Berliner Zeitung 21.01.2020

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Berliner Zeitung · N ummer 17 · D ienstag, 21. Januar 2020 7

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Wirtschaft

Sono kann

weiter E-Autos

bauen

Crowdfundingkampagne

bringt 50 Millionen Euro

Von Thomas Magenheim

Die Botschaftist kurz, aber sie hat

es in sich: „Wir haben es geschafft“,

hat das Münchner Elektroauto-Start-up

Sono Motors am Wochenende

verkündet. Zwei Tage vor

Ablauf einer letzten Fristam20. Januar

füreineungewöhnlicheGeldsammelaktion

sind die benötigten

50 Millionen Euro zusammengekommen.

Ohne diese Summe wäre das

ambitionierte Vorhaben, ein mit Solarzellen

bestücktes Elektroauto in

Seriezubauen,beendet gewesen.

Die Sono-Macher hatten sich zuvormit

traditionellen Investoren zerstritten,weildie

denKursder beiden

Gründer Jona Christians und Laurin

Hahn nicht mitgehen wollten. Das

Duo pocht darauf, ihr Auto mit dem

Markennamen Sion unter strikt

nachhaltigen Kriterien inEuropa zu

bauen und nur Zuliefererzuzulassen,

die sich Nachhaltigkeitskriterienverpflichten.MöglicheGeldgeberhatten

dagegen eine möglichst billige Produktion

verlangt.

Zwei Welten waren aufeinandergeprallt

mit Renditeinteressen traditioneller

Investoren aufder einen Seite

und dem Ökoziel,ein selbstladendes

und zum Verleihen ausgelegtes

Elektroauto zu bauen, das den Verkehrreduziert,auf

der anderen Seite.

Weil Hahn und Christiansdabeiauch

vier Jahre nach der Sono-Gründung

recht kompromisslosgeblieben sind,

stand das Unternehmen Ende 2019

plötzlichohneInvestoren da.50Millionen

Euro mussten schnell her,um

Gerätschaften für die geplante Serienproduktion

im schwedischen

Trollhättan zu kaufen und Serienprototypen

zu bauen.

Vorhabendrohte zu scheitern

Als letzter und verzweifelt anmutender

Wegblieb nur noch eine Crowdfundingkampagne

im Internet.

Möglichst viele der 11600 Vorbesteller

eines Sion sollten dazu gebracht

werden, ihr 25500 Euro teueres

Elektroauto vorab voll zubezahlen.

Parallel wurde im Internet um

private Darlehen geworben.

Die Kürze der Zeit und Höhe der

Investitionssumme schienen das

Vorhaben aber scheitern zu lassen.

Doch Sion-Käufer sind weniger mit

Kunden von VW und Co. zu vergleichen,

sondern eher mit denen des

US-Elektropioniers Tesla. WasUnternehmenund

Kunden verbindet, istin

diesem Fall vorallem auch eineIdee.

Dennoch wären die 50 Millionen

Euro nicht erreicht worden, hätten

zwei Sono-Altaktionäre nicht noch

10 Millionen Euro nachgeschossen.

Dashabendie Beteiligungsfirma Wiventure

und das Familienoffice

ELFH Holding in den letzten Tagen

getan. Gut 40Millionen Euro haben

Sion-Kunden beigesteuert, die sozu

Sono-Investoren gewordensind.

Dafür haben Hahn undChristians

sich imGegenzug verpflichtet, ihre

Gewinnbezugsrechte komplett an

einen Pool abzutreten, ausdem jetzigeUnterstützerschöpfenkönnen,sobald

Sono profitabel wird. Bis dahin

ist es trotz des jetzigen Finanzierungserfolgs

noch einlangerWeg.

Continental-ChefElmar Degenhartmit

einem Sion. Conti liefertden Antriebsstrang

des Autos. FOTO: CHRISTOPHE GATEAU/DPA

Malaysia schickt Plastikmüll zurück

Von Frank-Thomas Wenzel

Die malaysische Regierung

kämpft verbissen gegen

den Import von ungewolltem

Plastikmüll. Geradewurdenmehrals4000Tonnenin

Industriestaaten zurückgeschickt.

Weitere Retouren stehen an. Wir erläutern,

was beim Recycling von

Kunststoff schiefläuft.

Woher stammt der Plastikabfall?

Nach Angaben der Regierung

wurden von insgesamt 150 Containern43nach

Frankreich und 42 nach

Großbritannien zurückgeschickt.

Die USA, Kanada, Spanien, Portugal

und Litauen sind weitere Empfängerstaaten.

DerAbfall war in den vergangenen

gut drei Monaten ins Land

gelangt. Es dürfte sich um Kunststoffmüll

minderer Güte handeln, der für

illegale Recyclingfirmen bestimmt

war. Die Kosten für die Rücktransporte

werden von den Importeuren

und den Frachtunternehmen getragen.

Deutsche Firmen sind nicht betroffen.

Indes kündigte Malaysias

Umweltministerin YeoBee Ying an,

dass bis Mitte des Jahres weitere

110 Container in ihre Herkunftsländer

zurückgeschickt werden.

Wie ist der illegale Handel mit dem

Müll möglich?

Vor allem wegen mangelnder

Transparenz und Kontrollen sowohl

in den Ausfuhr- als auch in den Einfuhrländern.

Ferner ist der Transport

per Schiff billig. Hinzu kommt, dass

es eine riesige Grauzone gibt: Malaysia

spielt im globalen Geschäft mit

Plastikabfällen eine wichtige Rolle.

Bestimmte Stoffe werden, wenn sie

sortenrein und sauber sind, für mehrere

Hundert Dollar pro Tonne gehandelt

–der bekannteste ist PET, aus

dem unter anderem Getränkeflaschen

gemacht werden. Es sind weitgehend

Abfälle,die in Unternehmen

angefallen sind, die Kunststoffprodukte

herstellen. Doch es ist auch viel

gemischtes und verunreinigtes Plastik

im Umlauf. Selbst das vorschriftsmäßige

thermische Verwerten in

Müllverbrennungsanlagen ist teuer.

Deshalb suchen Entsorger billige

Wege, um die Reststoffe loszuwerden.

Kontrollen haben gezeigt, dass

immer wieder Plastik vermischt mit

Restmüll von Privathaushalten –etwa

ausden USA –nach Malaysia exportiertwird.

Warum landet der Kunststoff ausgerechnet

in Malaysia?

Jahrelang importierte China große

Mengen. Daswurde vorzweiJahren

von der dortigen Regierung gestoppt,

weil es für sie mittlerweile

schwer genug ist, den eigenen Plastikmüll

zu entsorgen. DieStröme des

Abfalls haben sich seither unter anderem

nach Indonesien, Hongkong

und Malaysia verschoben. Häufig

legt der Müll weite Wege über mehrere

Staatenzurück. In denImportländerngibt

es eine große Zahl nicht genehmigter

Recyclinganlagen. Diese

sortieren häufig den verkäuflichen

Von Alexander Sturm

Die Mieten bei Neuverträgen

sind in Deutschland zum Jahresende

2019 nicht weiter gestiegen.

Im vierten Quartal hätten die

Durchschnittsmieten bei neu abgeschlossenen

Verträgen gemessen

am Vorquartal stagniert, teilte der

Immobilienspezialist F+B am Montag

mit.

Im Vergleich zum vierten Quartal

2018 beobachtete die Firma, die

Städte und Gemeinden bei der Aufstellung

von Mietspiegeln berät,

leichte Rückgänge von 0,3 Prozent.

Der Abfall wurde illegal vor allem aus europäischen Ländern importiert

Arbeiter öffnen einen Container voller nicht recycelbarer Kunststoffe,der von den BehördenimWesthafen

in Klang,Malaysia,festgesetztwurde.

FOTO: VINCENT THIAN/DPA

F+B-Geschäftsführer Bernd Leutner

sieht darin eine zunehmende

Marktberuhigung.

DieZahlen bedeuten aber nicht,

dass Mieter nun aufatmen können:

Die Neuvertragsmieten signalisieren

die Richtung am Immobilienmarkt,

bilden aber nur einen kleinen

Teil ab. Inbestehenden Verträgen

stiegen die Mieten laut F+B weiter:

Die Bestandsmieten kletterten

im vierten Quartal um 0,4 Prozent

zum dritten Quartal und um

1,4 Prozent zum Vorjahreszeitraum.

Die Immobilienpreise stiegen

unterdessen viel stärker als die

HIESIGE VERWERTER UNTER DRUCK

Preise sinken: Harte Zeiten für hiesige

Kunststoffrecycler.Nach Angaben des Branchendiensts

Euwid sind die Preise für Plastik

als Sekundärrohstoff in den vergangenen Monaten

stark gesunken. Vongewaltigen Herausforderungen

in diesem Jahr ist die Rede.

Es werde keine schnelle Trendumkehr geben.

Firmen hätten teilweise den Einkauf bestimmter

Qualitäten gestoppt. Vorallem sortenreine

Produktionsabfälle stünden unter

Druck. Das Angebot an neuem Kunststoff ist

groß, zugleich ist der Absatz insbesondere in

der Autoindustrie eingebrochen.

Rohstoff fehlt: Viele Autozulieferer haben

die Fertigung zurückgefahren. Das drückt

auch das Preisniveau für wiederverwerteten

Kunststoff. Ein weiteres Problem ist, dass die

Kunden Ware verlangen, die mit dem Blauen

Engel versehen ist. Das Umweltzeichen wird

aber nicht für Abfälle aus der Produktion,

sondernnur fürRezyklate vergeben, die zu

80 Prozent aus tatsächlich gebrauchten Produkten

bestehen. Es soll Recyclingfirmen geben,

die für Produktionsabfall mittlerweile Zuzahlungen

verlangen. Und einigeVerwerter

sollen bereits auf der Kippe stehen.

Neuvertragsmieten steigen nicht mehr

Immobilienfachleutesehen leichte Beruhigung desMarkts

Sekundärrohstoff heraus und verbrennen

den Rest unter unzulänglichen

Bedingungen, in vielen Fällen

landeterauchaufnichtgenehmigten

Deponien. DieHinterlassenschaften

können ins Meer und die Nahrungskettegelangen.LautUmweltministerin

Yeo wurden zuletzt mehr als 200

illegale Recyclingfirmen in ihrem

Land dichtgemacht. Die Politikerin

hat dem Müllschmuggel den Kampf

angesagt: Malaysia dürfe nicht zum

„Mülleimer der Welt“ werden.

Exportiertauch Deutschland Plastikabfall

nach Malaysia?

Ja. Die Mengen sind zuletzt sogar

stark gestiegen. Laut Statistischem

Bundesamt wurden in den ersten

neun Monaten 2019 „Direktausfuhren“

von135000 Tonnen gezählt, das

entspricht einer Steigerung um

27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Wobei noch Müll in unbekannter

Menge hinzukommt, der über Umwege

in das Land gelangt. Insgesamt

führten deutsche Firmen in den drei

Quartalen 784000 Tonnen „Altkunststoffe“

aus –mit einem Wert vonfast

240 Millionen Euro. Wobei der allergrößte

Teil tatsächlich legal wiederverwertet

wird. Aber Nichtregierungsorganisationen

finden immer

wieder auf malaysischen Müllkippen

Verpackungen von deutschen Konsumgütern–wie

Behälter für Flüssigwaschmittel.

Branchenkenner vermuten,

dass diese über verschlungene

Wege und Umwege von Herstellern

oder Händlern kommen. Der

Naturschutzbund schätzt, dass überdies

jährlich etwa 4000 Tonnen Reststoffe

aus gelben Säcken und gelben

Tonnen in Malaysia landen. Zugleich

wurden von Januar bis September

2019 nach Deutschland 356000 Tonnen

Plastikabfall im Wert von

108 Millionen Euro eingeführt. Dieser

wurde entweder recycelt, verbrannt

oder weitertransportiert.

Lässt sich der Müllexport überhaupt

eindämmen?

Umweltorganisationen machen

sich dafür stark, zumindest die Ausfuhr

von Plastikabfällen minderer

Qualität zu verbieten, da die Gefahr

bestehe,dassderMüllinLändernmit

geringeren Entsorgungsstandards

nicht recycelt, sondern verbrannt

oder deponiert werde. Mit einem

Verbot würden negativeökologische

Folgen dortverringertund die Kreislaufwirtschaft

mit Sortier- und Recyclinganlagen

in den HerkunftsländerninSchwung

gebracht. Einwichtiger

Schritt ist dabei, dass mehr als

160 Staaten sich im Frühjahr mit der

AktualisierungdessogenanntenBasler

Übereinkommens darauf geeinigt

haben, dass Ausfuhren vom nächsten

Jahr an strenger geregelt werden:

Sowohl die Behörden des exportierenden

als auch die des importierenden

Landes müssen der Verschiffung

des Abfalls zustimmen. Gleichwohl

sollen die gefragten sortenreinen Sekundärrohstoffe

weiterhin global frei

gehandelt werden. Daraus werden

unter anderem Komponenten für die

Automobilindustrie gefertigt.

Mieten – wie schon seit Jahren.

Eigentumswohnungen verteuerten

sich im vierten Quartal um 5,4 Prozent

binnen Jahresfrist und Einfamilienhäuser

um 3,8 Prozent. F+B

beobachtet bei den Käufern aber

einen Wandel: Internationale

Großanleger zögen sich teils aus

Deutschland zurück. Ein Grund sei

die unübersichtliche und kaum kalkulierbare

Mietenregulierung, die

sich auch je nach Bundesland

unterscheide. Für die kräftigen

Preisaufschläge seien vor allem

Käufe aus dem Inland verantwortlich,

etwa von Immobilienkonzernen,

Fonds, reichen Privatanlegern

und Selbstnutzern.

Leutner warnte vor einem „Herdeneffekt“:

Schon öfter hätten

deutsche Investoren verzögert auf

internationale Kapitalmarktrends

reagiert und spät Immobilien geoder

verkauft. „Besonders prozyklisch

agiert die öffentliche Hand,

die ihreBestände aus heutiger Sicht

zu Spottpreisen verkaufte,umdiese

nun mit enormen Aufschlägen teils

wieder zurückzukaufen –teilweise

auf einem Preisniveau, auf dem private

Kaufinteressenten längst ausgestiegen

sind“, sagte Leutner.

NACHRICHTEN

Gewerkschaft Ufo setzt

Streikvorbereitungen aus

Beider Lufthansa droht vorerst nun

doch kein Streik der Flugbegleiter.

DieGewerkschaft Ufobrach am

Montag ihreVorbereitungen für den

Arbeitskampf ab.Zuvor hatte das

Unternehmen einen neuen Vorstoß

zur Lösung des Tarifkonflikts unternommen.

„Wir sind mit einer Lösungsinitiativeauf

die Ufozugegangen“,

erklärte eine Sprecherin. Ursprünglich

hatte UfoamMittwoch

einenStreik ankündigen wollen.

ZumInhalt der Annäherung machten

beide Seiten keine Angaben, da

noch Details ungeklärtseien. Die

Gespräche waren zuletzt an der Frage

gescheitert, ob man die Mediation

tariffremder Fragen einer

Schlichtung vorschalten sollte. (dpa)

Bundesbank: Stagnation

zum Jahresende

DiedeutscheWirtschaftist nach

Einschätzung der Bundesbank Ende

2019 nicht mehrgewachsen.„Die

deutsche Wirtschaftsleistung blieb

im letzten Quartal 2019 wohl insgesamt

unverändert“, heißt es im am

Montag veröffentlichten Monatsbericht

der Notenbank. Auftrieb sei

nach wie vorvon der Binnenwirtschaft

gekommen.„Demgegenüber

hieltdie Abwärtsbewegung in der exportorientierten

Industriean.“ Allerdings

sehen die Ökonomen zunehmend

Anzeichen dafür,dasssich das

verarbeitende Gewerbe stabilisieren

könnte.Sohabe sich die Auftragslage

nicht weiter eingetrübt. (dpa)

Gastgewerbe

steigert Umsatz

Preiserhöhungen schreckten Kunden

2019 nicht ab. FOTO: IMAGO IMAGES

Hoteliers und Gastwirte in Deutschland

haben im November 2019 bessereGeschäfte

gemachtals ein Jahr

zuvor.Bereinigt um Preiserhöhungen

(real) verbuchten sie ein Umsatzplus

von1,9 Prozent, wie das

Statistische Bundesamt am Montag

mitteilte.Nominal stiegen die Erlöse

um 4,7 Prozent. Auch im Vergleich

zum Vormonat verbesserten sich die

Umsätze. VonJanuarbis November

2019 setzte die Branche real 0,9 Prozent

mehr um als im Vorjahreszeitraum.

Einschließlich Preiserhöhungen

(nominal) lag das Wachstum bei

3,4 Prozent. Für die Statistik werden

Betriebe im Hotel- und Gaststättengewerbe

berücksichtigt, die auf

einen Umsatz vonmindestens

150000 Euro im Jahr kommen. (dpa)

Keine neuen

Rekorde am Himmel

Im deutschen Luftraumhat es im

vergangenen Jahr weniger Verkehrsflüge

gegeben als ein Jahr zuvor.Erstmalsseit

2013 sei die Zahl derkontrollierten

Flugbewegungen mit

3,334 Millionengesunken, berichtet

die Deutsche Flugsicherung am

Montag. Daswaren 0,4 Prozent weniger

als im Jahr 2018. Dierückläufige

Tendenz hatte zur Jahresmitte

eingesetzt. DieZahlen für Starts und

Landungengingen besonders an den

Regionalflughäfen (minus 3,1 Prozent)

zurück, was mit der Geschäftsaufgabe

kleinerer Airlineszutun hat.

DieZahl derÜberflüge sank um

0,5 Prozentauf 1,29 Millionen. (dpa)

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