Berliner Zeitung 31.01.2020

BerlinerVerlagGmbH

Es hakt noch: Hartmut Dorgerloh über das Humboldt-Forum – Berlin Seite 13

Spielplan

der Berliner

Bühnen im

Februar

Beilage

7°/11°

Ab und zu Sonne

Wetter Seite 2

Berlinale: Alfred Bauers

Nazi-Vergangenheit

Feuilleton Seite 19

www.berliner-zeitung.de

Steuervergehen? Gegen

Gauland wird ermittelt

Politik Seite 4

Freitag,31. Januar 2020 Nr.26HA-76. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Berliner Preise: Was

wurde teurer,was billiger?

Made in Berlin Seite 6

Comeback

mit

Wow-Effekt

VonAnne Vorbringer

Wer auf der Suche nach einem

Gänsehautmoment ist, der

sollte sich bei YouTube den Auftritt

von Demi Lovato bei den Grammys

von vor wenigen Tagen anschauen.

Wiedie Sängerin mit der tiefschwarzenMähne

dortauf der Bühne steht,

im langen weißen Ballkleid, wie sie

zunächst abbrechen muss, weil sie

von ihren Emotionen überwältigt

wird, und wie sie

dann mit klarer

und kraftvoller

Stimme erneut

ansetzt – dieser

Auftritt rührte

viele Zuschauer

zu Tränen.

„I feel stupid

when Ising. No-

Demi Lovato

bringt Emotionen auf

die große Bühne.

Super Bowl

body’s listening

to me“, singt Lovato,

der natürlich

nicht niemand zuhört, sondern

der eine riesige Fangemeinde andächtig

lauscht, weil sie in ihrer Heimat,

den USA, längst ein Superstar

ist. Lange haben ihre Anhänger auf

sie warten müssen, seit fast zwei Jahrengab

es keine Live-Auftritte mehr.

Nun ist „Anyone“ da –und er ist

nicht ohne Grund der bisher stärkste

Song der 27-jährigen US-Amerikanerin.

Jede Zeile klingt wie ein Hilferuf:

Lovato nahm das Lied im Sommer

2018 auf, vier Tage bevor sie mit

einer Überdosis ins Krankenhaus eingeliefert

wurde und fast gestorben

wäre. Nun ist Lovato zurück, sie hat

den Entzug hinter sich gebracht und

will nach vorn schauen. Der

Grammy-Auftritt war erst der Anfang,

am Sonntag wird sie beim Super

Bowl, dem TV-Ereignis des Jahres in

den USA, die Nationalhymne singen.

Der Erfolg Lovatos – schon ihr

zweites Studioalbum erreichte Platz

eins in den Billboard-Charts –erklärt

sich nicht nur mit ihrer eindrucksvollen,

exakt geschulten Stimme. Die

Künstlerin, die mexikanische, italienische

und irische Vorfahren hat und

ihre Karriere als singende Disney-

Schauspielerin startete,hat aus ihren

Suchtproblemen und ihren psychischen

Krisen nie ein Geheimnis gemacht.

Das Mobbing der Mitschüler,

die sich über ihr Körpergewicht lustig

machten, ihreBulimie und die Selbstverletzungen,

auch die Diagnose einer

bipolaren Störung –der Öffentlichkeit

blieb nichts verborgen. Auch

nicht, dass diese Erkrankung nicht

einfach verschwindet, sondern dass

ein langerWegnötig ist, um mit ihr leben

zu können. Lovato hat diesen

Wegangetreten. SportSeite 17

Der Mietendeckel sitzt

Doch nach der emotionalen Debatte im Abgeordnetenhaus zeigt sich die Stadt gespalten

VonElmar Schütze

Es ist vorbei

An diesem Freitag verlassen die Briten die Europäische Union.

Die Konsequenzen sind kaum absehbar.

Seiten 2, 3und 8

So scharf getrennt hat sich

das politische Berlin selten

gezeigt. Während mehrere

Redner der rot-rot-grünen

Koalition am Donnerstag im Abgeordnetenhaus

von einem „historischen

Tag“ sprachen, zeigten sich

Opposition und Wirtschaft entsetzt.

Grund der scharf geführten Auseinandersetzung

ist der Mietendeckel.

Berlin führtals erstes Bundesland

einen solchen Mietendeckel als Instrument

der Mietenregulierung ein.

Das Abgeordnetenhaus beschloss

das Gesetz mit seiner rot-rot-grünen

Mehrheit (bei einer Enthaltung) gegen

die Stimmen der Opposition, die

es geschlossen ablehnte.Mit der ersten

Phase des Gesetzes sollen die

Mieten für Wohnungen, die vordem

1. Januar 2014 errichtet wurden, für

fünf Jahreeingefroren werden. In einer

zweiten Phase, die in neun Monaten

beginnen soll, sollen Mieten,

die mehr als 20 Prozent über einer

definierten Obergrenzeliegen, abgesenkt

werden. Ab 2022 soll es jährliche

Mieterhöhungen um den Inflationsausgleich

geben dürfen. Außerdem

werden die Möglichkeiten der

Vermieter beschränkt, Modernisierungen

übermäßig auf die Miete

umzulegen. Gleichzeitig gibt es Härtefallregeln

für Vermieter. Verstöße

gegen das Gesetz werden mit Bußgeldernvon

500 000 Euro bestraft.

Den Anfang einer emotionalen

Debatte machte Harald Wolf. Dies sei

sein „letzter Auftritt nach 29 Jahren“,

sagte der Linken-Politiker,der im Abgeordnetenhaus

schon so vieles war:

Fraktionschef, Senator und jetzt wieder

einfacher Abgeordneter. Wolf

zieht nach Hamburg und gibt sein

Mandat ab.Inseiner Rede verteidigte

er den Mietendeckel. Wohnen sei ein

menschliches Grundbedürfnis und

dies dürfe „kein Objekt der Gewinnmaximierung“

sein. „Wir wollen

keine marktkonforme Stadt sein.“

Immer wieder wurde Wolf durch

teils pöbelnde Zwischenrufe aus der

AfD-Ecke unterbrochen. Am Ende

sagte er in Richtung CDU, FDP und

AfD: „Der demokratischen Opposition

sage ich: Weiter so! –Und dem

anderen Teil der Opposition habe ich

nichts zu sagen.“

In der Debatte verteidigten weitere

Vertreter von Rot-Rot-Grün den

Deckel. Katrin Schmidberger, Grünen-Sprecherin

für Wohnen und

Mieten, sagte: „Jeder verantwortliche

Politiker muss entscheiden, ob der

Markt für die Menschen da ist, oder

die Menschen für den Markt.“Für sie

sei klar,dassman Mieter vorüberzogenen

Gewinnerwartungen auf dem

Immobilienmarkt schützen müsse.

Die Wirtschaft warnt

Ihre SPD-Kollegin Iris Spranger

sprach von einer fünfjährigen Pause

auf dem Wohnungsmarkt, die „bitter

nötig“ sei. Anschließend nahm sie

die CDU ins Visier. Deren Fraktionschef

Burkard Dregger hatte gesagt,

dass vor allem „einkommensstarke

Mieter in ihren Luxuswohnungen“

von dem Deckel profitierten. Vielmehr

sei „sozial, was Wohnraum

schafft“. Für Spranger habe sich die

CDU als mieterfeindlich „enttarnt“,

als sie im Gesetzgebungsverfahren

keinen Änderungsantrag eingereicht

hatte.„Damit zeigen Sie, Herr Dregger,

was Sie von den Mietern indieser

Stadthalten, nämlich nichts.“

Tatsächlich haben CDU und FDP

längst Normenkontrollklagen gegen

den Mietendeckel angekündigt. Sie

halten ihn für verfassungswidrig.

Das Land Berlin habe in diesem Fall

keine Gesetzgebungskompetenz.

Kritik am Gesetz gab es auch von

der Wirtschaft. Die Präsidentin der

Industrie- und Handelskammer, Beatrice

Kramm, sieht einen „Schaden

für den Wirtschaftsstandort Berlin“.

Der Deckel gefährde Arbeitsplätze

und konterkariere das Erreichen der

Klimaschutzziele 2030. Maren Kern,

Vorstand des Verbandes Berlin-

Brandenburgischer Wohnungsunternehmen

(BBU), sagte, das Gesetz

bringe vor allem „schlechtere Investitionsbedingungen

für den zur

Marktentspannung dringend benötigten

Neubau. Damit ist das Gesetz

ein Deckel für die weitere positive

Entwicklung Berlins.“ Auch Christian

Amsinck, Hauptgeschäftsführer

der Unternehmensverbände Berlin-

Brandenburg (UVB), ließ kein gutes

Haar am Mietendeckel. Dieser sei

„juristisch höchst riskant. Und ökonomisch

schafft er große Unsicherheiten

für die Berliner Wirtschaft“.

AFP/TOLGA AKMEN

WHO ruft

internationalen

Notstand aus

Coronavirus gefährdet

schlecht versorgte Länder

Die Weltgesundheitsorganisation

(WHO) hat die rasante Ausbreitung

des neuartigen Coronavirus aus

China zum internationalen Gesundheitsnotstand

erklärt. Das bedeutet,

dass die mehr als 190 Mitgliedsländer

von der WHO empfohlene Krisenmaßnahmen

gegen eine weitere

Ausbreitung koordinieren.

Noch sei die Zahl der Infektionen

außerhalb Chinas relativ gering,

sagte WHO-Direktor Tedros Adhanom

Ghebreyesus am Donnerstagabend

nach der Sitzung eines Expertenausschusses

in Genf. Aber man

wisse nicht, welchen Schaden das

Virus in Ländern mit schwachem

Gesundheitssystem anrichte. „Wir

sitzen alle im selben Boot“, sagte

Tedros.DasViruskönne nur gemeinsam

aufgehalten werden.„Das ist die

Zeit für Fakten, nicht Angst.“

Zuvor war die Zahl der mit dem

Virus Infizierten rasant auf weltweit

mehr als 8100 gestiegen. Vor zwei

Wochen waren erst 40 Fälle gezählt

worden. Außerhalb Chinas waren in

rund 20 Ländern mehr als 100 Menschen

positiv auf das Virus getestet

worden. Vielfach sind die Infizierten

Reisende aus China, aber es kommt

auch zu Ansteckungen außerhalb

des Landes. InBayern wurde bei einem

fünften Patienten eine Infektion

festgestellt. Ein Verdachtsfall in

Brandenburgbestätigte sich nicht.

Die WHO empfiehlt nun unter

anderem, dass Länder mit weniger

entwickelten Gesundheitssystemen

unterstützt werden sollen. Zudem

soll die Arbeit an Medikamenten

und Impfstoffen beschleunigt, Wissenund

Daten geteilt und gegen Gerüchte

vorgegangen werden. Gleichzeitig

empfiehlt die WHO aber keine

Handels- und Reisebeschränkungen.

(dpa) Wirtschaft Seite 7, Leitartikel

Seite 8, Brandenburg Seite 14

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2 Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020

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Brexit

Emotionen zum Abschied: Im Europaparlament von Brüssel singen pro-europäische Abgeordnete am Mittwoch den schottischen Klassiker „Auld Lang Syne“.

AP/FRANCISCO SECO

Fast geschafft. Das Büro mit

der Nummer 07U025 in einem

entlegenen Flügel des

Europaparlaments in Brüssel

ist so gut wie geräumt. Nur noch

Schminkzeug liegt auf einem

Schreibtisch. Und jetzt kommen

diese Journalisten aus Norwegen

und wollen, dass Belinda De Lucy für

ein Foto irgendetwas in eine Kiste

packt. Die blonde Frau schürzt die

Lippen und schickt ihren Assistenten

los. Er soll die blaue Tasse, er

wisse schon welche, aus dem Nachbarbüroholen.

Mangels anderer Behälter

will De Lucy die Tasse in den

Altpapierkorb packen. Das ist kein

gutes Fotomotiv.Also kramt De Lucy

ihr Handy hervor, flippt durch die

Foto-App und hält ein Bild in die

norwegische Kamera. Es zeigt Stöckelschuhe

mit dem britischen

Union Jack, von DeLucy und ihren

Kindern bemalt. Das sei jetzt aber

ein gutes Motiv,findet die Fotografin

aus Oslo und knipst drauf los.

Ohne protokollarische Regeln

„Ich bin so aufgeregt“, sagt die 43

Jahre alte De Lucy. Andiesem Freitagabend

ist es so weit. Die Mutter

von vier Kindern aus Sheffield, die

seit Juli vergangenen Jahres für die

Brexit-Party im Europaparlament

saß, wirddie Schuhe auf dem Parliament

Square inLondon tragen –zur

großen Sause der Brexiteers. „Es ist

mir völlig egal, ob ich mir Blasen

hole. Endlich ist der Tagder Freiheit

und der Unabhängigkeit für mein

Land da. Ich kann es immer noch

nicht fassen.“

Noch nie hat ein ganzes Land die

Europäische Union verlassen. Protokollarische

Regeln gibt es dafür

nicht. Und sospielen sich in diesen

Tagen in Brüssel denkwürdige Szenen

ab,die vonschiererVerzweiflung

ebenso wie von kindlicher Freude

zeugen.

Im Europaparlament von Brüssel

findet sich die Mehrzahl der Abgeordneten

zu einem traurigen Chor

zusammen. Sie fassen sich an den

Händen und singen den schottischen

Abschiedsklassiker„Auld Lang

Syne“. In der Kneipe Maison des Ailes

treffen sich die Brexit-Gegner am

Donnerstagabend zum kollektiven

Frustsuff. Der britische Labour-Abgeordnete

Richard Corbett sagt, er

werde sich jetzt ein Pferd zulegen,

um darauf in den Sonnenuntergang

zu reiten. Britischer Galgenhumor.

Aufder anderen Seite steht Ober-

Brexiteer Nigel Farage. Er hat den

Austritt Großbritanniens zum Inhalt

seines Lebens gemacht. In seinem

letzten Auftritt im Europaparlament

bejubelt er denTriumph des Populismus

über den Globalismus und ergeht

sich in düsteren Prognosen.

Bald schon, sagt er, würden Dänemark,

Polen und Italien es auch so

machen wie das Vereinigte Königreich.

Farage sagt: „Wir lieben Europa.

Wirhassen einfach nur die Europäische

Union.“ Der Mann, der so

spricht, kann jetzt übrigens mit einem

stattlichen Übergangsgeld aus

der EU-Kasse rechnen, fast 180 000

Euro.Dafür gibt es Regeln in Brüssel.

Vor47Jahren und einem Monat ist

das Vereinigte Königreich der Europäischen

Wirtschaftsgemeinschaft

beigetreten, wie die EU damals hieß.

1318 Tage sind seit dem Brexit-Referendum

vergangen. Jetzt wirddie britische

Fahne vonihrem Mast vordem

Europaparlament heruntergeholt

und ins Museum für Europäische Geschichte

im Parc Léopold gebracht.

Großbritannien sei ein gutes EU-

Mitglied gewesen, sagen Diplomaten

in Brüssel ein bisschen wehmütig.

Obwohl jede einzelne Regierung

in London in den vergangenen 47

Jahren eigene Fehler auf die EU geschoben

und die „Eiserne Lady“

Margaret Thatcher in den frühen

80ern gefordert hat: „Wir wollen unser

Geld zurück.“ Womit das ganze

Spektakel um die sogenannten Briten-Rabatte

seinen Anfang nahm.

Das habe aber genauso zum Spiel

dazugehört wie der unermüdliche

Einsatz der Briten für den Binnenmarkt,

für die Erweiterung der EU,

für den Freihandel.

Ein Ende

und ein

Anfang

Noch nie hat ein ganzes Land die

Europäische Union verlassen. Für die Zeit nach dem

Brexit am 31. Januar steht daher nur eines fest:

Auf Brüssel und London kommen

harte Verhandlungen zu.

VonDamir Fras, Brüssel

Mit dem Brexit gibt Großbritannien

seinen Einfluss auf die EU formal

auf, Deutschland und Frankreich

werden wichtiger.Und doch wirddas

zunächst niemand bemerken. Denn

vom1.Februar läuft eine Übergangszeit

bis mindestens Ende dieses Jahres,

vielleicht auch länger. Die Briten

verlassen zwar formal den Klub der

Europäer,müssen sich aber weiter an

die Regeln halten. So lange, bis ein

Abkommen geschlossen ist, das die

zukünftigen Beziehungen des Inselstaates

zum Kontinent regelt.

Die EU-Spitze umKommissionspräsidentin

Ursula von der Leyen,

Ratspräsident Charles Michel und

Parlamentspräsident David Sassoli

hat sich am Donnerstag zu einer

Klausur im Jean-Monnet-Haus bei

Paris zurückgezogen. Das Trio will

beraten, wie es jetzt weitergehen

soll, nachdem eingetreten ist, was

sich niemand vorstellen konnte.

DasEnde der britischen Mitgliedschaft

in der EU ist der Beginn von

zähen Verhandlungen. DerFranzose

Michel Barnier,der denScheidungsvertrag

für die EU ausgehandelt hat,

muss sich in den nächsten Monaten

um diesen Vertrag kümmern. Am

kommenden Montag bekommt er

von den verbliebenen 27 Mitgliedstaaten

offiziell den Auftrag dazu.

Flucht aus der Verantwortung

Barnier hat sich ein strammes Programm

auferlegt. In der ersten Woche

werden die Verhandlungen vorbereitet,

in der zweiten Woche wird

mit London verhandelt, in der dritten

Woche werden die EU-Mitgliedstaaten,

die Europaabgeordneten

und die nationalen Parlamente über

den Stand der Verhandlungen informiert.

Und dann beginnt die Sache

wieder vonvorne.Bis es einen unterschriftsreifen

Vertraggibt.

Bernd Lange ist der Vorsitzende

des Handelsausschusses im Europaparlament

und wirddieVerhandlungen

begleiten. Der SPD-Mann aus

Niedersachsen hat die roten Linien

schon formuliert, die London nicht

übertreten darf. Lange lehnt sich in

seinem Bürosessel zurück und zählt

auf: keine Zölle, kein Steuerparadies

àlaSingapur in der Nordsee, kein Sozialdumping

und so weiter und so

fort.

Es wird nicht einfach, die Briten

davon zu überzeugen. Denn in den

vergangenen 47 Jahren sind das Vereinigte

Königreich und die EU aneinandergewachsen.

Ein Beispiel: Britische

Fischer seien auch künftig auf

die EU als Absatzmarkt angewiesen,

sagt Lange: „70 bis 80 Prozent des Fisches

gehen in die EU. Jeder Brite

könnte dreimal am Tag Fish and

Chips essen, und sie bräuchten die

EU trotzdem immer noch.“

Doch andererseits brauche auch

die EU weiter britischen Fisch. In

Niedersachsen allein, sagt Lange,

seien 4000 Arbeitsplätze in der

fischverarbeitenden Industrie davon

abhängig.

Die Scheidung ist vollzogen, der

Rest muss sich finden. Kommissionspräsidentin

von der Leyen stellt

den Briten eine „einzigartige Partnerschaft“

in Aussicht und sagt: „Wir

werden euch immer lieben und nie

weit entfernt sein.“

Jake Pugh sitzt auf gepackten Kisten

in seinem weitgehend leeren

Büro imBrüsseler Europaparlament.

Er lacht. Nach sieben Monaten als Europaabgeordneter

der Brexit-Partei

darf erwieder zurück nach London.

„Das ist gut so“, sagt der 59 Jahrealte

Mann: „I was hired to be fired“ (etwa:

„Ich wurde eingestellt, um rausgeschmissen

zu werden“). Pughs Mission,

der Brexit, ist beendet. Der Rest

ist nicht mehr seine Sache.ImFernsehen

in Pughs Büro bringt der britische

Sender Sky News an diesem

Abendeine Sendung über Sumo-Ringer.

Wahrscheinlich Zufall, aber ein

gutes Symbol für die Verhandlungen

in den nächsten Monaten.

Damir Fras ist erstaunt

über die Freude mancher

Briten in Brüssel.

Biowetter:

Kopfschmerzen

Schlafstörungen

Atemwegsbeschwerden

Niedriger Blutdruck

Erkältungsgefahr

Pollenflug:

Hasel

Erle

Pappel

Weide

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute gibt es viele Wolken am Himmel. Die Sonne zeigt sich nur abund

zu, und eswerden 10 bis 12 Grad anvisiert.Der Wind weht teilweise in

Böen stürmisch aus West. In der Nacht erreichen die Temperaturen

10 bis 8Grad. Dazu ist es stark bewölkt oder bedeckt, gebietsweise regnet

es.

Belastung

mäßig

mäßig

mäßig

mäßig

mäßig

mäßig

mäßig

keine

keine

Gefühlte Temperatur: maximal 11Grad.

Wind: mäßig aus West.

Wittenberge

8°/12°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

8°/11° 7°/11°

Luckenwalde

8°/11°

Sonnabend

Sonntag

Montag

Regen wolkig Regen

8°/10° 5°/8° 5°/10°

Prenzlau

6°/11°

Cottbus

7°/12°

Frankfurt

(Oder)

6°/10°

Am Nordrand eines südwesteuropäischen Hochs gelangt mit böigen Südwestwinden

sehr milde, feuchte Luft von den Azoren zu uns. Dies ist mit vielen Wolken

und örtlichem Regen verbunden. VomAtlantik reißt der Nachschub an

Regen und ungewöhnlich milder Luft nicht ab. Winterlich ist es über Nordrussland.

Sylt

6°/11°

Hannover

9°/13°

Köln

9°/12°

Saarbrücken

10°/11°

Konstanz

8°/12°

Hamburg

6°/11°

Erfurt

8°/11°

Frankfurt/Main

10°/13°

Stuttgart

8°/14°

Rostock

7°/11°

Magdeburg

8°/11°

Nürnberg

8°/12°

München

8°/15°

Rügen

6°/9°

Dresden

7°/13°

Deutschland: Heute reißt die Wolkendecke

nur selten auf, doch Regen

bleibt die Ausnahme. Dabei werden

während des Tages 9bis 15 Grad erreicht,

nachts kühlt es dann auf

10 bis 6Grad ab. Der Wind weht teilweise

mit Sturmböen aus West. Morgen

liefern zahlreiche Wolken

vielerorts teils schauerartige Regenfälle.

Die Höchstwertebelaufen sich

auf 10 bis 14 Grad, und der Wind

weht in Böen teilweise mit Sturmstärke

aus Südwest.

Schneehöhen:

Thüringer Wald bis 40 cm

Harz bis 40 cm

Erzgebirge bis 45 cm

Bayerische Alpen bis 170 cm

Mondphasen: 02.02. 09.02. 15.02. 23.02.

Sonnenaufgang: 07:50 Uhr Sonnenuntergang: 16:49 Uhr Mondaufgang: 10:36 Uhr Monduntergang: 23:53 Uhr

Lissabon

17°

Las Palmas

25°

Madrid

15°

Reykjavik

-2°

Dublin

13°

London

14°

Paris

13°

Bordeaux

17°

Palma

19°

Algier

22°

Nizza

14°

Trondheim


Oslo


Stockholm


Kopenhagen


Berlin

11°

Mailand

12°

Tunis

19°

Rom

14°

Warschau

10°

Wien

13° Budapest

11°

Palermo

18°

Kiruna

-13°

Oulu

-6°

Dubrovnik

13°

Athen

15°

St. Petersburg

-1°

Wilna


Kiew


Odessa


Varna


Istanbul

10°

Iraklio

16°

Archangelsk

-20°

Moskau


Ankara


Antalya

16°

Acapulco 32° wolkig

Bali 23° Gewitter

Bangkok 32° wolkig

Barbados 27° heiter

Buenos Aires 30° sonnig

Casablanca 23° heiter

Chicago 2° bedeckt

Dakar 31° sonnig

Dubai 21° sonnig

Hongkong 18° heiter

Jerusalem 9° wolkig

Johannesburg 33° sonnig

Kairo 18° wolkig

Kapstadt 23° bewölkt

Los Angeles 22° wolkig

Manila 30° heiter

Miami 26° bewölkt

Nairobi 27° Schauer

Neu Delhi 19° sonnig

New York 7° wolkig

Peking 10° wolkig

Perth 24° heiter

Phuket 33° heiter

Rio de Janeiro 36° wolkig

San Francisco 17° wolkig

Santo Domingo 28° sonnig

Seychellen 29° Gewitter

Singapur 33° bedeckt

Sydney 34° heiter

Tokio 11° bewölkt

Toronto 0° bedeckt


Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020 3

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Brexit

The long

Goodbye

Letztes Aufbäumen: Ein Pro-Europäer demonstriertauch am 30. Januar noch vor dem britischen Parlamentsgebäude gegen den Brexit, der am 31. Januar um 23 Uhr Ortszeit Wirklichkeit wird.

AP/KIRSTY WIGGLESWORTH

Für einen Moment blenden sie alles

aus. Die Frustration. Die Wut. Auch

die Trauer und all die Niederlagen

dieser letzten, oft so bitteren dreieinhalb

Jahre. Sieerheben sich vonihren Stühlen

im prächtigen Saal der LondonerWestminster

Central Hall, wo einst der große Kriegspremier

Winston Churchill gesprochen hat. An

diesem Samstagnachmittag, zum Abschluss

der Konferenz des proeuropäischen Bündnisses

„Grassroots for Europe“, wollen sie noch

einmal, zumindest für zwei oder drei Minuten,

ignorieren, was war und dafür so tun, als

wärealles anders.Und so singen die rund 600

Aktivisten zum Abschied „Ode to Joy“ aus

Beethovens Neunter, lächeln beseelt und

schwenken in ihrer Blase EU-Fähnchen. Ein

wenig denkt man, dass es sich so begeben haben

muss damals beim Untergang derTitanic,

als die Bordkapelle wie zum Trotz die Katastrophe

musikalisch begleitete. Wenige Tage

vor dem Brexit-Tag die Europahymne anzustimmen,

nur einige Meter vomehrwürdigen

Westminster-Palast entfernt, darf entweder

als Ausdruck der Verzweiflung oder als so etwas

wie letztes Zeichen des Widerstands auf

der Insel verstanden werden. Oder als beides.

Mankommt um den Gedanken nicht herum,

dass die Hymne auch den Soundtrack der finalen

Niederlage der pro-europäischen Bewegung

in Großbritannien liefert.

DerKampf ist verloren

Ihr Kampf ist endgültig verloren. Am 31. Januar,um23Uhr

Ortszeit, Mitternacht Brüsseler

Zeit, tritt das Vereinigte Königreich aus der

Europäischen Union aus. 47Jahre hielt die

Ehe,jetzt endet sie in der Scheidung. Erstmals

verlässt ein Mitglied die Gemeinschaft und

während Befürworter der Mitgliedschaft bislang

stets für das Zurückziehen vonArtikel 50

kämpfen konnten, um so den Brexit abzuwenden,

ist diese Möglichkeit ab dem 1. Februar

dahin. Dieser Umstand ist jedoch die

einzige Sache, die sich de facto ändert. Aufgrund

der zwischen London und Brüssel vereinbarten

Übergangsphase bis zum 31. Dezember

geht im Alltag der Menschen diesund

jenseits des Ärmelkanals alles weiter wie

bisher. Immerhin, Premierminister Boris

Johnson würde das Wort Brexit am liebsten

aus dem Vokabular streichen. Es sei an der

Zeit, mit Selbstbewusstsein in die „aufregende

Zukunft“ zu blicken. In jener werde

sich das Land global und wegweisend präsentieren.

Ob auch Milch und Honig durch die

Straßen des Königreichs fließen sollen, ließ

Berufsoptimist Boris Johnson ausnahmsweise

offen. Aber die meisten Menschen haben

sich ohnehin längst erschöpft vonder Politik

und der Brexit-Saga abgewandt. Dabei

handelte es sich beim ersten Akt des Dramas,

so werden Experten nicht müde zu betonen,

um die leichteste Übung. Die nächste Verhandlungsrunde,inder

das künftige Verhältnis

zwischen Großbritannien und EU vereinbart

werden soll, dürfte sich weitaus komplizierter

gestalten. Oh Dear,hörtman die Briten

genervt aufstöhnen. Das Interesse am leidigen

Thema Brexit hat seinen Tiefpunkt erreicht.

An diesem Freitag werden in den europaskeptischen

Zirkeln die Fanfaren ertönen,

Mit der Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU endet auch ein

jahrelanges Drama aus Parlamentsdebatten, Rücktritten

und Parteispaltungen. Während die Brexiteers feiern,

sind die Gegner des Austritts in Trauer vereint.

Und über allem schwebt die Frage: What’snext?

VonKatrin Pribyl, London

wenn auch nicht Big Ben. Zu teuer wäre es

gewesen, die berühmten, wegen Renovierungsarbeiten

verstummten Glocken zum

Läuten zu bringen. DieDebatte um den Glockenschlag

mutete absurdan. DieHardliner

in den Brexit-Reihen wetterten und schimpften

und wollten Verschwörungen der Pro-

EUler erkennen, weil diese ihnen angeblich

ihren Unabhängigkeitsmoment nicht gönnten.

Vorneweg keifte der Tory-Abgeordnete

Marc Francois,der sich an diesem Donnerstagabend

in einem PubimRegierungsviertel

mit Gleichgesinnten trifft. Sie nennen sich

„Leavers for London“ und weil die Metropole

vornehmlich europafreundlich tickt, betrachtet

sich die Gruppe als so etwas wie eine

verfolgte Minderheit. Die Euphorie angesichts

des 31. Januars können die Damen

und Herren kaum verbergen. Den Pathos

ebenfalls nicht: „Ich werde nicht ins Bett gehen

in dieser Nacht, sondern wach bleiben

und am Morgen beobachten, wie die Sonne

über einem freien Land aufgeht.“ So redet

Francois wirklich. Zur großen Austrittsparty

am Parliament Square soll im Übrigen nun

der Big-Ben-Bong aus einem Ghettoblaster

ertönen. Eine halbe Million Pfund für elf Glockenschläge

zu bezahlen war sogar den eifrigsten

Patrioten zu teuer.

Rückblende: „Wir sind raus“, sagte der

BBC-Nachrichtensprecher am frühen Morgen

dieses 24. Juni 2016 und er wiederholte

diesen Satz immer wieder.„Wirsind raus.“ Er

klang und sah in seiner formellen Erschütterung

aus, als verkünde er das Ableben der

Queen. Mitdiesen Worten wachte die Nation

auf, den Brexit gab es zum Frühstück. Und

während sich die vomSieg überraschten EU-

Skeptiker am eigenen Freudentaumel berauschten,

kroch ein tauber Schmerz indie

Seele der Verlierer,der Pro-Europäer,die sich

voller Schock und Fassungslosigkeit immer

wieder kneifen mussten angesichts des knappen

Votums zugunsten der Scheidung. „Wir

sind raus.“ Reporter versuchten ob des Unfassbaren,

die Fassung zu bewahren. Ein demokratischer

Betriebsunfall? Der Politikwissenschaftler

Tim Bale von der Queen-Mary-

Universität in London spricht vielmehr vom

„perfekten Sturm“, den das Königreich damals

erlebt habe. Fünf Jahre wirtschaftlichen

Stillstands hatte das Land gerade hinter sich,

das Thema Migration trieb ganz Europa um

und die Sorgen über Einwanderung nahmen

auch in Großbritannien zu. Hinzu kamen

„äußerst effektivePolitiker“ wie BorisJohnson

und der populistische EU-Hasser Nigel Farage,

die für den Brexit warben, wenn auch

nicht selten mit zurechtgestutzten Halbwahrheiten.

„Das hat es der damaligen Minderheit

erlaubt, die gegenüber der EU vornehmlich

gleichgültig eingestellte Mehrheit zugunsten

ihres Austrittsanliegens zu bekehren.“

Premierminister David Cameron, der Architekt

des Referendums und damit auch der

Vaterdes Dramas,kündigte noch am Tageins

seinen Rücktritt an. In den folgendenWochen

machte dann so ziemlich jeder andere einen

Abgang, der noch kurzzuvor für den EU-Austritt

getrommelt hatte, darunter auch der

Chef-Cheerleader der Brexiteers Boris Johnson.

Er gehörte zu den Protagonisten des

spektakulären Wettstreits um die konservative

Führung, der in seiner Schonungslosigkeit

selbst Nationalheld William Shakespeare

hätte erröten lassen. Begleitet von Intrigen

stieß sich das britische Establishment der To-

„Jetzt schon von einem

Wiedereintritt in die EU

zu sprechen, wäre, als

hätte Winston Churchill

im Sommer 1940 die

Landung der Alliierten in

der Normandie angekündigt.“

Denis MacShane, Staatssekretär für Europa im

Kabinett von Ex-Premier Tony Blair

ries auf öffentlicher Bühne die Messer in die

Rücken. Am Ende stand nur noch Theresa

May. DieFrau, die zwar offiziell zu den EU-Befürwortern

zählte, sich im Wahlkampf aber

weitgehend zurückgehalten hatte, sollte als

neue Premierministerin die Rolle der nationalen

und parteiinternen Versöhnerin übernehmen.

Dasging, wie man in der Retrospektive

sagen darf, ziemlich daneben. Am Ende

erreichte das Chaos mit der fast unausweichlichen

Inthronisation des Unruhestifters und

Polit-Clowns Johnson in der Downing Street

seinen Höhepunkt.

Die Gesellschaft zutiefst gespalten, das

Land nah am Abgrund, aber immerhin, der

Brexit ist durch. Er hat etliche Helden und

noch mehr gefallene Helden hervorgebracht.

Zu ihnen darfgetrost Dominic Grieve

gezählt werden. Nach 22 Jahren als treuer

Tory-Abgeordneter im Unterhaus fiel er im

vergangenen September der Säuberungsaktion

vonJohnson in den eigenen Reihen zum

Opfer. Grieve war so etwas wie der Pate der

21 Rebellen, die Geschichte schrieben, indem

sie der Regierung die Kontrolle über die

Parlamentsagenda entrissen. Sie zwangen

den Premier,eineVerlängerung der Austrittsfrist

zu erbitten und verwehrten Johnson zudem

Neuwahlen, die dieser per Misstrauensvotum

durchdrücken wollte. Ein Machtkampf,

um die ungeordnete Scheidung ohne

Deal zu verhindern. Wochen später sollte

dann der altlinke und umstrittene Labour-

Chef Jeremy Corbyn nachgeben,„ein Akt von

politischer Torheit in atemberaubendem

Ausmaß“, wie Grieve esnennt. Die Konservativen

unter Johnson gewannen auf dem

Hard-Brexit-Ticket eine absolute Mehrheit.

Nicht der kommende Freitag, sondern der

Tagnach derWahl am 12. Dezember stellt für

Grieve die finale Niederlage der Bewegung

der Brexit-Gegner dar.„Es gabkeine Alternativen

mehr zu einem Austritt am 31. Januar.“

Aufder Konferenz der Pro-Europäer bejubeln

sie den verstoßenen Parlamentarier als

Star, schenken ihm EU-Socken und Plakate.

Am liebsten hätten die Teilnehmer, dass er

ihnen einen Plan zurechtbastelt. Sie suchen

nach Orientierung und Ideen. „Wohin jetzt

mit Remain?“, lautet der Titel der Tagung. Irgendwo

müssen sie doch hin, oder? Die Besucher

sind aufgerufen, ihre Gefühle auf

bunten Zettelchen zu beschreiben und sie

auf die bereitstehenden Tafeln zu kleben.

„Deprimiert“, „frustriert“, „verzweifelt“, „zutiefst

traurig“, „wütend“ –die Lektüre der

Antworten passt zur Trauerfeier,auf derman

mit aller Macht versucht, das Wort „Wiedereintritt“

zu vermeiden.

Es sei zufrüh, darüber zureden, sagt der

Konferenzorganisator Richard Wilson. „Wir

müssen zuerst die öffentliche Meinung ändernund

eine komplett neue Kampagne starten.“

Auch Denis MacShane winkt ab. Erwar

Labour-Abgeordneter zu einer Zeit, die heute

eine Ewigkeit her scheint. Als Staatssekretär

für Europa saß er im Kabinett vonEx-Premier

Tony Blair. Inspätestens zwei Jahren, sovermutet

der Brexit-Gegner, würden die Briten

vonder Realität eingeholt werden. Undwolle

Johnson wirklich Premierminister eines

Landes sein, das permanent in der Krise

stecke? MacShane zuckt mit den Schultern.

Niemand weiß, was kommt. Doch jetzt schon

von einem Wiedereintritt in die EU zu sprechen,

wäre, „als hätte Winston Churchill im

Sommer 1940 die Landung der Alliierten in

der Normandie angekündigt“. Alles zu seiner

Zeit. Sierechnen mit zehn bis 20 Jahren, die es

dauernwird, bis man wieder auf ein EU-Mitglied

Großbritannien hoffen darf. Immerhin,

anders als noch vor wenigen Jahren präsentiert

sich heute eine enthusiastische pro-europäische

Bewegung auf der Insel, die dreimal

Hunderttausende Menschen mobilisiert hat,

gegen die Scheidung zu demonstrieren. Ob

das Lager ein Comeback feiern kann, das

hänge sowohl von der Entwicklung des Königreichs

und dessen Wirtschaft als auch vom

Zustand der EU ab, sind sich alle einig. Wird

Großbritannien abermals zum „kranken

Mann Europas“, wie dies Anfang der 1970er-

Jahreder Fall war? DieGesundung verdankte

das Land dem Beitritt der EEC, der Europäischen

Wirtschaftsgemeinschaft. Oder könnte

der Brexit entgegen aller Prognosen von Experten

doch zum Erfolg werden?

Gefangen in der Zeitschleife

Vonder glorreichen Zukunft des „globalen

Großbritanniens“ ist Dominic Raab überzeugt.

Er war einmal Brexit-Minister und

lernte in diesem Amt immerhin unter viel

Spott, dass das Königreich auch geografisch

eine Insel ist, der Ärmelkanal deshalb große

Bedeutung für die hiesige Wirtschaft hat.

Heute ist er Außenminister, trommelt im

Auftrag seines Chefs für Versöhnung und hat

zwei Tage vor dem Stichtag die vornehmlich

europäische Presse zumBriefing geladen. Da

redet er sehr viel von „noch engeren Beziehungen“

zu „unseren engen und starken europäischen

Nachbarn, Partnern und Freunden“,

mit denen man „sogar noch bessere

und engereNachbarn, Partner und Freunde“

sein könne nach dem Brexit. Er sagt das bestimmt

20-mal. Unddasitzen sie vorihm, die

Journalisten, und schauen etwas verdutzt

drein. Es waren auch sie, die sich in dieser

unendlich scheinenden Saga mit all ihren

Wendungen und Dramen jahrelang wie in einer

Zeitschleife gefangen fühlten. Die sich

von der Außenlinie aus mit der Politik im

Kreis drehten. Hunderte Stunden Parlamentsdebatten,

Rücktritte, Parteispaltungen,

Gezeter und Getöse, zwei Unterhauswahlen,

eine Parlamentszwangspause, Drohungen

und Demütigungen, nächtliche Abstimmungen

und immer wieder

Niederlagen. Das Projekt hat das Königreich

schier überwältigt, sodass am Ende Johnsons

Wahlversprechen „Let’s get Brexit

done“, („Lasst uns den Brexit durchziehen“)

für viele Briten fast wie eine Verheißung

klang. Ja bitte, raus. Mach, dass es aufhört.

Nun hat der Premier geliefert. In der Nacht

zum Sonnabend ist es für das Vereinigte Königreich

erst einmal vorbei in der EU. GoodbyeGreat

Britain, and good luck.

Katrin Pribyl fühlt in dieser Woche angesichts

desBrexit vorallem eine große

Melancholie.


4* Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020

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Politik

NACHRICHTEN

Rentenerhöhung steigert

staatliche Steuereinnahmen

DieRentenerhöhung im Sommer

dürfte dem Staat zusätzliche Einkommensteuer

in Höhe von420 Millionen

Euro bringen. Daszeigt die

Antwortdes Bundesfinanzministeriums

auf eine Anfrage der Linksfraktion

im Bundestag. Sieliegt der

Deutschen Presse-Agentur vor. Bei

der Schätzung geht das Ministerium

vonder bisher vorhergesagten Rentenerhöhung

von3,15 Prozent im

Westen und 3,92 Prozent im Osten

aus.Wie die Renten sich bei der Anpassung

zum 1. Juli genau entwickeln,

wirdallerdings erst im März

feststehen. (dpa)

Asmussen wird

Versicherungslobbyist

Derfrüheredeutsche Finanzstaatssekretär

und EZB-Direktor JörgAsmussen

wirdLobbyist der Versicherungsbranche.Der

53-Jährige werde

vonOktober an als Vorsitzender die

Verbandsgeschäfte führen und Präsidiumsmitglied

werden, teilte der

Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft

am Donnerstag

mit. Schon im Aprilwerde Asmussen

in die Geschäftsführung eintreten.

(dpa)

Koalition beschließt

längeres Kurzarbeitergeld

Arbeitnehmer sollen im Fall einer

Krise in Teilen der Industrie leichter

verlängertes Kurzarbeitergeld erhalten

können. Bundesarbeitsminister

Hubertus Heil (SPD) will die geplanten

erweiterten Möglichkeiten gegen

Arbeitslosigkeit in Fällen vonEinbrüchen

vonTeilen der Wirtschaft

schnell umsetzen. (dpa)

Bund gibt Milliardenhilfe für

Bauernfrei

Die große Koalition will mit der „Bauernmilliarde“

die Landwirte entlasten. DPA

Nach wochenlangen Bauernprotesten

setzt die Koalition ein Zeichen der

Unterstützung: In den kommenden

vier Jahren sollen Landwirte eine Milliarde

Euro zusätzlich erhalten. Das

Geld soll in Agrarumweltprogramme

und andereInvestitionen fließen. Die

„Bauernmilliarde“ soll die befürchteten

Folgen der Düngeverordnung abfedern,

gegen derenVerschärfung die

Bauernseit Monaten Sturmlaufen.

Vorallem die Union hatte auf mehr

Unterstützung gedrungen. (AFP)

Erzbischof in Frankreich von

Vertuschung freigesprochen

In einem Prozess um dieVertuschung

vonKindesmissbrauch in der katholischen

Kirche Frankreichs ist der ehemals

höchste geistlicheWürdenträger

des Landes freigesprochen worden.

DasBerufungsgericht vonLyon

urteilte am Donnerstag, Kardinal Philippe

Barbarin habe sich nicht schuldig

gemacht. Dem69-Jährigen wurde

vorgeworfen, jahrelang den sexuellen

Missbrauch vonJungen durch einen

Priester seiner Diözese verschwiegen

zu haben. In erster Instanz war der

frühereErzbischof vonLyonzusechs

Monaten Haft auf Bewährung verurteilt

worden. Einer der Anwälte des

Geistlichen begrüßte das Urteil:„Kardinal

Barbarin ist unschuldig“, sagte

er. (AFP)

Hausdurchsuchungen bei zwei Politikern

AlexanderGauland und eine CDU-Abgeordnete stehenimVisier der Ermittler –ihre Immunität ist aufgehoben

VonMarkus Decker

Der Bundestag hat am

Donnerstag die Immunität

von AfD-Fraktionschef

Alexander Gauland

aufgehoben. Hintergrund sind nach

Informationen der Berliner Zeitung

(RedaktionsNetzwerk Deutschland,

RND) Ermittlungen in einer Steuerangelegenheit.

Demnach soll Gauland

im Zusammenhang mit einer

Scheidung falsche Angaben gemacht

haben.

So gab er nach RND-Informationen

für die Jahre 2014 bis 2016

Frankfurt amMain als Hauptwohnsitz

an. Es besteht aber der Verdacht,

dass Gauland zu dieser Zeit bereits

überwiegend in Potsdam wohnte.

Auch für das Jahr 2017, als der 78-

Jährige in den Bundestag einzog, sollen

seine Angaben teilweise falsch

gewesen sein. Die Ermittlungen der

Staatsanwaltschaft Frankfurt am

Main haben im vergangenen Jahr

begonnen. Die Durchsuchung stehe

jedenfalls nicht im Zusammenhang

mit der Spendenaffäreder AfD,heißt

es.

Vonder Partnerin getrennt

DiePolizei stand offenbar bereits vor

den Wohnungen in Frankfurt und

Potsdam, als zunächst der Immunitätsausschuss

und anschließend das

Plenum des Bundestages die Beschlüsse

fassten. Direkt im Anschluss

begannen die Durchsuchungen.

Sie beträfen die Meldeanschriften

Gaulands in Frankfurt amMain

und in Brandenburg, sagte eine

Sprecherin der Staatsanwaltschaft

am Donnerstag. Gauland wohnt

jetzt vorwiegend in Potsdam.

Ein Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion

sagte, das Ganze sei

reine Formsache und die Ermittlungsmaßnahmen

seien unverhältnismäßig.

Gauland ist demnach mit

seiner ehemaligen Partnerin noch

verheiratet, die in Frankfurt wohnt,

lebt aber seit vielen Jahren mit einer

neuen Lebensgefährtin in Potsdam.

Dem Vernehmen nach geht es um

eine fünfstellige Summe.

Abgeordnete dürfen wegen einer

mutmaßlichen Straftat nur mit Zustimmung

des Parlaments juristisch

verfolgt werden. Sie genießen laut

Grundgesetz Immunität. Auf Antrag

der Staatsanwaltschaft kann diese

vomParlament aufgehoben werden.

Das Parlament stimmte ebenfalls

für die Aufhebung der Immunität

der CDU-Bundestagsabgeordneten

Karin Strenz aus Mecklenburg-Vorpommern.

Ihr Fall gilt als weitaus

AfD-Fraktionschef Gauland soll Steuernhinterzogen haben.

IMAGO /REVIERFOTO

„Wir erachten das Ermittlungsverfahren

und die Ermittlungsmaßnahmen als

ungerechtfertigt und unverhältnismäßig.“

Christian Lüth, Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion

Der digitalisierte Patient

gravierender.Hier steht der Verdacht

der Korruption im Raum.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt

am Main teilte mit, sie und das Bundeskriminalamt

hätten am Donnerstag

unter anderem ein Abgeordnetenbüro,

die Privatwohnung eines

Mitglieds des Bundestages sowie

Wohnungen, Geschäftsräume und

eine Rechtsanwaltskanzlei in Berlin,

Mecklenburg-Vorpommern, Bayern

und Belgien durchsucht. An den

Maßnahmen, die insgesamt 16 Objekte

betroffen hätten, seien etwa

100 Beamte beteiligt gewesen.

Die Ermittlungen richteten sich

gegen insgesamt drei Beschuldigte,

darunter ein aktuelles Mitglied des

Deutschen Bundestages, denen Bestechung

und Bestechlichkeit von

Mandatsträgern zur Last gelegt

werde, und um eine weitere Person,

gegen die der Verdacht der Geldwäsche

bestehe.Strenz wirdzur Last gelegt,

sich als Mitglied der Parlamentarischen

Versammlung des Europarates

(PACE) als Unterstützerin des

aserbaidschanischen Regimes hervor

getan zu haben und mindestens

22 000 Euro aus dem vorderasiatischen

Staat bekommen zu haben.

Insgesamt sollen von 2008 bis 2016

rund vier Millionen Euro aus Aserbaidschan

überwiesen worden sein.

„Normale Geschäfte“

Auch gegen den ehemaligen CSU-

Abgeordneten EduardLintner ermittelt

die Staatsanwaltschaft in dieser

Sache. Er bestritt gegenüber dem

ARD-Magazin „Report Mainz“ den

Vorwurf, Abgeordnete bestochen zu

haben, um diese zu einem wohlwollenden

Verhalten gegenüber dem

aserbaidschanischen Präsidenten

und seiner Regierung zu bewegen.

Lintner räumte zwar monatliche

Zahlungen aus Aserbaidschan an die

von ihm geführte „Gesellschaft zur

Förderung der deutsch-aserbaidschanischen

Beziehungen“ ein.

Dieses Geld sei allerdings größtenteils

in die Finanzierung eines Büros

in Berlin geflossen. „Von dem Geld

blieb so gut wie nichts übrig“, sagte

er. Die Zahlungen von Aserbaidschan

an die von ihm geführte Gesellschaft

seien „eine normale Geschäftsbeziehung“

gewesen. Es habe

lediglich einen Beratervertrag mit

der Bundestagsabgeordneten Karin

Strenz (CDU) gegeben.

In der Unionsfraktion wird betont,

dass man Strenz aus der PACE

abgezogen habe, noch bevor die

staatsanwaltlichen Ermittlungen

publik geworden seien. Überdies

habe sie keine weiteren Funktionen.

Gesetzentwurf: Versicherte sollen volle Verfügungsgewalt über die Daten in ihrer Krankenakte bekommen

VonTim Szent-Ivanyi

Auch Überweisungen zur Fachärztin sollen in Zukunft elektronisch möglich sein.

Die gesetzlich Versicherten sollen

künftig einen uneingeschränkten

elektronischen Zugriff und eine

umfassende Verfügungsgewalt über

alle Behandlungsdaten bekommen.

Dassieht ein Gesetzentwurfvon Gesundheitsminister

Jens Spahn

(CDU) vor, mit dem die Details der

geplanten elektronischen Patientenakte

geregelt werden sollen. Danach

können die Versicherten detailliert

darüber entscheiden, welche Daten

in der Akte gespeichertoder gelöscht

werden. Außerdem kann künftig in

jedem Einzelfall bestimmt werden,

wer die einzelnen Befunde sehen

darf. Besonders wichtig: Die Ärzte

werden verpflichtet, die Akte mit den

Behandlungsdaten zu füllen.

Bereits gesetzlich vorgeschrieben

ist, dass alle gesetzlichen Krankenkassen

ihren Versicherten ab 2021

eine elektronische Patientenakte anbieten

müssen. Die Nutzung ist freiwillig.

Mit dem neuen Patientendaten-Schutzgesetz

werden nun die

Einzelheiten festgelegt. Danach können

in der Akte nicht nur Befunde,

Röntgenbilder oder Laborwerte abgelegt

werden, sondern auch der

Impfausweis, der Mutterpass, das

gelbe Untersuchungsheft für Kinder

oder das Zahn-Bonusheft.

Dabei soll der Patient stets Herr

über seine Daten bleiben. Er kann

dann beispielsweise entscheiden,

dass ein Arzt zwar auf die Akte zugreifen

darf, ihm aber bestimmte Befunde

nicht angezeigt werden. Diese

DPA

Auswahl soll allerdings erst ab 2022

möglich sein.

Für den Zugriff müssen die Krankenkassen

den Versicherten eine

App für Smartphone oder Tablet anbieten.

Mit dem Gesetz werden die

Kassen aber auch verpflichtet, Versicherten

ohne Smartphone in ihren

Filialen eine Zugriffsmöglichkeit zu

ermöglichen, beispielsweise in aufgestellten

Terminals. Ab2022 müssen

die Kassen auch sicherstellen,

dass die Akte bei einem Kassen-

Wechsel übertragen werden kann.

Einen völlig neuen Weg geht

Spahn bei dem elektronischen Rezept:

Das Ministerium lässt eine für

alleVersicherten nutzbareStaats-App

entwickeln, mit der sich ein Rezept

aufs Smartphone laden lässt. DerPatient

kann wie bisher entscheiden, ob

er das Rezept bei einer Apotheke vor

Orteinlöst oder an einen Online-Versender

schickt. Er kann das Rezept

vonder Staats-App auch auf eine andere

App seiner Wahl übertragen.

Auch Überweisungen zum Facharzt

sollen auf elektronischem Weg versendet

werden können.

Ob der über 80 Paragrafen umfassende

Entwurf so Gesetz werden

kann, ist offen. Er wird jetzt mit den

anderen Ressorts der Bundesregierung

abgestimmt. Die ersten Detail-

Regelungen für die elektronische Patientenakte

aus dem Gesundheitsressort

hatte das Justizministerium

im vergangenen Jahr wegen Datenschutz-Bedenken

gestoppt. Deshalb

musste Spahn seine Pläne überarbeiten.

Ein Deal

für eine

Schmugglerin

Wladimir Putin begnadigt

eine junge Israelin

VonStefan Scholl, Moskau

AmDonnerstag umarmten der israelische

Ministerpräsident

Benjamin Netanjahu und seine Frau

Sara auf dem Moskauer Flughafen

Wnukowo die gerade freigelassene

Naama Issachar. AmVorabend hatte

Russlands Präsident Wladimir Putin

die junge Israelin mit amerikanischem

Zweitpass begnadigt. Issachar

war im Oktober voneinem russischen

Gericht zu 7,5 Jahren Gefängnis

wegen Drogenschmuggels

verurteilt worden. Der Richterspruch

wurde nicht nur in Israel als

Skandal aufgenommen.

„Natürlich freuen wir uns, dass

sie ihre Freiheit wieder hat“, sagt Issachars

russischer Verteidiger Vadim

Kljuwgant der Berliner Zeitung.

„Aber Gerechtigkeit ist ihr nicht widerfahren.“

Der Makel eines Drogendelikts

hänge ihr weiter an, ohne

dass sie ihn im Geringsten verdiene.

Die 27-jährige Yogatrainerin flog

im April aus Indien zurück nach Israel,

mit einer Zwischenlandung

zum Umsteigen in Moskau. Aufdem

Flughafen Scheremetjewo entdeckten

Zollbeamte in einem Rucksack,

den sie als Gepäck aufgegeben hatte,

9,6 Gramm Haschisch. Issachar

wurde verhaftet und vor Gericht gestellt

–auf Grundlage eines Protokolls

in russischer Sprache, das die

mutmaßliche Schmugglerin nur mit

dem Zusatz unterschrieben hatte,es

nicht verstanden zu haben. VorGericht

beteuerte sie, das Haschisch

stamme nicht vonihr.Außerdem befand

sie sich im Transitbereich, sie

Naama Issachar,Benjamin Netanjahu

und seine Frau Sara in Moskau (v.l.)

DPA

hatte offiziell kein russisches Staatsgebiet

betreten und keinerlei Zugang

zu ihrem Rucksack mit dem Haschisch.

Deshalb bezeichnete die

Verteidigung die Anklage wegen

Drogenschmuggels als unsinnig.

Israelische Medien zitierten Familienangehörige

und Beamte, Moskau

hätten vorgeschlagen, Issachar gegen

den Russen Alexej Burkow auszutauschen.

Dermutmaßliche Cyberkriminelle

saß in Israel ein und wurde trotz

russischen Protests im November an

die USA ausgeliefert.

Aber auch danach bemühte sich

die israelische Seite weiter um Issachars

Freilassung. Ende Dezember

sprach ein israelisches Gericht der

russisch-orthodoxen Kirche das Besitzrecht

am sogenannten Alexanderhof

zu, einem historisches Architekturobjekt

in der Altstadt vonJerusalem.

Und Wladimir Putin wurde

als Stargast empfangen, als er vergangeneWoche

zu einem internationalen

Holocaust-Forum nach Israel

kam. Dort stellte ihm Netanjahu

auch die Mutter der Verurteilten vor.

Schon da lächelte Putin gnädig: „Alles

wirdgut werden.“

In Moskau wird nun gemutmaßt,

ob Netanjahu zu Verhandlungen über

die Freilassung Issachars in der russischen

Hauptstadt weilte, oder ob er

mit Putin über den den neuen Nahost-

Plan Donald Trumps sprechen wollte.

Netanjahu befindet sich im Wahlkampf

und muss sich gegen Korruptionsvorwürfe

wehren. Undsotrifft es

sich für ihn gut, wenn er Naama Issachar

mit nach Hause bringt.


Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020 5

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Politik

US-Präsident Donald Trump und sein damaliger Nationaler Sicherheitsberater John Bolton im Juli 2018 auf dem Nato-Gipfel in Brüssel

GETTY

Showdown im Senat

An diesem Freitag entscheidet sich, ob der Impeachment-Prozess gegen Donald Trumpeingestellt wird. Die Republikaner wollen keine Zeugen hören

VonKarlDoemens, Washington

Die Senatoren rutschen

auf ihren Sitzen herum.

Sie kauen Bonbons und

tuscheln mit den Nachbarn.

Einige spazieren auf und ab.

Andere haben den Saal ganz verlassen.

DieDisziplin hat deutlich abgenommen

nach acht Prozesstagen im

Impeachment-Verfahren des Senats.

Und die überwältigende Mehrheit

der Republikaner setzt darauf, dass

das dritte Amtsenthebungsverfahren

der US-Geschichte an diesem

Freitag zu einem abrupten Ende

kommt.

„Hört die Zeugen!“, riefen am

Mittwoch ein paar Dutzend Demonstranten

vor dem Kapitol in

Washington. „Ohne Zeugen ist das

eine Vertuschungsaktion“, hatte einer

der Protestierenden auf sein

Plakat geschrieben. Doch drinnen

in dem ehrwürdigen Parlamentsgebäude

trat John Cornyn, der republikanische

Senator von Texas, vor

die Kameras und sagte: „Es ist wirklich

nicht nötig, dass Herr Bolton

kommt und diese Show noch weiter

verlängert. Er und die anderen Zeugen

würden uns in den nächsten

Wochen und Monaten alle unsere

Zeit stehlen.“

Nachdem die Anklage und die

Verteidigung von Präsident Donald

Trump jeweils drei Tage ihre Argumente

vorgetragen hatten, konnten

die Senatoren am Mittwoch und

Donnerstag beiden Parteien Fragen

stellen –allerdings nicht direkt, sondern

auf kleinen Karten, die vom

obersten Verfassungsrichter John

Roberts vorgelesen wurden, der die

Versammlung leitet. Insgesamt 93

Fragen wurden alleine am Mittwoch

gestellt. Doch die meisten Wortmeldungen

dienten dazu, den Anwälten

des eigenen Lagers mehr Redezeit zu

verschaffen.

Potenzielle Abweichlerinnen

Eine der wenigen kritischen Fragen

kam von den beiden republikanischen

Senatorinnen Susan Collins

und Lisa Murkowski, die als potenzielle

Abweichlerinnen vom Mehrheitsvotum

ihrer Partei gelten. Im

Kern des Prozesses steht der mutmaßliche

Versuch Trumps, den

ukrainischen Präsidenten Wolodymyr

Selenskyj zu einer rufschädigenden

Ermittlung gegen den Sohn des

demokratischen Ex-Vizepräsidenten

Joe Biden zu erpressen. Trump behauptet,

er sei wegen der Aktivitäten

von Hunter Biden in der Ukraine

alarmiertgewesen. Ob der Präsident

Michelle Obama ist vomdemokratischenUS-Präsidentschaftsbewerber

JoeBiden

als Kandidatin für die Vizepräsidentschaft

ins Gespräch

gebrachtworden. „Sicher

hätteich Michelle gerneals

Vizepräsidentin“, hat Biden

Medienberichten zufolge bei

einer Wahlkampfveranstaltung

im MittlerenWesten gesagt.Das

an eine schwarze

Leserschaftgerichtete MagazinThe

Root bezeichnete den

Vorstoßals „Wunschdenken“

und Biden als „armen, einfältigenTrottel“.

seine Sorge jemals vor der Bewerbung

Bidens als demokratischer Präsidentschaftskandidat

kundgetan

habe, wollten Collins und Murkowski

wissen. Die Anwälte des Weißen

Hauses mussten verneinen.

Für Beobachter der eindrucksvollen

Anhörung zuvor im Repräsen-

RETTUNG DURCH DIE FIRST LADY?

Twitter-Nutzer spotteten, es

handle sich um einen verzweifelten

Versuch Bidens,

seine Wahlkampagne zu retten.

Wieernst es Biden mit

seinem Vorschlag meint, war

zunächst unklar.

DPA

JoeBiden hatte im September

gewitzelt, er werde Michelle

Obama fragen, ob sie mit ihm

antreten wolle,dann aber gesagt,

er meine es nicht ernst.

2018 schriebdie frühere First

Lady in ihremBuch „Becoming“:

„Ichsageesganz klar:

Ichhabe keine Absicht, jemals

für einAmt zu kandidieren.

Ich war nie ein Fander

Politik, und das,was ich in

den vergangenen zehn Jahren

erlebthabe, hat nichtdazu

beigetragen,dass ich meine

Meinung geänderthätte.“

tantenhaus besteht ohnehin kein

Zweifel an der Trump-Intrige. Ein

Dutzend Beamte und Diplomaten

hatten dort die Vorwürfe detailliert

untermauert. Mit dem ehemaligen

Sicherheitsberater John Bolton hat

sich nun kurzvor dem Ende des Verfahrens

der wohl wichtigste Augenzeuge

zu Wort gemeldet. In seinem

unveröffentlichten Buch schreibt

Bolton, der im September wegen

Differenzen in der Iran-Politik von

Trump entlassen wurde, der Präsident

habe ihm ausdrücklich gesagt,

dass die US-Militärhilfe von400 Millionen

Dollar nur ausgezahlt werde,

wenn Kiew gegen Biden vorgehe.

DerultimativeBeweis

Für die Demokraten ist dies die

„smoking gun“, der ultimative Beweis

für die Schuld des Präsidenten.

Doch der feuertaus allen Rohren zurück.

Zunächst untersagte das Weiße

Haus Bolton die Veröffentlichung

des Buches.Dann pöbelte Trumpbei

Twitter gegen seinen früheren Top-

Berater, der ihn „um den Job angebettelt“

habe und ein Kriegstreiber

sei. Gleichzeitig ermahnte der Präsident

seine republikanischen Parteifreunde

im Senat: „Lasst euch nicht

vonden Demokraten instrumentalisieren.“

Auch Mehrheitsführer Mitch

McConnell baut nach Medienberichten

enormen Druck gegen potenzielle

Abweichler auf. Zur juristischen

Absicherung argumentierte

Trumps Star-Anwalt Alan Dershowitz

im Senat, ein Präsident dürfe alles

tun, was im nationalen Interesse

seiner Wiederwahl dient.

Die meisten Republikaner scheinen

nur allzu gerne bereit, dieser

abenteuerlichen These zu folgen

und den Impeachment-Prozess

schleunigst zu beenden. An diesem

Freitag kommt es zum Showdown,

wenn nach einer voraussichtlich

vierstündigen Debatte abgestimmt

wird, ob die Kammer Zeugen anhört.

Die Republikaner haben eine Mehrheit

von 53zu47Stimmen. Vier Republikaner

müssten mit allen Demokraten

dafür stimmen. Bislang

haben aber nur zwei Abweichler ein

solches Votum angedeutet.

Sollten die Stimmen tatsächlich

zusammenkommen, dürfte der Prozess

noch Wochen dauern, weil das

Weiße Haus aus angeblichen Gründen

der nationalen Sicherheit die

Bolton-Aussage verbieten will.

Scheitert der Vorstoß, wäre der Prozess

höchstwahrscheinlich am Wochenende

vorbei – rechtzeitig für

Trumps Erklärung zur Lage der Nation

am Dienstag. Die State of the

Union dürfte dann eine triumphale

Siegesfeier werden.

KarlDoemens

hat den Prozess vonder Tribüne

des Senats verfolgt.

Mit Gedächtnislücken

In der Berateraffäre der Bundeswehr hat die ehemalige Staatssekretärin Katrin Suder den millionenteuren Einsatz externer Fachleute verteidigt

VonDaniela Vates

Vier Stifte und einen Anwalt hat

Katrin Suder mitgebracht. Die

Stifte legt sie sorgfältig nebeneinander

auf den Tisch. DerAnwalt nimmt

neben ihr Platz. Es geht um etwas an

diesem Tag im Untersuchungsausschuss

des Bundestags.

Die ehemalige Staatssekretärin

Suder gilt als Schlüsselfigur in der Beratungsaffäre

des Verteidigungsministeriums.

Esgeht darum, ob unter

ihrer Verantwortung im Ministerium

zu viele externe Berater eingekauft

worden seien, zum Beispiel für Digitalisierungsprojekte.

Und es geht vor

allem darum, ob diese Berater ihre

Aufträge bekommen haben, weil sie

Suder oder andere im Ministerium

persönlich kannten. Dass Verträge

teilweise aus falschen Töpfen bezahlt

worden sind, hat das Ministerium

eingeräumt. Suder, die zuvor als Unternehmensberaterin

gearbeitet hat,

mit dem Rufals hochstrukturiertund

effizient, steht besonders im Fokus.

Ihr Bekannter und ehemaliger

Kollege Timo Noetzel hatte für seine

Beratungsfirma Accenture Beratungsverträge

an Land gezogen und

intern mit seinen guten Kontakten

ins Ministerium geprahlt.

Die 48-Jährige beginnt mit einem

Statement. Sie liest es ab, sie legt viel

Emotionen in ihrenVortrag. Suder erzählt,

mit welcher Begeisterung sie

ihr Amt ausgefüllt habe. Sie habe es

„als Ehre empfunden“, für die Bundeswehr

zu arbeiten. UndGeld habe

für sie keine Rolle gespielt. Sie zeichnet

das Bild voneinem dysfunktionalen

Rüstungsabteilung mit 20 000

Mitarbeitern und einem Entscheidungsstau:

„Es fehlte an allem: an

Personal, an IT, anguten Verträgen.“

Externe Hilfe sei daher nötig gewesen.„Externe

Beratung war ein Mittel.

Sie war zu keinem Zeitpunkt Selbstzweck“,

beteuert Suder. Die Kosten

seien dafür vergleichsweise gering gewesen.

Schließlich habe sie durch die

Modernisierung dazu beigetragen,

80 Rüstungsverträge

mit einem Volumen

von30Milliarden Euro abzuschließen.

Und dann kommt sie

auf den Vorwurf der Mauschelei:

Siehabe im Ministerium

nicht nur schon bei

Übernahme ihres Postens

deutlich gemacht, dass sie

Bekannte in der Beratungsindustrie

habe. Sie

habe außerdem schon immer

in ihrem Berufsleben darauf geachtet,

Privates und Berufliches zu

trennen. Und: „In die Entscheidung

DPA

Katrin Suder,

ehemalige

Staatssekretärin

und Auswahl von Externen war ich

nicht eingebunden.“ Vorsorglich

weist sie darauf hin, dass sie ihren

Posten Anfang 2018 aufgegeben

habe,ummehr Zeit mit ihrer Familie

zu verbringen. Der Rechnungshofbericht,

der mit Kritik an

Vergabeverfahren die Affäre

ins Rollen gebracht

hat, kam wenige Monate

später.

Mehrere Stunden dauert

die Befragung im Ausschuss.

Die Abgeordneten

erkundigen sich nach Entscheidungsabläufen

und

danach, warum welcher

Berater geholt wurde.

Und es geht um die

Frage, warum sich Suder

Ende 2018 geweigert hat, vor dem

Verteidigungsausschuss auszusagen.

Erst daraufhin wurde der Unter-

suchungsausschuss eingesetzt. Es

seien strafrechtliche Vorwürfe im

Raum gestanden, sagt Suder.Und sie

habe imVerteidigungsausschuss keinen

Anwalt mitnehmen dürfen. Den

hat sie nun dabei. DerAusschussvorsitzende

ermahnt ihn mehrfach:

„Nicht mauscheln.“ Die Abgeordneten

greifen in Gummibärchentüten.

Suders häufigster Satz ist: „Ich

kann mich nicht erinnern.“ Nicht an

die Initiierung des einen oder anderen

Projekts. Nicht daran, was sie ihrem

Nachfolger über den Umgang

mit Beratern erzählt hat. Nicht daran,

was sie ihrem guten Bekannten Noetzel

erzählt hat darüber, wie sie das

Ministerium über ihreBekanntschaften

informiert. „Noetzel hat sich viel

versprochen vonder Arbeit im Ministerium.

Haben Sie das mitgekriegt?“,

fragt die FDP-Abgeordnete Marie-Agnes

Strack-Zimmermann. „Nein“,

antwortet Suder. „Waren Sie als

Staatssekretärin irgendwann zu weit

weg von den Abläufen?“ Suder sagt:

„Ich habe mich zu meiner Zeit gut informiertgefühlt.“

„Die Menge an Nichtwissen ist

beachtlich“, sagt Grünen-Verteidigungspolitiker

Tobias Lindner am

Rande der Sitzung. SPD-Experte

Dennis Rohde bemerkt, Suder habe

ihre großen Gedächtnislücken vor

allem dort, wo es um die Frage der

Verantwortlichkeiten geht. Die FDP-

Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann

stellt fest, zumindest bei

großen Projekten sei der Erinnerungsverlust

erstaunlich. Viele Projekte

seien mit hohem Druck betrieben

worden: „Es gab einen gewissen

Kontrollverlust.“ Als letzte Zeugin ist

für Mitte Februar Ursula von der

Leyen geladen, die damalige Verteidigungsministerin,

Suders Chefin.


6 Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020

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Made in Berlin

Brot und Getreide

Preisveränderung 2019 gegenüber 2018

Reis

Brötchen zum Fertigbacken

Nudeln

Pizza, Quiches

Cornflakes, Müsli

Roggenbrot/Mischbrot

Frisches Brötchen

Kekse

Fleisch- und Fischwaren

Preisveränderung 2019 gegenüber 2018

Fischfilet

Geflügel (tiefgekühlt)

Fischstäbchen

Schweinebraten

Räucherfisch

Wurstkonserve

Fleischfertiggericht

Leber

–4,8 %

–8,0 %

–1,5 %

–2,1 %

–3,6 %

–4,1 %

+5,6 %

+2,4 %

+1,3 %

+0,9 %

+9,2 %

+5,3 %

+11,8 %

+10,5 %

+20,6 %

+27,4 %

Es sprach schon immer

viel dafür,den Tagmit einem

guten Frühstück zu

beginnen. Im vergangenen

Jahr lohnte es sich

sogar.Denn frische

Schrippen vomBäcker

wurden billiger,Tiefkühlbrötchen

dagegen teurer.

Gesünder ging es freilich

auch, kostete aber extra.

Haferflocken, Knäckebrot,

Müsli –alles teurer.

Dass weniger Fleischverzehr

gut für das

Klima ist, weiß man.

2019war es zudemfinanziell

vonVorteil.

Denndie Preise für

Schweinefleisch,Geflügelund

Fisch stiegen

zum Teil zweistellig.Zugleich

gerietder klassische

Grillabend zum Luxus.

Denn Bratwurst,

Bier und Grillsoße kosteten

ebenfallsmehr.









VonKeksen,

Kondomen und

Autobatterien

Das Jahr 2019 in Preisen:

WofürinBerlin

im vergangenen Jahr mehr und wofür

weniger bezahlt werden musste

VonJochen Knoblach (Text) und Isabella Galanty (Grafik)

Nirgendwo sind höhere

Preise in dieser Stadt so

überraschungsfrei wie im

Bereich Wohnen. Dass

die Mieten um 1,4 Prozent

nach oben gingen,

ist aber nur die halbe

Wahrheit, weil das nur

die Bestandsmieten betrifft.

Die Angebotsmieten

stiegen 2019 um drei

Prozent. 2018 waren es

noch etwa 13 Prozent.

Das ist quasi die Preisentwicklung

zurVerkehrswende:

Neuwagen wurden

teurer –Pkw-Inspektionen,

Garagenmieten und Parkgebühren

auch. Fahrräder

kosteten dagegen weniger,

BVG-Tickets nicht mehr.

Der Haken: Die BVGhatte

die Preiserhöhungnur aufgeschoben.Am1.Januar

wurde der Einzelfahrschein

3,5 Prozent teurer.

Wohnen

Preisveränderung 2019 gegenüber 2018

Feste Brennstoffe

Erdgas

Straßenreinigung

Müllabfuhr

Wohnung (Miete)

Wasserversorgung

Strom

Leichtes Heizöl

Taxifahrt

Carsharing

Neuer Pkw

E-Bike

Parkgebühr

ÖPNV (Einzel- o. Tageskarte)

Fahrrad

Superbenzin

–0,3 %

–1,9 %

Mobilität

Preisveränderung 2019 gegenüber 2018

–0,4 %

–0,8 %

0

0

+3,8 %

+3,0 %

+2,3 %

+1,4 %

+3,6 %

+2,5 %

+2,2 %

+1,2

+8,8

+7,2

Molkereiprodukte, Eier, Speisefette

Preisveränderung 2019 gegenüber 2018

Margarine

Joghurt

Schnittkäse

Olivenöl

Eier

Vollmilch

Quark

Butter

–11,4 %

–6,8 %

–0,5 %

–1,4 %

–1,8 %

–2,0 %

–2,0 %

+5,8 %

Obst und Gemüse

Preisveränderung 2019 gegenüber 2018

Kartoffeln

Feldsalat, Lauch, Sellerie

Blumenkohl, Weißkohl

Bananen

Möhren

Erdbeeren

Äpfel

Gurken

Kaugummi

Speiseeis

Tomatenketchup

Zucker

Bohnenkaffee

–9,8 %

–12,0 %

Schwarzer/Grüner Tee

–2,9 %

–4,0 %

Pommes frites (tiefgekühlt)

Mineralwasser

+1,0 %

+9,6 %

+9,1%

Sonstige Lebensmittel und Getränke

Preisveränderung 2019 gegenüber 2018

–6,4 %

–1,8 %

–3,7 %

–5,3 %

+4,5 %

+3,1 %

+2,4 %

+17,4 %

+27,6 %

Wersich für das vergangene

Jahr vorgenommen

hatte, seinen Fettkonsum

zu reduzieren, der

musste sehr stark sein.

Denn bei Milch und

Sahne fielen die Preise.

Der vonButter verbilligte

sich 2019 sogar um

mehr als elf Prozent. Dagegenwurde

Margarine

teurer,die Fitnessstudiogebühr

übrigens auch.

An den Preisschildern

der Obst- und Gemüsestände

waren im vergangenen

Jahr die Auswirkungen

der anhaltenden

Trockenheit abzulesen.

Geringere Ernteerträge

machten vorallem die

Kartoffeln teurer.Außerdem

stieg die Nachfrage

bei den Verarbeitern.

Folge: Der Pommes-Preis

wuchs zweistellig.

Dass Kaffee hierzulande

dasbeliebteste Getränk

noch vorMineralwasser

und Bierist,mag Erstaunenauslösen,

ist aber so.

Und2019 hat sich daran

sicher nichts geändert.

Denn Kaffee wurde billiger,

während etwaMineralwasser,Tee

und Cola

teurer wurden. Einziger

Preiskonkurrent: Apfelsaft

–minuszwölf Prozent.

Ja, das Leben in Berlin ist wieder teurer geworden. Nicht

nur die Mieten gingen 2019 in dieser Stadt nach oben, sondernauch

die Preise für Nahrungsmittel und einiges mehr.

Das Statistische Landesamt hat für das vergangene Jahr

eine durchschnittliche Preissteigerung um 1,3 Prozent errechnet.

Daswar immerhin weniger als 2018, als die durchschnittliche

Teuerungsrate noch bei zwei Prozent lag. Zudem stiegen die

Preise im vorigen Jahr sogar noch etwas langsamer als im Bundesdurchschnitt.

Denn deutschlandweit gingen die Preise um

1,4 Prozent nach oben.

Dennoch bleibt es dabei: Vieles wurde teurer in Berlin. Was

aber auch stimmt: Die Löhne und Gehälter in dieser Stadt stiegen

im vergangenen Jahr noch schneller als die Preise. Zumindest

in den ersten neun Monaten –das sind die aktuellsten Daten

–verdienten die Berliner im Schnitt 3,2 Prozent mehr als im

Vorjahreszeitraum. DerReallohnzuwachs in Berlin lag somit bei

durchschnittlich 1,9 Prozent. Trotz höherer Preise hatten die

Berliner also mehr im Portemonnaie.

Aber wie bei den Einkommen so geht es auch bei der Teuerungs-

oder Inflationsrate um einen Durchschnittswert. Statistiker

ermitteln die Preissteigerung monatlich auf der Grundlage

eines sogenannten Warenkorbs. Rund 750 Produkte und

Dienstleistungen sind darin enthalten. Es ist quasi alles, was

zum täglichen Leben benötigt wird. DerInhalt dieses virtuellen

Einkaufwagens reicht von Nahrungsmitteln über Bekleidung,

den Ausgaben für die Wohnung, für Kultur und Freizeit bis hin

zu Versicherungspolicen. Es geht um Kekse und Kinotickets,

Kondome und Tischdecken, Särge und Autobatterien.

Es lohnt sich also ein genauerer Blick auf die einzelnen Warenkorbpreise,die

das Amt für Statistik Berlin-Brandenburgfür

Berlin ermittelte.Dennerstdann werden aus 1,3 Prozentmehr,

tatsächlich Preisentwicklungen, die im täglichen Leben in dieser

Stadt ganz unterschiedlich wahrgenommen wurden.

Fleisch- und Fischliebhaber etwa mussten 2019 ihr Haushaltsbudget

um 20 Prozent aufstocken. Kaffee- und Milchtrinker

konnten sparen, Fahrradfahrer auch. Für Autobesitzer wurde

indes vieles teurer.

Und die Daten der Statistiker zeigen auch, warum 2019 im

besten Fall der Geschirrspüler oder die Waschmaschine statt

des Kühlschranks kaputt ging. Warum esRaucher besonders

schwer hatten, mit dem Rauchen aufzuhören, wie die Afrikanische

Schweinepest im fernen Asien hierzulande die Bratwurst

verteuerte, und warum die Gleichstellung von Mann und Frau

in den allermeisten Berliner Friseursalons im Jahr 2019 noch

weiter in die Fernerückte.LauterPreisfragen sozusagen.




Dass die Gleichstellung

vonMann und Frau an der

Schwelle eines Friseurgeschäfts

endet, belegen die

Preislisten dort. Fast immer

sind diese nach Geschlechterngetrennt,

und

seitjeher zahlen Frauen

für einen Haarschnitt mehr

als Männer.Hat sich das

2019geändert? Nein. Die

Preisdifferenzwurde in

Berlin sogar noch größer.

Wenn im vergangenen

Jahr technisches Haushaltsgerät

überraschend

seinen Dienst quittierte,

dann war es bestenfalls

die Nähmaschine, der

Geschirrspüler oder der

Akkuschrauber.Denn

dortfielen die Preise.

Kühl- und Gefrierschränkewie

auch Backöfen

undHerde wurden

indes teurer.

Mit der Kultur war das in

Berlin auch 2019 wieder

so eine Sache: Ein riesigesAngebotkonkurrierte

mitbilligen Alternativen.

So waren Kino-, Theaterund

Museumsbesuche

teurer als im Jahrzuvor,

Bücher ebenso, solche für

Kinder sogar viel teurer.

Dagegen wurdenFernsehgeräte,

DVDs und

Spielekonsolen billiger.

Körperpflege

Preisveränderung 2019 gegenüber 2018

Shampoo

Friseur für Damen

Friseur für Herren

Toilettenpapier

Nagellack

Gebühr Solarium

Deospray

Elektrische Zahnbürste

Haushalts- und Gebrauchsgüter

Preisveränderung 2019 gegenüber 2018

Kühlschrank

+3,9 %

Waschmaschine

Geschirrspülmaschine

Geschirrspülmittel

Akkuschrauber

Eierkocher

Bügelbrett

Feinwaschmittel

–3,7 %

–4,4 %

–5,7 %

–6,5 %

–7,6 %

–0,1 %

–1,6 %

Freizeit

Preisveränderung 2019 gegenüber 2018

Musik-CD

E-Book-Download

Gebühr für Fitnessstudio

Kinobesuch

DVD/Blueray-Player

Puppe

Fernsehgerät

Film auf DVD/Blueray

–5,1 %

–1,0 %

–4,0 %

0

+0,3 %

+4,8 %

+3,7 %

+1,8 %

+0,2 %

–6,2 %

+3,7 %

+3,0 %

+1,7 %

–10,4 %

+20,6 %

+24,1 %

Tabakwaren und Alkohol

Preisveränderung 2019 gegenüber 2018

Tabak

+5,0 %

Zigaretten

+3,6 %

Bier

+3,3 %

Whisky

+3,3 %

Alkoholfreies Bier

+2,4 %

Rotwein

+1,5 %

Weißwein

–0,5 %

Sekt

–1,6 %

Das Rauchen bliebeine

zuverlässig effektiveArt

des Geldverbrennens. Im

März stiegder Preis für

eine 20er-Zigarettenpackung

um 30 Cent auf

6,70 Euro.Auch loserTabak

kostete mehr.Wer die

Entwöhnung wagte,

brauchteeine starkenWillen.

Denn Kaugummi und

Gummibärchen wurden

ebenfalls teurer.







€ € €

€ € €







Für Bekleidung mussten

die Berliner 2019 nicht

viel mehr ausgeben als

2018. Um ein halbes

Prozent stiegen die

Preise im Schnitt. Familien

konnten sogar sparen,

weil Kinderbekleidung

oft billiger wurde.

Und auf teure Socken

konnte man im immer

wärmeren Berlin auch

mal verzichten.

Bekleidung und Schuhe

Preisveränderung 2019 gegenüber 2018

Socken/Strümpfe für Kinder

Damenfreizeithose

Damenkleid

Herrenanzug

Kinderhose

Herrenfreizeithose

Fahrradhelm

Kinderschuhe

–1,8 %

–2,0 %

–4,5 %

–6,0 %

+5,0%

+2,5 %

+2,0 %

+8,4 %


Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020 7

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Wirtschaft

MÄRKTE

NACHRICHTEN

DAX-30 in Punkten

31.10.19

31.10.19

▼ 13130,56 (–1,61 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

31.10.19

Stand der Daten: 30.01.2020 (16:45 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

30.1.20

▼ 57,59 (–3,37 %)

30.1.20

▲ 1,1029 (+0,25 %)

Quelle

aus DAX und MDAX vom 30.01. zum Vortag

30.1.20

DeutscheBank NA 8,26 +3,59 WWWWWWWWWW

Software 29,73 +2,84 WWWWWWWW

Knorr-Bremse 99,48 +0,71 WWW

Gerresheimer 71,85 +0,49 WW

Osram Licht NA 45,48 +0,38 WW

Alstria Office 17,70 +0,34 WW

Verlierer

ausDAX und MDAXvom 30.01. zumVortag

Nemetschek 61,80 WWWWWWWWWWW –3,96

Carl Zeiss Meditec 113,50 WWWWWWWWWW –3,57

Evotec 24,64 WWWWWWWWW –3,11

Fresenius 46,98 WWWWWWWWW –3,08

Volkswagen Vz. 164,84 WWWWWWWWW –2,99

MorphoSys 113,70 WWWWWWWW –2,90

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 30.01. ±% z. 29.01.

Euro Stoxx 50(EU) –1,53

3814/3125 3679,35

CAC 40 (FR) – 1,72

6110/4946 5852,61

S&P UK (UK) – 1,67

1562/1413 1484,54

RTS (RU) – 1,63

1652/1152 1545,11

IBEX (ES) –1,06

9710/8409 9445,80

Dow Jones (US) –0,69

29374/24681 28536,24

Bovespa (BR) –2,06

119593/89409113911,30

Nikkei (JP) – 1,72

24116/20111 22977,75

Hang Seng (HK) –2,64

30280/24900 26441,72

Stx Singap. 20 (SG) –0,66

1674/1492 1611,57

Edel- und NE-Metalle

Barren &Münzen in € Ankauf Verkauf

(Endkundenpreise) 30.01. 30.01.

Gold (10 g) 451,0 485,5

Gold (1 oz) 1408,5 1484,0

Gold (100 g) 4515,0 4745,0

Gold (250 g) 11290,0 11830,0

Silber (1 kg) 511,0 678,1

Platin (100 g) 2766,0 3572,4

Austr.Nugget (1 oz) 1406,7 1495,0

Britannia (1 oz) 1406,0 1502,0

Krügerrand (1/4 oz) 351,5 401,9

Krügerrand (1/2 oz) 703,0 778,0

Krügerrand (1 oz) 1407,0 1516,0

Maple Leaf (1/4 oz) 351,5 398,7

Maple Leaf (1/2 oz) 703,0 780,0

Maple Leaf (1 oz) 1406,5 1503,0

Philharmoniker (1 oz) 1406,5 1507,0

Quelle Edelmetalle: Degussa Goldhandel GmbH.

Die An- und Verkaufspreise gelten für sehr gut erhaltene Stücke.

NE-Metalle in €/100 kg 31.12. 31.12.

Blei in Kabeln 199,50 199,50

Kupfer (DEL-Notiz) 518,62 526,85

Messing MS 63/37 516,00 523,00

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Edel- &NE-Metalle (Freitag),

Baudarlehen (Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Die Reisebranchetrifftdas Coronavirus zuerst: Mitarbeiterdesinfizieren ein Flugzeug vonThai Airways.

Von Friederike Marx und Bernd Zeberl

Rund um den Globus

Wirtschaftliche Einbußen wegen des Corona-Erregers können alle Branchen betreffen

Von Frank-Thomas Wenzel

Corona, niemand kommt“,

sagt die Verkäuferin. Normalerweise

herrscht in

dem Geschäft in der Frankfurter

Innenstadt dichtes Gedränge.

Dort kaufen ausschließlich chinesische

Touristen: Töpfe, Messer und

andere Haushaltsgeräte – es muss

„made in Germany“ sein.

FrankfurtisteinewichtigeStation,

denn am Flughafen starten und landen

die Maschinen mit den Urlaubern

aus der Volksrepublik. In der

Nähe der Paulskirche ist eine Einkaufsstraße

entstanden, die ihnen

vorbehalten ist. Eine Reisegruppe

nach der anderen kommt an normalen

Tagen. Jetzt hat das Personal

kaum noch was zutun.DieLufthansa

hat ihre Verbindungen nach China

eingestellt.

Die Regierung in Peking hat zur

Absage aller privaten Reisen ins Ausland

aufgerufen, um die Ausbreitung

des Coronavirus einzudämmen.

Doch die Zahl der gemeldeten Erkrankungen

steigt stündlich. Die

Ausbreitung hat Folgen für die Wirtschaft.

Im Kleinen für Frankfurter

Haushaltswarengeschäfte und im

Großen: Für den Chef der US-Notenbank

Fed, Jerome Powell, ist klar,dass

die Epidemie Chinas Ökonomie belasten

werdeund dass es auch andere

Länder treffen könne. „Wir werden

die Entwicklung aufmerksam verfolgen“,

sagte Powell. Ähnlich vorsichtig

geben sich viele andereExperten. Die

SCHUTZVORKEHRUNGEN BREMSEN DIE WIRTSCHAFT

Vorhersage: Der Verlauf von

Epidemien ist nicht vorhersehbar.Die

Erfahrung zeigt

allerdings, dass es keine linearen

Entwicklungen bei

der Zahl der Infizierten gibt.

Bei der Sars-Krise im Jahr

2003 in China ging die Zahl

der Erkrankten zweimal zurück,

um dann wieder zu

steigen. Erst nach der dritten

Spitze ging es dauerhaft zurück.

Tiefe Löcher in der Bilanz

Trotz einesMilliardenverlusts gibt sich Deutsche-Bank-Chef Sewing optimistisch

gen betroffen sein. Im vergangenen

Jahr hatte der mit einem massiven

Stellenabbau verbundene KonzernumbautiefeLöcherindieBilanzgerissen.

Es war das fünfte Verlustjahr in

Folge.Unter dem Strich stand ein Minusvonrund5,7MilliardenEuronach

einem Verlust von 52Millionen ein

Jahr zuvor.Rechnet manZinszahlungen

für sogenannte Nachranganleihen

heraus,fiel ein Minus von5,3 Milliarden

an.

Die Kosten für die Neuausrichtung

–inklusiveAbfindungen –machten

sich ebenso bemerkbar wie die

Einstellung des Aktienhandels und

der Verkauf von Sparten. Zudem

macht das Zinstief der gesamten

Branche im ohnehin hart umkämpften

deutschen Marktzuschaffen. Die

Zahl der Vollzeitstellen im Konzern

Datenbasis: Große Unsicherheiten

bestehen auch

bei der Erfassung der Daten.

So kann allein die gesteigerte

Aufmerksamkeit beim Coronavirus

dazu führen, dass

mehr Fälle registriertwerden.

Aber die jetzt verhängten

Quarantänen können

auch dafür sorgen, dass Ansteckungen

nicht bekannt

werden. Korrekte Fallzahlen

wären aber enormwichtig.

Eingreifen: Ein weiterer Unsicherheitsfaktor

ist, wie die

Maßnahmen des Staats wirken.

Gehen die Behörden

zielgenau voroder wird womöglich

kontraproduktiv gehandelt?

Dies spielt beim

Abschätzen der ökonomischen

Folgen eine große Rolle.

Nicht die Erkrankungen

selbst, sondernSchutzvorkehrungen

bremsen die wirtschaftlichen

Aktivitäten.

Datenlage sei noch unzureichend,

„um belastbare Prognosen abzugeben“,

betonen etwa die Experten der

Deutsche-Bank-Fondstochter DWS.

Am Donnerstag war aber klar, dass

Börsianer immer nervöser werden.

Rund um den Globus gingen die Kurse

nach unten. DieRohölpreise sackten

auf das niedrigste Niveau seit

mehr als drei Monaten.

Unter Anlegern kursiert als Horrorszenario,

dass die Zahl der Infizierten

über einen längeren Zeitraum

weiter steigt, dass Restriktionen

vonRegierungen und Unternehmen

mit Reisebeschränkungen und

Quarantänen immer strenger werden

und dass damit die wirtschaftliche

Tätigkeit heftig gebremst wird.

Ansteckungseffekte in anderen Ländern

sind dabei kaum vermeidbar.

Schon jetzt steht fest: Die Lufthansa

wird weniger fliegen. Reisekonzerne

wie Tuimüssen weniger Buchungen

für Reisen ins Reich der Mitte verkraften.

Bleiben die Menschen zu Hause,

muss der Handel mit schrumpfenden

Einnahmen rechnen.

DasCoronavirus ist ausgerechnet

in einer hoch industrialisierten Region

ausgebrochen, wo sich Zulieferbetriebe

insbesonderefür vieleinternational

agierende Technikkonzerne

angesiedelt haben. Steht dort die

Produktion länger still, kann es Lieferengpässe

für viele Güter geben, in

sank auf 87597, ein Rückgang um

mehr als 4100 im Laufe des vergangenen

Jahres. Details zum deutschen

Markt und der regionalen Verteilung

nannte die Bank weiterhin nicht. Bis

Ende 2022 soll die Zahl der Vollzeitstellen

um rund 18000 auf weltweit

74000 verringertwerden.

Trotz des Milliardenverlusts bekommtderBankvorstandfür2019Boni

in Millionenhöhe. Allerdings fällt

der Topf mit voraussichtlich 13 Millionen

Euro etwa halb so groß auswie im

Jahr zuvor. Die Topmanager verzichten

auf die sogenannte individuelle

erfolgsabhängige Vergütung. „Wir

hielten es für richtig, unseren Beitrag

zu leisten“, sagte Sewing.

In einem Brief an die Mitarbeiter

schrieb der Bankchef, der Umbau verlaufeinmanchenBereichenbesserals

FOTO: SAMUT PRAKAN/IMAGO

denen Elektronik steckt –vom Handy

bis zum Pkw. Die Einbußen können

sich durch fast alle Branchen fressen,

weil die Nachfrage vonVerbrauchern

und Unternehmen zurückgeht. Das

kann bis hin zu deutschen Maschinenbauerndurchschlagen,

die weniger

Aufträge bekommen, weil deren

Kunden von Bestellungen wegen

Geldmangels absehen.

Wie schlimm es wird, ist unklar.

Um Plausibles sagen zu können, wird

vonVolkswirten deshalb gerndie Parallele

zur Sars-Krise 2002/2003 bemüht.DieWirtschaftsleistungging

in

einem Quartal stark zurück. Viele

asiatische Aktienindizes verloren

mehr als 15 Prozent. DieWende kam

erst, als die Infektionszahlen sanken.

DWS-Experten haben nun durchgespielt,

dass sich die Ansteckungsrate

in zwei bis drei Wochen abschwächt.

Dann könnte das Coronavirus

in Kombination mit zwei zusätzlichen

Feiertagen die chinesische

Wirtschaftsleistung in diesem

Jahr um 1,15 Prozent drücken. Mögliche

Aufholeffekte und staatliche

Hilfsprogramme sind dabei allerdings

nicht berücksichtigt.

In eine ähnliche Richtung gehen

Prognosen der Analysten von Banken

wie BNP Paribas, JP Morgan

Chase oder Mizuho Securities. Über

den Daumen: Für das erste Quartal

wirddie Vorhersage für Chinas Wirtschaftswachstum

deutlich auf Werte

bis nahe 5Prozent gesenkt. Bisher

wurde generell von 6Prozent ausgegangen.

Die Deutsche Bank richtet nach

dem Milliardenverlust 2019 den

BlickimJubiläumsjahrnachvorn.Das

Institut habe den radikalsten Umbau

seit zwei Jahrzehnten gut vorangebracht,

sagte Vorstandschef Christian

Sewing am Donnerstag in Frankfurt

bei der Vorstellung der Jahresbilanz

2019. „Und wir spüren Rückenwind.

Auch im Jahr 2020.“

DieBank, die in diesem Jahr auf ihr

150-jähriges Bestehen blickt, wolle

ihreMarktposition wieder ausbauen.

„Wir greifen an –und das nachhaltig“,

sagte Sewing. Das größte deutsche

Kreditinstitut strebt in diesem Jahr

einen Gewinn an, zumindest vor

Steuern. Allerdings werde auch das

Jahr 2020 von den Umstrukturierungeplant.

Trotz der hohen Umbaukosten

sei es der Bank gelungen, die Kapitalposition

zu festigen. Dies sei darauf

zurückzuführen, dass der Abbau von

Altlasten undRisikenschneller vorangehe

als gedacht. Aufgrund des starken

Kapitalpolsters „sind wir sehr zuversichtlich,

den Umbau mit unseren

Mitteln stemmen und nun wieder

wachsen zu können“. An der Börse

kam der Optimismus gut an. DieAktie

setzte ihrejüngste Erholung fort.

DieErträge gingen 2019 um 8Prozent

auf 23,2 Milliarden Euro zurück,

während die Kosten vorallem wegen

der Milliardenaufwendungen im Zusammenhang

mit dem Konzernumbau

um 7Prozent auf etwas mehr als

25 Milliarden kletterten. Bis2022 sollen

die Kosten auf 17 Milliarden Euro

sinken. (dpa)

Drogeriemärkte

schlagen Amazon

DerUS-OnlinekonzernAmazon

muss sich in Deutschland bei der

Kundenbeliebtheit zwei klassischen

Händlerngeschlagen geben. Im am

Donnerstag vonder Unternehmensberatung

OC&C veröffentlichten

Einzelhandelsindex 2019 belegte die

Drogeriemarktkette dm den ersten

Platz in der Beliebtheitsrangliste vor

dem Rivalen Rossmann. Amazon

kam auf Platz drei. DasLadengeschäft

werdefür das Einkaufserlebnis

wieder wichtiger,hieß es dazu

bei OC&C. (dpa)

Brauer verkaufen

weniger Bier

DieBrauer in Deutschland haben

2019 deutlich weniger Bier verkauft.

DerAbsatz der Brauereien und Bierlager

fiel gemessen am Vorjahr um

1,9 Prozent auf 9,2 Milliarden Liter.

Mitmehrals 80 Prozent ging der Löwenanteil

in den heimischen Markt,

wie das Statistische Bundesamt mitteilte.Auch

Biermischungen verkauften

sich schlechter.Der Absatz

vonBier mitLimonade,Cola,

Fruchtsäften und anderen alkoholfreien

Zusätzen sank um ein Prozent

auf 439,5 Millionen Liter. (dpa)

Tesla schreibt zweiten

Quartalsgewinn in Folge

UntermStrich bleibenTeslas Zahlen so

rot wieviele derAutos. FOTO: CHRISTOPHE ENA/AP

Tesla hat sich dank hoher Nachfrage

in Europa und China zum Jahresende

gut geschlagen. Im vierten Quartal

übertraf der US-Elektroautobauer

die Markterwartungen mit

einem Gewinn von105 Millionen

Dollar (95 Millionen Euro). DerUmsatz

fiel mit 7,4 Milliarden Dollar

deutlich höher aus als angenommen.

Unter dem Strich fiel 2019 aber

ein Verlust von862 Millionen Dollar

an –immerhin weniger als die

976 Millionen Dollar Miesen im Vorjahr.

(dpa)

Produktion der britischen

Autoindustrie schrumpft

Vordem britischen EU-Austritt am

Freitag melden die Autobauer auf

der Insel einen weiteren Einbruch

bei Produktion und Investitionen.

Im vergangenen Jahr sei die Gesamtfertigung

um 14,2 Prozent auf

1,3 Millionen Fahrzeuge zurückgegangen.

Dasist der geringste Wert

seit 2010, teilte der Branchenverband

der britischen Automobilindustrie

mit. DieProduktionfür Exportmärkte

brach um 14,7 Prozent

auf 1,6 Millionen Fahrzeuge ein –die

meisten Autos gingen an die EU.

Mike Hawes, Chef des Branchenverbands,zeigtesich

beunruhigt über

den Rückgang im dritten Jahr in Folge.

(dpa)

Abnahmemenge

in Liter

HEIZÖLPREISE

Durchschnittspreis

je 100 LiterinEuro

(in Klammern Vorwoche)

1000 67,63 (70,21)

3000 62,98 (65,65)

5000 61,32 (63,98)

10 000 59,89 (62,50)

15 000 59,45 (61,97)

incl. MWSt., frei Haus an Abladestelle,

Quelle: www.dieter-maeder.de

Preisermittlung 30.1.2020


8 Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020

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Meinung

Brexit

ZITAT

Warme Worte zum

Abschied

Matthias Koch

rechnet damit, dass es für die Briten

schnell kälter werden wird.

Sie werden immer Teil unserer Familie

bleiben.“ Als EU-Kommissionspräsidentin

Ursula von der Leyen Sätze wie

diesen über die scheidenden Briten sagte,

hörte sie sich fast an wie Königin Elizabeth

II., besonnen und milde. Genauso

hatte, bis in die Wortwahl hinein, jüngst

die Queen geklungen, als sie über Harry

und Meghan sprach. Ein kleiner Gag der

Brüsseler Redenschreiber?

Es wird nicht viel bleiben von diesen

warmen Worten, wenn Brüssel und London

das künftige Miteinander vonEUund

Vereinigtem Königreich aushandeln. Der

in diesen Gesprächen federführende EU-

Diplomat, der Franzose Michel Barnier,

hat sein Jahr streng durchgetaktet: Verhandlungsrunde,

Rückkopplung mit Regierungen,

Kommission und Parlament,

dann Vorbereitung der nächsten Verhandlungsrunde.Zieht

London nicht mit,

gibt es bis Ende 2020 keinen Vertrag.

Erste Hinweise auf eine in dieser Phase

bevorstehende neue Kühle hat Ursula von

der Leyen bereits selbst gegeben, vorerst

in zwei höfliche Anmerkungen verpackt.

Erstens: „Wir werden unsere Unternehmen

nicht einem unfairen Wettbewerb

aussetzen.“ Zweitens: „Je mehr Großbritannien

unsere Standards aufrechterhält,

umso besser wird sein Zugang zum EU-

Binnenmarkt sein.“ Frei übersetzt heißt

das: Diebritischen Konservativen können

ihreVision vom Singapur in der Nordsee

vergessen.

Premierminister Boris Johnson und

seine Freunde träumen seit Langem von

einer cleveren Kombination von Hochtechnologie

und Niedrigsteuern auf den

Britischen Inseln, bei Abwesenheit lästiger

EU-Normen zum Schutz vom Arbeitnehmernund

Umwelt. Derso„entfesselte

Kapitalismus“ soll weltweit neues Kapital

anziehen und Großbritannien in eine

strahlende neue Zukunft führen.

Wemaber wollen die BritenWarenund

Dienstleistungen verkaufen, wenn sie

zum EU-Binnenmarkt vor ihrer Haustür

keinen zollfreien Zugang finden? Boris

Johnson hat sich auf ein Kräftemessen

eingelassen, das er nicht gewinnen kann.

Und das liegt nicht an der deutschen

Kommissionspräsidentin oder an ihrem

Früher oder später

werden Land und

Leute entdecken, dass

der Brexit keine

Einigkeit schafft und

auch kein einziges

Problem löst.

französischen Chefunterhändler. Esliegt

an Adam Riese. Imökonomischen Bankdrücken

werden sich am Ende immer 450

Millionen EU-Europäer gegen 67 Millionen

Briten durchsetzen. Auch im Verhältnis

zu den USA und China ist es für einen

einzelnen Staat schwierig, günstige Handelsbedingungen

herauszuholen.

Das größte Problem aber wartet auf

den britischen Premier im eigenen Land.

Die Brexit-Anhänger haben völlig konträre

Ziele. Die einen, Konservative und

Neoliberale, wollen mit dem Brexit die

Brüsseler Bürokratie abschütteln, um

dann einen mutigen, eigenen Wegauf die

Weltmärkte zu wagen. Die anderen, darunter

frühereLabour-Wähler,empfanden

schon den EU-Binnenmarkt als Bedrohung;

sie sehen sich als Modernisierungsverlierer

und wollen jetzt weniger Markt,

mehr nationale Abschottung –und mehr

Geld für Soziales.

Früher oder später werden Land und

Leute entdecken, dass der Brexit keine Einigkeit

schafft und auch kein einziges

Problem löst. DerBrexit wirdsich entpuppen

als etwas hoffnungslos Überschätztes,

als Projektionsfläche für gegensätzliche

Erwartungen, geschickt genutzt von

unredlichen politischen Akteuren mit

dem einzigen Ziel, ihre Macht im Nationalstaat

zu mehren.

Farewell!

Das Pflegewohnheim, in dem ich

meine Mutter besuche, hat im

Eingangsbereich einen Flüssigkeitsspender

mit einem Desinfektionsmittel

aufgestellt. Viele Besucher betätigen

sich gewissenhaft daran und reiben

sich gründlich die Hände. Andere gehen

achtlos vorbei, ich verhalte mich ambivalent.

Nicht selten bemerke ich mein Versäumnis

erst, wenn mir der Rückweg bereits zu weit

erscheint. Auch wenn die Prozedur etwas

lästig ist, hege ich an deren grundsätzlicher

Notwendigkeit keinen Zweifel. Wenn ich es

wieder einmal unterlassen habe, beruhige

ich mich damit, dass es schon nicht zum

Schlimmsten kommen wird.

Stärker als die Angst, sich einen Viruseinzufangen,

sollte allerdings die Sorgesein, einen

in die Einrichtung hineinzutragen. Türgriffe,

Haltestangen im Bus – Sie wissen

schon. Alte Menschen sind besonders gefährdet.

Für die Bewohner vonPflegeheimen

ist die Virusfamilie der Coronaviridae denn

auch nur eine unter vielen. Tödliche Gefahr

droht hier auch von namenlosen oder gut

bekannten infektiösen Strukturen, und die

Erkenntnis, dass noch immer mehr Menschen

an den Folgen einer herkömmlichen

Grippe sterben als am Coronavirus, gab es

zuletzt häufig frei Haus.

Zuröffentlichen Wahrnehmung epidemischer

Gefahren gesellt sich stets auch die

Hoffnung, dass Wissen hilft. Undtatsächlich

ließe sich angesichts der Coronavirus-Krise

die Beobachtung machen, dass wissenschaftliche

Forschungsergebnisse über

hochansteckende Infektionskrankheiten

vergleichsweise tief in das Alltagswissen eingedrungen

sind –ohne allerdings die Unlust

zu verringern, sich an die Schutzvorkehrungen

zu halten.

Wenn das Vereinigte Königreich heute

um Mitternacht die Europäische

Union verlässt, wird das Konsequenzen für

viele Lebens- und Arbeitsbereiche haben.

Betroffen ist neben der Wirtschaft vor allem

die Wissenschaft, und zwar auf unterschiedlichsten

Ebenen.

Zahlreiche kontinentaleuropäische Forscher

sind an den Universitäten und Instituten

des Königreichs in führenden Positionen

beschäftigt. Siesorgen sich um ihreZukunft,

weil ihr Status künftig vonarbeitsrechtlichen

Sonderregelungen abhängt. Ob diese Unsicherheit

zu einer verstärkten Rückkehrwelle

führt, von der auch Deutschland profitieren

könnte, ist noch offen. Boris Johnson hat in

einer seiner seltenen Aussagen zu Wissenschaftsthemen

angedeutet, dass man Spitzenkräfte

in allen Arbeitsbereichen auf jeden

Fall halten wolle. Konkreteres war dazu aber

noch nicht zu hören.

Auf dem Feld der großen europäischen

Forschungsvorhaben ist das Vereinigte Königreich

der wichtigste Projektpartner für

Deutschland. Mitdem EU-Austritt verliertes

nun gewaltige Fördersummen. Knapp 5,4

Milliarden Euro haben die Briten im achten

Forschungsrahmenprogramm eingeworben

–deutlich mehr, als sie zuvor einzahlten. Es

gibt mehrere Szenarien dazu, was jetzt geschehen

könnte. Eine Option wäre, dass das

Königreich wie die Schweiz oder Norwegen

als assoziiertes Mitglied weiterhin finanzielle

Beiträge zur Forschungsförderung leistet

und damit seine Antragsberechtigung auf-

Coronavirus

Erreger

greifen an

Harry Nutt

ist im Umgang mit dem Virusumdie Balance zwischen

Trägheit und Panik bemüht.

Neben der menschlichen Trägheit, die ein

Handeln wider besseres Wissen befördert,

existiert jedoch auch die Neigung zur Übertreibung.

Dieamerikanische MedizinhistorikernElaine

Showalter hat bereits vor20Jahrenauf

den emotionalen, oft fatalen Zusammenhang

von Epidemien und Medien aufmerksam

gemacht, in dem

wissenschaftliche Erkenntnis kein verlässlicher

Garant für aufgeklärtes Verhalten ist,

sondern nicht selten auch zur Verklärung

beiträgt.

Das gilt erst recht für eine beschleunigte

Mediengesellschaft, in der das Coronavirus

als das große Unbekannte die Phänomene

einer gesteigerten Angstlust befördert hat,

deren wiederkehrendes Sinnbild derzeit als

KOLUMNE

Die Wissenschaft

nach

dem Brexit

Peter-André Alt

Präsident der Hochschulrektorenkonferenz

rechterhält. Doch mehren sich in England

die Stimmen, die eine solche Lösung kritisieren.

Manwäreals assoziiertes Mitglied nämlich

zahlungspflichtig, aber nicht mitbestimmungsberechtigt,

wenn es um die inhaltliche

Ausgestaltung der großen Förderprogramme

geht. Es ist möglich, dass die

Regierung Johnson eine konsequente Trennung

auch in diesem Bereich forciert und

das eigene Wissenschaftssystem durch eine

BERLINER ZEITUNG/THOMAS PLASSMANN

schaurig-schöne Abbildung eines Virusmodells

kursiert, das wie ein aggressiver Killerplanet

unkontrolliert auf unser Bewusstsein

zurast. Und doch löst gerade dieses Bild ein

Déjà-vu-Erlebnis aus, denn noch immer ist

der in unseren Breiten am häufigsten aufgesuchte

öffentliche Schutzraum das Kino, in

dem wir gelernt haben, uns mit unseren

Ängsten zu konfrontieren.

Zum alltäglichen Umgang mit der Epidemie

gehört natürlich auch die Warnung vor

panischen Reaktionen. Dasgesellschaftliche

Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit wird

dabei vor allem durch jene bekräftigt, die

schon aus beruflichen Gründen gezwungen

sind, demonstrativ Selbstgewissheit zu signalisieren.

Keine politische Botschaft ohne

die Vermittlung des Gefühls,alles unter Kontrolle

zu haben. Bedrohlich erscheinen dabei

jedoch gerade die verschiedenen staatlichen

Varianten, diese Kontrolle auch auszuüben.

Während Bundesgesundheitsminister Jens

Spahn stereotyp beteuert, unser System sei

gut aufgestellt, scheint man dem Virus in

China mit einer autoritaristischen Demonstration

der Stärke beizukommen zu wollen.

DasVirus bedrängt nicht nur die Gesundheit

der Einzelnen, sondern in beträchtlichem

Ausmaß auch Freiheit und Demokratie.

Aus der Sicht von Medizinhistorikern ist

allerdings auch das kein Grund für Fatalismus.

Vielmehr verweisen sie darauf, dass

viele gesundheitspolitische Fortschritte wie

die Einrichtung von Patientenregistern und

die Vergleichbarkeit von Krankheitsverläufen

insbesondere in Reaktion auf

schlimme Epidemien erzielt worden sind.

Zwischen Panik und Selbstberuhigung bietet

die Bereitschaft zu lernen noch immer die

größte Überlebenschance –für jeden Einzelnen

und für die Gattung.

Erhöhung der nationalen Forschungsförderung

zu befrieden sucht. Noch sind die Universitäten

des Königreichs sehr an einer assoziierten

Mitgliedschaft interessiert, wie

man gesprächsweise erfährt. Aber wenn ein

nationales Förderprogramm mit mehr als einer

Milliarde Pfund pro Jahr käme, würde

sich das womöglich ändern. Für Kontinentaleuropa

wäredas angesichts der britischen

Forschungsstärke keine gute Perspektive.

Betroffen vom Brexit ist auch der Studierendenaustausch.

2017 waren 15 745 deutsche

Studierende an Universitäten des Vereinten

Königreichs eingeschrieben. Die

meisten von ihnen wurden finanziell durch

das Erasmus-Programm und zusätzlich

durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst

unterstützt. Das ist dringend

nötig, denn die Studiengebühren sind hoch,

nicht nur an den englischen Spitzenuniversitäten.

Zwischen 6000 und 9250 Pfund pro

Jahr betragen sie, und nach dem Brexit werden

die Kosten steigen. Dann nämlich müssen

Kontinentaleuropäer die Gebühren zahlen,

die für Nicht-EU-Ausländer erhoben

werden. DerSatz kann sich in diesem Fall bis

auf 30 000 Pfund im Jahr steigern. Kommen

die Europäer nicht mehr, werden Studierende

aus Asien die Lücke schließen. Für Europa

wäre das eine schlechte Aussicht, aber

sie ist recht realistisch. Der Brexit entfaltet

nicht nur hier seine negativeWirkung, und es

bedarf großer Zähigkeit und Kreativität, um

drohende Nachteile für das Wissenschaftssystem

abzuwenden.

„Es kann dir keiner mehr

nehmen, dass du Super-

Bowl-Champion bist. Aber

du gehst mit dem Riesenklunker

nicht zum Bäcker

und sagst: Hey, ich bin

Super-Bowl-Champion.“

Sebastian Vollmer, zweimaliger Super-Bowl-Champion,

über das Leben nach dem Football-Triumph

AUSLESE

Der Wechsel von

Franziska Giffey

Franziska Giffey will die Berliner SPD

führen und Regierende Bürgermeisterin

werden. Am drastischsten kommentierte

die tageszeitung den Führungswechsel.

Siedruckte ein Bild vonGiffey im

Dress der Berliner Straßenreinigung, das

bei einem Besuch dort entstanden war.

Die Zeile darüber:„Der graut vor nix.“ Im

Kommentar heißt es, dass der Job ander

Spitze Berlins eine wunderbare Aufgabe

sei: „Soschön, so groß, wie es der Bürgermeisterposten

von, sagen wir, New York

City ist: sozial-, kultur-und identitätspolitisch

hochspannend.“ DasAmt sei bisher

aber eher reizarmausgeübtworden.

Die Frankfurter Rundschau begrüßt

den Wechsel ebenfalls.„Populär, jung, talentiert:

Giffeys bisher erkennbares Profil

bietet gute Voraussetzungen dafür, dass

aus einer regionalen Personalentscheidung

ein Signal für die Bundes-SPD wird“,

heißt es dort. „Aber es wäre nichts wert,

wenn die Hoffnungsträgerin die Personalie

nicht mit einer klaren inhaltlichen Ausrichtung

verbindet.“

Die Berliner Morgenpost lobt, dass der

Wechsel ohne Grabenkämpfe entschieden

wurde. „Die Entscheidung der Berliner

SPD ist auch deshalb bemerkenswert,

weil sich die Partei nicht auf den- oder

diejenige verständigt hat, die am besten

in der Partei verankertist unddie meisten

Delegiertenstimmen mitbringt, sondern

auf diejenige,mit der die Partei die besten

Chancen hat, die Abgeordnetenhauswahl

zu gewinnen.“ Christine Dankbar

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020 – S eite 9 *

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Berlin

Konfetti im Parlament:

Liebig-34-Bewohner

stören Sitzung

Seite 11

Coronavirus-Alarm: Potsdam gibt Entwarnunginzwei Fällen Seite 14

Taxi-Konkurrenz: Neuer Fahrdienst meldet rasante Zuwachsraten Seite 11

Stadtbild

Grüße in

Zartbitter

Christian Schwager

lernt ein bisschen Igbo

auf dem Wegzur Arbeit.

Ich fahrenun wieder öfter U-Bahn.

Nicht, weil es da gemütlicher zugehen

würde als auf dem Fahrradweg.

Auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln

gilt: Unterm Strich

zähl’ ich. Es gilt: Survival of the Fittest,

Fattest, Frechest, Flachest. Aber

ich kann wenigstens etwas lernen.

Mehr jedenfalls als Kraftausdrücke

im ortsüblichen Regiolekt: Icksagdamawattdupissnelke!

Am Donnerstag auf der Linie 8zum

Beispiel. Neben mir telefoniert eine

Frau mit dem Organ von Ella Fitzgerald,

und obwohl sie nicht auf Deutsch

in ihr Handy ruft, das sie wie eine Tafel

Zartbitterschokolade vor den Mund

hält, lässt sie bei den übrigen Insassen

des Waggons keinerlei Zweifel aufkommen,

dass sich das Gegenüber

warmanziehen muss.

Möglicherweise handelt es sich

um eine Krise in der Beziehung, ruft

sie in die Zartbittertafel: „Lass mir

die Schlampe unter die Augen kommen,

der kratze ich die Augen aus!“

Gibt es ein Problem am Arbeitsplatz,

zu dem Sie gerade fährt? „So, Herr

Krause,Sie Dummschwätzer! Ichbin

gleich da, und dann geige ich Ihnen

mal die Meinung, dass Sie soklein

sind mit Hut!“ Aber würde Herr

Krause sie verstehen? Vielleicht klagt

sie einer Freundin ihr Leid, und die

Verbindung ist schlecht hier unten

zwischen Heinrich-Heine-Straße

und Moritzplatz. Möglich wär’s.

Allerdings kommen die Erwiderungen

klar und deutlich aus der

Plasteschokolade. Knapp sind sie,

und könnten soviel heißen wie:

„Dieser Schuft.“ Oder:„Cool, dass du

dich das traust.“ ZumAbschied wird

es ausführlicher, möglicherweise:

„Nadann, wir sehen uns,mach’s gut,

und lass den Kopf nicht hängen, das

ist der Kerl nicht wert.“

Ella Fitzgerald steckt das Handy

in eine Handtasche, die auf ihrem

Schoß ruht wie ein weißes Kaninchen.

Sie dreht ihren Kopf zu ihren

Sitznachbarn, nach links, nach

rechts, zumir. Ich lächle, sie lächelt

zurück. Ichhabe das Gefühl, dass sie

jetzt einen Kommentar von mir erwartet.

Ich sage: „Interessante Sprache.“

Sie sagt: „Igbo.“ Ich frage:

„Wie?“ Sie wiederholt: „Ig-bo! Das

spricht man in Nigeria.“ Dann steht

sie auf, als wäre diese Erklärung der

Sinn ihrer Fahrtmit der U8gewesen.

Kurz darauf komme ich auf die

Arbeit. „Hallo.“ „Moin.“ „Tach.“ Ein

Kollege telefoniert. Er trägt ein Headset

und sagt gerade etwas ins Mikro,

das kling wie: „Feinchen. Tschüh.“

Diese Sprache beherrsche ich. Ein

bisschen jedenfalls.

Reisen bildet. Auch wenn es nur ein paar

U-Bahn-Stationen weit geht. IMAGO IMAGES

Ein bisschen müde

Anwälte fordern Aufklärung

Nach der Cyberattacke auf das Kammergericht wollen sie wissen, welche Daten abgeflossen sein könnten

VonJörg Hunke

Anwälte sind nach der

Cyberattacke auf das Kammergericht

besorgt. Ulrich

Schellenberg, Mitglied im

Präsidium des Deutschen Anwaltvereins

und Fachanwalt für Handelsund

Gesellschaftsrecht in Berlin,

sagte der Berliner Zeitung: „Wir

wünschen Aufklärung und Information,

ob und inwieweit Interessen

der Mandanten beeinträchtigt worden

sind.“ Marcus Mollnau, der Präsident

der Rechtsanwaltskammer

Berlin, erklärte: „Besonders unerfreulich

ist die Erkenntnis, wie

schwach der Schutz der Daten des

Kammergerichts war und dass die

dortige IT-Infrastruktur offenbar auf

einem völlig veralteten, nicht mehr

sicheren Stand gewesen ist.“

Das IT-Dienstleistungszentrum

Berlin (ITDZ) hatte Ende September

einen Angriff auf das Computersystem

bemerkt. Also wurden die Rechner

vom Internet getrennt und das

Gericht vom Netz genommen. Aber

welche Informationen waren auf

den Rechnern gespeichert? „Meistens

werden Schriftsätze noch auf

Papier formuliert, aber nicht immer.

Was ist mit postalischen Anschriften?“,

fragte Schellenbergund fasste

zusammen: „Wir wissen zu wenig.“

DenAntrag der CDU-Fraktion, einen

unabhängigen Sonderbeauftragten

einzusetzen, verwies das Abgeordnetenhaus

am Donnerstag in

den Rechts- und in den Digitalausschuss.Das

bedeutet, dass das Parlament

sich weiter mit der Cyber-

Panne beschäftigt. Dortist die Affäre

ohnehin längst angelangt.

Am Mittwoch hatte Gerichtspräsident

Bernd Pickel im Rechtsausschuss

berichtet, dass es keine Erkenntnisse

darüber gäbe,dass Dokumente,

Urteile oder Beschlüsse bei

dem Angriff mit der Schadsoftware

Emotet gestohlen wurden. Dies

scheint aber auch nicht ausgeschlossen

zu sein, denn in dem forensischen

Bericht der Ermittler von T-

Systems heißt es: „Wir weisen jedoch

ausdrücklich darauf hin, dass ein Angreifer

höchstwahrscheinlich in der

Lage gewesen ist, einen verborgenen

Account anzulegen und den gesamten

Datenbestand zu exfiltrieren und

zu manipulieren während gleichzeitig

die Spuren verschleiertwerden.“

Nach Worten von Anwaltsfunktionär

Mollnau sei die Anwaltschaft

besonders wegen solcher Informationen

beunruhigt. Er erwarte eine

„zeitnahe und sehr gründliche Prüfung

sowie Offenlegung der Ergebnisse,

obund welche Daten von Beteiligten,

Zeugen, Sachverständigen

oder Rechtsanwälten abgeflossen

sein könnten.“

Im Ausschuss wurde auch über

den „externen Sachverständigen“

debattiert, den Justizsenator Dirk

Behrendt (Grüne) dem Gericht an

die Seite stellen will.Wienötig solche

Hilfe sei, beweise allein die Tatsache,

dass die Arbeitsfähigkeit des Gerichts

noch längst nicht wieder hergestellt

sei, sagte Behrendt. Das Gericht

arbeite weiter provisorisch. Von

550 stillgelegten Computern seien

„Wir sind besorgt. Wir wünschen

Informationen, ob und inwieweit

Interessen unserer Mandanten

beeinträchtigt worden sind.“

Ulrich Schellenberg, Mitglied im Präsidium des Deutschen Anwaltverein

VOLKMAR OTTO

So sieht er jedenfalls aus,der Pandabär auf unserem Bild. Dabei war vor

dem Gehege der Zwillinge Meng Xiang und MengYuan im ZooamDonnerstagmorgen

gar nicht so viel Trubel, wie an ihrem ersten Tagmit

Publikumsbesuch erwartet worden war. Der große Ansturm ist ausgeblieben.

Trotz Regenwetters sind zwar einige Besucher zu den Pandas

im Berliner Zoogekommen, lange Schlangen am Eingang oder am Gehege

gab es aber keine.Tierfans hatten also viel Zeit, die Bären zu fotografieren

oder zu filmen. DieZwillinge Meng Xiang und Meng Yuan bewohnen

bisher eine Innenanlage hinter Glas.Einige ihrer ersten Besucher

sind am Donnerstag extra früh aufgestanden, um die Pandas vor

der Arbeit zu besuchen. Damit sie etwas sehen konnten, wurde einer

der schlafenden Bären voneinem Mitarbeiter auf den Ästen platziert.

bislang 60 ersetzt worden, ergänzte

Pickel. Erpressungsversuche von

mutmaßlichen Angreifern habe es

aber bisher nicht gegeben.

Das Kammergericht, das in anderen

Bundesländern Oberlandesgericht

heißt, ist Berlins oberstes

Gericht für Straf- und Zivilangelegenheiten.

Im Gebäude am Kleistpark

inSchöneberg ging es zuletzt

auch um kommunale Fragen wie

den Kauf vonU-Bahnen und um IS-

Terrorismus. Polizisten und Ermittler,

die in solchen Fällen in geheimer

Mission unterwegs sind, müssen

aber offenbar nicht befürchten,

dass sie durch das Datenleck enttarnt

werden könnten. Ihre persönlichen

Informationen würden in

den Akten anonymisiert gespeichert,

heißt es.

Aus Sicht des Berliner IT-Sicherheitsspezialisten

Sven Herpig kam

der Angriff nicht überraschend. „Im

Vergleich zu anderen Behörden in

Deutschland wurde beim Kammergericht

nicht wesentlich schlechter

gearbeitet“, sagte Herpig, der für die

Stiftung Neue Verantwortung arbeitet,

einer gemeinnützigen Denkfabrik

inBerlin, die sich auf Technologie-

und Gesellschaftsthemen spezialisierthat.

UnabhängigeÜberprüfungen

„Das Problem ist, dass wir in diesem

Land schon seit Jahren wissen, was

zu tun ist, aber es wirdviel zu selten

angewandt“, sagt er.Die Folge seien

immer wieder Attacken auf Behörden,

aber auch auf private Firmen.

Rechtsanwaltskammerpräsident

Mollnau fordert deshalb vom Kammergericht

„beständige Updates,

unabhängige Sicherheitsüberprüfungen

sowie einen transparenten

Umgang mit den Ergebnissen“. All

das scheine dort bisher gefehlt zu

haben. (mit dpa)

Jörg Hunke ist froh, dass

er privat mit der Justiz bisher

nichts zu tun hatte.

NACHRICHTEN

Jetzt auch Hochhaus auf

dem Dragoner-Areal möglich

Aufdem Dragoner-Areal in Kreuzbergkönnte

auch ein 16-geschossiges

Hochhaus entstehen. Dassieht

der Architektenentwurfvor,den eine

Jury nach Angaben der landeseigenen

Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte

am Mittwochabend als

Grundlage für den Bebauungsplan

auswählte.Indem Hochhaus und in

weiteren Gebäuden sind 500 Wohnungen

vorgesehen. Es soll auch

Platz für Gewerbe und Verwaltung

im sogenannten Rathausblock geben.

Dasknapp fünf Hektar große

Dragoner-Areal gehörtzuden größten

innerstädtischen Entwicklungsgebieten

Berlins.Auf dem Gelände

befinden sich Firmen, ein Biomarkt,

Gastronomie- undHandwerksbetriebe.Erhalten

bleiben sollen denkmalgeschützte

Gebäude wie Reithallen

und Remisen auf dem früheren

Kasernengelände,sowill es der ausgewählte

Entwurfder Planungsgemeinschaft

SMAQArchitektur und

Stadt, Berlin mit ManMade Land,

Berlin und BarbaraSchindler. (dpa)

Hindenburg wird von

Ehrenbürgerliste gestrichen

DasAbgeordnetenhaus hat am Donnerstag

auf Antrag und mit der

Mehrheit der drei Regierungsfraktionen

beschlossen, den ehemaligen

Reichspräsidenten Paul vonHindenburgvon

der Ehrenbürgerliste zu

streichen. Regina Kittler (Linke) erinnerte

daran, dass HindenburgAdolf

Hitler am 30. Januar 1933 zum

Reichskanzler berufen habe.Erhabe

dazu beigetragen, die Demokratie in

Deutschland zu zerstören und der

Diktatur den Wegzuebnen. Robbin

Juhnke vonder CDU lehnte diese

„ahistorische Sichtweise“ auf Hindenburgab.

Hindenburgsei zweimal

in freier Wahl zum Reichspräsidenten

gewählt worden. Hindenburg

war am 20. April1933 Ehrenbürger

Berlins geworden, am gleichen Tag

wie Adolf Hitler.Dem Nazi-Diktator

wurde die Ehrenbürgerschaft im Dezember

1948 aberkannt. (dpa)

Arbeitskreis organisiert

Gedenken an Hatun Sürücu

DerArbeitskreis gegen Zwangsverheiratung

ruft am Freitag, 7. Februar,

zum Gedenken an Hatun Sürücü sowie

alle Opfer vonGewalt im Namen

der Ehreauf. Um 14 Uhrsoll an der

Kreuzung Oberlandgarten/Oberlandstraße

–der Stelle,ander die

junge Frau vor15Jahrevon ihrem

Bruder erschossen wurde –ein Kranz

niedergelegt werden, teilte das Bezirksamt

Friedrichshain-Kreuzberg

am Donnerstag mit. Für 18 Uhrlädt

das Bezirksamt Tempelhof-Schönebergzueiner

Gedenkveranstaltung

ins Rathaus Schönebergein. (BLZ)

Plakat zu der Gedenkveranstaltung des

Bezirks Tempelhof-Schöneberg

ZVG


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Berlin

Der U-Bahnhof Moritzplatz warimvergangenen Jahr einer von zwei Kältebahnhöfen, auf denen Obdachlose nachts schlafen durften. Wie viele Schlafplätze es für welche Bedarfsgruppen braucht, darüber sollte die Zählung Auskunft geben. Eigentlich.

IMAGO IMAGES

Sinnfrage statt Solidarität

Die Zählungder Obdachlosen istdas bedeutendsteProjektvon SozialsenatorinElke Breitenbach–doch mancherorts verstecken sichBetroffenevor denFreiwilligen

VonAnnika Leister

Ein bisschen aufgeregt sind

sie schon. Die Studentin,

der pensionierte Arzt, der

Entwicklungshelfer.

35 Männer und Frauen sind es,die in

der Nacht zum Donnerstag im Gemeinschaftsraum

im Haus Britz im

südlichen Neukölln auf roten Holzstühlen

sitzen, in Winterpullis, mit

Schals und Mützen bekleidet, und

sich leise miteinander unterhalten.

Siekennen sich nicht, haben aber in

dieser Nacht alle ein Ziel und ein Gesprächsthema,

das sie verbindet: Sie

wollen in dieser Nacht Obdachlose

in Berlin zählen, in der „Nacht der

Solidarität“, wie sie der Berliner Senat

nennt, eine der größten Freiwilligenaktionen

Berlins.

Sie wollen –manche zum ersten

Malüberhaupt –mit jenen reden, die

in Berlin auf der Straße leben, verstehen,

warum es in Berlin so viele von

ihnen gibt und wie es ihnen geht.

„Obdachlosigkeit ist so präsent in

Berlin. Ich will verstehen, was um

mich rumpassiert“, hofft Jan, 34, der

bei einer Organisation für Entwicklungszusammenarbeit

angestellt ist.

Wirtschaftsstudentin Michelle will

„Empathie zeigen, Aufmerksamkeit

und Würde schenken“, sagt sie.„Persönlich

in Kontakt kommen“, sagt

Martin, 75, der früher Arzt war.

Schaden oder Hilfe?

Doch dazu wird esindieser Nacht

nicht kommen. Zumindest nicht in

diesem Zählbüro inBritz, das eines

von 62temporären Büros ist, die in

Gebäuden von Bürgerinitiativen

und Vereinen eingerichtet wurden.

Stattdessen wird am Ende dieser

Nacht, in wenigen Stunden, die

Frage im Raum stehen, ob die riesige

Freiwilligenaktion des Senats in dieser

Form überhaupt Sinn macht.

Mehr noch: Ob nicht vielleicht die

Aktion, so gut sie vonSenat und Freiwilligen

gemeint ist, nicht sogar jenen

schadet, denen sie eigentlich

helfen soll.

Die Zählung der Obdachlosen ist

das bedeutendste Projekt von Berlins

Sozialsenatorin Elke Breitenbach

(Linke) bisher. Essollte nicht

weniger als eine Trendwende in der

oft so schwierigen Obdachlosenpolitik

bedeuten, so die große Hoffnung.

Denn es sollte die Wurzel vieler

Probleme in der Obdachlosenhilfe

angehen: Die Zielgruppe hat nicht

nur keine Wohnung, sie ist oft komplett

aus dem System gefallen. Andere

Menschen werden durch Meldungen

bei den Behörden, wie Steuererklärungen

oder Wohnsitzmeldungen,

erfasst und ihreBedürfnisse

in Statistiken der Politik automatisch

eingeplant – zum Beispiel bei der

Planung neuer Wohngebiete und

dem Schulbau.

Über seine Obdachlosen aber

weiß das Land Berlin ebenso wie der

Bund so gut wie nichts.Nicht einmal,

wie viele es überhaupt sind. Die

Schätzungen von Sozialverbänden

reichen von 6 000 Obdachlosen in

Berlin bis rauf zu 20 000. Wie viele

Frauen sind dabei? Wie viele Behinderte?

Wie viele Notschlafplätze

muss es für sie geben? Die Politik

weiß es nicht. Sie hat sich bisher

auch wenig Mühe gegeben, das zu

ändern.

Elke Breitenbach ist die Erste, die

es mit der Obachlosenzählung überhaupt

versucht, der ersten in Berlin

und ganz Deutschland. DieMedienresonanz

ist deswegen riesig: Fernsehteams

und Reporter aus ganz

Deutschland und sogar dem europäischen

Ausland berichten über die

Aktion.

Doch das Projekt ist schon vorab

umstritten, sein Ausgang unklar: Es

kann komplett scheitern. Denn Obdachlose

sind nicht nur aus dem

staatlichen System gefallen – sie

misstrauen dem Staat oft auch, der

in ihrem Leben vor allem auftritt in

Form von harschen BVG-Sicherheitskräften

und Polizisten, die sie

vertreiben. Wie relevant die Zahlen

sind, die hier heute erhoben werden,

hängt nicht nur davon ab, dass die

Freiwilligen ihren Job gewissenhaft

machen –sondern auch davon, ob

sich die Obdachlosen überhaupt

zählen lassen.

Die Skepsis in der Szene, auch

unter Obdachlosenhelfern, ist groß:

„Man zählt Tiere, nicht Menschen“,

kritisierte etwa die „Selbstvertretung

wohnungsloser Menschen“

am Tagvor der Aktion. Die Zählung

wirke auf Wohnungslose rasch bedrohlich,

sei würdelos –und sinnlos,weil

die erhobenen Zahlen nicht

valide seien. So würden zum Beispiel

Obdachlose, die regulär in

Parks, Kellern, Kleingärten oder im

Wald übernachteten, gar nicht gezählt

–oder jene, die sich der Zählung

entzögen.

Der Senatssozialverwaltung ist

diese Möglichkeit bewusst, sie schult

die Freiwilligen in den Zählbüros

deswegen vorab und vermittelt einen

Verhaltenskodex. In Britz erklären

zwei Mitarbeiter der Verwaltung

ab 20 Uhr kurz, welche Regeln gelten:

Es dürfen keine Fotos gemacht,

niemand aufgeweckt werden und

Menschen nicht direkt mit Taschenlampen

angeleuchtet werden. Wer

nicht reden will, soll unbedingt in

Ruhe gelassen werden.

An den blauen Westen waren die freiwilligen Zähler zu erkennen.

Freiwillige: 3700 Freiwillige

hatten sich vorab angemeldet,

nur 2600 kamen tatsächlich.

Für die Senatssozialverwaltung

keine Überraschung:

Man wisse aus der

Freiwilligenarbeit, dass es

fast immer eine Differenz von

bis zu einem Drittel gebe.

Dann stellen sich neun Teamleiter

vor. In Britz haben sie keine besonderen

Qualifikationen. „Ick bin

ooch net schlauer als andere“, sagt

Ralf, 54, in dessen Team ich und Jan

mitlaufen werden. Ralf arbeitet nicht

mit Obdachlosen, kennt auch die

Gegend in Britz, in der wir zählen

sollen, nicht –wie fast alle hier.Erhat

sich vorabüber Google Maps die Gegend

per Satellit angeschaut.

Berlin in 617 Gebiete aufgeteilt

Berlin wurde von der Senatssozialverwaltung

auf der Kartein617 Quadranten

eingeteilt. Jedes Gebiet soll

voneiner Gruppe Freiwilliger gründlich

durchkämmt werden. Weil von

den insgesamt angemeldeten 3700

Freiwilligen nur 2600 auch tatsächlich

erscheinen, läuft es in den meisten

Zählbüros wie in Britz: Statt wie

geplant in Fünfer- oder Siebener-

Teams zieht man nur zu viert, mindestens

aber zu dritt los.Ich schließe

mich Ralf und Janan. Einlaminierter

Stadtplan zeigt uns schraffiert das

Gebiet und die Straßen die wir ablaufen

sollen: ein recht großes Dreieck,

das vom Britzer Damm, dem

Tempelhofer Wegund dem Teltowkanal

eingegrenzt wird.

DIE ZAHLEN

Gebiete: Die Stadt wurde in

617 Gebiete eingeteilt. Nur

in zwei Gebieten in Köpenick

und Schöneberg erfolgte wegenKrankmeldungen

keine

Zählung.Die Verwaltung erhebt

auch, wie viele Obdachlose

in der Notaufnahme der

Charité waren.

BLZ/MARKUS WÄCHTER

Ergebnisse: Die Ergebnisse

werden nun vonder Senatssozialverwaltung

ausgewertet.

Sie sollen am 7. Februar

vorliegen. Die Sozialverwaltung

will Teamleiter,Sozialverbände

und -arbeiter fragen,

welches Feedback sie

erhalten haben.

Schon zuvor haben die Mitarbeiter

der Sozialverwaltung Beutel und

blaue Westen mit der Aufschrift

„Nacht der Solidarität“ verteilt, die

auch als Ticket-Ersatz für die BVG

gelten. Wir streifen unsere Freiwilligen-Uniform

über, ziehen los und

fangen, wie verlangt, genau ab

22 Uhr an, unser Gebiet abzulaufen.

Es gibt hier viel Industrie und einige

Wohngebiete. Wir laufen vorbei an

Autolackierereien und Bürogebäuden,

streifen über kleine Wege

rundum perfekt gemähte Vorgärten.

Wirwollen unseren Jobgut machen,

und lassen deshalb keinen Wegaus –

auch wenn wir uns manchmal nicht

ganz sicher sind, ob wir öffentliches

oder privates Gelände betreten.

„Hier würde ich mich auch nirgendwo

hinlegen“, stellen wir immer

wieder fest. Am Kanal stehen zwar

Bänke –aber der Wind pfeift scharf,

es ist kalt und feucht am Wasser. In

den Vorgärten der Wohnblocks steht

man unter Beobachtung. Der Parkplatz

vom Netto bietet keinerlei Unterschlupf.

Um 0.20 Uhr haben wir alle unsereStraßen

durchlaufen. Wirhaben

nicht einen einzigen Obdachlosen

angetroffen, stattdessen zehn Kaninchen

und einen Fuchs gezählt. Als

wir durchgefroren zurückkehren in

unser Zählbüro stellen wir fest: So

wie uns ging es allen 35 Freiwilligen

in den neun Teams, die aus dem

Haus Britz loszogen. Kein einziger

Obdachloser wurde gezählt.

Wir sitzen zusammen, grübeln,

woran es gelegen hat. Die einhellige

Meinung: In Britz gibt es einfach

keine Obdachlosen. Doch Thomas

de Vachroi belehrt uns eines Besseren.

De Vachroi ist Experte für Obdachlosigkeit

in Britz. Er ist Armutsbeauftragter

des Hauses Britz, in

dem sich oft Obdachlose aufhalten,

sowie des Diakoniewerks Simeons,

das eine Wärmestube für Wohnungslose

in derWeisestraße in Neukölln

betreibt. Der60-Jährige hat stechende,blaue

Augen und sieht zehn

Jahre jünger aus als er ist. Eigentlich

ist de Vachroi heute einfach Gastgeber,

ein äußerst höflicher, der vorab

von seinen Ehrenamtlichen Häppchen

hat herrichten lassen, der uns

jetzt, um 1Uhr nachts, ein Bier serviert.

Der lange erstmal nichts sagt,

uns dann aber nicht im falschen

Glauben lassen will, dass es in Britz

keine Obdachlose gibt.

Offensichtlich gescheitert

„Hier leben Obdachlose“, sagt deVachroi.

Seine Mitarbeiter kennen sie

gut, kennen ihre Namen und wissen

auch, wo sie schlafen – eigentlich

zum Beispiel, auch bei diesem Wetter,

auf den Parkbänken am Kanal,

die unser Team als vermutlich zu zugig

befand. Warumaber waren diese

Menschen heute Nacht nicht da?

Das sei kein Zufall, sagt de Vachroi.

Siehätten vonder Obdachlosenzählung

gehört, die ja beworben und in

der Community verbreitet wurde.

„Sie wollten sich nicht zählen lassen“,

sagt de Vachroi.

Plötzlich wirduns der krasse Kontrast

bewusst: der Eifer,dieVorfreude

der Freiwilligen – und die Ablehnung,

womöglich gar die Furcht derer,

denen man Gutes tun wollte.

„Das ist doch Scheiße“, sagt eine

Freiwillige, „wir haben sie vertrieben!“

De Vachroi teilt die Empörung

nicht. Die Zählung sei ein Pilotprojekt,

sagt er,ein wichtiger,erster Versuch.

Denn er teilt Breitenbachs Anliegen,

er kennt die Nöte der Politik

mit der schwer erreichbaren Zielgruppe.

Die Aktion sei wichtig, sagt

er.DochinBritz sei dieser Test offensichtlich

gescheitert. Jetzt müsse

man auf die berlinweite Auswertung

warten, die am 7. Februar vorgestellt

werden soll.

Wir fragen de Vachroi, was die

Gründe dafür sind, dass die Obdachlosen

vorder Aktion, vorden Freiwilligen

flohen? Undwie man es besser

machen kann? De Vachroi lehnt es

ab,für Obdachlose zu sprechen. Genau

diesen paternalistischen Umgang,

die Obdachlose so zu behandeln,

als könnten sie nicht für sich

selbst sprechen, das lehnt er rigoros

ab. „Jede Biografie ist einzigartig“,

sagt er. Eskönne viele Gründe haben,

warum sich die Obdachlosen

der Zählung entzogen hätten. „Jetzt

muss man diese Menschen fragen,

warum sie nicht da waren.“

Doch, auch das sagt de Vachroi,

das ist nicht einfach. Wer mit Obdachlosen

auf Augenhöhe reden und

ihr Vertrauen gewinnen will, der

müsse viel Zeit investieren, sie sehr

gut kennen. Was daran liege, dass

diese Menschen ihr Leben komplett

in der Öffentlichkeit führen müssten

–und vondieser Öffentlichkeit ständig

verurteilt und drangsaliert würden.

Er sagt es nicht explizit, aber:

Dreierteams in blauen Westen,die in

nur drei Stunden die gesamte Stadt

durchkämmen, dürfte er vor diesem

Hintergrund wohl nicht für die ge-

Anzeige

Lesen Sie am Wochenende

Karriere

Mit über 50 zum neuen Job:

Zu alt oder gerade alt genug?

Mediengestalter :Sie sind

Komponisten für Wort und Bild

eignete Methode halten. „Aber ich

habe auch keine Lösung“, sagt deVachroi

und hebt hilflos die Hände.

Aus Sicht der Senatsverwaltung

für Soziales war die Aktion dennoch

ein Erfolg. „Die Menschen können

sich natürlich entziehen“, sagt Sprecher

Stefan Strauss. „Wir machen

keine Zwangszählung.“

Was aber, wenn sich sehr viele

Obdachlose der Zählung entzogen?

Wenn die Zahl, die am 7. Februar verkündet

wird, die schließlich dazu

dienen soll, Bedarfe besser zuzuschneiden,

am Ende vollkommen un

realisitisch und viel zu niedrig ist?

„Das Ergebnis ist eine Ausgangszahl“,

sagt Strauss. „Wir sind dann

immerhin weitaus näher an der Realität

als die Schätzungen, die es bisher

gibt.“

Annika Leister

war bis zum frühen Morgen

unterwegs.


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Berlin

Prozess um

„Liebig 34“

vertagt

Anwalt des Hausprojektes

hält Richter für befangen

VonAndreas Kopietz

Die Bewohnerinnen des Hauses

Liebigstraße 34 dürfen noch etwas

bleiben. Vordem Berliner Landgericht

erreichte deren Anwalt, dass

über eine Räumungsklage des Hauseigentümers

erst in drei Monaten

entschieden werden soll –unmittelbar

vordem 1. Mai.

Kurz nach Verhandlungsbeginn

wurde am Donnerstagmorgen der

Prozess gegen die Bewohnerinnen

des „anarcha-queer-feministischen“

Kollektivs „Liebig 34“ ein weiteres

Mal vertagt. Der Anwalt des Vereins

hatte einen Befangenheitsantrag gegen

denVorsitzenden Richter gestellt.

Dieser verwende in Schriftsätzen nur

die maskuline Form für alle Personen.

Kernanliegen des Vereins sei aber gerade

die Geschlechterneutralität,

sagte der Anwalt. Laut Gerichtssprecherin

Lisa Jani müssen jetzt die beiden

beisitzenden Richter und einVertretungsrichter

der Kammer über den

Befangenheitsantrag entscheiden.

Der neue Termin soll der 30. April

sein. An dem Tagaber ist die Polizei

bereits mit der anstehenden Walpurgisnacht

und dem Großeinsatz am

1. Mai voll beschäftigt. Möglicherweise

werde der Termin deshalb ein

weiteres Malverlegt, hieß es.

Der Eigentümer des Hauses in

Friedrichshain hatte die Klage gegen

die Bewohnerinnen eingereicht. Derenauf

zehn Jahrebefristeter Mietvertrag

endete im Dezember 2018.

Bereits im vorigen November

sollte im Landgericht am Tegeler Weg

über die Räumungsklage verhandelt

Konfetti im Abgeordnetenhaus: Protestierer

stören die Plenarsitzung.

DPA

werden. Dabei gab es Tumulte im Zuschauerraum.

DerZivilprozess wurde

deshalb in das Kriminalgericht an der

Turmstraße in Moabit verlegt, ein

neuer Termin für Dezember angesetzt.

AufBitten des Anwaltes der Bewohnerinnen

wurde er jedoch abgesagt

und auf diesen Donnerstag verschoben.

Auto zerstört, Tumult im Parlament

Um den Hausbesitzer und dessen

Anwalt einzuschüchtern, zerstörten

Unbekannte in der Nacht zum Donnerstag

in Friedenau das Auto des Anwaltes

mit Farbe und Hämmern. In

denWagen kippten sie stinkende Buttersäure.

Er mache die „Drecksarbeit

für eines der größten Immoarschlöcher

der Stadt“, heißt es zur Begründung

auf der linksextremistischen Internetseite

Indymedia.

Der Anwalt schaffte es dennoch

rechtzeitig zum Prozessbeginn, der

von rund 360 Polizisten gesichert

wurde. Vor dem Gericht versammelten

sich etwa 100 Demonstranten mit

einem Lautsprecherwagen. Nach der

erneuten Vertagung brach bei den

Demonstranten Jubel aus.

Danach reisten die Protestierenden

zum Abgeordnetenhaus. Dort

störten sie mit Zwischenrufen und

Konfettiwürfen die Plenarsitzung.

Diese musste für 30 Minuten unterbrochen

werden. Bereits am Mittwochabend

hatte die Bezirksverordnetenversammlung

des Bezirks

Friedrichshain-Kreuzberg wegen Bedrohungen

unter Ausschluss der Öffentlichkeit

tagen müssen.

Ein Bogen um die R-Frage

Franziska Giffey soll SPD-Chefin werden. Doch wann sie ins Rote Rathaus aufrückt, will die Partei später entscheiden

VonElmar Schütze

Vonnull auf 1800

In Berlin entwickelt sich rasant ein neuer Fahrdienst –zum Leidwesen der Taxibranche

VonPeter Neumann

Es erstaunt nicht, dass Taxifahrer

diese Art von Konkurrenz

fürchten. Die App

zeigt: Mit dem Taxi würde

die Fahrt von der Alten Jakobstraße

zum Hauptbahnhof 13 bis 16 Euro

kosten, mit FreeNow Ride nur knapp

elf Euro. Free Now Ride ist ein neuer

Fahrdienst, bei dem die Kunden in

Mietwagen chauffiert werden, meist

billiger als im Taxi. Seit August 2019

gibt es das Angebot in Berlin und ist,

was ebenfalls kaum verwundert, gut

angelaufen. „Im vergangenen Jahr

wurden in Berlin rund eine Million

Fahrten gebucht“, sagt Alexander

Mönch, Deutschland-Chef von Free

Now, einem Gemeinschaftsunternehmen

vonDaimler und BMW.

Ein schwarzer Mercedes bringt

Mönch zum Gespräch. Wie alle Wagen,

die für Free Now im Einsatz

sind, gehört das Auto einer Partnerfirma.

„Inzwischen fahren wir mit

100 Fahrzeugen für Free Now Ride“,

sagt der Fahrer.Tendenz steigend.

Preissensible Zielgruppe

„Unser neues Angebot hat sich in

Berlin extrem stark entwickelt“, so

Mönch. „In den wenigen Monaten

bis jetzt ist die Zahl der Fahrzeuge,

die wir in dieser Stadt unter Vertrag

haben, von null auf mehr als 1800

gestiegen.“ Zum Vergleich: Kurz vor

dem Start 2019 gab es in Berlin circa

2000 Mietwagen mit Fahrer sowie

8200 Taxis. „Inzwischen sind rund

2600 Fahrerinnen und Fahrer für

FreeNow Ride in Berlin im Einsatz.“

Die Nachfrage in Berlin entwickele

sich ebenfalls sehr gut:„Wie erwartet

konnten wir neue Kundenschichten

für uns erschließen. Free

Now Ride wird tendenziell von eher

jüngeren Leuten genutzt, für die Taxis

wegen der höheren Fahrpreise

bislang keine Option waren“, so

Mönch. „Es ist ein Angebot, das eine

preissensible Zielgruppe anspricht.“

Der Rechtsrahmen ermögliche

es, die Fahrpreise flexibel zu gestalten.„ImDurchschnitt

liegen sie zehn

bis 20 Prozent unter dem jeweiligen

Taxitarif –nicht immer, aber in den

meisten Fällen“, berichtet der Chef.

„Auch wir nutzen die Möglichkeit,

die Preise je nach Angebot und

Nachfrage unterschiedlich zu gestalten.

Zum Beispiel in der morgendlichen

Stoßzeit oder bei Messen sind

sie tendenziell höher als in nachfrageverkehrsschwachen

Zeiten.“ Auf

jeden Fall erfahren die Fahrgäste bei

der Buchung, wie viel es kosten wird.

Auch das US-Unternehmen Uber

vermittelt in Berlin per AppMietwagen

mit Fahrer. ImGegensatz dazu

bietet Free Now jedoch auch Taxifahrten

an.„InBerlin haben wir rund

Ohne eigenes Auto zum Termin: Free-Now-Chef Alexander Mönch.

Joint Venture: 2019 taten

sich die Fahrzeughersteller

Daimler und BMW zusammen,

um ihre Sharing-Angebote,

Fahrdienste und andere

neuen Mobilitätsoptionen

künftig gemeinsam zu

entwickeln. Sie investieren

mehr als eine Milliarde Euro.

AmTag eins nach dem Franziska-

Giffey-Coup war das politische

Berlin um Normalität bemüht. In der

Debatte um den Mietendeckel im Abgeordnetenhaus

fiel der Name der

designierten neuen Co-Vorsitzenden

der Landes-SPD nicht. Zwar nutzten

Burkard Dregger (CDU) und Harald

Laatsch (AfD) den Anlass, den scheidenden

SPD-Chef Michael Müller ein

wenig abzuwatschen. Aber wirklich

scharf war das nicht. Warum auch?

Man wird noch Gelegenheit haben,

sich mit Müller zu streiten, schließlich

bleibt er Regierender Bürgermeister.

Unklar ist freilich, wie lange noch,

und wann Müller auch diesen Posten

räumt. Nach Wunsch der SPD-Einfädler

soll die bisherige Bundesfamilienministerin

Franziska Giffey Regierende

Bürgermeisterin werden. Sie

könnte Müller noch diese Legislaturperiode

ablösen, um mit einem

Amtsbonus als Spitzenkandidatin in

die Abgeordnetenhauswahl im

Herbst nächsten Jahres zu gehen.

Aber wann wirdgewechselt?

Im Gespräch ist ein Zeitpunkt

nach Eröffnung des BER –

geplant ist dieser Frustlöser

für den 31. Oktober diesen

Jahres. Diese Genugtuung

wolle man Müller noch

gönnen, schließlich hat er

karrieretechnisch massiv

unter der Katastrophen-

Baustelle gelitten, wie es

aus der Fraktion heißt.

Denkbar wäreauch der Nominierungsparteitag

im

März2021, wenn Giffey auf Platz eins

gewählt wird.

Doch auch eine weitere Variante

hat einiges für sich: Franziska Giffey

ist derart populär, dass sie keinen

Amtsbonus braucht. Müller könnte

bis zum Ende desWahlzyklus’imAmt

NEUE MOBILITÄT

Bunte Palette: Das Unternehmen

umfasst die Bereiche

Fahrzeugsharing (Share

Now), Parken (Park Now),

Ladestationen für Elektrofahrzeuge(ChargeNow),

Reiseplanung per Mobilitätsplattform(Reach

Now) und

Mitfahrdienste (Free Now).

Franziska

Giffey

bleiben und sich dann „würdig“ verabschieden.

Gleichzeitig könnte Giffey

bis zum Ende der großen Koalition

im Bund Ministerin bleiben, das

politisch tote schwarz-rote Bündnis

müsste nicht noch eine Nachfolge organisieren.

Am Mittwoch, als die offenbar

erst am Abend zuvor

mit den Kreisvorsitzenden

AFP

BLZ/MIKE RÖHLING

Noch mit Defizit: „Free Now

ist noch kein profitables Unternehmen,

was vorallem

daran liegt, dass wir in den

letzten Jahren stark expansiv

unterwegs waren“, so Alexander

Mönch. „Das Unternehmen

ist auf einem guten

Weg, profitabel zu werden.“

festgezurrte Nachfolgeregelung

für den Parteivorsitz

präsentiert wurde –Giffey

und Fraktionschef Raed Saleh

sollen Müller als Doppelspitze

ablösen –, machten

alle Beteiligten einen

Bogen um die R-Frage.

Nein, eine Lösung werde es „jetzt

nicht“ geben, antwortete Müller,

„sondernzugegebener Zeit“. Er habe

noch so viel vor indem Regierungsamt

und freue sich über „ein Stückchen

Freiheit“, das er jetzt gewinne,

über„weniger Termine und Korsett“.

5000 Taxis unter Vertrag, das entspricht

knapp zwei Dritteln der gesamten

Taxilizenzen in der Stadt“, so

Mönch. „Wir haben weiterhin Zulauf.

Das Taxi ist kein Bereich, den

wir vernachlässigen –imGegenteil.“

Taxis seien weiterhin ein wichtiger

Partner, bekräftigt Mönch. „Das

liegt daran, dass sie weiterhin von

vielen Kunden im innerstädtischen

Mobilitätsmix gebucht werden.

Dazu zählen zum Beispiel Fahrgäste,

die ihre Fahrt vorbestellen –das ist

bei Mietwagen noch nicht möglich.“

Perspektivisch auch Tretroller

Allerdings soll es diese Option bald

auch bei FreeNow Ride geben –was

ein weiteres Streitthema mit der Taxibranche

ergäbe, die über ruinösen

Wettbewerb klagt. Schon die Entscheidung,

auch Mietwagenfahrten

zu vermitteln (und dann auch noch

zu niedrigeren Tarifen), hatte böses

Blut erzeugt. „Ich kann die Emotionen

verstehen“, entgegnet Mönch.

Doch es gebe keine Alternative:

Seit Längerem verlieren Taxisgerade

abends und am Wochenendemassiv

an Nachfrage, weil immer mehr, vor

allem junge Menschen andereMobilitätsdienste

buchen. „In hohem

Tempo entwickelt sich ein riesiger

Markt, auch in Berlin.“ Auf diesem

Marktwill auch FreeNow bestehen.

Inzwischen bekämen Taxis immer

weniger Aufträge von Free Now,

auch weil die Provision niedriger sei,

sagt HermannWaldner vomBundesverband

Taxi und Mietwagen. Aktuell

zahlen Taxibetreiber sieben Prozent.

Bei Mietwagenfirmen werden

jedoch 25 Prozent Provision fällig.

Sieseien einem enormen Druckausgesetzt,

weil die Fahrgelderlöse gering

sind, sagen Kritiker.Das erhöhe

die Bereitschaft, Fahrer zu Niedriglöhnen

schwarzzubeschäftigen.

„Bei der Rechnung ist zu beachten,

dass auch wieder Geld von uns

an die Mietwagenbetreiber zurückfließt“,

entgegnet Mönch.„Damit gewährleisten

wir unseren Anspruch

eines ‚fair driver pay‘. Die Erlöse eines

guten Fahrers müssen auskömmlich

sein.“ DieZahlen zeigten,

dass der Kurs richtigsei:„Im vergangenen

Jahr lag die Zahl der Fahrten,

die in Berlin über FreeNow Taxi und

Ride gebucht wurden, um 150 Prozent

höher als zum Vorjahr.“ Auch

am Flughafen BER werde Free Now

vertreten sein. Zudem will Free Now

in Berlin perspektivisch auch elektrische

Tretroller anbieten, so Mönch.

DieZeichen stehen auf Expansion.

Peter Neumann

ist gespannt, ob es 2030

noch Taxis geben wird.

Der Hype um Giffey zeigt einmal

mehr,wie abhängig die SPD vonihrer

Hoffnungsträgerin ist. Sie erscheint

vielen längst als einzige, die sie aus

dem Jammertal mit Umfragen um

15 Prozent führen kann. „Jeder

möchte gewinnen, auch die SPD“,

sagt der Abgeordnete Sven Kohlmeier.Also

setzeman aufGiffey.

Dabei ist nicht sicher, obihr der

Betrugsverdacht gegen ihren Ehemann,

einen verbeamteten Veterinär

des Landes Berlin, und die Plagiatsaffäre

um ihre Doktorarbeit an der

Freien Universität nicht doch schaden

wird. Nicht nur die oppositionelle

CDU weistdaraufhin, dass eine

Rüge,wie Giffeysie erhielt, in derPromotionsordnung

der FU eigentlich

nicht vorgesehen ist. Die SPD-Frau

seibesserbehandelt worden als etwa

der CDU-Bundestagsabgeordnete

Frank Steffel aus Reinickendorf. Steffel

wurde im Februar 2019 der Doktortitel

entzogen.

Einigung

über neue

Nordsüd-Bahn

Streckenführung am

Reichstag steht endlich fest

VonPeter Neumann

Nur wenige Berliner wissen, dass

es dieses Verkehrsprojekt gibt.

Das ist auch kein Wunder. Schließlich

köchelt es schon fast drei Jahrzehnte

vor sich hin, ohne dass sich

viel getan hat. Dabei ist das Projekt

wichtig: Es geht darum, die bestehende

Nordsüd-S-Bahn mit einer

zweiten Strecke zu entlasten, die zusätzliche

Verbindungen schafft –unter

anderem zum Hauptbahnhof.

Jetzt könnte es endlich an Tempo

gewinnen. Denn der Deutsche Bundestag

und die Deutsche Bahn haben

sich nach jahrelanger Debatte in

einer zentralen Frage geeinigt. Dies

wurde Mittwochabend vonder Bauund

Raumkommission desÄltestenrates

des Bundestages bestätigt.

Erster Abschnitt erst 2021 fertig

Es geht darum, wie der 1,9 Kilometer

lange mittlere Abschnitt (Hauptbahnhof–Potsdamer

Platz) am

Reichstagsgebäude verlaufen wird.

Seit Längerem steht fest, den Tunnel

nicht untermReichstag hindurchzuführen,

damit das Gebäude nicht gefährdet

wird. Stattdessen soll eine

Röhre westlich und die andere östlich

vorbeilaufen. Nach der jüngsten

Einigung steht nun zudem fest, dass

die Weströhre dem Reichstag nicht

näher als 13,50 Meter kommen darf.

Siewirdweiter abgerückt als die Oströhre,

die 13,50 Meter neben dem

Bundestagssitz entlangführt. Im

Tunnel dürfen die Bahnen statt 80

nur 60 Kilometer proStunde fahren.

Neue S-Bahn-

Strecke

Hauptbahnhof

Reichstagsgebäude

BLZ/GALANTY; QUELLE: DB

U55

Spree

Kapelleufer

Paul-

Löbe-

Haus

Scheidemannstr.

Brandenburger Tor

„Die Standsicherheit der Parlamentsgebäude

während der Bauarbeiten

ist gewährleistet, der parlamentarische

Betrieb kann ohne wesentliche

Einschränkungen fortgesetzt

werden“, so die Bahn. „Die

Bedenken hinsichtlich der Statik

konnten endlich ausgeräumt werden“,

lobte der FDP-Bundestagsabgeordnete

Wolfgang Kubicki, der die

Baukommission leitet. „Der Wegfür

die Fortsetzung der S21ist frei.“

Die Planungsarbeiten sollen nun

beschleunigt werden, sagte Alexander

Kaczmarek von der Bahn. Bislang

hieß es,dass der Abschnitt nicht

vor 2035 fertig wird: „Jetzt sind wir

zuversichtlich, dass er noch in den

2020er-Jahren in Betrieb geht.“

Anfangs firmierte das Projekt unter

dem Arbeitstitel S21, bis Stuttgart

21 das Kürzel inMisskredit brachte.

Heute heißt es intern City-S-Bahn.

An der Strecke hat sich aber nichts

geändert. Sie beginnt an den Nordringstationen

Wedding und Westhafen,

führt unter dem Hauptbahnhof

unddem Potsdamer Platz hindurch,

um an der Yorckstraße an die Trasse

zum Südkreuz anzuschließen.

Auf dem ersten, bereits begonnenen

Abschnitt pendelt ab Sommer

2021 eine S-Bahn, die Gesundbrunnen

mit einer provisorischen Tunnelstation

nördlich der Invalidenstraße

am Hauptbahnhof verbindet. Zuletzt

sollte der Betrieb Ende 2020 starten,

doch Grundwasser verzögerte die

Bauarbeiten. Immerhin wurde die

Zeit genutzt, wie geforderteinen Zwischenhalt

an der Perleberger Brücke

in derEuropacity einzuplanen.


12 * Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020

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Berlin

POLIZEIREPORT

Drei Verletzte bei Unfall.

Beim Zusammenstoß zweier Autos

am Mittwoch in Britz sind zwei

Frauen und ein Mann schwer verletzt

worden. Gegen 17.30 Uhrwar

ein 40-Jähriger mit einem VW in der

Gradestraße unterwegs.Ander

Kreuzung zum Tempelhofer Weg

prallte er mit dem Mitsubishi einer

64-Jährigen zusammen. Beide und

die 56-jährige Beifahrerin im Mitsubishi

verletzten sich am Oberkörper.

DiePolizei weiß noch nicht, wie es zu

dem Unfall kommen konnte.

Fahrgast geschlagen.

Ein23-jähriger Mann hat am Mittwoch

in einer S-Bahn Fahrgäste angepöbelt.

Zuvorwar er voneinem

Kontrolleur festgehalten worden,

weil er keine Fahrkarte vorweisen

konnte.AmBahnhof Bellevue angekommen

versuchte er mehrmals,

aber vergeblich ,zuflüchten. Als ein

35 Jahrealter Fahrgast dem Kontrolleur

helfen wollte,schlug ihm der

junge Mann mit der Faust ins Gesicht.

Bundespolizisten nahmen den

Angreifer fest und brachten ihn in

Gewahrsam. Nachdem die Polizei

seine Personalien aufgenommen

hatte,wurde er wieder entlassen.

Fahndung nach Räubern.

An einer Haltestelle der Bus-Linie

M29 haben am 22. November drei

Unbekannte einen 19-Jährigen attackiert.

Am Agathe-Lasch-Platz umklammerte

einer

der Räuber das

Opfer.Seine

Komplizen versuchten,

dem

19-Jährigen dessen

Handy zu

Das ist einer der

drei Täter

POLIZEI

entreißen. Die

Täter brachten

das Opfer zu Boden.

Dann versuchte

einer von

ihnen ein Feuerzeug voreiner

Sprühdose zu entzünden. Als ein

Passant dazwischen ging, flüchteten

die Täter.Zeugen die den abgebildeten

Mann kennen, werden gebeten,

sich bei der Polizei zu melden.

AfD-Büro beschmiert.

In der Nacht zum Donnerstag beschmierten

Unbekannte ein Büro

der AfD in Lichterfelde mit roter

Farbe.Gegen 5.25 Uhrbemerkte ein

Angestellter des Objektschutzes der

Polizei die Schmiererei mit politischem

Hintergrund an den Rollläden

des Büros an der Straße Jungfernstieg.

DerStaatsschutz ermittelt.

Audi prallt gegen Hauswand.

In der Nacht zum Donnerstag

rammte am Hardenbergplatz in

Charlottenburgein Audi-Fahrer ein

Taxi. Anschließend prallte derWagen

am Bahnhof Zoologischer Garten gegen

ein Straßenschild und kam kurz

darauf an der Fassade eines Hauses

zum Stehen. Verletzt wurde niemand.

DerFahrer des Wagens flüchtete

zu Fuß. DieHintergründe des

Unfalls sind noch unklar.

Hakenkreuz geritzt.

EinUnbekannter hat an eine der

Aufzugtüren in der Leitstelle der

Feuerwehr am Nikolaus-Groß-Weg

in Charlottenburgein Hakenkreuz

geritzt. EinMitarbeiter der Behörde

informierte gegen 9.30 Uhrdie Polizei.

DerStaatsschutz ermittelt nun

wegen desVerwendens vonKennzeichen

verfassungswidriger Organisationen.

Jugendliche angefahren.

In der Heimsbrunner Straße in Neukölln

hat am Mittwochnachmittag

eine 77 Jahrealte Frau eine Jugendliche

angefahren. DasMädchen

wurde dabei verletzt in eine Klinik

gebracht. DieUnfallursache ist noch

unklar.

Verletzter Waschbär getötet.

In Mariendorfhat am Donnerstagmorgen

ein Polizist des Abschnitts

47 einen schwer verletztenWaschbär

erschossen. Passanten hatten das

Tier auf der Fahrbahn des Mariendorfer

Damms entdeckt und die Polizei

alarmiert. (ls.)

AnkeEngelkewar vor und hinter der Kamera erzieherisch tätig. IMAGO STOCK&PEOPLE Namensgeber Bastian Pastewka mit seiner „Freundin“ Sonsee Neu IMAGO STOCK&PEOPLE

Perfektes Finale für den ewigen Tölpel

BASTIAN PASTEWKA

behält bis zum Schluss die Kontrolle,

das heißt: er bestimmt, wann

Schluss ist. Undgenau das hat er bei

seiner Serie „Pastewka“ getan, die

Sat.1 vor 15 Jahren erstmals ausstrahlte

und die ab Staffel 8zuAmazonPrime

Video wechselte,woam7.

Februar die finale zehnte Staffel starten

wird. Auch diesmal gibt es für die

neuen Folgen wieder eine Kinotour,

deren Premiere am Donnerstagabend

im Zoo-Palast gefeiert wurde.

Pastewka liebt diese Touren: „Es ist

Wahnsinn, diesen Unsinn mit tausend

Leuten in einem Saal zu gucken!“

Dass die Serie, die so heißt wie ihr

Hauptdarsteller, nicht fortgesetzt

wird, hat mit der Güteklasse einer

Idee zu tun, wie Pastewka erklärt. Autor

Sascha Albrecht hatte eine Eingebung,

wie das Ende der Geschichte

rund um Bastian und seine langjährige

Freundin Anne (gespielt von

Sonsee Neu) aussehen könnte. Pastewka

fand diese Idee perfekt: „Wir

haben uns in die Augen geschaut

und gesagt: Das muss der Schluss

der gesamten Seriesein.“

Echte Fans wissen, dass Anne mit

Bastian in der achten Staffel Schluss

gemacht hat und Bastian in der

neunten erfolglos versuchte, sie zurückzuerobern.

Am Ende der neunten

Staffel reist er ihr nach Afrika

Mit Wasserstoff-Antrieb

zum Tatort

Polizei-Direktion 2testet zwei emissionsfreie Funkwagen

VonLutz Schnedelbach

Berlins Polizei erhält als erste Behörde

emissionsfreie Funkwagen.

Dabei handelt es sich um zwei

Toyota-Mirai, die mitWasserstoff angetrieben

werden. „Das ist deutschlandweit

bisher einmalig bei den Polizeien“,

freut sich der Hersteller.

Der Elektromotor der fünftürigen

und blau abgeklebten Funkwagen

soll 154 PS aufbringen. Dabei wird

Wasserstoff in elektrische Energie

umgewandelt, die den Elektromotor

antreiben. Übrig bleibtWasserdampf.

Die Autos sind mit zwei Wasserstofftanks

ausgerüstet. Die Reichweite ist

jeweils mit 500 Kilometern angegeben.

Undnoch etwas Besonderes bieten

die beiden Fahrzeuge: Ein Stopp

zum Tanken dauert nur drei bis fünf

Minuten, sagt der Hersteller.

Stationiertwerden sie in zwei Abschnitten

der Direktion 2, die zuständig

ist für Spandau und Charlottenburg

Wilmersdorf. Dort sei man

schon gespannt auf die „Neuen“,

heißt es im Polizeipräsidium. Zunächst

werden die Funkwagen, die

natürlich auch über Blaulicht und

Martinshorn verfügen, zu Kontrollfahrten

und Transporten eingesetzt.

„Für alle Fahrten, wenn es nicht so

Bastian Pastewka feiert mit

Ensemble und Fans die Premiere

der zehnten und letzten Staffel

seiner Serie „Pastewka“

nach, wo Anne als Ärztin arbeitet.

Dort werden sie zu Freunden, was

nach der Rückkehr nach Deutschland

keiner glauben will –alle gehen

davon aus, dass es wieder zwischen

ihnen gefunkt hat. Zumal Anne jetzt

ein Kind will und Bastian gern der

Vater wäre. Natürlich wird das Ende

nicht verraten, aber die Richtung ist

klar, denn ein Happy End war auch

Bastian Pastewka wichtig: „Wir sind

doch nicht Game of Thrones!“

„Pastewka“ endet nach 15 Jahren

und 99 Folgen. Der Namensgeber

freut sich über die unrunde Zahl der

Das ist einer der „Neuen“, die die Polizei

nun testen wird.

TOYOTA

schnell gehen muss“, sagte ein Beamter.

Denn die Wagen würden erst

getestet. Der Preis sei höher als für

Wagen mit Verbrennungsmotor,

aber dafür seien sie nachhaltiger.

Die genaue Summe war auch

vomHersteller nicht zu erfahren. Die

Anschaffung der beiden Autos unterstützt

das Programm für nachhaltige

Entwicklung. Es wird durch den Europäischen

Fonds für regionale Entwicklung

mitfinanziert und soll die

Verringerung der Schadstoffbelastungen

im gewerblichen und öffentlichen

Bereich unterstützen.

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Folgen: „Wir haben die 100 nicht geschafft

–das passt für mich perfekt

zum Geist der Serie. DerewigeTölpel

Pastewka erreicht das große Ziel einfach

nie.“ Allerdings hat er –Zwinker-Zwinker!

– einen Tipp für die

Fans, die sich ab dem 7. Februar auf

Amazon prime die neue Staffel anschauen:

„Schön nach unten scrollen,

da kommt noch was!“

Bei so vielen Produktionen behaupten

die Beteiligten öffentlich,

dass sie sich zu einer Familie entwickelt

hätten. Bei„Pastewka“ soll das

sogar stimmen. Der Hauptdarsteller

beteuert: „Wir haben uns in all den

15 Jahren immer nur vorder Kamera

angegiftet, nie dahinter.Wir feierten

gemeinsam Weihnachten und Geburtstage.“

ANKE ENGELKE

sieht darin auch einen Grund,

warum es die Serie so lange gab:

„Bastian ist mit seiner Familie nicht

ausgelastet.“ Für sie lässt sich die

Leistung der Serie und ihrer Macher

klar benennen: „Die haben die Sehgewohnheiten

des deutschen Publikums

verändert. Es gibt wohl keine

andere deutsche Comedy-Serie, die

schon so lange Geschichten linear

erzählt.“ Anke Engelke, die am 22.

Februar im Ersten im Politthriller

„Tödliche Geheimnisse – Das Versprechen“

zu sehen sein wird, gehörte

zu den Freundenund Kollegen

vonPastewka mit den meisten Gastauftritten

in seiner Serie. Sie versuchte

dabei immer wieder, den

Protagonisten zu erziehen –was ihrer

Rolle im richtigen Leben des

Freundes nahe kommt: „Ich habe

privat immer versucht, ihn zu einem

besseren Menschen zu machen, einem

Naturfreund. Ich versuche, ihn

von dem schlimmen Essen wegzubekommen,

das er so gern zusich

nimmt. Ich habe ihn jetzt sogar so

weit, dass er gelegentlich mit dem

Zugfährt.“

Tausende Briefe

gestohlen

Prozess gegen drei Männer scheitert im ersten Anlauf

Ein Prozess gegen drei mutmaßliche

Postdiebe, die Tausende

Briefe aus verplombten Frachtfahrzeugen

gestohlen haben sollen, ist

im ersten Anlauf gescheitert. Das

Amtsgericht Tiergarten setzte das

Verfahren am Donnerstag aus,nachdem

eine Verständigung zwischen

Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung

nicht zustande gekommen

war. Ein neuer Prozesstermin steht

noch nicht fest. Es sei eine umfangreichere

Beweisaufnahme erforderlich,

sagte der Vorsitzende Richter.

Die 21, 30 und 57 Jahre alten Angeklagten

sollen als Mitglieder einer

Bande agiertund Sendungen aus gesicherten

Fahrzeugen gestohlen haben,

um an Bargeld, Gutscheine und

Bankkarten zu gelangen. Der57-jährige

Angeklagte sei laut Anklage als

Transportfahrer bei der Deutschen

Post tätiggewesen. In 14 Fällen habe

er im September 2019 den beiden

mutmaßlichen Komplizen Zugang

zu den jeweils von ihm geführten

Wagen verschafft.

Die mutmaßlichen Täter hätten

dann die jeweilige Sicherung überwunden,

Briefe entwendet und die

Beute auf Wertsachen durchsucht.

Bei der letzten Tatseien zwei Säcke

voller verschlossener Briefsendungen

gestohlen worden. DieStaatsanwaltschaft

geht von einer Beute in

Höhe von insgesamt knapp

5500 Euro aus.

In Wohnungen in Neukölln, Köpenick

und Lichtenberg hatten Ermittler

nach Angaben der Polizei

mehrereSäcke mit Tausendengeöffneten

Briefen sichergestellt. Die Angeklagten

befanden sich rund drei

Monate in Untersuchungshaft. Im

Dezember sei es im Ermittlungsverfahren

zu geständigen Aussagen gekommen,

hieß es am Rande der Verhandlung.

Die Verteidiger der mutmaßlichen

Diebe wollen Bewährungsstrafen

erreichen. Die

Staatsanwältin erklärte dagegen, aus

ihrer Sichtkomme Bewährung nicht

in Betracht.

Ende des vergangenen Jahres war

ein Paketzusteller vom Amtsgericht

Tiergarten zu einer Freiheitsstrafe

von einem Jahr und acht Monaten

verurteilt worden, die zur Bewährung

ausgesetzt wurde. Der 28-Jährige

war für ein Unternehmen tätig,

das für Hermes arbeitete. Der Mann

hatte in nur vier Tagen 51 Pakete unterschlagen.

Seine Freundin verkaufte

die so erlangten Dinge bei

Ebay. Den Verkaufserlös von

1843 Euro teilten sie sich. (dpa, BLZ)

Mehr

Berliner

ohne Job

Arbeitslosigkeit stieg im

Januar stärker als üblich

In ganz Deutschland bekommen

Arbeitssuchende zunehmend die

konjunkturelle Unsicherheit zu spüren

–Berlin und Brandenburg bleiben

von dieser Entwicklung nicht

verschont. So stieg nach der am

Donnerstag vorgestellten Statistik

die Arbeitslosigkeit in der Hauptstadt

im Januar stärker als in den vergangenen

Jahren üblich.

Bundesweit waren im Januar

nicht nur 200 000 Menschen mehr

ohne Job als noch im Dezember

2019, sondern auch rund 20000

mehr als vor einem Jahr, teilte die

Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag

in Nürnberg mit. Insgesamt

waren 2,426 Millionen Personen arbeitslos

gemeldet. Darunter waren

159 882 Frauen und Männer aus Berlin

sowie 80 119 aus Brandenburg. In

Brandenburg stieg die Arbeitslosigkeit

im Januar zwar auch saisonbedingt

an, dennoch wurde dort die

niedrigste Arbeitslosenzahl in einem

Monat Januar seit 1991 verzeichnet.

Anders die Entwicklung in der

Hauptstadt:„Erstmals seit 2010 liegt

in Berlin die Januar-Arbeitslosenzahl

über dem Vorjahr“, sagte der Berlin-

Brandenburger Agenturchef Bernd

Becking. Im Januar 2019 hatte es

noch gut 4000 Arbeitslose weniger

gegeben. Im Vergleich zum Dezember

2019 registrierte die Behörde im

Januar in Berlin 9732 mehr Arbeitslose.

Zwar sei es üblich, dass die

Quote nach dem Jahreswechsel

steige, weil dann viele Arbeitsverträge

endeten, erklärte die Agentur.

Doch nun stehen mehr Betroffene

erst mal mit leeren Händen da. „In

den Arbeitsagenturen meldeten sich

mehr Personen, die nach dem Ende

eines Arbeitsverhältnisses nicht sofort

einen neuen Job gefunden haben“,

sagte Becking.

Arbeitslosenquote: 8,2 Prozent

Die Berliner Arbeitslosenquote erreichte

im Januar 8,2 Prozent. Sielag

damit 0,5 Prozentpunkte höher als

im Dezember. Auch in Brandenburg

stieg die Quote um 0,5 Prozentpunkte

–auf sechs Prozent. Dortwaren

6747 Arbeitssuchende mehr als

im Dezember gemeldet, aber auch

6746 weniger als vor einem Jahr, so

die Bundesagentur für Arbeit. „Das

ist die niedrigste Arbeitslosenzahl in

einem MonatJanuarseit1991“, hieß

es. Ein Anstieg nach dem Jahreswechsel

ist üblich, weil dann viele

Arbeitsverträge auslaufen. Auch das

Wetter spielt eine Rolle, wenn etwa

im Handwerk Dachdecker oder

Maurer wenigerAufträge abarbeiten

können. Im Januar 2019 hatte die Arbeitslosenquote

jedoch noch

0,5 Prozentpunktehöher gelegen.

Der positive Trend für den Brandenburger

Arbeitsmarkt halte an, so

die Agentur. ImNovember habe die

Zahl der sozialversicherungspflichtigBeschäftigten

in Brandenburgbei

866 300 gelegen. Das entspräche einemPlus

von6500. (dpa, BLZ)

Arbeitslose im Januar 2020

Land Berlin 159 882

Neukölln

21 394

Mitte

21 073

Pankow

15 122

Friedr.-Kreuzberg

14 213

Temp.-Schöneberg

13 743

Charlott.-Wilmersdorf

12 338

Lichtenberg

12 016

Spandau

11 683

Reinickendorf

10 606

Marzahn-Hellersdorf

10 385

Treptow-Köpenick

9716

Steglitz-Zehlendorf

7593

BLZ/GALANTY; QUELLE: BA


Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020 13

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Berlin

Das Humboldt-Forum

steht in der Nachfolge

zweier ikonischer Bauten

der Berliner Geschichte:

Schloss und Palast der Republik.

Jetzt ist der Neubau nahezu

vollendet. Dort sollen viele Kulturen

derWelt einen neuen Ortbekommen

und zugleich die Geschichte des Ortes

erlebbar sein. Hartmut Dorgerloh,

Generalintendant des Humboldt-Forums,spricht

über die komplexe

Aufgabe.

Herr Dorgerloh, Siesind Ost-Berliner.

Wie erinnern Sie sich an den Palast

der Republik?

Ichhabe von1982 bis 1987 an der

Humboldt-Uni studiert und danach

ganz in der Nähe gearbeitet, im Institut

für Denkmalpflege in der Brüderstraße.

In den Vorlesungspausen

konnte man in die Bibliothek gehen,

ins Museum oder in den Palast der

Republik. Da war es warm, hell, die

Telefonzellen funktionierten immer,

und es gab einen gut sortierten Presseladen.

Die gastronomischen Einrichtungen

waren – gemessen am

Stipendium –nicht so günstig. Bei

meiner Immatrikulation im Großen

Saal trug die überwiegende Zahl der

Studierenden Blauhemd, nur kleine

Grüppchen – von den Theologen,

Kunstgeschichtlernund Theaterwissenschaftlern

– trugen keins oder

ganz verschämt, sodass nur der Kragen

rausguckte. Wir waren klar die

Minderheit. Der Farbkontrast der

blauen Masse in den gelben Stühlen

ist mir sehr in Erinnerung. Zu den

großen Kulturveranstaltungen bin

ich nie gegangen. Wasmich interessierte,fand

nicht in Mitte und schon

gar nicht im Palast der Republik statt.

Für klassische Musik hatte ich ein

Abo imKonzerthaus, und in der aktuellen

Kunst und Musik hat mich

mehr interessiert, was sich in der alternativen

Szene tat –übrigens auch

während der Zwischennutzung in

der asbestfreien Palastruine.

Inzwischen sind Sie verantwortlich

für die Gestaltung dieses Ortes, und

man wartet gespannt auf die Eröffnung.

Wann geht es endlich los?

Wir sind auf der Zielgeraden. Wir

stimmen mit den verschiedenen Beteiligten

gerade die Daten ab. Ein

konkreter Termin steht noch nicht,

aber wir gehen davon aus, dass die

Eröffnung ab September beginnen

kann und in drei Etappen stattfinden

wird. Zuerst öffnen im Erdgeschoss

das Foyer mit dem Veranstaltungsbereich,

die Flächen für Sonderausstellungen

und die Geschichte des

Ortes, der Schlüterhof und die Passage

sowie im ersten Obergeschoss

die Berlin-Ausstellung und die Flächen

der Humboldt-Universität. Mit

Beginn der zweiten Etappe werden

in den beiden oberen Etagen die ersten

Bereiche mit den Sammlungen

des Ethnologischen Museums und

des Museums für Asiatische Kunst

zugänglich. Das wird im zweiten

Quartal 2021 sein. Zum Finale, am

Jahresende 2021, werden alle Bereiche

dieser Sammlungen sowie diverse

Wechselausstellungen und damit

das ganzeHaus zugänglich sein.

Gibt es zum Startein Bürgerfest?

Ja,uns ist ganz wichtig, dann endlich

Besucherinnen und Besucher im

Haus begrüßen zu dürfen. Aber man

muss klar sagen: Wir sind noch nicht

fertig, wenn wir aufmachen. Doch wir

wollen das Publikum mitnehmen –es

entsteht ja wirklich ein neues Stadtquartier.Allein

der Besuch des Schlüterhofs,

der Eingangshalle und der

Passagen! Im Außenbereich wird es

noch für ein bis zwei JahreBaustellen

geben. Der neue U-Bahnhof Museumsinsel

soll 2021/22 fertig sein.

Sind im Inneren noch heikle bauliche

Probleme aufgetaucht?

In der finalen Phase gibt es bei so

großen und komplexen Bauvorhaben

immer etwas, woesnoch hakt.

Und es gibt insgesamt im Baugewerbe

aktuell Kapazitätsprobleme.

Es fehlen in vielen Gewerken Fachkräfte,

und die brauchen nicht nur

wir, sondern auch andere. Aber ich

bin weiterhin optimistisch.

Hat sich der Blick auf die ethnologische

Sammlung hinsichtlich kolonialer

Raubkunst geändert?

„Wir müssen Schloss

und Palast erklären“

Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt-Forums,

über die Eröffnungspläne, die Komplexität des Ortes und

Hartmut Dorgerloh schwebt ein Humboldt-Forum als Haus der Debatten vor,das in der historischen Mitte Vergangenheit und Zukunft verbindet.

Ich finde es gut, dass die Diskussion

über die Zukunft ethnologischer

Sammlungen, deren Bestände

häufig aus kolonialen Kontexten

kommen, eine größere Öffentlichkeit

erreicht hat. In Fachkreisen wird

sie schon länger geführt. Aber es geht

darüber hinaus um die Frage,wie wir

generell mit dem kolonialen Erbe

umgehen, nicht nur in den Museen.

Wasbedeutet Dekolonialisierung für

unsere Gesellschaft insgesamt? Das

ist ein großes und wichtiges Thema,

auch eine Folge der Globalisierung.

Ist mit Rückgaben von Objekten zu

rechnen?

Die Berliner Staatlichen Museen

haben in diesem Bereich ihreProvenienzforschung

verstärkt, und die

Ergebnisse werden zu weiteren Restitutionen

führen. Aber es geht um

mehr:umProzesse,die mit allen Beteiligten

partnerschaftlich anzugehen

sind, zum Beispiel bei gemeinsamen

Ausstellungsprojekten oder

im Bereich Vermittlung. Wir wollen

das Humboldt-Forum zu einem Ort

machen, an dem diese Prozesse sowie

Diskussionen über Restitution

oder über die Rolle vonObjekten für

die kulturelle Identität stattfinden –

die Problematik inhaltlicher Reduzierungen

ein Haus der Vielstimmigkeit. So

wird es in den entsprechenden

Sammlungspräsentationen Medienstationen

geben, die eine große Vielfalt

aktueller Positionen aufzeigen,

zum Beispiel zu den Benin-Bronzen.

Gibt es ein Objekt, vondem man sich

bald verabschieden muss?

Diese Entscheidung liegt bei den

Staatlichen Museen und der Stiftung

Preußischer Kulturbesitz als Eigentümerin

der Sammlungen. Und es

wirdmehr als ein Objekt sein.

ZUR PERSON

Jugend und Studium: Hartmut Dorgerloh wurde 1962 in Ost-Berlin geboren. Nach Abitur (in

Potsdam) und Grundwehrdienst studierte er von1982 bis 1987 Kunstgeschichte und Klassische

Archäologie an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Wichtigste berufliche Etappe: Von2002 bis 2018 war der Kunsthistoriker und DenkmalpflegerGeneraldirektor

der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Spitzenjob: Seit 1. Juni 2018 ist Hartmut Dorgerloh Generalintendant des Humboldt-Forums

in Berlin und zählt damit zu den wenigen Ostdeutschen auf einer herausragenden Position.

Wie wird esrund um das Humboldt-

Forum aussehen? Gefallen Ihnen

Einheitswippe und Badetreppe vor

der Haustür?

DasFlussbad ist eine sehr schöne

Idee, weil es mit etwas Wichtigem

zusammenhängt: der besseren Wasserqualität

der Spree. Und wir wollen,

dass sich dort das einheimische

und das touristische Publikum mischen.

Ich bin auch sehr gespannt,

wie die Diskussion über die Gestaltung

der anderen Seite der Spree

weitergeht –StichwortMarx-Engels-

BLZ/MARKUS WÄCHTER

Forum. Es läuft ein Wettbewerb zur

Neugestaltung der Grünanlage,aber

ich glaube nicht, dass dies das letzte

Wort ist. Es wird sicherlich weitere

Diskussionen über die Fläche geben.

…also über Heiliggeist-Viertel, Marienviertel


Genau.

Bebauung –jaoder nein?

Das hängt von Funktion und

Zweck der Stadträume ab. Für mich

ist es wichtig, dass es kein rein kommerzieller

Ort wird oder nur für

Leute, die sich die Gegend finanziell

leisten können. Ich halte es für notwendig,

über die städtischen Räume

zu streiten –imSinne vonetwas miteinander

aushandeln, und nach langen

Diskussionen demokratisch getroffene

Entscheidungen auch zu akzeptieren

und damit zu leben. Das

betrifft auch die Umgebung des

Humboldt-Forums, wozu auch die

sogenannte Einheitswippe gehört.

Wird man die populäre Gläserne

Blume aus dem Palast der Republik

im neuen Haus wiederfinden?

Zur Frage, obman die Gläserne

Blume zeigen soll, haben die damals

Verantwortlichen in unserer Stiftung

ganz aufgeschlossen gesagt: „Das

wäre doch was, gucken wir mal, ob

das geht.“ Es hat sich dann leider

herausgestellt, dass eine Präsentation

aus funktionalen, technischen

und konzeptionellen Gründen nicht

möglich ist. Deshalb haben wir vor

dreieinhalb Jahren mitgeteilt: Wir

haben geprüft, es lässt sich nicht realisieren

–zumindest nicht für eine

dauerhafte Ausstellung.

Wiewirdanden Palast erinnert?

Wir müssen und wollen im Humboldt-Forum

erklären, warum gegenüber

im ehemaligen Staatsratsgebäude,

auch noch ein Stück Schloss

steckt. Undwas es mit dem Palast der

Republik auf sich hat. Insofernist die

Erinnerung an die Geschichte des Ortes

eine zentrale Aufgabe mit dem Fokus

auf das Schloss,den Palast der Republik

und das Humboldt-Forum selber.Denn

in ein paar Jahren wirdman

erklären müssen, warum dieses so

geworden ist, wie es geworden ist und

was die Rahmenbedingungen waren.

Im Haus wirdman überall Spuren aus

der Geschichte des Ortes finden. Erinnernkann

sich aber nicht auf symbolische

Handlungen beschränken,

also einfach ein Stück aus jedem

Haus auszustellen. Das machen wir

auch, aber es geht ebenso um die aktive

Auseinandersetzung mit der Geschichte.

Sopräsentieren wir auf einer

riesigen Medienwand das ganze

Spektrum der Geschichte des Ortes,

vom Beginn im Mittelalter über das

Renaissanceschloss bis zum Bauund

Abriss des Palastes der Republik –einschließlich

Schlosssprengung, Aufmarschplatz

und kultureller Zwischennutzung

nach der Schließung

1990. Zurzeit führen wir Zeitzeugeninterviews,

sammeln Daten, bauen

ein Archiv und haben vom Bund

Hunderte Einrichtungsgegenstände

aus dem Palast übernommen. In welcher

Weise wir das Material nutzen,

hängt auch vom öffentlichen Interesse

ab.Der Palast hatte ja verschiedene

Facetten –politische und kulturelle.

Aber die Gläserne Blume wäre doch

ein zentrales Objekt, um genau den

Facettenreichtum zu zeigen …

Ich halte nichts davon zu sagen:

Wenn ich Thronsessel und Gläserne

Blume ausstelle, ist das Thema erledigt.

Es wird immer eine Auseinandersetzung

damit brauchen, was an

diesem Ortpassiertist, denn es ist der

zentrale Ort dieser Stadt. Die Gläserne

Blume sollte man auch nicht

überbewerten, sie ist zwar ein wichtiges

Stück, aber sie steht nicht für den

ganzen Palast der Republik. Eine solche

Reduzierung widerspräche dessen

Komplexität und Bedeutung, der

wir gerecht werden müssen. Wirhoffen

daher auch, dass Besucherinnen

und Besucher uns an ihren Erinnerungen

an den Palast teilhaben lassen.

Vielleicht hat der eine oder anderenoch

ein Objekt aus dem Palast.

Auch in unserem Veranstaltungsprogramm

wirdereine Rolle spielen.

Waswird aus dem Palast der Republik

nun zu sehen sein?

Zwölf Objekte, im ganzen Haus

gut sichtbare„Spuren“, die besonders

präsentiert und erklärt werden. Darunter

sind große, bekannte Stücke,

zum Beispiel ein Ausschnitt aus Jo

Jastrams Bronzerelief „Lob des Kommunismus“,

Wolfgang Mattheuers

Gemälde „Guten Tag“, beide im zentralen

Treppenhaus zu sehen. Oder

ein florales Wandrelief aus Meißener

Porzellan, das im ehemaligen Palastrestaurant

hing. Das wird wieder in

einem Restaurant zu sehen sein. Aber

auch eine Überwachungsanlage wird

ausgestellt. Undesgibt neue,aktuelle

Kunst, so von dem Berliner Künstler

TimTantenroth. Er setzt sich mit der

sehr populären, kupferspiegelnden

Fassade auseinander und übersetzt

diese in ein Wandbild –ein Beispiel

dafür, dass sich Künstler bis heute

vom Palast der Republik inspirieren

lassen. Und wir werden das jüngste

Stück aus der Palast-Geschichte ausstellen,

vomMärz1990, eine gläserne

Wahlurne. Die brauchte man erst

nach den ersten freien Wahlen. Es ist

gut, dass gerade sie ganz prominent

zu sehen sein wird.

DasGespräch führte Maritta Tkalec.


14 * Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020

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Berlin/Brandenburg

NACHRICHTEN

Hohenzollernbereit für

gütliche Einigung

GeorgFriedrich Prinz vonPreußen

sieht sich bereit für eine gütliche Einigung

im Konflikt um mögliche

Entschädigungen für die Hohenzollern.

DerNachfahreder letzten deutschen

Monarchie erklärte am Donnerstag

in Potsdam: „Mein Ziel ist es,

dass alle ausgestellten Objekte an ihremOrt

verbleiben sollen.“ Damit

könnten sie Bürgernund Wissenschaft

uneingeschränkt zugänglich

bleiben. Dies habe er mehrfach zum

Ausdruck gebracht. Er nannte die Einigung

im Rechtsstreit um Burg

Rheinfels in St.Goar als positives

Beispiel bei unterschiedlichen Ausgangspositionen.

Dafür müssten

beide Seiten „den guten Willen dazu

haben und fair miteinander umgehen“.

Seit 2014 verhandeln der Bund

sowie die Länder Berlin und Brandenburgmit

den Hohenzollernüber

mögliche Rückgaben und Entschädigungen.

(dpa)

Sachsen will profitieren von

Brandenburgs Tesla-Fabrik

Sachsens Wirtschaftsminister Martin

Dulig (SPD) sieht in der Ansiedlung

des US-Elektroautobauers Tesla

in Brandenburgauch eine gute

Nachricht für Sachsen. Beieiner Befragung

im Dresdener Landtag

zeigte sich Dulig am Donnerstag davonüberzeugt,

dass auch Sachsen

vonTesla profitieren wird, weil das

Werk auch Know-howaus dem Freistaat

benötigt. AufdieseWeise könne

man Teil der Wertschöpfungskette

werden. (dpa)

Förderung für Wohnprojekte

für Alte und Pflegebedürftige

Um Kommunen beim Auf- und Ausbau

vonwohnortnahen Angeboten

für ältereoder pflegebedürftige

Menschen zu unterstützen, setzt das

Land auch künftig auf die Fachstelle

für Alternund Pflege im Quartier.

DieStelle leiste „großartige Arbeit“,

damit ältereLeute in ihrer Wohnung

oder ihrem Umfeld bleiben können.

Bis2022 soll die Stelle 1,9 Millionen

Euro erhalten. Weitere1,5 Millionen

Euro steuerndie Landesverbände

der Pflegekassen sowie der Verband

der privaten Krankenversicherung

bei. (dpa)

Ein Rettungsdienst-Mitarbeiter hantiertandem Rettungswagen, mit dem das Mädchen am Mittwochabend ins Ernst-von-Bergmann-Klinikum gebracht wurde.

Entwarnung in Potsdam

Der erste Corona-Verdachtsfall in der Region bestätigte sich nicht –Behörden mahnen zur Ruhe

VonJens Blankennagel, Potsdam

Die Entwarnung kam am

Donnerstag um 13.22

Uhr. Das Brandenburger

Gesundheitsministerium

gab die Testergebnisse zum Coronavirus-Verdachtsfall

in Potsdam

bekannt. „Das Laborergebnis liegt

vor und ist negativ“, sagte Sprecher

Gabriel Hesse. „Dieser Verdachtsfall

hat sich also nicht bestätigt.“ Es war

bereits der zweite Fall in Brandenburg,

und auch er hat sich als unbegründet

erwiesen.

7830 Infizierte in China

Am Mittwochabend hatte sich eine

chinesische Schülerin bei der Notrufzentrale

gemeldet. Sie hatte

Symptome, die jenen des Coronavirus

ähnelten. Vor allem in China

sorgt der Virus für Aufregung. Er

führte zu einer Epidemie mit steigenden

Zahlen vonBetroffenen und

der Abriegelung ganzer Millionenstädte.

InChina gibt es derzeit 7830

Infizierte und 170 Todesfälle. In20

anderen Länderngibt es etwa 100 Infizierte.

Die Schülerin in Potsdam wurde

von Mitarbeitern inSchutzkleidung

per Rettungswagen ins Ernst-von-

Bergmann-Klinikum gebracht. Dort

wurde sie in einer Fachabteilung in

einem Zimmer isoliert und von erfahrenen

Experten behandelt. „Die

Behandlung erfolgt durch Spezialisten,

die seit Jahren viel Erfahrung haben

mit Patienten, die an hochansteckenden

Krankheiten leiden“, sagte

eine Sprecherin. DieBerliner Charité

überprüfte die Blutprobe und gab

schließlich Entwarnung.

Derzeit wird versucht, eine Pandemie

–also eine weltweite Ausbreitung

der Krankheit –zuverhindern.

So saßen 6600 Passagiereund Crewmitglieder

des Kreuzfahrtschiffes

„Costa Smeralda“ im Hafen der italienischen

Stadt Civitavecchia fest.

Der Grund: Eine Touristin aus der

chinesischen Sonderverwaltungszone

Macao hatte Symptome und

wurde wegen Corona-Verdachts isoliert.

Am Abend kam die Entwarnung,

Tests bei der Frau un dihrem

Mann waren negativ.

Nun können sich auch 90 Bundesbürger

aus der chinesischen Elf-

Millionen-Stadt Wuhan ausfliegen

lassen, in der die Krankheit ihren Ursprung

nahm. In Deutschland, auch

in Berlin, gab es bereits mehrereVerdachtsfälle.Davon

haben sich vier in

Bayern bestätigt. Andere sind noch

offen. Etwa in Thüringen. Am Donnerstag

gab das Helios-Klinikum in

Erfurtbekannt, dass es dortzweiaktuelle

Verdachtsfälle gibt.

In Berlin hat die Gesundheitsverwaltung

extraeine Informationshotline

zum Coronavirus eingerichtet.

Dort haben sich seit Dienstagmorgen

270 Menschen gemeldet. Gesundheitssenatorin

Dilek Kalayci

(SPD) wertete die Zahl als ein gutes

Zeichen. „Das zeigt, dass keine Hysterie

und keine Panik da ist“, sagte

sie am Donnerstag im Abgeordnetenhaus.

Die Bevölkerung müsse

aufgeklärt werden. Zu Panik gebe es

keinen Grund, sagte sie.

Grundsätzlich warnen die Behörden

vor Panikmache, andererseits

sollen Betroffene sich möglichst

schnell melden. Das zuständige Robert-Koch-Institut

weist darauf hin,

dass es für eine Ansteckung mit dem

neuartigen Virus 2019-nCoV notwendig

ist, dass die Erkrankten entweder

in einer der betroffenen Regionen

in China gewesen sein müssen

oder aber Kontakt mit Leuten

hatten, die bereits erkrankt sind.

„Mit einem Import von einzelnen

Fällen nach Deutschland muss gerechnet

werden“, heißt es beim Institut.

Aber: „Die Gefahr für die Gesundheit

der Bevölkerung in

Deutschland durch die neue Atemwegserkrankung

bleibt derzeit weiterhin

gering.“

Im Potsdamer Fall wurde die

Sache vor allem auch deshalb ernst

DPA/JULIAN STÄHLE

genommen, weil es sich um eine

chinesische Schülerin handelt. Ihre

Schule teilte den Eltern am

Mittwoch mit, dass die Schülerin seit

Tagen nicht in der Schule war und

dass es keine Ansteckungsgefahr

gebe. Das Gesundheitsamt habe

auch keine Schulschließung angeordnet.

„Auf dem Wegder Besserung“

Eltern der Schule erzählen, dass das

Mädchen in die zehnte Klasse geht.

Sie hatte sich krank gemeldet und

sich dann wegen entsprechender

Symptome ins Krankenhaus einliefern

lassen. Eltern erzählen, dass sie

nicht aktuell in China war, sondern

wohl zum Jahreswechsel.

Die Potsdamer Klinik gibt keine

Auskünfte zu dem Fall, bestätigt

nicht einmal, dass es sich um ein

Mädchen handelt. „Wir sprechen

ganz neutral von einem Patienten“,

sagte die Kliniksprecherin. „Und der

Patient ist auf dem Wegder Besserung.“

Aufder Internetseite des Schiller-

Gymnasiums heißt es,dass das Mädchen

noch am Donnerstagabend

wieder nach Hause darf. Die Schule

gab bekannt, dass auch am Freitag –

dem letzten Schultag vor den Ferien

–der Unterricht ganz regulär stattfindet.

(mit dpa)

Ausschuss

mit Berlin ist

nicht erlaubt

Gutachten sieht Verstoß

gegen die Verfassung

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Der im Brandenburger Koalitionsvertrag

vorgesehene gemeinsame

Ausschuss des Potsdamer

Landtags und des Berliner Abgeordnetenhauses

ist nach Einschätzung

vonExperten verfassungswidrig. Die

Bildung eines „echten“ gemeinsamen

Ausschusses verstoße dagegen,

dass der Landtag Ausschüsse „aus

seiner Mitte“ bilde,berichtet der Beratungsdienst

des Landtags in einem

am Donnerstag veröffentlichten

Gutachten. Zudem widerspräche ein

solches Gremium „den Verfassungsprinzipien

der Demokratie, der

Volkssouveränität und der Repräsentation

des brandenburgischen

Volkes durch den Landtag“.

Verfassungsrechtlich unbedenklich

wäreeine Zusammenarbeit zwischen

eigenständig von den jeweiligen

Parlamenten gebildeten Ausschüssen,

wie sie zwischen Hamburg

und Schleswig-Holstein

praktiziertwerde.Dorttagten mehrmals

im Jahr zwei je gesondert von

den beiden Parlamenten gebildete

Ausschüsse gemeinsam.

Das Gutachten hatte die Linken-

Fraktion in Auftrag gegeben. Eine

engere Zusammenarbeit mit Parlamenten

der Nachbarländer sei sinnvoll,

sagte Geschäftsführer Thomas

Domres. Erkündigte an, mit sächsischen

Partnernden neuen Ansatz zu

besprechen. „Nicht nur die Zusammenarbeit

zwischen Berlin und

Brandenburg sei intensiver geworden,

sondern auch die Verflechtungen

in anderen Regionen: Zwischen

den beiden Lausitzen im Süden, im

Norden zwischen der Prignitz, Ostprignitz-Ruppin,

der Uckermark

und den Nachbarkreisen in den angrenzenden

Bundesländern.“ (dpa)

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Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020 15

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Gesundheit

Jede Bewegung zählt

Eine Krebstherapie schwächt nicht nur körperlich, sondern hinterlässt auch seelische Spuren. Sport kann helfen

VonAnja Sokolow und Gisela Gross

DPA

Immer um die Hüfte kreisen: Sporttut gut und es unterstützt auch bei der Krebsbehandlung.

Radtouren über 500 Kilometer

proWoche oder ausgedehnte

Wanderungen waren

für die Berlinerin Gisela

Osuch-Trogisch lange Jahre

selbstverständlich. Doch eine Krebserkrankung

und ihre Folgen stellten

das Leben der sportlichen Rentnerin

plötzlich komplett auf den Kopf. „Ich

war am Nullpunkt angelangt. Selbst

die drei Treppenstufen in meine

Wohnung waren schon zu viel“, erinnertsich

die 67-Jährige an die Nachwirkungen

der Behandlung.

Ein starker Gewichtsverlust, Muskelabbau

und Erschöpfung führten

dazu, dass sie

kaum noch Kraft

hatte. Sport und

Bewegung haben

ihr geholfen, wieder

auf die Beine

zu kommen.

Heute,zweiJahre

später, fährt sie

Rentnerin Gisela wieder Fahrrad,

Osuch-Trogisch macht Yoga, besucht

eine Sportgruppe

und geht wandern. „Ich habe

etwa 80 Prozent meiner früheren

Leistungsfähigkeit erreicht“, sagt die

ehemalige Erzieherin.

„Sport kann nicht die medizinische

Behandlung ersetzen, aber ist

eine ganz wichtige unterstützende

Maßnahme“, erläutert Martina

Schmidt, Wissenschaftliche Mitarbeiterin

am Deutschen Krebsforschungszentrum

in Heidelberg, im

Vorfeld des Weltkrebstages am 4. Februar.

Die Bewegung könne nicht

nur die körperliche Leistungsfähigkeit

aufrechterhalten oder wieder

aufbauen, sondern auch Nebenwirkungen

wie die starke Erschöpfung

mildernoder vorbeugen.

Mittlerweile sei es bei den Patienten

angekommen, dass Sport generell

gut tue,sagte Schmidt. „Eine Befragung

von uns hat gezeigt, dass

eine übergroße Mehrheit der Krebspatienten

Sport als sehr wichtig erachtet.“

Doch bei der Umsetzung

hapereesteilweise noch.

„Die Krebspatienten sind ein

Spiegel der Gesellschaft“, sagt die

Berliner Sporttherapeutin Anke von

Popowski, die seit Jahren mit ihnen

arbeitet. Einige Menschen seien

hochmotiviert und blieben dies

auch. Anderen hingegen falle es

schwer, sich aufzuraffen, gerade

wenn sie unter dem Fatigue-Syndrom,

der starken Erschöpfung, litten.

„Der Krebs macht ja auch seelisch

etwas mit den Patienten, das ist

schon anders als nach einer Hüft-

OP“, sagt vonPopowski.

Auch Gisela Osuch-Trogisch

traute sich zunächst kaum noch etwas

zu. „Bei mir brachte die zweite

Reha den Durchbruch“, erzählt sie.

Dortsei sie langsam wieder an Bewegung

herangeführtworden. Einwichtiger

Baustein für ihre Fitness inzwischen:

Die Reha-Sportgruppe von

Anke vonPopowski, die sie wöchentlich

besucht. Jeweils 60 Minuten lang

absolvieren Osuch-Trogisch und andere

Teilnehmer eine Kombination

aus Herz-Kreislauf-Training, funktioneller

Gymnastik zur Mobilisation

und Kräftigung sowie Gleichgewichts-

und Koordinationsübungen.

„Generell gilt: WasSpaß macht, ist

gut. Jede Bewegung ist besser als

keine“, so Forscherin Schmidt. Aber

der Sport müsse der Situation angepasst

sein. „Da sollten Patienten

Rücksprache mit dem Arzt halten,

um Aspekte wie frische Narben, Begleiterkrankungen,

ein geschwächtes

Immunsystem zu berücksichtigen“,

sagt sie. Eine Mischung aus Ausdauer-und

Kraftsportsei gut, wenigstens

zwei- bis dreimal proWoche für

je 30 Minuten. „Man darf sich auch

ruhig ein bisschen anstrengen.“

500 000 Neuerkrankungen

Laut Deutscher Krebshilfe stehen in

Deutschland etwa 1000 Krebsnachsorge-Sportgruppen

zur Verfügung.

Der Bedarf ist da: Allein 2016 gab es

nach jüngsten Schätzungen des Robert-Koch-Instituts

fast eine halbe

Million Krebsneuerkrankungen in

Deutschland. Das Netzwerk „Onko-

Aktiv“, vom Nationalen Centrum für

IMAGO IMAGES

Tumorerkrankungen in Heidelberg,

hat eine Plattform aufgebaut, um

über die Angebote bundesweit zu informieren.

Doch nicht jeder Patient

will in eine spezielle Krebsgruppe.

Auch Gisela Osuch-Trogisch nicht.

„Ich wollte nicht noch mit anderen

Schicksalen konfrontiert werden“, so

die Berlinerin, die lieber eine gemischte

Gruppe vom Verein Sport-

GesundheitsparkBerlinbesucht.

Andere Patienten wiederum haben

gar keine Auswahl. „Gerade auf

dem Land ist die Versorgung nicht

immer gut“, sagt Sportwissenschaftlerin

Verena Krell von der Berliner

Charité. Sie testet deshalb in einer

Studie mit Versicherten der AOK

Nordost eine Sporttherapie per Telemedizin.

Nach einem Fitnesscheck

bekommen die Teilnehmer einige

Anschubstunden bei Physiotherapeuten

in ihrer Region, um danach

allein zu Hause weiter zu trainieren.

Alle zwei Wochen werden die Probanden

per Telefon betreut und gegebenenfalls

weiter motiviert.

Die Erfahrungen mit den ersten

35 Probanden seien bereits sehr gut,

sagt Krell: „Es zeigt sich, dass der

Sporteine aktivierende Wirkung hat,

die Probanden sind fitter und gehen

leichter durchs Leben.“ Krell geht

davon aus, dass diese Art der Therapie

so hilfreich ist wie der Sportineiner

Krebssportgruppe.

Doch warum wirkt sich Sport

überhaupt so positiv aus? „Es gibt

nicht den einen Mechanismus, sondern

die Wirkung ist vielschichtig.

Allgemein gehen wir davon aus,dass

Sport unter anderem über die Verbesserung

der Fitness, also von

Herz-Kreislauf, Lungenfunktion und

Muskelfunktion, Abbau von Körperfett

oder die Stärkung des Immunsystems

wirkt“, sagt Schmidt. AuseinemVersuch

mit Mäusen gebe es zudem

Hinweise,dass Sportden Rückgang

eines Tumors fördern könnte –

wie genau, ist aber noch unklar.

„Bei Langzeitbeobachtungsstudien

sieht man, dass die Überlebensund

Rückfallraten bei Patienten, die

Sport getrieben haben, besser sind

als bei passiven Menschen. Bei solchen

Studienkann es aber auch Verzerrungen

der Ergebnisse geben.“

Dereindeutige Nachweis der Kausalität

stehe noch aus,betont Schmidt.

Nicht zuletzt wirke sich der Sport

auf die Psyche der Krebspatienten

aus, betont sie.„Patienten gewinnen

wieder Vertraueninden eigenen Körper

und haben das Gefühl, selbst aktiv

zu werden. Das ist wichtig, denn

bei der Therapie sind sie oft in der

passiven Rolle –eswirdetwas mit ihnen

gemacht, man fühlt sich ausgeliefert.“

Das bestätigt Anke von Popowski:

„Der Sport trägt dazu bei,

wieder aktiv zu werden und eine

Struktur ins Leben zu bringen.“ (dpa)

Schmerzhafte Steine

Jede fünfte Berlinerin und jeder zehnte Berliner haben Gallensteine. Operiert werden müssen sie aber nur,wenn sie Beschwerden verursachen

VonMichael Timm

Ein üppiger Braten, eine leckere

Torte –und schon rächt sich die

Galle. Jeder zehnte Deutsche hat

Gallensteine. Aber nur jeder vierte

von ihnen spürt sie auch. Meist immer

dann, wenn sich die Gallenblase

zusammenzieht, die Steine wandern

und die Gallenausgänge versperren.

„Dann gibt es eine Kolik“, sagt Thomas

Steinmüller, Chefarzt der Chirurgischen

Klinik der DRK-Kliniken

Berlin-Westend. „Wer einmal so einen

schmerzhaften Anfall erlebt hat,

wird diese Qualen nicht so schnell

vergessen.“

DasLeiden entsteht, wenn sich die

Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit

verändert. „Gallensteine sollte

man jedoch nur dann entfernen,

wenn sie auch Beschwerden verursachen“,

so Steinmüller.„Oft treten Koliken

nach einer fettreichen Mahlzeit

auf. Dann kommt es zu wellenartig

auftretenden Schmerzen inder Magengegend

oder im rechten Oberbauch,

die in die rechte Schulter oder

in den Rücken ausstrahlen können.“

Gegen diese Schmerzen helfen

vorübergehend krampflösende Medikamente.Oft

muss der Notarzt eine

Spritze geben. Danach sollte man

sich vom Hausarzt oder Internisten

Gallen-OP

Berliner Top-10-Kliniken für Gallen-Operationen, 2017

Klinik für MIC

875

Charité Mitte/Virchow

591

Sana Lichtenberg

491

DRK Kliniken Köpenick

446

Park-Klinik Weißensee

366

Vivantes Humboldt

323

Vivantes Neukölln

305

Helios Berlin-Buch

276

DRK Kliniken Westend

274

BG Unfallklinik Marzahn

262

BLZ/HECHER; QUELLE: QUALITÄTSBERICHTE DER KLINIKEN, OPS-ZIFFER 5-511, WEISSE LISTE

untersuchen lassen. 90 Prozent aller

Steine liegen in der Gallenblase. Das

kann der Arzt mit einer Ultraschalluntersuchung

erkennen. Nur wenn

sich Steine in denGallengängen zum

Zwölffingerdarm festgesetzt haben,

sind sie im Ultraschall häufig nicht zu

sehen. Dann empfehlen Mediziner

eine Gallengangsspiegelung. Dazu

muss der Patient einen Magenschlauch

schlucken. Damit kann der

Internist die Steine aus dem Gallengang

meist auch gleich ohne OP herausziehen.

Manchmal reicht eine

Kernspintomographie.

Liegen die Steine in der Gallenblase,hat

sich dieSchlüsselloch-Operationstechnik

bewährt. Steinmüller:

„Wir Chirurgen entfernen die Steine

zusammen mit der Gallenblase. Dafür

brauchen wir nur noch drei bis

vier kleine Ein-Zentimeter-Schnitte

in die Bauchdecke und führen durch

diese Öffnungen endoskopische

Operationsinstrumente ein.“ Vorteile

für die Patienten: Kaum sichtbare

Narben, weniger Schmerzen nach

dem Eingriff, nur drei Tage Klinik,

schnellere Heilung und geringere Infektionsgefahr.Anschließend

können

die Patienten ohne Gallenblase normal

weiterleben. Die Gallenflüssigkeit

wird von der Leber weiter gebildet

und fließt direkt in den Darm.

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Ziel/Zweck: Wohn- und Geschäftshaus

Sie haben die Möglichkeit, sich an den Planungen zu beteiligen. Sie können

Pläne und Entwürfe einsehen und nach Erläuterung der Ziele, Zwecke und

Auswirkungen der Planungen Äußerungen hierzu abgeben. Die Anhörungsergebnisse

werden in die weiteren Planungen einfließen.

Ort:

Bezirksamt Mitte von Berlin, Fachbereich Stadtplanung, Müllerstraße

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Montag bis Mittwoch von 9bis 15 Uhr, Donnerstag von 9bis

18 Uhr und Freitag von 9Uhr bis 14 Uhr sowie nach telefonischer

Vereinbarung.

Die Unterlagen der Öffentlichkeitsbeteiligung sind auch im Internet einzusehen unter:

www.berlin.de/bebauungsplaene-mitte/ sowie auf der Beteiligungsplattform: www.mein.berlin.de

Hinweis: Die Verarbeitung personenbezogener Daten erfolgt auf der Grundlage des §3Baugesetzbuch in Verbindung mit

Art. 6Abs. 1Buchst. eDatenschutz-Grundverordnung und Berliner Datenschutzgesetz; weitere Informationen entnehmen

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16 Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020

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Sport

AKTIVES ABSEITS

Verstecken

gilt

nicht

Für die Vereine geht die Winterpause

in der Regionalliga Nordost

zu Ende. Hier ein kurzer Überblick

zur Lage der fünf Berliner Fußballklubs

hinter VSG Altglienicke:

Hertha BSC II: Die Mannschaft von

Trainer Andreas „Zecke“ Neuendorf

startete furios in die Saison und

stand nach zwölf Spieltagen an der

Tabellenspitze. Vor allem die Stürmer

Muhammad Kiprit und Jessic

Ngankam trafen beinahe in jedem

Spiel. Doch der ständige Personalwechsel

bei Herthas U23, eine normale

Angelegenheit in der Schnittstelle

vom Amateur- zum Profibereich,

brachte Rückschläge: Insgesamt

kamen 38 Spieler zum Einsatz.

Zecke Neuendorf: „Wenn wir Vierter

werden sollten, hat vieles gepasst!“

BFC Dynamo: Heimlich, still und

leise hat sich die junge Mannschaft

von Trainer Christian Benbennek

nach vorne geschoben. „Unsere

Truppe ist sehr lernfähig“, lobte der

Trainer.Der BFC hatte ja vorder Saison

die Mannschaft neu zusammengestellt.

Die soll sich nun mit konstanten

Leistungen weiter entwickeln

und möglichst im oberen Drittel

etablieren. Benbennek trifft

offenbar den richtigen Tonbei seinen

Spielern: hart, aber herzlich.

Viktoria 89: Die Mannschaft von

Trainer Benedetto Muzzicato liegt

sportlich voll im Soll, hat neben Chemie

Leipzig die meisten Remis (9)

aufzuweisen. Spielerisch gehörtViktoria

zu den besten Teams der Liga,

steht defensiv sehr gut, aber die Effektivität

im Angriff lässt zu wünschen

übrig. Der prominenteste Zugang

in der Winterpause steht im

Trainerteam. Der ehemalige Bundesliga-Profi

Michael Delura, 34,

einst bei Schalke, Hannover und

Mönchengladbach am Ball, arbeitet

als Offensivcoach.

Zeigt die Richtung an: Victoria-Trainer

Benedetto Muzzicato. IMAGO IMAGES/J. SIELSKI

Lichtenberg 47: Der Aufsteiger will

an seine guten Leistungen aus der

Hinrunde anknüpfen. Alle Vorbereitungsspiele

in der Winterpause

konnten gewonnen werden. Dabei

wurde taktisch vieles ausprobiert.

Manager Benjamin Plötz: „Unser

großes Ziel bleibt der Klassenerhalt.“

Diereine Amateurmannschaft gefiel

bislang mit spielerisch starken Auftritten.

Im Moment klagt Plötz über

zahlreiche verletzte Kicker, gibt sich

aber kämpferisch: „UnserePersonaldecke

ist bescheiden, aber wir werden

uns nicht verstecken.“

Berliner AK: DieBilanz ist bislang ernüchternd.

Der schnelle Trainerwechsel

von Ersan Parlatan zu Dirk

Kunert hat noch keine Wirkung gezeigt.

Es gab nur wenige starke Auftritte

des vorSaisonbeginn weit vorn

gehandelten BAK. Präsident Ali Han:

„Wir hatten uns das alles anders vorgestellt.

Wirdürfen nun nicht absteigen,

müssen das Maximale herausholen.

Später werden wir auf junge,

talentierte Spieler setzen.“ (mj.)

Waren erst kürzlich zum Testspiel in Altglienicke: der neue Cottbuster Trainer Sebastian Abt (Mitte) und seine Spieler Abdulkadir Beyazit und Tobias Eisenhuth (v.l.).

Rochade der Verfolger

Durch das Aus von RW Erfurt rücktAltglienicke in der Regionalliga wieder an Tabellenführer Cottbus ran

VonMichael Jahn

Per Twitter zeigten sich die

Fußballer von Dynamo

Dresden solidarisch: „Ein

trauriger Tagfür den Ostfußball“,

schrieb der Tabellenletzte

der Zweiten Liga an die Kollegen von

Rot-Weiß Erfurt, die am Mittwoch

erfuhren, dass ihr insolventer Klub

den Spielbetrieb einstellen muss

und ihre Regionalliga-Mannschaft

keine Zukunft mehr im Profifußball

hat.„Wir erinnernuns nicht nur gern

an umkämpfte Partien und eine leckere

Thüringer im Erfurter Steigerwaldstadion“,

schrieben die Kollegen

aus Dresden. Und: „Wir drücken

beim Neuanfang schon jetzt die

Daumen! @ROTWEISSERFURT

#sgd1953.“

Der Neuanfang soll in der Oberliga

stattfinden. Manche Spieler hatten

Tränen in den Augen, als sie ihre

Spinde in der Kabine ausräumten.

Biszum Ende der Transferperiode an

diesem Freitag um 18 Uhr werden

nicht alle Fußballer einen neuen Arbeitgeber

gefunden haben.

Auch Lok Leipzig ist betroffen

vom Aus der Erfurter, direkt sogar.

Da alle bisherigen Regionalliga-Partien

vonRot-Weiß annuliertwerden,

verliertLok vier Zähler und rutscht in

der Tabelle hinter Energie Cottbus

und die VSG Altglienicke auf Rang

drei. Während auch Cottbus drei

Punkte verliert, kommt Altglienicke

nur einer abhanden. Die Mannschaft

ist plötzlich wieder einen

Punkt an Spitzenreiter Cottbus dran.

Heine will nichts hergeben

Was die Tabellenspitze angeht, unterscheiden

sich die Kampfansagen

auch nach dieser kleinen Rochade

nur in Nuancen. „Wir wollen ganz

oben bleiben und werden alles dafür

tun“, sagt Sebastian Abt, 37, der neue

Cheftrainer von Energie. Abt übernahm

Anfang Januar die Verantwortung

beim früheren Bundesligisten,

nachdem Claus-Dieter Wollitz den

Verein verlassen hatte.

Unterdessen gab Thomas Löwe,

der Präsident des 1. FC Lok, bekannt,

dass der erfolgreiche DDR-Oberligist

erstmals einen Lizenzantrag für die

Dritte Liga stellen wird. Dasmussbis

zum 1. März beim Deutschen Fußball-Bund

(DFB) geschehen. Cheftrainer

Wolfgang Wolf, 62, kündigte

an: „Meine Mannschaft wird immer

bis zur letzten Minute kämpfen.“

Bleibt noch die Überraschungsmannschaft

der Hinrunde, die VSG

Altglienicke.Das Team vonCheftrainer

Karsten Heine,64, feierte im Dezember

die Herbstmeisterschaft,

Verwaist: Im Steigerwaldstadion gibt es keinen Regionalliga-Fußball mehr. DPA/B. SCHACKOFF

REGIONALLIGA

Halberstadt -Berliner AK Fr.19:00

Altglienicke-Rathenow Sa. 13.30

Lichtenberg 47 -Meuselwitz Sa. 13.30

Lok Leipzig -Viktoria Sa. 13.30

Fürstenwalde -BFC Dynamo So. 13.30

Bischofswerda -Nordhausen So. 13.30

Hertha II -Auerbach So. 13.30

Babelsberg -Chemie Leipzig So. 13.30

1. Cottbus 18 42:24 39

2. Altglienicke 18 48:23 38

3. Lok Leipzig 17 31:18 36

4. Hertha II 18 49:30 32

5. BFC Dynamo 18 26:19 32

6. Fürstenwalde 18 34:30 24

7. Viktoria 17 17:13 24

8. Lichtenberg 47 18 20:23 23

9. Auerbach 18 31:39 23

10. Berliner AK 18 32:31 21

11. Meuselwitz 18 28:31 21

12. Chemie Leipzig 18 18:21 20

13. Nordhausen 17 37:27 18

14. Rathenow 18 18:36 17

15. Halberstadt 18 20:33 13

16. Babelsberg 17 16:34 10

17. Bischofswerda 18 16:51 10

RW Erfurtstellt Spielbetriebwg. Insolvenz ein

kassierte dann aber ein deftiges 0:3

im Jahnsportpark gegen Cottbus.

Heine sagt nun: „Wir werden versuchen,

vornedranzubleiben. Freiwillig

geben wir nichts her.“ Er undsein

Assistent Torsten Mattuschka waren

acht Tage mit der Mannschaft im

Trainingslager nahe Malaga. Dabei

wurde der rumänische Erstligist Gaz

Metan Median mit 2:0 bezwungen.

Außerdem hat sich der Klub mit Offensivspieler

Patrick Breitkreuz, 28,

von den Würzburger Kickers verstärkt,

der eigentlich aus der Hertha-

Jugend stammt.

Energie Cottbus,imMai 2019 unglücklich

aus der Dritten Liga abgestiegen,

gilt nach einem rasanten

Zwischenspurt inder aktuellen Saison

als Favoritfür den Staffelsieg. Allerdings

muss der Meister aus dem

Nordosten danach in der Relegation

gegen den Champion aus der Weststaffel

antreten. Dort führt im Moment

die SV Rödinghausen vor Rot-

Weiß Essen die Tabelle an.

Mit der Favoritenrolle, behauptet

Sebastian Abt, der neue Chef von

Energie, könne er gut leben. „Mein

Vorgänger PeleWollitz musste mit einer

neu formierten Mannschaft in

die Regionalliga gehen. Nach schwachem

Start hat sich die Truppe gut

gefunden.“ Das ist noch untertrieben,

denn die Entwicklung war beeindruckend.

Nach Niederlagen gegen

Hertha II (2:5), bei Lok Leipzig

(2:3) und gegen Auerbach (1:4) sah

manch einer Cottbus schon im Mittelmaß

versinken. Doch es folgte

eine Serie von 12 Spielen mit elf Siegen

und einem Remis bei einem Torverhältnis

von 30:10. Die Tabellenspitzewar

der Lohn.

Dennoch warfTrainer Wollitz hin

und heuerte drei Tage nach seiner

Demission beim Drittligisten 1. FC

Magdeburg an. Es soll schon lange

bei Energie gebrodelt haben. „Ich

stelle mich immer vor die Mannschaft.

Aber wer stellt sich vor

mich?“, hatte Wollitz im Dezember

gefragt, als es um seine Vertragsverlängerung

ging. „Ich muss meinen

Kopf immer hinhalten und werde

voneinigen Personen immer für den

Abstieg aus der Dritten Liga verantwortlich

gemacht.“ Sein Abschied

erfolgte kurzund schmerzlos,was einige

Veränderungen hervorrief:

Cottbus-Urgestein Sebastian Abt,

der seit seinem sechsten Lebensjahr

bei Energie ist, stieg vomA-Junioren-

Trainer zum Chef der Männer auf.

Sebastian König wurde Sportchef

undMatthias Auth neuer Präsident.

Auth sagt: „Wir stehen uneingeschränkt

für die Beibehaltung des

Profifußballs in Cottbus und arbeiten

weiter an der Entwicklung unserer

professionellen Strukturen.“ Das

gefällt Cheftrainer Abt, der mit der

Gefühlswelt der Cottbuser vertraut

ist: „Früher kannte etwa imWesten

kaum einer Cottbus.Als wir mit Eduard

Geyer in der Bundesliga waren

und für Überraschungen sorgten,

änderte sich das und viele sprachen

voller Hochachtung von Cottbus

und unserem Klub. Das tat dem

Selbstwertgefühl vieler Leute in

Cottbus und der Lausitz gut. Viele

sehnen sich wieder danach.“

Energiemuss warten

MATTHIAS KOCH

Abt kann an entscheidender Stelle

etwas dafür tun. Er seine Mannschaft.

Sie sei spielstark, der Zusammenhalt

groß. Mit dem erfahrenen

Keeper JanGlinker gelang eine wichtige

Verpflichtung. Der ehemalige

Torhüter des 1. FC Union Berlin war

zuletzt beim insolventen Wacker

Nordhausen unterVertrag.

In einem Testspielschlug Energie

die Verfolgerder VSGAltglienicke im

Januar mit 3:1, aber Abtlässt sich davonnicht

beeindrucken: „Das Resultat

täuscht. Altglienicke war sehr

stark und ist unbedingt zu beachten.“

Auch den 1. FC Lok sei „spielstark,

robust, eben eine Mentalitätsmannschaft“.

Abt baut bei seiner

„jungen, entwicklungsfähigen

Truppe“, so der 37-Jährige, auch auf

einige erfahrene Profis. Kapitän Dimitar

Rangelov, 36, und RobertMüller,33,

seien sehr wichtige Führungsspieler.

Der Trainer sagt über sich:

„Ich bin bei Energie groß geworden

und darf jetzt Cheftrainer sein. Das

freut mich sehr. Ich weiß aber, dass

ich am Erfolg gemessen werde. Dafür

werdeich hart arbeiten.“

Allerdings muss seine Mannschaft

noch auf den Pflichtspielstart

warten. Durch das endgültige Aus

vonRWErfurthat Cottbus an diesem

Sonnabend erst mal Spielpause –

und muss am 8. Februar gleich im

Topduell gegen Lok Leipzig ran.

Michael Jahn

erwartet an der Spitze der

4. Ligaein enges Rennen.

Videos

zum

Genießen

Die Eisbären setzen den

Angriff auf Straubing fort

VonBenedikt Paetzholdt

Serge Aubin hat sich zu Beginn

dieserWoche noch etwas intensiverals

üblich dem Videostudium gewidmet.

Weil er wegen des Todes seinesVaters

am vergangenenWochenende

nach Kanada gereist war,sah er

weder das 3:2 in München nach Penaltyschießen

noch das 2:1 gegen

Schwenningen live. Allerdings bereitete

ihm Freude,was er im Nachgang

zu sehen bekam.„Ich bin sehr zufrieden,

wie die Jungs das gelöst haben.

Sie waren im richtigen Wettkampfmodus.“

Insbesondere der Charaktertest

gegen denTabellenletzten aus

dem Schwarzwald offenbart den

Reifeprozess, den die Mannschaft

während dieser Saison durchlaufen

hat. Verteidiger Jonas Müller sagt:

„Wir hatten schon Schwierigkeiten

in dieser Saison, wenn wir die Topteams

geschlagen haben und dann

am nächsten Spieltag gegen Krefeld

oder so gespielt haben.“

Mit Leichtsinn oder gar Motivationsproblemen

sollten die Eisbären

in den letzten beiden Spielen vorder

einwöchigen Spielpause nicht zu

kämpfen haben. Denn vor allem die

Partie am Freitagabend in heimischer

Halle gegen die Straubing Tigers

(19.30 Uhr) wird intensiv geführt

werden wie eine Play-off-Partie.

Platz drei, auf dem die Niederbayern

mit sieben Punkten

Vorsprung und einem Spiel mehr

stehen, ist das höchste Ziel, das die

Eisbären in der Hauptrunde noch erreichen

können.„Man hat das natürlich

alles schon mal durchgerechnet“,

sagt Müller, „wenn wir gegen

Straubing und unser Nachholspiel

gewinnen, sind wir nah dran.“ Für

Aubin ist diese Zielstellung eher

zweitrangig. Für ihn geht es viel

mehr darum, „sich mit einem Team

zu messen, das über uns steht“. Um

sich weiter für die Ausscheidungsrunde

zu stählen.

Pogge strahlt Sicherheit aus

Nach den letzten Eindrücken fügen

sich die einzelnen Bausteine im

Team immer besser zusammen, je

näher die entscheidende Saisonphase

rückt. Der erst zum Jahresende

2019 verpflichtete Torwart Justin

Pogge strahlt inzwischen Ruhe

aus, entschärft Großchancen und

entscheidet somit Spiele.„Es hat ein

bisschen länger gedauertals gehofft,

bis ich mich an die Mannschaft gewöhnt

habe. Und auch die Mannschaft

hat sich an mich gewöhnen

müssen“, sagt er.

Und die Balance aus Offensivdrang

und defensivem Verantwortungsgefühl

pendelt sich immer besser

ein. Wasauch damit zu tun hat,

dass Aubin in seinen Planungen nur

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Mobile Welten

Opel setzt jetzt denGrandland X

als Hybrid 4unterStrom

Wie Sie als Motorradfahrer fit

durch denWinter kommen

auf Louis-Marc Aubry verzichten

muss. Florian Busch, der seit geraumer

Zeit krankgeschrieben ist, sowie

Sean Backman, der nach einer Gehirnerschütterung,

die er beim Spiel

in Nürnberg am31. Oktober erlitten

hat, noch nicht mal im Kraftraum

trainieren kann, werden in dieser

Saison nicht mehr auflaufen. Und

noch immer besteht ja die Möglichkeit,

einen Spieler zu verpflichten.

„Wir wollen mit einem guten Gefühl

in die Pause gehen“, gibt Aubin

als Ziel vor, der nicht nur per Video,

sondernliveund inmitten aller Emotionen

die Fortschritte seines Ensembles

beobachten möchte.


Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020 17 *

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Sport

Alba Berlin

verspielt eine

Überraschung

Die Basketballer verlieren

70:74 gegen Fenerbahce

Ein Dreier aus der Mitte,ein Dreier

vomlinken Flügel. MitzweiWürfen

hatte Leo Westermann seine

Punktzahl kurz vor Ende mehr als

verdoppelt und damit entscheidenden

Anteil am 74:70-Sieg von Fenerbahce

Istanbul gegen Alba Berlin.

Viele Unterschiede hatte es nicht gegeben.

In einigen Statistiken war

Alba sogar besser als Fenerbahce,

leistete sich weniger Fehler. Vor allem

dann, als es drauf ankam. „Wir

haben am Ende etwas nachgelassen

und das hat uns das Spiel gekostet“,

sagte Kenneth Ogbe.

MitSpielbeginn hatten es die langen

Schlangen vor der Halle größtenteils

auf ihre Plätze geschafft und

so sahen gut 12 000 Zuschauer in der

Arena am Ostbahnhof ein intensives

Spiel. Vorallem die ersten acht Minuten

gefielen den türkischen Fans

ganz besonders. Ihr Team hatte ja

auch über weite Strecken in Führung

gelegen. Doch mit jedem Spieler,der

von der Alba-Bank auf das Feld geschickt

wurde,kletterte die Frustrationsskala

der Gäste nach oben. Fünf

Ballverluste und zwei Offensivfouls

prägten das Spiel des Teams aus Istanbul

und Alba Berlin profitierte

davon. Makai Mason, Kenneth Ogbe,

Johannes Thiemann und Tyler Cavanaugh

hatten gerade defensiv nach

ihrer Einwechslung einen hervorragenden

Job gemacht und auch offensiv

dafür gesorgt, dass die Gastgeber

das ersteViertel mit 22:17 gewannen.

Und dieser Spielstand hatte

auch Auswirkungen auf die Zuschauer.Waren

die rund 3000 Fenerbahce-Fans

zu Beginn noch akustisch

überlegen, so sank ihr Lautstärkepegel

Stück für Stück.

Dafür wurde es nach zwei Minuten

des zweiten Durchgangs auf der

Gäste-Bank so richtig laut. Fenerbahce

hatte sich zwei weitere Ball-

Albas Johannes Thiemann ist beim Spiel

gegen Fenerbahce ratlos.

DPA/GORA

verluste erlaubt, ein Offensivfoul begangen

und einen Dreier von Makai

Mason kassiert. Zeljko Obradovic

war davon überhaupt nicht angetan.

„Attackiert den verdammten Ball“,

brüllte der IstanbulerTrainer in nicht

ganz jugendfreien, englischen Worten.

Seine Gesichtsfarbe hatte sich

längst in tiefrot verändert und sollte

auch beim ersten zweistelligen Berliner

Vorsprung (30:20) in der 15. Minute

nicht heller werden. Allein den

Punkten von Luigi Datome konnten

er und die Istanbuler Fans es verdanken,

dass es lediglich mit einem

33:41-Rückstand in die Pause ging.

Dass sich die Gäste von soeinem

Spielstand nicht sonderlich beeindrucken

lassen, war nach dem Seitenwechsel

zu sehen. Fenerbahce

konnte die Zahl der Ballverluste minimieren.

Waren esnoch 14 in der

ersten Halbzeit, kamen im dritten

Viertel lediglich vier, imSchlussabschnitt

gar nur einer dazu. Mit zunehmender

Energie auf dem Feld

und einem immer knapper werdenden

Spiel steigerte sich auch wieder

die Lautstärke der türkischen Anhänger.

Aber: Erst knapp vier Minuten

vordem Ende der Partie konnten

sie über die erste Führung seit dem

ersten Viertel und nach dem

Schlusspfiff über den Sieg jubeln.

Entscheidend ist eben nicht die Anzahl

der Fehler, sondern der Zeitpunkt,

wann man sie macht.

Christian Kattner

Wahlkampf im Stadion

Beim Super Bowl investieren die Konkurrenten um das Präsidentenamt Millionen für ihre Botschaften

VonSebastian Moll, New York

Es ist noch nicht lange her,

dass Donald Trump sich

um die Reinheit des Sports

sorgte. Insbesondere der

Football solle unpolitisch bleiben,

war vorzweiJahren aus dem Weißen

Haus zu hören, als Sportler wie der

Quarterback Colin Kaepernick die

Spiele zu politischen Meinungsäußerungen

nutzten. Leute wie Kaepernick,

der bei der Nationalhymne

kniete statt sich zu erheben, gehörten

gefeuert, ließ Trump per Twitter

wissen und legte sich damit sogar

mit den konservativsten Teambesitzern

an. Mittlerweile scheint Trump

jedoch seine Meinung geändert zu

haben, was die Politikfreiheit des

Sports angeht. Er selbst besucht

gerne wieder öfters Spiele –zuletzt

die College Meisterschaft im American

Football, bei der er, anders als

beim Baseball, stehenden Applaus

von der Menge erhielt. Bei dem am

kommenden Wochenende in Miami

steigenden Super Bowl geht Trump

sogar noch weiter.Der Präsident begnügt

sich nicht damit, das traditionelle

TV-Interview des Regierungschefs

vor dem Anpfiff zu geben, das

er noch vor zwei Jahren verweigert

hatte. Trump hat tief in seine Wahlkampfkasse

gegriffen und für zehn

Millionen Dollar einen TV-Spot für

das Spiel gekauft.

VomHerausforderer provoziert

Dass ein amtierender Präsident auf

der größten Werbebühne der Welt

für seine Wiederwahl die Trommel

rührt, ist ein Novum. Barack Obama

schaltete zwar 2008 auch einen 30-

Sekunden-Spot, aber nur in 24 lokalen

Märkten. 2016 kauften drei republikanische

Kandidaten Werbeminuten,

aber ebenfalls nur für bestimmte

Staaten, in denen sie

Nachholbedarfsahen.Werallerdings

glaubt, der Schachzug sei Teil einer

ausgeklügelten Wahlkampf-Strategie

des Präsidenten, der liegt falsch.

Donald Trump scheint vielmehr einem

Impuls zu folgen, provoziert

durch seinen politischen Widersacher

Michael Bloomberg.

Der ehemalige New Yorker Bürgermeister

und Medienunternehmer

hat im vergangenen November

seine eigene Präsidentschaftskandidatur

erklärt. Seitdem fährt ereine

Kampagne, die nur ein einziges Ziel

hat –Trump zu attackieren. Mit seinen

demokratischen Mitbewerbern

hält er sich erst gar nicht auf und

steigt persönlich auch erst spät in

den Wahlkampf ein. Sollte er nicht

von seiner Partei nominiert werden,

das hat er bereits angekündigt,

werde ermit aller Kraft den gewählten

Kandidaten unterstützen.

Bloomberg hat nur ein Ziel: Trump

aus dem Amt zu jagen. Dabei scheut

Bloombergkeine Kosten, 200 Millionen

hat der Multimilliardär in zwei

Monaten bereits ausgegeben. Dabei

haben noch nicht einmal die Vorwahlen

angefangen.

Trumps Wahlkampfmanager

empfehlen dem Präsidenten seither,

nicht auf die Angriffe vonBloomberg

zu reagieren. Doch Trump kann sich

nicht zügeln. Nachdem Bloomberg

Der Multimilliardär Michael Bloomberg möchte neuer Präsident werden.

„Bloomberg fährt eine rein nationale

Kampagne und der effizienteste Weg,

ein nationales Publikum zu erreichen,

ist es immer noch,

in einer Sendung mit hoher Quote

Werbung zu schalten.“

Ken Goldstein, Politologe der University of San Francisco,

erkennt einen Sinn in den politischen Werbebotschaften.

jüngst in einem Clip Trumps Umgang

mit seinen Militärs kritisierte,

ließ Trump ein abfälliges Twitter-Gewitter

gegen Bloombergvom Stapel.

So konnte Trump es nicht auf sich

sitzen lassen, dass Bloomberg für

mehr als zehn Millionen Dollar eine

Werbeminute während des Super

Bowl gekauft hat. Trump fühlte sich

bemüßigt gleichzuziehen. Von einem

anderen NewYorker Unternehmer,

der weitaus reicher und erfolgreicher

ist als er selbst, ausgestochen

zu werden, war für ihn schier unerträglich.

AP/SEMANSKY

Nun werden die Werbeminuten

während des diesjährigen Super-

Bowl zum politischen Schlachtfeld.

Auf dem Spielfeld bleiben derweil

politische Meinungsbekundungen

verboten – abgesehen vom hyperpatriotischen

Zeremoniell zum Kickoff,

inklusiveMilitärparade und dem

Vorbeiflug vonKampfjets.Esist eine

traditionell an den Super Bowl geknüpfte

Demonstration militärischer

Macht der USA, die in Zeiten

der Eskalation im Nahen Osten jedoch

eine beängstigende Dimension

erhält.

Andy Roddick lässt grüßen

In dem Fernseh-Duell der Milliardärehat

Trump sicher denVorteil des

Interviews, geführt vom Fox-News-

Moderator Sean Hannity. Hannity

gilt als enger Vertrauter, die beiden

telefonieren beinahe täglich. Man

sagt, Trumps außenpolitische Entscheidungen

richten sich in erster

Linie nach Hannitys Kommentaren.

Dennoch wird Bloombergs Botschaft

nicht ungehört bleiben. Im

vergangenen Jahr schalteten 98 Millionen

Zuschauer den Super Bowl

an. In einer fragmentierten Medienlandschaft

bleibt es das vielleicht

letzte Medienevent, das die gesamte

US-Bevölkerung zusammenbringt.

„Bloombergfährteine rein nationale

Kampagne und der effizienteste

Weg, ein nationales Publikum zu erreichen,

ist es immer noch, in einer

Sendung mit hoher Quote Werbung

zu schalten“, sagt KenGoldstein, Politologe

von der University of San

Francisco.

Von den übrigen Super-Bowl-

Spots ist nicht zu erwarten, dass sie

besonders politisch ausfallen. Nachdem

die Werbeindustrie vordreiJahren,

kurz nach dem Amtsantritt von

Trump, einen Ausflug ins Politische

versucht hat, ist das Pendel wieder

zurückgeschlagen.

Polizeigewalt im Video

Damals stellten sich Coca Cola,

AirBnB und der Bierhersteller Anheuser

Bush gegen die Fremdenfeindlichkeit

der Trump-Regierung.

Doch das Publikum reagierte eher

negativ. „Die Leute wollen nicht,

dass die Werbung predigt“, sagt Dan

Granger,Geschäftsführer derWerbeagentur

Oxford Road. Stattdessen

bleiben meistens jene Spots hängen,

die witzig gemacht sind. Undsokonzentrieren

sich viele Agenturen in

diesem Jahr wieder aufs Unterhalten.

Da ist etwa der Porsche-Spot, bei

dem der Diebstahl eines Fahrzeugs

aus dem Museum in Stuttgart zueiner

wilden Verfolgungsjagd der Museumsstücke

ausartet. Oder der Remix

des Grammy-prämierten Hip-

Hop-Stücks „Old Town Road“ vonLil

Nas X für Doritos – inszeniert als

Mini-Western-Film.

Der einzige explizit politische

Spot ist jener der Football Liga NFL

selbst. Nach der Auseinandersetzung

um die Respektsbezeugungen

während der Nationalhymne hat die

Liga sich mit Spielervertretern geeinigt,

sich ihrer Anliegen anzunehmen.

So ist ein Video zu sehen, in

dem Polizeigewalt gegen Schwarze

angeprangert und gleichzeitig gezeigt

wird, was die NFL dagegen tut.

Vollkommen unpolitisch wird es

trotz des Verbots politischer Proteste

auch auf dem Spielfeld nicht zugehen.

Die San Francisco 49ers gelten

als das Team der kalifornischen Parlamentssprecherin

Nancy Pelosi. Sie

ist die Politikerin, die das Impeachment-Verfahren

gegen Trump leitet.

Entsprechend werden tendenziell

die Sympathien der Fans verteilt

sein. Ganz so klar ist die Trennung

zwischen rechts und links aber nicht.

49ers-Verteidiger Nick Bosa hat sich

als Trump-Verehrer geoutet. Coach

Kyle Shanahan hat ihn trotzdem aufgestellt,

weil er ihn braucht.

Sofia Kenin zieht ins Finale der Australian Open ein, stürzt die Gastgeber in stille Trauer und erfüllt eine Prophezeiung

Als Ashleigh Barty den Platz verließ

und in den Tunnel mit der

Galerie der Champions eintauchte,

begleitete sie tosender Applaus. Danach

wurde es still. Fast peinlich still.

Als wollten die Australier nur ja keinen

Lärm mehr hören. Sofia Kenin

schien es egal. Der Partyschreck war

zu überwältigt, um mitzubekommen,

was geschah. Oder eben nicht

geschah. Später sagte sie: „Ich entschuldige

mich bei allen australischen

Fans.“

Zwei Wochen lang hatten die Australier

auf eine Finalteilnahme von

Barty hingefiebert. „Ich weiß“, sagte

Kenin, „sie wollten, dass sie gewinnt.“

Und nun das. Kenin, 21, geboren

in Moskau, Amerikanerin, gewann

7:6 (8:6), 7:5 gegen Barty, die in

den beiden Durchgängen jeweils

zwei Satzbälle vergab. Sie trifft am

Sonnabend auf Garbine Muguruza

(Spanien), die Simona Halep (Rumänien)

in 2:05 Stunden 7:6 (10:8), 7:5

niederrang. „Für mich ist ein Traum

wahr geworden“, sagte Kenin. Tatsächlich

hegte sie diesen Traum

schon als Fünfjährige, als Beleg gibt

es auch ein Video von 2005, in dem

sie versichert, sie könne den (Gewalt-)Aufschlag

des ehemaligen US-

Open-Siegers Andy Roddick (USA)

retournieren. Roddicks Coach Rick

Macchi, ihr erster Trainer, nannte

Kenin„das unheimlichste kleineWesen,

das ich je gesehen habe“.

Wo Kenin noch hin will, ist Muguruza

schon gewesen. Siestand im Fi-

nale von Wimbledon (2015), hat die

French Open (2016) und dann doch

in Wimbledon (2017) gewonnen, sie

war die Nummer eins der Weltrangliste,

danach stürzte sie aus den Top

10, dann aus den Top 30. In Melbourne

könnte sie nun als die erste

ungesetzte Spielerin seit Serena Williams

2007 die Australian Open gewinnen.

„Ich werdeauf meine bisherigen

Erfahrungen bauen, aber die

garantieren nichts“, sagte Muguruza.

(sid)

NACHRICHTEN

Keller favorisiertfrühere

Anstoßzeiten der DFB-Elf

FUSSBALL. DerDeutsche Fußball-

Bund (DFB) zieht frühereAnstoßzeiten

für Länderspiele in Erwägung.

DFB-Präsident Fritz Keller kündigte

beim Sportbusiness-Kongress in

Düsseldorfzudem öffentliche Trainingseinheiten

der Nationalmannschaft

an. Er hatte bereits die Wiedereinführung

der Stehplätzebei der

Begegnung am 31. MärzinNürnberg

gegen Italien angekündigt, um den

Lücken auf den Tribünen bei Spielen

der Nationalelf entgegenzuwirken.

Special Olympics finden

offiziell in Berlin statt

SPECIAL OLYMPICS. Berlin ist nun

offiziell Gastgeber der Special Olympics

2023 (16. bis 25 Juni). 1234 Tage

vordem Startder ersten Weltspiele

für Menschen mit geistiger und

mehrfacher Behinderung in

Deutschland unterschrieben Vertreter

des internationalen Verbandes

SOI sowie vonSpecial Olympics

Deutschland (SOD) am Donnerstag

im Schloss Bellevue die Verträge.

Spanische Polizeit hebt

Dopingring aus

DOPING. Derspanischen Polizei ist

ein Schlag gegen den Dopinghandel

gelungen. DieBehörden hoben am

Donnerstag einen europaweit agierenden

Ring aus,der Amateur-und

Profisportler mit dem Blutdopingmittel

Epoversorgte.Das Netzwerk

wurde vonmehreren Serben geführt.

DasEpo soll vonSpaniernbeschafft

worden sein, die Verbindungen zu

einem Dialysezentrum in Cadiz hatten.

Laut Ermittlernsind die Empfänger

„Sportler aus Spanien und

dem Ausland“, die „aus verschiedenen

Sportarten“ kommen.

1. FC Union verlängert

Vertrag mit Ruhnert

FUSSBALL. Der1.FCUnion hat den

zum Saisonende auslaufenden Vertrag

mit Oliver Ruhnertals Geschäftsführer

Profifußball vorzeitig

verlängert. Der48-Jährige verantwortet

seit 2018/19 die Belange der

Lizenzspielerabteilung und hatte

wesentlichen Anteil am Aufstieg der

Eisernen in die Erste Liga.

ZAHLEN

Fußball

Bundesliga, 20. Spieltag

Hertha BSC−FCSchalke04 Fr.,20.30

Bor.Dortmund−Union Berlin Sa., 15.30

Hoffenheim −Leverkusen Sa., 15.30

Düsseldorf−Eintr.Frankfurt Sa., 15.30

Mainz 05 −München Sa., 15.30

FC Augsburg−SVWerder Bremen Sa., 15.30

RB Leipzig −M'gladbach Sa., 18.30

1. FC Köln −SCFreiburg So., 15.30

SC Paderborn−VfL Wolfsburg So., 18.00

1 RB Leipzig 19 51: 23 40

2 München 19 55: 22 39

3 M'gladbach 19 36: 21 38

4 Bor.Dortmund 19 51: 28 36

5 Leverkusen 19 30: 22 34

6 FC Schalke04 19 31: 26 33

7 Hoffenheim 19 29: 30 30

8 SC Freiburg 19 29: 26 29

9 Eintr.Frankfurt 19 31: 30 24

10 VfL Wolfsburg 19 20: 23 24

11 Union Berlin 19 23: 27 23

12 FC Augsburg 19 31: 38 23

13 Hertha BSC 19 24: 34 22

14 1. FC Köln 19 23: 38 20

15 Mainz 05 19 27: 44 18

16 SV Werder Bremen 19 24: 44 17

17 SC Paderborn 19 23: 40 15

18 Düsseldorf 19 18: 40 15

Zweite Liga, 20. Spieltag

Hamburger SV −Nürnberg 4:1

Regensburg −Gr. Fürth Fr., 18.30

Erzg.Aue−Arm.Bielefeld Fr., 18.30

Hannover96−SVWehen Sa., 13.00

FC St.Pauli−VfB Stuttgart Sa., 13.00

Karlsruher SC−Kiel Sa., 13.00

Nürnberg −Sandhausen So., 13.30

Heidenheim −Dyn. Dresden So., 13.30

Darmstadt 98−VfL Osnabrück So., 13.30


Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020 – S eite 18 *

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Sport

Kategorie Champions League

Mit der Verpflichtung des Stürmers Krzysztof Piatek gelingt Hertha BSC ein Transfercoup. Damit erhöht sich der Erwartungsdruck auf die eigene Mannschaft

Michael Preetz hatte

noch das eine oder anderezutun.

Dashat er

über die Presseabteilung

des Fußballbundesligisten Hertha

BSC ausrichten lassen und sich

für die Pressekonferenz am Donnerstag

entschuldigen lassen. Die

Fakten sprachen ohnehin für sich.

Hertha BSC hat den Polen Krysztof

Piatek, 24, verpflichtet. Der Stürmer

kommt vom ACMailand. Gekostet

haben soll er die Ablösesumme von

23 Millionen Euro. Bestätigt hatte

das der Klub zunächst nicht. Hertha-

Manager Preetz war ja auch beschäftigt.

Denn heute soll auch noch der

Brasilianer Cunha, 20, von Ligakonkurrent

RB Leipzig unterschreiben.

Rund 15 Millionen Euro Ablöse soll

der Stürmer kosten, der in Leipzig

zuletzt nicht mehr zum Zuge kam.

DieTransferperiode endet an diesem

Freitag um 18 Uhr, somit wenige

Stunden vor der Bundesligapartie

der Herthaner im Olympiastadion

gegen den FC Schalke 04 (20.30 Uhr).

Piatek könnte in diesem Duell schon

auflaufen. Wahrscheinlicher ist sein

Einsatz im DFB-Pokal am kommenden

Dienstag, wieder gegen den FC

Schalke,diesmal in Gelsenkirchen.

Rund 70 Millionen Euro hat Hertha

BSC in der Winterpause dann

ausgegeben. So viel wie kein anderer

Bundesligist. Und soviel wie in den

vergangenen fünf Spielzeiten insgesamt.

Dafür eingekauft wurden Lucas

Tousart als Rekordtransfer der

Berliner,mit 24 Millionen Euro Ablösesumme,

der jedoch sogleich für

ein halbes Jahr an Olympique Lyon

zurückverliehen wurde. Perspektive

Wachstum –wenn das mal gut geht.

UndSantiago Ascacibar nicht zu vergessen,

er kam vomVfB Stuttgart.

Anleihen bei Lewandowski

Nunalso Piatek. In Polen sehen sie in

dem 24 Jahrealten Angreifer eine Art

neuen RobertLewandowski, 31, den

legitimen Erben des Bayern-Stürmers.

„Ich habe versucht, mir sein

Verhalten auf dem Platz abzuschauen“,

hat Piatek einmal gesagt.

„Während des Spiels versuche ich,

mich auf ähnliche Weise zu bewegen.“

Auch in der Nationalmannschaft,

für die Piatek seit Sommer

2018, in zehn Partien auflief und fünf

Treffer erzielte. Beim AC Mailand

waren es in dieser Saison übrigens in

Scharfschütze in spe für Hertha BSC: Krzysztof Piatek.

18 Partien vier Treffer. Inder Vorsaison

kamen in 37 Ligaspielen 22 Treffer

zusammen.

Milan hatte 2018 rund 38 Millionen

Euro an den CFC Genua überwiesen,

aber immer noch genug

Geld übrig, um sich jetzt auch Zlatan

Ibrahimovic zu leisten, an dem es

auch gelegen haben könnte, dass

sich Piatek nach Berlin aufgemacht

hat.

Mit dem bisherigen Transfergebaren

setzt Hertha BSC Maßstäbe,

setzt damit allerdings auch die

Mannschaft und die sportlich Verantwortlichen

unter Druck. Für Platz

13 in der Bundesligatabelle ist Piatek

vermutlich nicht nach Berlin gekommen.

Interessant wirdnun vorallem

auch sein, wer der Transferpolitik

zum Opfer fällt. „In allen Vereinen

gibt es zurzeit Gerüchte und Spekulationen

und unzufriedene Spieler,

das ist völlig normal in unserem Geschäft“,

hat Alexander Nouri gesagt,

der Zeit für die Pressekonferenz am

Donnerstag zu haben hatte und als

WITTERS/RAMELLA

Assistenztrainer Chefcoach Jürgen

Klinsmann und den unabkömmlichen

Michael Preetz vertrat. Der

hatte sich vermutlich mit Anfragen

bezüglich einiger Spieler aus seiner

Mannschaft zu beschäftigen. Mittelfeldspieler

Arne Maier will das Weite

suchen, ihn ließ Preetz bisher jedoch

nicht ziehen. Niklas Stark, der eigentlich

Herthas Kapitän der Zukunft

werden sollte und so das Erbe

vonSpielführerVedad Ibisevic antreten

sollte, strebt einen Klubwechsel

an, weil er mit seiner Rolle unzufrieden

ist. Auch Salomon Kalou hat aus

seinem Groll über Coach Klinsmann

keinen Hehl gemacht. Der hatte ja

gesagt, dass er den Kader zu verschlanken

beabsichtige, und zwar

lange vorHerthas ausführlicher Einkaufstour,was

den internen Konkurrenzdruck

ordentlich befeuerte.

Einen „Champions-League-Spieler“

hatte der Chefcoach gefordert.

Piatek fällt in diese Kategorie,jedenfalls

von der sportlichen Perspektive

her, die ihm zugeschrieben wird,

nicht nur in seiner vonLewandowski

reichlich verwöhnten Heimat Polen.

„Ich weiß, dass ich sein Niveau erreichen

kann“, sagt Piatek über Lewandowski,

„aber ich muss noch hartarbeiten.“

Dazu wird dem Mann aus

Dzierzoniów in der polnischen Woiwodschaft

Niederschlesien sein

neuer Arbeitgeber ausreichend Gelegenheit

einräumen. Dem Vernehmen

nach hat sich Piatek für vier,

fünf Jahreandie Berliner vertraglich

gebunden. Derartige Details halten

die Verantwortlichen gernunter Verschluss.

Bis 2023 wäre sein Arbeitspapier

beim AC Mailand gelaufen,

der sich mit derartigen Informationen

spendabler erweist.

DasLächeln der Mona Lisa

„Er ist gut im Abschluss, kann Bälle

festmachen“, hat Assistenztrainer

Nouri an seinen Eindrücken die

Qualität des 1,83 Meter großen Mittelstürmers

festgemacht. Den medizinischen

Check, auch das ist ja nicht

ganz unwichtig für die Zusammenarbeit,

bestand Krzystof Piatek am

Donnerstagvormittag.

Ein Foto im Netz zeigt ihn mit

rosa Turnschuhen in der Hand, er

trägt einen schwarzen Kapuzenpulli

mit Aufdruck. Mona Lisa lächelt den

Betrachter an, und es sieht so aus,als

würde Piatek mit der Schöpfung des

Leonardo da Vinci etwas sagen wollen.

Ob er eine Vorliebe für Genies

und ihre Schöpfungen hat, kann

Krzystof Piatek ja bei Gelegenheit etwas

ausführlicher erzählen. Vorerst

wird eresmit seinem neuen Manager

Michael Preetz halten: Er hat

noch das eine oder anderezutun.

(BLZ)

Mensch oder Messias?

Wiedie Abwehrspieler des 1. FC Union am Sonnabend den neuen Dortmunder Wunderstürmer Erling Haaland stoppen wollen

VonMathias Bunkus und Max Ohlert

Der Bundesliga ist der Haaland

erschienen, welches ist Erling,

der Nordmann. Undmit diesem fußballerischen

Messias, Erling Braut

Haaland mit vollständigem Namen

und Geburtsort Leeds, bekommt es

der 1. FC Union am Sonnabend zu

tun, wenn der Verein erstmals in einem

Ligaspiel im vormaligen Westfalenstadion

antritt. Im Pokal hatten

die Borussen in der jüngerenVergangenheit

schon zweimal das Vergnügen

und mussten sich redlich und

zudem in der Verlängerung mühen.

Nunalso ein Duell um Punkte.

Und eines, bei dem die Augen

sich automatisch auf den 19 Jahrealten

Wunderstürmer aus Norwegen

richten, der in nur 59 Spielminuten

Bundesliga schon sagenhaft anmutende

fünf Treffer markierte.

Einer,der sich bei Union auf diese

Begegnung besonders freut, ist sein

Landsmann Julian Ryerson. Der

knapp drei Jahre ältere Abwehrspieler,

der es in sechs Bundesligakicks

bislang auf knapp das Doppelte an

Einsatzzeit (110 Minuten) in

Deutschlands Eliteklasse gebracht

hat, kennt den BVB-Angreifer persönlich.

„Er ist in Bryne aufgewachsen,

das ist knapp 30 km südlich von

Stavanger, wo ich groß geworden

bin. Ein paar Mal haben wir uns getroffen.

Außerdem haben wir bei der

norwegischen U21 ein bisschen zusammengespielt“,

sagt der 22-Jährige.„Seine

Verpflichtung hat in Norwegen

großes Aufsehen verursacht.

Ichdenke,meine Landsleute werden

jetzt viel mehr auf die Bundesliga

schauen als zuvor und nicht immer

nur Premier League gucken. Das Interesse

an seiner Person ist auf jeden

Fall riesengroß und durch denWechsel

zu Dortmund wird das noch

wachsen. Er hat das Besondere und

ist trotzdem normal geblieben. Einfach

ein guter Junge mit einem guten

Charakter“, so Ryerson.

Haaland gilt als eines der größten

Talente der Skandinavier. Länger als

ein Jahr hielt es den Sohn von Alf-

Inge Haaland, der zwischen 1997

und 2004 auf 181 Premier-League-

Einsätze für Manchester City, Leeds

und Nottingham kam, nicht bei RB

Salzburg, dann wurde ihm nach 17

Treffernin16Ligaspielen sowie acht

Champions-League-Tore die Alpenwelt

zu klein.

20 Millionen Euro ließ

Dortmund sich das Haaland-Vergnügen

kosten.

Schon jetzt ist klar – ein

Schnäppchen. Dabei stachen

die Borussen illustre

Konkurrenz aus. Auch der

kleine Dienstweg innerhalb

des Brause-Imperiums

wurde dabei unterbrochen.

Für gewöhnlich

sichert sich ja Leipzig die

Dienste talentierter Kicker aus der

Salzburger Filiale.

Die kommenden Monate werden

davon geprägt sein, dass der BVBdie

vereinbarte Ausstiegsklausel aus seinem

bis 2024 laufenden Vertrag,

schnell den Marktgepflogenheiten

anpasst. Angesichts der überhitzten

Preise scheinen die kolportierten 75

Grinsebacke:

Erling Haaland

Millionen nämlich als viel zu wenig.

Dafür, dass Haaland bislang von

Trainer Lucien Favrenur dosierteingesetzt

worden ist, hat Ryerson volles

Verständnis. „Das hat alles seine

Gründe. Man braucht immer etwas

Zeit, um sich an die neue Umgebung

zu gewöhnen. Man

braucht eine gewisse Basis.

Underkam ja auch aus einer

Verletzung“, sagte

Ryerson.

NevenSubotic, auch einer

mit Borussen-Vergangenheit,

kann Haaland zu

AP/MARTIN MEISSNER

seiner BVB-Entscheidung

nur beglückwünschen und

ist heiß auf die Auseinandersetzung

am Sonnabend.

„Daist etwas,was Dortmund

für junge Spieler besonders macht.

Eine Atmosphäre, in der junge Spieler

die Möglichkeit haben, anzukommen

und Fehler zu machen, denn

das ist ja das Natürlichste auf der

Welt. Beianderen Vereinen darfst du

das nicht, da bist du sofort raus. Ich

glaube, erist an einem richtig guten

Ort, um seine Entwicklung auch

voran zubringen“, sagt Subotic, der

in dem Zusammenhang auch den

anderen Superteenager in westfälischen

Diensten – Jadon Sancho –

hätte nennen können.

Doch natürlich fokussiertsich die

Aufmerksamkeit der Fußballwelt immer

auf das Neueste,das ist eben der

1,94 Meter große Haaland. Also ein

auch von der Länge her kaum zu

übersehender Akteur auf dem Feld.

„Der Brecher mit dem Babyface“,

taufte ihn zuletzt die „Zeit“ leicht

boulevardesk. Seine Ballführung sei

verbesserungswürdig, heißt es. Feststeht,

dass er in Laufduellen schwer

einzuholen ist und oft auch zwei Gegenspieler

körperlich an ihm abprallen.

Eigenschaften, die bei Union einem

gewissen Suleiman Abdullahi

nachgesagt werden, aber der fehlt ja

seit Saisonbeginn.

„Er weiß, dass es läuft. Und esist

auch super,dass es läuft. Denn jeder

wünscht sich ja, dass es läuft“, zeigte

Subotic eine nahezu kindliche

Freude an der Entwicklung des jungen

Norwegers, umdann unvermittelt

ernst zu werden. „Aber wir wissen

auch, dass auch er nur ein

Mensch ist und es auch für ihn nicht

immer laufen wird. Vielleicht schon

am Samstag.“

Da hätte bei Union wohl keiner

etwas dagegen. Aber Ryerson warnt

davor, das bevorstehende Spiel auf

ein Duell gegen Haaland zu reduzieren.

Könnte kontraproduktiv werden.

Wiealso ist der Fußball-Messias

zu stoppen? „Es geht mehr darum,

die ganzeBorussia zu stoppen, nicht

nur einen einzelnen Spieler. Das

fängt ja auch bei den anderen Stürmern

an. Wir müssen Druck auf sie

ausüben, auf sie und den Ball. Wir

dürfen ihnen keine Raum geben

oder Zeit, dass sie gefährlich werden

können“, meint Ryerson. Kollege

Marius Bülter sagt: „Wir werden ihn

natürlich irgendwie analysieren,

auch wenn das noch schwierig ist.

Aber ich denke nicht, dass wir uns

für ihn irgendeine Sonderbewachung

ausdenken. Das müssen wir

als Mannschaft auffangen.“


Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020 – S eite 19

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Feuilleton

Hitler in der Hölle:

Das Bild der Woche

malteGeorgeGrosz

Seiten 22/23

„Sagen wir mal so, sie ist sehr stolz auf mich.“

Der „Bad Banks“-Drehbuchautor Oliver Kienle lässt die Frage offen, ob seiner Mutter die Serie gefällt. Seite 21

Kulturraumschutz

Ein Club ist

kein Bordell

PetraKohse

teilt die Hoffnung des Clubverbandes

LiveKomm.

Sind Clubs, indenen Live-Music

gespielt wird, kulturelle oder

kommerzielle Orte? Bislang gelten

sie vor dem Gesetz als kommerziell

und sind dem Wohlwollen von Anwohnern

und der Existenz gültiger

Gewerbemietverträge ausgesetzt.

Beides kann natürlich jederzeit enden

(„Ruhe!!!“), oder die Fläche, auf

der der Club betrieben wird, wirdfür

den Wohnungsbau gebraucht. Dann

muss ein Laden schließen, was für

die Musiker und das Publikum in

Berlin schade, inHeidelberg gravierend

und an einem Ort wie Pfarrkirchen

vermutlich verheerend ist.

LiveKomm, der in Hamburg ansässige

Verband der Musikspielstätten

in Deutschland, der nach eigenen

Angaben über 570 Spielstätten

und Festivals in Deutschland vertritt,

ist naturgemäß der entschiedenen

Ansicht, dass Musikclubs nicht mit

Bordells oder Spielhallen gleichzusetzen

seien und verlangt seit geraumer

Zeit eine Kulturraumschutzgesetzgebung,

die die Clubs sichert.

Politische Unterstützung gibt es,was

nicht wundert, da es um jüngeres

Publikum und einen sich finanziell

selbst tragenden Spielbetrieb geht.

Anträge von der FDP, der Linken

und vonBündnis 90/Die Grünen haben

dazu geführt, dass es am 12. Februar

im Bundestag im Ausschuss

für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung

und Kommunen eine Fachanhörung

von Clubbetreibern und Stadtentwicklern

geben wird, was schon ein

erster Schritt auf dem Wegist.

Auf Berliner Ebene ist die CDU

ebenfalls dafür und fordert eine

Bundesratsinitiative für die Anerkennung

von Musikclubs als kulturelle

Initiativen. Die Berliner CDU

hätte ja auch die Alte Münze am

liebsten weiträumig der Clubszene

überantwortet. Der Berliner CDU-

Abgeordnete Christian Goiny, der

gastweise dem letzten Kulturausschuss

des Abgeordnetenhauses beiwohnte,

konnte gar nicht aufhören,

gegen die Entscheidung von Kultursenator

Klaus Lederer zu polemisieren,

das zentrale Haus 4des Geländes

als Jazz-Zentrum zu definieren

und den Rest noch offenzuhalten.

Da aber hatten die Kulturausschüssler

der Regierungsfraktionen

und auch Lederer selbst leichtes

Spiel. Wenn Goiny wirklich etwas für

diese Szene bewirken wolle,möge er

doch bitte seine in Clubfragen bisher

uneinsichtigen CDU-Bundeskollegen

im Bauausschuss auf Kurs bringen.

Darf man auf ihn zählen? Die

Anhörung am 12.2. ist öffentlich.

Schreiben Sie dazu eine Mail an

bauauschuss@bundestag.de

Wie der Name schon sagt: Astra Kulturhaus.

Hier mit Charli XCX. IMAGO/MARTIN MÜLLER

Alfred Bauer bei der Berlinale 1978 mit Claudia Cardinale

Kalter Glamour

Die Nazi-Vergangenheit des ersten Berlinale-Leiters Alfred Bauer wirft unbequeme Fragen auf

VonClaus Löser

Inihrem Jubiläumsjahr wirddie

Berlinale von den langen

Schatten der Vergangenheit

eingeholt. Eigentlich war für

den 24. Februar eine Buchpräsentation

angekündigt, in der die Deutsche

Kinemathek die Broschüre„Alfred

Bauer –Die Grundlagen der Internationalen

Filmfestspiele Berlin“

vorstellen wollte. Am Mittwoch

wurde der Termin gestrichen. Kurz

darauf verkündete die Leitung der

70. Berlinale, den seit 1987 vergebenen

Alfred-Bauer-Preis„abzusetzen“

–was wohl auf eine Umbenennung

hinauslaufen wird. Der Preis ist die

nach dem Goldenen Bären wichtigste

Auszeichnung der Berlinale.

Sie wird für „einen Spielfilm, der

neue Perspektiven eröffnet“ verliehen.

Ausgerechnet. Jetzt fällt dieser

Silberne Bär den Veranstaltern auf

die Füße.Erwiegt 1000 Jahreschwer.

Über Nacht ist ihr Namenspatron

von einer Lichtgestalt der bundesdeutschen

Filmkultur zum Paria geworden.

Alfred Bauer ein Nazi? Wie

kann das sein? Er wurde doch eben

noch ganz selbstverständlich als honoriger

Berlinale-Gründer gefeiert,

über alle Festivalepochen hinweg,

von1951 bis heute.Erst jetzt kommt

dieses scheinbar streng gehütete Geheimnis

seiner braunen Vergangenheit

ans Tageslicht. Wasist passiert?

Der eigentliche Skandal dieses

Skandals besteht in seiner Verspätung,

jaVerschleppung. Denn die nationalsozialistische

Vergangenheit

Alfred Bauers war keineswegs unbekannt.

Der promovierte Jurist hatte

bei der Ufa gearbeitet und war als

Gutachter bei der Reichsfilmkammer

angestellt – das hatte Bauer

selbst eingeräumt. DieDetails seiner

Verbindung zum nationalsozialistischen

Apparat kommen in ihrem

ganzen Ausmaß nun ans Tageslicht.

Nichtdank einer Geschichtskommission

der Festspiele, auch nicht

durch Filmkritiker, Filmhistoriker

oder Filmwissenschaftler, sondern

durch einen Privatgelehrten. Der

1988 von Ost- nach West-Berlin

übergesiedelte Betriebswirt Ulrich

Hähnel lieferte der Wochenzeitung

DieZeit seine mustergültig aufbereiteten

Recherchen frei Haus. Sie enthalten

Ernüchterndes und Erschreckendes.

Nein, Bauer war beileibe

kein Feingeist, der sich hinter seinem

Schreibtisch in die innere Emigration

zurückgezogen hatte, um

nach dem Sturzdes Hitlerstaates am

Neuaufbau einer demokratischen

Kulturpolitik mitzuwirken. Er war einer

von Abertausenden Schreibtischtätern.

Und erwar ein Lügner

und Geschichtsklitterer in eigener

Sache, der systematisch Spuren verwischte,

ummöglichst schnell seine

Karriereunter den westlichen Alliierten

fortzusetzen.

Sein Konzept ging auf geschmeidige

Weise auf. Wie war es möglich,

dass sich ein derart belasteter (und

auch verurteilter) Funktionsträger

schon so bald als lupenreiner Demokrat

präsentieren und zu einem der

wichtigsten Filmpolitiker imWestteil

Deutschlands werden konnte? Ohne

Hilfestellungen lief dies ganz sicher

nicht ab –und damit sind jetzt nicht

die „Persilscheine“ gemeint, die ihm

von seiner Sekretärin oder von seinem

Friseur ausgestellt wurden.

Auch wenn dies in späteren Festschriften

und anderen öffentlichen

Würdigungen nicht so gern betont

wurde und wird: Natürlich war die

Berlinale ein Kind des Kalten Krieges.

Ihre Gründung muss als Teil einer

breit angelegten kulturpolitischen

Strategie gesehen werden. Vor

allem auf dem Gebiet des Films hatte

der Westen damals einiges aufzuholen.

Während die sowjetische Militäradministration

(SMAD) aus

Image- und Erziehungsgründen in

ihrem Einflussbereich gleich nach

Kriegsende die Gründung einer neu

formierten, ostdeutschen Filmproduktion

vorantrieb, herrschte bei

den westlichen Alliierten zunächst

noch starke Zurückhaltung.

Der erste deutsche Nachkriegsfilm

(„Die Mörder sind unter uns“)

kam 1946 aus der SBZ. Durchdie Erfolge

der frühen Defa unter Druck

gesetzt, entschlossen sich die westlichen

Alliierten kurze Zeit später, in

ihren Sektoren großzügiger mit der

Gewährung von Drehgenehmigungen

umzugehen. Ab 1947 setzte auch

dort zunächst eine erst stockende,

später kontinuierliche Filmproduktion

ein. Damit einher ging eine Novellierung

der Filmpolitik. In ihrem

Grundsatzwerk „Wer die Zeche

zahlt“ hat die britische Historikerin

Frances Stonor Saunders ausführlich

die geheimdienstliche Kulturarbeit

in der Nachkriegszeit beschrieben.

Sie weist dabei vor allem auf die

Funktion des von Michael Josselson

geleiteten „Kongresses für kulturelle

Freiheit“ hin. DieCIA-Tarnorganisation

verfügte über Außenstellen in 35

Ländern. „Ihr Auftrag war es, der

westeuropäischen Intelligenz allmählich

ihre latente Sympathie für

Marxismus und Kommunismus auszutreiben,

um sie so nach und nach

an den American Way heranzufüh-

Er war ein Lügner, der systematisch Spuren

verwischte, umseine Karriere unter

den westlichen Alliierten fortzusetzen.

ren.“ Doch nach dem Ende des Zweiten

Weltkrieges überwog gegenüber

den Produktionen aus Hollywood

bislang noch tiefe Skepsis. Das

Hauptinteresse in Frankreich und

Italien etwa bestand in der Wiederherstellung

der nationalen Filmkulturen.

Aufden großen Festivals inVenedig,

Locarno oder Cannes

herrschte Zurückhaltung. „Aufgeschreckt

durch Berichte, Amerika

habe in Cannes ein klägliches Bild

abgegeben, beschloss die amerikanische

Regierung, der Filmindustrie

künftig mehr Beachtung zu schenken“,

schreibt Saunders.

Unter Federführung des für Film

verantwortlichen Offiziers Oscar

Martay wurde im Oktober eine Initiativgruppe

zusammengerufen, die

das Konzept für ein zu gründendes

Festival entwickeln sollte.Über Martay,

dessen Dienststelle sich auf der

Clayallee 170 in Berlin-Zehlendorf

befand – dem damaligen Hauptquartier

der US-Truppen – ist nur

wenig bekannt. Sein Dienstgrad ist

nicht überliefert, auf Fotos posierter

gernineleganten Anzügen, selten in

Uniform. Alfred Bauerstieß erst später

zu dem Team, spielte aber bald

PICTURE ALLIANCE

eine zentrale Rolle. Im gleichen

Maße zog sich Martay zurück. Im

Gründungsjahr des von ihm angeschobenen

Festivals erhielt er für

seine Verdienste einen Goldenen

„Ehrenbären“, danach trat er kaum

mehr bei der Berlinale in Erscheinung.

Vonnun an war Alfred Bauer

der Mann an der Spitze, dies 25 Jahre

lang, bis 1976. Kein anderer Festivaldirektor

blieb länger im Amt. In dieser

Zeit durchliefen er und die Berlinale

einige einschneidende Krisen –

wie den Ost-Berliner Volksaufstand

im Juni 1953, den Boykott von Michael

Verhoevens Anti-Kriegsfilm

„o.k.“ durch die Jury 1970 oder die

Etablierung des Forums des Jungen

Films als unbequemes Gegen-Festival

imJahr 1971. Bauer garantierte

als Festivaldirektor über all die Jahre

das für die Politik notwendige Maß

an Kontinuität. Dass dies mit einem

immensen Maß anOpportunismus

einherging, liegt nun auf der Hand.

DieBerlinale insgesamt stellt sich

heute als große Erfolgsgeschichte

dar. Von Anfang an wurde deutlich,

dass der „Wettbewerb der Systeme“

ein sehr ungleicher war,der vomOsten

nie gewonnen werden konnte.

DieVersuche,dem Glamour der Berlinale

etwas entgegenzusetzen, wirken

im Nachhinein fast rührend. So

wurde gleich im Juni 1951 im Kino

Babylon als Alternative ein „Festival

des volksdemokratischen Films“ anberaumt.

Natürlich wollte kaum jemand

die chinesischen oder bulgarischen

Propagandafilme über den

Aufbau des Sozialismus sehen, während

hinter der MauerWeltstars über

den Kurfürstendamm flanierten.

Scharenweise strömten hingegen

auch in den Folgejahren die Ost-Berliner

Filmfans in die grenznahen Kinos

oder zum BahnhofZoo,umsich

die Nasen am „Schaufenster der

freien Welt“ platt zu drücken und

dort wenigstens einen Zipfel des

Trubels wahrnehmen. Damit war es

dann 1961 auch vorbei. DieBerlinale

steht nun vorder Aufgabe,nicht nur

Alfred Bauers Nazi-Mittäterschaft zu

untersuchen und zu veröffentlichen,

sondern auch sein ungebrochenes

Wirken beim Berliner Filmfestival.

Claus Löser

hat sich publizistisch mit

dem Nachkriegskino befasst

NACHRICHTEN

Tanztheater Pina Bausch:

Intendanz-Streit beigelegt

DerRechtsstreit um die Kündigung

der Intendantin am Wuppertaler

Tanztheater,Adolphe Binder,ist beigelegt.

Binder und die StadtWuppertal

hätten sich außergerichtlich geeinigt,

teilte das Landesarbeitsgericht

in Düsseldorfmit. Derfür Freitag geplante

Prozesstermin sei deswegen

abgesagt. Zu Inhalten der Einigung

teilte das Gericht nichts mit. In einem

Teilurteil hatte das Gericht bereits

im August die fristlose Kündigung

Binders für unwirksam erklärt.

Nunging es noch um ihrefinanziellen

Ansprüche.Binder hatte knapp

214 000 Euro brutto für die Zeit nach

der Kündigung im Juli 2018 bis zum

Januar 2020 verlangt. (dpa)

Nicola Bartels wird neue

Rowohlt-Verlegerin

DieSuche hat nicht lange gedauert.

Nach dem überraschenden Rückzug

vonFlorian Illies als verlegerischer

Geschäftsführer vonRowohlt hat der

Hamburger Verlag seine Leitungsposition

neu besetzt. Vom1.Juli 2020

an übernimmt Nicola Bartels.Als

Verlegerin war sie bislang für Penguin,

Blanvaelt und cjb zuständig.

2014 war sie in die Geschäftsführung

der Verlagsgruppe Random House

berufen worden.(dpa)

Ermittlungen gegen

Dieter Wedel ziehen sich hin

DieErmittlungen gegen den Regisseur

Dieter Wedel wegen des Vorwurfs

der Vergewaltigung ziehen

sich in die Länge.„Es haben sich Aspekte

ergeben, die es notwendig machen,

dass wir das Verfahren jetzt

noch nicht abschließen können“,

sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft

München I, Anne Leiding.

In der Vergangenheit hatten vorallem

Zeugenvernehmungen im Ausland

Verzögerungen verursacht. Die

Ermittlungen wegen des Vorwurfs

der Vergewaltigung wurden bereits

vorzweiJahren, im Januar 2018, aufgenommen.„Indiesem

Jahr wirddas

Verfahren sicherlich abgeschlossen“,

so Leiding. (dpa)

Mehr Besucher in

Staatlichen Museen Berlin

DieStaatlichen Museen zu Berlin

können einen deutlichen Besucheranstieg

verzeichnen. DieHäuser

lockten im vergangenen Jahr 4,188

Millionen Besucher an. EinJahr zuvorkamen

noch 3,793 Millionen Interessierte,wie

die zur Stiftung Preußischer

Kulturbesitz mitteilten. Mit

dem Zuwachs vonmehr als zehn

Prozent blicken die Museen damit

auf das erfolgreichste Jahr seit 2013

zurück. (dpa)

Zehn Dalí-Skulpturen in

Stockholm gestohlen

Unbekannte haben zehn Skulpturen

vonSalvador Dalí aus einer Galerie

in Stockholm gestohlen. DieDiebe

schlugen in der Nacht zum Donnerstag

die Glastür der Couleur-Galerie

ein und entkamen mit zehn SkulpturenimWertvon

jeweils etwa 20 000

bis 50 000 Euro,wie der Galeriebesitzerberichtete.Zudem

Diebesgut gehören

Bronze-Modelle der berühmten

geschmolzenen Uhrendes spanischen

Surrealisten. (AFP)


20 Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020

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Feuilleton

Fast

schmerzhaft

ehrlich

Evelyn Richter,eine Leitfigur

der Leipziger Fotografie,

wird heute 90 Jahre alt.

Das Dresdner Albertinum

zeigt ihr Lebenswerk

VonIngeborg Ruthe

Bonjour Tristesse: „Leipzig“, 1976 EVELYN RICHTER ARCHIV DER OSTDEUTSCHEN SPARKASSENSTIFTUNG IM MUSEUM DER BILDENDEN KÜNSTE LEIPZIG, FOTO: HERBERT BOSWANK (2)

„Vor Wolfgang Mattheuers,Die Ausgezeichnete’ im Dresdner

Albertinum“, 1975, eine Ikone der DDR-Kunst u. Fotografie.

Sie klopfen die Krusten von

der Seele,diese uninszenierten,

fast schmerzhaft ehrlichen

und oft melancholischen

Schwarz-Weiß-Bilder aus der

Zeit von1945 bis zum Ende der DDR

und darüber hinaus. Evelyn Richters

Fotoästhetik ist unübersehbar inspiriertvon

der Magnum-Fotografie um

Cartier-Bresson und vonEdwardSteichens

„The Family of Man“. Die hat

sie damals,1955, in West-Berlin gesehen,

so wie fast alle ihrer Zunft aus

dem Osten. EinSchlüsselerlebnis,das

zwei Generationen von Fotografen

beeinflussen sollte.

Aber sie war über die Jahrzehnte

auch geprägt vom realen Sozialismus.

Die Fotos dieser aus Bautzen

stammenden Leipziger Fotografin,

die ab 1981 an der Hochschule für

Grafik und Buchkunst und gleich

nach der Wende auch zwei Jahre an

der Fachhochschule Bielefeld lehrte,

haben sich ins kollektiveGedächtnis

der ehemaligen DDR-Bürger eingeprägt.

Und sie belegen, wie sehr

diese Sächsin mit ihrer kleinen Leica

etwas zutiefst Menschliches und

Universales erfasste.

Heute wird Evelyn Richter 90

Jahre alt, und das Albertinum in

Dresden, wo sie seit einiger Zeit in einem

Seniorenheim lebt, breitet ihr

Œuvre aus. Richters Berliner Kollegin

und Pendant, die Fotografin

Helga Paris, wurde kürzlich in der

Akademie der Künste geehrt. Nunist

die ältere, einstige Leipzigerin dran:

Mit all den Aufnahmen von Menschen

im Alltag: Alte und Junge, mit

ihrem eigenem Leben, mit Träumen

und mit Biografie zwischen Kinn

und Stirn. Richter beharrte stets auf

ihrer betont subjektiven Stilistik, die

vonIdeologie oder vonModen nicht

zu vereinnahmen ist.

Sie fotografierte hinter den Kulissen

der Propaganda. Dasmachte sie

in DDR-Zeiten zu einer Instanz der

dokumentarischen Fotografie. Sie

beschäftigte sich mit Otto Steinerts

„subjektiver Fotografie“ der Nachkriegsmoderne

–und prompt geriet

sie hinein in die absurde Formalismus-Debatte,

unter der bis Anfang

der Siebzigerjahre die DDR-Kultur

stöhnte.Kunst sollte nur zeigen, was

sein sollte,nicht was wirklich war.

DieAntwortauf die Situation war,

gerade an der Leipziger Hochschule

für Grafik und Buchkunst, wo sie

nach der FotografenlehreinDresden

studierte, eine sozialdokumentarische

Fotografie. Ohne Pathos, ohne

verlogene Romantik. Nicht lange danach

wurde die Studentin Richter

exmatrikuliert, beschimpft als „Formalistin“,

weil sie die sozialistische

Heldenfotografie ablehnte. Sie

schlug sich dann als Theaterfotografin

durch. Viel später dann, und seit

den Siebzigerjahren immer mehr

anerkannt, hat sie, zusammen mit

dem Berliner Fotografen Arno Fischer,

andieser Schule gelehrt und

eine ganze neue Fotografengeneration

geprägt.

Ihre Fotos zeigen eine Sicht, die

merkwürdig verstört. Es ist darin etwas

schwer Verdauliches, irgendwie

anarchisch Melancholisches. Es ist

die Art, wie die Kamera die Linien

der Gesichter, die Mimik, die Gestik

nachzeichnet: schmerzhaft zärtlich,

gnadenlos. Sie sagte mir in einem

Gespräch:„Ich will im Porträt zeigen,

wie der Mensch zu sich findet. Ich

suche den Augenblick der Konzentration,

nicht das Extreme. Der Modebegriff

Momentfotografie ist für

mich ein einziges Missverständnis.“

Endlos geduldig hat sie mit ihrer

Kamera vor Mattheuers anti-optimistischem

Bild „Die Ausgezeichnete“

in der achten DDR-Kunstausstellung

gelauert. Bis zu dem Moment,

als eine Frau mittleren Alters

davor stand, der Fotografin das Gesicht

zuwandte.Dieses Gesicht ist so

müde, abgearbeitet und illusionslos

wie das der Frau mit dem Tulpen-

strauß auf dem Gemälde. Damals

hetzten Parteifunktionäre gehen

Evelyn Richters in Fotografenkreisen

gleich zum Kultbild erhobene Motiv:

So sähen in der DDR die geehrten

Aktivistinnen doch nicht aus!

Jetzt hängt das Foto im Albertinum,

eine Arbeit ohne offiziellen

EVELYN RICHTERS „LEIPZIGER SCHULE“ DER FOTOGRAFIE

IMAGO

Evelyn Richter kam am 31. Januar 1930 in

Bautzen zur Welt, machte in Dresden eine

Fotografenausbildung im Studio vonPan

Walther,studierte an der Hochschule für

Grafik und Buchkunst Leipzig,wurde aber

als „Formalistin“ exmatrikuliert. 1981 wurde

sie, inzwischen hoch anerkannt, an diese

Hochschule berufen und lehrte bis 1991,

auch an der FHS Bielefeld.

Retrospektive Albertinum Dresden, Brühlsche

Terrasse, bis 3.5., tgl. 10–18 Uhr

(3.−7.2. geschlossen, Wartungsarbeiten)

Auftrag. Evelyn Richter wollte nie gefällig

sein und nichts schönen. Sie

hat sich diese Maxime vorgegeben:

„Wir sollten darum bemüht sein, in

der Zeit absoluter Manipulation gegen

die Flut der verlogenen Bilder

die individuelle Leistung des verantwortungsvollen

Fotografen durchzusetzen,

der für die Glaubwürdigkeit

mit seinem Namen bürgt.“

Aus ihren Fotos liest man das

Unbehagen inmitten der Widersprüche

von Sein und Schein. Ihre

Kamerasetzte einst an bei den Ruinen

Leipzigs 1945 und dem mühseligen

Alltag der Überlebenden.

Eine alte Zeitungsverkäuferin auf

den Treppen einer Unterführung

lässt einen an die Aufnahmen von

alten Leuten denken, die Alexander

Rodtschenko in Moskau und Leningrad

Ende der Zwanzigerjahre

machte. Und ihre Motive erzählen

unsentimental, dennoch mit

Trauer, wie sehr Leipzig bis zum

Ende der DDR eine Stadt des Ruinösen

geblieben war. Fast unvorstellbar,

wenn man heute die luxussanierte

Innenstadt und die

schicken Neubauten erlebt.

Ein Foto ist keine Meinung. Oder

doch? Für Evelyn Richter hieß fotografieren

immer, Menschen, Dinge

und Zusammenhänge zu sehen. Das

Foto belegt schließlich, dass man dagewesen

ist, also gibt es nicht bloß

das Abziehbild wieder,sondernauch

eine Meinung.

Diese Meinung prägt das Porträt

der verlebten Majakowski-Muse

Lilja Brik, aufgenommen in Moskau

1978, in den Bildnissen berühmter

Musiker wie Dawid Oistrach und

ebenso der müden Schichtarbeiter

in der Leipziger Straßenbahn. Die

Erschöpfung eines der Männer ist

nicht zu übersehen. Aber dass er im

Schlaf die schwieligen Hände wie

Werkzeuge nach der Arbeit abgelegt

hat, das sagt uns erst die Fotografin.

Da sind auch die Porträts der Arbeiterinnen

einer sächsischen Textilfabrik.

Die alten Maschinen, die

ganze dürftige Ausstattung in den

Hallen, wo man das Maschinenöl

förmlich zu riechen vermeint,

scheinen aus dem 19. Jahrhundert

zu stammen.

Ihre Meinung war es auch, ein

Foto nicht zu schießen, damals, am

8. Mai 1977 im russischen Sagorsk:

Ein Besoffener hing am Staketenzaun

wie ein El-Greco-Kruzifix. Am

Straßenrand Männer mit Hüten und

Ledermänteln: „Mein russischer Begleiter

wäre gefährdet gewesen,

hätte ich fotografiert. Also steckte ich

die Kameraweg.“

Ein gutes Bild, muss für sie auch

ein Gleichnis sein, tief erlebt, emotional

verdichtet. Und weil bei ihr

Fotografie mit viel Empathie und

wenig Technik entstand, schwörte

sie auf die gute alte Leica, leicht und

leise. Ihre allererste wurde mithilfe

eines Gewandhaus-Musikers bei einer

Konzertreise im Westen besorgt,

getauscht gegen eine Konzertflöte

aus Markneukirchen im Vogtland.

„Dass ein Foto faktisch Wirkung

erzeugt, ist eigentlich ein Schrecken,

aber die gute Form überlebt“, sagte

sie beim Ateliergespräch. Form allein

aber genügt ihr nicht „das wäre

Dekoration“. Egon Erwin Kisch habe

sie beeindruckt mit seinem Satz,

nichts sei sensationeller als die

Wahrheit. Richter übersetzt Wahrheit

mit Realität. „Aber Fotografie ist

auch manipulierbar, darum hat die

Autorenschaft so große Bedeutung.

Man bürgt mit seinem Namen für

seine Arbeit, denn der Betrachter

sieht nur,was er weiß.“

Leserreise

LESERREISEN

Beethoven-Geburtstag in Bonn

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des Komponisten Ludwig van Beethoven. Seine

Werke zählen zum kulturellen Erbe der

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KENNWORT:

BERLINER ZEITUNG

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Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020 21

· ·

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Feuilleton

Der Goldfisch

sieht

alles

„Das letzte Problem“ –ein

Krimi nach Daniel Kehlmann

Die Blicke

der Toten

übersehen …

Der Lyriker und Grafiker

Christoph Meckel ist tot

VonTorsten Wahl

Mein Lebtag hab ich noch nie so

viel Schnee gesehen!“, ruft die

Urlauberin im Hotel. Wasderzeit für

viele Wintersportler ein Wunschtraum

ist, wird hier zum Albtraum.

Das abgelegene Alpenhotel „Edelweiß“

liegt ganz in Weiß, alle Wege

sind verweht, sogar die Telefonnetze

gekappt. Die Vollpension besteht

nur noch aus Suppe,die Gäste

begehren auf. In dieser ohnehin

aufgeheizten Stimmung wird ein

Gast erstochen aufgefunden, die

Zimmertür von innen verriegelt.

Bald darauf wird auch seine Tischdame

(Sunnyi Melles) erstochen.

Doch wie so häufig im Kriminalfilm,

ist auch hier ein Kommissar

ganz zufällig vorOrt.Der Wiener Jonas

Horak (Karl Markovics) hat sogar

seinen Assistenten namens Freitag

(Stefan Pohl) mit in den Skiurlaub

gebracht. Sie beginnen sofort

mit ihren Ermittlungen gegen einen

Täter, den Horak abwechselnd „infernalisch“

und „teuflisch genialisch“

nennt. Schon bald ist sich der

Wiener Profi sicher, dass er vor versammelter

Belegschaft den Mörder

bloßstellen kann.

Dasalles klingt nach einer altenglischen

Kriminalposse im Stile von

Agatha Christie und Co, und zumindest

die verstaubte Atmosphäreineinem

schlossähnlichen, aber schon

reichlich abgenutzten Hotel passt

dazu. Doch der Autor stammt nicht

etwa aus dem 19. Jahrhundert, sondern

ist sehr gegenwärtig. Daniel

Kehlmann hat für diesen Landkrimi

des ORF sein erstes Original-Drehbuch

geschrieben. Einige seiner Romane,

wie „Ich und Kaminski“ und

„Ruhm“, waren ja fürs Kino verfilmt

worden, kamen beim Publikum aber

nicht recht an. Mit dem Wissen um

diesen besonderen Autor darfder Zuschauer

seine eigenen Kombinationen

anstellen und darauf hoffen, dass

hier nicht nur die üblichen Täter-

Such-Spielchen veranstaltet werden.

Frau Lummel (Martina Stilp, l.) und Karin

Sessler (Sunnyi Melles)

ARTE

Tatsächlich entwickelt sich „Das

letzte Problem“ zu einer Krimigroteske,inder

Realität, Einbildung und

Wahn immer stärker ineinander

übergehen. Zum gern wiederholten

Symbol wird der Goldfisch, der in

seinem Aquarium so eingeschlossen

ist wie die Gäste im Hotel, der aber

über besondere Fähigkeiten verfügt.

Denn der Goldfisch hat Rezeptoren

für das UV-Licht und sieht mehr als

der Mensch. Er sieht einfach alles,erklärtein

Meeresbiologe –der prompt

zum ersten Mordopfer wird.

Karl Markovics spielt nicht nur

eine Hauptrolle, sondern hat den

Krimi auch gekonnt in Szene gesetzt.

Mitspieler wie Maria Fliri als Hoteldirektorin,

Max Moor als ihr Bruder

oder Marc Hosemann als Gast dürfen

ihreFiguren leicht überzeichnen,

sodass der Film auch seine skurrile

Note betont. insgesamt bleibt „Das

letzte Problem“ im Schaffen vonDaniel

Kehlmann aber eher ein Zwischenspiel,

in dem er beweist, dass

er mit dem Genre spielen kann.

Doch das ahnte man auch vorher.

Dasletzte Problem 20.15 Uhr,Arte

Auch in der zweiten Staffel „Bad Banks“ dabei: Jana Liekam (Paula Beer,M.) und ihre Mitstreiter Adam Pohl (Albrecht Schuch) und Thao Hooang (Mai Duong Kieu) . FABRIZIO MALTESE

Im Brutkasten

Der Drehbuchautor Oliver Kienle über die zweite Staffel der ZDF-Serie „Bad Banks“

VonFrank Junghänel

Das Insvestment-Banking

ist tot. Ein halbes Jahr

nach der Krise, die am

Ende der ersten Staffel

von „Bad Banks“ in den Kollaps der

Finanzwelt geführt hat, sammeln

sich in der Frankfurter Zentrale die

Überlebenden. Dieeinstmals besten

der bösen Banker gehen nicht mehr

in Hochhaustürmen ihren miesen

Geschäften nach, sondern sitzen in

einem fensterlosen Kellergroßraum

und sind zum Nichtstun verdammt.

Ein paar Tausend Stellen wurden

schon gestrichen. Aber ehe auch

Jana Liekam (Paula Beer), Adam Pohl

(Albrecht Schuch) und Thao Hooang

(Mai Duong Kieu) ihr Habseligkeiten

in Pappkartons verstauen, denken

sie sich was Neues aus. Sie ziehen

nach Berlin, wo die Global-Invest,

das mächtigste deutsche Bankhaus,

„diesen geilen Inkubator“ aufbaut.

Dort, in kühl-coolem Ambiente,

brüten Programmierer aus aller Welt

Finanzmodelle aus, die den humanen

Faktor fast völlig ausschließen.

Sogenannte FinTechs, datenbasierte

Finanzdienstleistungen, sind der

letzte Schrei der Vermögensbildung

und ein interessantes Instrument für

die Chefetage.Ein Algorithmus kann

da schon mal auf einen Schlag 150

Angestellte überflüssig machen.

Werwissen will, wie es mit dem

Trio um Jana Liekam in der zweiten

Staffel von „Bad Banks“ weitergeht,

wird auf Begrifflichkeiten gestoßen,

die den herkömmlichen Bausparer

einigermaßen überfordern dürften.

Da ist von Robo-Advisern die Rede,

vonCodernund Start-ups,die schon

Geschichte sind, ehe man sich ihre

Namen gemerkt hat. Aber selbst

wenn man nur rudimentär versteht,

wovondie da reden und wie das alles

funktioniert, geht von der Serie eine

unheimliche Faszination aus. Man

spürt, wer gegen wen kämpft, man

folgt den Strategien im Kampf um

die Macht, erkennt die Waffen, die

die Protagonisten gebrauchen, um

sich gegenseitig auszustechen. Auch

wenn man keine Ahnung hat, was

genau ein Derivatsein soll.

Für Oliver Kienle, den kreativen

Kopf hinter „Band Banks“, ist dieser

Befund nicht neu. Das hat er sogar

vonseinen Auftraggebernbeim ZDF

so gehört: „Wir wissen nicht wieso,

aber irgendwie ist das voll gut.“ Das

ZDF ist mit diesem Projekt durchaus

ins Risiko gegangen, schließlich ist

sein Stammpublikum an Reihen wie

„Der Staatsanwalt“ gewöhnt, die

nicht eben durch ihre Komplexität

auffallen. Die Quoten waren dann

auch nicht ganz so eindrucksvoll wie

die Kritiken. „Ich habe ‚Bad Banks‘

für ein Publikum gemacht, das ich

genau vor Augen hatte“, sagt Oliver

Kienle bei einem Gespräch in Berlin.

ZUR PERSON

Oliver Kienle wurde 1982 im unterfränkischen Dettelbach geboren. Nach seinem Studium

der Germanistik nahm er ein Regiestudium an der Filmakademie in Ludwigsburg auf. Bereits

sein Abschlussfilm „Bis aufs Blut –Brüder auf Bewährung “wurde mehrfach ausgezeichnet.

Für die ZDF-Serie „Bad Banks“ ist Kienle als Drehbuchautor verantwortlich. Am 14. Februar

startet sein Spielfilm „Isi &Ossi“ bei dem er auch Regie führte, beim Streamingdienst Netflix.

„Seriengucker wie mich selbst.Wenn

der klassische ZDF-Zuschauer nicht

mitkommt, ist mir das scheißegal.“

Mitdem Respekt der internationalen

Branche im Rücken kann er sich das

Selbstbewusstsein leisten. „Wenn

die Seriemeiner Mutter gefällt, habe

ich was falsch gemacht.“ Und, gefällt

sie Ihrer Mutter? „Sagen wir mal so,

sie ist sehr stolz auf mich.“

Mit Ende 30 gehört Kienle zu einer

Generation vonAutoren und Regisseuren,

für die sich die Grenzen

zwischen Kino,Fernsehen und Serie

längst aufgelöst haben. Es geht um

eine Geschichte und deren optimale

Realisation. Bei„Bad Banks“ lautete

die Aufgabe der Produzentin Lisa

Blumenberg, von einer jungen Investmentbankerin

zu erzählen, die

in den Strudel der Finanzkrise gerät.

Unddann begann die Recherche.

„Der theoretische Teil war sehr

anstrengend für mich“, sagt Kienle,

ich bin nicht gut im Rechnen, ich

habe nicht BWL studiert und hatte

zur Finanzwelt keinen Zugang.“ Es

Wabern wie gehabt

dauere bei ihm immer ein paar

Drehbuchfassungen, bis er verstehe,

was das alles mit ihm zutun habe.Bei

„Band Banks“ kam dieser Moment,

als ihm klar wurde,dass es nicht bloß

um Banker gehe, sondern umSüchtige,

umWorkaholics. „Ich bin auch

süchtig nach meinem Beruf.“ Damit

konnte er was anfangen. „In einer

Besprechung habe ich mal beiläufig

gesagt, das ist wie bei meinem Vater,

der hat sich auch totgearbeitet.“ Das

ist für ihn der Kern:„Ichversuche zu

begreifen, warum sich Menschen

totarbeiten.“

DerRest ist Handwerk. Beieinem

so großen Ensemble braucht jeder

seine Vita, seinen Charakter, seine

Daseinsberechtigung. Kienle ist es

gelungen, selbst Nebenfiguren wie

den Leiter der Finanzaufsicht BaFin

mit einem Alleinstellungsmerkmal

auszustatten. Das war eine Arbeit,

die sich über Jahre hingezogen hat.

Umso frustrierender war es für ihn,

als er in Rezensionen lesen musste:

„Christian Schwochowerzählt in seiner

Serie…“Schwochowwar der Regisseur

der ersten Staffel. Erzählt hat

Oliver Kienle.„Ichempfinde mich eigentlich

als ziemlich uneitel“, sagt er,

„aber wenn es um geistiges Eigentum

geht, bin ich empfindlich.“ Bei

der Fortsetzung hat Christian Zübert

die Regie übernommen, was aber

nichts mit eventuellen Dissonanzen

zutun hat. Christian Schwochowwar

anderweitig beschäftigt.

Ob es eine dritte Staffel geben

wird, ist noch nicht raus.Kienle wird

stark von Netflix umworben. „Sag

uns,was du brauchst, du kriegst es.“

Wieinder bösen Bank.

BadBanks 2 sechsFolgen á45Minuten, ab

31. Januar in der ZDF-Mediathek, ab 6. Januar

auf Arte, ab 8. Februar im ZDF

Hildur Guðnadóttir führte die Filmmusik zu „Chernobyl“ in der Betonhalle des Silent Green auf

VonJohannes von Weizsäcker

Dem Erdgeschoss des ehemaligen

Weddinger Krematoriums,

der „Betonhalle“, haftet eine tiefgaragige

Trostlosigkeit an. Es passt,

dass hier am Mittwochabend die in

Berlin lebende isländische Musikerin

Hildur Guðnadóttir im Rahmen

des CTM-Festivals ihre Filmmusik

zur HBO-Miniserie „Chernobyl“

über den schwersten aller Reaktorunglücke

live zur Aufführung

brachte: schließlich zwängte sich

Guðnadóttir im ukrainischen

Tschernobyl in einen Strahlenanzug,

um in der Reaktorruine Klänge aufzunehmen,

aus denen sie dann die

metallisch wabernden Begleitharmonien

zum für seine Schonungslosigkeit

vielgelobte Drama über die

Folgen des Unglücks konstruierte.

Sieerhielt sowohl einen Emmy als

auch einen Grammy für die beste

Filmmusik; zeitgleich ist sie für ihre

Musik für„Joker“ für einen Oscar nominiert;

eine erstaunliche Entwicklung

für eine Indie-Musikerin, die

bislang vor allem für ihre Underground-Kollaborationen

hervorgetreten

war –für die isländische Band

Múm etwa, aber auch die Industrial-

PioniereThrobbing Gristle.

Ihrem neuem Hollywood-Ruhm

entsprechend herrschte in der Betonhalle

enormer Andrang; als

Guðnadóttir in Begleitung von drei

Musikern auf enger Bühne erschien

und mittels ihrer Stimme sowie des

Quellenmaterials metallen-verhallt

loswaberte, wurden folgerichtig im

Publikum zahlreiche Smartphones

gezückt, über deren Bildschirme die

bald einsetzenden Stroboskopblitze

wie eine interaktiveLichtinstallation

anmuteten. Das Publikum wurde so

also Teil der Performance, genauso

wie der kaputte Reaktor, so

Guðnadóttir in einem Interview,

eine eigene Stimme in der Musik

habe –viele solcher ja in der um Ort

und Klang sich drehenden Tonkunst

oft bemühten Meta-Überlegungen

fügten sich also stimmig zusammen.

Schade nur,dass die Musik −vom

Filmdrama getrennt −wirkte wie ein

recht beliebiges Ambient-Konzert,

wie man es in den letzten drei bis vier

Jahrzehnten schon sehr oft zu Gehör

bekam: wehklagend an- und abschwellende

Rausch- und Fiep-Akkorde,

schwerfällig pulsierende

Bassfrequenzen –und zum Schluss

das mit einer Art Melodie und Akkordfolge

ausgestattete Stück

„Bridge of Death“. Schlimm war das

alles nicht, nur hätte man sich angesichts

des morbiden Themenzusammenhangs

doch eine etwas fiesere

und gern auch überraschendere

Klangpackung gewünscht. Schön

immerhin die dahingleitende und

oft bedrohlich flackernde Neonröhrenbeleuchtung

der Berliner Künstlerin

Theresa Baumgartner –als meldeten

sich die Geister der Halle.

VonArnoWidmann

Das Gedicht „Dieser Tag“ kann

man – von Christoph Meckel

selbst gelesen –imInternet hören. Es

dauerteine Minute.Esendet mit den

Zeilen:„Ein paar Sätze, die ich dir zurufen

wollte/ für heute,für morgen,/

für sieben Leben, kein Ende —“

Am 29. Januar 2020 starb in Freiburg

im Breisgau der Dichter,

Schriftsteller und Grafiker Christoph

Meckel. Er wurde 84 Jahrealt. Er war

viel unterwegs gewesen in der Welt.

1956, er war 21, erschien ein erster

Band mit seinen Gedichten. Als

zu seinem 80. Geburtstag seine Gesammelten

Gedichte bei Hanser erschienen

–„Tarnkappe“ –füllten sie

976 Seiten. Sein Verleger und Dichterkollege

Michael Krüger nannte

das Buch einen „Lebensroman in

Versen“. Meckels

Grafik ist ein Lebensroman

in

Bildern.

Jeder Leser

hat Autoren, die

er einmal liebte

und denen er irgendwann

untreu

wurde. Der Christoph Meckel

mit Preisen geehrte

Christoph

1935−2020

Meckel, der mehr in bibliophilen

Drucken als in Verlagen zu Hause

war,war für viele der älteren bundesrepublikanischen

Lyrikleser ein solcher

Lebensabschnittgefährte.

Meckel aber war immer da. Es

verging kaum ein Jahr, indem nicht

irgendwo eine Erzählung, Gedichte,

Erinnerungen an vergessene Dichter

und Dichterinnen erschienen. Viele

dieser Bände hatten Umschläge, die

Meckel selbst entworfen hatte.

Meckel war der Künstler als

Handwerker. Keine Sekunde penibel,

war er immer genau. So kann

nach „kein Ende“ kein Punkt stehen.

Das wäre ja dann doch ein Ende.

Eine Minute, sagte ich, dauerte die

Lesung seines Gedichtes. Das gehörte

auch zu Meckel: die Kürze.

Irgendwann hatten seine Leser

der ersten Stunde den Roman, den

sie schon totgesagt hatten, wiederentdeckt.

Und dann schnell auch

den Familienroman und jetzt lesen

wir sogar wieder Romane, die mehr

als eintausend Seiten haben. Ein

übermenschliches Maß.

Kein anderer deutscher Lyriker,

schrieb sein Herausgeber Lutz Seiler,

habe „die Tradition des Gesangs und

des Liedes derart intensiv aufgenommen“

wie Christoph Meckel.

DPA/JULIAN STRATENSCHULTE

Das Gedicht „Augen“

Die Augen der Gesunden/ erkennen

die Welt/ bis an den Rand des Atlantik,/

die Augen der Kranken durchschauen

die Welt/ bis zu der Stelle an

der der Glanz/ der NordlichtblitzeZu

Ende geht./ Die Blicke der Toten/

übersehen die ganze Erde/ und erkennen

selbst die alternden Engel/

die hinter den Schlüssellöchern/

schweigend sich drängen um einen

Blick/ in meine ratlosen Augen zu

werfen.

TOP 10

Mittwoch, 29. Januar

1 Tagesschau ARD 4,61 15 %

2 Die verlorene ..., 3 ZDF 4,57 15 %

3 Die verlorene ..., 4 ZDF 4,40 14 %

4 heute ZDF 4,05 16 %

5 heute-journal ZDF 4,00 14 %

6 SokoWismar ZDF 3,89 18 %

7 Nur eine Frau ARD 3,60 11 %

8 Wer weiß denn ...? ARD 3,54 17 %

9 RTL aktuell RTL 3,42 14 %

10 BlutigeAnfänger ZDF 3,41 12 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


22 Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Ballhaus Naunynstraße (✆ 75 45 37 25)

20.00: Everybodycan be everybodycan not be (Jao

Moon)

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

19.30: Glaube undHeimat

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00: Der Tatortreiniger

Brotfabrik (✆ 471 40 01)

20.00: Wasmach ich aus dem Leben

Deutsche Oper Berlin (✆ 34 38 43 43)

19.30: Jenufa

Deutsches Theater (✆ 28 44 12 25)

19.30: Sophie Roisfährtgegen dieWand im

Deutschen Theater

Grips Hansaplatz (✆ 39 74 74 77)

19.30: Linie 1

HAU1(✆25 90 04 27)

19.00: ILoveYou,Goodbye (The Brexit and Beyond

Edition) (Gob Squad)

HAU2(✆25 90 04 27)

19.30: CTM 2020 –Liminal: Sonic Rights –Music of

Escape, Music of Belonging)

Heimathafen Neukölln (✆ 56 82 13 33)

19.00: Peng! Peng! Boateng!

Kleines Theater (✆ 821 20 21)

20.00: Schachnovelle

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(✆ 88 59 11 88) 20.00: Ab jetzt

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

19.30: AWalk on the Dark Side

Neuköllner Oper (✆ 68 89 07 77)

20.00: Wolfskinder

Radialsystem (✆ 288 78 85 88)

19.45: CTM Festival 2020 –Liminal: Drops and

Seeds (Prumsodun Ok &NATYARASA und Ensemble

KNM Berlin)

22.00: CTM Festival 2020 –Liminal: Inferno

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00 Bruckner-Foyer: Du hörtest mein Gras wachsen

–Ein musikalisch-literarischer Mascha-Kaléko-Abend

(Regine Gebhardt)

Schaubühne (✆ 89 00 23)

20.00: Orlando

Anzeige

Kirill Petrenko Dirigent

Nicola Hümpel Regie

Karajan-Akademie der

Berliner Philharmoniker u.a.

Giacomo Puccini

Suor Angelica »Faith to Face«

01.02.20 19 Uhr

02.02.20 16 Uhr

In Kooperation mit

Nicoand the Navigators

Philharmonie Berlin

GroßerSaal

Tickets: 030/25488999

berliner-philharmoniker.de

Foto:Michael Trippel

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: Ich bin nicht Mercury

Staatsoper Unterden Linden (✆ 20 35 45 55)

19.30: Balanchine |Forsythe |Siegal (Staatsballett

Berlin)

Theater im Delphi (✆ 70 12 80 20)

20.00: Odyssey: Dead Men Die (Opera Lab Berlin)

Theater im Palais (✆ 201 06 93)

19.30: Georg Kreisler: Unheilbar gesund

Theater untermDach (✆ 902 95 38 17)

20.00: Untertan- Wirsind dein Volk

Vaganten Bühne (✆ 313 12 07)

20.00: Hiob

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

19.00 3. Stock: Go BabyGo(P14Jugendtheater)

KABARETT/VARIETÉ

Admiralspalast (✆ 22 50 70 00)

20.00: Ballet Revolución

Arena Glashaus (✆ 533 20 30)

19.30: Caveman –Dusammeln, ich jagen!. Anm. erf.

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Irmgard Knef: Barrierefrei

Berliner Schnauze (✆ 01795346696)

20.00: Mit Schnucki nach Kentucki (MargaBach &

NorbertSchultz)

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: Zombie Berlin

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (✆ 204 47 04)

19.30 Studio: Wirfeierndie Goldenen Zwanziger –

der große Crash kommt erst zum Schluss!

20.00: Skandal im Spreebezirk

Estrel Showtheater (✆ 68 31 68 31)

20.00: Thank youfor the music –Die ABBAStory

Kookaburra (✆ 48 62 31 86)

20.00: Deutschland einig Katerland (Nils Heinrich)

Max-Schmeling-Halle (✆ 44 30 45)

20.00: PussyNation (Carolin Kebekus)

Mehringhof-Theater (✆ 691 50 99)

20.00: Die Expertise war bedeutend höher(Fil)

Palazzo (✆ 018 06 38 88 83)

19.30: Family Affairs

Suor Angelica

Archäologie

Kannst du

uns sehen,

Schamane?

Vor ungefähr 11 000 Jahren

hat vermutlich ein Schamane

mit Hirschmaske an der

Wuhle in Biesdorf −jawas hat

er? Eine Verwandlung vollzogen?

Jemanden geheilt? In die

Zukunft geblickt? In einer Sonderausstellung

des Neuen Museums

geht es um Berlins

größte Grabung, die von 1999

bis 2014 auf 22 Hektar Fläche

vorgenommen wurde, um

Baugrundstücke vorzubereiten.

Jetzt können dort zwar

neue Häuser hingeklotzt werden,

aber die Archäologen

sind mit dem Graben noch immer

nicht fertig. In der Sonderausstellung

gibt es einen Bereich,

in dem sie steinzeitliche

Objekte, die per Blockbergung

gesichert wurden, in aller

Ruhe, mit feinem Pinsel und

einem Dach über dem Kopf

vonder Erde befreien. Dies geschieht

live. Man kann den

Forschern über die Schultern

blicken und sie mit Fragen löchernde.

Ulrich Seidler

Live-Ausgrabungen. 14−17 Uhr im

Neuen Museum (Sonderausstellung)

Hitler in

der Hölle

Das Deutsche Historische Museum

erwarb eines der sarkastischsten

Gemälde von George Grosz

Jetzt hockt Adolf Hitler im

selbst angezündeten Inferno,

schmortinder Hölle,kühlt sich

voller Schiss die Stirn mit einem

nassen Lappen. Aber es gibt

kein Entrinnen. Über 50 Millionen

Tote –Schreckensbilanz seines Tausendjährigen

Reiches und das seiner

Schergen samt großer Anhängerschaft,

und des Zweiten Weltkrieges,

darunter sechs Millionen Holocaust-

Opfer, davon 1,5 Millionen Kinder –

greifen nach ihm.

In einem mittelalterlichen, Hieronymus-Bosch-artigen

Szenario

wünschte der Maler George Grosz

sich in seinem NewYorker Exil, das er

schon 1933 wählte –„vertrieben ins

Paradies“, wie der ebenfalls emigrierte

Kunsthistoriker Erwin Panofsky

schrieb –die Höllentortur des

„Führers“.

Als Grosz geflohen war, machten

die Nazis sein Atelier zu einem Tatort

des Ikonoklasmus. Was übrig blieb,

zerrten sie 1937 in die Münchner

Schandausstellung „Entartete

Kunst“. Das Höllenbild mit dem

Braunauer malte Grosz 1944, als abzusehen

war,dass Hitler und die Seinen

Deutschland in die Katastrophe

geführt hatten. Aber schon sieben

Jahre zuvor begann Grosz mit den

„Images of Hell“, eine Serie apokalyptischer

Szenerien und Kriegsbilder,

die er 1937 unter dem Eindruck

des Spanischen Bürgerkriegs malte

und angesichts der zerstörerischen

Gewalt des deutschen Nationalsozialismus

mit Wut, Bitterkeit und

Sarkasmus weiterführte.

Grosz war völlig desillusioniert,

dass sich 1933 die „proletarischen

Massen“ nicht gegen Hitler gewehrt

hatten, er war entsetzt über den

Mord an dem von ihm geschätzten

Erich Mühsam und fassungslos über

die Berichte entkommener Emigranten

aus den Konzentrationslagern.

„Cain or Hitler in Hell“ offenbart

die Verstörung des Malers, trotz

der riesigen Entfernung von

Deutschland und vom brennenden

Europa.

Die Kunst- und die politische

Zeitgeschichte sehen das Bild als eines

der Hauptwerke der Epoche des

mörderischen 20. Jahrhunderts.

Grosz selbst beschrieb sein Bild als

Darstellung von„Hitler als faschistisches

Monster, oder als apokalyptisches

beast, verzehrt von seinen ei-

Ingeborg Ruthe

steht voreinem der bittersten

Exil-Gemälde des Berliner Malers

GeorgeGrosz, seines Zeichens einer

der wichtigsten Künstler der Weimarer

Republik, vorden Nazis beizeiten geflohen

in die USA und gleich nach seiner

Rückkehr 1959 tragisch gestorben.

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51) Little Women

14.30,17.20,20.15

Cinema Paris (✆ 881 31 19) Les miserables

15.00,20.30; Les miserables (OmU) 17.45

Delphi Filmpalast (✆ 312 1026) Little Women

14.00,17.00,20.00

Delphi LUX (✆ 322 93 10 40) Jojo Rabbit (OmU)

16.00, 21.00; Jojo Rabbit (OF) 13.30, 18.30;

1917 –Der Film (OmU) 20.30; Das geheime Leben

der Bäume 15.20; Parasite 17.40; Ein verborgenes

Leben 14.20, 20.00; Sorry We Missed You (OmU)

17.40; 1917 – Der Film 13.40, 16.20, 19.00,

21.40; Judy 13.30, 16.00, 18.40; Judy (OmU)

21.15; Knives Out (OmU) 20.50; Knives Out (OF)

18.00;Vom Gießen des Zitronenbaums 15.20; Einsam

zweisam16.30;Freies Land 13.40; ThePeanut

Butter Falcon (OmU) 19.00; Queen &Slim (OmU)

21.15

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) The Peanut Butter

Falcon 22.15; Das Vorspiel 17.45, 20.15; Crescendo

#makemusicnotwar 20.00; Kamikaze 1989

(OmenglU) 22.30; Motherless Brooklyn 17.15

Kant Kino (✆ 319 98 66) Die fantastische Reise

des Dr. Dolittle 13.20,15.40,18.20,20.45; Knives

Out20.30;Das Vorspiel 18.00; DieHeinzels 14.00,

15.20; Sorry We Missed You 15.50, 18.10, 20.30;

ARainy Day In NewYork 16.15; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 14.00; Latte Igel und der

magische Wasserstein 13.30; Lindenberg! Mach

dein Ding 17.10, 20.00; Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 20.00; Knives Out 17.10; Das Vorspiel

15.00

Zoo Palast (✆ 01805/22 29 66) Atmos: BadBoys

for Life 20.00, 23.05; 3D: Die fantastische Reise

des Dr. Dolittle 14.10; 3D, Atmos: Star Wars: Der

Aufstieg Skywalkers 16.45; 3D: Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 17.40; Die Hochzeit 20.15,

23.10; Jumanji –The Next Level 14.45; Die Eiskönigin

II 14.20; Joker 22.50; Lindenberg! Mach dein

Ding 19.45; Das perfekte Geheimnis 17.00; 3D:Die

fantastische Reise des Dr. Dolittle 20.30, 23.00;

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 15.00; Die

Hochzeit 17.30; Bad Boys forLife 17.50; Die Hochzeit

15.00; Jojo Rabbit 20.30,23.15; Als Hitler das

rosa Kaninchenstahl20.20; Jojo Rabbit 17.45; Lindenberg!

Mach dein Ding 14.30; Parasite 23.05;

Knives Out 17.00, 20.00, 23.00; Vier zauberhafte

Schwestern 14.40

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) 2040 –Wir

retten die Welt! (OmU) 13.00; Latte Igel und der

magische Wasserstein 17.00; Der Leuchtturm –The

Lighthouse (OmU) 22.30; Lindenberg! Mach dein

Ding 18.30; Miles Davis: Birth of the Cool (OmU)

11.00; Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao

14.30; Les miserables 20.45; The Farewell (OmU)

16.00; Jeannette: Die Kindheit der Jeanne d‘Arc

(OmU) 11.00; Milchkrieg in Dalsmynni 12.45; Mystify

–Michael Hutchence (OmU) 14.15; Once Upon

aTime in... Hollywood (OmU) 22.00; Queen &Slim

(OmU) 19.40; Systemsprenger (DFmenglU) 17.40;

ARainy Day InNew York (OmU) 15.10; Einsam

zweisam –Deux moi (OmU) 11.00; Die Eiskönigin

II –Frozen 2(OmU) 16.45; Joker (OmU) 22.30; Die

Kunst der Nächstenliebe –Les bonnes intentions

(OmU) 18.30; Motherless Brooklyn 12.45; Parasite

–Gisaengchung (OmenglU) 20.15

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 8129) Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 16.00; Das geheime Leben

der Bäume 14.00, 18.15; Lindenberg! Mach

dein Ding 20.15; Parasite –Gisaengchung (OmU)

22.45; Alkohol –Der globale Rausch 14.00;Aretha

Franklin: Amazing Grace (OmU) 20.00; Midsommar

–Director‘s Cut (OmU) 21.45; Schönheit &Vergänglichkeit

18.20; Systemsprenger 16.00

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz IMAX: 1917 –Der

Film 14.00,17.00,20.00,23.00; 3Engel für Charlie

20.10; Bad Boys for Life 14.00, 16.50, 17.00,

19.30, 19.50, 22.30, 22.50; Countdown 18.15,

20.40, 23.10; Midnight Movie: The Divine Fury

23.00; DieEisköniginII14.30; 3D: Diefantastische

Reise des Dr. Dolittle 14.30, 17.10, 19.50, 22.30;

DiefantastischeReise des Dr.Dolittle14.10, 16.45,

20.10; Das geheime Leben der Bäume 17.10; The

Grudge 23.00; Die Heinzels 13.50, 16.00; Die

Hochzeit 14.30, 17.20, 20.15; Jojo Rabbit 17.10,

19.50;Joker 22.50;Jumanji –The Next Level13.50,

16.15, 19.10, 23.10; Kartoffelsalat 3–Das Musical

14.00, 17.30; Knives Out 14.10, 22.50; Knives

Out (OF) 22.20; Latte Igel und der magische

Wasserstein 14.20; Lindenberg! Mach dein Ding

16.30, 19.40; Little Women 14.20, 16.45, 20.00;

Little Women (OF) 19.40; Das perfekte Geheimnis

22.45; Queen &Slim 22.40; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 14.10; 3D: Star Wars: Der

Aufstieg Skywalkers 22.45; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 16.20, 19.30; Die Wolf-Gäng 13.50

Zukunft (✆ 01 76/57 86 10 79) Das geheime Leben

der Bäume 18.00; Knives Out (OmU) 20.00;

Der Leuchtturm –The Lighthouse (OmU) 22.30;

Darkroom – Tödliche Tropfen (DFmenglU) 22.15;

Porträt einer jungen Frau in Flammen –Portrait de

la jeune fille en feu (OmU) 18.00;Vom Gießen des

Zitronenbaums –It Must Be Heaven (OmU) 20.20

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Bad Boys for

Life 16.20, 20.00, 22.50; Die Eiskönigin II14.15,

16.50; 3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

13.50, 16.30, 19.20, 22.20; Die Heinzels 13.40,

16.50; Die Hochzeit 13.50, 17.00, 19.30, 22.40;

Joker22.50;Jumanji –The NextLevel16.45, 19.30,

23.00; Knives Out 19.45; Lindenberg! Mach dein

Ding 19.50; Das perfekte Geheimnis 22.30; Spione

Undercover: Eine wilde Verwandlung 14.00;

3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 19.40; Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 22.50; Vier zauberhafte

Schwestern 14.00; Die Wolf-Gäng 14.15,

17.10

Kino Kiste (✆ 998 7481) Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 13.20; Cats 17.15; 3D: Die Eiskönigin

II 15.25; Die schönste Zeit unseres Lebens

19.10

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 41 09) 1917 –Der

Film 17.15,20.00, 22.50; Bad Boys for Life 17.00,

20.00, 22.30; Countdown 17.45, 20.10, 22.30;

Die Eiskönigin II 14.20; 3D: Die fantastische Reise

des Dr. Dolittle 15.10, 17.40, 20.15, 22.50; Die

fantastische Reise des Dr. Dolittle 14.30, 19.50;

Die Heinzels 14.40, 16.50; Die Hochzeit 15.00,

17.10, 19.45, 22.40; Jumanji –The Next Level

16.50; Knives Out 22.20; Latte Igel und der magische

Wasserstein 14.45; Lindenberg! Mach dein

Ding 19.40; Das perfekte Geheimnis 19.30; Spione

Undercover: Eine wilde Verwandlung 14.45;

3D: Star Wars: DerAufstieg Skywalkers 16.45; Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 19.50, 22.20; Underwater

–Esist erwacht 23.00; Vier zauberhafte

Schwestern 14.50; Die Wolf-Gäng 14.50, 17.20;

Zombieland 2: Doppelt hält besser 23.00

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Jojo Rabbit (OmU)

16.50, 21.40; Sorry We Missed You (OmU) 19.20;

B Mystify –Michael Hutchence (OmU) 16.10; Parasite

–Gisaengchung (OmU) 18.30; SorryWeMissed

You (OmU) 21.20

fsk am Oranienplatz (✆ 614 2464) Sorry We

Missed You (OmU) 17.45, 19.45, 21.45; Das Vorspiel

18.00; Les miserables (OmU) 20.00, 22.15

Moviemento (✆ 692 4785) Als Hitler das rosa

Kaninchen stahl 14.15; Darkroom –Tödliche Tropfen

21.15; Darkroom –Tödliche Tropfen (OmenglU)

23.15; Die Kunst der Nächstenliebe 19.00; Little

Joe –Glück ist ein Geschäft (OmU) 16.45; Als Hitler

dasrosa Kaninchen stahl23.00; Jojo Rabbit (OmU)

10.30, 13.00, 15.30, 18.00, 20.30; Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 15.15;Deutschstunde 10.00;

Mystify –Michael Hutchence (OmU) 22.30; Prachtige

Films:Romys Salon –Kapsalon Romy (OmenglU;

m. Gästen) 20.00; Thomas und seine Freunde: Große

Welt! Große Abenteuer! 13.15;Vom Gießen des

Zitronenbaums –ItMust BeHeaven (OmU) 17.45

Regenbogen Kino (✆ 69 57 95 17) Der marktgerechte

Mensch 20.30

Sputnik (✆ 694 11 47) Alles außer gewöhnlich

–Hors normes (OmU) 16.30; Parasite –Gisaengchung

(OmU) 20.45; Die Sehnsucht der Schwestern

Gusmao –Avida invisivel de Euridice Gusmao

(OmU) 18.30; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 15.00; Swans –Where Does ABody End?

(OmU) 23.15; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

18.45; Cunningham (OmU) 17.00; The Farewell

(OmU) 21.00; Joker (OmU) 23.00; Judy (OmU)

15.00; Kinobar im Sputnik B-Movie: Lust &Sound

in West-Berlin (OmenglU) 23.15; PJ Harvey –ADog

Called Money (OmU) 21.00

Yorck (✆ 78 91 32 40) Das geheime Leben der

Bäume15.00;Little Women17.20, 20.15; New Ein

verborgenes Leben 16.00; Die Heinzels 14.15; Parasite

19.40, 22.30

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 95 90) Bad Boys for Life

20.30; Die Eiskönigin II13.00, 15.00; 3D: Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 17.30, 20.00; Die

fantastische Reise des Dr. Dolittle 12.30, 15.00;

Die Heinzels 12.00, 14.00, 17.45; Die Hochzeit

17.30, 20.00; Kartoffelsalat 3–Das Musical

16.00, 18.15; KnivesOut 20.15; Lindenberg! Mach

dein Ding 17.15, 20.15; Spione Undercover: Eine

wilde Verwandlung 13.00;Vier zauberhafte Schwestern

12.30, 15.15; Die Wolf-Gäng 15.30

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Crescendo

#makemusicnotwar 15.20; Das geheime Leben der

Bäume 13.30; Der Junge muss andie frische Luft

13.00; Lindenberg! Mach dein Ding 17.45, 20.30;

Little Women 15.15, 18.00, 20.45; Romys Salon

18.00; Spione Undercover: Eine wildeVerwandlung

15.45; Das Vorspiel 13.00, 20.00

MARZAHN

UCI Kinowelt amEastgate (✆ 93 03 02 60)1917

–Der Film 17.10, 19.50, 22.50; Bad Boys for Life

17.00, 20.10, 23.00; Midnight Movie: The Divine

Fury23.00; DieEiskönigin II 14.20; 3D:Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 15.00, 17.30, 20.00,

22.40; Die Heinzels 14.15, 16.45; Die Hochzeit

14.00, 17.05, 19.55, 22.45; 3D: Jumanji –The

Next Level 23.05; Jumanji –The Next Level 14.10,

20.00; Kartoffelsalat 3 – Das Musical 14.30,

16.55; Knives Out 19.45; Lindenberg! Mach dein

Ding 17.15; Little Women 16.30, 19.45; Das perfekte

Geheimnis 20.30; 3D: Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 22.50; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

14.10; Die Wolf-Gäng 14.05

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98)Einsam zweisam 18.30; Der

kleine Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen

Schatz 17.00; Parasite 20.45; Bunuel imLabyrinth

der Schildkröten 22.00; But Beautiful –Nichts existiert

unabhängig (OmU) 17.45; Mystify –Michael

Hutchence (OmU) 20.00

Babylon (✆ 242 59 69)Fellini 100!: Boccaccio70

(OmenglU) 22.45; Lubitschs Geliebte: Ehekomödie

–That Uncertain Feeling (OF) 22.00; Fellini 100!:

Fellinis 81/2 –Otto emezzo (OmenglU) 20.00;

Fellini 100!: Fellinis Stadt der Frauen –Lacitta

delle donne (OmenglU) 17.15; Lubitschs Geliebte:

Ninotschka (OmU) 17.45; Lubitschs Geliebte: Sein

oder Nichtsein –ToBeOrNot To Be (OmU) 20.00

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Das

Kapital im 21. Jahrhundert –Capital inthe Twenty-

First Century (OmU) 10.00; Die Kunst der Nächstenliebe

– Les bonnes intentions (OmU) 14.30,

19.15; Queen &Slim (OmU) 12.00, 16.30, 21.30;

Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 15.00; Joker

(OmU) 19.00; Der Leuchtturm – The Lighthouse

(OmU) 21.45; Thomas und seine Freunde: Große

Welt! Große Abenteuer! 13.15; Vom Gießen des

Zitronenbaums –ItMust Be Heaven (OmU) 16.45

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00)1917 –Der

Film 17.20, 19.15, 23.00; 1917 –Der Film (OF)

20.00; 3Engel für Charlie –Charlie‘s Angels (OF)

23.15; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 11.30;

Bad Boys for Life 16.40, 20.10, 22.50; Bad Boys

forLife (OF)19.40,22.20; Cats 11.20;Die Eiskönigin

II11.15, 13.50, 16.45; Die Eiskönigin II–Frozen

2(OF) 15.00; 3D: Die fantastische Reise des

Dr.Dolittle 12.20, 14.15, 17.30, 20.10, 23.00;Die

Heinzels 11.00, 13.15,15.30; Die Hochzeit 13.50,

17.10, 20.00; Joker (OF) 23.00; 3D: Jumanji –The

Next Level 17.50; Jumanji –The Next Level 11.45;

Kartoffelsalat 3 –Das Musical 11.20, 14.40;Knives

Out16.50,19.20; KnivesOut (OF)20.45;Latte Igel

und der magische Wasserstein 11.10; Lindenberg!

Mach dein Ding 16.10; Das perfekte Geheimnis

18.15; Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung

13.40; 3D: StarWars: Der Aufstieg Skywalkers

22.30; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.00;

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers – Star Wars:

The Rise of Skywalker (OF) 21.15; Vier zauberhafte

Schwestern 11.15; Die Wolf-Gäng 13.20,15.50

Hackesche Höfe (✆ 283 46 03) 1917 –Der Film

(OmU) 16.30, 19.00; Ein verborgenes Leben –A

Hidden Life (OmU) 21.15; Das Vorspiel (teilw.OmU)

14.45; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 16.30;

Lindenberg! Mach dein Ding 21.15; Miles Davis:

Birth of the Cool (OmU) 14.00; Das Vorspiel (teilw.

OmU)19.00; EinverborgenesLeben –AHiddenLife

(OmU) 14.00; Jojo Rabbit (OmU) 17.15, 19.30;

Little Joe –Glück ist ein Geschäft (OmU) 21.45;

Sorry We MissedYou (OmU) 14.30, 19.00; Les miserables

(OmU) 16.45, 21.15; Jojo Rabbit (OmU)

22.15; LittleWomen (OmU) 14.00, 16.45, 19.30

International (✆ 24 75 60 11) Jojo Rabbit (OmU)

21.00; Lindenberg! Mach dein Ding 15.00; Little

Women (OmU) 18.00

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) Chemie und Liebe

19.00; Die Hofnarrenchronik (OmenglU) 21.00

NEUKÖLLN

Cineplex NeuköllnArcaden (✆ 01 80/505 06 44)

1917 –Der Film 16.50, 19.30; Baba Parasi (OmU)

19.45, 22.50; Bad Boys for Life 16.30, 19.40,

22.30; Countdown 20.30, 22.45; Countdown (OF)

22.50; Die Eiskönigin II 14.20, 17.15; Eltilerin

Savasi (OmU) 20.15, 22.55; 3D: Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 14.20, 16.45, 19.30,

19.55, 22.15; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

15.00, 18.10; Die Heinzels 14.00, 16.05;

Die Hochzeit 17.00, 19.55, 22.40; Jumanji –The

Next Level 14.10, 17.20; Mucize Ask (OmU) 22.30;

RafadanTayfa 2: Göbeklitepe (OmU) 14.45, 17.10;

Spione Undercover: Eine wildeVerwandlung 14.15;

Türkler Geliyor –Adelatin Kilici(OmU) 19.45, 22.35;

Vier zauberhafte Schwestern 14.45; Die Wolf-Gäng

14.00,17.00

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Als Hitlerdas rosa Kaninchen

stahl (DFmenglU) 16.00; Land des Honigs –

Medena Zemja: Honeyland (OmenglU) 18.10; Land

des Honigs – Medena Zemja: Honeyland (OmU)

11.50; Parasite –Gisaengchung (OmenglU) 13.30,

23.40; Vom Gießen des Zitronenbaums –ItMust

Be Heaven (OmU) 21.45; Les miserables (OmU)

10.00,19.50


Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020 23

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

genen Gedanken und Kindern“. Er

setzte es mit der Gestalt Kains gleich,

des in der biblischenTradition ersten

und archetypischen Mörders der

Menschheitsgeschichte.

Im Vergleich zu vielen anderen

deutschen Emigranten war George

Grosz auch in Amerika erfolgreich,

sowohl was denVerkauf seiner Bilder

betrifft als auch durch seine fast kontinuierliche,wenn

auch zunehmend

ungeliebte Lehrtätigkeit an der Art

Students League of New York, die

seine materielle Existenz sicherte.

Nach einer mehrjährigen Pause

nahm er den Unterricht 1949 deshalb

auch wieder auf. Er hatte regelmäßig

Ausstellungen, wurde aber in

den USA weitgehend als „deutscher

Künstler“ wahrgenommen, auch

wenn der kunstpapstgleiche Alfred

Barr, Gründungsdirektor des Museum

of Modern Art, Grosz als „wildesten

aller zeitgenössischen Künstler“

gerühmt hatte. Der Berliner erreichte

mit seinen Werken im Land

der unbegrenzten Möglichkeiten

nicht die Popularität und auch nicht

die analytische Schärfe der expressiven

und veristischen Darstellungen

wie einst in Deutschland.

„Cain oder Hitler in der

Hölle“ 1944 ,gemalt

in der amerikanischen

Emigration

DHM/VG BILDKUNST5 BONN 2020/

VERTRETEN DURCH. LILIAN GROSZ

MEIN BILD DER WOCHE

Der Maler: GeorgeGrosz, geboren 1893

und gestorben 1959 in Berlin, prägte mit

seiner dadaistischen, satirisch-expressivenund

neusachlich-veristischen Malerei

die Kunst der Weimarer Republik. Dreimal

wurde er angeklagt, wegenBeleidigung

der Reichswehr,Angriffs auf die öffentliche

Moral und Gotteslästerung.Seine

Berliner Arbeiten sind ein Spiegel der politischen

und gesellschaftlichen Fragen

der Zeit. Und auch im NewYorkerExil, das

er kurz vorHitlers Machtergreifung wählte,

ließen den Kriegsgegner die politischen

Ereignisse in Nazideutschland nicht los.

Das Deutsche Historische Museum

(DHM) erwarb das Gemälde

„Cain oder Hitler in der Hölle“, 1944, aus

Familienbesitz undintegriertesabdem

4. Februar,12Uhr,indie Dauerschau,

Unter den Linden 2, tgl. 10–18 Uhr.

www.dhm.de

Beim in der Hölle schmorenden,

fratzengesichtigen Hitler aber schon,

wenn auch in einem anderen Stil. Unübersehbar

hat Groszsich auf die Alten

Meister besonnen. Geradezu

überrealistisch ist die Szenerie;

Boschs„Dantes Inferno„ist schonerwähnt.

DerBildaufbau erinnertauch

an Altdorfer und die Donauschule –

und ist nicht zuletzt ein Indiz der EntwurzelungGrosz’inder

NeuenWelt.

Nun kommt das krasse Zeitbild

des Berliner Malers, der schon im

deutschen Kaiserreich wegen Beleidigung

der Reichswehr, Angriffs auf

die öffentliche Moral und Gotteslästerung

verhaftet wurde, indie Dauerausstellung

des Deutschen Historischen

Museums.

Möglich wurde das durch Unterstützung

der Beauftragten der Bundesregierung

für Kultur und Medien

und der Kulturstiftung der Länder.

DasGemälde konnte vonden Grosz-

Nachfahren erworben werden, die

den nunmehr neuen Platz mitten in

Berlin, im deutschen Geschichtsmuseum

als den richtigen Ort ansehen.

Gerade auch wegen der vielen jungen

Besucher,für die die NS-Diktatur und

der Krieg zeitlich weit wegsind.

Buchpremiere

Welt

in

Aufruhr

Revolte“ heißt das Buch des

israelischen Journalisten

Nadav Eyal, das an diesem

Donnerstag auf Deutsch erscheint

(Ullstein). Er reiste dafür

ins krisengeschüttelte

Griechenland, sprach mit

deutschen Neonazis und Opfern

der Dürre in Sri Lanka.

Eyal beschreibt eine Welt in

Aufruhr, ererklärt aber auch,

dass die Probleme die Chance

beinhalten, eine gerechtere

und nachhaltigereWelt aufzubauen.

Für die deutsche Ausgabe

schrieb er ein aktuelles

Nachwort, das sich mit dem

Anschlag auf die Synagoge in

Halle beschäftigt und mit der

Rolle, die Deutschland in dieser

Zeit des Umbruchs spielen

kann. Am Donnerstagabend

liest er in Berlin, nächste Woche

können Sie indieser Zeitung

das Interview lesen, dass

die Israel-Korrespondentin

Anja Reich mit Eyal geführt

hat. Susanne Lenz

Revolte:Buchpremiere mit NadavEyal

19.30Uhr,Maschinenhausder Kulturbrauerei,

Knaackstr. 47

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

20.00: Der Tanz der Zuckerpflaumenfähre (Ursus &

Nadeschkin)

Quatsch Comedy Club (✆ 47 99 74 13)

20.00: Die LiveShow

Ratibortheater (✆ 618 61 99)

20.30: Der letzte Freitag (Die Gorillas)

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Überall ist besser als nichts!

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

19.30: Mamma Mia!

Theater Adlershof (✆ 23 93 45 79)

19.00: Piaf et les bals perdus –Piaf und die verlorenen

Ballhäuser (Cècile Roseund Trio Scho)

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Gelogene Wahrheiten (Wühlmäuse-Ensemble)

KLASSIK

Emmauskirche (✆ 61 69 31 -0)

20.00: Junges Orchester derFU, Ltg.Antoine Rebstein,

Mayumi Kanagawa(Violine), L. vanBeethoven:

Konzertfür Violine und OrchesterD-Dur op. 61; C.

Nielsen: 4. Sinfonie op. 29 „Das Unauslöschliche“

Komische Oper Berlin (✆ 47 99 74 00)

20.00: Orchesterder Komischen Oper Berlin, Jan

Vogler (Violoncello), Ltg.Alondra de la Parra, SinfoniekonzertIII,

Claude Debussy: Prélude àl’après-midi

d’un faune; Camille Saint-Saëns: Konzertfür

Violoncello und OrchesterNr. 1a-Moll op. 33; Erich

Wolfgang Korngold: Filmmusik zu „The Adventures

of Robin Hood“; GeorgeGershwin: EinAmerikaner

in Paris

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

11.00, 15.00 Gr.Saal: Neujahrskonzertder Volkssolidarität

20.00 Gr.Saal: Konzerthausorchester Berlin, Anastasia

Kobekina (Violoncello), Ltg.Dmitrij Kitajenko,

Prokofjew: „Romeo und Julia“, Suite Nr.1und 2aus

der Ballettmusik op. 64, Auszüge; Tschaikowsky:

Variationen über ein Rokoko-Thema für Violoncello

und OrchesterA-Dur op. 33; „Manfred-Sinfonie“ nach

Byron h-Moll op. 58

Philharmonie (✆ 25 48 83 01)

20.00: Berliner Philharmoniker,Ltg.Paavo Järvi, Stefan

Dohr (Horn), Igor Strawinsky: Scherzo fantastique

op. 3; Abrahamsen: Konzertfür Hornund Orchester,

UA;Berlioz: Symphonie fantastique op. 14

Philharmonie/Kammermusiksaal (✆ 25 48 81 32)

20.00: Berliner Figuralchor,Cantores minores,

Solist*innen: Marie Luise Werneburg,Benedikt Kristjánsson,

Jörg Gottschick, Ltg.Gerhard Oppelt, Georg

Friedrich Händel: „Alexander’sFeast, or the Powerof

Musick“, „Ode for St. Cecilia’sDay“

Pierre Boulez Saal (✆ 47 99 74 11)

19.30: Boulez Ensemble XXII, Ltg.Thomas Guggeis,

Bach: Brandenburgisches KonzertNr. 1F-Dur;Hindemith:

Kammermusik Nr.1für 12 Solo-Instrumente

op. 24/1; Saed Haddad: Sombre für 13 Musiker,UA;

Strawinsky: „Concerto in Es“ für Kammerorchester

„Dumbarton Oaks“

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

19.00: Liederabend –Typisch Frau?! Katharina

Laura Kunz (Sopran), JakeWalsh (Klavier), Robert

Schumann: Frauenliebe und-leben, op. 42; Richard

Strauss: Mädchenblumen, op. 22; Wolfgang Rihm:

Das Rot

Villa Elisabeth (✆ 44 04 36 44)

20.00: Viola Solo: Karen Lorenz, Yodfat Miron u. a.,

Rama Gottfried: corporisfabrica (UA); Georg Katzer:

Kette; Enno Poppe: Filz –visuell-performatives

Konzert

Zuversichtskirche (✆ 366 10 07)

19.15: Cappella Vocale Berlin, kunstPause

Zwölf-Apostel-Kirche (✆ 263 98 10)

19.30: Stephan Graf vonBothmer:„Three Ages“ in

concert, Stummfilm-Komödie mitBuster Keaton,

Weltpremiere einer kolorierten Fassung

KALENDER

KINDER

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

16.00: Im Labyrinth der Bücher,Young Show(ab 5J.)

Theater der kleinen Form (✆ 29 35 04 61)

18.00: Die Zauberflöte, Puppentheater Firlefanz,

Marionettenoper (ab 10 J.)

LITERATUR/VORTRAG

Akademie der Künste am Pariser Platz

(✆ 200 57 10 00) 19.00 Plenarsaal: „Bin und

bleibe, der ich war,Ernst Barlach“. Ernst Barlach. Die

Briefe, Charly Hübner,IngoSchulze und HolgerHelbig

lesen und loben

Kulturbrauerei/Maschinenhaus (✆ 44 31 51 00)

19.30: Revolte, NadavEyal

Lettrétage (✆ 692 45 38)

20.00: 2019 Berlin Writing Prize, Preisverleihung und

Buchpremiere mit S.K. Perry, Victoria Manifold, Anbara

Salam, und Traci Kim

Literaturforum im Brecht-Haus (✆ 282 20 03)

20.00: Metropol, Eugen Ruge, Lesung und Gespräch,

Moderation:Cornelia Geißler

Z-Bar (✆ 28 38 91 21)

20.30: Kontinentpfade. Eine kurze Anleitung,Europa

lieben zu lernen, Gernot Wolfram, Lesung &Gespräch,

Moderation: Britta Gansebohm

KONZERT

A-Trane (✆ 313 25 50)

21.00: LilyDahab,Bajo un mismocielo

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.30: Die Kerzen

Bi Nuu (✆ 69 56 68 40)

20.00: Jason Bartsch &Band, Aylin Celik, Eine Idee

für das Klappen aller Dinge

Festsaal Kreuzberg (✆ 403 65 56 30)

20.00: Yaya The Cat +Riskee (Ska Punk)

Kiste (✆ 998 74 81)

21.00: Black Rosie

Lido (✆ 69 56 68 40)

20.00: Acht Eimer Hühnerherzen +SchrengSchreng

+LaLa(Punkrock)

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: Dyfingar Bannadar

Schlot (✆ 448 21 60)

21.00: Balkan Spirit meets Balkanova

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: Dr.Fleischman +The Antikaroshi, thirsty and

miserable

TIPI am Kanzleramt (✆ 39 06 65 50)

20.00: Gitte Haenning &Band, Still crazy ...

VertiMusic Hall (✆ 20 60 70 88 11)

20.00: Howard Carpendale,Die Showmeines Lebens

–50Jahre

Wild At Heart (✆ 611 70 10)

22.00: The Teaserettes, The Rock nRoll Freak

Burlesque Show

Yaam (✆ 615 13 54)

20.00: Jamila &The Other Heroes, Tolygyn, Heart

Chor,Schmeckefuchs, Urubu Marinka

CLUB

Berghain (Am Wriezener Bahnhof)

23.00: CTM 2020, Astrid Gnosis (live), Gabber Modus

Operandi feat. Wahono xNakibembe Xylophone

Ensemble (live), Squarepusher (live), !luuli, VTSS

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59: Tresor.Klubnacht, Umwelt, Sunil Sharpe, Kerrie,

Jamie Behan

BALLROOM

Ballhaus Berlin (✆ 282 75 75)

20.00: DJaneClärchen &die Ballhaus Band

Haus der Sinne (✆ 44 04 91 55)

21.30: Tangobar:Alfonso Covarrubias (live)

ufaFabrik (✆ 75 50 30)

22.00: 8. PSIU! Forró Festival

Weiße Rose (✆ 902 77 66 46)

19.00: Holiday Swing,Stephan Wuthe

KINO

Neues Off (✆ 62 70 95 50)Queen & Slim (OmU)

16.30, 19.30; Queen &Slim (OF) 22.30

Passage (✆ 68 23 70 18) Little Women (OmU)

14.40, 17.30, 20.30; 1917 – Der Film (OmU)

15.00, 17.45, 20.30; Knives Out 21.00; Lindenberg!

Mach dein Ding 15.20, 18.10; Joker (OmU)

18.30, 21.00; Judy (OmU) 16.00

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Little Women(OF) 14.45,

17.45, 20.45; Parasite –Gisaengchung (OmenglU)

17.20, 20.15; 1917 –Der Film (OF) 17.00, 19.45,

22.30; Les miserables (OmenglU) 17.00, 19.30,

22.00; Jojo Rabbit (OF) 16.30, 19.00, 21.30

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34)

1917 –Der Film 17.30, 20.15, 23.00; BadBoysfor

Life 16.40, 19.50, 22.50; Die Eiskönigin II14.20;

3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 14.50,

17.20, 20.10, 22.40; Die Heinzels 15.05, 17.10;

Die Hochzeit 16.30, 19.40, 22.55; Jumanji –The

Next Level 17.00; Kartoffelsalat 3–Das Musical

14.15; Knives Out 19.30; Das perfekte Geheimnis

22.30; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 20.30;

Vier zauberhafte Schwestern 14.30; Die Wolf-Gäng

14.40

Wolf (✆ 921039333) Flussfahrtmit Huhn 16.30;

Little Joe –Glück ist ein Geschäft (OmU) 18.50;

SorryWe Missed You(OmU) 16.40, 21.00;Vom Gießen

des Zitronenbaums –ItMust BeHeaven (OmU)

19.00; Les miserables (OmU) 21.10

PANKOW

BlauerSternPankow (✆ 47 61 18 98)Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 13.30, 15.50, 18.10,

20.15; Little Women 20.30; Die Heinzels 13.40,

15.30; Lindenberg! Mach dein Ding 17.20

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Little Women

14.30, 17.20, 20.15; Das geheime Leben der

Bäume 17.40; Die Heinzels 14.00, 15.50; Parasite

20.00; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

13.40, 16.00, 18.20, 21.15; 1917 –Der Film

(OmU) 20.40; Latte Igel und der magischeWasserstein

14.40; Sorry We Missed You 16.40, 19.00;

Ein verborgenes Leben 19.45; Knives Out 17.00;

Spione Undercover: Eine wildeVerwandlung 14.45

Kino in der Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 0200)

1917 –Der Film (OmU) 16.45, 20.00, 22.45; Als

Hitler das rosa Kaninchen stahl 16.45; Ein verborgenes

Leben 21.45; Die Eiskönigin II14.15; Freies

Land 23.00; Dasgeheime Leben derBäume 18.45;

Die Heinzels 14.30, 16.45; Jojo Rabbit (OmU)

14.00, 19.30; Jojo Rabbit (OF) 16.45,22.30; Judy

17.00; Der kleine Rabe Socke 3–Suche nach

dem verlorenen Schatz 14.15; Knives Out 19.45;

Lindenberg! Mach dein Ding 20.00; Little Women

13.45; Little Women (OmU) 19.30; Little Women

(OF) 16.45; Parasite 21.45; The Peanut Butter Falcon

16.30; Queen &Slim (OmU) 22.45; Sorry We

Missed You 19.15; Spione Undercover: Eine wilde

Verwandlung 14.15; Star Wars IX (OmU)22.45; Vier

zauberhafte Schwestern 14.30;Vom Gießen des Zitronenbaums

16.15; Das Vorspiel 19.00; Die Wolf-

Gäng 13.45; Les miserables 21.45

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Gundermann Revier

18.00; Swimmingpool am Golan (teilw.OmU)

19.45; Why Don‘t You Just Die! (OmU) 21.15

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) 1917

–Der Film 17.05, 19.40, 22.30; 3Engel für Charlie

22.40; Bad Boys for Life 17.00, 19.55, 22.40;

Countdown 19.55, 22.30; Midnight Movie: The Divine

Fury 22.45; Die Eiskönigin II 14.40; 3D: Die

fantastische Reise des Dr. Dolittle 14.20, 17.00,

19.45, 22.45; Das geheime Leben der Bäume

17.05; Die Heinzels 14.30, 17.20; Die Hochzeit

14.15, 16.45, 19.50; 3D: Jumanji 17.00; Jumanji

14.15; Kartoffelsalat 314.40, 17.00; Knives Out

19.50, 22.45; Latte Igel und der magische Wasserstein

14.30; Lindenberg! 19.40; Little Women

16.50, 19.45; Das perfekte Geheimnis 16.50;

Sneak Preview 22.45; 3D: Star Wars IX 22.45; Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.15, 19.40; Systemsprenger

19.55; Underwater –Esist erwacht

22.45; Vier zauberhafte Schwestern 14.45; Die

Wolf-Gäng 14.35

Zeiss-Großplanetarium (✆ 42 18 45 12) Anderswo.

Allein inAfrika 18.00; M. C. Escher: Reise in

dieUnendlichkeit (teilw.OmU) 16.00; DerMann, der

vomHimmel fiel –The Man Who Fell toEarth (OmU)

20.30; Small Planets (OmU) 14.00

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 02 00) 1917 –Der

Film 16.35,19.40, 22.45; Bad Boys for Life 17.05,

20.10, 23.00; Countdown 20.25, 23.15; Die Eiskönigin

II 14.10, 16.55; 3D: Die fantastische Reise

des Dr. Dolittle 14.20, 17.10, 19.50, 22.35; The

Grudge 23.20; Die Heinzels 13.30, 15.40; Die

Hochzeit 14.10, 16.45, 19.35, 22.35; Jojo Rabbit

20.00; Joker 23.05; 3D: Jumanji –The Next Level

22.50; Jumanji –The Next Level 17.15; Kartoffelsalat

3–Das Musical 14.10, 18.00; Knives Out

16.55, 19.45; Lindenberg! Mach dein Ding 16.25;

Dasperfekte Geheimnis20.15; SpioneUndercover:

Eine wilde Verwandlung 13.45; 3D: Star Wars: Der

Aufstieg Skywalkers 19.30; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 13.40, 22.55; Vier zauberhafte Schwestern

14.20; Die Wolf-Gäng 14.40

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 14.00, 20.00;

Lindenberg! Mach dein Ding 17.00

Cosima (✆ 85 075802)Judy 18.00, 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Jojo Rabbit (OmU) 18.00;

Little Women (OmU) 15.00, 20.30

Xenon (✆ 78 00 15 30) JonathanAgassi Saved My

Life (OmU) 18.00; Judy (OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11) 1917

– Der Film 16.35, 19.50, 22.45; Bad Boys for

Life 16.50, 19.40, 22.45; Die Eiskönigin II12.35,

14.05; 3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

17.00, 20.15, 22.50; Die fantastische Reise desDr.

Dolittle 10.00, 12.00, 14.25; Die Heinzels 10.00,

12.15, 14.30; Die Hochzeit 16.40, 19.30, 22.40;

Jumanji 17.15; Knives Out 19.45; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 14.45; Star Wars

IX 22.20; Vier zauberhafte Schwestern 12.20; Die

Wolf-Gäng 10.00, 12.10, 14.25

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 6081) Als

Hitler das rosa Kaninchen stahl 13.45, 18.00; Der

geheime Roman des Monsieur Pick 16.00; Judy

20.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 07 11) Little Women 14.00,

17.00,20.00

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 05 20)

1917 –Der Film 20.00, 22.55; Bad Boys for Life

16.50, 20.00, 23.00; Die Eiskönigin II 10.00,

12.15, 14.25; 3D: Die fantastische Reise des Dr.

Dolittle 10.00,12.20, 14.45, 17.20, 19.50, 22.35;

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 14.15,

16.50; Das geheime Leben der Bäume 17.50; Die

Heinzels 10.00, 11.50,13.45, 15.45; Die Hochzeit

17.05, 19.45, 22.40;Jojo Rabbit20.00,22.45;Jumanji

16.50; Knives Out 17.00,19.30, 22.35; Latte

Igel und der magische Wasserstein 10.00, 12.15;

Spione Undercover: Eine wilde Verwandlung 10.00,

12.00, 14.30; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

20.45; Vier zauberhafte Schwestern 10.00, 12.15,

14.30; Die Wolf-Gäng 10.00,12.10, 14.25

Thalia Movie Magic (✆ 774 3440) Bad Boys for

Life 20.30; 3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

18.15, 20.30; Die fantastische Reise des Dr.

Dolittle 15.45; Die Heinzels 15.45; Die Hochzeit

18.00,20.30; Jumanji –The Next Level 18.00; Knives

Out 20.30; Lindenberg! Mach dein Ding 17.45;

Vier zauberhafte Schwestern 15.45; Die Wolf-Gäng

16.00

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Federico &Marcello:

Fellinis Das süße Leben –Ladolce vita (OmenglU)

19.30; MagicalHistoryTour:Liebling,ich werde jünger

–Monkey Business (OF) 20.00

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 806969)

1917 – Der Film 13.20, 16.20, 16.30, 19.45,

19.50, 23.00; 7500 –Der Film 23.00; Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 16.30; Bad Boys for Life

16.50, 19.30, 22.50; Countdown 17.30, 20.10,

22.40; Die Eiskönigin II 12.30; 3D: Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 13.15, 13.30, 17.00,

20.15, 23.00; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

14.00, 16.30; Das geheime Leben der Bäume

17.10; Die Heinzels 14.10, 16.15; Die Hochzeit

13.40, 17.05, 20.00, 22.30; Jojo Rabbit 16.30,

16.40, 19.40, 23.00; Joker 20.00; Jumanji –The

Next Level 13.45, 15.15, 16.30, 20.00, 23.00;

Kartoffelsalat 3–Das Musical 14.00, 17.15; Knives

Out 16.45, 20.30, 22.45, 22.50; Lindenberg!

Mach dein Ding 19.00; Little Women 13.30, 17.00,

19.30, 19.45, 22.30; Parasite 19.15; Das perfekte

Geheimnis19.45; Queen &Slim 22.40; Spione Undercover:

Eine wilde Verwandlung 13.20; 3D: Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 15.50, 20.20; Star

Wars:Der Aufstieg Skywalkers 13.50, 19.20,22.30;

Underwater –Esist erwacht 23.00; Vier zauberhafte

Schwestern 15.00; Weathering With You: Das Mädchen,

das die Sonneberührte 19.45; DieWolf-Gäng

14.10

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Jam (OmU)

17.30; Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao –A

vida invisivel de Euridice Gusmao (OmU) 21.30;

Why Don‘t You Just Die! –Papa, sdokhni (OmU)

19.30

TREPTOW

Astra (✆ 636 1650) Bad Boys for Life 17.15,

20.00, 22.30; 3D: Die fantastische Reise des Dr.

Dolittle 17.30, 20.00, 22.30; Die fantastische Reise

des Dr. Dolittle 15.00; Das geheime Leben der

Bäume 15.00, 18.00, 20.15, 22.30; Die Heinzels

14.00, 16.00; Die Hochzeit 17.30, 20.00, 22.30;

Jumanji –The Next Level 18.00; Lindenberg! Mach

dein Ding 20.30; Spione Undercover: Eine wilde

Verwandlung 15.00; Vier zauberhafte Schwestern

14.00; Die Wolf-Gäng 16.00

Casablanca (✆ 6775752) Judy 18.00; KnivesOut

20.30; Pavarotti 15.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

1917 –Der Film 17.00, 20.10, 22.50; 3Engel für

Charlie 23.00; Bad Boys for Life 17.00, 20.00,

22.45; Countdown 20.20, 22.55;

Die Eiskönigin II14.20;3D: Die fantastische Reise

des Dr. Dolittle 14.10, 17.10, 20.00, 22.45; The

Grudge 23.05; Die Heinzels 14.15, 16.30; Die

Hochzeit 14.10, 17.00, 19.55; Joker22.55; 3D: Jumanji

–The Next Level20.00; Jumanji –The Next Level14.05,

17.15, 22.40; Kartoffelsalat3–Das Musical

14.40, 17.20; Knives Out 19.30; Lindenberg!

Mach dein Ding 17.10; Das perfekte Geheimnis

19.45; Spione Undercover: Eine wildeVerwandlung

14.20; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 19.30;

Underwater –Esist erwacht 23.00; Vier zauberhafte

Schwestern 14.15,16.50; DieWolf-Gäng 14.45

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) 1917

–Der Film 16.40, 19.45, 22.40; Bad Boys for Life

16.50, 20.00, 23.00; Die Eiskönigin II14.15; Eltilerin

Savasi (OmU) 20.15, 22.45; 3D: Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 14.20, 16.45, 19.30,

22.40; Die Hochzeit 16.50, 19.45; Jumanji –The

Next Level 14.10; Rafadan Tayfa 2: Göbeklitepe

(OmU) 14.00, 16.00, 18.10; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 17.00, 22.50; Türkler Geliyor –

Adelatin Kilici (OmU) 20.10, 23.00; Vier zauberhafte

Schwestern 14.15; DieWolf-Gäng 14.15

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 40 01) An derBruchkante–

Imker in Mecklenburg 19.30; Klavierstunden –Making

the Grade (OmU) 18.00; Swans –Where Does

ABody End? (OmU) 21.45

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 11.15, 13.30, 15.45; Lindenberg!

Mach dein Ding 20.45; Premiere: Romys

Salon 18.00; Die fantastische Reise des Dr.Dolittle

18.15,20.30; Lindenberg! Mach dein Ding 15.30;

Thilda &die beste Band derWelt 13.00

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 15.30; Miles Davis: Birth of

the Cool (OmU) 20.30; Das Vorspiel 18.00

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Crescendo #makemusicnotwar

15.30; Dasgeheime Lebender Bäume

18.00; Latte Igel und der magische Wasserstein

13.15;Vom Gießen des Zitronenbaums 20.30

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) But Beautiful –Nichts existiert

unabhängig 20.30; Ein Licht zwischen den Wolken

18.00; Latte Igel und der magische Wasserstein

16.00

Capitol (✆ 831 6417) Das geheime Leben der

Bäume 15.00; Little Women 17.20, 20.15

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12)

Auf den Spuren Fellinis –Sur les traces de Fellini

17.00; Fellinis La Strada –Das Lied der Straße (m.

Einführung) 19.00; Götter von Molenbeek: Gods of

Molenbeek –Aatos ja Amine (OmU) 21.15

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 16.00; Crescendo

#makemusicnotwar 15.30; Ein verborgenes Leben

20.15; Die Eiskönigin II 13.45; Das geheime Leben

der Bäume 18.00; Die Heinzels 14.00, 16.00; Jojo

Rabbit 18.00, 20.45; Latte Igel und der magische

Wasserstein 13.30; Lindenberg! Mach dein Ding

18.00, 20.45; Sorry We Missed You 20.45; Vom

Gießen des Zitronenbaums 15.45; Das Vorspiel

13.45, 18.30

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 70)

1917 –Der Film 17.10, 20.15, 23.00; BadBoysfor

Life 16.50, 20.00, 23.00; Die Eiskönigin II 13.50;

3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 14.00,

17.00, 20.00, 23.00; Die Heinzels 13.40, 15.45;

Die Hochzeit 14.10, 16.40, 19.50; 3D: Jumanji –

The Next Level 23.00; Jumanji 16.50; Kartoffelsalat

314.20, 17.45; Knives Out 19.50, 23.00; Lindenberg!

Mach dein Ding 19.40; Little Women 16.30,

19.40; Das perfekte Geheimnis 23.00; 3D: Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 20.15; Star Wars: Der

Aufstieg Skywalkers 13.45, 23.00; Vier zauberhafte

Schwestern 14.15; Die Wolf-Gäng 14.00, 17.10

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 03322/279 88 77)Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 14.30, 17.00, 20.00

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Bad

Boys for Life 20.30; 3D: Die fantastische Reise

des Dr. Dolittle 18.00, 20.30; Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 15.45; Die Heinzels 15.30;

Die Hochzeit 17.45,20.30; Lindenberg! Mach dein

Ding 17.30; Vier zauberhafte Schwestern 15.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 48 28)

Bad Boys for Life 18.00, 20.30, 22.30; Die Eiskönigin

II 14.15; 3D: Die fantastische Reise des

Dr. Dolittle 17.30, 19.45, 22.50; Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 15.00; Die Hochzeit 17.45,

20.15;Jumanji 15.15;Lindenberg! Machdein Ding

17.00, 20.00; 3D: Star Wars IX 22.15; Die Wolf-

Gäng 14.00, 16.00; Zombieland 223.10

Linden-Kino Wusterhausen (✆ 03 39 79/145 93)

Bad Boys for Life21.15; Die Hochzeit17.00, 19.15

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 20.45; Bad Boys for Life

18.00; Die Hochzeit 17.15, 20.00; Der kleine Rabe

Socke 316.15; Spione Undercover 15.00


24 Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020

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Netzwerk

NACHRICHTEN

Vereinte Nationen Opfer

von Hacker-Angriff

STREAMING

Dämonen,

Mörder und

zwei Päpste

Der Februar ist Berlinale-Monat.

Und wie in jedem Jahr, weht

auch diesmal wieder mehr als nur

ein Hauch von internationaler Unterhaltung

durch Berlin. Für diejenigen,

die es mal wieder nicht ins Kino

schaffen können, gibt es hier Tipps,

um sich im Februar die Zeit hochkarätig

zu vertreiben.

„Locke and Key“: Bei dieser Serie

handelt es sich um eine Adaption der

Graphic Novel gleichen Namens. In

der Geschichte geht es um die Geschwister

Locke, die in das Geburtshaus

ihres Vaters ziehen, nachdem

dieser brutal ums Leben gekommen

ist. In diesem Haus spielen sich allerlei

unglaubliche Dinge ab,die immer

mit bestimmten magischen Schlüsseln

zu tun haben, welche die Kinder

immer wieder entdecken. Es gibt

Dämonen, ein Mädchen in einem

Brunnen, Türen in andere Dimensionen

und allerlei unglaubliche

Dinge. Die Buchvorlage ist auch wegen

der sehr bildgewaltigen Illustrationen

zum Kult-Klassiker geworden,

was die Latte für die Serie sehr

hoch gelegt hat. Für Fantasy-, Grusel-

und Comicfreunde ein Muss.

Zu sehen ab 7. Februar bei Netflix

„A Confession“: Diese britische Serie

erzählt die wahre Geschichte des

Mordes an Sian O’Callaghan, die im

März 2011 von einem Taxifahrer ermordet

wurde. Nachdem der Täter

ein Geständnis abgelegt hatte,hat er

im Verlauf des Verhörs einen weiteren

Mord gestanden. Aufgrund dieses

Geständnisses konnte die Leiche

der bereits 2003 verschwundenen

Becky G. Edward entdeckt werden.

Später stellte sich heraus, dass der

ermittelnde Kommissar Fulcher sich

schweren Fehlverhaltens schuldig

gemacht hat. Der von Martin Freeman

gespielte Ermittler Steve Fulcher

hat zwei Fälle lösen können, die

damals ganz England in Atem hielten,

letztendlich kosteten sie ihn jedoch

seinen Job. Sehr aufwühlend

erzählt, sehr sehenswert.

Zu sehen ab 6. Februar bei MagentaTV

Ach du Heiliger:Jude Lawund John

Malkovich spielen zwei Päpste.

„The New Pope“: Päpste scheinen

derzeit sehr im Trend zu liegen. Nach

dem Netflix-Erfolgsfilm „Two Popes“

bekommen wir jetzt in dieser HBO-

Serie den neuen Papst präsentiert.

Die Serie folgt den Geschehnissen

von „The Young Pope“. Jude Laws

„Pius XIII“ liegt im Koma und ein

neuer Pontifex (John Malkovich)

wird gewählt. Plötzlich wacht Pius

auf und das Drama beginnt. Frech,

und wunderschön anzusehen!

Zu sehen ab dem 20.Februar bei Sky Atlantic

Markus Posimki

hat drei Spielfilme für den

Februar gefunden.

PR

Wann moralisch handeln, wann einfach nur sein Leben retten? Auch mit dieser Frage müssen sich die Widerstandskämpfer beschäftigen. PAINTBUCKET GAMES (2)

Im Kampf gegen die Nazis

In „Through the Darkest of Times“ lernt der Computerspieler,wie schwierig es ist, Widerstand zu leisten

VonJan Bojaryn

Das Dritte Reich kennen

immer mehr Menschen

nur noch aus Erzählungen

und Filmen. Eine

einfache, direkte Brücke in die Vergangenheit

hat das Berliner Kleinstudio

Paintbucket Games geschlagen.

„Through the Darkest of

Times“ ist ein gründlich recherchiertes,

historisches Computerspiel

aus Berlin, das seit gesternauf

dem Marktist.

Wastun mit dem Papierstapel?

Das Spiel beginnt 1933 mit der

Machtergreifung Hitlers. Die Helden

im Spiel arbeiten als Gärtner oder

Bankangestellte, sie können Anarchisten

oder katholisch-konservativ

sein. Gemein ist ihnen nur, dass sie

das Dritte Reich nicht aushalten, sie

wollen es bekämpfen. Es wirklich zu

stoppen, ist anfangs kein realistisches

Ziel. Gespielt wird der Widerstand

ziemlich einfach: Spieler platzieren

ihreMitstreiter an verschiedenen Orten

auf dem Stadtplan, wägen ab zwischen

Notfällen, knappen Ressourcen

und der wachsenden Gefahr.Anfangs

werden eher Flugblätter verteilt,

später sind spektakuläre

Propaganda-Coups, Gefängnis-Ausbrüche,

sogar Bombenanschläge

möglich.

Solange die Gruppenmitglieder

noch anonym sind, gelingt vieles.

Mit wachsendem Profil müssen jedoch

immer häufiger Aktionen abgebrochen

werden, müssen die

Kämpfer unverrichteter Dinge abziehen.

Bald wird der Fortschritt

Im historischen Stadtgebiet von Berlin sind die Widerstandskämpfer unterwegs.

langsam. Überhaupt eine Aktion zu

starten, weder an Moralnoch an Unterstützung

zu verlieren, ist dann

schon ein Erfolg.

Schon der Kauf von größeren

Papiermengen kann verdächtig

machen. Es könnten ja politische

Flugblätter entstehen. Wozu wird

das Papier also gebraucht? Vielleicht

holt der Händler einen dicken

Papierstapel nur deshalb aus

dem Hinterzimmer, weil er Beweise

schaffen will. Vielleicht beobachten

aber auch neugierige

Nachbarn die Aktion. Sehr schnell

kann der Verdacht geweckt werden.

Und sosteigt langsam die Gefahr,

enttarnt und vielleicht sogar festgenommen

zu werden.

In den Missionen geht es immer

auch darum, welche Kämpfer zu der

Aufgabe und zueinander passen.

Einsätze können auch daran scheitern,

dass Widerstandskämpfer sich

streiten. Helfer können auch den

Mut verlieren, sie können aussteigen,

sie können einander hassen.

Alle haben ihre familiäre Prägung,

entstammenverschiedenen Milieus,

vertreten eigene politische Überzeugungen.

Eine Woche in der NS-Zeit entspricht

einer Spielrunde.Zuerst werden

die neuesten Schlagzeilen vorgelegt.

Sie zeichnen den Wegindie

totalitäre Diktatur und in den Krieg

nach: Der Reichstag wird aufgelöst,

das Eugenikprogramm gestartet,

Hitler verspricht Frieden. Dann geht

es in eine grobgezeichnete,schwarzweiße

Welt. Die Gruppe trifft sich in

Hinterzimmern. Jede Frau und jeder

Mann der Gruppe kann in einer Woche

eine Aufgabe erledigen.

Dieser Wochen-Rhythmus wirkt

beklemmend, aber er wird regelmäßig

von Erzähltexten unterbrochen.

Früh im Spiel erfährtder Protagonist

Fake-Gäste beschädigen den Ruf

von ersten Bücherverbrennungen.

Oder er sieht, wie SA-Männer einen

alten Mann mit Kippa verprügeln.

Wastun? DieErzählung stellt Spieler

vor Multiple-Choice-Entscheidungen.

Sie stehen vor der Wahl, dazwischenzugehen,

um dem Mann zu

helfen. Oder sollten sie doch besser

die Nazis ablenken? Oder einfach

wegschauen? Viele Situationen entziehen

sich einfachen moralischen

Urteilen.

Zivilcourage zeigen

Diese spielbaren Kurzgeschichten

heben das Abenteuer auf ein anderes

Niveau. „Through the Darkest

of Times“ ist kein austauschbares

Brettspiel über Widerstand, sondern

es verortet die Geschichte

sehr spezifisch in Berlin, im Dritten

Reich. Spieler radeln über den Alexanderplatz,

taumeln durch Köpenick

und stoßen auf historische

Ereignisse, die so ähnlich wirklich

passiertsind.

So schnell und simpel sich das

Abenteuer spielt, so aufwühlend

wird es mit der Zeit. Das ist das

größte Verdienst von „Through the

Darkest of Times“: Im Spiel das Gute

und Richtige zu erkennen, ist oft

komplex, es bleibt eine Interpretationsfrage.Wer

sich dieser Geschichte

aussetzt, der kommt nicht mit einer

Handlungsanleitung heraus,was gegen

Nazis zu tun wäre. Aber vielleicht

mit neuer Empathie für Menschen

mit Zivilcourage.

„Through the Darkest of Times“ istseitgestern

Abend als Download für den PC erhältlich. Der

Preis: 14,99 Euro.

Nach einer Umfrage fordern Hoteliers, dass Gäste nur beurteilen dürfen, wenn sie wirklich vor Ort waren

Bewertungen im Internet gehören

für Restaurants und Hotels

heute genauso zum täglichen Betriebsalltag

wie Speisekarten und

Room-Service. „Online-Bewertungen

können Fluch und Segen zugleich

sein“, sagt Bernd Niemeier,

Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes

(Dehoga) Nordrhein-

Westfalen. „Sie geben unseren Gästen

die Möglichkeit, ihre Einschätzung

abzugeben, was eine wichtige

Information für den Betrieb sein

kann. Allerdings kommt es auch zu

ungerechtfertigten Bewertungen

bis hin zu Beleidigungen oder Drohungen“.

Dass Online-Bewertungen immer

wieder missbraucht werden, ist

das Ergebnis einer Dehoga-Umfrage,ander

sich rund 550 Gastronomen

und Hoteliers aus Nordrhein-

Westfalen beteiligten. Knapp 78 Prozent

der Befragten gaben an, bereits

ungerechtfertigt im Internet bewertet

worden zu sein, 29,5 Prozent davon

„leider schon oft“. Lediglich 19

Prozent haben noch keine negativen

Erfahrungen mit dem Phänomen gemacht.

Ungerechtfertigt sind Online-Bewertungen

dann, wenn zum einen

sogenannte Fake-Gäste Bewertungen

abgeben, also vermeintliche

Gäste, die den Betrieb gar nicht besucht

haben oder wenn zum anderen

Gastronomen mit schlechten

Bewertungen gedroht wird, falls

keine Vergünstigungen gewährtwerden.

Mehr als zwei Drittel der Unternehmen

kritisierte,von Fake-Gästen

bewertet worden zu sein. Rund die

Hälfte beklagte,dass Gäste mit einer

schlechten Bewertung gedroht hätten,

um eineVergünstigung zu erhalten.

„Unser Anspruch ist es, gute

Gastgeber zu sein. Bei berechtigter

Kritik ist es das gute Recht unserer

Gäste, uns dementsprechend zu bewerten.

Allerdings gibt es Grenzen.

Dasgilt zum Beispiel für Fake-Gäste,

die den bewerteten Betrieb im Zweifel

noch nicht voninnen gesehen haben“,

so BerndNiemeier.

Knapp 74 Prozent der teilnehmenden

Gastronomen und Hote-

liers wünschen sich daher, dass

Gäste erst dann bewerten dürfen,

wenn sie tatsächlich Gast waren.

Darüber hinaus würden annähernd

60 Prozent begrüßen, ältere Bewertungen

oder Angaben, die voreinem

Betreiberwechsel erfolgten (45 Prozent),

löschen zu können.

In Bezug auf den generellen Umgang

mit Online-Kritik versuchen

fast drei Viertel der Befragten, Kontakt

mit den Absendernvon Negativ-

Bewertungen aufzunehmen und auf

die Kritik einzugehen. „Überall, wo

Menschen arbeiten, kann es zu Fehlernkommen.

KonstruktiveKritik ist

eine wertvolle Hilfe“, beschreibt Niemeier

die positiven Auswirkungen

vonOnline-Bewertungen. (kk.)

Hacker haben die Büros der Vereinten

Nationen in Genf und Wien angegriffen.

DieCyber-Attacke auf die

IT-Infrastruktur der Vereinten Nationen

sei bereits im vergangenen Sommer

geschehen, sagte UN-Sprecher

Stephane Dujarric am Mittwoch in

NewYork. „Die Zuordnung einer IT-

Attacke bleibt vage und unsicher,

also sind wir nicht in der Lage,einen

speziellen Angreifer auszumachen,

aber es war mit Sicherheit eine sehr

gut ausgestattete Attacke.“ DieAngreifer

hätten aber keine sensiblen

Daten erbeuten können und alle

Schäden seien wieder in Ordnung

gebracht worden, hieß es. (dpa)

Facebook steigertGewinn

auf sieben Milliarden Dollar

Trotz steigender Kosten für Datenschutz

und den Kampf gegen Falschinformationen

hat Facebook seinen

Gewinn im vierten Quartal kräftig

gesteigert. Er wuchs vonOktober bis

Dezember um sieben Prozent im

Vergleich zum Vorjahresquartal auf

7,3 Milliarden Dollar (6,6 Milliarden

Euro), wie der KonzernamMittwoch

mitteilte.Der Umsatz stieg um 25

Prozent auf rund 21 Milliarden Dollar.Die

Zahl der Nutzer weltweit kletterte

auf 2,5 Milliarden, das waren

acht Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

(AFP)

Viele Nutzer gehen noch immer fahrlässig

mit ihren Passwörternum. DPA/JENS BÜTTNER

Plattner-Institut: Bewusst

mit Passwörternumgehen

Anlässlich des „Change Your PasswordDays“

am Sonnabend, dem 1.

Februar,erinnertdas Hasso-Plattner-Institut

(HPI) in Potsdam an die

wichtigsten Regeln zur Erstellung

starker Passwörter.„Schwache Zahlenreihen

wie etwa ‚123456‘ werden

weltweit weiterhin viel zu häufig genutzt“,

kritisierte HPI-Direktor,Professor

Christoph Meinel. Auch die

weit verbreitete Mehrfachnutzung

vonstets gleichen Passwörternfür

unterschiedliche Dienste sei extrem

leichtsinnig, wenn man bedenke,

welche Schäden dadurch entstehen

können, sagte Meinel. (dpa)

Samsung meldet erneut

einen Gewinnrückgang

Nach der Schwäche im Chip-Geschäft

2019 und abermals deutlichen

Gewinneinbußen im

Schlussquartal sieht der Technologieriese

Samsung wieder optimistischer

in die Zukunft. Die

Nachfrage nach Speicherchips,die

in Servern und Mobilprodukten

verwendet werden, habe sich wieder

verstärkt, teilte der führende

Anbieter von Smartphones, Speicherchips

und Fernseher am Donnerstag

mit. Auch bei Smartphones

erwarten die Südkoreaner,

trotz eines erwarteten schwachen

Jahresbeginns, durch einen besseren

Produktemix mit „neuen

Flaggschiff-Modellen und faltbaren

Smartphones“ wachsende

Umsätze. Im Geschäft mit Smartphones

und Displays hat es der

Apple-Rivale vor allem mit wachsender

Konkurrenz aus China zu

tun. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 26 · F reitag, 31. Januar 2020 25

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) Livenach Neun 9.55

(für HG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG) Meister

des Alltags 11.15 (für HG) Werweiß denn

sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für

HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG)

Rote Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10

(für HG) Sturmder Liebe 16.00 (für HG)

Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt nach Meer

17.00 (für HG) Tagesschau 17.15 (für HG)

Brisant 18.00 (für HG) Werweiß denn sowas?

18.50 (für HG) Quizduell-Olymp 19.45 (für HG)

Sportschau voracht 19.50 (für HG) Wetter /

Börse voracht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Die Inselärztin: Die Mutprobe

Arztreihe, D2020. Mit Anja Knauer,

Tobias Licht. Dr.Filipa Wagner muss

einen Schlussstrich unter ihre große Liebe

ziehen, um sich auf eine vielversprechende

Bekanntschaft einlassen zu können.

21.45 (für HG) Tagesthemen

22.10 (für HG) Tatort: Der scheidende

Schupo Krimireihe, D2017

23.40 (für HG) Irene Huss, Kripo Göteborg:

Der Novembermörder

Krimireihe, S/D/N/DK/FIN 2008

1.05 (für HG) Tagesschau

RTL

5.00 Der Blaulicht Report 5.25 Exclusiv –Das

Starmagazin 5.35 Explosiv –Das Magazin 6.00

Guten Morgen Deutschland 8.30 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten 9.00 Unter uns 9.30 (für

HG) Alles was zählt. Daily Soap 10.00 Der

Blaulicht Report 11.00 Der Blaulicht Report

12.00 Punkt 12 –Das RTL-Mittagsjournal 14.00

Die Superhändler–4Räume, 1Deal 15.00 Die

Superhändler –4Räume, 1Deal 16.00 Die

Superhändler:Lieblingsdeals 17.00 Herz über

Kopf. Telenovela 17.30 Unter uns. Daily Soap

18.00 Explosiv –Das Magazin 18.30 Exclusiv –

Das Starmagazin 18.45 RTL Aktuell 19.05 (für

HG) Alles was zählt. Daily Soap 19.40 (für HG)

Gute Zeiten, schlechteZeiten. Daily Soap

20.15 Alles auf Freundschaft –Die Mälzer &

Sasha Show (1/2)

Spielshow. Freundschaft gewinnt: Tim

Mälzer und Sasha sind Best Buddies und

wollen das in ihrer neuen Live-Showunter

Beweis stellen.

23.10 Darf er das? Live! Die ChrisTall Show

Comedyshow

0.10 RTL Nachtjournal /Wetter

0.40 Alles auf Freundschaft –Die Mälzer &

Sasha Show (1/2)

3.20 Der Bachelor

4.50 Der Blaulicht Report

MDR

12.35 (für HG) Ist ja irre –Der Schiffskoch ist

seekrank. Komödie, GB 1962 13.58 (für HG)

MDR aktuell 14.00 (für HG) MDR um 2 15.15

(für HG) Gefragt –Gejagt 16.00 (für HG) MDR

um 4 17.45 (für HG) MDR aktuell 18.05 (für HG)

Wetter für 3 18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für

HG) Unser Sandmännchen 19.00 Regionales

19.30 (für HG) MDR aktuell 19.50 (für HG)

Elefant, Tiger&Co. 20.15 (für HG) Die Schlager

des Monats 21.45 (für HG) MDR aktuell 22.00

(für HG) Riverboat 23.58 MDR aktuell 0.00 (für

HG) MDR Kultur –Filmmagazin

Bayern

14.00 Polettos Kochschule 14.45 (für HG)

Gefragt –Gejagt 15.30 Schnittgut. Alles aus dem

Garten 16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für

HG) WirinBayern 17.30 (für HG) Abendschau

–Schneeschuhnacht 18.30 (für HG) Rundschau

19.00 (für HG) Unser Land 19.30 (für HG)

Landgasthäuser Bayern 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Franken Helau 21.45

(für HG) RundschauMagazin 22.00 (für HG)

Schwaben helau –Die großen Knaller 22.45 (für

HG) Flucht vonAlcatraz. Kriminalfilm, USA 1979

0.35 Rundschau Nacht

Vox

5.15 CSI: NY 6.00 Bones –Die Knochenjägerin

6.55 CSI: Vegas 8.50 Verklag mich doch! 10.50

VoxNachrichten 11.00 Mein Kind, dein Kind

–Wie erziehst du denn? 12.00 Shopping Queen

13.00 Zwischen Tüll und Tränen 14.00 Mein

Kind, dein Kind –Wie erziehst du denn? 15.00

Shopping Queen 16.00 Salonfähig –Wer macht

schöner? 17.00 Zwischen Tüll und Tränen 18.00

First Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das

perfekte Dinner 20.00 Prominent! 20.15 (für

HG) Bones –Die Knochenjägerin. Krimiserie 0.05

VoxNachrichten

Super RTL

11.55 Go Wild! 12.15 Trolls 12.45 Friends

13.10 Sally Bollywood 13.40 Angelo! 14.05 Die

Tomund JerryShow 14.30 Voll zu spät! 14.55

Dragons 15.20 Scooby-Doo! 15.45 Alvinnn!!!

und die Chipmunks 16.15 Grizzy &die

Lemminge 16.40 Dennis &Fletscher 17.10 Go

Wild! 17.40 Voll zu spät! 18.05 Die Tomund

JerryShow 18.40 Woozle Goozle 19.10

Alvinnn!!! und die Chipmunks 19.30 Angelo!

20.15 (für HG) Einmal Mond und zurück.

Animationsfilm, E2015 22.00 CSI: Miami 23.50

30 Rock 0.15 Infomercials

Sport1

5.40 SportClips 6.00 Teleshopping 15.30

Cajun Pawn Stars –Pfandhaus Louisiana 16.30

StorageWars –Die Geschäftemacher.

Doku-Soap 17.30 StorageWars –Geschäfte in

Texas 18.30 Sport1 News. Spezial zum Ende

Transferfenster 19.30 FC Bayern Inside 20.00

Die PS Profis –MehrPower aus dem Pott.

Doku-Soap. Mythos 3er BMW /Etwas Lustiges

für Jupp 22.00 bwin Inside eSports 22.30 Sky

SportNewsHD: Die 2. Bundesliga. 20. Spieltag

23.30 Sport1 News Live 0.00 SportClips

ZDF

5.00 (für HG) hallo deutschland 5.30 (für HG)

ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG) heute Xpress

9.05 (für HG) Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15 (für

HG) SokoWismar 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops

17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG)

hallo deutschland 17.45 (für HG) Leute heute

18.00 (für HG) SokoKitzbühel 19.00 (für HG)

heute 19.20 (für HG) Wetter 19.25 (für HG)

Bettys Diagnose. Erwartungshaltungen

20.15 (für HG) Der Staatsanwalt

Das Laken eines Krankenbettes ist in Blut

getränkt, darunter befindet sich ein

IT-Berater der Klinik. Oberstaatsanwalt

Reuther erkennt: Am Tatabend ist die IT

im Krankenhaus zusammengebrochen.

21.15 (für HG) Soko Leipzig Geschwister

22.00 (für HG) heute journal

22.30 (für HG) heute-show

23.00 aspekte

23.45 heute+

0.00 (für HG) Soko Leipzig Geschwister

0.45 (für HG) Monk

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen 10.00 Im

Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfenfür Sie!

11.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! 12.00 Anwälte im Einsatz

13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 AufStreife

15.00 AufStreife –Die Spezialisten 16.00 Klinik

am Südring.Doku-Soap 17.00 Klinik am Südring

–Die Familienhelfer.Doku-Soap 17.30 Klinik am

Südring /oder Sat.1 Regional-Magazine 18.00

AufStreife –Die Spezialisten. Mit dem Eintreffen

eines verletzten Mannes in der Notaufnahme

beginnt ein Wettlauf gegendie Zeit: Eine weitere

verletzte Person muss gefunden werden 19.00

Genial daneben –das Quiz. Moderation: Hugo

Egon Balder 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 (für HG) Fack Ju Göhte 2

Komödie,D2015.Mit Elyas M’Barek,

Karoline Herfurth. Zeki Müller,mittlerweile

Lehrer auf der Goethe-Gesamtschule,

unternimmt mit der Terror-Klasse 10b

eine Exkursion nach Thailand.

22.35 Knallerfrauen

Comedyshow

0.00 Switch reloaded

Comedyshow

1.00 Sechserpack

Stadt, Land, Fluss /Polizei

2.00 Die Dreisten Drei –Die Comedy WG

WDR

13.05 (für HG) Elefant, Tiger&Co. 13.55 (für

HG) Hogräfer &Binkenstein 14.25 (für HG) Um

Himmels Willen 16.00 (für HG) WDR aktuell

16.15 Hier und heute 18.00 (für HG) WDR

aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG) BjörnFreitag

kocht grenzenlos köstlich 18.45 (für HG) Aktuelle

Stunde 19.30 Regionales 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Geheimnis

Paderborner Dom 21.00 (für HG) Unser Westen,

Unsere Lieblingsrezepte 21.45 (für HG) WDR

aktuell 22.00 (für HG) Kölner Treff 23.30

Domian live 0.30 Kölner Treff

NDR

13.10 (für HG) In aller Freundschaft –Die jungen

Ärzte 14.00 (für HG) NDR Info 14.15 (für HG)

die nordstory 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt

16.00 (für HG) NDR Info 16.20 (für HG) Mein

Nachmittag 17.10 (für HG) Leopard, Seebär &

Co. 18.00 Regionales 18.15 (für HG)

Hofgeschichten 18.45 (für HG) DAS! 19.30

Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) die nordstory 21.15 (für HG) Eine

Familie steigt aus 21.45 (für HG) NDR Info

22.00 (für HG) NDR Talk Show 0.00 (für HG)

Inas Nacht 1.00 (für HG) NDR Talk Show

Kabel eins

5.30 Abenteuer Leben Spezial –Die größte

Diamantenmine der Welt 5.55 (für HG) Castle

6.40 (für HG) The Mentalist 7.35 (für HG) Navy

CIS: L.A. 8.35 Navy CIS 9.30 Blue Bloods –

Crime Scene NewYork 11.10 Numb3rs –Die

Logik des Verbrechens 12.10 (für HG) Castle

14.00 (für HG) The Mentalist 14.55 (für HG)

Navy CIS: L.A. 15.50 Kabel Eins News 16.00

Navy CIS 17.00 Abenteuer Leben täglich 17.55

Mein Lokal, Dein Lokal –Der Profi kommt 18.55

Achtung Kontrolle! Wirkümmernuns drum 20.15

Navy CIS 1.05 Kabel Eins Late News

RTLZWEI

5.20 PrivatdetektiveimEinsatz 7.00 Die

Straßencops Süd 8.00 Frauentausch 10.00

Frauentausch 12.00 Frauentausch 14.00 Die

Reimanns –Ein außergewöhnliches Leben 15.00

Die Reimanns –Ein außergewöhnliches Leben

16.00 Hartz und herzlich –Tag für TagRostock

18.05 Köln 50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht

20.15 Die Mumie –Das Grabmal des

Drachenkaisers. Abenteuerfilm, USA/D/CDN

2008 22.20 Godzilla. Actionfilm, USA/J 1998

1.05 Die Mumie –Das Grabmal des Drachenkaisers.

Abenteuerfilm, USA/D/CDN 2008

Eurosport 1

8.15 Tennis 9.15 Matchball Becker 9.30 Tennis.

Australian Open: Halbfinale Männer,live 12.30

Matchball Becker 13.00 Skispringen 14.00

Snooker.German Masters in Berlin: 2. Runde, live

17.00 Tennis 17.50 Handball. Bundesligader

Frauen: Bayer04Leverkusen –Thüringer HC, live

19.45 Tennis 20.05 Nachrichten 20.15

Leichtathletik.Indoor Meeting Karlsruhe, live

22.00 Nachrichten 22.10 Radsport 22.40

Radsport 23.00 Radsport. Vuelta aSan Juan: 5.

Etappe, live 0.35 Tennis

TV-Tipps

RTL, 20.15 UHR SPIELSHOW

Alles auf Freundschaft (1/2)

Sasha (l.) und TimMälzer (r.) kämpfen gegen ein befreundetes Zuschauerpaar.Das

Ziel: 100 000 Euro. Gewinnen die Herausforderer,nehmen sie

das Geld mit nach Hause. Siegen Sasha und Tim, heißt es: „Die Rechnung

geht auf uns!“ DieJungs haben dann 24 Stunden Zeit, das Preisgeld für einen

guten Zweck einzusetzen. „sternTV“-Moderator Steffen Hallaschka führt

durch die Sendung. In der ersten Ausgabe fordern der 47-jährige Timo Bauer

aus Hamburg und der 49-jährige Boris Makrucki aus Escheburg Mälzer und

Sasha heraus. Die beiden Freunde aus dem hohen Norden haben sich vor

mehr als 21 Jahren in ihrem Job bei der Feuerwehr kennengelernt und sind

seitdem auch privat unzertrennlich. Wieschlagen sie sich heute in den verschiedenen

Spielen gegen die prominenten Kontrahenten?

(D/2020)

Foto: TVNOW /Thomas Pritschet

ARTE, 20.15 UHR KRIMINALFILM

Das letzte Problem

Ineinem eingeschneitenFerienhotel

wirdeine Leiche in einem voninnen

verschlossenen Zimmer gefunden. Die

Direktorin möchte die Sache vertuschen,

doch in kürzester Zeit weiß

das ganzeHotel Bescheid. Unter den

Gästen ist Kommissar Horak(Karl Markovics),

dermit seinem mitgereisten

AssistentenFreitag umfangreiche Ermittlungenaufnimmt.

Dann geschieht

ein zweiter Mord.Zwar scheint sich

Horakder Lösung des Fallszunähern,

doch es fehlen Beweise.Auf Schneeschuhen

kommt die Dorfpolizistin

Landner dazu, die mit dem Großstädter

sofortProbleme bekommt.

(A/2019)

Foto: ARTE/ORF

SUDOKU

NORMALVARIANTE –MITTEL -mittel

4 6 9

5

7 3

4 1

9 7

2 3

8 2 7 6

3 4 8

5 1 4

MitDIAGONALEN-schwer

MIT –SCHWER

2 1

8 7

9 3 4

1 3

7 9

6

6

8

8 5

Auflösung

AUFLÖSUNG

vom VOM30.1.2020

mittel MITTEL

7 1 3 4 8 5 6 9 2

2 6 5 3 9 7 8 1 4

4 9 8 6 1 2 3 5 7

5 4 7 2 3 6 9 8 1

9 2 6 8 5 1 4 7 3

8 3 1 7 4 9 2 6 5

1 8 2 9 7 3 5 4 6

3 5 9 1 6 4 7 2 8

6 7 4 5 2 8 1 3 9

AUFLÖSUNG

Auflösung

VOM 30. 1. 2020

vom 30.1.2020

schwer

SCHWER

4 1 2 5 9 6 7 3 8

5 7 8 1 3 2 4 6 9

6 3 9 8 4 7 2 1 5

3 8 7 2 6 4 9 5 1

9 2 5 7 1 8 6 4 3

1 4 6 9 5 3 8 7 2

8 6 3 4 2 1 5 9 7

2 5 1 6 7 9 3 8 4

7 9 4 3 8 5 1 2 6

RBB

5.10 (für HG) Berlin erwacht –Winter 5.30 (für

HG) Panda, Gorilla &Co. 6.20 zibb 7.20 (für

HG) Brisant 8.00 (für HG) Brandenburg aktuell

8.30 (für HG) Abendschau 9.00 (für HG) In aller

Freundschaft 9.45 (für HG) In aller Freundschaft

10.30 (für HG) Rote Rosen 11.20 (für HG) Sturm

der Liebe 12.10 (für HG) Hauptstadtrevier 13.00

rbb24 13.10 (für HG) Verrückt nach Meer 14.00

(für HG) Tiere bis unters Dach 14.30 (für HG) Nur

mit Euch! Drama, D2012 16.00 (für HG) rbb24

16.15 (für HG) Gefragt–Gejagt 17.00 (für HG)

rbb24 17.05 (für HG) Panda, Gorilla &Co.

17.55 (für HG) Unser Sandmännchen 18.02 rbb

UM6 18.27 zibb 19.30 (für HG) Abendschau /

Brandenburg aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) 35 Jahre Sketchup

„Sketchup“ war Kult. Mit gnadenlos

albernen Sketchen feiertedie Serie in

den 80er-Jahren große Erfolge. Bernhard

Hoëcker erinnert an diebis heute

unvergessene Comedyshow.

21.45 (für HG) rbb24

22.00 (für HG) Hostess

Drama, DDR 1975. Mit Annekathrin

Bürger,Jürgen Heinrich

23.35 (für HG) Wiedersehen macht Freude

1.05 (für HG) Abendshow

1.50 (für HG) Abendschau

ProSieben

5.00 Mom 5.20 The Middle 6.00 (für HG) Two

and aHalf Men 7.25 (für HG) The Big Bang

Theory 8.45 (für HG) HowIMet Your Mother

10.35 Mike&Molly 11.00 Fresh Off the Boat

11.30 Last Man Standing 11.55 2BrokeGirls

12.25 Mom 13.20 (für HG) Twoand aHalf Men.

Riech mal am Schirmständer /Der vergessene

Sohn /Lass dir die Zitrone schmecken 14.40

The Middle.Der geplatzte Knoten /Der

Budenzauber 15.35 (für HG) The Big Bang

Theory. Das Mittelerde-Paradigma/Das

Vorspeisen-Dilemma/Das Lalita-Problem 17.00

taff 18.00 Newstime 18.10 (für HG) Die

Simpsons. Kiss, Kiss Bang Bangalore /Drei

nasse Geschichten 19.05 Galileo

20.15 (für HG) Terminator: Genisys

Science-Fiction-Film, USA 2015. 2029:

Kyle Reese reist im Auftrag vonJohn

Connor,Anführer des Widerstands gegen

die Maschinen, in das Jahr 1984. Doch

die Vergangenheit hat sich geändert.

22.50 (für HG) Resident Evil: Retribution

Horrorfilm, D/F/CDN/USA 2012. Mit

Milla Jovovich, Sienna Guillory

0.35 (für HG) Terminator: Genisys

Science-Fiction-Film, USA 2015

2.55 Watch Me –das Kinomagaz