Melange No11

AgenturMelange

Melange No11 - Das Magazin im Süden bayerns

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GOLDA SCHULTZ

Ein ganzes Leben voll Musik

Titel: Elodie von Poschinger

Foto: Florian Warnecke

d a s m a g a z i n

MURNAU

BLAUES LAND

SUSANNE

BROSCH

Medical Beauty &

Naturheilpraxis

JESPER

MUNK

For In My Way It Lies

HELGA HOPPE

Die Liebe zur Kunst


präsentiert

Ausstellung

20. Juli - 14. August 2019

Untermarkt 3 | Murnau

T: 08841-1511

www.goldschmiedevonheinz.de

Öffnungszeiten:

Mo-Fr: 9.00 - 18.00 Uhr

Sa: 9.00 - 13.00 Uhr


EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Auf dem Titel sehen Sie diesmal Elodie von Poschinger, eine gutaussehende

und sportliche Frau aus Murnau. Fotografiert wurde sie von Florian

Warnecke. Florian ist ein wichtiger Teil unseres Magazins.

Mit meinem Freund Wolfgang

Hirschvogel war ich in Lissabon.

Lisboa wurde 135 v. Chr. von

den Römern gegründet, von denen

sie auch ihre Sprache herhaben.

Die Stadt steht für sehr

freundliche, drahtige Menschen.

Sie fühlen sich als Europäer

und sind stolz, ein Teil von

Europa zu sein.

Seehauser Buam, fotografiert von Sebastian Guzmán aus Teneriffa – vielen Dank für

das schöne Bild!

Die sommerlichen Temperaturen lassen ja schon den ganzen Mai auf sich

warten. Aber die zwoa Seehauser Buam auf dem Foto erfreuen sich schon

mal an ihrem Steckerleis.

Die Melange präsentiert Ihnen dieses Jahr ein Event-Programm der Extraklasse.

Christian Springer begrüßen wir am 4. Juli in Murnau, Dr. Prinz

Asfa-Wossen Asserate am 24. Juli und Konstantin Wecker am 20. Oktober.

Georg Ringsgwandl mit Band tritt am 9. November auf; das kommende Jahr

beginnen wir am 2. und 3. Januar 2020 mit dem Schinkennudeln Blues im

Griesbräu, gemeinsam mit der Neuwirt Bühne Großweil und ihrem Einakter

„Der Saubär“. Außerdem wartet ein Auftritt der Band „The Melangers” mit

Rhythm & Soul rund um Racky Demharter und Opa Oppenrieder auf Euch.

Eine kleine Anekdote: Wir fragten

einen Taxifahrer, ob er Fan

von Benfica oder Sporting Lissabon

wäre. Er meinte, ganz klar,

Benfica! Wir sagten ihm, wiiir

sind Fans von Sporting; er

meinte, er würde uns trotzdem

mitnehmen, sein Vater ist auch

Sporting Fan, und er wäre ein

guter Mensch. Das Preisleistungsverhältnis

in Lisboa passt, sehr

gutes Essen und hervorragender

Rotwein. Es war unser erster

Trip nach Portugal, wird aber

nicht der letzte sein.

Kartenvorverkauf beginnt für alle Events am 8. Juni

in der Murnauer Fußgängerzone am Melange-Stand.

Viel Spaß beim Lesen wünschen

Barbara Krönner, Franz Windirsch

und das Team Melange

SAVE THE DATE:

Melange Sommerfest

Sa., 29. Juni, 18.30 Uhr

in der Schokoladenmanufaktur!

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INHALT

6 IMPRESSIONEN

„Großer Brachvogel“ von Florian Warnecke

8 STARKE FRAUEN Golda Schultz

Ein ganzes Leben voll Musik

14 PORTRAIT ifb

Institut zur Fortbildung von Betriebsräten

8

Golda Schultz

Ein ganzes Leben voll Musik

20 HANDWERK Autosattlerei & Polsterei Zwickenpflug

Berufsleben zwischen Klassik und Innovation

26 PORTRAIT Musical meets Thomas Zigon

Ein Hauch von Broadway

34 GASTRONOMIE Klosterhotel Ludwig der Bayer

Ein Blick hinter die Kulissen

40 WETTBEWERB Stadtradeln

Im Fokus das Thema Fahrradfahren im Alltag

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ifb – Institut zur Fortbildung

von Betriebsräten

42 MELANGE-COMIC

Don Sindaco il fenomeno

44 PORTRAIT Christoph und Dieter Kirsch

Die Erschaffer des neuen Melange-Comics

47 FREIZEIT-TIPP Das ZAMMA-Festival

Selbst gemacht in Garmisch-Partenkirchen

48 BG UNFALLKLINIK MURNAU

Saubere Hände schützen vor Infektionen

Die Klinikhygiene der BG Unfallklinik Murnau

26

Musical meets

Thomas Zigon

56 GESUNDHEIT Susanne Brosch

Medical Beauty & Naturheilpraxis in Weilheim

62 PORTRAIT Helga Hoppe

Die Liebe zur Kunst

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INHALT

68 LIVE Jesper Munk

For In My Way It Lies

73 BUCH-TIPP Sabina Bockemühl

Die Kunst der klaren Haltung

74 PORTRAIT Der Murnau-Club stellt sich vor

Gemeinsam Kultur und Kulinarik genießen

77 IMMOBILIEN EXPERTENTIPPS von Britta Kirstein-Zietz

So wohnen wir in Zukunft

78 WIRTSCHAFT + FINANZEN mit Dr. R. E. Schauer

Einkommenssteuererklärung bei getrennt lebenden Eltern

34

Klosterhotel

Ludwig der Bayer

79 MARKTPLATZ

Cafés, Restaurants, Shopping, Tourismus und Gesundheit,

Kunst, Handwerk, Immobilien und Dienstleistungen

auf einen Blick

IMPRESSUM

Herausgeber: Agentur Melange, Obermarkt 8, 82418 Murnau

Redaktion: Team Melange, redaktion@agentur-melange.de

Autoren: nil, Anna Marguerita Schön, Alexandra Sichart

Grafik + Gestaltung: Katrin Oppenrieder

Fotografen: Florian Warnecke, Bela Raba, Franz Windirsch, Stefanie Seyringer,

Christian Podolski, Sebastian Guzmán, Claudius Pflug, Stars von Morgen,

Gregor Röhrig, Stefan Schütz, Andy Stückl, Andreas Kusy, Maryse van der Heijden

Redaktionsleitung + Lektorat: Anna Marguerita Schön

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Helga Hoppe:

Die Liebe zur Kunst

ANZEIGEN

Franz Windirsch

Franz Xaver Gastl

Eva Gastl

anzeigen@agentur-melange.de

VERTEILUNG

ESV Staffelsee, Franz Xaver Gastl,

Markus Heringer, Ammergauer Alpen, Blaues

Land, Garmisch-Partenkirchen, Loisachtal,

Penzberg, Weilheim, Ehrwald/Tirol

68

Jesper Munk

For In My Way It Lies

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Foto: Florian Warnecke – 20.4.2019 – 7:19 Uhr

Hotel am schönsten Fleck Bayerns

www.alpenhof-murnau.com


IMPRESSIONEN

Großer Brachvogel


STARKE FRAUEN

Foto: Claudius Pflug, Stars von Morgen

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Golda Schultz

EIN GANZES

LEBEN

VOLL MUSIK

Der Shootingstar der Opernszene

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STARKE FRAUEN

Franz Schubert, das sei Deutschlands sehnsüchtige Seite,

Deutschlands sehnsüchtige Musik. Das sagt niemand Geringeres

als der Shootingstar der Opernszene, die Südafrikanerin

Golda Schultz. Ein großer Fan ist sie auch von Richard Strauss,

und so ist es eine Premiere der anderen Art, dass Golda Schultz

auf dem diesjährigen Strauss-Festival singt, bei einem Liederabend

auf Schloss Elmau – unter anderem Schubert. „Ich bin

ganz gespannt“, sagt sie, denn alle Kollegen, die schon dort waren,

schwärmen von Elmau und den anderen Festivalorten.

Für Golda Schultz ist es der perfekte Moment. Sie ist nicht

mehr fest an der Staatsoper in München engagiert, sondern

seit diesem Jahr freiberuflich in der Musikwelt unterwegs.

„Dieses Jahr ist so voller neuer Entdeckungen, voller neuer Musik

an schönen Orten. Deshalb bin ich so froh, dort singen zu können“,

sagt sie. Noch einen Grund gibt es für „den perfekten

Moment“: Heuer feiert das Festival den 30. Geburtstag.

Liebesgeschichte mit Richard Strauss

Seit ihrer Studienzeit, als sie das erst Mal Strauss hörte, war

sie fasziniert – von der Verbindung von Text und Melodie, so

sprudelt es aus Gold Schultz heraus. „Das ist so wichtig und

dann hat man als Sängerin das Gefühlt, dass er, der Komponist,

die Sängerin versteht. Er versteht, wie es ist, eine Sängerin zu

sein; wie es ist, zu singen.“

Strauss und Walzer, das sei ein Klischee. „Irgendwann hört man

dann die Opern Salome, oder Electra – und dann versteht man,

wie clever Strauss eigentlich war.“ Was so clever ist an ihm? „Du

denkst, du verstehst ihn. Du denkst, als Musikerin kennst du dich

mit Walzer aus. Und dann hörst du zu und denkst – nie hab ich

gedacht, dass es so klingen wird!“ Das sei so besonders an

Strauss. Er will, dass sein Publikum nah bei ihm ist, dass die

Tür für das Publikum immer offensteht. „Aber dann trittst du

ein und alles kommt anders. Du denkst, du kennst alle Tricks,

und dann kommt noch was. Ein guter Flirt!“ Ein Flirt mit dem

Komponisten. „Strauss, der hat Frauen verstanden!“

Kunst ist politisch und emotional

Musik, meint Golda Schultz, ist immer etwas Politisches und

Emotionales. „Musik erzählt etwas über Beziehungen“, sagt sie.

„Man lernt immer etwas darüber, was wir als Menschen sind. Was

Golda Schultz

suchen wir? Was ist unsere Motivation? Was ist Liebe? Schmerz?

Wie ist es, Mutter oder Vater zu sein? Wie ist es, wenn man in den

Krieg ziehen muss...?“ All diese Fragen stellt Golda Schultz der

Musik und bekommt sie beantwortet. Durch Musik fände sie

immer eine neue Perspektive. „Wir als Musiker sind wie Archäologen.

Aber was wir finden, ist auch Gegenwart und Zukunft.“

Erste Liebe: Beethoven

Dabei klingen die Anfänge von Golda Schultz Musikerkarriere

fast trivial – „Für Elise“, das Beethoven-Klavierstück, das wahrscheinlich

jeder, der Klavier spielen kann, üben musste, ist

eines der Schlüsselerlebnisse für die Sängerin. „Diese Sehnsucht

nach Schönheit – ich war begeistert von Beethoven. Dabei war

ich erst 10 Jahre alt.“ Die Klavierlehrerin aber erklärte ihr, dass

man immer auch die Lebensgeschichte eines Komponisten

verstehen muss, die Lebensumstände, die historischen Umstände.

Und so begann sie, sich mit Beethovens Lebensgeschichte

zu beschäftigen. „Ich war enthusiastisch!“

Foto: Gregor Röhrig

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Musik ist universell

Und das ist es auch, was die Interpretation eines Liedes, einer

Oper ausmacht. Die Begeisterung, die aber aus der individuellen

Lebensgeschichte kommt. Diese Empathie, die Musik benötige,

mache angreifbar – aber auch stark und kraftvoll. Das hat Golda

Schultz von ihrer Mutter gelernt. „Man muss sich nicht für ein

Gefühl schämen. Empathie zu haben ist etwas Tolles.“ Diesen

Mut, sich empathisch auf etwas Neues einzulassen, auf neue

Perspektiven, hätten leider manche Menschen verloren. Dadurch

würden sie sich aber die Chance nehmen, Entscheidungen zu

treffen; für sich selbst den einen oder den anderen Weg im Leben

zu wählen. Deshalb müsse man auch an den Opernhäusern und

Bühnen lernen, die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit abzuholen.

Das heiße aber auch, dass europäische Bühnen diverser

werden müssten. „Die Menschen müssen sich selbst auf der Bühne

sehen können. Ihre Körper, ihre Hautfarbe, ihr Geschlecht“, sagt

die Sängerin und plädiert dafür, dass nicht nur perfekte Körper

zu sehen sind, alle Hauptfarben vorkommen oder männliche

und weibliche Rollen nicht klischeehaft festgelegt werden.

Hartnäckig sein

Und noch etwas hat sie in ihrer Familie geprägt: Sei hartnäckig!

Das brachte ihr der Vater bei, der Mathematiker: Bringe die

Sachen zu Ende. „Immer wenn ich denke, oh Gott, das schaffe

ich nicht, dann höre ich meinem Vater in meinem Kopf, der sagt:

Durchhalten, dann schaffst du das.Und so ist es auch.“ Nicht

eine gute Kritik in der Zeitung sei ihr Antrieb, sondern dieses

Gefühl, es selbst geschafft zu haben.

Einmal im Jahr versucht die Südafrikanerin, ihre Familie zu

besuchen, denn die fehlt ihr – auch wenn sie glücklich ist, dass

momentan Deutschland ihr Lebensmittelpunkt ist. Und ihr fehlt

das Meer, das sie vom Haus ihrer Eltern vom Fenster aus sieht.

nil

Golda Schultz singt, begleitet von ihrem Pianisten

Jonathan Ware, am 26. Juni auf Schloss Elmau

www.richard-strauss-festival.de

11


Ihre Steuerkanzlei

in Murnau und

Garmisch-Partenkirchen

Murnau am Staffelsee

Petersgasse 15

Tel. 08841 627 11 20

Garmisch-Partenkirchen

Ludwigstraße 60

Tel. 08821 1098

Email: info@hilleprandt.de

www.hilleprandt.de

v.l.: Johannes Zolk, Stephanie Deutinger,

Florian Gilg, Martin Hilleprandt,

Annemarie Kastl und Florian Hilleprandt

anzeigen@agentur-melange.de

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PORTRAIT

ifb

Institut zur Fortbildung von Betriebsräten

Idyllisch eingebettet in das Voralpenland in Murnau Seehausen

befindet sich das imposante Bürogebäude des Instituts zur

Fortbildung von Betriebsräten. „Über die schöne Lage freuen wir

uns jeden Tag“, sagt Hans Schneider, Gründer und Leiter des

ifb. Gemeinsam mit Dr. Klaus Daniel (Mitglied der Geschäftsleitung),

Anna Helmke (Produktmanagement, Juristin), Maria

Pölt (Seminarorganisation) und Kieu Pham (HR Managerin)

empfängt er uns heute. Die unmittelbare Nähe zum Staffelsee

und den damit verbundenen hohen Freizeitwert wissen die

derzeit rund 210 Angestellten des ifb sehr zu schätzen. Doch

auch die wirtschaftliche Lage, die sich das Unternehmen rasant

und beständig erarbeitet hat, ist erstaunlich.

Am Anfang stand eine Vision

Es war im Jahr 1986, als Hans Schneider in seiner Münchner

Studentenbude saß und Pläne schmiedete. Er befand sich kurz

vor Abschluss seines Studiums in Philosophie, Erwachsenenpädagogik,

Theologie, Politik und Kunstgeschichte. Eigentlich war

er sich zunächst sicher gewesen, eine Anstellung in der politischen

Erwachsenenbildung anzunehmen. Doch als er 1985 das

Angebot bekam, ein Kommunikationsseminar für Betriebsräte

zu halten, habe ihm das so viel Freude bereitet, dass bald ein

zweites und ein drittes Seminar folgten. Und so war nach einem

kurzen Zwischenspiel bei einem Seminaranbieter für Betriebsräte

in Feldafing der Gedanke der Selbstständigkeit geboren.

In dieser Zeit entstanden in Deutschland die ersten privaten

Weiterbildungsinstitute für die Fortbildung von Betriebsräten,

die bis Ende der 80er-Jahre ausschließlich in Händen der Gewerkschaften

gelegen hatten. Dass das ifb deutschlandweit als

drittes dieser Institute innerhalb von 10 Jahren zum Marktführer

werden sollte, hätte er damals nicht zu träumen gewagt.

Das ifb gründete er aus seiner Münchner Studentenbude heraus.

„Das erste echte kleine Büro befand sich dann in der Kaiserstraße.

Dort hatte gerade eine Bäckerei geschlossen. Der Verkaufsraum

wurde zum Büro; in der ehemaligen Backstube stand

der Kopierer“, erzählt er lächelnd. Nach einer weiteren Station

am Bonner Platz beschloss Schneider, der in Schongau geboren

und in Hohenpeißenberg aufgewachsen ist, seinen Wurzeln

zurück ins Oberland zu folgen. Im Kreisboten las er von einem

Büro in Riegsee – mit stolzen vier Zimmern. Und als dieses

ebenfalls zu klein wurde, zog das ifb an seinen heutigen Platz.

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Foto: stefanschuetz.com

„Ein Job, der Freude macht,

sinnstiftend ist und

von dem man leben kann –

das ist die ideale Kombination.”

Hans Schneider

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PORTRAIT

Foto: stefanschuetz.com

Grundsteinlegung in Seehausen

Nach den Gesetzen der Harmonie

Dank des Zuspruchs durch den damaligen Seehauser Bürgermeister

Herrn Willburger konnte Schneider das Grundstück erwerben

und bebauen. „Sie müssen sich vorstellen“, sagt Schneider,

„ich hatte im ersten Jahr, 1988, in München 130 Betriebsräte als

Seminarteilnehmer. 1989 waren es schon 330. Und dann dachte

ich: Einmal im Leben 1000 Teilnehmer haben! Das war damals so

weit weg! Und dann kam es viel schneller, als ich gedacht hätte.

1991 hatten wir schon 1100 Teilnehmer. Und in diesem Jahr werden

es über 80.000 sein.“ Während er erzählt, spürt man eine große

Demut vor der Entwicklung seines Unternehmens.

Fingerspitzengefühl brauchte es, als das ifb platztechnisch an

seine Belastungsgrenzen stieß und bezüglich eines Ausweichgrundstücks

in Verhandlung mit der Murnauer Kultureinrichtung

Westtorhalle ging. „Da gab es heiße Diskussionen“, berichtet

Schneider, „doch immer auf Augenhöhe. Kein Gegeneinander, sondern

ein Miteinander – mit stetigem Austausch über die Entwicklungsstände.

Nun können wir unsere Erweiterung auf einem angrenzenden

Grundstück im Norden verwirklichen, sodass die

Westtorhalle unberührt bleibt – wofür alle Seiten dankbar sind.“

Beim Bau der Bürogebäude legte Schneider Wert auf eine harmonische

Eingliederung in das Landschaftsbild. „Die Außenverkleidung

ist aus Lärchenholz. Diesen oberbayerischen Stil

eines Einfirsthofes haben wir jetzt zum dritten Mal aufgegriffen.

Zeitlos, modern, bayerisch.“ Auch die Inneneinrichtung unterliegt

den Prinzipien der Harmonie. „Das Wissen um diese Art

des Bauens ist bei uns im Westen im 18. Jahrhundert weitgehend

verloren gegangen und dann mühsam im 20. Jahrhundert über

den Umweg von Japan und China wiederentdeckt worden.“ Das

Resultat lässt sich sehen: Alle wesentlichen Ecken im Bürogebäude

sind rund; weiche Teppiche in harmonischen Farben

führen durch die Gänge. Die Büros sind hell und verglast –

Großraumbüros sucht man beim ifb vergebens. Im Erdgeschoss

befindet sich eine Kantine, in der mit hochwertigen Zutaten

jeden Tag ein frisches Menü und über 10 verschiedene Salate

zubereitet werden. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Und auf

jeder Etage entstanden 7 kommunikative Kaffeetheken. Über

8 verschiedene Kaffeesorten, verschiedenste Säfte und Wasser

sind für alle Mitarbeiter unbegrenzt kostenlos.

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von links nach rechts: Maria Pölt, Dr. Klaus Daniel, Anna Helmke, Kieu Pham

Foto: stefanschuetz.com

In diesem wunderbaren Arbeitsumfeld entsteht die komplette Unternehmensorganisation.

Die Seminare für Betriebsräte und alle

gewählten Arbeitnehmervertreter, wie zum Beispiel die Schwerbehindertenvertretung

und die Jugend- und Auszubildendenvertretung,

finden deutschlandweit – in Kooperationen mit über 180

ausgewählten Tagungshotels an über 70 Standorten – statt.

ist das institutionelle Konfliktlösungsgremium, das häufig zwischen

Belegschaft und Arbeitgeberseite sitzt und versucht, einen

Ausgleich zu finden. Der Betriebsrat ist die Stimme der Belegschaft.

Das ifb ist dabei nicht mit den Gewerkschaften verbunden und

schult unabhängig und ideologiefrei. Und, was uns sehr wichtig

ist: Lernen soll und darf auch Spaß machen. Hier bietet die Erwachsenenbildung

für viele eine ganz neue Lernerfahrung.“

Der Auftrag des ifb: Die ideologiefreie,

unabhängige und kompetente Schulung

von Betriebsräten

Über 330 verschiedene kommunikative, wirtschaftliche, betriebsverfassungsrechtliche

und arbeitsrechtliche Themen umfasst

das Fortbildungsangebot aktuell. „Da es keine Ausbildung

zum Betriebsrat gibt und nur wenige neugewählte Betriebsräte

über eine juristische oder fachwirtschaftliche Ausbildung verfügen,

haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, kompakt zu vermitteln,

was man für die tägliche Arbeit braucht, um auf Augenhöhe mit

dem Arbeitgeber und dem Management verhandeln zu können“,

erklärt Dr. Daniel, und Hans Schneider ergänzt: „Der Betriebsrat

Eine ausgewogene Work-Life-Balance –

der Motor für Gesundheit und Freude am Job

Der Bedarf an Betriebsratsschulungen steigt fortwährend. So

werden auch beim ifb laufend neue Arbeitsplätze geschaffen.

60 bis 80 Neueinstellungen sind derzeit geplant. Die Jobs sind

begehrt – und das hat gute Gründe. Ein bunter Strauß an Berufsfeldern

(ein Blick in die Stellenanzeigen auf der Homepage

lohnt sich!), flexible Arbeitszeiten, ein durchdachtes Gesundheitsmanagement,

zielgerichtete Einarbeitung mit Paten und

eine Rückkehrquote von 100 % nach der Elternzeit sprechen

für sich. Ein Job, der Freude macht, sinnstiftend ist und von

dem man leben kann – das ist die ideale Kombination. Dr. Klaus

Daniel: „Das möchten wir unseren Mitarbeitern bieten und haben

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PORTRAIT

210 Menschen arbeiten derzeit im ifb

(Stand Mai 2019)

1 Paten bekommt jeder neue Mitarbeiter,

der ihn in seinen ersten Monaten im ifb betreut

40 Jahre ist der durchschnittliche Mitarbeiter alt

0 Großraumbüros gibt es im ifb

161 Tage „UrlaubPlus“ wurden im Jahr 2018

in Anspruch genommen

100 Prozent beträgt die Rückkehrquote der

MitarbeiterInnen nach der Elternzeit

1820 Sonnenstunden im Jahr

70 Kilo Erdbeeren wurden in der Saison 2018

in der ifb-Kantine verspeist

2 Firmenfahrräder können jederzeit

ausgeliehen werden.

Sie heißen Max und Moritz.

dafür attraktive Arbeitszeitmodelle geschaffen. Neben Fachkompetenz

legen wir viel Wert auf Herzlichkeit und Charakter. Wertstrom

ist uns sehr wichtig. Das bedeutet, dass sich jeder Mitarbeiter

seiner Wichtigkeit im Unternehmensgefüge bewusst ist, sei es in

der Seminarorganisation, im Kundenservice, in der IT, in der

Küche oder in der Planungsabteilung.“ Das gilt nicht nur für Mitarbeiter

vor Ort, sondern auch für die rund 790 Referenten und

ca. 260 Seminarleiter, die freiberuflich für das Unternehmen

tätig sind und die stetig durch Weiterbildung unterstützt und

auch selbst kontinuierlich geschult werden.

Hätte man Herrn Schneider damals, als er 1986 in seiner Münchner

Studentenbude erste Pläne geschmiedet hatte, erzählt, was

aus dem ifb mal werden würde – wie hätte er reagiert?

Hans Schneider lacht: „Ich hätte nicht schlecht gestaunt und hätte

es nicht für möglich gehalten! Umso mehr freue ich mich jetzt, was

aus dem ifb geworden ist.“

Anna Marguerita Schön

www.ifb.de

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Immobilien & Kunst im・Gelben Haus


KUNST-ATELIER

&

MALKURSE

KATJA STRODTKÖTTER

Tel. 08841 - 48 77 850

www. strodtkoetter-immobilien.de

Untermarkt 56 in 82418 Murnau

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Tel. 08841 - 48 95 007

www. sabina-bockemuehl.de

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Foto: Florian Warnecke

V.l.n.r.: Sohn Marius, Tochter Marika, Beate und

Thomas Zwickenpflug, Christina Müller


AUTOSATTLEREI & POLSTEREI

ZWICKENPFLUG

Berufsleben zwischen

Klassik und Innovation

HANDWERK


HANDWERK

Der Besuch in einer Autosattlerei zählt nicht gerade zu den

alltäglichen Dingen, deswegen können sich sicherlich viele von

uns kein klares Bild davon machen, was dort passiert. Es muss

mit Leder, Polstern und Autos zu tun haben, aber ist das schon

alles? Was genau macht ein Autosattler eigentlich?

Thomas Zwickenpflug kam über einen Umweg zu seinem Beruf.

„Ursprünglich habe ich Bäcker gelernt, aber entwickelte nach

meiner Lehre eine Mehlstauballergie und konnte leider nicht mehr

weiterarbeiten. Ich habe dann über einen Bekannten in der Klassik

Schmiede in Wolfratshausen gejobbt. Hier legte man mir

nahe, nicht als Former bzw. Spengler an der Karosserie von Autos

tätig zu sein, sondern am Interieur. Durch diesen Glücksfall absolvierte

ich meine Ausbildung zum Autosattler. Die Berufsschule

für diesen Ausbildungszweig befindet sich in Mainburg – die einzige

für ganz Deutschland. Unterteilt wird der Beruf Sattler in

die Sparten Fahrzeugsattlerei, Feintäschnerei und Reitsportsattlerei.

Eine Zeit lang war dieser Ausbildungsberuf rückläufig, aber

er findet wieder mehr Zuspruch. Es muss auch Leute geben, die

anpacken können, eine Lehre ist eine wichtige Basis.“

Am 15.03.1995 wählt Thomas Zwickenpflug den Weg in die

Selbstständigkeit und übernimmt die Autosattlerei, in der er

gelernt hat. In seinem Betrieb arbeiten derzeit vier Personen.

„Christina Müller war unsere erste Auszubildende, sie wurde mit

ihrer Gesellenprüfung Bundessiegerin, studierte dann Textiltechnikerin

und ist seit über zehn Jahren bei uns. Weiterhin sind

Felix Niggl, der ebenso hier gelernt hat, und mein Sohn Marius,

der momentan seine Lehre zum Autosattler absolviert, Teil des

Teams. Meine Frau Beate kümmert sich um das Büro.“

Auf die Frage, wie man sich die Aufgaben in seiner Firma vorstellen

kann, erzählt Thomas Zwickenpflug: „Alles, was sich bepolstern

und bespannen lässt, kann von uns gestaltet werden. Unser

Schwerpunkt liegt bei den PKWs, jedoch beziehen wir auch Möbel.

Hier arbeiten wir gerne mit anderen Handwerksbetrieben wie zum

Beispiel mit Michael Daschner zusammen, er hat eine kleine Manufaktur

in Murnau, verarbeitet hauptsächlich Massivholz und

ist, wie wir, sehr detailverliebt. So entstehen langlebige exquisite

Einzelstücke, bei denen die Ledersortierung zum Holz passt.“


Spannend ist, dass sich der Automobilbereich bei Zwickenpflugs

in zwei komplett unterschiedliche Richtungen aufteilen

lässt. Hauptsächlich arbeitet der Betrieb an neuen Messemodellen,

also Interieurprototypen. „Es gibt mittlerweile keine der

großen Weltmessen in dieser Sparte, für welche nicht Teile von

uns hergestellt wurden. Wir sind z.B. in Frankfurt, Detroit und

Shanghai vertreten“, erzählt der Autosattler. „Hin und wieder

kommen die internationalen Auftragsteams zu uns. Sie kontrollieren,

ob die Oberflächen das gewünschte Aussehen haben, denn

zwischen Bildern, umfangreichen virtuellen Entwürfen und der

Realität können ‚große‘ – meist im mm-Bereich – Unterschiede

liegen“, schmunzelt Zwickenpflug. „Die Modelle, an denen wir

arbeiten, sind ihrer Zeit immer drei bis vier Jahre voraus.“

Neben der Entwicklung und Bearbeitung von Prototypen liegt

der Schwerpunkt auf dem Interieur von Oldtimern. „Uns ist es

wichtig, den Besitzer des Autos kennenzulernen und zu wissen,

welches Ziel dieser verfolgt. Möchte er den Wagen nur restaurieren

lassen und dann wieder verkaufen, oder ist es ein Auto, welches

sich seit Generationen in der Familie befindet? Je nachdem unterscheiden

sich die Vorstellungen der Kunden. Die Teile müssen

nicht immer Originale sein, aber sie müssen gefallen“, berichtet

Thomas Zwickenpflug. „Wir hatten einen Autobesitzer, dem die

Originalteile jedoch so wichtig waren, dass er alle Manufakturen

persönlich aufgesucht hat, um die entsprechenden Materialien aufzutreiben,

die wir anschließend originalgetreu verbaut haben.“

Häufig sind die Dinge, die man nicht auf den ersten Blick sieht,

die aufwändigsten. „Die Unterbauten beanspruchen sehr viel

Zeit, denn sie sind besonders wichtig. Das Innenleben muss genauso

wertig sein wie das Äußere unserer Produkte.“

Das Berufsfeld eines Autosattlers umfasst – entgegen den Vorstellungen

– nicht nur die Arbeiten mit Polstern und Leder, wie Zwickenpflug

verrät: „Nicht berufstypisch ist der Umgang mit Holz

und Metall – wenn wir bei Zerlegearbeiten feststellen, dass Unterbauten

dem Rost oder Holzwurm erlegen sind, fertigen wir diese

neu an. Als überzeugte Handwerker, denen die Details am Herzen

liegen, möchten wir so nah wie möglich am Original bleiben.“

Fotos bereitgestellt von Firma Zwickenpflug


HANDWERK

Foto bereitgestellt von Firma Zwickenpflug

Thomas Zwickenpflug bei der Arbeit

Obwohl der Schwerpunkt des Betriebs auf Oldtimern liegt –

speziell auf dem Modell Porsche 356 – werden auch andere

Sonderwünsche erfüllt. „Aufträge, die am unmöglichsten erscheinen,

sind mir am liebsten. Denn die Einstellung 'geht nicht ',

gibt’s bei unserem kleinen Team nicht.“ Zu den außergewöhnlichsten

Aufträgen zählen laut Thomas Zwickenpflug die Verkleidung

eines Handlaufs über mehrere Etagen eines Treppenhauses

mit Leder – bei welchem alles von Hand genäht werden

musste, das Auskleiden einer Fliegen- und Krawattenschublade

mit Leder, das komplette Innendesign eines neuen BMWs und

die Gestaltung von Autos mit geprägtem Krokodilleder und

Swarovskisteinen für den Life Ball in Wien. „Egal, um welchen

Auftrag es sich handelt – wir koordinieren uns stets so, dass wir

termingerecht fertig werden. In den Sommermonaten startet dann

die Cabrio- und Motorradsaison, da sollten die Verdecke und die

Sitzbänke auch schon startklar sein.“

Zeit für Freizeitaktivitäten bleibt dem passionierten Autosattler

wenig. „Ich genieße es, ausgiebig mit dem Hund spazieren zu gehen,

zu radeln, eine entschleunigende Runde mit dem Oldtimer

zu fahren oder meine Mädels im Pferdestall zu besuchen.“ Seine

Motivation findet er in seiner Firma: „Was mich erfüllt ist, wenn

meine Mitarbeiter Freude bei der Arbeit haben. Der Beruf des

Handwerkers ist leider immer noch nicht so begehrt, wie wir es

uns wünschen würden.“

Die Zukunft seines Traditionshandwerks sieht Zwickenpflug

sehr positiv. „Es lässt sich nicht alles automatisieren, die menschliche

Hand wird immer nachjustieren müssen. Das Besondere

an unserer Branche ist, dass wir mit Kreativität und Detailverliebtheit

langlebige Unikate schaffen.“

Die Inspiration für seine Ideen beruht auf einer simplen, aber beeindruckenden

Basis. „Mich erfreut es, wenn ich ruhigen Gewissens

sagen kann, dass wir ein Produkt mit Werthaltigkeit und ohne Wartungsintervall

geschaffen haben“, verrät Thomas Zwickenpflug.

www.zwickenpflug.de

Alexandra Sichart

24


Foto: Andy Stückl

PORTRAIT


THOMAS

ZIGON

27


PORTRAIT

Die Liebe zum Musical hat er für sich entdeckt, als er als Kind

zum ersten Mal „Starlight Express” gesehen hat. „Da war es um

mich geschehen“, erzählt Thomas Zigon lächelnd während unseres

Interviews in einem Münchner Café. „Hätte man in der Schule damit

gepunktet, Liedtexte auswendig zu lernen, wäre ich ein Einserschüler

gewesen.“ Besonders angetan hatten es ihm die 90er-Jahre,

vor allem die Spicegirls sowie sämtliche Boy- und Girlgroups.

Sehr zum Leidwesen seiner Geschwister; sein Bruder Martin war

auch damals schon eingefleischter ACDC-Fan. Gab es da Konflikte?

„Könnte sein“, Thomas lacht, „aber nur spielerische.“

In seiner Heimat Oberammergau besuchte er den Kammerchor

und den Bubenchor und konnte seiner Leidenschaft in verschiedenen

Theatergruppen in der Umgebung sowie in einer

eigenen kleinen Musicalgruppe und beim Tanzunterricht nachgehen.

„Wenn man in Oberammergau aufwächst, ist es ja so,

dass man schon sehr früh mit Kunst in Berührung kommt –

allein schon aufgrund der Passionsspiele“, sagt Thomas. Er fand

es schön, im Dorf aufzuwachsen. Und dennoch waren es die

großen Städte, die ihn schon als kleines Kind faszinierten.

Als er kurz vor seinem 18. Geburtstag die Entscheidung treffen

musste, ob er seine Ausbildung zum Musicaldarsteller in München

oder an der Hamburger Stage School absolvieren wolle,

zog er mit wehenden Fahnen in die Stadt am Wasser. „Ich war

neugierig auf die Nordlichter! Viele Freunde waren skeptisch. Da

versteht Dich doch keiner, hieß es. Aber es funktionierte super,

keinerlei Kommunikationsschwierigkeiten!“

Einige Jahre blieb Thomas in Hamburg, wohnte in WGs mit

Schauspielkollegen, kellnerte nebenher und genoss die vielen

neuen Herausforderungen. Die Stadt brachte eine große Freiheit

mit sich, aber auch Eigenverantwortung, der er sich gerne

stellte. „Eine Art des Erwachsenwerdens“, sagt er.

Ein Hauch Broadway wehte stets durch die Gänge der Stage School.

Schon bald nach der Ausbildung gab es für Thomas erste Engagements

am Musical Theater Bremen, wo er in „La Cage aux Folles“

auf der Bühne stand. Es ging weiter nach Wien und von dort aus

auf Europatournee mit dem Stück „Joseph and the Amazing Technicolor

Dreamcoat“. 2009 gab er den Bob im Musical „Hair“; am

Foto: Andy Stückl

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PORTRAIT

Thomas Zigon

Foto: Andreas Kusy

Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz spielte er den Hans in

„Cabaret“. Ebenfalls zu sehen war er in Der Glöckner von Notre

Dame, Rocky Horror Picture Show, Love – das Beatles Musical, Sugar

– Manche mögen’s heiß, Blues Brothers, Catch me if you can, Hairspray,

Herz aus Gold und Go Trabi Go.

Um sich auch während der vielen Reisen heimisch zu fühlen, hatte

Thomas stets seinen „kompletten Hausstand“ im Gepäck; unter

anderem Kochutensilien, denn gleich nach der Liebe zur Musik

kommt die Liebe zum Kochen. Anstrengend war es trotzdem.

Wenn er nach einer langen Tournee mal wieder zuhause übernachtete,

kam es schon mal vor, dass er sich erst einmal orientieren

musste. „Jeden Tag ein neues Hotel. Und dann wacht man nach der

Tournee auf und denkt: Wo bin ich? Ah, ich bin zuhause.“

Nach zwölf Jahren Musical wurde Thomas mittlerweile wieder

sesshaft. Mit seinem Partner Sven wohnt er in Augsburg und

pendelt von dort aus nach München, wo er als Showroom Manager

beim Unternehmen „we love PR“ tätig ist. Dem Musical hat

er dennoch nicht den Rücken gekehrt. Wie ein Schiff, das seinen

Hafen verlässt, um in weite Weltmeere hinaus zu segeln, kommt

Thomas immer wieder zurück nach Oberammergau. Im Gepäck:

Sein Herzensprojekt – die eigene, jährlich wiederkehrende Musical-Gala

„MUSICAL MEETS…“! Sie hat er einst gemeinsam mit seinem

Kollegen Maximilian Widmann entwickelt. Meist sind es 10

internationale Darsteller sowie Moderator Lukas Wandke, die durch

den Abend führen. Jeder einzelne Mitwirkende, der schon einmal

bei Musical Meets dabei war, möchte immer wiederkommen.

Die Gala findet heuer bereits zum siebten Mal statt. Am 20. und 21.

September wird es wieder spannend im Ammergauer Haus: In diesem

Jahr dreht sich alles um das Thema „Musical meets… magic

moments! Die schönsten Songs aus den Zeichentrickfilmen“.

Im Kartenpreis von 25 Euro ist automatisch schon eine Spende

enthalten. Dieses Mal wird sie an den Oberammergauer Kindergarten

„Regenbogen“ gehen. Tickets gibt es ab August bei den

Ammergauer Alpen.

Weitere Informationen findet man auch auf der Homepage:

www.musicalmeets.com

Wir sind auf jeden Fall dabei! Anna Marguerita Schön

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33


GASTRONOMIE

Klosterhotel

Ludwig der Bayer

Kaiserlich gebettet

Pater Johannes Bauer, Cellerar und Geschäftsführer der Benediktinerabtei

in Ettal, war eigentlich eher skeptisch, als es um

die Einstellung des neuen Azubis ging. Jens Riedel war damals

grade 18 Jahre alt. Sein Vater hatte ihm vorgeschlagen, sich in

Ettal zu bewerben, denn als Reisebusfahrer kannte er das Klosterhotel

Ludwig der Bayer seit Jahren. Eine Ausbildung im

Hotelbereich schien ihm für seinen Sohn die richtige Wahl.

„Es gab viele Bewerbungsrunden mit kleinen Prüfungen, beim

Jens war ich beim Rechnen skeptisch“, erzählt der Pater schmunzelnd.

Ganz anders sah das schon damals Stefanie von Külmer,

die Direktorin des Hauses. Sie sprach sich für ihn aus – und

sollte mit ihrer Einschätzung über den jungen Mann Recht

behalten.

Vom Auszubildenden in den

inneren Direktoriumszirkel:

Jens Riedel hat seine

Leidenschaft im Hotelgewerbe

gefunden.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre

„Ich weiß es noch wie heute“, sagt der Azubi von damals, „an

meinem ersten Arbeitstag war schönstes Wetter, es war der Tag

nach meinem 18. Geburtstag und ich musste 100 Eier aufschlagen.“

Das hat ganz schön gedauert, heute wäre es eine Sache

von wenigen Minuten. Von jetzt auf gleich musste der junge

Mann auf eigenen Beinen stehen, weg von Zuhause, von der

Familie im Vogtland. „Der familiäre Zusammenhalt im Klosterhotel

hat mir sehr geholfen.“ Das Wort „Familie“ fällt noch oft in

diesem Zusammenhang – aber auch in einem ganz anderen.

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Foto: Florian Warnecke


GASTRONOMIE

Gelebte Herzlichkeit

Während die älteren Auszubildenden Jens damals am Wochenende

mit hinunter nach Garmisch und Partenkirchen nahmen,

zeigte sich, dass auch das alteingesessene Team im Hotel tatsächlich

einen guten familiären Zusammenhalt pflegt. „Die

Work-Life-Balance hier stimmt absolut, es gibt so viele Sachen,

die man in der Großstadt in einem Hotel vielleicht niemals finden

würde“, schwärmt Direktorin Stefanie von Külmer, der man

schon von Weitem ansieht, dass sie nicht nur das Herz am

rechten Fleck hat, sondern auch von allen Stammgästen die

Familiengeschichten kennt. Genauso wie die Frage, was der

Hund der Gäste am liebsten mag, wie er heißt, was Kinder

und Enkel so machen. „Bei großen Hotelketten wird, wenn man

Glück hat, ab und an auch etwas über den Gast im Computer

hinterlegt. Bei uns ist das alles im Kopf“, sagt Stefanie von Külmer

und tippt sich mit dem Finger an die Stirn. „Und zwar das

Wissen von Jahrzehnten.“

Wie eine Familie

„Die Zufriedenheit des Gastes ist das Wichtigste im Hotelgewerbe;

wem das nicht am Herzen liegt, der ist hier falsch. Man muss

außerdem Perfektionist sein und gleichzeitig unglaublich improvisieren

können, also ein Lebenskünstler sein.“ Aber der geschäftsführende

Pater Johannes weiß aus Erfahrung: „Der Berg

schreckt viele ab“, und deutet durch das Fenster Richtung Ettaler

Berg. Die Fahrerei zu einer Arbeitsstelle hoch in den Ammergauer

Alpen kann nervend werden. Schade, denn das Hotel

biete als Arbeitgeber ziemlich viel: Familienfreundliche Rahmenbedingungen

zum Beispiel, sagt Stefanie von Külmer.

„Mein Sohn ist auch hier im Büro groß geworden. Und wenn

mal was mit den Kindern ist, dann findet man Lösungen, oder

der Dienstplan wird umgeworfen.“ Dazu kommen die Personalwohnungen,

das familienfreundliche Klima, das auch Jens Riedel

eine neue Heimat gegeben hat, und natürliche die unglaublichen

Freizeitbedingungen, die nicht nur Urlauber begeistern.

Bonhoeffer und Gottschalk

Das Klosterhotel in Ettal hat auch historisch vielen anderen

Hotels einiges voraus. Vor 400 Jahren wurde das Haus für den

Fremdenverkehr erbaut. Und zwar nicht für Klostergäste, die

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innerhalb der Klostermauern beherbergt waren, sondern für

zahlende Handelsreisende. Findig, schon für damalige Zeiten,

denn das Haus war gut hergerichtet, damit die Reisenden nicht

lieber im Kloster umsonst übernachteten. Später folgte, wie

überall im Lande, die Säkularisierung und damit die Privatisierung

des Hauses. 1901 aber kaufte das Kloster das Hotel

zurück – wieder eine gute Entscheidung. Auch wenn die bewegte

Geschichte lange noch nicht ruhiger wurde. Es kam der

1. Weltkrieg, dann, ab 1932, wurde das Haus wieder in Eigenregie

bewirtschaftet. Ganze Massen wurden von Hapag Lloyd

nach Ettal gefahren, denn das Skigebiet war viel schöner als

das im engen Garmisch. Dann kam der Machtwechsel, die Sonderzüge

kamen nun mit Kindern der Kinderlandverschickung.

Thomas Mann war drei Mal in Ettal, um dort seinen Winterurlaub

zu verbringen, Dietrich Bonhoeffer war dort, um sich

dort vor den Nazis zu verstecken, sein Mitstreiter Hans von

Dohnanyi ebenso. Später kamen andere: Konrad Adenauer,

Theodor Heuss, Ludwig Erhard, Bischof Desmond Tutu, aber

auch Thomas Gottschalk oder Lothar Matthäus. In all den Jahren

wurde Ludwig der Bayer immer wieder umgebaut, erneuert,

modernisiert – bis heute. Die Digitalisierung habe viel verändert,

erzählt Stefanie von Külmer. Das beginne mit Online-

Buchungen, aber auch Software für ein Reservierungssystem.

Auch Renovierungen gibt es nach wie vor: Jedes Jahr hat das

Hotel ein paar Wochen geschlossen, um ein großes Projekt

umzusetzen. „Es wird einem nie langweilig, es gibt immer neue

Aufgaben, die das Feuer der Leidenschaft für den Beruf wieder

anfachen.“

Regional

Leidenschaft hat Stefanie von Külmer auch für eine regionale

Wertschöpfungskette. „Wir versuchen, so viel wie möglich hier vor

Ort zu machen“, sei es, was die Gewerke für die Renovierungen

angeht oder beim Einkauf regionaler Lebensmittel. Das bringt

dann die gesamte Region weiter. Und: „Was habe ich davon, wenn

ich irgendwo in München den Händler Freitagabend anrufe und

der sagt, dass er jetzt grade aber zumache? Hier hab ich die passende

Handynummer, man kennt sich, man vertraut sich und morgens

liegt das Fehlende vor der Tür...“, schmunzelt Stefanie von Külmer.

Und mit dem Kloster werden freilich auch Ressourcen geteilt.

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38


GASTRONOMIE

Foto: Florian Warnecke

Jens Riedel mit Frau Jana und ihrem gemeinsamen Sohn

Das Perfektionistische, Leidenschaftliche hat übrigens auch

Jens Riedel erst gelernt und dann bewahrt. Und deshalb ist er

mittlerweile vom Auszubildenden in den inneren Direktoriumszirkel

aufgestiegen. Das mit dem Rechnen hat er dann

wohl noch gelernt. Vielleicht war es ein Zeichen, dass seine

Lieblingsabteilung in der Ausbildung das Housekeeping war –

auch hier ist unbedingter Perfektionismus und gleichzeitig Improvisation

gefordert. Vielleicht war es aber auch das Zimmermädchen

Jana. Mit ihr ist Jens Riedel mittlerweile verheiratet

und hat einen Sohn. Taufpfarrer war selbstverständlich Pater

Johannes, Taufpatin: Stefanie von Külmer. Familie eben.

nil

„Die Zufriedenheit des Gastes

ist das Wichtigste im Hotelgewerbe;

wem das nicht am

Herzen liegt, der ist hier falsch.

Man muss außerdem Perfektionist

sein und gleichzeitig

unglaublich improvisieren

können, also ein Lebenskünstler

sein.“

Geschäftsführer Pater Johannes

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WETTBEWERB

Stadtradeln 2019

Stadtradeln ist als Wettbewerb konzipiert, der mit Spaß und Begeisterung

das Thema Fahrradfahren im Alltag in den Fokus rückt.

„Mitmachen soll jeder, der gerne Rad fährt und zugleich einen Beitrag für ein

gesundes Klima und zur Verkehrsentlastung leisten möchte“, fordert Florian

Diepold, Klimamanager des Landkreises, zur regen Teilnahme vor allem

auf den Kurzstrecken auf.

Innerhalb von drei Wochen (vom 22.6. bis 13.7.) kann jeder teilnehmen,

der sowohl beruflich als auch privat Rad fährt oder vom Auto aufs Rad

umsteigen möchte. Schulklassen, Vereine, Organisationen, Unternehmen

sowie alle BürgerInnen sind herzlich eingeladen, mit eigenen Teams auf‘s

Rad zu steigen.

Auftaktveranstaltung

Start ist am Samstag, 22. Juni, um 9 Uhr vor dem Kultur- und Tagungszentrum

in Murnau. Geplant ist dort von 9 bis 15 Uhr ein Radlflohmarkt

sowie diverse andere Highlights – nicht nur für Radfahrer. Noch übrige

Radlteile oder ein altes Rad im Keller? Zum Radlflohmarkt kann man sich bei

Orga-Mitglied Philipp Zehnder unter zehnder@gw-murnau.de anmelden.

Abschlussveranstaltung und Siegerehrung

Am Samstag, 13. Juli, steht dann die große Abschlussveranstaltung vor

dem Dorfladen in Grafenaschau auf dem Programm. Der Grafenaschauer

Dorfladen organisiert Speis und Trank. Auch eine Sternfahrt wird es geben.

Dazu treffen sich die Teilnehmer in Mittenwald, Ohlstadt, Ettal und Oberammergau

und fahren von dort aus gemeinsam zur Abschlussveranstaltung

mit Siegerehrung nach Grafenaschau.

Als Hauptpreis winkt ein hochwertiges Bike, das auf Wunsch zusammen

mit dem Radl-Experten Peter Hopf im IQ in Murnau nach individuellen

Vorstellungen aufgebaut werden kann. Und natürlich gibt es für alle

anderen TeilnehmerInnen tolle Sachpreise zu gewinnen.

Wie funktioniert es?

Anmeldung und Infos unter:

www.zugspitz-region-gmbh.de/de/stadtradeln-2019.html

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42

DON SINDACO IL FENOMENO


MELANGE-COMIC

Text und Konzept: Dieter Kirsch, Illustration: Christoph Kirsch

Fortsetzung folgt...

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PORTRAIT

Christoph und Dieter Kirsch –

die Erschaffer des neuen Melange-Comics stellen sich vor

Fotos: Maryse van der Heijden

Christoph, unser Comiczeichner, wurde 1971 in Ludwigshafen am Rhein geboren und wuchs

in Groningen in den Niederlanden auf. Mit 7 Jahren gewann er einen Malwettbewerb bei

Burger King und durfte ein Jahr lang umsonst dort essen. Seit diesem Moment wusste er, dass

er vom Zeichnen leben wollte. Er studierte am Institut Saint-Luc in Brüssel und an der Kunstakademie

Minerva in Groningen. Seit 2002 lebt und arbeitet er als selbständiger Illustrator in

Barcelona.

Auch Christophs Vater Dieter ist in Ludwigshafen geboren, aber 34 Jahre früher als Christoph.

Mit 16 Jahren wurde Dieter zunächst Briefträger. Seitdem beschäftigt ihn das Thema „Zustellen“.

In seiner späteren Laufbahn als Lehrer, Magister und nach der Promotion als Dozent stellte er

statt Briefen dann eine Menge Wissen zu. Dieter leitete unter anderem das Goethe-Institut in

Nancy in Frankreich und betreute Projekte in über dreißig Ländern. Von Nancy aus ging es „in

freien Stücken“ nach Murnau, wo er nun auch uns etwas zustellen konnte: Text und Konzept

zu unserem neuen Melange-Comic!

Christoph Kirsch

Dieter Kirsch

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ZAMMA – selbst gemacht in Garmisch-Partenkirchen

Kulturfestival Oberbayern: 13. bis 20. Juli

FREIZEIT-TIPP

Am 13. Juli startet das einwöchige inklusive Mitmach-Festival

ZAMMA. Mehr als hundert Partner haben mit viel Engagement

ein Programm mit über 50 Veranstaltungen auf die Beine gestellt.

Dabei gilt fast überall: Eintritt frei.

Auftakt ist am 13. Juli am zentralen Schauplatz im Michael-Ende-

Kurpark. Dort gibt es ab 11 Uhr an vielen Ständen Gelegenheit

zum Mitmachen – vom Dialekt-Quiz über kreative Angebote bis

zum Volkslieder-Singen. Ab 14.30 Uhr folgt Bühnenprogramm.

Am Richard-Strauss-Platz lädt die riesige Kulturkuppel des Bezirks

Oberbayern zu einem audio-visuellen Klangerlebnis ein, und nebenan

kann man im Sinne-Parcours ausprobieren, wie es ist, blind

oder gehörlos zu sein oder sich im Rollstuhl zu bewegen.

Viele Angebote gibt es für Kinder und Jugendliche. Vom ZAMMA-

Mitmach-Zirkus, der sein großes Zelt im Garmischer Kurpark aufgeschlagen

hat, bis hin zu einem Tag rund um Michael Ende. An

den weltberühmten Schriftsteller, der in diesem Jahr seinen 90.

Geburtstag gefeiert hätte, erinnern am 19. Juli diverse Veranstaltungen.

Auch im Jugendzentrum (JUZ) lockt jeden Tag Programm

mit Konzerten, Lesung und Film. Bei einem Erzähl-Café werden

Urlaubs-Dias aus Garmisch-Partenkirchen von 1950 bis 1990 gezeigt.

Wer selbst nostalgische Erinnerungsstücke besitzt, darf sie mitbringen.

„Vom Weggehen und Ankommen“ heißt eine Sonderausstellung

zum Thema Migration im Museum Aschenbrenner. Brücken schlagen

will die Aktion Hand an Hand“: Eine an Laternenmasten befestigte

Schnur, an der hunderte Fähnchen mit Handabdrücken hängen,

wird die Ortsteile Garmisch und Partenkirchen verbinden.

Für musikalische Abwechslung sorgen „Jazz an einem Sommerabend“

von jazzGAP e. V. sowie ein inklusives Konzert mit bayerischem

Rock und Volksmusik mit Tanz. Der ZAMMA-Chor lädt

zum gemeinsamen Singen beim Abschlussfest auf dem Kirchenplatz

in Partenkirchen ein. Liedblätter in Braille-Schrift und Gebärdensprachdolmetscher

unterstützen auch hier die Barrierefreiheit.

Aktiv beim Festival dabei sind auch die Jugendreporter,

die über ZAMMA berichten.

Programm ab 26. Juni in gedruckter Form und unter

www.ZAMMA-festival.de

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SAUBERE HÄNDE

SCHÜTZEN

VOR INFEKTIONEN

Die Klinikhygiene der BG Unfallklinik Murnau

Wer kennt sie nicht, die elterliche Ermahnung aus Kindertagen: „Vor dem Essen,

nach dem Essen, Händewaschen nicht vergessen.”? So einfach und doch so

effektiv kann Hygiene sein. Lässt sich doch auf diese Weise die Ausbreitung

von ansteckenden Infektionskrankheiten verhindern. Und dennoch hat die Weltgesundheitsorganisation

2009 den Welttag der Handhygiene ins Leben gerufen,

um daran zu erinnern. Infektiologe Dr. Michael Ebenhoch stellt seine Arbeit

und die Bedeutung von Hygiene, Klinischer Infektiologie und Mikrobiologie vor.

Wer im Krankenhaus liegt, möchte vor allem eines: Schnell

gesund werden und zurück nach Hause kehren. Multiresistente

Keime können jedoch in seltenen Fällen den

Heilungsprozess verzögern. Um Patienten, Mitarbeiter und

auch Angehörige zu schützen, hat der Gesetzgeber strenge

Auflagen für die Hygiene definiert. Entsprechend müssen

größere Kliniken eigenes Fachpersonal für Hygiene

beschäftigen. In den BG Kliniken sind dafür Spezialisten

verantwortlich: Ihre Aufgabe ist es beispielsweise, für die

Einhaltung der Händehygiene zu sorgen, oder Patienten

gezielt auf resistente Keime zu untersuchen. Auch die

Erfassung und Analyse der Infektionen trägt dazu bei,

Ursachen zu erkennen und Risiken zu minimieren. Der

gezielte und rationale Einsatz von Antibiotika gehört ebenfalls

dazu und nimmt einen hohen Stellenwert ein.

Infektionsprävention hat sich deshalb zu einer der wichtigsten

Säulen der Patientensicherheit entwickelt. Die Stabsstelle

„Hygiene, Klinische Infektiologie und Mikrobiologie“ der

BG Unfallklinik Murnau setzt wirksame präventive Strategien

zur Reduktion von Krankenhausinfektionen um. Sie

hilft den interdisziplinären Behandlerteams, Infektionskrankheiten

bei Patienten rasch und zuverlässig zu diagnostizieren

und in Zusammenarbeit mit den zuständigen

Fachabteilungen optimal zu behandeln. Die Stabsstelle, die

direkt an die Geschäftsführung berichtet, wird gemeinsam

von Dr. Michael Ebenhoch und Dr. Regina Werle geleitet.

Für den Bereich Hygiene sind vier Hygienefachkräfte tätig.

Vier hygienebeauftragte Ärzte und 38 Hygienebeauftragte

in der Pflege fungieren als Schnittstelle zu den Kolleginnen

und Kollegen auf Station.

BG Unfallklinik Murnau


© BG Unfallklinik Murnau

BEITRAG von

DR. MICHAEL EBENHOCH

„Entscheidend ist, dass wir auf unser eigenes

mikrobiologisches Labor zurückgreifen

können und das rund um die Uhr.

So können wir schnell und sicher Keime

identifizieren und Antibiogramme erstellen,

das heißt austesten, welche Substanzen

wirksam eingesetzt werden können.”

Alter: 46 Jahre

An der BG Unfallklink Murnau: seit 2004

Position: Leiter der Stabsstelle Hygiene,

Klinische Infektiologie und Mikrobiologie

Ausbildung:

1999: Abschluss Studium Humanmedizin

2004: Facharzt Anästhesie

2006: Zusatzweiterbildung Intensivmedizin

2009–2010: Zusatzweiterbildung Infektiologie

2015–2016: Ausbildung Krankenhaushygieniker

01.2017: Leiter der Stabsstelle Hygiene,

Klinische Infektiologie und Mikrobiologie

mit Dr. Regina Werle

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SAUBERE HÄNDE

SCHÜTZEN

VOR INFEKTIONEN

Die Klinikhygiene der

BG Unfallklinik Murnau

Langjährige Kompetenz neu gebündelt

Mit der Gründung der Stabsstelle Anfang 2017 wurden bestehende

Strukturen zusammengefasst und neu aufgestellt. Infektionen werden

mithilfe verschiedener Module systematisch erfasst und bewertet.

Es werden Hygienepläne erstellt und aktualisiert und die

Aufbereitung von Medizinprodukten, Trink- und Badewasser gemäß

den gesetzlichen Bestimmungen überwacht. Die Stabsstelle berät

die Krankenhausleitung in allen Fragen der Krankenhaushygiene

und Infektionsprävention und steht in engem Kontakt mit den zuständigen

Aufsichtsbehörden des öffentlichen Gesundheitsdienstes.

Zudem finden regelmäßige Schulungen zu krankenhaus-

hygienischen Themen statt. Neben der mikrobiologischen Diagnostik

– rund um die Uhr – werden hausinterne Resistenzstatistiken

erstellt und daraus Leitlinien zur Antibiotikatherapie erarbeitet.

Interview mit Dr. Michael Ebenhoch

Bakterien sind mikroskopisch klein und dennoch so gefährlich.

Warum, Herr Dr. Ebenhoch?

EBENHOCH: In unserer Umwelt, auf unserer Haut und in unserem

Darm wohnen viele Milliarden Bakterien, die wir und die Natur zum

Leben benötigen. Manchmal jedoch werden sie zu Verursachern

von Infektionen und machen uns schwer krank. Unsere Aufgabe

als Infektiologen ist es, Infektionskrankheiten vorzubeugen, sie zu

erkennen, mit den richtigen Antibiotika zu behandeln, eine Weiterverbreitung

von Krankheitserregern möglichst zu verhindern und

unseren Patienten zu helfen, wieder gesund zu werden.

Im Zusammenhang mit Krankenhäusern und Hygiene werden häufig

„Superkeime“ in den Medien thematisiert. Was hat es damit auf sich?

EBENHOCH: MRSA sind Bakterien. Umgangssprachlich werden

diese resistenten Bakterien mitunter auch als Krankenhausbakterien

bezeichnet, weil sie in Krankenhäusern und anderen medizi-

nischen Einrichtungen oft vorkommen. Was von der Presse zumeist

verwechselt wird, ist die Gleichsetzung eines MRSA mit sogenannten

„Superkeimen“. Dabei sind die MRSA nicht pathogener,

d.h. gefährlicher, im Hinblick auf das, was sie in einem Organismus

bewirken, sondern sie sind schlechter behandelbar, weil sie multiresistent

sind.

Wie häufig kommen Infektionen mit multiresistenten Keimen vor?

EBENHOCH: Leider zeigt sich, dass schwere Infektionen mit multiresistenten

Erregern heutzutage deutlich häufiger zum Tod führen, als

zu der Zeit, als es noch Antibiotika gegen die Erreger gab. Die Weltgesundheitsorganisation

warnt davor, dass wir auf eine sogenannte

„Post-antibiotic-Ära“ zusteuern. Entscheidend ist, Antibiotika maßvoll

einzusetzen und sich von dem Irrglauben zu lösen, man würde durch

Antibiotika schneller gesund werden. Bestes Beispiel sind Erkältungen,

meist durch Viren ausgelöst. Antibiotika wirken da nicht.

Aufgrund der gezielten Gabe ist der Antibiotikaverbrauch in unserer

BG Unfallklinik Murnau im Vergleich zu Unikliniken und anderen

Maximalversorgern deutlich geringer. Wir haben eine Routine-

Surveillance eingeführt, sprich eine routinemäßige Erfassung und

Bewertung mikrobiologischer Proben. Zweimal wöchentlich werden

auf den Intensivstationen Probenentnahmen durchgeführt. Diese

Ergebnisse werden in unseren täglichen Besprechungen ausgewertet

– Wir schaffen Mehrwert durch Kommunikation. Somit fördern

wir den Erfahrungsaustausch und erhöhen gleichzeitig das Niveau

der Ausbildung. Gerade der Resistenzentwicklung wollen wir entgegenwirken.

Wie trägt Ihre Arbeit konkret dazu bei und wie stellen Sie diese sicher?

EBENHOCH: Die unnötige Gabe von Antibiotika kann die Gefahr

einer Resistenzentwicklung begünstigen. Multiresistente Keime

stellen uns im klinischen Alltag vor enorme Herausforderungen

und das auf mehreren Ebenen. Die Behandlung geht mit einem

hohen personellen, materiellen, therapeutischen und diagnostischen

Aufwand einher. Zum einen wollen wir unsere Patienten optimal

behandeln und zum anderen vorhandene Antibiotika in ihrer Wirksamkeit

erhalten. So können wir die Qualität der Verordnung von

Antiinfektiva hinsichtlich der Substanzen, Dosierung, Applikation und

Anwendungsdauer kontinuierlich verbessern.

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Gerade bei Reserveantibiotika – sprich Antibiotika, die nur für den

Einsatz mit strenger Indikation vorgesehen sind – achten wir

genau darauf, wann wir sie unseren Patienten verabreichen. Nur

so können wir auch sicherstellen, dass sie wirksam eingesetzt

werden. Jede Gabe von Reserveantibiotika muss daher von unserem

ABS (Antibiotic Stewardship)-Team geprüft und genehmigt

werden. Der infektiologische Konsiliardienst und die Betreuung des

„ABS-Programms“ stellt einen wesentlichen Bestandteil unserer Tätigkeit

dar. Die klinikinternen Leitlinien zur Antibiotikatherapie werden

jährlich aktualisiert und orientieren sich an den Empfehlungen der

Fachgesellschaften und der klinikinternen Resistenzstatistik. In Zusammenarbeit

mit der Klinikapotheke wird der Antibiotikaverbrauch

erfasst, bewertet und mit den medizinischen Fachabteilungen besprochen.

Was macht multiresistente Erreger so gefährlich und welche

Lösungsansätze setzen Sie im Klinikalltag ein?

EBENHOCH: Patienten kommen zu uns, weil sie medizinische

Hilfe benötigen. Sie hatten einen Unfall, leiden unter Schmerzen

und haben Symptome, die wir behandeln. Multiresistente Erreger

besiedeln Haut, Schleimhäute und Darm der Menschen ohne,

dass sie davon wissen. Die Herausforderung besteht somit darin,

Die schnelle Kommunikation mikrobiologischer Befunde und

die enge Zusammenarbeit ermöglichen eine effiziente Infektionskontrolle.

© BG Unfallklinik Murnau

FACHPERSONAL IST DER SCHLÜSSEL

Die Stabsstelle ist direkt der Geschäftsführung zugeordnet.

Dies zeigt den hohen Stellenwert der Hygiene auf, Infektionserkrankungen

zu vermeiden, zu identifizieren und wirksam zu behandeln.

Auch in der Krankenhaushygiene gilt: Geschultes

Fachpersonal ist der Schlüssel. Fort- und Weiterbildungen für

die interdisziplinären Behandlerteams schulen das Verständnis

und die gezielte Therapie.

dass uns Patient uns dies nicht mitteilen kann. Die Erreger sind

gegen die von uns in der Routine angewendeten Antibiotika häufig

resistent. Daher kann es bei schwerkranken Patienten zu einer Verzögerung

einer wirksamen Antibiotikatherapie und somit zu einer

deutlich erhöhten Sterblichkeit kommen. Entscheidend ist hier,

dass wir auf unser eigenes mikrobiologisches Labor zurückgreifen

können, und das rund um die Uhr. So können wir schnell und

BG Unfallklinik Murnau

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Saubere Hände schützen vor Infektionen. © BG Kliniken

HÄNDEHYGIENE

Händehygienemaßnahmen gehören zu den wichtigsten

Infektionspräventionsmaßnahmen. Gründliche und regelmäßige

Händedesinfektion ist wichtig. Verschiedenen Studien

zufolge werden im Alltag gut 80 Prozent aller Erreger durch die

Hände übertragen. Unter www.bg-kliniken.de/medien/filme

haben die BG Kliniken einen Erklärfilm zum Thema Händehygiene

veröffentlich, der zeigt, wie wichtig sie ist und wie sie

funktioniert.

sicher Keime identifizieren und Antibiogramme erstellen, das

heißt austesten, welche Substanzen wirksam eingesetzt werden

können.

Die Herausforderung liegt also darin, zunächst Patientengruppen

rasch zu identifizieren, die ein hohes Risiko für eine Besiedelung

mit multiresistenten Erregern haben. Risikogruppen sind Patienten

aus anderen Krankenhäusern, Alten- oder Pflegeheimen und

Reisende aus dem Ausland. Genau diese Patienten behandeln

wir gezielt von Anfang an mit speziellen Reserveantibiotika, die

häufig bei diesen Erregern noch wirken. Dabei ist jedoch Vorsicht

geboten: Ein leichtfertiger zu breiter Einsatz dieser Substanzen führt

wiederum zu Resistenzen. Kommt es dann auf Grund mangelnder

Hygienemaßnahmen zu einer Weiterverbreitung dieser komplett

resistenten Erreger, ist das der infektiologische Super-GAU – kein

Antibiotikum hilft mehr. Die Ursachen der Infektion lassen sich

dann nicht mehr behandeln. Die Sterblichkeitsrate steigt auf ein

hohes Maß, wie vor der Einführung der Antibiotika.

Sepsis – ein weiteres Schlagwort aus den Medien. Was verbirgt

sich dahinter?

EBENHOCH: Eine Sepsis ist laienhaft erklärt, eine Überreaktion des

Körpers auf eine Infektion, die in der Folge zu einer Beeinträchtigung

von Organfunktionen führen kann. Dadurch kann es zu weiteren

schwerwiegenden Verläufen kommen. Die Sterblichkeitsrate beträgt

dann bis zu 60%. Deutschlandweit sterben jährlich ca. 60.000 Patienten

an einer Sepsis – die dritthäufigste Todesursache. Ursache hierfür

sind meistens Bakterien oder seltener Pilze. Andere Erreger, die zur

Sepsis führen können – wie Viren oder Parasiten (z.B. Malaria) –

kommen in unseren Breiten kaum vor. Die Behandlung einer Sepsis

muss so schnell wie möglich erfolgen, da mit jeder Stunde, die ohne

wirksame Therapie vergeht, die Sterblichkeitsrate noch weiter ansteigt.

Inwiefern hat die Stabsstelle einen positiven Einfluss auf die Patientenversorgung?

EBENHOCH: Unsere Patienten profitieren von kurzen Abstimmungswegen

untereinander, geringer Zeitverzögerung bei der Validierung

von Befunden und einer schnellen infektiologischen Beratung. Die

hygienebeauftragten Ärzte und die Hygienebeauftragten in der

Pflege fungieren zudem als wichtige Multiplikatoren.

Auch das Verständnis der Patienten für die angeordneten Hygienemaßnahmen

ist wichtig. So ist bei einem entsprechenden Befund

etwa eine Einzelisolation erforderlich. Solche Vorsichtsmaßnahmen

werden immer im Sinne des Patienten getroffen. Uns ist bewusst,

dass die Patienten und ihre Angehörigen das als sehr belastend

wahrnehmen. Und nicht zu vergessen, die Händehygiene. Saubere

Hände schützen vor Infektionen.

Das Aufgabengebiet der Stabsstelle ist sehr umfangreich. Gibt es dennoch

einen typischen Arbeitstag und wenn ja, wie sieht dieser aus?

EBENHOCH: Kommunikation und Interaktion sind die Eckpfeiler

meiner täglichen Arbeit und das Telefon mein treuer Begleiter: Die

allmorgendliche Abteilungsbesprechung der Hygienefachkräfte,

meine Arbeit im mikrobiologischen Labor und die tägliche infektiologische

Besprechung im Intensivzentrum. Nicht zu vergessen

sind die täglichen Telefondienste und infektiologischen Konsile.

BG Unfallklinik Murnau

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BG Unfallklinik

Murnau

INFOBOX

Stabsstelle Hygiene, Klinische Infektiologie

und Mikrobiologie

in der BG Unfallklinik Murnau

© BG Unfallklinik Murnau

Einsatz von Spezialisten: seit 1996

Bündelung der Kompetenzen in einer Stabsstelle: Januar 2017

Entwicklung der Aufwendungen für Antibiotika

• 2009: 1.06 Mio. Euro

• 2011: 770.000 Euro

• 2016: 620.000 Euro

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: • 2 Ärzte

• 4 Hygienefachkräfte

• 4 Hygienebeauftragte Ärzte

• 38 Hygienebeauftragte in der Pflege

BG Unfallklinik Murnau · Prof.-Küntscher-Straße 8 · 82418 Murnau · Tel. 08841 48-0 · Fax 08841 48-2600

E-Mail: info@bgu-murnau.de · www.bgu-murnau.de

Interview und Redaktion: Lisa Schwede · Fotos: BG Unfallklinik Murnau

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anzeigen@agentur-melange.de

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„GESUNDHEIT IST DAS HÖCHSTE GUT.

DIES SOLLTEN WIR UNS TÄGLICH

BEWUSST MACHEN.“

SUSANNE BROSCH

Foto: Florian Warnecke

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GESUNDHEIT

Susanne Brosch

MEDICAL BEAUTY &

NATURHEILPRAXIS

IN WEILHEIM

Inmitten der Weilheimer Fußgängerzone, in der Schmiedstraße 6,

befindet sich die „Medical Beauty & Naturheilpraxis“ von

Susanne Brosch. So großzügig und hell die Praxisräume gestaltet

sind, so weitreichend ist das Behandlungs- und Angebotsspektrum,

das einen hier erwartet:

Naturheilverfahren und professionelle Medizinkosmetik befinden

sich unter einem Dach. Die Räumlichkeiten sind hierbei

größtenteils in die beiden Bereiche aufgeteilt.

Im Bereich der Medizinkosmetik reicht das Behandlungsspektrum

von Faltenunterspritzung, Lippen- und Nasenkorrektur, professioneller

Haarentfernung bis hin zu Bodyforming. Zudem bietet die

Praxis Behandlungen bei Haut- und Gewebeproblemen wie zum

Beispiel Couperose, Pigmentflecken, Fibromen, Falten und Cellulite

an, sowie Hautanalysen mit modernster Visia-Diagnostik.

Als sie im Jahr 2003 ihr Institut „Medical Beauty“ für professionelle,

ästhetische Medizinkosmetik und Schönheit eröffnete, erfüllte

sie sich einen beruflichen Lebenstraum, den sie im Jahr

2010 nach zweijähriger Ausbildung durch die erfolgreiche Prüfung

zur Heilpraktikerin komplettierte.

„Eines alleine konnte nicht für sich stehen“, sagt Susanne Brosch,

als wir nach der Führung durch die moderne Praxis im Behandlungsraum

Platz genommen haben. „Mir war bald klar,

dass Schulmedizin und Naturheilverfahren Hand in Hand gehen

sollten, um meinen Patientinnen und Patienten ein umfassendes

Behandlungsspektrum zu bieten. Dabei schließen die beiden Bereiche

einander keinesfalls aus, sondern ergänzen sich.“ Und so

folgte nach der Heilpraktikerausbildung auch eine zweijährige

Ausbildung in TCM – der Traditionellen Chinesischen Medizin.

In den zweiten Bereich, die Naturheilpraxis, wird uns Susanne

Brosch, Inhaberin von „Medical Beauty & Naturheilpraxis“,

heute einen genaueren Einblick gewähren. Mit der Kombination

der zwei Praxis-Teilbereiche, sagt sie, hat sie einen Rahmen geschaffen,

in dem sie ihren Patientinnen und Patienten ihre gesamte

Erfahrung zur Verfügung stellen kann.

Und diese ist vielfältig: 1986 hat sie ihr Staatsexamen als Krankenschwester

abgelegt, war bis zum Jahr 2003 unter anderem

in der Schönheitschirurgie tätig und hat nebenher Ausbildungen

zur Kosmetikerin / Visagistin sowie in der ganzheitlichen Kosmetikberatung

absolviert.

IM JAHR 2011 KONNTE SUSANNE BROSCH

IHR INSTITUT „MEDICAL BEAUTY“, NACH

UMZUG IN GRÖSSERE RÄUMLICHKEITEN,

DURCH DIE ERÖFFNUNG IHRER NATURHEIL-

PRAXIS ERGÄNZEN.

Einen großen Schwerpunkt stellen dort die Themen Haut, Darm

und Ernährung dar. Hierzu hat Frau Brosch zahlreiche Schulungen

absolviert, unter anderem eine Grundlagenausbildung

in natürlicher Faltenkorrektur und Weiterbildung in den Methoden

Faltenunterspritzung mit Hyaluronsäure und Eigenblut

sowie Hautanalyse mit modernster Visia-Diagnostik.

57


GESUNDHEIT

Fotos: Florian Warnecke

„Es ist ganz wichtig und aufschlussreich, das Thema Haut stets

auch im Zusammenhang mit Gesundheit und Ernährung zu betrachten“,

erklärt Frau Brosch. „Viele Hautprobleme und Hautkrankheiten

lassen sich auf bestimmte Mangel oder Organerkrankungen

zurückführen beziehungsweise zeigen diese auf. Die Haut

ist sozusagen Botschafter unseres Vitalzustandes und kann uns

wichtige Hinweise darauf geben, was dem Körper fehlt.“

Schröpfen

In der Naturheilpraxis stehen Frau Brosch verschiedenste Methoden

zur Verfügung, um Aufschlüsse über den aktuellen Gesundheitszustand

ihrer Patienten zu erlangen. „Jeder gesunde

Organismus hat ein Vitalfeld, das unter anderem aus elektro- magnetischen

Impulsen besteht. Es ist so individuell wie der eigene

Fingerabdruck“, erklärt sie. „Für eine optimale Energieverteilung

muss sich der Körper ständig den ihn umgebenden Umständen

angleichen. Ist ein Organismus erkrankt oder geschwächt, kann

seine innere Ordnung nur schwer aufrechterhalten werden. Mit

der sogenannten Vitalfeld-Technologie lassen sich die Schwachstellen

ermitteln und durch geeignete Impulse in ihrer Selbstheilung

unterstützen.“

EINEN AUSGLEICH SCHAFFEN

Infusionstherapie

Visia-Diagnostik

Nach ausführlicher Anamnese und Analyse arbeitet Frau

Brosch mit vielerlei Methoden, um die Patienten in ihrer Genesung

zu unterstützen. Eine dieser Methoden sei die Erhebung

des Körperzustandes mit Hilfe des Global Diagnostics Gerätes.

„Mit den Geräten Global Diagnostics und Mito werden mittels

Vitalfeld-Technologie die vegetativen Regulation beeinflusst und

gleichzeitig eine schrittweise Aktivierung des hormonellen Systems

erwirkt. Dies kann Einfluss auf die psychovegetative Entspannung

haben, was allgemein zur Stärkung des Immunsystems

führt“, erläutert Frau Brosch. „Anwendung findet die Vitalfeld-

Technologie unter anderem bei Erkrankungen der Gelenke, Ischialgien,

Akne und anderen Hauterkrankungen, sowie ebenfalls bei

Asthma, Rheuma, Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten

und Autoimmunerkrankungen, z.B. Morbus Crohn und Hashimoto.“

58


BURN-OUT ENTGEGENWIRKEN –

RESSOURCEN AUFFÜLLEN

Ein weiteres, zunehmend wichtiges Thema sei die Behandlung

von Burn-Out, erläutert Frau Brosch.

„Wenn wir ausgebrannt sind, sind wir im Mangel. Wir müssen unsere

Ressourcen wieder auffüllen.“ Hierzu hat sich ihrer Erfahrung nach

die Infusionstherapie sehr bewährt, um den Körper wieder mit

fehlenden Stoffen zu versorgen und so die Selbstheilung zu unterstützen.

Bei der Infusionstherapie werden über eine Injektionsnadel,

häufig in der Ellenbeuge, Flüssigkeiten zugeführt, die zum Beispiel

mit Vitaminen angereichert sind. „Auch bei akuten Infekten sowie

zur Ausleitung und zur Entgiftung von schädlichen Stoffen kann

eine Infusionstherapie sehr wirksam sein“, ergänzt Frau Brosch.

Ebenso wie das Thema Burn-Out seien auch die Autoimmunerkrankungen

auf dem Vormarsch. Dabei gelte es, nach einer ausführlichen

Diagnose Ursachen- und Symptombehandlung zu

betreiben und den Körper nachhaltig zu stärken.

Im März 2019 erweiterte Frau Brosch ihr Behandlungsspektrum

mit dem Therapiegerät „Mito“. „Dieses Gerät unterstützt den Körper

bei der Selbstheilung und räumt genau dort auf, wo die Notwendigkeit

dazu besteht”, sagt Frau Brosch. „Gesundheit ist das

höchste Gut. Dies sollten wir uns täglich bewusst machen.“

Anna Marguerita Schön

www.team-brosch.de

medical beauty & Naturheilpraxis, Schmiedstraße 6

82362 Weilheim, Tel. +49 (0) 881 9 23 24 88

59


60


61


Foto: Florian Warnecke

62


PORTRAIT

Helga Hoppe:

DieLiebe

zur Kunst

Wenn Helga Hoppe in ihrem Uffinger Atelier sitzt und malt, fließen Welten ineinander. Kräftige

Farben vermischen sich mit Schwarz und Weiß, üppige Nana-Figuren treffen auf filigrane Linien,

Öl auf Aquarell. Es scheint, als würden in ihrer Kunst Gegensätze geschaffen und gleichzeitig mit

einem Pinselstrich wieder aufgehoben.

Was für Frau Hoppes Malerei gilt, lässt sich auch auf ihre Keramikarbeiten übertragen. Hier entstehen

sinnliche, weibliche Figuren, zarte Schalen und wunderschöne Kunstobjekte neben maskulinen,

kämpferischen Stier- und Tierfiguren.

Wir sitzen in Helga Hoppes Küche und trinken Kaffee. Um uns herum sind viele Familienbilder aufgestellt.

Der gesamte Raum strahlt eine sehr liebevolle Atmosphäre aus. An der Wand gegenüber

hängen einige Tierfotografien. „Unsere Familie ist sehr tierlieb“, erzählt Frau Hoppe, die vor kurzem

stolze 80 Jahre alt geworden ist. Ihr Alter sieht man ihr nicht an; ihre wunderschöne weiße Lockenmähne

umrahmt ihr herzförmiges Gesicht.

Als sie damals ihren Mann kennengelernt hat, hatte sie dunkles Haar, streng zurückgebunden für

den Ballettunterricht. Das Tanzen war neben der Keramik ihr liebstes Hobby. Als junges Mädchen

war sie auf einer Privatschule in Mühlheim an der Ruhr, wo sie Tanzunterricht bekommen hat.

„Weil wir so gut waren, sind wir sogar dreimal im Fernsehen aufgetreten. Wir hatten eine ganz tolle Ballettmeisterin.“

Damals war Helga Hoppe 20 Jahre alt.

63


PORTRAIT

Beim Ballett lernte sie ihren Mann kennen. Es war nicht Liebe

auf den ersten Blick, erzählt sie, und ihr Blick schweift mit einem

Lächeln in die Vergangenheit. Irgendwann hat es dann

doch gefunkt und sie dachte: „Mit dem Mann kannst Du nichts

verkehrt machen. Liebe kann wachsen.“ Das tat sie, und hielt

ihr ganzes gemeinsames Leben lang. Es ging so gut, weil sie

viele gemeinsame Interessen hatten, sagt Helga. „Wir hatten

beide unsere Hobbies und haben einander viele Freiheiten gelassen,

aber auch viel gemeinsam gemacht. Ich bin so dankbar,

dass wir so lange eine schöne Zeit hatten.“.

Bald nach der Hochzeit im Jahr 1966 kam die erste Tochter,

Tanja, zur Welt. „Da ist sie, mit ihrem Ehemann.“ Frau Hoppe

zeigt auf eines von drei Fotos, auf denen ihre Kinder jeweils

mit ihren Partnern abgebildet sind. „In der Mitte ist mein Sohn

Andre und rechts meine Tochter Colli, sie wohnt in der Lüneburger

Heide. Ich hab drei wunderbare Kinder.“

45 Jahre lang waren Helga und ihr Mann verheiratet. Im Alter

von 70 Jahren ist er nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben.

„Er hat mich in allen Dingen immer unterstützt. Wenn ich früher

Ballett machen wollte, hat er gesagt: Komm, ich pass auf die

Kinder auf, geh Du schön ins Ballett. Weil er wusste, dass mir

das Freude macht. Ich habe auch Tennis gespielt und er war

reiten. Er hatte seine Hobbies und ich meine. Und vieles haben

wir geteilt.“

In jeder Lebenslage, auch in Zeiten der Trauer, hat ihr die Malerei

stets gut getan. Zu ihr ist Helga bereits als Kind gekommen.

Irgendwann wurden die Wasserfarben zu Öl. Dann hat

sie Teller bemalt und sie ihrer Großmutter zum Geburtstag geschenkt.

Mit der Keramik begann sie im Jahr 1964. Damals hatte sie einen

Kurs bei einem Bildhauer belegt, denn sie wollte das Handwerk

richtig erlernen. Doch so sehr sie sich schon immer für

Kunst begeistert hatte, so ging es beruflich zunächst in eine

andere Richtung. Ihre erste Lehre machte sie in einer Kürschnerei.

„Ich wäre gerne Porzellanmalerin geworden, aber damals

– ich bin ja auch ein Kriegskind – war das bei uns in der Gegend

nicht möglich. Die Kürschnerei hat mir allerdings nicht gefallen.“

Nach der Lehre folgte ein soziales Jahr im Kinderheim und

danach eine Umschulung zur Krankenschwester. „Dort bin ich

geblieben, bis meine erste Tochter zur Welt kam.“

Ihr Mann war zu der Zeit Geschäftsführer in einem Schuhgeschäft.

Gemeinsam tüftelten sie an Ideen und Träumen. „Ich konnte nähen

und habe ihn gefragt: Was hältst Du davon, wenn wir eine Kinder-

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outique eröffnen? Und er hat gesagt: Das wär nicht schlecht.“ Also

setzte sich ihr Mann an die Strickmaschine, sie nähte, und es entstanden

wundervolle Glockenröckchen und Kleidchen, mit denen

sie auf Messen fuhren. Ihr erster Laden in Mühlheim hieß „Lok

10“, alles war in Lila-Grün gestrichen, sogar die kleine Lok, die

darin stand. Ihre eigenen Kinder waren damals noch im Kindergarten.

Doch plötzlich schossen andere Boutiquen wie Pilze aus

der Erde. „Dann haben wir uns gefragt: Was machen wir jetzt bloß?“

Und hier kam wieder das Ballett ins Spiel, denn dies war die Geburtsstunde

von Hoppe-Tricot, einem Unternehmen, das heute in

der Hand von Tochter Tanja liegt und das sich auf hochwertige,

elastische Trikots für Gymnastik und Co. spezialisiert hat.

„Nach 30 Jahren Selbständigkeit kam der Wunsch auf, nach Bayern

zu ziehen, da wir uns beide nach mehr Freizeit und Ruhe

sehnten. So gaben wir 1997 das Geschäft auf, das jetzt bei meiner

Tochter in guten Händen ist.“

In Uffing fühlten sie sich beide angekommen. Und auch wenn

Frau Hoppe ihren Mann sehr vermisst, so ist sie auch jetzt

nicht alleine. Zu ihrem 80. Geburtstag war das Haus voll – die

Freude darüber steht ihr ins Gesicht geschrieben, sie strahlt

während des Erzählens.

Foto: Florian Warnecke

Eine große, abwechslungsreiche Palette –

so beschreibt Helga Hoppe ihre Kunstwerke.

65


PORTRAIT

Lust am Leben

braucht

Bewegung

auf über 2000 qm

geprüfte Fitness-Anlage

mit Gütesiegel

umfangreiches

Kursangebot

Wellness-Landschaft

kostenlose

Kinderbetreuung

Am Schlageis 5-7

82418 Murnau

Telefon 08841.4368

www.proline-murnau.de

Aquarellbild trifft auf Skulptur

Neben Familie und Freunden ist sie auch unglaublich glücklich über ihre Kursteilnehmer,

die sich bei ihr in die Welt der Keramik und des Malens einführen

lassen.

Besonders ein Schüler ist ihr dabei ans Herz gewachsen; Patrick und seine Mutter

kommen jede Woche und arbeiten fleißig mit Ton. „Patrick hatte vor vielen Jahren

einen schweren Unfall und war völlig hilflos, sprachlich und auch motorisch. Dank

seiner Mutter, die alle Möglichkeiten ausschöpft, hat er es schon fast wieder zur

Selbständigkeit gebracht. Er ist ein toller Mensch und ich hab ihn gern bei mir.“

Wir sind mittlerweile aufgestanden vom Kaffeetisch und Frau Hoppe führt

mich durch ihr Atelier, wo ich ihre Gemälde und Zeichnungen anschauen darf,

und zum Schluss stehen wir in ihrer Keramikwerkstatt. Die Werkzeuge stehen

sorgfältig in Bechern bereit; in einem Regal stehen Glasurtöpfchen mit Namen

wie Frühlingsgrün, Sommerblau und Buttergelb – man möchte am liebsten sofort

loslegen und etwas erschaffen.

Nur mühsam reiße ich mich los, drei Stunden sind vergangen und ich durfte

mich bei Frau Hoppe wie zuhause fühlen. Daheim werde ich einen Blick in

meinen Kalender werfen – und Raum schaffen für ein bißchen Kunst.

Informationen zu Helga Hoppes Werken und zu ihren

aktuellen Kursen findet man unter:

www.keramik-helga-hoppe.de

Anna Marguerita Schön

Foto: Florian Warnecke


67


Foto: Bela Raba

Foto: Bela Raba


LIVE

JESPER

MUNK

For In My Way It Lies

Wenn man Jesper Munk zum ersten Mal auf der Bühne erlebt, bleibt man staunend zurück:

Wie kann es sein, dass eine solche Stimme zu einem 27-Jährigen gehört? Eine Stimme, die

puren, reinen Blues verkörpert.

Es ist der Morgen nach dem Konzert in der ausverkauften Westtorhalle. Jesper sitzt mir gegenüber

im Kaffeehaus und trinkt Cappuccino. Vor ihm auf dem Tisch liegt eine lange,

weiße Möwenfeder, die er zum Interview mitgebracht hat.

Musik hat es in Jespers Leben schon immer gegeben, erzählt er. Aufgewachsen ist er quasi

im Hinterhof des „Frauenhofer“, einem kultigen Münchner Wirtshaus mit Kneipe. Dort,

zwischen einem Indie-Kino, einer Kleinkunstbühne und einer alten Buchdruckerei, in der

noch mit Setzkasten gearbeitet wurde, konnte man dem Künstlerflair gar nicht entrinnen.

Sein Vater, ebenfalls Musiker, hat ihn oft zu seinen Konzerten mitgenommen. Jespers erster

Berufswunsch hatte allerdings nichts mit Musik zu tun. „Als ich klein war, wollte ich gerne

Opa werden“, erzählt er und lacht. „Mein Opa ist der entspannteste und sensibelste Mann, den

ich kenne. Damals dachte ich mir: So zu sein wäre toll. Ansonsten wollte ich Roboteringenieur,

Goldschmied oder Gitarrenbauer werden. In dieser Reihenfolge.“

Die Nähe zur Musik entstand bei Jesper, als er schon in jungen Jahren mit dem Thema Tod

konfrontiert wurde. „Es waren Schicksalsschläge im Freundeskreis, die mich total überfordert

haben. Die Musik hat mir dann eine ganz eigene, natürliche Art des Verarbeitens aufgezeigt. Heute

ist Musik für mich nicht mehr wegzudenken. Sie gehört für mich zum essentiellen Leben dazu.“

69


LIVE

Vom Sprung ins kalte Wasser

Jesper war 16 Jahre alt, als er angefangen hat, Bass zu spielen. Mit 17

kam Gitarre dazu. „Smoke on the water, solche Sachen. Ich wollte nie ein

großer Gitarrero werden. Es ging mir vor allem ums Songschreiben; darum,

Hilfsmittel zu finden, um mich auszudrücken.“

Als er begann, Straßenmusik zu machen, wurde er vom BR-Redakteur Ralf

Summer entdeckt. „Eines Tages ging er nicht einfach nur vorbei und warf zwei

Euro rein, sondern fragte mich, ob ich Lust hätte, beim Studioclosing mitzumachen.

Ein Act mit rund 30 Personen; jeder Song und jeder Jingle wurde live eingespielt.

Es war wahnsinnig spannend, ich wurde direkt ins kalte Wasser geworfen.“

Danach ging alles ganz schnell. Jespers Talent blieb keinem verborgen,

und er spürte, dass das, was da geschah, größere Dimensionen annahm. „Es

ist ein kleiner Schock. Plötzlich merkst Du: It s getting real…“ Jesper, der vorher

nebenbei in der Gastro gejobbt hatte, konnte sich gerade noch beeilen, sein

Abi zu machen. Schon folgten verschiedenste, zum Teil internationale Gigs

und die ersten Plattenverträge. Am 14. Juni 2013 erschien sein Debütalbum

„For In My Way It Lies“. Eingespielt hat er es zusammen mit dem Schlagzeuger

Clemens Finck von Finckenstein, mit dem er bereits in der Band „Lila’s

Riot“ zusammengespielt hatte, sowie seinem Vater, der am Bass unterstützte.

Von nun an ging es steil bergauf. Das ZDF betitelte Jesper als „Deutschlands

gehypten Blues-Act“, und die Zeitschrift Bravo schrieb: Diesen Namen

sollte man sich merken. Fernsehauftritte, Bühnenshows, Interviews

– es war von einem Tag auf den anderen ein völlig neues Leben.

„Bis man sich an Popularität gewöhnt, dauert es lange. Und gerade in jungen

Jahren ist sie vielleicht nicht immer gesund. Obwohl ich versucht habe,

mich dagegen zu wehren, ist mir bewusst, dass ich zeitweise nicht in meinem

Charakter zuhause war und mich nicht immer sensibel verhalten habe.

Heute versuche ich, die ganze Sache mit Vorsicht zu durchleben.“

Was Jesper da beschreibt, erlebt man hautnah mit, wenn man sich den

Film ansieht, den Lukas von Stein über ihn gedreht hat. „For In My Way

It Lies“ ist ein intensives Porträt über Jespers erste Musikerjahre. Schwarzweiße

Sequenzen zeigen in dichter, intimer Atmosphäre einen jungen

Mann, der – verborgen hinter scheinbarer Coolness – beinahe getrieben

nach Perfektion strebt.

Mehr Raum für kleine Gefühle

Bei unserem heutigen Interview erlebe ich einen anderen, gelösteren Jesper.

Von seinem Plattenlabel hat er sich mittlerweile getrennt und damit

einigen Druck rausgenommen.

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Jesper Munk bei seinem Konzert in der Murnauer Westtorhalle

Foto: Bela Raba

Ihr Spezialist für gesunden Schlaf.

Heute wünscht er sich mehr Raum für kleine Gefühle. Und das nicht nur für

sich selbst, sondern am liebsten im Großen. „In der Musik, aber auch im Miteinander

fände ich es schön, wenn sich die Menschen wieder offener begegnen und

den Fokus darauf legen, einander besser zuzuhören. Weg von der Desensibilisierung;

mehr sehen als nur Schwarz und Weiß, und wieder mehr Raum schaffen

für Dazwischen-Gefühle.“ Das habe ihn auch der Blues gelehrt, denn Blues

schaffe es, sich mit wenigen Mitteln tabulos und in allen Nuancen auszudrücken.

„Doch egal ob Blues, Rock oder Soul: Man selbst braucht vielleicht gar kein

Genre, um sich zu definieren“, findet Jesper. „Zudem durchlebt ja jedes Genre

seine eigene Geschichte und unterliegt einer stetigen Wandlung. Blues wurde

zum Beispiel lange als falsch angesehen. Da war plötzlich dieser Halbtonschritt,

der im klassischen Harmonieverständnis bisher noch gar nicht existiert hatte.

Das Gehör musste erst umerzogen werden. Genauso übrigens auch beim Jazz

– der wurde im Laufe der Zeit beinahe zum Fetisch und, wie mir scheint, überintellektualisiert,

was sehr schade ist. Jazzy – das muss verrückt sein. Jazz war

für mich die erste Form von Punk! Heute scheint er oft eingepackt in zu enge

Strukturen. Dabei hat man es bei ursprünglichem Jazz mit Harmonien zu tun,

die keiner Richtung folgen. Er ist ein Dialog, eine Diskussion.“

Jesper lebt mittlerweile in Berlin und genießt die verschiedensten Einflüsse

der bunten Stadt. „Ich habe in Berlin die Chance bekommen, mich auszuprobieren.

Berlin hat die Fähigkeit, Dich zu umarmen. Und gleichzeitig bist

Du gefordert, eine Meinung zu haben. Du kannst nicht still im Mittelfeld

mitschwimmen, sonst spielt die Stadt mit Dir Ping-Pong.“ Seine eigene

Musik ist derzeit wieder etwas lauter und kantiger geworden und hat

dennoch nichts von ihrem bluesigen Charme eingebüßt.

Für die Zukunft wünscht sich Jesper, dass er etwas zurückgeben kann –

einen Kreis schließen aus Geben und Nehmen, sowohl in der Musik, als

auch in gemeinsamen Projekten mit seiner Partnerin und zukünftigen

Frau, Madeleine White.

Besuchen Sie uns in unserem

Fachgeschäft in Wielenbach!

ÖFFNUGSZEITEN:

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71


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LIVE

-Tipp

Foto: Bela Raba

Der Melange

Buchtipp:

SABINA BOCKEMÜHL –

„Die Kunst der klaren Haltung“

JESPER MUNK:

„In der Musik, aber auch im Miteinander

fände ich es schön, wenn sich die Menschen

wieder offener begegnen und den Fokus

darauf legen, einander besser zuzuhören.

Weg von der Desensibilisierung; mehr sehen

als nur Schwarz und Weiß, und wieder mehr

Raum schaffen für Dazwischen-Gefühle.“

Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf neue Werke und

kann nur zustimmen, wenn es heißt:

Diesen Namen sollte man sich merken.

Anna Marguerita Schön

Alben • For in My Way It Lies (2013)

• Claim (2015)

• Favourite Stranger (2018)

• Darling Colour (2019)

Singles • Seventh Street (2013)

• Hungry for Love (2013)

• I Love You (2013)

• Courage For Love (2015)

Hot Cows und Popart – Porträts und Beseeltes – ein Fest der

Farben und des klaren Stils:

In Sabina Bockemühls hochwertigem Bildband „Die Kunst

der klaren Haltung“ findet sich all das in versammelter

Form wieder. Das Empfinden der Natur bedeutet für die

Malerin mehr als Farben und Formen. Und das gilt auch

für die Porträts, die ein Schwerpunkt in der Arbeit Sabina

Bockemühls darstellen: „Einfühlsam nähert sie sich ihren

Mitmenschen“, schreibt Dr. Rolf Jessewitsch, Direktor des

Kunstmuseums Solingen im Vorwort. Den Betrachter erwarten

Porträts von Persönlichkeiten wie Mario Adorf,

Hannelore Elsner und Maria Furtwängler.

Schon zu Beginn ihrer Karriere bezog Sabina Bockemühl

eine eindeutige Position: Sie wollte gegenständlich malen,

sich der menschlichen Figur und ihrer Erlebniswelt widmen.

In einer Zeit, in der die Abstraktion vorherrschte, bedeutete

das eine mutige Entscheidung. In ihren Bildern trifft Konkretes

und Vertrautes auf Abstrahiertes und Unbestimmtes.

Entsprechend schafft sie eine eigene Interpretation der Welt.

Ihre Werke sind unverwechselbar durch ihren gestischen

Pinselstrich, den mutigen Farbauftrag, die leuchtend satten,

meist ungebrochenen Töne. So spontan ihre Arbeiten wirken,

so sind sie doch bewusst überlegt und gestaltet. Sabina Bockemühl

malt Motive, die mit ihr selbst zu tun haben, Themen,

die sie beschäftigen, Menschen, die sie bewegen und beeindrucken.

„Ein Teil von mir lebt in meinen Bildern“, sagt sie.

www.jespermunk.de

Sabina Bockemühl, „Die Kunst der klaren Haltung“,

gebunden, erschienen im Michael Imhof Verlag.

ISBN: 978-3-7319-0774-9

www. sabina-bockemuehl.de

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Foto: Florian Warnecke

V.l.n.r.: Karin Tölkes (bisherige Präsidentin), Herbert Tillmann (Präsident) und Irmtraut Karlitschek (Vizepräsidentin)

Der Murnau Club stellt sich vor

Ein geselliger Stehempfang mit netten Gesprächen, ein interessanter

Vortrag mit ausgezeichneten Referenten und danach ein

gemeinsames Abendessen mit Drei-Gänge-Menü? Oder auch

mal eine spannende, gut organisierte Exkursion? Sie finden,

das klingt gut? Dann befinden Sie sich in bester Gesellschaft!

Der Murnau Club erfreut sich großer Beliebtheit – in der Regel

kommen zu den einmal im Monat stattfindenden Veranstaltungen

etwa 50 bis 70 Mitglieder und Gäste aller Altersstufen. Junge

und Junggebliebene erfreuen sich am gemeinsamen Austausch;

ganze Generationen treffen sich hier wieder.

„Schön ist ebenfalls, dass hier auch Menschen zusammenfinden,

die zum Beispiel nach Eintritt der Rente etwas mit netten Leuten

unternehmen möchten oder sich auch mal über aktuelles Zeitgeschehen

austauschen wollen. Hier findet man immer Gleichgesinnte“,

berichtet Irmtraut Karlitschek, ihres Zeichens Vizepräsidentin

des Clubs.

Gemeinsam mit ihr sowie dem neuen Präsidenten, Herbert

Tillmann, sitzen wir heute gemütlich bei Schnittchen und Gebäck

im Wohnzimmer der bisherigen Präsidentin (und mittlerweile

Beisitzerin), Karin Tölkes. Man fühlt sich sehr willkommen,

auch hier, im kleinen Kreis.

„Die Veranstaltungsthemen“, so berichtet Karin Tölkes, „sind jahreszeitenabhängig:

Im Winter stehen vor allem Lesungen, Filmvorführungen

und Vorträge über Kunst, Technik, Geschichte, Wissenschaft,

Wirtschaft, Umwelt und Politik auf dem Programm. In der

warmen Jahreszeit werden auch mal Ausflüge in die Natur unternommen,

ebenso wie Museums-, Theater- und Konzertbesuche.“

Entstanden ist der Murnau Club in der Nachfolge des „Deutschamerikanischen

Herrenclubs“.

Den Herren war die Mitgliedschaft übrigens relativ lange vorbehalten:

Erst seit dem Jahr 2007 sind Frauen beigetreten.

Ein Blick in die Chronik und Entstehung

Gegründet wurde der Murnau Club am 25. Mai 1956 im Schloss

Neu-Egling. Als die amerikanische Garnison im Frühling 1971

zum großen Teil in den nord-bayerischen Teil verlegt wurde, verlor

74


PORTRAIT

der Club schlagartig alle amerikanischen Mitglieder. So entstand

am 29. April 1971 der Herrenclub Murnau. Als sich im Jahr 2007

mehr und mehr Mitglieder, wie oben erwähnt, dafür aussprachen,

den Club auch für die aktive Mitgliedschaft von Damen zu öffnen,

wurde er umbenannt in Murnau Club.

Der Vorstand besteht aus 11 Mitgliedern, die ihre Tätigkeit ehrenamtlich

ausüben. Die Amtszeit beträgt zwei Jahre. Die Aufgabe

des Vorstandes ist es, die Angelegenheiten des Clubs zu regeln

und dafür Sorge zu tragen, dass der Club seinem Zweck und Ziel

entsprechend handelt und sich entwickelt.

EINE AKTUELLE VORSCHAU KOMMENDER VERANSTALTUNGEN:

7. Juni: Dr. Ludwig Braun – Vortrag zum Thema: „Der

Gletscherschwund ist nur die Spitze des Eisbergs“

19. Juli: Besuch im Murnauer Rathaus

29. September: Vortrag von Pfarrer Rainer Schießler

25. Oktober: Prof. Dr. Cornelia Lüdecke – Vortrag zur

Geschichte der Polarforschung.

Eine weitere, hervorzuhebende Veranstaltung ist auch die alljährliche

Weihnachtsfeier. Sie wird stets ganz besonders liebevoll

geplant und hergerichtet. Zu ihr kommen auch immer wieder

Mitglieder, die zum Beispiel nun weiter weg wohnen und deshalb

an anderen Treffen nicht mehr oder nur selten teilnehmen. „Es

ist jedes Mal eine große Freude und ein schönes Wiedersehen“, berichtet

Karin Tölkes.

„Wer neugierig ist und den Club gerne kennenlernen möchte, kann

gerne mit einem der Vorstandsmitglieder Kontakt aufnehmen“, sagt

Irmtraut Karlitschek. Es ist auch möglich, zunächst einmal als

Gast bei einer Veranstaltung teilzunehmen. Interessierte sind jederzeit

herzlich willkommen.

Weitere Informationen findet man unter:

www.murnauclub.de

Anna Marguerita Schön

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76


Die Zukunft hat begonnen –

so wohnen wir in Zukunft

IMMOBILIEN - EXPERTENTIPPS

Wichtige Wohntrends der Zukunft

Wie sieht die Zukunft aus?

Wie verändern sich Häuser, Wohnräume und Städte?

Welche neuen Arten des (Zusammen-)Wohnens entstehen?

Diese 7 Trends zeichnen sich ab:

Umweltbewusstes und natürliches Wohnen

Ob eigene Stromerzeugung, Regenwassernutzung, eine hohe Energieeffizienz

oder das Einrichten mit Naturmaterialien – in Zukunft

wird nachhaltiges und umweltbewusstes Wohnen immer beliebter.

So erwarten Experten Solarzellen in Zukunft nicht mehr nur auf

dem Dach, sondern auch an der Fassade.

Intelligentes Leben in Smart Homes

Von der Heizung, die sich in der Früh aufheizt, über das Licht, das

während des Urlaubs vorgibt, die Bewohner seien im Haus, bis

hin zu Geräten wie Espressomaschine, Kühlschrank oder Waschmaschine,

die der Nutzer von unterwegs per App steuern kann,

soll im Smart Home möglichst viel automatisch erfolgen.

Gebäude werden effizienter, gleichzeitig auch intelligenter. Für die

Bewohner steigert das den Komfort und spart Energiekosten ein.

Ob groß, ob klein – individuell soll es sein

Do-it-yourself ist schon lange ein Trend. Selbst gemacht und individuell

ist auch in Zukunft angesagt. Anders als bei der technischen

Ausstattung, die immer hochtechnisierter werden wird, sollen

Möbel etwas Besonderes sein, eine Geschichte erzählen. Ähnlich

verhält es sich mit dem eigentlichen Wohnraum. Ob Tiny Houses

oder moderne Mehrgenerationenkonzepte – Standard war gestern.

Zentral und doch im Grünen

Die Vorzüge der Stadt sind auch in Zukunft begehrt, die Stadtbevölkerung

wächst weltweit immer weiter. Doch zugleich will kaum jemand

auf eine grüne Umgebung verzichten. Konzepte wie Urban

Gardening oder Stadtbienen bringen die Natur in die Stadt. Ob gemeinsamer

Gemüseanbau und die Bienenzucht – der Trend zu

grünem Leben in der Stadt hält auch in Zukunft an.

Jeder für sich und trotzdem gemeinsam

Alles kann, nichts muss. Keiner muss alleine sein, kann es aber, wenn

er es möchte. Kollektives und kollaboratives Wohnen sind zwei wichtige

Zukunfts-Prognosen. Zum kollektiven Wohnen gehören beispielsweise

Mehrgenerationenhäuser, in denen jeder Platz für sich hat, man

einander aber dennoch hilft.

Beim kollaborativen Wohnen beschränkt sich der eigene Wohnraum

auf das Mindeste, also auf Schlafräume, Kochgelegenheiten und Badezimmer.

Alles was sonst noch benötigt wird, wird gemeinsam genutzt:

ein Gästezimmer, die Dachterrasse oder der Hobbyraum.

Je flexibler desto besser

Ein großes Einfamilienhaus, bei dem nach dem Auszug der erwachsenen

Kinder die Hälfte der Räume leer steht – das soll es in Zukunft

nicht mehr geben. Statt eines starren Grundrisses mit festgelegter

Raumnutzung wird Flexibilität im Vordergrund stehen. Möglich machen

das große Räume, die durch praktische Möbel verschiedene

Nutzungen und Umnutzungen zulassen.

Wohnen, Einkaufen, Leben –

multifunktionaler Lebensraum

Die Grenzen zwischen Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeit werden

in Zukunft wohl weiter verschwimmen. Waren in der Vergangenheit

Wohnen und Einkaufsmöglichkeiten häufig getrennt, werden die

verschiedenen Bereiche in Zukunft

immer stärker ineinandergreifen –

besonders durch vielfältig genutzte

Gebäude. Wohnquartiere, in denen

die Bewohner alles erledigen können,

sind immer mehr im Trend.

Multifunktional ist hier das Stichwort.

Die Zukunft des Wohnens – sie ist

dynamisch und spannend. Die Zukunft

kann kommen.

Von Britta Kirstein-Zietz,

ZIETZ Immobilien in Murnau

Britta

KIRSTEIN-ZIETZ

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WIRTSCHAFT & FINANZEN

DR.RALF

ERICH

SCHAUER

Sind Fahrtkosten zum getrennt

lebenden Kind absetzbar?

Leben getrennte Eltern weit entfernt voneinander, können hohe Besuchskosten

auf sie zukommen. In jeder fünften Familie sind Mutter oder Vater

alleinerziehend. Das macht in Deutschland rund 1,6 Mio. Haushalte aus,

in denen Kinder von nur einem Elternteil betreut werden. Leben die

Eltern getrennt und weit voneinander entfernt, entstehen dem anderen

Elternteil Fahrtkosten, um das Kind zu sehen und vorübergehend zu betreuen.

Wer seinem regelmäßigen Umgangsrecht nachkommt, belastet

mit zunehmender Entfernung seinen Geldbeutel. Hierbei geht es nicht

übliche Kosten für die Betreuung des Kindes, also Verpflegung und Freizeitaktivitäten,

sondern um die zusätzlichen Fahrtkosten, um ein Kind zu

sich nach Hause zu holen oder zu besuchen.

Mit der Entfernung steigen die Besuchskosten. Auch wenn die jährlichen

Kosten wie im unten angeführten Fallbeispiel fünfstellig ausfallen, können

diese durch die Trennung zwangsläufig entstandenen Ausgaben leider

nicht im Rahmen der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden.

Der Bundesfinanzhof urteilte, dass solche Kosten nicht als außergewöhnliche

Belastung abgesetzt werden können, da sie unter die typischen

Aufwendungen der Lebensführung fallen, auch wenn sie in Einzelfällen

hoch sind und die individuelle Grenze der zumutbaren Belastung überschreiten.

Fallbeispiel: Mutter und Vater wohnen 350 km voneinander entfernt. Die

Mutter, bei der beide Töchter leben, wohnt in Coburg, der Vater der Mädchen

wohnt und arbeitet in Murnau. Jedes zweite Wochenende verbringen

die Mädchen bei ihrem Vater. Dafür holt der Vater seine Kinder am Freitagabend

mit dem Auto ab und bringt sie nach Dresden. Am Sonntagabend

fährt er sie wieder zurück zur Mutter. Die Wegstrecke beträgt einfach 350 km.

Für den Vater bedeutet das, dass er alle zwei Wochen 1.400 km zu fahren

hat. Wenn man die üblichen 30 Cent pro Kilometer für den Wertverlust

des Pkw und die Benzinkosten ansetzt, wären das 420 Euro je Wochenende

und hochgerechnet auf ein Jahr um die 10.000 Euro. Ein schönes Sümmchen,

das rein für die Besuchsfahrten draufgeht. Wären die beiden Mädchen

im Beispiel alt genug, um alleine mit dem Zug von Coburg nach

Murnau zu fahren, müsste der Vater in der Regel die Bahntickets übernehmen,

die ebenfalls im oberen vierstelligen Bereich für beide liegen

würden. Das Umgangsrecht des Vaters ist also in jedem Fall mit enormen

Foto: Archiv, Dr. Schauer

Kosten verbunden, damit er und seine Kinder Zeit miteinander verbringen

können. Aber leider hat der Gesetzgeber hier keinen steuerlichen Abzug

vorgesehen.

Steuerabzug bei kranken oder

behinderten Kindern möglich

Für außergewöhnliche Belastungen sind laut Gesetzgeber nicht nur die

Höhe, sondern insbesondere Art und Entstehungsgrund (außerhalb des

Üblichen) entscheidend. Daher gibt es Ausnahmeregelungen, die den steuerlichen

Abzug von Aufwendungen für den Besuch des Kindes rechtfertigen,

nur im Falle von kranken oder behinderten Kindern. Aber auch dann müssen

die Besuche über die normale elterliche Besuchspflicht hinausgehen

und der Pflege oder Heilung des Kindes dienen.

Kindergeld während Au-Pair-

Aufenthalt beziehen

Sprachunterricht sichert das Kindergeld während eines Au-Pair-Aufenthalts.

Nach dem Abitur in die große weite Welt: Der Traum vieler Schulabgänger.

Vorwiegend Mädchen bewerben sich daher um Au-PairStellen im Ausland.

Reisen, Kultur entdecken, Lebenserfahrungen sammeln und Sprachkenntnisse

in der Praxis erproben, das macht das Gesamtpaket Au-Pair interessant.

Für die Eltern zu Hause stellt sich die Frage, ob sie weiterhin Kindergeld

erhalten. Ab dem 01. Juli 2019 beträgt das Kindergeld für das erste

Kind 204 Euro monatlich, die Eltern erhalten also 2.448 Euro für die darauffolgenden

12 Monate. Für das dritte, vierte oder fünfte Kind gibt es

auch mehr. Au-Pair und Kindergeld schließen sich nicht völlig aus, aber es

gilt die Voraussetzungen zu beachten.

Kindergeld endet nicht mit 18 Jahren. Auch Eltern von volljährigen Kindern

steht in vielen Fällen Kindergeld bis zum 25. Lebensjahr zu, z. B. wenn das

Kind studiert oder eine Berufsausbildung absolviert. Grundsätzlich berechtigt

ein Au-Pair-Aufenthalt des Kindes nicht zu Kindergeld. Es sei denn,

der Aufenthalt wird geschickt mit Sprachunterricht kombiniert, so dass er

einer Berufsausbildung gleichgestellt wird. Belegt das Au-Pair im Gastland

während des gesamten Aufenthalts regelmäßig Sprachkurse mit mindestens

10 Wochenstunden Unterricht, dann sind die Voraussetzungen der BFH-

Rechtsprechung erfüllt und die Eltern können weiterhin Kindergeld beziehen.

Ein offizieller Nachweis einer Sprachschule oder Universität ist jedoch

unbedingt notwendig. Ein Schreiben der Gastfamilie, privater Sprachunterricht,

Kurse über die Geschichte und Kultur des Gastlandes oder andere

Weiterbildungen werden dahingehend nicht anerkannt.

Qualifizierter Sprachunterreicht

gefordert

Ob die Gastfamilie den Umfang der Sprachkurse toleriert, muss geklärt

werden. Auch müssen die Gebühren für den Sprachkurs in der Regel vom

Au-Pair selbst übernommen werden. Manchmal gibt es dafür aber Zuschüsse.

Übersteigen die Kosten des Sprachunterrichts die Auszahlungen

des Kindergeldes bei weitem, rentiert sich das Modell finanziell nicht.

Die erworbenen Sprachkenntnisse sind jedoch allemal ein Vorteil.

Von Dr. Ralf Erich Schauer, Kanzlei Dr. Schauer in Murnau

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„Die Küche ist das Herz des Hauses”

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