Berliner Zeitung 16.01.2020

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26 Berliner Zeitung · N ummer 13 · D onnerstag, 16. Januar 2020

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Netzwerk

von Angriffen mit dem WannaCry-

Trojaner möglich. Bei der WannaCry-Attacke

waren Mitte Mai2017

über eine erpresserische Software

Hunderttausende Computer in

mehr als 150 Ländern infiziert worden.

Betroffen waren damals vor allem

Privatpersonen –aber auch Unternehmen

wie die Deutsche Bahn

und Renault oder das britische Gesundheitssystem

NHS. Experten vermuteten

damals sehr schnell, dass

Nordkorea der Drahtzieher gewesen

sein könnte.

Im aktuellen Fall fand die NSA

heraus, dass Windows unter Umständen

gefälschte Vertrauenswürdigkeitszertifikate

von Software akzeptierte.

Solche Zertifikate sind in

vielen Fällen die Voraussetzung daabcdefghi

jklmnopqr

stuvwxyz

COMIC

Horrorstory

aus dem

Internet

VonOlaf Kieser

Auch wenn es danach klingt,

Creepypasta hat nichts mit Essen

zu tun. Creepypastas sind Horrorgeschichten,

die im Internet verbreitet

werden. Das Wort ist eine

Kombination aus „creepy“ (gruselig)

und dem Begriff „Copy and Paste“.

Diese digitalen Verwandten von Lagerfeuergeschichten

handeln von

verfluchten Computerdateien, übernatürlichen

Wesen oder mysteriösen

Ereignissen und werden durch Kopieren

weitergegeben. In dem Comic

„Creepy Past“ spielen diese Geschichten

eine große Rolle.

Quiro ist eigentlich ein ganz normaler

Teenager. Mal abgesehen davon,

dass er ein Einzelgänger und

recht mürrisch ist und seit einiger

Zeit an Tinnitus leidet, der ihm den

Schlaf raubt.Wenn er dann doch mal

schläft, hat er oft Albträume. Um

wieder gesund zu werden, schicken

Quiros Elternihn zum REM-Institut,

einer Mischung aus Internat und

Forschungsinstitut, das sich auf Jugendliche

mit Schlafstörungen spezialisierthat.

Dortlernt er Ester kennen.

Die temperamentvolle Teenagerin

steht auf Videospiele, Bücher,

Filme,Tattoos und Geheimnisse.

Besonders Creepypastas faszinierensie.Esbereitet

ihr großes Vergnügen,

ihren Kommilitonen ständig

neue haarsträubende Geschichten zu

erzählen oder sie ins Netz zu stellen.

So jemand hat Quirogerade noch gefehlt.

Seltsamerweise beschreiben

Esters Geschichten aber ziemlich gut

Quiros Träume. Ein paar seltsame

Ereignisse später beginnt er zu glauben,

dass an den Geschichten etwas

dran sein könnte und das Institut etwas

zu verbergen hat.Warumwerden

die Schüler ständig überwacht?

Warumist die Tutorin bewaffnet? Wie

kann es sein, dass ein Dutzend Patienten

nie entlassen wurde? Wo sind

die Jugendlichen jetzt?

„Creepy Past“ von Bruno Enna

und Giovanni Di Gregorio ist eine

spannende Mischung aus Horrorund

Highschool-Geschichte. Quiro

und Ester stoßen bei ihren Untersuchungen

auf dunkle Geheimnisse

und erfahren dabei auch Dinge über

sich selbst und ihre Vergangenheit,

die ihr Weltbild ins Wanken bringen.

Daneben bekommen sie es auch

mit Gegnernzutun, vondenen nicht

alle menschlich sind. Es gibt mehrere

actionreiche Auseinandersetzungen

mit teils recht gruseligen inneren

und äußeren Monstern.

Für Auflockerung sorgen die

Wortgefechte des recht gegensätzlichen

Heldenduos. Die von Manga

und Cartoons beeinflussten Zeichnungen

von Giovanni Rigano lassen

das Treiben oft niedlicher aussehen,

als es ist. Das liegt auch daran, dass

Gestik und Mimik der Figuren recht

expressiv gezeichnet sind. Zurschön

unheimlichen Atmosphäre des Comics

trägt die Farbgebung von Alessandra

Dottori viel bei. Mag man

actionreiche, spannende und witzige

Gruselgeschichten, ist man bei

„CreepyPast“ genau richtig.

„CreepyPast“ vonBruno Ennaund Giovanni Di

Gregorio, aus dem Italienischen übersetztvon

JanoRohleder und Konstanze Tants, Dani Books,

Groß-Gerau 2019, 208 Seiten, 16,99 Euro

Olaf Kieser

fühlt sich wohl bei Geheimnissen,

Filmen und Tattoos.

Ständig

unter

Beobachtung

Tech-Konzerne bewerten

offensichtlich das Verhalten der

Nutzer im Netz, bevor sie ihre

Dienste anbieten

VonAdrian Lobe

Stellen Siesich vor, Siewollen

ein Hotelzimmer buchen.

Sie wählen eine Unterkunft

aus, geben den Reisezeitraum

an und klicken auf Reservieren.

Kurz vor der Buchungsbestätigung

poppt eine Fehlermeldung auf:

„Es tut uns leid, aber wir können Ihren

Reservierungswunsch leider

nicht berücksichtigen.Versuchen Sie

es später noch einmal.“ DieGründe,

warum gerade Sie ausgeschlossen

worden, nennt das Unternehmen

nicht.

Plattformen wollen sich absichern

Aber es gibt natürlich einen Grund.

Der Zimmervermittler Airbnb hat

ein Patent auf ein KI-System angemeldet,

das Kunden vor der Buchung

einem Online-Screening

unterzieht. Wie die englische Zeitung

Evening Standard berichtete,

soll die Software Internetseiten wie

etwa soziale Netzwerke scannen,

um daraus Verhaltens- und Persönlichkeitsmerkmale

abzuleiten. Auf

dieser Grundlage soll dann ein Vertrauenswürdigkeitsscore

errechnet

werden, eine Art soziale Bonität,

die Auskunft darüber gibt, ob der

Gast rechtschaffen ist. Wer zum

Beispiel mit Fake-Accounts in Verbindung

steht oder auf Hassplattformen

unterwegs ist, bekommt

möglicherweise Punktabzüge und

wird mit dem Hinweis „Versuchen

Sie esspäter noch einmal“ vertröstet.

DiePlattformwill sich damit absichern

und die Versicherungssumme

in Schadensfällen niedrig halten.

Immer wieder gab es in der Vergangenheit

Berichte über Vandalismus

und Sexorgien in Airbnb-Wohnungen.

Mal wurden Möbel aus dem

Microsoft hat eine brisante Sicherheitslücke

in seinem

Windows-Betriebssystem geschlossen,

dank der sich böswillige Schadsoftware

als legitime Programme

ausgeben konnte. Der Hinweis kam

vom US-Abhördienst NSA, der die

Schwachstelle entdeckte und dem

Softwarekonzern meldete. Die Lücke

kann nur durch die Installation

des am Dienstag veröffentlichten

Updates für Windows 10, 8.1 und

Windows Server geschlossen werden.

Für das veraltete Betriebssystem

Windows 7, das noch auf Millionen

PCs läuft, wird esdagegen kein kostenloses

Sicherheitsupdate mehr geben.

In dem Hinweis zum monatlichen

Sicherheits-Update verwies

Das Vorhaben: Die Regierung

in China versucht,

durch die Vergabe vonPunkten

für –aus Sicht der herrschenden

Kommunistischen

Partei –wünschenswertes

Verhalten, die Kontrolle über

die Bevölkerung zu erreichen.

Fenster geworfen oder Wohnungen

verwüstet. DieVermieter fühlen sich

vonAirbnb häufig im Stich gelassen.

Mit einer Online-Recherche, sodie

Idee,könnte man Vandalen und Partylöwen

bereits im Vorfeld ausfindig

machen.

Zwar betonte Airbnb auf eine Anfrage

des Spiegel, dass das Tool nicht

genutzt werde. Der Konzern melde

regelmäßig Patente an, was aber

nicht bedeute, dass diese auch umgesetzt

werden. Doch schon heute

führt der Zimmervermittler eine Risikobewertung

sowie Background-

Checks seiner Gäste durch.„Wir nutzen

Vorhersagemethoden und maschinelles

Lernen, um auf der Stelle

Hunderte von Signalen auszuwerten,

die uns dabei helfen, verdächtige

Aktivitäten zu erkennen und zu

unterbinden, noch bevor sie eintreten“,

heißt es auf der Webseite von

Airbnb. Und weiter: „Wir führen

weltweit bei allen Gastgebern und

Gästen einen Abgleich mit Behörden-,

Terroristen- und Sanktionslisten

durch – auch wenn natürlich

SOCIAL SCORING IN CHINA

Das Verhalten: Das soziale

und politische Benehmen

vonPrivatpersonen, Unternehmen

und anderen Organisationen

wird analysiert.

Werein zu niedriges Punkte-

Levelerreicht, muss mit Einschränkungen

im alltäglichen

Leben rechnen.

Die Vergabe: Integriertwerden

staatliche und private

Datenbanken auf nationaler

und regionaler Ebene. Es

fließen zur Berechnung Daten

zur finanziellen Bonität,

zum Strafregister und zu weiteren

als relevant erfassten

Verhaltensweisen ein.

Sicherheitslücke geschlossen

Microsoft reagiert auf Hinweise des US-Abhördienstes NSA und bietet Update an

Microsoft lediglich darauf, dass der

Support für Windows 7 und ältere

Server-Systeme am Dienstag (14. Januar)

ausgelaufen sei. Firmen und

Organisationen können über einen

kostenpflichtigen Wartungsvertrag

noch mit dem notwendigen Patch

versorgt werden. Bei Privatkunden

dagegen können neue Sicherheitslücken

nicht mehr geschlossen werden.

Bei US-Geheimdiensten gibt es

ein Abwägungsverfahren, in dem

entschieden wird, ob eine vonihnen

entdeckte Sicherheitslücke stillschweigend

ausgenutzt oder zum

Schließen gemeldet wird. Vor einigen

Jahren wurde eine einst von der

NSA genutzte Schwachstelle öffentlich

bekannt und machte die Welle

kein Überwachungssystem perfekt

ist.“

In den USA gibt es Hunderte geheimer

Scores. Sie entscheiden zum

Beispiel, wie lange man in derWarteschleife

einer Telefonhotline verbleibt

und ob man Artikel in einem

Geschäft umtauschen kann. Das

Wall Street Journal enthüllte, dass

zahlreiche Unternehmen, darunter

Instacart, Yelp und Airbnb,auf einen

Vertrauenswürdigkeitsscore zurückgreifen,

um die Bonität ihrer Kunden

zu bewerten.

Der „Sift Score“, der sich aus

über 16 000 Signalen errechnet und

einen Wert von 0bis 100 erreicht,

soll beispielsweise Kreditkartenbetrug

verhindern. Kleinste Verhaltensänderungen

wie ein Browserwechsel

können den Wert beeinflussen.

Jeder Klick wird von Big-

Data-Algorithmen ausgewertet.

Dieses Bonus- und Malus-System

ist vom Sozialkreditsystem in

China nicht mehr weit entfernt.

Auch Airlines beurteilen dem Bericht

zufolge ihre Passagiere. Häufige

Beschwerden können sich negativ

auf den Wert auswirken.

Denn: Das Beschwerdemanagement

kostet Geld. Werdagegen nie

die Kundenhotline anruft, wird in

der Warteschleife priorisiert und

erhöht seine Chancen auf ein Upgrade

in die Businessclass. Essind

subtile Bevorzugungen und Benachteiligungen,

die rechtlich

noch nicht die Schwelle zur Diskriminierung

überschreiten und sich

in der Praxis kaum beweisen lassen.

Das Unternehmen kann sich

immer noch darauf berufen, dass

die Priorisierung reiner Zufall sei.

Interesseder Behörden

HIDESY/ISTOCK

Das Problem: Die Scores wie auch

die Bewertungskriterien werden

dem Kunden nicht transparent gemacht.

So beschleicht einen das Gefühl,

dass Unternehmen immer irgendetwas

gegen einen in der Hand

haben könnten. Längst interessieren

sich auch Behörden für Internetaktivitäten.

Touristen, die indie

USA einreisen wollen, müssen seit

Juni vergangenen Jahres bei der Visumbeantragung

ihre Social-Media-Accounts,

E-Mail-Adressen und

Mobilnummern der vergangenen

fünf Jahre angeben. US-Grenzschutzbeamte

dürfen bei der Einreise

an Flughäfen anlasslos elektronische

Geräte wie Laptops oder

Handys nach persönlichen Daten

durchsuchen. Die Zahl dieser

Durchsuchungen hat sich seit 2015

vervierfacht.

Bei all dem zeigt sich, dass man

doch aufpassen sollte, was man im

Netz von sich preisgibt. Denn niemand

weiß, wie persönliche Kommentare

oder Fotos bewertet werden.

für,dass Programme auf Computern

laufen dürfen. Dieses System sei

grundsätzlich weiterhin sicher, nur

seine Umsetzung in diesem konkreten

Fall müsse korrigiertwerden, betonte

die NSA.

Technisch gesehen hat der Fehler

mit einer Schwachstelle in einer

Software-Komponente für die Verschlüsselungstechnik

(Windows

CryptoAPI) zu tun. Das gilt sowohl

für Codesignaturen als auch für die

so genannten TLS-Zertifikate. Bei

einem Angriff habe der Benutzer

dann keine Möglichkeit, eine Datei

als bösartig zu erkennen, da die digitale

Signatur von einem nur

scheinbar vertrauenswürdigen Anbieter

stammt, erläuterte Microsoft.

(dpa)

Weltweit mehr

Computer

verkauft

Experten erwarten nur

kurzzeitigen Aufschwung

Das Ende der Unterstützung des

Betriebssystems Windows 7hat

dem PC-Markt im vergangenen Jahr

den ersten Absatz-Zuwachs seit 2011

beschert. In den nächsten Monaten

werde der Trend zunächst weitergehen,

weil viele Unternehmen vor allem

in Asien noch auf das neuere

Windows 10 umsteigen müssten,

prognostizierte Analystin Mikako Kitagawa

vom IT-Marktforscher Gartner

am Dienstag.

Mit Auslaufen der Unterstützung

für Windows 7amDienstag

wird Microsoft keine kostenlosen

Sicherheits-Updates mehr für das

mehr als zehn Jahre alte Betriebssystem

bereitstellen. Mit Blick auf

die Frist stiegen viele Unternehmen

bereits im vergangenen Jahr

auf Windows 10 um.

Nach Berechnungen der Analysefirma

IDC stiegen die PC-Verkäufe

im gesamten Jahr um 2,7 Prozent

auf 266,7 Millionen Geräte.

Gartner errechnete ein Plus von0,6

Prozent auf gut 261 Millionen Notebooks

und Desktop-Rechner. Die

Differenz geht unter anderem darauf

zurück, dass die beiden Marktforschungsfirmen

zum Teil unterschiedlicher

Meinung darüber

sind, welche Gerätekategorien als

Personal Computer betrachtet werden

sollten. DieVerkäufe an Privathaushalte

gingen im vergangenen

Jahr allerdings weiterhin zurück.

Sowohl Gartner als auch IDC sehen

den chinesischen Anbieter Lenovo

als klare Nummer eins mit einem

Marktanteil vongut 24 Prozent,

gefolgt von HPund Dell. Insgesamt

entfallen auf die großen drei Anbieter

nun mehr als 60 Prozent des

Marktes. (dpa)

PC-Verkäufe weltweit 4. Quartal 2019

Lenovo

24,8%

Andere

16,4%

Acer

5,7%

Gesamt

70,612

Millionen

ASUS

5,8%

HP

22,8%

Dell

17,2%

Apple

7,5%

BLZ/GALANTY

Google schränkt

Leistung von

Cookies ein

Datensammeln auf

Webseiten wird schwieriger

F

ür die Werbewirtschaft wirdesin

Zukunft schwieriger,Informationen

über das Verhalten von Nutzern

beim Surfen im Web zusammeln.

Nach dem Vorgehen von Apple und

des Firefox-Entwicklers Mozilla gegen

sogenannte Cookies von Datensammlern

will auch Google sie bei

seinem Webbrowser Chrome in den

kommenden zwei Jahren herausdrängen.

Chrome dominiert den

Markt der Programme zum Navigieren

imWeb mit einem Anteil von

mehr als 60 Prozent. Damit dürfte

das Ende dieser Art von Datensammlung

besiegelt sein.

Cookies sind kleine Dateien, die

zum Beispiel eine Website im Browser

ablegen kann, um einen Nutzer

beim nächsten Besuch wiederzuerkennen.

Sie können aber auch verwendet

werden, um einer Person

von Website zu Website zu folgen.

Cookies von sogenannten Drittanbietern

– wie etwa Datenhändlern

oder Werbefirmen – werden in

Apples Safari-Browser und Firefox

bereits standardmäßig blockiert.

Das soll die Privatsphäre der Nutzer

schützen. (dpa)

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