Berliner Kurier 21.01.2020

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BERLINER KURIER, Dienstag, 21. Januar 2020

An dieser Stelle in

Treptowkam es zu

dem tödlichen Unfall.

„Abendschau“ der Unfallforscher

Siegfried Brockmann

vom Gesamtverband der Versicherungswirtschaft

(GDV): Der

BVG-Bus habe möglicherweise

gar nicht über die Vollversion

des Assistenzsystems verfügt.

Auf den ihm bekannten Bildern

von der Unfallstelle seien keine

Sensoren an der rechten Fahrzeugseite

zu erkennen gewesen.

„Wenn das so war, würde

ich das tatsächlich für einen

Fehler halten“, so der GDV-Experte

gegenüber dem Sender.

Möglicherweise spielten auch

die baulichen Gegebenheiten

der Kreuzung bei dem Unfall

eine Rolle. Denn der Radweg

am Groß-Berliner Damm verläuft

zunächst nicht direkt an

den Straße, sondern wird durch

einen Parkstreifen abgegrenzt.

Erst kurz vor der Kreuzung

wird der Radweg an die Straße

gelenkt, erst hier können Radler

somit sicher gesehen werden.

Davor werden sie möglicherweise

von Bäumen oder

parkenden Autos verdeckt.

„So oder sogar noch schlimmer

sehen leider ganz viele

Kreuzungen in Berlin aus“, sagt

ADFC-Sprecher Nikolas Linck.

„Es wäre sicherer, wenn die

Radspur durchgehend direkt

neben dem Autoverkehr entlangführen

würde“. Grundsätzlich

bewertet Linck die BVG-

Fahrer aber als umsichtig. „Ein

großes Lob an die Fahrer, dass

sie bei so vielen Kilometern so

wenige Unfälle verschulden.“

Der Fahrer sowie ein Passant,

der den Unfall sah, konnten

noch nicht intensiv befragt

werden. Sie hatten einen

schweren Schock erlitten und

waren in ein Krankenhaus gebracht

worden. „Notfalls rekonstruieren

wir den Unfall an

der Kreuzung“, so der Polizeisprecher

weiter.

Gestern Abend kamen mehrere

Hundert Menschen zu einer

Am Montagabend gedachten

Demonstranten

an der Unfallstelle der

getöteten Radfahrerin.

Mahnwache an der Unfallstelle

zusammen, um für mehr Verkehrssicherheit

zu demonstrieren.

Ein weißes Fahrrad symbolisierte

dabei die getötete

Radfahrerin und wurde anschließend

zur Mahnung an

Foto: Pudwell, Florian Boillot,Google Maps

der Kreuzung aufgestellt. Zudem

hatte die Gruppe angekündigt,

mit Fahrrädern zum Bundesverkehrsministerium

in der

Invalidenstraße zu fahren. Aufgerufen

dazu hatte der Berliner

Verein Changing Cities e.V.

Dessen Sprecherin Ragnhild

Sörensen forderte im RBB, ein

Tempolimit von 30 Stundenkilometern

in Städten einzuführen.

„Das wäre ganz sicher eine

wahnsinnig wichtige Maßnahme,

um Unfälle zu vermeiden“,

sagte sie.

Die verunglückte Frau ist

schon die zweite bei einem Unfall

getötete Radfahrerin in diesem

Jahr. Am 8. Januar starb

bereits eine 68-Jährige. Sie war

von einem rechts abbiegenden

Laster auf der Skalitzer Straße

überrollt worden. Die Frau war

auf der Stelle tot. ELM, LS

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