RUNNING - Das sportliche Laufmagazin

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RUNNING – Das sportliche Laufmagazin hält Ausdauersportler mit ambitionierten Absichten auf dem Laufenden.
Von detaillierten Trainingsplänen über aufwendig inszenierte Produkt-Tests bis hin zu den effektivsten Profi-Tipps – hier bekommt der Leser (vom absoluten Anfänger bis hin zum Ultra-Läufer) genau die Informationen, die er für seinen persönlichen Fortschritt braucht. Mitreißende Reportagen aus der ganzen Welt und die wichtigsten Szene-News sorgen für hohen Unterhaltungswert.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der kritischen Beurteilung von Neuheiten und Trends. Unterstützt von einem breitgefächerten Experten-Netzwerk aus renommierten Medizinern, Physiotherapeuten, Ernährungs- und Sportwissenschaftlern liefert RUNNING – Das sportliche Laufmagazin alle zwei Monate das perfekte Wissens-Paket für jeden Läufer. Die Webseite www.running-magazin.com ergänzt das Printmagazin perfekt.

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WARM UPEditorial

68 BERLIN 2019

Der Marathon zwischen West und Ost

Fotos: Carsten Drecoll, SCCEvents/Sportograf, UYN, Claudia Larsen/Zürich

LIEBE LESERINNEN UND LESER,

ging es im letzten Heft verstärkt in die Berge, ist in dieser

Ausgabe wieder der Straßenlauf im Zentrum des Geschehens.

Den größten deutschen Marathon, Berlin, haben wir

besucht und uns genauer angesehen. Entdecken lässt sich bei

einem solchen Mega-Event jede Menge, von den „normalen“

Mitläufern über einen Ball-Jongleur bis zur Weltrekordhalterin

in der Altersklasse Ü70. Auch wenn das Wetter den

meisten Teilnehmern nicht besonders wohlgesonnen war,

war es ein großartiges Erlebnis. Unsere Berichte lesen Sie

ab Seite 68.

Wer bei einem Marathon den Leuten auf die Füße schaut, staunt immer wieder über die

Vielzahl an Laufstilen und -techniken. Manche sind vielleicht nur eigenwillig, bei vielen

jedoch sind Verletzungen und Überlastungsschäden fest vorprogrammiert. Daher stellen wir

Ihnen den Ansatz des Medical Runnings von Dr. Larsen, Sandra Zürcher und Joachim

Altmann ab Seite 20 vor. Ergänzt wird diese Thematik durch unsere Fachartikel zum Thema

Erschöpfung und Stressfraktur.

Diesem Magazin beigelegt haben wir den Großen Marathonkalender 2020. Jetzt ist es an

Ihnen, die Auswahl zu treffen und die für Sie ganz persönlich schönsten Events im nächsten

Jahr zu finden.

Wir wünschen Ihnen einen frohen läuferischen Jahresausklang,

20 GESUND LAUFEN

So ist es anatomisch richtig

86 BEI KÄLTE

So trainieren Sie

erfolgreich im Winter

Ihr

Carsten Drecoll

PS: Noch mehr RUNNING? Besuchen Sie unsere Homepage running-magazin.com

oder unsere aktuellen News auf Facebook und Instagram.

RUNNING | 1/2020 | 3


WARM UPInhalt

Das läuft ...

IN HEFT 01/2020

26

Medical Running

So ist Laufen Medizin

82

OUTDOOR IN PARIS

Der Ecotrail

TITELSTORY

20 Running Coach

Laufen Sie sich gesund

22 Laufen ist die beste Medizin

Mit der richtigen Technik

26 Erkenne dich selbst

Laufanalyse: 18 Checks

28 Laufstil-Übungen

Ökonomisch und belastungsarm

32 Erschöpfung

Normal oder behandlungsbedürftig?

36 Diagnose Stressfraktur

Chronisch überlastet: der Knochen

40 „No human is limited!“

Eliud Kipchoge in Wien

WARM UP

6 Foto des Monats

Die INEOS 1:59 Challenge

8 Kurznachrichten

Runner’s Gossip

10 Kirchberg hakt nach

Laufen und Schönheit

12 Amuse Gueule

Halbzeit beim Transural

17 Lebenslauf

Manuel Tello, 72, Marathonläufer

18 Who is Who?

Das RUNNING-Läufer-Quiz

HEALTH & FOOD

42 Balance finden

Unbeschwert unterwegs

44 Wunderwaffe Hirse

Supertreibstoff für Aktive

46 Running à la Carte

Powerstart in den Tag

48 Healthy Living Awards 2020

Kategorien + Jury + Nominierte

52 Möller’s medizinische Meinung

Ich bin benachteiligt

54 Fremdgelaufen: Muay Thai

Warum uns Kämpfen stärker macht

TEST & SERVICE

58 Regenjacken im Praxistest

Gut geschützt bei Regenwetter

62 Reingeschaut

Bücher und Filme rund ums Laufen

66 Produktnews

Luma + Gore + Craft + Eagle Creek +

Montane + Night Tech Gear + Powerdot

+ Sigma

Fotos: GettyImages/metamorworks, Ecotrail de Paris/Christophe Guiard, TransUral, VCM/Michael Gruber,

Tabitha Bühne, SCC Events

4 | RUNNING | 1/2020


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12

TransUral

Eurasischer Grenzgang

40

UNTER 2 STUNDEN

Eliud Kipchoge in Wien

1/2020 ● Transural ● Medical Running ● INEOS 1:59 ● Jackentest ● Berlin 2019 ● Ecotrail Paris ● Wintertraining ●

DAS SPORTLICHE LAUFMAGAZIN

NOVEMBER/DEZEMBER € 4,90

18

CHECKS

ELIUD KIPCHOGE IN WIEN

„NO HUMAN

IS LIMITED“

WINTERTRAINING

BIS MINUS

12 GRAD

MEDICAL

RUNNING HIRSE

Laufstil optimieren

Verletzungen vorbeugen

Ziele schneller erreichen

ALL-WETTER-TEST

DIESE LAUFJACKEN

HALTEN DICHT!

Superkraftstoff

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Läufer

BERLIN-

MARATHON

WELTREKORD BEI

DEN FRAUEN Ü70

Foto: Ralf Graner Photodesign

ABENTEUER MARATHON

68 Berlin-Marathon

Fest der Superlative

70 Berlin 2019

Das lief an der Strecke

72 Schaut auf diese Stadt

Starter-Rekord und Überraschungen

74 Weltrekord bei den Frauen Ü70

Jeannie Rice

54

Muay Thai

So macht uns

Kämpfen stärker

RUNNING ON TOUR

76 There is no business like show

business

Produktpräsentationen 2.0

80 Querdenker

Triathlon für Läufer

82 Outdoor in der City

Der Ecotrail de Paris

RUNNING TRAINING

86 Lauftraining im Winter

So läuft’s im Winter

90 Ohne Heiß kein Schweiß?

Warum schwitzen wir bei Kälte?

68

Berlin 2019

Fest der Superlative

COOL DOWN

94 Nach dem Ziel

Renn-Resultate

96 Kreuzworträtsel

Gehirn-Jogging

97 Schlett’s Schlusskolumne

Dummheit tut weh

98 Vorschau/Impressum

Das läuft in der nächsten Ausgabe

VERLOSUNGEN

FINDEN SIE UNTER DIESEM ZEICHEN.

RUNNING | 1/2020 | 5


WARM UPFoto des Monats

Wien Hauptallee

Unter 2 Stunden

Die INEOS 1:59 Challenge

Die schnellsten 42,195 Kilometer: Am Samstag,

den 12.10.2019 schaffte es der Kenianer und

Weltrekordhalter im Marathon Eliud Kipchoge, die

Marathon-Distanz unter zwei Stunden zu laufen,

nämlich in 1:59:40,2 Stunden. Zwanzig Sekunden

vor der magischen Schallmauer kam er somit ins

Ziel und wurde frenetisch gefeiert. Kipchoge selbst

hatte noch genügend Energie, um Hände

abzuklatschen, seine Frau zu umarmen und

mehrere Interviews zu geben. Laut Veranstalter

waren 120.000 Menschen an der Strecke.

Die ganze Geschichte lesen Sie auf Seite 40–41 in

diesem Magazin.

Foto: INEOS 1 59 Challenge

6 | RUNNING | 1/2020


Edel-Hasen

Unser Bild zeigt die Formation der

Pace-Maker. In einem nach vorne

aufgehenden V schirmten die

Top-Athleten vor Kipchoge ihn von

allen störenden Einflüssen ab. Zwei

Hasen liefen hinter ihm und hielten

ihm den Rücken frei.

RUNNING | 1/2020 | 7


WARM UPSzene-News

Finale in Frankfurt

RUNNER’S GOSSIP

Bella Figura vor dem Brandenburger Tor

Unser Titelmodell Sophia – selbst eine ambitionierte Läuferin – trägt auf unserem

Cover die Alpha Run Kollektion von Unleash Your Nature. Hinter dieser Marke verbirgt

sich die Spinnerei Trerè Innovation, früher Selvocalze, aus Asola, ein italienischer

Familienbetrieb, der lange als

Hersteller für X-Bionic gearbeitet hat

und nun seine Eigenmarke vorstellt.

Das dreidimensionale Strickmuster

macht diese Kleidung besonders

bequem und funktional. Und was

natürlich bei italienischer Mode nicht

fehlen darf: Sie ist eben doch ein Stück

eleganter als die Konkurrenz. Bella

Figura eben. Auch am Spreebogen

durch das Abgeordnetenhaus sieht der

Dress einfach gut aus.

KURIOS,

was so alles geschieht!

✔✔Unter den Hobby-Athleten häufen

sich beim Marathonlaufen die Betrugsfälle.

Läufer nehmen ganz unsportlich

die U-Bahn oder kürzen durch die

Büsche ab. Ein besonders eklatanter Fall

kam schon 2007 in Berlin ans Licht:

Ein mexikanischer Präsidentschaftskandidat

lief nur einen Teil des Berlin-

Marathons, kam aber fröhlich jubelnd

ins Ziel. Er wurde enttarnt, da ihm

Zwischenzeiten fehlten – den Jubel über

den Ü55-Alterssieg hatte er da zunächst

einem Läufer aus Thüringen weggeschnappt.

Allein in Berlin werden ca.

100 Teilnehmer jährlich disqualifiziert.

Unsere Gewinnerin des in der RUNNING 1/2019 ausgelobten Startplatzes für den

Frankfurt Marathon, Kirsten Hogrefe, hat am 27.10.2019 das Rennen mit einer super

Zeit von 4:08:13 Stunden gefinisht. Wir trafen sie kurz vor dem Start mit ihrer

Familie, die sie an verschiedenen Punkten der Strecke unterstützte. Ihr Fazit über den

Marathon und die zum Teil kühlen und regnerischen Bedingungen: „Es war echt

hart!“ Aber es war auch sehr schön.

Auch beim Spitzenfeld hatte der diesjährige Marathon in der Main-Metropole einiges

zu bieten. Neben dem Sieger Fikre Tefera aus Äthiopien mit seiner Finisherzeit von

2:07:08 Stunden schaffte die schnellste Frau einen neuen Streckenrekord und wurde

somit die zwölftschnellste Frau der Welt. Valary Aiyabei aus Kenia lief eine Zeit von

2:19:10 Stunden. Katharina Steinruck schaffte das gesteckte Ziel, die Olymia-Norm

zu unterbieten, und kam mit 2:27:26 auf dem roten Teppich in der Festhalle an. „Als

ich beim Einlauf in die Festhalle gesehen habe, dass es eine 27er-Zeit wird, war es sehr

cool. Heute habe ich viel Selbstbewusstsein gesammelt. Es war ein grandioses Erlebnis

hier zu Hause in Frankfurt“, so das Resümee der Athletin.

14.196 Läuferinnen und Läufer aus 110 Nationen sind am letzten Oktobersonntag an

den Start gegangen. Auch RUNNING-Autor und Teilnehmer an unserem letztjährigen

Trail-Workshop in

Freiburg, Benjamin

Wehbring, lief eine

Traumzeit: 2:35:53

benötigte er bis zur

Finish-Line. An alle

Finisher gehen unsere

Glückwünsche.

Frankfurt hat sich als

Top-Marathon auch

dieses Jahr wieder

bewiesen und bleibt

ein erstklassiger

Lauftipp für alle

Aktiven.

Plötzliches Ende

Nach den erneut geäußerten Doping-

Vorwürfen gegen Cheftrainer Alberto

Salazar hat Nike das Oregon Project

kurzerhand beendet. Dies bestätigte

Nike der DPA. Konstanze Klosterhalfen,

die ebenfalls im Rahmen dieses

Projektes trainierte und bei der

Leichtathletik-WM in Katar Bronze

über 5.000 Meter gewonnen hat,

möchte weiter in Oregon trainieren.

Der Trainingscampus befindet sich auf

dem Hauptgelände des Sportartikelherstellers

Nike.

Fotos: Ralf Graner Photodesign, Carsten Drecoll, New Balance, PPMR Rafa Babot

8 | RUNNING | 1/2020


Verlosung

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Lebendigkeit, die für das Fitnessstudio, die Laufstrecke

oder die Straße entwickelt wurde.

Zur Teilnahme senden Sie bis zum 14. 01. 2020 eine E-Mail mit Ihrer

Schuhgröße und dem Stichwort „New Balance“ an: gewinnspiel@

running-magazin.com

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, es besteht kein Anspruch auf die Auszahlung des entsprechenden

finanziellen Gegenwertes. Die Ermittlung der Gewinner erfolgt am 16.01.2020. Der Gewinn wird unter allen

Teilnehmern mit dem genannten Stichwort ausgelost. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt (per E-Mail).

Die von Ihnen angegebenen Daten werden nach Beendigung des Gewinnspiels gelöscht und nicht an Dritte weitergegeben

mit Ausnahme der Gewinnerdaten, welche an den Preisstifter zum Versand des Gewinns weitergereicht werden.

Deutscher Doppelsieg in Mallorca

Der Zafiro Palma Marathon auf Mallorca darf durchaus als deutscher

Marathon bezeichnet werden, etwa 40 Prozent der Starter kommen jedes

Jahr aus der Bundesrepublik. In diesem Jahr waren darunter auch die beiden

Sieger, Silvia Felt (3:04:32 Stunden) und Nikki Johnstone, Asics Frontrunners/LAZ

Puma Rhein Sieg (2:28:46 Stunden). Mehr zum Event gibt’s in

unserer Ausgabe 2/2020, die im Januar erscheint. Auf die nächste Austragung

am 11.10.2020 darf man sich schon mal freuen.

DOPPELPASS: Beim Palma de Mallorca Marathon siegten

Silvia Felt (im Bild) und Nikki Johnstone.

Red Bull All In

Der Red Bull All In Hindernislauf in Oberstdorf

gilt als einer der spektakulärsten und härtesten

Hindernisläufe des Jahres. Nach der erfolgreichen

Premiere im Vorjahr kehrt der Extrem-

Hindernislauf auch dieses Jahr an die Skiflugschanze

in Oberstdorf zurück. In einem

Knock-out-Modus steht den Teilnehmern ein

2,5 Kilometer langer Parcours mit 15 Hindernissen

und 200 Höhenmetern bevor. Die neuen

Hindernisse erfordern Geschick, Mut und jede

Menge Kraft und Ausdauer. Packende Duelle

garantiert der Knock-out-Modus: Nur die Besten

ziehen in die zweite Runde ein. Wer auch da

schnell genug ist, läuft im großen Finale gegen

die Stärksten der Starken. Adrenalinjunkies

freuen sich jetzt schon auf das Event am

14.12.2019.

Weitere Infos unter:

www.redbull.com/de-de/

events/all-in

RUNNING | 1/2020 | 9


WARM UPKirchberg hakt nach

K•RCHBERG HAKT NACH

IST LAUFEN

SCHÄDLICH FÜR DIE

SCHÖNHEIT?

Normalerweise sprechen wir mit Experten, die dem Laufen gesundheitsfördernde

Effekte zuschreiben. Schließlich haben unzählige

Studien die positiven Auswirkungen des Ausdauersports

belegt. Daher waren wir neugierig, als wir erfuhren, dass ein

plastischer Chirurg aus New York zumindest in puncto Schönheit

anderer Meinung ist. Der an der Park Avenue in New York praktizierende

Mediziner erläuterte uns seine Meinung. Für Tipps zum

gesunden Laufen empfehlen wir Ihnen unsere Titelstory Seite 20.

ANNE KIRCHBERG

Die investigative Journalistin

arbeitet seit über 20 Jahren für

Magazine, Tageszeitungen und

Radiosender. Dabei liegt

Kirchbergs Schwerpunkt auf

dem Sport- und Gesundheitsbereich.

Ihre sympathische

Hartnäckigkeit zeichnet sie aus.

Privat spielt das Laufen bei ihr

eine große Rolle.

• KIRCHBERG: Sie vertreten die These,

dass Laufen nicht gut für die Haut ist –

warum?

KIRWAN: Die hydraulische Wirkung

des Auf- und Abspringens löst die faserige

Verbindung zwischen der Haut sowie

den tiefen Schichten zwischen Muskeln

und Knochen. Dadurch sackt die

Haut ab. Die Kalorienverbrennung während

des Laufens erzeugt eine Art „Versickerung“

von subkutanem Fett sowie

Muskeln („kannibalisiertes Protein“), das

wiederum die Skelettunterstützung für

die Haut verringert. Der Fett- und Muskelverlust

beim Laufen ist meiner Erfahrung

nach irreversibel. Der größte Teil

des Verlusts findet am Oberkörper statt,

wodurch ein „birnenförmiges“ Aussehen

entsteht. Da die gleichen Muskeln beim

Laufen immer wieder verwendet werden,

können sie manchmal sogar schlaff und

nicht straff werden, sodass gerade die

Muskeln der unteren Extremitäten teilweise

gar nicht straff werden, wenn der

Läufer nicht zusätzlich ein Gewicht- und

Intervalltraining absolviert.

• KIRCHBERG: Macht es einen Unterschied,

auf welchem Untergrund man

läuft, wie oft oder welche Streckenlänge

trainiert wird?

KIRWAN: Laufen auf Asphalt sollte verboten

werden. Aus den oben genannten

Gründen sollte man definitiv nur auf

weichem Untergrund laufen. Zudem ist

es schwieriger, beispielsweise auf Gras zu

laufen. Dies beansprucht gleichzeitig

mehr Muskeln im Fuß, in der Wade und

an den Hüftbeugern. Noch besser wäre

es, in hohem Gras oder durch flaches

Wasser am Strand zu laufen. Je länger

man auf einem harten Untergrund wie

einer Straße oder dem Bürgersteig läuft,

desto mehr schädigt man die Haut und

das Fettgewebe, und auch die tragenden

Gelenke wie Knie und Hüfte. Ich weiß,

wovon ich rede, denn früher war ich ein

großer Läufer und kann jetzt kaum noch

über die Straße rennen, obwohl ich noch

prima Treppen steigen kann.

• KIRCHBERG: Beeinflusst das Gewicht

des Läufers die Schädigung der Haut beim

Laufen?

KIRWAN: Wenn jemand schwer ist,

wird besonders die Belastung der Gelenke

viel größer. Es gibt ja auch keine

übergewichtigen kenianischen Marathonläufer.

Dünn zu sein ist ein Vorteil

für einen Leistungssportler, aber magersüchtig

zu sein oder an Bulimie zu leiden

ist natürlich ganz und gar nicht förderlich

für die Gesundheit des Körpers und

wird mit Sicherheit das Aussehen zerstören.

Wenn man den verheerenden Fettabbau

bei HIV-Patienten betrachtet,

sieht man es ganz deutlich: Sie verlieren

zuerst Gewicht. Und wer generell Gewicht

verlieren möchte, tut dies zu 90

Prozent erstmal durch eine Diät und nur

der Rest ist Bewegung. Denn wenn man

besonders hart trainiert, entsteht ein

enormer Appetit und man nimmt mitunter

mehr Kalorien auf, als man beim

Training verbraucht hat.

• RUNNING: Welche Teile der Haut sind

beim Laufen besonders betroffen?

KIRWAN: Es betrifft den gesamten Körper

von Kopf bis Fuß. Die Oberkörpermuskulatur

und das Fett werden bevorzugt

reduziert und das Gegenteil geschieht

im Unterkörper. Es lässt sich

nicht ignorieren, dass beim Joggen die

weiblichen Brüste geschützt werden

müssen. Der beste Weg ist ein moderates

Laufen in Kombination mit Radfahren,

Schwimmen oder anderen alternativen

Fitness-Angeboten.

Experte: Dr. Laurence Kirwan

Job: Plastischer Chirurg

Homepage: www.drkirwan.com.

Foto: Laurence Kirwan

10 | RUNNING | 1/2020


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Absolut wintertauglich

Ein Schuh mit wasserdichtem Gore-Tex®

Obermaterial und praktischem BOA® Fit

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Im Einsatz: Bluesign zertifiziertes

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konstant trainieren und Kilometer sammeln möchten. Denn warum

die Trainings-Routine ändern oder unterbrechen, nur weil Schnee

und Eis auf den Straßen liegt? Der Fokus liegt deshalb auf Komfort

und Grip in der kalten Jahreszeit: Damit bei niedrigen Temperaturen

Raum zur Bewegung bleibt, ist der Leisten des NewRun so geformt,

dass der Fuß in einer geräumigen Zehenbox und geraden Zehenlinie

steht. So kann sich eine isolierende Warmluftschicht zwischen Schuh

und Fuß bilden. Die gut gedämpfte Sohle (7 mm Drop) bietet dem

Läuferfuß Komfort und Stabilität zugleich – auch auf langen

Strecken. Mit der RB9® Gummimischung oder den BUGrip Hartmetallspikes

– im NewRun fühlt sich das Laufen auf winterlichem

Untergrund an wie ein lässiger Spaziergang. Für Herbst- und

Winter-Läufe auf Asphalt, Schotterpisten und im Stadtpark.


WARM UPAmuse Gueule

EURASISCHER

GRENZGANG

HALBZEIT BEIM TRANSURAL

von Dr. Michele Ufer

Wenn Sie Magnitogorsk für eine russische Wodka-Marke halten,

Lust auf Russisch-Roulette für Trailrunner haben oder einfach nur

ein richtig schönes Lauf-Abenteuer jenseits ausgetretener Pfade

genießen möchten, dann sollten Sie weiterlesen.

HÜGEL-LANDSCHAFT: Der mittlere und

südliche Ural sind keine Hochgebirge.

12 | RUNNING | 1/2020


Wissenswertes

Location-Check

ETAPPENWEISE: Der TransUral ist als

Rennserie über vier Jahre konzipiert.

Das Ural-Gebirge wird als die geografische

Grenze zwischen Europa und

Asien angesehen und erstreckt sich über

eine Länge von 2.400 Kilometern vom

Nordpolarmeer bis zur kasachischen

Nordgrenze. Der nördliche Ural (nördlich

65° nördl. Breite) heißt auch Polarural.

Er ist von Gletschern gekennzeichnet

und erreicht eine Höhe bis circa 1.800

Metern. Der mittlere und südliche Ural

ist flacher und weist Sumpf- und

Waldgegenden auf. Wegen der reichen

Bodenschätze ist der Ural eine wichtige

Bergbau- und Industrieregion.

Workuta

URAL

Magnitogorsk

Jekaterinburg

Irgendwann im März letzten Jahres

bin ich zufällig auf einen Hinweis

zum TransUral-Rennen gestoßen.

Große Resonanz schien es in der internationalen

Community nicht zu erzielen,

aber mein Interesse war geweckt. Ich

schaute mir die Website etwas genauer

an und war sogleich angefunkt. Zwar

waren die meisten Infos nur auf Russisch

verfügbar. Aber das, was ich lesen und

vor allem an Fotos sehen konnte, reichte

aus, dass sich eine innere Stimme meldete

und entschied: „Da simma dabei.“

Zu der Zeit steckte ich in den Arbeiten

an einem Buch, bei dem es um den bewussteren

und souveränen Umgang mit

den eigenen Grenzen geht. Das Trans-

Ural-Rennen schien mir aus zweierlei

Gründen die perfekte läuferische Ergänzung

meines literarischen Treibens.

ZWISCHEN EUROPA

UND ASIEN

Erstens erstreckt sich der Lauf entlang

des Uralgebirges, welches geografisch die

europäisch-asiatische Grenze markiert.

Gleichzeitig über Grenzen zu schreiben

und auf einer zu wandeln, schien mir ein

attraktiver Gedanke, zumal das Ganze

eine gehörige Portion Abenteuer versprach.

Zweitens muss heutzutage gefühlt

fast jedes zweite neue Rennen irgendwie

noch härter, schwieriger, extremer,

länger sein. Mit entsprechenden

RUNNING | 1/2020 | 13


WARM UPAmuse Gueule

GRAS UND WALD: Bush-Running statt Trailrunning.

SINGLE-TRAILS: Anstiege wurden mit

entsprechender Aussicht belohnt.

Attributen wird zumindest nicht gegeizt.

Der TransUral-Lauf ist anders. Man

hätte ihn als langes, schwieriges Monster-Rennen

aufsetzen können. Hat man

aber nicht, sondern das Ganze stattdessen

als Rennserie über vier Jahre konzipiert

und damit einen Gang zurückgeschaltet.

VIER ETAPPEN À VIER TAGE

Jedes Jahr wird vom südlichsten Punkt

bis in arktische Gefilde am Nordpolarmeer

ein Teilstück zwischen ca. 140 und

160 Kilometern absolviert. Jedes Teilstück

wiederum wird als eigenständiges

Etappenrennen über vier Tage veranstaltet

und kombiniert im Süd-, Mittel-,

Nord- und Polar-Ural die schönsten

Strecken der jeweiligen Region. Die

recht große Distanz wird in appetitliche

MOTIVIERT: Beim TransUral werden auch die russischen

Trailrunning-Meisterschaften ausgetragen.

Häppchen entzerrt und nimmt dem

Ganzen ein wenig die Schärfe. Eine attraktive

Vorstellung. Zwar sind die meisten

Athleten ausgesprochen motiviert,

schließlich werden hier auch die russischen

Trailrunning-Meisterschaften ausgetragen.

Aber es gibt großzügige Cutoff-Zeiten,

die auch ein gemächliches

Unterwegssein erlauben. Von 2014 bis

2017 fand der erste Durchgang statt. Im

Juni 2018 startete ein neuer Turnus im

Südural, gefolgt vom Mittelural im Jahr

2019 und ich war dabei. Nach knapp

300 Kilometern und 7.500 Höhenmetern

ist quasi Halbzeit. Zeit für einen

ersten Rückblick.

ABWECHSLUNGSREICH: Der

Parcours kombiniert die

schönsten Strecken in der

jeweiligen Region.

BEREITS BEKANNT

Kurz nach meiner Anmeldung kontaktierten

mich Stefan und Sandra aus Berlin.

Sie wollten ebenfalls teilnehmen, sahen

meinen Namen auf der Teilnehmerliste

und fragten, ob ich genauere Infos

hätte. Hatte ich leider auch nicht, aber

das schreckte die beiden nicht ab, sich

ebenfalls anzumelden. Somit sollten wir

drei die ersten und einzigen internationalen

Läufer beim Auftakt im tiefsten

Süden des Urals sein. Wir hinterließen

einen bleibenden Eindruck. Nicht wegen

unserer läuferischen Qualitäten, das

sei vorweggenommen, sondern wegen

unserer Vorliebe für leckeres Bier. Zur

optimalen Einstimmung vor der ersten

Etappe ein Muss, nach den jeweiligen

Etappen ebenfalls. Wir ernteten skeptische

Blicke, waren aber das mit Abstand

fröhlichste Grüppchen. Und das hat

man sich gemerkt. Im Folgejahr bekam

ich, diesmal der einzige ausländische

Läufer vor Ort, bei der Ankunft im Mittelural

unter großem Applaus direkt zwei

Flaschen Bier als Willkommensgeschenk

überreicht.

ANREISE

Ausgangspunkt für den Auftakt im Südural

war der kleine Wintersport- und

Luftkurort Abzakovo. Aber wo bitte liegt

denn das und wie kommt man dort hin?

14 | RUNNING | 1/2020


WILDNIS: Wildpferde auf

den Graslandschaften des

mittleren Ural.

GIPFELSTURM:

Mitunter galt es,

Felsklippen zu

erklimmen.

GUT VERSORGT: Trotz

Pflichtausrüstung

gab es genügend

Streckenverpflegung.

Im Prinzip ist es ganz einfach: Man

nimmt den Flieger von Moskau bis kurz

vor Kasachstan. Der Zielflughafen liegt

in der Stadt Magnitogorsk. Meine ersten

Recherchen ließen mich allerdings ein

wenig erschaudern und zweifeln, ob die

Anmeldung eine gute Entscheidung war.

Der Grund: Magnitogorsk zählt zu den

35 dreckigsten Orten der Welt. Das

Zentrum für Eisen- und Stahlproduktion

erinnert an den Ruhrpott vor 50

Jahren. Das war ein Schock, nicht gerade

das, was ich mit einem Trailabenteuer

(oder einem guten Wodka) verbinde,

und erinnerte mich mal wieder daran,

wie gut wir es daheim auch im Ruhrgebiet

haben.

IN RUSSISCHER NATUR

Aber dann wurde – zumindest für uns

Läufer – alles gut. Nach einer zweistündigen

Fahrt war das Basecamp mitten in

der Natur erreicht. Wir logierten in einer

Ferienanlage mit Wohnhäusern, Spielund

Sportstätten von typisch russischem

Charme. Alles wirkte ein wenig zerfallen

und trist, aber funktionierte. Meistens.

Ein Duschgang wurde stets zum Glücksspiel:

kommt Wasser oder nicht? Und

wenn ja, ist es brühend heiß oder eiskalt?

Meist versiegt es natürlich, wenn man

gerade eingeseift ist. Im zweiten Jahr lag

das Basecamp circa zwei Stunden von

der Millionenstadt Jekaterinburg entfernt,

direkt an einem schönen See inklusive

Badestrand. Das Wasser: eiskalt,

gut zur Regeneration. Geschlafen wurde

in Miniblockhütten, die im Wald verteilt

waren. Sehr idyllisch, wären da nicht die

Killermücken, die jeden Gang zum Klooder

Waschhaus zur Grenzerfahrung

machten. Natur halt. Während bei anderen

Etappenläufen der Übernachtungsspot

meist täglich wechselt, genossen wir

den Luxus, abends am gleichen Ort zu

bleiben und nicht immer alles packen zu

müssen. Der verkraftbare Nachteil:

TransUral 2018–2021

DIE ETAPPEN

Jeden Tag gab es entsprechende Start-/

Ziel-Bustransfers.

VERPFLEGUNG GESICHERT

Die Organisation war sehr professionell

und bei beiden Rennen vom Ablauf her

gleich. Jeden Morgen fand nach dem gemeinsamen

Frühstück ein Ausrüstungscheck

statt. Zum Pflichtequipment gehörte

neben den sicherheitsrelevanten

Dingen auch Verpflegung mit 1.000 Kalorien.

Die brauchte man zwar während

des Rennens nicht, da es genügend Verpflegungsposten

mit den üblichen

Die folgende Übersicht fasst die bisherigen Etappenlängen zusammen. Diese

wurden mitunter kurzfristig an die örtlichen Gegebenheiten angepasst und

gekürzt. Das minderte die Attraktivität allerdings in keiner Weise.

Infos zu den nächsten Rennen: https://transural-run.com/

Südural (2018) Mittelural (2019)

Tag 1 45 km, 1670 Hm 40 km, 950 Hm

Tag 2 17 km, 900 Hm 30 km, 750 Hm

Tag 3 39 km, 930 Hm 42 km, 730 Hm

Tag 4 35 km, 1000 Hm 42 km, 530 Hm

Gesamt 136 km, 4500 Hm 154 km, 2960 Hm

RUNNING | 1/2020 | 15


WARM UPAmuse Gueule

TROPHÄEN: Neben den Finishermedaillen gab

es auch nach jeder Tagesetappe eine kleine

Trophäe.

RUN EAT SLEEP REPEAT

Durch die perfekte Organisation dieses

„All-Inclusive“-Laufs – Unterkunft und

Vollverpflegung während der gesamten

Zeit waren Teil des im Vergleich zu

hiesigen Events äußerst preisgünstigen

Pakets – kam ich in einen sehr angenehmen

Erlebnismodus. Nach all dem

Stress, Multitasking und permanenten

Grundrauschen in der Heimat, bei dem

ich andauernd an alles Mögliche denken

musste, verfiel ich in der lieblichen

Landschaft weitab eines stabilen Internetempfangs

regelrecht in einen „Run-

Eat-Sleep-Repeat“-Modus. An nichts

denken, nichts organisieren und einfach

nur laufen. Fantastisch. Allerdings spürte

ich gegen Ende des zweiten Rennens,

dass ich mich nun auch sehr auf die

nächsten beiden Rennen freue, die uns

in schroffere, höhere, extremere Gefilde

führen und am Nordpolarmeer enden

werden.

Snacks und als Dreingabe russische Leckereien

wie Schweineschwarten gab.

Aber man sollte energetisch auf der sicheren

Seite sein, falls man sich verlaufen

und eine Weile im Gelände umherirren

würde. Verlaufen war jedoch schwierig,

da die Strecken stets exzellent markiert

waren. Hinzu kam, dass wir für

jede Etappe einen DIN-A4-Flyer mit

Kartenauszug, Route, Höhenprofil, VP-

Standorten, einigen Hintergrundinfos

und Highlights erhielten. Im Ziel jeder

Tagesetappe gab es eine kleine Trophäe

in Form eines Armbandes, Anhängers

oder einer Halskette. Sehr charmant.

Außerdem warteten ein DJ mit cooler

Musik, Drinks und ein erstes warmes

Essen, serviert aus einer riesigen Schale

auf einem Holz feuerofen, auf die ausgepowerten

Athleten. Nach dem Abendessen

gab es neben Vorträgen und Siegerehrungen

stets ein langes, detailliertes

Briefing für den Folgetag. Natürlich auf

Russisch. Die englische Zusammenfassung

für uns bzw. mich dauerte ein bis

zwei Minuten, war aber völlig ausreichend.

Laufen kann so einfach sein.

uns Skipisten hinauf, was manchmal etwas

Kletterei erforderte, aber auch mit

entsprechender Aussicht belohnt wurde.

Hin und wieder ging es durch Sümpfe

und es lockte eine Runde „Russisch-

Roulette für Trailläufer“: Halten die vereinzelt

aus dem Sumpf herausragenden

Grasbüschel unserem Schritt stand oder

halten sie nicht? Rutscht man an ihnen

ab oder nicht? Falls nicht, konnte man

knietief versinken und mit etwas Pech

ohne Schuh wieder herauskommen.

RUSSISCH LAUFEN

Während der beiden Rennen habe ich

die russischen Läufer ernst und eher verschlossen

wahrgenommen. Beim Laufen

gab es selten Emotion, wenig gegenseitiges

Anfeuern, kaum Gespräche. Für die

Spitzenläufer konnte ich das nachvollziehen,

weniger aber für die Genussläufer

im mittleren und hinteren Feld. Darüber

habe ich im Südural mit dem Psychologen

und Psychotherapeuten Mihaly diskutiert.

Er lieferte eine interessante Erklärung.

„Man müsse das Verhalten historisch

im Kontext der politischen Entwicklungen

bzw. Zustände betrachten.

Oft war/ist es besser, sich mit seiner

Meinung und seinen Emotionen zurückzuhalten

und sie nicht offen zu zeigen.

Und das prägt.“ Dieses Jahr habe ich erneut

mit einem Läufer darüber gesprochen,

der ebenfalls Mihaly hieß. Er ergänzte:

„Aber wenn dir jemand nach einer

Weile vertraut und sich dir öffnet,

dann, so ein Sprichwort, möge er sterben,

wenn er dir nicht hilft.“ Ok, ok,

ganz so weit muss es nach meinem Geschmack

nicht kommen, aber zwei Flaschen

Bier zu meiner Ankunft im Nordural

nächstes Jahr fände ich schon

klasse. Wásche sdarówje (Prost).

TRAIL-ROULETTE

Die Strecke führte bisher durch wunderschöne

Mittelgebirge. Es gab ohne Ende

Single Trails, die teils durch richtiges

Dickicht führten und eher etwas von

Bush-Running denn von Trailrunning

hatten. Wir liefen entlang tief zerfurchter,

matschiger Forstwege, die herausfordernd

für die Gelenke waren, durchquerten

Flüsse, märchenhafte Birkenwälder

und ausgedehnte saftige Wiesen, wie

ich sie daheim kaum kenne. Wir erklommen

felsige Berggipfel und quälten

ETAPPENZIEL: Der Autor vor dem Finisherbogen.

Fotos: TransUral, Michele Ufer

16 | RUNNING | 1/2020


WARM UPLebenslauf

LEBENSLÄUFE: VON LESERN F•R LESER

Manuel Tello,

72 Jahre,

Marathonläufer

NAME: Manuel Tello

ALTER: 72

SCHÖNSTER LAUF: Santiago de Chile Marathon

LIEBLINGSDISTANZEN: Marathon

LAUFSCHUH-MARKE: Adidas

… von Max Dehe

Als Manuel Tello Mitte 60 war, starb seine Frau. Er beschloss,

wieder mit dem Laufen anzufangen. Das hatte

er seit seiner Jugendzeit nicht mehr gemacht. Zu Anfang

zehn Kilometer, dann 21 und schließlich Marathon. Er gewann

bei allen Wettkämpfen in seiner Altersklasse und merkte,

dass er es noch konnte. Seine bisherigen Höhepunkte waren der

zweite Platz beim Halbmarathon des Südamerikanischen Kontinents

vor zwei Jahren sowie der erste Platz beim Marathon von

Santiago de Chile im April 2018.

Manuel wurde am 8. Mai 1947 als drittes von zehn Geschwistern

in der Region Coquimbo circa 500 Kilometer nördlich von

Santiago geboren. Als er sieben Jahre alt war, zogen seine Eltern

nach Tongoy, einem malerischen Fischerort an der Pazifikküste.

Man konnte hier eigentlich nur Fischer werden. So fuhr Manuel

mit seinem Vater hinaus aufs Meer und erlernte das Handwerk.

Mit 18 kam er zum Militär, wo man sehr schnell auf seine

leichtathletischen und läuferischen Fähigkeiten aufmerksam

wurde. Leider wurde er aber nie richtig gefördert.

Er setzte sich früh für eine gerechte Entlohnung und gute Arbeitsbedingungen

der Fischereiarbeiter ein, was zur Zeit des demokratisch

gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende

Unterstützung fand. Als sich im September 1973 aber eine

Militärdiktatur an die Macht putschte, war Manuel plötzlich ein

Linksextremist und Krimineller. Ihm blieb keine andere Wahl als

die Flucht vor Folter und Gefängnis. Er setzte sich nach Argentinien

ab, arbeitete dort gut zwei Jahre in Buenos Aires, bis auch in

Argentinien eine Militärdiktatur die Macht übernahm. Als chilenischer

Flüchtling war er automatisch verdächtig, bekam ständig

Probleme mit der Polizei und landete im Gefängnis.

Ihm gelang abermals die Flucht, er rettete sich auf einen griechischen

Frachter, versteckte sich als blinder Passagier in einem leeren

Weinfass, und kam erst zum Vorschein, als das Schiff im dänischen

Aalborg anlegte. Hier bekniete er den griechischen Kapitän,

ihn nicht auszuliefern und der hatte ein Nachsehen und

verschaffte ihm sogar Arbeitspapiere. 1981 wurde er als politischer

Flüchtling anerkannt. Mit seiner Freundin sowie ihrem

gemeinsamen vierjährigen Sohn fand er in Hamburg in der

Hochhaussiedlung „Mümmelmannsberg“ eine Heimat. Hier

wurde auch ihr Sohn Nils geboren. Leider konnte Manuel Tello

nie mehr richtig Sport treiben. Er musste immer Geld verdienen,

denn er hatte das Ziel, irgendwann nach Tongoy zurückzukehren

und sich vom ersparten Geld ein kleines Haus zu kaufen.

Den Hamburg Marathon hat er sich angeschaut, es war für ihn

aber immer ein Tabu, mitzulaufen.

1995 kehrten sie zurück nach Chile und erfüllten sich den

Traum vom kleinen Haus am Meer. Als ich vor einiger Zeit bei

Manuel zu Gast war und in den südlichen Sternenhimmel

schaute – es wehte eine leichte Brise vom Pazifik – sagte er mir:

„In Hamburg waren wir sehr glücklich. Wir hatten eine schöne

Wohnung, Arbeit und fühlten uns sicher und es war das erste

Mal, dass ich keine Angst vor der Polizei hatte. Am schönsten

war, wenn ich nach Feierabend von Hauptbahnhof Nord mit

der U3 nach Hause nach Mümmelmannsberg fahren konnte.“

Die Betonwüste Mümmelmannsberg und die von Palmen umsäumte

Pazifikküste vor Manuels Haus in Tongoy: größer kann

der Kontrast kaum sein!!!

Manuel ist absoluter Autodidakt. Er hat keinen Sponsor, weder

für Laufschuhe noch für Funktionskleidung, noch hat er Ernährungsberater

oder Trainer. Er isst gern Fisch, Gemüse mit etwas

Reis und dazu ein Schlückchen Rotwein. Sein größter Wunsch

wäre es, noch einmal beim Hamburg-Marathon oder beim

Berlin-Marathon mitzulaufen.

Foto: privat

Haben Sie auch eine spannende Erfahrung rund um den Laufsport gemacht? Oder kennen Sie

Menschen, die aufgrund besonderer Lauferlebnisse vorgestellt werden sollten? Dann senden Sie uns doch

Ihre oder deren Geschichte mit Fotos per E-Mail an: redaktion@running-magazin.com

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WARM UPWho is Who?

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Die Läuferwelt ist voller schillernder Charaktere, einige

haben sich besonders um unseren Sport verdient gemacht.

Im folgenden Cartoon zeichnen wir grob Geschehnisse aus

dem Leben einer Persönlichkeit nach. Dieses Mal suchen

wir einen Athleten, der bei einem Marathon in Deutschland auf

besonders flotten Sohlen unterwegs war.

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Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, es besteht kein Anspruch auf die Auszahlung

des entsprechenden finanziellen Gegenwertes. Die Ermittlung des Gewinners

erfolgt am 16. 01. 2020. Der Gewinn wird unter allen Teilnehmern ausgelost.

Der Gewinner wird schriftlich benachrichtigt (per E-Mail oder auf dem Postweg).

Die von Ihnen angegebenen Daten werden nach Beendigung des Gewinnspiels

gelöscht und nicht an Dritte weitergegeben – mit Ausnahme der Gewinnerdaten,

welche an den Abodienstleister zum Versand des Gewinns weitergegeben werden.

18 | RUNNING | 1/2020


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SwimRun Rheinsberg

– erfrischend anders!

NEWBIES WELCOME: JETZT MIT SUPERSPRINT SWIMRUN

SWIMRUN

RHEINSBERG

AM 21. JUNI 2020

• ca. 23 km SwimRun

• ca. 11,5 km Sprint SwimRun

• ca. 5 km SuperSprint SwimRun

• ca. 0,9 / 1,8 / 2,7 km Youth

SwimRun

• ca. 500 m/1.000 m Bambini-Lauf

Quer durch den Wald laufen auf teilweise unbefestigten Naturwegen

oder vorbei an Schloss Rheinsberg und dem Obelisk am

gegenüberliegenden Ufer. Schwimmen durch die glasklaren Seen

rund um Rheinsberg. Das alles macht die Faszination dieses

SwimRuns aus.

Fotos: SCC EVENTS/sportograf

Schwimmhilfen wie Paddles oder

Buoys sind erlaubt, müssen aber

bis ins Ziel mitgenommen werden.

Ob als Einzelstarter oder als Team,

ob über eine Runde beim Sprint oder

zwei bei der Langdistanz: Der Wechsel

zwischen den drei Elementen Wasser,

Erde und Luft ist ein einzigartiges Naturerlebnis.

Und ganz neu ist nun die Distanz

SuperSprint, die besonders für Einsteiger

geeignet ist.

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Warum nicht gleich richtig entspannen

und den Zauber von Rheinsberg und

Umgebung ein ganzes Wochenende

lang genießen? Direkt am Seehotel

Rheinsberg befinden sich die Registrierung,

der Start und der Zieleinlauf. Die

SwimRun Messe mit interessanten Angeboten

beginnt sogar schon am Wettkampf-Vortag.

Bequemer geht’s nicht.

Also einfach einchecken und ganz genüsslich

dem Startschuss entgegenfiebern.

Wer noch bis Montag bleibt, erfährt

die herrliche Leichtigkeit nach

dem Wettkampf mit allem Komfort.

Natürlich gibt es auch noch viele andere

Unterkünfte in unmittelbarer

Nähe des Wettkampfgeschehens.

IM TEAM GEHT’S LEICHTER

Wer im Zweier-Pack unterwegs ist, darf

sich an keiner Stelle der Strecke mehr als

zehn Meter voneinander entfernen. Um

den Kontakt nicht zu verlieren, kann

man den Partner an die Leine nehmen.

Es geht aber auch ohne. Eins ist jedoch

sicher: Der Spaßfaktor steigt und die gegenseitige

Motivation hilft über kleine

Tiefs hinweg. Seite an Seite im selben

Atemrhythmus in Richtung Ziel

schwimmen: Das ist der ultimative

SwimRun-Spirit.

Vom Seehotel

Rheinsberg, das

Start und Ziel ist,

geht es durch eine

Wald- und

Seenlandschaft, die

schon Fontane auf

seinen Wanderungen

beschrieben

hat. Die Langdistanzler

absolvieren

zwei Runden.

L15

Warenthin

17

6

5

18

Großer

Linowsee

600

m

16

4

19

7

15

SWIMRUN PARADIES

RHEINSBERG

Eingebettet in den Naturpark Stechlin-

Ruppin lockt Rheinsberg mit einer Vielzahl

an Seen in der unmittelbaren Umgebung

– das perfekte Setting für einen

SwimRun. Die kürzeren Distanzen und

ruhigen Gewässer ermöglichen einen

idealen Einstieg für Einzelstarter oder

SwimRun-Teams. Die Hauptstrecke mit

neun Schwimm- und zehn Laufstrecken

führt über rund 23 km. Daneben gibt es

aber auch eine Sprintdistanz mit

11,5 km.

Rheinsberger See

swimrun-rheinsberg.de

SwimRun Rheinsberg

07. Juli 2019

Streckenplan 19

Langdistanz

Kurzdistanz

Youth SwimRun

Bambinilauf

10

5 Kilometerangabe

200 Schwimmdistanzen

m

Versorgung

300

m

3

8

20

14

2

200

m

Böbereckensee

21

Rheinsberger

See

9

10

22

1

13

Nur in

2. Runde

11

Grienericksee

START

ZIEL

23

450

m

12

Rheinsberg

B122

Vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung.

Richtung Neurup


RUNNING COACH Titelstory

Kariem Hussein

„Richtig ausgeführt hilft das Laufen

Ihrer Gesundheit auf vielerlei

Weise“, sagt Kariem Hussein,

Europameister über 400 Meter

Hürden und Arzt – sowie begeisterter

Läufer, der nicht nur im Sprint

Akzente setzt, sondern auch die

Erholung und Schlaf fördernde

Wirkung des leichten Joggens zu

schätzen weiß. Sein Tipp für

ambitionierte Läufer: Relax more!

Denn die Leistungssteigerung

findet während der Erholungspausen

und nicht während des

Trainings statt.

Foto: Claudia Larsen/Türich

20 | RUNNING | 1/2020


Laufen Sie sich

gesund!

EIN LEITFADEN ZUM ANATOMISCH RICHTIGEN LAUFEN

Die Laufstile sind so vielfältig wie die Läufer. Viele Aktive jedoch sind

mit mangelhafter Technik unterwegs, die immer wieder zu den

klassischen Beschwerden führt, vorzugsweise in Knie, Hüfte, Rücken

und – eben – den Füßen, Sprunggelenken und Sehnen. Mit ihrem

Buch „Medical Running“ haben drei Schweizer Autoren jetzt ein

praxisnahes Werk zum anatomisch richtigen Laufen herausgebracht,

das wir Ihnen hier vorstellen – einschließlich einiger exemplarischer

Übungen.

22 LAUFEN IST DIE BESTE MEDIZIN

So sind Sie gesund unterwegs dank richtiger Technik und

angepasstem Training.

26 ERKENNE DICH SELBST

Los geht’s mit der Laufanalyse. Die folgenden 18 Fokuspunkte

decken nahezu alle Aspekte Ihrer Lauftechnik und Ihres

persön lichen Laufstils ab.

28 ÜBUNGEN ZUR LAUFTECHNIK

Frequenz und Schrittlänge + Oberkörperhaltung + Fußaufsatz

30 ÜBUNGEN ZUR STABILISATION

Beinhub + Becken- und Hüftmuskulatur + Fußführung + Fußund

Beinachsen-Stabilität + Vorfußtraining

RUNNING | 1/2020 | 21


TITELSTORYMedical Running

Laufen ist die

beste Medizin

GESUND UNTERWEGS DANK RICHTIGER TECHNIK

von Carsten Drecoll

NATUR ERLEBEN UND SPASS HABEN:

Diese beiden Motive stehen für viele

aktive Menschen im Mittelpunkt.

Dass unser Sport gut für die Gesundheit ist, dürfte unbestritten

sein. Dennoch haben viele Aktive immer wieder mit Verletzungen

und Überlastungen zu kämpfen. Die Autoren Dr. Christian Larsen,

Sandra Zürcher und Joachim Altmann haben nun ihren Ansatz des

„Medical Running“ vorgelegt, eine Anleitung zum gesunden Laufen

dank optimierter Lauftechnik und aufgrund der Spiraldynamik.

Wir stellen Ihnen diesen Ansatz hier vor.

Laufen ist neben dem Radfahren der

beliebteste Volkssport. Etwa 25

Prozent aller Deutschen geben an,

hin und wieder oder eben regelmäßig die

Schuhe zu schnüren. Eine Milliarde

Laufschuhe werden jedes Jahr weltweit

verkauft. Und auch dieses Jahr konnte

der Berlin-Marathon trotz nassen Wetterverhältnissen

wieder einen Teilnehmerrekord

verbuchen. Das Motivationsspektrum

ist breit: Natur und Spaß erleben,

die eigene mentale wie körperliche

Widerstandsfähigkeit zu fördern, mal

den Kopf frei zu bekommen, beim Trailrunning

die herrlichen Berge zu erleben

– und vor allem etwas für sich, für die

eigene Gesundheit zu tun und Krankheiten

vorzubeugen.

22 | RUNNING | 1/2020


TRAINIEREN MIT, NICHT

GEGEN DEN KÖRPER

Dennoch gibt es unzählige „Läuferbeschwerden“,

die auch in unserem Magazin

regelmäßig Thema sind. In unserer

Sonderausgabe RUNNING Health haben

wir gerade erst zusammengefasst,

wie sich Verletzungen und Überlastungen

(etwa Läuferknie, Fersenschmerz

oder Schienbeinkantensyndrom) überwinden

lassen. Unsere medizinischen

Experten kamen dabei hinsichtlich der

Ursachen zum immer gleichen Ergebnis:

Auf Platz eins der Gründe steht unbestritten

die Überlastung. Es wurde zu

schnell zu viel trainiert. Platz zwei, dicht

dahinter, betrifft Trainingsfehler, zum

Beispiel eine Lauftechnik, die der eigenen

orthopädischen Konstitution schadet,

oder zu wenig Rücksicht auf andere

Faktoren im Leben nimmt: Vorerkrankungen,

Stress im Beruf oder schlicht zu

wenig Schlaf. Schmerzen werden missachtet,

mitunter werden Schmerzmittel

genommen, um weiterzutrainieren oder

sogar an Wettkämpfen teilnehmen zu

können. Der Sport findet hier gegen anstatt

für und mit dem Körper statt. Das

kann so weit führen, dass Menschen mit

dem Laufen wieder aufhören, weil die

Beschwerden die Freude an der Bewegung

verderben.

BASISWISSEN:

LAUFANATOMIE

Die Basis für eine gute Lauftechnik liegt

in der Anatomie von uns Menschen begründet.

Wir bewegen uns nämlich im

aufrechten sogenannten „Kreuzgang“.

Das bedeutet, dass wir unsere Wirbelsäule

beim Gehen und Laufen abwechselnd

nach links und nach rechts drehen.

Dadurch entsteht eine Art Doppelspirale.

Dieses Spiralprinzip ist der rote

Faden der menschlichen Anatomie. Zur

Verdeutlichung können Sie einmal mit

Therabändern, die Sie kreuzweise um

den Brustkorb sowie als Spirale um

Ober- und Unterschenkel spannen, laufen.

Der abwechselnde Zug dieser Bänder

wird Ihnen die „Spiraldynamik Ihres

Körpers“ verdeutlichen. Die Kreuzbänder

im Knie oder die doppelt-schräge

Rumpfmuskulatur sind aufgrund dieses

Bewegungsprinzips entstanden. Bewegen

Sie ein Bein, dreht der Oberschenkel

nach außen, der Unterschenkel nach innen,

beim Fuß dreht die Ferse nach außen,

die Großzehe nach innen.

TRAINIEREN – ABER

RICHTIG

„Pain is temporary, glory is forever“ mag

am Endspurt eines Wettkampfs helfen,

als Trainingsmaxime taugt das Bonmot

jedoch nicht. Denn im Training ist es

entscheidend, dass die Abwechslung von

Trainingsreiz und Pause zur Regeneration

richtig gestaltet wird. Der Trainingsreiz

ist zunächst eine Belastung für

den Körper. Nur wenn dieser gefordert

wird, tritt ein solcher Reiz ein. In der an-

RUNNING-Experten

DR. CHRISTIAN LARSEN

… IST ARZT, MITBEGRÜNDER DER „SPIRALDYNAMIK“ UND BESTSELLERAUTOR: Seit

seiner Jugend ist er von Yoga fasziniert, Jogging war stets sein Ausgleichssport. Als

Arzt und Redner setzt er sich für gesunde Bewegung ein. Sein Credo lautet:

„Trainieren statt Operieren“.

SANDRA ZÜRCHER

… IST DIPLOMIERTE SPORTLEHRERIN UND LEICHTATHLETIN, ZUNÄCHST IN DER

SPRINT-DISZIPLIN. Der Laufsport, vom Sprinttriathlon bis zum Halbmarathon hat

es ihr besonders angetan. Heute ist sie Spiraldynamik-Laufspezialistin und

unterrichtet Kinder und Erwachsene.

JOACHIM ALTMANN

… IST AUSGEBILDETER PHYSIOTHERAPEUT, ULTRA-LANGSTRECKENLÄUFER UND KRAFT-

ATHLET. Sein besonderes Interesse gilt der Rehabilitation und der Sporttherapie sowie

dem Umgang mit Verletzungen und Beschwerden des Bewegungsapparates.

schließenden Pause kann der Körper auf

diesen Reiz reagieren und regenerieren.

Danach stehen alle Körpersysteme in

verbesserter Qualität und mit gestärkten

Ressourcen zur Verfügung. Mikroverletzungen

in Muskeln und Sehnen sind repariert.

Sie sind jetzt besser auf die

nächste Belastung vorbereitet, denn die

Muskeln werden stärker, die Sehnen und

Bänder belastbarer, die Pumpleistung des

Herzens ist erhöht und die Atmung ökonomischer,

auch der Stoffwechsel passt

sich an. Der Körper über-kompensiert

den Belastungsreiz. Als „Superkompensation“

ist dieser Vorgang seit Längerem

bekannt.

RUNNING | 1/2020 | 23


TITELSTORYMedical Running

LAUFANALYSE: Mit einem Tablet oder Smartphone lassen sich gute Aufnahmen machen. Wichtig: die Slow-Motion-Funktion.

DIE CRUX MIT DEM

TRAININGSPLAN

Die entscheidende Frage, wann der eigene

Körper wieder für den nächsten

Trainingsreiz empfänglich ist, kann leider

nicht pauschal beantwortet werden.

Nicht nur, dass jeder Mensch eine individuelle

körperliche Ausstattung besitzt.

Persönliche Lebensumstände wie Beruf

oder Familie, aber auch Alter oder Vorerkrankungen

machen hier den Unterschied.

Daher sind Trainingspläne niemals

ungeprüft zu übernehmen. Was für

den einen richtig ist, führt beim anderen

dazu, dass er in die Erschöpfung trainiert.

Dann führt Training nicht zu einer

Formverbesserung, sondern zu einer Verschlechterung.

Daher gilt: Lernen Sie,

auf Ihren eigenen Körper zu hören. Erfahrenen

Sportlern fällt dies leichter. Für

Anfänger kann der Blick auf die Pulsuhr

eine gute Hilfestellung sein. Messen Sie

Ihren Ruhepuls morgens vor dem Aufstehen.

Ist dieser erhöht, lässt das darauf

schließen, dass die Erholung noch nicht

abgeschlossen ist.

FERSEN- ODER

VORFUSS-LAUFEN?

Bei jedem Laufevent lässt es sich wieder

beobachten: Der Variantenreichtum an

Laufstilen verblüfft stets erneut. Läuferinnen

und Läufer sind eben unterschiedlich.

Konstitution und Kondition,

Gewicht, Streckenlänge, Tempo und

Untergrund haben einen Einfluss darauf,

wie jemand rennt. Generell lassen sich

zunächst ein aktiver und ein passiver

Laufstil unterscheiden.

Beim aktiven Laufstil ist die Schrittfrequenz

hoch und der Fuß landet auf dem

Vor- oder dem Mittelfuß. Die Bewegung

wirkt elastisch und dynamisch. Schnellere

und erfahrene Läufer sind so unterwegs.

Bei einem passiven Laufstil sind

die Schritte verhältnismäßig länger und

die Lauffrequenz geringer. Der Fuß wird

– schon wegen der längeren Schritte –

hier meist über die Ferse abgerollt. Beide

Laufstile haben Vor- und Nachteile. Der

Vorteil des Vorfußlaufens liegt in der Art

der Dämpfung, die hier über Muskeln

und Sehnen stattfindet, die wie eine

Zugfeder fungieren. Dazu müssen die

Waden- und Fußmuskeln gut trainiert

sein. Hingegen benötigt der Schuh keine

große Dämpfung. Beim Fersenlaufen

wird der Stoß durch das Fersenfettpolster

und durch die Dämpfung in der Fersenkappe

des Schuhs geleistet. Hierbei

werden Muskeln und Sehnen weniger

gefordert. Bei längeren oder nur gelegentlichen

Läufen sowie bei Übergewicht

kann dieser Stil seine Vorteile

haben.

DIE LAUFANALYSE

Da heutzutage das Aufnehmen von

Videos kein Problem mehr darstellt,

können Sie eine Laufanalyse einfach mit

Ihrem Smartphone oder Tablet durchführen.

Dabei ist eine Slow-Motion-App

oder die entsprechende Funktion Ihres

Geräts zu empfehlen. Wählen Sie eine

Strecke, die Sie kennen und achten Sie

auf einen neutralen Hintergrund. Lassen

Sie sich mit und ohne Schuhe filmen.

Für die spätere Fußanalyse benötigen Sie

Aufnahmen vom Barfußlaufen. Die

Kleidung sollte anliegen und sich vom

Hintergrund abheben. Auch hilft es,

Ober- und Unterkörper verschiedenfarbig

zu bekleiden, da so Unterschiede

zwischen diesen beiden Köperteilen

sichtbar werden. Wählen Sie verschiedene

Perspektiven und Fokuspunkte

(Brustkorb, Beine, Füße). Es sollen alle

vier Phasen der Laufbewegung erfasst

werden: Landephase, Standbeinphase,

Abrollphase und Spielbeinphase.

Buchtipp

DR. CHRISTIAN LARSEN,

SANDRA ZÜRCHER,

JOACHIM ALTMANN:

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Laufanatomie

analysieren.

Lauftechnik optimieren.

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Foto: Andreas Gonseth, Uetikon; Claudia Larsen, Zürich

24 | RUNNING | 1/2020


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TITELSTORYLaufanalyse

Erkenne dich selbst

18 FOKUSPUNKTE FÜR IHRE LAUFANALYSE

von Carsten Drecoll

Los geht’s mit der Laufanalyse. Die

folgenden 18 Fokuspunkte decken

nahezu alle Aspekte Ihrer Lauftechnik

und Ihres persönlichen Laufstils ab.

18

GESAMTBILD

1. FREQUENZ UND

SCHRITTLÄNGE

Die Schrittzahl pro Minute (Frequenz

oder Kadenz) und die Schrittlänge bedingen

einander. Um schneller zu werden,

sollten Sie zuerst die Frequenz erhöhen.

Kleine Schritte sind kraftsparend

und bergen weniger Verletzungsrisiken.

▶ Siehe Übung S. 28: Kadenz Resist

2. NEIGUNG

Fuß, Hüftgelenk, Schultern und Kopf

sollten in einer geraden Linie übereinanderstehen.

Dabei ist der Oberkörper

leicht nach vorne geneigt. Optimal sind

drei Grad, sodass kein Knick im Hüftbereich

entsteht.

3. AUFRICHTUNG

OBERKÖRPER

Der Kopf gehört über den Rumpf, vermeiden

Sie also eine „Geierhaltung“. Die

Schultern liegen entspannt seitlich breit.

Die Arme sind mit 90 Grad angewinkelt.

So vermeiden Sie Rücken- und

Bandscheibenbeschwerden.

▶ Siehe Übung S. 29 Air-Squats

4. WIRBELSÄULENLÄNGE

Ein langer Nacken und ein langer unterer

Rücken spannen die Wirbelsäule in

die Länge auf – Steiß und Scheitel

streben auseinander. So vermeiden Sie

Rundrücken oder Hohlkreuz.

5. KREUZKOORDINATION

Wenn Ihr linkes Bein nach vorne geht,

dreht Ihre Schulter links nach hinten,

und rechts nach vorne. Diese entgegengesetzte

Rotation wird durch Beweglichkeit

der Brustwirbelsäule und der Stabilität

des Beckens erreicht. Spielen Sie

nicht Pinocchio, der bei jeder Bewegung

nach links und rechts wankt, weil die

Fäden, an denen er hängt, zu locker

sind.

VON DER SEITE

6. LANDUNG DES FUSSES

Weit ausladende Schritte sind beim Laufen

kraftraubend und verletzungsträchtig.

Der Fuß sollte unter dem Körperschwerpunkt

aufkommen. Das erreichen

Sie leicht, wenn Sie mit kleinen Schritten

laufen. So wird Ihr Fuß von selbst

auf dem Mittel- oder Vorfuß aufkommen.

Der Winkel von Unterschenkel zu

Boden beträgt etwa 90 Grad.

▶ Siehe Übung S. 29 Tapp tapp

7. KNIEBEUGUNG

STANDBEIN

Nachdem der Fuß gelandet ist, wird das

Knie darüber gebeugt. Ideal ist dabei ein

Winkel von 30 Winkelgrad. Viele Kniebeschwerden

entstehen, weil dieser Winkel

entweder zu groß ist – wie beim Fersenläufer

– oder zu klein: Dann wird der

Laufstil hart und hölzern.

8. HÜFTSTRECKUNG

Im Moment, in dem Sie sich vom Boden

abdrücken, kippt das Becken leicht ins

Hohlkreuz. Dabei sollten Sie Ihre Hüfte

kraftvoll strecken können, wozu Sie eine

gute Beckenboden- sowie Bauchmuskulatur

benötigen. Dadurch entlasten Sie

die Waden und haben Power nach

vorne.

9. BEINHUB

Wenn das freie Spielbein nach hinten

weggeht, geht der Unterschenkel nach

oben (man spricht auch von Anfersen).

Ziel ist ein ausgeprägter Beinhub. Viele

Hobbyläufer weisen kaum Beinhub auf,

was zu Sehnen- und Muskelüberlastung

im Fuß oder einem Hüftimpingement

führen kann.

▶ Siehe Übung S. 30 Hamstrings

Foto: GettyImages/metamorworks

26 | RUNNING | 1/2020


VON VORNE

10. FUSSSTELLUNG VON

VORNE

Die Füße sollten weder mit den Fußspitzen

nach innen gedreht sein, noch die

Füße nach außen weggedreht werden.

Ersteres führt zu Knie- und Hüftbeschwerden,

Letzteres zu einer starken

Belastung des Sprunggelenks. Die Füße

sollten parallel aufgesetzt werden, der

innere Fußrand zeigt in Laufrichtung.

11. SPURBREITE

Der Abstand der Füße darf nicht zu groß

und nicht zu klein sein. Beim Gehen

beträgt die Spurbreite fünf Zentimeter,

beim Laufen sollte sie geringer sein,

jedoch sollen sich die Füße nicht überkreuzen.

12. STANDBEINACHSE

VON VORNE

Hüfte und das lange Bein, mit dem Sie

sich abdrücken, sollten einen rechten

Winkel bilden. Lassen Sie Ihre Hüfte

nicht auf der Seite des Spielbeins einknicken.

Dazu müssen die Becken- und

Hüftmuskeln standbeinseitig trainiert

werden, nämlich durch die berühmten

Stabi-Übungen.

▶ Siehe Übung S. 30 Zeitlupenläufer

VON HINTEN

13. FUSSFÜHRUNG

Der Fuß darf nicht schlenkern, wenn er

in der Spielbeinphase wieder nach vorne

geführt wird, sondern sollte in einer

geraden Linie nach vorne gehen. Das

Schlenkern vermeiden Sie leicht, wenn

Sie darauf achten, die Beine beim Rennen

genügend anzuheben. Beim Laufen

schleift die Fußspitze nicht am Boden.

Stellen Sie sich vor, Ihre Füße bewegten

sich auf Pedalen.

▶ Siehe Übung S. 31 Lokomotive

14. BECKENSTABILITÄT

Das Becken sollte beim Laufen horizontal

stabil bleiben – ohne sich nach rechts

SELBST-BEOBACHTUNG: Die

optimale Lauftechnik sollte

immer wieder überprüft

werden.

oder links zu verschieben und ohne

spielbeinseitig abzusacken. Denn dies

schädigt Lendenwirbel sowie Ihre Hüftgelenke.

15. STANDBEINACHSE

Die Beinachse, also die Lot-Linie von

der Ferse über den Unterschenkel,

Oberschenkel und die Gesäßmuskulatur,

bildet eine Gerade bei der Abdruckphase.

X- oder O-Beine können hier

zu Knickfüßen oder Miniskusschäden

führen.

FUSSANALYSE (BARFUSS)

16. RÜCKFUSS VON

HINTEN

Unter Belastung sollte die Ferse gerade

unter dem Unterschenkel liegen und

nicht nach innen oder außen wegknicken.

Diese als Supination (außen)

oder Pronation (innen) bekannten Fehlstellungen

brachte die Schuhindustrie zu

zahllosen „Stabilschuhen“. Besser ist

allerdings ein gezieltes Fuß- und Beinachsentraining.

Siehe Übung S. 31 Fußmalerei

17. LÄNGSGEWÖLBE

Über den Hohl- oder auch den Senkbzw.

Plattfuß haben wir schon ausführlich

berichtet. Diese Fehlstellungen

erschweren einen sauberen Laufstil. Ein

gezieltes Krafttraining für die Füße kann

die Folgen mindern.

18. VORFUSS VON OBEN

Der quere Vorfuß wird zwischen Großund

Kleinzehe durch Muskulatur zusammengehalten.

Ist diese ungenügend

ausgebildet, entsteht ein Spreizfuß, die

Zehen machen beim Laufen gar nicht

mehr mit. Ein Kraft- und Muskelaufbau

im Vorfuß sowie entspannte Zehen

wirken dem entgegen.

▶ Siehe Übung S. 31 Quergewölbefeeling

RUNNING | 1/2020 | 27


TITELSTORYÜbungen

Laufstil-Übungen

ÜBUNGEN ZUM ÖKONOMISCHEN UND BELASTUNGSARMEN LAUFEN

Mit der Auswahl der

folgenden Übungen

können Sie wichtige

Aspekte, die bei der

Laufstilanalyse zu

beoachten sind, gezielt

verbessern oder

stabilisieren. Trainieren

Sie nie gegen einen

Schmerz an.

1Befestigen Sie ein stabiles Theraband u-förmig an einem Geländer

und stellen Sie sich hinein. Laufen Sie auf der Stelle mit

leicht vorgeneigtem Körper gegen das Band.

• Beginnen Sie mit 150 Schritten pro Minute

• Steigern Sie die Frequenz auf 180 Schritte pro Minute

• Laufen Sie nun so schnell Sie können und machen dabei

kleine Schritte

Laufen Sie anschließend ohne Band. Sie werden überrascht

sein.

KADENZ RESIST:

ÜBUNG ZU FREQUENZ UND SCHRITTLÄNGE

Aufgepasst: Jede Einheit soll 20 bis 30 Sekunden dauern.

Machen Sie Pausen. Einmal pro Woche während ein bis zwei

Monaten. Beachten Sie dabei:

• Die Übung soll sauber ausgeführt werden.

• Achten Sie auf die Bandstärke.

• Die Landung der Füße auf dem Boden ist flach.

• Die Ferse soll den Boden, kurz nachdem der Vorfuß gelandet

ist, ebenfalls berühren.

• Sie sollten keine Vorfußschmerzen haben.

28 | RUNNING | 1/2020


2

AIR-SQUATS:

ÜBUNG ZUR AUFRICHTUNG DES

OBERKÖRPERS

Sie stehen aufrecht, die Füße sind hüftbreit und parallel

zueinander aufgestellt. Nehmen Sie ein Handtuch in

beide Hände und strecken Sie die Arme über den Kopf.

Jetzt gehen Sie langsam in die Hocke, das Gesäß senkt sich in

Richtung Fersen. Der Oberkörper bleibt möglichst vertikal ausgerichtet,

der Blick geht nach vorne, der Nacken ist entspannt,

der Kopf liegt über dem Rumpf und bildet eine Achse mit der

Wirbelsäule. Gehen Sie nur so tief, wie Sie die Arme im Lot

halten können. Die Übung können Sie zwischendurch während

30 bis 60 Sekunden durchführen, mehrmals die Woche.

Aufgepasst: Die Ausrichtung der Wirbelsäule darf sich während

der Übung nicht verändern. Die Arme bleiben gestreckt und

lotrecht über dem Kopf.

3TAPP-TAPP:

ÜBUNG ZU LANDUNG DES FUSSES

Sie sind aufgewärmt und laufen in moderatem Tempo. Dabei konzentrieren

Sie sich auf einen Fuß. Sie ziehen Ihren Fuß Richtung

Schienbein, die Zehen bleiben entspannt. Kurz bevor Ihr Fuß landet,

„tappt“ er aktiv Richtung Boden.

Je nachdem, wie intensiv Sie „tappen“, landen Sie auf dem Mitteloder

Vorfuß. Ohne „Tapp“ landen Sie auf der Ferse. Ziel ist es,

flach unter dem Körperschwerpunkt zu landen. Innen- und Außenseite

landen gleichzeitig.

Eine Minute mit „Tapp“ laufen, dann zwei Minuten normal. Die

Übung kann ein- bis zweimal pro Woche durchgeführt werden.

Aufgepasst: Ihr Fuß „tappt“ explosiv über die Wadenmuskulatur

aus Ihrem Sprunggelenk abwärts. Sie stampfen nicht mit dem Bein

in den Boden.

RUNNING | 1/2020 | 29


TITELSTORYÜbungen

4

HAMSTRINGS DEHNEN:

ÜBUNG FÜR DEN BEINHUB

Sie stehen mit den Füßen parallel, die Wirbelsäule ist maximal lang und

aufgerichtet. Dann neigen Sie aus den Hüftgelenken heraus den Oberkörper

nach vorne – mit geradem Rücken. Die Arme sind gerade nach

vorn gestreckt. Jetzt müssen die sogenannten „Hamstrings“ (die hintere

Oberschenkelmuskulatur) die Last des Oberkörpers halten. Mit jedem

Grad Neigung nach vorne müssen die Hamstrings Spannung aufbauen,

gleichzeitig müssen sie eine gewisse Länge zulassen.

Die Übung kann nach dem Einlaufen oder nach dem Training drei bis

fünf Mal ausgeführt werden.

Aufgepasst: Es soll ein angenehmer Dehnreiz empfunden werden, kein

Brennen der Muskeln.

5ZEITLUPENLÄUFER:

ÜBUNG ZUR STANDBEINACHSE

Gehen Sie in Zeitlupentempo und heben Sie dabei

den Oberschenkel bis zur Waagerechten an.

Bleiben Sie kurz in dieser Position stehen und

achten Sie auf Fuß und Becken des Standbeins.

Verteilen Sie das Gewicht auf den Großzehenballen und die

Außenseite der Ferse. Das Becken steht so auf der Standbeinseite

tiefer. Richten Sie gleichzeitig das Becken auf, bis das Kreuzbein

gerade nach unten zeigt. Kontrollieren sie, ob ihr Lendenbereich

waagerecht steht, machen Sie kein Hohlkreuz. So stehen Sie

optimal. Wenn alles stimmt, folgt der nächste Schritt mit dem

anderen Bein.

Laufen Sie eine Minute im Zeitlupentempo und kontrollieren Sie

ihren Stand. Machen Sie 2 bis 3 Serien 2 bis 3 Mal die Woche.

Aufgepasst: Aktivieren Sie Innen- und Außenrotatoren, bis die

Kniescheibe nach vorne zeigt. Vermeiden Sie ein Hohlkreuz.

Niemals darf das Becken auf der Spielbeinseite absinken.

Fotos: Claudia Larsen/Zürich, Eren Karamann/Sonthofen

30 | RUNNING | 1/2020


6LOKOMOTIVE:

ÜBUNG ZUR FUSSFÜHRUNG

Laufen Sie in moderatem Tempo. Die Fußspitzen

und die Knie zeigen geradeaus. Stellen Sie

sich vor, Ihre Füße stünden auf Fahrradpedalen

und Sie träten ganz schnell: Bein heben, Hüfte

strecken, Bein heben … Ihre Beine bewegen sich im Wechselrhythmus

ellipsenförmig unter Ihren Hüftgelenken hindurch,

wie eine Lokomotive auf Schienen. Ihr Fußaufsatz auf dem

Boden ist direkt unter Ihrem Körperschwerpunkt.

Die Übung dauert eine Minute, dazwischen normal weiterlaufen,

3 bis 5 Wiederholungen. 1 bis 2 Mal die Woche.

Aufgepasst: Bei Steigung oder zunehmender Müdigkeit besteht

die Gefahr, dass die Fußspitzen nach außen und die Kniescheiben

nach innen wegdrehen.

FUSSMALEREI:

ÜBUNG ZUR FUSSSTABILITÄT

Stehen Sie auf einem Bein und malen Sie mit dem anderen Vorfuß

eine 8 auf den Boden. Der Kreuzpunkt liegt genau auf der

Höhe des Standbeins. Malen Sie beide Kreise gleich groß. Dann

heben Sie die Fußspitze und das Knie an, während Sie mit der

Achterbewegung fortfahren. Je höher Sie das Bein anheben und

je größer die Kreise werden, desto wichtiger wird der stabile

Stand.

Aufgepasst: Achten Sie darauf, dass die Kreise der Acht gleich

7groß sind. Geraten Sie aus dem Gleichgewicht, malen Sie die

Kreise wieder kleiner. Bringen Sie das Becken stabil

über das Standbein.

8QUERGEWÖLBE-FEELING:

ÜBUNG FÜR DEN VORFUSS

Legen Sie den Fuß im Sitzen oder Stehen auf einen

kleinen, eher festen Ball. Rollen Sie mit der

Unterseite des Fußes über den Ball hin und her

und massieren Sie so die Fußsohlen-Muskulatur. Im Uhrzeigersinn

und gegen den Uhrzeigersinn.

Eine Minute Ball rollen, 3 bis 5 Mal mit kleinen Pausen.

Aufgepasst: Üben Sie nur so viel Druck aus, wie Sie als angenehm

empfinden. Bei Schmerzen konsultieren Sie bitte einen

Arzt.

RUNNING | 1/2020 | 31


RUNNING COACH Erschöpfung

ERSCHÖPFUNG

NORMALE REAKTION ODER BEHANDLUNGSBEDÜRFTIGES SYMPTOM?

von Sonja Streit

32 | RUNNING | 1/2020


Ist der Körper erschöpft, signalisiert er das anhand von Müdigkeit,

Antriebslosigkeit und Schwäche. Nach körperlichen Anstrengungen

ist das völlig normal, zeigt es uns doch, dass wir Erholung benötigen.

Wenn die Erschöpfung aber anhält und auch nach Ruhephasen nicht

verschwindet, liegt vielleicht ein körperliches Problem zugrunde.

Sind unsere physischen oder psychischen

Reserven aufgebraucht,

schaltet der Körper in eine Art

Energiesparmodus, um zu regenerieren.

Ob nach einer intensiven Trainingsphase

und erfolgtem Wettkampf oder stressigen

Arbeitswochen – irgendwann ist ein

Punkt erreicht, an dem die Erschöpfung

eintritt. „Dieser Zustand ist von enormer

Wichtigkeit, um unsere Batterien

wieder aufzuladen“, erläutert die Wiener

Allgemeinmedizinerin Dr. Jasmin

Darab nia. „Wir müssen irgendwann zur

Ruhe kommen, um unsere körperliche

und geistige Gesundheit zu erhalten.“

SIGNALE BEACHTEN

Nach großen körperlichen oder geistigen

Anstrengungen sind Erschöpfungszustände

keine Seltenheit. Manchmal halten

sie einige Tage an, lassen sich aber mit

ausreichend Schlaf und Erholungsphasen

gut therapieren. „Kritisch wird es, wenn

selbst diese Maßnahmen nicht dazu führen,

dass die Erschöpfung nachlässt“, gibt

Dr. Darabnia zu bedenken. „Das ist nicht

nur extrem belastend, sondern kann darauf

hindeuten, dass es sich um ein Symptom

handelt bzw. dass die Erschöpfung

einen Krankheitswert erreicht hat.“ In

einem solchen Fall sollte man seinen

Zustand ärztlich abklären lassen, da nicht

nur die Lebensqualität leidet, sondern

Produktivität und Arbeitsleistung sinken.

„Erschöpfung geht über normale Müdigkeit

weit hinaus. Läufer werden das vermutlich

kennen, wenn sie einen Marathon

absolviert haben und der Adrenalinspiegel

sinkt. In diesem Zustand möchte

man sich nur mehr ausruhen.“ Die Expertin

gibt zu bedenken, dass dauerhafte

Erschöpfung das Verletzungsrisiko erhöht

und die Konzentrationsfähigkeit negativ

beeinflusst. Wer die Problematik über

mehrere Wochen an sich beobachtet,

sollte einen Arzt konsultieren.

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RUNNING | 1/2020 | 33


RUNNING COACH Erschöpfung

RUNNING-Expertin

DR. JASMIN

DARABNIA

LEERER AKKU: Starke Arbeitsbelastung und

Schichtarbeit können zu Erschöpfung führen.

Dr. Jasmin Darabnia promovierte

im Jahr 2005 an der Medizinischen

Universität Wien und ist heute

Allgemeinmedizinerin am

Ärztezentrum Moser Milani in

Wien. Sie verfügt über zahlreiche

Zusatzqualifikationen. Ihr breites

Behandlungsspektrum umfasst

eine ganzheitliche Betrachtungsweise,

denn für sie stellen Körper,

Geist und Seele eine Einheit dar.

Daher bietet sie auch Behandlungen

zu medizinischer Ästhetik und

alternative Ansätze wie Akupunktur

oder Klangschalentherapie an.

DIE WAHRHEIT LIEGT IM

BLUT

Müdigkeit, Antriebslosigkeit und

Schwäche können viele Ursachen zugrunde

liegen, wie Jasmin Darabnia erläutert:

„Berichten Patienten von chronischer

Müdigkeit und Abgeschlagenheit,

lässt mich das aufhorchen. Deshalb veranlasse

ich in diesen Fällen einen Blutbildcheck.“

Dabei stehen die Eisen- und

Schilddrüsenwerte ebenso im Fokus wie

der Epstein-Barr-Status. „Es könnte z.B.

eine Schilddrüsenunterfunktion oder

eine chronische Entzündung der Schilddrüse

vorliegen, beides Problematiken,

die mit chronischer Müdigkeit einhergehen.

Diese lassen sich mittels entsprechender

Präparate sehr gut managen. Ist

jemand am Epstein-Barr-Virus erkrankt,

bei dem die Durchseuchungsrate ja sehr

hoch ist, kann man sich bis zu sechs Monate

müde und abgeschlagen fühlen.“

EISENMANGEL

Ein wichtiger Faktor bei jungen Frauen

und Ausdauer- oder Hochleistungssportlern

ist der Eisenmangel, wobei es wichtig

ist, nicht auf das freie Eisen im Blut

zu achten, wie Dr. Darabnia ausführt.

„In Bezug auf Eisen, das z. B. junge

Frauen durch die Monatsblutung verstärkt

verlieren oder Hochleistungssportler

aufgrund ihrer Aktivität, ist der Ferritinwert

entscheidend. Dieser sollte unbedingt

abgeklärt werden. Liegt er unter

30, sind die Eisenspeicher nicht voll genug.

Das kann zu chronischer Erschöpfung

und leichten Depressionen führen.“

In einem solchen Fall empfiehlt die Medizinerin

eine intravenöse Eisenmangelsubstitution,

da die orale Therapie mit

unangenehmen Nebenwirkungen einhergehen

kann. Sie ist allerdings vor

Wettkämpfen nicht empfehlenswert,

weil sie möglicherweise auf der Dopingliste

steht, was man im Vorfeld abklären

sollte. „Nach dieser Infusion benötigt

der Körper etwa zehn bis 14 Tage, bis er

wieder fitter und leistungsfähiger wird.

Er nimmt sich das, was er braucht und

legt den Rest im Eisenspeicher ab. Die

Erschöpfung und die depressiven Verstimmungen

verschwinden, ebenso die

Müdigkeit. Ich empfehle immer, das

Ferritin abklären zu lassen.“

Im Falle eines vorliegenden Epstein-

Barr-Virus sind laut Jasmin Darabnia

Hochdosis-Vitamin-C-Infusionen indiziert.

Sind die genannten Problematiken

nicht ursächlich, die Patienten aber von

ständigen Infekten oder Herpes-Virus-

Infektionen betroffen, ist ein Virusblock

möglicherweise ein probates Mittel, um

wieder fit zu werden. Ein überbeanspruchtes

Immunsystem zehrt an der

Gesamtkonstitution und geht ebenfalls

mit chronischer Erschöpfung einher.

„Ein weiterer Punkt, der vielleicht auch

eine Rolle spielt, ist die Schlafapnoe.

Jemand, der untertags ständig müde und

abgeschlagen ist, hat vielleicht nachts

Atemaussetzer und weiß es gar nicht“, so

Jasmin Darabnia.

AUCH DIE SEELE KANN

ERSCHÖPFT SEIN

Können körperliche Ursachen ausgeschlossen

werden, sind es mitunter psychische

Komponenten, die eine Rolle

spielen. Stress im Berufs- oder Privatleben

kann ein Burnout oder eine Erschöpfungsdepression

zur Folge haben.

Auch massive körperliche Anstrengung,

Training ohne Ruhephasen oder übermäßiger

Ehrgeiz sind mitunter Auslöser

für chronische Erschöpfung, der eine

psychische Komponente zugrunde liegt.

„Ich führe selbstverständlich mit meinen

Patienten ein ausführliches Gespräch,

um mögliche Ursachen im Vorfeld fest­

Fotos: GettyImages/solar22/Wavebreakmedia

34 | RUNNING | 1/2020


Checkliste

7 TIPPS GEGEN DIE MÜDIGKEIT

• Essen Sie vor dem Training nicht zu viel. Der Körper sollte nicht gleichzeitig mit

der Verwertung von Nahrung und dem Trainingsreiz konfrontiert werden.

• Trinken Sie ausreichend Wasser. Nur so werden alle Organe ausreichend

versorgt. Trinken Sie nicht kurz nach dem Training Alkohol.

• Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Essen

Sie nach dem Training.

• Vegetarier oder Veganer sollten verstärkt auf den Eisengehalt ihrer Nahrung

achten sowie auf das Vitamin B12.

• Prüfen Sie, ob Sie nicht zu viel trainieren. Trainingspläne, die für die einen normal

sind, können andere Menschen erschöpfen, selbst wenn diese eigentlich nicht

leistungsschwächer sind.

• Sorgen Sie für guten und ausreichenden Schlaf.

• Bei anhaltender Erschöpfung sollte ein Arzt abklären, ob sich eine Krankheit

dahinter verbirgt.

zustellen. Manche Menschen übernehmen

sich massiv, sei es beim Sport, im

Beruf oder privat und bemerken nach

Wochen oder Monaten, dass sie ausgebrannt

oder chronisch erschöpft sind. Es

gilt den Betroffenen klarzumachen, dass

sie es langsamer angehen müssen und

– bei Bedarf – auf psychologische Hilfe

zurückgreifen sollten. Sonst brechen sie

irgendwann unter der Last zusammen“,

gibt Dr. Darabnia zu bedenken. „Wer

zum Beispiel ein sportliches Ziel hat und

sich über Monate extrem darauf fokussiert,

darf keinesfalls vergessen, seinem

Geist und seinem Körper Ruhephasen

zu gönnen. Die meisten Menschen trainieren

neben Beruf und Familie, da ist

die Gefahr groß, sich völlig zu übernehmen.

Vor allem Männer neigen dazu,

nicht genug auf sich zu achten. Deshalb

ist es ratsam, sich einzubremsen, auf sich

zu schauen oder von Fachleuten beraten

zu lassen, wenn man nicht selbst auf sich

aufpassen kann.“

seelische Warnsignale übersehen bzw.

ignorieren. Eine körperliche Abklärung

sollte unbedingt in Betracht gezogen

werden. Auch eine Lebensstilmodifikation

kann hilfreich sein, sofern keine Erkrankung

zugrunde liegt. Ausreichende

Ruhephasen sind vor allem bei jenen

Menschen indiziert, die viel Stress haben

oder regelmäßig Sport treiben. „In vielen

Fällen ist die Erklärung für einen chronischen

Erschöpfungszustand ganz einfach

und somit behandelbar. Wichtig ist nur,

nichts zu ignorieren und auf Hilfe zurückzugreifen.

Wer Symptome nicht beachtet

und sich aufgrund dessen ernsthaft

verletzt oder chronisch erkrankt,

wird länger dagegen ankämpfen müssen

als jemand, der sich früh genug an einen

Experten gewandt hat“, ist Jasmin

Darab nia überzeugt.

SINNVOLLES SIGNAL

UNSERES KÖRPERS

Erschöpfung mag kein angenehmer körperlicher

Zustand sein, erinnert uns aber

daran, dass wir eine Pause einlegen müssen.

Sie sollte keinesfalls ignoriert werden

oder unbehandelt bleiben, wenn sie

sich über einen längeren Zeitraum erstreckt.

Gerade Sportler erhöhen ihr Verletzungsrisiko,

wenn sie körperliche oder

RUNNING | 1/2020 | 35


RUNNING COACH Stressfraktur

MARSCH MARSCH: Das Krankheitsbild wurde zuerst bei

Soldaten diagnostiziert und hieß daher lange Marschfraktur.

Diagnose

Stressfraktur

DIE CHRONISCHE ÜBERLASTUNG NAGT AM KNOCHEN

von Gabriele Hellwig

Früher waren vor allem Soldaten betroffen: Das kilometerlange

Marschieren belastete die Knochen übermäßig. Heute tragen

besonders Langstreckenläufer ein erhöhtes Risiko, eine

Ermüdungsfraktur zu erleiden. Die gute Nachricht: Vorbeugen ist

möglich.

36 | RUNNING | 1/2020


Wissenswertes

„MOCKI“ IN TOPFORM

Beim diesjährigen Köln Marathon startete auch Rekord-

Läuferin Sabrina Mockenhaupt („Mocki“). Mit einer

Stressfraktur bekam sie es 2016 zu tun, wegen „der

Vorstufe eines Ermüdungsbruchs“ im Becken hatte sie ihre

Teilnahme an den Leichtathletik-Europameisterschaften in

Amsterdam absagen müssen. Inzwischen ist sie gut erholt,

wie die Ergebnisse vom 13.10.2019 zeigen. Die Athletin

finishte den Halbmarathon in 1:19:06 Stunden.

Sie ist in Köln bereits Siegerin des Marathons 2007 und

2009 sowie Siegerin des Halbmarathons 2008, 2011, 2012,

2013 und 2017 gewesen.

Erst tut der Knochen nur bei Wettkämpfen weh, später

schon beim normalen Lauftraining. Der Schmerz wird mit

der Zeit stärker, im fortgeschrittenen Stadium tritt er auch

in Ruhe auf – am Ende sogar nachts. Schwellungen können bei

einer Stressfraktur ebenfalls hinzukommen. Erstmals beschrieb

der preußische Heeresarzt Breithaupt im Jahr 1855 dieses

Krankheitsbild: Der Militärarzt beobachtete bei Rekruten nach

langen Märschen einen schmerzhaft geschwollenen Vorfuß.

„Marschfraktur“ wurde die Krankheit daher früher genannt.

Heute tragen besonders Langstreckenläufer ein erhöhtes Risiko,

eine Stressfraktur zu erleiden. Auch Fußballer sind überdurchschnittlich

häufig betroffen.

ÜBERLASTUNG UND ERMÜDUNG

Solche Stressfrakturen – auch Ermüdungsbruch genannt –

können nahezu in jedem Knochen vorkommen. Im Rahmen des

Lauftrainings tritt ein Ermüdungsbruch am häufigsten im

Schienbein auf. Daneben können auch Mittelfußknochen oder

der Oberschenkel betroffen sein. Überlastung und Ermüdung

gelten als Hauptursachen. Es bilden sich kleine Risse im

Knochen, sogenannte Mikrofrakturen entstehen. Diese weiten

sich aus, bis es zu einem Bruch des Knochens kommt.

Dr. Johannes Holz, Orthopäde und Sportmediziner im Ortho-

Centrum in Hamburg: „Zwei Theorien versuchen die Stressfraktur

zu erklären: Die Ermüdungstheorie besagt, dass die Muskeln

bei wiederholter anstrengender Belastung zu stark ermüden und

dadurch die Kraft, die beim Laufen auf die Knochen einwirkt,

durch die Muskeln nicht mehr absorbiert werden kann. In der

Folge wirkt die Kraft ungehindert auf den Knochen ein, bis der

Knochen der Belastung nicht mehr standhalten kann. Die Überlastungstheorie

besagt, dass die beim Laufen stattfindenden

Kontraktionen sehr hohe Spannungen am Knochen erzeugen.

Dadurch wird der Knochen so stark gebogen, dass er schließlich

bricht.“

VITAMIN-D-MANGEL

Amerikanische Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass

Menschen mit einem Vitamin-D-Mangel ein erhöhtes Risiko

für eine Stressfraktur haben. „Einen Hinweis darauf ergab eine

retrospektive Kohortenstudie, bei der ein Großteil von Patienten

mit Stressfrakturen Serum-Vitamin-D-Spiegel unter 40 ng/ml

aufwies“, sagt Dr. Holz. Betroffen sind ebenfalls Frauen in

RUNNING | 1/2020 | 37


RUNNING COACH Stressfraktur

Wissenswertes

SO BEUGEN SIE VOR

1. Nicht überlasten. Das Lauftraining immer der momentanen

Belastbarkeit des Körpers anpassen, damit der Körper

sich adäquat anpassen kann. Regelmäßige Pausen gehören

ebenfalls dazu.

2. Individueller Trainingsplan. Sprunghafte Umfangsveränderungen

im Training vermeiden. Optimal ist ein individueller

Trainingsplan. Bei Vorerkrankungen lohnt es sich, mit

einem Sportmediziner den erstellten Plan kurz durchzusprechen.

3. Gute Laufschuhe. Gut gedämpfte Laufschuhe können

das Risiko für Ermüdungsbrüche vor allem der Fußknochen

reduzieren.

4. Optimaler Laufstil. Für regelmäßige Läufer kann eine

Laufbandanalyse sehr sinnvoll sein. Dort können Fehler im

Laufstil sofort erkannt werden. So lässt sich auch das

passende Laufwerkzeug am besten ermitteln. Lesen Sie

dazu auch unsere Titelstory ab Seite 20.

5. Vitamin D. Aufgrund der aktuellen Studienergebnisse

aus den USA empfiehlt Dr. Holz „zur Vorbeugung von

Ermüdungsbrüchen eine Serum-Vitamin-D-Konzentration

von mindestens 40 ng/ml, speziell für aktive Personen mit

mittleren oder höheren funktionalen Ansprüchen“.

der Menopause, deren Knochen oft weniger mineralisiert sind.

Fehlstellungen der Füße, Fehlbelastungen sowie schlechtsitzende

Laufschuhe können sich ebenfalls negativ auf die Knochen auswirken.

Das Problem: Von außen ist eine Stressfraktur in der

Regel nicht zu erkennen. Und da die Beschwerden anfangs oft

nur mäßig stark sind, warten die Betroffenen mitunter sehr

lange, bis sie endlich zum Arzt gehen. Doch in dieser Zeit

schreitet die Krankheit voran, der Knochen wird immer anfälliger.

Schon ein einfacher Spaziergang kann dann zu einem Ermüdungsbruch

führen.

NICHT ZU LANGE WARTEN

Anhaltende Schmerzen beim Laufsport sollten daher zeitnah

beim Orthopäden abgeklärt werden. „Oft können die Patienten

THERAPIE UND VORBEUGUNG:

Physiotherapie fördert die Heilung

und beugt zugleich vor. Wichtig ist

eine Stärkung der Muskulatur.

kaum glauben, dass ihr Knochen gebrochen ist, da bei der Ermüdungsfraktur

– im Gegensatz zu einem normalen Knochenbruch

– in der Regel kein Unfall vorausgeht“, sagt Dr. Holz.

Für die exakte Diagnose veranlasst der Arzt neben einer Röntgenaufnahme

eine Kernspintomografie (MRT). Sind Frauen in

der Menopause von einer Stressfraktur betroffen, sollte eine

Knochendichtemessung durchgeführt werden. Diese zeigt, ob

vielleicht schon eine Osteoporose (Knochenschwund) vorliegt,

unter der viele Menschen mit zunehmendem Alter leiden. Doch

keine Angst: Osteoporose kann sehr gut mit Vitamin D-Tabletten

und Kalzium behandelt werden. Dem Laufsport steht dann

nichts mehr im Wege.

BEHANDLUNGSSCHRITTE

Bewährt hat sich bei einer Stressfraktur eine mehrgleisige Behandlung

• SCHONUNG. Wer Schmerzen beim Laufen hat, sollte zunächst

eine Laufpause einlegen. Schmerz ist immer ein Warnsignal

des Körpers, das man ernst nehmen sollte. Dr. Holz

empfiehlt bei einer Stressfraktur, den verletzten Bereich etwa

vier bis sechs Wochen zu schonen, bis die Schmerzen abgeklungen

sind. Um sich im Alltag schmerzfrei bewegen zu

können, bekommt der Patient in der Regel eine Entlastungsorthese

(Rangewalker).

• PHYSIOTHERAPIE. Krankengymnastik zählt ebenfalls zu den

wichtigen Behandlungsbausteinen. Spezielle Übungen stärken

die umliegende Muskulatur. So entlasten kräftige Oberschenkelmuskeln

beispielsweise das Schienbein optimal. Es ist auch

wichtig, eventuelle Muskelungleichgewichte abzubauen, um

eine Fehlbelastung einzelner Körperteile zu verhindern und

das Lymphsystem zu aktivieren, um Schwellungen abzubauen.

• KÄLTETHERAPIE. Kälte kann ebenfalls die Schmerzen gut

lindern. Die Anwendung ist einfach: Kältebeutel oder Eisakkus

mehrmals am Tag für etwa zehn Minuten auf die

schmerzende Stelle legen. Vorsicht: Um Erfrierungen zu vermeiden,

am besten ein dünnes Tuch zwischen Haut und Eisbeutel

legen.

• EXOGENBEHANDLUNG. Die Exogenbehandlung beschleunigt

die Knochenheilung. Hierbei werden schmerzlose niedrigdosierte

Ultraschallwellen eingesetzt, um die natürlichen

Fotos: GettyImages/Goja1/AndreyPopov, Köln Marathon, OrthoCentrum Hamburg

38 | RUNNING | 1/2020


RUNNING-Experte

DR. MED. JOHANNES HOLZ

Dr. med. Johannes Holz ist Facharzt für Orthopädie und

Unfall chirurgie in Hamburg. Eine seiner Zusatzqualifikationen

ist die Sportmedizin.

Knochenheilungsprozesse zu verstärken. Dr. Holz: „In klinischen

Studien wurde die Wirksamkeit von Exogen bei einer

20-minütigen Behandlung pro Tag beurteilt und eine Beschleunigung

der Heilung nachgewiesen.“

VITAMINE STATT SCHMERZMITTEL

Schmerzmittel sind meistens nicht notwendig, da durch die

Entlastung die Schmerzen rasch vorbei gehen. „Zudem unterbinden

die typischen nicht-steriodalen Schmerzmittel (Diclofenac,

Ibuprofen) den Knochenstoffwechsel“, sagt Dr. Holz. Einen

hohen Stellenwert habe die Gabe von Vitamin D und Calcium

zur Verbesserung des Knochenstoffwechsels. Bei einer fortgeschrittenen

Stressfraktur kann auch eine Operation notwendig

sein. Dies kommt aber sehr selten vor. Dr. Holz: „Ist die betroffene

Fraktur instabil, können wir diese mit Schrauben oder

Titanstiften fixieren. Platten sind weniger geeignet, da diese speziell

an den kleinen Mittelfußknochen zu Biegebelastung führen,

die wiederum schlecht für die Ausheilung sind. Mitunter

kann man auch gesundes Knochengewebe aus dem Beckenkamm

in die Bruchzone implantieren – insbesondere dann,

wenn nach erstmaliger Versorgung die Heilung ausbleibt.“

RETURN TO RUNNING

Gibt der Arzt schließlich grünes Licht, sollte man nicht von 0

auf 100 starten, sondern das Lauftraining schrittweise wieder

aufnehmen. Am besten anfangs im gemütlichen Tempo walken.

Es folgt in den kommenden Wochen ein schnelles Walken und

schließlich ein langsames Laufen. Regelmäßige Gehpausen nicht

vergessen! Dr. Holz: „Sehr ambitionierte Läufer könnten vorübergehend

Trainingseinheiten ins Schwimmbad verlegen

(Aqua-Jogging), um die Gelenke mehr zu schonen.“

WAVE SKY 3

FLOATING RUN

Designed für längere Läufe, kombiniert der neue Wave Sky 3 das neue

Zwischensohlenmaterial XPOP mit der innovativen Mizuno Foam Wave.

Für ein völlig neues, fast schwebendes RUNNING Lauferlebnis. | 1/2020 #ReachBeyond | 39

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RUNNING COACH INEOS 1:59

„No human is limited“

ELIUD KIPCHOGE KNACKT DIE ZWEI-STUNDEN-MARKE

von Carsten Drecoll

Die Ankündigung des Events erfolgte mit maximalem medialen

Einsatz: Von historischer Bedeutung sei der Versuch – so die INEOS

1:59 Challenge – die 42,195 Kilometer unter zwei Stunden zu laufen.

Der Marathon-Weltrekordhalter Kipchoge war am 12.10.2019

erfolgreich und finishte in 1:59:40,2 Stunden.

Um 8:15 Uhr ging es los, auf der

Reichsbrücke in Wien. Erst am

Freitag Nachmittag vor dem

Rennen war die Uhrzeit bekanntgegeben

worden, lediglich am Mittwoch hatte

man sich auf den genauen Tag festgelegt.

Alles sollte stimmen: das Wetter, der

Wind, die Luftfeuchtigkeit. Es würde

dennoch eine Angelegenheit von Sekunden

sein. Denn um die 42,195 Kilometer

unter zwei Stunden zu laufen, muss

eine Geschwindigkeit von 21,5 Stundenkilometern

gelaufen werden. Das ist eine

Pace von etwas mehr als 2:50 Minuten

pro Kilometer, 17 Sekunden für die 100

Meter. Am Ende beschleunigte Kipchoge

noch und lief eine Pace von 2:41 Minuten.

Ein Marathon im Sprint.

DIE MONDSTRECKE

Als vor zwei Jahren Ed Caesar sein Buch

„Zwei Stunden. Vom Traum, den Marathon

zu laufen“ schrieb, machte er sich

Gedanken, wie die Zwei-Stunden-Marke

wohl zu knacken wäre. Seine Antwort:

Auf einer „Mondstrecke“, also einer absolut

idealen, entsprechend vorbereiteten

Strecke und unter optimalen meteorolo-

Foto: VCM/Michael Gruber

40 | RUNNING | 1/2020


JUBEL-FINISH: Auf den letzten

Metern beschleunigte Eliud

Kipchoge noch.

gischen Bedingungen, finanziert von einem

reichen Scheich oder so ähnlich.

Dies wurde dann tatsächlich zeitnah versucht,

in Monza auf der Formel-1-Strecke

in Oberitalien von dem Sportgiganten

Nike. Der Athlet war schon damals

der Kenianer Eliud Kipchoge. Er verpasste

die Zwei-Stunden-Marke um 25

Sekunden. In Wien versuchte man dann,

noch einmal die Umstände zu verbessern:

Der Parcours wurde frisch geteert,

der Lauf-Korridor markiert. Vor den

Läufern fuhr ein Führungsfahrzeug einher,

das einen Laserstrahl auf die Fahrbahn

projizierte, der Laufrichtung und

Pace vorgab. Keine Sekunde sollte vergeudet

werden. Unschärfen wie sie bei

jedem Wettkampf existieren – Abweichungen

von der Ideallinie, wechselnde

Untergründe, plötzliche 90-Grad-Kurven

– sollte es nicht mehr geben. Finanziert

wurde das Unterfangen durch den

Chemie-Konzern INEOS, die genauen

Kosten sind nicht bekannt.

PACEMAKER

Doch das alles reichte nicht. Engagiert

wurden 36 Top-Athleten, die als Pacemaker

in neun Gruppen abwechselnd

Eliud Kipchoge begleiteten und durch

ihre Positionen abschirmten. Gegen seitliche

Winde zum Beispiel, gegen jede

Form von Ablenkung und als psychologische

Stütze. Zwei Läufer befanden sich

immer hinter dem in weiß gekleideten

Haupt-Athleten, um für ihn, wie bei

einem Auto, Luftverwirbelungen im

Rücken zu minimieren. Wie oft das

Wechseln der Gruppen geübt wurde, ist

nicht bekannt, aber man sah, dass jeder

Schritt perfekt choreographiert war und

von einem Einsatzleiter auf einem Fahrrad

genau begleitet und jeweils angewiesen

wurde.

WIEN

Warum Wien? Angeblich hatte man zuerst

versucht, den Lauf in Großbritannien

zu planen, der Heimat des Sponsors.

Doch das britische Wetter war den

Strategen zu unbeständig. Im Herbst

herrschen im östlichen, eher kontinentalen

Europa die stabilsten Bedingungen.

Ebenfalls angeblich soll auch Berlin in

der Diskussion gewesen sein. Doch der

Gründer des Berlin-Marathon, Horst

Milde persönlich, soll Wien in die Diskussion

gebracht haben. Die Organisatoren

des Wien Marathon unterstützten

die INEOS 1:59 Challenge und landeten

damit zugleich einen Mega-PR-

Coup für den eigenen Lauf, schließlich

wird auch beim Wien Marathon auf der

Hauptallee gelaufen. Als Wien feststand,

ging alles überraschend und sehr unbürokratisch

schnell vonstatten, bis Kipchoge

sich am Dienstag ins Flugzeug

nach Europa setzen konnte.

MEDIENHYPE

Entsprechend wurden die Medien gefüttert:

Kipchoge beim Packen, beim Landen,

seine Pressekonferenz vor und nach

dem Lauf. Und vor allem das Motto, das

er mit seiner leisen eindringlichen

Stimme vertrat: „No human is limited“.

Man kann seine Grenzen überschreiten.

Darum ging es: Wo liegen die Grenzen

beim Marathonlaufen? Die Antwort seit

dem Samstag im Oktober: Unter zwei

Stunden – theoretisch. Unter den optimalsten

Bedingungen. Und natürlich

nur für ganz wenige Menschen. Kipchoge

selbst hat nach dem Lauf beim Interview

die Meinung vertreten, dass nach

ihm andere die Zwei-Stunden-Marke

ebenfalls unterbieten werden. Vielleicht

sogar bei einem regulären Wettkampf.

Das bleibt dahingestellt, feststellen lässt

sich, dass sich die Zeiten im Marathon

weiter verbessern. In Berlin hat der Äthiopier

Kenenisa Bekele die Rekordzeit

von Kipchoge mit 2:01:41 nur um zwei

Sekunden verpasst – zur Überraschung

auch von Fachleuten, war man doch davon

ausgegangen, dass der Weltrekord

von 2018 erstmal nicht in Gefahr geraten

dürfte. Und auch bei den Frauen

wurde an dem Wochenende im Oktober

dieses Jahr der Weltrekord verbessert.

Brigid Kosgei, ebenfalls aus Kenia, unterbot

den langjährigen Rekord von

Paula Radcliffe beim Chicago Marathon

und lief eine Zeit von 2:14:04 Stunden.

BEDEUTUNG?

Was diese Ereignisse bedeuten, bleibt

dem persönlichen Geschmack des Betrachters

überlassen. Wie kommt es in

kurzer Zeit zu immer weiterer Rekordverbesserung?

Wo ist auch bei aller Hilfestellung

die physische Grenze erreicht?

Und gibt es eine Relevanz für den „normalen“

Läufer? Kann er von den Spitzen-

Marathonis etwas lernen? Kipchoge

fasste es so zusammen: Glaubt an das Positive

beim Sport. Die Inspiration, wie

faszinierend Laufen sein kann, hat das

Ereignis in Wien vor den Augen von

120.000 Zuschauern, übertragen in die

ganze Welt, sicher geliefert.

RUNNING | 1/2020 | 41


HEALTH & FOOD

Balance finden

Unbeschwert und guter Laune

durch eine herrliche Landschaft

laufen – dazu braucht es immer

wieder ein Gleichgewicht, bei der

Ernährung wie auch beim Training.

Foto: Tabitha Bühne, Markus Spieker

42 | RUNNING | 1/2020


Health & Food

DAS RICHTIGE MASS BEI ERNÄHRUNG UND FITNESS

Unsere Gesundheit beruht immer auf dem Prinzip des

Gleichgewichts. Bei der Ernährung und beim Sport. Hier ein

paar Tipps vom Frühstück bis hin zum Ausgleichssport.

44 WUNDERWAFFE HIRSE

Eine der ältesten Getreidesorten der Welt ist für Aktive ein

optimaler Kraftspender und Quelle vieler wichtiger Inhaltsstoffe.

Die Kenianer schwören längst auf sie.

46 RUNNING À LA CARTE

Gleich beim Frühstück können Sie sich etwas Gutes tun. Mit

diesen Rezepten gelingt Ihnen der Powerstart in den Tag.

48 HEALTHY LIVING AWARD

Jedes Jahr prämiert der DoldeMedien Verlag die besten Produkte

für Fitness, gesunde Ernährung und Wellness. Hier die

Top-Nominierten, die für Läufer besonders interssant sind.

54 MAL WAS ANDERES MACHEN

Suchen Sie sich im Training mal einen Ausgleich. Zum Beispiel

Muay Thai-Boxen. Wir haben den Praxis-Test gemacht.

RUNNING | 1/2020 | 43


HEALTH & FOODHirse

WUNDERWAFFE

HIRSE

DER KÖRNIGE FITMACHER FÜR LÄUFER

von Tabitha Bühne

Sie gilt als die älteste Kulturpflanze der Welt, war das

Hauptnahrungsmittel auf allen Kontinenten und in Europa das

meistangebaute Getreide während des Altertums und Mittelalters.

Jetzt feiert die alte Getreidesorte ein Comeback.

Schon vor 8.000 Jahren wurde Hirse benutzt, um Fladenbrot

zuzubereiten und die Familie satt und stark zu machen.

Später wurde sie als „Arme-Leute-Essen“ verpönt

und zunehmend durch die aus Amerika eingeführte Kartoffel

sowie Mais ersetzt. Doch mit der Gesundheits- und Fitnesswelle

findet sie endlich wieder ihren Platz auf unserem Teller. Aus gutem

Grund: Hirse ist das mineralstoffreichste Getreide und ein

echter Gesundheitsjoker.

VIELSEITIGER KRAFTSPENDER

Vielleicht sind die Äthiopier deshalb so schnell, weil sie viel

Hirse essen. In Teilen Afrikas und Asiens bilden Hirsearten auch

heute noch das Hauptnahrungsmittel. Aber nicht nur im Essen,

auch in Bieren, Schnaps und Gesundheitspräparaten wird das

vielseitige Getreide verwendet. Ich habe sie während meiner drei

Jahre in Indien neu für mich entdeckt. Dort habe ich ganz andere

Sorten ausprobiert und neue Variationen kennen gelernt.

Ob im Salat, als Fladenbrot, Risotto, Auflauf oder süßen Brei

– es gibt unzählige Möglichkeiten, Hirse zuzubereiten.

WAS IST HIRSE?

Der Begriff Hirse stammt aus dem Altgermanischen, abgeleitet

von einem Wort für „Sättigung, Nahrhaftigkeit“. Es gibt allerdings

nicht eine, sondern um die zwölf Hirsearten, die allesamt

zu den Süßgräsern gehören. Sie findet sich in vielen unterschiedlichen

Farben: Gelb, Weiß, Rot oder Braun. Anhand der Färbung

des Hirsekorns lässt sich einiges über dessen Inhaltsstoffe

erkennen: Die gelbe Farbe der Goldhirse weist darauf hin, dass

in ihr Beta-Carotin steckt, in roten Sorten enthalten einige Flavonoide.

Da die Mineralstoffe in den Randschichten des Korns

bekanntlich besonders konzentriert vorliegen, sind in der Braunhirse

noch mehr Mikronährstoffe als in der Goldhirse enthalten.

Daher nimmt die Braunhirse auch einen ganz besonderen Stellenwert

ein: sie dient nicht nur als Brei oder Beilage, sondern

auch als Heilmittel oder natürliches Nahrungsergänzungsmittel.

MINERALSTOFFREICHER

GESUNDHEITSBOOSTER

Hirse besteht zu 70 Prozent aus Kohlenhydraten, zu zehn Prozent

aus Eiweiß und zu fünf Prozent aus Fett und bekommt so

einen hohen ernährungsphysiologischen Wert. Was ich besonders

an ihr schätze: Sie schmeckt lecker, macht lange satt und

kann sowohl süß, als auch herzhaft zubereitet werden. In ihrer

Wirkung auf unsere Fitness und Schönheit ist Hirse so stark,

dass sie die meisten anderen Getreidesorten locker in den Schatten

stellt. Dieses Getreide zeichnet sich vor alle durch seine hohe

Dichte an Mineralstoffen aus: Magnesium, Kalium, Fluor,

Schwefel, Phosphor, Zink und besonders viele B-Vitamine sowie

Eisen. Hirse übertrifft mit ihrem Eisengehalt andere Getreidesorten

um das Zwei- bis Dreifache, sodass sie auch einen wert-

Foto: GettyImages/rvimages

44 | RUNNING | 1/2020


vollen Beitrag für die Blutbildung leistet. Der besondere Joker

ist allerdings der hohe Siliziumgehalt, der für die Elastizität des

Bindehautgewebes zuständig ist.

HIRSE ALS SCHÖNHEITSMITTEL

„Eine Portion Hirse am Morgen vertreibt Schlappheit und Sorgen!“

Meine Mutter hat über Jahrzehnte täglich dunkelschalige

Braunhirse auf ihr Müsli gegeben. Vielleicht erklärt das ihre

samtweiche Haut und eine gewaltige Haarpracht. Denn die enthaltene

Menge an Kieselsäure stärkt Haut, Haare und Fingernägel,

sorgt für starke Sehnen und Bänder. Ich selbst genieße Hirse

auch seit zwei Jahren täglich – einen Esslöffel Braunhirse im Joghurt

oder Müsli und zusätzlich einmal pro Woche im Salat

oder als süßen Auflauf. Ich habe den Eindruck, dass dadurch

Haut und Haare optimal versorgt werden.

20.Heilbronner

Trollinger

Marathon

17.Mai 2020

WWW.TROLLINGER-MARATHON.DE

FACEBOOK: TROLLINGER.MARATHON

WERTVOLLE SPORTLERNAHRUNG

Für Menschen mit Magen-Darm-Problemen ist Hirse ein optimales

Nahrungsmittel. Denn sie enthält wenig Lektine und

keine Glutene, was es für den Sportler sehr magenverträglich

und gut bekömmlich macht. Zusätzlich stärkt Hirse das Immunsystem

und soll Entzündungen im Körper reduzieren. Sie

ist im Gegensatz zu anderen Getreidesorten nicht schleimbildend

und unterstützt so auch bei grippalen Infekten. Auch fürs

Klima leistet Hirse einen Beitrag: Sie benötigt deutlich weniger

Bewässerung als beispielsweise Reis.

ZUBEREITUNG

Wichtig ist, dass man Hirse vor dem Gebrauch sehr gründlich

mit warmen Wasser wäscht und für eine Stunde einweichen lässt

– nicht nur zur Reinigung, sondern auch um den Phytin-Gehalt

zu reduzieren und so die Mineralstoffe optimal aufnehmen zu

können. In rohem Zustand enthält Hirse schädliche Enzyme,

die durch Erhitzen unschädlich gemacht werden. Weicht man

nach dem Waschen die Hirsekörner für eine Stunde in Wasser

ein, wird das Phytin sozusagen deaktiviert. Das Waschwasser

wegschütten. Beim Kochen wird das Getreide am besten im Verhältnis

eins zu drei mit Wasser gemischt. Wer es süßer mag, verwendet

eine Mischung aus Wasser und Milch. Brät man die

Hirse vor dem Kochen kurz an, verleiht man ihr einen nussigen

Beigeschmack. In diesem Sinne: Guten Hirse-Hunger!

PHILIPP PFLIEGER,

Olympionike 2016, nimmt uns mit

auf die 42,195 km,

die die Welt bedeuten


HEALTH & FOODRezepte

Running à la Carte

Powerstart in den Tag

Mit Hirse zum Frühstück tun Sie sich als Läufer gleich etwas Gutes. Denn diese

Getreidesorte besitzt eine hohe Dichte an Mineralstoffen: Magnesium, Kalium,

Fluor, Schwefel, Phosphor, Zink. Hinzu kommen besonders viele B-Vitamine

und Eisen. Silizium tut dem Bindegewebe gut.

30 Minuten | Für 2 Portionen

Frühstücksglück mit Hirsebrei

Zutaten:

Zubereitung:

KICK-OFF FÜR EINEN AKTIVEN TAG

46 | RUNNING | 1/2020

1 getrocknete Feige

2 getrocknete Aprikosenhälften

2 getrocknete,

entsteinte Datteln

1 Stück Ingwer (ca. daumengroß)

120 g Hirse

Salz

1 Msp. Kardamom

1 kleiner Apfel

2 Walnusshälften

50 ml Reisdrink

BALLAST

STOFFE

GLUTEN

FREI

LAKTOSE

FREI

LOW

FAT

VEGGIE

WENIG

KCAL

1. Getrocknete Feige, Aprikosen und

Datteln in kleine Stücke schneiden.

Den Ingwer schälen und sehr fein

hacken.

2. Hirse gut waschen, abtropfen

lassen, dann in einem Topf ohne Fett

und unter Rühren anrösten. Dass

es dabei dampft und etwas streng

riecht, ist normal. Die Hirse mit

300 ml Wasser aufgießen. Eine Prise

Salz, Kardamom, Trockenobststückchen

sowie Ingwer zugeben und den

Brei bei kleiner Hitze 20 Min. köcheln

lassen.

3. In der Zwischenzeit den Apfel

waschen, entkernen, in kleine Stücke

schneiden und ca. 7–9 min. vor Ende

der Garzeit zur Hirse geben. Walnüsse

hacken und untermischen.

4. Den Hirsebrei auf zwei Schüsseln

aufteilen, mit dem Reisdrink übergießen

und warm genießen.

PRO PORTION circa 350 kcal

Fett: 5 g | Kohlenhydrate: 62 g | Eiweiß: 8 g | Ballaststoffe: 6 g

Fotos: Rita Newman, Misha Vetter


30 Minuten | Für 500 Gramm Müsli

Knuspermüsli mit

Haselnüssen und

Aprikosen

SO SIND SIE SCHNELL FIT

Zutaten:

100 g Hirseflocken

100 g Haferflocken

100 g Dinkelflocken

4 EL Sesamsamen

4 EL Haselnüsse

1. Backofen auf 160 Grad

(Umluft 140 Grad) vorheizen.

Alle trockenen Zutaten (bis

auf die Früchte) mit Honig

vermischen, auf ein Backblech

geben und im Ofen ca.

10 Min. rösten lassen. Aus

LAKTOSE

FREI

VEGGIE

Zubereitung:

2 EL Kokosflocken

¼ TL Zimtpulver

2 EL flüssiger Honig

50 g getrocknete Aprikosen

-20 g Cranberries, getrocknet

dem Ofen nehmen und abkühlen

lassen.

2. Die Aprikosen in kleine

Würfel schneiden und mit

den Cranberries unter die

gerösteten Zutaten mischen.

Dieses

Rezept ist dem

FOODFORUM entnommen. Ein

Magazin für alle, die gerne lecker essen

und fit bleiben wollen! Der Ratgeber serviert

auf schmackhafte Art

fundiertes Wissen über

Ernährung und Gesundheit. In

jeder Ausgabe gibt es saisonale

Rezepte, dazu aktuelle Trends

und Produkttests. Neugierig?

Dann bestellen Sie die aktuelle

Ausgabe von FOODFORUM

gratis über www.

foodforum-magazin.

de/probemagazin

PRO PORTION circa 200 kcal

Fett: 7 g | Kohlenhydrate: 26 g | Eiweiß: 6 g | Ballaststoffe: 5 g

RUNNING | 1/2020 | 47


HEALTH & FOODHealthy Living Awards

Die Besten der Besten

Gesund genießen, besser leben – wie das gelingt, erfahren

Sie regelmäßig in unseren Magazinen

FOODFORUM und RUNNING – Das sportliche

Laufmagazin. Doch welche Innovationen bereichern derzeit

die Fitness- und Gesundheitsbranche, welche Dienstleistungen

sind besonders zu empfehlen und welche Produkte

verhelfen zu einem gesunden Lebensstil? Bühne frei

für die Healthy Living Awards.

Auch in diesem Jahr zeichnet der DoldeMedien Verlag die

innovativsten Produkte und Dienstleistungen sowie neue

Konzepte und Trends in den Kategorien Food, Fitness,

Kitchen und Beauty mit den Healthy Living Awards 2020

aus. Welche Produkte in der jeweiligen Kategorie prämiert

werden, darüber entscheidet eine unabhängige, 17-köpfige

Fachjury aus Expertinnen und Experten der verschiedenen

Fachbereiche. Eine ganzheitliche und faire Bewertung ist

dabei immer ihr Anspruch. Die gekürten Produkte können

Verbraucher mit gutem Gewissen kaufen, nutzen und

genießen.

Ausgezeichnet werden die prämierten Produkte im November

2019 bei einer festlichen Verleihung. Einen kleinen

Auszug aller Nominierungen finden Sie bereits auf

den folgenden Seiten dieses Magazins. Wir bedanken uns

ganz herzlich bei allen Einreichern und unserer Jury für

ihr Mitmachen und ihr tolles Engagement. Und nun:

Viel Spaß beim Durchstöbern der preisverdächtigen

Nominierungen. Auf dass Sie die für Sie passenden

Produkte finden und gesund genießen können.

DIE KATEGORIEN

• Aufstriche & Dips

• Bio-Produkte

• Brot & Backmischungen

Food • Cerealien & Frühstück

• Fleisch-Ersatz-Produkte

• Glutenfreie Produkte

• Innovative Food- und Beverage-Idee

• Milch-Ersatz-Produkte

• Milch-Produkte

• Regionale Produkte

• Gewürze, Brühe & Suppen

• Smoothies & Getränke

• Snacks/ Riegel

• Vegane Produkte

• Gesicht

• Haare

• Konzepte

• Körper

Beauty

• Männer

• Vegan

• Funktionskleidung

• Konzepte

• Nahrungsergänzung & Supplements

• Regeneration

Fitness

Kitchen

• Backen & Verzieren

• Innovationen

• Kochen & Dämpfen

• Konzepte

• Mixen, Zerkleinern & Pressen

48 | RUNNING | 1/2020


www.healthyliving-awards.de

Food

DIE JURY

Kerstin Hardt

Gesundheits- und

Mental Coach

Annette Sabersky

Ernährungswissenschaftlerin

Kerstin Wriedt

Ökotrophologin

Volker Mehl

Ayurveda-Gesundheitsund

Ernährungsberater

Die Healthy Living Awards setzen auf

eine unabhängige Fachjury aus Experten

in den jeweiligen Bereichen. Mitglieder

der Jury sind unter anderem Ernährungsfachleute,

Rezeptentwickler, Blogger,

Spitzenköche, Sportjournalisten, Personal

Trainer und Ärzte. Jedes Jurymitglied

bringt auf seinem Fachgebiet ein großes

und anerkanntes Wissen mit. Viele unserer

Jury-Mitglieder sind Multiplikatoren

in ihrer Branche!

Gerd Astor

Koch

DIE VERLEIHUNG

Beauty

Prof. Dr. med. Michaela

Axt-Gadermann

Hautfachärztin, Sportmedizinerin

und Professorin

für Gesundheitsförderung

Sasha Sasse

Stylist und

Mister Germany 2019

Adaeze Wolf

Ganzheitliche Ernährungsberaterin

und

zertifizierter Health &

Life Coach

Stefanie Reeb

Gesundheitsberaterin,

Gründerin des Foodblogs

www.wellcuisine.net und

Autorin

Die Verleihung findet am

30. November 2019 im Le Méridien

in Stuttgart statt. Die Veranstaltung beginnt

um 18.30 Uhr. Wie auch im letzten

Jahr, ist die Vergabe der Awards eingebettet

in eine Gala mit prominenten

Sportlern, Food-Experten und Ehrengästen.

Durch das Programm führt Tina

Kaiser. Die gebürtige Münchnerin ist

Moderatorin und international als Model

bekannt.

Fitness

Dr. Carsten Drecoll

Chefredakteur

„RUNNING – Das Laufmagazin“

Ramona Arendt

Personal Trainerin und

Fitnessmodel

Arne Simmich

Personal Trainer und

lizenzierter EMS-

Trainer

Jochen Schmitz

Associate Manager

PR & Kommunikation bei

„SCC-Events“

Kitchen

Stefanie Nickel

Ernährungswissenschaftlerin

Boris Biggör

„The Taste“-Finalist und

Küchenmeister

Graziella Macri

Köchin und Bloggerin

Marcus Schneider

Betriebswirt und

Avantgardekoch

RUNNING | 1/2020 | 49


HEALTH & FOODHealthy Living Awards

NOMINIERUNGEN

Food

KATEGORIE GETRÄNKE

Kakaogetränk mit Guarana

und Maca von Naturata AG

macht wach und schmeckt

süßlich, dank Maca, einer

Knolle aus den Anden. Der

vegane Kakao enthält

ausschließlich hochwertige

Zutaten und wird in Deutschland

hergestellt.

KATEGORIE SNACKS

Fit Food Protein Mix 150 g

von Herbert Kluth (GmbH

& Co. KG) ist ein natürlicher

Snack mit einem hohen

Gehalt an Proteinen aus

verschiedenen Nusskernen

und Sojabohnen. Der Mix

versorgt Sie mit natürlichen

Proteinen und trägt zur

Zunahme und Erhaltung der

Muskelmasse bei – ein optimaler Snack

nach dem Krafttraining.

KATEGORIE GLUTENFREI

Glutenfreie Pizzateig Backmischung

von BIOVEGAN ist

vollwertig, voll vegan, voll

einfach und voll lecker. Die

Backmischung setzt auf

Zutaten in Bio-Qualität und

kommt komplett ohne Zucker

und Gluten aus. Mit seinem

hohen Protein- und Ballaststoffgehalt

bei niedrigem

Kohlenhydratwert liegt der Pizzateig voll

im Ernährungstrend.

KATEGORIE AUFSTRICH

Dr. Goerg Premium Bio-

Kokos-Mandelmus, 500g von

Dr. Goerg GmbH Premium

Bio-Kokosnussprodukte

besteht aus 60 % erntefrischem

Bio-Kokosmus und

40 % feinstem Bio-Mandelmus.

Ganz gleich ob als

Brotaufstrich oder zum Verfeinern

beim Kochen und Backen – der

cremige, vegane und gluten- sowie

laktosefreie Aufstrich ist immer eine

gute Wahl.

KATEGORIE

MILCH-ERSATZPRODUKT

Der Genussige Kräuter

von Bio Veganz ist

vollmundig und frisch im

Geschmack und

cremig-leicht in der

Konsistenz. Die rein

pflanzliche Käsealternative

entsteht in einem

speziellen Reifeprozess

mit veganen Milchsäurekulturen

und wird in Handarbeit

hergestellt. Über Pasta geschnitten, aufs

Brot gestrichen oder zum Verfeinern von

Salat – der Genussige ist ein echter

Allrounder in der Küche.

KATEGORIE: VEGAN

BIOVEGAN Gelierzucker 3:1

von BIOVEGAN GmbH ist der

erste Gelierzucker in Bio-Qualität

im Verhältnis 3:1. Mit der

Produktneuheit lassen sich

Bio-Fruchtaufstriche mit

deutlich weniger Zucker

zubereiten. Eine 500-Gramm-

Packung ist so ergiebig, dass

sie für 1,5 Kilogramm

Bio-Früchte nach Wahl oder 1,2 Liter Saft

ausreicht.

KATEGORIE: VEGAN

Vegane Schokocreme von

Keimling Naturkost GmbH

hat einen intensiven Haselnuss-Geschmack

und ist eine

vegane, laktosefreie Alternative

zu herkömmlichen Schoko-Aufstrichen.

Passt auf Brot und Brötchen.

Kein Palmöl, kein Industriezucker!

KATEGORIE

MILCHPRODUKT

Arla Bio Fruchtjoghurt von

Arla Foods Deutschland

GmbH besteht

aus Bio-Früchten

(25 %) und Bio-Naturjoghurt

(75 %). NUR

Joghurt und Frucht, sonst nichts. Keine

Farbstoffe, keine Aromastoffe, keine

Konservierungs- oder Verdickungsmittel

und auch kein zugesetzter Zucker.

KATEGORIE

MILCHPRODUKT

Skyr Kulturen zur

Herstellung von

probiotischem Skyr von

Spinnrad GmbH

Natürlich kann man Skyr

heutzutage in vielen

Supermärkten im

Kühlregal finden und

käuflich erwerben.

Allerdings sorgt die

frische Zubereitung des Skyrs mit seinen

Kulturen dafür, dass die wertvollen

rechtsdrehenden Milchsäurebakterien

erhalten bleiben und lebend den Darm

erreichen. Erst dort können diese

nämlich ihre wichtige Aufgabe verrichten,

den Aufbau der Darmzotten

begünstigen und zu einer gesunden

Darmflora verhelfen. Die Milchsäurebakterien

in fertig zubereiteten Produkten

aus dem Kühlregal haben durch die lange

Zeitspanne zwischen Produktion und

Verzehr kaum eine Überlebenschance.

Ganz nebenbei verzichtet man beim

Selbermachen auf zusätzliche Aromen

und Geschmacksverstärker, zugesetzten

Zucker, Konservierungsstoffe und

Stabilisatoren. Getreu dem Motto

„Wissen, was drin ist“, ist es so ganz

einfach, gesunde und hochwertige

Lebensmittel herzustellen.

Fotos: Hersteller, privat

50 | RUNNING | 1/2020


www.healthyliving-awards.de

NOMINIERUNGEN

KATEGORIE GLUTENFREI /

VEGAN / BIO-PRODUKT

TischleinDeckDich® von

P. Jentschura Tischlein-

DeckDich ist die

gesunde Quinoa-Hirse-

Mahlzeit mit Gemüse

der Marke P. Jentschura.

Ob als gesundes

Mittagsessen, zur

leichten Abendmahlzeit,

für unterwegs, vor dem

Sport oder im Büro: TischleinDeckDich

punktet nicht nur durch seine blitzschnelle

Zubereitung, sondern auch

durch seine Vielfalt an wichtigen

Inhaltsstoffen. Das einmalige Erhitzen

sorgt für eine optimale Aufschlüsselung

der Inhaltsstoffe, die für den Organismus

direkt verwertbar sind. TischleinDeck-

Dich bewirkt kein Nachquellen im

Magen, ist leicht verdaulich und sorgt

somit für ein gutes Bauchgefühl. Die

hochwertigen Kohlenhydrate und die

optimale Nährstoffkombination sorgen,

im Gegensatz zu üblichen kohlenhydratreichen

Mahlzeiten wie z.B. Nudeln, für

eine langanhaltende und gleichmäßige

Bereitstellung der Energie – für die

Extraportion Schwung im Alltag. Mit

heißem Wasser aufgegossen oder im

Kochtopf erhitzt, eignet sich Tischlein-

DeckDich ideal als gesunde Basis und für

vielseitige kreative Rezepte für z.B.

Salate, Beilagen oder Bratlinge.

KATEGORIE BROT

Eat the Korn Original von

Eat the Ball® Gesundes

Weizenbrot aus rein

natürlichen 8 Zutaten der

neuen Brotkategorie pro.

ferment Brot. PRO.FERMENT BROT IST

DAS BROT VON HEUTE: besonders

nährstoffreich, ohne künstliche

Zusatzstoffe länger frisch und haltbar

– also das Beste, was wir alle für uns und

gegen Brot-Verschwendung tun können.

Eat the Korn bringt Brot in eine neue

Form, die vor allem für Kinder, Jugendliche

und sportaffine Trendsetter

attraktiv, cool und auffällig ist, aber

auch technikaffine Menschen und

Brotgenießer anspricht.

Fitness

KATEGORIE NAHRUNGS-

ERGÄNZUNGSMITTEL

MADENA Darmkur Forte

von MADENA GmbH & Co.

KG MADENA Darmkur Forte

ist ein Synbiotikum, welches

nicht nur Pro- und Präbiotika

enthält, sondern auch eine

abgestimmte Kombination

von Vitaminen, Mineralstoffen

und Spurenelementen,

welche ebenfalls positive Effekte

auf das Darmmilieu erzielen. Besonders

Sporttreibende aller Leistungsniveaus

greifen häufig zu mehreren Nahrungsergänzungsmitteln

und sind dankbar über

Produkte, welche nicht nur qualitativ

hochwertig sind, sondern zudem auch

einfach und schnell helfen, viele

Ernährungslücken zu füllen und den

durch Sport gesteigerten Bedarf zu

decken.

KATEGORIE

SPORTKLEIDUNG

Odlo Active

Spine von Odlo

Sports GmbH

ist eine

innovative

Sportunterwäsche,

die für

eine bessere

Körperhaltung sorgt und Leistungsfähigkeit

sowie Wohlbefinden optimiert. Die

Shirts eigenen sich perfekt für Running,

Teamsport oder im Alltag. Vorne sind sie

hochelastisch, im Schulter- und

Rückenbereich strafft der kompakte

Rahmen in Verbindung mit der nahtlosen

Kompressionszone den Körper.

KATEGORIE

REGENERATION

H24 Rebuild

Strength von der

Herbalife

International

Deutschland

GmbH ist ein

Shake mit hohem

Proteingehalt für

die Erholungsphase nach dem anaeroben

Training. Die spezielle Kombination

aus hochwertigem Kasein und Molke

trägt zur Zunahme und Erhaltung von

Muskelmasse bei. Der Shake ist für jede

anaerobe Betätigung geeignet, egal ob

Gewichtheben, Fußball- oder CrossFit-

Training. (1 kg Dose mit rund 20

Portionen ca. 60 Euro, bei selbständigen

Herbalife Nutrition Mitgliedern)

KATEGORIE NAHRUNGS-

ERGÄNZUNGSMITTEL

Floradix Sport Eisen Tonikum

von der Salus Pharma GmbH

sorgt dafür, dass der erhöhte

Eisenbedarf während einer

sportlichen Belastung

gedeckt wird. Das Nahrungsergänzungsmittel

unterstützt den Körper

dabei, leistungsfähig zu bleiben

und ausreichend Sauerstoff in die

Muskeln zu transportieren.

KATEGORIE NAHRUNGS-

ERGÄNZUNGSMITTEL

Tri-Blend Select

Banana von der

Herbalife International

Deutschland

GmbH ist ein

veganer Proteinshake

aus einer

Kombination von

Erbsen, Quinoa und Leinsamen. Er liefert

alle essenziellen Aminosäuren, Vitamin C

sowie sieben verschiedene Mineralstoffe

und eignet sich als Zwischenmahlzeit,

Nahrungsergänzung oder als Power-

Boost nach dem Sport (600-g-Beutel mit

rund 15 Portionen 64 Euro, bei selbständigen

Herbalife Nutrition Mitgliedern).

RUNNING | 1/2020 | 51


HEALTH & FOODMöller Medizinische Meinung

M•LLERS MEDIZINISCHE MEINUNG

ICH BIN

BENACHTEILIGT

VON DR. DAVID MÖLLER

In einer Gegenwart, in der alles individueller und auf den Einzelnen

zugeschnitten wird, sollte es doch möglich sein, meine genetischen

Nachteile auszugleichen. Ich willige hiermit in die Sequenzierung

meines Genoms ein und erwarte im Gegenzug die Anwendung

einer noch näher festzulegenden Handicap-Regelung bei

allen Wettkämpfen ab IAAF Bronzelabel aufwärts.

DR. DAVID MÖLLER

ist ein Schulmediziner wie er

nicht im Buche steht. Dafür

finden Sie seinen Namen umso

häufiger in Lauf- und Triathlon-

Ergebnislisten. Er will nicht so

ganz ernst genommen werden,

aber seine Gegner sollten das

tun. Wenn Sie mal ein Problem

haben und nicht mehr weiterwissen,

(be-)suchen Sie ihn

doch. Der 36-Jährige ist zwar

nicht käuflich, lässt sich aber

bei einem guten Preis mieten.

Bereits 2018 hat Mack Beggs in Texas

zum zweiten Mal in Folge die

Staatsmeisterschaft der weiblichen

Ringer bis 110 Pfund gewonnen. Das

Besondere ist, dass Mack medizinisch

verordnet Testosteron bekam, da er sich

im falschen Körper geboren fühlte. Er ist

transsexuell, muss jedoch in der weiblichen

Division antreten, da in Texas das

Geschlecht der Geburtsurkunde ausschlaggebend

zur Einteilung ist. Die ganze

Saison war er daher ungeschlagen. Ich

erwarte ja nun nicht die Freigabe von

EPO oder anderen für mich als Läufer

noch sinnvolleren Mitteln als Testosteron.

Nur ein wenig Rücksicht, dass ich

viel mehr trainieren muss als andere, um

dann im Zweifel doch langsamer zu sein.

Das sollte doch möglich sein.

Wenn in verschiedenen Kategorien bewertet

wird und es dabei um Menschen

geht, die ähnlich wie ich eine genetische

Benachteiligung haben (geringere Muskelmasse

und niedrige Sauerstoffaufnahmekapazität)

und deshalb langsamer

laufen als andere, muss das doch auch für

mich möglich sein. Und die Frauenwertung

gibt es ja nun schon viele Jahre. Jetzt

ist es an der Zeit, einen Schritt weiterzugehen.

Die Gegenwart ist reif für meine

innovative Art der Inklusion.

Als Paula Radcliffe 2003 den ersten offiziellen

„Weltrekord“ (Anm. d. A.: Zuvor

war im Marathon der Terminus „Weltbestzeit“

üblich) der Frauen im Marathon

auf eigentlich gar nicht so weltrekordlicher

Strecke (weil kurvig, hügelig und

mit Kopfsteinpflaster) durch London

aufstellte, konnte man nicht ahnen, dass

erst 16 Jahre später ein neuer Weltrekord

aufgestellt würde. Der Männer-Marathon-Weltrekord

hingegen ist in der gleichen

Zeit etliche Male verbessert worden.

Und zwar insgesamt immerhin um etwas

mehr als 3 Minuten. Jawohl, jedes Mal in

Berlin – auf nun 2:01:39 Stunden. Dabei

wurde der Lauf von 2:03:02 Stunden von

Geoffrey Mutai in Boston 2011 nicht anerkannt,

obwohl es damals die schnellste

Laufzeit über 42,195 Kilometer war. Und

das alles nur, weil Start und Ziel in Boston

nach Statuten der Leichtathletik-

Föderation zu weit auseinander liegen.

Geoffrey Mutai lief nie wieder die gleiche

Zeit. Er bekam niemals die ihm zustehenden

Ehren zugesprochen, ein Weltrekordhalter

zu sein. Selbstverständlich

wäre es möglich, einen Laufkurs wie die

Strecke in Boston mit einem rechnerischen

Handicap zu versehen. Nicht jeder

kann in Radcliffe-Manier auf einer anspruchsvollen

Strecke Weltrekord laufen.

Das ist doch nicht fair.

Meine einzige Chance wäre, mit ungewöhnlichen

Laufvarianten erfolgreich zu

sein. Nun steht der Weltrekord im Marathon

rückwärts gelaufen seit 2017 dank

Markus Jürgens bei 3:38:27 Stunden.

Wie meine Oma Erna sagen würde: Das

kann doch nicht gesund sein. Eine andere

Möglichkeit wäre die Biermeile. Dabei

muss man direkt nach dem Startschuss

ein Bier exen. Dann 400 Meter laufen –

Bier – 400 Meter laufen – und so weiter,

bis einem insgesamt vier Bier von unten

an das Brechzentrum klopfen und man

1.600 Meter gelaufen ist. Da ich aber keinen

Alkohol trinke, werde ich auch hier

wieder ausgeschlossen von der Möglichkeit,

reich und berühmt zu werden. Zudem

liegt der Weltrekord bei 4:33 Minuten.

Und selbst wenn man den gleichen

Unsinn mit Schokomilch veranstaltet,

müsste man für den Rekord diese Zeit

unterbieten. Und dabei ist die erste Meile

ohne Bier – oder Milch-Pause unter

vier Minuten durch Roger Bannister gerade

einmal 65 Jahre her.

Vielleicht ist rückwärts laufen mit Schokomilch-Pausen

auf der Londoner Marathonstrecke

meine letzte Hoffnung – zumindest

solange ich noch in der Männerwertung

starten muss.

52 | RUNNING | 1/2020


Das Heft für

Deine Sehnsucht

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Magazin über Kastenwagen

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HEALTH & FOODMuay Thai

KAMPF-GEIST: Beim Muay Thai

wird der ganze Körper, aber auch

der Geist gestärkt.

FREMDGELAUFEN:

MUAY THAI

WARUM UNS KÄMPFEN STÄRKER MACHT

von Tabitha Bühne

Einfach mal eine Alternativsportart ausprobieren und schauen,

was sie für uns Läufer bringt. Mit dieser Idee bin ich auf Muay Thai

gestoßen. Für den Ausdauersportler hat diese fremde Welt

tatsächlich einiges zu bieten.

54 | RUNNING | 1/2020


Bis vor Kurzem hatte ich wenig bis gar keine Ahnung von

Muay Thai und wusste nur, dass es sich dabei um den

Nationalsport Thailands handelt und einer meiner Brüder

ihn seit vielen Jahren mit großer Begeisterung betreibt. Ich

konnte das jedoch nie so ganz nachvollziehen. Was ist so toll daran,

sich gegenseitig „aufs Maul zu hauen“ und ständig Angst

um seine Nase zu haben?

LAUFEN ODER KÄMPFEN

Es kam allerdings zu einer Situation, in der ich mir gewünscht

habe, Muay Thai zu beherrschen. Es war ein Herbsttag, ich wollte

noch eine kleine Abendrunde durch den Leipziger Park drehen.

Luft holen nach einem langen Tag. Ich habe keine Angst vor der

Dunkelheit und so schnürte ich meine Schuhe und lief los. Als

ich am Ende einer Allee in Richtung See abbog, bemerkte ich,

dass mir jemand folgte. Erst dachte ich, dass mir ein schneller

Läufer auf den Fersen ist. Doch als ich mich umdrehte, sah ich

keinen Läufer, sondern einen Mann in Kapuzenpulli, Jeans und

Straßenschuhen, die Kappe tief ins Gesicht gezogen. Er blieb stehen.

Ich kam fast ins Stolpern. Eine Frage raste mir durch den

Kopf: Was, wenn er angreift? Ich bin an diesem Abend so schnell

gelaufen wie selten zuvor. Der Typ hat mich nicht gekriegt. Aber

die Situation beschäftigte mich noch eine Weile. Und nach dieser

Erfahrung kam mir dann der Gedanke: Vielleicht wäre Muay

Thai doch keine schlechte Idee. Weglaufen ist gut. Doch ein paar

Kampftechniken könnten vielleicht nicht schaden – und sei es

nur, um sich wieder sicherer zu fühlen.

MUAY THAI – EIN SPORT, DER AUFS

GANZE GEHT

Als ich die Chance bekam, nach Thailand zu fliegen und dort

auch ein Muay Thai-Training zu erleben, war ich sofort Feuer

und Flamme. Ich hatte zwar keine Ahnung, was mich erwartete,

aber freute mich auf eine neue sportliche Erfahrung. Und die

sollte ich kriegen!

Jay, ein muskelbepackter Typ, begrüßt mich am Ring. Er macht

den Sport seit vielen Jahren, schon als kleiner Junge hat er damit

angefangen. Er erinnert mich an meinen Bruder: ein starker

Typ, keine Frage, aber mit einem freundlichen Gesichtsausdruck

und viel Humor. Ich frage ihn, warum Muay Thai ein guter

Sport für Läufer ist. Jay fallen da jede Menge Gründe ein: „Es

bietet dir ein funktionelles Training. Der ganze Körper wird gestärkt.

Für Läufer ist es sehr gut, weil die Hüfte mobilisiert wird,

Schultern und Hintern kommen verstärkt in Aktion.“ Es handelt

sich offensichtlich um eine sehr gute Ergänzung, da alle

Muskelgruppen trainiert werden. „Vor allem die sonst oft vernachlässigte

Körpermitte wird richtig stark!“, erklärt der

Kampfsportler und Trainer. „Gelaufen wird im Ring übrigens

auch ganz schön. Mal schauen, wie viele Runden du durchhältst“,

meint er und lacht. Ich schaue mir den Ring genauer an.

Im Gegensatz zur 400-Meter-Bahn wirkt er doch recht klein.

Wie und wohin soll ich denn da laufen?

Veranstalter: Landkreis Bad Dürkheim

Ausrichter: TSV Bockenheim, TSG Grünstadt

Meldeadresse & Infos

Kreisverwaltung Bad Dürkheim

Marathon Deutsche Weinstraße

Philipp-Fauth-Straße 11, 67098 Bad Dürkheim

Tel./Fax: 06322 961-1015 (ab 14.00 Uhr)

E-Mail: info@Marathon-Deutsche-Weinstrasse.de

mit Duo- & Halbmarathon

mit Duo- & Halbmarathon

www.Marathon-Deutsche-Weinstrasse.de

www.AVmedia.de

WAS HINTER DEM KAMPFSPORT STECKT

Das Muay Thai hat sich über Jahrhunderte aus traditionellen

Kampfkünsten Thailands entwickelt. Zunächst kämpfte man


HEALTH & FOODMuay Thai

TRITT-SICHER: Beim Muay Thai kämpft

man mit Schienbeinen, Knien, Ellenbogen

und Fäusten.

mit Schwert und Speer. Hatte man jene Waffen nicht zur Verfügung,

setzten die Krieger ihre Knie, Ellenbogen und Fäuste ein.

Die Nahkampfsportart nutzt den menschlichen Körper als

Waffe, um im Angriff und in der Verteidigung wirkungsvoll

agieren zu können.

Der erste offizielle Wettkampf im Ring soll 1921 stattgefunden

haben. Wenige Jahre später wurden zum ersten Mal Boxhandschuhe

eingesetzt. Der Tiefschutz wurde damals aus Kokosnussschalen

angefertigt. Nach dem zweiten Weltkrieg gewann Muay

Thai an Bedeutung, es entstanden immer mehr Verbände und

ein Regelwerk. Es gibt mittlerweile viele unterschiedliche Stile.

Die Rundenzeit variiert zwischen drei und fünf Minuten.

NUR EIN SPORT FÜR DIE GANZ HARTEN?

Thaiboxen wird aus ganz unterschiedlichen Gründen praktiziert:

zur allgemeinen Fitness, zur Selbstverteidigung, als Wettkampfsport

oder auch als Kampfkunst. In Thailand sind die

Kampfsportler vielerorts hoch geachtete und verehrte Idole.

Es handelt sich beim „richtigen“ Muay Thai zurecht um eine der

härtesten Sportarten der Welt. Je nach Reglement und Wettkampfniveau

sind auch Würfe, Schläge aus der Dehnung und

Knietritte zum Kopf zulässig. Teilweise darf der Kopf des Gegners

zum Boden gezogen werden. Beim sogenannten Clinchen

halten sich die Gegner fest und versuchen sich gegenseitig mit

Tritten aus dem Gleichgewicht zu bringen. Das Verletzungsrisiko

ist hoch. Ich habe nur einmal einen Muay Thai-Wettkampf

erlebt. Das war in Indien. Es tat fast weh zuzusehen, hin

und wieder spritzte das Blut und der Sport erschien mir wie ein

grausames Schauspiel im Raubtier-Käfig. Besonders seltsam

wurde das ganze Sportevent aber aus einem anderen Grund: in

Indien nimmt man es mit dem Jugendschutz nicht so genau

und um mich herum saßen lauter Familien mit Kleinkindern,

die das Spektakel gemeinsam genossen – mit Softdrinks und

Snacks wie im Kino.

DIE ACHT KÖRPERWAFFEN

Muay Thai wird auch als „Wissenschaft der acht Gliedmaßen“

bezeichnet. In diesem waffenlosen Kampfsport wird mit den

„acht Körperwaffen“ gekämpft. Dazu gehören zwei Fäuste, Ellbogen,

Knie und Schienbeine. Erlaubt sind alle Techniken des

Kickboxens, Ellenbogen- und Kniestöße sowie das Clinchen.

Auch Hebel- und Wurftechniken gehören dazu. Ich lerne den

Lowkick, Sidekick mit dem Schienbein und wie man dem Sandsack

einen stoßähnlichen Frontkick und Kniestößen einen Tritt

verpasst. Allerdings erweist sich dieser als ganz schön widerspenstig

und gerissen. Er schwingt hin und her und es ist viel

Timing gefragt. Nur mit der richtigen Technik kommt man hier

weiter. Reine Gewalt ist schnell verpufft. Am meisten Spaß machen

mir aber Schläge mit dem Ellenbogen und die klassischen

Jabs. Es ist eine ganz neue Art, seinen Körper zu spüren, sich

Fotos: Thanyapura Resort, Tabitha Bühne

56 | RUNNING | 1/2020


KAMPF-SPORT: In Indien ist Muay

Thai sehr beliebt, ganze Familien

kommen zu den Shows.

mal alles von der Seele zu hauen und ganz andere Muskelgruppen

zu erreichen.

IM RING

Als ich zweimal eine Minute lang Schattenboxen zum Aufwärmen

machen darf (was ja erst mal nicht lange klingt) fange ich

schon nach dreißig Sekunden ganz schön an zu schnaufen. Ich

soll schnell schlagen, die Arme dabei strecken und gleichzeitig

auf meine Beinarbeit, Deckung und einen stabilen Stand achten.

Krafteinteilung ist noch nicht so ganz meine Stärke, aber

ich halte durch. Diese Kampfkunst hat es in sich – schon nach

zwei Minuten im Ring bin ich nassgeschwitzt. Muay Thai verlangt

ein hohes Maß an Kraft, Ausdauer, Konzentration, Reaktionsschnelligkeit

und Koordination. Es macht einen Mordsspaß.

Ich finde Gefallen an dem Training und kriege als Belohnung

einen ordentlichen Muskelkater am nächsten Tag.

PLUSPUNKTE

Muay Thai schult die Koordinationsfähigkeit, stärkt Muskeln

und Gelenke, fördert die Beweglichkeit und schenkt ein besseres

Körperbewusstsein und Selbstverständnis. Körper und Geist

werden gleichermaßen intensiv gestärkt. Einige Übungen werde

ich in mein Training einbauen. Vor allem die Trainingselemente

zur Hüftmobilisation sind klasse. Die Schwerpunkte Agilität,

Kraftausdauer, Kondition und Technik im Kampfsport setzen

neue Möglichkeiten frei. Und tatsächlich werden Oberkörper,

Mitte und Gesäß durch das Training stärker, was auch meinem

Laufstil gut tut.

Mental hat mir das Training eine Menge gebracht: ich werde

zwar sicher nicht zur „Kampfsau“ mutieren, aber ich weiß, wie

ich mich mit gezielten Kicks und Ellenbogenschlägen im Notfall

verteidigen kann. Gerade für Frauen ist Muay Thai eine super

Sache. Wem es eine Nummer zu heftig ist, der kann es im Fitnessstudio

mit Body Combat-Kursen versuchen. Bei dem Workout

kommen auch einige Muay Thai-Techniken zum Einsatz.

Auch in den eigenen vier Wänden lässt sich Muay Thai trainieren.

Dazu braucht man nicht unbedingt Handschuhe, Bandagen

und Sandsack – man kann auch Elemente wie Seilspringen,

Schattenboxen, Kicks und die Koordinationsübungen mit Liegestützen

kombinieren und so etwas Abwechslung und Krafttraining

in seinen sportlichen Alltag holen.

Beim Boxen ist es in vielerlei Hinsicht wie beim Laufen: Zwei

Stunden vorher sollte man besser nichts essen, Aufwärmen und

Cool-down sind wichtig, um gesund zu bleiben, und es braucht

Zeit und Ziele, um sich weiterzuentwickeln.

TIPP

Wenn ihr mehr erfahren und auch ein paar Übungen sehen

wollt, gibt es ein Video mit Trainer Jay und mir auf unserer

Homepage. Viel Spaß!

RUNNING | 1/2020 | 57


TEST & SERVICELaufjacken

Die lassen Sie NICHT

im REGEN stehen

REGENJACKEN IM PRAXIS-CHECK

von Anne-Katrin Leich

Jeder Läufer, der sich schon einmal auf einen Wettkampf vorbereitet

hat, weiß, dass es verdammt miese Witterungsverhältnisse für einen

Long-Jogg oder die Intervall-Session geben kann. Eine gute Regenjacke

im Schrank ist die beste Voraussetzung dafür, die Motivation zu

erhalten und vor diesem Training nicht zurückzuschrecken.

REGEN: Nasse Wetterverhältnisse bei Wettkampf oder

Training sind mit modernen Laufjacken kein Problem.

Viele Läufer scheuen das Tragen

von Regenjacken, weil sie entweder

beim Armschwung laute

Reibegeräusche erzeugen, eine schlecht

sitzende Kapuze haben, bei Wind wie

ein Fallschirm wirken und flattern oder

aber die Bewegungsfreiheit einschränken.

Und genau diese Liste an Kritikpunkten

beschreibt bereits, welche primären

Kriterien es beim Kauf einer guten

Regenjacke zu beachten gilt. Genaueres

zu unseren Testkriterien lesen Sie im

nächsten Abschnitt. An oberster Stelle

sollte jedoch stehen, dass es sich um ein

Produkt handelt, das dafür konzipiert

wurde und auch darauf ausgelegt ist,

beim Laufen zum Einsatz zu kommen.

Dies ist bei allen Modellen unseres Tests

gewährleistet.

WAS DIE JACKE KÖNNEN

MUSS

Zu den sekundären Kriterien zählen

Aspekte, die den individuellen Einsatz-

Fotos; Salomon, Anne-Katrin Leich

58 | RUNNING | 1/2020


bereich sowie persönliche Vorlieben betreffen.

Folgende Checkliste kann bei

der Kaufentscheidung hilfreich sein:

• Hat die Jacke Taschen (Größe/ Platzierung)?

Was möchte ich darin eigentlich

transportieren (z.B. einen Schlüssel

oder ein Handy)?

• Verfügt die Jacke über Reflektoren?

Laufe ich in einer Gegend, in der ich

unter widrigen Bedingungen besonders

gut zu sehen sein sollte?

• Sollte die Kapuze befestigt werden können,

falls es aufhört zu regnen und ich

die Kapuze abnehme (siehe Detailbild)?

• Sollte man die Jacke öffnen können,

um bei einer Regenpause ordentlich

„durchzulüften“? Möchte ich hierfür,

dass die Jacke über eine Druckknopf-

Lasche (siehe Detailbild) verfügt?

• Wie viel wiegt die Jacke? Wie ist das

Packmaß?

UNSERE TESTKRITERIEN

Es galten testinterne Vergleichskriterien.

Das bedeutet, dass die Modelle einander

gegenüber gestellt wurden und in den

einzelnen Kategorien mindestens eine

Jacke die volle Punktzahl erreicht hat.

Hinsichtlich der Flexibilität des Materials

mussten sich also alle Produkte am

Status quo der Montane Minimus

Stretch Ultra Jacket messen, in puncto

Schirm und Kapuze war die Run Jacket

von La Sportiva der Goldstandard und

bei der Passform war zum einen ebenfalls

Montane, zum anderen aber auch

Salomon das Maß der Dinge.

Folgende Aspekte galten als ausschlaggebend

für die Punktevergabe, die gleichzeitig

auch im Generellen als Orientierungshilfe

beim Kauf einer Regenjacke

herangezogen werden können:

SCHIRM UND KAPUZE: Eine Kapuze,

die sich gut an die eigene Kopfgröße anpassen

lässt oder aber per se mit einem

guten Schnitt überzeugt und damit

Kopf, Hals und Nacken vor widrigem

Wetter schützt, stellt ein entscheidendes

Qualitätskriterium einer Regenjacke dar.

Zentrale Charakteristika sind die Einstellbarkeit

der Kapuze mithilfe von

Zugbändern, die Stabilität des Schirms

sowie ein eventuell darin integrierter

biegbarer Bügel. Wichtig ist primär das

enge Abschließen der Kapuze am Kopf,

DRUCKKNOPF- LASCHE: Hört es auf zu

regnen, verspüren Sie womöglich das

Bedürfnis, die Regenjacke zu öffnen.

Damit die Jacke dann nicht herumflattert,

wird sie mit einer Druckknopf-

Lasche im Zaum gehalten. Ein Detail,

über welches die Modelle von

Salomon und Montane verfügen.

DIE KAPUZE DER ODLO-REGENJACKE:

lässt sich wie viele Modelle mithilfe

eines Gummizugs am Hinterkopf

justieren.

sodass (auch seitlich) kein Wasser in die

Kapuze laufen kann.

PASSFORM: Eine gute Passform ist

dann gegeben, wenn trotz eines körpernahen

Sitzes ausreichend Bewegungsfreiheit

in Aktion gewährleistet wird. Im

Optimalfall hält die Jacke die Balance

zwischen zwei unerwünschten Extrempolen,

d.h. dass sie weder flattert noch

einengt.

FLEXIBILITÄT DES MATERIALS/

MATERIALSTÄRKE: Um wasserdichte

Eigenschaften zu erzielen, greifen die

Hersteller auf unterschiedliche Materialien,

verschiedene Beschichtungen oder

Technologien zurück. Je nach Material

und dessen Stärke ist die Jacke eher flexibel

oder starr. Letzteres schränkt die Bewegungsfreiheit

tendenziell ein und verringert

den Tragekomfort beim Laufen.

Dieses Kriterium geht Hand in Hand

mit dem der Passform: Nur bei jeweils

hoher Flexibilität des Materials und

gutem Sitz wird ein angenehmer Tragekomfort

generiert.

DIE KAPUZE DER LA SPORTIVA-

REGENJACKE: lässt sich befestigen,

damit sie, wenn sie abgenommen wird,

nicht flattert.

DIE KAPUZE VON MONTANE: lässt eine

besonders hohe Bewegungsfreiheit

zu. Ihr Sitz kann mithilfe jeweils eines

Gummizugs links und rechts reguliert

werden.

Alle Jacken erwiesen sich im Praxis-

Check als wasserdicht, auch an Nähten

und Reißverschlüssen zeigten sie keine

auffälligen Schwachstellen. Ein wunder

Punkt sind generell die Unterarme, insbesondere

wenn die Laufuhr über der

Jacke getragen wird und den Ärmelausgang

verschließt, sodass es hier zu einem

Hitzestau kommt. Denn dann sammelt

sich in diesem Bereich vermehrt

Schwitzfeuchtigkeit.

Belastbare Aussagen zur ATMUNGS­

AKTIVITÄT lassen sich nur unter exakt

gleichen Testbedingungen treffen, das

heißt, bei jedem Lauf müssen jeweils die

gleiche Temperatur (ohne Schwankungen)

sowie Regenstärke und Trainingsintensität

vorliegen. Im vorliegenden

Praxis-Check herrschten keine Laborbedingungen,

sodass hilfreiche und

wirklich vergleichbare Aussagen zur

Atmungsaktivität das Niveau eines subjektiven

Eindrucks nicht übersteigen

können. Daher wurde an dieser Stelle

auf einen Vergleich verzichtet.

RUNNING | 1/2020 | 59


TEST & SERVICELaufjacken

MONTANE

MINIMUS STRETCH

ULTRA JACKET

GORE

R7 GORE-TEX

SHAKEDRY TRAIL

HOODED JACKET

ODLO

ZEROWEIGHT RAIN

WARM JACKE

Die Regenjacke von Montane zeigt,

dass sie für bewegungsintensiven

Ausdauersport bei widrigen Bedingungen

gemacht ist: Hohe Funktionalität

trifft auf geringe Materialstärke

und maximale Bewegungsfreiheit.

Die Kapuze lässt sich über zwei klassische

Gummizüge rechts und links bei

Bedarf so einstellen, dass nur noch

das Sichtfeld frei bleibt und der Rest

des Kopfes geschützt ist. Dennoch

büßt der Kopf keineswegs an Bewegungsfreiheit

ein. Dies erreicht die

Kapuze, welche über einen verstärkten

Schirm mit Bügel verfügt, nicht

etwa durch einen zu weiten Schnitt,

sondern eine optimale ergonomische

Passform. Gleiches gilt für das Modell

insgesamt: Trotz körpernahem Sitz

büßt der Träger der Jacke keineswegs

an Agilität ein. Die Jacke verfügt über

einen langen Rücken sowie vorderseitig

über zwei Taschen.

Fazit: Leichte Regenjacke mit optimaler

Passform, hoher Bewegungsfreiheit

und sehr guter Kapuze für

widrige Bedingungen.

Flexibilität des

Materials/ Materialstärke:

Passform:

Schirm und Kapuze:

Preis: 199,95 Euro

Hersteller: www.montane.eu

Die Shakedry-Technologie ermöglicht

ein einfaches Abschütteln jeglicher

Regentropfen, während das sogenannte

Gore-Tex-Laminat, das nicht

nur wind- und wasserdicht, sondern

auch extrem geschmeidig und weich

ist, kaum Reibegeräusche erzeugt.

Der körpernahe Schnitt sowie die

passende Ärmellänge unterstreichen

die gute Passform. Ein nettes Detail

ist der zweiseitige Reißverschluss.

Uneinigkeit herrschte in der Redaktion

hinsichtlich Kapuze und Schirm:

Während das integrierte Gummiband

der Kapuze am Herrenkopf gut saß,

schloss es beim Damenmodell nicht

am Kopf ab. Auch bei Nutzung der

zwei Gummizüge ließ sich die Kapuze

nicht optimal anpassen. Das Herrenmodell

hat auf der Brust, das Damenmodell

auf dem Rücken unten eine

Reißverschlusstasche. Insgesamt fällt

das Modell etwas kleiner aus.

Fazit: Hochfunktionale, geräuscharme

Regenjacke mit Abstrichen

hinsichtlich der Anpassbarkeit der

Kapuze.

Flexibilität des

Materials/ Materialstärke:

Passform:

Schirm und Kapuze:

Preis: 299,95 Euro

Hersteller: www.gorewear.com

Das Design der Odlo-Regenjacke

punktet durch schlichte, zeitlose Optik.

Positiv fällt zudem die angenehme

Ärmellänge ins Gewicht. Die

Kapuze lässt sich über einen Gummizug

am Hinterkopf an den eigenen

Kopf anpassen. Der leicht verstärkte

Schirm (ohne Bügel) könnte beim

Herrenmodell etwas großzügiger

ausfallen, um einen größeren Überstand

zu erreichen. Das Damenmodell

erzielt durch den taillierten

Schnitt eine gute Passform, das Herrenmodell

dürfte durchaus noch körpernaher

geschnitten sein. Innenliegend

weist das Herrenmodell auf der

Brust, das Damenmodell vorn unten

im Hüftbereich eine Tasche auf, in die

bequem ein Smartphone, ein Gel

oder Objekte ähnlichen Volumens

passen. Abstriche macht die Jacke im

Vergleich zu den anderen Testkandidaten

durch eine höhere Materialstärke

und relativ laute Reibegeräusche.

Fazit: Schlichte Regenjacke mit guter

Passform, aber stärkeren Reibegeräuschen

sowie höherer Materialstärke.

Flexibilität des

Materials/ Materialstärke:

Passform:

Schirm und Kapuze:

Preis: 149,95 Euro

Hersteller: www.odlo.com

60 | RUNNING | 1/2020


PREIS-LEISTUNGS

SALOMON

BONATTI PRO

WATERPROOF-JACKET

(HERREN) / LIGHTNING

WATERPROOF-JACKET

(DAMEN)

LA SPORTIVA

RUN JACKET

ADIDAS

TERREX AGRAVIC 3L

JACKE

Obwohl die Kapuzen des Damenmodells

Lightning und des Herrenmodells

Bonatti über keine Verstellmöglichkeiten

verfügen, weisen sie

durch ihren Schnitt einen guten Sitz

auf. Das integrierte Gummiband

schließt auf der Stirn eng am Kopf ab

und schützt zusammen mit dem verstärkten

Schirm vor Regen. Das dünne

Material der Jacken begünstigt die

erwünschte Bewegungsfreiheit beim

Laufen: Sie sind trotz ihrer Witterungsresistenz

leicht und flexibel. Darüber

hinaus weisen sie eine körpernahe

Passform auf, welche bei Wind

das Flattern der Jacke minimiert, und

sind an den passenden Stellen großzügig

geschnitten: Die Ärmel gehen

bis über das Handgelenk und der Rücken

reicht bis über den Po. Das Damenmodell

hat vorn unten, das Herrenmodell

auf der Brust eine Tasche

(jeweils mit Kopfhörer-Loch für das

Kabel).

La Sportiva überzeugt mit der besten

Kapuze im Test: Der breite Bügel

reicht über die komplette Kopfbreite

und ermöglicht eine hochgradig individuelle

Anpassung. Sowohl ein tiefer

eher spitzer als auch ein kleiner aber

breiter Schirm sind möglich. Darüber

hinaus kann die Kapuze mittels Gummizug

am Hinterkopf sehr gut an den

Kopf angepasst werden. Die Jacke

weist einen angenehmen Sitz auf, ist

körpernah geschnitten und hinten

etwas länger als durchschnittliche

Vergleichsmodelle. Sie gehört außerdem

zu den leichteren im Test: Das

angenehm dünne Material lässt nicht

sofort vermuten, dass die Jacke in

erster Linie als Regenschutz konzipiert

ist. Sie gleicht stattdessen beinahe

einer Windjacke. Das geringe

Ausmaß der Reibegeräusche rundet

das Produkt ab. Das Damenmodell

fällt etwas größer aus.

Die Agravic 3L Jacke sammelte insbesondere

mit der Kapuze Pluspunkte.

Im oberen Bereich ermöglicht ein auf

Augenhöhe platzierter Gummizug

eine gute Anpassung an den eigenen

Kopf. Im unteren Kapuzenbereich

wäre eine ähnliche Anpassbarkeit optimal,

um das enge Abschließen der

Kapuze am Kopf auch bei kleineren

Köpfen sicherstellen zu können. Im

Schirm befindet sich ein kleiner biegbarer

Bügel. Insgesamt ist die Jacke

durch den beschichteten Reißverschluss

und die sehr großen beidseitigen

Taschen, die sich quasi über den

kompletten Bauchbereich erstrecken

und damit zu einer Doppellagigkeit in

dieser Region führen, relativ starr. Darüber

hinaus fallen sowohl das Damen-

als auch das Herrenmodell im

Bauchbereich vergleichsweise weit

aus. Hier wäre mehr Körpernähe

wünschenswert, um ein Flattern bei

Wind zu verhindern.

Fazit: Die Modelle von Salomon punkten

vor allem mit einem durchdachten

Schnitt und einer präzisen Passform.

Flexibilität des

Materials/ Materialstärke:

Passform:

Schirm und Kapuze:

Preis: 220,– Euro

Hersteller: www.salomon.com

Fazit: Leichte Regenjacke mit sehr guter

Passform sowie perfekter Kapuze

und maximal individualisierbarem

Schirm.

Flexibilität des

Materials/ Materialstärke:

Passform:

Schirm und Kapuze:

Preis: 149,– Euro

Hersteller: www.lasportiva.com

Fazit: Weiter geschnittene, etwas

starrere Regenjacke mit höheren

Reibegeräuschen aber guter Kapuze

mit kleinem Bügel.

Flexibilität des

Materials/ Materialstärke:

Passform:

Schirm und Kapuze:

Preis: 279,95 Euro

Hersteller: www.adidas.de

RUNNING | 1/2020 | 61


TEST & SERVICEReingeschaut

Für Sie

entdeckt

Zur Information

& Diskussion

Laufen am Limit

Philipp Pflieger ist einer der besten deutschen

Marathonläufer. Sein Buch, das den Untertitel

„Warum Marathon die größte Herausforderung für

Läufer ist“ trägt, ist viel mehr als diese Formulierung vermuten ließe. Pflieger

beschreibt seinen Weg zum Laufen und in den Profisport, die Faszination des

Laufens sowie den Alltag und die Herausforderungen eines unabhängigen

Athleten. Er setzt sich dabei auch mit den kritischen Aspekten der Sportwelt

auseinander (Verbände, Regeln für Sponsoren, Kader usw.). Dazu kommen

Tipps und grundsätzliche Überlegungen,

die für jeden Laufsportler gelten. Das

alles macht das Buch für ein breites

Publikum sehr interessant und lesenswert.

Und wer seine Ausführungen

bezüglich Rückschläge liest, kann sich

sicher sein: Auch nach Berlin 2019 wird

Philipp Pflieger nicht aufgeben.

Philipp Pflieger

LAUFEN AM LIMIT.

WARUM MARATHON DIE

GRÖSSTE HERAUSFORDERUNG

FÜR LÄUFER IST

Edel Verlag

Preis: 18,95 Euro

Das seltsame Dasein eines Ultraläufers

Ultra-Läufe gehören zu den am schnellsten wachsenden Sportarten der Welt.

Viele Insider betreiben ihre Aktivität semi-professionell, mit erheblichem

Zeit- und Geldaufwand. Manche sind viele Male im Jahr an der Startlinie

eines Ultra-Laufs. Was steckt dahinter? Was erklärt dieses Phänomen

außerhalb jeder Komfortzone? Adharanand Finn, Journalist und Läufer, hat

sich auf den Weg gemacht, diese Fragen zu beantworten, hat Ultrarennen

bestritten und mit den Athleten geredet. Bei seinem ersten Wüstenlauf wird

er gefragt, ob er seine Gamaschen angeklebt hat. Äh, nein. Und wie schwer

ist dein Rucksack? Äh, keine Ahnung.

„Die Leute stutzen sogar die Borsten

ihrer Zahnbüste, um Gewicht zu sparen“,

erfährt der Journalist. Sein 400 Seiten

starker Bericht über die folgende Reise ist

äußerst spannend geschrieben, sowohl

für Neulinge im Thema als auch für

gestandene Ultras. Ein echtes Lesevergnügen.

Adharanand Finn

DER AUFSTIEG DER ULTRALÄUFER.

EINE REISE AN DIE GRENZEN DER

MENSCHLICHEN AUSDAUER.

Egoth Verlag

Preis: 24,90 Euro

Die Marathon-Thriller

Boston, New York und Chicago sind die drei

Orte des Show-downs der Thriller von Frank

Lauenroth. Genauer gesagt: die Strecken der dort

ausgetragenen Marathons. Denn das Marathon-

Laufen steht im Zentrum aller drei Bände, die

auch unabhängig voneinander gelesen werden

können, aber aufeinander bezogen sind. Natürlich

brauchen Thriller kriminelle Vorhaben, und

die gibt es hier reichlich, angefangen bei einer

unglaublich wirksamen Doping-Substanz, die ein

abtrünniger NSA-Mensch kreiert hat, bis zu

Stalins explodierenden Laufschuhen, zu kurz

gekommenen Geheimagenten, ahnungslosen

Normalmenschen und fiesen russischen Oligarchen

… Mehr wird hier nicht verraten, abgesehen

davon, dass Lauenroth ein echter Thriller-

Profi ist und das Kopfkino meisterhaft in Gang

setzt.

Frank Lauenroth

BOSTON RUN

NEW YORK RUN

CHICAGO RUN

Sportwelt-Verlag

Preis: 8,95 bis 9,95 Euro

Fotos: Edel Verlag, Egoth Verlag, Frank Lauenroth/Sportwelt-Verlag, Fontis Verlag, delius Klasing Verlag, DCM

62 | RUNNING | 1/2020


Das asiatische Jahrhundert?

Gehört das 21. Jahrhundert den asiatischen Ländern? Liegt die

Zukunft der Welt im Osten? In seinem Buch „Übermorgenland“

geht der ARD-Korrespondent Markus Spieker, der

gerade drei Jahre in Delhi/Indien gelebt und das Berichtsgebiet

Südasien betreut hat, dieser Frage nach. Steht am Anfang die

provokante Aussage „Das größte Wettrennen der Geschichte

läuft. Und wir haben den Startschuss nicht gehört“, wird das

Bild im Laufe der Lektüre immer differenzierter. Journalistisch

und packend geschrieben, mit vielen selbst erlebten Geschichten,

Interviews und Begegnungen, wird dieses Buch nicht eine

Sekunde theoretisch oder langatmig. Der Autor, selbst Läufer

und bekennender Christ, entdeckt gerade in Asien aber auch

die Pluspunkte des

Westens, der am Ende gar

nicht so schlecht dasteht.

Der Transalpine Run

Wer die Berge liebt und eine ganz besondere Herausforderung

zu zweit sucht, für den ist einer der härtesten und spektakulärsten

Etappenrennen der Welt das perfekte Abenteuer. Sandra

Mastropietro hat mehrfach an dem Kult-Lauf teilgenommen,

bei dem in Zweier-Teams eine Woche lang die Alpen von

Deutschland bis Italien überquert werden. Ihr Buch macht

nicht nur Lust auf den Transalpine Run, es liefert auch viele

spannende und berührende Geschichten von ganz verschiedenen

Teams, dazu Insider-Tricks und jede Menge Trainings-und

Ausrüstungstipps. Ein inspirierender und sehr schön illustrierter

Erfahrungsbericht, der sich zugleich auch als Ratgeber und

Motivationsspritze versteht. Vor allem die eindrucksvollen

Lauf-und Landschaftsaufnahmen sowie das interessante

Format machen die Lektüre zu einem faszinierenden Erlebnis.

Markus Spieker

ÜBERMORGENLAND.

EINE WELTVORHER-

SAGE

Fontis Verlag

Preis: 20,– Euro

Sandra Mastropietro

TRANSALPINE RUN.

DAS KULTRENNEN.

INSIGHTS UND

TRAININGSTIPPS

Delius Klasing Verlag

Preis: 29,90 Euro

Brittany runs a marathon

„Ich war heute laufen. – Warum machst du denn sowas.

Ist jemand hinter dir her oder so?“ Partys, toxische

Beziehungen und die Suche nach einem Job führen die

extrovertierte New Yorkerin Brittany Forgler in die

Krise und zum Arzt. Der verschreibt der 27-Jährigen

eine gesündere Lebensweise. Das ist gar nicht so

einfach, denn das Geld für ein Fitness-Studio hat Brittany nicht. („Wir haben

verschiedene Mitgliedsoptionen …“) Aber sie hat Turnschuhe. Mit denen läuft sie

einmal um den Block. Das wirkt. Sie läuft zweimal um den Block. Das wirkt erst

recht. Sie will zum New York Marathon. Jillian Bell spielt die Hauptrolle in

dieser schönen Läuferinnen-Komödie und erhielt den Publikumspreis des

Sundance-Film-Festivals für den besten Spielfilm. Paul Downs Colaizzo schrieb

das Drehbuch und führte Regie.

KINO-TIPP

Der Film läuft seit dem 24.10.2019 im Kino und ab

15.11.2019 auf Prime Video.

RUNNING | 1/2020 | 63


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TEST & SERVICEProduktnews

Luma Boost

Zwei in Eins

Die Luma Boost schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe:

Die 70 Gramm leichte Kombination aus LED-System

und Stirnband bringt Licht ins Dunkel und der weiche

Fleece wärmt die Ohren. Nebenbei ist

das Stirnband ein komfortabler

Transporteur für die

Lampe an sich. Das

Leucht- und Bedien-

Element lässt sich zum

Waschen des Textils

bequem entnehmen. Über

die kinderleichte Ein-Knopf-Bedienung am

Hinterkopf erfolgt das Ein- und Ausschalten, die Wahl

der Leuchtstärke sowie das Zuschalten des Fernlichts

und Rücklichts. Bei maximaler Leuchtstärke (220

Lumen, 40 Meter Leuchtweite) beträgt die Akkulaufzeit

circa 1:50 Stunden, mit zusätzlicher Powerbank

5:00 Stunden. Wahlweise ist das Produkt auch als

Mütze erhältlich. Für kleine Frauenköpfe fällt die

Größe S/M gegebenenfalls etwas weit aus.

Preis: 129,– Euro |

Aktiv getestet: 2:50 Stunden

Hersteller: www.luma-enlite.com

Gore R5 Partial Gore-Tex Infinium

Soft Lined Shirt Langarm

Zwischen Longsleeve und Jacke

Langarm-Shirt oder Jacke? Das Infinium Soft Lined Langarm-Shirt

von Gore positioniert sich als Hybrid zwischen beidem. Es vereint die

hohe Bewegungsfreiheit eines Longsleeves mit den Eigenschaften

einer Wind- und Regenjacke. Es lässt sich über einer dünnen ersten

Schicht tragen und verfügt an den entscheidenden Stellen über

Gore-Tex-Elemente (auf der kompletten Frontseite, auf circa zwei

Drittel des Rückens und auf der Oberseite der Oberarme). Die durchdachte

Kombination wasserdichten und -durchlässigen Materials

bewies im Test ein hervorragendes Klimamanagement: Das Langarm-Shirt

hält warm, ist trotz Witterungsresistenz jedoch

atmungsaktiv. Mit diesem darüber hinaus

sehr leichten und trotz Gore-Tex eher

dünnen Begleiter sind Sie bestens

für kalte Tage bei widrigen

Bedingungen um den Gefrierpunkt

gewappnet.

Preis: 199,95 Euro |

Aktiv getestet: 5:15 Stunden

Hersteller:

www.gorewear.com

Craft SubZ Sweater

Langarmshirt mit Extras

Der SubZ Sweater von Craft lässt sich am treffendsten als

klassisches Langarm-Shirt mit zusätzlichem frontseitigem

Kälteschutz beschreiben. Während die komplette Arm- sowie

Rückenpartie aus einem etwas dickeren, aber für ein Longsleeve

typischen Funktionsmaterial besteht, ist der Oberkörper

durch eine windabweisende, wattierte Vorderseite geschützt.

Schweiß wird über das atmungsaktive Material an den Armen

und am Rücken abgeleitet. Der hohe, doppellagige Kragen lässt

ein zusätzliches Halstuch überflüssig werden

und prädestiniert den SubZ Sweater für ein

Training an kalten Tagen. Ein cooles

Extra ist die tiefe durchgehende

Tasche auf Bauchhöhe mit Reißverschlüssen

links und rechts und

einem zusätzlichen kleineren Fach

für einen Schlüssel.

Preis: 119,95 Euro |

Aktiv getestet: 4:30 Stunden

Hersteller: www.craft-sports.de

Eagle Creek Cargo Hauler Duffel

Langlebiger Lastenträger

Robust, handlich, praktisch: Die Cargo Hauler Duffel von

Eagle Creek eignet sich als langlebige Sporttasche für Wettkämpfe.

Das TPU-beschichtete Gewebe und die wasserabweisende

und UV-beständige Außenseite machen diesen Reisebegleiter

besonders strapazierfähig. Durch zwei Seitentaschen

(eine mit zusätzlichem kleinerem Fach), das Deckelfach und

das bei Bedarf unterteilbare Hauptfach lassen sich benötigte

Utensilien sehr gut organisieren. Besonders praktisch sind die

optional montierbaren Schultergurte (aus dem Deckelfach),

welche die Duffel kurzerhand zu einem Rucksack umfunktionieren.

In der 40-Liter-Variante lässt sich die Cargo Hauler

Duffel auf Flugreisen bei vielen Airlines sogar als Handgepäck

mitführen. Wird die Tasche nicht gebraucht, lässt sie sich

kurzerhand in einer ihrer Seitentaschen verstauen und auf ein

sehr geringes Packvolumen reduzieren.

Preis: 110,- Euro |

Aktiv getestet:

bei mehreren

Wettkämpfen

Hersteller:

www.eaglecreek.eu

Fotos: Cardiozone, Craft Sports, Eagle Creek, Gorewaer, Luma Enlite, Montane, Nighttechgear, Sigma

66 | RUNNING | 1/2020


Snap Zip T-Shirt

Schweiß?

Kein Problem!

Sie planen über den Winter ein paar

Urlaubs- und Trainingstage in einem

sonnigen Domizil? Oder Sie suchen ein

hochwertiges Weihnachtsgeschenk für einen

passionierten Läufer? Dann können Sie mit

dem Snap Zip T-Shirt kaum etwas falsch

machen: Das dünne leichte Textil wurde

von der Redaktion bei sommerlicher Hitze

auf Herz und Nieren geprüft und eignet

sich besonders, wenn der Ausflug in Laufschuhen wieder

einmal besonders schweißtreibend wird. Die Kombination aus

Apex-Lite und Apex-Pro-Material gewährleistet die Ableitung

von Schwitzfeuchtigkeit und die für ein trockenes Gefühl auf

der Haut so wichtige schnelle Rücktrocknung. Das Shirt bleibt

zu jeder Zeit luftig und ist durch die tolle Passform angenehm

zu tragen, ohne nass und schwer zu werden oder aber an

Tragekomfort einzubüßen.

Preis: 59,95 Euro | Aktiv getestet: 11:00 Stunden

Hersteller: www.montane.eu

Night Runner 270

Licht für Trittsicherheit

Nachts sicher unterwegs sein – dazu

sollte man wissen, auf welchen

Untergrund man tritt. Da ist es

naheliegend, kleine Scheinwerfer an

den Schuhen zu haben. Genau diese Idee

setzt Night Tech Gear um. Die Leuchten des

Night Runner 270 lassen sich problemlos auf

jeden Schuh mit Schnürung aufsetzen und leuchten den

Raum vor den Füßen gut aus. Was am Anfang etwas futuristisch

anmutet, erweist sich im Praxistest schnell als geniale

Lösung und macht zudem Spaß. Mit 35 Gramm je Schuhlicht,

einer Akkulaufzeit von zwei bis fünf Stunden und einer

Lumenkraft von 75 bis 150 (verschiedene Stufen einstellbar,

auch Blinkmodus möglich) sind die Schuhleuchten leicht und

leistungsstark. Wer mehr Power

benötigt, greift auf die Night

Trek Xtreme zurück, deren

Lumenzahl bis auf 400

steigt. Mit 75 Gramm je

Licht sind auch sie noch gut zu

tragen.

Preis: 59,95 Euro (Night Runner 270):

99,95 Euro (Night Trek Xtreme)

Aktiv getestet: je ein Abendlauf in den Weinbergen

Hersteller: www.nighttechgear.de

Instagram: @nighttechgear.de

Powerdot Uno/

Duo Generation 2.0

Starke Muskeln

und Entspannung

Beim PowerDot handelt es sich um

ein smartes EMS-Gerät (Elektro-

Muskel-Stimulation) für effektivere

Erholung und eine Steigerung von

Kraft und Ausdauer. Hier wird auf

das Prinzip der Nervenstimulation

mit geringen Reizströmen gesetzt, das

Für Sie

getestet

Neue Produkte

rund ums Laufen

seit Jahrzehnten auch von Physiotherapeuten und Chiropraktikern

angewendet wird. Dabei sollen je nach Einstellung die

Muskelkontraktion erhöht und so bessere Trainingseffekte

erzielt werden. Die Durchblutung wird gesteigert und

Verspannungen werden reduziert. Im Selbsttest erwies sich das

Handling zunächst als unkompliziert, man muss sich aber mit

der Thematik genauer auseinandersetzen. Spannend für Läufer

ist das neue Smart TENS-Programm, bei dem individualisiert

Muskel-oder Gelenkschmerzen abgeschaltet werden können.

Preis: 199,– (Uno), 349,– (Duo) Euro

Aktiv getestet: Acht Anwendungen

Hersteller: www.cardiozone.de

Sigma iD.FREE

Ein neuer

Datensammler

Sigma begibt sich mit seinem neuen

Modell iD.FREE ins Getümmel des

Laufuhren-Marktes. Es besticht

durch hohen Tragekomfort, eine

logische Menüführung und ein gut

ablesbares Schwarz-Weiß-Display, für

welches sich individuell drei Datenfelder

bestimmen und einstellen lassen. Die

Pulsmessung am Handgelenk erwies sich in Abhängigkeit vom

Träger als mehr oder weniger zuverlässig; bisweilen waren die

angezeigten Werte für die tatsächliche Intensität eindeutig zu

niedrig. Als beständiger erwies sich hingegen das Schlaf-

Tracking. Die iD.FREE ist Bluetooth- sowie ANT+-, allerdings

nicht WLAN-fähig. Das Auslesen der Daten erfolgt wahlweise

über die zugehörige App oder aber die herstellereigene,

internetunabhängige Software. Bei Bedarf kann die Uhr ihren

Träger auf geplanten Routen navigieren.

Preis: 169 Euro |

Aktiv getestet: 3 Wochen

Hersteller: www.sigma.de

RUNNING | 1/2020 | 67


ABENTEUER MARATHON Berlin 2019

ABENTEUER

MARATHON

BERLIN-MARATHON – FEST DER SUPERLATIVE

Rund 47.000 Läufer, 20.000 aus Deutschland, 27.000 aus

150 Nationen, also aus der ganzen Welt. Berlin kann den größten

Marathon Deutschlands sein Eigen nennen. Auf der Strecke ist es zu

keinem Zeitpunkt leer oder ruhig. Trotz des einsetzenden Regens

ließen sich auch in diesem Jahr weder Zuschauer noch Aktive

entmutigen. Wir zeigen Ihnen den Parcours auf Seite 70–71. An der

Spitze verpasste der Äthiopier Kenenisa Bekele um zwei Sekunden

die Weltrekordmarke. Aber einen anderen Weltrekord gab es doch:

Lesen Sie mal auf Seite 74–75 nach.

Foto: SCC Events/Sportograf

68 | RUNNING | 1/2020


44.065 Finisher

So viele Läufer, 13.290 Frauen und

30.775 Männer, finishten den

Marathon kurz hinter dem

Brandenburger Tor. Der Zieleinlauf

war auch dieses Jahr wieder

festlich und euphorisch, trotz

Regen für die große Masse der

Athleten.

70 DAS LIEF AUF UND AN DER STRECKE

Der Weg, den die Marathonis durch Berlin nehmen, führt an den

historischen Spuren der Hauptstadt vorbei. Auch sonst gab es

einiges zu entdecken.

72 SCHAUT AUF DIESE STADT

Dieser Aufforderung Ernst Reuters aus dem Jahr 1948 kommen

die Völker der Welt heute gerne nach. Was sie 2019 erlebten,

lesen Sie in unserem Rennbericht.

74 WELTREKORD!

Der Weltrekord im Marathon liegt seit dem 29.09.2019 bei

3:24:48 Stunden. Und zwar in der Wertung der Frauen über

70 Jahren. Aufgestellt hat ihn Jeannie Rice aus Florida in Berlin.

Wir haben die Top-Läuferin getroffen.

RUNNING | 1/2020 | 69


ABENTEUER MARATHON Berlin 2019

Berlin 2019

4

5

6

DAS LIEF AN DER STRECKE

3

2

1

Start

KM 1 SIEGESSÄULE

Noch vor Kilometer 1 kamen die Aktiven

an der Siegessäule vorbei, auf der die

Victoria – im Volksmund die „Goldelse“

– bereits während des Wartens auf den

Start für alle sichtbar geleuchtet hatte.

Das Läufermeer teilte sich, um auf beiden

Seiten das Denkmal zu umströmen. Anlass

ihrer Errichtung war der preußische

Sieg gegen Dänemark 1864.

34

35

KM 0 IM TIERGARTEN

Vor dem Start: In vier Wellen

begaben sich die fast 47.000

Läufer zwischen 9.15 Uhr und

10.10 Uhr auf die Strecke.

36

33

29

KM 30 AKROBATISCH

Ein rhythmisches Knallen ertönt hinter

einem. Komisch. Tatsächlich, es

handelt sich um einen Läufer mit

31

zwei Bällen. So will er den ganzen

Marathon laufen. Das schafft Jordan

Brickman auch, der Regen verlangsamt

ihn allerdings.

30

KM 27 GANZ SCHÖN NASS

Während die Elite-Läufer noch

halbwegs trocken das Ziel erreicht

hatten, erwischte die

Altersklasse-Athleten der Dauerregen.

Die Stimmung blieb aber

gut und auch die Musiker gaben

nicht auf.

28

32

26

KM 32 IST ES NOCH LANG?

Bei Kilometer 32 waren alle, die noch

unterwegs waren, pitschnass. So ging

schon mal häufiger der Blick zur Uhr.

Dabei stand das Filetstück der Strecke

noch bevor: Kurfürstendamm und

Potsdamer Platz.

25

24

23

22

Fotos: Carsten Drecoll, Tabitha Bühne, Carola Holweg, SCCEvents

70 | RUNNING | 1/2020

27


Finish

7

42

8

41

9

KM 42,195 DAS ZIEL!

Das Ziel mag so mancher

mehr als sonst ersehnt

haben, denn das Bedürfnis

nach Abtrocknen und

Hemdwechseln dürfte noch

vor dem Bierdurst rangiert

haben. Überraschend

schnell war auch der Sieger

Kenenisa Bekele im Ziel. Damit

hatte keiner gerechnet:

Zwei Sekunden langsamer

als der Fabel-Rekord von

Eliud Kipchoge, an dieser

Stelle letztes Jahr errungen,

kam der Äthiopier ins Ziel.

40

10

11

KM 11 VOR DEM HAUS DER STATISTIK

Das auf den ersten Blick heruntergekommene

„Haus der Statistik“ beinhaltet

heute eine interessante Künstlerund

Bürgerinitiative.

12

Die Ausstellung

„islands of utopia“ zeigt Menschen, die

auf der Suche nach einer Alternative

auf das Meer ausgewichen sind. Vor

dem bemerkenswerten Gebäude erspähten

wir auch Jeannie, die Amerikanerin,

die den Weltrekord in der Ü70-

Gruppe knackte. Mehr zu ihr auf Seite

74–75.

13

39

38

14

37

15

21

KM 38 POTSDAMER PLATZ

Hier befand sich in den 20er-Jahren

einer der lebhaftesten und elegantesten

Plätze Berlins. Nach dem Krieg

herrschte Wüstenei, denn hier stand

die Mauer. Die Aktiven können heute

hindurchlaufen, manch 20 einer mag

den Mauerverlauf auf dem Pflaster

erkannt haben, er ist mit einer Reihe

von Pflastersteinen markiert.

19

18

16

17

Berlin Marathon 2019

Der Parcours

42,195 Kilometer durch West und Ost

Geschichte und Geschichten: Die Strecke des

Hauptstadtmarathons führt an den Landmarken

der deutschen Geschichte vorbei und quert

mehrmals die Linie, die die Stadt einst trennte.

Doch auch viele kleinere Geschichten lassen sich

entdecken wie etwa das „Haus der Statistik“, auf

das die Bürger „Wir haben Eigenbedarf“ geschrieben

haben. Auf der Strecke gab es ebenso manch

Kurioses. So lief das Brandenburger Tor mit (als

Kostüm) und natürlich die Erdingerflasche.

KM 40 TAIWAN EXCELLENCE

Die Wirtschafts-Initiative von Taiwan, die

Taiwan Excellence, war omnipräsent,

denn sie prangte auf jedem der blauen

Starterbeutel. Ein Team von 30 Läufern

ging in ihrem Namen auf die Strecke und

wurde hier bei Kilometer 40 angefeuert.

Insgesamt waren 600 Taiwanesen beim

Berlin-Marathon dabei.

RUNNING | 1/2020 | 71


ABENTEUER MARATHON Berlin 2019

TEMPO MACHEN: In Berlin waren die Pacemaker an

ihren gestreiften Trikots zu erkennen.

SCHAUT AUF

DIESE STADT

NOCH MEHR STARTER, REGEN UND EINIGE ÜBERRASCHUNGEN

von Carsten Drecoll

Am Morgen des 29.09.2019 machten sich knapp 47.000 Aktive auf

den Weg an Kanzleramt und Reichstag vorbei, um zu ihren

Startblöcken zu gelangen. Noch schien der Berliner Himmel ein

Einsehen zu haben. Tatsächlich kamen die Elite-Läufer trocken ins Ziel.

Wer länger brauchte und später startete, hatte hingegen mit reichlich

Nass zu kämpfen.

Der Stimmung tat das keinen Abbruch,

denn weder die Athleten

noch die unzähligen Zuschauer,

Musiker und Fangruppen ließen sich

durch das Wetter in die Flucht schlagen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Marathons

gibt es auf der Berliner Strecke

keine „toten“ oder ruhigen Ecken. Selbst

als Breitensportler war man auf der Strecke

nie allein, denn das Feld zog sich

nicht so auseinander wie bei vielen anderen

Veranstaltungen. Der Energielevel

blieb dementsprechend hoch. Insgesamt

kamen 44.065 Läufer ins Ziel.

DIE WELT IN BERLIN

Der Hauptstadtmarathon zieht Läufer

aus der ganzen Welt an. Von den 47.000

Startern waren diesmal rund 6.000 Berliner,

insgesamt 20.000 kamen aus

Deutschland, der Rest aus allen Winkeln

der Erde – insgesamt über 150 Natio-

Fotos: Tabitha Bühne

72 | RUNNING | 1/2020


nen. Für die Marathonis ist Berlin mehr

als einfach nur die Hauptstadt der Bundesrepublik.

Es gibt etwas Magisches an

diesem Ort. Es ist die schnellste Strecke,

auf der zahlreiche Weltrekorde gelaufen

wurden bis hin zur Fabelzeit von Eliud

Kipchoge im letzten Jahr. Aber Berlin ist

auch die Stadt der Ost-West-Teilung

und ihrer Überwindung, die Highlights

entlang der Strecke künden von einer

dramatischen Geschichte, die gut ausgegangen

ist. Auch das ist die Faszination

des Berlin-Marathon.

WEST-ÖSTLICHER

RUNDKURS

Die „Startrampe“ im Tiergarten ist imposant.

Von Ferne leuchtet den wartenden

Marathonis die Siegesgöttin auf der

1864 zu Ehren der „Einigungskriege“

errichteten Säule entgegen und gibt die

Richtung der ersten Kilometer vor. Auf

der „Straße des 17. Juni“ – dieser Feiertag

wurde inzwischen durch den 3. Oktober,

den Tag der Deutschen Einheit

ersetzt – geht es 2,5 Kilometer schnurgerade

aus. Der Parcours führt über die

Spree und Moabit zurück zum Kanzleramt

und weiter Richtung Mitte, also

durch den früheren Osten, heute das Regierungsviertel.

Die Läufermenge ist hier

bei den Startwellen 3 und 4 so dicht,

dass man nicht anders kann als sich den

Mitstreitern anzupassen.

UND WIEDER VON OST

NACH WEST

Bei Kilometer 11 ist die Gegend von Alexanderplatz

und Fernsehturm – einst als

Leistungsbeweis des Sozialismus errichtet

– erreicht. Erneut über die Spree gelangen

die Läufer über Strausberger Platz

und Moritzplatz nach Neukölln und

Kreuzberg und somit wieder in den Westen.

Dort geht es zur Halbmarathonmarke

nach Schöneberg und am dortigen

Rathaus vorbei, vor dem John F. Kennedy

seinen berühmten Satz prägte: „Ich

bin ein Berliner“. Die folgenden 13 Kilometer

führen ins Zentrum des früheren

Westens: den Ku-Damm mit seiner

heu te nostalgisch anmutenden Architektur

der 50er-Jahre – damals die ultimative

Eleganz des Wirtschaftswunders –

und die Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche,

die bis heute an den Krieg erinnert.

POTSDAMER PLATZ: Die Altersklasse-Athleten erreichten 2019 den

berühmten Platz im Regen.

POTSDAMER PLATZ

Wo heute der DB-Tower und das Sony-

Center stehen und sich die Besucher aus

asiatischen Metropolen vielleicht an ihre

Heimat erinnert fühlen, pulsierte bereits

in den 20er-Jahren das Berliner Leben

… bevor der Platz zu einer öden Brache

wurde, durch die die Mauer führte. Ihr

Verlauf ist heute im Asphalt kenntlich

gemacht. Die Läufer überqueren sie.

Auf der Leipziger Straße erhascht man

die knallgrüne Schrift des Spionage-

Museums (ein sehr passendes Museum

für Berlin und ein echter Tipp!). Und

der Zielkorridor lässt auch bei Regen

nichts zu wünschen übrig. Der Durchlauf

durchs Brandenburger Tor und das

Ziel kurz dahinter sind bewegende Momente.

Wer hätte das gedacht, als 280

Marathonis 1974 ihren ersten Wettkampf

in Berlin starteten, als in den

80er-Jahren ein US-Präsident forderte,

dieses Tor zu öffnen?

MARATHON DER

SUPERLATIVE

Nach dem Weltrekord von Eliud Kipchoge

hatte niemand erwartet, dass es in

diesem Jahr einen Rekordversuch geben

würde. Daher war die Sensation perfekt,

als der Äthiopier Kenenisa Bekele – zwischendurch

sogar auf Weltrekordkurs –

in 2:01:41 Stunden ins Ziel kam, lediglich

zwei Sekunden hinter der Top-Zeit

von 2018. Auch bei den Frauen kam die

Siegerin aus Äthiopien: Ashete Bekere

kam mit einer Zeit von 2:20:14 Stunden

ins Ziel. Melat Kejeta, die für Deutschland

startete, schaffte mit 2:23:57 Stunden

die Olympianorm für Tokio 2020.

Dies hatte sich auch Philipp Pflieger

(LG Telis Finanz Regensburg) zum Ziel

gesetzt, dessen Training sehr gut gelaufen

war. Leider musste er das Rennen verletzungsbedingt

abbrechen. Auch Anna

Hahner hatte auf der Strecke mit Problemen

zu kämpfen. Mit 2:36:34 Stunden

verpasste sie die Olympianorm.

RUNNING IN THE RAIN

Für die große Masse der Marathonis war

da das Rennen noch lange nicht vorbei

und der Regen setzte ein. Die Läufergemeinschaft

schweißte das eher noch

mehr zusammen. Mit Humor und guter

Laune zogen die Aktiven ihr Ding

durch. Dasselbe galt übrigens auch für

die rund 6.000 Helfer sowie die vielen

offiziellen und spontan-inoffiziellen

Musikquellen entlang der Strecke. Von

Läuferseite sei hier ein großes Danke

übermittelt. Auch vor der Organisation

kann man nur den (bei Läufern nicht

vorhandenen) Hut ziehen. Sie machte es

einem als Läufer leicht, von der Expo

und Startnummernausgabe über die

Blöcke bis hin zur Durchleitung im

Finisherbereich. Im Ziel war dann das

Erdinger Alkoholfrei nicht so ersehnt

wie die Möglichkeit, ein trockenes

Hemd aus dem Kleiderbeutel zu kramen.

In den folgenden Stunden und

Tagen sah man auf den Sozialen Medien

viele fröhliche Selfies mit einer mächtigen

Finisher-Medaille. Einmal muss

man in Berlin gelaufen sein.

RUNNING | 1/2020 | 73


ABENTEUER MARATHON Berlin 2019

WELTREKORD BEI

DEN FRAUEN Ü70

EINE 71-JÄHRIGE AMERIKANERIN SORGTE FÜR BEGEISTERUNG

von Tabitha Bühne

VOR DEM BERLIN-MARATHON:

Jeannie Rice aus Florida ist

bereit für eine Spitzenzeit.

Erst mit 35 Jahren begann sie zu laufen, um ein bisschen abzunehmen.

Jetzt ist Jeannie Rice 71 Jahre alt, mehrfache Großmutter

und stellte am 29.09.2019 beim Berlin-Marathon einen neuen

Weltrekord in ihrer Altersklasse auf (3:24:48 Stunden) – drei Minuten

schneller als bei ihrem ersten Weltrekord in Chicago vor einem Jahr.

Wir haben sie einen Tag vor ihrem Coup getroffen.

Foto: Tabitha Bühne

74 | RUNNING | 1/2020


„Die Beine, schau dir diese Beine an!“, flüstert mir eine hübsche

junge Läuferin zu. Sie hat Recht. Jeannies Beine sehen aus wie

bei einem Fitnessmodell. Nur dass Jeannie keine zwanzig, sondern

71 Jahre alt ist. Klein und zierlich, mit einem strahlenden

Gesicht und einer Energie, die für drei reichen würde – so ist

mein erster Eindruck der Frau, die mit ihren Weltrekorden gerade

die ganze Welt begeistert.

Ich komme mir vor, als würde ich einen Filmstar interviewen

und nicht eine Läuferin. Ständig kommen Gruppen und Einzelpersonen

aus aller Welt vorbei, die mit ihr gerne ein Bild machen

wollen. In Amerika und Asien hat sie eine besonders große

Fangemeinde. Doch Jeannie ist keineswegs abgehoben, sondern

total bodenständig und herzlich.

ERSTE LAUFERFAHRUNG MIT 35 JAHREN

Eigentlich wollte Jeannie Krankenschwester werden. Dass sie

mal mehrere Rekorde im Laufen aufstellen würde, hätte sie nie

gedacht. In Korea geboren und aufgewachsen, hatte sie nur

einen großen Wunsch: irgendwann durch die Welt reisen zu

können. Und dieser Traum hat sich auf eine sehr spannende

Weise erfüllt.

Als sie 19 Jahre alt war, zog sie in die USA. Doch ans Laufen

dachte sie damals nicht. Sie gründete eine Familie und bekam

zwei Söhne. Mit 35 Jahren reiste sie für einige Wochen in ihre

Heimat Korea. „Wir haben dauernd gegessen. Wie es eben so

ist: Man sitzt zusammen, besucht alle Familienmitglieder, freut

sich und futtert, was das Zeug hält.“ So nahm Jeannie einige

Kilos zu. „Als ich wieder in Florida ankam und auf die Waage

stieg, bekam ich einen Schreck. Meine Hosen passten nicht

mehr. So ging das nicht weiter. Ich musste das Fett wieder

loswerden. Also fing ich an zu laufen.“

„LAUFEN IST NICHT GUT FÜR DICH!“

Ihr Laufdebut erlebte sie also erst als 35-Jährige in Cleveland.

Das war im Jahr 1984. Dass sie eine besondere Begabung hat,

merkte sie bei einem 10-Kilometer-Rennen, als sie nur unwesentlich

langsamer war als eine ambitionierte Freundin, die

schon viele Wettkämpfe bestritten hatte. „Ich war schon immer

recht wettbewerbsfreudig – und wollte wissen, was da geht.“ Sie

bekam Spaß am Laufen und wurde immer schneller.

„All das Laufen ist nicht gut für dich!“, hat ihre Mutter gemeint.

Auch der Rest der Familie war erst skeptisch, als Jeannie mit

Mitte 30 plötzlich anfing so viel zu rennen. Manch einer hielt

sie für verrückt. Erst als sie ihre ersten Weltrekorde aufstellte,

änderten sich die Meinungen. Heute sind alle stolz auf die taffe

Mutter und Großmutter. Sie zeigt, dass viel mehr möglich ist,

wenn man sich realistische Ziele setzt, gesund lebt und Freude

an Bewegung hat.

GROSSE ZIELE AM KÜHLSCHRANK

Auf Jeannies Kühlschrank war lange ein Zettel mit dem Rekord

einer „deutschen Lady“ angeheftet: Helga Miketta – der

schnellsten Frau in ihrer Altersklasse. Sie stellte im Jahr 2013

den Weltrekord mit 3:35:29 Stunden auf. Den wollte Jeannie

schlagen. Vor einem Jahr gelang es ihr in Chicago. Doch das

reichte der 71-Jährigen nicht. Sie wollte ihren eigenen Rekord

brechen. „Neue Ziele sind ganz wichtig. Sie halten einen in

Bewegung, nicht nur die Beine, auch Kopf und Herz!“

Sie steht oft schon um 4.30 Uhr auf, um zu trainieren. Das Laufen

sieht sie als großes Geschenk. Sie reist in viele Länder, lernt

Menschen aus allen Nationen kennen und genießt die vielen

Laufabenteuer. Rekorde hat sie schon reichlich aufgestellt und

das auf verschiedensten Streckenlängen: Ob eine Meile, zehn

Kilometer, Halbmarathon oder Marathon – in ihrer Altersklasse

kann man es schwer mit ihr aufnehmen. Und an ein Ende denkt

sie nicht. „Ich arbeite ja auch immer noch und hab keine Lust

auf Rente. Ich werde solange weiter laufen, wie es geht. Ich fühle

mich gut!“

BERLIN: MISSION WELTREKORD

Jeannies erster Eindruck von Deutschland ist sehr positiv: „Es ist

sauber hier und ordentlich, das Essen ist gut und die Menschen

machen einen starken und freundlichen Eindruck. Und was

mich hier in Berlin natürlich beeindruckt, ist all die Geschichte,

das ist der Wahnsinn.“ Jeannie ist nach Berlin mit einer besonderen

Mission gekommen: Es ist ihr 119ter Marathon und sie

will einen neuen Weltrekord in ihrer Altersklasse aufstellen. „Ich

habe nicht mehr so viel Zeit, ich bin ja schon alt“, sagt sie und

lacht. „Deshalb will ich mich ranhalten und noch so viel auf die

Beine stellen, wie es geht.“

Am nächsten Morgen stehe ich an der Strecke. Ich sehe Jeannie

bei Kilometer 11. Sie ist schnell unterwegs, komplett fokussiert.

Um sie herum lauter junge Läufer. Ob sie ahnen, wie alt die

Dame in ihrer Mitte ist? Der Regen stört Jeannie kaum, obwohl

sie kaltes Wetter nicht so mag. „Das Wetter hat mich nicht gestört.

Die Strecke war beeindruckend und die Stimmung super.

Mir hat es total gut gefallen!“

Jeannie rennt die erste Hälfte in einer Zeit von 1:39:37 Stunden.

Das ist ein schneller Schnitt (4:44). Die zweite Hälfte bestreitet

sie in 1:45:12 Stunden. „Als es noch fünf Kilometer bis

zum Ziel waren wusste ich, dass ich mein Ziel erreichen werde.

Ich war so überglücklich. Und der schönste Moment kam, als

ich durch das Brandenburger Tor lief. Da bekam ich Gänsehaut.

Ein tolles Rennen!“

Übrigens ist aus ihr in gewisser Weise doch noch eine

Krankenschwester geworden: sie hilft vielen Laufanfängern,

motiviert Laufgruppen und begeistert jeden, der ihr begegnet,

aktiver zu leben. Ihre Enkelin scheint nun auch in ihre

Fußstapfen zu treten: An ihrem 19. Geburtstag vertraute sie

ihrer Großmutter ihren Lebenstraum an: In allen 50 Staaten der

USA einen Halbmarathon laufen zu wollen. Jeannie unterstützt

sie dabei.

FOKUSSIERT: Auf Weltrekordkurs

vor dem

„Haus der Statistik“.

75


RUNNING ON TOUR Produktvorstellungen

THERE IS NO

BUSINESS LIKE

SHOW BUSINESS

PRODUKTVORSTELLUNGEN 2.0

von Anne Kirchberg und Carsten Drecoll

Man könnte einfach sagen: „Früher war alles besser!“ Aber so einfach

ist es nicht. Genauso wenig kann man nur einer Seite die Schuld an

einer Situation geben, über die sich viele Sportjournalisten aktuell

aufregen. Hier geben wir Ihnen einen kleinen Einblick in unsere Arbeit

und wie sie sich verändert hat. Wer genauer hinsieht, bemerkt, wie

vielschichtig es heute ist, über Produkte und Events zu berichten.

Als Leser, Zuschauer oder Hörer bekommt man von den

Problemen im Hintergrund nichts mit. Von einem

Laufmagazin erwartet man einfach, dass neue Sportartikel

getestet werden, bevor sie auf dem Markt sind, und man als

interessierter Läufer darüber informiert wird. Doch ob Schuhoder

Bekleidungstests – manches wird schwieriger. Eine Reihe

großer Hersteller führt mittlerweile eigene Veranstaltungen,

Werbe-Events oder sogar selbst geschaffene Wettkämpfe durch,

in deren Rahmen sie ihre neuen Produkte vorstellen, und erwarten,

dass über diese Events und die dadurch transportierten Produktneuheiten

berichtet wird. Viele dieser Veranstaltungen werden

oft von Agenturen durchgeführt, die zwar eindrucksvolle

Events auf die Beine stellen, zum eigentlichen Produkt jedoch

keinen so engen Bezug haben wie die Hersteller selbst.

NEUVORSTELLUNG IM WANDEL DER ZEIT

Früher war das anders: Nach Aussagen von Insidern stellten vor

15 Jahren die zuständigen Produktmanager beispielsweise neue

Laufschuhe persönlich vor, die ausgewählten Fach-Journalisten

durften sie ausprobieren und konnten dann in persönlichen Ge-

76 | RUNNING | 1/2020


sprächen ihre Nachfragen

stellen. Einige Zeit später

waren sogenannte Testimonials

angesagt. Prominente

oder bekannte Athleten präsentierten

neue Sportartikel

und Pressevertreter führten

mit ihnen Interviews. Nach

und nach wurden diese Präsentationen

zu riesigen

Shows bei internationalen

Meetings, wo die Medien

ausschließlich gemeinsame

Interviews bei großen Pressekonferenzen

führen konnten.

In den letzten Jahren

verlagerte sich die Kommunikation

immer mehr auf

die Social Media – Models

und sogenannte Influencer

präsentieren nun die neuen

Sportartikel wie etwa Laufschuhe

oder Bekleidung.

Hersteller wenden dafür

vermehrt Geldmittel auf, von für Infuencer gestalteten Events

bis hin zu direktem Sponsoring. Hier zählt allein die Reichweite.

Journalistische Arbeit, um etwa Informationen zu überprüfen

oder dem Endverbraucher eine nicht-werbliche Einschätzung

des Produktes zu geben, ist so nicht mehr möglich. „Fragen

werden nicht mehr auf direktem, kurzen Weg beantwortet,

sondern müssen von der Agentur erst an den Konzern geleitet

werden, dort muss ein Ansprechpartner oder Entscheider gefunden

werden – das dauert und oft gehen Informationen verloren“,

bemängelt ein Sport-Journalist.

ADIDAS INFINITE TRAILS: Dem Sport etwas zurückgeben.

ERZÄHL EINFACH EINE GUTE GESCHICHTE

Mit der Schaffung eines Erlebniswertes wird versucht, Produkte

mit dem zu bewerben, was heute als Goldstandard in der Werbewirtschaft

gilt: dem sogenannten Story-Telling. Wer über

seine Produkte eine gute Geschichte erzählen kann, verknüpft

sie mit einem emotionalen Wert. Zugleich wird auch die klassische

Presse nicht umhinkönnen darüber zu berichten, wenn die

Events spektakulär genug sind. So werden beispielsweise Laufschuhe

nicht mehr nur beim Laufen getestet, sondern kreative

Agentur-Mitarbeiter denken sich lustige Aktionen wie klettern

oder krabbeln mit den neuen Produkten aus – die zwar Spaß

bringen, jedoch nicht aussagekräftig für einen Produkttest sind.

Oder es werden Rekordversuche – wie 2019 bei einem Event in

Kalifornien, als es um einen neuen Laufschuh ging – angekündigt,

die aber nie jemand offiziell angemeldet hat. Eine extreme

Dimension hat der größte Sportartikelhersteller Nike erreicht,

als er – nach inoffiziellen Informationen – bei seinem Breaking2-Projekt

2017 in Monza angeblich 30 Millionen Dollar

ausgab und sein bisheriges Werbebudget entsprechend reduzierte.

Im laufenden Jahr wurden auch wir mehrmals zu Events

eingeladen, über deren Finanzrahmen wir nur staunen konnten.

Allerdings: Mit der Reduzierung des herkömmlichen Werbebudgets

wird unsere Möglichkeit, mit selbst recherchierten

Inhalten unsere Leser zu informieren, geringer und über reine

Werbe-Events wollen wir nicht berichten. Nur wenige Journalisten

möchten dies öffentlich ansprechen, besteht doch die Befürchtung,

das Miteinander von Herstellern, Athleten und

Sport journalisten zu beschädigen.

DIE ANDERE SEITE

Sportartikelhersteller und Agenturen sehen das verständlicherweise

anders. Auch sie sind Getriebene einer Entwicklung, die

die Medienwelt erlebt: Mit dem Aufkommen der Social Media

und insbesondere des Smartphones verändert sich auch das Benutzerverhalten,

längst nicht nur bei Jugendlichen. Um ihre

Zielgruppe zu erreichen und weiterhin erfolgreich Produkte zu

verkaufen, kann sich die Sport-Industrie nicht nur auf die klassischen

journalistischen Medien konzentrieren. Das Format bei

Facebook oder Instagram ist aber eben nicht das eines professionell

erarbeiteten journalistischen Artikels. Die Hauptwährung

ist hier die schnelle Aufmerksamkeit. Hinzu kommt: Hier muss

der Endverbraucher nichts bezahlen, Content ist im Netz in der

Regel umsonst – im Gegensatz zum Magazin am Kiosk. Agenturen

haben sich auf diese neue Situation eingestellt. Bei unseren

Anfragen nach einem Hintergrundgespräch zu diesem Artikel

gab es ganz unterschiedliche Reaktionen. Etliche Agenturen haben

sich auf kein Gespräch eingelassen. Die Antworten gingen

von plötzlicher Nicht-Erreichbarkeit, nachdem eigentlich Antworten

fest zugesagt waren, über die klare Aussage „Dazu möchten

wir nichts sagen“ bis hin zu Auskünften, dass es zu viele

Presseanfragen gäbe und manche eben nicht beantwortet werden

könnten, was aber nichts mit der Thematik zu tun hätte. Das

Ergebnis der über acht Wochen durchgeführten Anfragen

RUNNING | 1/2020 | 77


RUNNING ON TOUR Produktvorstellungen

EIGENKOMPETENZ: Bei Asics spielt die direkte

Produktkommunikation eine entscheidende

Rolle. Modelle wie der neuartige GlideRide

können so am besten erklärt werden.

war ernüchternd: Von acht Firmen und Agenturen wollten sich

nur zwei mit der Problematik auseinandersetzen.

KEINE SHOW

Bei Adidas Terrex gab Isabel Riffel, Sports Marketing and PR

Manager DACH, Einblick in das jährlich im österreichischen

Bad Gastein durchgeführte Event „Adidas Infinite Trails“, das,

wie sie betont, kein Privat- oder Werbeevent, sondern ein

offener Sportwettkampf ist. „Es geht uns nicht um eine Show,

sondern darum, dem Sport und den Athleten etwas zurückzugeben“,

so Riffel, die auch betont, dass es nicht um eine Alternative

zur klassischen Produktpräsentation gehe und in mehreren

Printmedien Anzeigen zum Event geschaltet wurden. „Mit den

„Adidas Infinite Trails WCH“, bei dem sich Läufer aus aller

Welt gegen eine Startgebühr anmelden können, möchten wir als

erstes Relay-Format im Trailrunning-Sport als Marke neue Wege

gehen, den Sport unterstützen und den Teilnehmern ein einzigartiges

Erlebnis bieten.“ Zwar wird die Veranstaltung über eine

Agentur umgesetzt, jedoch ist Adidas bei der Planung sowie der

Durchführung federführend. Auch deswegen, weil es im Rahmen

des Events allen Teilnehmern ermöglicht werden soll, die

Produkte zu testen. „Daher gibt es in der Expo-Area des Events

selbstverständlich die Möglichkeit, sich zu Produkten zu informieren

und diese zu entleihen. Hierbei handelt es sich um die

jeweils aktuell erhältliche Kollektion“, erklärt Isabel Riffel. Zur

Beantwortung von spezifischen Fragen der Sportler sowie der

Journalisten sind Produktmanager und geschultes Personal vor

Ort. „Wir gehen natürlich davon aus, dass es im beruflichen

Interesse eines Journalisten liegt, über relevante Ereignisse und

Veranstaltungen zu berichten, welche er besucht oder über

welche er sich informiert hat. Dass wir auch vor diesem Hintergrund

Journalisten einladen, das ist kein Geheimnis.“ Für Adidas

steht bei dieser Veranstaltung jedoch der Sportler im Mittelpunkt,

für den das umfangreiche Programm mit Thermen-

Besuch, Massagen, Workshops, Talks, die Anwesenheit von

Sport-Ikonen sowie die atemberaubende Natur-Kulisse ausgewählt

wurden. „Wir möchten den Sportlern den bestmöglichen

Service und ein einzigartiges Erlebnis bieten“, sagt Isabel Riffel

und kündigt bereits für 2020 die nächste „Adidas Infinite Trails

WCH“ in Bad Gastein an.

GRUNDGEDANKEN VERMITTELN

Nicht nur zu den eigenen durchgeführten Veranstaltungen, sondern

auch über die Entscheidungen im Hintergrund gab Antonia

Rick, Digital Community Specialist bei Asics Deutschland,

hilfreiche Auskunft. Asics veranstaltet sowohl spezielle Projekte

für die Gruppe ihrer weltweit ausgewählten Sportler „Asics

Frontrunner“ als auch mindestens ein Mal im Jahr große, weltund

europaweite Presse-Events zum Start neuer Produkte wie

2019 den „Asics MetaRide“. „Als japanische Marke unterscheidet

sich Asics wahrscheinlich ein wenig von anderen Marken“,

erklärt Antonia Rick. „Denn die Japaner sind sehr auf ihre Tech-

Fotos; GettyImages/AF-studio, Adidas, Asics

78 | RUNNING | 1/2020


nik fokussiert, lieben die Technologie in ihren Schuhen und

sprechen sehr gerne darüber!“ Darum werden ausgewählte Kollegen

bei Produktstarts in das „Insitute of Sport Science“ nach

Kobe in Japan eingeladen und erhalten direkt an der Produktionsstätte

Einblick in die Forschung und Entwicklung – und

treffen gleichzeitig die zuständigen Produktmanager. „Somit unterscheidet

sich Asics zum Beispiel von amerikanischen Marken,

die sehr gerne eine große Show veranstalten, um neue Produkte

zu präsentieren.“ Doch natürlich muss und möchte Asics ebenfalls

Aufmerksamkeit für Neuheiten erlangen, vor allem durch

die Verbindung mit außergewöhnlichen Sportlern wie dem

deutschen Triathleten Jan Frodeno, der als Erster sowohl die

Goldmedaille bei den Olympischen Spielen als auch den Titel

beim Ironman Hawaii gewinnen konnte. In diesem Jahr konnten

die Journalisten in Japan gemeinsam mit Frodeno den „Asics

MetaRide“ ausprobieren und, wer wollte, zudem beim Tokio

Marathon teilnehmen. Bei den Produkt-Vorstellungen stehen

neben den heutigen Forschern und Entwicklern der Schuhe

auch Persönlichkeiten wie Herr Kayano, der Namensgeber des

seit über 25 Jahren erfolgreichen, gleichnamigen Asics-Schuhs,

für Journalisten-Gespräche bereit. „Den Japanern ist es wichtig,

die Grundgedanken hinter ihren Produkten zu vermitteln und

diesbezüglich Transparenz für die Medien und Pressegäste zu liefern“,

so Asics Marketing-Mitarbeiterin Rick. An diesem Credo

hält Asics ebenso bei den europäischen Produkt-Präsentationen

im Hauptquartier in Amsterdam fest.

GROSSE BANDBREITE

Hinter den Namen der Hersteller, die für uns Läufer Schuhe,

Bekleidung und sonstige Ausrüstung zur Verfügung stellen, verbirgt

sich eine große Bandbreite ganz heterogener Firmen, die

auch in ihrer Medienpolitik ganz unterschiedlich sind. Während

viele große Marken internationale Konzerne sind, gibt es immer

wieder Start-ups oder auch

klassische Familienbetriebe,

die in der dritten oder vierten

Generation geführt werden.

Zwei beeindruckende

Beispiele kommen aus Italien.

Die neue Marke UYN

(Unleash Your Nature) aus

Asola (deren Sachen unser

Titelmodel dieser Ausgabe

trägt) ist eine Spinnerei in

Norditalien, der Inhaber

führt sie persönlich und hat

sich in diesem Jahr auch

entschieden, die Produktkommunikation

selbst zu

übernehmen. Auch der

Bergspezialist La Sportiva

aus Ziano di Fiemme ist ein

reiner Familienbetrieb, den

wir persönlich besuchen

und kennenlernen durften.

Produkte werden hier direkt

ERLEBNISWELTEN: Atemberaubende

Umgebungen, wie etwa bei einem Gebirgstrail,

sind auch emotionale Werbeträger.

kommuniziert und können jederzeit getestet werden. Beide

Betriebe treten auch als Titelsponsoren von beeindruckenden

Wettkämpfen auf, die aber öffentlich zugängliche Veranstaltungen

sind und die besten Athleten der Sportart anziehen, La

Sportiva etwa den Lavaredo Ultra mit 5.000 Teilnehmern.

Generell kann man sagen, dass für uns Journalisten der Bereich

des Trailrunnings zu den angenehmen Arbeitsfeldern gehört.

Der Trail-Spezialist Salomon etwa tritt nicht nur als Sponsor

großartiger Laufevents in den Bergen auf, sondern punktet vor

allem mit der langfristigen Förderung von Spitzenathleten, die

selbst hohe Anforderungen an sich und ihren Sponsor stellen.

Kilian Jornet oder Emelie Forsberg treten nur für Produkte öffentlich

ein, von denen sie auch selbst überzeugt sind. Als Top-

Sportler stehen sie immer wieder für Interviews zur Verfügung

und vermitteln glaubwürdig ihren Sport. Das Team Salomon

fördert auch in Deutschland die besten Trail-Läufer und unterstützt

so die langfristige Entwicklung von Sportlern, selbst über

Krisen hinweg. So ist es wohl kein Zufall, dass die auf Trail spezialisierten

Produzenten auch zu den stärksten Unterstützern der

klassischen Presse wie etwa den Laufmagazinen zählen.

AUSBLICK

Wohin die Reise im Journalismus, auch im Sportjournalismus

geht, ist derzeit ziemlich offen. Entscheidend dafür ist das Verhalten

der Leser oder Rezipienten. Egal ob online oder in einem

gedruckten Magazin wird unsere Zunft davon abhängen, ob

eine Bereitschaft besteht, für recherchierte Inhalte zu bezahlen

und so eine Redaktion aufrechtzuerhalten. Wir bei der RUN-

NING werden jedenfalls weiter alles daran setzen, gut erarbeitete

Informationen bereitzustellen und von persönlich erlebten

Lauf-Erfahrungen zu berichten. Auch Produkte werden wir in

Zukunft weiter nur aus eigener Anschauung heraus besprechen

und Werbung wird von uns stets kenntlich gemacht.

RUNNING | 1/2020 | 79


RUNNING TRAINING Querdenker

FREMDGEHEN

FÜR LÄUFER:

TRIATHLON

Radfahren und Schwimmen werden häufig neben

dem Laufen betrieben, sei es als Abwechslung, als

zusätzlicher Reiz oder wenn Laufen durch eine

Verletzung nicht möglich ist. Warum nicht einmal

einen Triathlon probieren?

von Dr. André Albrecht

Triathlon besteht aus vier Disziplinen: Schwimmen, Rad fahren,

Laufen und Wechseln. Bei Langtriathleten kommt dann mit dem

Essen noch die fünfte Disziplin dazu, aber das ist ein anderes Thema

... Zunächst einmal stellt sich die Frage nach dem notwendigen Trainingsumfang.

Hier gilt die Grundregel des Ausdauersports: Die Distanz,

die im Wettkampf zurückgelegt werden soll, muss in der direkten Vorbereitung

in einer Woche akkumuliert zurückgelegt werden. Zum Ausprobieren

eines Triathlons kommen nur die Sprintdistanz (die heißt wirklich

so) über 500-750 m Schwimmen, 20 km Radfahren und 5 km Laufen oder

die Olympische Distanz mit 1,5 km Schwimmen, 40 km Rad und 10 km

Laufen in Frage. Diese Wettkämpfe sind bereits mit dreimaligem Training

in der Woche zu finishen. Je Disziplin reicht prinzipiell eine Einheit, um die

notwendigen Kilometer zu erreichen.

Das Schwimmen ist die technisch anspruchsvollste Disziplin im Triathlon. Hier

reicht es für den ersten Triathlon, die Strecke im Brustschwimmen zurückzulegen.

Wer keine Erfahrungen mit dem Kraulschwimmen hat, wird sich häufig

schwer tun, diese Technik zu erlernen. Natürlich ist im Idealfall das Kraulen

schneller und kraftsparender, aber zum Erlernen sind erfahrungsgemäß über 2–3

Jahre mindestens 2 Einheiten die Woche unter fachkundiger Anleitung notwen-

Foto: privat

dig. Meine Empfehlung zu Beginn lautet

daher, lieber erst einmal Brust zu

schwimmen – gutes Brustschwimmen

ist meist schneller als schlechtes

Kraulschwimmen. Radfahren ist vom

eigentlichen Tretvorgang her einfach

zu erlernen, und auf dem Rad hat

praktisch jeder schon einmal gesessen.

Viel schwieriger ist es, das Rad

technisch zu beherrschen. Insbesondere

das Bremsen und Kurvenfahren

ist für ein sicheres Radfahren

gezielt zu üben. Die Radbeherrschung

lässt sich auch mit

einem MTB im Gelände perfekt

trainieren.

Laufen stellt das geringste

Problem dar. Viele Sportler,

die vom Laufen zum Triathlon

gewechselt sind, stellen

fest, dass die Laufleistung

trotz nun geringerer Umfänge

nicht zurückgeht

und teilweise sogar

steigt. Die einzige Herausforderung

stellt das

Laufen direkt nach dem

Radfahren dar. Dies

DR. ANDRÉ ALBRECHT

ist Inhaber des Instituts für

Trainingsoptimierung in

Wolfsburg und Landestrainer

Triathlon Niedersachsen. Der

promovierte Biologe betreut

zahlreiche Spitzenathleten

und ist selbst Läufer mit einer

Marathonbestzeit von

2:40 Stunden. Seine Ansichten

entsprechen nicht immer den

klassischen Lehrmeinungen.

Deshalb richtet sich die Serie

„Querdenker“ an all jene, die

experimentierfreudig über den

Tellerrand schauen. Beim

aktuellen Thema spricht er all

jene an, die innerhalb ihres

Läuferdaseins neue Sportarten

in ihr Training integrieren

möchten.

wird im Koppeltraining geübt: direkt nach dem Radtraining werden

wenige Minuten gelaufen. Hier reichen fünf bis zehn Minuten

völlig aus, länger dauert die Umstellung des Bewegungsablaufs

nicht.

Sollte es zu einer Infektion mit dem Triathlon-Virus kommen,

gibt es zwei Grundaspekte zu bedenken. Der Vorteil ist, dass

die Verletzungsgefahr im Vergleich zum Laufen sinkt, denn

der Laufumfang nimmt ab und die allgemeine Fitness steigt.

Der Nachteil ist, dass der Zeitbedarf für den Sport steigt.

80 | RUNNING | 1/2020


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RUNNING ON TOUR Ecotrail

OUTDOOR

IN DER CITY

DER ECOTRAIL DE PARIS

von Stefan Schlett

KONTRASTE: Nicht nur über Naturpfade führt der

Ecotrail die Aktiven. Auch barocke Gartenkunst

ist zu durchlaufen.

Im Zuge des Trailrunningbooms wurde im

Jahre 2008 in Paris ein völlig neues Format

ins Leben gerufen: Trailrunning in der

Metropole. Das war damals eine Revolution!

Ein Cross-Country-Lauf durch Paris und seine

Peripherie, der die kulturellen und

natürlichen Höhepunkte der Region berührt,

erweist sich bis heute als Erfolgsrezept.

82 | RUNNING | 1/2020


ALLEZ: 11.000 Teilnehmer starten beim Ecotrail.

SPEKTAKULÄR: Die Ultra-Läufer

können das Ziel auf dem Eiffelturm

genießen.

Die Premiere 2008 startete mit

900 Teilnehmern, gelaufen

wurde eine Ultradistanz über 80

Kilometer. Das Event punktete aber zugleich

mit einer der weltweit spektakulärsten

Zielarenen: Der Zieleinlauf fand

auf der ersten Plattform des Eiffelturms

statt! Zu den 1.500 urbanen Höhenmetern

kamen so noch zum Finale 330

Stufen und 58 Höhenmeter hinzu, was

im Streckenprofil noch einmal wie ein

Dolchstoß hervortrat.

80 PROZENT OFFROAD

Es war zu erwarten, dass sich in der bevölkerungsreichsten

Region Frankreichs

– die Île-de-France hat ein Einzugsgebiet

von zwölf Millionen Menschen – für

einen derartigen Event sehr schnell

große Massen begeistern lassen. 2019

brachte die zwölfte Austragung des Ecotrail

de Paris am 16. und 17.03. über

11.000 Teilnehmer auf die Strecke. Mittlerweile

gibt es vier Trailläufe zwischen

18 und 80 Kilometern am Samstag und

ein halbes Dutzend Nordic-Walkingund

Wanderstrecken von 14 bis 26 Kilometern

am Sonntag, alle mit einem Anteil

an Trails und Waldwegen zwischen

80 und 90 Prozent. Der Kurs schlängelt

sich anfangs in Form von Reitwegen

durch die Wälder und entlang von

Bahntrassen. Dann wird er zusehends

anspruchsvoller. Kurze, aber steile Anund

Abstiege im Stakkato, sowie lehmiger,

feuchter Untergrund auf Wurzelwegen

fordern Konzentration und Koordination.

Immer wieder geht es an Seen

und Teichen vorbei, die hier Étang oder

Bassin genannt werden. Kleine Ortschaften

werden auf Schleichpfaden durchquert,

die wahrscheinlich selbst so mancher

Einheimische auch nach etlichen

Jahren noch nicht kennt.

Nach wie vor bleibt der Zieleinlauf auf

dem Eiffelturm als ultimatives Appetithäppchen

den 80-Kilometer-Läufern

vorbehalten. Alle anderen Wettbewerbe

enden nicht minder spektakulär am

Fuße des Trocadero, jenseits der Seine,

direkt gegenüber dem Turm und mit einem

tollen Blick auf selbigen. Seit 2015

gibt es noch einen Treppenlauf bis zur

Spitze des Eiffelturms, der zwei Tage zuvor

als Nachtlauf ausgetragen wird, aber

nur für eine kleine Anzahl ausgewählter

Läufer stattfindet.

DAS „ECO“ BEIM TRAIL

„Les Trailers de Paris“, ein Verein, der für

das Traillaufen wirbt und dieses fördert,

entwickelte das Label Ecotrail aus dem

Wunsch heraus, in allen bedeutenden

Städten und deren Vororten ökologisch

verantwortungsvolle Trailevents ins Leben

zu rufen, die jedermann zugänglich

sind. Das Ziel des Veranstalters ist es,

möglichst vielen Menschen die Möglichkeit

zu bieten, das natürliche und kulturelle

Erbe städtischer Gebiete (wieder) zu

entdecken. Nicht zuletzt wollte man

auch beweisen, dass die Organisation von

Massenveranstaltungen mit ökologischer

Verantwortung und Geselligkeit einhergehen

kann und dass es zum Trailrun­

RUNNING | 1/2020 | 83


RUNNING ON TOUR Ecotrail

PARK-RUNNING: Im Parc de Saint-Cloud

starten die 18-Kilometer-Läufer.

ausländische Premiere startete am

29.09.2012 in Brüssel, mit spektakulärem

Zieleinlauf auf dem Atomium. In

den Folgejahren kamen Oslo, Stockholm,

Madrid, Genf dazu und sogar auf

den Inseln Madeira (Portugal) und Island

etablierten sich Ecotrails. Das Jahr

2019 wartete gleich mit vier Premieren

auf: Wicklow (Irland), Florenz (Italien),

Putrajaya (Malaysia) und Chiang Mai

(Thailand). Somit gibt es die „Ecotrail-

Familie“ nun in zwölf Ländern auf zwei

Kontinenten. Als Nummer 13 böten

sich München oder Berlin an – perfekte

Spielplätze für einen „Ecotrail Allemagne“.

Dafür werden noch Partner

gesucht, aber das dürfte lediglich eine

Frage der Zeit sein.

ning nicht die großen Berge braucht.

Neben dem Ultratrail als Hauptlauf

bieten verschiedene Unterdistanzen,

Paarläufe, Nordic-Walking- und Wanderkategorien

einen Spielplatz für alle Bewegungsenthusiasten.

Ecotrail ist keine

plakative Bezeichnung. Es wird penibel

auf eine umweltfreundliche Durchführung

des Events geachtet. So beinhaltet

das Starterpaket ein Metro ticket für die

Anreise zum Start. Die Läufe sind halbautonom

mit nur wenigen Verpflegungsstellen

und zur Müllvermeidung muss

jeder Teilnehmer neben der vorgeschriebenen

Pflichtausrüstung ein Müllsäckchen,

das den Startunterlagen beiliegt,

und einen Becher mitführen.

ABLEGER IN ALLER WELT

Von Anfang an wollte man das Konzept

auch ins Ausland exportieren und fand

dafür schon bald Partner. Die erste

VIER TRAILLÄUFE NACH

PARIS

Zeitversetzt starteten die vier Trailläufe

weit vor den Toren von Paris. Der

80-Kilometer-Lauf in St.-Quentin-en-

Yvelines und der verlängerte Marathon

über 45 Kilometer im Park von Versailles,

beide mit je über 2.000 Aktiven.

Die Kurzstrecken generierten mit jeweils

über 3.000 Anmeldungen die meisten

Teilnehmer. Die 30-Kilometer-Läufer

wurden vor dem imposanten Observatorium

von Meudon, einer Außenstelle des

Pariser Observatoriums, in die Wildnis

Fotos: Ecotrail de Paris/Christophe Guiard

KÖNIGLICH: Der Parcours führt unter anderem

durch den Parc de Versailles.

84 | RUNNING | 1/2020


ARRIVÉE: Zielankunft auf der Place du

Trocadéro.

URBANE TRAILS: Unbekannte und

anspruchsvolle Pfade gibt es in

unmittelbarer Nähe zur Großstadt.

der Île-de-France entlassen, der 18-Kilometer-Lauf

startete im Parc de Saint-

Cloud, der als einer der schönsten Gärten

Europas gilt. Auf einem Hügel des

460 Hektar großen Parks befand sich

auch die spektakulärste Verpflegungsstelle

für die längeren Strecken. Die gewaltige

Skyline von Paris entzückte hier

die Augen und Sinne. Der Blick

schweifte bis zum Montmartre mit der

Kirche Sacré-Cœur weit im Norden der

Stadt. Aus dem Herzen der Metropole

ragte der Eiffelturm als Fixpunkt und

noch weit entferntes Ziel hervor. Hier

begann der Abstieg zur Seine, an deren

Ufer die letzten zehn Kilometer entlangführten.

Die Vorstädte Meudon-sur-

Seine und Issy-les-Moulineaux wurden

passiert und nach der Insel Saint-Germain

war die Stadtgrenze von Paris

erreicht.

PERFEKTES URBANES

OUTDOOR-ERLEBNIS

Nach Einbruch der Dunkelheit waren

fast nur noch die Läufer auf der Königsdistanz

unterwegs, da diese erst mittags

um 12.15 Uhr gestartet waren. Das

Zeitlimit für die 80-Kilometer-Strecke

reichte bis ein Uhr morgens. Glühwürmchen

gleich bewegte sich eine riesige,

mit Stirnlampen bewaffnete Läuferschlange

auf den illuminierten Eiffelturm

zu. Ein ganzes Medienensemble

hatte sich auf der ersten Plattform des

Eiffelturms versammelt, als im letzten

Tageslicht der Franzose Benoit Cori in

5:46:24 Stunden den Lauf als Erster beendete.

Insgesamt blieben nur drei Teilnehmer

unter sechs Stunden. Seine

Landsfrau Maryline Nakache gewann

die Damenwertung auf dem 25. Gesamtplatz

in 6:54:47 Stunden. Im

Gegensatz zu 2018, wo eine Schlechtwetterperiode

mit Dauerregen, Saukälte

und sogar Schneefall die schlechtesten

Bedingungen in der Geschichte des Rennens

bewirkt hatte, herrschte dieses Jahr

bestes Frühlingswetter. So konnten die

10.776 Finisher ein einmaliges urbanes

Outdoor-Erlebnis genießen. Rund um

den Eiffelturm war eine perfekte Logistik

aufgebaut. Im nur 400 Meter entfernten

Stadion Emile Anthoine konnte

die Kleidertasche abgeholt sowie Dusche

und Massage genossen werden. Und im

daneben liegenden Race Village erwartete

die hungrigen Ultraläufer auch noch

morgens um eins ein gigantisches Buffet.

NACHHALTIGKEIT

Zum Beweis, dass die Organisatoren ihrer

ökologischen Verantwortung gerecht

werden, sollen hier noch zwei nachahmenswerte

Aktivitäten erwähnt werden.

491 Kilogramm übrig gebliebene Lebensmittel

aus den Versorgungsstationen

wurden an eine lokale Hilfsorganisation

gespendet, die daraus am Folgetag 980

Mahlzeiten für Arme und Obdachlose

servierte. Öko-Aktivisten des WWF

(World Wide Fund For Nature) reinigten

am Sonntag die letzten 30 Kilometer

der Rennstrecke. Der meiste Müll

stammte nicht von den Teilnehmern,

dank der mitgeführten Müllsäckchen.

Aber im Ergebnis waren die Wälder und

Grünflächen noch sauberer als vor dem

Event.

Sämtliche Informationen zum

Ecotrail und die Daten und Links zu

allen zwölf Veranstaltungen finden

sich auf:

www.ecotrail-events.com

ANGEKOMMEN: 10.776 Finisher gab es.

RUNNING | 1/2020 | 85


RUNNING TRAINING So trainieren Sie im Winter

Lauftraining

im Winter

WORAUF SIE IN DER KALTEN JAHRESZEIT ACHTEN SOLLTEN

von Dr. M.A. Peter Pfeiffer

Die Sieger des Sommers werden im Winter gemacht, lautet ein

Grundsatz, der durchaus seine Berechtigung hat, denn gerade für

Wettkampfteilnehmer ist durchgehendes Training auch in der kalten

Jahreszeit unumgänglich. Wie Sie Ihre Leistungsfähigkeit erhalten und

gut durch den Winter kommen, sagen wir Ihnen hier.

86 | RUNNING | 1/2020


TRAINING IM WINTER: Richtig bekleidet

und angemessen dosiert ist Wintertraining

der Schlüssel zur erfolgreichen

nächsten Saison.

Studien belegen bei Profiläufern, dass sich ihre

durch zweimonatiges Aufbautraining erhöhte

VO 2

-max bereits nach sechs Wochen Laufabstinenz

zurückgebildet hat.

Aus sportphysiologischer Sicht ist

eine völlige Winterlaufpause generell

nicht sinnvoll, denn ein

Leistungsrückgang stellt sich – wie die

Grafik Seite 88 zeigt – beim Ausbleiben

regelmäßiger Trainingsreize erschreckend

schnell ein. Obwohl die VO 2

-max bereits

nach einem trainingslosen Monat

um die Hälfte sinkt, während gleichzeitig

der Ruhepuls um durchschnittlich 20

Prozent steigt, neigen Freizeitläufer mitunter

schon nach wenigen Trainingseinheiten

im Frühjahr dazu, ihren ursprünglichen

Leistungsstand wieder als

gegeben anzusehen. Damit unterliegen

sie einem fatalen Trugschluss, denn ihre

aeroben Fähigkeiten haben sich signifikant

verschlechtert. Sportmedizinisch

stehen vor allem die Adaption von Herz,

Lunge und Kreislauf, Energiestoffwechsel

sowie des Stütz- und Bewegungsapparates

im Fokus. Je nach Art und

Dauer der Trainingsunterbrechung arbeiten

diese Komponenten nicht mehr

auf dem vorherigen Leistungsniveau und

darin liegt ein unterschätztes Problem.

REDUZIEREN STATT

UNTERBRECHEN

Studien belegen bei Profiläufern, dass

sich ihre durch zweimonatiges Aufbautraining

erhöhte VO 2

-max bereits nach

sechs Wochen Laufabstinenz auf das

Ausgangsniveau zurückgebildet hat,

während die antrainierte Sauerstoffaufnahme

von älteren Freizeitläufern bereits

nach vierwöchiger Inaktivität auf die

von Untrainierten gesunken ist. Wurde

das Training hingegen nicht vollständig

ausgesetzt, sondern um 50 Prozent reduziert,

war es möglich, das Niveau einigermaßen

zu halten, um danach die ursprüngliche

Leistungsebene relativ

schnell wieder einzunehmen. Diese Erkenntnis

sowie das Wissen, in welcher

Zeitspanne die Regression erfolgt, sind

im Wintertraining für alle Altersklassen

und Leistungsstufen von hoher Bedeutung.

Wenn Sie demzufolge Ihre Trainingsläufe

im Winter nicht vollständig

aussetzen, sondern sie in Häufigkeit und

Intensität um die Hälfte reduzieren, begeben

Sie sich in einen Erhaltungsmodus,

bei dem Trainingsreize und wichtige

Energiestoffwechselprozesse nicht komplett

ausbleiben. Diese erhaltende Stoffwechsellage

erlaubt es Ihnen im Frühjahr,

das ursprüngliche Leistungsniveau

schneller wieder zu erreichen.

HERAUSFORDERUNG

KÄLTE

Kälte beeinflusst das menschliche Leistungsvermögen

deutlich. Genau wie bei

Hitze verbessert eine Akklimatisation die

Stoffwechsellage und so dienen ausgedehnte

Spaziergänge oder Wintersportarten

nicht nur der Entspannung, sondern

auch der Anpassung an bevorstehende

Kälteläufe. Kälteempfinden ist altersabhängig

und so haben Menschen über 60

– vor allem Männer – das Problem, ihre

Körpertemperatur bei Kälte zu halten.

Die Temperaturwahrnehmung ihrer Haut

ist vermindert und sie brauchen einen

stärkeren Kältereiz, um Unterkühlungen

zu bemerken. Leider ist bei ihnen auch

die kältebedingte Erhöhung des Stoffwechsels

verringert. Temperaturen unter

elf Grad Celsius kann unser Körper nicht

mehr durch eigene Wärmeproduktion

ausgleichen. Er benötigt eine Isolation,

die er dadurch einleitet, dass die Haut-

Blutgefäße verengt werden. Ein natürlicher

Schutzmechanismus, der an den

kleinen Extremitäten kühlend wirkt und

dafür verantwortlich ist, dass wir an Nase,

Fingern und Zehen zuerst frieren. Was im

Sommer nachteilig ist, hat bei Kälte Vorteile:

Je größer der Unterhautfettanteil,

desto geringer ist das Kälteempfinden.

Ein Temperaturabfall von mehr als 0,2

Grad Celsius pro Minute lässt Kältegefühl

und Körperzittern aufkommen. Es

entsteht durch Aktivierung von Muskelgruppen,

steigert die Stoffwechselrate um

das Drei- bis Vierfache und verbraucht

Energie – die Glukoseoxidation ist bei

Wissenswertes

UNTERKÜHLUNG/

HYPOTHERMIE

… tritt ein, wenn der Wärmeverlust

die Wärmeproduktion bei

körperlicher Belastung und

Kältezittern deutlich überschreitet.

Sie droht vor allem bei mangelhafter

Energie- und Flüssigkeitsversorgung,

bei Erschöpfung oder

ungeeigneter Kleidung. Bei einer

Körperkerntemperatur ab 32 Grad

Celsius wird sie lebensbedrohend.

RUNNING | 1/2020 | 87


RUNNING TRAINING So trainieren Sie im Winter

3-4 Tage *

100 %

Leistungsrückgang

bei völliger Lauftrainingsabstinenz

10 Tage *

60 %

30 Tage *

50 %

20 % Anstieg Ruhepuls

der ursprünglichen VO2-max

WEIHNACHTSGANS-LAUF

Bei kurzen Kältebelastungen wird die

Energieversorgung noch durch die Glykogenspeicher

in Muskulatur und Leber

abgedeckt. Werden die Trainingsläufe

jedoch länger, erfolgt eine zunehmende

Mobilisierung des Fettstoffwechsels. Neben

der erhöhten Stoffwechselrate kann

dieses Phänomen vor allem mit einer gestiegenen

Katecholaminkonzentration,

bei gleichzeitiger Abnahme von zirkulierendem

Insulin erklärt werden. Kurz gesagt:

Bei Winterläufen verbrennen Sie

mehr Fett und nehmen schneller ab.

Wer also seine hinzugewonnen Pfunde

nach den Feiertagen wieder effektiv loswerden

möchte, sollte dies durch Kältelauftraining

tun, das bis zu einer Außentemperatur

von minus zwölf Grad Celsius

grundsätzlich möglich ist – vorausgesetzt,

Sie sind richtig gekleidet.

* nach Laufpause verbleibende Leistung

Kälte schon im Ruhezustand höher.

Kommt nun ein Trainingslauf hinzu,

kann sich der Energieverbrauch bis auf

das 30-Fache erhöhen und dementsprechend

groß ist der Energiebedarf.

6 Wochen *

20 %

8 Wochen *

0 %

© pfeiffer

SCHNELLE ERSCHÖPFUNG

Erschwerend zur tatsächlichen Kälte

kann ein Windchill-Effekt hinzukommen

– die unterschiedliche Wahrnehmung

von gefühlter und tatsächlicher

Temperatur. Auch wenn die Luft als

nicht besonders kalt empfunden wird,

fröstelt man schon kurz nach dem Start.

Selbst im langsamen Lauf sorgt dann ein

geringer Gegenwind dafür, dass warme

(hautnahe) Luft vom Körper abgeführt

und die Auskühlung beschleunigt wird.

Um mehr Wärme zu erzeugen, erhöht

sich der Energiebedarf nochmals und so

kann bei einem Wintertrainingslauf bereits

nach kurzer Zeit jener Erschöpfungszustand

eintreten, der im Sommer

erst dann erreicht ist, wenn nach 90 bis

120 Minuten die Glykogenspeicher fast

oder vollständig entleert sind. Der Flüssigkeitsbedarf

ist bei Kälte ebenfalls

höher. Kalte Luft ist trocken und auch

beim Kältelauf geht Wasser über

Schweiß und Atemluft verloren. Da dehydrierte

Muskeln einen vermindert mechanischen

Wirkungsgrad haben, muss

mehr Energie für die gleiche Leistung

aufgebracht werden und damit erhöht

sich der Energieverbrauch noch einmal.

Trinken Sie deshalb bei Winterläufen

über 30 Minuten zusätzlich und nehmen

Sie zusätzliche Kohlenhydrate ein.

DIE RICHTIGE KLEIDUNG

Das Zwiebelschalenprinzip mit mehreren

dünnen, übereinander getragenen

Kleidungsschichten ist der beste Kälteschutz.

Achten Sie dabei jedoch auf die

Stoffqualität, denn nicht die Faser selbst,

sondern die Lufteinschlüsse dazwischen

bewirken die Thermoisolation. Poren

von Kunstfasern verschließen sich nicht

und sind hydrophob (wasserabstoßend),

während Baum- oder Schurwolle durch

Schweißbildung aufquellen und keine

wärmenden Lufteinschlüsse zulassen.

Tragen Sie jedoch nicht zu viel übereinander,

denn sobald der Lauf beginnt,

steigt die Körpertemperatur, und Kühlung

durch Schweiß verbraucht Energie.

Es ist besser, anfangs ein wenig zu frösteln,

als nach kurzer Zeit zu schwitzen.

Zur Schonung von Rachen und Lungen

empfiehlt es sich, tief durch die Nase

ein- und bewusst durch den Mund auszuatmen.

Nasenatmung ist bei Belastung

nicht einfach und muss geübt werden.

Laufen Sie anfangs sehr langsam und

achten dabei bewusst auf Atemrhythmus

und Atemweg. Es ist übrigens falsch,

dass bei unbedecktem Kopf fast 50 Prozent

der Körperwärme verloren gehen.

Auch wenn eine Mütze sinnvoll ist, liegt

die Wärmeabstrahlung über den unbedeckten

Kopf nur bei circa zehn Prozent

des Gesamtwärmeverlustes. Sehr kalte

Luft fordert Herz und Lungen in erhöhtem

Maß, deshalb sollte es gut überlegt

sein, ob ein Trainingslauf bei minus

zwölf Grad Celsius noch erforderlich ist.

Foto; UYN; Grafik: Dr. M.A. Peter Pfeiffer

88 | RUNNING | 1/2020


Wenn die Außentemperatur unter minus

zwölf Grad Celsius sinkt, steigt die körperliche

Gesamtbelastung noch einmal

um ein Vielfaches an und Sie sollten

lange Trainingseinheiten, vor allem aber

leistungsfördernde Formen (Fahrtspiel,

Intervall- und Bergläufe) unbedingt sein

lassen. Grundsätzlich empfiehlt es sich,

in ununterbrochener Bewegung zu bleiben

und keine auskühlenden Pausen einzulegen.

Vermeiden Sie bei Laufwettbewerben

im Winter das Warmlaufen vor

dem Start. Niedrige Außentemperaturen

verbrauchen wertvolle Energie, die am

Ende des Rennens fehlt. Der erste etwas

langsamer gelaufene Kilometer reicht

völlig, Ihren Körper an die Belastung

heranzuführen.

Bei Winterläufen

verbrennt unser

Körper mehr Fett.

Wer seine zusätzlichen

Pfunde nach

den Feiertagen wieder

effektiv loswerden

möchte, sollte

dies durch Kältelauftraining

tun, das bis

zu Temperaturen von

minus zwölf Grad

Celsius möglich ist.

BERGZAUBER IM WINTER

Läufern, die auch im Skiurlaub nicht

aufs Lauftraining verzichten möchten,

gebe ich nachfolgende Hinweise: Pro

100 Meter Höhe sinkt die Umgebungstemperatur

um durchschnittlich ein

Grad Celsius und die körperliche Thermoregulation

kostet mehr Energie. Der

energetische Grundbedarf ist im Hochgebirge

um circa 30 Prozent erhöht, der

Arbeitsumsatz steigt analog und so sollten

schon bei moderater Belastung täglich

200 bis 400 Kilokalorien zusätzlich

aufgenommen werden. Je nach Belastungsart,

-intensität und -dauer erhöht

sich dieser Mehrbedarf sehr deutlich. In

diesem Kontext macht sich bei vielen

Alpinläufern ein Phänomen bemerkbar,

das wissenschaftlich noch nicht hinreichend

geklärt ist: In sauerstoffärmerer

Luft entsteht Appetitlosigkeit und das

Sättigungsgefühl tritt früher ein. Diese

beiden Dinge sind dafür verantwortlich,

dass nicht nur die Leistung, sondern

auch das Körpergewicht sinkt. Der Stoffwechsel

beginnt, den Energiebedarf

durch Abbau von Fett, leider aber auch

von Körpereiweiß (Muskelmasse) zu decken.

Entgegenwirken kann man dem

Problem durch den Verzehr von vielen,

über einen längeren Zeitraum verteilten

Kleinportionen. Hochkalorische Getränke

und Gele bieten sich dazu ausgezeichnet

an, denn sie lassen sich über

den fehlenden Appetit hinaus leichter

aufnehmen.

HÖHENLUFT

Je höher Sie im Gebirge nach oben laufen,

umso mehr fällt der Druck in der

äußeren Atemluft ab und beeinträchtigt

die Sauerstoffversorgung. Bereits ab

1.500 Höhenmetern nimmt die Herzfrequenz

dauerhaft zu, geht jedoch nicht

über ihren antrainierten Wert hinaus.

Die VO 2

-max ändert sich jedoch merklich

und sinkt pro 100 Meter um durchschnittlich

ein Prozent. Obwohl Sie in

gleicher Herzfrequenz wie im Flachland

laufen, verändert sich Ihre Laktatkurve

um 10 bis 15 Prozent nach unten, sodass

eine leistungsbegrenzende Muskelübersäuerung

und die damit einhergehende

Erschöpfung viel früher eintreten.

KÖNIG ALKOHOL

Winter ist die Jahreszeit von Feiern, Festen

und Aprés-Ski, bei denen grundsätzlich

ein Genussmittel präsent ist: Alkohol.

Angesichts von sieben Kilokalorien

pro Gramm verfügt Alkohol – besser gesagt

Ethanol – über eine höhere Energiedichte

als Zucker. Wenn nicht über 90

Prozent des absorbierten Alkohols zu

Kohlenstoffdioxid und Wasser umgewandelt

würden, wäre er ein erstklassiger

Energieträger. Bei diesem Wirkungsgrad

stellt er aber überwiegend unverwertbare

Kalorien zur Verfügung. Alkohol wird

nicht von den Muskeln aufgenommen,

sondern im Körper als Fett angelagert,

ohne dass er energetisch genutzt wird.

Unmittelbar nach dem Konsum verstoffwechselt

ihn die Leber und damit ist dieses

wesentliche Organ sehr belastet.

Ethanol ist selbst in Kleinstmengen ein

Nerven- und Muskelgift und muss zwingend

ausgeschieden werden. Eine gesunde

Leber kann stündlich acht bis

zehn Gramm davon abbauen und verbraucht

dazu 55 bis 70 Kilokalorien pro

Stunde. Nicht nur Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel

werden durch Alkohol

besonders nachteilig beeinflusst,

sondern auch der Calciumhaushalt.

Während er gleichzeitig die Neubildung

von Leberglukose verzögert und damit

einer leistungsmindernden Unterzuckerung

Vorschub leistet, vermindert er den

Testosteronspiegel, hemmt die Regeneration

und begünstigt durch vermehrten

Harndrang das Ausscheiden von gelösten

Makronährstoffen. Übrigens: Auch

„alkoholfreie“ Biere besitzen einen Alkoholgehalt

von bis zu 0,5 Volumenprozent.

Ihre werbewirksam postulierte

isotonische Wirkung ist äußerst gering

und jeder Apfelschorle deutlich unterlegen.

Vermeiden Sie als Läufer Alkohol,

wo immer es nur geht – vor allem aber

im Winter vor und nach dem Training

oder Wettkampf.

Wissenswertes

KATECHOLAMINE

… nennt man die eng miteinander

verwandten Hormone Adrenalin

und Noradrenalin. Sie sind

Antagonisten (Gegenspieler) von

Insulin und bewirken eine

Freisetzung von Glukose aus

Glykogen, das in Leber und

Skelettmuskulatur angelagert

wurde. Alle Katecholamine

erhöhen den Energieumsatz, regen

das Herz-Kreislauf-System an und

besitzen als Überträgersubstanzen

nahezu die gleiche Wirkung.

Noradrenalin wird als Neurotransmitter

zu den sogenannten Glückshormonen

gezählt und ist – neben

Dopamin und Serotonin – immer

wieder mystifiziertes Thema im

Laufsport.

RUNNING | 1/2020 | 89


RUNNING TRAINING Schwitzen im Winter

Ohne HEISS

kein SCHWEISS?

WARUM SCHWITZEN WIR AUCH BEI KÄLTE?

von Dr. Stefan Graf

90 | RUNNING | 1/2020


Wer im Winter schwitzt, sitzt in der Sauna oder

ackert im Fitnessstudio – stimmt nicht! Schwitzen

bedeutet mehr als Wasserkühlung bei hohen

Außentemperaturen. Auch in klirrender Kälte ist

die körpereigene Klimaanlage aktiv, damit

Flüssigkeits-, Mineralien- und Temperaturhaushalt

nicht aus den Fugen geraten.

WINTERZAUBER: Der Swiss Snow

Walk and Run in Arosa führt über

Schnee und findet jedes Jahr im

Januar statt.

„Vor den Erfolg haben die Götter den

Schweiß gesetzt!“ Da wir Menschen

gleichwarme Tiere sind, ist unser Organismus

bestrebt, seine Körperkerntemperatur

konstant auf etwa 37° Celsius zu

halten. Intensive Aktivität lässt die Körpertemperatur

um bis zu zwei Grad ansteigen.

Das pusht die energieliefernden

Stoffwechselprozesse. Bei über 39° Celsius

wird es durch Störung wichtiger

Enzymfunktionen und Verdickung des

Blutes gefährlich. Es droht ein Kreislaufversagen.

Wie gut, dass uns die Evolution

mit einem leistungsfähigen Wasserkühlungssystem

ausgestattet hat, das weniger

schambehaftet ist als beim lauffreudigen

Vogel Strauß. Der „bepinkelt“ sich

selbst, um sich durch die Verdunstungskälte

seines Urins Kühlung zu verschaffen.

Das Prinzip ist bei uns dasselbe, nur

die Flüssigkeitsproduktion funktioniert

eleganter über Schweißdrüsen, deren

Arbeit vom vegetativen Nervensystem

gesteuert wird.

SCHWITZEN IST MEHR

Die Bedeutung des Transpirierens geht

weit über die Kühlung des menschlichen

Verbrennungsmotors hinaus. Im Verbund

mit Nieren und Lungen wird über

die Schweißdrüsen der Flüssigkeits- und

Mineralienhaushalts reguliert. Im

Schweiß werden Nebenprodukte des

Energiestoffwechsels ausgeschieden.

Schweißmenge und -zusammensetzung

sind dabei wichtige Regelgrößen, um das

innere Milieu – etwa den sensiblen pH-

Wert und die Viskosität des Blutes –

konstant zu halten und die für den

Herzmuskel essenziellen Elektrolyte (Kalium,

Natrium) nicht entgleisen zu lassen.

Aber der Schweiß ist auch im Außendienst

tätig. Auf der Haut schützt er

vor schädigenden Umwelteinflüssen und

spielt als zwischenmenschlicher Signalgeber

eine bedeutende Rolle – was zumindest

für die Dynamik von Laufgruppen

von Belang ist. All diese Faktoren

sind jahreszeitunabhängig und somit bei

Bullenhitze wie bei Hundekälte relevant.

MOTORKÜHLUNG

AUCH BEI FROST

Ein Automotor mit defekter Kühlung

überhitzt auch im Winter. Beim humanen

Antrieb ist das ähnlich. Der Energiestoffwechsel

produziert als „Abfall“

metabolische Wärme. Tatsächlich liegt

der Wirkungsgrad unserer Muskeln bei

nur 25 Prozent. Das bedeutet, nur ein

Viertel der Nahrungsenergie fließt in die

Bildung von ATP – die vom Muskel

nutzbare Energieform. 75 Prozent werden

in Wärme umgewandelt, die bei intensivem

Training den Körper sogar bei

strengem Frost so stark erwärmt, dass er

durch Schwitzen gekühlt werden muss.

Ein winterlicher Hitzschlag durch extreme

metabolische Wärme bei ungenügender

Flüssigkeitsaufnahme ist zwar

selten, kommt aber vor.

Wissenswertes

VERDUNSTUNGS-

KÄLTE

Für die Verdunstung, also den

Übergang des flüssigen Schweißes

in den gasförmigen Zustand, ist

Energie notwendig, die der Körper

durch Wärmeabgabe bereitstellt

und dadurch selbst ab-kühlt.

RUNNING | 1/2020 | 91


RUNNING TRAINING Schwitzen im Winter

RUNNING IN THE SNOW: Winterläufe werden immer beliebter.

Wissenswertes

SCHWEISS-FUNKTIONEN

KLIMASCHUTZ UND

DUFTNOTE

Um all die genannten Aufgaben zu erfüllen,

ist unser Körper mit zwei Schweißdrüsenarten

bestückt, die beide in der

Lederhaut – das ist eine Bindegewebsschicht

unter der Außenhaut – angesiedelt

sind. Die klare „Kühlflüssigkeit“,

also jener Schweiß, der beim Laufen

oder in der Sauna aus alle Poren strömt,

wird von sogenannten ekkrinen (d. h.,

nach außen abführenden), über fast die

gesamte Körperoberfläche verteilte

Schweißdrüsen produziert. Dagegen finden

sich apokrine (d. h. Sekret plus Zellbestandteile

absondernde) Schweißdrüsen

nur in Genital-, Achselhöhlen- und

Brustwarzenbereichen, um hier einen

nicht der Wärmeregulation, sondern der

zwischenmenschlichen Kommunikation

dienenden milchig-viskösen Duftschweiß

abzusondern. Dessen Geruch

bestimmt maßgebend das gegenseitige

„Sich-Riechen-Können“, entscheidet

über Sympathie und Antipathie beim

ersten Aufeinandertreffen. Der individuelle

Köpergeruch entsteht aber erst durch

die zersetzende Arbeit von Hautbakterien.

Dabei bilden sich im ekkrinen

Schweiß zum Teil übel riechende Butterund

Ameisensäure, wohingegen aus Inhaltsstoffen

von apokrinem Schweiß besondere

individuelle Duftnoten entstehen.

Frischer Schweiß ist geruchsneutral.

EKKRINES MULTITASKING

Um effektiv zu kühlen, können die ekkrinen

Schweißdrüsen beim Sommertraining

pro Stunde bis zu vier Liter Schweiß

produzieren. Aber auch ohne körperliche

Belastung und bei winterlichen Temperaturen

geben sie tagtäglich etwa 200 Milliliter

Schweiß ab. Ekkriner Schweiß ist

farb- und geruchsneutral und besteht zu

99 Prozent aus Wasser. Aber jeder kennt

den salzigen Geschmack und die Krustenbildung.

Neben Kochsalz wird über

den ekkrinen Schweiß auch ein Cocktail

aus Mineralien, Laktat, Harnstoff und

Aminosäuren ausgeschieden, der sowohl

für die Regulation des Mineralienhaushalts

als auch für die Ausscheidung von

Metaboliten relevant ist. Last, but not

least hat diese Mischung einen sauren

pH-Wert, der den Säureschutzmantel der

Haut stabilisiert, jene äußere Brandschutzmauer

gegen Krankheitserreger

und anorganische Schadstoffe.

Ekkrin: Regulation von Körpertemperatur und Flüssigkeitshaushalt

• Ausscheidung von Metaboliten (Wasser, CO2, Laktat, Harnstoff)

• Hautschutz/Immunabwehr (Hautflora, Säureschutzmantel. Dermicidin)

Apokrin: Non-verbale Kommunikation/Sexuallockstoffe

CHEMISCHE KEULE

DERMICIDIN

Im Hinblick auf die „Feindabwehr“ warten

die Schweißdrüsen noch mit einem

besonderen Schmankerl auf. Sie produzieren

das Peptid Dermicidin. Peptide

sind wie Proteine aus Aminosäuren aufgebaut,

nur kleiner, aber im Falle des

Dermicidin hoch funktionell. Auf der

Hautoberfläche macht es ungebetenen

Viren, Bakterien und Pilzen den Garaus.

Säureschutzmantel und Dermicidin

machen den Schweiß zu einem körpereigenen

Antibiotikum. Im Winter, wenn

Erreger Hochkonjunktur haben und

trockene Heizungsluft der Haut zusetzt,

ist diese Eigenschaft besonders wertvoll.

IM WINTER SCHWITZT

MAN HEIMLICH WEITER

Auch wenn der Winter noch so eisig ist,

wir sogar beim Training frösteln und die

Haut sich knochentrocken anfühlt, entsorgt

der Körper über Haut, Schleimhäute

und die Atmung pro Stunde und

Kilogramm seines Gewichts etwa einen

halben Milliliter Flüssigkeit. Binnen 24

Stunden ergibt das je nach persönlichem

Körpergewicht einen Flüssigkeitsverlust

zwischen einem halbem und über einem

Liter. Der Fachbegriff für dieses okkulte

Schwitzen lautet Perspiratio insensibilis

(PI). Wenn wir trainieren, steigt mit

Zunahme von Atem- und Herzfrequenz,

Stoffwechselrate und Körpertemperatur

auch die PI – im Winter sogar noch stärker

als im Sommer. Die Energie für die

Muskelarbeit wie auch für die Thermoregulation

wird aus dem Abbau von Fetten

und Kohlenhydraten gewonnen. Bei

deren vollständigem, aeroben Abbau in

den Zellkraftwerken (Mitochondrien)

bleiben letztlich Kohlendioxid und Wasser

übrig, deren Überschüsse unabhängig

von den Schweißdrüsen via Lunge und

Haut/Schleimhäuten abgeführt werden.

Da das winterliche Heizen zum Halten

der Körpertemperatur deutlich mehr

Energie frisst als das sommerliche Kühlen,

sind unser Grundumsatz und unser

Appetit auf Deftiges im Winter größer.

Wir verheizen bei Kälte mehr Fette und

Kohlenhydrate, produzieren also mehr

CO 2

und Wasser, was die PI ansteigen

lässt. Wenngleich die Schweißverluste im

Winter geringer sind, wird die Flüssigkeitsabgabe

beim Laufen in der Kälte

erfahrungsgemäß unterschätzt und das

Trinken vernachlässigt. Das Durstgefühl

eignet sich zwar durchaus zur Groborientierung,

doch ohne trockenen

Fotos: Armin Schirmaier

92 | RUNNING | 1/2020


Als sichtbares Zeichen etwas zu leisten, stärkt

Schwitzen das Selbstbewusstsein. So unangenehm

uns starkes Schwitzen im Alltag ist, so sehr

erfüllt es uns beim Sport mit Stolz.

Mund und Schweiß auf der Haut ist das

Trinkbedürfnis eher schwach ausgeprägt.

HAUTATMUNG UND

ANDERE FKTIONEN

Der bewährte Bekleidungstipp für den

Winter heißt Zwiebelprinzip, also zwei

oder drei Schichten übereinander ziehen,

zwischen denen sich wärmende Luftpolster

bilden. Wichtig dabei: Die Textilien

sollten atmungsaktiv sein. Dieses

omnipräsente Adjektiv nährt leider den

hartnäckigen Irrglauben, der Mensch

würde nicht nur über die Lungen, sondern

auch durch seine Haut atmen. Real

nimmt der Mensch nur circa 0,5 Prozent

des benötigten Sauerstoffs durch die

Haut auf. Mit Atmung im biologischen

Sinn hat diese „Hautatmung“ nichts zu

tun. Gemeint ist vielmehr die ungehinderte

Verdunstung der vom Köper abgegebenen

Flüssigkeit. Und damit sind wir

wieder bei der Thermoregulation. Atmungsaktive

Textilien ermöglichen die

störungsfreie Trans- und Perspiration

und schützen den Organismus vor einem

schlimmstenfalls zum Hitzschlag

führenden Wärmestau bzw. im Winter

vor einer Auskühlung infolge mangelnder

Luftisolierung. Da wir gerade bei

den Mythen sind. Die so gehypte Detox-

Welle gibt vor, den Menschen von einem

Tsunami seinen Körper vergiftender

„Schlacken“ – ein Begriff aus der Metallurgie,

der in der Biologie nichts verloren

hat – befreien zu müssen. Abseits von

allerhand fragwürdigen „Detox-Produkten“

wurde auch dem Schwitzen eine

„entschlackende“ Wirkung angedichtet

– besonders im Zusammenhang mit

dem Saunieren. Nur, was nicht da ist

(Schlacke), kann auch nicht entsorgt

werden. Entsorgungspflichtiger Metaboliten

entledigt sich der Organismus über

seine Abbau- und Ausscheidungsorgane

(Lunge, Leber, Niere, Darm, Haut) –

ganz ohne Mythen und Fiktionen.

VON KLATSCHNASS BIS

KNOCHENTROCKEN

Eines zeigt sich im Winter besonders

deutlich: Jeder schwitzt individuell.

Beim einen trieft auch bei Minusgraden

der Schweiß aus allen Poren, die andere

ist noch nach einer Stunde Laufen

trocken. Das Geschlecht spielt dabei

eine Rolle. Männer schwitzen aufgrund

höherer Körperwasser-, Muskelmasseund

Testosteronanteile durchschnittlich

stärker. Sie besitzen auch mehr Schweißdrüsen

(ca. 2,5 Mio.) als Frauen (ca. 1,8

Mio.). Entscheidend wird die individuelle

Schweißproduktion jedoch von Genetik,

Psyche und der Prägung des

vegetativen Nervensystems bestimmt.

Um die Aussagekraft der individuellen

Schwitzintensität ranken sich viele Mythen.

Die einen deuten große Schweißmengen

als Zeichen eines hohen Fitnesslevels

mit funktionierender Thermoregulation.

Wenigschwitzer halten sich für so

austrainiert, dass sie erst gar nicht überhitzen.

In beidem liegt eine Funken

Wahrheit. Unstreitig drückt sich ein

guter Trainingszustand auch in leistungsfähiger

Thermoregulation aus. Doch

fehlt eine klare Korrelation zur Intensität

des Schwitzens. Das vegetative Nervensystem

macht da so ein wenig sein eigenes

Ding. So wie es anlagebedingt verschiedene

Körperbau- und Blutdrucktypen

gibt, schwitzen Menschen von

Natur aus mehr oder weniger stark. Für

alle gilt: Die Effektivität der Thermoregulation

wird durch Training verbessert,

was aber nicht mit erhöhter Schweißproduktion

gleichgesetzt werden darf.

SCHRECK, SAUNA UND

TATTOOS

Wenn beim Lauf an einem dunklen Winterabend

die Stirnlampe plötzlich erlischt,

man unheimliche Geräusche vernimmt

oder auf einer Eisplatte ausrutscht, läuft

einem schlagartig „kalter“ Schweiß über

den Rücken. Im Verbund mit den freigesetzten

Stresshormonen Adrenalin und

Noradrenalin bewirkt dieser kühlende

Stress-Schweiß eine Verengung der Hautblutgefäße.

Das hier eingesparte Blut

wird den Muskeln zugeführt und erhöht

deren Reaktions- und Leistungsvermögen.

Angstschweiß ergibt also einen Sinn!

Nach dem Wintertraining in die Sauna

– herrlich. Wem die hoch temperierte

Oberflächenwärme nicht angenehm ist,

findet im milderen Tiefenwärmeeffekt

einer Infrarot-Wärmekabine eine Alternative.

Analysen haben Unterschiede im

Mineraliencocktail von Sauna- und IFR-

Schweiß aufgezeigt. Ausprobieren – regenerativ

wirkt beides. Die potenziell krebsauslösenden

Inhaltsstoffe schwarzer und

bunter Tattoofarben bereiten schon länger

Sorge. Eine weitere, das Schwitzen

betreffende, gesellt sich nun dazu. Physiologen

um Professor Maurie Luetkemeier

aus Michigan haben eine drastisch

verminderte Schweißproduktion auf tätowierten

Hautarealen eruiert. Der knappe

„Tattoo-Schweiß“ wies dafür einen abnorm

hohen Natriumgehalt auf Unter

dem geringen Schweißvolumen leidet

womöglich die Thermoregulation und

Verschiebungen des Natriumhaushaltes

zählen zu den größten Gefahren für das

Herz bei sportlicher Belastung!

FAZIT: 365 TAGE

Der brennstoffbetriebene Läufermotor

braucht nicht nur im Sommer Kühlung.

Schweißdrüsenaktivität und drüsenunabhängige

Flüssigkeitsabgabe sind auch

im Winter gefragt, um Körpertemperatur,

Mineralien- und Flüssigkeitshaushalt

sowie die äußerer Schutzbarriere stabil

zu halten.

Wissenswertes

PERSPIRATIO

INSENSIBILIS

Unmerkliche Flüssigkeitsabgabe

über Atmung, Schleimhäute und

Haut – ohne sichtbare Schweißbildung.

Beträgt circa 0,5 ml/h pro kg

Körpergewicht (600–1000 ml/d).

RUNNING | 1/2020 | 93


COOL DOWNNach dem Ziel

SPORTSCHECKLAUF ERFURT

Nächtliche City-Tour im Eiltempo

Am letzten heißen Sommerwochenende

des Jahres jagte in der Thüringer

Landeshauptstadt ein Highlight das

nächste: Die Domstufen-Festspiele, ein

Grönemeyer-Konzert, die letzte Etappe

der Deutschland Tour 2019 und der

Sportschecklauf lockten Kultur-, Musik-,

Radsport- sowie Laufverrückte nach Erfurt.

Für das letztgenannte Event fiel der

erste Startschuss um 19.00 Uhr; er

schickte den Nachwuchs auf die 2,5-Kilometer-Strecke.

Gegen 20.00 Uhr versammelten

sich schließlich die Starter

über die 5,25 Kilometer sowie den Halbmarathon

im Startblock. Das von Olympiasieger

Nils Schumann mitorganisierte

Event startete in diesem Jahr durch die

Umbauarbeiten für die Bundesgartenschau

2021 am Theaterplatz. Nichtsdestotrotz

mussten sich alle Teilnehmer je

Fünf-Kilometer-Runde einmal den kopfsteingepflasterten

Weg zur barocken

Stadtfestung hochkämpfen. Marcel

Krieghoff (16:39 Minuten) eroberte sich

mit nur fünfsekündigem Vorsprung den

obersten Podestplatz. Sein weibliches

Pendant Tina Donder hingegen sicherte

sich mit deutlichem Puffer Rang eins

(20:48 Minuten). Über die vierfache Strecke,

die sich nach der ersten Runde dann

auch tatsächlich in nächtliches Erfurter

3-LÄNDER-MARATHON AM BODENSEE

Flair hüllte, konnte niemand Felix Ledwig

(1:15:13 Stunden) das Wasser reichen.

Gleiches gilt für Bianca Josten

(1:31:19 Stunden). Die Zehn-Kilometer-

Strecke mit Start um 21.00 Uhr dominierten

Moritz Sparbrod (34:39 Minuten)

und Tatjana Ruf (42:20 Minuten).

akl

VERANSTALTER: https://mein.sportscheck.com/nachtlauf-erfurt

Grenzüberschreitende

42,195

Kilometer

Deutschland, Österreich, Schweiz –

diese drei Länder „bereisen“ die Teilnehmer

des 3-Länder-Marathon, wenn

sie sich auf der Insel Lindau an die Startlinie

begeben. Nach den 42,195 Kilometern

am 06.10.2019 kamen Patrik Wägli

und sein Tempomacher Charles Juma

Ndiema (Kenia) im Zweigespann ins

Bregenzer Ziel: Wäglis Pacemaker begleitete

ihn bis zur Finishline, sodass beide

schlussendlich mit gleicher Zeit den Marathon

bestritten – wenn auch Wägli als

Sieger gilt. Trotz erstem Platz zeigte sich

Wägli, der eigentlich im Optimalfall die

Schweizer Olympianorm von 2:11:30

Stunden schaffen wollte, unzufrieden.

Denn mit 2:17:51 Stunden verfehlte er

auch sein selbstgestecktes Ziel von 2:14

Stunden. Bei den Damen zeigte sich Vorjahressiegerin

Sandra Urach hingegen

zufrieden: Sie durfte neben dem Sieg eine

neue persönliche Bestzeit (2:42:33 Stunden)

feiern. Die circa 8.000 Teilnehmer

starke Veranstaltung am Bodensee unter

den Augen der diesjährigen Rigoletto-

Inszenierung auf der Seebühne zählte für

die Königsdisziplin 1.116 Finisher. akl

VERANSTALTER: www.sparkasse-3-

laender-marathon.at

Fotos: sportscheck.com, Dreiländer Marathon/MarkusGmeiner, PIX Sportfotos

94 | RUNNING | 1/2020


GELITA TRAIL MARATHON

Premiere mit Hindernissen

Nach dem

Ziel ist vor

dem Start

Renn-Resultate

im Überblick

Am ersten Oktobersonntag lud das

Wetter samt Dauerregen und einstelligen

Temperaturen eher zu einem

Couch-und-Kuchen-Szenario. Der GE-

LITA Trail Marathon Heidelberg hatte

jedoch etwas anderes auf der Tagesordnung:

Die Premiere des neuen Long Distance

Trails über 50 Kilometer mit 2.000

Höhenmetern. Das rutschige und durch

die Nässe noch viel herausforderndere

Terrain verlangte den Teilnehmern nicht

nur Ausdauer und technisches Können,

sondern insbesondere auch mentale Stärke

ab, um das Ziel auf dem Heidelberger

Karlsplatz zu erreichen. Hier konnte Nikki

Johnstone, der eine Woche zuvor den

Halbmarathon beim 4. Franklin Meilenlauf

in 1:07:14 Stunden gewann, Markus

Mingo den Rang ablaufen. Der Sieger des

Transalpine Run 2018 galt als eigentlicher

Favorit, stürzte bei den widrigen

Bedingungen jedoch. Johnstone siegte in

3:45:47 Stunden, Mingo querte nach

4:09:50 Stunden als Zweiter die Ziellinie.

Die Damenkonkurrenz dominierte Caroline

Kopp, die sich mit über 30 Minuten

Vorsprung auf Pia Winkelblech im

Ziel feiern lassen durfte. Der neue Long

Distance Trail folgt in einem steten Auf

und Ab überwiegend der altbekannten

Marathonstrecke, macht jedoch einen

zusätzlichen Abstecher zum Naturschutzgebiet

Felsenmeer. akl

VERANSTALTER: www.trailmarathonheidelberg.de

DÜNENLÄUFER GRAAL MÜRITZ

Wenn der Sand unter den

Laufschuhen knirscht …

Wald-, Wind- und Ostseelauf nennt

sich das Event Dünenläufer in Graal

Müritz, das am 06.10.2019 bereits zum

vierten Mal zu einem herbstlichen Sporterlebnis

an einer der schönsten deutschen

Meeresküsten einlud. Die Rostocker Heide,

Buchen- und Kiefernwälder, Feuchtmoore

sowie Sandpassagen sind Bestandteil

des vielseitigen Kurses, welcher in diesem

Jahr wegen Routenänderung mit einem

zusätzlichen Meeresabschnitt gespickt war.

Im Hauptrennen über 43,5 Kilometer erreichte

Thorsten Schüller nach 3:09:39

Stunden als Erster vor Marcus Krüger

(3:21:20 Stunden) sowie Mario Bär (3:21:53

Stunden) das Ziel. Franziska Jung schloss

sich quasi nahtlos an: Als Gesamtvierte und

schnellste Frau benötigte sie lediglich

3:22:13 Stunden. Auf Rang zwei und drei

platzierten sich Katharina Wilke (4:13:07

Stunden) und Anne Schill (4:24:36 Stunden).

Für alle Statistik-Fans bietet der Veranstalter

eine Zwischenzeitnahme an der

Marathonmarke. Der 18-jährige Finn

Große-Freese errang beim Dünenläufer ½

den ersten Rang mit einer Zielzeit von

1:26:48 Stunden, Eva Halbgewachs wurde

Erste unter den Frauen (1:42:25 Stunden).

Die liebevolle Veranstaltung empfiehlt sich

für alle, die nach einem schönen Saisonabschluss

suchen. 2020 findet das Event am

zweiten Oktoberwochenende statt. akl

VERANSTALTER: www.duenenlaeufer.de

RUNNING | 1/2020 | 95


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freier

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beim

Fußball

12

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Zeichnung

Vater

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(Mz.)

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der

Artusrunde

5

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13

Ball

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Zeus

6

1

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(Stoff,

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Claudels

‚Mittagswende‘

Vorn. dt.

Tuners

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Wassersportler

Südsüdost

(Abk.)

Schulraum

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DP-run1820-0919-18

Rätsel: Deike Press

LÖSUNGSWORT:

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16

96 | RUNNING | 1/2020


WAS NOCH ZU

E RZÄHLEN WÄRE

SCHLETT MACHT SCHLUSS

COOL DOWNKick-out-Kolumne

DUMMHEIT

TUT WEH!

von Stefan Schlett

Fotos: Archiv Schlett

Elbrus Mountain Race in Russland.

Ein Ultralauf im Kaukasus, rund

um den höchsten Berg Europas.

Die technischen Daten: 105 Kilometer

lang, 4.900 Höhenmeter, vier Bergpässe,

drei davon höher als 3.000 Meter – nur

etwas für Hardcore-Abenteurer mit

hochalpiner Erfahrung. Zusammen mit

meinem russischen Laufpartner Pavel Sysoev

bewältige ich die Monsterstrecke in

Eigenversorgung und mit GPS-Navigation

in 37:10 Stunden. Knochenbrecherische

Geröllhalden, steile Schneefelder,

eiskalte Flussdurchquerungen, nächtliche

Passüberquerungen, Gefrierfleischtemperaturen

– überlebt! Knochen heil, Psyche

heil, Magen heil (er knurrt – ein gutes

Zeichen!).

Doch halt, was entdecke ich da an meinem

Fuß? Auch nach 31 Jahren Extremsporterfahrung

wird man vor Dummheit

nicht verschont. Und in diesem Gewerbe

tut Dummheit bekanntlich besonders

weh! Habe ich Depp doch glatt vergessen,

meine Zehennägel zu stutzen, was zu den

elementaren Vorbereitungen gehört. Das

Ergebnis: eine fette Blutblase unter dem

großen Zehennagel des rechten Fußes.

Okay, normalerweise eine Routineangelegenheit:

Desinfizieren, Loch in den

Nagel bohren, Soße rausdrücken – Druck

weg, Schmerz weg. Der tote Nagel fällt

dann nach einigen Wochen von selbst ab

ELBRUS MOUNTAIN RACE: Auf abgelegenen Pfaden.

und dann dauert es gut ein Jahr, bis den

Zeh wieder ein einigermaßen ordentlicher

Zehennagel ziert. Ich will gerade

mein „OP-Besteck“ vorbereiten, als mir

mit Schrecken auffällt, dass der Zeh heiß

ist und sich um das Nagelbett eine rote

Korona gebildet hat. Entzündung! Und

das in dieser abgelegenen Gegend. Hilfe!

In 15 Kilometer Entfernung gibt es eine

Erste-Hilfe-Station. Als ich das Kabinett

betrete, fallen mir als Erstes die vielen

Fotos an den Wänden mit Widmungen

von russischen Höhenbergsteigern auf,

sogar ein Gipfelfoto vom Mount Everest

ist zu erkennen. Aha – man kennt sich

hier also aus mit den Opfern diverser Höhenexzesse!

Eine schon in die Jahre gekommene

nette Babuschka empfängt

mich freundlich, bittet mich Platz zu

nehmen und serviert Tee und Kekse. Der

Arzt – im Adidas-Trainingsanzug – inspiziert

den Fuß und schenkt mir erstmal

ein Glas Cognac zur Beruhigung ein.

Erst als dieses ausgetrunken ist, geht’s in

den Behandlungsraum. Ich weiß genau,

was jetzt kommt. Und, ja, ich gebe es zu

– ich hasse Schmerzen! Dann geht alles

ganz schnell. Eine Spritze wird gesetzt,

die Zange hervorgeholt, die Babuschka

hält mich fest, ein höllischer Schmerz jagt

durch den geschundenen Körper und der

Doktor hält triumphierend den kompletten

Zehennagel in die Luft. Ein blutiger

Klumpen zwar, aber ein echtes Prachtstück

– schade drum. Das war’s dann

wohl mit meinen Ambitionen, den Elbrus

nach 16 Jahren ein zweites Mal zu besteigen.

Der Frust wird sodann mit einem

weiteren Glas Cognac runtergespült…

Stefan Schlett ist verrückt. Bewundernswert verrückt. Neben dem Ultralaufen begeistert er sich fürs Fallschirmspringen,

Triathlontraining und Bergsteigen. Der 57-Jährige ist der erste Läufer, der den höchsten (Mount

Everest, Nepal), den tiefsten (See Genezareth, Israel), den nördlichsten (Spitzbergen, Norwegen) und den

südlichsten (Antarktis) Marathon gelaufen ist. Zudem hält er diverse deutsche Rekorde im Ultramarathon.

RUNNING | 1/2020 | 97


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So geht’s zum Halbmarathon

Die Distanz von 21,098 Kilometern ist die beliebteste Wettkampfstrecke

der Deutschen. Ob als Lieblingsdisziplin oder als

Frühjahrseinstieg – wir zeigen Ihnen, wie Sie den Halbmarathon

optimal angehen. Eine richtig spannende Herausforderung für

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in Freiburg wieder zeigen werden.

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Impressum

RUNNING – Das sportliche Laufmagazin

www.running-magazin.com

Eine Publikation von

Naststr. 19 B

70376 Stuttgart

www.doldemedien.com

info@doldemedien.com

Geschäftsführerin

Tanja Herkert

Verlagsleiterin

Tanja Herkert

Leitung Produkte & Vermarktung

Christine Felsinger

Chefredakteur

Dr. Carsten Drecoll

Tel.: +49 (0)15255295790

carsten.drecoll@running-magazin.com

Redaktion

Tabitha Bühne

tabitha.buehne@running-magazin.com

Anne-Katrin Leich

leich@running-magazin.com

Mitarbeiter dieser Ausgabe

Dr. André Albrecht, Dr. Stefan Graf, Gabriele

Hellwig, Anne Kirchberg, Dr. David Möller,

Dr. M.A. Peter Pfeiffer, Stefan Schlett, Sonja

Streit, Dr. Michele Ufer

Mediaberatung

Marit Böhmer

Tel.: +49 (0)711 - 55 34 91 98

Fax: +49 (0)711 - 55 34 93 00

marit.boehmer@doldemedien.de

Produktion und Koordination

GreenTomato GmbH

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Artdirection, Grafik & Layout,

Fotoredaktion, Schlussredaktion

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Repro

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Druck

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97204 Höchberg

Vertrieb

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Postfach 810640

70523 Stuttgart

Tel.: +49 (0)711 - 7 25 22 61

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Es gelten die Mediadaten 2019.

Erfüllungsort und Gerichtsstand ist

Stuttgart.

Nachdruck nur mit schriftlicher

Genehmigung der DoldeMedien Verlag

GmbH. Für unverlangt eingesandte

Manuskripte und Bildvorlagen keine

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Illustration: Hans Lehmann, Fotos: PPMR/Rafa Babot, New Balance/Jess Leonard; Laufresen.de

98 | RUNNING | 1/2020


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