diesmal habe der vormalige BeifahreramSteuer

gesessen, hieß es.Mit

2,41 Promille. (dpa)

101 Jahre nach der Ermordung von Luxemburg und Liebknecht –das stille Gedenken gilt als weltweit größte politische Kundgebung auf einem Friedhof. FLORIAN BOILLOT

Mal mit Hammer und Sichel, mal ohne

Zehntausende gedenken wieder der ermordeten Kommunistenführer Luxemburg und Liebknecht

VonJens Blankennagel

Es ist merklich kalt an diesem

Sonntagmorgen, nur

knapp über null Grad, aber

die Sonne strahlt an einem

klaren Himmel, und die Blumen liegen

bereit. Rote Nelken. Natürlich.

Auf dem Bürgersteig stehen zwei

kleine Tische voller Eimer mit roten

Nelken. Es sind etwa 300 Stück, die

Conny verkaufen will. Die49-Jährige

betreibt einen vonvier Ständen ihrer

Familie, die einen Blumenladen in

der Gegend hat. Jeden zweiten Januarsonntag

sind sie Straßenhändler.

Denn dann ist Luxemburg-Liebknecht-Demo,mit

der das politische

Spektrum vorallem links der SPD an

die Ermordung der Gründer der

Kommunistischen Partei am 15. Januar

1919 erinnert. Die Fans sagen

liebevoll: Wir gehen wieder zu Karl

und Rosa. Die Gegner sagen: Da demonstrieren

die Ewiggestrigen.

Conny hat 30 Euro Gebühr ans

Bezirksamt Lichtenberg bezahlt, um

die Blumen verkaufen zu dürfen. Die

Erlaubnis hängt am Tisch. „Die Vietnamesen

versuchen es meist ohne

Erlaubnis.“ Sie erzählt, dass gerade

Egon Krenz wie immer seine Nelken

bei ihr gekauft hat, dass die Leute

meist fernab des großen Demozuges

zu ihr kommen und später still ihre

Blumen ablegen. Auch sie wird

nachher mit ein paar Blumen an die

Gräber gehen. „An diesem Tag

kommt die Familie zusammen“, sagt

sie und lacht. „Erst helfen alle beim

Verkauf, dann ist Familientreffen.“

Extraden Gedenkstein geschrubbt

Die Leute sind diesmal wirklich gut

gelaunt. Dasliegt auch amWetter.Im

Vorjahr –zum 100. Tagder Ermordung

–regnete es.Die Polizisten mit

den schusssicheren Westen wirken

etwas deplatziert, angesichts der vielen

Rentner, die sie beschützen. Vor

allem Leute mit weißen Haar gedenken

hier der ermordeten Kommunisten.

Leute mit Rollator sind unterwegs,

aber auch überraschend viele

Leute mit Kinderwagen – Männer,

Mitte 30 mit Hipsterbart, auf deren

Kinderwagen rote Nelken liegen.

Ein älterer Herr mit unverkennbarem

Nürnberger Dialekt verkauft

die „UZ“, die Zeitung der DKP und

erzählt, dass 30 Leute aus Bayern mit

dem Zug gekommen sind. Drei Meter

weiter kauft ein älterer Berliner

eine „Rote Fahne“ und sagt zu der

jungen Zeitungsverkäuferin: „Man

darf nicht nur passiv lesen, man

muss auch aktiv etwas machen.“ Die

Leute diskutieren, Sätze fliegen umher:

„Die DKP hat längst aufgegeben“,

sagt eine junge Frau. „Die will

Schwarz und Rot: Dieser Teil der Demo wirkt recht martialisch.

„In der DDR hat die SED-Führung die Leute

an sich vorbeidefilieren lassen, heute sind

wir es selbst, die an die Gräber gehen.“

Klaus Lederer, Politiker der Linkspartei und Kultursenator in Berlin

Dieser Stein für die Opfer des Stalinismus wurde 2006 aufgestellt.

keine Revolution mehr.“ Ein Mann

ein Stück weiter sagt: „Die Russen

sind schuld. Egal, woran. Heute sind

wieder die Russen Schuld. An allem.“

Überall flatternFahnen, die meist

rot sind. Mal mit Hammer und Sichel,

mal ohne.Dazu Parteikürzelaller

Art: DKP, MLPD, SPD, MLKP-

KKÖ, TKEP/L. Auffällig ist das riesige

blaue Transparent der FDJ, unter

dem die Leute rufen: „Wiedervereinigung

gab es nie. Annexion bedeutet

Krieg.“ DieFeindbilder sind klar.

Vor Beginn der Demo legt die

Führung der Linkspartei wie immer

Blumen und Kränze nieder. Auch

Klaus Lederer ist dabei, der Berliner

Kultursenator.Ergeht auch zum Gedenkstein

für die Opfer des Stalinismus.

Ersagt, dass das Gedenken an

diesem Tagfür ihn wichtig sei, auch

FLORIAN BOILLOT

FLORIAN BOILLOT

weil Rosa Luxemburginihren Schriften

schon früh vorausgesagt hat,

dass die ganzeSache in eine Diktatur

führen könne. Für ihn gebe es einen

entscheidenden Unterschied zu früher.

„In der DDR hat die SED-Führung

die Leute an sich vorbeidefilieren

lassen, heute sind wir es selbst,

die an die Gräber gehen.“ Ein Mann

fragt ihn: „Warum drehen Sie Ihr Ritual

nicht einfach mal um und gehen

zuerst zum Gedenkstein für die Opfer

des Stalinismus und dann zu den

Gräbern?“ Lederer sagt, dass auch

Luxemburg und Liebknecht Opfer

waren und dass man Opfer nicht gegeneinander

aufrechnen sollte.

Der Fragesteller ist Karl Schulze,

47 Jahre alt, im kaufmännischen Bereich

tätig und zum allersten Mal

hier. „Die Frage ist mir spontan gekommen“,

sagt er. Man gehe doch

auch erst an die Gräber der NS-Opfer

und nicht an die der Soldaten. „Ich

interessiere mich für Geschichte,

war zu DDR-Zeiten nie dabei und

habe es 30 Jahre nicht geschafft.“ Es

sei heute eine Art Geschichtstag.

„Anschließend gehe ich in die Stasi-

Gedenkstätte Hohenschönhausen.“

Akki steht am Gedenkstein für die

Stalinismus-Opfer und erzählt, dass

er den Stein am Mittwoch extra mit

einer Bürste geschubbt hat. „Ich

habe vorgeschlagen, dass wir heute

den Stein für die Linken blockieren“,

sagt der 60-Jährige. „Ich wollte denen

zeigen: Uns Opfer gibt es auch

noch. Aber ich habe keine Mehrheit

gefunden.“ Akki sagt, dass er ab November

1979 einige Monate in der U-

Haft der Stasi saß. „Ich habe Flugblätter

verteilt –für das Menschenrecht

Nr.1: die Meinungsfreiheit.“

GroßelternimWiderstand

An den Gräbern verteilen die Leute

ihre Nelken nach persönlicher Vorliebe.

Liebknecht und Luxemburg

bekommen die meisten. Kerstin

steckt eine Nelke ans Grab von

Emma Ihrer. „Eine Vorkämpferin für

die Gleichberechtigung“, sagt die 55-

Jährige.„Meine Blumen sind nur für

Frauen. Das ist ausgleichende Gerechtigkeit.

Die Männer werden von

den anderen genügend geehrt.“

Nunkommt die Demo an. Sieversammelt

viele der linken bis linksextremen

Gruppen des an Einzelströmungen

nicht armen linken Spektrums.

Überall verkaufen die Leute

die Zeitungen ihrer Splitterorganisation.

Jüngere Leute in schwarzer

Kleidung dominieren die Demo. Einer

trägt eine DDR-Flagge, daneben

einer die gelb-rot-lila-gestreifte

Fahne der Internationalen Brigaden

aus dem Spanischen Bürgerkrieg,

zwei Meter entfernt die schwarze

Antifa-Fahne und ein Plakat: „Anarchisten

für Kommunismus.“

DasGanzeist eine hochpolitische

Angelegenheit, aber für viele zudem

eine Familientradition. So wie für

Andreas.Erist 55, schiebt einen Kinderwagen.

Das Kind quengelt ein

wenig und er nimmt es hoch. „Unser

jüngster Teilnehmer ist 1,5 Jahre alt.

Er hat keinerlei politische Ambitionen,

er riecht nur die Bratwürste

hier.“ Der älteste Teilnehmer der Familie

sei 82. „Die Familientradition

hat bei uns einen politischen Hintergrund:

Meine Großeltern waren im

Widerstand gegen die Nazis, saßen

im KZ und sind auf diesem Friedhof

beerdigt.“ Der Urgroßvater schiebt

nun den Kinderwagen, der Großvater

trägt den Enkel, und die Mutter

lässt das Kind in die Wurst beißen.

Politische

Bildung im

Osten

Neuer Fachbereich in

Ostdeutschland geplant

VonMarkus Decker

Die Bundeszentrale für politische

Bildung will nach Bonn und

Berlin einen dritten Standort inOstdeutschland

errichten. Daskündigte

ihr Präsident Thomas Krüger gegenüber

dem RedaktionsNetzwerk

Deutschland (RND) an.

„Wir bekommen 58 zusätzliche

Stellen, davon entfallen elf Stellen

auf einen neuen Fachbereich mit einem

Standort inden östlichen Bundesländern,

entweder in Cottbus

oder in Halle“, sagte er dem RND.

„Dieser Fachbereich hat die Aufgabe,

bundesweit Fragen politischer Bildung

in den Sozialräumen zu behandeln,

in denen Transformation stattfindet,

in denen also keine Kohle

mehr abgebaut wird, oder in ehemaligen

Industrielandschaften wie

Leuna, Halle oder Bitterfeld, die verwandelt

werden müssen in Dienstleistungsregionen.“

Die Bundeszentrale

wolle Konzepte entwickeln, wie

man„diesenWandel mit einem positiven

Effekt für eine demokratische

und offene Gesellschaft unterstützen“

könne. „Das Problem ist, dass

bestimmte politische Debatten in

urbanen Räumen als selbstverständlich

gelten und sich die ländlichen

und vom Strukturwandel betroffenen

Räume verlassen fühlen“, betonte

Krüger.

Dabei wolle die Bundeszentrale

„durch den Standort Ostdeutschland

die ostdeutsche Perspektive

stärken“. Sie schreibe damit die Initiative

von Bundesinnenminister

Horst Seehofer (CSU) fort, mehr Behörden

in Ostdeutschland anzusiedeln.

Allerdings werde es in dem

neuen Fachbereich „nicht nur um

ostdeutsche Regionen gehen, sondern

auch um das Ruhrgebiet oder

die Oberpfalz“, wo ebenfalls Transformationsprozesse

stattfinden. Die

Bundeszentrale für politische Bildung

untersteht dem Bundesinnenministerium.

Die Bundeszentrale

mit ihrem Hauptsitz in Bonn und einer

Außenstelle in Berlin verfügt derzeit

über 252 Stellen – doppelt so

viele wie vor sieben Jahren. Mit den

58 zusätzlichen Stellen werden es

dann insgesamt 310 Stellen sein. Das

Sachmittelbudget zur Förderung

von Angeboten und Projekten der

politischen Bildung ist Krügers Angaben

zufolge so hoch wie noch nie.

GEWINNZAHLEN

Lottozahlen: 10 -19-28- 37 -42-48

Superzahl: 9

Spiel 77: 7355820

Landeslotterie Super 6: 360520

Glücksspirale: (Gewinner nach Endziffern)

5=10Euro

31 =25Euro

151 =100 Euro

3044 =1000 Euro

93 848 =10000 Euro

937 962 =100 000 Euro

064 023 =100 000 Euro

Prämie: Monatliche „Sofortrente“ in Höhe von

10 000 Euro auf die Nummer 0413 401.

ARD-Fernsehlotterie:

3278 460 gewinnt Audi A3

2754 980 gewinnt Audi A1

5721 515 gewinnt Reise ins Victor’sHotel

5845 106 gewinnt Reise ins Chateaux-Hotel

9801 588 gewinnt 100 000 Euro

Prämienziehung (nur für Mega-Lose):

5347 654 gewinnt 1000 000 Euro

385 056 gewinnt 100 000 Euro

32 381 gewinnt 10 000 Euro

7416 gewinnt 1000 Euro

23 gewinnt 10 Euro

Alle Angaben ohne Gewähr!


Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020 15

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Lokalsport

Ein bisschen Haushalt

Beim Masters in der Max-Schmeling-Halle zeigt sich Pal Dardai erstmals seit seiner Entlassung bei Hertha BSC öffentlich –und kommt dabei ins Schwitzen

VonMichael Jahn

Pal Dardai schwitzte heftig

und nahm einen tiefen

Schluck aus einer Wasserflasche.

Sein Trikot mit der

Rückennummer 8war vom Kampf

gezeichnet. Dann ballte er die Hände

zu Fäusten, umarmte seinen Teamkameraden

Zecke Neuendorf. Gerade

hatte Sejad Salihovic im heiß

umkämpften Stadtderby gegen den

1. FC Union mit einem schönen Treffer

das 5:2 erzielt. Dabei blieb es,und

die Hertha-Fans unter den 8000 Zuschauern

inder ausverkauften Max-

Schmeling-Halle jubelten über die

zumindest symbolische Rückeroberung

der Vorherrschaft. Die Partie

der Legenden vonHertha und Union

war der emotionale Höhepunkt des

sogenannten Derby-Tages bei Europas

größtem Hallenturnier.

Die ehrgeizigen ehemaligen Hertha-Profis,

die meisten noch recht

schlank, nahmen wie die Unioner

das Derby auf dem neuen, klimafreundlichen

Kunstrasen ernst. „Die

Gier zu gewinnen, ist immer noch

bei allen da“, sagte Dardai. Da die

Bundesligamannschaft im November

das Prestigeduell an der Alten

Försterei gegen den Aufsteiger 0:1

verloren hatte und danach in eine

heftige Krise geraten war,wollten die

Oldies von Trainer Heikko Glöde

Wiedergutmachung leisten. Das gelang

nach je zweiTreffernvon Salihovic

und Malik Fathi sowie einem Tor

durch Marcel Ndjeng. Für Union

schoss der dynamische Karim Benyamina

beide Tore. Der 38-Jährige

besitzt noch immer einen explosiven

Antritt und einen satten Schuss.

Anschlussvertrag bei Hertha

Doch viele Augen waren vor allem

auf Pal Dardai gerichtet. Der 43-jährige

Ungar zeigte sich zum ersten

Malnach dem Ausals Cheftrainer im

Mai vorigen Jahres einem größeren

Publikum wieder als Spieler. Die

Halle empfing ihn mit tosendem Beifall,

der Hertha-Fanblock skandierte:

„Dardai! Dardai!“

Seinen ersten Sommer ohne Aufgabe

als Profi oder Trainer nach

mehr als zwanzig Jahren hatte Herthas

Rekordspieler (286 Erstligaspiele)

vor allem entspannt in seinem

Haus am Balaton verbracht,

„aber danach habe ich natürlich viel

Fußball gesehen“, sagte Dardai dieser

Zeitung.

Bekannt wurde lediglich, dass er

einige Tage bei Thomas Tuchel bei

ParisSt. Germain hospitiertund Anfang

Dezember ein Angebot des

1. FC Köln, als Cheftrainer an den

Rhein zu wechseln, abgelehnt hatte.

Fakt ist, dass Dardai von Juli dieses

Jahres an einen Anschlussvertrag bei

Hertha BSC besitzt und wieder einen

JobimNachwuchsbereich des Klubs

antreten kann. Dorthatte er einst die

U15 erfolgreich betreut. Zudem sind

alle seine drei talentierten Söhne –

Palko (U23), Marton (U19) und

Bence (U15) noch bei Hertha am

Ball.

In seiner Zeit als Cheftrainer bei

Hertha stand er in 150 Spielen an der

Wuchtig,aber nicht zielsicher:Pal Dardai verpasst im Spiel gegen TeBe das Tornur um Haaresbreite.

Seitenlinie, indieser Zeit ließ Dardai

die Auftritte beim Masters ruhen.

„Ich war 2014 und 2015 dabei, und

wir haben immer das Turnier gewonnen“,

sagte Dardai, „dieses Jahr

ist das schon eine sportliche Herausforderung

für mich.“

Erst im Herbst vorigen Jahres ist

er wieder aktiv gewesen, mit Übergewicht

lief Dardai einige Male bei der

Ü40 von Hertha in der Altliga-Verbandsliga

auf.„Ich habe ihn als Sechser

gebracht“, berichtete der ehrgeizige

Coach Michael Meier,„meist hat

er eine Halbzeit gespielt.“ Meier

hofft nun auf weitere Einsätze von

Dardai in der Rückrunde. Der aber

Hertha BSC hat das Masters

durch ein 5:2 im Finale über

Dinamo Tiflis gewonnen. Im

Halbfinale besiegte Hertha

Borussia Dortmund 3:0, Tiflis

den späteren Dritten Werder

Bremen 5:2. Torsten

Mattuschka im Team des 1.

FC Union gewann den Preis

des Publikumslieblings.

EHRE, WEM EHRE GEBÜHRT

Tennis Borussia sorgte in

Person des 69 Jahre alten

BennyWendt für gute Laune.

Er gewann den Ehrenpreis.

Bester Torschütze war Aleksandre

Iaschwili (Tiflis, acht

Treffer). Als beste Torhüter

wurden Roman Weidenfeller

(Dortmund) und Georgi Lomaia

(Tiflis) ausgezeichnet.

Dinamo Tiflis bot Polit-Prominenz

beim Masters auf.

Khaka Kaladse, 41, ist seit

2017 Bürgermeister der

Stadt, war zuvor Vizepremier

Georgiens und Energieminister.Als

Fußballprofi kam der

Verteidiger Kaladse auf 83

Länderspiele und spielte

u.a. für den AC Mailand.

PATRICK SKRZIPEK

schluckte beim Masters auch Tabletten,

weil er wieder Schmerzen am

rechten Sprunggelenk verspürte –

Spätfolgen seiner langen Karriere.

Über Weihnachten spielte die gesamte

Dardai-Familie in Ungarn

beim traditionellen Gedenkturnier

für Dardais Vater, der im Dezember

2017 verstorben war. Pal Senior war

einst der Rekordspieler von MSC

Pecs in der höchsten ungarischen

Liga und sehr beliebt. „Das war ein

großes Fest, 120 Leute haben nach

dem Fußball gegessen, getrunken

und getanzt“, erzählte Dardai nun,

„hier in Berlin geht es da sportlich

viel heftiger zur Sache.“

Die Auszeit vom Trainer-Dasein

in der Bundesliga scheint Dardai

sehr gut zu bekommen. „Ich kann

mich wunderbar um meine Söhne

kümmern und sogar im Haushalt

helfen. Keine Ahnung, wie meine

Frau Monika das alles immer allein

geschafft hat.“Wieesmit ihm weitergehen

wird? Dardai hält sich bedeckt,

gibt aber Folgendes zu: „Alle

drei, vier Wochen bekomme ich Angebote

von anderen Klubs.“ Im Moment,

so scheint es,zieht es ihn aber

nicht wegaus Berlin.

Im ersten Stadtderby zwischen

Hertha und dem Masters-Neuling

Tennis Borussia wäre Dardai beinahe

ein Treffer gelungen, doch sein

straffer Schuss landete knapp neben

dem Tor. BeiTeBewurde die Legende

Benny Wendt gefeiert. Der „alte

Schwede“ aus Norrköping stand

1976/77 in beiden Bundesliga-Derbysgegen

Hertha (2:0, 0:2) im Olympiastadion

auf dem Rasen und

schaffte damals 20 Saisontore. Mit69

Jahren war er der älteste Spieler beim

Masters.Nach dem Abstieg vonTeBe

in den Siebzigerjahren ging er zum 1.

FC Kaiserslautern. „Damals hätte ich

zu Hertha wechseln sollen“, erzählte

er jetzt, „aber das habe ich mich wegen

der Rivalität zwischen den beiden

Vereinen nicht getraut.“

Torwartauf dem Traumschiff

Beim 6:0-Sieg gegen Tennis Borussia

trafen Marcel Ndjeng (2), Sejad Salihovic,

Malik Fathi, Maik Franz, genannt

Iron-Maik, und der einstige

Mittelstürmer Christian Giménez.

Der Argentinier, 45, war zum ersten

Mal in Berlin dabei und beeindruckte

mit Einsatz und einem

Waschbrettbauch. Giménez bildete

in der Saison 2006/07 bei Hertha ein

kongeniales Stürmerduo mit Marko

Pantelic. Der dreimalige Torschützenkönig

der Schweizer Liga für den

FC Basel lebt heute in Barcelona und

arbeitet als Spielerberater. „Das ist

eine großartige Atmosphäre inBerlin“,

lobte „Jimmy“ Giménez, der ab

und an bei den Legenden des FC

Barcelona mittrainieren darf.

Im ersten Derby des Tages, dem

Revier-Duell zwischen Borussia

Dortmund und Schalke 04, siegte

Dortmund 3:1. Im Torder Borussia

stand Masters-Neuling Roman Weidenfeller.

Der 39-Jährige hatte im

September 2018 nach 349 Bundesligaspielen

seine Karriere beendet

und arbeitet als Internationaler Botschafter

der Dortmunder. In der

Schmelinghalle zeigte er viele starke

Paraden und war bei den Fans sehr

gefragt. Zuletzt hatte sich der Keeper

in einem fremden Metier versucht

und nach Anfrage des neuen Traumschiff-Kapitäns

Florian Silbereisen

eine Gastrolle in der ZDF-Serie übernommen.

Am Neujahrstag spielte

der Torwart einen Torwart. Einschaltquote:

7,8 Millionen! „Es war

mir eine große Ehre mit Barbara

Wussow, Harald Schmidt und vielen

anderen großen Schauspielern zusammen

zu drehen.“ Weidenfeller

lachte: „Meine Zukunft sehe ich allerdings

weiter im Fußball.“ Das ist

sicher auch besser so.

IN KÜRZE

Energie-Test bei Hertha 03

Phalanx aus Spandau

Zu zahm im Abschluss

Fußball-Oberligist Hertha 03 Zehlendorf

rüstet sich für die Rückrunde.

Nach der Rückkehr von Innenverteidiger

Louis-Nathan Stüwe,

26, holte der Klub auch Offensivspieler

Jason Rupp, 20, zurück nach Berlin.

Nach drei Jahren in Rostock

spielte Rupp zuletzt in Fürstenwalde.Trainer

Markus Schatte sagte:

„Wir freuen uns,dass wir Jason, dem

weitere Angebote höherklassiger

Vereine vorlagen, von unserem Zehlendorfer

Weg überzeugen konnten.“

Erstmals im Einsatz sind die

Neuen am 25. Januar, wenn Energie

Cottbus zum Testspiel im Ernst-Reuter-Stadion

antritt. Als Tabellenvierter

mit sechs Punkten Rückstand auf

TeBe hat Hertha 03 den Aufstieg

noch längst nicht abgeschrieben.

Die Wasserballerinnen haben bereits am Sonntag begonnen, die Wasserballer

starten am Dienstag in die Europameisterschaften in Budapest,

die noch bis 26. Januar in Ungarn stattfinden. Während bei den Frauen in

Lynn Krukenberg, Jennifer Stiefel, Belén Vosseberg und Nicole Vunder vier

Spielerinnen der Wasserfreunde Spandau 04 mitmischen, sind bei den MännerninMateo

Cuk, Lucas Gielen, Maurice Jüngling, BenReibel, MarinRestovic,

Marko Stamm und Denis Strelezkij sieben Spandauer am Start. Ziel beider

Teams ist, sich einen Platz für das Olympia-Qualifikationsturnier im März

in Rotterdam zu sichern. Dafür würde Platz acht, eventuell auch Platz neun

oder zehn bei der EM reichen.

Nach sieben Minuten führten die

Spreefüxxe in Waiblingen mit

6:3 und weckten mit ihrem Auftritt

durchaus die Hoffnung, dass im

fünften Zweitliga-Duell mit den Tigers

endlich der erste Sieg glücken

könnte. Doch in der Folge waren die

Berlinerinnen im Abschluss einfach

nicht zwingend genug, um mit einem

Erfolg in der Fremde auf Tabellenplatz

vier zu springen. Waiblingens

Torhüterin Celina Meißner brachte

immer wieder eine Hand an den Ball,

sodass die Spreefüxxe letztlich mit einem

28:32 als Verlierer die Halle verließen

und nun mit 16:12-Punkten als

Tabellenachter geführt werden. Die

Chance zur Wiedergutmachung gibt

es am kommenden Sonnabend beim

Heimspiel gegen die HSG Freiburg.

25. Januar:Testspiel zwischen Hertha 03 Zehlendorf und Energie Cottbus, Anpfiff: 15 Uhr,Ernst-Reuter-Stadion

am Siebenendenweg.

Auftakt der Männer:Dienstag 14:30 Uhr,Deutschland –Kroatien. Alle Spiele sind zu sehen im Livestream

unter len.eu

15. Spieltag der 2. Frauen-Handball-Bundesliga: Spreefüxxe -HSG Freiburg,18.30 Uhr in der Sporthalle

Charlottenburg.


16 Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020

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Sport

Nicht Ball über die Schnur,sondernBall über die Schulter:Deutschlands Torhüter Andreas Wolff rutscht ein Siebenmeter durch.

DPA/ROBERT MICHAEL

Katastrophaler Hasenhandball

Nach der schwachen Leistung gegen Spanien versuchen Deutschlands Nationalspieler,sich auf ihre nächste die EM-Partie gegen Lettland zu konzentrieren

Uwe Gensheimer konnte

immerhin schon wieder

lachen. Gut aufgelegt

kam der Kapitän der

deutschen Handball-Nationalmannschaft

zum Medientermin

und stellte sich geduldig den Fragen

der anwesenden Journalisten. Und

davon gab es nach der desaströsen

Vorstellung bei der 26:33-Niederlage

gegen Spanien einige.

Sicher war der Misserfolg ärgerlich,

der Knackpunkt war jedoch,

wie sich die DHB-Auswahl präsentiert

hatte. Etliche Fehlpässe, eine

schlechte Wurfeffektivität und kein

Rückhalt von den Torhütern sind

das traurige Resümee, das man

nach dem zweiten Vorrundenspiel

ziehen musste.

Der eigentliche Match-Plan –

mutig in die Zweikämpfe zu gehen

und Tiefe zu suchen –konnte nicht

umgesetzt werden. Hingegen kam

etwas dabei heraus, das der neue

Sportvorstand der Füchse und ehemalige

Handball-Nationalspieler

Stefan Kretzschmar in seiner Talkrunde

als „Hasenhandball“ titulierte.

Es war einfach in Gänze ein gebrauchter

Tag. Die Vorstellung von

Uwe Gensheimer war dafür sinnbildlich.

Wie schon beim Auftaktspiel

gegen die Niederlande ließ der

33-Jährige zwei Siebenmeter liegen

und zeigte eine ungewohnt schwache

Leistung. Die zweiten 30 Minuten

verbrachte der vermeintlich

beste Linksaußen der Welt gar vollständig

auf der Bank. „Es lief in der

ersten Halbzeit nicht ganz optimal

für mich. Da wollte Christian frischen

Wind mit den Wechseln reinbringen

und das ist ja auch völlig legitim“,

bewerte Gensheimer seine

Auswechslung zu Gunsten von Patrick

Zieker. Doch der Stuttgarter

konnte seine Normalform ebensowenig

abrufen – wie die gesamte

Mannschaft.

Als Katastrophe bezeichnete

Kreisläufer Henrik Pekeler, immerhin

mit fünf von fünf verwandelten

Würfen erfolgreichster Schütze der

Deutschen, die Begegnung. Aber

seine Vorstellung war nur ein Tropfen

auf dem heißen Stein. Was vor

allem fehlte,war ein Spieler,der den

Weghätte vorgeben und die Mannschaft

motivieren können. Jemand,

der sich die Bälle nimmt und auf das

Torzieht, anstatt schnellstmöglich

weiter zu passen und die Verantwortung

abzugeben. „Wir müssen

als Mannschaft negative Erlebnisse

besser verarbeiten“, forderte deshalb

Bundestrainer Christian Prokop.„Es

müssen sich Leute herauskristallisieren,

die vorangehen und

ihreChancen nutzen.“

Der Kapitän ist an dieser Stelle

natürlich besonders gefragt, konnte

SO KOMMT DEUTSCHLAND IN DIE HAUPTRUNDE

Vorrundenfinale: Deutschlands

Handballer bestreiten

bei der EM an diesem Montag

(18.15 Uhr/ ZDF) ihr Vorrundenfinale

gegenLettland.

Sie können aus eigener Kraft

weiterkommen.

Variante Iund II: Deutschland

erreicht die Hauptrunde

bei einem Sieg gegenLettland

oder bei einem Remis

gegenLettland, wenn die

Niederlande nicht gegen

Spanien gewinnen.

Variante III: Auch bei einer

Niederlagemit maximal

neun Toren Differenz kann

Deutschland die Hauptrunde

erreichen, wenn die Niederlande

gegenSpanien ebenfalls

verlieren.

die Rolle bisher indes noch nicht

zufriedenstellend ausfüllen. Das

musste der Mannheimer selbst zugeben.

Auf seiner Position kann

Gensheimer allerdings nur der

emotionale Anführer seiner Mannschaft

sein, das Spiel muss in Krisensituationen

bestenfalls ein

Rückraumspieler an sich reißen. Fabian

Böhm und Philipp Weber wurden

dahingehend ebenso vomBundestrainer

angeführt wie der Berliner

Paul Drux. An ihnen wird es

sein, einen Schritt nach vorne zu

machen und die an sie gestellte Aufgabe

anzunehmen.

„Wir dürfen uns jetzt nicht von

der schwachen Angriffsleistung unterkriegen

lassen. Ich glaube, da

sind wir selbstbewusst genug und

haben ausreichend Qualität in unseren

Reihen“, erklärte Gensheimer

zuversichtlich. Ohnehin sei ein verlorenes

Vorrundenspiel seiner Meinung

nach kein Beinbruch. „Noch

ist nichts gelaufen. Es ist wichtig,

dass man sich jetzt wieder schnell

berappelt, kurz auf die Fehler eingeht

und dann wieder auf das

nächste Spiel konzentriert.“

Mit Lettland wartet heute (18.15

Uhr) immerhin keine Schwerstaufgabe

auf den Kapitän und seine

Teamkollegen. Die 1,93-Millionen-

Einwohner-Nation aus dem Baltikum

ist ein weiterer Europameisterschafts-Debütant

und nicht gerade

als Handball-Nation zu bezeichnen.

EinGegner,der ohne Frage geschlagen

werden kann und muss.

Die größte Herausforderung

wirddiesbezüglich sein, Rückraumspieler

Dainis Kristopans nicht zu

viel Raum zu geben. Der 2,15 Meter

große Linkshänder vom RKVardar

Skopje ist nicht nur aufgrund seiner

Körperhöhe schwer zu verteidigen,

sonderndarüber hinaus wurfgewaltig

und spielstark. Nicht umsonst

wurde der Lette vonParis Saint Germain

für die nächste Saison verpflichtet.

Zusammen mit dem Leipziger

Aivis Jurdzs besorgte er mehr

als die Hälfte der Tore beim 22:33

gegen Spanien.

„Kristopans ist ein außergewöhnlicher

Spieler, auf den wir unsere

Abwehr einstellen müssen“,

analysierte Prokop. „Wir brauchen

außerdem wieder eine stabile Torhüter-Leistung,

viel Tempo und

müssen im Abschluss konsequenter

und gieriger werden.“

Zu hoffen bleibt, dass diese Zielsetzung

umgesetzt werden kann.

Denn es wirdnicht nur wichtig sein,

das Spiel erfolgreich abzuschließen,

sondern das angekratzte Eigenbild

erneut aufzubauen und mit einem

guten Gefühl in die Hauptrunde

einzuziehen. Was die Deutschen

dann in Wien erwartet, ist ohnehin

ein anderes Thema.

Spiel mit neuen Bausteinen

Dem Volleyball-Nationalteam der Männer steht nach der verpassten Olympiaqualifikation ein Umbruch bevor.DVV-Präsident Hecht würde gern mit Trainer Giani weitermachen

VonKarin Bühler

Nach dem verlorenen Finale,

nach diesem bitteren 0:3 der

deutschen Volleyballer gegen Frankreich,

hatte sich René Hecht, der Präsident

des DeutschenVolleyball-Verbandes

in der Kabine der Berliner

Max-Schmeling-Halle bei den Spielernbedankt.„Sie

haben großartigen

Volleyball gespielt. Sie haben sich

reingekniet“, fand Hecht. Bei den

Olympischen Spielen in Tokio wird

die deutsche Männermannschaft

trotzdem fehlen. Zum zweiten Mal

hintereinander, auch nach Rio

schafften es die Männer 2016 nicht.

Mittelblocker Tobias Krick stellte

am nächsten Tagein Foto ins soziale

Netzwerk. Er weint auf diesem Bild.

„Es war mir eine Ehre! In 4Jahren lasen

wir den Traum wahr werden“,

antwortete Teamkollege Jan Zimmermann

darauf. Dasist leichter gesagt

als getan. Denn klar ist, dass nun

ein großer Umbruch nötig werden

wird inder Nationalmannschaft. Sie

hat in Georg Grozer, 35, den Mann

verloren, der alle mitreißen konnte,

der voranging, oft den Unterschied

ausmachte, der Spiele drehen

konnte, der Energie und Wucht aufs

Feld brachte. Erhatte großen Anteil

daran, dass die Volleyballer 2012 bei

den Sommerspielen in London Fünter

wurden, 2014 WM-Dritter oder

2017 EM-Zweiter.„Es ist hart, dass so

eine Persönlichkeit geht“, meint Außenangreifer

Christian Fromm. „Er

ist ein echter Baustein gewesen“,

sagte Mittelblocker Marcus Böhme.

Böhme ist 34, er hat die Nations

League diesen Sommer noch als Nationalspieler

eingeplant. Einen ganzenOlympiazyklus

scheint der Berliner

aber nicht mehr angehen zu wollen.

Libero Markus Steuerwald, 30,

hatte sich eigentlich schon aus dem

Nationalteam verabschiedet, ehe

ihn Deutschlands italienischer Bundestrainer

Andrea Giani reaktivierte.

Zuspieler Lukas Kampa, 33, glaubt,

Enttäuscht: Bundestrainer Andrea Giani (3. v. l.) und sein Team.

dass er sein Engagement im Nationaltrikot

nicht sofort beenden wird,

aber so ein Pensum, wie er es seit

2008 in den Sommermonaten hingelegt

hat, werde er als Vater zweier

Kinder „so nicht mehr schaffen“.

Wobei Kampa die Zukunft der Gene-

DPA/ANDREAS GORA

ration nach Grozer nicht düster

sieht. „Man hat gesehen, dass immer

wieder Leute kommen, die einen

Schub machen, die man nicht auf

der Liste hat.“ Voriges Jahr etwa

wurde der Nachwuchs-Jahrgang

2001/2002 Europameister.

Welche der international erfahrenen

Spieler in welchem Umfang

künftig bereitstehen werden, den

Umbruch mitzugestalten, hängt sicher

auch vom künftigen Bundestrainer

ab. Der Vertrag von Andrea

Giani, 49, läuft nach dem Sommer

aus. „Er wird respektiert von der

Mannschaft. Er hat ein gutes Händchen

gehabt, junge Spieler zu entwickeln“,

urteilte der Berliner DVV-

Präsident René Hecht über Gianis

Arbeit seit 2012. Soll er also weitermachen?

„Wenn Siemich persönlich

fragen: ja“, meint Hecht,„aber das ist

nicht meine alleinige Entscheidung.“

Ab dieser Woche werde sich

Sportdirektor Christian Dünnes mit

Giani, der bei Modena Volley als Vereinstrainer

arbeitet, über die Zukunft

unterhalten.

Zuletzt hatte Giani Spieler wie Ruben

Schott, Moritz Reichert, Julian

Zenger, Moritz Karlitzek oder auch

Egor Bogachev und Linus Weber ins

Nationalteam eingebaut. Er vertritt

die Ansicht, dass sich das Nationalteam

nur dann erfolgreich entwickeln

kann, wenn ihre Stützen bei

europäischen Topklubs in Europas

Topligen Italien, Polen oder Russland

spielen. So lotste er nicht nur

Schott und Weber in die italienische

Liga, sondern unterstützte auch die

Wechsel von Karlitzek und anderen

Talenten ins Ausland. Diese Philosophie

steht dem Ziel von BRVolleys-

Manager Kaweh Niroomand entgegen,

der seit Jahren viel Energie und

finanziellen Aufwand in die Entwicklung

der deutschen Liga steckt, hier

Gesichter zu etablieren, Helden, Nationalspieler

mit Wiedererkennungswert.

Daher präferiertereinen

Bundestrainer, der in der Liga präsent

ist, sich das ganzeJahr über ums

Nationalteam kümmert.

Giani wollte sich am Abend, an

dem sein Team Olympia verpasst

hatte, nicht zu seiner Zukunft äußern.

Ende dieser Woche, soHecht,

ließe sich wohl mehr darüber sagen.


Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020 17 *

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Sport

Aus

Mangel

an Konstanz

Die Volleyballerinnen

verpassen Olympia 2020

Der Traum der deutschen Volleyballerinnen

von der vierten

Olympia-Teilnahme ist geplatzt. Das

Team von Bundestrainer Felix Koslowski

unterlag im Finale des Qualifikationsturniers

im niederländischen

Apeldoorn der Türkei klar mit

0:3 (17:25, 19:25, 22:25). Damit ist bei

den Sommerspielen in Tokio keine

deutsche Volleyball-Mannschaft dabei,

die Männer hatten das Ticket

durch die Finalniederlage gegen

Frankreich beim Qualifikationsturnier

in Berlin ebenfalls verpasst

(siehe Seite 16). „Wir sind an einer

sehr starken türkischen Mannschaft

gescheitert, die uns das Leben unfassbar

schwer gemacht hat. Sie haben

das Spiel heute von vorne bis

hinten kontrolliert“, sagte Coach

Koslowski.„Es ist wirklich schwer damit

umzugehen, die Mannschaft hat

hier überragend gespielt, das tut total

weh.“

Ausgerechnet im entscheidenden

Spiel knüpfte die deutsche Mannschaft

nicht an ihrebis dahin hervorragenden

Turnierleistungen an. Die

vom früheren Bundestrainer Giovanni

Guidetti trainierten Türkinnen

erwischten den besseren Start, die

Deutschen fanden kaum Mittel,

kämpften sich aber doch irgendwie

Punkt für Punkt in die Partie.Esblieb

im ersten Satz allerdings bei einem

Rückstand, den die Koslowski-Sechs

nicht mehr aufholte.

Angetrieben von den überwiegend

in Rot gekleideten Fans, die

jede Aktion der Deutschen gnadenlos

auspfiffen, behielten die Türkinnen

Oberwasser,der deutsche Block

konnte gegen die starken Angreife-

Deutschlands beste Angreiferin: Louisa

Lippmann.

GETTY/MOUHTAROPOULOS

rinnen nicht zupacken, dazu kamen

einige individuelle Fehler.

Im zweiten Satz war es die erst 21

Jahre alte Außenangreiferin Hanna

Orthmann, die ihr Team mit guten

Aktionen im Spiel hielt. Koslowski

brachte sein Team mental wieder auf

Kurs: „Warum haben wir die ganze

Woche gekämpft? Wollt ihr nach Tokio?

Wirdürfen nicht so passiv sein“,

so der Trainer in einer Auszeit.

Hoffnungsvolle Zukunft

Auch Louisa Lippmann zeigte immer

wieder schöne Aktionen, war

mit 17 direkten Punkten einmal

mehr die beste deutsche Angreiferin.

Doch insgesamt fehlte die Konstanz,

die die Mannschaft in den vergangenen

Partien ausgezeichnet hatte,um

die favorisierten Türkinnen ernsthaft

unter Druck zu setzen. Am Ende

stand eine klare und auch verdiente

Niederlage der jungen DVV-Auswahl,

die trotz aller Enttäuschung

optimistisch in die Zukunft blicken

kann.

In der Gruppenphase hatten die

Deutschen die Türkei noch mit 3:1

bezwungen und danach drei weitere

Siege folgen lassen, unter anderem

ein souveränes 3:0 im Halbfinale gegen

Gastgeber Niederlande. Der

ganz große Coup blieb aber aus.

Damit muss der DVV weiter auf

die erste Teilnahme seines Frauen-

Teams seit 2004 warten. Bereits vor

16 Jahren hieß der Gegner im Finale

Türkei, damals setzte sich Deutschland

mit 3:0 durch. (sid)

Verheißungsvolles Frühstück

Alba erreicht durch ein unerwartet klares 82:66 in Bamberg das Pokalfinale –und trifft dort auf Oldenburg

VonChristian Kattner,Bamberg

Das kennt man eigentlich

von Boxern vor einem

Kampf. Noch einmal ein

tiefer Blick in das Gesicht

des Gegners, umdie Kräfteverhältnisse

klarzustellen und keine Schwäche

zu zeigen. 4:47 Minuten vordem

Ende des dritten Viertels hatte Rokas

Giedraitis gerade gegen Louis Olinde

einen Dunking zum 60:41 versenkt

und den Bamberger mit einem

selbstbewussten Blick in Richtung

der Bank geschickt. Spätestens in

dieser Szene waren die Kräfteverhältnisse

am frühen Sonntagabend

geklärt: Ein dominantes Alba Berlin

auf der einen, ein verunsichertes

und in sich zusammenfallendes

Brose Bambergauf der anderen Seite

–das Halbfinale um den BBL-Pokal

war praktisch entschieden.

„Man hat es heute vom ersten bis

zum letzten Spieler gesehen, wie sehr

wir gewinnen wollten“, sagte Martin

Hermannsson, „den Fokus für das

Projekt Finaleinzug konnte man bereits

beim Frühstück sehen.“ Mitdiesem

Fokus setzten sich der Aufbauspieler

und seine Teamkollegen am

Sonntag überraschend deutlich mit

82:66 in Bambergdurch und erreichten

erneut das Finale.

Noch bevor sich der erste der 300

mitgereisten Alba-Fans in der Halle

Platz genommen hatte, war die eigene

Mannschaft dort schon eingetroffen.

Angeführt von Peyton Siva

betraten die Berliner die Spielstätte,

an der sie vor knapp einem Jahr in

letzter Sekunde das Pokalfinale verloren

hatten. Diesmal wollten sie das

genau dort erreichen. Und während

sich Bambergund Berlin erwärmten,

hatte Oldenburg dieses Endspiel in

Ulm bereits erreicht. Als Gegner

wurde imVorfeld Alba gehandelt. Der

Favorit aber, und das war auch klar,

würde sich gegen kämpferisch starke

Bamberger erwehren müssen. Diesen

Kampf aber nahm das Team von

Trainer Aíto García Reneses sofortan.

Unddas war gleich in zwei Details

sichtbar.Gerade in der Anfangsphase

suchten die Berliner immer wieder

den Wegzum Korb und kamen dort

auch zu ihren ersten zehn Punkten.

Ein zweiter, im Verlauf der ersten

Halbzeit entscheidender Faktor für

Alba war die Arbeit unter den Körben.

Mit 10:4 wurde das Rebound-Duell

im ersten Viertel gewonnen, auch zur

Pause lagen die Berliner in dieser Statistik

mit 18:10 deutlich in Führung.

Etwas knapper gestaltete es sich

allerdings mit den Punkten. Auch,

LukeSikma spielt „Schnapp dir doch den Ball“ mit Bambergs Olinde.

HARDEN ERZIELT SEINEN 20000. PUNKT IN DER NBA

Geworfen: Als 45. Spieler der NBA-Geschichte

hat Starspieler James Harden seinen

20 000. Punkt in der nordamerikanischen

Basketball-Profiligageworfen. Der 30-

Jährigeerzielte beim 139:109 (57:41)-Sieg

der Houston Rockets gegendie Minnesota

Timberwolves 32 Punkte sowie zwölf Rebounds

und acht Assists.

DPA/ARMER

Geschlagen: Eine Pleite musste Dennis

Schröder hinnehmen. Mit 110:125 musste

sich der Braunschweiger mit Oklahoma City

Thunder den Los Angeles Lakers geschlagen

geben. 13 Punkte und vier Rebounds erzielte

Schröder.Überragender Mann war in Abwesenheit

des kranken Lakers-SuperstarsLeBron

James mit 36 Punkten Kyle Kuzma.

Eiskalt im Wind

weil die Dreier zu Beginn noch nicht

fielen und insbesonderedeshalb,weil

die Bamberger mit ihrer intensiven

Verteidigung die Berliner zu viel Geduld

im Angriff zwang. Dass Alba aber

nicht zu Unrecht als Favoritindie Partie

gegangen war, zeigte die Mannschaft

mit zunehmender Spieldauer.

Die Tiefe des Kaders wurde einmal

mehr erfolgreich genutzt und auch

die Qualität flackerte immer mehr

auf. Als sinnbildlich dafür war Peyton

Siva zu sehen. Ohne Punkte war Alba

Berlins Spielmacher im ersten Abschnitt

geblieben, leistete sich zudem

zwei Ballverluste und haderte auf

dem Feld mit seinem Spiel. Doch im

zweiten Durchgang hatte er mit seinen

sieben Punkten und zwei Assists

entscheidenden Anteil daran, dass

die Berliner sich zur Pause einen

Sechs-Punkte-Vorsprung erarbeiten

konnten

Terminkonflikt am Finaltag

Direkt nach dem Seitenwechsel erwischte

Alba Berlin den besseren

Start, lag in der 22. Minute beim

Stand von 49:38 erstmals zweistellig

in Führung. Neben der hohen Intensität

fielen jetzt auch die Würfe. Für

Marco Baldi war das nur logisch:

„Wir haben es geschafft, die Intensität

hoch zu halten und konnten das

im dritten Viertel ernten“, sagte Albas

Geschäftsführer, „in dem Moment,

als wir zwei, drei Dreier getroffen

haben, hat sich das Spiel weiter

geöffnet und Bamberg hat gemerkt,

dass das heute nichts wird.“ Nach

dem dritten Viertel hatte sich Alba

auf 70:43 abgesetzt, erste Bamberger

Fans schnappten sich ihreJacke und

verließen frustriertdie Halle.

Verständlich, dass es die Berliner,

die bereits am Dienstagabend in der

Euroleague bei Olympiakos Piräus

azutreten haben (20 Uhr), im

Schlussviertel einen Gang zurückschalteten.

Minuten nach dem Spiel

konnten sie mit ihren Fans in Bamberg

feiern und bekamen zusätzlichen

Grund zur Freude,als kurzdarauf

ein Heimspiel für das Finale gegen

Oldenburg ausgelost wurde.

Einziges Problem: Für den Termin

am 16. Februar ist die Arena am Ostbahnhof

von den Eisbären belegt,

die Schmelinghalle wiederum wird

von den Füchsen bespielt. „Wir sind

seit geraumer Zeit für diesen guten

Fall in Gesprächen und sind noch

nicht fertig. Aber wir werden es hoffentlich

in den kommenden Tagen

kundtun können“, sagte MarcoBaldi

und verließ Bambergmal wieder mit

einem Lächeln.

Die deutschen Biathleten um Arnd Peiffer zeigen in Oberhof, dass mit ihnen bei der Weltmeisterschaft doch zu rechnen ist

Mit kräftigen Stockschüben

stürmte Arnd Peiffer dem Ziel

entgegen, getragen vom Jubel im

Oberhofer Biathlon-Stadion schob

er sich immer weiter an Simon Desthieux

heran, und mit einem langen

Ausfallschritt schnappte er dem

Franzosen tatsächlich noch den

zweiten Platz im Massenstart weg.

Mit seinem furiosen Schlussspurt

und guten Nerven sorgte Peiffer für

ein weiteres Highlight dieses Heimweltcups.

Insgesamt vier Podestplätze, drei

davon bei den Männern, bewiesen

im Thüringer Wald: Nach dem Saisonstart

mit vielen Enttäuschungen

kommen die deutschen Biathleten

immer besser in Fahrt. In gut einem

Monat beginnt die WM in Antholz

(13. bis 23. Februar), wo Martin Fourcade

erneut den Maßstab setzen

dürfte. Auch in Oberhof siegte der

Franzose.Peiffer wiederum blieb unter

schwierigsten Windbedingungen

mit nur drei Schießfehlerneiskalt.

Zuvor hatten Johannes Kühn im

Sprint und die Männer-Staffel dritte

Plätze verbucht, dazu feierte Denise

Herrmann Rang zwei im Sprint und

Nervenstark: Arnd Peiffer in Oberhof am Schießstand.

vergab im Massenstart beim letzten

Schießen sogar eine weitere Podiumsplatzierung.

Doch darüber ärgerte

sie sich nicht. „Heute ist es mir

passiert, dass ich auf eine Scheibe

ziele und die daneben fällt“, scherzte

sie nach ihrem fünften Platz: „Glück

ist prinzipiell immer nötig, aber

heute brauchte es noch ein bisschen

mehr, eshat einen stellenweise fast

schon weggefegt vonder Matte.“

DPA/MARTIN SCHUTT

Trotz insgesamt sechs Schießfehlern

– nur die finnische Siegerin

Kaisa Mäkäräinen (1 Strafrunde)

kam mit den Widrigkeiten bestens

zurecht – durfte sie sich über das

dritte Spitzenresultat nach dem Jahreswechsel

freuen. „Ich bin auf jeden

Fall voll zufrieden mit dem Wochenende“,

sagte Herrmann, die auch mit

der Staffel auf Rang vier das Podium

nur knapp verpasst hatte.

Auch die langjährige Biathletin

Laura Dahlmeier war glücklich über

den Aufschwung und stellte ihren

ehemaligen Kollegen ein gutes Zeugnis

aus: „Es freut mich wahnsinnig,

dass es so gut läuft“, sagte die zweimalige

Olympiasiegerin, die im Mai

zurückgetreten war, imZDF-Sportstudio:

„Sowünscht man sich das im

neuen Jahr.“ Allerdings erkannte sie

noch etliche Schwachstellen. „Es

geht da hin, wo es hin soll, aber es ist

wahrscheinlich auch noch nicht alles

gut“, sagte sie.

Vorallem arrivierte Athleten bereiten

Sorgen. Simon Schempp, 31,

ist außer Form, imMassenstart landete

er auf Rang 27. Erik Lesser, 31,

flog gar aus dem Weltcup-Kader und

verpasste auch in Osrblie/Slowakei

im zweitklassigen IBU-Cup Spitzenplätze.

Bei den Frauen präsentierte

sich Staffel-Weltmeisterin Franziska

Hildebrand, 32, in erschreckend

schwacher Form. Mut machte die

23-jährige Janina Hettich. Sie zeigte

bei ihrem Staffel-Debüt eine abgezockte

Leistung. Denise Herrmann

formulierte es später so: „Sie hat ein

mega Ding gemacht.“ (sid)

NACHRICHTEN

Eisbären siegen nach

Verlängerung in Köln

EISHOCKEY. DieEisbären Berlin haben

ihren ersten Auswärtssieg im

neuen Jahr gefeiert. Am Sonntagnachmittag

gewannen die Hauptstädter

bei den Kölner Haien vor

17 146 Zuschauernmit 4:3 (1:0, 2:0,

0:3, 1:0) nach Verlängerung und behaupteten

damit den vierten Tabellenplatz

in der Deutschen Eishockey

Liga (DEL). James Sheppardsorgte in

der letzten Minute der Overtime zumindest

für zwei Punkte.

Djokovic führtSerbien zum

Sieg im ATP-Cup

TENNIS. Novak Djokovic hat Serbien

zum Sieg beim erstmals ausgetragenen

ATP-Cupgeführt. Der32-Jährige

holte im Finale am Sonntag beide

Punkte zum 2:1-Erfolg seiner Mannschaft

gegen Spanien. Djokovic triumphierte

dabei sowohl im Einzel

gegen den Weltranglistenersten Rafael

Nadal als auch im Doppel an der

Seite vonViktor Troicki.

Ravens scheitern

überraschend im Viertelfinale

AMERICAN FOOTBALL. Titelfavorit

BaltimoreRavens ist überraschend

schon im Viertelfinale der NFL-Playoffs

gescheitert. Dasbeste Football-

Team der Hauptrunde unterlag am

Sonnabend (Ortszeit) den Tennessee

Titans daheim mit 12:28. Im ersten

Viertelfinale setzten sich die San

Francisco 49ers sicher mit 27:10 gegen

die Minnesota Vikings durch.

Hertha BSC gewinnt

Testspiel gegen Stettin 1:0

FUSSBALL. Hertha BSC hat am

Sonntag ein nicht-öffentliches Testspiel

gegen Pogon Stettin 1:0 gewonnen.

DenSiegtreffer für die Berliner

erzielte Davie Selke (11. Minute), wie

der Klub bei Twitter mitteilte.

Geiger gewinnt auch zweites

Springen in ValdiFiemme

SKISPRINGEN. Karl Geiger hat mit

dem ersten Doppelsieg eines deutschen

Skispringers seit fast fünf Jahrenseine

Extraklasse unter Beweis

gestellt. Einen Tagnach seinem ersten

Saisonsieg gewann er auch den

zweiten Wettkampf in ValdiFiemme

vorStefan Kraft (Österreich). Zwei

DSV-Siege in Folge hatte zuletzt SeverinFreund

im März2015 in Oslo

geschafft.

ZAHLEN

Basketball

BBL-Pokal-Halbfinale

Bamberg -Alba 66:82

Ulm -Oldenburg 76:84

Finale am 16. Februar in Berlin.

Eishockey

DEL, 37. Spieltag

ERC Ingolstadt -Düsseldorfer EG 3:2

Pinguins Bremerhaven-Augsburger Panther 4:2

Kölner Haie -Eisbären Berlin 3:4 n.V.

Schwenninger Wild Wings -EHC München 2:0

Krefeld Pinguine -Iserlohn Roosters 3:4

Straubing Tigers -Nürnberg Ice Tigers 5:2

Adler Mannheim -Grizzlys Wolfsburg 3:2

1. Red Bull München 37 128: 85 81

2. Adler Mannheim 37 128: 93 75

3. Straubing Tigers 37 127: 92 73

4. Eisbären Berlin 36 115:104 62

5. Bremerhaven 37 111:104 62

6. ERC Ingolstadt 37 121:110 61

7. Düsseldorfer EG 36 191: 85 55

8. Kölner Haie 36 87:103 52

9. Grizzlys Wolfsburg 37 106:111 49

10. Augsburger Panther 36 99:109 46

11. Nürnberg Ice Tigers 36 96:117 46

12. Krefeld Pinguine 37 98:125 36

13. Iserlohn Roosters 37 78:112 36

14. Schwenningen 36 85:120 34


Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020 – S eite 18

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Sport

Kein Wegist zu steil: UrsFischer zeigt im Trainingslager den Bergsteiger im Schweizer und den Sportler im Trainer.

MATTHIAS KOCH

Die Schlussendlich-Offensive

Der 1. FC Union hat sich neun Tage lang in Spanien auf die Rückrunde vorbereitet. Noch gibt es kleinere und größere Probleme. Ein Fazit des Trainingslagers

VonMathias Bunkus, Orihuela

Neun Tage Trainingslager

im Real Club de Golf

Campoamor sind für

Bundesligist 1. FC Union

gestern mit dem Rückflug nach

Deutschland zu Ende gegangen.

Schlussendlich, wie Trainer Urs Fischer

wohl einleitend sagen würde,

wähnt man sich für die Rückrunde

und den Start bei RB Leipzig gerüstet.

Das hatte Union allerdings auch

in der Hinrunde gedacht und 0:4 verloren.„Wir

werden ganz sicher bereit

sein“, sagte Fischer. „Es wird eine

ganz schwierige Aufgabe, weil die

Spiele weniger werden.“

Von einem psychologischen Effekt

berichtet der Schweizer Coach,

der sagte: „Es fällt leichter bei einer

negativen Serie ruhig zu bleiben,

wenn du noch 25 Spiele vor dir hast

und nicht noch nur acht. Weil es

auch im Kopf ein anderes Bild ist. Es

geht um die Wurst, das wirdeine andere

Dynamik geben. Darauf müssen

wir vorbereitet sein.“ Und darauf,

dass die Rückrunde auch technisch

anspruchsvoll werden wird.

Kleinere Schönheitsfehler hatten

sich vor allem in den Testspielen offenbart,

in denen die Köpenicker

wegen mehrerer angeschlagener Innenverteidiger

oft von Dreierkette

auf Viererkette in der Defensive umstellten.

Den letzten Test von dreien

gewann Union am Tagvor der Abreise

aus Spanien gegen den ungarischen

Titelträger Ferencvaros Budapest

nach Toren von Neven Subotic,

Anthony Ujah und Sebastian Andersson

mit 3:2 (3:2). Doch die zwei

Gegentore durch Israel Barbosa und

Gaston Ludico sowie eine zweite

Hälfte ohne jeden Zugriff aufs Spiel

zeigten, dass noch nicht alles rund

läuft. Dererste Abschluss gelang Marius

Bülter erst zwölf Minuten vor

dem Ende.

Trimmel verlängertvorzeitig

„Wir müssen uns gesamthaft über 90

Minuten schlussendlich steigern,

wenn wir in Leipzig einen Punkt mitnehmen

wollen“, sagte Fischer. RB

allerdings spielt einen anderen Stil

als Ferencvaros Budapest. „Es ist

dann wirklich sehr schwierig, im

gleichen System und mit der gleichen

Geschwindigkeit wie Leipzig

einen Gegner zu finden. Die zukopieren

wird schwierig“, sagt der 53-

Jährige. Immerhin sei Ferencvaros

nach der Pause schon sehr „flott unterwegs“

gewesen. „Eine gewisse Geschwindigkeit

haben wir dann schon

zu spüren bekommen.“

Das Grundsatzfazit des Trainers

fällt positiv aus. „Wir konnten in

etwa das umsetzen, was wir geplant

hatten. Wir hatten zwei tolle Plätze,

die Wege waren kurz. Auch genug

Platz, um mit einigen Spielern individuell

zu arbeiten, ohne dass die

Plätze beansprucht und damit kaputt

gemacht worden sind“, sagte Fischer.

„Wir haben viele Gespräche

geführt und den Spielern mitgeteilt,

woran sie sind. Alles schon sehr,sehr

gut. Ichglaube,wir befinden uns auf

einem guten Weg.“

Diezahlreichen Gespräche in der

Lobby des Teamhotels gipfelten übrigens

in der vorzeitigen Vertragsverlängerung

mit Kapitän Christopher

„Wir haben viele Gespräche geführt und den

Spielernmitgeteilt, woran sie sind. Alles schon

sehr, sehr gut. Ich glaube, wir befinden uns

auf einem guten Weg.“

Urs Fischer zieht nach neun TagenTrainingslager ein positives Fazit. Am Sonnabend wird

sich in Leipzig zeigen, ob der Eindruck des Union-Coaches zutrifft.

Trimmel bis 2021. Dessen Arbeitspapier

hätte sich zwar im Laufe der

Rückrunde –Gesundheit vorausgesetzt

–ohnehin prolongiert. Aber für

Union war das ein klares Statement

für die Zukunft, die ja weiterhin

zweigleisig geplant werden muss.

„Es wird keinen Spieler bei uns

geben, der keinen Vertrag für die

Erste und die Zweite Liga unter-

schreibt“, sagte Manager Oliver Ruhnert.

Indirekt war das auch ein Signal

an Rafal Gikiewicz, der sich ja nicht

vorstellen kann, im Falle eines Abstieges

in Köpenick tätig zu bleiben.

Da wirdesnoch mehrereGesprächsrunden

geben müssen, um dem Polen

einen Verbleib auch im Fall der

Fälle schmackhaft zu machen.

Blick auf den Transfermarkt

Erst einmal steht Leipzig im Vordergrund.

Während sich Union in Spanien

vorbereitete, hat RB in heimischen

Gefilden trainiert. Auch um

Akklimatisierungsproblemen aus

dem Wegzugehen. „In Deutschland

hätten wir bei zwei Trainingseinheiten

am Tagwenig Zeit gehabt, weil es

in Berlin ja schon wieder um halb

vier dunkel ist“, sagte Fischer. „Da

hätten wir immer schon um 14 Uhr

wieder beginnen müssen. Die Spieler

brauchen ja auch eine gewisse

Zeit zwischendrin, um zu regenerierenund

sich pflegen zu lassen.“

Klar ist derweil, dass es bei Union

kaum große Veränderungen geben

wird inder Startelf nach der Winterpause.

Zugänge gab es nicht, weil

kein Spieler auf dem Mark war, der

sofort und entscheidend weiterhelfen

würde und dabei bezahlbar ist.

Ruhnert hält weiter die Augen offen.

„Wenn sich die Möglichkeit ergibt,

einenTopspieler zu holen, dann werden

wir uns nicht beschränken“,

sagte er.

Bis Grischa Prömel (Patellasehne),

KevenSchlotterbeck (Innenband

im Knie) und Florian Hübner

(Fußprobleme und zeitweiliger Infekt)

wieder voll ins Geschehen eingreifen,

wird esnoch etwas dauern.

Auch wenn alle „auf einem guten

Weg“ sind, wie Fischer sagte. Unerfreulich

sind die Verletzungen von

Joshua Mees und Lennard Malony.

Letzterer soll in Berlin aber bald wieder

ins Team zurückkehren, Mees

fällt mit einer schweren Muskelverletzung

im Oberschenkel wochenlang

aus. Auch Suleiman Abdullahi

machte sein Knie so sehr zu schaffen,

dass er in Spanien keine einzige

Trainingseinheit auf dem Platz bestreiten

konnte. Mehr Zuversicht

herrscht bei Akaki Gogia, der am

Dienstag beim ersten Training in

Berlin wieder zum Kader stoßen soll.

„Da müssen wir eine gewisse Vorsicht

walten lassen. Aber das alles ist

eben auch Fußball.“ Urs Fischer

denkt pragmatisch, schlussendlich.

Die Debatte um Transfers hält an

Den FC Bayern München plagen vor dem Rückrundenstart bei Hertha BSC große Personalsorgen. Das einzige Testspiel der Winterpause bei Zweitligist Nürnberg geht 2:5 verloren

VonMaik Rosner,München

AmEnde stand ein 2:5 (1:1) für

den FC Bayern München gegen

den 1. FC Nürnberg, beim Drittletzten

der Zweiten Liga also, amSonnabend

im einzigen Test vordem Start

in die Rückrunde.AmSonntag (15.30

Uhr) gastiert der Deutsche Meister

bei Hertha BSC. Bayern-Trainer

Hansi Flick fand, dramatisch sei die

Niederlage gegen Nürnberg nach

dem intensiven Trainingslager in Katar

samt sechsstündigem Rückflug

nicht gewesen. „Das Wichtigste ist,

dass sich keiner verletzt hat.“ Und

auch wenn die Personalsituation angespannt

bleiben dürfte:„Es gibt keinen

Grund, jetzt in Hektik zu verfallen.“

Wie eine Warnung wirkte die

Blamage beim FCN dennoch.

Flick hatte gute Argumente auf

seiner Seite,wenn er öffentlich mindestens

zwei Zugänge fordert, einen

Rechtsverteidiger und einen Flügelspieler.Zugleich

hält es Flick nun aus

fachlicher Sicht für ebenso angemessen,

moderat mit der Niederlage

umzugehen. Zustande gekommen

war diese nach Alphonso Davies’

Ausgleich (34.) ja zudem in der zweiten

Halbzeit, als die Bayern nicht

mehr mit ihrer derzeit ersten Elfaufliefen,

sondern ausschließlich mit

Nachwuchs-Feldspielern, darunter

Michaël Cuisance, der noch einen

Foulelfmeter verschoss (72.). „Einen

Ticken überfordert“ sei die junge

Gardegewesen, sagte Flick.

Doch die Transferdebatte bleibt,

zumal die Münchner in Berlin mit einem

ähnlichen Kader auskommen

müssen. Thiago Alcántara, der in

Nürnberg wegen der bevorstehenden

Geburt seines zweiten Kindes

fehlte, wird gegen die Hertha den

Alphonso Davies feiertsein TorzuMünchens 1:1 gegen Nürnberg.

GETTY IMAGES/BEIER

ten Niklas Süle, Javier Martínez, Lucas

Hernández, Kingsley Coman und

aller Voraussicht nach auch Serge

Gnabry. „Wir haben eventuell zwei,

drei Wochen, die wir überstehen

müssen, bis der nächste Spieler wiegelbgesperrten

Joshua Kimmich als

Sechser ersetzen. Hinzukommen

dürfte zudem Stürmer Robert Lewandowski,

dessen Aufbautraining

nach seiner Leisten-OP planmäßig

verläuft. Fehlen werden die verletzder

da ist“, sagte Flick. „Schon dünn

besetzt“ sei man und habe bis Berlin

„noch Arbeit“, sagte Kimmich: „Wir

sind schon auf mehr fitte Spieler angewiesen,

wenn wir bis zum Ende

auf drei Hochzeiten tanzen wollen.“

Unter dem Eindruck des Tests in

Nürnberg wirkte es sehr optimistisch,

dass Sportdirektor Hasan Salihamidzic

in der Bild am Sonntag interne

Alternativen ins Gespräch

brachte. „In so einer Phase muss

man besonders eng zusammenstehen

und gemeinsam überlegen, was

das Beste ist, oft ergeben sich dann

Lösungen, die man nicht auf dem

Zettel hatte.“ Er meinte „junge Spieler,

die ins kalte Wasser geworfen

werden und überraschen, oder auch

Positionswechsel, die so nicht vorgesehen

waren, aber funktionieren“.

Moderieren muss Salihamidzic

nebenbei auch die Debatten um

Schalkes Torwart Alexander Nübel.

Der23-Jährige wirdimSommer nach

München überlaufen, laut Sport1 mit

einer vertraglich zugesicherten Einsatzgarantie.Salihamidzic

sagte dazu

nur,dass man sich nie über Vertragsinhalte

äußereund Nübel wisse,dass

Neuer die Nummer eins sei. Nübel

habe zugesichert, „dass er sich unterund

einordnet“. Mit Neuer und dem

aufstrebenden Torwarttalent sei man

„das nächste Jahrzehnt optimal besetzt“,

sagte Salihamidzic und lobte

sich ein bisschen selbst für diesen

Coup: „Andere große Vereine geben

60, 70, 80 Millionen Euro für einen

Torwartaus.Wir haben ihn ablösefrei

bekommen.“

An der aktuell dünnen Personallage

ändert das aber nichts. Nach

zwei Tagen Pause beginnt an diesem

Dienstag die finale Vorbereitung auf

Berlin. Vorerst ohne Verstärkungen.


Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020 – S eite 19

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Feuilleton

Kirill Petrenkound

die Berliner Philharmoniker

spielten

Josef Suk Seite 21

„Die Aktion ist gescheitert.“

Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit über die Arbeit „Sucht nach uns“ mit Asche von Holocaust-Opfern Seite 20

Entdeckungen

Formen der

Zuschreibung

Nikolaus Bernau

entdeckt in Dahlem einen

tollen Bildhauer.

Noch bis 20. Januar ist im Kunsthaus

Dahlem eine Entdeckung

zu machen: eine Ausstellung mit

Büsten, Zeichnungen und Reliefs

des Bildhauers Jussuf Abbo (um

1890–1953). 1911 erhielt der ausgebildete

Steinmetz, der im heute israelischen

Safed geboren wurde, ein

Stipendium für das Studium in

Deutschland. Seit 1917 nahm er

dann an zahlreichen Ausstellungen

der 1920er-und frühen 1930er-Jahre

teil. Seine Lust am Materialwechsel

vonWachs über Keramik und Terrakotta

bis zu Bronze passten in eine

Zeit des Ausprobierens, die zarten

Profile und die strenge Geometrie in

die Suche nach „moderner“ Eleganz.

Abbo wurde gefeiert, auch mit

exotistischen Geschichten wie jener,

dass er in seinem Atelier ein Beduinenzelt

aufgestellt habe. Doch 1935

musste er mit seiner Frau vor den

Nazis nach Großbritannien fliehen

und starb dortverarmt 1953. Obwohl

nach dem Krieg immer mal wieder

einzelne Arbeiten gezeigt wurden,

begann die systematische Wiederentdeckung

erst in der Post-Post-

Moderne, die nicht mehr versucht

war, alles in die strengen europäischen

Stilschienen (impressionistisch,

expressionistisch etc.) zu pressen.

Vorzwei Jahren wurde eine Gedenktafel

an Abbos einstigem Atelier

am Reichpietschufer 92 angebracht.

Und noch immer sind Entdeckungen

zu machen. So riefen voreinigen

Tagen Mitarbeiter des Erfurter

Anger-Museums im Dahlemer

Kunsthaus an. Sie hätten in ihrem

Depot ein Werk von Abbo gefunden,

das als verloren galt: Dieum1925 angefertigte

Büste vonMax J. Friedländer.

Den Erstguss hatten die Chemnitzer

Kunstsammlungen 1940 für

die „Führerspende“ zum Einschmelzen

herausgegeben, vom Erfurter

Exemplar wusste man bisher nichts.

Zwar sind in Dahlem davon nur

Fotografien zu sehen. Aber auch sie

zeigen: Abbo konnte auch streng,

kernig, intellektuell gestalten. So,wie

sich Friedländer, Leiter des Kupferstichkabinetts

und seit 1929 der Gemäldegalerie,

wohl selbst sah. Mit

seiner Büste trat er dabei auch in

eine „Büstenkonkurrenz“ mit Museums-Kollegen

wieWilhelm vonBode

oder Theodor Wiegand. Das nun

wieder aufgetauchte Bildnis des jüdischen

Kunstgelehrten, gefertigt

von dem osmanisch-deutschen Juden

Abbo, war damit auch ein Argument

gegen zeitgenössische Vorurteile,

die bestimmten Menschen –

hier Juden –absprachen, zu höherer

Kunst und Kultur fähig seien. Vorurteile,die

inzwischen teilweise wieder

gesellschaftsfähig sind.

Jussuf Abbo: Büste des Kunstgelehrten

Max J. Friedländer.

FALKO BEHR

Die Grünen, heißt es heute

oft, seien aus dem Zusammenschluss

von

Gruppen hervorgegangen,

die sich im Lauf der 1970er-

Jahre nach dem Zerfall der Studentenbewegung

gebildet hatten. Das

ist nur die halbe Wahrheit. Diese

Gruppen in einer „Partei neuen

Typs“, eine Formulierung Lenins,

wieder zusammenzubringen hatte

Rudi Dutschke schon Mitte der 70er-

Jahreversucht. Vergeblich.

Die meisten der Hunderttausenden,

die 1976 seit zehn Jahren bei der

Protestbewegung in der BRD dabei

waren, hatten in dieser Zeit ihren

Blick auf die Welt dreimal radikal geändert.

Zunächst waren aus Wirtschaftswunderkindern

Antikapitalisten

geworden. Dann kam die Frauenbewegung

und mit einem Mal

stand nicht mehr das Kapital, sonderndas

Patriarchat im Zentrum der

Kritik. Dann stellte sich mit der ökologischen

Bewegung die Frage nach

den Möglichkeiten des Überlebens

der Menschheit überhaupt.

Viele kapierten damals, dass es

mit einem bloßen Zusammenschluss

der zersplitterten linken, alternativen

Kräfte nicht getan sein

würde. Man brauchte eine neue

Marke. Viele linke Gruppen hatten

alternative Listen gegründet, die –

wie in West-Berlin –häufig vonmaoistischen

Organisationen infiltriert

oder gar gekapertwurden.

Nurwenige sahen, dass das nicht

genügte, dass man vielmehr eine

völlig neue Politik auf neuer Grundlage

mit Leuten machen müsse, die

nichts mit links und alternativ zu tun

hatten. So kam es zur Zusammenarbeit

mit rechtskonservativen bis

rechten Ökologen in der 1979 für die

Europawahl gegründeten „Sonstigen

Politischen Vereinigung“.

Dererste ökologische Bestseller

Bundesvorsitzende Annalena Baerbock beim Bundesparteitag 2019

Verzicht auf

Heilsbotschaften

40 Jahre Die Grünen –Ein Rückblick auf

die Vorgeschichte und auf die Hindernisse

auf dem Wegvon den Ideen zur Tat

VonArnoWidmann

Plakat der Grünen beim Bundestagswahlkampf 1990

DIE GRÜNEN

Schön, wenn wenigstens etwas dabei herauskommt! Grünen-Parteitag 1987 DPA

DPA

Vorsitzende waren der ehemalige

CDU-Abgeordnete Herbert Gruhl,

dessen Buch „Ein Planet wird geplündert–DieSchreckensbilanz

unserer

Politik“ 1975 der erste ökologische

Bestseller des bundesrepublikanischen

Buchmarktes gewesen

war,August Haußleiter,ein CSU-Abtrünniger,

und Helmut Neddermeyer

von der Grünen Liste Umweltschutz

Niedersachsen.

Eine nicht zu unterschätzende,

gerne übersehene Rolle bei der Entwicklung

dieser das linke Spektrum

sprengenden Konzeption spielten

die Erfahrungen der osteuropäischen

Opposition, in der sich linke

und bürgerliche Kräfte längst zusammengetan

hatten.

Die 3,2 Prozent Wählerstimmen

bei der Europawahl 1979 langten

zwar nicht für den Einzug ins Parlament,

ökonomisch aber waren sie

ein Erfolg. 4,5 Millionen DM Wahlkampfkostenerstattung

waren ein

gutes Argument zur Gründung einer

Partei. Bei einem Bundeskongress

der SPV-Die Grünen im November

1979 in Offenbach wurde beschlossen,

die „Sonstige Politische Vereinigung“

im Januar 1980 in eine Partei

umzugründen. Der Antrag auf

Nicht-Zulassung einer Doppelmitgliedschaft

in SPV-Die Grünen und

anderen Organisationen wurde abgelehnt.

Zwei Monate später (Wikipedia)

hatte die SPV-Die Grünen

nicht mehr nur 2800, sondern

12 000 Mitglieder. Der Magnetismus

des Kapitals.

Auf der Bundesversammlung der

SPV-Die Grünen am 12. und 13. Januar

in Karlsruhe wurde aus der

„Sonstigen Politischen Vereinigung“

die Partei DieGrünen. Dererste Satz

des Bundesprogramms lautete: „Wir

sind die Alternative zu den herkömmlichen

Parteien. Hervorgegangen

sind wir aus einem Zusammenschluß

von grünen, bunten und alternativen

Listen und Parteien.“ Dieser

Satz zeigt, wer auf dem

Gründungsparteitag der Grünen gesiegt

hatte. Eswar gerade nicht gelungen,

sich breiter aufzustellen.

Wahrscheinlich hätten die Grünen

mit Gruhl, Springmann, Haußleiter

nicht überleben können. Manches

muss schieflaufen, um überhaupt

laufen zu können.

Weiter hieß es damals: „Unsere

Politik wird von langfristigen Zukunftsaspekten

geleitet und orientiertsich

an vier Grundsätzen: sie ist

ökologisch, sozial, basisdemokratisch

und gewaltfrei.“ An allen diesen

vier Punkten ist in den vergangenen

vier Jahrzehnten heftig gerüttelt worden.

Diebisher einzige Bundesregierung,

in der die Grünen saßen, war

die erste nach 1945, die wieder einen

Krieg führte, sie half auch im Rahmen

der Hartz-IV-Reform, bei der

Senkung der bis dahin gültigen Sozialhilfe.

Der Begriff Basisdemokratie

scheint ganz verschwunden –nicht

nur bei den Grünen.

Wer den schnellen Aufstieg der

AfD in den letzten Jahren beobachtet

hat, derstaunt nicht über den Erfolg,

sondern über den hartnäckigen

Misserfolg der Grünen. Erhatte weniger

mit der bösen Umgebung als

vielmehr mit ihnen selbst zu tun. Mit

demPlakat „Alle redenvon Deutschland

–Wir reden vom Wetter“ zogen

die Grünen in den Bundestagswahlkampf

1990. Die Wähler quittierten

das mit 3,8 Prozent. Die Grünen waren

draußen. Im Westen hatten sie

4,8 Prozent. Zusammenmit Bündnis

90 wären sie wohl auf 5,1 Prozent gekommen.

Das war ein nicht zu vernachlässigendes

Motiv für die Zusammenlegungder

Parteien.

Wir sind vongestern

DasPlakat wirdgerne für die Auffassung

zitiert, auch wer zu früh

komme, werde vom Leben bestraft.

Ein Blick auf das Plakat widerlegt

das. Es scheint aus den 70ern zu

stammen,Produkt einer Wimmelästhetik,

die die Unübersichtlichkeit

feierte.Mit der kühlen, distanzierenden

Ironie der beiden Kernsätze hat

die Optik des Plakats nichts zu tun.

Deutlicher als mit ihr konnte man

nicht signalisieren: Wirsind vongestern.

In einem Jahr mit den heftigsten

Stürmen der Geschichte der

BRD, hätte man mit der Konzentration

aufs Wetter womöglich doch

sechs,sieben Prozent einfahren können.

Blickt man auf den Rand des

Plakats erkennt man auch noch nahezu

alle damals geläufigen Embleme

des links-alternativen Spektrums.

Das signalisiert dann auch

noch Unentschlossenheit.

Im Herbst wollen die Grünen ein

neues Programm vorlegen. Inzwischen

weiß jeder Bundesbürger,dass

Parteiprogramme nichts mit dem zu

tun haben, was die Partei machen

wird. Sie sind noch nicht einmal für

das Wahlvolk bestimmt. Sie versuchen,

den verbalen Kompromiss verschiedener

Strömungen in einer Partei

zu fixieren. Gültig ist er nur im Augenblick

seiner Abstimmung. Sofort

danach beginnen die Kämpfe um die

richtige Interpretation.

Dafür interessiert sich das Wahlvolk

immerweniger.Ich würdegerne

behaupten, es achte mehr auf das,

was die Politiker tun. Das wäre

schön. Zu schön, um wahr zu sein.

Ihrenderzeitigen Höhenflug verdanken

die Grünen nicht ihren Taten,

sondern ihrer Performance. Niemand

glaubt, dass sie die Welt, oder

auch nur die Bundesrepublik, retten

werden.Niemand, der auch nur über

einen kleinen Restposten seines Verstandes

verfügt, erwartet das von irgendjemandem.

Heilsbringerhaben

in der Politik nichts verloren. Es ist

eine Wohltat, dass die Grünen das

eingesehen haben.

NACHRICHTEN

Rush-Schlagzeuger

Neil Peartgestorben

DerSchlagzeuger der kanadischen

Rockband Rush, Neil Peart, ist tot.

Peartstarb vergangene Woche im Alter

von67Jahren im US-Bundesstaat

Kalifornien an einem Hirntumor,

wie die Band mitteilte.„Mitgebrochenem

Herzen und tiefster Traurigkeit

teilen wir die schreckliche Nachricht,

dass unser Freund, unser Bruder

und Partner Neil am Dienstag einen

langen Kampf vondreieinhalb

Jahren gegen einen Hirntumor verloren

hat“, schrieb die Band auf Twitter.Rush

war 2013 in die berühmte

Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen

worden. Allein in den USA

verkaufte die Band 25 Millionen Alben.

(AFP)

Der kanadische Musiker Neil Peart

(1952–2020) AFP/ETHAN MILLER

Internationales Auschwitz-

Kommitee ehrtIgor Levit

DasInternationale Auschwitz-Komitee

hat den Pianisten Igor Levit

(siehe auch Konzertbesprechung

Seite 21) für sein Engagement gegen

Antisemitismus und rechtsextremen

Hass geehrt. Levit verteidige mit

Mut, Kreativität und Lebensfreude

die Werteder Demokratie,erklärte

das Komitee zur Preisverleihung am

Sonntag in Berlin. Levit dankte und

betonte,wie wütend ihn die Bedrohung

vonPolitikerndurch „anonyme

oder nicht anonyme Faschisten“

mache.Der russisch-deutsche

Pianist (Jahrgang 1987) erhielt auch

die „Gabe der Erinnerung“, eine Statue

mit dem Buchstaben „B“ aus der

Aufschrift „Arbeit macht frei“ über

dem Tordes Vernichtungslagers

Auschwitz. (dpa)

Kulturhauptstadt-Werkvon

Ivan Kozaric abgefackelt

Drei Wochen vorder Eröffnung des

Europäischen Kulturhauptstadtjahreshaben

Unbekannte in Rijeka eine

Installation des kroatischen Bildhauers

Ivan Kozaric zerstört. DieTäter

setzten am Sonnabend das Werk

„Ein Haufen Heu“ in Brand, das auf

einem Platz im Zentrum der Stadt

gestanden hatte,berichtete dieWebseite

der lokalen Tageszeitung Novi

List. Dasaufgetürmte Heusollte den

Beginn der Ernte an kulturellen

Schöpfungen symbolisieren, in derenGenuss

Rijeka im Kulturhauptstadtjahr

kommen wird. DieInstallation

brannte völlig ab.Kozaric (98)

hat sich im kroatischen Kunstbetrieb

als ideenreicher Non-Konformist einen

Namen gemacht, der sich immer

wieder neu erfindet. 2002 nahm

er an der Documenta in Kassel teil,

2013 stellte er im Haus der Kunst in

München aus.Das Europäische Kulturhauptstadtjahr

steht unter dem

Motto „Hafen der Vielfalt“. Rijeka ist

in diesem Jahr zusammen mit der

irischen Stadt Galway Europäische

Kulturhauptstadt. (dpa)


20 * Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020

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Feuilleton

„Es ist unmöglich, das Richtige zu tun“

Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit über die Asche-Stele in Berlins Mitte und Überlegungen zu neuen Aktionen

Jede Aktion des Zentrums für

politische Schönheit (ZPS) ist

eine Provokation: Mit„Die Toten

kommen“ brachten sie

2015 an der EU-Grenze verstorbene

Flüchtlinge nach Berlin, AfD-Rechtsaußen

Björn Höcke stellten sie 2017

eine Replik des Holocaust-Denkmals

in den Garten. Dass Nazis und

Machthabende sich angegriffen fühlen,

ist für das ZPS üblich. Für ihre

jüngste Aktion „Sucht nach uns“

aber haben sie Asche vonHolocaust-

Opfern in einer Stele vor dem

Reichstag ausgestellt –und jüdische

Verbände und andere gegen sich

aufgebracht. Ein Gespräch mit Philipp

Ruch vomZPS über verletzte Gefühle,Spenden

und das Scheitern.

Herr Ruch, haben Sie mit der Aktion

Ihr künstlerisches Ziel erreicht?

Nein, die Aktion hat ihr Ziel völlig

verfehlt. Sieist gescheitert. Natürlich

scheitern alle unsere Aktionen auf

ihreArt.Aber hier liegt schon ein außergewöhnliches

Scheitern vor.

Menschen fühlten sich angegriffen.

Undüber das Anliegen –den Schulterschluss

des deutschen Konservatismus

mit dem Faschismus bei der

Abstimmung zum Ermächtigungsgesetz

1933 in der Krolloper –wurde

gar nicht gesprochen.

VomZentralrat der Juden bis zum Internationalen

Auschwitzkomittee

haben alle scharfe Kritik an der Aktion

geäußert: Sie sei instrumentalisierend,

mit Blick auf das Gebot der

Totenruhe im Judentum verletzend.

Dassind für uns gewichtige Stimmen

und wir verstehen sie.Hoch anzurechnen

ist all diesen Stimmen

übrigens auch, dass sie ihreKritik im

Modus des Konditionals vorgetragen

haben: Falls in der Stele Asche von

Menschen jüdischen Glaubens sei,

dann wäre esgeschmacklos. Denn

das ist der Knackpunkt.

Die Kritik richtet sich auch dagegen,

dass Sie mit dieser Wahrscheinlichkeit

spielen.

Das ist ein falsches Verständnis

vonkünstlerischer Freiheit.Wirspielen

nicht. Es gibt doch beim Film

auch nicht nur eine Artvon Regie.Es

gibt Roberto Benignis „Das Leben ist

schön“. Und es gibt Til Schweiger

oder Matthias Schweighöfer, die

keine Holocaust-Filme drehen sollten.

Wir gehören nicht zu letzteren,

das hätte man mit dem Mahnmal vor

Höckes Haus erkennen können.

Sie wissen also nicht, ob es die Asche

jüdischer Menschen ist?

Das ist richtig. Wir wissen nicht,

welcher Nation, welcher Religion,

welcher Widerstandsgruppe die

Menschen angehörten, deren Knochen

verstreut auf Feldern liegen.

Das ist doch das Infame. Die Täter

haben alles weggeschliffen bis auf

Die Stele gegenüber dem Reichstagsgebäude enthält inzwischen keine Asche mehr.

das,was sie nicht ausradieren konnten:

das Menschsein selbst. Die

Asche ist wie in der Welt von Schrödingers

Katze. Die Identität dieser

Menschen lässt sich gerade nicht

feststellen. Es ist unmöglich, das

Richtige zu tun.

Sie hielten es für das Richtige, die

Asche auszubuddeln.

Da müssen Sie gar nicht graben.

Die Knochen drücken nach Jahrzehnten

an die Oberfläche und liegen

in erschreckend hohen Körnungsgrößen

einfach nur so rum. Haben

wir je diskutiert, in welches Grab

wir sie legen? Wie wir damit umgehen?

Seit Jahrzehnten gilt: Aus den

Augen, aus dem Sinn.

Die Kritik ist riesig. Sind Sie anden

Punkt gekommen, an dem der Zweck

nicht jedes Mittel heiligt?

Ja, das beweisen die Reaktionen.

Unser Fehler lag in der Annahme,

dass es notwendig sei, die Asche ins

Regierungsviertel zu holen, um die

Kräfte der Geschichte wachzurufen.

Doch es hätte ohne sie funktionierenkönnen.

Dasist eine gute Nachricht.

Ist der Holocaust für Sie jetzt ein

Tabu?

Der Holocaust ist immer unser

Ankerpunkt. Ohne das Wissen um

ihn wird man unsere Handlungen

nie ganz verstehen können. Nach elf

Jahren haben wir mit einer Aktion

erstmals den Mutgefasst, den Holocaust

selbst ins Zentrum zu stellen.

Es wird unser einziger künstlerischer

Kommentar zum Holocaust

bleiben.

ZUR PERSON

Philipp Ruch wurde 1981 in Dresden geboren und wuchs ab 1989 in der Schweiz auf. Er

studierte Philosophie und promovierte über „Ehre und Rache. Eine Gefühlsgeschichte des antiken

Rechts“ (Campus-Verlag). 2008 gründete er das Zentrum für politische Schönheit (ZPS),

deren künstlerischer Leiter er ist. Philipp Ruch lebt in Berlin.

Stimmt SieIhr Scheitern traurig?

Ja.Inder Aktion „Sucht nach uns“

stecken zweieinhalb Jahre Arbeit.

Aber was ist diese Arbeit am Ende

wert, wenn wir die Gefühle von Holocaust-Überlebenden

verletzt haben

könnten? Daswollten wir nie.

Trotzdem wollen Sie die Stele trotz

Ablauf der Genehmigung vom Bezirksamt

jetzt nicht abbauen.Warum

räumen Sieden Ortnicht freiwillig?

DPA

Wir haben uns entschuldigt und

radikale Schritte vollzogen: Wir haben

die Asche, den Glutkern, entfernt

und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz

übergeben. Wirhaben die

Gedenkstätte völlig neu konzipiert.

Jetzt hat sie nichts mehr mit der

Schoah zu tun. Sie fordert seither

dazu auf, die Verteidigung der Demokratie

zu schwören.

Der Ort verletzt aber noch immer die

Gefühle. Eliyah Havemann ist Nachfahre

eines im Holocaust Getöteten.

Er war aus Israel angereist, um die

Stele mit anderen zu zerstören.

Über diesen Protest diskutieren

wir gerade intensiv. Ich kann mir eigentlich

nicht vorstellen, dass wir

jetzt darauf beharren, die Stele dort

stehen zu lassen. Das Problem wird

dadurch allerdings größer: Warum

markieren wir den Ort der Krolloper

nicht endlich gedenkpolitisch?

Sie haben den Standort der ehemaligen

Krolloper mit Ihrer Aktion aber

zu einem Ort gemacht, wo jetzt nur

über das ZPS diskutiertwird.

Dazu fällt mir Kurt Tucholsky ein:

„Derjenige, der auf den Schmutz

hinweist, gilt für viel gefährlicher als

der,der den Schmutz macht.“

Siehaben online sogenannte Schwurwürfel

mit in Glas gegossener Erde für

50 Euro das Stück verkauft. Wassollte

das?

Wir wollten eine Widerstandsgruppe

gründen, eine Georg-Elser-

Geheimgesellschaft, die im Falle des

Falles weiß, was zu tun ist und die

Demokratie nach Artikel 20 Absatz 4

verteidigt. Wenn die AfD die demokratisch-freiheitliche

Grundordnung

der Bundesrepublik stürzenwill.

Sie haben auch Spenden gesammelt.

Wie viel Geld haben Sie insgesamt

eingenommen?

Einen hohen fünfstelligen Betrag.

Das Crowdfunding diente aber nur

der Refinanzierung eines Teils der

Gedenkstätte.

Istnoch etwas übrig?

Nein, die Kosten für zwei Jahre

Recherchen, Vorbereitungen, Aufbauten

im Regierungsviertel und die

Produktion übertreffen bei weitem

das, was per Crowdfunding eingenommen

werden kann.

Ihre Aktionen, auch diese, richten

sich eigentlich gegen die AfD. Zurzeit

wird viel diskutiert, wie man die AfD

nennen darf: rechtspopulistisch,

rechtsextrem? Wasdenken Sie?

Ich halte die AfD nicht mehr für

eine Partei, sondern für eine rechtsextreme

Organisation. Ein Wolf im

Parteipelz. Wir sollten uns von der

Inszenierung nicht blenden lassen.

Landesvorsitzende wie Kalbitz in

Brandenburgoder Urban in meinem

Heimatland Sachsen sind Anhänger

der harten rechtsextremen Szene,

die den Staat stürzenund die Demokratie

abschaffen wollen. Unser

Schicksal hängt an der CDU/CSU.

Bleibt die CDU in den 20er-Jahren

nicht standhaft, dann wird die AfD

an der Exekutive beteiligt und einen

„Systemwechsel“ vollziehen.

Welchen Themen werden Sie sich in

Zukunft widmen?

Ichsehe nicht, dass der Rechtsextremismus

auf dem absteigenden

Ast ist. Die Künste sind Seismographen

einer Gesellschaft. Wir waren

2016 etwas zu früh dran, das Mittelmeer

als Massengrab zu kritisieren.

Hunderttausende Tote später gibt es

eigentlich keinen, der dieses Bild

nicht sofort versteht. Jetzt sind wir

früh dran mit der Erkenntnis, dass

der Weg andie Macht für die AfD

über die Union führt.

Dasklingt jetzt eher nach „Konservativejagen“

statt „Nazis jagen“.

Vielleicht. Dieschlechten Konservativen.

WieHans-GeorgMaaßen.

DasGespräch führte Annika Leister.

Feuer in Sicht

Ernst-Busch-Studenten spielen Ray Bradburys „Fahrenheit 451“ im Neuen Haus des Berliner Ensembles

VonDoris Meierhenrich

Man muss sich doch immer wieder

die Augen reiben, liest man

Ray Bradburys siebzig Jahre alten

Science-Fiction-Klassiker „Fahrenheit

451“ wieder. Dadämmern die

Stadtbewohner der glücklich sedierten

Zukunftsgesellschaft in voll

durchdigitalisierten Wohnungen vor

sich hin, in denen im besten Fall

gleich alle vierWände jedes Zimmers

aus Videoscreens bestehen, von denen

rund um die UhrinteraktiveUnterhaltungsserien

plätschern, während

sich eine Spezialfeuerwehr im

Salamanderfahrzeug durch die Straßen

schlängelt und mit gezielten

Brandlegungen die Reste der störenden

Papier-Kultur eliminiert.

Die Wohlfühlgesellschaft lässt

sich durch dreidimensionale Seifenopern

fesseln, deren nie endende

Geschichten längst die eigenen

Biografien und Figuren die Familie

ersetzten, während die Welt

draußen in Blitzkriegen versinkt −

und das alles völlig freiwillig. Virtual

Reality nennt man diese schillernde

Unterhaltungstechnik

heute, die wie der Home-Assistent

Alexa oder das Binge-Watching

ganz selbstverständlich zum millionenfachen

Alltag gehört.

Anfang der 1950er-Jahre hat es

auch im Film-Mekka Los Angeles,

wo Bradbury dieses so kulturpessimistische

wie hellsichtige Szenario

zur Romandystopie zuspitzte nur

wenige funktionierende Fernsehprogramme

gegeben. Dieaber reichten

offenbar aus, umdas virulente

Sucht- und Manipulationspotenzial

sehr genau zu erkennen.

Die Kostüme für „Fahrenheit 451“ entwarf Lotta Zeit.

Heute in „Fahrenheit 451“ Aktualität

zu finden, ist also nicht schwer.

Und doch sieht man nun im Neuen

Haus des Berliner Ensembles,woder

Regisseur Alexander Simon zusam-

MORITZ HAASE

men mit neun Ernst-Busch-Schauspielstudenten

die Wandlung des

Feuerwehrmanns Guy Montag vom

offiziellen Bücherverbrenner zum

subversiven Buchbewahrer auf die

Bühne bringt, dass es trotzdem nicht

leicht ist, Bradburys Befürchtungen

mit dem Wissen vonheute weiter zu

denken. Hochinteressant bleibt

Bradburys Verständnis von Kultur,

speziell von Büchern, die verstören

müssen, nicht beruhigen. Aber

schließt massenmediale Immersionstechnik

kritisches Denken tatsächlich

nur aus?

Voreiner breiten Multifunktions-

Rollwand (Bühne: Wiebke Bachmann),

an der die Tore wie die einer

Feuerwache rauf- und runtergeschoben

werden und zugleich als

durchlässige Projektionsflächen der

Wohnzimmer dienen, konzentrieren

sich die neun Montags −von Szene

zu Szene schlüpft ein anderer in

seine Jedermann-Uniform −auf nur

wenige düster beleuchtete Begegnungen:

François Truffauts Verfilmung

(1966) gab dem Abend eher

Vorlage als der Roman. Doch sie alle

sind seltsam lang gezogen.

Nicht, weil Montags langsames

Suchen nach neuem Verstehen oder

altem Gedächtnis besonders ausgearbeitet

würde,sondernweil Simons

seine jungen Spieler vor allem in

Stimmungen zu versetzen sucht. Sie

sollen unterdrückte Gefühle durch

die Körper zucken lassen und nervöse

Spannung produzieren, doch

fühlen dabei alle zu lange und überzeichnen

dabei zu sehr. Jeder kleine

Monolog wird zum großen Mono-

Gefühlsschwall aufgepumpt und

kreist ziellos um sich selbst. Mehr

miteinander wärebesser als allein.

Fahrenheit 451 13.,14.,27. Januar,20Uhr,

BerlinerEnsemble (NeuesHaus), Kartenunter

Tel.: 28408155 oder berliner-ensemble.de


Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020 21

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Feuilleton

Als die

Töne laufen

lernten

Zum Toddes Jazzmusikers

Wolfgang Dauner

VonHarry Nutt

Inder kurzen Phase der 70er- und

80er-Jahre, in der Jazz und Jazzrock

als ein integraler Bestandteil der

populären Musik galt, war Wolfgang

Dauner deren Spiritus Rector. Und

wie bei allen guten Jazzern, die in der

bundesrepublikanischen Nachkriegszeit

erwachsen wurden, verliefen

die professionellen Anfänge über

die Unterhaltungsmusik. Der1935 in

Stuttgartgeborene Wolfgang Dauner

verdiente in den 50er-Jahren sein

Geld als Trompeter in Tourneebands

vonMarika Rökk, Lale Anderson und

Zarah Leander. Sein bevorzugtes Instrument

aber war das Jazzpiano,

und nach einem Studium für Trompete

und Komposition wurde er ein

gefragter Studiomusiker für amerikanische

Jazzer wie Benny Bailey,

Leo Wright und Robin Kenyatta.

Folgenreich für die weitere musikalische

Entwicklung war 1963 die

Begegnung mit dem Bassisten EberhardWeber,mit

dem Dauner zusammen

mit dem Schlagzeuger Fred

Braceful das Wolfgang-Dauner-Trio

gründete, das fortan Stammgast auf

allen wichtigen Jazzfestivals in

Deutschland war, die auf ein einschlägig-kompetentes

Publikum

setzen konnten. Der Name Dauner

stand für ein deutsches Qualitätsprodukt

eigenständig progressiver

Musik, die bisweilen auch ins Performativ-Experimentelle

tendierte.

Dauner-Musik verwandelte sich

dann in Happenings, inden Tischtennisbälle

die zu klanglichen Einfallskugeln

wurden. Die Popularitätsgrenze

in Richtung Massengeschmack

überschritten Weber und

Dauner mit der Gründung des United

Jazz und Rock Ensemble im Jahre

1975, zu dem prominente internationale

Musiker wie Jon Hiseman

(Colosseum), Charlie Mariano, Barbara

Thompson sowie der deutsche

Gitarrist Volker Kriegel und das Posaunengenie

Albert Mangelsdorff

und dessen Bruder Emil Mangelsdorff

gehörten.

Neben legendären Live-Auftritten

des United Jazz and Rock Ensembles

Mal populär,oft experimentell: Der MusikerWolfgang

Dauner (1935–2020). DPA

erreichte die Fusion-Truppe vor allem

über den Plattenvertrieb von

Zweitausendeins Kultstatus.

Wolfgang Dauner war musikalisch

umtriebig und stets neugierig

auf Kooperationen. Mit seiner Band

Et cetera navigierte er mit musikalischen

Abschweifungen sehr nah am

Rock-Genre. 1976 wurde seine Jazzoper

„Der Urschrei“ beim Berliner

Jazzfest uraufgeführt, und der „Sendung

mit der Maus“ brachte er Jazztöne

bei. Für KonstantinWecker wiederum

war er für einige Zeit Produzent

und musikalischer Leiter. Dauner

spielte mit Jazzgrößen wie Chick

Corea und Terje Rypdal –und Mitte

der 80er-Jahre stieß sein Sohn Florian

Dauner als Schlagzeuger zum

United Jazz und Rock Ensemble,das

noch immer als Leuchtturm der damals

sich in alle Richtungen verströmenden

Fusionbewegung gilt. Mit

Florian Dauner veröffentlichte Vater

Dauner zuletzt 2014 und 2016 neue

Alben. Am Freitag ist Wolfgang Dauner

im Alter von84Jahren gestorben.

Extreme der Trauer und der Angst

Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker führen Josef Suks „Asrael“-Symphonie auf

VonPeter Uehling

Im Repertoire der Symphonieorchester

verlagern sich die

Schwerpunkte. Wenn Richard

Strauss sich neuer Wertschätzung

erfreut, Rachmaninow plötzlich

ernst genommen und Elgar

nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus

Interesse aufgeführt wird, oder wie

am vergangenen Wochenende Kirill

Petrenko mit den Berliner Philharmonikern

Josef Suk entdeckt –dann

zeigt das ein großes Interesse an jener

Musik, die man aus Verlegenheit

„spätromantisch“ nennt, weil sie

sich jenen Richtungen nicht zuordnen

lässt, die für sich das Label „Moderne“

gepachtet haben. Dabei ist

der Begriff „romantisch“ irreführend

–erist keineswegs mit dem literaturgeschichtlichen

vergleichbar und

meint in der Musik nicht mehr als einen

gewissen Gefühlsidealismus.

DieVorsilbe„spät-“ legt zudem nahe,

es handele sich hier um etwas Abgeleitetes

und Untergangsgeweihtes.

Eine reiche Musik

Hörtman dagegen die 1906 entstandene

zweite Symphonie von Josef

Suk, dann lässt sich –auch wenn sie

eine Auseinandersetzung mit dem

Todist –ihre künstlerische Vitalität,

ihr Aufbruchsgeist in keinem Moment

bezweifeln. Hier ist nichts

„spät“, hier ist auch nichts im Sinne

Webers oder Schumanns „romantisch“,

auch wenn es um Gefühle

geht: Suk begann das Werk im Gedenken

an seinen verstorbenen LehrerAntonín

Dvorák; während der Arbeit

starb auch noch seine Frau, zugleich

Dvoráks Tochter.

Manhörteine reiche Musik, erlebt

eine romanhaft weite Spanne zwischenVerzweiflung

und Süße,ergreifend

mürbe Klänge geteilter Streicher

über einem penetrant ausgehaltenen

Bläserton, der wiederholt halbtönig

umkreist wird, dumpfes Pochen aus

Pauken und tiefen Harfen-Akkorden,

emphatisch gesteigerte Schönheit

und höllisches Durcheinander.

Man könnte sagen: Hier wird das

menschliche Leben in seiner ganzen

Fülle gespiegelt in einer Tonsprache,

die sich keineswegs auf eingefahrenen

Kommunikationswegen bewegt

und auch formal frei von allem Akademismus

ist – selbst das Hochschul-Fugato

im Finale fliegt früh genug

auseinander, umden Verdacht

einer handwerklichen Renommier-

Übung zu zerstreuen.

Die modernen Idiome Strawinskys

oder Schönbergs mögen auf Anhieb

interessanter sein, weil sie sich

Der Dirigent Kirill Petrenkonach einem Philharmoniker-Konzert

DPA/BERND VON JUTRCZENKA

Pole zum Schmelzen bringen

bündig auf ihr Neusein reduzieren

lassen –dafür begegnet man in der

Musik Suks einer Kunst, die technisch

hochkomplex ist und zugleich

an einem emphatischen Bild des

Menschen festhält, das Strawinsky

zur Puppe vereinfacht und Schönbergpathologisiert.

Wenn uns der Algorithmus

tatsächlich nur noch als

Puppe betrachtet und uns selbst

Mensch und Natur aus permanenter

Sorge nur noch als Kranke erscheinen,

erwacht die Sehnsucht nach einer

Kunst, in der auch die Extreme

der Trauer und der Angst als Teil des

Menschseins dargestellt sind, die

nicht aus Gründen des reibungslosen

Konsums therapiert werden müssen

–sie wollen durchlitten werden.

Einsouveräner Erzähler

Petrenko hatte diese zweite Symphonie,

benannt nach dem jüdischen

Totenengel „Asrael“, bereits als Generalmusikdirektor

der Komischen

Oper mit dem Orchester des Hauses

aufgeführt und aufgenommen. Er

bewährtsich als souveräner Erzähler

dieses einstündigen symphonischen

Romans, entwickelt die Thematik in

subtilen Phrasen bis zur Explosion,

setzt schlüssige Kontraste oder lässt

die Musik langsam, aber stetig

schwingen. Die Philharmoniker

schwelgen dabei gleichsam skeptisch

im Farbreichtum der Partitur,

zauberhafte Soli der Streicher und

des Englischhorns –wie elegant und

unverbraucht setzt Sukdessen notorisch

klagenden Klang hier ein –und

markante Tutti-Registrierungen

klingen stilsicher, zugleich wirkte

das Zusammenspiel am ersten

Abend noch nicht ganz reibungsfrei.

Das Konzert begann mit einem

seltsam unterspielten Beitrag zum

Beethoven-Jahr. Daniel Barenboim

spielte das Dritte Klavierkonzertund

schien an dem, was sein junger Kollege

mit dem Orchester trieb, mindestens

so interessiertwie an seinem

Solopart, den er sonst neben dem

Selberdirigieren erledigt. Auf diese

Weise schienen sich beide ein wenig

zu belauern, und das Ergebnis war

rhythmisch und klanglich zu weich.

Dass Barenboim etwa den großen Affekt-Ausbruch

im Largo-Thema über

tremolierender Dezime wispernd

nimmt, ist ziemlich grotesk. Zuweilen

will man das streichelzahme Sounddesign

dieser Interpretation auf

schiereKraftlosigkeit des Solisten zurückführen.

Nur wenn Barenboim

mit einen Abwärtslauf ins Orchestertutti

führte,setzte er ein Gesicht auf,

das etwas von Beethoven’scher Entschlossenheit

spiegelte.

Caner Teker und Lois Alexander liefern starke Eindrücke bei den Tanztagen in den Sophiensälen

VonChristine Matschke

Atmosphären der Orientierungslosigkeit

und Ästhetiken, die

Konzepte herkömmlicher Weltordnungen

aufweichen, konnte das Publikum

am Freitag bei einem starken

Doppelabend der Tanztage erleben.

Für „Kirkpinar“ lässt sich die nichtbinäre

Künstlerperson Caner Teker

vom türkischen Öl-Wrestling inspirieren.

Die Kantine der Sophiensäle,

ein fensterloser Raum im Untergeschoss

jenes Gebäudes, das zum

sechsten und letzten Mal unter der

Leitung von Anna Mülter Arbeiten

des choreografischen Nachwuchses

beheimatet, gleicht einem dubiosen

Hinterhof-Club. Einen besseren Ort

für eigenwillige Weltbewältigungsstrategien

hätte die Männerriege aus

dem Film „Fight Club“ vermutlich

auch nicht finden können.

Doch auch wenn das spannungsgeladene

Sounddesign (düsteres

Wummern, bedrohliches Schnaufen

und Aufreißen von Klettverschlüssen)

sowie das androide Raubkatzen-Gebaren

von Teker und Aaron

Ratajczyk zunächst auf Hartgesottenes

hindeuten, tritt der erwartete

Gewaltakt nicht ein. Sorgsam, beinahe

liebevoll werden die männlichmuskulösen

Körper, oben ohne und

unten in Lederhosen, erst einzeln

und dann auch mal gegenseitig eingeölt.

Im durch Absperrgitter abgegrenzten

Schaukampffeld sinken die

vermeintlichen Kampfmaschinen

gemeinsam zu Boden und verwandeln

Momentaufnahmen bekannter

Wrestling-Posen in einen intimen

Dialog zweier Körper,die nach einer

symbiotischen Überwindung vorgegebener

Identitäten suchen.

Anders als etwa beim Künstlerduo

Schubot und Gradinger, das in

der Berliner Tanzszene in Sachen

Ich-Entgrenzung als Vorläufer gilt,

erfährt das Ereignis bei Teker eine

beinahe transzendentale Aufladung.

Das Publikum steht dabei atmosphärisch

mit im Ring. Dafür sorgen

unter anderem tranceartig wiederholte,sakral-chorale

Soundschleifen

– ein absolut stimmiges Verdrehund

Aufweichungs-Spiel vermeintlich

gegensätzlicher Kategorien!

Caner Tekerinszeniertden Dialog von

KörperninWrestling-Posen. SOPHIENSAELE

Pole zum Schmelzen bringt auch

„Neptune“ von Lois Alexander. Aus

einer autobiografischen Perspektive

als Woman of color heraus wirft sie

einen Blick auf den kolonialgeschichtlich

bedingten Dualismus

zwischen Schwarz und Weiß und

stellt ihn über physische Form- und

Zustandsveränderungen kritisch in-

Frage. Die zwei wesentlichen Attribute,

die Alexander zusammen-

bringt –Eisblöcke hängen an Ketten

von der Decke des Hochzeitssaals –,

eröffnen ein semantisches Feld, das

sich aufgrund der Eigenwirksamkeit

des Materials Wasser selbst außer

Kraft setzt. Versuche, das Stück mit

kühler Ratio zu begreifen, gleiten

hier ab. Eine mythologisch und kulturhistorisch

angereicherte Bedeutungsschwere

scheint Konzept zu

sein, um das Publikum in eine Orientierungslosigkeit

zu führen. Geschichtsschreibung,

so könnte man

Alexander verstehen, ist an Machtverhältnisse

gebunden, die marginalisierte

Realitäten ausblenden.

Insgesamt spiegelt dieser Doppelabend

eine Tendenz des zeitgenössischen

Tanzes wider, das eigene

Medium in Verbindung mit der seelenverwandten

Sprache der bildenden

Kunst auf sinnlichere, intuitivere

und hierarchiefreiere Möglichkeiten

der Wissensbefragung- und -generierung

hin zu erproben. In dieser

Suche sind Alexander und Teker bereits

ziemlich stark.

Tanztage bis 18.1., www.sophiensaele.com

Träume,

nicht

verträumt

Igor Levit spielt

selten zu hörende Werke

VonMartin Wilkening

Seine CD-Box mit Beethovens Klaviersonaten

hat er gerade vorgelegt.

Im Herbst wirdIgor Levit in Berlin

den Zyklus komplett aufführen.

Aber ins sogenannte Beethoven-Jahr

startet er mit einem ganz anderen

Konzertprogramm. Es ist eine echte

Einladung zum Zuhören, gleichzeitig

eine Herausforderung, denn Levit

liebt die Auseinandersetzung mit

musikalischen Großformaten. Wahrscheinlich

ist er der einzige Pianist,

der Ferruccio Busonis „Fantasia contrappuntistica“

und Frederic Rzewskis

„Dreams II“ in einem Konzert

spielt, eine halbe Stunde lang das

erste,45Minuten das zweite Stück.

BeiLevit ist das nicht nur einfach

eine prätentiöse Idee, esgeht nicht

um Selbstdarstellung, sondern

darum, einen Raum zu schaffen für

die konzentrierte Mitteilung von etwas,

das vom Alltagsgeschäft denkbar

weit entfernt liegt.

Mehr Klarheit ist nicht möglich

Beides sind auch für die Hörer keine

bequem zu genießenden Stücke: Busoni

absolut einschüchternd durch

gedankliche Überkomplexität im

Verein mit weiträumig virtuoser Aufgeblasenheit,

Rzewski eher lang

durch Weitschweifigkeit. Man spürt,

wie wichtig Levit beider Musik ist, wie

er versucht, jeden Eindruck bloßer

Sportlichkeit noch im virtuosen Zugriff

zu vermeiden. Wenn es ihn am

Gipfelpunkt von Busonis dschungelähnlicher

Fantasie über Bachs unvollendetes

Schlussstück aus der

„Kunst der Fuge“ einmal tatsächlich

vom Klavierhocker abheben lässt, ist

das keine Show,sondern der natürliche

Ausdruck jener geistig-körperlichen

Überforderung, die Busoni hier

gezielt sucht. Mehr Klarheit als Levit

kann man bei diesem Stück nicht erreichen,

wenn man die zweihändige

Fassung spielt und nicht Busonis alternativeVersion

für zwei Klaviere.

Trotzdem bleibt die Fragwürdigkeit

des Virtuosen. Undsie erscheint

verschärft in Frederic Rzewskis vier

Sätzen von „Dreams II“, die der

Komponist 2014 für Levit schrieb.

Klangspielerisch der erste Satz mit

seinen Glockenklängen, die dem Interpreten

viele Freiheiten lassen, die

Levit mit subtilem Sinn für Farben

und Timing ausgestaltet. Dabei

könnte man sich das Ganze aber

auch als Miniatur denken –ein Eindruck,

der sich in der Folge noch verstärkt,

bis hin zu dem Kinderlied von

Woodie Guthrie, das Rzewski dem

letzten, fast improvisatorisch anmutenden

Satz zugrunde legt. „Wake

up!“, das ist die Botschaft dieses Stückes

und wahrscheinlich braucht es

diese Weite und raumgreifende Bearbeitung

der Tastatur,umjene Umdeutung

des privat Verspielten zum

Politischen zu schaffen. Intensiver

aber erschienen die beiden kürzeren

Stücke aus dem 17. Jahrhundert, die

Levit zu Beginn spielte. Die acht Minuten

vonGeorgMuffats wundersamer

Passacaglia g-Moll wirkten wie

der Eintritt in die Unendlichkeit.

TOP 10

Sonnabend, 11. Dezember

1 Tagesschau 20 Uhr ARD 7,21 25 %

2 Wilsberg ZDF 6,36 21 %

3 Schlagerchampions ARD 5,56 20 %

4 Handball-EM ARD 5,55 24 %

5 Dschungelcamp RTL 5,34 22 %

6 Biathlon ARD 4,30 31 %

7 Skispringen ARD 3,95 23 %

8 WintersportTelegr. ARD 3,94 22 %

9 DSDS RTL 3,90 13 %

10 Tagesschau 18 Uhr ARD 3,74 20 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


22 Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Berliner Ensemble (& 28 40 81 55)

20.00 Neues Haus: Fahrenheit 451

DT-Kammerspiele (& 28 44 12 25)

19.30 Box: Hool (Junges DT)

20.00: Der Tempelherr

GarnTheater (& 78 95 13 46)

20.30: Die Schädlichkeit des Tabaks und andere

Ungeschicklichkeiten

Haus der Sinne (& 44 04 91 55)

20.00: Ein Sommernachts-Tango(Compañía Fabula

Tango)

Schaubühne (& 89 00 23)

19.30: RichardIII.

Sophiensaele (& 283 52 66)

19.00 Kantine: Tanztage2020: AChild Has Been

Beaten (Suvi Kemppainen &Josefine Mühle)

20.30 Hochzeitssaal: Tanztage2020: Around the

World(Shakuntala Nagarkar,Akanksha Kadam, Savitri

Medhatul)

tak Theater Aufbau Kreuzberg (& 50 56 70 00)

20.00: Istós (Tragodia Theater|L’Effimero Meraviglioso

Theater)

Vaganten Bühne (& 313 12 07)

20.00: Spreeperlen. Eine Berlin-Revue

KABARETT/VARIETÉ

1820 Bar (Rosa-Luxemburg-Str.41)

20.30: Cosmic ComedyOpen-Mic (Dharmander

Singh, Neil Numb u. a.)

Admiralspalast (& 22 50 70 00)

20.00: Land der Schatten (Magic Shadows)

BKA (& 202 20 07)

20.00: TheatersportBerlin: Das Match

Distel (& 204 47 04)

19.30 Studio: Die Zukunft istkeinPonyhof (Studio-

Ensemble)

20.00: Zirkus Angela

Friedrichstadt-Palast (& 23 26 23 26)

20.00: DDC Goes CRZY (Dancefloor Destruction

Crew)

Stachelschweine (& 261 47 95)

20.00: Überall ist besser als nichts!

Z-Bar (& 28 38 91 21)

20.00: Burnthe Club 3.31 (Inbal Lori &Paula

Galimberti)

KLASSIK

Bar jeder Vernunft (& 883 15 82)

20.00: Piano Battle: Andreas Kernvs. Paul Cibis

Deutsche Oper Berlin (& 34 38 43 43)

20.00 Tischlerei: Musiker desOrchesters der

Deutschen Oper,Margarita Broich (Lesung), Benedikt

Leithner (Mod.), 2. Tischlereikonzert: Wider das

Vergessen, Ignatz Waghalter:Sonate für Violine und

Pianoforte f-Moll op. 5; Joseph Haydn: Streichquartett

C-Dur,op. 54,2; Paul Hindemith: Duo für Bratsche

und Violoncello; Erwin Schulhoff: Streichsextett; Igor

Strawinsky: Aus„Geschichte vomSoldaten“: Drei

Tänze, Pastorale, Königsmarsch

Hochschule für Musik Hanns Eisler im Neuen

Marstall (& 203 09 21 01)

19.00 Galakutschen-Saal II: Vortragsabend Kontrabassklasse

Prof. Janusz Widzyk

Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche (& 218 50 23)

19.00: Susanne Eisenkolb,Manfred Eisner,Ute-

Francina Kannenberg,Antje Rietz u. a., Collegium

tschechischer Philharmoniker,Ltg.Dusan-RobertParisek,

Europa ruft -ein musikalischer Abend, Gewidmet

dem Komponisten JaroslavJezek, seinen Musikwerken

zwischen 1933 und 1939 sowie den Autoren Jiri

Voskovec/Wachsmann und Jan Werich

Konzerthaus Berlin (& 203 09 21 01)

15.00, 19.00 Gr.Saal: Deutsches Filmorchester

Babelsberg,Sonia Grané (Sopran), Melissa Domingues

(Mezzosopran),Joel vonLerber (Harfe), Ltg.

Aurélien Bello,Neujahrskonzertder Volkssolidarität,

Moderation: Tina Knop -Beethoven: Ouvertüre zur

Oper „Fidelio“ E-Dur op. 72; Mozart: „Non so più

cosa son“, Arie aus der Oper „Le nozze de Figaro“;

Gounod: „Jeveux vivre“, Arie aus der Oper „Roméo et

Juliette“; Ginastera: 3. Satz aus dem Konzertfür Harfe

und Orchester op.25; Délibes: Blumenduett aus der

Oper „Lakmé“; Glinka: Ouvertüre zur Oper „Ruslan

und Ludmila“; Strauß (Sohn): „Vom Donaustrande“,

Schnellpolka op. 356; Smetana: „Die Moldau“ aus

dem Zyklus Sinfonischer Dichtungen „Mein Vaterland“

u. a.

Philharmonie (& 25 48 83 01)

20.00: Cape Town Opera‘s African Angels, Oper,

Gospel, African Traditionals

Philharmonie/Kammermusiksaal (& 25 48 81 32)

20.00: Hannah Cho (Violine), Béla Bartók: Rhapsodie

Nr.1;Isang Yun: Königliches Thema; Claude Debussy:

Sonate; Johannes Brahms: Sonate Nr.3d-Moll op.

108; Maurice Ravel: Tzigane

Pierre Boulez Saal (& 47 99 74 11)

19.30: Thomas Hampson (Bariton), Wolfram Rieger

(Klavier), Schubert-Woche, Franz Schubert: „Winterreise“,

Liederzyklus nach Gedichten vonWilhelm Müller

Staatsoper Unterden Linden (& 20 35 45 55)

19.30: Staatskapelle Berlin, Pinchas Zukerman (Violine),

Ltg.LahavShani, AbonnementkonzertIV, Werke

vonEdward Elgar und Modest Mussorgsky

KINDER

Atze Musiktheater (& 81 79 91 88)

10.00 Studio: Oh wie schön ist Panama (ab 4bis

8J.)

10.30: Die Hühneroper (ab 6bis 10 J.)

Computerspielemuseum (& 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

Deutsches Theater (& 28 44 12 25)

11.00: Der kleine König Dezember(ab 6J.)

Grips Podewil (& 39 74 74 77)

10.30: Die fabelhaften Millibillies (ab5J.)

Jugendmuseum Schöneberg (& 902 77 61 63)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern-Wunderkisten

Labyrinth Kindermuseum (& 800 93 11 50)

9.00: Natürlich heute!, Umweltausstellung für Kinder

Puppentheater Firlefanz (& 283 35 60)

10.00: Aschenputtel (ab 3J.)

Theater an der Parkaue (& 55 77 52 52)

10.00: Die Zertrennlichen (ab 9bis 13 J.)

10.00: Die fürchterlichen Fünf(ab 5bis 9J.)

LITERATUR/VORTRAG

Begine (& 215 14 14)

19.00: Literaturrunde: OlgaTokarczuk Unrast, Lesung

und Diskussion

Kulturfabrik Moabit (& 397 50 56)

19.30 Fabriktheater:Schall &Rauch Slam, Poetry

Slam Schattenwand

Literarisches Colloquium Berlin (& 816 99 60)

19.30: Studio LCB: „Die Familie“, Andreas Maier,

Lesung und Gespräch mit Andreas Maier,Jörg Magenau

und Frank Witzel. Moderation: Tobias Lehmkuhl

Literaturhaus Berlin (& 887 28 60)

21.00: Wortservierungen: Franz Kafka -Ein Bericht für

eine Akademie. Erläuterung vonIngeborg Scholz, mit

Richard Burger

Pfefferberg Theater (& 939 35 85 55)

20.00: Literatur Live: Alt genug,ummich jungzu

fühlen, Greta Silver,Buchpremiere

Schlosspark Theater (& 78 95 66 71 00)

19.00: Das Geschenk, Sebastian Fitzek, Lesung

Schwartzsche Villa (& 902 99 22 12)

20.00 Kl. Salon: Autorenforum: Lesen -Zuhören -Diskutieren,

Vorlesen unveröffentlichter Texte

SO36 (& 61 40 13 06)

19.00: Lesedüne, Marc-Uwe Kling,Julius Fischer,

Sebastian Lehmann, Maik Martschinkowsky u. a., mit

Musik vonBoris the Beast

Konzert

Das Schicksal

jüdischer

Musiker

Das Kammerkonzert unter

dem Titel „Wider das Vergesen“

heute in der Deutschen

Oper geht auf die Initiativedes

Pauken-Solisten Benedikt

Leithner zurück. Es erinnert

an vier jüdische Orchestermusiker

der Deutschen Oper, die

während des Faschismus vertrieben

oder ermordet wurden.

Mitdem „Gesetz zur Wiederherstellung

des Berufsbeamtentums“,

am 7. April 1933

erlassen, wurde nicht nur an

Schulen und Universitäten

„aufgeräumt“, auch Theater

und Opernhäuser entließen

ihrejüdischen Mitarbeiter.Benedikt

Leithner forschte nach

den Kollegen, die gehen mussten.

Das Konzert bringt nun

Stücke mit dem Konzertmeister

Wladyslaw Waghalter, dem

Violinisten Max Rosenthal sowie

den BratschernWerner Lywen

und Hans Kraus in Verbindung,

die Schauspielerin

Margarita Broich liest passende

Texte. Cornelia Geißler

Kammerkonzert, 20 Uhr, Tischlerei der

Deutschen Oper,Tel.:343 843 43

In einem anderen

Land zu Hause

Diese Woche bietet Perspektivwechsel mit den

Mitteln der Dichtung: zweimal von Nord nach Süd

und einmal von Ost nach West

Der Name steht für ein

Programm: „Weiter

Schreiben“. Man kann

die Initiatorinnen nur

dazu beglückwünschen, diese doppeldeutige

Wendung gefunden zu

haben, die so klar und eingängig zugleich

ist. „Weiter Schreiben“ ist ein

Projekt mehrerer Frauen aus dem Literaturbereich,

das nach Berlin geflohene

Autorinnen und Autoren

darin unterstützt, auch am neuen

Ortliterarisch zu arbeiten.

Es unterstützt sie also, ihr Leben

fortzusetzen, denn „Schreiben ist

nicht nur eine Kunst, es ist auch eine

Lebensform, eine Art, die Welt wahrzunehmen,

sie sich begreiflich zu

machen und sich dadurch in Beziehung

zu setzen mit ihr“ –soheißt es

in der Selbstbeschreibung. Viele

Menschen helfen Geflüchteten mit

Sprachkursen oder Unterstützung

bei Behördengängen, dieses Projekt

hilft ihnen, ihr Selbstverständnis in

der Gesellschaft neu zu erringen. Die

Schriftstellerin Annika Reich hat die

Projektleitung und schart Lektorinnen

und (Bild-)Redakteurinnen um

sich, um die Webseite,die gedruckte

Zeitschrift und die Zusammenarbeit

Cornelia Geißler

empfiehlt zwei Abende des Projekts

„Weiter Schreiben“, das hiesigeund

nach Deutschland eingewanderte Autoren

zusammenbringt. Der zweite Abend

allerdings konkurriertmit einer Lesung

dreier Dichter,die in der DDR geboren

sind,und diezuihrem ostdeutschen

Blick befragt werden.

mit Literaturhäusern sowie Förderinstitutionen

am Laufen zu halten.

Entstanden ist ein Netz kollegialer

Projekte zwischen den Literaturen

verschiedener Sprachen, begleitet

von Musikerinnen und Fotografen.

2017 erst begonnen, ist es inzwischen

eine Erfolgsgeschichte. Aus

Patenschaften wurden Freundschaften.

Mehrere Bücher sind auf den

Weggebracht. In dieser Woche kann

man an zwei Abenden Ergebnisse

livehören.

Am Mittwoch treten die im sächsischen

Großenhain geborene und

inzwischen in Berlin lebende Lyrikerin

und Performerin Ulrike Almut

Sandig und der in Damaskus geborene

und jetzt in Berlin lebende Lyriker,

Liedtexter und Journalist Fady

Jomar zusammen im Literarischen

Colloquium auf. Sandig gehört zu

den Lyrikerinnen hierzulande, die

seit Jahren ausgezeichnet mit Stipendien

bedacht werden. Björn

Hayer lobte in der Berliner Zeitung

ihr „wohltuendes Pathos“ in ironiegesättigter

Zeit. Als Mitherausgeberin

des „Jahrbuchs der Lyrik 2017“

hat sie sich als kundige Leserin der

Texte von Kollegen bewiesen. Fady

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (& 883 8551) Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 14.50,17.40,20.30

Cinema Paris (& 8813119) KnivesOut –Mordist

Familiensache 14.30,17.30,20.30

Delphi Filmpalast (& 312 1026) Judy 14.00,

17.00,20.00

Delphi LUX (& 322 931040) Aretha Franklin:

Amazing Grace (OmU) 16.45; Knives Out (OmU)

18.00; Knives Out –Mord ist Familiensache (OV)

14.00,17.00,20.00; Judy (OmU)14.45;Judy(OV)

17.30; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers –Star

Wars: The Rise ofSkywalker (OV) 20.50; ARainy

Day InNew York (OmU) 19.15; Freies Land 13.30;

Motherless Brooklyn (OmU) 21.20; Queen &Slim

(OmU)16.10; Lara 13.50;The Peanut ButterFalcon

(OmU) 14.30, 19.00, 21.15; Die Sehnsucht der

Schwestern Gusmao 16.00; Alkohol –Der globale

Rausch 13.20; MilesDavis: Birth of theCool(OmU)

15.30, 21.30; Motherless Brooklyn (OmU) 21.20;

Parasite 19.00; Cats (OmU) 14.30; Einsam zweisam

19.00;The Farewell (OmU) 16.40

Filmkunst 66 (& 882 1753) Motherless Brooklyn

20.00; Pavarotti (OmU) 17.30; Alkohol –Der globale

Rausch 17.00; Milchkrieg in Dalsmynni 18.45;

The Peanut Butter Falcon 20.30

Kant Kino (& 319 9866) Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 14.00, 17.00, 20.00; Cunningham

13.45; Die Eiskönigin II 15.50;The Farewell 18.10,

20.30; Die Eiskönigin II 18.10; Latte Igel und der

magische Wasserstein 13.45; Dasperfekte Geheimnis

15.30, 21.00; ARainy Day In New York 16.40,

18.50; Die schönste Zeit unseres Lebens 21.00;

Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung 14.30;

Der geheime Roman des Monsieur Pick 16.15,

18.30, 20.45; Der kleine Rabe Socke 3–Suche

nach dem verlorenen Schatz 14.20

Zoo Palast (& 018 05/22 29 66) 3D,Atmos: Star

Wars: Der AufstiegSkywalkers 13.00, 16.15,19.30,

22.50; Die Eiskönigin II13.20; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 15.45, 22.40; Als Hitler das rosa

Kaninchen stahl 14.30, 17.15; Das perfekte Geheimnis

20.00; StarWars:Der Aufstieg Skywalkers –

StarWars: TheRiseofSkywalker (OV) 22.45; Knives

Out –Mord ist Familiensache 17.10,20.10,23.10;

3D: Jumanji –The Next Level 17.00; Jumanji –The

Next Level 14.15; Knives Out –Mord ist Familiensache

(OV) 23.00; StarWars: Der Aufstieg Skywalkers

19.45; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 20.15;

Die Eiskönigin II 17.45; Joker 23.00; Vier zauberhafte

Schwestern 15.15; Engel für Charlie 15.00,

20.15; Miles Davis: Birth of the Cool (OmU) 23.05;

Vier zauberhafte Schwestern 17.50

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (& 20 07 88 88) 2040 –Wir

retten die Welt! (OmU) 13.45; Alkohol –Der globale

Rausch 16.45; Easy Love (DFmenglU) 15.15;

Freies Land (DFmenglU) 20.15; Midsommar (OmU)

22.20; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

11.00; Systemsprenger (DFmenglU) 18.15; A

Rainy Day In New York 19.20; ARainy Day In New

York (OmU) 12.45; Campo (OmU) 14.15; Einsam

zweisam –Deux moi (OmU) 17.30; Jeanne d‘Arc –

Jeanne (OmenglU) 22.40; Lara (DFmenglU) 16.00;

Der Leuchtturm (OmU) 20.50; Marianne &Leonard

–Words ofLove (OmU) 11.00; The Farewell 18.40;

Jam (OmU) 17.00; Joker (OmU) 22.45; Marriage

Story (OmU) 14.45; Motherless Brooklyn (OmU)

12.15; Parasite (OmU) 20.30; DieWache 11.00

Tilsiter-Lichtspiele (& 426 8129) Freies Land

20.15; Das Kapital im 21. Jahrhundert –Capital in

the Twenty-First Century (OmU) 14.00; Lara 18.15;

Marriage Story (OmU) 22.45; Systemsprenger

16.00;Alkohol –Der globale Rausch 17.45;Aretha

Franklin: Amazing Grace (OmU) 19.30; Midsommar

–Director‘sCut (OmU) 21.15; Schönheit &Vergänglichkeit

14.00; Und der Zukunft zugewandt 15.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz 3Engel für Charlie

14.00,17.00,20.00;Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 14.20, 17.10, 20.10; Cats 14.10, 17.20;

Die Eiskönigin II 14.10, 16.50, 20.45; The Grudge

20.10; Hustlers 20.20; 3D: Jumanji –The Next Level

20.20; Jumanji –The Next Level 13.50, 16.50,

19.50; Der kleine Rabe Socke 3–Suche nach dem

verlorenen Schatz 14.30; Knives Out –Mord ist Familiensache

15.00, 16.45, 19.50; Latte Igel und

der magischeWasserstein 14.45; LeMans 66: Gegen

jede Chance 17.00; The Peanut Butter Falcon

18.00; Das perfekte Geheimnis 19.30; Queen &

Slim 17.30, 20.40; SneakPreview 20.30;3D: Spione

Undercover 18.00; Spione Undercover: Eine wilde

Verwandlung 15.10; 3D: Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 13.45, 17.15, 20.40; IMAX 3D: Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.00, 17.30; Star

Wars: DerAufstieg Skywalkers 14.45, 17.00, 20.30;

IMAX 3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers –Star

Wars: The Rise of Skywalker (OV) 21.00; Thomas

und seine Freunde: Grofle Welt! Grofle Abenteuer!

14.45;Vier zauberhafte Schwestern 15.00, 17.45

Zukunft (& 01 76/57 86 10 79) Mein Ende. Dein

Anfang.(OmenglU)18.00; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 22.20; Ying –Shadow (OmU) 20.10;

Milchkrieg in Dalsmynni –Heradid (OmU) 20.20;

Porträt einer jungen Frau in Flammen –Portrait de

la jeune fille en feu (OmU) 22.10; Systemsprenger

(OmenglU) 18.00

HELLERSDORF

CineStar Hellersdorf (& 04 51/703 02 00) Als

Hitler das rosa Kaninchen stahl 16.50, 20.00; Die

Eiskönigin II17.00, 19.30; 3D: Jumanji –The Next

Level19.40;Jumanji –The NextLevel16.30;Knives

Out –Mord ist Familiensache 19.50; Das perfekte

Geheimnis 19.45;3D: Spione Undercover: Eine wilde

Verwandlung 17.10; 3D: Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 16.20, 20.10; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 16.45, 19.30; Vier zauberhafteSchwestern

17.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion Hohenschönhausen (& 038 71/

211 4109) 3Engel für Charlie 17.30; Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 17.10, 19.50; Cats

14.40;3D: DieEiskönigin II 14.20; Die Eiskönigin II

14.30,17.40;The Grudge 20.20; 3D:Jumanji –The

Next Level 14.00, 20.15; Jumanji –The Next Level

17.20,19.45; Knives Out –Mord ist Familiensache

16.50,20.00; Latte Igel und der magische Wasserstein

14.50; Das perfekte Geheimnis 19.30; Spione

Undercover: Eine wilde Verwandlung 14.45, 17.15;

3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.10,

16.40, 19.50; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

14.30, 17.00, 20.10; Underwater –Esist erwacht

19.40;Vier zauberhafte Schwestern 15.00, 17.00

KREUZBERG

Babylon Kreuzberg (& 61 60 96 93) A Knives Out

–Mord ist Familiensache (OmU) 17.30, 20.30; B

Parasite –Gisaengchung (OmU) 19.00;The Peanut

Butter Falcon (OmU) 16.45,21.50

fsk amOranienplatz (& 614 2464) Little Joe –

Glück ist ein Geschäft (OmU) 17.45,20.00; Milchkrieg

inDalsmynni –Heradid (OmU) 19.00,22.15;

Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao –Avida

invisivel de Euridice Gusmao (OmU) 21.00

Moviemento (& 692 47 85) DerkleineRabe Socke

3–Suche nach dem verlorenen Schatz 13.15; Little

Joe –Glück ist ein Geschäft (OmU) 15.00, 17.30,

20.00, 22.30; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

11.30, 14.00, 16.30, 19.00; Der Leuchtturm –The

Lighthouse (OmU) 21.30; Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 21.30; Brothers –Kardesler (OmU)

17.00; Little Joe –Glück ist ein Geschäft (OmU)

10.15; Milchkrieg in Dalsmynni –Heradid (OmU)

14.45, 19.15; Thomas und seine Freunde: Grofle

Welt! Grofle Abenteuer! 12.45

Regenbogen Kino (& 69 57 95 17) Pas d‘or pour

Kalsaka–NoGoldfor Kalsaka (OmenglU; m. Gästen

u. Gespräch) 19.30

Sputnik (höfe am südstern) (& 694 11 47) Alles

aufler gewöhnlich –Hors normes (OmU) 20.00;

Einsam zweisam –Deux moi (OmU) 18.00; Human

Nature: Die CRISPR Revolution (OmU) 16.00; Joker

(OmU) 22.00; The Farewell (OmU) 21.45; Lara

(OmenglU) 16.00; Milchkrieg inDalsmynni –Heradid

(OmU) 20.00; Systemsprenger 17.45; Kinobar

im Sputnik Jam (OmU) 22.15; PJ Harvey –ADog

Called Money (OmU) 20.15

Yorck (& 78 91 32 40) The Farewell 15.10; Judy

17.30; Parasite 20.15; New Yorck Knives Out

17.00, 19.50; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

14.45

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (& 538 9590) Als Hitler das rosa

Kaninchen stahl 17.30, 20.00;Cats 20.15; Die Eiskönigin

II 15.00, 17.15; Jumanji –The Next Level

17.45, 20.30; Knives Out –Mord ist Familiensache

20.00; Latte Igel und der magische Wasserstein

15.15; Spione Undercover 15.15; 3D: Star Wars:

Der Aufstieg Skywalkers 14.00, 17.00, 20.15; Vier

zauberhafte Schwestern 15.30,17.45

Union Filmtheater (& 65 01 31 41)Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 13.00, 15.30, 17.30, 20.00;

Auerhaus 15.15; Cunningham 13.00; Judy 13.00,

17.30, 20.30; Mein Vater, mein Sohn und der Kilimandscharo

18.00; Motherless Brooklyn 20.00;

Thomas und seine Freunde: Grofle Welt! Grofle

Abenteuer! 15.30

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (& 93 03 02 60) 3

Engel für Charlie 14.00, 17.00, 20.00; Cats 14.15,

16.50; Die Eiskönigin II 14.35, 17.25, 19.50; The

Grudge 20.15; 3D: Jumanji –The Next Level 19.55;

Jumanji –The Next Level 14.00, 17.00; Knives Out

16.30, 19.45; Latte Igel und der magischeWasserstein

14.00; Das perfekte Geheimnis 19.30; 3D:

Spione Undercover: Eine wildeVerwandlung 17.15;

Spione Undercover: Eine wildeVerwandlung 14.10;

3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 20.00; Star

Wars:Der Aufstieg Skywalkers 14.10, 16.00,19.30;

Vier zauberhafte Schwestern 14.30, 17.00

MITTE

Acud (& 44 35 94 98) Einsam zweisam–Deux moi

(OmU) 18.45; Porträt einer jungen Frau in Flammen

–Portrait de la jeunefille en feu(OmU) 20.45;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 17.00; Bunuel

im Labyrinth der Schildkröten –Bunuel en el laberinto

de las tortugas (OmU) 22.00; Cunningham

(OmU) 18.00; Milchkrieg inDalsmynni –Heradid

(OmU) 20.00

Babylon (& 242 59 69) Top Secret!: AMost Wanted

Man (OmU) 17.00; Top Secret!: Carlos –Der

Schakal (OmU) 18.00; IndoGerman Film: Chhapaak

(OmenglU) 17.00; Top Secret!: Dame, König,

As, Spion –Tinker,Tailor, Soldier,Spy (OmU) 19.30;

Preview: DasForum (m.Gästen u. Gespräch)19.30;

Top Secret!: Gefahr und Begierde –Sejie (OmU)

22.00; Top Secret!: MIB –Men in Black (OmU)

22.15

Central Hackescher Markt (& 28 59 99 73) Der

kleine Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen

Schatz 10.15; Queen &Slim (OmU) 11.45,14.15,

17.00, 19.45, 22.30; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

15.00; Joker (OmU) 19.00; Der Leuchtturm

–The Lighthouse (OmU) 12.45, 21.45; Yung

(OmenglU) 16.45

CineStar CUBIX Filmpalast Alexanderplatz

(& 04 51/703 02 00) 3Engel für Charlie 14.30;

3Engel für Charlie –Charlie‘s Angels (OV) 23.00;

7500 –Der Film 23.15; Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 15.00, 20.20; Cats 11.10; Cats (OV)

16.40; Die Eiskönigin II11.00, 17.45; Die Eiskönigin

II–Frozen 2(OV) 12.00, 14.30; Joker (OV)

23.15; 3D: Jumanji –The Next Level 20.20,22.50;

Jumanji –The Next Level 13.55, 16.50; Jumanji –

The Next Level(OV)13.45, 20.10, 23.10;Der kleine

Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen Schatz

13.00; Knives Out –Mord ist Familiensache 17.00,

20.00, 23.10; Knives Out (OV) 16.45, 19.45,

22.50; Das perfekte Geheimnis 19.20; Sneak

Preview 20.00; 3D: Spione Undercover: Eine wilde

Verwandlung 17.45; Spione Undercover: Eine wilde

Verwandlung 11.30; 3D: Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 11.10, 14.20, 19.30, 22.50; Star Wars:

Der Aufstieg Skywalkers 11.25, 16.15; 3D: Star

Wars: DerAufstieg Skywalkers –StarWars: The Rise

of Skywalker (OV) 22.15; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers (OV) 17.00, 19.45; Thomas und seine

Freunde: GrofleWelt! GrofleAbenteuer! 11.00; Vier

zauberhafte Schwestern 13.35, 17.20

Hackesche Höfe Kino (& 283 4603) The Farewell

(OmU) 16.45, 21.15; Der geheime Roman

des Monsieur Pick –Lemystere Henri Pick (OmU)

14.30, 19.00; ARainy Day In New York (OmU)

14.30; Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao –A

vida invisivel de Euridice Gusmao (OmU) 16.30,

19.15; Wild Rose (OmU) 22.00; Little Joe –Glück

ist ein Geschäft (OmU) 14.15, 19.00; Marriage

Story (OmU) 21.15; Miles Davis: Birth of the Cool

(OmU) 16.30; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

14.15, 16.45, 19.15; Einsam zweisam –Deux moi

(OmU) 21.45;Aquarela (OmU) 15.00; Jeanne d‘Arc

–Jeanne (OmU) 22.00; Judy (OmU) 17.00,19.30

International (& 24 75 60 11) Knives Out –Mord

ist Familiensache (OmU) 19.00; Queen & Slim

(OmU) 16.00; Siegessäule und Teddy präs. Mon-

Gay: Rettet das Feuer 22.00

NEUKÖLLN

Cineplex NeuköllnArcaden (& 01 80/505 06 44)

Baba Parasi (OmU) 16.30, 19.30; Cats 17.00;

Cep Herkülü: Naim Süleymanoglu –Pocket Hercules

(OmU) 14.00; Die Eiskönigin II 14.20, 17.15;

The Grudge 20.15; Jumanji –The Next Level 14.00,

16.55, 20.00; Der kleine Rabe Socke 3–Suche

nach dem verlorenen Schatz 14.20; Knives Out –

Mord ist Familiensache 17.05, 19.55; Latte Igel

und der magische Wasserstein 14.00; Mucize Ask

20.00; Sneak Preview 20.00; 3D: Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 17.30; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 14.30; 3D: Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.00, 16.10; Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 15.00, 19.00; Underwater

–Esist erwacht 19.45; Vier zauberhafte

Schwestern 14.45,17.10

IL KINO (& 91 70 29 19) The Farewell (OmenglU)

17.30; Land des Honigs – Medena Zemja:

Honeyland (OmU) 12.30; Milchkrieg inDalsmynni

–Heradid (OmU) 19.20; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 15.00; Die Sehnsucht der Schwestern

Gusmao – A vida invisivel de Euridice Gusmao

(OmU) 21.00; Systemsprenger (DFmenglU) 10.00

Neues Off (& 62 70 95 50) Queen &Slim (OmU)

16.30,19.30, 22.30

Passage (& 68 23 70 18) Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 15.00, 17.45, 20.30; Joker (OmU)

20.30; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 20.30;

Motherless Brooklyn (OmU) 17.30, 21.00; Systemsprenger

15.00; Miles Davis: Birth of the Cool

(OmU) 16.00, 18.30, 21.30; Judy (OmU) 16.30,

19.00

Rollberg (& 62 70 46 45) Knives Out–Mordist Familiensache

(OV) 16.00, 19.00, 22.00; Star Wars:

Der Aufstieg Skywalkers –Star Wars: The Rise of

Skywalker (OV) 17.20, 20.30; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 17.00,20.00; Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 18.00; Queen &Slim (OV)

21.20; The Farewell (OmenglU) 17.00, 19.20; Der

Leuchtturm –The Lighthouse (OV) 21.40

UCI Luxe Gropius Passagen (& 66 68 12 34) Als

Hitler das rosa Kaninchen stahl 16.50, 19.40; Cats

14.15; Die Eiskönigin II14.30, 17.10; 3D: Jumanji

–The Next Level 17.00, 20.00; Jumanji –The Next

Level14.20; DerkleineRabeSocke3–Suche nach

dem verlorenen Schatz 14.40; Knives Out –Mord

istFamiliensache 19.50; Sneak Preview 20.15;3D:


Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020 23

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

Widad Nabi, in Kobane geboren, lebt und schreibt heute in Berlin.

Jomar, wie sie 1979 geboren, sucht

wie sie auch die Zusammenarbeit

mit Musikern, er hat eine Oper und

zahlreiche Songtexte verfasst, sie betreibt

mit einem ukrainischen Musiker

ein Bandprojekt. Ulrike Almut

Sandig hat Fady Jomars Gedichte ins

Deutsche übertragen. Moderiertvon

Lara Sielmann, werden beide darüber

sprechen, was die Fassungen

eint und was sie trennt.

Am nächstenTagsindWidad Nabi

und Galal Alahmadi im Literaturforum

imBrechthaus zu Gast. Widad

Nabi sind Leser der Berliner Zeitung

vor reichlich zwei Jahren schon begegnet,

als sie im Tandem mit der

Berliner Autorin Annett Gröschner

die Stadt entdeckte. Galal Alahmadi

ist ein in Saudi-Arabien geborener

Jemenit, der heute in Düren in Nordrhein-Westfalen

lebt. Er hat für Zeitungen

und Magazine gearbeitet

und vier Gedichtbände auf Arabisch

veröffentlicht. Das Torschreiber-Stipendium

2019 der Allianz-Kulturstiftung

und der Stiftung Brandenburger

Torermöglicht ihm einen zweimonatigen

Aufenthalt im Literarischen

Colloquium Berlin. Die

Potsdamer Schriftstellerin Antje

LITERATUR

Fady Jomar und UlrikeAlmut Sandig

15.1., 19.30 Uhr,Literarisches Colloquium

Berlin, Am Sandwerder 5

Widad Nabi und Galal Alahmadi im

Gespräch mit Antje Rávik Strubel 16.1.,

20 Uhr,Literaturforum im Brechthaus,

Chausseestr.125

Kerstin Preiwuß, Durs Grünbein und

Uwe Kolbe im Gespräch 16.1., Haus der

Poesie, Knaackstraße 97

HEIKE STEINWEG

Rávik Strubel wird die beiden Autoren

mit unterschiedlicher Exilerfahrung

miteinander ins Gespräch bringen.

Beispiele aller bei„Weiter Schreiben“

vernetzten Autoren gibt esauf

derWebseite weiterschreiben.jetzt

Im vergangenen Jahr,als das Jubiläum

der friedlichen Revolution gefeiert

wurde, war ein Satz der Soziologin

Naika Foroutan heftig in der

Diskussion. Ostdeutsche seien auch

Migranten im vereinten Deutschland,

behauptete sie und bezog sich

weniger auf das Erlebnis, sich mit

anderen gesellschaftlichen Verhältnissen

arrangieren zu müssen als auf

die Erfahrung einer Stigmatisierung,

wie sie auch Muslime erleben. Eine

Dichterin und zwei Dichter ostdeutscher

Herkunft – Kerstin Preiwuß,

Durs Grünbein und Uwe Kolbe –lesen

Texte, die auf gesellschaftliche

Themen Bezug nehmen und sprechen

mit der Literaturkritikerin BarbaraWahlster.

Der Osten ist seit den

Erfolgen der Rechtspopulisten für

den Westen soziologisch interessant

geworden. Immerhin ist keine Übersetzung

notwendig, um die Texte der

in Lübz, Dresden und Ost-Berlin geborenen

Dichter zu verstehen.

Theater

Bauarbeiten

am

Selbst

Wir ziehen aufs Land!“,

raunt Natali Seelig im

Deutschen Theater heute

Abend wieder mit fassungsloser

Euphorie. Gekleidet ist sie

dabei wie Shakespeares Feenkönigin

Titania: mit güldenem

Blattwerk amAusschnitt und

am hohen Kragen. Hoch ist

auch der Ton in Ferdinand

Schmalz’ Stück „Der Tempelherr“,

hoch und tückisch und

verführerisch, wie er einen

sprachlich in einen Abgrund

nach dem nächsten führt.

Denn ein Haus will gebaut

sein, und mit einem Haus baut

man, wie es bei Schmalz heißt,

immer auch an sich selbst.

Kein Wunder, dass in der Inszenierung

vonPhilipp Arnold

am Deutschen Theater Alienmasken

getragen werden und

die Sache stückgemäß außer

Kontrolle gerät. Denn wer

könnte schon glaubhaft von

sich sagen, dass er wüsste, wo

es beim Selbstbau so hinzugehen

hat? PetraKohse

DerTempelherr,20Uhr,Deutsches

Theater,Schumannstr.13a

Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

(& 319 89 50) 18.00: Unerklärte Kriegegegen

Israel. Die DDR und die westdeutsche radikale Linke,

1967-1989, Buchvorstellung

FÜHRUNG

Ansichtssachen (& 99 54 80 53)

14.00: Reichstag &Regierungsviertel: Mit Plenarsaal,

Dachterrasse und Kuppel, Treff: BrandenburgerTor,vor

derTouristeninformation. Anm. erf.

14.00: Kreuzberg SO 36: Schillerndster Bezirk

Berlins, Treff: U-Bhf. Kottbusser Tor, Adalbertstr.unterm

Brückenhochhaus. Anm. erf.

Bärentouren (& 015 20 -5 22 67)

14.00: Bunker und Botanik im Humboldthain -

Geschichts- und Biologieführung im Stadtbiotop vom

2. Weltkrieg bis heute, Treff: Eing.S-Bhf. Humboldthain,

Hochstr.. Anm. erf.

16.00: Berlin zur Zeitder Romantik -Literaturführung

vonE.T.A. Hoffmann über die Brüder Grimm bis

AdalbertChamisso, Treff: Schillerdenkmal, Gendarmenmarkt.

Anm. erf.

20.00: Fledermaustour -Alt-Berliner Sagen und Anekdoten:

Romantiktour zwischen Hackeschem Markt

und Klosterviertel, Treff: Klosterruine -Klosterstr./

Grunerstr.(Nähe U-Bhf. Klosterstraße). Anm.erf.

22.00: Nachtwächtertour -Auf den Spuren vonSagen

und GespensternimNikolaiviertel und Alt-Berlin, Treff:

Eing.Nikolaikirche, Propststr.. Anm. erf.

Deutsches Historisches Museum (& 20 30 40)

15.00: Wilhelm und Alexander vonHumboldt,

Öffentliche Führung

Meyers Stadtgänge (& 442 32 31)

11.00: Brennpunkt Babylon. JahrhundertortRosa-

Luxemburg-Platz, zum Soho zur Prenzlauer-Berg-Höhe.

Kämpfe, Kino, Kräche. Morde., Bernd S. Meyer, Treff:

Eingang Volksbühne (U2 Rosa-Luxemburg-Platz)

Olympiastadion (& 30 68 86 18)

11.00: Tour durchs Olympiastadion

11.30: Tour durchs Olympiastadion (in English)

KONZERT

A-Trane (& 313 25 50)

21.00: Andreas Schmidt (p) &Friends

Arcanoa (& 67 96 26 51)

21.00: open stage-SingerSongwriter +Poets, mit

Mädchen aus Berlin

b-flat (& 283 31 23)

21.00: Mohannad NasserTrio

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str. 70)

20.30: Wolf &Moon +Petite Celine

PrivatClub (& 61 67 59 62)

20.00: Alex Max Band (of The Calling), Special Guest:

Psycho Village, My Own Ghost, My Silent Bravery

Rickenbacker‘s (& 81 89 82 90)

21.00: MondayNight Pro Jam Session mitJürgen

Bailey

Schlot (& 448 21 60)

21.00: Matti Klein Soul Trio feat. Tijuana Wonderbrass

Volksbühne Berlin (& 24 06 57 77)

20.00 Roter Salon: Anne Müller,Record Release

Wühlmäuse (& 30 67 30 11)

20.00: Schmidbauer Pollina Kälberer,Süden II

Zig Zag Jazz Club (& 94 04 91)

21.00: Inside ... MoritzBaumgärtner:Melt-Trio

CLUB

KitKat/Sage-Club (Köpenicker Str.76)

23.00: Electric Monday, AAVA,Sara Constantinovici,

Ricardo Rodriguez, Frankie Flowerz

Kulturbrauerei/Alte Kantine (& 44 31 50)

22.00: Hungry Monday

Monster Ronson‘s Ichiban Karaoke

(& 89 75 13 27) 18.00: Multisexual Boxhopping

21.00: Sing on Stagewith The Shredder

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59: House of Waxx, High Hoops, AdyToledano,

Sami Zibak

MUSEEN

Berlinische Galerie (& 78 90 26 00)

10.00: KunstinBerlin 1880–1980

10.00: Gartenparade, Atelier le balto

10.00: original bauhaus -Die Jubiläumsausstellung

10.00: Bettina Pousttchi, Mi-Mo 10-18 Uhr

Brücke-Museum (& 831 20 29)

11.00: Unzertrennlich: Rahmen undBilder der

Brücke-Künstler, Mi-Mo 11-17 Uhr

Dalí Berlin (& 07 00 32 54 23)

12.00, 12.00: Dalí-Die Ausstellung am Potsdamer

Platz, tgl. 12-20 Uhr

DDR Museum Berlin (& 847 12 37 31)

10.00: Geschichte zum Anfassen

10.00: Letztes Jahr DDR -Aufbruch ins Ungewisse,

tgl. 10-20 Uhr

Deutsches Historisches Museum (& 20 30 40)

10.00: Deutsche Geschichte in Bildernund Zeugnissen

10.00: Die Armbrust -Schrecken und Schönheit

10.00: Wilhelm und Alexander vonHumboldt, tgl.

10-18, Do 10-20 Uhr

Deutsches Spionagemuseum (& 398 20 04 51)

10.00: Hauptstadtder Spione, tgl. 10-20 Uhr

Futurium (Alexanderufer 2)

10.00: Visionen möglicher Zukünfte, Mo/Mi/Fr-So

10-18, Do 10-20 Uhr

Gedenkstätte Deutscher Widerstand

(& 26 99 50 00)

9.00: Widerstand gegenden Nationalsozialismus

9.00: Stille Helden, Mo-Fr 9-18, Do 9-20, Sa/So/

Feiert. 10-18 Uhr

Haus der Wannsee-Konferenz (& 80 50 01 -0)

10.00: Villencolonie Alsen am Großen Wannsee

10.00: Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord

an den europäischen Juden, tgl. 10-18 Uhr

James-Simon-Galerie (Bodestr.)

10.00: Nah am Leben -200 Jahre Gipsformerei, tgl./

Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Jüdisches Museum (& 25 99 33 00)

10.00: Awie Jüdisch. In 22 Buchstaben durch die

Gegenwart, tgl. 10-20 Uhr

Liebermann-Villa am Wannsee (& 80 58 59 00)

11.00: Max Liebermann -Gartenbilder

11.00: Sehnsucht nach Idylle -Max Liebermann und

die Maler am Wannsee, Mi-Mo/Feiert. 11-17 Uhr

Mitte Museum (& 46 06 01 90)

10.00: Werwir sind undwas wir tun -mitten im

Museum, Johanna Diehl, Seiichi Furuya, Wilhelm

Klotzek, Stephan Kurr, Pia Linz, David Polzin, Kathrin

Sonntag u. a.

10.00: Otto Nagel und das Mitte Museum, So-Fr

10-18 Uhr

Museum für Film und Fernsehen (& 300 90 30)

10.00: 120 JahreDeutsche Filmgeschichte und

FernsehgeschichteinWestund Ost

10.00: Fokus Fernsehen: Leben, sterben, Hochzeit

feiern

10.00: Brandspuren -Filmplakate aus dem Salzstock,

Mi-Mo/Feiert.10-18, Do 10-20 Uhr

Neues Museum (& 266 42 42 42)

10.00: Museum für Vor- und Frühgeschichtemit

Objekten der Antikensammlung

10.00: Zurück! Steinzeit.Bronzezeit. Eisenzeit

10.00: Schätze aus dem Rhein-Der Barbarenschatz

vonNeupotz

10.00: Die Krone vonKertsch. Schätze aus Europas

Frühzeit

10.00: Berlins größte Grabung,tgl./Feiert. 10-18, Do

10-20 Uhr

Pergamonmuseum (& 266 42 42 42)

10.00 Museum für Islamische Kunst: Traum und

Trauma. Wiedereröffnung der Teppichsäle

10.00: Der Babel-Bibel-Streitr

10.00: Capturing the Past, tgl./Feiert. 10-18, Do

10-20 Uhr

KINO

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 16.40, 20.15;

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 15.15, 19.15;

Vier zauberhafte Schwestern 14.50, 17.20

Wolf (& 921 03 93 33) All INever Wanted (OmU)

17.00;The Farewell (OmenglU)19.00; Jeanne d‘Arc

(OmU) 18.10; Little Joe –Glück ist ein Geschäft

21.10; Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao –A

vida invisiveldeEuridice Gusmao (OmU) 21.00; Die

Tigerentenbande –Der Film 16.30

PANKOW

Blauer Stern Pankow (& 47 61 18 98) Knives Out

–Mord ist Familiensache 17.45, 20.30; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 15.30; Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 14.45, 17.20, 20.00

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (& 42 84 51 88) Knives

Out –Mord ist Familiensache 14.50,17.40,20.30;

Sneak Preview 22.00; Freies Land 16.15, 20.50;

Knives Out –Mord ist Familiensache (OmU) 18.00;

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 14.00, 16.40,

19.20; Judy 15.20, 19.00; Queen &Slim (OmU)

21.30; Miles Davis: Birth of the Cool (OmU) 17.20;

Parasite 20.00; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

15.00

Kino inder Kulturbrauerei (& 04 51/703 02 00)

Alles aufler gewöhnlich – Hors normes (OmU)

14.20; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 16.40,

19.20; Cats (OmU) 14.20, 16.30, 23.00; Die Eiskönigin

II14.20; The Farewell (OmU) 22.50; Freies

Land 22.30;Der geheimeRoman des Monsieur Pick

–Lemystere Henri Pick (OmU) 14.00; Judy (OmU)

19.00; Der kleine Rabe Socke 3–Suche nach dem

verlorenen Schatz 13.50; Knives Out –Mord ist Familiensache

(OmU) 17.00, 19.45, 22.40; Little Joe

–Glück ist ein Geschäft (OmU) 19.50; The Peanut

Butter Falcon (OmU) 14.10; Das perfekte Geheimnis

17.00; Queen &Slim (OmU) 16.25, 19.30,

22.30; Sneak Preview 20.00; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 13.45; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers –StarWars:The Rise of Skywalker

(OmU) 17.15, 20.30, 21.50; Star Wars:Der Aufstieg

Skywalkers –Star Wars: The Rise ofSkywalker (OV)

15.50, 19.30, 22.15; Vier zauberhafte Schwestern

15.00,17.30

Krokodil (& 44 04 92 98) Gundermann Revier

19.30; Land des Honigs –Medena Zemja: Honeyland

(OmU) 18.00; Schönheit &Vergänglichkeit

21.15

Lichtblick-Kino (& 44 05 81 79) #Widerstand

(OmenglU) 20.30; The Farewell (OmU) 18.45;

Schönheit &Vergänglichkeit(OmenglU)17.15;Systemsprenger

22.00

UCI Kinowelt Colosseum (& 44 01 92 00) 3 Engel

für Charlie 14.20, 17.00; 3Engel für Charlie

–Charlie‘s Angels (OV) 20.00; Als Hitler das rosa

Kaninchen stahl 14.35, 17.15, 19.55; Cats 17.15;

3D:Die EisköniginII14.20; DieEiskönigin II 14.30,

16.55; The Grudge 19.40, 22.30; Hustlers 22.35;

Joker 22.45; 3D: Jumanji –The Next Level 19.50,

22.40; Jumanji –The Next Level 14.15, 17.00;

Knives Out –Mord ist Familiensache 14.25,16.45,

19.35, 22.35; Latte Igel und der magische Wasserstein

14.30; Motherless Brooklyn 22.40; Das

perfekte Geheimnis 19.40; Queen &Slim 16.40,

19.40; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

14.20; 3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

20.00; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.25,

16.40, 19.15, 22.30; Stephen Kings Doctor Sleeps

Erwachen 22.35; Underwater – Es ist erwacht

19.45, 22.30; Vier zauberhafte Schwestern 14.30,

16.55

SCHÖNEBERG

Cinema Walther-Schreiber-Platz (& 852 30 04)

Das perfekte Geheimnis 14.35, 17.20,20.15

Cosima (& 85 07 58 02) The Irishman 20.00; Der

Leuchtturm 18.00

Odeon (& 78 70 40 19) Knives Out –Mord ist Familiensache

(OmU) 14.40, 20.30; Queen &Slim

(OmU) 17.30

Xenon (& 78 00 15 30) Cunningham (OmU)

18.00; Judy (OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (& 01 80/505 0211) Die Eiskönigin

II10.00, 11.50,14.10, 16.50; 3D: Jumanji

–The Next Level 20.10; Jumanji –The Next Level

10.00, 14.45, 17.00; Der kleine Rabe Socke 3–

Suche nach dem verlorenen Schatz 10.00, 12.40;

Das perfekte Geheimnis 20.20; Sneak Preview

20.15; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

10.00, 12.15, 14.30; 3D: Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 17.00, 19.45; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 12.30, 15.45, 20.10; Vier zauberhafte

Schwestern 10.00, 12.15, 14.30, 17.40

Kino im Kulturhaus Spandau (& 333 6081) Alles

aufler gewöhnlich 10.30, 18.00; Aretha Franklin:

Amazing Grace 20.15; Ich war noch niemals in

New York 13.15; Die schönste Zeit unseres Lebens

15.45

STEGLITZ

Adria (& 01 80/505 07 11) Als Hitler das rosa

Kaninchen stahl 14.00,17.00,20.00

Cineplex Titania Palast (& 01 80/505 05 20)

Cats 20.02; Die Eiskönigin II 10.00, 12.15, 14.00,

16.45; Hustlers 23.00; Jumanji –The Next Level

13.40, 16.40, 16.45, 19.45, 19.50; Der kleine

Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen Schatz

11.00; Knives Out –Mord ist Familiensache 15.00,

19.30, 22.45; Latte Igel und der magischeWasserstein

10.00, 12.00, 13.00; Sneak Preview 23.00;

Sneak Preview (OV) 23.00; 3D: Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 18.00; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 10.00, 12.20, 14.00; 3D:

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 10.00, 14.40,

17.05, 20.30; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

11.00, 15.15, 19.30, 22.40

Thalia Movie Magic (& 774 34 40) Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 20.30; Die Eiskönigin

II 15.30, 18.00; Jumanji –The Next Level 20.30;

Knives Out –Mord ist Familiensache 20.30; Die

schönste Zeit unseres Lebens 18.00; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 15.45; 3D: Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 20.30;StarWars: Der

Aufstieg Skywalkers 15.00,17.15; Vier zauberhafte

Schwestern 15.00, 18.00

TIERGARTEN

Arsenal (& 26 95 51 00) Kenji Mizoguchi: 47 Ronin

(OmenglU) 20.00; Magical History Tour: Blaue

Berge oder Eine unwahrscheinliche Geschichte

(OmU) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (& 040/80 80 69 69)

3Engel für Charlie 13.40, 17.00, 17.20, 19.40,

20.00, 22.45, 23.00; 7500 – Der Film 22.40;

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 13.30, 16.30,

20.00; Cats 13.45; 3D: Die Eiskönigin II 13.30;

Die Eiskönigin II 14.40, 16.50; The Grudge 17.30,

19.45, 22.40; Hustlers 15.15; Joker 22.20, 22.50;

Judy 16.10; 3D: Jumanji –The Next Level 23.00;

Jumanji –The Next Level 12.45, 14.00, 16.30,

18.00, 19.40, 21.00; Der kleine Rabe Socke 3–

Suche nach dem verlorenen Schatz 13.00; Knives

Out –Mord ist Familiensache 14.00, 16.15, 16.30,

19.40, 20.00, 23.00; Latte Igel und der magische

Wasserstein 12.45; Parasite 19.15; Das perfekte

Geheimnis 16.45, 19.50; Queen & Slim 13.20,

16.30, 19.40, 22.50,23.00; Sneak Preview20.00,

20.30; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

14.00, 17.00; 3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

14.10, 16.30, 17.00, 20.00, 20.20, 22.35;

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 12.30, 13.00,

13.15, 15.15, 16.30, 17.00, 19.00, 19.40, 20.30,

22.10, 22.50; Underwater –Esist erwacht 19.30,

23.05; Vier zauberhafte Schwestern 14.15, 16.45

Filmrauschpalast (& 394 43 44) Mid90s (OmU)

22.00; Rafiki (OmU) 18.00; Shoplifters: Familienbande

–Manbiki kazoku (OmU) 19.45

TREPTOW

Astra (& 636 16 50)Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 14.30, 17.30, 20.00, 22.30; Die Eiskönigin

II 15.00, 17.30,20.00; 3D: Jumanji –The Next Level

20.30, 22.30; Jumanji –The Next Level 14.30,

18.00; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

14.00; 3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

17.00, 20.15, 22.00; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

16.00, 19.00; Vier zauberhafte Schwestern

14.00, 16.00

Casablanca (& 677 5752) Bohemian Rhapsody

15.45; The Good Liar –Das alte Böse 20.30; Gundermann

Revier 18.30

CineStar – Der Filmpalast Treptower Park

(& 04 51/703 02 00) 3Engel für Charlie 16.30,

20.10; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 14.25,

16.50; Cats 14.10; Die Eiskönigin II 14.20, 17.00;

The Grudge 20.30; 3D: Jumanji –The Next Level

20.15; Jumanji –The Next Level 14.15, 17.15; Der

kleine Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen

Schatz 14.40; Knives Out –Mord ist Familiensache

16.55, 19.40; Das perfekte Geheimnis 20.00;

Sneak Preview 20.00; 3D: Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 17.25; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 14.50; 3D: Star Wars: Der

Aufstieg Skywalkers 16.40, 20.00; Star Wars: Der

Aufstieg Skywalkers 14.00, 17.15, 19.15; Thomas

und seine Freunde: Grofle Welt! Grofle Abenteuer!

14.25;Underwater –Esist erwacht 20.20; Vier zauberhafte

Schwestern 14.00,17.20

WEDDING

Cineplex Alhambra (& 01 80/505 03 11) Baba

Parasi (OmU) 20.15; Cats 15.00; Die Eiskönigin

II 14.25, 17.15; Jumanji –The Next Level 14.20,

17.20,19.30; Sneak Preview 20.00;Sneak Preview

(OV) 20.10; 3D: Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

17.00; Spione Undercover: Eine wilde

Verwandlung 14.30; 3D: Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 17.00, 20.30; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 14.00, 16.30; Underwater –Esist erwacht

20.20; Vier zauberhafte Schwestern 14.00,

17.40

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (& 4714001) MilesDavis: Birth of

the Cool (OmU) 21.30; Berlin-Film-Katalog: Motivsuche

(m. Bonusfilm) 18.00

Toni &Tonino (& 92 79 12 00) Der kleine Rabe Socke

312.30,14.15; Das perfekte Geheimnis 20.45;

Thomasund seine Freunde: Grofle Welt!GrofleAbenteuer!

16.00; Unser täglich Brot 18.00; Die Eiskönigin

II 10.45, 13.00, 15.15, 17.30; Joker 19.45

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (& 85 40 60 85) Einsam zweisam

18.00; Miles Davis: Birth of the Cool (OmU)

15.30; Parasite 20.30

Eva-Lichtspiele (& 92 25 53 05) Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 15.15, 17.45, 20.15

ZEHLENDORF

Bali (& 811 46 78) Land des Honigs 20.30; Die

schönste Zeit unseres Lebens 18.00

Capitol (& 831 64 17) Judy 17.45; Knives Out –

Mord ist Familiensache 14.50, 20.30

POTSDAM

Thalia Potsdam (& 03 31/743 70 20) Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 15.45, 18.15, 20.45;

Freies Land 20.45; Der geheime Roman des

Monsieur Pick –Lemystere Henri Pick (OmU)

20.45; Judy (OmU) 15.45, 18.15; Little Joe –

Glück ist ein Geschäft 16.15, 18.30; Milchkrieg

in Dalsmynni –Heradid (OmU) 18.45; The Peanut

Butter Falcon (OmU) 16.30; Ying –Shadow

(OmU) 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (& 03 31/233 70)

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 16.50, 20.00;

Cats 14.00, 20.15; Die Eiskönigin II14.00,14.10,

16.55, 17.20, 20.00; 3D: Jumanji –The Next Level

17.00; Jumanji –The Next Level 13.45, 19.50;

Knives Out –Mord ist Familiensache 16.45, 20.00;

Das perfekte Geheimnis 19.45; 3D: Star Wars: Der

Aufstieg Skywalkers 13.45, 16.00, 20.00; Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 15.00, 19.00; Thomas

und seine Freunde: Grofle Welt! Grofle Abenteuer!

13.50; Vier zauberhafte Schwestern 14.10,

17.15

UMLAND

ALA Falkensee (& 033 22/279 8877) Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 19.30; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 14.30, 17.00

CineStar Wildau A10-Erlebniswelt (& 04 51/

703 0200) 3Engel für Charlie 19.45; Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 17.15; Cats 16.50; Die

Eiskönigin II17.00,20.15; The Grudge 20.30; 3D:

Jumanji –The Next Level 20.15; Jumanji –The Next

Level 17.10; Knives Out –Mord ist Familiensache

17.10, 19.45; Das perfekte Geheimnis 20.00;

Queen &Slim 16.50, 19.40; 3D: Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 17.20; 3D: Star Wars:

Der Aufstieg Skywalkers 17.00, 20.15; Star Wars:

Der Aufstieg Skywalkers 19.00; Underwater –Es

ist erwacht 20.20; Vier zauberhafte Schwestern

17.30

Filmpalast Bernau (& 033 38/70 54 54) Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 20.30; Die Eiskönigin

II 15.15; Jumanji –The Next Level 17.45; Knives

Out –Mord ist Familiensache 20.30; Die schönste

Zeit unseres Lebens 17.45; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 15.00; 3D: Star Wars: Der

Aufstieg Skywalkers 17.30, 20.00; Star Wars: Der

Aufstieg Skywalkers 15.00

FilmpalastOranienburg (& 03301/70 48 28) Die

Eiskönigin II 14.45, 17.30; TheGrudge20.10; Happy

Ending –70 ist das neue 7019.45; 3D: Jumanji

–The Next Level 20.15; Jumanji –The Next Level

17.45; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

15.15; 3D: StarWars: Der Aufstieg Skywalkers

15.00, 17.00, 20.00; Vier zauberhafte Schwestern

15.30, 17.30

Filmtheater Templin (& 039 87/531 30) Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 19.30; Die schönste

Zeit unseresLebens 17.00; 3D:SpioneUndercover:

Eine wilde Verwandlung 14.30

Movieland Erkner (& 033 62/36 68) Cats 18.00;

Die Eiskönigin II15.45; Knives Out –Mord ist Familiensache

14.00, 20.30; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 16.45, 19.45

UnionNeuruppin (& 03391/509696) DieEiskönigin

II 14.50,18.00;The Good Liar –Das alte Böse

20.15; 3D: Jumanji –The Next Level 20.00; Jumanji

–The Next Level 17.15; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 14.30, 17.00, 19.45; Vier zauberhafte

Schwestern 14.15,16.10

Union Fürstenwalde (& 033 61/73 64 40) Bernadette

14.00; Der geheime Roman des Monsieur

Pick 18.15; Judy 20.15; Thomas und seine Freunde:

GrofleWelt! GrofleAbenteuer! 16.30

Union Kino-Center Luckenwalde (& 033 71/

40 16 41) Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

20.00; Die Eiskönigin II15.30; Der Glanz der Unsichtbaren

17.45; 3D: Jumanji –The Next Level

17.35; Knives Out –Mord ist Familiensache 20.00;

Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung 15.30;

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 19.45; Vier zauberhafte

Schwestern 15.45,17.45

Union Prenzlau (& 039 84/80 17 21) Die Eiskönigin

II 14.30; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

16.45, 19.40; Jumanji –The Next Level 17.15; Knives

Out –Mord ist Familiensache 19.45; Star Wars:

Der Aufstieg Skywalkers 14.20; Bernadette 19.45;

Vier zauberhafte Schwestern 15.15, 17.30

Weltspiegel Kino Finsterwalde (& 035 31/22 11)

3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 17.00,

20.00; Die Wache 17.30, 20.00


24 Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020

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Spreewild

Klartext

Das Ende kommt

noch nicht

VonMoritz Tripp, 24 Jahre

Das neue Jahr ist mit zutiefst beunruhigenden

weltpolitischen

Geschehnissen gestartet: Der Konflikt

zwischen den USA und Iran hat

einen neuen und dramatischen Höhepunkt

erreicht. Aufdie Ermordung

des Generals Qasem Soleimani Anfang

Januar folgte binnen einer Woche

die iranische

Antwort inForm

von Raketenangriffen

auf US-

Militärbasen im

Nahen Osten.

Grund genug

für die Netzwelt,

den nahenden

Dritten Weltkrieg

Moritz kann die

WW3-Memes nur bedingt

lustig finden.

VERENA KALUZA

zu verheißen.

Eine kurze Google-Recherche

fördert beispielsweise

eine Fülle an mehr oder weniger

witzigen Memes zutage, die den

baldigen Untergang der Welt proklamieren.

Warum rackern wir uns eigentlich

dafür ab, den Planeten zu

retten, wenn die Menschheit sich

doch sowieso in absehbarer Zeit ins

Jenseits bombt? Warum nicht zurücklehnen

und Cocktail schlürfend

auf unser aller Ende warten?

VergangeneWoche ging es an dieser

Stelle noch darum, ob man sich

das Kinderkriegen nicht lieber sparensollte,umdas

Klima zu schonen.

Mit Blick auf einen baldigen weltweiten

Atomkrieg erübrigt sich diese

Frage dann wohl gänzlich, oder?

Nein, natürlich nicht. Denn so

unterhaltsam manche Weltuntergangs-Memes

ja sein mögen, ihnen

allen haftet eine gehörige Portion

Zynismus an. Natürlich steht außer

Frage, dass ein Nuklearkrieg, wo

auch immer ausgetragen, verheerende

Auswirkungen auf uns alle

hätte, doch das ist noch lange kein

Grund, resigniert auszuharren, bis

die Weltelite uns den Garaus macht.

Das Internet war immer ein Ort

der Extreme. Zynischer Humor, der

die Grenzen des guten Geschmacks

oftmals übersteigt, ist lange Gegenstand

der Memekultur,die versucht,

auf diesem Wege dramatische Ereignisse

in der Welt zu verarbeiten. Und

das kann durchaus witzig und sogar

hilfreich sein. Doch in einer Welt, in

der Twitter-Nachrichten und Instagram-Posts

unsere Realität formen,

sind solche Onlinephänomene mit

äußerster Vorsicht zu genießen.

Denn ich weigere mich, sie als Spiegel

einer Generation zu sehen, die

nur lachendauf das Ende wartet.

Der Berliner Rapper Jamal aka KonTa und Kofi Darkwa (v.l.) erklären den Schülern einer Willkommensklasse gerade den Konjunktiv –mithilfe von Rap.

Von Selly Häußler, 28 Jahre

Ich dürfte jetzt nach Hause,wär’

der Unterricht vorbei. Aber wir

lernen lieber Deutsch, bis nachmittags

um drei“, rappt die

Klasse im Chor. Der Berliner Rapper

Jamal aka KonTabringt ihnen gerade

den Konjunktiv bei –auf seine Art.

Statt zu büffeln, schauen die Schüler

der Willkommensklasse Musikvideos,

interpretieren den Sinn der

Texte und bilden später gemeinsam

Reime.Aus kleinenBoxen dröhnt der

Bass.Eswirdgelachtund geklatscht.

Jamal besucht die Willkommensklasse

imAuftrag von Kofi Darkwa.

Derhat vorfünfMonatendas soziale

Start-up Kanzi gegründet, benannt

nach einem Zwergschimpansen, der

aufgrund seiner ausgeprägten englischen

Sprachkenntnisse berühmt

wurde. „Ich habe mir vier Sprachen

selbstangeeignet, weil ich so begeistert

von Rap war. Dadachte ich, es

kann ja kein Zufall sein, dass das so

gut funktioniert“, erzählt Kofi. Deshalb

will er nun mithilfe von Rap

Sprachbarrieren überwinden und

Deutsch lernen mit Rapmusik

Das Berliner Pilotprojekt schickt Musiker in Willkommensklassen

Ziel des Berliner Pilotprojekts

„Rapper*innen

ohne Grenzen“ ist es,

geflüchteten Kindern und

Jugendlichen über die

Musikrichtung Rap

Deutsch beizubringen.

ÜBER „RAPPER OHNE GRENZEN“

Jungen Menschen soll

durch das Medium Musik

ein chancengleicher

Zugang zum Spracherwerb,

Bildungssystem

und Arbeitsmarkt ermöglicht

werden.

Das Projekt ist Teil des

Start-ups Kanzi, für das

Sprach- und Kulturwissenschaftler,

Pädagogen,

Mediendesigner,

Projektentwickler und

Promoter arbeiten.

Menschen verbinden. „Rapper ohne

Grenzen“ ist das Pilotprojekt von

Kanzi. Dabei geht Kofi zusammen

mit Rappern in sogenannte Willkommensklassen,

in denen Geflüchtete

Deutsch lernen. Seit drei

Monaten besucht er wöchentlich

zwei Klassen und war auch einmal

für einen Workshop in einem Asylbewerberheim.

Auch Jamal hat einen

„Konjunktiv“-Song für den Workshop

geschrieben und aufgenommen.

„Was noch nicht gewesen ist,

das könnte ja noch sein. Was sollte

aus dem Menschen werden, gäb’ es

keine Träumerei …“ Bei der Hook

rappen alle mit.„ImLaufe des nächsten

Jahres soll es Onlinekurse geben“,

erzählt Kofi weiter. Erist sich

sicher, dass beim Lernen mit der

Lieblingsmusik die Motivation entsprechend

steigt. Außerdem plant

der 29-Jährige, seine Rap-Sprachkurse

für Geld anzubieten. Irgendwann

sollen die regulären Kurse und

Nur was am Laufen haben

SELLY HÄUSSLER

die Einnahmen vonYouTubedas soziale

Projekt „Rapper ohne Grenzen“

tragen, so der Wunsch. Momentan

befindet sich Kanzi aber noch im

Aufbau. „Das Ziel ist jetzt, mehr Aufmerksamkeit

zu erzeugen, damit wir

vielleicht eine größere Förderung

bekommen. So könnten wir einer

Schule und einem Rapper auch mal

für ein Halbjahr zusagen.“

„Ich träume,sowie Martin Luther

King, von einer Welt, in der wir alle

glücklich sind“, rappt Jamal im Klassenzimmer

seinen Song „Träume“.

Anschließend sprechen alle darüber,

wer Martin Luther King war. Jamal

fragt die Jugendlichen in den Willkommensklassen

–sie sind alle zwischen

15 und 18 Jahre alt – nach ihren

Träumen. Und leitet so elegant

das Thema Konjunktiv ein. „Mein

Traum ist es, die deutsche Sprache

zu haben“, sagt ein Mädchen. Vielleicht

kann das Projekt diesen Traum

verwirklichen, in Verbindung mit

dem Deutschunterricht, den die

Schüler die restliche Woche bekommen.

Ihre Aufmerksamkeit ist Jamal

und Kofiauf jeden Fall sicher.

Unsere Autorin hat einen Freund –aber nicht offiziell. Warum das Wort „Beziehung“ manchmal einfach nicht passt

WG-WEISER

Mit Silikon

hält kein

Spülhahn

Handwerklich unbegabte

Mitbewohner lieber stoppen

Von Selly Häußler, 28 Jahre

Beim Wäschewaschen einen Timer

stellen, um regelmäßigWasser

abzuschöpfen. Möglichst wenig

Geschirr benutzen, wenn die Spüle

verstopft ist. Und die Duschstange

beim Verstellender Höhe festhalten.

All das sind Dinge,andie ich mich in

meiner WG mittlerweile gewöhnt

habe. Als ich im März eingezogen

bin, musste ich eine ganzeWeile auf

Lebensmittel verzichten, die in den

Kühlschrank gehören. Denn unserer

war kaputt. Und niemand hat sich

gekümmert. Na ja –amEnde habe

ich mich dann gekümmert. Gelernt

habe ich dabei: WeranEssen denkt,

denkt automatisch an den Kühlschrank.

Mitdem anderen Zeug, das

einfach in den Schrank muss, überlebt

man aber auch.

Es ist nicht so, dass unsere Wohnung

total marode ist. Aber ständig

ist etwas kaputt. Zuletzt der Spülhahn.

Mein Mitbewohner Kevi weigert

sich, seine Essensreste aus dem

Spülbecken zu sammeln oder ein

Sieb zu benutzen. Es wundert mich,

dass wir nicht schon viel früher eine

Verstopfung hatten. Um sie zu lösen,

wollte mein lieber Mitbewohner den

Abfluss ordentlich ausspülen. Und

riss dabei den Hahn um.

Daraufhin hat er versucht, ihn

mit Silikondichtung wieder anzukleben.

Dass Silikon nicht dafür ge-

Sieht nicht nur blöd aus, eswar auch eine

ziemlich blöde Idee.

SELLY HÄUSSLER

Noch keins dieser Dritten-Weltkrieg-Memes

gesehen? Wir haben

einige verlinkt, auf spreewild.de.

MELDUNG

Für Deutschen Schüler-

Gründerpreis anmelden

EinStart-up vonder Idee bis zum

Businessplan durchspielen –das

können Jugendliche ab Klasse 9

beim Deutschen Gründerpreis für

Schüler.Ziel ist es,junge Menschen

frühzeitig zu eigenständigem Arbeiten

anzuregen. Diebesten zehn

Teams werden im Juni bei einer

Preisverleihung in Hamburggeehrt.

Mehr Infos und Anmeldung unter

dgp-schueler.de

Voneiner Autorin, die anonym

bleiben möchte*

Seit fast vier Monaten hab ich

„was am Laufen“. Ich kenne seine

Freunde und Mitbewohner, wir

gehen zusammen feiern, essen, zu

Konzerten oder Comedy-Veranstaltungen.

Die Sonntage verbringen

wir faul im Bett. Wir haben nicht

darüber gesprochen,obwir was mit

anderen haben. Ich wäre nicht sauer,

wenn er es täte. Aber ich habe irgendwie

kein Bedürfnis danach.

Warum das dann keine Beziehung

ist? Vermutlich, weil wir beide

uns die größtmögliche Freiheit

bewahren wollen. Keine Rechte,

keine Pflichten und vor allem keine

hohenErwartungen.Die führennur

zu Stress.Wir lachen über Paare, die

sich im Clubanschreien,und schütteln

den Kopf über Langweiler, die

nur Pärchen-Sachen machen.

In irgendeiner Form haben wir

natürlich eine Beziehung. Den

Wunsch nach einer anderen Form

Immer mehr junge Menschen sind auf der Suche nach neuen Formen von Beziehungen. SNAPWIRE

von Beziehung haben immer mehr

Menschen. Wir leben bekanntlich

in der Zeit der Unverbindlichkeit.

Das bedeutet für mich nicht, dass

ich den Menschen, mit dem ich was

habe, wegen jeder Kleinigkeit austauschen

kann. Sondern dass ich

nicht versuche,ihn in eine Richtung

zu drängen oder zu verändern, weil

ich ja nicht vorhabe, langfristig mit

ihm zu leben. Beziehungsverweigerer

bewahren so ihre Individualität

und schätzen kleine Zuwendungen

mehr,stattsie als selbstverständlich

hinzunehmen. Oder enttäuscht zu

reagieren, wenn sieausbleiben.

Vielleicht ist es aber auch deshalb

eine Nicht-Beziehung, weil uns die

Verliebtheit nicht wie ein Schlag getroffen

hat. Ein bis zweimal die Woche

sehen reicht mir.Jetzt gerade,zu

diesem Zeitpunkt, ist er „der Richtige“fürmich.Würdenwirzusammenziehen

und all das, wären wir allerdings

nicht kompatibel. Deshalb will

ich nicht, dass sich irgendetwas zwischen

uns verändert. Ichspreche das

Thema „uns“ nicht an, weil ich diesen

Zustand einfach einfrieren will.

Ist dieser Wunsch in solchen Fällen

nicht berechtigt? Warum wollen

alle anderen, dass ich dem ein Label

aufdrücke? Kann man nicht einfach

mal in Ruhe was am Laufen haben?

Vonmir aus kann es auch noch ein

Jahr so weitergehen. Darechnet jeder

damit, dass man zusammenkommt

oder sich jemand anderen

sucht. Klar werden wir vertrauter.

Aber muss es deshalb unbedingt

„Beziehung“ heißen?

*Name ist der Redaktion bekannt

dacht ist, einen Spülhahn auszubalancieren,

und nebenbei die Optik

versaut, war in diesem Moment allen

anderen im Raum bewusst. Aber wir

haben nicht wirklich versucht, Kevi

aufzuhalten. Alles, was ich rausbrachte,war

ein zaghaftes: „Das hält

so niemals.“

Dazu muss man aber auch fairerweise

sagen: Kevi hat das inzwischen

alles wieder hinbekommen. DasSilikon

abgekratzt hat allerdings unser

Freund Plachta. Meine Mitbewohnerin

Sharyund ich haben uns rausgehalten.

Gelernt habe ich: EinSpülhahn

sieht untenrum aus wie eine

riesige Schraube. Und: Das nächste

Malwerde ich Kevi bremsen!

So ein WG-Leben kann ganz schön

lustig sein, zuweilen lehrreich und

gelegentlich verstörend. DieJugendredaktion

plaudertaus, was in der

eigenen Wohngemeinschaft so los ist,

und gibt Tipps, wie man es mit den

Mitbewohnern aushält. Mehr auf

spreewild.de/wg-weiser

Mit freundlicher Unterstützung von:

Das Projekt „Spreewild“

im Internet unter:

Die Beiträge dieser Seite werden von

Jugendlichen geschrieben.

KONTAKT

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Jugendredaktion

Telefon: 030/695 66 50

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Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020 25

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) Livenach Neun 9.55

(für HG) Quizduell-Olymp 10.45 (für HG) Meister

des Alltags 11.15 (für HG) Werweißdenn

sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für

HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG)

Rote Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10

(für HG) Sturmder Liebe 16.00 (für HG)

Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt nach Meer

17.00 (für HG) Tagesschau 17.15 (für HG)

Brisant 18.00 (für HG) Werweißdenn sowas?

18.50 (für HG) Großstadtrevier 19.45 (für HG)

Wissen voracht –Zukunft 19.50 (für HG) Wetter

19.55 (für HG) Börse 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Was Deutschland bewegt

Am 16. Januar entscheidet der Deutsche

Bundestag über eine Neuregelung der

Organspende. In Deutschland gibt es

nicht genug Organe für die mehr als

9000 Menschen auf der Warteliste.

21.00 (für HG) Hart aber fair

Trump und die Mullahs

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Die Story imErsten:

Die Grünen und die Macht

23.30 (für HG) Korruption und Wohnungsbau

0.15 (für HG) Nachtmagazin

RTL

5.00 Ich bin ein Star –Holt mich hier raus! 6.00

Guten Morgen Deutschland 8.30 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00 Unter

uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was zählt.

Daily Soap 10.00 Der Blaulicht Report 11.00

Der Blaulicht Report 12.00 Punkt 12 –Das

RTL-Mittagsjournal 14.00 Die Superhändler –

4Räume, 1Deal 15.00 Die Superhändler –

4Räume, 1Deal 16.00 Mensch Papa! Väter

allein zu Haus 17.00 Herz über Kopf. Telenovela

17.30 Unter uns. Daily Soap 18.00 Explosiv –

Das Magazin 18.30 Exclusiv –Das Starmagazin

18.45 RTL Aktuell 19.03 RTL Aktuell –Das Wetter

19.05 (für HG) Alles was zählt. Daily Soap 19.40

(für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Wer wird Millionär?

Günther Jauch führtdie Kandidaten über

15 Fragen auf den Wegzueiner Million

Euro. Werbei einer Fragekeine Antwort

weiß, kann die Hilfe vonverschiedenen

Jokern in Anspruch nehmen.

22.15 (für HG) Ich bin ein Star –

Holt mich hier raus!

Reality-Show

0.00 RTL Nachtjournal

0.27 RTL Nachtjournal –Das Wetter

0.30 Ich bin ein Star –Holt mich hier raus!

2.00 Der Blaulicht Report

MDR

12.30 (für HG) Das Kleid. Parabel, DDR 1961

13.58 (für HG) MDR aktuell 14.00 (für HG) MDR

um 2 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 16.00 (für

HG) MDR um 4 17.45 (für HG) MDR aktuell

18.05 (für HG) Wetter für 3 18.10 (für HG)

Brisant 18.54 (für HG) Unser Sandmännchen

19.00 Regionales 19.30 (für HG) MDR aktuell

19.50 (für HG) Mach dich ran 20.15 (für HG)

Schwester Agnes. Komödie, DDR 1975 21.45

(für HG) MDR aktuell 22.05 Fakt ist! 23.03 MDR

aktuell 23.05 (für HG) Mordkommission Istanbul

–Transit. Krimireihe, D2012 0.35 Alles Klara

Bayern

14.00 (für HG) Tierischer Einsatz Bayern 14.45

(für HG) Gefragt –Gejagt 15.30 Schnittgut 16.00

(für HG) Rundschau 16.15 (für HG) WirinBayern

17.30 Regionales 18.00 (für HG) Abendschau

18.30 (für HG) Rundschau 19.00 (für HG)

Unkraut 19.30 (für HG) Dahoam is Dahoam

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG)

Heimat der Rekorde 21.00 (für HG) Bayern

erleben 21.45 (für HG) Rundschau Magazin

22.00 (für HG) Lebenslinien 22.45 (für HG) Der

Kaiser vonSchexing 23.35 Mama Bavaria spezial

0.20 Rundschau Nacht 0.25 Ringlstetter

Vox

5.15 CSI: NY 6.55 CSI: Den Täternauf der Spur

8.45 Verklag mich doch! 10.50 VoxNachrichten

10.55 Mein Kind, dein Kind –Wie erziehst du

denn? 11.55 Shopping Queen 13.00 Zwischen

Tüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein Kind –Wie

erziehst du denn? 15.00 Shopping Queen 16.00

4Hochzeiten und eine Traumreise 17.00

Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First Dates –Ein

Tisch für zwei 19.00 Das perfekte Dinner 20.00

Prominent! 20.15 Goodbye Deutschland! Die

Auswanderer 0.15 VoxNachrichten 0.35 Medical

Detectives –Geheimnisse der Gerichtsmedizin

Super RTL

9.20 Die Oktonauten 9.45 Thomas &seine

Freunde 10.10 PawPatrol 10.35 Sammy 11.05

Die Dschungelhelden 11.30 Grizzy &die

Lemminge 11.55 Go Wild! 12.20 Trolls 12.45

Friends 13.10 Sally Bollywood 13.40 Angelo!

14.05 Die Tomund JerryShow 14.30 Zak Storm

14.55 Dragons 15.20 Scooby-Doo! 15.45

Alvinnn!!! 16.15 Grizzy &die Lemminge 16.40

Dennis &Fletscher 17.10 Mighty Mops 17.40

Zak Storm 18.05 Die Tomund JerryShow 18.40

Woozle Goozle 19.10 Alvinnn!!! 19.30 Angelo!

20.15 On the Case 0.25 Infomercials

Sport1

18.30 StorageWars –Geschäfte in Texas 19.00

StorageWars –Geschäfte in Texas 19.30 Storage

Wars –Geschäfte in Texas 20.00 StorageWars

–Die Geschäftemacher 20.30 StorageWars –

DieGeschäftemacher 21.00 StorageWars –Die

Geschäftemacher 21.30 StorageWars –Die

Geschäftemacher 22.00 StorageWars –Geschäfte

in NewYork 22.30 StorageWars –Geschäfte in

NewYork 23.00 StorageWars –Geschäfte in New

York 23.30 StorageWars –Geschäfte in NewYork

0.00 SportClips 0.45 Teleshopping Nacht

ZDF

5.00 (für HG) ZDF.reportage 5.30 (für HG)

ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG) heute Xpress

9.05 (für HG) Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15 (für

HG) SokoWismar.Krimiserie. Die Frau am Fenster

12.00 heute 12.10 drehscheibe 13.00 (für HG)

ARD-Mittagsmagazin 14.00 heute –in

Deutschland 14.15 (für HG) Stadt, Land, Lecker

15.00 (für HG) heute Xpress 15.05 (für HG)

Bares für Rares 16.00 (für HG) heute –inEuropa

16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops.Krimiserie.

Schöner Hannes, toter Hannes 17.00 (für HG)

heute 17.10 (für HG) hallo deutschland 17.45

(für HG) ZDF Sportextra. Handball. EM: Lettland

–Deutschland, Vorrunde Gruppe C, live

20.15 (für HG) Nord Nord Mord: Sievers und

die tödliche Liebe

Krimireihe,D2020.Mit Peter Heinrich

Brix. Ina Behrendsen hat sich in den

Sylter Seehundschützer Leo verliebt.

Doch das jungeGlück währtnicht lange.

21.45 (für HG) heute journal

22.15 (für HG) Killer Elite

Actionfilm, USA/AUS 2011. Mit Jason

Statham,CliveOwen

0.00 heute+

0.15 (für HG) Detour

Psychothriller,D2017. Mit Luise Heyer

Sat.1

5.10 AufStreife 5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen

10.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! 11.00 Im Namen der

Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! 12.00

Anwälte im Einsatz 13.00 Anwälte im Einsatz

14.00 AufStreife 15.00 AufStreife –Die

Spezialisten 16.00 Klinik am Südring.

Doku-Soap 17.00 Klinik am Südring –Die

Familienhelfer.Doku-Soap. Die 14-jährigeMarie

ist seit einiger Zeit ständig übermüdet. Verursacht

der bevorstehende Wohnungsumzug dem

Mädchen schlaflose Nächte? 17.30 Klinik am

Südring /oder Sat.1 Regional-Magazine 18.00

AufStreife –Die Spezialisten 19.00 Genial

daneben –das Quiz 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 No Body is perfect –

Das Nacktexperiment

Glücklich werden durch Nacktheit? In der

Showwagen die Teilnehmer ein

Experiment: Sie wollen ihre vermeintlich

unperfekten Körper wieder schön finden.

21.55 akte.

22.55 Polizei im Dauereinsatz –Die Sat.1

Reportage

23.55 (für HG) Criminal Minds

Krimiserie.Bilder im Kopf

0.50 (für HG) Criminal Minds

Krimiserie.Die verlorenen Kinder

WDR

11.55 (für HG) Nashorn, Zebra &Co. 12.45 (für

HG) WDR aktuell 13.05 (für HG) Elefant, Tiger&

Co. 13.55 (für HG) Viel für wenig 14.25 (für HG)

Um Himmels Willen 16.00 (für HG) WDR aktuell

16.15 Hier und heute 18.00 (für HG) WDR

aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG) Servicezeit

18.45 (für HG) Aktuelle Stunde 19.30

Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) Hirschhausens Sprechstunde 21.00 (für

HG) Ausgerechnet 21.45 (für HG) WDR aktuell

22.10 (für HG) Hunde verstehen! 22.55 (für HG)

Frenzy.Thriller,GB1972 0.45 Rentnercops

NDR

14.15 (für HG) die nordstory 15.15 (für HG)

Gefragt –Gejagt 16.00 (für HG) NDR Info 16.20

(für HG) Mein Nachmittag 17.10 (für HG)

Leopard, Seebär &Co. 18.00 Regionales 18.15

(für HG) Die Nordreportage 18.45 (für HG) DAS!

19.30 Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Markt 21.00 (für HG) Die

Ernährungs-Docs 21.45 (für HG) NDR Info 22.00

(für HG) 45 Min 22.45 (für HG) Kulturjournal

23.15 (für HG) Der Kommissar und die Alpen:

Sieben Jahre Sterben. Krimireihe, I2016 0.45

(für HG) Die Ernährungs-Docs

Kabel eins

8.30 Navy CIS 9.25 Blue Bloods 11.10 Without

aTrace 12.05 Numb3rs 13.05 (für HG) Castle

14.00 (für HG) The Mentalist 14.55 (für HG)

Navy CIS: L.A. 15.50 kabel eins news 16.00

Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben täglich 17.55

Mein Lokal, Dein Lokal –Der Profi kommt 18.55

Achtung Kontrolle! Wirkümmernuns drum 20.15

(für HG) Terminator –Die Erlösung.Science-

Fiction-Film, USA/D/GB/I 2009 22.30 (für HG)

Fantastic Four –Rise of the Silver Surfer.

Comicadaption, USA/D/GB 2007 0.20 Ninja –

RevengeWill Rise. Actionfilm, USA 2009

RTLZWEI

5.25 Der Kaufhaus Cop. Komödie, USA 2009

7.00 Die Straßencops –Jugend im Visier 8.00

Frauentausch 10.00 Frauentausch 12.00

Frauentausch 14.00 Die Reimanns –Ein

außergewöhnliches Leben 15.00 Die Reimanns

–Ein außergewöhnliches Leben 16.00 Hartz und

herzlich –Tag für TagBenz-Baracken 18.05 Köln

50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15 Promis

auf Hartz IV 22.15 Die Wollnys –Eine schrecklich

große Familie! 23.15 Die Wollnys –Eine

schrecklich große Familie! 0.15 Exklusiv –Die

Reportage 1.05 Exklusiv –Die Reportage

Eurosport 1

10.00 Ski Alpin. Riesenslalom Männer,live

11.30 Ski Alpin 12.45 Ski Alpin. Riesenslalom

Männer,live 13.30 Snooker 14.00 Snooker.The

Masters in London. Tag2:Neil Robertson –Stephen

Maguire, live 17.30 Against All Odds 18.00

Hall of Fame 19.00 Legenden Hautnah 19.30

Nachrichten 19.40 Handball 20.15 Handball.

EM 2020. Vorrunde: Serbien –Kroatien, live

22.15 Snooker.The Masters in London. Tag2:

Mark Allen –David Gilbert, live 23.25 Nachrichten

23.30 Motorsport 0.05 Tennis

TV-Tipps

3SAT,22.25 UHR DOKUMENTARFILM

Meine Welt ist die Musik

Seinen Namen kennen nur wenige.Dabei hat Christian Bruhn quasi

die Bundesrepublik vertont. Er ist einer der erfolgreichsten deutschen

Komponisten und Musikproduzenten der Schlagerbranche.Bruhns Musik

hingegen ist auch bei jüngeren Generationen bekannt: Ob Schlager wie

„Marmor Stein und Eisen bricht“, Serienmelodien für „Heidi“, „Timm Thaler“

und „Captain Future“ oder Werbe-Jingles von Maggi bis Milka: Mehr als

2500 Kompositionen hat Christian Bruhn geschrieben. DerDokumentarfilm

von Marie Reich ist das ansteckend beschwingte Porträt eines Mannes,der

von Anfang der 1960er-Jahrebis heute generationsübergreifend die Menschen

mit seiner Musik begleitet und berührthat. Im Film gibt der inzwichen

84-jährige Musiker Einblick in sein vielschichtiges Werk.

(D/2017)

Foto: ZDF

ZDF, 20.15 UHR KRIMIREIHE

Nord Nord Mord

Nach einem Robben-Einsatz am

Strand wird der Seehundschützer

Leo Fischer dortvon Ina(Julia

Brendler), die sich kurzzuvor in ihn

verliebt hat, tot aufgefunden. Dererste

Verdacht fällt auf eine Gruppe von jungen

Leuten, die am Sylter Ellenbogen

illegal campen. Die„Nackten Robben“

weigern sich, Kleidung zu tragen, bis

die Bootsfahrten mit Touristen zu den

Seehundbänken eingestellt werden.

Kommissar Carl Sievers und sein Team

finden im Sand des Camps einen blutigen

Wagenheber –die Tatwaffe.Dann

wird auch noch das Ausflugsboot eines

Freundes von Leo in die Luft gejagt.

(D/2020)

Foto: ZDF

SUDOKU

NORMALVARIANTE mittel

NORMALVARIANTE –MITTEL

6 7

8 2 4

4 7 5 6

6 7

8 9

2 3 1

5 7 9

8

2 3

MitDIAGONALEN-schwer

MIT DIAGONALEN –SCHWER

5 2

2

9 3

4 6

5 3 1

9

2 4 7

6 8

AUFLÖSUNG Auflösung

VOM vom11./12. 11.1.2020 1. MITTEL mittel

8 6 9 1 3 4 5 2 7

2 3 4 8 5 7 1 6 9

5 1 7 6 2 9 8 3 4

1 7 3 4 9 5 2 8 6

4 8 6 2 7 1 3 9 5

9 5 2 3 8 6 4 7 1

6 2 5 9 4 3 7 1 8

7 9 8 5 1 2 6 4 3

3 4 1 7 6 8 9 5 2

AUFLÖSUNG

Auflösung

VOM

vom

11./12.

11.1.2020

1. 2020

SCHWER schwer

6 8 2 5 4 1 9 3 7

4 5 1 7 9 3 2 6 8

7 3 9 6 8 2 1 5 4

8 6 5 2 7 4 3 1 9

2 9 4 1 3 6 8 7 5

1 7 3 9 5 8 4 2 6

3 1 8 4 6 5 7 9 2

9 2 6 8 1 7 5 4 3

5 4 7 3 2 9 6 8 1

RBB

7.35 Streetphilosophy 8.00 (für HG) Brandenburg

aktuell 8.30 (für HG) Abendschau 9.00 (für

HG) In aller Freundschaft 9.45 (für HG) In aller

Freundschaft –die jungen Ärzte 10.30 (für HG)

WieTag und Nacht. Komödie, D2013 12.00 (für

HG) Der Wauwau-Effekt 12.10 (für HG)

Hauptstadtrevier 13.00 rbb24 13.10 (für HG)

Verrückt nach Fluss 14.00 (für HG) Tiere bis

unters Dach 14.30 (für HG) Sag einfach Ja!

Liebeskomödie, D2001 16.00 (für HG) rbb24

16.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 17.00 (für HG)

rbb24 17.05 (für HG) Panda, Gorilla &Co.

17.55 (für HG) Unser Sandmännchen 18.02 rbb

UM6 18.27 zibb 19.30 (für HG) Abendschau /

Brandenburg aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Super.Markt

Heimwerkerkurse –die Alternativezu

Handwerkern/Irrsinn –Verpackungsgrößen

/Abnehmen –statt Jo Jo Effekte /

Thunfisch –unbedenklicher als sein Ruf /

Abschminkpads im Test /WLAN

21.00 (für HG) rbb queer 4you

21.45 (für HG) rbb24

22.00 (für HG) Tatort: Macht und Ohnmacht

Krimireihe,D2013.Mit MiroslavNemec

23.30 (für HG) Polizeiruf 110: Drei Flaschen

Tokajer Krimireihe, DDR 1989

0.55 (für HG) Heiter bis tödlich: Akte Ex

ProSieben

5.10 Mike&Molly.Sitcom. Mollys Geburtstag

5.30 Apartment 23. Sitcom 6.10 Superstore.

Comedyserie 7.05 The Middle. Comedyserie

8.00 Last Man Standing.Comedyserie 8.55 (für

HG) HowIMet Your Mother.Sitcom 10.40 Mike

&Molly.Sitcom. Der Kellerausbau 11.05 Fresh

Off the Boat. Sitcom.Hotel Honey 11.35 Last

Man Standing.Comedyserie. Schweinigeleien

12.00 2BrokeGirls. Sitcom. Geburtohne

Schanklizenz 12.30 Mom. Sitcom 13.20 (für HG)

Twoand aHalf Men. Sitcom 14.40 The Middle.

Comedyserie 15.35 (für HG) The Big Bang Theory.

Sitcom 17.00 taff 18.00 Newstime 18.10 (für

HG) Die Simpsons. Die Queen ist nicht erfreut! /

Der Dickeund der Bär 19.05 Galileo

20.15 (für HG) Young Sheldon

Comedyserie. Die Besenkammer und das

Teufelsspiel. Dr.Sturgis ist nach seinem

Nervenzusammenbruch immer noch in

einerKlinik, und Sheldon hat mittlerweile

das Gefühl, intellektuell auszuhungern.

20.45 (für HG) Young Sheldon

Comedyserie

21.15 (für HG) Die Simpsons

Zeichentrickserie

22.10 (für HG) The Big Bang Theory

0.10 (für HG) Young Sheldon

0.55 (für HG) The Big Bang Theory

Arte

8.45 Stadt Land Kunst 9.40 (für HG) 360°

11.30 Wildes Thailand 12.15 Re: 12.50 Arte

Journal 13.00 Stadt Land Kunst 13.45 (für HG)

Hausboot. Komödie, USA 1958 15.40 Medizin in

fernen Ländern 16.05 (für HG) Magische Anden

16.50 Xenius 17.20 Die Waldretter 17.50 Eine

Welt aus Wäldern 19.20 Arte Journal 19.40 Re:

20.15 Tarzan und sein Sohn. Abenteuerfilm, USA

1939. Mit JohnnyWeissmüller: 21.35 Der einzig

wahre Tarzan 22.30 The Lobster:Eine unkonventionelle

Liebesgeschichte. Groteske, GB/F/USA/

GR/NL/IR 2015 0.25 (für HG) Vita Brevis

3Sat

13.00 (für HG) ZIB 13.15 (für HG) Die Tierärzte

vomKilimanjaro 15.30 (für HG) Angelique und

die Gorillas 16.15 (für HG) Nashörner für die

Serengeti 17.00 (für HG) Die Löwen der Kalahari

17.45 Mikeund die Wege der Elefanten 18.30

nano 19.00 Der Charme Andalusiens 19.20

Kulturzeit 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 Mit

dem Zug durch Japan 21.10 Netz Natur 22.00

(für HG) ZIB 2 22.25 Meine Welt ist die Musik

–Der KomponistChristian Bruhn. Dokumentarfilm,

D2017 23.45 (für HG) Allein nach oben

0.15 10 vor100.45 (für HG) 20 Jahre maschek

Phoenix

10.30 Die Welt des Donald Trump 11.00

Impeachement-Zerreißprobe für die USA? 11.15

mensch, amerika? 12.00 phoenix vorort 12.45

Streit um Nordstream 2 14.00 phoenix vorort

14.45 Haiti –10Jahre nach dem Beben 15.00

phoenix vorort 16.00 Vergiftete Flüsse 16.45

(für HG) Die Plastikflut 17.30 phoenix der tag

18.00 Schmerz-los 18.30 An den Uferndes Nil

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Der

gute Göring.Doku-Drama, D2016 21.45 (für

HG) heute journal 22.15 unter den linden 23.00

phoenix der tag 0.00 unter den linden

Kika

12.55 Ernest &Rebecca 13.20 (für HG) Mirette

ermittelt 13.40 (für HG) Die Pfefferkörner 14.10

(für HG) SchlossEinstein –Erfurt 15.00 Trio

–Odins Gold 15.50 Max &Maestro 16.05 (für

HG) Hexe Lilli 16.50 Peter Pan–Neue Abenteuer

17.35 (für HG) Der kleine Prinz 18.00 Shaun

das Schaf 18.15 (für HG) Ritter Rost 18.40

Wolkenkinder 18.47 Baumhaus 18.50 Unser

Sandmännchen 19.00 (für HG) Wickie und die

starken Männer 19.25 (für HG) Wissen macht

Ah! 19.50 (für HG) logo! 20.00 Kika Live 20.10

Die Jungs-WG 20.35 Die Mädchen-WG

Dmax

6.50 Infomercial 8.50 Hardcore Pawn 9.20

Auction Hunters 9.50 Infomercial 10.15 House

Hunters 10.45 Die Abräumer 11.15 Border

Control 12.15 SteelBuddies 13.15 Railroad

Alaska 14.15 Die Schatzsucher –Goldrausch in

Alaska 16.15 Die Zwangsvollstrecker 17.15

Steel Buddies 18.15 Euro Truckers 19.15

Deutschland 24/7 20.15 Fast N’ Loud 21.15

Fast N’ Loud 22.15 Goblin Works Garage 23.10

DMAX News 23.15 Chris &Mäx 0.10 DMAX

News 0.15 Dirty Mudder Truckers

Tagesschau 24

5.00 Tagesschau 5.02 Hessenschau 5.30

ZDF-Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrichten

9.15 Wenn ich groß bin, flieg ich zu den

Sternen 10.00 Tagesschau-Nachrichten 10.15

Wieeine Diät gelingt 11.00 Tagesschau-Nachrichten

13.00 ARD-Mittagsmagazin 14.00

Tagesschau-Nachrichten 19.20 Weltspiegel

20.00 Tagesschau 20.15 SpielenSie Gott, Mr.

Feinberg? Dokumentarfilm, D2016 21.50

Tagesschau 21.53 Extra 22.00 Markt 22.45

Tagesschau vor20Jahren 23.00 Tagesthemen

23.30 Westpol –Politik in Nordrhein-Westfalen

0.00 Gegen den Hass 0.45 Shift 1.00

Nachtmagazin 1.20 Kowalski &Schmidt

ONE

5.55 Familie Dr.Kleist 6.45 Hartaber herzlich

7.30 PartyofFive 8.10 PartyofFive 8.55

kinokino 9.10 Lindenstraße 9.40 Bezaubernde

Jeannie 10.05 Bezaubernde Jeannie 10.30

Lindenstraße 11.00 Familie Dr.Kleist 11.50

Sturmder Liebe 12.40 Sturmder Liebe 13.25

Um Himmels Willen 14.10 Liebe am Fjord –

Sommersturm. Drama, D2010 15.40 Familie D

Kleist 16.30 Bezaubernde Jeannie 16.55

Bezaubernde Jeannie 17.20 Lindenstraße 17.50

Hartaber herzlich 18.40 Sturmder Liebe 19.25

Sturmder Liebe 20.15 Kir Royal 21.10 Kir Roya

22.10 Grand Hotel 22.55 Grand Hotel 23.40

DieterNuhr live! 0.55 Kir Royal 1.55 Kir Royal

ZDF NEO

8.05 Topfgeldjäger 9.00 Lafer!Lichter!Lecker!

9.45 (für HG) Bares für Rares 10.35 (für HG)

Bares für Rares 11.30 Dinner Date 12.15 (für

HG) Monk 12.55 (für HG) Monk 13.35 Psych

14.15 Psych 15.00 (für HG) Monk 15.40 (für

HG) Monk 16.20 Psych 17.00 Psych 17.40 (für

HG) Bares für Rares 18.35 Dinner Date 19.20

(für HG) Bares für Rares 20.15 (für HG) Inspecto

Barnaby: Heiligeund Eilige. Krimireihe, GB 2017

21.45 (für HG) Inspector Barnaby: Der

Jahrmarktsmörder.Krimireihe, GB 2017 23.15

Inspector Banks: Wenn die Dämmerung naht.

Krimireihe,GB2011 0.00 Inspector Banks: Wen

die Dämmerung naht. Krimireihe, GB 2010

ZDF INFO

7.15 Die Schätze der Erde 7.58 heute Xpress

8.00 TodimSommerhaus 9.00 Todim

Sommerhaus 10.00 TodimSommerhaus 11.00

Schuldig in Schweden 11.45 Falsche Geständnisse

12.30 Mördernauf der Spur 13.00

Ermittler! 13.30 Dem Verbrechen auf der Spur

14.15 Dem Verbrechen auf der Spur 15.00 Dem

Verbrechen auf der Spur 15.45 Dem Verbrechen

auf der Spur 16.30 Dem Verbrechen auf der Spu

17.15 Dem Verbrechen auf der Spur 18.00 Dem

Verbrechen auf der Spur 18.45 ZDF-History

19.30 ZDF-History 20.15 ZDF-History 21.00

ZDF-History 21.45 ZDF-History 22.30

ZDF-History 23.15 ZDF-History 0.00 ZDF-History

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik Der Traum vonder Oper –Rameaus

Wegauf die Bühne. Mit dem Moderator Bernhard

Schrammek, ca. 56 Min.

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Konzert Heimatsound-Festival, Passionstheater

Ammergau: Ausschnitte aus den Konzerten von

Sophie Hunger,Hadé, Dreiviertelblut, Der Nino

aus Wien. Moderation: Carsten Beyer, ca. 87 Min

21.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Neue Musik Die Geigerin Carolin Widmann. Mit

Andreas Göbel, ca. 56 Min.

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Musik-Panorama In memoriam Georg Katzer:

Ausschnitte aus Konzerten der 27. Zepernicker

Randfestspiele. Aufnahmen vom3.- 5.10.2019

in Sankt Annen, Zepernick. Am Mikrofon: Anna

Schürmer,ca. 105 Min.

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Die Liebe im Ernstfall (17/18). Von

Daniela Krien /GelesenvonBibana Beglau,

Maren Eggert, Jeanette Hain, ca. 30 Min.

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Kriminalhörspiel Engel und Einsame. Nach dem

Roman vonRamón Díaz Eterovic /Übersetzung:

Maralde Meyer-Minnemann /Bearbeitung: Hilke

Veth /Regie: Stefan Dutt, ca. 57 Min.

MAGAZIN

10.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Kontrovers Politisches Streitgespräch mit

Studiogästenund Hörern: kontrovers@

deutschlandfunk.de, ca. 80 Min.

18.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Weltzeit Biafra 50 Jahre danach: WieNigeria

heute mit Separatisten umgeht. VonKatrin

Gänsler,ca. 30 Min.

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin Aufder Suche nach dem idealen

Team. Vonden Autoren Gabi Schlag und Benno

Wenz, ca. 26 Min.

19.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Zeitfragen. Politik und Soziales Die mit

Rechtenreden: Erfahrungen im Umgang mit

antidemokratischen Parolen und Akteuren. Von

Kai Adler,ca. 55 Min.

JAZZ /BLUES

11.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Tonart Das Musikmagazin am Vormittag:

11:45-11:50 Rubrik: Jazz, ca. 55 Min.

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Der Musiker und Songwriter Kelly Joe

Phelps. Mit Ortrun Schütz, ca. 30 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 10 · M ontag, 13. Januar 2020 – S eite 26

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Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Lena Gercke (31) hat mit einem Babybauchfoto

auf Instagram ihre

Schwangerschaft verkündet. Die

Moderatorin und ihr Freund Dustin

Schöne wählten schwarze Outfits,

die einen hübschen Kontrast zur

Winterlandschaft im Hintergrund

bildeten. Gercke,die die erste Staffel

von„Germany’sNext Topmodel“ gewann

und in derVergangenheit auch

mit Sami Khediraliiertwar,erreichten

zahlreiche prominente Gratulationen.

So kommentierte KaiPflaume

mit„#nurdieliebezählt“. Undromantischer

wird’sheute nicht mehr.

Celine VanOuytsel (23) ist Juristin

und jetzt auch ganz rechtssicher die

neue Miss Belgien. Unddas,obwohl

sie im Finale nicht ganz trittsicher

war und beim Herabsteigen einer

Treppe im Plopsa-Theater vonAdinkerke

stolperte.Ein sympathisches

Miss-Geschick, har har,dem sie ein

nicht minder sympathisches Statement

folgen ließ: „Ich bin heute auf

dem Podium selbst gefallen und von

daher das beste Beispiel, dass man

einfach wieder aufstehen muss,

wenn man fällt –auch im Leben.“

Queen Elizabeth II. (93) ruft nach der

Rückzugsankündigung vonPrinz

Harryund Herzogin Meghan für den

heutigen Montag zum Krisentreffen

nach Sandringham –und da wirdgefälligst

teilgenommen. Ausreden wie

„Ich bin aber in Kanada“ gelten

nicht: Meghan soll per

Telefon zugeschaltet

werden. Ansonsten

nehmen

laut britischen

Medien Harry,

Thronfolger

Prinz Charles

sowie Harrys

BruderWilliam

teil. Gesucht werden

Kompromisse

bei der Ausgestaltung

der

künftigen Rolle

des abtrünnigen

Paares.Das wird

ein Spaß! (avo.)

Beim „Megxit“ drängt

sie auf eine praktikable

Lösung. GETTY IMAGES

TIERE

Voller Einsatz für ein verängstigtes

Tier:die Retter in Essen.

DPA

Pferdchen in der Grube: Verbunden

mit verbindlichstem Dank an die Essener

Feuerwehr können wir vermelden,

dass dieser vier Jahrealte

Kaltblüter inzwischen wieder auf sicherem

Boden steht. Waswar passiert?

DerarmeTropf war in der

Ruhrgebietsstadt an einer Baustelle

im Schlamm versunken –und völlig

hilflos.Zweieinhalb Stunden dauerte

die Rettungsaktion, bei der die Feuerwehrleute

in Wathosen stiegen

und teils mit bloßen Händen dieVorderläufe

freigruben, während gleichzeitig

Wasser abgepumpt wurde.Als

endlich die Gurteunter dem Bauch

festzurrten, konnte dann auch der

Bagger zum Einsatz kommen und

das unterkühlte Tier aus der Grube

heben. Riesenerleichterung beim

Besitzer –und natürlich bei der kleinen

Tierkastenredaktion. (avo.)

Mann zeigt Taille: ein Look aus der Random-Identity-Kollektion

des WahlberlinersStefano Pilati. GIOVANNI GIANNONI

Ganz schön Anzüglich

Männerschauen 2020: Florenz und Mailand verpassen dem Zweiteiler eine neue Dynamik

VonNikolas Feireiss

Gentleman!? Klingt irgendwie

antiquiert. Da liest

sich „New Formal“ schon

cooler. Um diese neue

Formalität –anders gesagt: einen Reboot

maskuliner Eleganz –kreisten

die Überlegungen der 1200 Aussteller

und 36 000 Besucher der Modemesse

Pitti Uomo Herbst/Winter

2020 in Florenz. Immer noch waren

reichlich Kleiderstangen vollgehängt

mit der seit Jahren gehypten Streetwear,

also Jeans und Jogpants, Hoodies

und Sweatshirts. Aber ohne

Frage gibt es eine Gegenbewegung.

Wie passend, dass ein so traditionsreiches

Label wie Brioni –jagenau,

der einstige Kanzler-Ausstatter

–75-jähriges Jubiläum auf der Pitti

feierte. Gleich am ersten Messetag

führten mehrereKammermusik-Ensembles

im Renaissance-Palast Gerini

vor, wie elegant und zugleich lässig

italienische Schneiderkunst aussehen

kann. DerOboist zum Beispiel

spielte im schwarzen Zweireiher mit

haselnussbraunem Pullover, das Fagott

beeindruckte in anthrazitfarbenem

Hirschledersakko über dunkelblauem

Rolli. Einen besseren Auftakt

hätte es nicht geben können.

Die Models: betont divers

Traditionell halten sich auf der Pitti

Uomo Avantgarde und Tragbarkeit

eine angenehme Balance. In den

Messehallen wird Kommerziell-Modisches

angeboten, während vonder

Messe mit Bedacht eingeladene

Gastdesigner zusätzlich in eigenen

Schauen stilistisch mehr riskieren. In

der Regel finden sich deren Ideen,

halt einige Saisons später und für

den Alltag runtergebrochen, dann

auch in den Messehallen wieder.

Special Guests waren dieses Jahr

das Schweizer Paar Lucie und Luke

Meier, das seit 2017 die Jil-Sander-

Kollektion verantwortet; der New

Yorker Streetwear-Star Telfar Clemens

sowie der in Berlin lebende Italiener

Stefano Pilati mit seiner Random-Identity-Kollektion.

Vor allem

letztere Schau war ein echtes Highlight,

ihr Casting ein betont diverser

Querschnitt. Junge wie reifere Herren,

androgyne und betont maskuline

Typen, kräftige wie spindeldürre

Jungs zeigten präzise geschnittene

Anzüge, Überröcke und Kleider. Begriffe

wie Herren- oder Damenmode

Nur Krawatte dazu reicht nicht mehr:Lukeund Lucy MeiersJil-Sander-Mann

für Herbst/Winter 2020. A. LUCIONI

interessieren die Random Identity,

die „zufällige Identität“, nicht. Die

Hosen sind oft weit, die Sakkos verkleinert

oder oversized. Plateaustiefel

und Sandalen, letztere inKooperation

mit Birkenstock entstanden,

geben den Looks einen zusätzlichen

Twist. Accessoires, wie feine Silberketten

oder karierte Strickschals, ergänzen

die Outfits, ohne sie überzudekorieren.

Französische Eleganz

(Pilati war mehrere Jahre Chefdesigner

bei Yves Saint Laurent), italienische

Schneiderkunst und Berliner

Underground finden hier kongenial

zusammen. Anders als seine Kollegen

und Kolleginnen denkt Pilati

nicht in Einzelsaisons.

Er versteht

seine Kollektion als

ständige Weiterentwicklung,

als quasi

evolutionär –einige

Teile bleiben, andere

verschwinden, machen

Platz für neue,

die den Look ständig

weitertreiben.

Auch bei Jil Sander

für den Winter

2020/2021 spielen

Anzüge und Sakkos

eine wichtige Rolle.

Auch hier haben sie

nichts mit der klassischen

Business-Uniform

alter Schule zu

tun. Die Schau fand

im Refektorium des

berühmten Klosters

Santa MariaNovella statt. Fast sakral

wirkten denn auch die oft überlangen

Jacken und die Hosen mit den

breiten Umschlägen. Tunikaartige

Überwürfe,lose fallende Mäntel und

Schal-Überzieher mit langen Fransen

verstärkten den zeremoniellen

Eindruck der Kollektion, genauso

wie der starke Duft der Berge von

leuchtend orangen Tagetesblüten,

an denen die Models vorbeiliefen.

Metallische Schmuckknöpfe hatten

etwas Nomadisches. Anzug und Jacke

oder Mantel dazu waren oft in einer

Farbe gehalten: Schwarz, Creme,

Burgunderrot.

An der Telfar-Kollektion scheiden

sich die Geister. Der 35-jährige New

Yorker Designer, ein Kind aus

Queens, ist eindeutig ein Star der

Streetwear-Szene. Seine ballonartigen

Jeans, die Lederhosen mit den

Strickeinsätzen, die mittelalterlich

Die Waffe des Mannes: Zegnas

Lederhalfter für die Leica. GETTY

wirkenden Bundhosen – alles das

findet der eine cool, der andere albern.

Dass seine Mode nicht „for

everyone“ sei, wie Telfar gerne sagt,

zeigte sich schon daran, dass die

VIPs, unter ihnen Solange Knowles,

um den noch unabgeräumten Tisch

vom Exklusiv-Dinner des Vorabends

saßen, der den Models nun als runder

Laufsteg diente. Die anderen

handgezählten Gäste durften mit

großem Abstand drumherum sitzen

und zuschauen. Telfars Präsentation

illustrierte also das Prinzip des Inner

Circle,aus dem diese Mode entstanden

ist. Insofern war sie, was das

Thema Ausgrenzung angeht, dann

doch ziemlich auf

der Höhe der Zeit.

Die Rückkehr

maskuliner Eleganz

lässt sich durchaus

als ein Zeichen verstehen,

dass soziale

Distinktion wieder

gewünscht ist. Und

das nach vielen Jahren,

in denen Demokratisierung

via

Streetwear als Maß

aller Dinge galt. Der

Riff auf den Charme

der Bourgeoisie hat

bei den Damen ja

schon länger Einzug

gehalten. Um nur

das offensichtlichste

Beispiel zu

nennen: Hedi Slimanes

Sommerkollektion

für Celine macht mit hochtaillierten

Jeans, Faltenrock und

Schluppenbluse die Trägerinnen zur

höheren Töchtern, die offenbar im

Fundus einer vermögenden Pariser

Großtante gekramt haben.

Nun können auch die Jungmänner

den Grandpa als modisches Role

Model ausschöpfen, das machte

diese Pitti Uomo deutlich. MitSneakern

und Jogginghosen aufgewachsen,

kann sich eine ganze Generation

der guten, alten Herrenschneiderei

als etwas Neuem zuwenden.

Und sei es nur, umsich von jenem

„Dad“ abzugrenzen, der zumindest

in der Freizeit optisch längst zum

großen Bruder geworden ist. Der

„Grandpa Look“ war diesmal jedenfalls

nicht nur für die florentinischen

Streetfotografen ein Thema. In der

„Futuro Maschile“ benannten Pitti-

Halle schmückten Ahnenbilder

Die Bomberjackeals neuer Trench: ein typisches Anzug-

Ensemble von Ermenegildo Zegna.

GETTY IMAGES

fesch gereifter Herren nicht wenige

Stände, Perserteppiche und dunkles

Mobiliar vervollkommneten die gediegene

Atmosphäre. Auf den Bügeln

hingen Zweireiher,Westen und

Hosen aus feiner Wolle oder Cord,

ganz breit oder samtig. Glencheck,

Hahnentritt und vor allen Dingen

Karos bestimmten das Bild. Die

Farbpalette? Herbstlich erdverbunden:

gebranntes Orange, Maisgelb,

Wollweiß, Beige. Das neue Biedermeier

lässt grüßen. „Futuro Maschile“

bedeutet also auch„zurück in

die Zukunft“, aber natürlich läuft das

Rad der Mode nicht einfach rückwärts.

Die auf den ersten Blick gern

kratzig wirkenden Wollstoffe sind, in

die Hand genommen, dank neuer

Materialmischungen überraschend

leicht und kuschelig. Und Grandpas

Hosenträger-Styling muss ja nicht

eins zu eins kopiertwerden.

Recycling àlaZegna

Die sogenannten Broken Suits stehen

beispielhaft dafür –Anzüge, die

sich variieren lassen. Es gibt sie mit

schmalen oder (deutlich modischer)

weiteren Hosen. Alternativ zum Jackett

werden Blousons im gleichen

Stoff angeboten. Ein Anzug, viele

Möglichkeiten. Überhaupt entscheidet

das Styling, ob ein Look wie aus

der Manager-Mottenkiste oder attraktiv

wirkt. Die Kombination von

Karos und Streifen, von schweren

Stiefeln zum Dreiteiler etwa würden

den Großvater doch überraschen.

Seit Freitag setzen nun die Mailänder

Schauen der großen italienischen

Labels den Blick auf den Männermode-Herbst

fort. Zegnas Chefdesigner

Alessandro Sartori setzte

dabei nicht nur stilistisch den ersten

Leuchtturm. Neben seiner höchst

souveränen Ermenegildo-Zegna-

Kollektion thematisierte er besonders

überzeugend die Problematik

der Verschwendung in der Modeindustrie

durch eine Laufsteg-Installation:

Stoffbänder von insgesamt 37

Kilometern Länge hingen massenweise

von der Decke, Reste aus den

letzten sechs Zegna-Kollektionen.

Undsiehe da: EinTeil der neuen Kollektion

besteht aus recycelten Stoffen.

Sind in dieser Kollektion noch

rund 50Prozent der Materialien neu

produziert, soll dieser Anteil perspektivisch

auf zehn Prozent gesenkt werden,

so das Versprechen. Der Zegna-

Pulli als Klimaretter.

Mindestens elf Tote bei

Stürmen in den USA

SchwereStürme haben in den USA

mindestens elf Menschen das Leben

gekostet. DieKatastrophenschutzbehörde

des Bundesstaats Alabama

teilte am Sonnabend mit, bei einem

Tornado und schweren Gewittern

seien drei Menschen getötet worden.

Im Bundesstaat Louisiana starb ein

älteres Ehepaar in der Gemeinde

Bossier,als der Sturmihr Haus zerstörte,wie

der Sheriff bei Facebook

mitteilte.Ein Mann sei gestorben, als

ein Baum auf sein Haus stürzte,so

der Sheriff der Gemeinde Caddo.In

Texas kamen vier Menschen ums Leben,

in Oklahoma starb ein Mann bei

Überschwemmungen. (dpa)

Vulkan auf den Philippinen

speit Rauch und Asche

Eine kilometerhohe Aschewolke des

Vulkans Taal in der Nähe der philippinischen

Hauptstadt Manila hat

Angst voreinem bevorstehenden

Ausbruch geweckt. Mehr als 2000

Menschen in der direkten Umgebung

wurden am Sonntag laut Katastrophenschutz

in Sicherheit gebracht.

DerVulkan ist einer der aktivsten

des ostasiatischen Inselstaats

und liegt nur 65 Kilometer entfernt

vonder Millionenstadt Manila. Seismologen

der Regierung registrierten

Magma, das sich auf den Krater zubewegt.

Daserhöhe die Wahrscheinlichkeit

eines Ausbruchs. (AFP)

Neues Megafeuer und mehr

Todesopfer in Australien

Dank an die Helfer:Aus Solidarität setzte

Sydneyein leuchtendes Zeichen. DPA

Australien kommt nicht zur Ruhe:

Mindestens 27 Menschen sind bei

den monatelangen Buschbränden

ums Leben kommen –amSonnabend

starb wieder ein Feuerwehrmann

im Einsatz. Im Südosten des

Kontinents bildete sich ein neues

„Megafeuer“. Einanderer Riesenbrand

ist dagegen seit Sonntag unter

Kontrolle.Einen symbolischen Dank

an die Einsatzkräfte gab es in Sydney:

Aufdie Segel des berühmten Opernhauses

wurden als Zeichen der Solidarität

Bilder vonFeuerwehrleuten

projiziert. Premier Scott Morrison

sagte,ersehe nun ein, dass der Klimawandel

Auswirkungen habe und

für längere, heißereund trockenere

Sommer verantwortlich sei. Er deutete

eine Änderung der Politik an,

um Emissionen zu reduzieren. (dpa)

Nasa-Praktikant entdeckt

Planet mit zwei Sonnen

Ein17-jähriger Schüler hat während

seiner Zeit bei der US-Raumfahrtagentur

Nasa einen zuvor unbekannten

Planeten ausfindig gemacht.Wolf

Cukier hatte dortein Praktikum absolviert,

wie die Nasa mitteilte.„Nach

drei Tagen bemerkte ich ein Signal

aus einem System namens TOI

1338“, sagte Cukier.„Es erwies sich

als ein Planet.“ TOI1338 bhat der

Nasa zufolge zwei Sonnen, ist 1300

Lichtjahrevon uns entfernt und fast

siebenmal größer als die Erde.Gefunden

wurde er mithilfe vonDaten

des Weltraumteleskops Tess. (dpa)

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