Berliner Zeitung 24.01.2020

BerlinerVerlagGmbH

Der Einmischer: Joachim Gauck wird 80 – Politik Seite 4

Die Liebe der

PetShop Boys

zu Berlin

Seite 21

0°/6°

Nur wenige Wolken

Wetter Seite 28

Gehalt: Warum Berliner

weniger verdienen

Made in Berlin Seite 5

www.berliner-zeitung.de

Schlag gegen Nazis: Verein

Combat 18 verboten

Berlin Seite 9

Freitag,24. Januar 2020 Nr.20FA-76. Jahrgang

Auswärts/D: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Streitfall Sarrazin: Die SPD

wirft ihn wieder mal raus

Berlin Seite 11

Ruf doch mal an!

Das Handy

des

Jeff Bezos

VonChristian Schlüter

Jeff Bezosist ein sehr reicher Mann.

Genauer gesagt: Der Chef des Online-Versandhändlers

Amazon ist

mit einem geschätzten Privatvermögen

vondeutlich über 100 Milliarden

Dollar der reichste Mann der Welt.

Auch die Trennung von seiner Frau

im Juli 2019, die als teuerste Scheidung

derWelt in die Annalen einging

und die MacKenzie Bezosmit einem

Vermögen von

nunmehr 36 Milliarden

Dollar

zur dritt- oder

viertreichsten

Frau auf dem

Globus machte,

hat daran nichts

geändert. Jeff Bezos

also, den

Jeff Bezos

chattet mit den

Mächtigen der Welt.

überaus erfolgreichen,

allemal

umtriebigen und

nicht zuletzt sehr mächtigen Geschäftsmann,

müssen wir uns angesichts

solch unternehmerischer und

auch gesellschaftlicher Superlative

eigentlich als bestens organisierten

Tausendsassa vorstellen.

Oder vielleicht doch als Sicherheitsrisiko?

Verwunderlich ist jedenfalls,

dass er offenbar nur ein Handy

besitzt, das er gleichermaßen zu geschäftlichen

wie privaten Zwecken

nutzt. Dasergibt sich aus den neuesten

Irrungen eines Skandals, der mit

der Trennung von seiner Ehefrau begann

sowie der angeblich erpresserischen

Drohung durch die Zeitschrift

National Enquirer, intime Privatfotos

und Textnachrichten von ihm und

seiner Geliebten Lauren Sánchez zu

veröffentlichen. Undder nun möglicherweise

zur Bestätigung eines

schon länger gehegten Verdachts

führte, der saudische Kronprinz Mohammed

bin Salman habe Bezos’

Handy hacken lassen –und sei somit

der Drahtzieher des Erpressungsversuchs

gegen den Amerikaner, der als

Besitzer der Washington Post dem

saudischen Journalisten Jamal Khashoggi

ein publizistisches Forum bot,

bis der laut CIA im Auftrag des Kronprinzen

ermordet wurde.

Wow! Wasfür ein Krimi, den uns

die IT-Forensiker der Unternehmensberatung

FTI Consulting da auftischen:

Jeff Bezos chattet per Whats-

App mit bin Salman, gewissermaßen

von Handy zu Handy, der Kronprinz

nutzt eine Schwachstelle des Messengers

und jubelt dem Unternehmer

eine Spyware unter, die massenhaft

Daten seines Telefons nach Saudi-

Arabien schickt. Weltpolitik auf einem

einzigen Handy.

VonJan Sternberg,Jerusalem

Samuel Tytelman hätte ein erfolgreicher

Sportler werden

können. Der Warschauer

Junge trat für den jüdischen

Sportverein Makkabi bei Schwimmmeisterschaften

an. Als die Deutschen

seine Heimatstadt besetzten,

war er 18 Jahre alt. Mit seiner Mutter

Perla und seiner kleinen Schwester

Rega wurde er ins Ghetto gesperrt

und ermordet. Sein Vater Józef und

seine Schwester Rachel überlebten

und wanderten nach Israel aus.

In YadVashem ist die Erinnerung

an das Schicksal der FamilieTytelman

und die Millionen anderer Opfer des

Holocaust gespeichert. In der israelischen

Gedenk- und Forschungsstätte

hielt am Donnerstag Bundespräsident

Frank-Walter Steinmeier als erstes

deutsches Staatsoberhaupt eine

Gedenkrede.

„Sie waren Menschen“, sagte

Steinmeier über die Geschwister Tytelman,

„und auch die Täter waren

Menschen. Siewaren Deutsche.“

Staats- und Regierungschefs aus

fast 50 Ländern erinnerten in Yad

Vashem in Jerusalem an die Befreiung

des deutschen Vernichtungslagers

Auschwitz vor75Jahren. Frankreichs

Präsident Emmanuel Macron

war zu Gast, US-Vizepräsident Mike

Pence und der britische Thronfolger

Prinz Charles. Dass ein deutscher

Bundespräsident in Yad Vashem

spricht, ist für sich schon ein starkes

Symbol. Steinmeier hält hier die

wichtigste Rede seiner bisherigen

Amtszeit. Er sagt, was von ihm erwartet

wird: „Unsere deutsche Verantwortung

vergeht nicht. An ihr

sollt Ihruns messen.“

Sieben Minuten Redezeit bekommt

der Bundespräsident, er hält

sich als einziger Staatsgast fast an

seine Redezeit. Mit dem Erwarteten

ist es nicht getan. Denn dieses Gedenkjahr

ist von einer heftigen geschichtspolitischen

Kontroverse geprägt.

SeitWochen eskaliertder Streit

zwischen Russland und Polen über

Kriegsschuld und Opferkonkurrenz.

Derrussische Präsident Wladimir

Putin ist in Israel hochwillkommen,

er spricht inYadVashem als erster internationaler

Gast. Polens Präsident

AndrzejDuda durfte nicht reden und

blieb deshalb der Veranstaltung fern.

Er wird amMontag bei der Gedenkfeier

in Auschwitz antworten, dort

wiederum wirdPutin fehlen.

Sowjetische Truppen waren es,die

am 27. Januar 1945 das Konzentrationslager

Auschwitz befreiten. Putin

will Russland als Erbe der Sowjetunion

und damit als Haupt-Befreier

und Haupt-Opfer etablieren. Er

„Unsere Zeit ist nicht dieselbe Zeit.

Aber es ist dasselbe Böse.“

Frank-Walter Steinmeier,

Bundespräsident

spricht vonden 27 Millionen sowjetischen

Opfern, die nie vergessen werden

dürften. „Heute wird das Thema

politisiert–leider“, fügt Putinan.

Auch der Kampf gegen Antisemitismus

eignet sich, um Stärke zu demonstrieren.

Niemand weiß das so

gut wie Israels Ministerpräsident

Benjamin Netanjahu, der seine Rede

nutzte, umgegen den Iran auszuteilen.

Er nannte die Mullahs das „antisemitischste

Regime der Welt“ und

wandte sich an die versammelten

Staatschefs: „Ich fordere Sie alle auf:

Wirmüssen den Iran konfrontieren!“

„Nie

wieder!

Niemals

wieder!“

Bundespräsident

Frank-Walter Steinmeier

spricht in YadVashem

75 Jahre nach der Befreiung

des Vernichtungslagers

Auschwitz –als erstes

deutsches Staatsoberhaupt

AFP/ABIR SULTAN

Steinmeier hält im zweitenTeil seiner

Rede dagegen, ohne den hohen

Tonzuverlassen: „Die bösen Geister

zeigen sich heute im neuen Gewand.

Sie präsentieren ihr antisemitisches,

ihr völkisches,ihr autoritäres Denken

als Antwort für die Zukunft, als neue

Lösung für die Probleme unserer

Zeit.“ Er spricht von Deutschland:

„Manchmal scheint mir, als verstünden

wir die Vergangenheit besser als

die Gegenwart.“ An dieser Stelle erwähnt

Steinmeier den Attentäter von

Halle,der am höchsten jüdischen Feiertag

Jom Kippur die Synagoge stürmen

wollte.„UnsereZeitist nicht dieselbe

Zeit“, fährt der Bundespräsident

fort. „Aber es ist dasselbe Böse.“

Steinmeier wirdkonkret, und das mit

Ausrufezeichen:„Wir bekämpfen den

Antisemitismus! Wirtrotzen demGift

des Nationalismus! Wir schützen jüdisches

Leben! Wir stehen an der

Seite Israels!“

Der Bundespräsident hat eine

klare, unmissverständliche Rede,gehalten,

in der er die aktuellen Gefahren

für Demokratie und Menschenrechte

mit dem Gedenkenanden industriellen

Massenmord der Nazis

verband. Doch der Stargast war ein

anderer Präsident mit einer anderen

Auffassung vom Wert von Menschenrechten

und Völkerrecht.

ReportSeiten 2und 3

Harte Strafen

für Hertha und

Union

DFB ahndet Randale beim

Stadt-Derby im November

Rekordbuße für Hertha, hohe

Strafforderung an den 1. FC

Union: Beiden Berliner Bundesligisten

kommen die Ausschreitungen ihrer

Anhänger beim Duell am 2. November

im Stadion An der Alten Försterei

teuer zu stehen. Hertha BSC

muss wegen„fortgesetzten unsportlichen

Verhaltens“ seiner Anhänger

190000 Euro bezahlen. Union droht

eine Strafe von158000 Euro.

Etwa ein Drittel der Summe

(63 000 Euro)kann die Hertha für gewaltpräventive

und sicherheitstechnische

Maßnahmen verwendenund

muss dies dem Deutschen Fußball-

Bund bis Ende September nachweisen.

Hertha hat dem Urteil bereits

zugestimmt, es ist damit rechtskräftig.

Mit Anpfiff des Derbys hatten

Hertha-Fans laut DFB drei Leuchtraketen

abgeschossen –eine landete

im Union-Block, wo ein Fan leichte

Verbrennungen erlitt. Weiter zündeten

die Gäste-Fans 40 bengalische

Feuer und Blinker sowie weitere

Leuchtraketen, die teilweise direkt

neben den Spielern auf dem Rasen

landeten.

Für Union wurde die drastische

Strafe wegen unsportlichen Verhaltens

seiner Anhänger sowie nicht

ausreichenden Ordnungsdienstes

beantragt. 250 Union-Fans waren

unkontrolliert ins Stadion gestürmt,

die Anhänger zündeten Bengalos

und Rauchtöpfe.Zudem überstiegen

mindestens 20 zum Teil vermummte

Zuschauer aus dem Bereich des

Heimteams den Zaun zum Innenraum

und wurden von Union-Spielern

aufgehalten. Union hat das Urteil

noch nicht akzeptiert und

möchte es erst einmal innerhalb der

Widerspruchsfrist in Ruhe prüfen,

wie ein Sprecher auf Anfrage am

Donnerstag sagte. (dpa)

Kommentar Seite 8, SportSeite 20

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Daniel Barenboim

Thomas Quasthoff

BENEFIZKONZERT

GEDENKKONZERTZUM 75. JAHRESTAG

DER BEFREIUNG DES

KONZENTRATIONSLAGERS AUSCHWITZ

WERKEVON

Schönberg undBeethoven

27. Januar 2020 19.00

STAATSOPER UNTERDEN LINDEN


2* Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020

2 *Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020

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·

Report

Der britische Thronfolger Prinz Charles wird vom israelischen Präsidenten Reuven Rivlin empfangen. AP

Der russische Präsident Putin (l.) mit Israels Ministerpräsident Netanjahu und dessen Frau Sarah.

AP

Frankreichs Staatschef Macron umarmt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

AFP

„Wenn der Antisemitismus

wieder

auftaucht, vermehren

sich alle Formen des

Rassismus, alle

Formen der Spaltung

breiten sich aus. (…)

Wir haben kein Recht

zu vergessen.“

Emmanuel Macron,

französischer Präsident

„Wir müssen stark

zusammenstehen

gegen (…) die eine

Regierung auf der

Welt, für die

das Leugnen des

Holocaust

Staatspolitik ist.

Die Welt muss stark

zusammenstehen

gegen die Islamische

Republik Iran.“

Gepriesen sei der Herr, (…) dass er

mich heute hier sein lässt.

Welche Gnade, welches Geschenk,

dass ich heute hier in Yad

Vashem zu Ihnen sprechen darf. Hier in Yad

Vashem brennt die ewige Flamme der Erinnerung

an die Toten der Schoah. Dieser Orterinnertanihr

millionenfaches Leid. Undererinnertanihr

Leben, an jedes einzelne Schicksal.

Dieser Ort erinnert anSamuel Tytelman,

ein begeisterter Schwimmer,der bei Makkabi

Warschau Wettkämpfe gewann, und an seine

kleine Schwester Rega, die ihrer Mutter beim

Kochen für den Schabbat half. Dieser Ort erinnert

anIda Goldis und ihren dreijährigen

Sohn Vili. Im Oktober wurden sie aus dem

Ghetto Chisinau deportiert, und im Januar,in

bitterster Kälte,schrieb Idaein letztes Malan

ihre Eltern und an ihre Schwester: „Ich bedaure

aus tiefster Seele, dass ich beim Abschied

die Bedeutung des Augenblicks nicht

erfasste,[…] dass ich Dich nicht fest umarmt

habe,ohne loszulassen.“ Deutsche haben sie

verschleppt. Deutsche haben ihnen Nummern

auf die Unterarme tätowiert. Deutsche

haben versucht, diese Menschen zu entmenschlichen,

zu Nummern zumachen, im

Vernichtungslager jede Erinnerung an sie

auszulöschen. Es ist ihnen nicht gelungen.

Samuel und Rega, Ida und Vili waren

Menschen. UndMenschen bleiben sie in unserer

Erinnerung. Hier in YadVashem wird

ihnen –wie es im Buch des Propheten Jesaja

heißt –„ein Denkmal und ein Name“ gegeben.

Vordiesem Denkmal stehe auch ich als

Mensch –und als Deutscher.(...) Undich verneige

mich in tiefer Trauer.

Samuel und Rega, Idaund Vili waren Menschen.

Undauch das muss ich hier und heute

aussprechen: DieTäter waren Menschen. Sie

waren Deutsche. Die Mörder, die Wachleute,

die Helfershelfer, die Mitläufer: Sie waren

„Wir schützen

jüdisches Leben!“

Die Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

in der Holocaust-Gedenkstätte YadVashem

Dokumentiert

Deutsche. Der industrielle Massenmord an

sechs Millionen Jüdinnen und Juden, das

größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte

–eswurde vonmeinen Landsleuten

begangen. Dergrausame Krieg, der weit mehr

als 50 Millionen Menschenleben kosten

sollte,erging vonmeinem Lande aus.

75 Jahrenach der Befreiung vonAuschwitz

stehe ich als deutscher Präsident vorIhnen allen,

beladen mit großer historischer Schuld.

Doch zugleich bin ich erfüllt vonDankbarkeit:

für die ausgestreckte Hand der Überlebenden,

für das neue Vertrauen vonMenschen in

Israel und der ganzen Welt, für das wieder erblühte

jüdische Leben in Deutschland. Ich

bin beseelt vom Geist der Versöhnung, der

Deutschland und Israel, der Deutschland, Europa

und den Staaten der Welt einen neuen,

einen friedlichenWeggewiesen hat.

Die Flamme von Yad Vashem erlischt

nicht. Und unsere deutsche Verantwortung

vergeht nicht. Ihrwollen wir gerecht werden.

An ihr sollt Ihruns messen. Weil ich dankbar

bin für das Wunder der Versöhnung, stehe

ich vor Ihnen und wünschte, sagen zu können:

Unser Erinnernhat uns gegen das Böse

immun gemacht.

Ja, wir Deutsche erinnern uns. Aber

manchmal scheint es mir, als verstünden wir

die Vergangenheit besser als die Gegenwart.

Diebösen Geister zeigen sich heute in neuem

Gewand. Mehr noch: Siepräsentieren ihr antisemitisches,

ihr völkisches, ihr autoritäres

Denken als Antwortfür die Zukunft, als neue

Lösung für die Probleme unserer Zeit. Ich

wünschte, sagen zu können: Wir Deutsche

haben für immer aus der Geschichte gelernt.

Aber das kann ich nicht sagen, wenn Hass und

Hetzesich ausbreiten. Daskann ich nicht sagen,

wenn jüdische Kinder auf dem Schulhof

bespuckt werden. Das kann ich nicht sagen,

wenn unter dem Deckmantel angeblicher

Kritik an israelischer Politik kruder Antisemitismus

hervorbricht. Das kann ich nicht sagen,

wenn nur eine schwere Holztür verhindert,

dass ein Rechtsterrorist an JomKippur in

einer Synagoge in Halle ein Blutbad anrichtet.

Natürlich: Unsere Zeit ist nicht dieselbe

Zeit. Es sind nicht dieselben Worte. Es sind

nicht dieselben Täter. Aber es ist dasselbe

Böse. Und es bleibt die eine Antwort: Nie

wieder! Niemals wieder! Deshalb darfeskeinen

Schlussstrich unter das Erinnerngeben.

Diese Verantwortung ist der Bundesrepublik

Deutschland vom ersten Tage eingeschrieben.

Aber sie prüft uns –hier und heute!

Dieses Deutschland wird sich selbst nur

dann gerecht, wenn es seiner historischen

Verantwortung gerecht wird: Wirbekämpfen

den Antisemitismus! Wir trotzen dem Gift

des Nationalismus! Wir schützen jüdisches

Leben! Wirstehen an der Seite Israels! Dieses

Versprechen erneuereich hier inYadVashem

vorden Augen derWelt. Undich weiß, ich bin

nicht allein. Hier in YadVashem sagen wir

heute gemeinsam: Nein zu Judenhass! Nein

zu Menschenhass!

Im Erschrecken vor Auschwitz hat die

Welt schon einmal Lehren gezogen und eine

Friedensordnung errichtet, erbaut auf Menschenrechten

undVölkerrecht.WirDeutsche

stehen zu dieser Ordnung und wir wollen sie,

mit Ihnen allen, verteidigen. Denn wir wissen:

Jeder Friede bleibt zerbrechlich. Undals

Menschen bleiben wir verführbar.

(...) „Wer weiß, ob wir noch einmal den

zauberhaften Klang des Lebens werden hören

können? Werweiß, ob wir uns in die Ewigkeit

werden einweben können –wer weiß.“ Salmen

Gradowski schrieb diese Zeilen als Häftling

in Auschwitz und er vergrub sie in einer

Blechbüchse unter einem Krematorium.

Hier in YadVashem sind sie eingewoben

in die Ewigkeit: Salmen Gradowski, die Geschwister

Tytelman, Ida und Vili Goldis. Sie

alle sind ermordet worden. IhrLeben ging im

entfesselten Hass verloren. Aber die Erinnerung

an sie besiegt das Nichts.Und das Handeln,

unser Handeln, besiegt den Hass.Dafür

stehe ich. Darauf hoffe ich.

Gepriesen sei der Herr,dass er mich heute

hier sein lässt.“

Mike Pence,

Vizepräsident der USA

„Antisemitismus

hört nicht bei den

Juden auf.

Antisemitismus und

Rassismus sind

bösartige

Krankheiten,

die Gesellschaften von

innen zerstören.“

Reuven Rivlin,

Israels Präsident

Holocaust: Der Begriff ist die inzwischen weltweit gebräuchliche

Bezeichnung für den Völkermord an der jüdischen

Bevölkerung Europas durch die Nazis. Ihm fielen

etwa sechs Millionen Menschen zum Opfer.ImNationalsozialismus

wurden auch Hunderttausende Sinti und

Roma, Behinderte, Homosexuelle, Regimegegner,Sozialisten,

Kommunisten und Christen ermordet.

Ermordet: Sie wurden ermordet durch Vergasung,Erschießung,Injektionen,

medizinische Versuche oder

durch gezieltes Verhungernlassen. In Polen wurden etwa

90 Prozent der Menschen jüdischen Glaubens umgebracht,

in Ungarnoder den Niederlanden 70 Prozent.

Der Begriff: Holocaust stammt vomgriechischen Wort

„holokauston“ und bedeutet Brandopfer –wörtlich: „ganz

verbrannt“. Menschen jüdischen Glaubens verwenden in

den meisten Fällen das hebräische Wort Schoah –das

bedeutet: Katastrophe.

Überfall: Mit dem deutschen Angriff auf Polen im Sommer

1939 ging eine Radikalisierung der nationalsozialistischen

„Judenpolitik“ einher.Die deutschen Besatzer

richteten Ghettos für die jüdische Bevölkerung ein. Dort

starben monatlich Tausende Menschen an den katastrophalen

Lebensbedingungen oder an den Folgen der

Zwangsarbeit, die sie leisten mussten.

HISTORIE

Krieggegendie Sowjetunion: Die Vernichtungspolitik

der Nationalsozialisten erhielt eine neue Dimension, als

das Deutsche Reich im Juni 1941 den Krieg gegendie

Sowjetunion begann. Mordkommandos erschossen in

der Folgejüdische Kinder,Frauen und Männer und verscharrten

sie in Massengräbern.

Wannsee-Konferenz: Im Verlauf des Jahres 1941 beschloss

die NS-Führung die Ermordung aller Juden, die

im deutschen Machtbereich lebten. Die systematische

und koordinierte Umsetzung des Völkermordes in Europa

wurde auf der Wannsee-Konferenz im Januar 1942 besprochen.

Auschwitz: Juden wurden aus verschiedenen Ländernin

Lager gebracht und dortvor allem durch Giftgas umgebracht.

Im Zentrum des Völkermords stand das deutsche

Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau

im besetzen Polen. Allein dortwurden etwa eine Million

Menschen jüdischen Glaubens ermordet. Zudem

wurden etwa 100000 weitere Menschen umgebracht,

darunter Polen, Sinti und Roma sowie Kriegsgefangene.

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Lager.

Die Soldaten trafen auf 7000 überlebende Gefangene.

Im Jahr 1996 erklärte der damaligeBundespräsident Roman

Herzog den 27. Januar zum zentralen Gedenktag an

die Opfer des Nationalsozialismus.


Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020 3 *

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Report

Frank-Walter Steinmeier legt in YadVashem einen Kranz nieder.

REUTERS

Benjamin Netanjahu spricht während der Zeremonie zur Enthüllung des Denkmals zur Erinnerung an die Blockade von Leningrad.

DPA

Rabbi Israel Meir Lau, Vorsitzender des Rates der Holocaust-Gedenkstätte YadVashem

AFP

Die Überlebenden sitzen in Raum

205, ganz am Ende des Ganges.

Mehr Frauen als Männer –mit

Tee- und Kaffeebechern in der

Hand, die Jacken an Haken, die Handys auf

dem Tisch, die Rollatoren an der Wand. Sie

tragen Akkreditierungskarten um den Hals

wie Konferenzteilnehmer.

Es ist der 23. Januar 2020. In der Holocaust-Gedenkstätte

YadVashem werden 50

Delegationen aus aller Welt erwartet, um der

Befreiung vonAuschwitz vor75Jahren zu gedenken,

dazu zählen Hunderte Journalisten.

Diedürfen –aus Platzmangel –zwar nicht an

derVeranstaltung selbst teilnehmen, aber im

Pressezentrum der Gedenkstätte wird ihnen

einiges geboten: Leinwände,Häppchen, und

nun ja, Holocaust-Überlebende.

Die Gedenkstätte YadVashem hat sie gefragt,

ob sie Interviews geben wollen. 15 haben

zugesagt. Ein Journalistenkollege

schwört, dass er diese Geschmacklosigkeit

nicht mitmacht. Die Überlebenden selbst

scheinen damit kein Problem zu haben, sie

wollen reden über das,was sie erlebt haben,

ihre Botschaft in die Welt tragen. Seit halb

acht sind sie hier,jetzt ist es um zehn, der Ablauf

bekannt. „Wir brauchen jemanden für

Englisch“, ruft eine der Organisatorinnen.

Zwei Hände gehen hoch. Auch Deutsch wird

angeboten, Polnisch, Tschechisch, Russisch.

Namen von ehemaligen Konzentrationslagernsind

zu hören: Auschwitz, Buchenwald,

Treblinka. „Ich bin in der BBC“, ruft eine

Frau. Ein Mann zeigt Fotos auf seinem

Handy mit Angela Merkel. Er kommt gerade

aus Essen zurück, wo Martin Schoellers Fotoausstellung

eröffnet wurde.

„Wie viel Zeit haben Sie?“

Rena Quint sitzt ganz allein an einem weißgedeckten

Tisch. Sie ist 84 und hat sich chic

gemacht für diesen Tag: die Haare frisch frisiert,

die Lippen rot angemalt, eine Perlenkette

um den Hals.„Wieviel Zeit haben Sie?“,

fragt sie. Rena Quint stammt aus Piotrkow,

einer Stadt in Polen, und Rena ist nur einer

der vielen Namen in ihrem Leben. Fredel

wurde sie von ihrer Mutter genannt, die in

Treblinka vergast wurde, Froim von ihrem

Vater, der ihr die Haare schnitt wie einem

Jungen, weil er glaubte, Jungen hätten bessere

Überlebenschancen. Nach dem Krieg,

als Waise, gab ihr eine schwedische KZ-

Überlebende den Namen ihrer toten Tochter

Fanny und nahm sie mit nach Amerika. Als

die Schwedin starb, wurde sie von einem

Ehepaar aus Brooklyn adoptiert und hieß

nun Francis.Ihren letzten Namen, Rena, bekam

sie,als sie 1984 nach Israel zog. Rena bedeutet

Freude,sagt sie und lächelt.

Es ist eine der vielen Geschichten, die an

diesem Tagindiesem Klassenzimmer in den

Bergen von Jerusalem erzählt werden, während

die Vorbereitungen für das große

Staatsereignis im Gange sind. Abgesperrte

Straßen, Sicherheitskontrollen, Sondereinheiten

von Polizei und Armee. Gerade ist

Wladimir Putin auf dem Ben-Gurion-Flughafen

gelandet, als letzter der Gäste, kommt

aber nicht direkt nach YadVashem, sondern

weiht erst einmal in Jerusalem ein Denkmal

für die Leningrader Blockade ein.

Putin, hieß es im Vorfeld in israelischen

Medien, bestimme alles, er sei ein guter

Freund des Organisators Moshe Kantor und

mit dafür verantwortlich, dass Polens Staatspräsident

Andrzej Duda keine

Rede halten darf und deshalb gar

nicht erst gekommen ist.

Hintergrund ist ein Streit zwischen

den beiden Staatsführern.

Putin wirft Polen vor, für den Ausbruch

des Zweiten Weltkriegs mitverantwortlich

zu sein. Duda weist

Putin darauf hin, dass Russland

am Überfall auf Polen beteiligt

war. Esgeht um die Deutung der

eigenen Geschichte, 75Jahre danach,

aber auch um die Rolle in der Welt

heute.Wer darfsagen, wie es war?Werhat die

Deutungshoheit?

„Es wäre gut, wenn Polen und Russland

die Fakten den Historikern überlassen würden“,

sagt Avner Shalev,Vorsitzender der Gedenkstätte

YadVashem auf einer Pressekonferenz

am Donnerstagvormittag. Neben ihm

sitzt Moshe Kantor,der Organisator und Putin-Freund.

Er sagt, nur die Organisatoren

hätten Einfluss auf die Veranstaltung gehabt,

niemand sonst. Shalev fügt hinzu, dass Israels

Staatspräsident Reuven Rivlin am Montag

zum eigentlichen Jahrestag der Lagerbefreiung

nach Auschwitz reisen wird –„und

das,obwohl er dortkeine Rede halten darf“.

Die

Überlebenden

und die Politiker

75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz

treffen sich Staatsführer und einstige KZ-Häftlinge in

YadVashem. Gemeinsames Gedenken fällt schwer

VonAnja Reich, YadVashem

Rena Quint

Rena Quint und die anderen Holocaust-

Überlebenden sitzen in der ersten Reihe und

klatschen. Sie klatschen fast immer, wenn

die Männer auf der Bühne etwas sagen. Es ist

nicht so richtig klar,obsie wissen, worum es

geht, ob sie verstehen, warum sich an so einem

Gedenktag zwei Staatschefs streiten.

Er dachte,esgehe hier um sie,sagt Naftali

Furst, der ehemalige Auschwitz-Häftling, der

Angela Merkel in Essen getroffen hat. Er habe

sich erkundigt, warum er nur ins Pressezentrum

eingeladen werde. Bei der Gedenkfeier

gebe es nicht so viele

Plätze, hieß es. Nicht nur Furst ärgert

das. Ein israelischer Minister

hat seinen Platz einem ehemaligen

KZ-Häftling überlassen, genau wie

der litauische Präsident. Auch er ist

nicht angereist.

Naftali Furst und Rena Quint sehen

die Gedenkfeier auf der Leinwand

im Klassenzimmer. Esist 13

Uhr, die Gäste kommen an. Premierminister

Benjamin Netanjahu, Emmanuel

Macron, Prinz Charles, Frank-Walter

Steinmeier, Argentinien, Spanien, Kanada,

die USA, Belgien, Schweden, Kroatien, viele

vonihnen sind das erste MalinIsrael. Nureiner

fehlt: Wladimir Putin.

Fast eine Stunde warten die Gäste auf ihn,

dann fangen sie ohne ihn an. Israels Staatspräsident

bedankt sich bei den Gästen, dass

sie gekommen sind, um „meiner Leute und

der vielen Millionen Menschen zu gedenken,

die in der Schoah umgekommen sind“. Er

dankt den Alliierten, dass sie die Naziverbrecher

aufgehalten haben und fragt: „Was wäre

passiert, wenn heute in diesem Staat die Rassengesetzedie

Oberhand hätten?“

FELIX RETTBERG

Zum Schluss wendet er sich direkt an die

Überlebenden im Saal. „Ich habe gesehen, wie

ihr als Kinder hergekommen seid, wie ihr Familien

gegründet habt“, sagt er und verspricht:

„Es wird keinen jüdischen Staat geben, der

nicht demokratisch ist, wir können nicht in einem

undemokratischen Land leben.“

Rivlins Wortesind klar und bewegend, Erinnerung

und Versprechen, auch die anderen

Staatsmänner finden Worte, um an das

zu erinnern,„was bis heute kein Mensch versteht“.SoformuliertesPrinz

Charles und erinnert

daran, dass seine Urgroßmutter Alice

bei sich zu Hause Juden versteckt habe und

dafür hier in YadVashem geehrt worden sei.

„Darauf bin ich stolz.“

Emmanuel Macron sagt, 240 000 Juden

seien in Frankreich versteckt, aber auch

11 000 aus dem Land gewiesen worden. „Wir

haben alle unseren Anteil daran.“ Frank-

Walter Steinmeier der letzte Staatsmann, der

in YadVashem spricht, beginnt seine Rede

auf Hebräisch: „Gepriesen sei der Herr, dass

er mich heute hier sein lässt.“ Dann wechselt

er ins Englische, erinnert anJuden, die ermordet

wurden: „Samuel und Rega, Ida und

Vili“. Er spricht über „die Mörder, die Wachleute,die

Helfershelfer,die Mitläufer:Sie warenDeutsche“,

und endet mit einem Zitat eines

Auschwitz-Häftlings, dem es gelang, vor

seiner Ermordung eine Zettel unter einem

Krematorium zu vergraben. Der Mann hieß

Salmen Gradowski. Auf seinem Zettel stand:

„Wer weiß, ob wir noch einmal den zauberhaften

Klang des Lebens werden hören können?

Wer weiß, ob wir uns in die Ewigkeit

werden einweben können –wer weiß?“

Nicht für politische Zwecke benutzt

Als Steinmeier zu seinem Platz zurückgeht,

umarmt ihn Reuven Rivlin so lange, als

müsste er ihn, den Deutschen, trösten, und

nicht umgekehrt. Vielleicht ist Rivlin auch

einfach nur froh, dass niemand die Bühne

vonYadVashem fürseine politischen Zwecke

benutzte. Nun ja, fast niemand. Benjamin

Netanjahu und US-Vizepräsident Mike

Pence bezeichneten Iran als den antisemitischsten

Staat der Welt, ein Land der Holocaust-Leugner.UndWladimir

Putin beließ es

bei der Bemerkung, „dass dieKollaborateure

der Nazis oft grausamer als die Nazis selbst

waren“. Er ist dann doch noch gekommen,

fast anderthalb Stunden zu spät.

Rena Quint und Naftali Furst haben davon

nichts mehr mitbekommen. Sie sind

nach Hause gefahren, als die Politikerreden

begannen und sich die Journalisten in ihre

Presseräume zurückzogen. Sie hatten hier

nichts mehr zu tun.

Anja Reich saß im Presseraum vonYad

Vashem zwischen Engländern, Deutschenund

Israelis.

„Ich habe 21 Urenkel.

Das ist meine Rache

an denNazis.Dass ich

lebe, dass ich zehn

Konzentrationslager

überlebt habe.“

Elias Feinzilberg,

102, hat zehn Lager überlebt, darunter

Auschwitz, Buchenwald und Dachau

„Der Holocaust darf

niemals ein einfaches

Ereignis in der

Geschichte werden.

Wir dürfen niemals

aufhören, entsetzt zu

sein und bewegt vom

Zeugnis derer, die ihn

erlebt haben. Ihre

Erfahrung muss uns

immer aufklären,

leiten und warnen.“

Prinz Charles,

britischer Thronfolger

„Das jüdische Volk hat

die Lektionen des

Holocaust gelernt:

Wir nehmen die

Bedrohungen

derjenigen, die uns

vernichten wollen,

ernst. (…) Wir haben

gelernt, uns selbst zu

verteidigen.“

Benjamin Netanjahu,

Israels Ministerpräsident


4 Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020

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Politik

NACHRICHTEN

Immer mehr Menschen ohne

Abschluss mit Niedriglohn

Immer mehr Menschen ohne Berufsabschluss

landen in Deutschland

im Niedriglohnbereich. Von

den 1,67 Millionen Vollzeitbeschäftigten

ohne Abschluss erzielten zuletzt

40,4 Prozent nur Einkommen

auf Niedriglohnniveau, also unter

zwei Drittel des mittleren Einkommens.Auf

diese Zahlen der Bundesagentur

für Arbeit machte die Linke

im Bundestag aufmerksam. Die

jüngsten Angaben beziehen sich auf

Ende 2018. Vier Jahrezuvor waren es

erst 35,3 Prozent von1,43 Millionen

ohne Abschluss. (dpa)

Familie von Kerpener

Bürgermeister bedroht

Kerpens Bürgermeister Dieter

Spürck (CDU) verzichtet nach Drohungen

gegen seine Familie auf eine

erneute Kandidatur.Esgebe eine

„zunehmendeVerrohung in der ganzenGesellschaft“,

sagte der 53-Jährige

dem Kölner Stadt-Anzeiger vom

Donnerstag. „Soweit mich das selbst

betrifft, halte ich das für ein tragbaresBerufsrisiko,aber

nicht für meine

Frau und meine Kinder“, fügte der

CDU-Politiker hinzu. In seinem

Briefkasten fand er demnach die

Nachricht, dass seine „Kinder es zu

spüren“ bekämen, wenn er sich

nicht„intensiver für den Hambacher

Wald einsetzen“ würde.Ebenfalls sei

er vonGegnernder Flüchtlingspolitik

bedroht worden.

UN: Myanmar muss Rohingya

vor Völkermord schützen

Im Völkermord-Verfahren gegen

Myanmar hat der Internationale

Gerichtshof ein erstes Urteil gefällt

und das Land zu Sofortmaßnahmen

zum Schutz der Rohingya-Minderheit

verpflichtet. Damit gab das

höchste Gericht der Vereinten Nationen

am Donnerstag in DenHaag

einer Klage Gambias statt. Myanmar

müsse alles tun, um einen Völkermordanden

noch im Land lebenden

600 000 muslimischen Rohingya

zu verhindern. (dpa)

Lungenkrankheit breitet

sich in China weiter aus

Vater und Tochter versuchen, sich in Peking

vor einer Ansteckung zu schützen. AFP

DieZahl der bestätigten Fälle der

Lungenkrankheit in China ist von571

auf mindestens 620 gestiegen. Das

berichtete das chinesische Staatsfernsehen

am Donnerstag. DieZahl

der Todesfälle lag demnach vorerst

unverändertbei 17. Nach diesen Angaben

warnen Experten auch davor,

dass das neuartigeVirusdas Potenzial

habe,sich zu verändern. (dpa)

Queen unterzeichnet Gesetz

über den Brexit

Diebritische Königin Elizabeth II.

hat am Donnerstag das Ratifizierungsgesetz

für den Brexit-Deal gebilligt.

Damit kann der Vertragüber

den EU-Austritt nun in Großbritannien

in Kraft treten. Nach dem Unterhaus

hatte am Mittwoch auch das

Oberhaus dem Gesetzentwurfzugestimmt.

MehrereÄnderungen, die

vonden Lords vorgeschlagen wurden,

hatten die Abgeordneten im

Unterhaus zuvor abgewiesen. (dpa)

Der Einmischer

Er war ein politischer Präsident im besten Sinne und ist bis heute öffentlich präsent. Joachim Gauck wird 80

VonHolger Schmale

Als Joachim Gauck im Sommer

2016 seine Entscheidung

verkündete, erwerde

nicht für eine zweite Amtszeit

als Bundespräsident zur Verfügung

stehen, begründete er dies mit

seinem Alter.Erkönne für die nächsten

fünf Jahre nicht dieselbe Energie

und Vitalität voraussetzen wie für die

vergangenen fünf. Wer Joachim

Gauck heute erlebt, stellt fest: Daswar

eine sicher berechtigte Sorge, die sich

im Nachhinein nicht bestätigt hat.

An diesem Freitag wirder80Jahre

alt, und er hat nichts an geistiger Frische

oder politischem Engagement

verloren. Gerade erst hat er dabei geholfen,

die Blockade der Thüringer

CDU gegenüber der Linkspartei mit

ihrem Ministerpräsidenten Bodo Ramelow

zulockern. Er lud Ramelow

und den CDU-Landesvorsitzenden

Mike Mohring zu einem Abendessen

ein, bei dem es um die Möglichkeiten

ging, Stabilität in der Landespolitik

auch unter einer rot-rot-grünen Minderheitsregierung

zu sichern.

Sympathie und Skepsis

Gauck ist in der politischen Debatte

präsent, derzeit vorallem mit seinem

neuen Buch über Toleranz, das ihn zu

Lesungen und Diskussionen überall

im Land führt. Kritiker warfen ihm

vor, er plädiere darin für eine erweiterte

Toleranz nach rechts, doch ist

das ein Vorwurf, der ihn nach seiner

Intervention zu Gunsten der Linken

in Thüringen jetzt genauso von der

anderen Seite trifft. Damit kann er leben.

Undnatürlich ist er immer noch

und immer wieder eine bedeutende

Stimme in der andauernden Debatte

über das Verhältnis der Ostdeutschen

und der Westdeutschen zueinander.

Jüngst erregte er Aufmerksamkeit mit

seiner Feststellung, sehr vielen Ostdeutschen

fehle „dieser absolute

Durchsetzungswille“. Sie hätten sich

eine Wettbewerbsmentalität wie ihre

Landsleute im Westen nicht auf natürlichemWege

antrainieren können,

und das benachteilige sie bis heute.

Als Joachim Gauck 2012 ins

Schloss Bellevue einzog, begleitete

ihn viel Sympathie, aber auch viel

Skepsis.Brauchte es überhaupt noch

einen Bundespräsidenten, fragten

die einen. Anderebezweifelten, dass

ein Seiteneinsteiger den politischen

Herausforderungen gewachsen

wäre, schließlich war der ähnlich unerfahrene

Horst Köhler gerade erst

gescheitert. Undnun sollte ein Amateur

richten, was die Berufspolitiker,

namentlich Angela Merkel mit ihrer

unglücklichen Kandidatenauswahl,

nicht bewerkstelligen konnten?

Alt-Bundespräsident Joachim Gauck und seine Partnerin Daniela Schadt.

IMAGO IMAGES

„Euer Hass ist unser Ansporn.

Wir lassen unser Land nicht im Stich.

Wir schenken Euch auch nicht unsere Angst.

Ihr werdet Vergangenheit sein

und unsere Demokratie wird leben.“

Joachim Gauck in seiner Antrittsrede als Bundespräsident an die rechtsextremen Verächter

der liberalen Ordnung gewandt

Die Sprachlosigkeit überwinden

Heute wissen wir: Joachim Gauck

hat seine Aufgaben mit Bravour bewältigt.

Das begann schon damit,

dass er der Normalität im höchsten

Amt des Staates wieder Geltung verschafft

hat. Seine beiden Vorgänger –

Köhler und dann Christian Wulff –

hatten es mit ihrem Gebaren gehörig

ramponiert. 84 Prozent der Bundesbürger

sagten in einer Umfrage zum

Ende seiner Amtszeit, dass er ein guter

Präsident war.Wer solch eine Bewertung

erfährt, kann nicht viel falsch

gemacht haben.

Joachim Gauck war ein politischer

Präsident im besten Sinne, der sich

einmischt und Position bezieht. Das

wird sein Vermächtnis sein, nicht die

eine Rede oder das eine Zitat.VonAnfang

an hat er sich den Gegnern der

Demokratie gestellt, als die vonihnen

ausgehende Gefahr noch gar nicht so

sichtbar war wie heute. Erfand dazu

einen kämpferischen Ton, der nichts

mit präsidialen Sonntagsansprachen

früherer Zeiten zu tun hat.

Dasneue Wir-Gefühl

Schon in seiner Antrittsrede wandte

er sich an die rechtsextremenVerächter

der liberalen Ordnung der Bundesrepublik

„mit aller Deutlichkeit:

Euer Hass ist unser Ansporn. Wirlassen

unser Land nicht im Stich. Wir

schenken Euch auch nicht unsere

Angst. Ihr werdet Vergangenheit sein

und unsere Demokratie wird leben.“

Das war ein neues Wir-Gefühl, das

Gauck dort formuliert hat, eines, das

die Demokraten aufrütteln und mobilisieren

soll, mehr zu tun, um unsereWerte

und unsereFormzuleben

zu verteidigen. Wienötig das ist, wird

heute erst richtig deutlich, da die liberale

Demokratie und das Projekt des

Westens unter Beschuss stehen, wie

er vor ein paar Wochen formuliert

hat. In dieser Rede findet sich auch

ein anderes Vermächtnis angesichts

der Debatten um Zuwanderung und

deutsche Identitäten: Die entscheidende

Trennlinie verlaufe nicht zwischen

Alteingesessenen und Neubürgern

oder Angehörigen verschiedener

Religionen, stellte er fest. „Die

entscheidende Trennlinie verläuft

zwischen Demokraten und Nicht-

Demokraten. Es zählt nicht die Herkunft,

es zählt die Haltung.“

Gauck wäre heute wohl ein genauso

guter Bundespräsident wie in

seiner ersten Amtszeit. Dennoch hat

er 2016 eine kluge Entscheidung getroffen.

Er hat sich und seiner Partnerin

Daniela Schadt die Freiheit von

den Pflichten des Amtes geschenkt,

ohne sich aus dem öffentlichen Leben

zurückzuziehen. So spielt Joachim

Gauck weiter eine Rolle, etwas, das er

Zeit seines Lebens gerngetan hat.

Bundeskanzlerin Merkel mahnt in Davos noch stärkere Bemühungen für den weltweiten Klimaschutz an

ImKampf gegen den Klimawandel

hat Kanzlerin Angela Merkel vorgesellschaftlichen

Konflikten gewarnt.

Es gebe eine „Sprachlosigkeit“ und

„Unversöhnlichkeit“ zwischen Menschen,

die den Klimawandel leugneten

und denjenigen, für die Klimaschutz

höchste Dringlichkeit habe.

Dies mache ihr Sorgen und müsse

überwunden werden, sagte die CDU-

Politikerin am Donnerstag bei der

Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums

(WEF) in Davos. „Wir müssen

die Emotionen mit den Fakten versöhnen“,

sagte Merkel. Auch zwischen

kontroversesten Meinungen

müsse ein Austausch stattfinden.

Merkel sagte zudem, die „Ungeduld

der Jugend“ müsse positiv und

konstruktiv aufgenommen werden.

DieJugend habe einen ganz anderen

Lebenshorizont.„Deswegen sind wir

zum Handeln aufgefordert.“

Klimaschutz bedeute Existenzsicherung.

„Die Frage der Erreichung

der Ziele des Pariser Abkommens

könnte eine Frage des Überlebens für

den ganzen Kontinent sein“, sagte

Merkel.„Deshalb ist Handlungsdruck

da.“ Denn mit den derzeitigen Verpflichtungen

der Staaten werde das

Ziel nicht erreicht, die Erderwärmung

im Vergleich zum vorindustriellen

Zeitalter auf 1,5 Grad zu begrenzen.

„Der Preis des Nichthandelns ist viel

höher als der Preis des Handelns.“

Bringschuld der reichen Länder

Merkel sieht die Industrieländer in

der Bringschuld. Die Gruppe der 20

größten Industriestaaten (G20) sei

für 80 Prozent der weltweiten Emissionen

verantwortlich. Daraus entstehe

eine technologische Verpflichtung,

betonte Merkel. Nötig sei, unterm

Strich keine Treibhausgase

mehr auszustoßen und nicht vermeidbare

Emissionen auszugleichen.

Das seien „natürlich Transformationen

von gigantischem historischem

Ausmaß“. Produktionsprozesse

etwa in der Stahlindustrie

müssten völlig umgestellt werden.

Dabei werde „grüner“ Wasserstoff

eine große Rolle spielen. Dieser

könne aber außerhalb Europas besser

erzeugt werden.

Chancen sieht Merkel in einer

Klima-Zusammenarbeit mit China.

Dies sei eines der Themen auch

beim geplanten EU-China-Gipfel im

September in Leipzig. China führe

ein Emissionshandelssystem ein,

dies könne mit dem europäischen

System verknüpft werden, sagte sie.

MitBlick auf den Handelskonflikt

zwischen den USA und China sagte

Merkel: „Ich möchte keine neue Bipolarität

der Welt, sage ich ganz offen.“

Die gesellschaftliche Ordnung

der USA stünde Europa näher, zugleich

sei nun aber ein Land, in dem

eine kommunistische Partei die

„Herrschaft“ habe, wirtschaftlich erfolgreich.

Deshalb müsse Europa einen

„klugen Weg“ finden zwischen

der Partnerschaft mit den USA bei

Grundwerten und einem ökonomischem

Wettbewerb, in dem Entscheidungen

„anders fallen“ könnten.

Die Europäer müssten „sehr klug

entscheiden, wie wir gerade im Zeitalter

der Digitalisierung auch mit chinesischen

Angeboten umgehen“, sagte

Merkel, ohne den chinesischen Ausrüster

Huawei beim Namen zu nennen.

Es gelte abzuwägen zwischen Sicherheit

und der Frage, sich von chinesischer

Wertschöpfung zu entkoppeln.

Insbesondere beim Ausbau des

5G-Netzes beschäftigt Deutschland

sich mit der Frage,welche Rolle China

spielen soll. Bereits seit Monaten wird

darüber diskutiert, ob Huawei vom

5G-Ausbau in Deutschland ausgeschlossen

werden soll. Merkel hatte

sich gegen eine Sonderregelung nur

für Huawei eingesetzt.

Die Kanzlerin verteidigte erneut

ihreEntscheidung von2015, Hunderttausende

Flüchtlinge nach Deutschland

zu lassen. „Der Fehler war nicht,

Menschen aufzunehmen, die vor unserenTüren

standen.“ DerFehler habe

darin bestanden, nicht„imVorhinein“

dafür zu sorgen, dass die Menschen in

ihrer Heimat bleiben können. (dpa)

Wenn die

Nacht zum Tag

wird

Viele Deutsche leiden

unter Schlafstörungen

VonRasmusBuchsteiner

Patienten mit Schlafstörungen

werden in Deutschland jährlich

hunderttausendfach in Krankenhäusernbehandelt.

Dasgeht aus der

Antwort des Bundesgesundheitsministeriums

auf eine Anfrage der FDP-

Bundestagsfraktion hervor, die der

Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland) vorliegt.

Demnach ergibt sich aus der

Krankenhausstatistik, dass 2017 in

114 663 Fällen Patienten mit der Diagnose

Schlafstörung stationär behandelt

worden sind, 82 125 Männer

und 32 538 Frauen. Im Jahr 2000

hatte es 131 910 Fälle gegeben. Einen

Höchststand mit 164 786 stationär

behandelten Fällen von Schlafstörungen

gab es den Angaben zufolge

im Jahr 2004.

„Seitdem gehen die Fallzahlen

wieder zurück“, so das Gesundheitsministerium

weiter.Was die direkten

Krankheitskosten für ärztlich diagnostizierte

Schlafstörungen angeht,

verweist das Ministerium auf

Zahlen des Statistischen Bundesamtes

für das Jahr 2015. Damals beliefen

sich die Kosten auf 922 Millionen

Euro. Aktuellere Daten liegen nicht

vor.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Schlafstörungen sind ein Massenphänomen

in der gesamten Bevölkerung,

resümiertdas Gesundheitsministerium

unter Verweis auf Befragungsdaten

des Robert-Koch-Instituts

für die Jahre 2008 bis 2011:

„Danach hatte etwa ein Drittel der

Schlafstörungen verursachen bei den Krankenkassen

hohe Kosten.

IMAGO IMAGES

erwachsenen Befragten während der

letzten vier Wochen potenziell klinisch

relevante Ein- oder Durchschlafstörungen,

etwa ein Fünftel

berichtete zusätzlich über eine

schlechte Schlafqualität.“

Unfälle im Haushalt

Das Gesundheitsministerium erklärt,

gesunder Schlaf habe in jedem

Lebensalter hohe Bedeutung für den

Erhalt von körperlicher und psychischer

Gesundheit sowie kognitiver

Leistungsfähigkeit. Bei chronischen

Beeinträchtigungen der Schlafqualität

seien ursächliche Zusammenhänge

unter anderem zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen,

Unfällen und erhöhter

Sterblichkeit beschrieben.

DieBundesregierung hat in den vergangenen

zehn Jahren insgesamt

1,67 Millionen Euro für Forschung

zur Versorgung bei Schlafproblemen

zur Verfügung gestellt.

FDP-Gesundheitsexperte Andrew

Ullmann wirft der Bundesregierung

weitgehende Tatenlosigkeit

vor. „Aufgrund von Schlafmangel

entstehen Fehleinschätzungen, das

ist wissenschaftlich erwiesen“, sagte

der Bundestagsabgeordnete. „Es

werden falsche oder schlechte Entscheidungen

getroffen, Unfälle im

Haushalt und Straßenverkehr sind

ebenfalls auf Schlafmangel zurückzuführen.“

Dies sei ein gesamtgesellschaftliches

Problem. DieBundesregierung

habe jedoch „keine Ahnung,

keine aktuellen Zahlen und kein Interesse

daran, das Thema anzupacken“.


Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020 5

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Made in Berlin

BERLINER BEKANNTE

Ohne Furcht

nach

Ost-Berlin

VonTheresa Dräbing

Vom Kudamm über den Checkpoint

Charlie nach Ost-Berlin –

eine solche Tour war zu DDR-Zeiten

mit einigem Aufwand verbunden.

Dennoch bot schon ab 1956 ein

West-Berliner Reisebusunternehmen

drei- bis vierstündige Sightseeing-Touren

durch beide Teile der

Stadt an, später auch bis nach Potsdam.

Das war eine Besonderheit,

denn dafür brauchte es eine Genehmigung.

Severin &Kühn hieß eben

jenes Unternehmen, das als erstes

die Erlaubnis bekam zur „Durchführung

von ständigen Stadtrundfahrten

durch die Hauptstadt der Deutschen

Demokratischen Republik

(demokratisches Berlin)“ wie es im

damaligen offiziellen Sprachgebrauch

hieß. Das Unternehmen gibt

es noch heute, mittlerweile firmiert

es zwar unter dem Namen BEX-

Sightseeing und gehört zum Konzern

der Deutschen Bahn, das Büro

aber befindet sich noch wie damals

am Kurfürstendamm 216.

„Die Touren in die DDR mit unseren

Bussen waren auch deshalb so

beliebt, weil sich viele Touristen

sonst wohl gar nicht getraut hätten,

auf eigene Faust die Grenzen zu passieren“,

sagt Peter Schadow, heutiger

Geschäftsleiter des Bereiches Sightseeing

bei BEX. DerBlick aus den Panoramafenstern

der Busse gab Sicherheit,

das Formelle an den Grenzen

wurde von den Organisatoren

abgewickelt. So mussten Ausländer

und Westdeutsche ein Visum erteilt

bekommen, West-Berliner hatten

den Berechtigungsschein zum Empfang

eines Visums außerdem bereits

vier Wochen vor Beginn der Stadtrundfahrt

zubeantragen. Wegen der

unterschiedlichen Anforderungen

fanden die Touren für West-Berliner

außerdem stets in getrennten Bussen

statt.

Warendie Passagierdaten korrekt

durchgegeben und kein Pass abgelaufen,

lief es an der Grenze inder

Regel reibungslos. Dahinter übernahmen

Ost-Berliner Reiseleiter die

Führung entlang dem Gendarmenmarkt,

Alexanderplatz oder dem Sowjetischen

Ehrenmahl in Treptow –

ein Halt hier war Pflicht.

Besucherzustrom aus aller Welt

Auch nach dem Mauerfall riss das Interesse

nicht ab.„Im Gegenteil“, sagt

Schadow, „Ende der 80er-, Anfang

der 90er-Jahre führte der plötzliche

Besucherzustrom aus aller Welt zu

einer regelrechten Explosion der

Fahrgastzahlen. Alle wollten sehen,

wie Berlin mit offenen Grenzen aussieht.“

Dasist nunmehr 30 Jahreher.Das

Geschäft mit Stadtrundfahrten hat

sich geändert. „Die Fahrgastzahlen

sind weiterhin hoch, aber heute sind

weniger geführte Touren gefragt als

Hop-on-Hop-off-Touren“, sagt

Schadow. Solche,wojeder Tourist in

die Busse zusteigt, wann und wo er

möchte und Informationen über

Kopfhörer in der jeweiligen Landessprache

gegeben werden. Und von

der einst geteilten Stadt wissen

längst nicht mehr alle Berlin-Besucher,sagt

der Tourismus-Experte.

Panoramabus von Severin &Kühn in den

1970er-Jahren.

BEX

Höhere

Gehälter gibt es

anderswo

Berliner verdienen im Vergleich

mittelmäßig. Ist das gerechtfertigt? Ein

Gespräch mit dem Gründer von Gehalt.de

Sag mir wo du wohnst, und ich sage dir, was du verdienst –

eine solche Voraussage ist zumindest in Teilen realistisch,

denn die Höhe des Gehalts hängt in Deutschland auch von

der Region ab.Berlin steht im Vergleich nicht am besten da.

Doch das hat nachvollziehbareGründe,sagt Gehalt.de-Grüner Philip

Bierbach im Interview.

Herr Bierbach, Berlin boomt. Die Stadt zieht vor allem junge Menschen

an, um hier zu leben, zu studieren –und eben auch zu arbeiten.

Andererseits liegt Berlin im Bundesländervergleich beim Gehalt eher

im Mittelfeld. Woranliegt das?

EinGrund ist sicherlich, dass Gehälter immer ganz starkvon der

Wirtschaftsstruktur abhängig sind, also welche Industrien oder welche

Branchen sonst noch in der Region vertreten sind. Undanders

als beispielsweise in Baden-Württemberg und Bayern, wodie ganzen

großen Automobilzulieferer und Autohersteller sitzen, gibt es

diese großen Arbeitgeber hier nicht. Berlin ist geprägt von der

Dienstleistungsbranche.Und das sind in der Regel nicht die Arbeitgeber,die

das höchste Gehalt zahlen.

Aber auch in identischen Branchen liegt Berlin beim Gehalt im Vergleich

im Mittelfeld. Berlin sucht beispielsweise händeringend gut

qualifizierte IT-Fachkräfte. Trotzdem bezahlen Unternehmen in anderen

Bundesländern ihreBeschäftigten besser.

IT-Fachkräfte werden überall sehr starkgesucht. Dasist nicht nur

spezifisch in Berlin der Fall. Diewerden dann auch überall wirklich

sehr gut bezahlt. Aber eben nicht überproportional gut in Berlin.

Das hat auch etwas mit den Lebenshaltungskosten zu tun. Relativ

gesehen sind die Lebenshaltungskosten in Berlin immer noch sehr

günstig. Dementsprechend passen sich auch die Gehälter an. Hinzu

kommt, dass Berlin wahnsinnig attraktiv als Stadt ist. Das heißt die

Fachkräfte kommen freiwillig hierher und Arbeitgeber müssen ihnen

nicht, wie das vielleicht in unattraktiveren Regionen der Fall

sein kann, eine Art Boni

zahlen, damit sie sich für einen

Umzug ZUR PERSON

entscheiden.

Philip Bierbach ist Geschäftsführer des

Portals Gehalt.de, einer Online-Gehaltsdatenbank,

die Arbeitnehmernwie auch

Unternehmen Vergütungsdaten zur Orientierung

zur Verfügung stellt. Bierbach

selbst ist promovierter Jurist und hat die

Plattform1999 mitgegründet.

Abgesehen vonder IT-, beziehungsweise

Digitalbranche,

was sind denn außerdem die

Jobs mit der besten ZukunftsperspektiveinBerlin?

Die Pharmaindustrie ist

in Berlin sehr gut aufgestellt

und zahlt mit die höchsten

Gehälter. Laut unserem Gehaltsatlas

2019 zählt sie zu

den Top-Branchen für Fachkräfte.Auch

als Fondsmanager

wirdman weiter gut verdienen

können. Aber wenn

wir einmal den Gehaltsaspekt

außer Acht lassen, sind

auch Berufe im Gesundheitswesen,

im Tourismussegment

oder einfache Servicejobs

wie Kellner interessant.

Dort besteht ein riesiger

Bedarf an Fachkräften

und es wird immer schwieriger

jemanden zu finden,

der das machen möchte.

Könnten Unternehmen dem nicht entgegenwirken, indem sie höhere

Gehälter zahlen?

Dadurch wird janicht die Anzahl der Fachkräfte größer. Zudem

muss die Einkommenshöhe natürlich auch in das Gehaltsgefüge

des Unternehmens passen. Ein Arbeitgeber kann seinen IT-Fachkräften

beispielsweise kein höheres Gehalt zahlen als der Geschäftsführung

–das ist natürlich ein überspitztes Beispiel. Außerdem:

Wenn die Gehälter explodieren, sind Unternehmen natürlich auch

eher gewillt Sparten ins Ausland zu verlagern, wo die Gehälter niedriger

sind –das kommt natürlich auf die Branche an und ob das

möglich ist. Eingroßes Thema ist sicherlich auch das Anwerben von

ausländischen Fachkräften.

Berlin ist auch Gründungsmetropole. Sind Start-ups gute Arbeitgeber?

Generell sind Start-ups sicherlich wahnsinnig spannende Arbeitgeber.Eshandelt

sich meistens um sehr innovative junge Unternehmen,

in denen Mitarbeiter überdurchschnittlich schnell in Verantwortungspositionen

kommen. Die Arbeitsbelastung ist dann aber

natürlich auch dementsprechend hoch. Grundsätzlich wird inder

Start-up-Szene zum Beispiel eher weniger Überstundenvergütung

ausgezahlt als in etablierten größeren Unternehmen. Auch insgesamt

sind die Gehälter in der Start-up-Szene nicht besonders hoch.

Da ist es unter Umständen so,dass die Start-ups eher mal Unternehmensbeteiligungen

herausgeben, um das geringere Gehalt auszugleichen.

Wenn das Geschäft sich dann irgendwann entwickelt hat,

können es genauso gut Arbeitgeber sein, die sehr gut bezahlen. Das

hat immer ein bisschen damit zu tun, in welcher Phase sich das Unternehmen

gerade befindet.

DasGespräch führte Theresa Dräbing.

Insgesamt

Nach Beschäftigungsart

Vollzeitbeschäftigte

Teilzeitbeschäftigte

Geringfügig Beschäftigte

Nach Geschlecht

Männer

Frauen

Softwareentwickler/-in Backend

Baden-Württemberg

Bayern

Hessen

Hamburg

Bremen

Nordrhein-Westfalen

Berlin

Rheinland-Pfalz

Schleswig-Holstein

Saarland

Niedersachsen

Brandenburg

Sachsen

Sachsen-Anhalt

Mecklenburg-Vorpommern

Thüringen

Elektriker/-in

Baden-Württemberg

Bayern

Saarland

Rheinland-Pfalz

Nordrhein-Westfalen

Hamburg

Hessen

Niedersachsen

Schleswig-Holstein

Bremen

Berlin

Brandenburg

Mecklenburg-Vorpommern

Sachsen-Anhalt

Thüringen

Sachsen

Hessen

Baden-Württemberg

Rheinland-Pfalz

Hamburg

Bayern

Nordrhein-Westfalen

Saarland

Sachsen-Anhalt

Schleswig-Holstein

Niedersachsen

Berlin

Bremen

Thüringen

Brandenburg

Sachsen

Mecklenburg-Vorpommern

Koch/Köchin

Baden-Württemberg

Hessen

Bayern

Nordrhein-Westfalen

Saarland

Hamburg

Bremen

Schleswig-Holstein

Rheinland-Pfalz

Niedersachsen

Berlin

Brandenburg

Sachsen

Thüringen

Sachsen-Anhalt

Mecklenburg-Vorpommern

Altenpfleger/-in

Baden-Württemberg

Bayern

Bremen

Hamburg

Hessen

Nordrhein-Westfalen

Niedersachsen

Saarland

Berlin

Schleswig-Holstein

Brandenburg

Rheinland-Pfalz

Sachsen

Mecklenburg-Vorpommern

Sachsen-Anhalt

Thüringen

Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen

im 3. Quartal 2019, Durchschnitt, in Euro

Berlin

338

319

Brandenburg

2304

2117

Eine Auswahl von Berufen im Bundesländervergleich

Bruttojahresgehälter einschließlich Sonderzahlungen, in Euro, Median*

31 481

30 863

30 838

30 378

30 075

30 040

29 859

29 472

28 658

27 602

26 718

26 596

25 045

24 976

24 811

24 442

Einzelhandelskaufmann/-frau

29 602

29 263

28 813

28 575

28 361

28 222

27 600

26 880

26 638

26 339

26 264

26 084

25 822

25 213

25 027

23 846

28 657

28 029

27 539

27 516

27 004

26 737

26 558

26 168

26 057

25 487

24 216

23 835

23 191

22 334

22 204

22 070

27 676

27 369

26 775

26 548

26 465

25 927

25 018

24 934

24 604

24 324

24 216

24 192

24 126

23 615

22 974

22 754

2847

3122

3005

2556

3428

3461

3831

4298

54 595

53 482

52 469

52 100

49 550

49 358

48 458

47 899

47 812

46 827

45 910

45 866

41 724

41 479

41 011

39 783

* Der Median beschreibt

die Mitte aller Daten:

50 Prozent liegen über

dem Wert, 50 Prozent

darunter.

BLZ/GALANTY; QUELLE:

STATISTIK-BERLIN-BRB,

GEHALT.DE

NEU IN DER STADT

Rolls-Royce

in

Schöneweide

VonJochen Knoblach

UmStrom ging es an der Wilhelminenhofstraße

in Schöneweide

irgendwie schon immer.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde

dort die AEG gegründet. Es war die

Zeit, in der Berlin die Elektrizität

entdeckte, Kraftwerke entstanden,

und die Elektroenergie immer neue

Bereiche eroberte. Und genau

darum geht es auch heute. Ineiner

Gründerzeitvilla auf dem ehemaligen

Werksgelände, von der aus seinerzeit

das größte Kabelwerk Europas

geführt wurde, treibt die Firma

Qinous die Energiewende voran. Sie

macht, dass Sonnenstrom auch

nachts und Windstrom auch bei

Flaute genutzt werden kann. „Wir

führen Elektropolis ins Zero-Emission-Zeitalter“,

sagt Qinous-Gründer

Busso vonBismarck.

Das heute 40-köpfige Unternehmen

entwickelt und projektiertnetzferneStromversorgungssysteme,sogenannte

Microgrids,dieWind- oder

Photovoltaikanlagen mit Stromspeichernkombinieren

und so Dieselgeneratoren

ersetzen oder deren Laufzeit

drastisch reduzieren können.

Dass das funktionierthat das Unternehmen

inzwischen vielerorts weltweit

unter Beweis gestellt. Qinous-

Anlagen versorgen beispielsweise

ein Krankenhaus auf Haiti, eine australische

Gemeinde oder ein Dorf in

Tansania. Seit der vergangenen Woche

ist Qinous eine Tochterfirma von

Rolls-Royce. Die Briten haben die

Mehrheit der Firma aus Schöneweide

übernommen.

Weniger Diesel und Gas

Rolls-Royce hatte schon Ende 2018

in das Berliner Unternehmen investiert,

seinerzeit etwa ein Fünftel von

Qinous übernommen. Jetzt gehören

den Briten knapp drei Viertel der

Firma, und sie haben viel vor in

Schöneweide. „Unsere neue Tochtergesellschaft

spielt künftig eine

zentrale Rolle“, sagt Andreas Schell,

Chef von Rolls-Royce Power Systems.

Der Unternehmenszweig mit

Hauptsitz in Friedrichshafen ist einer

der Weltmarktführer für Notund

Dauerstromaggregate auf Basis

von Diesel- und Gasmotoren. Um

diese Technologie mit Ökostromquellen

verbinden zu können, setzt

Rolls-Royce aufQinous.Die Kompetenzen

vonQinous als junges Unternehmen

mit Start-up-Charakter

würden sich ideal mit den industriellen

Fähigkeiten von Rolls-Royce ergänzen,

sagt Schell. Gemeinsam

könnte man schnell und mit hoher

Qualität auf die Anforderungen des

Marktes reagieren.

Dafür soll aus den Produktprogrammen

von Qinous und Rolls-

Royce nun ein gemeinsamer Komponentenbaukasten

entwickelt werden.

Microgrid-Lösungen, die die

unterschiedlichen Energieerzeuger

mit Speichern kombinieren und so

eine stabile, kostengünstige und vor

allem klimaschonende Stromversorgung

ermöglichen. Laut Rolls-Royce

soll die Angebotsbreite von 30Kilobis

zu mehreren Megawattstunden

reichen. Es gehe um den Bedarf von

Gewerbebetrieben ebenso wie von

größeren Industrieanlagen.

DieGründungsgesellschafter von

Qinous sind weiterhin am Unternehmen

beteiligt und behalten ihre

bisherigen Funktionen. Über den

Kaufpreis und die anderen ausgeschiedenen

Gesellschafter wurde

Vertraulichkeit vereinbart.

QINOUS


6 Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020

·························································································································································································································································································

Wirtschaft

MÄRKTE

NACHRICHTEN

DAX-30 in Punkten

24.10.19

24.10.19

▼ 13417,88 (–0,72 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

24.10.19

Stand der Daten: 23.01.2020 (16:45 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

23.1.20

▼ 61,43 (–1,96 %)

23.1.20

▲ 1,1091 (+0,03 %)

Quelle

aus DAX und MDAX vom 23.01. zum Vortag

Wirecard 133,45 +3,33 WWWWW

Gerresheimer 70,35 +2,63 WWWW

Knorr-Bremse 99,04 +2,18 WWWW

Infineon NA 21,63 +1,29 WWW

Uniper NA 29,28 +1,10 WW

MorphoSys 120,10 +1,01 WW

Verlierer

23.1.20

ausDAX und MDAXvom 23.01. zumVortag

Hochtief 109,20 WWWWWWWWWWW –7,54

Nemetschek 64,95 WWWWWWWW –5,04

CompuGroup Med. 61,40 WWWWWWW –4,21

Zalando 45,56 WWWWW –2,96

thyssenkrupp 11,17 WWWWW –2,70

Hella 44,70 WWWWW –2,70

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 23.01. ±% z. 22.01.

Euro Stoxx 50(EU) –0,68

3814/3125 3744,17

CAC 40 (FR) – 0,53

6110/4879 5979,41

S&P UK (UK) – 0,71

1562/1363 1516,37

RTS (RU) – 1,04

1652/1152 1596,05

IBEX (ES) –0,46

9710/8409 9529,60

Dow Jones (US) –0,37

29374/24324 29077,59

Bovespa (BR) +0,19

118861/89409118002,40

Nikkei (JP) – 0,98

24116/20111 23795,44

Hang Seng (HK) –1,67

30280/24900 27851,39

Stx Singap. 20 (SG) –0,67

1674/1488 1644,95

Edel- und NE-Metalle

Barren &Münzen in € Ankauf Verkauf

(Endkundenpreise) 23.01. 23.01.

Gold (10 g) 446,0 477,5

Gold (1 oz) 1392,5 1459,0

Gold (100 g) 4464,0 4664,5

Gold (250 g) 11161,0 11629,0

Silber (1 kg) 505,0 670,7

Platin (100 g) 2834,0 3652,7

Austr.Nugget (1 oz) 1390,8 1470,0

Britannia (1 oz) 1390,0 1476,0

Krügerrand (1/4 oz) 347,5 395,0

Krügerrand (1/2 oz) 695,0 764,7

Krügerrand (1 oz) 1391,0 1490,0

Maple Leaf (1/4 oz) 347,5 391,8

Maple Leaf (1/2 oz) 695,0 766,6

Maple Leaf (1 oz) 1390,5 1478,0

Philharmoniker (1 oz) 1390,5 1481,0

Quelle Edelmetalle: Degussa Goldhandel GmbH.

Die An- und Verkaufspreise gelten für sehr gut erhaltene Stücke.

NE-Metalle in €/100 kg 31.12. 31.12.

Blei in Kabeln 199,50 199,50

Kupfer (DEL-Notiz) 554,37 559,34

Messing MS 63/37 545,00 551,00

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Edel- &NE-Metalle (Freitag),

Baudarlehen (Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

VomNischenanbieterzum Massenhersteller? Tesla-Chef ElonMusk setzt in China auf das E-Auto Model 3–und schreibt weiterroteZahlen.

Von Rasmus Buchsteiner

und Tobias Peter

Die Grundrentenpläne von

Arbeitsminister Hubertus Heil

(SPD) geraten von mehreren Seiten

unter Beschuss: aus dem Bundeskabinett,

von der Rentenversicherung

und aus der Opposition. Dabei werden

neben Fragen nach der Finanzierung

und Änderungswünschen auch

verstärkt Zweifel laut, ob Heils Pläne

überhaupt verfassungsgemäß sind.

Klar ist: Heil muss bei dem Gesetzentwurfnach

Auffassung der unionsgeführten

Bundesministerien weitreichend

nacharbeiten. Dasgeht aus

Stellungnahmen unter anderem des

Gesundheits-, Landwirtschafts- und

Innenministeriums hervor, die dem

RedaktionsNetzwerk Deutschland

Die große Wette

Tesla erreicht einen Börsenwert von mehr als 100 MilliardenDollar –aberwarum?

Von Frank-Thomas Wenzel

Das hat die Branche noch

nicht gesehen. Innerhalb

vonnur drei Monaten hat

der US-Autobauer Tesla

seinen Aktienkurs mehr als verdoppelt.

Das Unternehmen ist an der

Börse mittlerweile mehr als 100 Milliarden

Dollar wert. Es hat damit

nicht nur die US-Konkurrenten Ford

und General Motors, sondern nun

auch Volkswagen beim Marktwert

hinter sich gelassen. Viele Investoren

und Analysten trauen der von Elon

Musk gegründeten Firma noch viel

mehr zu –obwohl sie noch nie in

einem Geschäftsjahr Gewinne eingefahren

hat.

DerHöhenrausch der Aktie setzte

im Oktober ein, als das Tesla-Management

völlig überraschend für

das dritte Quartal einen Profit von

143 Millionen Dollar meldete. Branchenkenner

rieben sich verdutzt die

Augen, weil der Elektroautobauer

gleichzeitig riesige Summen investierte,und

zwar in ein neues Werk inklusive

Batteriefertigung in Shanghai.

Mittlerweile haben die ersten

Fahrzeuge die Fabrikhallen verlassen.

Zugleich wurde klar,dass es den

Managern gelungen war, die Effizienz

in der Produktion zu steigern.

Dasalles könnte in naher Zukunft

insbesondere inChina, dem wichtigsten

Land für E-Autos,den Absatz

enorm indie Höhe treiben. Zumal

2020 oder 2021 das Model Y, einkompakter

Stadtgeländewagen, auf den

Rückschlag: Die alles entscheidende

Fragebleibt, ob

sich der Umbau der Automobilindustrie

tatsächlich nach

dem Schema der Technologiebranche

vollziehen wird.

Zweifel sind angebracht. So

gabesinder jüngeren Vergangenheit

einigeenttäuschende

Meldungen zum

autonomen Fahren. Zahlreiche

hochgelobte Projekte

wurden eingestellt.

ERNÜCHTERUNG BEIM AUTONOMEN FAHREN

Marktkommen soll. Darüber hinaus

will Musk im Frühjahr eine neue Batteriegeneration

vorstellen, die angeblich

Reichweiten möglich macht,

die kein anderer Autobauer schaffen

kann. 2021 soll überdies das Geschäft

in Europa mit der neuen Fabrik in

Brandenburgausgebaut werden.

Kürzlich teilte das Unternehmen

mit, dass schon 2019 fast

370000 Fahrzeuge ausgeliefert wurden,

das entspricht einer Steigerung

zum Vorjahr um gut 50 Prozent. Das

wird von Experten als ein Signal gedeutet,

dass Musk und seine Leute

gerade dabei sind, Tesla nach vielen

Rückschlägen doch noch voneinem

Nischenanbieter auf das Niveau

Verfassungsrechtlich wackelig

Warum die Grundrente am Ende in Karlsruhe scheitern könnte

Innovation: Tesla-Aktionär

Frank Thelen erwartet, dass

Tesla nächstes Jahr sogar

einen App-Store einrichtet,

mit dem Nutzer online mehr

Leistung oder eine größere

Beschleunigung kaufen können.

Auch Autowissenschaftler

Stefan Bratzel attestiert

Tesla eine hohe innovative

Stärke, da der Batterieantrieb

mit einer digitalen Vernetzung

verknüpft werde.

Daten: Mitden Daten, die

Tesla-Autos permanent liefern,

werden Programme

trainiert, die eines Tages

autonomes oder autonomeres

Fahren möglich machen

sollen. Dabei sollten in diesem

Jahr eigentlich die ersten

vollautomatischen Autos

auf die Straßen kommen.

Branchenkenner erwarten

aber,dass es damit vor

2030 nichts mehr wird.

eines Massenherstellers zu hieven.

Dies ist ein maßgeblicher Grund dafür,

dass Analysten reihenweise das

Kursziel für den Elektroautobauer

nach oben gesetzt haben –wobei die

meisten mit ihren Erwartungen noch

immer unter dem aktuellen Kurs liegen.

Am Donnerstag kostete eine Aktie

um die 570 Dollar.

Ist das alles nur eine maßlose

Übertreibung? Schließlich wird der

Autobauer Ende Januar abermals

unter dem Strich tiefrote Zahlen melden.

Im ersten Halbjahr gab es enorme

Fehlbeträge, die mehr als eine

Milliarde Dollar ausmachten. Hinter

dem Optimismus der Anleger steckt

indes eine Wette: Dass der E-Auto-

(RND) vorliegen und dem Arbeitsministerium

übermittelt worden sind.

Der Katalog der Änderungswünsche

ist lang –und es geht dabei nicht

um Kleinigkeiten. So verlangen die

Beamten von Bundesgesundheitsminister

Jens Spahn und Agrarministerin

Julia Klöckner (beide CDU) Änderungen

etwa bei Heils Vorschlag

füreineGleitzone,diedenGrundrentenbezug

bereits ab 33 Beitragsjahren

ermöglichen soll. Diese solle auf

34 Jahrereduziertwerden, heißt es in

den Stellungnahmen: „Wir verweisen

auf die Formulierung des Koalitionsbeschlusses,

eine ‚kurze, wirksame‘

Gleitzone zu schaffen.“

DasGesundheitsministerium beklagt

Leerstellen im Gesetzentwurf–

etwa zur Berücksichtigung von Auslandseinkünften

sowie von Einkünften

aus Kapitalvermögen bei der Einkommensprüfung.

Das Ministerium

dringt auch auf Informationen darüber,

wie der geplante automatisierte

Datenaustausch von Rentenversicherung

und Finanzbehörden sichergestellt

werden soll.

Fragen wirft auch die Finanzierung

der Grundrente auf. Landwirtschafts-

und Gesundheitsministerium

zweifeln daran, dass diese wirklich

gesichert ist, und verlangen Details

von Heil. Das Arbeitsministerium

wird aufgefordert, die Auswirkungen

der Grundrente auf Beitragssatz-

und Rentenniveau bis zum Jahr

2030 zu beziffern.

Heil hat mit seinen Grundrentenplänen

spätestens ein Problem, seit

die Deutsche Rentenversicherung

Bund vorwenigen Tagen in ihrer Stel-

FOTO: DING TING/XINHUA/DPA

Hersteller das Geschäft mit dem

Kraftfahrzeug komplett umkrempelt,

und dass die Konkurrenten –so

groß sie auch sein mögen –danicht

mehr mitkommen werden.

Zu den glühenden Musk-Fans

zählt der deutsche Start-up-Investor

und Tesla-Aktionär Frank Thelen. Er

teilt mit einer Reihe vonUS-Experten

die These, dass der entscheidende

Know-how-Vorsprung nichts mit

Achsschenkeln und Kühlerhauben

und auch nichts mit Elektromotoren

zu tun hat, sondern mit Software,

und zwar auf verschiedenen Ebenen.

Thelen bemüht in einem Gastbeitrag

für das „Handelsblatt“ das in der

Technikszene beliebte Szenario des

„iPhone-Moments“. Als 2007 das erste

Smartphone vonApplepräsentiert

wurde, hatte es gegenüber der Konkurrenz

einen derart großen Vorsprung,

dass es Jahredauerte,bis die

Rivalen nachziehen konnten.

Die Tesla-Aktionäre wetten darauf,

dass sich in der Autobranche

dieser Mechanismus wiederholt.

Daten sind dabei der wichtigste Rohstoff.

Die sammelt Tesla mit jedem

gefahrenen Kilometer jedes seiner

Elektroautos.

So hat Volkswagen-Chef Herbert

Diess erst kürzlich seinen Führungskräften

Teslas Potenziale vor Augen

geführt und gewarnt, dass dem

Wolfsburger Konzern das gleiche

Schicksal wie dem Handyhersteller

Nokia drohen könnte.Für die Finnen

brachte der „iPhone-Moment“ den

Untergang des Unternehmens.

lungnahme zum Gesetzentwurf offen

gegen die Pläne des Ministers rebelliert

hat. Die Fachleute baten darum

zuprüfen, ob die Ungleichbehandlung

vonverheiratetenund unverheirateten

Paaren verfassungsgemäßist.

In denPlänen dergroßen Koalition

ist eine Einkommensprüfung

vorgesehen: Werneben der Rente ein

hohes Einkommen hat, soll nicht von

der Förderung profitieren. Einbezogen

werden soll auch das Einkommen

des Ehepartners. Bei unverheirateten

Paaren soll aber kein Partnereinkommen

einbezogen werden.

Der Klärungsbedarf ist also groß.

Stephan Stracke, stellvertretender

Vorsitzender der CSU-Landesgruppe,sagtedemRND:„Indervorliegenden

Fassung ist der Gesetzentwurf

vonHerrnHeil nicht kabinettsreif.“

Ausbau der Ökoenergie

kommt kaum voran

Beim Ausbau erneuerbarer Energien

kommt die Europäische Union nur

langsam voran. DerAnteil vonWind,

Sonne,Biomasse und Co.amEnergieverbrauch

lag 2018 bei 18 Prozent,

0,5 Prozentpunkte über dem

Wert des Vorjahres,sodie Statistikbehörde

Eurostat. Deutschland lag

bei 16,5 Prozent. Gemeint ist der Anteil

am gesamten Bruttoendenergieverbrauch,

also nicht nur Strom. Die

EU hat sich zum Ziel gesetzt, den

Wert bis2020 auf mindestens 20

Prozent zu bringen und bis 2030

dann sogar auf 32 Prozent. Nach

einer internen Aufteilung müssen

die EU-Staaten unterschiedliche

Werteerreichen, Deutschland zum

Beispiel 18 Prozent bis 2020. (dpa)

Mehr Nutzfahrzeuge

in Europa

Dereuropäische Nutzfahrzeugmarkt

ist 2019 nach Branchenangaben das

siebte Jahr in Folge gewachsen. Mit

gut 2,5 Millionen Fahrzeugen seien

2,5 Prozent mehr neu zugelassen

worden als im Vorjahr,teilteder

Branchenverband Acea in Brüssel

mit. Im Dezember hatten die Verkäufe

nach drei Monaten Rückgang wieder

um 5,7 Prozent auf gut 210000

Stück zugelegt. 2019 verzeichnete jeder

der großen Absatzmärkte in

Europa eine Ausweitung. Dabei eroberte

Deutschland mit einem Plus

von6,1 Prozent die Spitzenposition.

In Frankreich stiegen die Verkäufe

um 4,3 Prozent. Großbritannien verzeichnete

trotz der Brexit-Krise ein

Plus von3,0 Prozent. (dpa)

Leitzins bleibt

bei null Prozent

Christine Lagarde, Präsidentin derEZB.

FOTO: BORIS ROESSLER/DPA

Europas Währungshüterhalten die

Zinsen im Euro-Raum aufRekordtief.

DerLeitzins bleibt bei nullProzent,

Bankenmüssenfür geparkte Gelder

weiterhin 0,5Prozent Zinsen an die

EuropäischeZentralbank (EZB)zahlen.

Seit Jahren versucht die EZB,mit einer

Flut billigen Geldes die Konjunktur im

Euro-Raum anzukurbeln und die InflationinRichtungder

Zielmarke der Notenbank

zu treiben. Hauptziel derWährungshütersind

stabile Preise im Euro-

Raum. DieEZB strebt eineJahresteuerungsrate

vonknappunter 2,0 Prozent

an. Unter der neuen Präsidentin ChristineLagardehat

eine Diskussion Fahrt

aufgenommen,obesnichtsinnvoller

wäre, einen Korridor als Ziel fürdie

Teuerungsrate festzulegen. (dpa)

Ärzte beklagen Engpässe

bei Arzneimitteln

Lieferengpässe für gängige Arzneimittel

müssen nachAuffassung europäischer

Ärzte und Medizinexperten auf

internationaler Ebene gelöstwerden.

Diestockende Versorgungmit lebenswichtigen

Medikamenten sei kein nationalesodereuropäisches,sondern

ein weltweites Problem, sagte Professor

Frank Ulrich Montgomeryvon der

Europäischen Ärztevereinigung.

Europa müsse dieFührung beider

Suche nach Lösungen übernehmen.

DieEngpässe bei der Medikamentenbeschaffung

hätten sich in den vergangenenzehn

Jahren verschärf–erst

in den USA und zunehmend auch in

Europa, sagte Professor Wolf-Dieter

Ludwig vonder Europäischen Arzneimittel-Agentur

(EMA). (dpa)


Gesundheitssaft LaVita: Experten und Kunden sind begeistert

„Dieses Produkt ist beeindruckend”

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Eishockey-Legende Gerd Truntschka entwickelte nach der Profisport-Karriere das außergewöhnliche Vitalstoffkonzentrat LaVita.

Seit nunmehr 20 Jahren ist der heute 61-jährige damit auf Erfolgskurs. Wassteckt hinter dem einzigartigen Naturprodukt,

das nicht nur tausende von Kunden, sondern auch Gesundheits*- und Ernährungsexperten und Wissenschaftler überzeugt?

Von Christian Rieder

Gesundheit, Konzentration und Leistung

durch die richtige Ernährung

zu beeinflussen und zu optimieren

–das faszinierte GerdTruntschka schon als

jungen Leistungssportler. Seine Vision: Ein

Produkt zuschaffen, das für Jung und Alt

gleichermaßen geeignet ist, dieEigenschaften

möglichst vieler natürlicher Lebensmittel

vereint und so alle wichtigen Vitamine

und Spurenelemente liefert, die bis in die

Zellen ankommen. „So werden bestmögliche

Bedingungen für unsere Gesundheit*

und Leistungsfähigkeit* geschaffen.“, erklärt

Truntschka.

Jahrelange Forschungsarbeit

Als er mit seinem 8. DeutschenMeistertitelseine

Profikarriere beendete, begann er, seine Vision

einer perfekten Vitalstoffergänzung umzusetzen.

Dazu forschte und experimentierte er mehrere

Jahre lang mit einem Expertenteam aus Ernährungswissenschaftlern,

Lebensmitteltechnologen

und Biologen,bis 1999 das Ziel erreicht war.

VomGeheimtipp zum Erfolgsprodukt

Damals noch als Geheimtipp gehandelt, wuchs

die Fangemeinde desNaturproduktsdurch Empfehlungen

in Freundes- und Fachkreisen rasant.

Heute ist LaVita auch unter Experten ein anerkanntes

und bewährtes Produkt.

Nach dem Vorbild der Natur: Über 70

wertvolle Zutaten in einem Konzentrat

Der Schlüssel ist für Gerd Truntschka die natürliche

Herkunft der Zutaten: „Unser Produkt

wächst und entsteht in einer intakten Natur.“

LaVita ist ein flüssiges Saftkonzentrat, hergestellt

aus über 70 hochwertigen und sorgsam ausgewählten

Lebensmitteln –und das alles ganz

natürlich ohne Zusatzstoffe wie Süßstoffe oder

Konservierungsmittel. Die Basis bilden Obst,

Gemüse und Kräuter. Dazu kommen wertvolle

Zutaten wie pflanzliche Öle, Aloe Vera, milchsauer

vergorene Gemüsesäfte und Grüner Tee.

Alle wichtigen Vitamine und Spurenelemente–rundum

versorgt für einen Euro

Durch die einzigartige Rezeptur und schonende

Verarbeitung gelang es, ein Produkt zu entwickeln,

das nicht nur alle wichtigen Vitamine

und Spurenelemente enthält, sondern auch tausende

sekundäre Pflanzenstoffe, Enzyme sowie

Carnitin und Coenzym Q10. „LaVita liefertalle

wichtigen Vitamine und Spurenelemente in ihrem

natürlichen Umfeld. Wenn Sie einen Apfel

essen, nehmen Siejaauch nicht nur ein Vitamin

zu sich.“, so Truntschka über seine Philosophie.

Die empfohlene Trinkmenge liegt im Normalfall

bei 10 ml am Tag(ein Esslöffel), was einem

Tagespreis von einem Euro entspricht.

Die Körperzellen bestimmen unser Leben

Mit dem ganzheitlichen Konzept und allen

wichtigen Vitaminen im natürlichen Umfeld

setzt LaVita bei unseren Zellen an –dort, wo

sekündlich Tausende Stoffwechselprozesse ablaufen.

Davonabhängig sind unserewichtigsten

Körperfunktionen wie Immunsystem 1 ,Konzentrations

3 - und Leistungssfähigkeit 4 , Vitalität 4 ,

Hormonhaushalt 5 und ein stabiles Nervensystem

6 .Nicht zuletzt hängen auch die Herzfunktion

7 ,Knochen 8 ,Muskeln 9 ,Gelenke 10 ,Augen 11

Er schrieb Eishockeygeschichte und entwickelte

LaVita: Gerd Truntschka (61). Schon

als junger Spieler hat der 8-fache Deutsche

Meister und langjährige Kapitän der Nationalmannschaft

erkannt, dass die Ernährung

ein Schlüssel zur Gesundheit ist.Seine innovativen

Ernährungskonzeptewaren auch Teil

der Erfolgsstrategie seiner Mannschaften.

Seit 20 Jahren leitet er das Familienunternehmen

LaVita in Niederbayern gemeinsam

mit Frau Silke.

Fotos: LaVita

und die Schilddrüse 12 mit der Versorgung unserer

Zellen zusammen.

Medizin-Nobelpreis bestätigt

die Bedeutung der Zelle

Die menschliche Zelle als zentrale Stelle für

unser Befinden und unsere Gesundheit rückt

immer mehr in den Mittelpunkt der Medizin:

Der Nobelpreis 2019 ging anein internationales

Forscherteam, das wesentliche Teile des Zellstoffwechsels

entschlüsseln konnte. Auch in2014,

2016 und 2018 ging dieser weltweit wichtigste

Medizinpreis bereits an Wissenschaftler aus der

Zellforschung.

Roger Eisen, Buchautor,

Präventions- und Anti-

Aging-Experte

Herr Eisen, was macht

LaVita so besonders?

FürLaVita wurden über

70 Lebensmittel harmonisch

vereint. Das

natürliche Saftkonzentrat liefert neben den

wichtigen Vitaminen und Spurenelementen

auch sekundäre Pflanzenstoffe, Enzyme und

die Vitaminoide Coenzym Q10 und Carnitin.

Die Rezeptur vereint Erkenntnisse aus

Ernährungswissenschaft, Kräuterkunde und

Vitalstofflehre(siehe rechts).

Kann der Körper die Inhaltsstoffe gut verwerten?

Ja, eine große Studie** hat belegt, dass die

Vitamine und Spurenelemente vom Körper

hervorragend aufgenommen werden. Die Ergebnisse

beweisen eindrucksvoll, dass das Produktkonzept

perfekt funktioniert.

EXPERTEN EMPFEHLENLAVITA

** Prof. Dr.W.Mosgöller et al.: Neuroendocrinology Letters,Vol. 36 No.4,2015

LaVita optimiert die Ernährung –

für einen gesundenOrganismus*

„Wir alle wissen, wie eine gesunde Ernährung

in der Theorie auszusehen hat. Doch der Alltag

sieht anders aus: Schnelle Imbisse und industrielle

Fertiggerichte dominieren oft den

Speiseplan –„leere Kalorien“, die praktisch nur

Energie und Fette, aber kaum Vitamine und

Spurenelemente liefern.“, so Truntschka. Beim

Verzehr vonObstund Gemüse liegen die Deutschen

in der Tatunter der Empfehlung der Ernährungsgesellschaften

von fünf Portionen am

Tag. Die Oxford-Universität empfiehlt sogar

acht Portionen als gesunde Herzernährung.

Die Internationale Gesellschaft für angewandte

Präventionsmedizin e.V. über

LaVita:

„Nach einer umfassenden Produktanalyse

kann die i-gap das Präparat LaVita aufgrund

seiner komplexen und natürlichen Zusammensetzung

uneingeschränkt zur Mikronährstoff-Basisversorgungempfehlen.“

empfehlen.“

ANWENDUNG

1-2-mal täglich 1Esslöffel LaVita

(10 ml) in ein Glas Wasser einrühren,

fertig. Eine 500-ml-

Flasche LaVita enthält 50 Portionen.

LaVita ist aufgrund

der Frische exklusiv beimHersteller

erhältlich. Der Versand

ist kostenfrei.

Beratung: 0871 /972 170

(montags bis freitags 8-19 Uhr

und samstags von 9-14 Uhr)

Online-Shop:www.lavita.de

Erhöhter Bedarf durch die Einnahme

von Medikamenten

Dazu kommt in vielen Fällen ein erhöhter Bedarf

an Vitalstoffen. „Vor allem Senioren, Frauen in den

Wechseljahren, Stressgeplagte, Schwangere und

Stillende, aktive Sportler und auch Kinder und

Jugendliche im Wachstum brauchen häufig mehr

Vitalstoffe“, so der Präventions-Experte Roger

Eisen. „Ebenso Menschen, die Medikamente einnehmen.Hierkann

ich LaVita nur empfehlen.“

Über 10.000 begeisterte Kundenzuschriften

Tausende Fachleute haben den Wert von

LaVita als natürliche Vitalstoffergänzung erkannt.

Doch noch mehr freut sich Truntschka über das

Feedback der zufriedenenKunden: „Inden letzten

Jahren haben uns über 10.000 begeisterte Erfahrungsberichteund

über 30.000 Produktbewertungen

erreicht. Für mich ist es ein tolles Gefühl, einen

Beitrag für Gesundheit*, Wohlbefinden* und

Leistungsfähigkeit*vieler Menschen zu leisten.“

Vielfache Wirkungen*

Fürdie Fachwelt sind diese vielfältigen Zuschriften

nicht überraschend. Die umfassende Versorgung

der Zellen mit allen wichtigen Vitaminen

und Spurenelementen in einer wissenschaftlichen

Dosierung erklärtdas breite Wirkungsspektrum

von LaVita auf die verschiedenen Funktionen

unseres Körpers*.

Gerd Truntschkas Konzept

scheint aufgegangen zu sein.

Sein ganzheitlicher Ansatz –

alle Vitamine und Co. aus

der Natur in einem Produkt

–kommt bei den

Menschen an.

Alles auf einem

Esslöffel: LaVita

liefert alle wichtigen

Vitamine und

Spurenelemente.

GESUNDHEITSTIPP

*DIE WIRKUNGEN DER VITAL-

STOFFE IN LAVITA

Beiden im Text beschriebenen Vitalstoffen

handelt essich um folgende

Vitamine und Spurenelemente mit

diesen wissenschaftlich anerkannten

Wirkungenaufgrund der Dosierung:

1 Immunsystem: Eisen, Vit. B12,

Vit. C, Vit. Dund Zink tragen zu

einer normalen Funktion des Immunsystems

bei.

2 Weniger Müdigkeit: Eisen, Magnesium

und Vit. B12 tragen zur

Verringerung von Müdigkeit und

Ermüdungbei.

3 Konzentrationsfähigkeit: Pantothensäure

unterstützt eine normale

geistige Leistung.

4 Leistungsfähigkeit/Energiestoffwechsel:

Mangan, Niacin, Vit. B2

und Pantothensäure tragen zu einem

normalen Energiestoffwechsel bei.

5 Hormone: Vit. B6 spielt eine

Rolle bei der Regulierung der Hormontätigkeit.

6 Psyche und Nerven: Niacin, Vit.

B1, B6 und B12 sind an einer normalen

psychischen Funktion und einer

normalen Funktion des Nervensystemsbeteiligt.

7 Herz-Kreislauf: Vit. B1 trägt zu

einer normalen Herzfunktion bei.

8 Knochen: Vit. K, Vit. Dund

Mangan sind an der Erhaltung normalerKnochen

beteiligt.

9 Muskeln: Magnesium trägt zu

einer normalen Muskelfunktion bei.

10 Gelenke: Vit. C trägt zu einer

normalen Kollagenbildung für eine

normale Knorpelfunktion bei.

11 Augen: Zink ist an der Erhaltung

der normalenSehkraft beteiligt.

12 Schilddrüse: Selen trägt zueiner

normalenSchilddrüsenfunktion bei.

13 Blutzuckerspiegel: Chrom trägt

zur Aufrechterhaltung eines normalen

Blutzuckerspiegels bei.

14 Zellschutz: Vit. B2, Selen, Vit. C,

Vit. Eund Manganhelfen, die Zellen

voroxidativem Stress zu schützen.

15 Säure-Basen-Haushalt: Zink

trägt zu einem normalen Säure-

Basen-Stoffwechsel bei.

16 Haut: Biotin, Niacin und Vit. B2

tragenzur Erhaltung normaler Haut

bei.

17 Haare: Biotin undZink unterstützendie

ErhaltungnormalerHaare.

18 Nägel: Zink und Selen tragen zur

Erhaltung normaler Nägelbei.

WeitereWirkungen auf

www.lavita.de

STUDIE BESTÄTIGT:

LAVITAKOMMT IN DEN

ZELLEN AN

Manege frei für kleine Köche –

Superhelden essen clever!

Nach der Erfolgsgeschichtevon„Die Vitalen Acht“präsentiertLaVita ein Kinderkochbuch

mit Rezepten von Fußball-Weltmeister-Koch Holger Stromberg.

„Das gemeinsame Zubereiten der Mahlzeiten ist ein Schlüssel zu einer gesünderen

Ernährung“ so Herausgeber und LaVita-Gründer Gerd Truntschka über die Idee

hinter dem Buch. „Unsere Obst- und Gemüsebande um Kira Karotte, Basti Pastinake

und Branko Brokkoli begeistert Eltern und Kinder fürs gemeinsame Kochen.

Eltern erfahren im Ratgeber-Teil mit Beiträgen von Experten wie Jesper Juul, wie

sich eine gesunde Ernährung im Alltag noch besser umsetzenlässt.“

Das Thema gesunde Kinderernährung liegt der FamilieTruntschka besonders

am Herzen:Der komplette Verkaufspreis(18 Euro)der LaVita-Sonderausgabe

„Manege frei für kleine Köche“ geht als Spende an BILDhilft e.V. „Ein Herz für

Kinder“.

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Das Rezept für ein gesundes,

nachhaltiges Leben

Dieser neue Ratgeber zeigt, wie man durch eine gesunde Ernährung

viel für sich –und den Planeten –tun kann. Mit

im Buch: Ein Interview mit Ernährungspionier und LaVita-

Entwickler GerdTruntschka.

Wie einfach gut und gesund essen geht, wie viel Energie innatürlichen

Lebensmitteln steckt und was man schon durch kleinste Veränderungen

für sich und den Planeten Gutes bewirken kann, das ist

das Anliegen von Koch Holger Stromberg. Dabei hilft auch seine

„Essen ändert

alles“,erschienen

im Südwest Verlag.

Meal-Prep-Methode: Einmal in der Woche werden gesundeBasics vorbereitet unddas Essen

wirddannzubereitet, wannesgebrauchtwird. In wenigen Minuten wird Frisches dazu kombiniert

und man ist auch im stressigen Alltag bestens versorgt.

Qualität und Nutzen von LaVita

konnten immer wieder bestätigt

werden.

Auch eine international veröffentlichte

Studie brachte hervorragende Ergebnisse:LaVita

kommt in den Zellen

an –sodas Fazit der Wissenschaftler

der Universität Wien. Die Vitamine

und Spurenelemente in LaVita werden

vom Körper hervorragend aufgenommen

und für ihren Wirkort –

die Zellen –verfügbar gemacht. Die

Ergebnisse sind beeindruckend und

beweisen, dass die vielen Vitalstoffe

in LaVita wirklich dort ankommen,

wo sie gebraucht werden (Prof. Dr.

Mosgöller et al.: Neuroendocrinology

Letters,Vol. 36 No.4,2015).


8 Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020

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Meinung

Rekordstrafe für Hertha

ZITAT

Unsportlich und

kriminell

Michael Jahn

meint, dass niemand bei Hertha

auf diesen Rekord stolz sein kann.

„Tja. Ich habe

eigentlich

keine mehr.“

Hertha BSC ist seit Donnerstag im Besitz

eines neuen Rekordes in der Ersten

Fußball-Bundesliga –allerdings handelt

es sich um eine Bestmarke,auf die der

Klub absolut nicht stolz sein kann. Im Gegenteil.

Das Sportgericht des Deutschen

Fußball-Bundes hat die Berliner für die

drastischen Vorkommnisse während des

hochemotionalen Stadtderbys beim Aufsteiger

1. FC Union am 2. November vorigen

Jahres im Stadion an der Alten Försterei

mit einer Rekordstrafe belegt. Wegen

„fortgesetzten unsportlichen Verhaltens“

der Hertha-Anhänger muss der Klub

190 000 Euro bezahlen. Etwa ein Drittel

der Summe –rund 63 000 Euro –kann

Hertha für gewaltpräventive und sicherheitstechnische

Maßnahmen verwenden.

Hertha löste im „Strafen-Ranking“ nun

Mainz 05 ab. Die Mainzer mussten nach

dem DFB-Pokalspiel im August 2019 beim

1. FC Kaiserslautern166 000 Euro zahlen,

weil ihre Fans auf dem Betzenberg Unmengen

an Leuchtfackeln gezündet hatten.

Ob vorallem Erleichterung bei Herthas

Klubchefs trotz der heftigen Strafe vorherrschte,

war nicht zu erfahren. Fakt ist:

Hertha hat dem Urteil zugestimmt. Diein

dieser Höhe im deutschen Fußball noch

nie dagewesene Geldstrafe scheint die

letzte Warnung gewesen zu sein. Denn

nach den schlimmen Ereignissen beim

Derbyhätte der DFB auch zu noch drastischeren

Mitteln greifen können, etwa einem

sogenannten Geisterspiel, also einem

Duell ohne Zuschauer. Möglicherweise

ist der Hauptstadtklub daran knapp

vorbeigeschrammt. Beim Derby hatten

Anhänger der Blau-Weißen Leuchtraketen

abgeschossen, die auf dem Spielfeld

landeten und eine auch im Union-Block,

wo ein Fan leichte Verbrennungen erlitt.

Eine Minderheit der

Hertha-Fans hat den

gesamten Verein

enorm geschädigt. Die

Strafe hätte drastischer

ausfallen können.

Dazu wurden bengalische Feuer gezündet

und weitereLeuchtraketen, die direkt

neben den Spielern einschlugen. Dem

umsichtigen Schiedsrichter Deniz Aytekin

war es damals zu verdanken, dass es

nicht zum Spielabbruch oder zu Randale

kam. Aber auch Union droht eine Strafe

von 158 000 Euro –vor allem wegen unsportlichen

Verhaltens seiner Anhänger

und einem nicht ausreichenden Ordnungsdienst.

Die Rekordstrafe nimmt auch die Vereinsführung

vonHertha in die Pflicht –genauso

wie die Fanszene, die bei Hertha

überwiegend friedlich ist. Rund 2400

Hertha-Fans waren in der Alten Försterei,

nur eine Minderheit flippte aus, was die

Sache nicht besser macht, weil sie den gesamten

Verein enormgeschädigt hat. Immer

wieder wird über die Legalisierung

der Pyrotechnik diskutiert, über eigene

Zonen im Stadion zum Abfackeln oder

über „kalte“ Pyros. Das führte bislang zu

keinen Ergebnissen, weil nicht alle Beteiligten

–Vereine,Verbände,Fans und auch

die Politik – wirklich ernsthaft zusammengekommen

sind.

DieEreignisse beim Derbyseien intern

ausgiebig aufgearbeitet worden, war von

Hertha zu erfahren. Geschäftsführung

und Fanvertreter sind im ständigen Austausch,

der Kontakt mal besser, mal

schlechter. Alle zusammen –Verein und

seine Anhängerschaft –müssen nun noch

enger zusammenwirken, um solche Vorkommnisse

wie an der Alten Försterei

künftig zu vermeiden. Eine Seite allein

kann das nicht, das ist utopisch.

Herthas Präsident Werner Gegenbauer

hatte auf der Mitgliederversammlung unmittelbar

nach dem Stadtderby gesagt:

„Das Verhalten einiger Fans ist durch

nichts zu rechtfertigen. Es ist schlicht und

einfach kriminell.“ Genau so ist es.

Die Grüne Woche kann wirklich

Spaß machen, trotz all dem Geschiebe

und Gedränge. Großartig

etwa ein sehr berlinisches Damentrio

–sie kamen wohl aus Tegel, laut

wurde das kommende neue Kaufhaus dort

besprochen –, das hin zu den tapferen Kellnern

aus Rüdesheim am Rhein wogte. Oder

der Poitou-Esel, dieser in sich ruhende Held

neben all den leicht panischen Pferden, blökenden

Schafen und gewaltigen Stieren.

Aber man sollte in den meisten der 27

Hallen besser nicht zu genau darüber nachdenken,

welches Bild von der Welt kulturell

gezeichnet wird. Ewig tanzt da der Ungar seinen

Csárdás,Schweden ist Bullerbü-Rot, die

Niederlande orange mit Grachtengiebelhäusern

und Tulpenfeld, Kanada im Moose-

Trapperlook. Usbekinnen laufen mit nachgemachtem

Goldschmuck um die Augen

herum und Marokkaner im langen Gewand.

Auch die deutschen Wurst-, Waldwiesenund

Fachwerk-Inszenierungen machen

keine Ausnahme: DieGrüneWoche ist neben

vielem anderen ein Horrorkabinett vonNationalitätenklischees.

Sie erzählt immer noch

die Story einer von Männern in Festtagstracht

geleiteten und von Frauen im weiten

Rock bedienten Glückliche-Kühe-mit-HörnerN-Kleinbauernwelt.

Da freut man sich

schon über Frauen in der bayerischen Blaskapelle

oder die cool-modern gestalteten,

nachhaltigst seit Jahren immer wieder verwendeten

Holzhäuser Norwegens.

Aber um etwas über Produktionsbedingungen

vonMehl, Nüssen, Baumwolle,Kaffee

und Kakao, über die ständig wachsende Nitratbelastung,

die Folgen der Rinderzucht für

das Weltklima, über Glyphosat und die brutale

Ausbeutung der Bauern durch Konsumenten

und Lebensmittelindustrie zu erfah-

Esgibt eine Sache,über die sich viele meiner

niederländischen Freunde bei mir

beschweren, wenn sie von einem Deutschland-Ausflug

zurückkommen: „Warum seid

ihr technologisch so altmodisch, sobald es

um Geld geht?“

Mein Bekannter Bart war kürzlich zum

Skifahren in den Bayerischen Alpen und

fordert eine Erklärung. Auf einem Großteil

der Technologie,die Holländer im Alltag benutzen,

stehen die Namen deutscher Marken:

Sie fahren einen Volkswagen, waschen

ihre Kleidung in einer Waschmaschine von

Miele und ihr Geschirr in einem Geschirrspüler

von Siemens. Für Bart und viele seiner

Landsleute ist es völlig unbegreiflich,

wie ein Land technologisch einerseits so

fortschrittlich und gleichzeitig so rückständig

sein kann. Und ehrlich gesagt, verstehe

ich ihn.

Hier in Amsterdam zahle ich alles mit

Karte: vomCroissant beim Bäcker,den Zigaretten

im Kiosk, dem Feierabendbier in einer

muffigen Eckkneipe bis hin zur Taxifahrt

nach Hause muss ich nie in meinem Portemonnaie

nach Münzen kramen. Mirfällt gerade

nur eine einzige Situation in den Niederlanden

ein, in denen ich Bargeld abheben

muss: bevor ich in den Zug nach

Deutschland steige. Dann fühle ich mich

immer wie im letzten Jahrtausend, als man

vor großen Reisen noch in eine Wechselstube

ging, um bei Ankunft schon die Währung

des Reiselandes parat zu haben. Das

Gefühl, dass meine niederländischen Mitrei-

Grüne Woche

Geschmack

der Zukunft

Nikolaus Bernau

fürchtet nach dem Besuch der Grünen Woche, dass die

Lebensmittelindustrie die jungen Leute verliert

ren, muss man in die Hallen gehen, die eher

am Rand liegen. Sieheißen „Lust aufs Land“,

„Du entscheidest“ oder „Wie schmeckt die

Zukunft“. Hier sind auch schlagartig jene Kinder

und jungen Erwachsenen in der deutlichen

Mehrheit, die das Durchschnittsalter

der Grüne-Woche-Besuchenden in den vergangenen

Jahren –man ist dortsehr stolz auf

diesen Prozess–auf etwa 40 Jahregesenkt haben.

Hier toben die etwa 20 000 Schüler, die

nach Angaben der Pressestelle der Grünen

Woche gekommen sind, um die Stände der

Bienenzüchter und die der Forstleute herum,

debattieren heftig über Gentechnik und Klimawandel,

fragen den Leuten am Stand von

„Fridays for Future“ Löcher in den Bauch.

Oder lassen sich von Jägern erklären, warum

KOLUMNE

Wo

Bares

rar ist

Yulian Ide,

Autor

senden haben, wenn sie dann im Bordbistro

vormir in der Schlange stehen und ihreLaugenbrezel

nicht bezahlen können, dürfte

ähnlich nostalgisch sein. „Gewöhnt euch

schon mal dran“, möchte ich ihnen dann

gerne sagen, denn dieses Gefühl wird sie

noch mehrmals in ihrem Deutschland-Urlaub

ergreifen, wenn unzählige Läden gar

keine oder Kartenzahlung nur bei größeren

Beträgen anbieten.

BERLINER ZEITUNG/THOMAS PLASSMANN

es durchaus sinnvoll sein kann, Tiere abzuschießen

–Wölfe haben unter Jüngeren offenbar

eine sehr starke Lobby. Sie streiten sich

mit ekelnder Faszination, ob Algen, Insekten

oder Moose wirklich lecker sein können, über

den Zusammenbruch der Humusböden und

diesozialen, wirtschaftlichen und kulturellen

Nöte der Dörfer, probieren neue Baustoffe

und neue Ideen für Energiegewinnung aus –

und staunen vor den gewaltigen Erntemaschinen.

In diesen Hallen herrscht das, was in den

Länderinszenierungen fast völlig fehlt: Die

Lust am Vermitteln auch komplizierter Zusammenhänge

und die Freude daran, altgewohnte

Bilder aufzubrechen. Hier stehen

Kängurusteak und veganer Brotaufstrich direkt

nebeneinander. Auch das Design der

Stände und der Installationen ist frisch, oft

aus spannenden Holz-, Bambus- oder Plastikkonstruktionen

gebaut. Aber schnell fällt

auch auf: Hier fehlt die klassische Nahrungsmittelindustrie

fast vollständig. Auch deswegen

stechen Stände wie der der Bundeswehr

so heraus, die versucht, ihr immenses Müllaufkommen

zu erklären. Und wenige

Schritte weiter trachtet der Systemgastronom

McDonald’s danach, seine Kundschaft

davon zu überzeugen, dass Burger vegan

und industrielles Essen regional und umweltschonend

entstehen können.

Bei aller nötigen Marketing-Skepsis: Hier

wurde begriffen, dass, wer künftig Kunden

haben will, jetzt die Kinder und jungen Erwachsenen

erreichen muss. Warum stehen

solche Stände mit Problembewusstsein

nicht auch mitten in den Fress- und Trinkorgien

der Länderhallen? Damit eseben nicht

so kommt wie an dem verstaubten Kaffeeautomaten,

vor dem ein Schild steht: „Stillgelegt

wegen Klimawandel“.

Aber irgendwo in mir drin schlummert

meine misstrauische deutsche Seele,die mir

sagt, ich solle nicht jede neue Technologie

allzu blauäugig in meinem Alltag willkommen

heißen. „Geht meine Bank gar nichts

an, wo ich was kaufe“, antwortete meine

Mutter mal, als ich sie fragte, warum sie immer

bar bezahlt und ich finde,sie trifft damit

durchaus einen Punkt. In einem Land, das

im letzten Jahrhundert zwei Diktaturen erlebt

hat, die ihre Bürger auf Schärfste überwachten,

ist das durchaus eine nachvollziehbareHaltung.

Die Fortschrittsliebe der Niederländer

hörtbeim Bezahlen längst nicht auf. Sämtliche

öffentliche Verkehrsmittel kann ich mithilfe

einer Plastikkarte betreten, mit der sich

leicht nachvollziehen lässt, wie ich mich im

Land bewege.

Alle öffentlichen Einrichtungen, wie Einwohnermeldeamt

oder Finanzamt, aber

auch meine Bank und meine Krankenversicherung

benutzen ein und dieselbe 9-stellige

Nummer, mit der sie meine Daten bis an

mein Lebensende zuordnen können. Dass

sich die Daten dadurch theoretisch auch einander

leichter zuordnen ließen, störtNiederländer

in der Regel genauso wenig wie das

grundsätzliche Durchnummerieren von

Menschen.

Und überhaupt, einen unschlagbaren

Vorteil haben die Münzen im Portemonnaie

dann doch: Mankann auch ab und zu mal einige

weggeben an Leute, die sie dringender

brauchen, als man selbst.

Philipp Kohlschreiber,

36 Jahre alter Tennisprofi,

bei den Australian Open in Melbourne

über seine Ambitionen für dieses Jahr

AUSLESE

Das Virus als

politischer Test

Der Ausbruch des neuen Coronavirus

in China hat weltweit Beunruhigung

ausgelöst. Für Panik aber bestehe kein Anlass,

soder Zürcher Tages-Anzeigers: „Die

Angst steckt tief in uns: Einneues Virus, es

verbreitet sich rasant, Menschen sind gestorben,

(...) vielleicht ist es morgen schon

in der Nachbarschaft. Derartige Gedanken

schießen vielen durch den Kopf, wenn sie

Meldungen voneinem unbekannten Erreger

hören. (...) Wachsamkeit ist bei einem

neuen Virus immer angesagt, Panik aber

gerade in diesem Fall nicht.“

Für die chinesische Regierung stelle das

Virus vor allem eine politische Herausforderung

dar, glaubt die Süddeutsche Zeitung:„Zwei

Sorgen stehen ganz oben: Eine

Virus-Epidemie kann in einen Massenaufruhr

umschlagen, bei dem sich die Bürger

Schuldige suchen. SorgeNummer zwei gilt

Chinas Reputation in der Welt. Werden

Globus mit einer Seidenstraße umspannen

will und in internationalen Organisationen

Verantwortung für Ernährung und

Gesundheit übernehmen möchte, muss

Maßstäbe im Umgang mit Epidemien einhalten.

DasVirus ist auch ein Test für ChinasFührungsambitionen.“

„Bisher bescheinigen Beobachter dem

Regime, angemessen auf die Krise reagiert

(...) und recht offen informiert zuhaben“,

schreibt die taz. Doch es stelle sich die

Frage, „wie transparent ein Regime überhaupt

sein kann, das sonst aus Gründen des

politischen Machterhalts keine Transparenz

kennt und viel mehr auf den Prinzipien

von Kontrolle, Schönfärberei sowie Befehl

und Gehorsam basiert.“ Tanja Brandes

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020 – S eite 9 *

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Berlin

Als die Bilder sprechen

lernten –der Siegeszug

des Tonfilms

Seite 10

Flüchtlingsunterkunft in Steglitz: Das Verwaltungsgericht entscheidet Seite 11

Analoges Rathaus: Die Potsdamer Behörde geht nach einem Hackerangriff vom Netz Seite 16

Stadtbild

Büro-Hund

Arthur

Susanne Dübber

weiß: Ein Leben ohne Mops

ist möglich, aber sinnlos.

Zwitschern Kolleginnen und Kollegen

plötzlich in hoher Stimmlage

und knien nieder, dann vor unserem

Büro-Hund. Der wird viel geknuddelt

und gekrault. Arthur heißt

der Mops unserer Herzen. Manche

nennen ihn aber auch „Mäuschen“.

Der kleine Hund hat einen großen

Charakter, bleibt stets cool, völlig

egal, wie heftig wir Menschen

über Schlagzeilen und Fotoauswahl

diskutieren. Seine gelassene Haltung

unseren Widrigkeiten gegenüber ist

fürwahr eine königliche. Doch den

Vorschlag, ihn mit „Sir“ anzusprechen,

lehnte er ab. Arroganz ist Arthur

fremd, er ist ein ganz Bodenständiger.

Ob in der Hierarchie ganz weit

oben, Jung oder Alt, jedem Menschen

macht Arthur per freundlichem

Blick und Schnuppern unverbindliche

Kennenlern-Angebote.

Kaum kann man sich ihm verweigern,

für einige Streicheleinheiten ist

immer Zeit. Gerade in ernsten Konferenzen

entschleunigt das auch die

gestressten Menschen. Der Hund ist

gut für die seelische Gesundheit!

Will der oder die Angewedelte

sich nicht mit Arthur beschäftigen,

ficht den das nicht an. Selbstbewusst

verfolgt er seine eigenen Ziele: Schlafen

ist ohnehin viel wichtiger.

Kommt er morgens,lässt er sich eine

weiche Lammfellmatte ausrollen.

Darauf schnarcht er so laut, dass der

komplette Großraum mithört und

beruhigt grinst. Hauptsache, dem

Tier geht es gut!

Damit erfüllt Arthur die Stellenplanbeschreibung

für seinen Job als

Fachmann für Social Relations –also

für soziale Beziehungen. Auch als

Vorbild. Er zeigt uns,dass man nichts

übel nehmen darf und auch verzeihen

muss für die angenehme beschwingende

Arbeitsatmosphäre.

Einmal trat eine Kollegin unüberlegt

den Rückwärtsgang an, Arthur

schnupperte gerade an ihren Schuhabsätzen.

Die trafen ihn an der

Schnauze. Dasirritierte ihn nur kurz,

ein hohes Quieken, dann trollte er

sich unbeschwertdavon.

Nuretwas mag Arthur überhaupt

nicht, Unpünktlichkeit. Lässt das

frühabendliche Dinner (feinstes

Pferdefleisch vom Fachhandel) auf

sich warten, jault er schon mal kurz

und hoch „Hunger“, trippelt dabei

aufgeregt in Richtung Napf.

Zu empfehlen ist so ein Büro-

Hund jedem Team. Um das durchzusetzen,

nehme man Kontakt zum

Bundesverband Bürohund e. V. auf.

Der behauptet –und wir schließen

uns an: Hunde sichern den Unternehmenserfolg.

Mops Arthur bei der Arbeit. BLZ/PAULUS PONIZAK

Diesem Neonazi sitzt das „C18“-Tattoo im Nacken. Künftig wird er wohl einen Schal tragen müssen, weil das Symbol nun nicht mehr öffentlich gezeigt werden darf.

Ein symbolischer Schlag

Der Bundesinnenminister hat die Neonazi-Gruppe Combat 18 verboten –zuspät, wie einige finden

VonAndreas Kopietz

Fans der Neonazi-Gruppe

Combat 18 können ihre T-

Shirts mit den Symbolen

„C18“ jetzt im Schrank lassen

oder nur noch als Unterwäsche

tragen. Die rechtsextreme Gruppe

Combat 18 (Kampfgruppe Adolf Hitler)

wurde am Donnerstag von Bundesinnenminister

Horst Seehofer

(CSU) verboten –und damit auch das

öffentliche Zeigen ihrer Symbole.Das

dürfte auch in Berlin diverse Nazis

treffen. Denn obwohl Combat 18 im

Berliner Verfassungsschutzbericht

nicht auftaucht, gehen Experten davon

aus, dass diese Gruppe in der

Stadt eine Fangemeinde hat.

Am Morgen bekamen Neonazis in

sechs BundesländernBesuch vonPolizisten,

die ihnen die Verbotsverfügungen

übergaben. „Das heutige Verbot

ist eine klareBotschaft: Rechtsextremismus

und Antisemitismus haben

in unserer Gesellschaft keinen

Platz!“, erklärte Seehofer.

In Brandenburg, Hessen, Thüringen,

Mecklenburg-Vorpommern,

Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz

durchsuchten insgesamt

210 Beamte mehrereObjekte.Sie beschlagnahmten

unter anderem Aktenordner

und Datenträger wie Computer

und Mobiltelefone. Zu den

durchsuchten Objekten in Brandenburggehören

die Wohnungen zweier

Neonazis inWildau und Eberswalde.

Zeit,sich vorzubereiten

Rechtsextremisten: Der

Verfassungsschutz zählte im

Jahr 2018 in Berlin 1410

aktiveRechtsextremisten.

700 werden als gewaltorientierteingeschätzt.

800 der

aktiven Personen sind nicht

organisiert, weitere 490

agieren in parteiunabhängigenStrukturen.

Ob die Auswertung der beschlagnahmten

Beweismittel etwas bringt,

muss sich noch zeigen. Denn mit einem

Verbot war seit längerer Zeit zu

rechnen, zumal Seehofer schon vor

Monaten angekündigt hatte,Verbote

gegen rechtsextremistische Gruppen

zu prüfen. DieMitglieder der nun betroffenen

Gruppierung dürften somit

genug Zeit gehabt haben, belastendes

Material in Sicherheit zu bringen.

Die Ermittler fanden offenbar nur

Schlagwaffen und Nazisymbole.

Für die Opposition im Bundestag

kommt dasVerbot zu spät. AufTwitter

meldeten sich mehrereBundespolitiker

zu Wort. Das Verbot von Combat

18 habe sich über mehr als ein

halbes Jahr abgezeichnet, schrieb die

Innenexpertin der Linkspartei, Martina

Renner.„Genug Zeit für die militante

Neonazi-Gruppierung Waffen,

Finanzunterlagen beiseitezuschaffen

und Kommunikation zu löschen.“

Das Verbot sei ein symbolischer

Schlag gegen die rechte Szene.„Mehr

nicht.“ DerInnenexperte der Grünen

im Bundestag, Konstantin von Notz,

schrieb, esbleibe ein Rätsel, warum

es nicht vorvielen Jahren erfolgte.

Combat 18 gehörtzueinem internationalen

Neonazi-Netzwerk und

wird für zahlreiche Gewalttaten in

verschiedenen Ländern verantwortlich

gemacht. Laut Seehofer manifestiert

sich die neonazistische Ausrichtung

der Gruppe insbesonderedurch

den Vertrieb von Tonträgern mit

rechtsextremistischer und antisemitischer

Musik, die Organisation

rechtsextremistischer Konzerte und

den Verkauf von rechtsextremistischen

Merchandise-Artikeln.

RECHTSEXTREME IN BERLIN

Rechtsextreme Parteien: In

Berlin hatte die NPD 210

Mitglieder.Das waren 20 weniger

als im Vorjahr.Sie sind

abgewandertinunabhängigeStrukturen.

Die Partei

Der III. Weghat 20 Mitglieder.Die

Partei Die Rechte

besteht aus wenigen Einzelpersonen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU)

Rechte Straftaten: Die aktuellste

Polizeistatistik ist für

2018. In dem Jahr zählte die

Polizei 1766 rechtsextremistisch

motivierte Straftaten

(166 wenigerals 2017).

Darunter waren 125 Gewaltdelikte

–neun Fälle mehr als

2017, als 93 Körperverletzungen

erfasst wurden.

DPA/GREGOR FISCHER

IMAGO IMAGES

1992 wurde Combat 18 in Großbritannien

gegründet. Sie ist mit der

Vereinigung Blood & Honour (Blut

und Ehre) verbunden, deren deutscher

Ableger im Jahr 2000 verboten

wurde. Die Zahl 18 steht für den ersten

und achten Buchstaben im Alphabet

–die Initialen vonAdolf Hitler.

Laut der Mobilen Beratung gegen

Rechtsextremismus (MBR) spielte

Combat 18 in Berlin keine große

Rolle.„In jüngster Zeit istaber aufgefallen,

dass sich Rechtsextremisten in

Berlin positiv auf das Label beziehen“,

sagt Manja Kasten von der

MBR. „Meist sind es jüngere Rechtsextremisten,

die sich unter anderem

an der NPD-Schutzzonenkampagne

beteiligen und Kleidung mit den

Symbolen derGruppetragen.“ Manja

Kasten verweist unter anderem auf

zwei Teilnehmer der sogenannten

Dienstagsgespräche vergangene Woche

ineiner Gaststätte in Mitte, die

beide Bekleidung mit dem „C18“-

Logo getragen haben. Bei diesen regelmäßig

stattfindenden Veranstaltungen

treffen sich NPD-Mitglieder

und andere Neonazis mit AfD-

Rechtsaußen-Politikern. Einer der

Beiden gehört zum Spektrum der

NPD Neukölln. Auch bei der Demo

zum „Tag der Nation“ am 3. Oktober

wurde Kleidung mit Symbolen von

Combat 18 getragen, wie das Jüdische

Forumauf Fotos dokumentierte.

Obwohl diese Gruppierung zuletzt

wohl nicht in Berlin aktiv war,sowar

sie es doch vor Jahren. Sie stand im

Verdacht, 2002 einen Sprengstoffanschlag

auf dem jüdischen Friedhof in

Charlottenburgverübt zu haben, was

die Polizei aber nicht abschließend

klären konnte. Bei einem Inhaber einer

inzwischen geschlossenen Neonazi-Kneipe,

der unter „Combat 18

Berlin“ firmiert haben soll, beschlagnahmte

die Polizei 2002 laut dem

Antifaschistischen Infoblatt Bombenbauanleitungen

und Papiere mit

dem Titel„Zentralrat der Juden Friedhöfe

und Gedenkstätten/Adressen“.

Gewalt und Morddrohungen

Das antifaschistische Recherchemagazin

„Exif“ schrieb im Sommer 2018

über Combat-18-Aktivitäten in den

2000er-Jahren. Demnach verübten

Personen dieser Gruppe 2001 Brandanschläge

auf ein Roma-Lager bei

Wildau und auf eine Konzertbühne in

Königs Wusterhausen, auf der Menschen

schliefen. Die Gruppe habe

Morddrohungen verschickt, die mit

„Combat 18 Berlin“ unterzeichnet

waren.

Gewalt und Morddrohungen gehen

indes heute auch von anderen

Aktiven der Szene aus. Zu seinen

wichtigsten Beobachtungsobjekten

zählt der Berliner Verfassungsschutz

in der Kategorie „parteiunabhängige

Strukturen“ das „Netzwerk Freie

Kräfte“, dasetwa140 aktivePersonen

zählt. Unaufgeklärt ist bislang eine

Serie von Straftaten in Neukölln. Unter

anderem wurde das Auto eines

Buchhändlers und eines Bezirksverordneten

der Linkspartei angezündet.

Und imMärz 2019 sprühte jemand

an zwei Hauswände in Neukölln

„9 mm für …“. Danach kamen

die Klarnamen der Bedrohten.

NACHRICHTEN

Vorwurf Antisemitismus:

Hochschule wird unbenannt

DieBerliner Beuth Hochschule für

Technik wirdwegen des historisch

nachgewiesenen Antisemitismus ihresNamensgebers

umbenannt. Dafür

stimmten am Donnerstagabend

30 von45anwesenden Mitgliedern

der AkademischenVersammlung.

Wiedie Hochschule mitteilte,votierten

14 gegen den Antrag des PräsidentenWerner

Ullmann auf Umbenennung,

bei einer Enthaltung. (dpa)

Hakenkreuze an Büro von

Canan Bayram geschmiert

EinWahlkreisbüroinKreuzbergist

mit Hakenkreuzen beschmiertworden.

Dasteilte die Polizei am Mittwoch

mit. Laut Morgenpost handelte

es sich dabei um das Büroder Grünen-Bundestagsabgeordneten

Canan

Bayram. DiePolizei konnte dazu

am Abendkeine Angaben machen.

Bayram sagte laut Zeitung, solche

Vorfälle habe es bereits früher gegeben.„Es

ist schon immer widerlich

und Hakenkreuzschmierereien sind

auch eindeutig immer rassistisch

motiviert.“ (dpa)

Spitzenjob für Bauakademie

bleibt weiter unbesetzt

DieBesetzung an der Spitzeder Berliner

Bauakademie bleibt weiter unklar.Das

Berliner Arbeitsgericht wies

am Donnerstag den Antrag eines

nicht berücksichtigten Bewerbers für

den Direktorenposten zurück. Der

Bewerber hatte argumentiert, das

Auswahlverfahren sei nicht nachVorschrift

abgelaufen, die Stelle dürfe

deswegen vorläufig nicht besetzt werden.

Da es sich beider Bauakademie

um eine privatrechtliche Stiftung und

nicht um einen öffentlichen Arbeitgeber

handele,seien die Grundsätzedes

Konkurrentenschutzes nicht anwendbar,hieß

es in einer Gerichtsmitteilung.

(dpa)

Extinction Rebellion kündigt

wieder Aktionen in Berlin an

Klimaaktivisten der Bewegung Extinction

Rebellion haben neue Proteste

in Berlin angekündigt. Geplant

seien ab dem 4. MaiBlockaden in der

Hauptstadt, teilte die Gruppe mit. Die

Aktionen sollen sich etwa gegen die

Bundesregierung, Ministerien, Büros

vonLobbyisten und Unternehmenszentralen

richten, da diese den„überlebenswichtigen

Klimaschutz“ verhinderten,

hieß es.InBerlinhatten

sich Anfang Oktobermehrere Tausend

Menschen an einer Aktionswoche

vonExtinction Rebellion beteiligt.

Zu den Strategien der Gruppe gehören

Aktionen wie Flashmobs, Fahrraddemos

sowie Brücken- und

Straßenblockaden. (dpa)

Potsdamer Platz im Oktober:Extinction-

Rebellion-Aktivist wird weggetragen. DPA


10 Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020

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Berlin

Dakann selbst derTheaterund

Filmkritiker Riess

nicht an sich halten. Neben,

hinter und vor dem

Redakteur der Berliner Tageszeitung

„12 UhrBlatt“ schluchzen Zuschauer.

Jetzt rinnen auch bei ihm Tränen der

Rührung.

Das Lichtspieltheater Gloria-Palast

am Kurfürstendamm gibt das

amerikanische Melodrama „The Singing

Fool“. Als Varietékünstler Al (Al

Jolson)„Sonny Boy“ mit Granit erweichender

Stimme singt –ja, er singt für

alle im Saal Anwesenden hörbar! –

und damit seinen sterbenden Sohn

betrauert, da bleibt im Publikum

kaum ein Auge trocken.

Obwohl er vom„singenden Narr“

zuTränen gerührtwirdund obwohl er

bereits „viele eindrucksvolle Filme

mit Ton“ kennt, kann sich Curt Riess

an jenem Abend des 3. Juni 1929 nicht

vorstellen, „daß der Tonfilm die

künstlerischen Höhen des Stummfilms

erreichen würde“, schreibt er in

seinen Erinnerungen („Das waren

Zeiten –eine nostalgische Autobiografie

mit vielen Mitwirkenden“,

1977).

„Der Todder Filmkunst“

Noch leben die meisten Filme allein

von der Kraft ihrer Bilder, noch sind

sie stumm. Undobwohl immer mehr

Filmemacher,allen voranamerikanische,

den Bildern das Sprechen beibringen

wollen, so glauben doch die

meisten Produzenten, Regisseure

und Schauspieler, aber auch Kinomusiker

und -Artisten, Kinobesitzer

und -kritiker, dass der Tonfilm, auch

genannt „Sprechfilm“ und „Talkie“,

keine Zukunft haben wird.

Vordiesem Hintergrund spielt die

dritte Staffel der mehrfach preisgekrönten

Fernsehserie „Babylon Berlin“.

Diese Staffel basiertauf dem Kriminalroman

„Der stumme Tod“ von

Volker Kutscher. Darin geht es um

eine Schauspielerin, die bei Dreharbeiten

im Filmstudio Babelsbergums

Leben gekommen ist. Waresein Unfall

oder war es ein Mord?

Es gibt prominente Stimmen in

den Reihen der Tonfilmkritiker.Daist

die von Stummfilmstar Asta Nielsen:

„Ich kann mich über Ton- oder

Sprechfilme ganz kurz fassen: Es ist

Unsinn“, nicht zuletzt weil sie „technisch

noch so primitiv“ seien, sagt die

Dänin in einem Gespräch mit dem

Berliner Blatt „Vossische Zeitung“ im

August 1928. Aber selbst wenn sie

technisch vollkommen würden, „so

bedeutet das den Todder Filmkunst,

den Tod des wahren Wesens des

Films.Sinn und Wirkung des Films ist

seine Stummheit, er ist deshalb eine

völlig anders geartete Kunstgattung

als das Theater“.

Gegen den Tonfilm beziehen auch

der Deutsche Musiker-Verband und

die Internationale Artisten-Loge Stellung.

Miteiner Plakat-Aktion wenden

sie sich 1929 an das Publikum: „Tonfilm

ist wirtschaftlicher und geistiger

Mord. Seine Konservenbüchsen-Apparatur

klingt kellerhaft, quitscht

(sic!), verdirbt das Gehör und ruiniert

die Existenzen der Musiker und Artisten.“

Es gab für den Stummfilm kein

Happy End. Aller Skepsis und Kritik

zum Trotz setzte sich der Sprechfilm

durch.Wiekam es dazu?

Für Kulturschaffende ist die noch

junge Weltmetropole Berlin in den

1920er-Jahren ein paradiesisches

Pflaster.Sicher,weiteTeile derWelt erleben

zwischen Ende des ErstenWeltkriegs

1918 und dem Beginn derWeltwirtschaftskrise

1929 einen Aufschwung

künstlerischer Kräfte. Aber

nicht nur in den Augen von Peter de

Mendelssohn, der in Berlin 1926 eine

Karriereals Journalist begann,„waren

die Zwanziger Jahre recht eigentlich

das Jahrzehnt Berlins. (...) Die Stadt

riss mit keckem Griff alles an sich,

und alles strebte auf sie zu“ („Zeitungsstadt

Berlin“, 1982).

Die Filmindustrie wird zueinem

Schauplatz des Kulturbooms. Zwei

Drittel aller deutschen Unternehmen

der Filmbranche haben Mitte der

20er-Jahre ihren Sitz in Berlin. Dazu

zählen die drei Marktführer Ufa,Tobis

und Terra. Im Jahr 1928 kommen 170

der 185 deutschen Spielfilme aus der

Hauptstadt, erarbeitet von 12500

Filmschaffenden (ohne die Mitarbeiter

der Ufa-Ateliers in Neubabelsberg),

darunter 400 Regisseure.

Sechzig Millionen Menschen strömen

in jenem Jahr in die Kinos der

Stadt, allein voran inden Ufa-Palast

und das Capitol am Zoo, den Gloria-

Palast am Kurfürstendamm, denTitania-Palast

in Steglitz, die Lichtburgin

Wedding, den Roxy-Palast in Friedrichshain

–allesamt Kinos mit über

1000 Sitzplätzen.

„In keiner einzigen europäischen

Großstadt findet man Kinos, die so

gewaltig abgemessen und so prächtig,

ja so verschwenderisch ausgestattet

wären wie die riesigen Kinopaläste

Berlins“, schwärmt Eugen Szatmari,

der für das „Berliner Tageblatt“ und

das „Prager Tagblatt“ schreibt („Das

Buch vonBerlin“, 1927).

Im Ufa-Palast zum Beispiel musiziertzum

stummen Film ein 70-köpfiges

Symphonieorchester,imCapitol

strahlt böhmisches Edelglas von zartem

Himmelblau bis tiefem Kobalt.

Über die in Deutschland produzierten

Stummfilme urteilt Lotte Eisner,

seit 1927 Kritikerin der Berliner

Zeitschrift „Film-Kurier“, in ihren Erinnerungen

(„Die dämonische Leinwand“,

1955): „Natürlich war ein

Großteil dieser Filme Schund.“ Die

Zahl der Qualitätsfilme sei „äußerst

gering“ gewesen, „es handelte sich

höchstens um vier oder fünf Filme

proJahr“.

Zu den Kunstwerken zählen RobertWienes

„Das Cabinet des Dr.Caligari“

(1919), FriedrichWilhelm Murnaus

„Nosferatu“ (1922) sowie Fritz

Langs„Dr. Mabuse“ (1922) und„Metropolis“

(1926).

Als die Bilder sprechen lernten

Wieesdem Tonfilmgelang, sich in der Kinometropole Berlin durchzusetzen

„Der blaue Engel“ mit Emil Jannings und Marlene Dietrich, gedreht 1929/30, gilt als Meisterwerkder deutschen Tonfilmgeschichte.

Stummfilmstar Asta Nielsen lehnte den

Sprechfilm ab.

IMAGO IMAGES

VonMichael Brettin

Hans Alberssetzte seine Karriere in der

Tonfilmzeit fort.

IMAGO IMAGES

Das amerikanische Filmstudio

Warner Brothers setzt seit Mitte der

1920er-Jahre auf den tonunterstützten

Film. Die Entscheidung hat wirtschaftliche

Gründe: Die Zuschauerzahlen

stagnieren. Das Radio macht

dem Kino zunehmend Konkurrenz;

Shows, Hörspiele und Sportreportagen

finden ein Millionenpublikum.

Mit dem am 6. Oktober 1927 uraufgeführten

„The Jazz Singer“ gelingt

dem Tonfilm der Durchbruch.

Auch wenn die gesprochenen Teile

nur knapp einViertelder Gesamtlaufzeit

ausmachen, gilt der Film mit Al

Jolson in der Hauptrolle als erster

Tonfilm in Spielfilmqualität.

Von„The Jazz Singer“ ermutigt –er

spielt das Sechsfache seiner Kosten

ein –, produzieren die Warner-Brüder

weitere„Talkies“. Mit„Lights of New

York“bringen sie Mitte1928 den ersten

Film heraus,der nuraus Dialogen

besteht. Mit Erfolg: Den Ausgaben

von23000 Dollar stehen Einnahmen

von1,25 Millionen Dollar gegenüber.

Auch William Foxwill am Tonfilm-

Geschäft teilhaben. Stützen sich die

Warner-Brüder auf das Nadeltonverfahren,

bei dem die Tonspur parallel

auf einem anderen Medium läuft,

häufig auf den schallplattenähnlichen

Matrizen, setzt Fox auf das

Lichttonverfahren, bei dem sich die

Tonspur auf dem Filmband befindet.

Ein Pionier im Lichttonverfahren

ist der deutsche Ingenieur Hans Vogt.

Seit 1905 arbeitet er daran, den Film

sprechen zu lassen; am 17. September

1922 kommt es in den Alhambra-

Lichtspielen am Kurfürstendamm

zur Uraufführung des ersten Films

mit integrierter Lichttonspur: „Der

Brandstifter.“

IMAGO IMAGES

Weil der Erfolg in Deutschland

vorerst ausbleibt, verkaufte Vogt alle

Patente, über 150, an Fox. In Amerika

wirddas Verfahren perfektioniert, indem

die Tonspur auf die Filmspur kopiertwird.

Für Filmemacherund Kinobetreiber

bringt der frühe Tonfilm viele Problememit

sich, technische und akustische.

Die anfänglich primitive Aufnahmetechnik

macht es notwendig,

dass die Schauspieler während ihrer

Dialoge völlig still stehen und ganz

gezielt in meist hinter allen möglichen

Dekorationsobjekten versteckte

Mikrofone sprechen, was sie in ihrem

Spiel einschränkt. Auch kommt es

vor, dass Dialoge gar nicht zu verstehen

sind oder die Tonspur verrutscht.

Welche Probleme die Tonfilmpionierezulösen

hatten, persifliertherrlich

komisch der Film „Singin' in the

Rain“ (1952). Die Handlung spielt im

Jahr 1927, sie nimmt die Panik von

Produzenten durch den Erfolg von

„The Jazzsinger“ auf die Schippe:

Plötzlich wollen alle Tonfilme machen,

plötzlich sollen alle Stummfilmstars

zu Tonfilmstars werden.

Don Lockwood (Gene Kelly) hat dafür

alle Voraussetzungen, Lena Lamont

(Jean Hagen) eine wesentliche nicht –

ihre Stimme unterzieht jedes Trommelfell

einer Akupunkturbehandlung.

Aus technischer und akustischer

Verlegenheit entwickeln die Filmstudios

ein neues Genre: den Musikfilm.

Bei Gesang ist es nicht zwingend

wichtig, jedesWort zu verstehen.

Ab 1929 beginnt der Tonfilm, sich

dem hohen künstlerischen Niveau,

das der Stummfilm erreicht hatte, zu

nähern.

Die junge Kunstgattung beschert

Hollywood einen Zuwachs der Zuschauerzahlen

von wöchentlich 55

Millionen im Jahr 1926 auf 155 Millionen

1930.

Der Übergang vom Stumm- zum

Sprechfilm macht vielen Künstlern

Schwierigkeiten. Wernäselt oder nuschelt,

lispelt oder lallt, quäkt oder

quiekt, hat kaum eine Chance, im Geschäft

zu bleiben.

Ausländische Stars in denUSA haben

Probleme, ihren Status zu wahren:

DiePolinPolaNegrizum Beispiel

fällt beim Publikum wegen ihres Akzents

durch; der Deutsche Emil Jannings,

der den ersten Oscarals bester

Schauspieler gewann, kehrt 1929

nach Deutschland zurück, weil er

sich dem englischsprachigen Tonfilm

nicht gewachsen fühlt, obwohl er ein

Jahr zuvor in „The Patriot“ kein

schlechtes Spiel gemacht hatte.

EinScheinsieg

Noch 1929 scheint die deutsche Filmlandlandschaft

stumm bleiben zu

wollen. Vonden 183 gedrehten Filmen

sind nur acht vertont. Im September

zeigt das Kino Universum am

Lehniner Platz einen Film in zwei Fassungen:

einmal stumm, einmal sprechend.

Die Zuschauer bekommen

Stimmzettel ausgehändigt, um die

Version zu wählen, die ihnen besser

gefallen hat. Der Film heißt „Blackmail“

(Erpressung), der Regisseur Alfred

Hitchcock.

Der „Berliner Börsen-Courier“

schreibt: „Eine ziemlich lederne Kriminalsache.

Aber das Publikum applaudiert

bei der stummen Fassung

und verhält sich beim Sprechfilm

kühl.“ Nach der Vorführung liegen

1124 Stimmzettel vor, gegen den

Sprechfilm stimmen 685 Zuschauer.

„Der stumme Film hat also wieder

einmal gesiegt.“

Ein Scheinsieg. Denn schon 1930

sprechen 101 von146 in Deutschland

gedrehten Filmen; mehr als ein Viertel

der Berliner Kinos, darunter fast

alle Filmpaläste, haben kostspielig

auf Tonumgerüstet.

In jenem Jahr,am1.April, kommt

im Gloria-Palast ein deutscher Tonfilm

zur Uraufführung, der international

Aufsehen erregt:„Der blaue Engel.“

In dem Film hat Emil Jannings

sein deutsches Tonfilmdebüt. Doch

nicht er ist der Star, sondern eine bis

dahin eher mittelmäßige Schauspielerin:

Marlene Dietrich.

„Wie lange ist es her,daß wireinen

deutschen Film so uneingeschränkt

loben konnten, loben mußten?“,

schreibt „Die Literarische Welt“. Man

sei versucht, „den ,Blauen Engel‘ den

besten deutschen Film zu nennen. Es

handelt sich um einen Tonfilm, und

zumersten Male habenwir ohne Kritik

die Möglichkeit dieser neuen

Kunstgattung erkannt“. Der Film erstaune

das Publikum mit sinnvollen

Dialogen, tonfilmgemäßer Musik,

dem Zusammenspiel von Bild und

Wort,den HauptdarstellernEmil Jannings

und Marlene Dietrich.

Eine englische Fassung mit denselben

Schauspielern hat Anfang Juli

in London Premiere.

In den folgenden zwei Jahren

kommen weitere Geschichte machende

deutsche Tonfilme in die Kinos:

„M“ von Fritz Lang über einen

Kindermörder in Berlin (1931) und

„Kuhle Wampe“ über eine erwerbslose

Berliner Familie (1932).

Wasder Filmkritiker Curt Riess bei

der Vorführung von „The Singing

Fool“ im Gloria-Palast noch 1929 bezweifelt

hat, lässt sich schon ein Jahr

später nicht mehr bezweifeln: DieZukunft

gehörtdem Tonfilm.

Nach der Premiere von „The Singing

Fool“ trifft Riess den Schauspieler

Hans Albers. Der „blonde Hans“,

der auf über hundert Rollen in

Stummfilmen zurückblickt, „sagte in

seiner üblichen Bescheidenheit: ,Der

Tonfilm wird ganz groß! Für mich

nach Maß gemacht! Ich werde noch

größer!'“.

Wierecht er hatte.

Michael Brettin

kann sich „Der blaue Engel“

immer wieder ansehen.


Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020 11 *

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Berlin

SPD wirft

Thilo Sarrazin

raus

Der will sich notfalls durch

alle Instanzen klagen

VonAndreas Rabenstein und BasilWegener

Für die SPD ist es ein Erfolg. Aber

nur ein Sieg auf einer der vielen

Etappen eines langen Kampfes. Seit

mehr als zehn Jahren versucht die

Partei, ihr umstrittenes und ungeliebtes

Mitglied Thilo Sarrazin loszuwerden

–derzeit im dritten Anlauf.

Am Donnerstag wurde die Entscheidung

der Berliner SPD-Landesschiedskommission

bekannt: Sarrazin

darf wegen parteischädigenden

Verhaltens durch seine anhaltende

und massiveKritik an muslimischen

Einwanderern und sein letztes Buch

„Feindliche Übernahme“ aus der

Partei geworfen werden.

Ein Ende der Auseinandersetzung

ist damit aber noch lange nicht

in Sicht. Tatsächlich bleibt der 74-

Jährige erst einmal Mitglied der SPD,

der er seit den 70er Jahren angehört

und in deren Auftrag er Staatssekretär

in Rheinland-Pfalz und Finanzsenator

in Berlin war.Das Verfahren ist

nämlich noch nicht rechtsgültig abgeschlossen.

Auch Berlins Regierender

Bürgermeister und SPD-Vorsitzender

Michael Müller rechnet damit,

dass das Ausschlussverfahren

noch lange nicht beendet ist. „Wir

sind in einem Zwischenzustand“,

sagte er in der RBB-Abendschau.

Sarrazins Anwälte erklärten, ihr

Mandant werdevor die nächste Parteiinstanz

ziehen: das Bundesschiedsgericht.

Sarrazin selber hatte

bereits angekündigt, notfalls bemühe

er auch noch alle Instanzen

der normalen Gerichte, umseinen

Etappensieg

Verwaltungsgericht entscheidet für Bau einer Flüchtlingsunterkunft in Steglitz. Berufung wahrscheinlich

VonElmar Schütze

Der Bau einer Flüchtlingsunterkunft

in Zehlendorf

kann weitergehen. Das

hat das Verwaltungsgericht

am Donnerstag entschieden.

Sowohl Errichtung als auch Betrieb

seien rechtens. Der Fall ist ein weiteresBeispiel

dafür,wie umstritten das

Instrument des kommunalen Vorkaufsrechts

im Einzelfall sein kann.

Underzeigt, wie eine Flüchtlingsunterkunft

die Pläne für andere soziale

Infrastruktur durchkreuzen kann.

Gegen den Bau am Osteweg in

Lichterfelde hatte der Eigentümer eines

Nachbargrundstücks geklagt.

Dortbefindet sich eine Filiale der privaten

Phorms-Schule,die einen bilingualen

Campus betreibt. Die Sprachen

dortsind Deutsch und Englisch.

Der Campus besteht aus Kindergarten,

Grundschule und Gymnasium.

Der Eigentümer des Schulgrundstücks

wollte auch das freie Nachbargrundstück

kaufen, um dort eine

Sporthalle für die Schule zu bauen.

Doch der Bezirk Steglitz-Zehlendorf

nahm das Recht des kommunalen

Vorkaufs wahr und sicherte das Areal.

Das Ziel: Am Osteweg soll eine sogenannte

Modulare Flüchtlingsunterkunft

(MUF) entstehen. Seit Oktober

2019 rollen die Bagger, imOktober

diesen Jahres soll der Bau fertig sein.

Er ist für 211 Bewohner ausgelegt.

Das umstrittene Grundstück

grenzt an das Gelände des früheren

Telefunkenwerks Zehlendorf, ein

denkmalgeschützter Industriebau

aus den späten 1930er-Jahren. Mit

seinen 60000 Quadratmetern gilt er

heute als zweitgrößtes Denkmal Berlins

nach dem Flughafen Tempelhof.

Den Zweiten Weltkrieg überstand

das Gebäudeensemble vergleichsweise

unbeschädigt. Nur zehn Prozent

des Werkes wurden zerstört. Von

1945 bis 1949 beherbergte der Gebäudekomplex

das US-Hauptquartier in

Berlin. Danach wurde er als McNair-

Die Phorms-Schule Berlin-Süd, ein Schul-Campus in Lichterfelde.

UNTERKÜNFTE

PHORMS SCHULE BERLIN

Aktuell: Für Flüchtlingesind derzeit in ganz Berlin 83 Unterkünfte in Betrieb,dazu gehören

Bestandsimmobilien, Containerdörfer oder Modulare Unterkünfte (MUF).

16 MUF gibt es: Marzahn-Hellersdorf: Albert-Kuntz-Str., Paul-Schwenk-Str., Rudolf-Leonhard-Str.,

Wittenberger Str.; Reinickendorf: Bernauer Str., Senftenberger Ring; Spandau:

Freudstr.; Lichtenberg: HagenowerRing,Seehausener Str., Wartenberger Str.; Pankow:Wolfgang-Heinz-Str.,

Lindenberger Weg; Neukölln: Kiefholzstr.; Treptow-Köpenick: Chris-Gueffroy-

Allee; Steglitz-Zehlendorf: Leonorenstr., Bäkestr.Fünf MUF sind im Bau, weitere in Planung.

Containerdörfer:13dieser Containerdörfer,sogenannte Tempohomes, werden bewohnt,

ursprünglich waren es 17. Insgesamt 20815 Personen wohnen aktuell insgesamt in

LAF-Unterkünften. Freie Kapazitäten gibt es derzeit 1800. Durch geplante Umzügewird

diese Zahl weiter sinken.

Barracks, neben den Andrews Barracks

und den Roosevelt Barracks,zur

dritten großen Kaserne der Berlin Brigade

ausgebaut. Neben Soldatenunterkünften

waren dort Ausbildungseinrichtungen

untergebracht, Offizierskasinos

und Mannschaftsheime,

Turnhallen, eine Bibliothek, mehrere

Läden sowie ein Kino. Zeitweise waren

bis zu 2300 Soldaten stationiert.

1994 übergaben die US-Streitkräfte

das Gelände dem Land Berlin.

Im Laufe der Jahre wurden einzelne

Gebäude verkauft, Wohnungen

entstanden. In einen Gebäudeteil zog

die Phorms-Schule ein. DiePläne,nebenan

eine Schulsporthalle zu errichten,

ruhen nun.

Eilantrag zurückgewiesen

Dabei sollte auf dem Nachbargrundstück

nach den ursprünglichen bezirklichen

Planungen ein Sport-,

Schul- und Kitastandort entstehen,

tatsächlich ist von einer „Gemeinbedarfsfläche“

die Rede. Vor dem Hintergrund

der Erfahrungen mit der

Flüchtlingskrise Mitte der 2010er-

Jahreentschloss sich die Politik dazu,

stattdessen eine Flüchtlingsunterkunft

zu errichten. Nunsind die Zahlen

neu ankommender Flüchtlinge

rückläufig. Im Jahr 2015 kamen 55000

Menschen nach Berlin, derzeit rechnet

das Land„im Schnitt mit circa 600

Personen, die pro Monat in Berlin

neu ins Asylverfahren gehen und die

untergebracht werden müssen“, wie

der Sprecher des Landesamts für

Flüchtlingsangelegenheiten (LAF),

Sascha Langenbach, sagte.

Das Verwaltungsgericht hat den

Eilantrag des Nachbarnzurückgewiesen,

weil dessen Nachbarrechte nicht

verletzt seien. Auch zwischenzeitlich

geäußerte denkmalschützerische Bedenken

wegen einer von den Amerikanern

auf dem Gelände errichteten

Kapelle verwarf das Gericht. Gegen

die Entscheidung kann Beschwerde

beim Oberverwaltungsgericht Berlin-

Brandenburgeingelegt werden.

Kein Raum

für

Rechts

AfD-Parteitag schon

wieder abgesagt

Der bereits mehrfach verschobene

Landesparteitag der AfD

wird auch an diesem Wochenende

nicht stattfinden. „Wir haben den

Parteitag abgesagt“, sagte der Landesvorsitzende

Georg Pazderski am

Donnerstag der Berliner Zeitung.

Weil die für den Parteitag vorgesehene

Vorstandswahl damit ebenfalls

entfällt, wird die Schiedskommission

in den nächsten Tagen einen

Notvorstand berufen. Es wäre der

zweite. Bereits seit 1. Januar amtiert

der aktuelle Notvorstand, der wegen

der Absage eines Parteitags notwendig

geworden war.Auftrag des neuen

Ersatzvorstands sei es, „so schnell

wie möglich einen Parteitag einzuberufen“,

sagte Pazderski. Es gilt als

sicher, dass Pazderski auch das neuerliche

Provisorium leiten wird.

Hintergrund der Absage ist ein

Beschluss des Landgerichts vom

Donnerstag, wonach die Kündigung

der dafür gemieteten Räume im Ballsaal

Pankow durch den Betreiber

rechtens war. Wie es hieß, war ein

Mitarbeiter bedroht worden.Wiedas

Gericht feststellte, sei der Vertrag

nicht durchsetzbar.

AfD-Partei- und Fraktionschef

Georg Pazderski sprach gegenüber

der Berliner Zeitung von einem

„Skandalurteil“ und erkannte einen

„Demokratienotstand“.

Gleichzeitig weitet sich der Blick

auf die kommenden Tage und Wochen.

So hat Pazderski angekündigt,

nicht mehr für ein Vorstandsamt zu

kandidieren. Am Mittwoch teilte die

Berliner AfD-Bundestagsabgeordnete

Beatrix von Storch mit, dass

auch sie nicht antreten werde. Die

Politikerin versah die Absage mit einer

Einschränkung: „Soweit sich der

Landesparteitag erneut für eine Einerspitzeentscheidet.“

(elm)

Druck und Drill

Kommission soll Vorwürfe gegen Ballettschule klären

Will durch alle Instanzen gehen:

Thilo Sarrazin.

IMAGO IMAGES

Rauswurf zu verhindern – bis hin

zum Bundesverfassungsgericht.

Im Juli 2019 hatte die Schiedskommission

des Berliner SPD-Kreisverbandes

Charlottenburg-Wilmersdorf,

in dem er Mitglied ist, den Parteiausschluss

bestätigt. Sarrazin

legte Berufung ein. Nun ging es am

10. Januar zur Landesschiedskommission.

Sarrazin unterlag erneut.

DieSPD hielt sich am Donnerstag

bedeckt, genau darauf bedacht,

keine Verfahrensfehler zu machen.

Die Entscheidung wollten die SPD

und ihr Generalsekretär Lars Klingbeil

erst am Freitagvormittag öffentlich

kommentieren. Dass er Sarrazin

für die SPD für einen hoffnungslosen

Fall hält, hatte er schon vergangenes

Jahr deutlich gemacht: „Er vertritt

Positionen, die nicht unsere sind“,

sagte er damals.„Für rassistische Gedanken

ist in der SPD keinen Platz.“

Sarrazin verschickte dagegen umgehend

eine frische Erklärung. Er

warfder Schiedskommission vor, sie

habe eine inhaltliche Diskussion

blockiert. Klingbeil als Vertreter des

Parteivorstandes habe sich geweigert,

konkrete Zitate aus dem Buch

„Feindliche Übernahme“ zu benennen,

um den Vorwurf des Rassismus

zu belegen. Sarrazin monierte weiter,

ein von ihm vorgelegtes Gutachten

eines Arabistik-Experten sei

nicht diskutiert worden. „Es ging

ganz offenbar nicht darum, Wahrheit

zu ermitteln, sondern Gesinnung

zu bestrafen.“ Dem ARD-

Hauptstadtstudio sagte Sarrazin:

„Offenbar stand das Urteil schon

vorher fest.“ (dpa)

VonMargarethe Gallersdörfer

Sind Schülerinnen der Staatlichen

Ballettschule und Schule für Artistik

(SBB) körperlich oder seelisch

ungebührlich unter Druck gesetzt

worden? Zur Klärung hat Bildungssenatorin

Sandra Scheeres (SPD)

eine Untersuchungskommission

eingesetzt, die die Vorwürfe prüfen

soll. Scheeres sagte am Donnerstag:

„Wir müssen solche Vorwürfe ernst

nehmen, auch wenn sie anonym

vorgebracht werden. Das sind wir

unseren Schülerinnen und Schülern

schuldig.“ Die Leitung der Kommission

soll Hannelore Trageser übernehmen,

die bis 2007 selbst Schulleiterin

der SBB war.

Der RBB hatte am Donnerstag

eine Recherche veröffentlicht, in

dem vom Verdacht auf besorgniserregende

Zustände an der Eliteinstitution

berichtet wird: ungnädiger

Drill, zu lange Arbeitstage für die

zum Teil Minderjährigen, zu hoher

Druck in Bezug auf ihr Aussehen und

aktives Ignorieren des Problems Magersucht

durch die Schulleitung. Zitiertwerden

anonym eine ehemalige

Schülerin, eine noch tätige Lehrerin

und eine ehemalige Lehrerin. An der

Schule werden 300 Schülerinnen

und Schüler im Alter zwischen zehn

und 19 Jahren unterrichtet.

Die Senatsverwaltung, unter deren

Aufsicht sich die Schule seit einem

Jahr befindet, teilte am Donnerstag

mit,„anonymeVorwürfe verschiedener

Art“ seien seit September

2019 bekannt –darunter auch bislang

unbestätigte Gerüchte über sexuelle

Übergriffe durch eine Lehrkraft,

und Kinder, die trotz Verletzungen

tanzten. Man habe die Vorwürfe

sehr ernst genommen,

Schulleitung und Lehrkräfte seien

befragt worden. Erhärten ließ sich

bislang wohl nichts. Schulleiter Ralf

Stabel habe damals wegen Verleumdung

Anzeige gegen unbekannt erstattet.

Am 9. Januar sei dann in der

Verwaltung ein etwa 40-seitiges anonymes

Dossier eingegangen, „das

eine Reihe von Beschuldigungen

auflistet, allerdings ohne Quellen offenzulegen“.

Diesen Beschuldigungen

soll nun die neue Kommission

nachgehen.

Gemeinsames Verständnis

Die renommierte Ballettschule war

am Donnerstag auch Thema im Bildungsausschuss.

„Elite bedeutet

nicht, dass man sich nicht an Grundregeln

zu halten hat“, sagte Schulstaatssekretärin

Beate Stoffers. Vorwürfe

gegen derzeit unterrichtende

Lehrkräfte seien ihr nicht bekannt,

es stünden aber Beschuldigungen

im Raum, die untersucht werden

müssten. Die Senatsschulverwaltung

hatte bereits eine externe Moderation

an die Schule geschickt mit

der Aufgabe, dort „mögliche Problemlagen“

zu erkennen.

Offenbar durchaus mit Erfolg: Bei

einem Studientag am Mittwoch sei

deutlich geworden, so Stoffers, dass

die Ballettschule ein „einheitliches

Verständnis“ entwickeln müsse darüber,

wie mit psychischen und physischen

Belastungen bei den Schülerinnen

und Schülernumzugehen ist.

Stoffers kündigte außerdem die

Einrichtung eines Krisentelefons für

mögliche Betroffene und auch Ehemalige

an. Hinweise nimmt auch das

Beschwerdemanagement der Schulsenatsverwaltung

entgegen.

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12 Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020

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Berlin

Kokain-Lieferservice ausgehoben.

Polizisten haben in Berlin einen Kokain-Lieferservice

ausgehoben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft

durchsuchten sie am Mittwochmorgen

in Berlin 36 Objekte

und vollstreckten neun Haftbefehle.

DieTatverdächtigen im Alter von16

bis 36 Jahren sollen einen festen

Kundenstamm vonetwa 850 Personen

im gesamten Stadtgebiet belieferthaben.

DieBeamten beschlagnahmten

elf Autos,einen vierstelligen

Bargeldbetrag und Handelsutensilien.

Im Laufe des Tages

wurden die neun Festgenommenen

einem Ermittlungsrichter zur Verkündung

der Haftbefehle vorgeführt.

DerEinsatz richtete sich gegen

die sogenannte Clankriminalität.

„Wir bekämpfen die Clankriminalität

auf allen Ebenen“, erklärte Berlins

Innensenator Andreas Geisel.

„Der heutige Einsatz im Bereich des

Drogenhandels ist ein weiterer Beweis,dass

die Zusammenarbeit zwischen

Polizei und Justiz hervorragend

funktioniert.“

Prügelei am Alexanderplatz.

Polizisten haben am Mittwochabend

in Mitte mehr als zehn Personen

nach einem Landfriedensbruch

festgenommen. Vorangegangen war

eine Schlägerei zwischen etwa 20

Personen, die einer Funkstreife am

Alexanderplatz gegen 22 Uhraufgefallen

war.Gemeinsam mit Unterstützungskräften

des Polizeiabschnitts

32 und der 36. Einsatzhundertschaft

wurden dann die Personalien

vonelf Personen festgestellt.

Danach wurden alle entlassen und

erhielten einen Platzverweis.Die Ermittlungen

wegen Landfriedensbruches

und diverser Körperverletzungsdelikte

übernahm die Kripo

der Polizeidirektion 3.

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POLIZEIREPORT

Lesen Sie am Wochenende

Reise

FlandernfeiertJan van Eyck:

Seine Welt im und ums Museum

Tillishof in Bayern: Eine

Zeitreise ins letzte Jahrhundert

Diebestour gestoppt.

Zivilkräfte haben in Moabit zwei

Männer bei ihrer Diebestour gestoppt.

Gegen 17.20 Uhrbeobachteten

sie am Mittwoch im Hilda-Geiringer-Weg,

wie die beiden versuchten,

einen Audi aufzubrechen. In

dem Auto lag unter anderem eine

hochwertige Handtasche.Die Männer

brachen ihr Vorhaben jedoch ab

und flüchteten ohne Beute vomTatort.

Aufihrer Flucht konnten sie

dann festgenommen werden. Bei

den Durchsuchungen der Täter fanden

die Beamten bei ihnen Einbruchswerkzeug

und Drogen. Die

Tatverdächtigen wurden in eine Polizeidienststelle

gebracht, wo sie

sich einer erkennungsdienstlichen

Behandlung unterziehen mussten.

Anschließend wurden sie für die

weiterermittelnde Kriminalpolizei

der zuständigen Polizeidirektion

eingeliefert. Ob sie einem Haftrichter

vorgeführtwerden, ist noch unklar.

Touristen ausgeraubt.

Miteiner Schusswaffe hat ein Unbekannter

am Dienstagabend in Mitte

zwei Touristen überfallen. Nach den

bisherigen Ermittlungen der Polizei

waren die 36- und 37-Jährigen gegen

19.45 Uhrinder Zimmerstraße unterwegs,als

ein als etwa 30 Jahrealt

beschriebener Mann sie vonhinten

ansprach. Als die beiden Touristen

sich umdrehten, soll der Mann die

Schusswaffe auf den 36-Jährigen gerichtet

haben und auf ihn zugegangen

sein, während er Geld vonihm

forderte.Nachdem der Bedrohte dieses

übergeben hatte,forderte der

Räuber auch das Geld des 37-Jährigen.

Hierbei gab der Kriminelle laut

Schilderung der Überfallenen einen

Schuss in die Luft ab.Anschließend

flüchtete er. (kop.)

1500 Strom-Roller bot die Bosch-Tochter Coup in Berlin zum Verleih an. Ende vergangenen Jahres schloss Bosch das Geschäft dann überraschend. COUP

Kommen die Coup-Scooter zurück?

Stehroller-Verleiher Tier denkt über Integration der schwarz-grünen Zweiräder in die eigene Flotte nach

VonJochen Knoblach

Die grün-schwarzen Elektroroller

gehörten bereits

zum Stadtbild. 1500 einsitzige

Strom-Scooter

hatte die Bosch-Tochter Coup in Berlin

im Einsatz. Ende November gab

das Unternehmen dann völlig überraschend

bekannt, sich aus dem Geschäft

zurückzuziehen. Wasmit den

Rollern geschieht, war lange Zeit unklar.Nun

scheint sich die Konkurrenz

für die elektrisierte Zweirad-Flotte zu

interessieren.WiedasWirtschaftsmagazin

Capital berichtet, soll das Berliner

Unternehmen Tier Mobility eine

Übernahme erwägen.

Farblich würden die Einsitzer mit

E-Motor schon mal perfekt zu den

ebenfalls grün-schwarzen Stehrollern

passen, auf deren Verleih sich

das Geschäft von Tier derzeit noch

beschränkt. Bundesweit hat das

2018 gegründete Start-up etwa

15 000 E-Scooter in 33 Städten im

Angebot und ist damit nach eigenen

Angaben Marktführer.Für den Frühling

und Sommer ist bereits der Ausbau

der Flotte angekündigt. Werden

dann tatsächlich auch die ehemaligen

Coup-Roller dabei sein?

In der Firmenzentrale am Potsdamer

Platz wollte man sich dazu am

Donnerstag nicht näher äußern.

Künftige

Hauptstadt-Polizisten

sollen einen Zuschuss von 1000

Euro für den Führerschein bekommen.

Damit werde ein weiterer Anreiz

für Anwärter geschaffen, sagte

Polizeipräsidentin Barbara Slowik.

Bei der Gewinnung von neuem Personal

sei ihre Behörde im vergangenen

Jahr in großen Schritten vorangekommen.

So könne ersten Studierenden,

die nicht aus Berlin oder der

Umgebung stammten, bei aktuellen

Notlagen Wohnraum angeboten

werden. Die „Wohnungsfürsorge“

solle ausgebaut werden.

Breites Spektrum an Fähigkeiten

„Kein Kommentar“, hieß es. Allerdings

bestätigte man nochmals,dass

man neben den Stehrollernauch andere

Fahrzeugtypen auf die Straße

bringen will, um den Kunden „für jeden

Bedarfsfall das richtige Fahrzeug

anbieten zu können“. Insofern wäre

eine Integration der Coup-Roller ins

Tier-Portfolio sinnvoll. Zumal die

Flottenerweiterung bei Tier noch in

diesem Jahr beginnen soll.

Außerdem ist Coup dort keineswegs

unbekannt. Julian Blessin, Co-

Chef und Mitgründer vonTier, hatte

Coup im Sommer 2016 mit aufgebaut.

Er gehörte zum sogenannten

Digital Ventures-Team der Unternehmensberatung

Boston Consulting

Group, das vor allem Großkonzernemit

neuen Geschäftsideen versorgt.

So entstand der Stromroller-

Verleih für den Automobilzulieferer

Bosch. Die Roller lieferte der taiwaner

Hersteller Gogoro samt spezieller

Ladeinfrastruktur für die Wechselakkus,die

schließlich einen freien

Verkauf der Roller an Privatkunden

verhinderte. Coup hatte die Akkus

zuletzt zentral in einem Kellergeschoss

in Kreuzberg aufgeladen. An

„Tier dürfte es auf die ehemaligen

Stammkunden von Coup abgesehen haben,

könnte seinen Kunden aber auch eine echte

Alternative für längere Distanzen anbieten.“

Benno Bock, Verkehrsanalyst beim Berliner Stragetieberater Civity

knapp 30 Stationen konnten 220 Akkus

gleichzeitig regeneriert werden.

In jedem Fall ließen sich die Sitzroller

gut in die IT-Infrastruktur vonTier

einbetten.

Verkehrsanalyst Benno Bock vom

Berliner Strategieentwickler Civity

sieht in einer möglichen Übernahme

in erster LinieVorteile für die Kundengewinnung.

„Das Unternehmen

dürfte es auf die ehemaligen Stammkunden

von Coup abgesehen haben.

Lockmittel für den Nachwuchs

Angehende Polizisten sollen in Berlin 1000 Euro Führerschein-Zuschuss bekommen

Ihr Job soll attraktiver gemacht werden.

Bis 2029 werden 10 000 Kolleginnen

und Kollegen über die ganze Polizei

verteilt in Pension gehen, so Slowik.

„Wir wollen trotz der laufenden Abgänge

bis 2024 auf 19 000 Beamtinnen

und Beamte im Vollzug anwachsen.“

Derzeit seien es in dem Bereich

etwa 17 500 Kräfte. „Wir bilden so

viele junge Menschen aus wie lange

nicht mehr“, unterstrich die Polizeipräsidentin.

Derzeit seien es mehr

als 3000 Anwärterinnen und Anwärter.„Wirstellen

in den nächsten Jahrenpro

Jahr gut 1200 ein.“ Ziel sei es,

junge Leute zu finden, die geeignet

sind und auch durchhalten. „Ob

man es nun schön findet oder nicht,

man muss feststellen, dass die aktuelle

Generation sich auch mal umentscheidet

und sich doch noch etwas

anderes sucht. Die Situation ist

noch nicht dramatisch, wirdaber zunehmend

schwieriger.“

DPA

Der Polizei-Beruf verlange ein

breites Spektrum an Fähigkeiten, so

Slowik. „Auch wenn der Online-Vortest

noch ganz gut verläuft, rauschen

die Bewerberzahlen schon in den

Keller,wenn der Lebenslauf angefügt

werden soll. Die Qualität entspricht

nicht immer unseren Vorstellungen.“

Manche meldeten sich auch

nur einmal an, machten den Online-

Vortest und ließen ihre Bewerbung

Zudem könnte Tier seinen Kunden

eine echte Alternativefür längereDistanzen

anbieten“, sagt er. Verkehrsträgerübergreifende

Lösungen ergeben

aus Kundensicht immer Sinn.

Genau aus diesem Grund könnten

allerdings auch andere interessiert

sein. Der Stehroller-Verleiher Circ

beispielsweise plant eigenen Angaben

zufolge gleichfalls eine Erweiterung

seiner Flotte mit Alternativen

zum Stehroller. Das nötige Kapital

solle schon bald fließen.

Im Newsportal Gründerszene

kündigte Circ-Chef Lukasz Gadowski

jedenfalls den Abschluss einer Finanzierungsrunde

noch für diesen Monat

an. Und auch bei Circ wüsste

man, um die Stärken und Schwächen

der Coup-Roller. Denn erst zu Monatsbeginn

rekrutierte Circ den ehemaligen

Chef für das operative Geschäft

bei Coup.

Auf dem Berliner Markt ist derweil

das Unternehmen Emmy alleiniger

Player. Rund 800 rote Elektro-

Schwalben hat die Firma inBerlin

auf den Straßen. Außerdem verleiht

Emmy noch insgesamt 1200 Roller

in Hamburg, München, Düsseldorf

und Wien. Wegen der weiterhin hohen

Nachfrage soll die Roller-Flotte

bis zum Sommer verdoppelt werden.

Im nächsten Jahr will man dann

auch die Gewinnschwelle passieren.

dann versanden. Junge Bewerber

hätten häufig nur mangelnde

Deutschkenntnisse. Für Interessenten,

die die Einstellungstests bestanden

haben und für die eine Stärkung

der Deutschkenntnisse sinnvoll

wäre, werde zusätzlicher Deutschunterricht

bis zum Beginn der Ausbildung

angeboten. „Gute Deutschkenntnisse

sind in unserem Beruf

unerlässlich – wer sich mal durch

Gesetzestexte gekämpft hat, weiß

das.“ Siekönne sich vorstellen, unter

Umständen künftig verpflichtend

für alle einen solchen Vorkurs einzuführe,

sagte Slowik. Auch die Prüfungsordnung

muss nach ihrenWorten

hinterfragt werden.

„Nach einer vermasselten Prüfung

an unserer Polizeiakademie

gibt es derzeit nur einen Wiederholungsversuch

–das ist an Hochschulen

anders.Ich bin für einen zweiten

Wiederholungsversuch ,inbesonderen

Fällen mit entsprechender Sondergenehmigung.“

Diejungen Leute

müssten erst mal den Ernst der Lage

begreifen, da sei eine zweite Chance

nur fair. (dpa)

„Mietendeckel

ist nicht

rechtens“

CDU in Berlin will 300 000

neue Wohnungen bis 2035

Mit deutlicher Kritik hat sich

die CDU zu einem möglichen

Scheitern des geplanten

Mietdendeckels geäußert und

Konsequenzen für den Fall angedroht:

Ein Scheitern des Mietendeckel-Gesetzes

ist aus Sicht des

CDU-Landesvorsitzenden Kai

Wegner ein Rücktrittsgrund für

den Senat.

„Wir werden alle gerichtlichen

Hebel in Bewegung setzen, auf

Landesebene und in Karlsruhe,

um schnellstmöglich deutlich zu

machen, dass der Mietendeckel

nicht rechtens ist“, kündigte Wegner

am Donnerstag dieser Woche

an. „Es sollte jeder glücklich sein,

dass wir klagen.“

Wegner glaube, dass der Senat

komplett zurücktreten müsse,

wenn das Gesetz scheitere. „Wenn

man sehenden Auges da rein steuert,

dann muss es auch Konsequenzen

geben“, sagte der CDU-

Landesvorsitzende.

Runden Tisch einrichten

Wegner wartet noch auf eine Antwortauf

seinen Brief an den Regierenden

Bürgermeister Michael

Müller (SPD) von Mitte des Monats.

In dem Brief hatte sich KaiWegner

für einen Aufschub beim geplanten

Mietendeckel-Gesetz ausgesprochen

und zudem vorgeschlagen,

einen runden Tisch zur

Wohnungspolitik einzurichten.

Er sei gespannt auf die Antwort,

sagte Wegner und erneuerte das

Angebot für gemeinsame Bundes-

Der CDU-Landesvorsitzende Kai Wegner

ist gegen den Deckel.

DPA

ratsinitiativen zum Ausbremsen

des Mietenwachstums. Über das

Mietendeckel-Gesetz stimmt das

Abgeordnetenhaus voraussichtlich

am 30. Januar ab.

Wegner bezeichnete den Bedarf

an zusätzlichen Wohnungen als

„die wahrscheinlich größte Herausforderung

und auch die größte

soziale Frage, die wir zurzeit in

Berlin haben“. Der Mietendeckel

löse die Probleme nicht, sondern

verschärfe sie.

Die CDU fordert inihrer neuen

„Wohnraumoffensive“ stattdessen

300 000 neue Wohnungen bis 2035

zu bauen. Um das zu ermöglichen,

sei es nötig, die Bauämter personell

besser auszustatten, mehr

Planstellen in Stadtentwicklungsund

Hochbauämtern zuschaffen,

Planverfahren zu beschleunigen

und die Landesbauordnung zu reduzieren.

Auch das Vergaberecht

müsse entschlackt werden.

Außerdem fordert der Landesverband,

mehr Hochhäuser zu

bauen, so etwa an Verkehrsknotenpunkten

am S-Bahn-Ring und

zum Beispiel Industriebrachen für

Bauflächen zu nutzen.

Das Ziel sei, die Wohneigentumsquote,

die mit fünfzehn Prozent

damit weit unter dem Bundesdurchschnitt

von 52 Prozent

liege, deutlich zu erhöhen. „Wir

haben unendlich Potenziale in

Berlin, anders als viele große Ballungsräume

in Deutschland“,

sagte so der CDU-Politiker.

(BLZ/dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020 13

· ·

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Berlin

Alle

Jahre

wieder

Die Grippewelle rollt an. In

Berlin Hunderte erkrankt

Die Grippewelle in Deutschland

hat begonnen –inBerlin sind

bislang Hunderte Menschen erkrankt.

Allein in der vergangenen

Woche wurden 238 Influenza-Fälle

in der Hauptstadt gezählt, wie aus

dem am Donnerstag veröffentlichtenWochenbericht

des Landesamtes

für Gesundheit und Soziales (Lageso)

hervorgeht.

Fünf bis 20 Prozent

In der Woche zuvor waren es demnach

173 nachgewiesene Grippepatienten

gewesen.

Insgesamt wurden seit Saisonbeginn

im vergangenen Herbst 715 Influenza-Meldungen

erfasst. Im Verhältnis

zur Einwohnerzahl sind bisher

Spandau, Pankow und Mitte besonders

betroffen.

Die gemeldeten Fälle zeigen nur

einen Ausschnitt des tatsächlichen

Geschehens: Nach Schätzungen des

Robert-Koch-Instituts (RKI) werden

im Verlauf vonGrippewellen 5bis 20

Prozent der Bevölkerung angesteckt.

Nach Schätzungen gingen zum Beispiel

bei der schweren Grippewelle

im vorletzten Winter bundesweit

neun Millionen Menschen aus diesem

Grund zum Arzt.

Die echte, vom Influenzavirus

ausgelöste Grippe beginnt in der Regel

plötzlich. Zu den typischen Symptomen

zählen Fieber,Husten, Halsschmerzen,

Schnupfen, Gliederund

Kopfschmerzensowie ein allgemeines

Krankheitsgefühl. Neben

milden Verläufen sind auch Komplikationen

möglich, etwa eine Lungenentzündung.

In jedem Fall sollte

bei einem Verdacht auf echte Grippe

umgehend ein Arzt konsultiert werden.

(BLZ/dpa)

Nicht zu verwechseln mit einer Erkältung:

die echte Grippe.

IMAGO IMAGES

VonMelanie Reinsch

Natürlich hat man den

Zugals Reisemöglichkeit

nach Nürnberg gewählt.

Alles andere wäre den

Abgeordneten der SPD-Fraktion sicherlich

auf die Füße gefallen. Es

muss ja auch zusammenpassen,

schließlich soll es bei der traditionellen

Klausurtagung der Berliner Genossen

um nichts weniger als den

Klima- und Katastrophenschutz gehen.

Und Autos und Busse sind in

diesen Tagen zu politischen Tretminen

geworden.

Wettbewerb um Klimaschutz

Drei Tage wird es von Freitag bis

Sonntag im nördlichen Bayern um

Themen wie klimagerechte Mobilität

der Zukunft, klimagerechtes

Bauen, Wohnen und Energie gehen.

Denn längst sind Klima und Umwelt

kein grünes Alleinstellungsmerkmal

mehr, auch wenn die Ökopartei

diese Themen als erstes und lange

Zeit quasi allein für sich beanspruchte

– und auch durfte. Aber

spätestens seit Greta Thunberg, der

„Fridays for future“-Bewegung und

dem strittigen Klimapaket der Bundesregierung

müssen die Grünen

ihreUrsprungsthemen hartverteidigen.

Oder anders: Der Wettbewerb

um die besten Ideen –und Leitanträge

und Beschlüsse – rund um

Elektromobilität, bessere Luft, City-

Maut, energetische Sanierung und

Autoverkehr hat in Berlin Fahrt aufgenommen.

Dass die Grünen-Verkehrssenatorin

Regine Günther die

Berliner Innenstadt bis 2030 von

Diesel- und Benzin-Fahrzeugen befreien

will, kommt für die Genossen

also zeitlich passend. Zumindest,

was die Themensetzung angeht.

Die Vereinbarkeit von Klimaschutz

mit sozialer Gerechtigkeit,

darum solle es an diesem Wochenende

gehen, sagte der Fraktionsvorsitzende

der SPD,Raed Saleh. Er wird

am Freitag die Auftaktrede halten.

„Beim Thema Ökologie und Nachhaltigkeit

müssen wir in Berlin noch

viel mutiger werden. Wir müssen

neue, viel kreativere Wege gehen“,

sagte er und appellierte an einen klugen

Klimaschutz für die Stadt. Ökologie

und Klimaschutz müsse für die

Menschen bezahlbar bleiben. Dabei

ginge es um Anreize –und nicht um

Verbote. „Wie kann ich denn bitteschön

permanent gegen das Auto

sein, und mich zugleich gegen eine

Verlängerung der U8 ins Märkische

Viertel aussprechen? Hier sind die

Angriffslustig Richtung Bayern

SPD-Fraktion will in Nürnberg über Klima- und Katastrophenschutz sprechen

Die Klimabewegung „Fridays for Future“ hat die Politik unter Druck gesetzt.

„Wie kann ich denn bitteschön

permanent gegen das Auto sein,

und mich zugleich gegen eine

Verlängerung der U8 ins Märkische Viertel

aussprechen? Hier sind die Grünen

genau das Gegenteil von grün.“

Raed Saleh, Fraktionsvorsitzender der SPD

PRITZKULEIT

Grünen genau das Gegenteil von

grün“, sagte Saleh angriffslustig und

gab mit dieser Attacke schon mal

den Ton für die kommenden Tage

vor. Der grüne Koalitionspartner

dürfte die Debatten daher mit Interesse

verfolgen. Die Grünen sehen

den Ausbau der U8 kritisch, weil sie

der Meinung sind, dass man sich mit

zu vielen Projekten verzetteln würde.

Siepriorisieren stattdessen den Ausbau

des Straßenbahnnetzes, weil

dies schneller und günstiger sei.

Daniel Buchholz, umweltpolitischer

Sprecher der SPD, erklärte,

dass man am Wochenende den Spagat

zwischen „sozialer Gerechtigkeit

und Klimaschutz“ schaffen wolle.

Klimaschutz dürfen sich nicht nur

Reiche leisten können. So sollen Geringverdiener

mit Kompensationen

rechnen können –wound wie, das

ließ Buchholz noch offen.

Reformdes Katastrophenschutzes

Am Freitag wird auch Innensenator

Andreas Geisel (SPD) in Nürnberg

zum Thema Katastrophenschutz bei

Umweltereignissen wie Hitze, Dürre

oder Überflutung als Referent sprechen.

Geisel will das Gesetz zum Katastrophenschutz

überarbeiten lassen.

So soll die verpflichtende Zusammenarbeit

mit Kritischen Infrastrukturen

(Kritis) gesetzlich

festgeschrieben werden. Kritis sind

alle Bereiche, die für das Wohlergehen

der Gesellschaft eine bedeutende

Rolle spielen –zum Beispiel

Wasser, Energie oder Telekommunikation.

Zudem will Geisel die Mittel

für Rettungsdienste erhöhen.

Auch der Oberbürgermeister von

Nürnberg, Ulrich Maly, ist eingeladen.

Am Sonnabend werden die

SPD-Politiker das ehemalige Reichsparteitagsgelände

und das Museum

der Nürnberger Prozesse besuchen.

Hier begann am 20. November 1945

im Schwurgerichtssaal des Justizpalastes

der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher

im Nationalsozialismus.„Gerade

in der jetzigen Situation,

wo immer mehr rassistische,

antisemitische, fremdenfeindliche

Übergriffe geschehen, ist es wichtig,

die deutsche Geschichte zu verstehen.

Nürnberg kann dabei helfen“,

so Saleh. DieStadt stehe für den Aufstieg

und Fall des Nationalsozialismus.

„Für mich als Sozialdemokrat

ist klar: Nie wieder heißt nie wieder.

Wir müssen an einem Berlin und einem

Deutschland von morgen arbeiten,

in dem Gewalt gegen anders

Denkende, anders Fühlende, anders

Liebende keinen Platz hat“, so Saleh.

Klage von

BER-Gegnern

abgewiesen

Erweiterungen der

Kapazität sind rechtmäßig

VonPeter Neumann

AmMontag scheiterten vier Gemeinden

aus dem BER-Umfeld.

Jetzt kassierte auch ein Verband, in

dem sich Gegner des Flughafenstandorts

Schönefeld zusammengeschlossen

haben, eine Niederlage.

Am Donnerstag hat das Oberverwaltungsgericht

Berlin-Brandenburgauch

die zweite Klage gegen die

Erweiterungen des BER abgewiesen

(Aktenzeichen OVG 6A6.18). Damit

sind die zusätzlichen Kapazitäten,

ohne die der neue Flughafen vonAnfang

an zu klein wäre, rechtmäßig.

Der Bürgerverein Brandenburg-

Berlin, kurz BVBB, hatte gegen zwei

Änderungen des Planfeststellungsbeschlusses

für den BER geklagt. Die

27. Änderung ermöglichte es, Rollbahnen

und ein Vorfeld anzulegen,

damit am heutigen Schönefelder

Flughafen bis Ende 2023 weiterhin

Passagiere abgefertigt werden können.

Anders als vom Verein betont,

war keine Umweltverträglichkeitsprüfung

erforderlich, weil „keine erheblichen

nachteiligen Umweltauswirkungen

zu erwarten sind“, urteilte

der Sechste Senat des Gerichts.

Schönefeld darfbis 2023 bleiben

Es gebe nicht mehr Starts und Landungen,

die Rollverkehrewürden lediglich

auf dem Flughafenareal verlagert.

Der Straßenverkehr nähme

nicht zu, weil die Fluggäste zunehmend

den öffentlichen Verkehr nutzen.

Eine einseitige Verlängerungsoption

werde nicht eingeräumt, ein

Weiterbetrieb Schönefelds über 2023

hinaus erfordereaber eine neue Planungsentscheidung,

hieß es.

Die31. Änderung, die den bereits

begonnenen Bau des Terminals T2

ermöglicht, sei ebenfalls nicht zu beanstanden.

Auch hier war es nicht erforderlich,

ein neues Planfeststellungsverfahren

mit Umweltverträglichkeitsprüfung

durchzuführen, so

die Richter. Die Befürchtung der

Bürger, dass die Flughafengesellschaft

nach dem Masterplan BER

2040 im Wege einer „Salamitaktik“

die Kapazität über das zugelassene

Maßhinaus erweitert, sei unbegründet.

In diesem Fall hätten die Betroffenen

einen„einklagbaren Anspruch

auf eine ermessensfehlerfreie Entscheidung

über weitergehende

Schutzmaßnahmen“, so das Gericht.

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14 Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020

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Berlin

Ein Verkehrszeichen, das Kraftfahrer gernsehen: Hier darf geparkt werden. Doch in Berlin sollen immer mehr Parkplätze gebührenpflichtig werden.

BERLINER ZEITUNG/ MARKUS WÄCHTER

Teurer parken in Berlin

Im Frühjahr will der Senat die Tarife auf bis zu vier Euro pro Stunde erhöhen. WeitereParkzonen sind vorgesehen –aberder Zeitplan lässt sich wohl nicht halten

VonPeter Neumann

Wer sein Auto in Berlin

auf öffentlichem Straßenland

abstellen will,

muss dafür bald mehr

Geld bezahlen. Die Änderung der

Parkgebührenordnung, die der Senat

im vergangenen Jahr angekündigt

hatte, soll im zweiten Quartal

dieses Jahres beschlossen werden.

Das hat Hartmut Reupke, Abteilungsleiter

in der Senatsverwaltung

für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz,

am Rande einer Veranstaltung

des Deutschen Instituts für Urbanistik

(Difu) angekündigt. „Die

vorerst letzte Erhöhung hatte es 2006

gegeben“, sagte er.Gemessen an anderen

Städten sei das Parken in Berlin

verhältnismäßig preiswert.

Die Gebühren sind unterschiedlich

hoch –jenachdem, wie groß die

Bezirke den Parkdruck einschätzen.

Wo eine Stunde Parken derzeit einen

Euro kostet, werden dann zwei Euro

fällig. Der Zwei-Euro-Tarif wird auf

drei Euro angehoben.Wo wegen großen

Andrangs heute drei Euro pro

Stunde verlangt werden, verteuert

sich das Parken auf vier Euro.

Dass die Parkgebühren steigen,

war absehbar. ImLuftreinhalteplan,

der im vergangenen Jahr verabschiedet

wurde,ist voneiner Anhebung die

Rede. Wenn das Parken Geld kostet,

trage dass dazu bei, dass Autofahrten

reduziert und umweltfreundlichere

Fortbewegungsarten genutzt werden,

heißt es darin. Berlins oberster

Verkehrsplaner Reupke formulierte

es so: „Parkraumbewirtschaftung ist

ein Instrument, um das Verkehrsverhalten

zu ändern“ –und der Atemluft

Belastungen zu ersparen sowie die

Verkehrswende voranzubringen.

Ausländische Gäste wundernsich

„Das Maßnahmenpaket Parkraumbewirtschaftung

sieht die Erhöhung

der Parkgebühren um 20 Prozent für

jede Stufe im Jahr 2019 vor“, heißt es

in dem Masterplan, der die Berliner

Luft sauberer machen soll. Jetzt

kommt die Gebührensteigerung ein

Jahr später,und sie fällt größer aus.

Für die Difu-Forscherin Uta

Bauer, die sich seit Jahren mit dem

Thema Parken befasst, ist letzteres

kein Problem. „Wenn wir Gäste aus

dem Ausland durch Berlin führen,

finden sie es ziemlich schräg, wie

preiswert das Parken in Berlin ist –

und dass es viele Bereiche selbst in

der Innenstadt gibt, in denen es gar

nichts kostet“, sagte die Geografin.

KÜNFTIG BIS ZU 240 EURO FÜR EINE ANWOHNERVIGNETTE

BilligeHauptstadt: In Berlin

kostet ein Anwohnerparkausweis,

der zwei Jahre gilt,

derzeit noch 20,40 Euro. In

Amsterdam würden pro Jahr

535 Euro, in Stockholm umgerechnet

827 Euro fällig,

so Forscher des Difu.

Momentan werden für 35 Prozent

der Parkplätze innerhalb des Berliner

S-Bahn-Rings Gebühren fällig.

Der Luftreinhalteplan sieht vor, den

Anteil bis Ende dieses Jahres auf drei

Viertel zu erhöhen. Ende 2023 sollen

es hundert Prozent sein –was laut

Reupke dazu führen würde,dass der

Kraftfahrzeugverkehr um fast zehn

Prozent sinkt und die Stickoxidemissionen

um 6,5 Prozent abnehmen.

Doch schon die 75-Prozent-

Marke, die für Dezember 2020 angepeilt

wird, gilt als ehrgeiziges Ziel.

Die Berichte aus der Verwaltungspraxis,die

Stadträtin Christiane Heiß

Im Bundesrat erfolgreich:

Am Mittwoch nahm ein Unterauschuss

des Bundesrats

den Antrag Berlins an, den

Gebührenrahmen für Bewohnerparkausweise

auszuweiten.

Kommunen sollten mehr

Spielraum bekommen.

Drastische Erhöhung: Derzeit

bewegt sich der Rahmen

zwischen 10,20 und 30,70

Euro pro Jahr.Nachdem Beschluss

im Unterausschuss

StVOdes Bundesrats soll

diese Spanne künftig von

zehn bis 240 Euro reichen.

aus Tempelhof-Schönefeld beisteuerte,

ließen ernsthafte Zweifel aufkommen,

ob es erreichbar ist.

Bisimvergangenen Jahr die Parkzone

55 im Norden des Bezirks in Betrieb

gehen konnte, seien rund drei

Jahre vergangen, teilte die Grünen-

Politikerin mit.Viel Zeit –weshalb sie

und ihr Team den Prozess ein halbes

Jahr lang analysierten. Anhand der

umfangreichen Excel-Tabelle, die

dabei herauskam, wurden Verbesserungsmöglichkeiten

erarbeitet. Ergebnis

war, dass es durchaus Möglichkeiten

gäbe, das Verfahren zügiger

über die Bühne zu bringen.

„Doch auch im besten Fall werden

wir immer noch 24 Monate brauchen“,

gab Heiß zu bedenken.

Nötig sei zudem ein „Bekenntnis

einer Vielzahl von Verwaltungsmitarbeitern“

– in vier Bereichen, die

bereits heute überlastet seien und

für die aufwendige Kooperationen

mit anderen Ämtern nicht an erster

Stelle stünden. Auch würde die Kosten-

und Leistungsrechnung, die

Grundlage für Zahlungen des Senats

an die Bezirkesei,komplexe Projekte

nicht fördern. „Bei ihr geht es um

Standardprodukte in Standardzeiten

zu Standardpreisen“, so Heiß. Das

betreffe auch andere Themen, über

die diskutiert werde: „Die komplexe

Analyse von Unfallschwerpunkten

wirdebenfalls nicht belohnt.“

Die Stadträtin hat kalkuliert, was

es für die Verwaltung bedeuten

würde, wenn in ihrem Bezirk innerhalb

des S-Bahn-Rings das Parken

überall Geld kostet. Derzeit seien

dort mehr als 34 000 Kraftfahrzeuge

gemeldet, wofür voraussichtlich

rund 30 000 Parkvignetten beantragt

würden, sagte Heiß. „Das ist schon

ein Happen, den die Bürgerämter

bewältigen müssten.“ Allein für die

Vignetten wären 20 Mitarbeiter nötig.

Um alle Parkplätzezukontrollieren,

bräuchte das Ordnungsamt

rund 120 Stellen, so die Stadträtin.

„Parken ist ein Thema, das sehr

emotional diskutiert wird“, sagte

Hartmut Reupke. Darum waren in

Berlin Volksentscheide gegen neue

Parkzonen erfolgreich –inCharlottenburg-Wilmersdorf

und Treptow-

Köpenick. Er ließ durchblicken, dass

dies die Ausdehnung der Parkraumbewirtschaftung

behindert.

Lob vonden Anwohnern

Wenn Parkgebühren den Ansturm

auf die Parkplätze verringern, freuten

sich die Anwohner, weil sie bessere

Chancen bekämen, freie Plätze

für ihre Autos zu finden, entgegnete

Heiß. Die Bürger nähmen auch zur

Kenntnis, dass die Kontrollen dazu

führen, dass nicht mehr so oft falsch

geparkt wird. In ihrem Bezirk stießen

die Pläne für weitere Parkzonen jedenfalls

auf „breite Zustimmung“,

berichtete die Stadträtin. „Selten

habe ich so viele lobende Briefe bekommen

wie für die Parkzone 55.“

Peter Neumann

ist gespannt, ob der Plan

des Senats aufgeht.

Männer auf dem Sofa, Frauen aufs Parkett

Bewegung bis ins hohe Alter: Die erste Tanzschule bietet jetzt Kurse für Senioren an, die statt mit einem Partner mit ihrem Rollator die Tanzfläche erobern

VonKerstin Hense

Sie treffen sich einmal wöchentlich

und lassen ihre Hüften zu

Rumba, Wiener Walzer und Cha-

Cha-Cha kreisen. Ihren Tanzpartner

haben diese Damen dabei stets an

ihrer Seite –und er hat keine zwei

Beine, sondern vier Räder. Die Steglitzer

Tanzschule Dieter Keller hat in

ihrer Zweigstelle in Teltoweine neue

Tanzsportart im Programm: den

Rollator-Tanz für Senioren.

Brigitte (83), Bärbel (72), Hannelore

(83) und Carmen (87) sind an

diesem Nachmittag nur zu viert. Bevor

sie zum eigentlichen Tanz starten,

sitzen sie noch bei Kaffee und

TeeamTisch zusammen. Bisher hat

sich kein einziger Mann in ihrer

Runde blicken lassen. „Die Männer

sind nicht so gesellig wie wir Frauen.

Sie sitzen lieber zu Hause vor dem

Fernseher und gehen nirgendwo

mehr hin“, sagt Brigitte –und das

klingt fast ein wenig vorwurfsvoll. Sie

habe jahrelang einen Fuhrbetrieb

geführt, und dorthabe sie gelernt zu

sagen, was sie denke. Doch zu dem

Tanz, den die Damen tanzen wollen,

sind Männer gar nicht zwingend

notwendig –denn getanzt wird hier

mit Rollator.Das hat einen ernsthaften

Hintergrund. „Das Gute ist: Man

verliert dabei die Angst vor dem Gerät“,

sagt Christopher (31). Er leitet

den besonderen Tanzkurs schon seit

Oktober und kommt bei den Seniorinnen

als Lehrer sehr gut an. Die

Teilnehmer duzen sich untereinander,wollen

auch in der Zeitung ihren

vollen Namen nicht lesen.

„Der Chris“, so nennen sie ihren

Tanzlehrer, sei „äußerst charmant

und uns zugewandt“, erzählt Hannelore.

Jetzt klatscht er in die Hände.

Die Damen erheben sich von ihren

Plätzen und schieben ihren Rollator

auf das blanke Parkett. Als die Musik

zum Foxtrott einsetzt, fahren sie mit

ihren Gehhilfen zügig im Uhrzeigersinn

im Kreis.„Standardtänzeeignen

sich zu dieser Bewegung sehr gut“,

erklärtChristopher.Erruft mit lauter

Stimme „Hacke, Spitze“ und die

Rentnerinnen wippen im Takt vor

Rollator–Tanzkursmit Tanzlehrer Chris in der Tanzschule Keller in Teltow.

und zurück. Hannelore strahlt. Sie

hat sich für die Tanzstunde extrafein

gemacht, trägt ein langärmeliges rotes

Spitzenoberteil und dazu den

passenden roten Nagellack.

Fast alle Damen haben schon in

jüngeren Jahren gerngetanzt. Siebe-

BERND FRIEDEL

wegen sich trotz ihres höheren Alters

noch sehr anmutig, ihreArmegehen

ganz elegant über den Kopf nach

vorn und die Füße zur Seite. „Ich

habe brasilianische Vorfahren und

die Musik im Blut“, sagt Carmen,

eine kleine Frau mit kurzen grauen

Haaren. Während sie ihren Rollator

schiebt, kreist sie mit ihren Hüften.

Ihre Gesichtszüge wirken entspannt.

Die Rollator-Tänzerinnen sind

beim Walzer angekommen. „Vor

zwei, drei, rück zwei drei und dabei

drehen wir uns“, erklärtChristopher.

Carmen hat sich mit ihrem Rollator

ein wenig von der Gruppe entfernt.

„Achtung, wir warten auf die anderen“,

ermahnt er. „Tanzen hat auch

ein paar Regeln.“ Die Freude steht

trotz allem im Vordergrund. Der

Rollator-Tanz wurde vom Allgemeinen

Deutschen Tanzlehrerverband

(ADTV)entwickelt, damit Menschen

mit eingeschränkter Mobilität, wie

Bärbel, nicht vom gesellschaftlichen

Leben ausgeschlossen sind.

Siekomme auch wegen der sozialen

Kontakte und der Bewegung, sagt

Bärbel. Dass sie heute so flott über

das Parkett fährt, grenzt wohl an ein

Wunder. Zweimal sei sie schon am

Kopf wegen eines Aneurysmas operiert

worden, das letzte Mal habe sie

nur knapp überlebt.„Wenn mir mein

Mann nicht immer wieder Mut gemacht

hätte, hätte ich es wohl nicht

geschafft“, sagt sie. Bärbel hat sogar

drei Gehhilfen zu Hause. „Diesen

hier nehme ich nur zum Ausgehen“,

sagt sieund zeigt stolz auf ihren Rollator.

Nach dem Tanzen schieben die

Anzeige

Lesen Sie am Wochenende

Mobile Welten

Rund ums alte Blech: Klassiker

bei Oldtimer-Treffen bestaunen

Frisch, frech,freundlich: Der

Citroën C5 AircrossimTest

Seniorinnen ihre Tanzpartner gemeinsam

zur Bushaltestelle. Auch

wenn sie dank der Rollatoren auf

Männer verzichten können –„ein

paar nette Herren im Kurs wären

schon schön“, sagt Bärbel und lacht.

Sie freut sich schon auf nächsten

Montag, 15 Uhr. Dann tanzt sie wieder.Mit

ihrem Rollator.


Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020 15

· ·

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Berlin

Rosskur

für den

RBB

Sender muss „bittere

Summe“ sparen

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg

(RBB) muss sich neu ausrichten

–und deutlich sparen. „Kosmetische

Änderungen“ reichten

nicht mehr aus,umimdigitalen Zeitalter

zu bestehen, sagte Intendantin

Patricia Schlesinger bei der Vorstellung

der Senderpläne für dieses Jahr.

DerRBB stehe damit vorder größten

Herausforderung seit seiner Gründung

2003: Mit geringeren Mitteln

müsse sich der Sender konsequent

den Sehgewohnheiten der jüngeren

Generation anpassen, dabei aber das

traditionelle Programm nicht vernachlässigen.

„Wir müssen uns mittelfristig

komplett neu aufstellen, was Formatierung,

Inhalte und Produktion betrifft“,

sagte Schlesinger und sprach

von Einsparungen von 20Millionen

Euro im Jahr –„eine bittereSumme“,

wie sie sagte. Dies werde auch den

Mitarbeitern tiefgreifende Veränderungen

abverlangen.Wiesich das Angebot

nach unterschiedlichen Plattformen

ausrichten werde, beschrieb

Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus

am Beispiel von„Chez Krömer“.

Die neue Comedy-Staffel mit

Kurt Krömer startet am 11. Februar

fast gleichzeitig im Fernsehen und

online. Der Sender hatte damit gute

Erfahrungen: Dievier Folgen der ersten

Staffel wurden bisher 1,3 Millionen

Malabgerufen und haben damit

gleich soviele Zuschauer erreicht wie

im traditionellen Fernsehen. Auch die

acht Folgen der neuen Mini-Se

Angesichts dieses Wandels im Medienkonsum

spielt die traditionelle

TV-Quote für Schlesinger eine wichtige,

aber keine entscheidende Rolle.

Es gehe vorallem darum, im Netz auffindbar

zu sein. Podcast-Angebote

und Formate für YouTube sollen im

Angebot etwa der Jugendwelle Fritz

ausgebaut werden. (BLZ)

Intendantin Patricia Schlesinger hat ein

Sparprogramm aufgelegt. BLZ/PAULUS PONIZAK

Sesede Terziyan spielt Kriminalhauptkommissarin Jasmin Sayed. Und dafür braucht sie einen Bootsführerschein.

Sesede Terziyan wundertsich

jetzt auch, dass sich beim

Casting für die neue Serie

„WaPo Berlin“ ihre

Schwimmfähigkeiten keine Rolle gespielt

haben: „Danach ist nicht gefragt

worden.“ Sie ist keine besonders

ausdauernde,schnelle oder elegante

Schwimmerin, aber es dürfte

reichen: „Ich kann mich über Wasser

halten.“ Manchmal werden für

Dreharbeiten besondere Kenntnisse

benötigt, was die angenehme Nebenwirkung

hat, dass man als

Schauspieler in der Arbeitszeit Dinge

tut, mit denen andere ihre Freizeit

verbringen. Diesmal auch: „Wir

durften alle den Bootsführerschein

machen.“ Den haben inzwischen

auch sämtliche Kollegen. Bis auf Sesede

Terziyan, die die Chefin, Kriminalhauptkommissarin

Jasmin

Sayed, spielt: „Ich muss noch nachsitzen.“

Wenn die Berlinerin, die früher in

Kreuzberg gelebt hat, von dort aber

wegen der Mieten nach Prenzlauer

Berg zog, über ihre neue Arbeit

spricht, gerät sie ins Schwärmen:

„Was ich bei der Wapo so schön

finde, ist die Mischung der Menschen

und Geschichten. Und dass

Die Chefin muss nachsitzen

Die Berlinerin Sesede Terziyan

ermittelt ab nächster Wocheim

Ersten in einer neuen

Vorabend-Serie

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

die Stadt vom Wasser aus erzählt

wird.“

Die Beiläufigkeit, in der die Diversität

der WaPo-Besetztung vermittelt

wird, ganz ohne erhobenen

Zeigefinger und politisch hoch korrekten

Vortrag, gefällt der Schauspielerin,

die in Nordenham in Niedersachsen

geboren wurde und

Vorfahren aus Armenien hat. Beider

Serie, die vom 28. Januar an dienstags

um 18.50 Uhr imErsten die Ermittlungen

einer Einheit der Wasserschutzpolizei

zeigt, wurden

Schauspieler mit so genanntem Migrationshintergrund

nicht nach

dem bei anderen Serien immer

noch üblichen Cocktailkirschenprinzip

als Verzierung auf die fertige

Besetzung deutscher Hauptdarsteller

draufgesetzt. Die Wapo ist so

bunt wie Berlin, was aber nicht groß

thematisiertwird:„Das war für mich

einer der ausschlaggebenden

CHRISTIAN SCHULZ

Punkte für diese Arbeit. Außerdem

kann ich in Berlin drehen, bin also

abends zu Hause.“

Abziehbilder statt Menschen mag

sie nicht spielen: „Wenn Rollen klischeebeladen

sind, mache ich das

nicht. Das will ich nicht bedienen.“

Acht Folgen mit ihr als Chefin der

WaPo sind bereits gedreht, weitere

acht hat der Sender schon vor der

Ausstrahlung der ersten Staffel bestellt,

was für ein gewisses Vertrauen

in einen Erfolg spricht. Die neue Serie

beansprucht die 38-Jährige nur

drei Monate pro Jahr:„Es bleibt also

Zeit für das Theater, ich bin nämlich

gern Ensemblemitglied.“ Am 28.

März kann man sie in der Premiere

des neuen Stückes „Berlin Oranienplatz“

am Maxim-Gorki-Theater sehen.

Die Frage, obsie sich vorstellen

kann, bei der „WaPo Berlin“ alt zu

werden, bringt die Schauspielerin

ganz kurzineine Abwehrhaltung: „Je

facettenreicher meine Arbeit ist, um

so besser für mich. Aber mich interessiert

es, Menschen abzuholen.

Wenn ich mit einer Serie wie „WaPo

Berlin„ viele Menschen mit guten

Geschichten erreiche, dann freut

mich das.“

WeShare will

nach Europa

expandieren

VW-Tochter sieht Testlauf

in Berlin als Erfolg

Der Carsharing-Anbieter WeShare

will seine vollelektrischen

Leihwagen in sieben weiteren europäischen

Städten aufstellen. Im

Laufe des Jahres sollen München,

Budapest, Prag, Madrid, Paris und

Mailand dazukommen, wie WeShare-Chef

Philipp Reth sagte. Insgesamt

soll die Elektro-Flotte des Unternehmens

dann aus rund 8400

Fahrzeugen bestehen.

Engpass beim Laden

WeSharehatte sein Angebot im Juni

vergangenen Jahres in Berlin mit

rund 1500 Autos begonnen. In den

nächsten Monaten soll die Flotte in

der Haupstadt auf rund 2000 wachsen.

Das Geschäftsgebiet sei ausgeweitet

worden. In den Randbezirken

Berlins steht das Angebot aber

weiterhin nicht zur Verfügung. „Da

wünschen wir uns auch ein Entgegenkommen

der Stadt“, sagte Reth.

Vorstellbar sei etwa, dass die Stadt

bei den Parkgebühren in der Innenstadt

Abstriche macht. So ließe sich

der Service in den äußeren Gebieten

besser finanzieren.

Ein Engpass sind zudem die Ladestationen.

In Kooperation mit

den zur Schwarz-Gruppe gehörenden

Supermarktketten Lidl und

Kaufland will WeShare insgesamt

140 eigene Ladepunkte in ganz Berlin

aufbauen. In der Stadt selbst stehen

800 öffentliche Stationen zur

Verfügung. Dennoch gilt die Ladeinfrastruktur

nicht nur in Berlin als

mangelhaft.

Das WeShare-Angebot wird von

der hundertprozentigen VW-Tochter

Umibetrieben. Geld verdientVW

mit dem Angebot bislang nicht. Das

soll sich laut Reth in den kommenden

Jahren aber ändern. „Das ist

kein rein strategisches Angebot“,

sagte er. (dpa)

WeShare ist in Berlin gestartet. Nun gehtes

in andere Metropolen.

WE SHARE

BERLIN

MESSEN

Messe Ausbildung &Karriere

14. und 15. Februar 2020, 9–16 Uhr

berlinmessen.de


16 Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020

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Berlin/Brandenburg

NACHRICHTEN

Einmütigkeit im Kampf

gegen Antisemitismus

In seltener Einigkeit hat sich der

Brandenburger Landtag mit den

Stimmen aller sechs Fraktionen gegen

Antisemitismus und Rassismus

und für mehr Schutz jüdischen Lebens

ausgesprochen. „Der Landtag

stellt sich gegen alle Tendenzen der

Ausgrenzung, der Gewalt, des Hasses

und der Hetze“, heißt es in einem

Antrag der drei Koalitionsfraktionen

vonSPD,CDU und Grünen sowie

der Linken, für den auch AfD und

Freie Wähler stimmten. (dpa)

Land will unabhängige

Anlaufstelle für Heimkinder

Kinder und Jugendliche aus Heimen

sollen eine unabhängige Anlaufstelle

für Sorgen und Missstände bekommen.

DerLandtag beschloss mit

breiter Mehrheit, dass die Landesregierung

ein Konzept für eine Ombudsstelle

erstellen soll, die unabhängig

vonden zuständigen Jugendämternist.

Jugendministerin Britta

Ernst (SPD) sprach sich für ein solches

Konzept aus.„DerKinderschutz

gehörtauch bei der neuen Landesregierung

zu den Schwerpunkten“,

sagte sie.„Wirwollen deshalb Lücken

im Hilfesystem, die wir erkennen,

auch schließen.“ (dpa)

Warnstreik in

Potsdams Schlössern

Miteinem erneuten Warnstreik haben

Mitarbeiter der Schlösserstiftung

für die Aufnahme vonTarifverhandlungen

demonstriert. DasNeue

Palais im Potsdamer Park Sanssouci

und das Schloss Rheinsbergblieben

am Donnerstag geschlossen. Das

Schloss Cecilienhof hatte nur für

Gruppen geöffnet, sagte Stiftungssprecher

Frank Kallensee.Nach Angaben

der Gewerkschaft Verdinahmen

50 Beschäftigte an dem Warnstreik

teil und zogen zur Streikversammlung

vorden Landtag. (dpa)

Internetkriminelle greifen Rathaus an

In Potsdam mussten alle Computersysteme vom Netz genommen werden. Ministerien sind nicht betroffen

VonJens Blankennagel, Potsdam

Sie wollten etwas ganz Alltägliches

erledigen und ihr

neues Auto anmelden, doch

dann standen Dutzende

Leute in Potsdam vorder verschlossenen

Zulassungsstelle. Auch die Bürgerämter

waren am Donnerstag nur

begrenzt einsatzfähig. Leute,die Ausweise

oder Reisepässe beantragen

wollten, wurden wieder nach Hause

geschickt. Auch Baugenehmigungen

konnten nicht bearbeitet werden. Alles

Dinge, bei denen die Stadt übers

Internet mit anderen Behörden hätte

kommunizieren müssen.

DerGrund: DieLandeshauptstadt

ist das Opfer eines großangelegten

Cyberangriffs von Kriminellen geworden,

die versucht haben, sich Zugang

zum Computersystem der

180000-Einwohner-Stadt zu verschaffen.

Schäden in Milliardenhöhe

„Wir haben unsere Systeme aus Sicherheitsgründen

offline gestellt,

weil wir voneiner illegalen Cyber-Attacke

ausgehen müssen“, sagte

Oberbürgermeister Mike Schubert

(SPD). „Wir arbeiten mit Hochdruck

daran, dass die betroffenen Systeme

der Verwaltung baldmöglichst wieder

eingeschaltet werden und wir

wieder sicher arbeiten können.“

Potsdam ist nicht das einzige Ziel.

So nahm am Donnerstag auch die

Stadtverwaltung von Stahnsdorf

(Potsdam-Mittelmark) ihr System

vomNetz. DieLandesregierung blieb

offenbar verschont. „Ich möchte betonen,

dass das Landesverwaltungsnetz

nicht betroffen ist“, sagte Andreas

Carl, Sprecher des Innenministeriums.„DieSicherheit

war und ist gewährleistet

und war nie durch die in

Rede stehende Schwachstelle der

Herstellersoftwaregefährdet.“

Die Gefährdungslage werde als

andauernd hoch eingeschätzt. Die

Kommunen können sich beim Land

über aktuelle Schwachstellenwarnungen

frühzeitig informieren.

Internet –unendliche Weiten und unendliche Möglichkeiten für Kriminelle.

Täter: Oft verschlüsseln Cyberkriminelle

fremde Daten,

um dann Lösegeld für deren

Entsperrung zu verlangen.

Doch die Betroffenen können

nicht darauf vertrauen,

bei Zahlung wieder Zugang

zu den Daten zu bekommen.

ERPRESSUNG IM INTERNET

Studie: Laut einer am Donnerstag

veröffentlichten Studie

der US-Sicherheitsfirma

Proofpoint entschieden sich

33 Prozent der voneiner solchen

Ransomware Infizierten

dafür,das geforderte Lösegeld

zu zahlen.

DPA/GOLLNOW

Zugriff: Doch etwa jeder

Fünfte (22 Prozent) erhielt

trotzdem keinen Zugriff auf

die Daten. Neun Prozent

sagten, sie seien nach der

Zahlung außerdem mit weiteren

Forderungen der Erpresser

konfrontiertworden.

Im Oktober 2019 musste das Berliner

Kammergericht nach einer Cyber-Attacke

die Verbindung zum Internet

kappen. Im Dezember war die

Stadtverwaltung im hessischen Bad

Homburg betroffen. Vor zwei Wochen

traf es dann die UniGießen.

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes

stieg die Zahl der Cyber-Attacken

2018 um 1,3 Prozent auf

87 000. Dies sind nur die bekannt gewordenen

Fälle. Experten gehen davon

aus, dass die Dunkelziffer sehr

groß ist, weil viele die Angriffe nicht

bemerken oder Firmen sie nicht anzeigen,

damit der Schaden nicht bekannt

wird.

Der Digitalverband Bitkom geht

davon aus, dass die Attacken seit

zwei Jahren noch einmal massiv zugenommen

haben. „Der Industrie ist

durch Sabotage, Datendiebstahl

oder Spionage in den vergangenen

zwei Jahren ein Gesamtschaden von

43,4 Milliarden Euro entstanden.“

Vermehrte Aktivitäten der Hacker

Die Potsdamer Stadtverwaltung hat

nun zusätzliche IT-Forensiker und

Sicherheitsexperten geholt, die alle

Computersysteme prüfen. Stadtsprecher

Jan Brunzlow sagte, dass

die Stadt in der Vorwoche Hinweise

bekam, dass es eine Sicherheitslücke

beim Citrix-Programm gibt. Das ist

eine Art Schnittstelle zwischen dem

internen System und der Internetwelt.

Vonden 2500 Mitarbeitern der

Stadt haben 425 einen solchen Zugang.

„Das Programm ist eine ArtTor

in unser internes System“, sagte

Brunzlow. Als es dort amMittwoch

verstärkte Hackeraktivitäten gab,

habe man das System vom Netz genommen.

„Derzeit gehen wir davon

aus, dass es den Kriminellen nicht

gelungen ist, personenbezogene Daten

vonunseren System zu stehlen.“

Wie lange die Überprüfung des

Systems noch dauert, ist unklar. Die

Herstellerfirma wolle bis Ende Januar

eine aktualisierte Fassung ohne

die bisherigen Sicherheitsmängel

zur Aktualisierung bereitstellen.

Tesla-Factory:

Offener Brief

an Woidke

Nabu fordert Steuerung der

Folgen durch die Regierung

VonJens Blankennagel, Potsdam

Wegen der anstehenden Ansiedlung

der sogenannten Gigafactorydes

US-Elektroautobauers Tesla

hat sich nun der Naturschutzbund

(Nabu) mit einem Offenen Brief an

Brandenburgs Ministerpräsidenten

Dietmar Woidke (SPD) gewandt. Die

Naturschutzorganisation fürchtet

massive Auswirkung auf die Region

rund um den Standort Grünheide

und fordert die Regierung auf, die

absehbaren „Folgewirkungen“ der

Ansiedlung zu bearbeitet und zu

steuern. Nabu-Landeschef Friedhelm

Schmitz-Jersch schreibt, es

seien erhebliche Verkehrsbelastung

und Zuzug zu erwarten. Für die Bürgerinnen

und Bürger sei nicht sichtbar,

wie die zu erwartenden Auswirkungen

angegangen und gesteuert

werden. „Die Menschen in der Region

wollen aber wissen, welche Folgen

die Ansiedlung auf ihre Lebensverhältnisse

hat“, heißt es.

Der Tesla-Konzern will bei Grünheide

für vier Milliarden Euro seine

erste europäische Fabrik bauen, bis

zu 9000 Arbeitsplätze schaffen und

500 000 Elektroautos proJahr bauen.

DerLandtag hat den Verkauf des bislang

landeseignen Grundstücks für

41 Millionen Euro zugestimmt, auch

der Tesla-Vorstand hat am Wochenende

dem Deal zugestimmt.

Der Nabu hebt hervor, dass die

Region als „Landschaftsschutzgebiet

Müggelspree-Löcknitzer Wald- und

Seengebiet“ großflächig geschützt

sei.„Wir forderndeshalb,dass für die

Steuerung der weiteren Entwicklung

eine interministerielle Arbeitsgruppe

gebildet wird“, sagte

Schmitz-Jersch. Der politische Gestaltungswille

der Regierung müsse

sich in der Steuerung der Folgewirkungen

im Interesse der dort lebenden

Menschen zeigen.

BEKANNTMACHUNGEN

Beteiligung der Öffentlichkeit an der Bauleitplanung

Bezirk Treptow-Köpenick

Frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit,

§3Abs. 1Baugesetzbuch

Ortsteil Altglienicke

Bebauungsplan 9-68

(Geltungsbereich vgl. nebenstehenden Planausschnitt)

Ziel/Zweck: Entwicklung eines allgemeinen Wohngebietes mit

öffentlichen Grünflächen sowie einem öffentlichen Kinderspielplatz.

Ortsteil Niederschöneweide

Bebauungsplan 9-72

(Geltungsbereich vgl. nebenstehenden Planausschnitt)

Ziel/Zweck: Entwicklung des denkmalgeschützten Areals als Kernund

Gewerbegebiet mit Ufergrünzug.

Sie können die Pläne und Entwürfe einsehen und nach Erläuterung

der Ziele,Zwecke und Auswirkungen der PlanungÄußerungendazu

abgeben. Das Anhörungsergebnis wird indie weitere Planung einfließen.

Zeit: vom 27. Januar 2020 bis einschließlich 7. Februar 2020

Montag bis Mittwoch von 8.00 Uhr bis 16.00 Uhr, Donnerstag

von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr, Freitag von 8.00 Uhr bis 14.00 Uhr

sowie nach telefonischer Vereinbarung

Ort: Bezirksamt Treptow-Köpenick, Abt. Bauen, Stadtentwicklung und öffentliche Ordnung, Stadtentwicklungsamt,

Fachbereich Stadtplanung, Rathaus Köpenick, Alt-Köpenick 21, 12555 Berlin,

Flurbereich zwischen Zimmer 131/132, Tel. Nr. 030/90297-2383, 2266

Die Unterlagen können während der o.g. Beteiligungsfrist im Internet eingesehen werden:

Bebauungsplan 9-68: https://www.berlin.de/ba-treptow-koepenick/politik-und-verwaltung/aemter/

stadtentwicklungsamt/bebauungsplaene/bebauungsplan.883048.php

Bebauungsplan 9-72: https://www.berlin.de/ba-treptow-koepenick/politik-und-verwaltung/aemter/

stadtentwicklungsamt/bebauungsplaene/bebauungsplan.883055.php sowie unter: www.mein.berlin.de

TRAUERANZEIGEN

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Zum einjährigen Todestag

Johanna Kluge

*25.12.1927 †24.01.2019

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Beratung allein reicht nicht!

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Informationen erhalten Sie gegen

Einsendung von 5Euro (bar oder in

Briefmarken) an die Deutsche Stiftung

Patientenschutz, Informationsbüro

Berlin, Chausseestraße 10,

10115 Berlin oder unter

www.stiftung-patientenschutz.de

In liebevoller und dankbarer Erinnerung

Wolfgang, Marion, Martina und Miriam

Berlin, 24. Januar 2020

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Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020 17

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Gesundheit

Kälte, die guttut

Extreme Minus-Temperaturen können Patienten mit entzündlichem Gelenkrheuma helfen. Berlins kälteste Orte dafür liegen am Wannsee und in Lichtenberg

VonMichael Timm

Die Temperatur liegt bei Minus 86 Grad. Das hält niemand lange aus –auch nicht, wenn es hilft.

Zur Badekleidung tragen sie

Mütze, Schal, Handschuhe

und dicke Socken. Das Gesicht

ist durch eine Maske

geschützt, wie sie sonst nur Chirurgen

im OP anlegen. Dann öffnet sich

die Kühlschranktür.Kältewolken wabern

über den Boden. Jetzt ein paar

mutige Schritte: Und schon stehen

die Patienten in sibirischer Kälte.

Frank Ruppenthal schließt hinter ihnen

schnell die schwereStahltür.

Jeden Morgen bricht am Wannsee

die Eiszeit an. Dort, wo die Patienten

im Badeanzug jetzt von einem Fuß

auf den anderen treten, fällt das Thermometer

auf minus 60 Grad. Das ist

so kalt wie Sibirien im Winter. Doch

die Tiefkühlzelle ist nur der Vorraum.

30 Sekunden später öffnet sich eine

zweite Tür. Jetzt kommt die eigentliche

Kältekammer.Vier Quadratmeter

ist sie groß. Hier herrschen eisige

Temperaturen wie im Weltraum: 110

Grad minus! Willkommen in Berlins

ungewöhnlichster Rheuma-Station.

Willkommen in der Wannseer Kältekammer.

Sie steht im Immanuel-Krankenhaus

an der Königstrasse. Bei minus

110 Grad gefriert hier sogar der

Schmerz. Das ist der Sinn der Kältetherapie.

„Die meisten unserer Patienten

leiden an entzündlichem Gelenkrheuma

oder an rheumatischen

Krankheiten wie Bechterew und Psoriasis-Arthritis“,

erklärt Frank Ruppenthal.

Der leitende Physiotherapeut

ist für die Therapie in der Kältekammer

zuständig. Täglich schleust

er bis zu hundert Patientinnen und

Patienten in kleinen Gruppen durch

den arktischen Kälteschock. DerAufenthalt

in derTiefkühlkammer dauert

aber nur höchstens drei Minuten. In

dieser Zeit heißt es, ständig in Bewegung

zu bleiben. Dann ist der Ausflug

schon wieder beendet. Ein angenehmes

Wärmegefühl macht sich breit,

sobald man sie wieder verlässt. Das

Wichtigste aber: Die Schmerzen sind

nahezu weg. Oder haben wenigstens

vorübergehend abgenommen. Denn

nach der Kältebehandlung können

die Rheumatiker ihre kranken Gelenke

plötzlich wieder viel besser bewegen.

Sie gehen dann gleich zur

Krankengymnastik und machen

Übungen, die sonst wegen der

Schmerzen gar nicht möglich wären.

Auf diese Weise erhalten sie ihre Gelenke

trotz Rheuma einigermaßen

beweglich. In der Regel sind mindestens

zehn Anwendungen erforderlich,

um eine spürbare und anhaltendeWirkung

zu erzielen.

Die Haut kühlt sich demnach auf

etwa acht Grad Celsius ab.„Die Körpertemperatur

bleibt aber während

dieser drei Minuten in der Regel stabil“,

sagt Chefarzt Andreas Krause,

der die Abteilung für Rheumatologie

am Immanuel-Krankenhaus Berlin

leitet. „Die Kältereize verdrängen

hier den Schmerzreiz.“ Durch die

ZB

Kälte sollen schmerz- und entzündungshemmende

Mechanismen in

Gang gesetzt werden.

„Unsere Behandlung löst mehrere

entzündungshemmende Mechanismen

aus“, sagt Frank Ruppenthal.

„Die Schmerzweiterleitung aus

den Gelenken wird gebremst. Das

Blut fließt verstärkt in das Innereder

Muskulatur, die dadurch mehr Sauerstoff

und Nährstoffe erhält. Unsere

Erfahrungen haben gezeigt, dass wir

95 Prozent der Schmerzpatienten

mit der Kältetherapie helfen können.“

Die Kältetherapie schafft nicht

nur ein deutlich verbessertes Lebensgefühl

für die Betroffenen, sondernhilft

auch, schmerzlösende und

entzündungshemmende Medikamente

(Antirheumatika) einzusparen.

Viele Menschen berichten, dass

sie sich nach ihrem ersten Kälteerlebnis

viel freier bewegen können.

Die Ganzkörperkältetherapie steigert

die Leistungsfähigkeit und verbessertdas

Allgemeinbefinden.

Diese Möglichkeit möchte Chefarzt

Andreas Krause möglichst vielen

seiner Patienten bieten. Der Spezialist

leitet die Abteilung für Rheumatologie

am Immanuel-Krankenhaus

Berlin. Dazu gehört auch eine

Rheuma-Tagesklinik. Dafür braucht

man allerdings eine Einweisung vom

Arzt und eine Kostenübernahmeerklärung

der Krankenkasse für eine

teilstationäreBehandlung. Auch ambulante

Patienten sind willkommen,

die die Kosten jedoch selbst tragen

müssen.

Berlin im Herzen.

Und auf dem Handy

SO SCHREIBT MAN BERLIN.

app-berliner-zeitung.de


18 Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020

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Lokalsport

Der große Stratege hinter den Pferden

Der in Berlin lebende Heinz Wewering hat den deutschen Trabrennsport wie kein zweiter dominiert. In der nächsten Woche wird er 70 Jahre alt

VonHarry Nutt

Es gibt nur wenige, die ihre

Sportart über einen so langen

Zeitraum geprägt haben

wie Heinz Wewering.

Diestatistischen Daten sprengen dabei

alle Dimensionen einer Randsportart,

die der Trabrennsport trotz

ambitionierter Versuche, das zu ändern,

immer geblieben ist.

Von1977 an war Heinz Wewering

28 Maldeutscher Champion der Berufsfahrer

und 29 Malder beste Trainer

seiner Zunft. Er gewann vier Europa-

und zwei Weltmeistertitel, und

im Jahre 2003 stellte er mit seinem

14 899. Lebenssieg den bis dahin

gültigen Weltrekord auf. Erst im Jahr

2014 wurde er vondem US-Amerikaner

Dave Palone übertroffen. Immer

zu gewinnen schien ein halbes Leben

lang das Programm des ansonsten

eher zurückhaltenden Westfalen

zu sein.

Der 1950 in Münster-Albachten

geborene Heinz Wewering wollte ursprünglich

nicht zu den Trabern. Irgendwas

mit Pferden, das schon. Also

begann er, mit reichlich Ehrgeiz und

Einfühlungsvermögen für die sensiblen

Tiere ausgestattet, als Jockey im

Galopprennsport, musste nach kurzer

Zeit aber einsehen, dass er dafür

eigentlich zu groß gewachsen war.

Gespür für die Fahrleine

WasGröße im Pferdesportbedeutet,

hat in Europa später kaum jemand

so nachhaltig definiert wie Heinz

Wewering. Er ist bis heute das Gesicht

des deutschen Trabrennsports,

an Bekanntheit und Beliebtheit

folgte er ganz unmittelbar auf Johannes

„Hänschen“ Frömming, der in

der Nachkriegszeit den Trabrennsport

beinahe im Alleingang repräsentierthat.

In seiner Karriere, die in den 70er-

Jahren so richtig an Fahrt aufnahm,

kam Wewering zweifellos zu Gute,

dass er buchstäblich in die Blütezeit

des Trabrennsports hineingewachsen

war. Seine stärkste Phase an Popularität

und wirtschaftlicher Bedeutung

erreichte der Pferdesport

mit dem ungewöhnlichen Sulky als

Fahrgerät in den späten 80er-Jahren,

und Heinz Wewering wusste den

Aufschwung geschickt für sich zu

nutzen. Zum vorhandenen Gespür

für die Fahrleine stellte er ein bis dahin

in Deutschland kaum bekanntes

Organisationstalent unter Beweis.

Heinz Wewering fuhr über drei Jahrzehnte

an mehr als 350 Tagen im Jahr

Heinz Wewering in der Pose, die ihn berühmt gemacht hat: konzentrierter Blick und viel Gefühl in den Fingern.

Rennen. Er gewann oft ein halbes

Dutzend proTag und sammelte Prämien

in Millionenhöhe für seine verschiedenen

Pferdebesitzer.Die hohe

Frequenz an Veranstaltungen und

Rennen war natürlich eine wichtige

Grundlage für den überwältigenden

Erfolg in diesen Jahren, aber Heinz

Wewering verfügte zudem über die

Begabung, die Chancen auch zu erkennen

und zu nutzen.

Pferdesportler,die erfolgreich sein

wollen, müssen auch gute Unternehmer

sein. In seiner Hochphase hatte

Heinz Wewering auf seiner Trainingsanlage

in Bladenhorst bei Recklinghausen

mehr als 200 Pferde im Stall.

Er beschäftigte zu dieser Zeit mehrere

ausgebildete Trainer und der gute

Geist am Geläuf war dabei sein erster

Stallmann Heinz Mletzko – wegen

seiner ausgeblichenen Haarfarbe

„der Weiße“ genannt –bei dem in der

Vorbereitung der Pferde alle Fäden

zusammenliefen.

28

Mal war

Heinz Wewering

deutscher Champion der

Berufsfahrer.

Aus dem wie geschmiert laufenden

Betrieb gingen große Sieger hervor,

allen vorandie Wunderstute Babesia

aus dem Gestüt Forstwald bei

Mönchengladbach und Diamond

Wayaus der Zucht von Springsport-

Olympiasieger Alwin Schockemöhle,

der Wewering auch den dritten von

insgesamt acht Fahrer-Siegen im

DIE REKORDE

16 912

Siegestehen derzeit auf

dem Konto des ehemaligen

Weltmeisters. Weitere werden

hinzukommen.

707

Siege

erzielte Wewering

allein 1983.

Das war Weltrekord.

Deutschen Traberderby in Berlin-

Mariendorf bescherte, noch immer

der wichtigste Gradmesser für den

Erfolg im Trabrennsport.

Denersten Derbysieg fuhr er 1981

mit dem dreijährigen Hengst Noble

Stardom heraus und läutete damit

endgültig die ÄraWewering im Trabrennsportein.

IMAGO

Menschliche Größe jedoch bewies

Heinz Wewering gerade auch in

den Momenten, als es plötzlich nicht

mehr ganz so rund lief in seiner Karriere.

Er,der kühle Rechner und Perfektionist,

war Mitte der 2000er-

Jahre in eine Steueraffäre geraten,

die ihn deutlich kürzer treten ließ

und sogar dazu zwang, sein sportliches

Glück in Italien zu versuchen.

Der Versuch, mit eigenen Deckhengsten

im Zuchtgeschäft Fuß zu

fassen, verlief eher glücklos.

Als Wewering aus Italien zurückkehrte

und wechselnde Engagements

als Privattrainer annahm,

hatte er zwar vorübergehend seine

unternehmerische Selbstständigkeit

verloren, nicht aber seine Intuition,

im Rennen günstige Passagen zu finden

und diese auch zu nutzen.

Sehr viel beeindruckender aber

war, wie es Heinz Wewering gelang,

sich auch in der Phase der Stagnation

seine Würde als fairer Sportler

zu bewahren. Und obwohl nun andere

den Goldhelm als Trophäe des

erfolgreichsten Piloten trugen, der

doch über fast drei Jahrzehnte unverwechselbar

sein Markenzeichen

gewesen war, hat ihm die abrupte

Wachablösung nie den Spaß und die

Leidenschaft geraubt. Und zur Befriedigung

seiner Lust aufs Siegen

und Gewinnen reichte es natürlich

immer noch.

Nicht selten sind Traberleute

auch Hitzköpfe, Heinz Wewering

aber verknüpft Routineund Geistesgegenwart

mit einer natürlichen

Klugheit, die ihn noch immer als

wichtigsten Vertreter seines Sports

erscheinen lassen.

EinRennsportnomade

Seinen letzten Sieg im Deutschen

Traberderby erzielte er mit dem Außenseiter

Unikum bereits im Jahr

2010, aber jedes Jahr ist HeinzWewering

wieder aufs Neue mitaussichtsreichen

Kandidaten aus seiner Obhut

vertreten oder als verlässlicher

Catchdriver für andere Rennställe

gefragt. Für junge Kollegen ist seine

nie nachlassende Selbstdisziplin ein

Ansporn und die alten schätzen ihn

als angenehmen Zeitgenossen und

Gesprächspartner, obwohl er ihnen

über viele Jahre aus rein sportlichen

Gründen sehr oft das Nachsehen gegeben

hat.

Ein Familienmensch war der

Rennsportnomade Heinz Wewering,

der seine Zelte seit einigen Jahren in

Berlin aufgeschlagen hat, nie. Die

Begeisterung für den Sport hat er

dennoch an seine Kinder Oliver und

Marie-Charlott weitergegeben, die

selbst überaus erfolgreich Rennen

bestritten oder es noch tun. 1999

trug sich Oliver Wewering mit dem

Hengst German Titan ebenfalls in

die begehrte Liste der Derby-Gewinner

ein.

Wo und wie Heinz Wewering am

28. Januar seinen 70. Geburtstag feiern

wird, ist natürlich Privatsache.

Aber wer ihm gratulieren will, kann

das mit einiger Sicherheit nachträglich

im Teehaus der Trabrennbahn

Mariendorf tun, wenn er dort die

Übertragungen der großen Rennen

des Wintermeetings von Paris-Vincennes

beobachtet, um auf dem

Laufenden zu bleiben.

Harry Nutt

hat nicht alle, aber sehr vieleWewering-Siegegesehen.

„Das ist 100 Prozent Inklusion“

Der langjährige Bahnsprinter Robert Förstemann ist zum Para-Cycling gewechselt. Zusammen mit seinem Partner Kai Kruse will er bei den Six Days Berlin einen Rekord knacken

VonPeter Kirnich

Wie sich die Zeiten ändern:„Früher

habe ich mich auf Weltmeisterschaften

im Trainingslager in

Kapstadt vorbereitet“, erzählt Robert

Förstemann, seit mehr als 15 Jahren

einer der besten Bahnradsprinter

der Welt. Sich schinden im Schatten

des berühmten Tafelberges, das

hatte was.Und heute?„Heute bereite

ich mich in Frankfurt (Oder) auf die

Saison-Höhepunkte vor“, sagt der

33-jährige Berliner und kann sich ein

breites Grinsen nicht verkneifen.

Schließlich hat er es so gewollt.

„Nach so vielen Jahren Einzelkämpfer

habe ich nach einer neuen Herausforderung

gesucht“, sagt er.

Er fand sie im Paracycling, als

Tandem-Pilot für den sehbehinderten

KaiKruse.Beide kannten sich bereits

von gemeinsamen Trainingsstunden.

Als Kruse und sein erster

Tandem-Partner Stefan Nimke sich

im Vorjahr getrennt hatten, suchte

Kruse nach einem neuen Partner.Da

passte es gut, dass Förstemann sich

gerade sportlich verändern wollte.

„Ich war sofort begeistert von der

Idee,mit Kaiein Team zu bilden.“

Kruse hatte als dreijähriges Kind

bei einem Unfall einen Großteil seiner

Sehfähigkeit verloren. Mit neun

Jahren begann der sportbegeisterte

Junge mit dem Rudern. Im Mixed-

Vierer gewann er bei den Paralympics

2012 in London die Silbermedaille.

Vier Jahre später gelang ihm

ein ähnliches Kunststück, doch diesmal

nicht im Wasser sondernauf der

Radrennbahn. Gemeinsam mit Stefan

Nimke gewann er die Bronzemedaille

über 1000 Meter Zeitfahren

auf dem Tandem. „Ich habe nach der

Trennung von Stefan lange gesucht,

wer zumir passen könnte. Mit Robertläuft

es perfekt.“

Die Ketten gesprengt

Seit einem Jahr fahren die beiden

jetzt zusammen. An die urwüchsige

Kraft seines neuen Partners musste

sich Kruse jedoch erst gewöhnen.

„Wenn Robertantritt, dann steckt da

unheimlich viel Power hinter“, berichtet

Kruse. „Kai hat sich am Anfang

immer dermaßen in seinen

Lenker verkrampft, dass ich die Spur

gar nicht richtig halten konnte“, erinnert

sich dagegen Förstemann an

ihre ersten Fahrten. „Aber ein

Schnelles Tandem: RobertFörstemann (vorne), Kai Kruse.

schneller Antritt ist eben wichtig, gerade

mit dem Tandem“, erklärt er.

„Das sind immerhin rund 200 Kilogramm

Gewicht zusammen mit uns

beiden. Werdie am schnellsten ins

Rollen bringt, hat viele Vorteile.“

Klar, dass das einer sagt, der über

viele Jahre die deutsche Auswahl im

Teamsprint anfuhr und mit ihr 2012

bei den Olympischen Spielen in London

Bronze gewann. Für Kruse aber

war es nicht so leicht, sich daran zu

IMAGO IMAGES

gewöhnen,„zumal es hin und wieder

durch die Wucht des Anfahrens

mächtig krachte“, wie er berichtet.

Malhatten sie „die Kette gesprengt“,

mal knallte es vorn, mal hinten. „Ich

musste Kaidann immer beruhigen“,

sagt Förstemann. Etwa mit Argumenten

wie diesen: „Ein bisschen

Wahnsinn gehört eben dazu.“ Das

waren die Anfänge.

Inzwischen wurde ihr Tandem

unter anderem vonden Experten des

Instituts für Forschung und Entwicklung

von Sportgeräten (FES) noch

einmal auseinandergenommen und

überarbeitet. Kette, Ritzel, Speichen

und vieles mehr wurden ausgebessert,

das ganzeTandem deutlich stabiler

gestaltet und speziell an die beiden

Radsprinter angepasst.

Vorbereitung auf Paralympics

Nun kann die neue Saison starten.

Für dieses Jahr hat sich das Duo viel

vorgenommen. In einigen Tagen

wollen sie bei der Weltmeisterschaft

in Kanada zu den Besten gehören,

und im August dann möglichst bei

den Paralympics über 1000 Meter

Zeitfahren zu den Medaillen greifen.

Doch bevor es nach Kanada geht,

wollen sie sich und ihr neues Tandem

bei den Berliner Sixdays noch

einmal testen. Nichteinfach so.„Wir

wollen im Velodrom einen neuen

deutschen Rekord mit dem Tandem

über 1000 Meter aufstellen“, sagt

Förstemann. Dazu müssten sie die

vier Runden am Freitag unter 61,6

Sekunden fahren. „Das ist möglich“,

glauben beide.

Es hat den Anschein, dass beide

sehr fit sind.„Vom Trainingsaufwand

hat sich kaum etwas geändert“, sagt

Förstemann. Einziger Unterschied:

Er müsse sich jetzt nicht mehr alleine

schinden, sondern für ihr gemeinsames

Ziel. Förstemann hat in

den letzten Monaten noch etwas gelernt,

wie er sagt: „Ich nehme die

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Lesen Sie am Wochenende

Karriere

Richtig durchsetzen: DerKampf

für Frauen im Berufsalltag

Dress-Code im Job:Jeans und

Sneaker gehenimmer,oder?

Leistungen vonSportlernmit Handicap

heute bewusster wahr. Die trainieren

ebenso fleißig und hart, aber

stehen selten im Mittelpunkt.“ Für

Kai Kruse bedeutet es viel, sich mit

dem ehemaligen Top-Sprinter auf

die Paralympics in Japan vorbereiten

zu können. Der Sport helfe ihm, ein

ausgefülltes Leben zu führen. Er

schwärmt: „Das ist 100 Prozent Inklusion.“


Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020 19

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Sport

Lücke

hinter der

Bande

Trainer Aubin fehlt den

Eisbären zwei Partien

Inden vergangenen Wochen hinterließen

abwechselnd verletzte

Spieler größere und kleinere Lücken

im Aufgebot der Eisbären. In den

Partien in München am Freitag

(19.30) und zu Hause gegen Schwenningen

am Sonntag (17 Uhr) sind die

Reihen nach der Rückkehr von Fabian

Dietz zwar wieder voll besetzt.

Allerdings müssen sie auf Cheftrainer

Serge Aubin verzichten. Nach

dem Todseines Vaters flog der 44-

Jährige in seine kanadische Heimat.

Seine beiden Assistenten Gerry

Fleming, 53, und Craig Streu, 51,

werden die Mannschaft auf die so

unterschiedlichen Herausforderungen

gegen den Tabellenführer und

den -letzten einstimmen. Weil sie

aber beide nicht über eine gültige Lizenz

verfügen, um ein DEL-Team

auch offiziell zu betreuen, wird

Sportdirektor Stéphane Richer, 53,

sein Comeback hinter der Bande geben.

Im vergangenen Jahr hatte er

die Mannschaft ja bereits nach der

Entlassung von Clément Jodoin bis

zum Saisonaus im Play-off-Viertelfinale

betreut.

An der Aufstellung für das Spitzenspiel

in München hat Aubin noch

mitgewirkt.„Justin Pogge wirdimTor

stehen“, erläuterte er. Obwohl Sebastian

Dahm mit dem Team am

Sonntag einen 5:3-Erfolg in Schwenningen

feierte, erhält der Kanadier

den Vorzug. „Er hatte einen starken

Auftritt im letzten Spiel gegen München,

er konnte diese Mannschaft

bereits kennenlernen.“ Zudem kehrt

durch Dietz’ Rückkehr Constantin

Braun, zuletzt als Stürmer im Einsatz,

in die Verteidigung zurück.

Für Eisbären-Stürmer Marcel Noebels

beginnt in München eine wegweisende

Phase. Die vier Spiele vor

der Pause würden zeigen, ob die Eisbären

„noch mal Platz drei angreifen

können oder lieber Richtung Platz

fünf schauen“. (pae.)

Europas

Play-offs

im Visier

Albas Basketballer wollen

Aufwärtstrend fortsetzen

N

ach zuletzt zwei Auswärtssiegen

in der Euroleague hintereinander

will Basketball-Bundesligist

Alba Berlin seinen Aufwärtstrend

fortsetzen. Am Freitag tritt der

Hauptstadtklub beim litauischen Serienmeister

Zalgiris Kaunas (19 Uhr)

an. „Wir haben jetzt sehr viel Selbstvertrauen

und wissen, dass wir auch

große Mannschaften in deren Halle

schlagen können“, sagte Spielmacher

Martin Hermannsson.

Vordem 21. von34Spieltagen war

Alba mit sieben Siegen auf Rang 14

der Tabelle.Zalgiris hat derzeit einen

Erfolg weniger auf dem Konto.„Das

ist ein sehr wichtiges Spiel. Ein weiterer

Sieg würde uns sogar Richtung

Play-off-Plätze bringen“, betonte

Hermannsson. Trainer Aito Garcia

Reneses warnte aber vor den Litauern.

„Sie haben nicht große Stars,

aber sie gehören zu den Teams, die

mit der besten Mentalität und Intensität

spielen, besonders zu Hause.“

Rokas Giedraitis erwartet eine

hitzige Atmosphäre. „Das Spiel ist

bereits ausverkauft. Und sie haben

ganz besondere Fans, die richtig viel

Lärm machen“, sagte er. Für den Litauer

ist die Rückkehr in seine Heimat

ein emotionales Spiel, auch

wenn er selbst nie für Zalgiris spielte.

Aber seine Freunde und die Familie

werden da sein, um ihn spielen zu

sehen. „Deshalb wird esein besonderes

Spiel“, verriet er. (dpa)

Umstrittener Rat

Eine Initiative, dass sich Tennisprofis auf dem Platz Hilfe ihrer Trainer einholen dürfen, spaltet die Szene

VonDoris Henkel, Melbourne

Als Spieler standen sie sich

zehnmal gegenüber, zuletzt

vor 30Jahren in Australien.

Sieben Begegnungen

gewann Boris Becker, drei Mats

Wilander, und man kann sagen, die

beiden hätten gewisse Erfahrungen

darin, auf unterschiedlichen Seiten

zu stehen. Das tun sie auch heute

bisweilen noch, wie ein aktuelles

Beispiel zeigt. Im Tennis soll im

Frühjahr bei Frauenturnieren ein

Versuch mit so genanntem Offenem

Coaching gestartet werden. Dasgeht

über die bisher schon bei WTA-Spielen

erlaubten Besuche eines Trainers

während des Seitenwechsels hinaus;

die neue Form sieht vor, dass Spielerinnen

auch nach einzelnen Ballwechseln

Rat direkt an der Bande

einholen können.

Was die beiden davon halten?

„Ich bin ein Fan von Coaching im

Tennis“, sagt BorisBecker.„Ichfinde

es bemerkenswert, dass wir der einzige

Sportinder Welt sind, wo dieses

Coaching nicht oder nur teilweise erlaubt

ist. Ichfreumich, dass wir darüber

diskutieren, die Qualität des

Tennis’ würde besser werden.“ Da

wendet sich der Kollege Mats Wilander

mit Grausen ab.„On-Court-Coaching?

Ein absolutes Desaster! Da

wäre mir On-Court-Smoking lieber.

Unser Sport nimmt in der Gesellschaft

einen Platz ein, der es dir als

Spieler erlaubt, deine eigenen Probleme

zu lösen. Wemdas nicht gefällt,

der soll gehen und Fußball spielen.“

BeiTeam-Wettbewerben erlaubt

DerDeutsche und der Schwede sind

in Melbourne wie bei anderen großen

Turnieren für den Sender Eurosport

bei der Arbeit, und sie äußerten

sich am Donnerstag bei einer Gesprächsrunde

zu diesen und anderen

Themen. Ebenso wie der

ehemalige spanische Sandplatzspezialist

Alex Corretja, der in dieser Sache

klar auf Wilanders Seite steht.

Der Spanier findet, es gehöre zum

Job jeden Tennisspielers, Lösungen

allein zu finden. Das müsse man im

Training erarbeiten und in den Spielen

zeigen, und wer nicht genügend

daran arbeite, der werde dann eben

hinterher bestraft. Bei den US Open

wurde die erweiterte Form des Coachings

schon dreimal bei den Spielen

der Qualifikation erlaubt, nicht

aber später im Hauptfeld, und keiner

weiß, ob es bei Grand-Slam-Turnierenjedazu

kommen wird.

Boris Becker würde es begrüßen, das Coaching zu intensivieren.

KERBER UND ZVEREV ERREICHEN DRITTE RUNDE

Weiter: Dank solider Auftritte haben Angelique

Kerber und Alexander Zverevbei den

Australian Open die dritte Runde erreicht.

Gegen die australische Außenseiterin Priscilla

Hon hatte Kerber am Donnerstag nur zu

Beginn Probleme und gewann mit 6:3, 6:2.

Zverevfolgte ihr mit einem 7:6 (7:5), 6:4, 7:5

gegenden Weißrussen JegorGerassimow.

IMAGO IMAGES/HUNT

Gescheitert: Peter Gojowczyk hat hingegen

sein Zweitrunden-Match bei den Australian

Open verloren. Der 30 Jahre alte Qualifikant

schied am Donnerstag in Melbourne durch

das 4:6, 1:6, 6:1, 4:6 gegenden Spanier Pablo

Carreno Busta aus. Damit verpasste der

Münchner ein mögliches Duell mit dem Weltranglistenersten

Rafael Nadal.

Der König des Nordens

Erlaubt ist die Betreuung auf der

Bank grundsätzlich bei Mannschaftswettbewerben

wie dem Davis-

und Fed Cup oder wie kürzlich

beim neu geschaffenen ATPCup.Becker

saß bei diesem Wettbewerb als

Kapitän der deutschen Mannschaft

auf der Bank oder stand gelegentlich

auch mal daneben, und er sagt, er

habe den Eindruck gehabt, die Nähe

der Kapitäne sei bei vielen Spielern

gut angekommen.

Den Einwand, die Suche nach einer

eigenen Lösung mache den

Charme der ganzen Sache aus,kann

er nachvollziehen. Aber er findet, bei

aller Hilfe müsse der Spieler ja immer

noch seinen eigenen Weg finden,

der stehe schließlich allein auf

dem Platz.

Zverev findet eigene Lösung

Warum Regeln ändern, kontert Wilander,

die so erfolgreich sind? „Das

hat für mich keinen Sinn. Ich habe

nichts dagegen, wenn es den Coaches

erlaubt wird, mehr ins Spiel

reinzurufen, ihre Leute anzufeuern.

Aber die Verantwortung muss beim

Spieler bleiben.“

Ginge es nach dem Schweden,

der in der Achtzigerjahren sieben

Grand-Slam-Titel gewann und 20

Wochen an der Spitze der Weltrangliste

stand, gebe es ganz andereMöglichkeiten,

um seinen mehrere Jahrhunderte

alten Sportzumodernisieren.

„Ich bin für alles, was die Sache

spannender macht und was Abwechslung

bringt. Wenn nicht nur

drei Spieler große Titel gewinnen,

sondern 20, dann ist es für Kinder

viel leichter, davon zu träumen, einer

dieser 20 zu sein. Werträumt davon,

Roger Federer zu sein? Keiner!

Weil es einfach nicht möglich ist.“

Alexander Zverev, der am Donnerstag

mit einem klaren Sieg gegen

denWeißrussen Igor Gerassimowdie

dritte Runde erreichte, sagt, er höre

zum ersten Mal von den Plänen, die

Möglichkeiten des Coachings zu erweitern

−zumindest erst mal beim

Frauentennis. Obdas etwas für ihn

wäre? „Wenn ich an die Bande gehe

und da sitzt meinVater,wirdehRuhe

sein. Außer,ich hab wirklich was Blödes

gemacht −dann werdeich angeschrien.

Ich finde, das Tennis eine

Sportart ist, wo man Dinge für sich

selber rausfinden muss.“ Beiseinem

zweiten Sieg in diesem Jahr kam er

gut ohne externe Hilfe klar, selbst

beim bislang so vertrackten Aufschlag;

zum ersten Mal seit vier Monaten

gewann er ein Spiel ohne einen

Doppelfehler.

Norwegens Sander Sagosen unterstreicht bei der EM, warum er als der aktuell weltbeste Handballer gilt

VonCarolin Paul, Wien

Seinen ersten Handball warf Sander

Sagosen in Charlottenlund,

ungefähr zehn Minuten von der

Spektrum Arena in Trondheim entfernt.

In der Vorrunde der Europameisterschaft

zeigte sich, dass er in

seiner Heimat mittlerweile den Status

einesVolkshelden genießt. Ekstatisch

feierten ihn mindestens 8000

Zuschauer an den Spieltagen in der

norwegischen Heimat. Die vorläufige

Krönung seiner Karriere soll

aber in Schweden erfolgen. Nachdem

er seine Mannschaft souverän

durch die Hauptrunde in Malmö geführt

hatte, stehen in Stockholm die

entscheidenden Spiele an. Zunächst

am Freitagabend um 18 Uhr das

Halbfinale gegen die Auswahl Kroatiens.

Dabei wollte Sagosen eigentlich

einen anderen Wegeinschlagen. Als

13-Jähriger zog erden Fußball vor,

entschied sich aber wenig später für

seine jetzige Profession. Eine Beschluss,

den sein Vater Erlend mit

Wohlwollen beobachtete. Der vierzehnfache

Nationalspieler nahm

sich seines Sprosses an, trainierte

ihn im heimischen Garten und im

hauseigenen Kraftraum. Da ist es

nicht verwunderlich, dass auch die

Schwester und der Bruder dem Ruf

des Handballs folgten.

Was seine Geschwister betrifft,

mischte sich auch Sander

in die Erziehung ein. Seinem

kleinen Bruder Ciljan

band er beim Training den

rechten Arm auf dem Rücken

fest, unter dem Eindruck,

dass der Familie ein

Linkshänder guttun würde.

EinAnsatz, der zum Scheitern

verurteilt war, aber

zeigt, wie ambitioniert Sagosen

schon in seiner Jugend

agierte.

„Warum sollte man etwas anfangen,

wenn man nicht der Beste werden

will?“, fragte Sander Sagosen unlängst

rhetorisch, „wenn du etwas

willst, kann dich nichts stoppen. Und

da ich überdurchschnittlich gut war,

war es einfach daran zu glauben, dass

ich etwas werden könnte.“ Mittlerweile

trägt er das Trikot eines der renommiertesten

Klubs der Welt. Mit

Erfolgreich:

Sander Sagosen

AFP/NACKSTRAND

Paris Saint-Germain stand er in den

letzten drei Jahren zweimal im Champions-League-Finale,

gewann die

französische Meisterschaft und den

Pokal. Doch Sagosen strebt weiter

nach Höherem und möchte im

nächsten Jahr beim deutschen Rekordmeister

THW Kiel den

nächsten Schritt seiner Entwicklung

nehmen. „Die

französische Liga wird

langsam besser“, erklärt er,

„aber die Bundesliga ist das

Beste in derWelt.“

Handball-Deutschland

darf sich auf einen leidenschaftlichen

Handballer

freuen, der sich fern jeder

Starallüren bewegt. Sein

Drang zum Torund seineWurfgewalt

sind für die gegnerische Defensive

ebenso eine Herausforderung wie

seine unglaubliche Spielübersicht

und die daraus hervorgehenden

meist unerwarteten Pässe. In der

EM-Statistik führt Sagosen mit 51

Trefferndie Torschützenliste an.

Da der Rechtshänder mit seinen

1,95 Metern gleichermaßen im Mittelblock

eine gute Figur macht, ist er

zugleich ein wichtiger Rückhalt.

Seine Ausbildung zum derzeit wohl

vkomplettesten Handballer der Welt

führte dazu, dass ihn die norwegischen

Medien zum „König des Nordens“

kürten. Trotzdem bleibt er erfrischend

bescheiden. „Es gibt viele

Meinungen, wer der beste Spieler

der Welt ist, aber an dieser Diskussion

beteilige ich mich nicht“, sagt

Sagosen,„für mich geht es darum, jeden

Tagzutrainieren und mich weiterzuentwickeln.“

Die Zahlen sprechen für sich. Er

ist erst der 57. Spieler, der mindestens

100 Treffer in seiner EM-Laufbahn

erzielen konnte und mit seinen

24 Jahren einer der jüngsten. NurNikola

Karabatic unterbot bei seiner

dritten Europameisterschaft 2008

diese Leistung. Der Vergleich mit

dem Vereinskollegen und dreimaligen

Welthandballer wurde in den

vergangenen Tagen häufig bemüht.

Nicht zuletzt, weil der in die Jahregekommene

Franzose mit seiner

Mannschaft bereits in der Vorrunde

ausschied und die 26:28-Niederlage

gegen Norwegen dieses Schicksal

besiegelte.

NACHRICHTEN

Pevenage schreibt über

langjährige Dopingpraktiken

RADSPORT. Rudy Pevenage hat in

seiner Biografie langjährige Dopingpraktiken

in der Zeit als Teamchef,

Betreuer und Mentor des früheren

Tour-de-France-Siegers JanUllrich

zugegeben. In dem am Donnerstag

erschienenen Buch „Der Rudy“ berichtet

der Belgier detailliertzum

Dopinggebrauch im Radsport. Blutbeutel

in Milchpaketen, Dopingmittel

in doppelwandigen Cola-Dosen

und eine Handy-Panne,die schließlich

die Verbindung zum Dopingarzt

Eufemiano Fuentes offenlegte,werden

in dem Buch beschrieben. „Ich

möchte niemanden verletzen, erzähle

aber dieWahrheit darüber,was

ich mitgemacht und gesehen habe“,

schrieb Pevenage.

Für Torhüter Ziemer kommt

Genz zu den Füchsen zurück

HANDBALL. Torhüter Martin Ziemer

verlässt Bundesligist Füchse

Berlin im Sommer und wechselt zu

Ligakonkurrent HC Erlangen. Damit

werden vonkommender Saison an

Dejan Milosavljev und Rückkehrer

Fredrik Genz das Berliner Gespann

bilden. Genz, 22, kehrtnach einem

Jahr vonTuSEM Essen zurück, er besitzt

noch einen Vertragbis 2021.

Nawrath wird Vierter,Lesser

hofft noch auf WM-Quali

BIATHLON. Philipp Nawrath hat als

Vierter im Einzel in Pokljuka, Slowenien,

sein bestes Weltcup-Ergebnis

und eine guteWM-Generalprobe gefeiert,

der zweimalige Weltmeister

Erik Lesser,31, muss weiter um seine

WM-Teilnahme zittern. Er verpasste

als 20. trotz nur eines Schießfehlers

eine Top-8-Platzierung und hofft auf

den MassenstartamSonntag.

ZAHLEN

Fussball

Bundesliga, 19. Spieltag

Dortmund -Köln Fr., 20.30

Mönchengladbach -Mainz Sa., 15.30

VfL Wolfsburg -Hertha BSC Sa., 15.30

Frankfurt-RBLeipzig Sa., 15.30

Freiburg -SCPaderborn Sa., 15.30

1. FC Union -FCAugsburg Sa., 15.30

Bayern München -Schalke Sa., 18.30

Bremen -Hoffenheim So., 15.30

Leverkusen -Düsseldorf So., 18.00

1. RB Leipzig 18 51:21 40

2. Bayern München 18 50:22 36

3. Mönchengladbach 18 33:20 35

4. Borussia Dortmund 18 46:27 33

5. Schalke04 18 31:21 33

6. BayerLeverkusen 18 27:22 31

7. SC Freiburg 18 29:24 29

8. TSG Hoffenheim 18 26:30 27

9. VfL Wolfsburg 18 19:21 24

10. FC Augsburg 18 31:36 23

11. Eintracht Frankfurt 18 29:30 21

12. 1. FC Union Berlin 18 21:27 20

13. 1. FC Köln 18 22:33 20

14. Hertha BSC 18 22:33 19

15. FSV Mainz 05 18 26:41 18

16. Werder Bremen 18 24:41 17

17. Fortuna Düsseldorf 18 18:37 15

18. SC Paderborn 18 21:40 12

Dritte Liga, 21. Spieltag

Hansa Rostock -Hallescher FC Fr., 19.00

Meppen -SVWaldhof Sa., 14.00

Chemnitzer FC -Viktoria Köln Sa., 14.00

MSV Duisburg -FCIngolstadt Sa., 14.00

Würzburger Kickers -Unterhaching Sa., 14.00

CZ Jena -Preußen Münster Sa., 14.00

1. FC Magdeburg -FSV Zwickau Sa., 14.00

1860 München -Braunschweig So., 13.00

Uerdingen -FCBayernII So., 14.00

Kaiserslautern-Großaspach So., 14.00

Handball

EM

Halbfinale

Norwegen -Kroatien Fr., 18.00

Spanien -Slowenien Fr., 20.30

Spiel um Platz fünf

Deutschland -Portugal Sa., 16.00


Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020 – S eite 20 *

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Sport

Altersgrenze

Gegen die

Helikopterthese

Daniel Theweleit

glaubt, dass Profiverträgefür

16-JährigeSinn machen.

Der Fußballspieler Youssoufa

Moukoko ist zwar erst 15 Jahre

alt, er hat noch nie für eine Profi-

Mannschaft gespielt, aber seine Regungen

in den Sozialen Netzwerken

werden schon jetzt beobachtet, als

habe sich ein berühmter Nationalspieler

geäußert. „Ich bin bereit für

das BESTE Jahr meines Lebens“,

schrieb er seinen mehr als 400 000

Abonnenten an Silvester.„#2020wird

der Hammer“, kündigte er an und erzeigte

mit einem „Pssst“-Emoji geschickt

den Eindruck, schon mehr zu

wissen. Womöglich war das tatsächlich

so. Denn nun wurde bekannt,

dass die Altersgrenze für Spieler, die

in der Bundesliga eingesetzt werden

dürfen, herabgesenkt werden soll.

Dortmunds Moukoko wäre nach

der alten Regel frühestens ab der Saison

2021/2022 in der Bundesliga

spielberechtigt, künftig sollen die

Nachwuchsleute aber schon ab ihrem

16. Geburtstag auflaufen können.

Moukoko, der mit Abstand die

Torschützenliste der A-Jugend-Bundesliga

West anführt, dürfte ab dem

20. November bei den Profis eingesetzt

werden, etwa acht Monate eher.

Ab 16 dürfen die Talente auch in

den anderen großen Ligen spielen,

über die in den deutschen Nachwuchsleistungszentren

oft mit verächtlichem

Unterton gesprochen

wird. Jugendspieler würden dortverheizt,

heißt es, gerade in England

werde zu wenig Wert auf die Entwicklung

der Persönlichkeit und

Ausbildung jenseits des Sports gelegt.

Wer scheitert, hat oft keinen

Schulabschluss, keine Ausbildung,

während in Deutschland viel Wert

auf pädagogische Konzepte und Befähigung

für ein Berufsleben außerhalb

des Fußballs geachtet wird. Und

die Auswüchse mit Millionensummen

für Kinder sind in Deutschland

nicht ganz so extrem wie anderswo.

Der Vorsatz, junge Spieler zu

schützen, ist vernünftig. Sportler,die

sich sehr schnell entwickeln, aus der

Profiwelt fernzuhalten, wirkt allerdings

wie der Reflex einer Helikoptermutter.

Die Teenager in den

Nachwuchsabteilungen arbeiten sowieso

wie Profis, inder Regel haben

sie große Lust auf die Bundesliga. Bevor

sie den Sprung geschafft haben,

stehen sie oft sogar noch mehr unter

Druck, weil sie im Jugendbereich die

Besten sind, Erwartungen vonEltern

und Beratern erfüllen müssen, der

erste Profivertrag ist oft eine Erleichterung.

Niemandem ist geholfen,

wenn 16-Jährige, die gut genug für

die Erste Liga sind, künstlich ausgeschlossen

werden. Dass die Fußballöffentlichkeit

durchdrehen würde,

wenn Youssoufa Moukoko ab November

mit Erling Haaland durch

die Strafräume der Liga wirbelt, halten

solche Jungs leichter aus als das

ungewisseWarten auf den ersehnten

Sprung nach oben.

Das feurige Derbyzwischen dem 1. FC Union und Hertha BSC hat Rekordstrafen für beide Klubs nach sich gezogen.

Nachwehen des Derbys

Während Hertha BSC trotz ligaweiter Rekordstrafe aufatmet, will Union den Strafantrag in aller Ruhe prüfen

VonMax Ohlert

Hertha BSC war am Donnerstag

bemüht, die Angelegenheit,

welche den

Hauptstadtklub auf seinem

ambitionierten Weg in die

höchsten Höhen des deutschen

Fußballs doch ziemlich belastet

hatte,schnellstmöglich ad acta zu legen.

Anfang November hatten Anhänger

der Blau-Weißen beim ersten

Bundesliga-Derby zwischen ihrem

Klub und dem 1. FC Union im Stadion

An der Alten Försterei aus dem

Gästeblock mehrfach Pyrotechnik

gezündet und Leuchtraketen auf das

Spielfeld und in die umliegenden

Blöcke geschossen. Ein Fan der

Unioner wurde leicht verletzt.

Nun, knapp drei Monate später,

schloss Hertha BSC die Vereinsmitteilung

zum mit Sorgen erwarteten

Urteil des DFB-Sportgerichtes mit

den merklich erleichterten Worten:

„Mit diesem Urteil findet ein umfassendes

und langwieriges Verfahren

zur Aufbereitung der Vorfälle [...] auf

sport- und verbandsrechtlicher

Ebene sein Ende.“ Thema vomTisch,

erledigt, finito.

Die Angst voreinem Geisterspiel

Trotz der ligaweiten Rekordstrafe

von 190 000 Euro, von denen die

Charlottenburger 63 000 Euro in sicherheitstechnische

und gewaltpräventive

Maßnahmen investieren

müssen, war es dem selbst ernannten

„Big City Club“ von vornherein

ein Anliegen, der in der Höhe bislang

einzigartigen Summe, bei der laut

Urteilstext auch die hohen Strafen

für die Ausschreitungen im Pokalspiel

in Rostock 2017 (100 000 Euro)

und für das Ligaspiel in Dortmund

2018 (135 000 Euro) erschwerend

einbezogen wurden, ohne Widerworte

zuzustimmen. Denn beim

Klub ist man sich sicher, dass es für

Hertha −für Berlin! −nach dem neuerlichen

Fehlverhalten im Derby

auch weitaus schlimmer hätte kommen

können.

„Der 1. FC Union

ist keine

Ermittlungsgruppe.“

Nicht wenige fürchteten nach

den zahlreichen Vorkommnissen in

der Vergangenheit nämlich mindestens

einen Zuschauer-Teilausschluss

beim Derby-Rückspiel im

März, wenn nicht sogar ein Geisterspiel

im Olympiastadion. Es wäre

eine Katastrophe für die Stadt gewesen,

die sich so lange nach einem

echten Hauptstadtduell auf höchstem

Niveau gesehnt hat. Vom horrenden

Image-Schaden für den

blau-weißen Klub,der eigentlich gerade

daran arbeitet, neue Sympathien

in und um Berlin aufzubauen,

ganz zu schweigen. DasBild vonvermummten,

Pyrotechnik zündenden

Fans passt nicht zum Selbstbild des

Vereins.Eine Berufung gegen das Urteil

hätte dieses in der Öffentlichkeit

wieder in Erinnerung gerufen.

Solche Image-Sorgen hat man im

Südosten Berlins indes nicht. Undso

verwunderte es kaum, dass sich der

1. FC Union, anders als der Konkurrent

aus dem Westteil derStadt, dem

Christian Arbeit, Sprecher des Bundesligisten aus Köpenick,

über die Suche nach den Vermummten, die nach dem

Derby gegen Hertha BSC den Platz gestürmt haben.

Strafantrag des DFB-Sportgerichtes

nicht so demütig beugte. Für das

Zünden von Bengalos und Rauchtöpfen,

dem unkontrollierten Einlass

von rund 250 Union-Fans vor

dem Spiel, sowie dem Platzsturm

vereinzelter, vermummter Chaoten,

die nur mit Mühe von Ordnern und

Spielern der Eisernen zurückgedrängt

werden konnten, beantragte

das Gericht für Union eine Strafe von

158 000 Euro.

Eine massive Steigerung zur bisherigen

Rekordsumme von rund

Auf Hochtouren

IMAGO-IMAGES/MATTHIAS KOCH

57 000 Euro, die die Köpenicker für

den Platzsturm nach dem Aufstieg

im Mai 2019 berappen mussten. Sogar

das Gesamtstrafvolumen der

kompletten Aufstiegssaison 2018/19

(125 000 Euro) würde die aktuelle

Forderung deutlich übersteigen.

In Köpenick fragt man deshalb

leise nach der Verhältnismäßigkeit,

immerhin unterschreitet die Strafe

der Eisernen die der in der Vergangenheit

vielfach zur Kassegebetenen

Herthaner mit 32 000 Euro nur wenig.

Offiziell erklärteVereinssprecher

Christian Arbeit, dass man den Strafantrag

innerhalb der Widerspruchsfrist

in Ruhe prüfen wolle.

Warten aufdie Polizei

Für den 1. FC Union hängt an diesem

Schritt zudem das weitere interne

Vorgehen in der Aufarbeitung des

Derbys. Für gewöhnlich tut sich der

Klub schwer, eigene Fans aufgrund

vonVergehen im Stadion An der Alten

Försterei zu bestrafen.Wo andere

Vereine präventiv mal eben ganze

Fangruppen ausschließen, betonte

Arbeit im aktuellen Fall: „Der 1. FC

Union ist keine Ermittlungsgruppe

und die Bilder der Sicherheitskameras

reichen noch nicht für die konkrete

Identifizierung potenzieller

Unruhestifter. Wir benötigen Namen,

Wohnorte.Das zu ermitteln, ist

Aufgabe der Polizei. Es gibt Fälle, in

denen solche Ermittlungen zwei

Jahre gedauert haben.“ Bei den Eisernen

überwiegt also eher der

Wunsch nach Gerechtigkeit, als nach

einem schnellen Ende der Aufarbeitung.

Hertha BSC arbeitet intensiv daran, den Personalwünschen von Cheftrainer Jürgen Klinsmann gerecht zu werden

Auf einem

guten

Weg

Bei Patchs Rückker besiegt

Berlin die Alpenvolleys

VonKarin Bühler

Mitten im Ballwechsel musste

Berlins Trainer Cedric Enardin

den Ärmel seines Anzugs husten.

Okay, es war ein sehr langer Ballwechsel

in der Mitte des zweiten Satzes,

den Berlins Kapitän Moritz Reichert

schließlich zum 13:12 für die

BR Volleys übers Netz stupste. Die

Szene während der Bundesligapartie

zwischen dem ungeschlagenen Tabellenführer

BR Volleys und dem Tabellenzweiten

Alpenvolleys Haching

zeigte zwei Dinge: zum einen die Abwehrstärke

der Gäste-Mannschaft,

die die Bälle unermüdlich zurück

übers Netz brachte, vom Boden

kratzte, irgendwie erwischte –und

zum anderen die Erkältung vonBerlins

französischem Trainer.

Vordem 3:1 (25:15, 21:25, 25:21,

25:20)-Sieg am Donnerstagabend

hatte der Deutsche Meister ja befürchtet,

Spieler wie Cody Kessel

oder Jeff Jendryk gar nicht aufs Feld

schicken zu können, weil die Fiebergrippe,

wegen der Trainer Enard am

Sonntag bei der Auswärtspartie gegen

Giesen gefehlt hatte,aucheinige

Volleyballer erwischt hatte. Aber

Jendryk und Kessel standen auf dem

Feld, während die Angreifer Benjamin

Patch und Samuel Tuia nach ihren

Verletzungen zwar wieder das

orangefarbige Trikot übergestreift

hatten, zunächst aber vomSpielfeldrand

aus zuschauten.

Zehn Punkte hintereinander

Sie sahen, einen kuriosen ersten

Satz, in dem die Alpenvolleys vom

ersten Punkt an bis zur Mitte des SatzesinFührung

lagen. Dann ging Berlins

Mittelblocker Nicolas Le Goff

zum Aufschlag. Der Franzose ist

nicht als Service-Monster bekannt.

Aber weil seine Floataufschläge die

Lücken fanden und sich die gegnerischen

Spieler in Diskussionen mit

dem Schiedsrichter aufrieben, gelangen

den Berlinernzehn Punkte in

Seriezum deutlichen Satzgewinn.

Durchgang zwei ging an die Alpenvolleys.

Als sich Kyle Ensing im

dritten Satz in Angriff und Aufschlag

immer schwerer tat, kam für ihn,

vom Jubel der knapp 4100 Zuschauer

begrüßt, Patch zum ersten

Malseit seiner Achillessehnenverletzung

aufs Feld. Er tat dem Team sofort

gut. Auch wenn Zuspieler Sergej

Grankin ihn dezent einsetzte, vermittelte

er sofort Sicherheit – und

gute Laune.Mit acht Punkten trug er

zum Sieg bei. „Man hat gesehen, was

uns gefehlt hat“, sagte Manager KawehNiroomand

über Patch. Er fand,

sein Team sei auf einem guten Weg

der Formfindung, die es nur über

Spielpraxis erreichen könne. Am

Dienstag kommt das russische Topteam

Fakel Novi Urengoi in der

Champions League nach Berlin. Bis

dahin wollen die Volleys an der

Blockabwehr arbeiten. Und bis dahin

sollte auch keiner mehr husten.

Vielleicht bald Sturmkollege von Erling

Haaland: Youssoufa Moukoko.

DPA

Der Fußball ist Jürgen Klinsmann

nicht genug. Das hat sich am

Donnerstag gezeigt, als er im

Schlepptau des Regierenden Bürgermeisters

Michael Müller nach einem

Gespräch beimVerband der Automobilindustrie

(VDA) für einen Neustart

der Automesse IAA in Berlin warb.„So

eine Ausstellung verbindet alle. Es

geht nicht nur ums Auto“, sagte der

55-Jährige, schwärmte darüber hinaus

vonBerlin als einer Stadt,„die unheimlich

in Bewegung ist“.

Recht hat er, und natürlich darf

diese Einschätzung auch auf Hertha

BSC übertragen werden, auf den

Bundesligisten, den er als Frontkämpfer

zu einer ganz großen Nummer

im europäischen Klubfußball

machen will. Undanscheinend weiß

er auch genau, was es dafür ganz

dringend braucht, nämlich Spieler

vonherausragender Qualität.

Deshalb vergeht in diesem Januar

auch kaum ein Tag, an dem im Zusammenhang

mit den Blau-Weißen

über Transfers spekuliertwird. Parallel

zu Klinsmanns Werbetour in Sachen

Automesse meldete die für gewöhnlich

bestens informierte Sport-

Tageszeitung L'Équipe beispielsweise,

Hertha und Olympique Lyon

stünden in der Personalsache Lucas

Tousart kurz vor einer Einigung.

Ohne Boni betrage die Ablösesumme,

auf die sich bei beide Klubs

verständigt hätten, satte 24 Millionen

Euro. Das Problem: Lyon will

den 22 Jahre alte Mittelfeldspieler

erst im Sommer ziehen lassen. Was

Klinsmann natürlich nicht gefallen

kann, da er für die Hertha ja akuten

Bedarfausgemacht hat.

Dahingehend könnte wiederum

der Leipziger Cunha eine Lösung

darstellen, im Besonderen, da RB

dem 20-Jährigen bei einer Ablösesumme

in Höhe von 15 Millionen

Euro wohl tatsächlich ziehen lassen

will und unmittelbar vor der Verpflichtung

des kroatischen Ausnahmekönners

Dani Olmo steht. (BLZ)

Gute Zusammenarbeit: Zuspieler Sergej

Grankin und Nicolas Le Goff. DPA/ANDREAS GORA


Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020 – S eite 21

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Feuilleton

Die deutsch-britische

Band The Chap

im Berghain

Seite 23

„Denken Sie immer daran, mich zu vergessen!“

Der Künstler Timm Ulrichs, der soeben den Kollwitz-Preis erhielt, legte schon seine Grabinschrift fest. Seite 22

Staatsballett

Schwedische

Spontanität

PetraKohse staunt, dass

Johannes Öhman schon ab

1. März neu gebunden ist.

Johannes Öhman, Noch-Co-Intendant

des Staatsballetts, hat es offenbar

wirklich eilig, sich aus Berlin

zu verabschieden. Die gemeinsame

Wortmeldung von ihm und Sasha

Waltz, die das Staatsballett am Mittwoch

veröffentlichte und die den

plötzlichen Rückzug nicht erklärte,

sondern die aktuelle Arbeit im Gegenteil

als „historisch wichtige Aufgabe“

feierte und die Freude über

den bisherigen Erfolg betonte, war

bereits mit den Ortsangaben „Berlin/Stockholm“

unterzeichnet.

Und tatsächlich hatte das Stockholmer

Dansens Hus seine eigene

Information darüber, dass der 52-

jährige Balletttänzer und Tanzmanager

Öhman zum neuen Theaterleiter

und künstlerischen Leiter berufen

wurde,amMittwochvormittag nicht

nur fünf Minuten eher als die Berliner

Kulturverwaltung veröffentlicht

(nämlich um 10.30 Uhr), sondern

darin auch auf einen Zweistufenplan

der ohnehin schon raschen Übernahme

hingewiesen: Ab 1. Januar

2021 werde Johannes Öhman die

„volle Leitung“ des Theaters übernehmen,

aber bereits ab 1. März

2020 als künstlerischer Leiter fungieren

und ab Herbst 2020 die Programmverantwortung

haben.

DieNachricht auf der Website des

Dansens Hus wurde in korrekter Erwartung

des internationalen Interesses

auch ins Englische und Deutsche

übersetzt –ins Englische originalgetreu,

aber in der deutschen Fassung

fehlte am Mittwochabend (denkbar,

dass dies korrigiertwird) interessanterweise

der Hinweis auf die Funktionen,

die Öhman bereits in knapp

sechs Wochen an Stockholm binden

wird. Aus Schonung oder Scham?

Falls hier wirklich ein geordneter

„Ruf an seine Heimatstadt Stockholm“

erfolgt sein sollte, wie es das

Staatsballett nahelegt, würde man

die Schweden voneiner ganz neuen,

überaus spontanen Seite kennenlernen.

Wahrscheinlicher ist, dass der

Abgang schon von längerer Hand

vorbereitet wurde. Oder es handelt

sich um eine Flucht.

Wer hätte das gedacht?

Da rattern also seit

zehn Jahren die Pet

Shop Boys die U1 bis

zur Warschauer Straße lang, gleichsam

an meinem Wohnzimmer vorbei.

Und ich habe nichts gewusst!

Nun haben sie es mit ihrem 14. Album

amtlich gemacht, auf dem sie

von der „Partyline“ singen. Ein Jahrzehnt

ist es her, dass sich Neil Tennant

und Chris Lowe,die ihr Duoseit

1981 und gut 100 Millionen verkauften

Alben betreiben, hier Wohnungen

kauften –Uhlandstraße,Nollendorffplatz,

Hallesches Tor, last exit

Berghain. In dieser Zeit haben sie in

Berlin vier ihrer feinen Dancepop-

Alben geschrieben, zuletzt die „elektronisch“

genannte Trilogie, die sie

nun mit „Hotspot“ abschließen.

Berlin dient ihnen vor allem als

Zweitwohnsitz, und „Hotspot“ ist

das erste Album, das sie hier auch

aufgenommen haben, in den berühmten

Hansastudios am Postdamer

Platz, dessen ehemalige MauerauraDavid

Bowie 2013 mit schmerzlichem

Blick auf die vergangene Jugend

besungen hat.

Mitder U-Bahn ins Grüne

Bevor man ins Taumeln darüber gerät,

dass zwei Londoner Poplegenden

offenbar dem Partyglamour

unsrer kleinen Metropole erliegen:

Sie schätzen hier nicht zuletzt die

Ruhe und das Grün. Einer der Titel

handelt denn auch von jemandem,

der keine Lust hat, auszugehen und

zu tanzen. Auch David Bowie hielt

sich hier bekanntlich nicht wegen

des Thrills der Nacht auf, sondern

war wie Iggy Pop aus Detox-Gründen

hergezogen.

Im Gegensatz zu den Berlin-Alben

von Bowie, Pop, Depeche Mode

und auch U2 haben sich die PetShop

Boys in den Hansastudios nicht eingemietet,

weil sie sich Neuorientierung

nach Absturz oder Flop erhofften.

Sie fanden einfach deren analoge

Stimmung gut und haben sich

halt den Produzenten ihrer Trilogie,

den von Popgrößen wie Madonna,

Killers und Take That bekannten StuartPrice

hergeholt.

Die Old-School-Elektronik ändert

dabei natürlich die Farben der

Sounds, dennoch klingt „Hotspot“

vor allem genau wie ein Album der

Pet Shop Boys. Dazu gehört auch

mindestens ein jenseits aller modischen

Erwägungen großartiger Popsong.

Auf „Super“, dem Vorgänger

von 2016, übernahm den Job das

herrliche „Popkids“, hier kommt er

zum Einstieg mit dem U1-Song „Will

o’ the Wisp“, wahlweise Irrlicht oder

Keine Lust

zu tanzen

Die Pet Shop Boys lieben Berlin

Berlin im Visier:Neil Tennant und Chris Lowesind die PetShop Boys.

Schimäre: DasStück wurde angeregt

von einer Erinnerung des britischen

Schriftstellers Christopher Isherwood,

der 1952, bei der Rückkehr ins

1933 verlassene Berlin einen früherenGeliebten

wiedererkennt, der ihn

jedoch ignoriert –vielleicht, weil er

mittlerweile, soder Song, ein Beamtenleben

mit Frau und Kindern

führt.

In diesem Titel fällt ungefähr alles

zusammen, was die PSB seit ihrem

und singen darüber

auf ihrem neuen Album „Hotspot“

VonMarkus Schneider

JOHN WRIGHT

ersten Hit 1985 ausmacht: griffige

Melodie, umstandsloses Bassdrum,

markante Hymnenmarker,und dazu

die zart-melancholische Distanz in

der Stimme Tennants, der ganz unmittelbar

erzählt, aber die Erzählung

weit in Geschichte und Gegenwart

öffnet. DasStück zitiertdeutlich den

Europop der 80er-Jahre. Die zischenden

Drums und die Synthies

wirken auf ältere Hörer wie der Biss

ins Laugenbrötchen für viele Prä-

Mauer-Kreuzberger. Doch zugleich

klingt es eben auch unangestrengt

frisch. Wie das ganze Album. Nur

„Wedding in Berlin“, ein privates

Hochzeitsgeschenk für einen befreundeten

Künstler, das Bassdrum

und Mendelssohn Bartholdy mischt,

nicht so. Sonst jedoch hört man süßest

verwischte Liebesballaden, die

vonSpaziergang und Kaffee und Kuchen

erzählen; einen Song mit knackigstem

Discobass mit Streichern

und federnden Synthies,die mit eher

grimmiger Emphase von berechnendem

Partyhedonismus berichten.

Mit den Neo-Synthpoppern

Years &Years unternehmen sie einen

Ausflug in ein romantisches

„Dreamland“ (im Video: eine U-

Bahnstation) aus sehr druckvoll

drahtigen Bass und Drums und einem

Refrain mit Sachertorten-Fanfare.

Je nach Hörerlage verewigen sie

darin die clubutopischen Verheißungen,

verwerfen den Brexit oder

befördern die jeweiligen Traumländer

sehr weit ins Jenseits.

Mitpopoffenem Herzen

Sie gehören ohne Zweifel zu den intelligenteren

Agenten im oberen

Popsegment. Man sollte nicht vergessen,

dass hinter den Ambivalenzen

ihrer Texte immer eine recht

konkrete Politik stand, und dass

nicht zuletzt die Verbindung einer

queer codierten Ästhetik mit einem

popoffenen Herz am linken Ort ihren

ikonischen Stand begründen.

Für den Fall haben sie im letzten

Frühjahr ein paar ganz explizit politische

Polemiken auf einer „Agenda“

betitelten EP veröffentlicht.

Tatsächlich jedoch gibt es auf diesem

Album viele Hinweise auf verlorene

Zeiten und die Fragwürdigkeit

der Erinnerung. Tennant schreibt

stets aus Fremdperspektive. Aber

wie in der Single „Burning the Heather“

die Zeit vergeht und der Herbst

mit brennendem Heidekraut begrüßt

wird, lädt natürlich dazu ein,

den echten, 65-jährigen Pet Shop

Boy dahinter zu vermuten. Neben

der konzeptuellen Sehnsucht im

Tonfall unterstützt das auf dieser

schönen Single auch die akustische

Gitarre, die in diesem trilogischelektronischen

Zusammenhang so

klingt, als wolle man einfach mal

keine Zeit mehr damit verschwenden,

alberne Vorsätze und Konzepte

zu erfüllen. Bis vielleicht am Ende

dieses: Der junge Mann, der in „I

Don’t Wanna“ nicht tanzen will, verliebt

sich schließlich in einen Song

und lernt, „dass der Rhythmus ein

Tänzer ist – und ein Nein lässt er

nicht gelten.“

NACHRICHTEN

Tänzer des Staatsballetts

sind empörtüber Rücktritt

DieTänzer des Staatsballetts Berlin

haben die Rücktrittsankündigung

der Intendanten Johannes Öhman

und Sasha Waltz scharfkritisiert. Die

Entscheidung habe unter den Künstlernfür

Empörung gesorgt, hieß es in

einer Erklärung des Ballett-Vorstands

vomMittwoch. Öhman und

Waltz hatten nach nur wenigen Monaten

an der Spitzedes Staatsballetts

erklärt, dass sie ihregemeinsame Intendanz

Ende 2020 aufgeben (siehe

BLZ vom23.1. und Berichtlinks auf

der Seite). Beiihrem Antritt hätten

die Intendanten einen Dreijahresplan

angekündigt, um das Staatsballett

wieder an die europäische Spitze

zu bringen. Nunoffenbaresich „die

Oberflächlichkeit dieser Pläne“. Das

Vertrauen in die Fähigkeit des Berliner

Senats,die Kompanie „wohl

überlegt in die Hände einer ehrlich

engagierten Ballettdirektion zu geben“,

sei erschüttert. (dpa)

Neue Datenbank für

Provenienzforschung

Miteiner neuen Datenbank will das

Deutsche Zentrum Kulturgutverluste

die Provenienzforschung erleichtern.

DieProveana genannte

Sammlung wurde am Donnerstag

online gestellt, wie das Zentrum in

Magdeburgmitteilte.Zunächst seien

Ergebnisse aus den bisherigen Forschungsprojekten

sowie Daten zur

Provenienzrecherche im Fall Gurlitt

recherchierbar.Das neue digitale

Angebot versammelt Forschungsergebnisse

über NS-Raubgut, Kriegsverluste,Kulturgutentziehungen

in

der Sowjetischen Besatzungszone

und der DDR sowie Kultur-und

Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten.

(dpa)

Ernst-von-Siemens-Musikpreis

an Tabea Zimmermann

DieBratschistin Tabea Zimmermann

erhält den Ernst-von-Siemens-Musikpreis.Die

Auszeichnung ist mit

250 000 Euro dotiertund zählt zu den

weltweit wichtigsten Musikpreisen.

Er soll der in Berlin lebenden 53-jährigen

Musikerin am 11. Maiim

Münchner Prinzregententheater

überreicht werden. (dpa)

UNTERM

Strich

XXXXXXX


22 Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020

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Feuilleton

Der Künstler Timm Ulrichs spricht bei der Inbetriebnahme seiner Installation „wir-kl-ich“ 2019 im Sprengel-Museum.

OLE SPATA/DPA

Der Selbstaussteller

Timm Ulrichs, der die Sprache wörtlich nimmt und sein Leben zu einer Dauerperformance gemacht hat, erhält den Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste

VonIrmgard Berner

Man sollte genau hinschauen

auf die Foyerwand

oben an der

Treppe vor der Ausstellungshalle

in der Akademie der

Künste. Dort steht, kleingedruckt

und als Raster gesetzt, dasWort„Raster“.

Über mehrere buchstäbliche

Mutationen hinweg erstarrt es am

Ende zu „Starre“. Neben dieser „Raster

–Starre“ steht das Wort „Stücke“,

in Seriegereiht, jedoch in Stücke zerstückelt.

Auch das ergibt ein Bild mit

großem Eigensinn, absurd, ironisch,

mit Tiefgang. Fehlt nur noch der

Satz: „Ich kann keine Kunst mehr sehen!“,

mit dem der Künstler Timm

Ulrichs sich, als Blinder verkleidet,

einst im Jahr 1975 auf die Kölner

Kunstmesse stellte und sich selbst

zum Kunstwerkmachte.

Wortspiele wie diese gehören

längst zu den Klassikern indem reichen

Œuvre dieses Kunstarbeiters,

der lange unter dem Radar des

Kunstbetriebs agierte. Obwohl er es

mit Chuzpe und viel Dada im Blut

immer wieder verstand, als sprudelnder

Ideenbrunnen auf sich aufmerksam

zu machen. Schon kurz

nach seinem Abitur 1959 fand Ulrichs

seine Marktlücke im Kunstbetrieb:

die Selbstausstellung. 1961

druckte er sich Visitenkarten mit der

Aufschrift „timm ulrichs –erstes lebendes

kunstwerk“ und erklärte sich

zum „Totalkünstler“. In einer Vitrine

sitzend konnte er diese radikale Idee

jedoch erst 1966 in der Frankfurter

Galerie Patio realisieren. Ein erster

Versuch in Berlin 1965 für die Juryfreie

Kunstausstellung war am Bürokratismus

der Verantwortlichen gescheitert.

1966 erklärte er das Wort

„Bild“ zum Bild, rahmte es ein und

hängte es auf. In einem anderen

Rahmen notierte er schon 1962 für

alle gut lesbar: „Am Anfang war das

Wort Am.“ und vervielfältigt es 1971

als Siebdruck. Zu sehen sind sie jetzt

in der Schau.

Vielleicht lag es einfach an der

Zeit, in die Timm Ulrichs 1940 in Berlin

hineingeboren wurde, dass er zu

früh dran war. Vielleicht auch an

Hannover, der „Provinz“, wohin es

ihn, nachdem die Familie Anfang

1945 evakuiertund nach Bremen gezogen

war, zum Architekturstudium

verschlug. Und wo er seitdem

„wohnHaft erdverbunden“ ist (so

der Titel einer Objektarbeit). Vielleicht

lag es an den 50er-, 60er-Jahren,

als Dichter wie Eugen Gomringer

an der Konkreten Poesie schnitzten,

die Ulrichs inspirierte, wie er

eloquent mäandernd erzählt, bevor

auf den Punkt kommt: zum Ende.

Sein eigenes, „the end“, ließ er

sich 1970 aufs Augenlid tätowieren

und designte bald darauf seinen

Grabstein mit der Inschrift „Denken

Sie immer daran, mich zu vergessen!“

Für den Kunstmarkt war er

wohl nicht kommerziell genug, sagt

er. Ein Glücksfall und die absolute

Ausnahme sei eine Einzelschau in

Krefeld gewesen, 1970 im Haus

Lange, damals die Nr. 1unter den

Museen für aufstrebende Künstler,

auch aus den USA. 1977 nahm er an

der Documenta teil. Ulrichs Leben

aber bleibt eine Dauerperformance

–mit Geistesblitzen, Geniestreichen,

Land-Art und Ego-Satire. In dem

auch immer Ideendiebe auflauerten

und sich Nachahmer bedienten.

Auch das macht er zum Thema. Man

kann ihn sich gut als inspirierenden

Lehrer vorstellen, immerhin war er

von1972 bis 2005 Professor für Bildhauerei

und Totalkunst an der

Kunstakademie Münster.

„timm ulrichs –erstes lebendes

kunstwerk“

Timm Ulrichs druckte mit dieser Aufschrift 1961 Visitenkarten

und setzte sich dann fünf Jahre später in der Galerie Patio in Frankfurt amMain

tatsächlich zur Öffnungszeit in eine Vitrine.

Jetzt bekommt dieser muntere,

bald 80-Jährige mit dem leicht zerzausten

Schütterhaar über der hageren

Stirn und dem ernsten, zum

Schmunzeln neigenden Blick hinter

randloser Brille also den 60. Käthe-

Kollwitz-Preis vonder Akademie der

Künste verliehen. Die Jury aus Ute

Eskildsen, Wulf Herzogenrath und

Gregor Schneider begründet ihre

Entscheidung mit der „absoluten

Notwendigkeit, den Preis an einen

Totalkünstler wie Timm Ulrichs zu

überreichen“: Er führe eine unangepasste

Existenz jenseits von Mainstream

und Kunstmarkt. Sein Weg

schließe an eine Utopie der Moderne

an, in der sich Leben und Kunst vereinen.

Sein politisches Agieren diene

einer jüngeren Generation als Vorbild.

Sein Werk ist mithin –soder

Kollwitz’sche Anspruch: wesentlich.

Und wie lautet Ulrichs’ eigene Begründung?

Nach drei geehrten

Frauen (Katharina Sieverding 2017,

Adrian Piper 2018 und Hito Steyerl

2019) war wieder mal ein Mann

dran. Ernst schmunzelnd.

In der Preisträger-Ausstellung

geht es „Weiter im Text“, so der Titel.

Ulrichs’ Schriftbild-Werk bildet

darin die Klammer seines Œuvres,in

dem so unsagbar viel passiert. So

kann die Schau nur einen viel zu kleinen

Ausschnitt zeigen. Denn sein

sprachanalytisches und sprachphilosophisches

Spiel von Anfang und

Ende materialisiert Ulrichs mal als

Assemblage, mal als Mappenwerk,

als Tätowier-Bild, Aktion im öffentlichen

Raum oder Fotoserie.Die„Tautologie“,

hier zu sehen in der Urfassung

von 1970, ist eine leuchtende

Laufschrift, eine Hommage an Gertrude

Steins „Rose ist eine Rose ist

eine Rose“. Die Anagramme „Augen

–Genau“ und „image –magie“ sind

Bilder, „Kino – Ikon“ ein 16-mm-

Film, der in rasanter 5-Sekunden-

Abfolge knattert.

Demgegenüber kann man sich in

„Das Literarische Geamtkunstwerk“

mit Band 3, 19 und 38 vertiefen.

Doch ein Streich auch dies,denn ein

Band ist hier nicht gleich Buch. Vielmehr

sind es die Farbbänder einer

alten Schreibmaschine, konkret die

vondes Künstlers Mutter,die als Stenotypistin

gearbeitet hat. Seit 1968

schreibt Timm Ulrichs jährlich jeweils

ein Band voll.

Räumlich ausufernd ist in der

Ausstellung tatsächlich nur das Environment

„… aus Gedankenfluss und

Bewusstseinsstrom …“. Über die

halbe Ausstellungshalle breitet sich

eine Sandfläche mit Treibholz und

Strandgut, das als Strahlenkranz die

Form eines Schiffes nachzeichnet. In

dessen Mitte leuchtet, mit nautischer

Sprache spielend, die eisblaue

Neonschrift „in gedanken versunken

–aus der erinnerung auftauchend“.

Wunderbar. Esist eine späte Ehrung

für diesen Künstler in seiner Geburtsstadt

Berlin, der seiner Zeit so

oft voraus war. Und der wohl nie

mehr durchs Raster fällt.

Akademie der Künste, Hanseatenweg10, Di–So

11–19 Uhr,bis 1. März

DieZukun beginnthier

Messe Ausbildung &Karriere

14. &15. Februar 2020

9–16 Uhr

Cafe Moskau

Karl-Marx-Allee 34

10178 Berlin

Eintritt

kostenlos.

BERLIN

MESSEN


Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020 23

· ·

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Feuilleton

Bis

zur

Ekstase

Massentauglich:

The Chap im Berghain

Lasset die

Spiele wieder

beginnen

„Tribute von Panem“: erste

Inhalte des vierten Bandes

VonNadja Dilger

Sie gehören zu den Bands,die von

Kritikern und Kennern sämtlicher

Feuilletons und Foren hochgejubelt

werden –und dennoch keine

Stadien füllen. Seit 20 Jahren. Woran

liegt das? Will die deutsch-englische

Independent-Formation das nicht?

Oder ist das große Publikum noch

nicht bereit für The Chap? Sänger –

und Autor der Berliner Zeitung –Johannes

vonWeizsäcker –hat einmal

gesagt, sie machten „Musik, die

falsch klinge“. Doch daran kann es

nicht liegen. Das zeigt ihr etwa einstündiges

Konzert am Mittwochabend

in der Kantine am Berghain.

Über 200 Menschen wippen, tanzen

und bekommen, womit sie womöglich

in dieser Intensität nicht gerechnet

haben: Techno!

Gleich zu Beginn hämmert

Schlagzeuger Keith Duncan den Takt

von „Pea Shore“ aus dem neuen Album

„Digital Technologie“ schneller,

härter und dumpfer in die Drums.

Das elektronische, leicht verträumte

Stück wirdsoineinen dunklen, technoiden

Sound katapultiert, der sich

wie eine Wolke durch den Raum

zieht. Bassist Panos Ghikas rennt

dazu auf der Stelle, während Keyboarderin

BeritImmig ins Publikum

starrt und von Weizsäcker „in your

face“ säuselt. Dasmit der Band gealterte

Publikum jubelt.

Das mittlerweile zehnte Album

von The Chap, die sich in England

um 2000 gründeten, schrieb sich in

der dreijährigen Produktionsphase

bereits Techno auf die Fahne –endete

aber dann doch im Chap’schen

Sound, der trotz raffiniertem Songwriting

immer ein wenig schnoddrig

und blumig zugleich klingt. Wassich

vor allem an den rockigen Liedern

zeigt: Die hüpfende Indierocknummer

„Help Mother“ ist nicht nur ein

häuslicher Weckruf, sondern auch

der ideale Mitgrölsong!

Ebenso der live ins Industrial getriebene

Song „I Am The Emotion“,

bei dem Panos Ghikas den Bogen

über die Bratsche schrammelt als

wolle er gerade den Küchenboden

wischen. Eine Besonderheit an The

Chap: Ihre teils technoide Musik feuern

sie nicht vom Laptop ab, sondern

mit Instrumenten und Gegenständen.

Und zwar spontan. Und so

passiert es dann, dass nach einer

zehnminütigen Improvisationsnummer

für ihren letzten Song leider

kein einziger Gegenstand mehr zu

finden ist. Macht nichts.Denn das ist

definitiv der Höhepunkt des Abends,

der zugleich den Anfang wiederspiegelt:

Ganz leise nähert sich die Band

zunächst musikalisch einem Clubabend

–der Bass im Hintergrund,

wirre Geräusche in der Ecke; der

Beat, der immer lauter wird und

Gäste,die zu tanzen beginnen ... –bis

es irgendwann nur noch Ekstase,

Selbstfindung und den Schweiß des

tanzenden Nachbars gibt.

Einige Songs aus dem neuen Album

werden von Radiosendern bereits

hoch und runter gespielt. Die

Masse wird also auf den Chap’schen

Sound vorbereitet. Ein paar von ihnen

können heute Abend bei ihrem

letzten Tourstopp in Hamburg sogar

noch dabei sein.

Berit Immig und Johannes von Weizsäcker

im Berghain.

ROLAND OWSNITZKI

Immer noch kein Paar:Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) im Paternoster des Berliner Polizeipräsidiums.

Vordem Crash

Die dritte Staffel von „Babylon Berlin“ beginnt mit ihrem Finale. Am

25. Oktober 1929 kollabiertinNew York der Aktienmarkt. Erst fallen die

Kurse und dann die Menschen. Washeute Schwarzer Freitag genannt

wird, ist ein Schlüsselereignis in der Geschichte des 20. Jahrhunderts.

UndGereon Rath (Volker Bruch) steckt mittendrin. In der Eröffnungsszene

sieht man ihn durch die Gänge der Berliner Börse taumeln. Ein

Bild der Apokalypse.Wertlose Papieresegeln durch die Luft, ein Broker

schießt sich in den Kopf, einer hängt sich auf und vondraußen stürmen

die betrogenen Anleger herein. An diesem Tagsind die Zwanzigerjahre,

die für die meisten niemals golden waren, endgültig vorbei. Nach dieser

effektvollen Ouvertüre blendet die Serie ein paar Wochen zurück

Wasdie Politik nicht kann

Kanada ist Gastland der Frankfurter Buchmesse 2020 –und nicht nur das. Ein Botschaftsbesuch

VonCornelia Geißler

Das Gebäude der kanadischen

Botschaft in Berlin

ist deshalb so schön, weil

dort der Bezug auf die

Natur immer anwesend ist. Auch

wenn in einem Konferenzsaal Reden

gehalten und Filme gezeigt werden,

bleibt der Wasserfall in der Mitte des

Gebäudes am Leipziger Platz in einem

breiten flachen Fenster sichtbar.

Amspäten Donnerstagvormittag

stellten Kulturbotschafter aus

Kanada und eine ganzeReihe deutscher

Veranstalter das kanadische

Kulturprogramm in Deutschland

für die erste Jahreshälfte vor. Da gehört

die Frankfurter Buchmesse, der

eigentliche Grund für diese Aktivitäten,

noch gar nicht dazu.

Selbstverständliche Vielfalt

„Frontera“, ein kanadisches Tanzthaterprojekt am 25. 1. beim CTM-Festival ADRIAN MORILLO

Kanada ist Gastland der Messe im

Oktober. Deren Direktor Juergen

Boos schilderte, dass die Idee dafür

schon vorvielen Jahren entstand, zunächst

aber nicht so leicht umzusetzen

war: Der besondere Charakter

Kanadas, Sehnsuchtsland vieler Europäer,

bedeute konkret, dass der

französisch- und der englischsprachige

Verlegerverband gleichermaßen

überzeugt sein müssen. Der

Buchmarkt ist, ebenso wie das 1867

für unabhängig erklärte Land, noch

relativ jung. Rund 260 Verlage publizieren

auf Englisch, mehr als 100 auf

Französisch. Juergen Boos zeigte

sich erfreut, dass sich nun ein Land

in Deutschland präsentiere, das für

die Akzeptanz des Diversen und für

Multikulturalität stehe.

Das soll offenbar auch das Motto

des Gastlandauftritts zeigen. „Singular

Plurality/Singulier Pluriel“ lautet

es,übersetzbar als„EinzigartigeVielfalt“.

Dazu gehört, Reisende werden

es wissen, die Natur.CarolynWarren,

die Generaldirektorin des Canada

Council for the Arts,kündigte an, die

Verständigung der Künste quer

durch die Provinzen „from coast to

coast to coast“ vorführen zu wollen,

also von Küste zu Küste zu Küste.

Das zweitgrößte Land der Erde hat

nur eine Landesgrenze, die zur USA,

und wird ansonsten vom Pazifik,

dem Atlantik und dem Arktischen

Ozean umschlossen. Kein Wunder,

dass Kanadier in ihrer Botschaft wenigstens

ein bisschen Berliner Wasser

fließen lassen. Carolyn Warren

pries die Fähigkeit der Künste und

Künstler,Menschen ins Gespräch zu

bringen. „Sie können etwas erreichen,

was die Politik nicht schafft.

Sie greifen Fragen auf, die andere

fürchten. Deshalb ist uns die Freiheit

der Kunst so wichtig.“

Der Ehrengastauftritt zieht sich

hier nun vonder Nordseeküste bis zu

den Alpen, wobei der Osten allerdings

etwas vernachlässigt wird. Immerhin

gibt es in Berlin einiges. Bereits

zu sehen sind hier zwei Ausstellungen

bildender Künstler aus Kanada

(Julia Stoschek Collection,

Zentrum für Kunst und Urbanistik

Berlin), am Freitag beginnt das

CTM-Festival mit starker kanadischer

Präsenz. In der kommenden

Woche folgt die Transmediale,inderen

Rahmen es schon seit 2008 die

Marshall McLuhan Lecture gibt, bei

der Personen aus dem kulturellen

Leben Kanadas sprechen. In diesem

Jahr, am29. Januar, werden sich Mél

Hogan und Joshua Neves mit den

Grenzbereichen zwischen Neurowissenschaften,

Kunst und Computertechnologie

beschäftigen.

Fast an der Nordsee gastieren die

kanadischen Musiker auf dem Jazzahead-Festival

Bremen, der Kunstverein

Hannover freut sich auf eine

Schau des Teilnehmers der jüngsten

ARD/SKY/FREDERIC BATIER

und begleitet die gut bekannten Figuren der Geschichte und auch ein

paar Neueinsteiger auf dem Weginden finanziellen, gesellschaftlichen

oder auch privaten Ruin. Kommissar Rath entfremdet sich immer mehr

von seiner Geliebten Helga, der Frau seines totgeglaubten Bruders.

Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) kommt auf der Karriereleiter nicht voran

und ermittelt im Privatauftrag in einer bizarren Mordsache.Während

der Dreharbeiten in Neu-Babelsberg wird ein Ufa-Star von einem

Scheinwerfer erschlagen. Aber natürlich geht es um viel mehr. (BLZ)

BabylonBerlin: Staffel 3 ab 24.Januarjeden Freitag eineFolgeà45Minuten auf Sky.Inder

ARDwird dieSerie ab Herbst2020 zu sehen sein.

Biennale vonVenedig JonRafman, in

München sind kanadische Beiträge

auf dem DOK.fest präsent. Der Programmdirektor

des Festivals Theater

der Welt, Stefan Schmidtke, das im

Mai in Düsseldorf stattfindet, trug

seine Begeisterung darüber in die

Runde, mehr als 50 Prozent als

Frauen im Programm zu haben.

„Und das nicht, weil ich Feminist

bin, sondernweil sie so gut sind!“

Literatur beginnt in Leipzig

Und was, bitte, ist mit der Literatur?

Was ist mit Margaret Atwood, Paulette

Bourgeois und Michel Tremblay?

In Frankfurt amMain, wo alles

konzentriertsein wird, sind am Freitag

und Sonnabend drei Autorinnen

und ein Autor bei der Litprom zu

Gast. Weraber alles vom 14. bis 18.

Oktober bei der Messe sein wird, verraten

die Organisatoren erst Mitte

März auf der Leipziger Buchmesse.

Dann erfährt man auch wie viele indigene

Schriftsteller eingeladen sind.

Zur bekundeten Vielfalt des Landes

gehört in den vergangenen beiden

Jahrzehnten, dass die lange unterdrückten

indigenen Kulturen sichtbar

gemacht und gestärkt werden.

DieVerlage haben sich schon länger

vorbereitet. Der Gastlandauftritt

wurde vor drei Jahren beschlossen,

seither haben Agenten und Scouts

Kontakte geknüpft, Lektoren Übersetzungen

in Auftrag gegeben. „Die

Frankfurter Buchmesse ist keine

deutsche Veranstaltung. Die kanadische

Kultur kann sich der Buch- und

Medienindustrie aus 150 Ländern

präsentieren“, gab Juergen Boos

noch zu Protokoll. Denn in der Tat

folgt auf einen Schwerpunkt hier oft

auch die Vergabe weiterer Lizenzen.

Das allerdings bleibt für das hiesige

Lesepublikum unsichtbar.

VonPetraKohse

Esgibt wohl niemanden, der nach

der Lektüre der „Tribute von Panem“-Trilogie

nicht gerne wüsste,

wie es mit Katniss und Peeta und ihrenbeiden

Kindernweitergeht, nach

all den Schlachten, die sie gegen andere

Kinder und Jugendliche –und

auch gegeneinander – schlagen

mussten. Nach all ihren Verlusten.

Wasaus Panem wird, nachdem die

grausamen „Hungerspiele“ abgeschafft

sind, die alte Diktatur besiegt

ist und eine neue gerade noch verhindert

werden konnte. Nachdem

Präsident Snow tot und die Menschen

in den Distrikten theoretisch

befreit sind.

Aber in der Erzählzeit ist es keine

Fortsetzung dieser beispielhaft

spannenden und die Mechanismen

von Politik erklärenden Mischung

aus Romanze und Dystopie, die die

US-amerikanische

Suzanne Collins

jetzt zehn Jahre

nach Erscheinen

des dritten Bandes

geschrieben

hat und die am

19. Mai weltweit

und in Deutschland

unter dem

Titel „Die Tribute

vonPanem –Das

Lied von Vogel

OETINGER-VERLAG

TOP 10

Mittwoch, 22. Januar

Schriftstellerin

Deutsches Cover

des 4. Bandes

und Schlange“ veröffentlicht wird.

SonderndieVorgeschichte.Der neue

Roman spielt 64 Jahrevor den Ereignissen

der ersten drei Bücher und

beginnt mit dem Morgen der„Ernte“

der zehnten „Hungerspiele“. Im Mittelpunkt

steht Coriolanus Snow als

junger Mann. In den ersten drei Bänden

ist er ein Autokrat der skrupellosesten

Sorte und Rosenzüchter nebenbei.

In Band 4begegnet man ihm

als einem um den eigenen Aufstieg

besorgten, aber auch nicht unsympathischen

18-Jährigen.

Zwei Seiten aus dem Original hat

der Verlag online gestellt (oetinger.de),

in denen Coriolanus hofft,

einer der Mentoren der diesjährigen

Tribute zu werden, also der Coach eines

jener 24 Jugendlichen, die alljährlich

gezwungen werden, in einer

virtuellen Arena auf echtes Leben

und echten Todhin gegeneinander

anzutreten. Dabei denkt er natürlich

an einen Spross aus einer der feinen

Gesellschaften der ersten Bezirke.

Tatsächlich bekommt er ein Mädchen

aus dem 12. Bezirk zugeteilt.

Dem wilden Bezirk, dem Bezirk der

Kohlearbeiter. Dem Bezirk aus dem,

später,auch Katniss kommt.

Ausder Buch-Trilogie entstanden

bislang vier Filme,die demVerlag zufolge

knapp 2,6 Milliarden Euro einspielten.

Die deutschen Bände haben

sich bislang mehr als 4,7 Millionen

Mal verkauft. Mit dem neuen

Roman wolle sie der Frage nachgehen,

„wer wir seien und was wir für

unser Überleben für notwendig erachten“,

hatte Suzanne Collins im

vergangenen Jahr in einem Interview

gesagt. Und welche Vorstellungen

vonMenschlichkeit wir haben.

1 Tagesschau ARD 4,90 16 %

2 Handball-EM ZDF 4,82 15 %

3 Ich bin ein Star ... RTL 4,71 22 %

4 heute-journal ZDF 4,33 14 %

5 Wer weiß denn ...? ARD 3,93 19 %

6 SokoWismar ZDF 3,93 18 %

7 heute ZDF 3,93 15 %

8 ZDF-Sport ZDF 3,87 13 %

9 RTL aktuell RTL 3,51 14 %

10 Heldt ZDF 3,29 11 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Acker Stadt Palast (✆ 441 00 09)

19.30: Der Wahnsinn des Herakles /Herakles 13

ada Studio in denUferstudios (✆ 21 80 05 07)

18.00 Studio 7: reinkommen (Bárbara Conde)

alpha-nova-werkstattTheater (Albrechtstr.28)

19.30 Theatersaal: Fahrenheit 461 (Theater Ein Topf)

Ballhaus Naunynstraße (✆ 75 45 37 25)

20.00: Cyclops (Nasheeka Nedsreal)

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

19.30: Glaube undHeimat

20.00 Neues Haus: Stunde der Hochstapler –Das

Krull Prinzip

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00: Ein Mord wird angekündigt

Café Theater Schalotte (✆ 341 14 85)

20.00: Tablao Flamenco (LauralaRisa yCompañia)

Deutsche Oper Berlin (✆ 34 38 43 43)

19.30: Tosca

Deutsches Theater (✆ 28 44 12 25)

20.00: (Life on earth can be sweet) Donna

Dock 11 (✆ 448 12 22)

19.00: Encapsulation (The Instrument)

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

20.00 Box: Hundeherz

20.00: Hasta la Westler,Baby!

English Theatre Berlin (✆ 691 12 11)

20.00: ABetter Life

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

20.00: Der Beziehungscoach

GarnTheater (✆ 78 95 13 46)

20.30: Die Schädlichkeit des Tabaks und andere

Ungeschicklichkeiten

Kleines Theater (✆ 821 20 21)

20.00: Drei Männer im Schnee

Komische Oper Berlin (✆ 47 99 74 00)

19.30: Plateau Effect (Staatsballett Berlin)

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(✆ 88 59 11 88) 20.00: Ab jetzt

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

19.30: Ein Bericht für eine Akademie

Neuköllner Oper (✆ 68 89 07 77)

20.00: Wolfskinder

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

19.00 Glaspalast: Fischer un sin Fru/Hinz und Kunz

(Hexenberg Ensemble)

20.00: Münchhausen –Die Wahrheit übersLügen

(Drehbühne Berlin)

20.30 Glaspalast: Gevatter Tod/Machandelbaum

(Hexenberg Ensemble)

Radialsystem (✆ 288 78 85 88)

18.00: NewEmpathies: Pasdedeux#1–Constructing

Love (Solistenensemble Kaleidoskop)

19.30: NewEmpathies: 7(RadouanMriziga)

21.00: NewEmpathies: BurnTime

RambaZamba Theater (✆ 44 04 90 44)

19.30: Antigone

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00: Extrawurst

Schaubude (✆ 423 43 14)

20.00: Hemingway. Gaza. Big Fish. (Film Riss Theater,

Berlin und Jamal Abu Alqumsan, Gaza)

Schaubühne (✆ 89 00 23)

21.00: Die Anderen

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: Ichbin nicht Mercury

Sophiensaele (✆ 283 52 66)

19.00 Kantine: Philosophiermaschine (Interrobang)

Staatsoper Unterden Linden (✆ 20 35 45 55)

17.00 Alter Orchesterprobensaal: Linden 21: Usher

19.00: Il barbiere di Siviglia

Theater Adlershof (✆ 23 93 45 79)

18.00: Verliebt, verlobt, verschwunden (Dorit Gäbler)

Theaterdiscounter (✆ 28 09 30 62)

20.00: Ein anarchistischer Bankier

Theaterforum Kreuzberg (✆ 70 07 17 10)

20.00: Kasimir und Karoline (Peter’sFriends)

Theater im Nikolaiviertel (✆ 017 6/ 40 53 11)

19.30: ZilleseinMilljöh

Theater untermDach (✆ 902 95 38 17)

20.00: Der Theaterkritiker

Vaganten Bühne (✆ 313 12 07)

20.00: Indien

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

19.00: Eine Odyssee

20.00 Roter Salon: Armen Avanessian &Enemies

#63: Die Mayonnaise, getanzt, betrachtet (mit Armen

Avanessian)

KABARETT/VARIETÉ

1820 Bar (Rosa-Luxemburg-Str.41)

20.30: Cosmic ComedyShowcase (Dharmander

Singh, Neil Numb u. a.)

Admiralspalast (✆ 22 50 70 00)

20.00: Black Out: ADigital Dance Show(Flowmotion

Dance Company)

Arena Glashaus (✆ 533 20 30)

19.30: Caveman –Dusammeln, ich jagen!. Anm. erf.

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Turnadot –Eine Brexit-Operette (CaCarrington-Brown)

Berliner Schnauze (✆ 017 95 34 66 96)20.00:

Diätyoga für Anfänger (Natascha Petz)

Berliner Tschechow Theater (✆ 93 66 1078)

19.00: Was, haben wir gelacht? (Olaf Michael

Ostertag)

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: La Signora: Die Schablone, in der ich wohne

(Carmela de Feo)

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (✆ 204 47 04)

19.30 Studio: Verdummungsverbot (Tilman Lucke)

20.00: Skandal im Spreebezirk

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Heimathafen Neukölln (✆ 56 82 13 33)

19.30 Studio: Brautzillas (Melanie Haupt und Constanze

Behrends)

Kookaburra (✆ 48 62 31 86)

20.00: Reden ist Silber,lesen ist Gold –das Beste

aus 25 Bühnenjahren (HeikoWerning)

Mehringhof-Theater (✆ 691 50 99)

20.00: Die Expertise war bedeutend höher(Fil)

Palazzo (✆ 018 06 38 88 83)

19.30: Family Affairs

Quatsch Comedy Club (✆ 47 99 74 13)

20.00: Die LiveShow(Passun Azhand, Marcel

Mann, Der Wolli, Sebastian Krämer,Mod.: Ingmar

Stadelmann)

Ratibortheater (✆ 618 61 99)

20.30: 4Wände (Die Gorillas)

Scheinbar Varieté (✆ 784 55 39)

20.00: Open StageVarieté (Katharina Hoffman, Mod.)

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

19.30: Mamma Mia!

Theater im Palais (✆ 201 06 93)

19.30: HintermOfen sitzt ne Maus

TIPI am Kanzleramt (✆ 39 06 65 50)

20.00: Die Vorteile des Lasters (Lisa Eckhart)

Wintergarten Varieté (✆ 58 84 33)

20.00: Zauber Zauber –Nichts ist, wie es scheint

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Schwamm drüber? –Der besondere Jahresrückblick

2019 (AnnyHartmann)

Z-Bar (✆ 28 38 91 21)

20.30: Rigoletti ... will Bundespräsidentin werden

(Marion Pfaus)

Zimmertheater Steglitz (✆ 25 05 80 78)

20.00: Die sechs Leben der Mascha Kaléko(Ingolf

Alwert, Ute Knorr)

Feierabendkonzert

Abschalten

zu

Orgelklängen

Bevor Sie sich und Ihren

Lieben wieder das Wochenende

mit schlechter

Laune verderben, weil Sie auf

dem Heimweg den Dienstärger

nicht loswerden und in die

Familie tragen −sagen Sie zu

Hause einfach, dass Sie heute

ein bisschen später kommen

und machen Sieeinen Umweg

über die Nikolaikirche, wojeden

Freitag um 17 Uhr eine

halbe Stunde lang musiziert

wird. „Zuhören −Entspannen

− Nachdenken“ lautet das

Motto der vom Stadtmuseum

veranstalteten Konzerte. Diesmal

erschallen auf der Jehmlich-Orgel

Orgelwerke bekannter

Komponisten. Genauer

müssen Sieesnicht wissen,

denn es geht ja darum,

den Kopf zu befreien. Unter

uns: Diese Arbeitabschaltmethode

funktioniert sogar,

wenn Sie einfach nur dasitzen

−ohne ordentlich zuzuhören.

Ich hätte das auch gern Montagfrüh.

Ulrich Seidler

Nikolai-MusikamFreitag,17−17.30Uhr

in der Nikolaikirche, Eintritt: 5/3 Euro

„Selbstbildnis“, Sarah Haffner malte

es 1963, mit 23 Jahren

S. HAFFNER/VG BILDKUNST BONN 2020/DAVID BRANDT

Hinter der

Wirklichkeit

Sarah Haffners „Goodbye to Berlin“ in der Galerie Poll

Diese „Wintersonne“ von

1990 kann als Paraphrase

auf den Begriff

„Steinernes Berlin“ gelesen

werden. Dieser geht auf den

Nachkriegsmaler Werner Heldt zurück

und hat Maler immer wieder inspiriert.

Gerade auch SarahHaffner.

Fahles Gelb trifft auf kaltes,klares

Türkis, steht über dem schwermütigen

Dunkelblau und Schwarz der

Brandmauernund Giebel.Wiegefroren

wirkt die Luft. Stimmungen, Erinnerungsfetzen,

Gedanken gerinnen

zu Flächen, eine nicht-erzählende

Malerei zwischen Realität und

Abstraktion. Das streng reduzierte

Stadt-Motiv gehört zuHaffners vor

30 Jahren im Atelier in der Uhlandstraße

entstandenen Zyklus über die

Jahreszeiten in der Stadt.

Türkis war offensichtlich eine ihrer

Lieblingsfarben. Ja, bestätigte sie

einmal in einem Gespräch: „Türkis

ist für mich Klarheit, wie Wasser,

dem ich auf den Grundguckenkann.

Oder wie der Himmel im Frühling,

wenn alles Kommende noch offen

ist.“ Neigte sich das Jahr –oder auch

nur der Tag–,dann changierte das

Türkis in ihren Bildern zudunklem

Ingeborg Ruthe

begegnete der vorzweiJahren verstorbenen

Sarah Haffner in den Neunzigerjahren

und sah seither etlicheAusstellungen

derauch schreibenden Malerin, deren

Bildsprache sich zwischen Gegenständlichkeit

und Abstraktion bewegte.

„Wintersonne“, 19

Blau. Diese Malerei zeigt Wesentliches,

reißt es heraus aus dem Fluss

des Alltäglichen.

Damals, 1990, so unmittelbar

nach dem Fall der Mauer, war Berlin

ja laut, schrill, chaotisch, überrannt

vonMenschen aus allen Richtungen

der Windrose. Aber –wie faszinierend!

– Sarah Haffner malte nicht

etwa Lärmendes,nicht die Euphorie

der Masse, sondern eine konzentrierte,

harte Stille. Die radikale Verknappung

der Formen war ihr Markenzeichen.

Was man sieht, ist nur

scheinbar real. Stimmungen, Erscheinungen,

Gedanken gerinnen

zur dichten, strengen Metapher, in

denen helle Fraben zu dunklen,

warme zu kalten komponiertsind.

Auf suggestive Perspektiven und

dadurch illusorische Effekte verzichtete

Sarah Haffner völlig. Es ist der

Dialog der Farben, der den Menschen

oder Dingen in ihrer Malerei

Plastizität gibt. Noch oft –bis ins Alterswerk

hinein – malte sie solche

scharfkonturigen, fensterlosen Häusergebirge.

Brandmauern, Haltepunkte,

Brücken, Treppen und

Wände, die einen zurückstoßen,

aber faszinierend charaktervoll sind.

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51)Crescendo #makemusicnotwar

14.45; Lindenberg! Mach dein Ding

17.15,20.30

CinemaParis (✆ 881 31 19) Die Wütenden 15.00,

20.30; Die Wütenden (OmU) 17.45

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) 1917 –Der

Film (OmU) 20.00; Das geheime Leben der Bäume

17.20; Judy 14.30

Delphi LUX (✆ 322 93 10 40) 1917 –Der Film

13.30, 16.15, 19.00, 21.40; Das geheime Leben

der Bäume 15.40; Jojo Rabbit (OF) 15.00, 20.50;

Parasite 18.00; Judy 17.30, 20.15; Judy (OmU)

13.30,17.50, 20.30; Queen &Slim (OmU) 15.00,

21.15; Freies Land 13.30, 16.15; The Peanut Butter

Falcon (OmU) 19.00; Knives Out (OmU) 20.50;

Knives Out (OF) 18.00; Vom Gießen des Zitronenbaums

13.20, 15.40; Einsam zweisam 19.00; MilesDavis:

Birth of theCool (OmU) 21.30; Die Sehnsucht

der Schwestern Gusmao 16.00

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Milchkrieg inDalsmynni

18.45;The Peanut Butter Falcon 22.15; Das

Vorspiel 17.00, 20.30; Crescendo #makemusicnotwar

17.45; Kamikaze 1989 (OmenglU) 22.30;

Motherless Brooklyn 20.00

Kant Kino (✆ 319 98 66) Knives Out 14.30,

17.30, 20.30; Lindenberg! Mach dein Ding 14.30,

17.30, 20.30; A Rainy Day In New York 16.15,

20.45; Der geheime Roman des Monsieur Pick

18.30; Latte Igel und der magische Wasserstein

14.00; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 14.45,

17.20, 20.00; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

14.00; Das Vorspiel16.15, 18.30, 20.50

Zoo Palast (✆ 01805/22 29 66) Atmos: Bad Boys

for Life 20.00, 23.10; Die Eiskönigin II14.00; 3D,

Atmos: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 16.40;

Die Hochzeit 23.10; Die Hochzeit 16.45; Jojo

Rabbit (OF) 22.50; Lindenberg! Mach dein Ding

19.45; Vier zauberhafte Schwestern 14.15; Jojo

Rabbit 17.30, 20.00, 22.45; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 14.15; Bad Boys for Life 17.00;

Die Hochzeit 14.10, 20.00; Knives Out 23.05; Als

Hitlerdas rosaKaninchenstahl 20.00;Bad Boys for

Life 14.45; Jojo Rabbit (OF) 17.30; Joker 22.50;

Lindenberg! Mach dein Ding 17.45; Das perfekte

Geheimnis 15.00; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

20.45

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) 2040 –Wir

retten die Welt! (OmU) 11.00; ARainy Day InNew

York (OmU) 17.45; Gott existiert, ihr Name ist Petrunya

(OmenglU) 12.30;

LatteIgelund der magische Wasserstein 16.15; Der

Leuchtturm –The Lighthouse (OmU) 21.00; Miles

Davis: Birth of the Cool (OmU) 14.15; Das Vorspiel

(OmenglU) 19.15; Why Don‘t You Just Die! –Papa,

sdokhni (OmU) 22.50; Aquarela (OmU) 14.15;

Bunuel im Labyrinth der Schildkröten –Bunuel en

el laberinto delas tortugas (OmU) 16.00; Freies

Land (DFmenglU) 19.30; Jeannette: Die Kindheit

der Jeanne d‘Arc (OmenglU) 11.00; Milchkrieg in

Dalsmynni 12.45; Once Upon aTimein...Hollywood

(OmU) 21.40; Einsam zweisam –Deux moi (OmU)

11.00; Die Eiskönigin II–Frozen 2(OmU) 15.15;

TheFarewell (OmenglU)18.50;Der geheime Roman

des Monsieur Pick 17.00; Joker (OmU) 22.45; Motherless

Brooklyn 12.45; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 20.30

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29) Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 16.00; Freies Land 20.10;

DasgeheimeLeben derBäume 14.00, 18.15; Parasite

–Gisaengchung (OmU) 22.35; Aretha Franklin:

Amazing Grace (OmU) 20.15; Der geheime Roman

des Monsieur Pick –Le mystere Henri Pick (OmU)

18.15; Der marktgerechte Mensch 16.20; Midsommar

–Director‘s Cut (OmU) 22.00; Systemsprenger

14.00

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz 1917 –Der Film

14.00, 17.00, 20.00, 23.00; 3Engel für Charlie

14.10, 20.10; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

17.10; Bad Boys for Life 16.20, 19.40, 22.40;

IMAX: Bad Boys for Life 13.50, 16.50, 20.00,

23.10; Black and Blue 22.50; Cats 17.20; Die

Eiskönigin II 14.20, 16.45; Das geheime Leben

der Bäume 20.10; The Grudge 19.40, 23.10; Die

Hochzeit 13.45, 17.20, 20.15, 23.15; Jojo Rabbit

17.10,19.50;Jojo Rabbit(OF)16.50; Joker22.50;

Jumanji –The Next Level 14.00, 16.50, 19.20,

22.30; Knives Out 14.20, 16.40, 19.50, 22.20;

Knives Out (OF)23.00;Latte Igel und der magische

Wasserstein 14.20; Lindenberg! Mach dein Ding

16.30, 19.40; Midnight Movie: Obsessed: Tödliche

Spiele 23.00; Das perfekte Geheimnis 19.20;

Queen &Slim 22.45; Spione Undercover: Eine wilde

Verwandlung 14.00; 3D: Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 14.00, 19.30, 22.45; Star Wars: Der

Aufstieg Skywalkers 13.45, 16.40, 19.50, 22.20;

Vier zauberhafte Schwestern 13.50; Die Wolf-Gäng

14.30,17.00

Zukunft (✆ 01 76/57 861079) Joker (OmU)

22.30; Der Leuchtturm – The Lighthouse (OmU)

20.20; Systemsprenger (OmenglU) 18.00; Porträt

einer jungen Frau in Flammen –Portrait delajeune

fille en feu (OmU) 18.00, 22.15; Vom Gießen des

Zitronenbaums –ItMust BeHeaven (OmU) 20.20

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 0200) 1917 –Der Film

16.45, 20.00, 23.00; Bad Boys for Life 16.50,

19.30, 22.40; Die Eiskönigin II13.40, 16.30; Die

Hochzeit 14.00, 17.10,20.10,23.00; Joker 22.50;

Jumanji –The Next Level 16.40, 19.50, 22.50;

Knives Out 19.40, 22.50; Lindenberg! Mach dein

Ding 13.30,19.40; Das perfekte Geheimnis 13.50;

Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung 14.00;

3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 19.20; Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 16.45, 22.45; Vier

zauberhafte Schwestern 14.10; Die Wolf-Gäng

14.15, 16.50

Kino Kiste (✆ 998 7481) Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 17.35; Morgen sind wir frei 19.15;

Rotschühchen und die sieben Zwerge 15.55; Die

schönste Zeit unseres Lebens 13.50

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 4109) 1917 –Der

Film 17.30,20.00, 22.50; Bad Boys for Life 14.40,

17.00, 20.00, 22.40; 3D: Die Eiskönigin II 14.15;

Die Eiskönigin II 14.20, 17.15; The Grudge 23.00;

Die Hochzeit 14.30, 17.10, 19.50, 22.30; Jumanji

–The Next Level 17.20, 19.45; Knives Out 20.15,

22.40; Latte Igel und der magische Wasserstein

15.00; Lindenberg! Mach dein Ding 16.40, 19.30;

Das perfekte Geheimnis 19.40; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 14.50; 3D: Star Wars:

Der Aufstieg Skywalkers 16.45, 19.50; Star Wars:

Der Aufstieg Skywalkers 14.15, 20.10, 22.20; Underwater

–Es ist erwacht 23.00; Vier zauberhafte

Schwestern 14.45, 17.10; Die Wolf-Gäng 14.30,

17.20; Zombieland 2: Doppelt hält besser 23.00

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Jojo Rabbit (OmU)

17.30, 20.00, 22.30; B Knives Out (OmU) 16.00,

21.30; Parasite –Gisaengchung (OmU) 18.45

fsk am Oranienplatz (✆ 614 2464) Little Joe –

Glück ist ein Geschäft (OmU) 21.30; Milchkrieg in

Dalsmynni –Heradid (OmU) 17.30; Das Vorspiel

19.30; Die Wütenden (OmU) 17.45, 20.00, 22.15

Moviemento (✆ 692 4785) Almanya –Willkommen

in Deutschland 10.00; Jojo Rabbit (OmU)

12.30, 15.00, 17.30, 20.00, 22.30; Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 14.45, 17.15, 22.00; Der

blaue Tiger 10.30; Thomas und seine Freunde: Große

Welt! GroßeAbenteuer! 12.45;Vom Gießen des

Zitronenbaums –ItMust BeHeaven (OmU) 19.45;

AlsHitler das rosa Kaninchenstahl 11.45; Hilfe, ich

hab meine Eltern geschrumpft 9.30;

Little Joe – Glück ist ein Geschäft (OmU) 16.30,

21.30; Prachtige Films: Safety First: The Movie

(OmenglU) /Hotel Eindhoven (OmenglU) 19.00;

Vom Gießen des Zitronenbaums –ItMust BeHeaven

(OmU) 14.15

RegenbogenKino (✆ 69 57 95 17)Swans –Where

Does ABody End? 20.30

Sputnik (✆ 694 11 47) Cunningham(OmU)16.00;

TheFarewell (OmU) 20.00; Joker(OmU)21.45; Porträt

einer jungen Frau in Flammen –Portrait de la

jeune fille en feu (OmU) 17.45; Little Joe –Glück

ist ein Geschäft (OmU) 21.45; Der marktgerechte

Mensch (OmU) 17.30; Die Sehnsucht der Schwestern

Gusmao –Avida invisivel de Euridice Gusmao

(OmU) 19.15; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 16.00; Kinobar imSputnik Swans –Where

DoesABody End? (OmU) 22.00

Yorck (✆ 78 91 32 40) Das geheime Leben der

Bäume 15.20, 17.40; Parasite 20.00; New Knives

Out 16.00, 18.50, 21.40

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 9590) Bad Boys for Life

17.30, 20.30; DieEiskönigin II 15.00; Die Hochzeit

15.00, 17.30, 20.15; Knives Out 17.15, 20.15;

Lindenberg! Mach dein Ding 17.00, 20.00; Spione

Undercover: Eine wilde Verwandlung 14.45; 3D:

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 20.00;Vier zauberhafte

Schwestern 15.15; Die Wolf-Gäng 14.45,

17.45

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 13.00; Die Eiskönigin

II 15.30; Freies Land 17.45; Knives Out 13.00,

20.30; Latte Igel und der magische Wasserstein

15.45; Lindenberg! Mach dein Ding 13.00, 17.45,

20.30; Vom Gießen des Zitronenbaums 18.00; Das

Vorspiel 15.45,20.15

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60)

1917 –Der Film 17.15, 19.50, 22.50; Bad Boys

for Life 14.00, 17.00, 20.00, 23.00; Die Eiskönigin

II 14.00, 16.50; The Grudge 23.15; Die Hochzeit

14.10, 17.05, 20.00, 22.45; 3D: Jumanji –The

Next Level 19.40, 22.40; Jumanji –The Next Level

14.10, 17.00; Knives Out 19.45, 23.00; Lindenberg!

Mach dein Ding 16.35, 19.40; Midnight

Movie: Obsessed: Tödliche Spiele 23.00; Das

perfekte Geheimnis 20.00; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 14.15; 3D: Star Wars: Der

Aufstieg Skywalkers 22.35; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 14.05, 16.30, 19.25; Vier zauberhafte

Schwestern 14.15; DieWolf-Gäng 14.30, 16.55

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98)Einsam zweisam 18.30; Der

kleine Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen

Schatz 17.00; Parasite 20.45; Bunuel imLabyrinth

der Schildkröten 21.45; But Beautiful –Nichts existiert

unabhängig (OmU) 17.45; Gundermann Revier

(OmenglU) 20.00

Babylon (✆ 2425969) Cinebrasil–Brasilianisches

Filmfestival: 10 Sekunden um zu siegen –10segundos

para vencer (OmenglU) 22.00; Das Cabinet

des Dr. Caligari (m. Live-Musikbegleitung) 19.30;

Cinebrasil –Brasilianisches Filmfestival: Casa de

areia –Das Haus aus Sand: The House of Sand

(OmenglU) 20.00; Fellini 100!: Fellinis Die Clowns

–IClowns (OmenglU) 17.30; Fellini 100!: Fellinis

Satyricon (OmenglU) 17.30; Cinebrasil – Brasilianisches

Filmfestival: Der Kuss auf dem Asphalt

–Obeijo no asfalto (OmenglU) 20.00; Cinebrasil

–Brasilianisches Filmfestival: Saneamento basico,

ofilme –Grundsanierung: Der Film (OmU) 22.00;

VideoartatMidnight (#111: GernotWieland) 23.59

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Fritzi

–Eine Wendewundergeschichte 15.30; Queen &

Slim (OmU) 17.15, 20.00; Yung (OmenglU) 22.45;

Joker (OmU) 21.15; Der Leuchtturm –The Lighthouse

(OmU) 16.30; Queen &Slim (OmU) 11.30,

14.00; Systemsprenger 9.00; Vom Gießen des Zitronenbaums

–ItMust BeHeaven (OmU) 19.00

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00)1917 –Der

Film 16.30, 19.50; 1917 –Der Film (OF) 11.00,

13.50, 17.10, 19.30, 22.50; 3Engel für Charlie

23.15; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 11.10;

Bad Boys for Life 11.15, 14.15, 16.40, 20.10,

23.15; Bad Boys for Life (OF) 19.40, 22.40; Die

Eiskönigin II 12.00, 17.15; Die Eiskönigin II–Frozen

2 (OF) 15.10; Die Hochzeit 11.30, 14.20,

17.20,20.10, 23.10; Joker(OF)22.20; 3D: Jumanji

–The Next Level 18.00; Jumanji –The Next Level

13.20; Der kleine Rabe Socke 3–Suche nach dem

verlorenen Schatz 11.10; Knives Out 17.00, 22.40;

Knives Out (OF) 20.10; Lindenberg! Mach dein

Ding 14.00; Das perfekte Geheimnis 19.45; Spione

Undercover: Eine wilde Verwandlung 14.30; 3D:

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 11.45, 19.00;

StarWars: Der Aufstieg Skywalkers 16.15; 3D: Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers –StarWars: The Rise

of Skywalker (OF) 22.15; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers –Star Wars: The Rise of Skywalker (OF)

21.00; Vier zauberhafte Schwestern 11.10, 13.45;

Die Wolf-Gäng 11.15, 13.50, 16.30

Hackesche Höfe (✆ 283 46 03) 1917 –Der Film

(OmU) 16.30, 19.00, 21.30; Miles Davis: Birth of

the Cool (OmU) 14.00; The Farewell (OmU) 16.45;

Judy (OmU) 19.30; Lindenberg! Mach dein Ding

14.00, 21.30; Jojo Rabbit (OmU) 17.15, 19.30,

21.45; Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao –A

vida invisivel de Euridice Gusmao (OmU) 14.30; Als

Hitler das rosa Kaninchen stahl 14.30; Die Wütenden

(OmU) 17.00, 19.15, 21.30; Little Joe –Glück

ist ein Geschäft (OmU) 14.45, 21.30; Das Vorspiel

(teilw.OmU) 17.00, 19.15

International (✆ 24 75 60 11) Jojo Rabbit (OmU)

19.30, 22.00; Lindenberg! Mach dein Ding 13.30,

16.30

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70)Konecsrpna vHoteluOzon–Late

August at the HotelOzone (OmenglU)

20.00

NEUKÖLLN

Cineplex NeuköllnArcaden (✆ 01 80/505 06 44)

1917 –Der Film 16.50, 19.55, 23.00; 1917 –

Der Film (OF) 19.55; Aman Reis Duymasin (OmU)

22.50;BabaParasi(OmU) 22.45; Bad Boys for Life

17.00, 20.00, 23.00;Bad Boys for Life (OF) 22.30;

Cep Herkülü: Naim Süleymanoglu –Pocket Hercules

(OmU) 14.15; Die Eiskönigin II 14.15, 17.15;

Die Hochzeit 14.15, 17.05, 19.30, 22.40; Jumanji

–The Next Level 14.00, 17.20, 20.10; Knives Out

19.30; Lindenberg! Mach dein Ding 22.45; Mucize

Ask (OmU) 22.50; Psy 3: Wimie zasad –Hunde

3: Im Namen der Regeln (OmU) 20.00; Rafadan

Tayfa 2: Göbeklitepe –Rafadan Tayfa 2: Göbeklitepe

(OmU) 14.10, 17.15; Spione Undercover: Eine

wilde Verwandlung 14.15; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 14.00, 16.30, 19.45; Türkler Geliyor

–Adelatin Kilici (OmU) 16.15, 19.30, 23.00; Vier

zauberhafte Schwestern 14.45; Die Wolf-Gäng

14.00,16.50

IL KINO (✆ 91 70 29 19) The Farewell (OmenglU)

22.00; Parasite –Gisaengchung (OmenglU) 16.50,

23.50; Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao –A

vida invisivel de Euridice Gusmao (OmU) 14.20;

Systemsprenger (DFmenglU) 12.00; Die Wütenden

(OmU) 10.00, 20.00

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Queen &Slim (OmU)

16.30,19.30, 22.30

Passage (✆ 68 23 70 18) 1917 –Der Film (OmU)

15.00,17.45,20.30; Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 15.00; Joker (OmU) 17.30, 20.00, 22.30;

Lindenberg! Mach dein Ding 15.20, 18.10, 21.00;

Judy (OmU) 16.00, 18.30; Motherless Brooklyn

(OmU) 21.00


Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020 25

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

90, ein Motiv für das „Steinerne Berlin“ (nach Werner Heldt), Eitempera und Öl auf Nessel S.HAFFNER/ VG BILDKUNST BONN 2020/DAVID BRANDT

Menschenleere Häuser-Landschaften

wie diese wirken wie eingespannt

in ein konstruktivistisches

Gerüst. Sie sagte dazu: „Hinter der

Wirklichkeit“ –das „hinter“ war als

Widerhäkchen gemeint, die „Wirklichkeit“

keineswegs schon als die

ganze Wahrheit. Ihre Bildwelt

schrieb Stimmungen, Zustände fest.

Und wenn sie sich selbst malte,

schon in jungen Jahren, 1963, gerade

erst neun Jahrezuvor und mitten im

Teenager-Alter, aus dem Londoner

Exil ihrer ElterninBerlin vage „angekommen“,

dann ist das auch später

noch Grüblerische, Melancholische

in den Gesichtern (etwa ihrer Serie

„Frauen am Fenster“), dieser Kontrast

der nachtblauen Schatten und

rotgeschminkten Lippen und der

vielen ernsten, skeptischen, bisweilen

spöttischen Selbstbildnisse

schon in dem fragenden jungen Gesicht

der Malerin angelegt.

Siemusste sich nach der Kindheit

in England zurechtfinden in

Deutschland, in der Frontstadt Berlin,

in den Tumulten der 68er-Bewegung.

Fragen hatte sie selbst immer

mehr als Antworten. Der Dichter

Erich Fried, dem Sarah Haffner auf-

MEIN BILD DER WOCHE

Die Künstlerin: Sarah Haffner

(1940–2018) kam im britischen Cambridge,

dem Exil ihrer aus Nazi-Deutschland

geflohenen Eltern, zur Welt. Ihr Vater,

der Historiker und linkeSchriftsteller Sebastian

Haffner,musste Hitlerdeutschland

verlassen, um sein Leben zu retten

und das seiner halbjüdischen Frau. 1954

kehrte die Familie nach West-Berlin zurück.

Sarah Haffner,die an der Charlottenburger

Hochschule der Künste Malerei

studierthat,schrieb auch Bücher und engagierte

sich für Frauen in Not.

Die Ausstellung: „Goodbye to Berlin“ gedenkt

der Malerin, die am 27. Februar 80

Jahre alt geworden wäre. Galerie Poll,

Gipsstr.3.Bis 29. Februar,Di–Sa 12–18

Uhr.Lesung/Gespräch am 27. Februar,

19 Uhr.Eintritt frei

fiel, als sie noch keine 25 Jahre alt

war, aber bereits solche eigenwilligen

Einsamkeits-Metaphern malte,

spröde Gedichte schrieb, sich in der

Frauenbewegung engagierte und

das erste Frauenhaus West-Berlins

initiierte, muss diesen Zeitzeichen

auf den Grund geschaut haben.

Denn er hielt sie für geeignet, die

Menschen, die das Sehen und Fragen

verlernt haben, wieder Sehen

und Fragen zu lehren.

SarahHaffnermalte in ihreBilder

wohl den Schmerz, nicht aber Larmoyanz

hinein. Denn da war immer

auch die Lust mit ihren eindringlich

stillen, räumlichen Bildern gegen

den Strom (etwa den hysterischen

Kunstbetrieb) zu schwimmen. Malen,

sagte sie mir einmal, vertreibe

ihr die Ängste. Ihre beiden Identitäten,

die deutsch-jüdische und die

englische aber meldeten sich angesichts

vonneuem Fremdenhassund

Gewalt in Deutschland, angesichts

von Sieg-Heil-Schreiern vor Asylantenheimen

mit neuem inneren

Druck. Gefragt, ob ihre Bilder die

Spuren der Zeit trügen, sagte Sarah

Haffner:„Eher die Spuren vonErfahrungen.“

Literatur

Geräumige

Pausen

garantiert

Monika Rinck ist vielleicht

die umtriebigste,vielseitigste,

fröhlichste und energischste

Dichterin, die der Literaturbetrieb

so zu bieten hat.

Heute lädt die 50-Jährige, die

auch als Übersetzerin tätig ist,

im Literarischen Colloquium

auf die „Bühne des Schlafs“,

wohin man ihr natürlich unbesehen

und jederzeit zu folgen

bereit ist! Um Schlaf,

Traum und dessen Deutung

geht es in Lesungen und Gesprächen,

die Autorin Annett

Gröschner, der Dichterkollege

Durs Grünbein und der Cellist

und Komponist Basilius Alawad

sind mit dabei, und Monika

Rinck verspricht außer einer

„Anleitung zum kollektiven

Traumdomino“ auch

„Hanftee aus dem Samowar,

geräumige Pausen, Traumproviant,

unbewusste Einsichten

und die unvergleichliche Musik

von Basilius Alawad.“

Kommt alle. PetraKohse

Aufder Bühnedes Schlafs,19.30Uhr,

LiterarischesColloquium Berlin, Am

Sandwerder 5

KLASSIK

Heilig-Kreuz-Kirche Kreuzberg (✆ 69 40 12 41)

21.00: Ex Oriente Lux –aus dem Orient das Licht:

GabyBultmann &FarhanSabbagh (Oud), Amir

Czwink (Perkussion),NachtKlänge, Arabische Musik

und Musik des Abendlandes

Kohlenkeller am Mexikoplatz (✆ 55 57 32 83)

20.00: Aulos-Streichquartett Berlin, Neujahrskonzert,

Haydn: Streichquartett op. 77 Nr.1;Beethoven:

Streichquartett op. 18 Nr.1

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

19.00Gr. Saal: Konzerthausorchester Berlin, Nikolaj

Szeps-Znaider (Violine), Ltg.Iván Fischer,Ludwig van

Beethoven: Konzertfür Violine und Orchester D-Dur

op. 61; Richard Strauss:„Also sprach Zarathustra“,

Sinfonische Dichtung nach Friedrich Nietzsche op. 30

20.00 Kl. Saal: Federico Colli, C. Bechstein Klavierabend,

Scarlatti: Acht ausgewählte Sonaten; Haydn:

Klaviersonate Es-Dur;Mozart: Sechs Variationen

über „SalvetuDopmine“ vonGiovanni Paisiello;

Beethoven: Sonate cis-Moll op.27Nr. 2„Mondscheinsonate“;

Bach: Chaconne aus der Partita für

Violine solo d-Moll

Philharmonie (✆ 25 48 83 01)

20.00: Berliner Philharmoniker,Ltg.Kirill Petrenko,

GustavMahler:Symphonie Nr.6

Philharmonie/Kammermusiksaal (✆ 25 48 81 32)

20.00: Ginzburg Dynastie, Klezmer-Festival

Spandovia Sacra (✆ 333 80 54)

19.30: SilkeStrauf (Viola da gamba) und Anke

Krabbe (Rezitation), Werkevon Bach, Dowland,

Wackenroder,Proust u. a.

Zwölf-Apostel-Kirche (✆ 263 98 10)

19.30: Stephan Graf vonBothmer:„Ben Hur“in

concert, Stummfilm-Klassikerneu interpretiert

KINDER

Café Maggie (Frankfurter Allee 205)

19.00: Maggie Slam (ab 12 J.)

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

16.00: Im Labyrinth der Bücher,Young Show(ab 5J.)

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

17.00: Frau Holle –Mitspieltheater, (ab 4J.)

Grips Podewil (✆ 39 74 74 77)

11.00, 19.30: Ankommen is WLAN, musikalische

Ensembleproduktion (ab 12 J.)

Juxirkus Schöneberg (✆ 215 58 21)

17.30: Menschenskinder! Sensationen! (ab 4J.)

Puppentheater Prenzlkasper (✆ 21 79 10 60)

17.00: Hänsel und Gretel, Ulrich Müller-Hönow

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

10.30: Frederik, der Träumer,Julia de Boor,Musikalisches

Schattenspiel (ab 2bis 6J.)

Uferstudios (✆ 46 06 08 87)

19.00 Studio 14: Purple –Internationales Tanzfestival

für junges Publikum: Balancing Bodies, Cie. Woest.,

Tanzperformance (ab 8J.)

Varia Vineta (✆ 43 72 32 44)

16.00: Der gestiefelte Kater (ab 3J.). Anm. erf.

LITERATUR/VORTRAG

Amerika-Gedenkbibliothek (✆ 902 26 -0)

19.00 Salon: Hörthört! AGBauf die Ohren: Wirkommen,

um zu lesen, Lisa Vera Schwabe und Norbert

Lang,Hörstück und Gespräch

ART Stalker (✆ 22 05 29)

20.00: Lust, Leidenschaft und Liebe... ein Abend für

die Liebe, mit Richard Maschke, Nicole Lengenberg

Brotfabrik (✆ 471 40 01)

19.30: „sonntag,“, André Hatting

20.00: Frankenstein –Mein Herz ist schwarz. Es

stinkt., Das :zeLT, Livehörspiel-Parforceritt frei nach

MaryShelly

Kirchengemeinde Neu-Westend (Eichenallee 47-55)

20.00 Gemeindesaal: tolle et lege–nimm und

lies, mit Bettina Schwietering-Evers und Olaf Trenn,

Susanne Weiß spielt Cello

Lettrétage (✆ 692 45 38)

19.00: Mondgesichter,Haldis Kaltenbach, Roswitha

Baumeister,Traude Bührmann, Heidi Kull

Literarisches Colloquium Berlin (✆ 816 99 60)

19.30: Aufder Bühne des Schlafs: „Aus der Traum

(Kartei)“, Durs Grünbein, Lesung und Gesprächmit

Durs Grünbein, Monika Rinck, Basilius Alawad und

Annett Gröschner

Literaturhaus Berlin (✆ 887 28 60)

19.30: Texte zur Kunst: Autofiktion heute, mit Violaine

Huisman, Isabelle Graw, Dirk vonLowtzow,Jackie

Thomae und Brigitte Weingart

Periplaneta Kreativzentrum (✆ 44 67 34 33)

20.00 Literaturcafé: Neu: Periplaneta Tresenlesen,

Clint Lukas, Meikel Neid, Jane Steinbrecher

Schropp (✆ 235 57 32 -0)

20.00: Road Trip: Der langeWeg nach Indien, Mathias

Vatterodt, Buchvorstellung und Reisebericht. Anm.erf.

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

20.00 Großer Salon: Texte nach der DDR, Dr.Jörg

Sader &Reinhard Kuhnert

Sexclusivitäten (Fürbringerstr.2)

18.00: Spritzen. Die weibliche Ejakulation,Stephanie

Haerdle, Buchpremiere

KONZERT

A-Trane (✆ 313 25 50)

21.00: David Haynes &Friends feat. Worthy Davis

(voc)

AstraKulturhaus (✆ 69 56 68 40)

20.00: Devendra Banhart

Aufsturz (✆ 28 04 74 07)

21.00: 20 Jahre Klima Kalima feat. Oliver Potratz (b),

Oliver Steidle (dr)

b-flat (✆ 283 31 23)

21.30: Hervé Hartock Band –Les Colorés

Bi Nuu (✆ 69 56 68 40)

20.00: Chase Rice +Madison Kozak

Columbia Theater (Columbiadamm 9-11)

20.00: Sturgill Simpson

Donau115 (Donaustr.115)

20.30: Bitter Blond

Festsaal Kreuzberg (✆ 403 65 56 30)

21.00: Waving The Guns, Es hätte so ein schöner

Abend werden können

Freizeitforum Marzahn (✆ 542 70 91)

18.00: Piano PowerStation

Gutshof Britz (Alt-Britz 81)

19.00 Kulturstall: DiegoPinera Quintett, Esther Kaiser

Quintett, Matti Klein Soul Trio u. a.,Jazzfest Neukölln

2020 –1.Tag

Kiste (✆ 998 74 81)

21.00: Takayo

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

19.00: Eisfabrik

Orania.Berlin (✆ 69 53 96 80)

21.00: Orania.World: Sophia Bicking (Vocals) &Tal

Arditi (Guitar)

Panda (✆ 44 31 95 57)

20.00: Incense of Music 4: Notte, Rajab

Petruskirche Lichterfelde (✆ 81 80 99 66)

20.00: Jaques Stotzem

Philharmonie/Kammermusiksaal (✆ 25 48 81 32)

20.00: GinzburgDynastie, Klezmer Festival

Quasimodo (✆ 318 04 56 70)

22.30: Cécile VernyQuartet

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: Die Wallerts

SO36 (✆ 61 40 13 06)

20.00: UK Subs, Loaded

Wabe (✆ 902 95 38 50)

20.00: Bielfeldts Begegnungen: Rainer Bielfeldt &

Lorelay

Zig Zag Jazz Club (✆ 94 04 91)

21.15: Walt Weiskopf European Quartet

Zimmer 16 (✆ 48 09 68 00)

21.00: The Nation Mourns

KINO

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 17.30, 20.30; Jojo Rabbit (OF) 16.30,

19.00, 21.30; 1917 –Der Film –1917 (OF) 17.00,

19.45,22.30; DieWütenden (OmU) 17.00,19.30,

22.00; The Farewell (OmenglU) 16.30; Knives Out

(OF) 18.50; Queen &Slim (OF) 21.40

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34)

1917 –Der Film 16.55, 19.45, 23.00; Bad Boys

for Life 14.25, 17.20, 20.10, 23.00; Die Eiskönigin

II 14.40; DieHochzeit 14.05, 16.45, 19.50, 22.40;

Jumanji –The Next Level 17.10, 20.00; Knives Out

19.40, 22.50; Das perfekte Geheimnis 22.45; 3D:

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 17.15, 20.30;

StarWars: Der Aufstieg Skywalkers 14.00; Vier zauberhafte

Schwestern 14.30; Die Wolf-Gäng 15.00,

17.00

Wolf (✆ 921 03 93 33) The Farewell (OmenglU)

16.30; Little Joe –Glück ist ein Geschäft (OmU)

18.40; Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao –A

vida invisivel de Euridice Gusmao(OmU)18.20; Die

Tigerentenbande –Der Film 16.40; VomGießen des

Zitronenbaums –ItMust Be Heaven (OmU) 21.10;

Die Wütenden (OmU) 21.00

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Lindenberg!

Mach dein Ding 17.40, 20.30; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 15.20; Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 14.45, 17.20; Knives Out

20.00

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) 1917 –

Der Film 15.20, 18.00; 1917 –Der Film (OmU)

20.45; Das geheime Leben der Bäume 17.40;

Parasite 20.00; Spione Undercover: Eine wilde

Verwandlung 15.30; Freies Land 17.20, 20.00;

Lindenberg! Mach dein Ding 17.30; Die Wütenden

15.00, 20.30; Knives Out 14.50, 20.30; Knives

Out (OmU) 17.40

Kino&Bar in der Königstadt (✆ 01 63/262 72 80)

Festival politischer Film: „Mir ist es egal, wenn wir

als Barbaren in die Geschichte eingehen“ (OmU)

20.00; Festival politischer Film: Gebürtig 13.00;

Festival politischer Film: Der Krieg in mir 16.00

Kino inder Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

1917 –Der Film (OmU) 19.30, 22.45; Als Hitlerdas

rosa Kaninchen stahl 16.45; Das geheime Leben

der Bäume 17.20; Jojo Rabbit (OmU) 23.00; Jojo

Rabbit (OF) 14.45, 17.30, 20.15; Judy 14.30; Der

kleine Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen

Schatz 14.00; Knives Out 19.40; Lindenberg!

Mach dein Ding 16.00, 21.30;

StarWars: DerAufstieg Skywalkers (OF) 22.30;Vom

Gießen des Zitronenbaums 14.15; Das Vorspiel

19.00; DieWolf-Gäng 14.15, 16.45; Die Wütenden

19.50; Die Wütenden (OmU) 22.30

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Gott existiert, ihr Name

ist Petrunya (OmU) 21.00; Land des Honigs (OmU)

18.00; Swimmingpool am Golan –Eine deutsche

Familiengeschichte (teilw.OmU) 19.30

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) 1917

–Der Film 14.20, 17.05, 19.45,22.35; 3Engel für

Charlie 16.50; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

19.50; Bad Boys for Life 14.25, 17.00, 19.55,

22.45; Die Eiskönigin II 14.30, 17.10; Das geheime

Leben der Bäume 17.10; The Grudge22.40; Die

Hochzeit 14.15, 17.00, 19.50, 22.45; 3D: Jumanji

–The Next Level 17.00; Jumanji –The Next Level

14.15; Knives Out 19.50, 22.45; Latte Igel und der

magische Wasserstein 14.45; Lindenberg! Mach

dein Ding 16.40, 19.40;Midnight Movie:Obsessed:

Tödliche Spiele 22.45; Das perfekte Geheimnis

19.55; Queen &Slim 22.40; Sneak Preview 22.45;

Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung 14.20;

3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 16.45,

22.30; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.15,

19.40; Systemsprenger 19.40; Underwater –Esist

erwacht 19.45, 22.40;Vier zauberhafte Schwestern

14.35; Die Wolf-Gäng 14.40, 17.20

Zeiss-Großplanetarium (✆ 42 18 45 12) Into the

Wild 20.30; Latte Igel und der magische Wasserstein

14.00; Marianne &Leonard –Words of Love

(OmU) 18.00; Small Planets (OmU) 16.00

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 02 00) 1917 –Der

Film 16.40, 19.55, 23.00; AlsHitler dasrosaKaninchen

stahl 13.30; Bad Boys for Life 14.15, 16.55,

20.00, 23.05; Die Eiskönigin II 14.05, 16.55; The

Grudge 23.10; Die Hochzeit 14.05, 17.00, 20.10,

23.05; Jojo Rabbit 14.00, 16.45, 20.00, 23.00;

Joker 22.45; 3D: Jumanji –The Next Level 20.10;

Jumanji –The Next Level 13.55, 17.20, 23.00; KnivesOut

16.15,19.40;Lindenberg! Machdein Ding

19.30; Das perfekte Geheimnis 20.15; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 14.00; 3D: Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 19.30; Star Wars:

Der Aufstieg Skywalkers 16.45, 22.45; Underwater

–Esist erwacht 23.15; Vier zauberhafteSchwestern

13.45; Die Wolf-Gäng 14.40, 17.15

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Freies Land 14.35; Das perfekte Geheimnis 17.30,

20.15

Cosima (✆ 85 07 58 02) Alles außer gewöhnlich

18.00; Das perfekte Geheimnis 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Jojo Rabbit (OmU) 15.00,

20.30; Knives Out (OmU) 17.30

Xenon (✆ 78 00 15 30) Crescendo #makemusicnotwar

(OmU) 17.45; Judy (OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11) 1917

–Der Film 16.50, 20.10, 23.00; Bad Boys for Life

16.55, 19.55, 23.00; Die Eiskönigin II12.20; Das

geheime Leben der Bäume 10.00, 14.50; Die

Hochzeit 14.00, 17.20, 20.00, 22.55; Jumanji –

The Next Level 12.15, 17.00; Lindenberg! Mach

dein Ding 20.05, 23.05; Spione Undercover: Eine

wilde Verwandlung 12.15, 14.30; Star Wars: Der

Aufstieg Skywalkers 16.55,19.40, 23.00; Vier zauberhafte

Schwestern 12.00, 14.40; Die Wolf-Gäng

10.00, 12.15, 14.25

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 6081) Alles

außer gewöhnlich 13.45; Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 16.00, 20.15; Der geheime Roman des

Monsieur Pick 18.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 07 11) Als Hitler das rosa

Kaninchen stahl 14.00, 17.00,20.00

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 05 20)

1917 –Der Film 17.00, 19.45, 22.50; Bad Boys

for Life 17.00,20.00, 23.00; Bad Boys for Life (OF)

23.00; Die Hochzeit 13.15, 17.00, 19.55, 23.00;

Jumanji –The Next Level 14.05, 16.10; Der kleine

Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen Schatz

10.00, 12.15; Knives Out 10.00, 16.50, 19.55,

23.00; Latte Igel und der magische Wasserstein

12.15; Lindenberg! Mach dein Ding 19.55; Spione

Undercover: Eine wilde Verwandlung 12.00, 14.15;

StarWars: DerAufstieg Skywalkers 19.30;Vier zauberhafte

Schwestern 10.00, 11.45, 14.30

Thalia Movie Magic (✆ 774 34 40) Bad Boys for

Life 17.45, 20.30; Die Eiskönigin II 15.30; Die

Hochzeit 15.45, 18.00, 20.30; Knives Out 20.30;

Lindenberg! Mach dein Ding 17.45, 20.30; Vier

zauberhafte Schwestern 15.30; Die Wolf-Gäng

15.45, 18.15

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Kenji Mizoguchi: Eine

Erzählung nach Chikamatsu –Chikamatsu Monogatari

(OmenglU) 21.00; Kenji Mizoguchi: Yoru no

onnatachi –Women ofthe Night (OmenglU) 19.30;

Magical History Tour: Die Abenteuer des Rabbi Jacob

–Les aventures de Rabbi Jacob (OmU) 19.00

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 80 69 69)

1917 – Der Film 13.30, 14.00, 16.40, 19.45,

20.00, 23.00; 7500 –Der Film 23.00; Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 17.20, 19.45; Bad Boys

for Life 13.40, 16.40, 17.00, 19.15, 19.20, 22.45,

22.55; Die Eiskönigin II 13.15, 14.00, 17.00; Das

geheime Leben der Bäume 17.15, 20.15; The

Grudge 22.45; Die Hochzeit 14.00, 17.00, 20.15,

23.00; Jojo Rabbit 12.30, 13.20, 16.30, 19.30,

20.15, 22.40; Joker 20.00; Judy 16.00; 3D: Jumanji–TheNext

Level17.00;Jumanji –The Next Level13.50,

19.40, 23.00; KnivesOut 16.20,20.10,

22.50, 23.00; Lindenberg! Mach dein Ding 13.30,

16.30, 19.00; Parasite 16.00, 19.45; Das perfekte

Geheimnis 13.15, 16.40, 19.50; Queen &Slim

19.15, 23.00; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

14.15; 3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

13.45, 17.00, 20.30, 22.50; Star Wars: Der

Aufstieg Skywalkers 13.00, 15.30, 16.30, 19.40,

20.00, 22.50; Underwater –Es ist erwacht 22.20;

Vier zauberhafte Schwestern 14.00; Die Wolf-Gäng

14.10, 16.30

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) Bad Boys for Life 17.15,

20.00, 22.30; Die Eiskönigin II 14.30; Das geheime

Leben der Bäume 16.00, 18.00, 20.15, 22.30;

Die Hochzeit 15.00, 17.30, 20.00, 22.30; Jumanji

–The Next Level 18.00; Lindenberg! Mach dein

Ding 17.00, 20.15; Spione Undercover: Eine wilde

Verwandlung14.30; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

20.30; Vier zauberhafte Schwestern14.00; Die

Wolf-Gäng 14.00,16.00

Casablanca (✆ 677 5752) Der geheime Roman

des Monsieur Pick 16.00; The Good Liar –Das alte

Böse 20.30; Gundermann 18.00

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 0200)

1917 –Der Film 14.10, 17.00, 20.15, 22.40; 3

Engel für Charlie 22.45; Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 14.30; Bad Boys for Life 14.15, 17.15,

20.10, 22.45; Die Eiskönigin II 14.30, 16.50; The

Grudge 20.15, 23.00; Die Hochzeit 14.20, 17.15,

20.00,23.00; Joker 22.45; 3D: Jumanji –The Next

Level20.00;Jumanji–TheNextLevel14.00,17.15,

23.00; Knives Out 16.50, 19.50, 22.50; Lindenberg!

Mach dein Ding 19.30; Das perfekte Geheimnis

19.45; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

14.20; 3D: StarWars: Der Aufstieg Skywalkers

16.55; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 19.30;

Underwater –Esist erwacht 23.00; Vier zauberhafte

Schwestern 14.15, 17.15; Die Wolf-Gäng 14.40,

17.00

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 0311) 1917 –

Der Film 17.00, 19.40, 22.40; Baba Parasi (OmU)

22.45; Bad Boys for Life 17.00, 20.00, 23.00; Die

Eiskönigin II 16.40; Die Hochzeit 14.15, 16.45,

20.00, 23.00; Jumanji –The Next Level 14.00,

19.50;Rafadan Tayfa 2: Göbeklitepe–Rafadan Tayfa

2: Göbeklitepe (OmU) 14.15; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 14.15; Star Wars: Der

Aufstieg Skywalkers 16.45, 19.30, 22.45; Türkler

Geliyor –Adelatin Kilici (OmU) 20.00, 23.00; Vier

zauberhafte Schwestern 15.00; Die Wolf-Gäng

14.15,17.20

City Kino Wedding (✆ 01 77/270 19 76) Miles

Davis: Birth of the Cool (OmU) 21.45; Buch &Film:

Mutter Krausens Fahrt ins Glück (Restaurierte Fassung)

19.00

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 40 01) Jeanne d‘Arc –

Jeanne (OmU) 20.00; Jeannette: Die Kindheit der

Jeanne d‘Arc –Jeanne: L‘enfance de Jeanne d‘Arc

(OmU) 18.00

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00)Filmwoche zumGedenken

an den Holocaust: Bittere Ernte 18.00; Die

Eiskönigin II 13.15; Der geheime Roman des Monsieur

Pick 15.30; Joker 21.00; Lindenberg! Mach

dein Ding 11.30,14.15, 17.00, 19.45

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 18.00; Marianne &Leonard

–Words of Love (OmU) 16.00; Miles Davis: Birth of

the Cool (OmU) 20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Crescendo #makemusicnotwar

15.30;Das geheimeLeben der Bäume

18.00; Vom Gießen des Zitronenbaums 20.30

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Exhibition onScreen: Leonardo:

Die Werke –The Works 20.30; Unheimlich

perfekte Freunde 16.00; Zwingli –Der Reformator

18.00

Capitol (✆ 831 6417) Das geheime Leben der

Bäume 15.20; Judy 17.45; Knives Out 20.30

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12) Lara

17.00; Metropolis (1926/84; m.Vorfilm) 19.30

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 7020) Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl (m. Gebärdendolmetscherin)

19.00; Crescendo #makemusicnotwar

14.15; Die Eiskönigin II 14.00; Freies Land 21.00;

Das geheime Leben der Bäume 13.20;

FFF:Das geheime Lebender Bäume 16.15; Jojo Rabbit

16.15, 18.30, 20.45; Lindenberg! 15.30,18.15,

21.00; Vom Gießen des Zitronenbaums 16.45; Das

Vorspiel 14.15,18.45; Die Wütenden 21.30

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 70)

1917 –Der Film 14.00, 17.00, 20.15, 23.00; Als

Hitler das rosa Kaninchen stahl 13.50; Bad Boys

for Life 13.45, 17.00, 20.00, 23.00; Die Eiskönigin

II14.15, 17.35; Die Hochzeit 14.00, 16.50,

20.10,23.00; 3D: Jumanji –The Next Level 16.45,

23.00; Jumanji –The Next Level 20.05; Knives Out

19.40, 23.00; Lindenberg! Mach dein Ding 16.45,

19.40, 23.00; Das perfekte Geheimnis 19.50; 3D:

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 16.30, 20.15;

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.15, 23.00;

Vier zauberhafte Schwestern 14.20; Die Wolf-Gäng

13.45, 17.10

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 8877) Knives Out

17.00, 20.00; Vier zauberhafte Schwestern 14.30

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) 1917 –

Der Film 17.00, 20.20, 23.10; 3Engel für Charlie

23.00; Bad Boys for Life 14.45, 17.20, 19.50,

22.50; Die Eiskönigin II14.20, 17.00; The Grudge

20.40, 23.20; Die Hochzeit 14.30, 17.20, 20.15,

23.15; Hustlers 23.15; Joker 22.50; 3D: Jumanji

–The Next Level 20.15; Jumanji 14.20, 17.20; Knives

Out 17.40, 20.10, 23.00; Latte Igel und der

magische Wasserstein 15.00; Lindenberg! 17.05,

20.00; Das perfekte Geheimnis 15.00, 20.00; Spione

Undercover: Eine wilde Verwandlung 14.30; 3D:

Star Wars IX 17.30; Star Wars IX 14.20, 19.45; Underwater

20.30, 23.10; Vier zauberhafte Schwestern

14.45, 17.40; Die Wolf-Gäng 14.40, 17.10;

Zombieland 223.20

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Bad

Boys for Life 17.45, 20.30; Die Eiskönigin II 15.15;

Die Hochzeit 15.00, 17.45, 20.30; Jumanji –The

Next Level 17.45; Lindenberg! Mach dein Ding

20.30; Vier zauberhafte Schwestern 15.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 4828)

Bad Boys for Life 18.00, 20.30, 22.45; Die Eiskönigin

II 14.45; The Grudge 23.15; Die Hochzeit

15.00, 17.30, 20.00, 22.35; Jumanji 18.00; Lindenberg!

Mach dein Ding 17.00, 19.45; 3D: Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 20.35; Vier zauberhafte

Schwestern 14.00, 16.00; Die Wolf-Gäng

14.00, 16.00

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 18.15; Bad Boys for Life

17.45, 20.15; Jumanji 15.30; Knives Out 20.45;

Spione Undercover 15.00


26 Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020

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Netzwerk

NACHRICHTEN

Esken für Verbot von

Gesichtserkennung

STREAMING

Mit Picard

kehrt ein

Vorbild zurück

VonMarcus Posimski

Was heute oft vergessen wird,

wenn über die Faszination der

„Star Trek“-Episoden gesprochen

wird: Die Macher, allen voran Gene

Roddenberry, haben in ihren Geschichten

ein klares, gesellschaftliches

Ziel verfolgt. Ihnen ging es um

Völkerverständigung und Toleranz.

So waren bereits in den 60er-Jahren

und auch den späten 80er-Jahren die

Besatzungen ein geradezu vorbildlicher

Mix anFiguren sämtlicher Nationalitäten

und Hautfarben.

Besonders der vonSir Patrick Stewart

gespielte Captain Jean-Luc Picard

zeigte in seiner Funktion als

Kommandeur eines Raumschiffes

perfekte Führungsqualitäten und diplomatische

Fähigkeiten, immer mit

einem Prise Ungehorsam der übermächtigen

Sternenflotte gegenüber.

Diplomatie statt Invasion, Kennenlernen

statt Missionieren – in den

Zeiten des Wettrüstens der Supermächte

hätte dies kaum konträrer

zur weltpolitischen Situation sein

können. Schön, dass diese Persönlichkeit

jetzt in„Star Trek: Picard“ besonders

gewürdigt wird.

Vor 18Jahren war die Crew der

Enterprise unter Picard ein letztes

Mal zusehen gewesen, und Sir Patrick

schwor sich damals, nie wieder

in die Rolle des Captains zu schlüpfen.

Washat aber nach 18 Jahren den

inzwischen 79-Jährigen dazu bewegt,

seine Meinung zu ändern?

Nach eigener Aussage lag es in

erster Linie an der Idee, die ihm der

Film- und Serientausendsassa Alex

Kurtzman präsentierte.Und die geht

so: Picardlebt inzwischen zurückgezogen

auf einem Weingut und fristet

Jean-Luc Picard (Patrick Stewart)erhält einen

Auftrag von Dahjier (Isa Briones). AMAZON

Frauen sind im Internet ganz

besonderen Bedrohungen

ausgesetzt: Hasskommentare,

Morddrohungen, auch

Ausspähungssoftware und Überwachung

per Kamerasind Phänomene,

die besonders oft Frauen betreffen.

Doch das Problem geht weit über

Hasskommentarehinaus.Die Linke-

Fraktion im Bundestag hatte in dieser

Woche eigeladen zur Diskussion

über „Digitale Gewalt an Frauen“.

Polizei ist oft ahnungslos

Mit dabei war Leena Simon. Sie ist

eine der wenigen Expertinnen in

Deutschland, wenn es um Stalking

im digitalen Raum geht. Das Problem

werde weithin unterschätzt,

sagte sie. Simon arbeitet im Berliner

Frauenzentrum „Frieda“ und berät

Frauen, die im Netz bedroht werden:

„Der Klassiker ist, dass die Frau sich

nicht wirklich mit ihrer Technik beschäftigt

hat, weil sich der Partner

darum gekümmert hat, manchmal

übernehmen Frauen auch die alten

Geräte ihrer Partnern. Zerbricht die

Beziehung, können dann seltsame

Dinge passieren“, sagte sie,„oft sind

die Betroffenen ganz hilflos und wissen

gar nicht, woran das liegt.“ Erst

im persönlichen Gespräch stelle

man dann gemeinsam fest, dass jemand,

der ein Gerät eingerichtet hat,

später natürlich auch Kontrolle darüber

übernehmen kann.

DieMöglichkeiten, Frauen zu bedrohen,

zu stalken, zu überwachen,

seien technisch gesehen sehr vielfältig

und werden aufgrund neuer Entwicklungen

immer einfacher und

auch billiger, stellte Anke Domscheit-Berg

fest, Sprecherin der

Linke-Fraktion im Bundestag für

Netzpolitik: „Man kann bei Amazon

nach ‚Kleiderhaken mit Kamera‘ suchen

und findet Angebote für unter

zehn Euro. Für das Geld kriege ich

die ÜberwachungskamerafreiHaus,

die ich von der Ferne an- und abschalten

kann. Die Fotos oder Videos,

die so von einer Ex-Freundin

entstehen, kann man im Internet

veröffentlichen und so digitale Gewalt

ausüben.“

Frauen, die sich wehren und derlei

Delikte zur Anzeige bringen, das kam

an diesem Abend auch heraus,sehen

sich oft einer Polizei oder Staatsanwaltschaft

gegenüber, die entweder

inhaltlich überfordert, ahnungslos

oder überlastet ist. So sieht es auch

Christina Clemm. Sie ist Rechtsanwältin

in Berlin mit dem Schwerpunkt

auf Familien- und Asylrecht sowie

Gewaltschutzverfahren. Clemm

sagt, dass fast alle ihre Verfahren, in

denen es um „Digitale Gewalt an

Frauen“ ging, in der Vergangenheit

eingestellt worden sind: „Die Polizei

ist total überfordert. Dieist nicht ausgestattet

und nicht ausgebildet. Wir

brauchen unbedingt Sonderdezernate

dafür. Die brauchen einfach

ganz andereKapazitäten.“

Bei der Vorstufe zur Gewalt, den

Hasskommentaren, greift das seit

2017 geltende Netzwerkdurchsetzungsgesetz.

Doch die Strafverfolgung

ist schwierig, wie man am Künast-Beispiel

sieht. EinimDezember

vom Bundesjustizministerium vorgelegter

Referentenentwurf soll das

Gesetz verschärfen, aber auch dieser

Entwurf enthält keinerlei geschlechtsspezifische

Regelungen.

Immerhin sind Frauen viermal

häufiger Opfer vonStalking –sowohl

„Zerbricht die Beziehung, können dann

seltsame Dinge mit den Geräten passieren.

Oft sind die Betroffenen ganz hilflos

und wissen gar nicht, woran das liegt.“

Leena Simon arbeitet im Berliner Frauenzentrum „Frieda“ und berät Frauen,

die im Netz bedroht werden.

Digitale

Gewalt

Frauen sind besonders häufig

von Hasskommentaren und Stalking

im Netz betroffen

VonMichael G. Meyer

MURATDENIZ

offline, wie online. Und das auch

mittels sogenannter SpyApps, Überwachungsprogramme

auf dem

Smartphone oder Tablet –die bislang

nicht verboten sind.

Wäre eine Art „Digitales Gewaltschutzgesetz“

hilfreich, um derlei

Straftaten zu verhindern? Nicht unbedingt,

sagt Anke Domscheit-Berg:

„Die Forderung nach diesem Gewaltschutzgesetz

ist eine Forderung aus

Notwehr, weil bislang nicht ausreichend

verfolgt wird, die bessere Lösung

wäre: mehr Information, besserer

Betroffenenschutz, und bessere

Strafverfolgung durch Justiz und Polizei,

da wo bereits Gesetze existieren.

Es finden ja mehr Gewalttaten statt,

da wo sie faktisch straffrei sind, und

deswegen immer häufiger wieder begangen

werden.“ Frauen ziehen sich

in der Konsequenz oft aus dem digitalen

Raum zurück.

Technisches Verständnis gefordert

Was ebenfalls fehlt, so beklagen es

Expertinnen, ist eine wissenschaftliche

Analyse der Situation. Die letzte

Studie zum Thema mit dem Titel

„Lebenssituation, Gesundheit und

Sicherheit von Frauen“ wurde vom

Bundesfamilienministerium 2004

durchgeführt. Damals waren Social-

Media-Kanäle noch nicht in

Deutschland präsent, auch Überwachungstechnik

war noch nicht so

weit entwickelt.

Abgesehen von der wissenschaftlichen

Analyse oder neuen

Gesetzen brauche es vermehrt auch

ein besseres technisches Verständnis

in der Gesellschaft, gerade bei

Frauen, fordert Leena Simon vom

Berliner Beratungszentrum

„Frieda“: „Wir müssen als Gesellschaft

mehr zu dem Punkt kommen,

bei neuen Technologien nicht

nur zu wissen, wie man sie benutzt,

sondern auch wie sie funktioniert,

aber da ist oft kein großes Interesse

da. Wir müssen zusehen, dass auch

mehr Spaß an der Technik entsteht.“

Ein Anfang könnte sein: Smartphones,

Tablets und Computer

selbst einrichten und sich nicht auf

den Partner verlassen.

DieSPD-Vorsitzende Saskia Esken

sperrtsich aus Datenschutzgründen

gegen den Einsatz vonTechnologien

zur Gesichtserkennung im öffentlichen

Raum. „Ich kann nur empfehlen,

sich in Kürze mit dem europaweiten

Verbot vonGesichtserkennung

zumindest im öffentlichen

Raum zu befassen“, sagte Esken dem

Handelsblatt. „Nicht vonungefähr

hat die Stadt SanFrancisco den Einsatz

vonVideokameras mit Gesichtserkennung

im öffentlichen Raum

mittlerweile verboten, weil sie einen

erheblichen Eingriff in die Privatsphäreder

Menschen darstellt.“ Zuletzt

war durch einen Bericht der

NewYorkTimes bekannt geworden,

dass eine US-Firma namens Clearview

AI eine Datenbank aus rund

drei Milliarden frei im Internet zugänglichen

Bildernzusammengestellt

hat und auf dieser Basisunter

anderem diversen Behörden einen

Service zur Gesichtserkennung anbietet.

(dpa)

Social-Media-Kritik von

Model und Mutter Upton

US-Model und Schauspielerin Kate

Upton („Die Schadenfreundinnen“)

hat die in sozialen Medien propagierten

Schönheitsideale für Frauen

nach einer Schwangerschaft kritisiert.

„Als Mutter fühlt man sich

durch die sozialen Medien unter

Druck gesetzt, sofortnach der Geburtwieder

seine alte Figur zu haben“,

schrieb sie in einem Instagram-Post.

Deswegen habe sie nach

der Schwangerschaft versucht,

schnell wieder in Form zu kommen.

Doch dann habe sie gemerkt, wie lächerlich

diese Erwartung sei und die

Zeit mit ihrer Tochter Genevievegenossen.

„Jede Frau sollte ihrem Körper

Zeit geben zu heilen und einfach

den Moment als Mutter genießen“,

schrieb die 27-Jährige. (dpa)

Telekom liefertneues

Prepaid-Angebot

DieTelekom strukturiertihr Prepaid-

Angebot für Smartphones um. Die

neuen Bedingungen für die Magenta

Mobil Prepaid genannten, monatlich

kündbaren Tarife gelten ab dem

3. Februar.Das teilte der Konzern

mit. Wasändertsich konkret? Zum

einen ist in den Tarifstufen M(10

Euro monatlich), L(15 Euro)und XL

(25 Euro)bei gleichbleibenden Preisen

das monatliche Datenvolumen

erhöht worden. Zumanderen lässt

sich bei M, Lund XL für monatlich 3

Euro extrader Zugang ins 5G-Netz

hinzubuchen. (dpa)

ein ziemlich einsames Dasein. Er

lebe nicht mehr, sondern warte nur

noch auf den Tod, heißt es.Eines Tages

taucht dann eine junge Frau bei

ihm auf, die ihn völlig unerwartet auf

eine abenteuerliche Reise schickt,

bei der ihm interessante Typen zur

Seite stehen.

„Picard“ bricht in vielerlei Hinsicht

mit dem klassischen Star-Trek-

Erfolgsrezept. Die Serie spielt überraschend

wenig im Weltraum, es

wird auch nicht von Folge zu Folge

erzählt, es entsteht stattdessen ein

staffelübergreifender Spannungsbogen.

Letztlich geht es aber wieder um

die Suche nach dem Unbekannten,

das Hochhalten ehrenwerter Prinzipien

und den Drang, Gutes zu tun.

Wenn es wirklich stimmt, dass

Popkultur unsere Lebenswelt beeinflussen

kann, dann ist Jean-Luc Picard

genau die Figur, von dem man

sich dies am meisten wünscht.

Zu sehen ist „StarTrek: Picard“ bei Amazon

Prime.

Markus Posimki

pendelt diesmal zwischen

Weltall und Erde.

Schnipsel und Lizenzen

Die Bundesregierung will das Leistungsschutzrecht für Medienhäuser möglichst bald neu einführen

VonChristian Rath

Die Bundesregierung will das

Leistungsschutzrecht für Presseverleger

so schnell wie möglich

neu einführen und damit die novellierte

EU-Richtlinie zum Urheberrecht

umsetzen. Justizministerin

Christine Lambrecht (SPD) hat vorige

Woche einen entsprechenden

Diskussionsentwurfvorgelegt.

Presseverleger beschweren sich

schon lange,dass Google die Online-

Medien ausbeutet, ohne dafür zu bezahlen.

So werde in Trefferlisten

schon wichtige Teile des Inhalts als

Snippet (Schnipsel) angezeigt. Die

Verleger wollen, dass Google hierfür

Lizenzgebühren bezahlt. Auf

Wunsch derVerleger führte Deutschland

2013 ein gesetzliches Leistungsschutzrecht

ein, das aber völlig verpuffte.

Google weigerte sich, für Lizenzen

zu bezahlen. Die meisten

Verleger gestatteten Google daher

die Nutzung der Snippets ohne Gegenleistung,

damit Google ihre Inhalte

weiter in Trefferlisten aufnimmt

und damit Nutzer auf ihre

Seiten bringt. 2019 kippte zudem der

Europäische Gerichtshof (EuGH)

das deutsche Gesetz, weil es bei der

EU-Kommission nicht angemeldet

worden war.

Lambrechts neuer Entwurf geht

auf die 2019 novellierte EU-Urheberrecht-Richtlinie

zurück. Auf deutsche

Initiative ist dort jetzt ein EUweites

Leistungsschutzrecht für Veleger

vorgesehen. Die Verleger glauben,

dass sie sich besser gegen

Google durchsetzen können, wenn

sie gemeinsam verhandeln. Da Medien-Märkte

aber national sind, wird

Google vermutlich weiter am längerenHebel

sitzen und keine Lizenzgebühren

zahlen. Aufein entsprechendes

französisches Gesetz hat Google

jüngst nur damit reagiert, dass es die

Snippets so verkürzte, dass sie lizenzfrei

sind.

Deutschland muss nun aber die

EU-Richtlinie umsetzen, inklusive

Leistungsschutzrecht. Betroffen sind

davon auch kleinere Suchmaschinenbetreiber

und andere „Dienste

der Informationsgesellschaft, die

sich nicht wie Google entziehen können.

Die Bundesregierung hält das

Leistungsschutzrecht sogar für so

wichtig, dass sie es vorab einführen

will. AndereTeile der Richtlinie, insbesonderedie

umstrittenen Upload-

Filter für YouTube, sollen erst in einem

späteren Gesetzentwurf geregelt

werden.

In Lambrechts Diskussionsentwurf

ist das Leistungsschutzrecht

auf zwei Jahrebeschränkt. DieVerleger

können es auch auf eine Verwertungsgesellschaft

wie die VG Media

übertragen. Journalisten und Foto-

grafen sollen einen angemessenen

Anteil der Einnahmen erhalten. Was

angemessen ist, lässt Lambrecht offen.

Lizenzfrei nutzbar sind weiterhin

einzelneWörter oder sehr kurze Auszüge

eines Beitrags.Wie viele Wörter

kostenfrei genutzt werden können,

lässt der Entwurfoffen. Er stellt aber

klar, dass die Überschrift lizenfrei

bleibt, ebenso Bild- und Tonsequenzen

bis drei Sekunden sowie Fotos

mit geringer Auflösung. Längere Zitate

bleiben auch möglich, allerdings

nur nach den üblichen Regeln, das

heißt: Es ist eine inhaltliche Auseinandersetzung

mit dem Beitrag erforderlich.

Einzweiter großer Punkt des Diskussionsentwurfs

betrifft die Verlegerbeteiligung

an den VG-Wort-Einnahmen.

Diese soll wieder eingeführt

werden, nachdem der EuGH

sie 2015 beanstandet hatte.

AUSDER REDAKTION

Berlin Mitte,

der Podcast

von

Jochen Arntz

Freitags

ab sechs

Jetzt gibt’s unter www.berliner-zeitung.de

auch was zum Hören –direkt

aus der Chefredaktion. „Berlin

Mitte“ heißt der Podcast, in dem ich

Ihnen jeden Freitag ab sechs Uhr

morgens Neues aus der Redaktion

und Neues aus Berlin präsentiere.

Diesmal spreche ich mit unserer Berlin-Reporterin

Julia Haak über Tristan,

den Tyrannosaurus rex, der das

Naturkundemuseum wieder verlassen

wird.

Wirhören uns,

Ihr Jochen Arntz, Chefredakteur

bei Twitter @JochenArntz


Berliner Zeitung · N ummer 20 · F reitag, 24. Januar 2020 27

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TV-Programm

ARD

5.00 (für HG) Panorama 5.30 (für HG)

ARD-Morgenmagazin 9.00 (für HG) Tagesschau

9.05 (für HG) Livenach Neun 9.40 (für HG)

Sportschau. Ski Alpin: AbfahrtDamen /ca.

11.15 Ski Alpin: Super-G Herren /ca. 13.00 Ski

Alpin: 1. und 2. Lauf Damen /ca. 13.55 Ski

Alpin. Paralympischer Weltcup, Zusammenfassung

/ca. 14.05 Biathlon:15kmDamen 16.00

(für HG) Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt nach

Meer 17.00 (für HG) Tagesschau 17.15 (für HG)

Brisant 18.00 (für HG) Werweiß denn sowas?

Quizshow 18.50 (für HG) Quizduell-Olymp 19.45

(für HG) Sportschau voracht 19.50 (für HG)

Wetter voracht 19.55 (für HG) Börse voracht

20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Ihr letzter Wille kann mich mal!

Komödie, D2019. Mit UweOchsenknecht,

Heiner Lauterbach. Sinan Akkus

inszenierte die Mission zweier Witwer,die

Asche ihrer verstorbenen Ehefrau an

deren Heimatortzubringen.

21.45 (für HG) Tagesthemen

22.00 (für HG) Tatort: Kopper

Krimireihe, D2018. Mit UlrikeFolkerts

23.30 (für HG) Irene Huss, Kripo Göteborg:

Der tätowierte Torso

Krimireihe, S/D/N/DK/FIN 2007

1.00 (für HG) Tagesschau

RTL

5.00 Ich bin ein Star –Holt mich hier raus! 6.00

Guten Morgen Deutschland 8.30 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00 Unter

uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was zählt.

Daily Soap 10.00 Der Blaulicht Report 11.00

Der Blaulicht Report 12.00 Punkt 12 –Das

RTL-Mittagsjournal 14.00 Die Superhändler –

4Räume, 1Deal 15.00 Die Superhändler –

4Räume, 1Deal 16.00 Mensch Papa! Väter

allein zu Haus 17.00 Herz über Kopf. Telenovela

17.30 Unter uns. Daily Soap 18.00 Explosiv –

Das Magazin 18.30 Exclusiv –Das Starmagazin

18.45 RTL Aktuell 19.03 RTL Aktuell –Das Wetter

19.05 (für HG) Alles was zählt. Daily Soap 19.40

(für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Sascha Grammel live! Fast fertig!

Comedyshow. In seinem neuen

Liveprogramm verschlägt es den

blondgesträhnten Spandauer und seine

verrückte Puppen-Crewauf eine einsame

Trauminsel.

21.50 Sascha Grammel –Hinter den

Kulissen

22.15 (für HG) Ich bin ein Star –Holt mich

hier raus!

23.30 Darf er das? Live! Die ChrisTall Show

0.30 RTL Nachtjournal

0.57 RTL Nachtjournal –Das Wetter

MDR

11.45 (für HG) In aller Freundschaft 12.30 (für

HG) Schussfahrtnach San Remo. Komödie, F/I

1968 13.58 (für HG) MDR aktuell 14.00 (für

HG) MDR um 2 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt

16.00 (für HG) MDR um 4 17.45 (für HG) MDR

aktuell 18.05 (für HG) Wetter für 3 18.10 (für

HG) Brisant 18.54 (für HG) Unser Sandmännchen

19.00 Regionales 19.30 (für HG) MDR

aktuell 19.50 (für HG) Elefant, Tiger&Co. 20.15

(für HG) Musikgeschichten mit Nicole 21.45 (für

HG) MDR aktuell 22.00 (für HG) Riverboat 0.13

MDR aktuell 0.15 MDR Kultur –Filmmagazin

Bayern

13.00 (für HG) Die Schlucht 13.30 (für HG)

Polizeiinspektion 1 13.55 (für HG) Alles Klara

14.45 (für HG) Gefragt –Gejagt 15.30

Schnittgut 16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für

HG) WirinBayern 17.30 Regionales 18.00 (für

HG) Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau

19.00 (für HG) Unser Land 19.30 (für HG)

Landgasthäuser Bayern 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Die Närrische

Weinprobe 22.30 Rundschau Magazin 22.45

Frech &Frei 23.30 Der Mann aus Kentucky.

Western, USA 1955 1.10 Rundschau Nacht

Vox

5.15 CSI: NY 6.00 Bones 6.55 CSI: Den Tätern

auf der Spur 8.50 Verklag mich doch! 9.50

Verklag mich doch! 10.50 VoxNachrichten

11.00 Mein Kind, dein Kind –Wie erziehst du

denn? 12.00 Shopping Queen 13.00 Zwischen

Tüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein Kind –Wie

erziehst du denn? 15.00 Shopping Queen 16.00

Salonfähig –Wer macht schöner? 17.00

Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First Dates –Ein

Tisch für zwei 19.00 Das perfekte Dinner 20.00

Prominent! 20.15 (für HG) Bones 0.00 Vox

Nachrichten 0.20 (für HG) Medical Detectives

Super RTL

11.05 Die Dschungelhelden 11.30 Grizzy &die

Lemminge 11.55 Go Wild! 12.15 Trolls 12.45

Friends 13.10 Sally Bollywood 13.40 Angelo!

14.05 Die Tomund JerryShow 14.30 Zak Storm

14.55 Dragons 15.20 Scooby-Doo! 15.45

Alvinnn!!! 16.15 Grizzy &die Lemminge 16.40

Dennis &Fletscher 17.10 Mighty Mops 17.40

Voll zu spät! 18.05 Die Tomund JerryShow

18.40 Woozle Goozle 19.10 Alvinnn!!! 19.35

Angelo! 20.15 Khumba –Das Zebra ohne

Streifen. Animationsfilm, ZA 2013 21.50 (für HG)

CSI: Miami 23.45 30 Rock 0.10 Infomercials

Sport1

16.00 Cajun Pawn Stars –Pfandhaus Louisiana

16.30 StorageWars –Die Geschäftemacher

17.00 StorageWars –Die Geschäftemacher

17.30 StorageWars –Geschäfte in NewYork

18.00 StorageWars –Geschäfte in NewYork

18.30 Sport1 News Live 19.00 FC Bayern Inside

19.30 Die PS Profis –MehrPower aus dem Pott

20.30 Die PS Profis –MehrPower aus dem Pott

21.30 Die PS Profis –MehrPower aus dem Pott

22.30 Die PS Profis –ImEinsatz 23.30 Sport1

News Live 0.00 SportClips 0.45 Teleshopping

ZDF

5.15 (für HG) hallo deutschland 5.30 (für HG)

ARD-Morgenmagazin 9.00 (für HG) heute Xpress

9.05 (für HG) Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15 (für

HG) SokoWismar 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops

17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG)

hallo deutschland 17.45 (für HG) Leute heute

18.00 (für HG) SokoKitzbühel 19.00 (für HG)

heute 19.20 (für HG) Wetter 19.25 (für HG)

Bettys Diagnose. Abschiedsschmerz

20.15 (für HG) Der Staatsanwalt

Rot wie Blut. Ein Steuerberater wird von

seiner Freundin tot aufgefunden –erschlagen

mit einer Weinflasche. Ihre

BeziehungführtOberstaatsanwalt

Reuther zum Rotlicht-Boss Seiler.

21.15 (für HG) Soko Leipzig

Schmetterlingstage, Monstertage

22.40 (für HG) heute journal

23.10 (für HG) aspekte

23.55 heute+

0.10 (für HG) Soko Leipzig

1.35 (für HG) Monk

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen 10.00 Im

Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfenfür Sie!

11.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! 12.00 Anwälte im Einsatz

13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 AufStreife

15.00 AufStreife –Die Spezialisten 16.00 Klinik

am Südring.Eine frischgebackene Mutter kommt

mit Unterleibsschmerzen in die Klinik. Hat sie zu

früh nach der Geburtwieder mit dem Sport

begonnen? /Eine Schülerin wird mit Kreislaufproblemen

in die Klinik gebracht. 17.00 Klinik

am Südring –Die Familienhelfer 17.30 Klinik am

Südring /oder Sat.1 Regional-Magazine 18.00

AufStreife –Die Spezialisten 19.00 Genial

daneben –das Quiz 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 (für HG) Fack Ju Göhte

Komödie,D2013.Mit Elyas M’Barek,

Karoline Herfurth. Der Bankräuber Zeki

wird aus dem Gefängnis entlassen und

vermutet unter der Turnhalle einer Schule

das Geld aus einem Überfall.

22.35 Knallerfrauen

Comedyshow

23.00 Knallerfrauen

23.30 Knallerfrauen

0.00 Switch reloaded

0.30 Switch reloaded

1.05 Sechserpack

WDR

12.00 (für HG) Abenteuer Erde 12.45 (für HG)

WDR aktuell 13.05 (für HG) Elefant, Tiger&Co.

13.55 (für HG) Hogräfer packt’san14.25 (für

HG) Um Himmels Willen 16.00 (für HG) WDR

aktuell 16.15 Hier und heute 18.00 (für HG)

WDR aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG) Das

Beste im Westen 18.45 (für HG) Aktuelle Stunde

19.30 Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Geheimnis Möhnetalsperre

21.00 (für HG) Unser Westen, Unser Witz 21.45

(für HG) WDR aktuell 22.00 (für HG) Kölner Treff

23.30 Die letzte Instanz 0.30 Kölner Treff

NDR

12.20 (für HG) In aller Freundschaft 13.10 (für

HG) In aller Freundschaft –Die jungen Ärzte

14.00 (für HG) NDR Info 14.15 (für HG) die

nordstory 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 16.00

(für HG) NDR Info 16.20 (für HG) Mein

Nachmittag 17.10 (für HG) Leopard, Seebär &

Co. 18.00 Regionales 18.15 (für HG) Hofgeschichten

18.45 (für HG) DAS! 19.30

Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) die nordstory 21.15 (für HG) Die Angst

vordem Wolf 21.45 NDR Info 22.00 NDR Talk

Show 0.15 Linda Zervakis: Alles auf Anfang

Kabel eins

5.00 K1 Magazin 5.50 (für HG) Castle 6.40 (für

HG) The Mentalist 7.35 (für HG) Navy CIS: L.A.

8.30 Navy CIS 9.30 Blue Bloods –Crime Scene

NewYork 11.10 Numb3rs –Die Logik des

Verbrechens 12.05 (für HG) Castle 13.05 (für

HG) Castle 14.00 (für HG) The Mentalist 14.55

(für HG) Navy CIS: L.A. 15.50 kabel eins news

16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben täglich

17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –Der Profi kommt

18.55 Achtung Kontrolle! Wirkümmernuns

drum 20.15 Navy CIS 1.05 kabel eins late news

1.10 Navy CIS 2.35 kabel eins late news

RTLZWEI

6.00 PrivatdetektiveimEinsatz 7.00 Die

Straßencops Süd –Jugend im Visier 8.00 Frauentausch

10.00 Frauentausch 12.00 Frauentausch

14.00 Die Reimanns–Ein außergewöhnliches

Leben 15.00 Die Reimanns –Ein außergewöhnliches

Leben 16.00 Hartz und herzlich –Tag für Tag

Benz-Baracken 18.05 Köln 50667 19.05 Berlin

–Tag &Nacht 20.15 Die Mumie kehrtzurück.

Abenteuerfilm, USA 2001 22.50 Extraction.

Actionfilm, GB/USA 2015 0.35 Force Of

Execution. Actionfilm, USA 2013 2.25 Die Mumie

kehrtzurück. Abenteuerfilm, USA 2001

Eurosport 1

7.00 Tennis. Australian Open: Tag5,live 9.00

Matchball Becker 9.15 Tennis. Australian Open:

Tag5,live 14.45 Matchball Becker 15.00

Snooker.European Masters in Dornbirn:

Viertelfinale, live 17.00 Tennis 17.55 Skispringen.

Qualifikation, live 19.20 Handball 20.10

Nachrichten 20.15 Handball. EM 2020.

Halbfinale: Spanien –Slowenien, live 22.15

Snooker.European Masters in Dornbirn:

Viertelfinale, live 23.00 Nachrichten 23.10

Tennis 0.00 Tennis 0.40 Game, Schett &Mats

TV-Tipps

ARD, 20.15 UHR KOMÖDIE

Ihr letzter Wille kann mich mal!

Heiner Lauterbach und UweOchsenknecht schrieben mit der Erfolgskomödie

„Männer“ deutsche Filmgeschichte.Die Dreieckskonstellation

mit einer starken Frau zwischen zwei gegensätzlichen Rivalen greift die

Komödie „Ihr letzter Wille kann mich mal!“ auf ungewöhnliche Weise auf:

Diesmal geht es für die Hitzköpfe nicht darum, für wensich die Umworbene

entscheidet, sondern darum, auf welche Weise sie von ihr Abschied nehmen.

Heinrich (Lauterbach, l.) und Tom(Ochsenknecht) lernen sich bei einer Testamentseröffnung

kennen –und zwar als Ehemänner der Verstorbenen, mit

der sie zeitgleich verheiratet waren. IhreFrau hat ein Doppelleben geführt.

Ihr letzter Wille sieht vor, dass ihreAsche in der Nordsee vor der Insel Neuhever

verstreut wird –und zwar von ihren beiden Männern gemeinsam.

(D/2019)

Foto: ARD

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Kleine Schiffe ganz groß

Eintritt

frei!

Um Anmeldung

wird gebeten.

Berliner Zeitung Leserreisen

NORMALVARIANTE –MITTEL -mittel

4 9

3 8

5 9 2

2 9 1

4 8

3 7 5

5 6

8

7 9 3 6

MitDIAGONALEN-schwer

MIT –SCHWER

9 8 1

5 7 8

5

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7 6

1

9

SUDOKU

LESERREISEN

INFOS &ANMELDUNG

030–23 27 66 33

www.berliner-zeitung.de

/leserreisen

Info-Abend

Mit Kreuzfahrten-Expertin

Wann? 19.02.2020, 17 Uhr

Wo? Verlagshaus,

Alte Jakobstr. 105

Freuen Sie sich auf einen kleinen Sektempfang.

LESERREISEN

Auflösung

AUFLÖSUNG

vom VOM23.1.2020

2020

mittel MITTEL

4 1 3 8 7 5 9 6 2

9 8 7 2 6 4 5 1 3

5 2 6 3 1 9 7 8 4

6 5 8 4 2 7 3 9 1

3 7 1 9 5 8 4 2 6

2 4 9 1 3 6 8 7 5

1 6 4 7 9 3 2 5 8

8 9 2 5 4 1 6 3 7

7 3 5 6 8 2 1 4 9

AUFLÖSUNG

Auflösung

VOM 23. 1. 2020

vom 23.1.2020

schwer

SCHWER

9 2 6 5 3 8 4 7 1

8 7 3 1 4 6 9 2 5

4 5 1 2 9 7 3 8 6

6 1 5 4 7 9 8 3 2

2 9 4 3 8 1 6 5 7

7 3 8 6 5 2 1 9 4

1 6 7 9 2 3 5 4 8

3 4 2 8 1 5 7 6 9

5 8 9 7 6 4 2 1 3

RBB

5.15 (für HG) Berlin erwacht –Winter 5.30 (für

HG) Panda, Gorilla &Co. 6.20 zibb 7.20 (für HG)

Brisant 8.00 (für HG) Brandenburg aktuell 8.30

(für HG) Abendschau 9.00 (für HG) In aller

Freundschaft 10.30 (für HG) Das Traumpaar.

Komödie, D2008 11.55 Leben am Fließ 12.10

(für HG) Hauptstadtrevier 13.00 rbb24 13.10

(für HG) Verrückt nach Meer 14.00 (für HG) Tiere

bis unters Dach 14.30 (für HG) Alles Chefsache!

Komödie, D2013 16.00 (für HG) rbb24 16.15

(für HG) Gefragt –Gejagt 17.00 (für HG) rbb24

17.05 (für HG) Panda, Gorilla &Co. 17.55 (für

HG) Unser Sandmännchen 18.02 rbb UM6

18.27 zibb 19.30 (für HG) Abendschau /

Brandenburg aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Von DaDaDabis 99

Luftballons

In den 80ernwollten alle Spaß. Die

Sendung präsentiertdie größten Hits der

NeuenDeutsche Welle mit Nena, Markus,

Trio, Ideal und vielenmehr.

21.45 (für HG) rbb24

22.00 (für HG) Du und ich und Klein-Paris

Liebesfilm, DDR 1971. Mit Evelyn

Opoczynski, Jaecki Schwarz

23.40 (für HG) Knapp daneben

Zu Gast: Jeanette Biedermann

1.10 (für HG) Abendshow

ProSieben

5.10 Mom. Sitcom. Blitzhochzeit 5.30 The

Middle. Comedyserie 6.10 (für HG) Twoand a

Half Men. Sitcom 7.30 (für HG) The Big Bang

Theory. Sitcom 8.50 (für HG) HowIMet Your

Mother.Sitcom 10.35 Mike&Molly.Sitcom.

Schulaufführung 11.00 Fresh Off the Boat.

Sitcom. Misstöne 11.30 Last Man Standing.

Comedyserie. Adrenalin 12.00 2BrokeGirls.

Sitcom. Fremde Finger 12.25 Mom. Sitcom

13.20 (für HG) Twoand aHalf Men. Sitcom

14.40 The Middle. Comedyserie 15.40 (für HG)

The Big Bang Theory. Sitcom 17.00 taff 18.00

Newstime 18.10 (für HG) Die Simpsons. Zeichentrickserie.Angst

essen Seele auf /Milhouse aus

Sand und Nebel 19.05 Galileo

20.15 (für HG) Transformers: Ära des

Untergangs

Actionfilm, USA 2014. Vier Jahre nach

der Schlacht zwischen Autobots und

Decepticons sind alle Roboteraliens auf

der Erde unerwünscht.

23.35 (für HG) Aeon Flux

Science-Fiction-Film, USA 2005. Mit

Charlize Theron, FrancesMcDormand

1.25 (für HG) Blood Creek

Horrorfilm, USA 2009. Mit HenryCavill,

Dominic Purcell

3.00 Watch Me –das Kinomagazin

Arte

11.20 (für HG) Die Wälder des Nordens 12.15

(für HG) Re: 12.50 Arte Journal 13.05 Stadt

Land Kunst 13.45 Paula. Biografie, D/F 2016

15.40 Medizin in fernen Ländern 16.05 Big Pacific

16.50 (für HG) Xenius 17.20 Medizin in

fernen Ländern 17.50 (für HG) Der Wald der

wilden Katzen 18.30 (für HG) Der unsichtbare

Puma 19.20 Arte Journal 19.40 Re: 20.15 (für

HG) Die Bestie der alten Berge. Mysterythriller,F

2003 21.50 (für HG) 101 –Depeche Mode

23.50 Depeche Mode: Spirits in the Forest.

Dokumentarfilm, GB 2019 1.10 Tracks

3Sat

9.05 Kulturzeit 9.45 nano 10.15 (für HG)

Markus Lanz 11.30 (für HG) Stöckl. 12.30 (für

HG) Sehen statt Hören 13.00 (für HG) ZIB 13.25

(für HG) Affenwelten 15.35 (für HG) Geschichte

der Tiere 17.00 (für HG) Unter Grizzlys 18.30

nano 19.00 (für HG) heute 19.20 Kulturzeit

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Kein

Geld für krankeKinder 21.00 makro 21.30

auslandsjournal extra 22.00 (für HG) ZIB 2

22.25 Assault –Anschlag bei Nacht. Actionfilm,

USA 1976 23.50 Die Caine war ihr Schicksal.

Kriegsdrama, USA 1954 1.50 (für HG) Zapp

Phoenix

11.45 mensch, amerika! 12.00 phoenix vorort

12.45 Armes Deutschland?Deine Kinder 13.15

Projekt Unsterblichkeit 14.00 phoenix vorort

14.45 Tabuthema Einsamkeit 15.15 Komiker im

Kabinett 16.00 Maybrit Illner 17.05 augstein

und blome 17.15 Christina hat’ssatt 17.30

phoenix der tag 18.00 phoenix persönlich 18.30

Amazon 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

Brahmaputra –Der große Fluss vomHimalaya

22.30 AbenteuerArchäologie 23.00 phoenix der

tag 23.50 augstein und blome 0.00 phoenix

persönlich 0.30 augstein und blome

Kika

12.55 Ernest &Rebecca 13.20 Mirette ermittelt

13.40 (für HG) Die Pfefferkörner 14.10 (für HG)

Schloss Einstein –Erfurt 15.00 Trio –Cybergold

15.50 Max &Maestro 16.00 Die Abenteuerdes

jungen Marco Polo 16.50 (für HG) Peter Pan–

Neue Abenteuer 17.35 (für HG) Der kleine Prinz

18.00 Shaun das Schaf 18.15 (für HG) Ritter

Rost 18.40 Wolkenkinder 18.47 Baumhaus

18.50 Unser Sandmännchen 19.00 (für HG)

Wickie und die starken Männer 19.25 (für HG)

logo! 19.30 Familie Smart. Abenteuerfilm, NL

2017 20.45 (für HG) Mascha und der Bär

Dmax

6.50 Infomercial 8.50 Hardcore Pawn 9.20

BaggageBattles 9.50 Infomercial 10.15 House

Hunters 10.45 Die Abräumer 11.15 Border

Control 12.15 SteelBuddies 13.15 Railroad

Alaska 14.15 Die Schatzsucher –Goldrausch in

Alaska 16.15 Die Zwangsvollstrecker 17.15

Steel Buddies Spezial 19.15 A2 –Abenteuer

Autobahn 20.15 Alaskan Bush People 21.15

Monsterfische am Haken 22.15 Land Rover

Experience Tour 2019 23.10 DMAX News 23.15

Naked Survival 1.05 DMAX News

Tagesschau 24