SIEBEN: Februar 2020

godewo

Die neuen 20er.

4 Stadt im Wandel

Ein Ausflug in die Vergangenheit und Fragen an die Zukunft.

Innenstadt im Wandel

Mit unserem Partner alt-alfeld werden wir dieses Jahr einen Spaziergang durch die Alfelder Innenstadt machen.

Matthieas Quintel und Thorsten Schütz dokumentieren seit 13 Jahren anhand von alten Bildern, Postkarten und

sonstigen Ansichten die letzten 150 Jahre von Alfeld (Leine) und bieten so einen Blick auf den Wandel dieser Stadt.

Wir möchten gemeinsam Straßenzüge, ausgewählte Immobilien, Geschäfte, Gewerbetreibende, Vereine und Initiativen

vorstellen. Sie halten die Stadt lebendig mit Angeboten und ihrem Service vor Ort, sie haben zu kämpfen mit

Onlinehandel und dem demografischen Wandel. Und sie haben oft interessante Geschichten

und Geschichte.

Die Marktstraße mit Blick auf den Marktplatz aus den 1920er Jahren und vor der Sanierung in den 1980er Jahren

Sozialer Zusammenhalt

Innenstädtische Bereiche sind Orte

für Wirtschaft und Kultur, zum Arbeiten

und Wohnen, für Versorgung und

Freizeit. Zugleich sind sie Identifikationsorte

der Gesellschaft und Kristallisationspunkte

für das Alltagsleben.

In ihnen entscheiden sich sozialer

Zusammenhalt, ökologische Verträglichkeit,

ökonomische Tragfähigkeit

und kulturelle Innovation von Städten

und Gemeinden.

Alfeld steht, wie die meisten Städte

und Gemeinden, vor Herausforderungen

und Problemen bezüglich

der Entwicklung seiner Innenstadt.

So vielfältig, komplex und individuell

hierbei die Aufgaben sind, so breit

und unterschiedlich sind auch die

Ansatzmöglichkeiten, Methoden, Instrumente

und Programme, diesen zu

begegnen.

Die Idee, Alfeld städtebaulich zu verändern

und aufzuwerten, war schon

früh diskutiert worden, lange bevor

das Städtebauförderungsgesetz von

1971 einen direkten Anstoß dazu gab

und die heutige „Fußgängerzone“

entstand.

Gute Ideen sind gefragt

Aufgrund des sozialen, wirtschaftlichen,

technischen und demografischen

Wandels müssen Innenstädte

und Ortskerne sich heute wieder

anpassen. Verbunden mit einem

Funktions- und Strukturwandel, der

mit Stagnation und Schrumpfung die

Zentren vor neue Herausforderungen

stellt.

Das im Jahre 2013 erarbeitete Einzelhandelsgutachten

der Stadt Alfeld

(Leine) hat bereits unterschiedliche

Aktivitäten angestoßen. Um Eigentümer

von Grundstücken und Gewerbetreibende

in diesem zentralen

Versorgungsbereich sowie interessierte

Mieter zusammenzuführen,

wurde der Stadtentwickler Alexander

Rudnick eingeladen, der Verein

„Standortgemeinschaft Innenstadt

Alfeld (Leine) e.V.“ und das „Franchise

Wochenende“ im September

2019 sind weitere Initiativen, die neue

Ideen anstoßen. (gw)

In dieser Ausgabe blicken wir zurück

auf den Bau der Fußgängerzone.

Wir haben dazu Karl Feldmann

gebeten, seine Erinnerungen an die

Bauphase zu beschreiben.

Herr Feldmann ist Mitautor des

Buches „Alfeld im Industriezeitalter“,

das zum 750-jährigen Stadtjubiläum

herauskam. Er war Lehrer am Alfelder

Gymnasium und lebt seit 2006 in

Oldenburg.

Vier autofreie Sonntage

im Herbst 1973 ...

... Lein- und Marktstraße wurden

zu einer temporären Fußgängerzone.

Die sogenannte erste Erdölkrise hatte

es möglich gemacht. Die Alfelder

flanierten durch diese Fußgängerzone,

durch die kein Auto mehr fahren

durfte. Könnte man nicht, sollte man

nicht, so fragten sich viele Alfelder

Bürger, dauerhaft eine Fußgängerzone

einrichten?

1984 kam es dann tatsächlich zu

solch einer Planung. Es begann mit

einer Anhörung: „Was wird aus der

Innenstadt“, initiiert vom damaligen

Planungsamtschef, Herrn Dammann.

Er folgte meinem Vorschlag, die

Offenlegung der Warne auf dem Einladungsplakat

darzustellen. Heute

ist die Fußgängerzone vor allem in

der Lein- und Marktstraße gar nicht

mehr wegzudenken. Sie war damals

aber höchst umstritten. Selbst Stadtdirektor

Dr. Toetzke meinte, er könne

sich allenfalls eine verkehrsberuhigte

Zone in der Leinstraße vorstellen,

aber auf keinen Fall eine reine Fußgängerzone.

Es kam anders, und heute

möchte kaum ein Alfelder die Fußgängerzone

mehr missen.

Das Jahr 1971 brachte mit dem

Städtebauförderungsgesetz die Möglichkeit,

städtebauliche Missstände,

die in vielerlei Hinsicht bestanden

(etwa Industriebetriebe in der Altstadt,

starkes Verkehrsaufkommen

z.B. in der Leinstraße, unbefriedigendes

Parkplatzangebot, unerfreuliche

Wohnverhältnisse durch starke Hinterhofverbauung,

Emissionen durch

Handwerksbetriebe usw.) zu ändern.

Früher meinte man ja, die Verkehrsverhältnisse,

z.B. in der Leinstraße,

durch einseitigen Abriss von Häusern

zu verbessern. Dazu wurde das

ehemalige Hotel zur Post abgerissen

und durch einen zurückverlagerten

Neubau (die Volksbank) ersetzt.

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