Berliner Zeitung 17.01.2020

BerlinerVerlagGmbH

Berliner Zeitung · N ummer 14 · F reitag, 17. Januar 2020 5

·························································································································································································································································································

Politik

Wemgehört der Mensch?

Der Bundestag debattiert über eine Neuregelung zur Organspende und entscheidet sich für die Lösung, die weiterhin auf Freiwilligkeit setzt

VonTobias Peter

Für einen kurzenMoment ist

es sehr still im Plenum des

Bundestages. Unionsfraktionsvize

Gitta Connemann

hat gerade am Rednerpult über einen

ihrer Mitarbeiter gesprochen.

Gerade erst Vater geworden, bekam

der Mann die Diagnose einer lebensgefährlichen

Erkrankung. Er habe

auf den Anruf gewartet, der ihm sagen

sollte: Wir haben ein Organ für

dich. Doch der Anruf, fährt Connemann

fort, sei ausgeblieben, der Mitarbeiter

verstorben.

Die Abgeordneten des Bundestages

debattieren am Donnerstag über

die gesetzliche Reglung der Organspende.Esist

eine der seltenen Gelegenheiten,

zu denen im quer zu allen

Fraktionslinien diskutiert und entschieden

wird. Im Zentrum steht die

Frage: Soll künftig jemand, der zu

Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen

hat, automatisch als Organspender

gelten?

Widerspruchsregelung fällt durch

Als Connemann spricht, weiß sie

noch nicht, dass eine solche, auch

vonihr selbst eindringlich geforderte

Widerspruchslösung am Ende eine

Mehrheit deutlich verfehlen wird.

Der Gesetzentwurf, unterstützt immerhin

von Gesundheitsminister

Jens Spahn (CDU) und dem SPD-Gesundheitsexperten

Karl Lauterbach,

erhält nur 292 von674 abgegebenen

Stimmen. 379 Abgeordnete stimmen

dagegen, drei enthalten sich.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sterben jedes Jahr etwa1000 Menschen, weil sie vergeblich auf ein Spenderorgan warteten.

Lauterbach begründet die Initiative

damit, dass die Spendenbereitschaft

hoch, die Zahl der Spenden

aber vergleichsweise niedrig sei. Obwohl

laut Umfragen 85 Prozent der

Bevölkerung der Organspende positiv

gegenüber stünden, sei Deutschland

Schlusslicht bei den Organspenden.

Seine Schlussfolgerung:

„Es fehlt eine einfache,unbürokratische

Regelung, wie man zum Spender

wird.“ Das, so Lauterbach, sei die

Widerspruchslösung.

Doch viele Parlamentarier kritisieren,

dass diese Regelung zu stark in

das Selbstbestimmungsrecht des einzelnen

Menschen eingreift. Deshalb

haben Grünen-Chefin Annalena Baerbock

und andereeinen alternativen

Gesetzentwurfeingebracht, der mehr

Bemühungen für Beratung und die

Schaffung eines Online-Registers vorsieht.

DieIdee,dass der Staat Schweigen

bereits als Zustimmung für die

Organspende werten dürfe, lehnen

sie kategorisch ab.

Baerbock betont, auch ihr gehe es

darum, dass mehr kranken Menschen

mit Spenderorganen geholfen

werden könne. Sie sehe den Staat

aber in der Pflicht, das mildeste Mittel

zu wählen, um an das Ziel zu

kommen. Die Abgeordneten, so formuliertesBaerbock,

stimmten auch

über die Frage ab: „Wem gehört der

Mensch?“ Die SPD-Abgeordnete

Hilde Mattheis pflichtet bei und betont,

sie wolle nicht auf die Trägheit

und den Unwillen von Menschen

GETTY IMAGES/ISTOCKPHOTO

setzen, sich mit dem eigenen Todzu

befassen, um die Zahl der Organspender

zu erhöhen. „Eine Spende

muss eine Spende bleiben“, sagt sie.

Wielebhaft die Diskussion in den

vergangenen Wochen auch innerhalb

der einzelnen Fraktionen gewesen

ist, zeigt sich zum Beispiel an der

FDP. Hermann Otto Solms sagt ausdrücklich,

auch als Liberaler trete er

für die Widerspruchslösung ein.

Denn auch sie sehe vor, dass jeder

die Gelegenheit habe, Nein dazu zu

sagen. „Ich verwehre mich also gegen

diese Behauptung, die Widerspruchslösung

würde das Recht auf

die Selbstbestimmung einschränken“,

sagt Solms. Ersetzt hinzu: „Sie

ermutigt alle Bundesbürger, sich aktiv

mit dieser Frage zu beschäftigen.“

DerKlinikalltag als Problem

Befürworter wie Gegner der Widerspruchslösung

sind uneins darüber,

wie die höheren Spenderaten in anderen

Ländern zu interpretieren

sind. AusSicht der Befürworter einer

Widerspruchslösung sind diese Zahlen

eindeutig darauf zurückzuführen,

dass dort auf diese Weise mehr

Menschen für eine Organspende infrage

kommen. Die Kritiker bezweifeln

das: Wichtiger sei eine gute Organisation

der Abläufe. InDeutschland

seien im Klinikalltag bislang viel

zu wenige der Fälle gemeldet worden,

in denen Menschen für eine Organspende

infrage kamen.

Am Ende setzt sich die von Baerbock

und anderen vorgeschlagene

Lösung durch, der auf mehr Aufklärung

–nicht zuletzt durch die Hausärzte

–setzt. DiePraxiswirdnun zeigen,

ob es zu mehr Organspenden

kommt. Gesundheitsminister Jens

Spahn bezweifelt das. Die Wahrheit

sei, dieser Gesetzentwurf ändere an

der heutigen Lage nichts,sagt er.

Tobias Peter hat seit seinem

18. Lebensjahr einen

Organspendeausweis.

Leastsich gut. Fährtsich noch besser.

Das Transporter Top Deal All-in Leasing für Mercedes-BenzCitan, Vito und Sprinter.

Inklusivevier JahreServiceCareKomplettservice –und ohne Anzahlung. www.transporter-topdeal.de

1

Vito WORKER 110 CDI kompakt, Diesel:Kraftstoffverbrauchinnerorts/außerorts/kombiniert: 7,7/5,8/6,5 l/100km; CO 2

-Emissionen kombiniert: 171 g/km. Die angegebenen

Wertesind die ermittelten „NEFZ-CO 2

-Werte“i.S.v.Art.2Nr.1Durchführungsverordnung (EU) 2017/1152. Die Kraftstoffverbrauchswerte wurden auf Basis dieser Werte

errechnet. Als Bemessungsgrundlage für die Kraftfahrzeugsteuer kann ein höherer Wert maßgeblich sein. Die Angaben beziehen sich nicht auf ein einzelnes Fahrzeug und

sind nicht Bestandteil des Angebots, sonderndienen alleinVergleichszweckenzwischen verschiedenenFahrzeugtypen. DieWerte variieren in Abhängigkeit vonden gewählten

Sonderausstattungen. Ein ServiceCareLeasing-Beispielder Mercedes-Benz Leasing GmbH, Siemensstraße 7, 70469Stuttgart, nur für gewerbliche Einzelkunden, Stand 01/2020.

Kaufpreis ab Werk zzgl. lokaler Überführungskosten: 18.990 €; Leasing-Sonderzahlung: 0€;Laufzeit: 48Monate; Gesamtlaufleistung: 40.000 km; mtl. Leasingrate inkl.

ServiceCareKomplettservice gemäßunseren Bedingungen:199€. Alle Preisezzgl. gesetzlich geltenderUSt.Nur bei teilnehmenden Händlern. Aktion gültig bis 31.03.2020.

Anbieter: Mercedes-Benz AG, Mercedesstraße 120, 70372 Stuttgart

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine