Berliner Zeitung 03.02.2020

BerlinerVerlagGmbH

Finanztipp: Das richtige Alter für die Rente – Wirtschaft Seite 7

Heute

mit Stadt-

Geschichte

Seite 10

6°/9°

Wolken und Schauer

Wetter Seite 2

US-Wahlkampf: Das

Rennen beginnt in Iowa

Tagesthema Seite 2

www.berliner-zeitung.de

Australian Open: Djokovic

siegt –und gibt Rätsel auf

Sport Seite 17

Montag,3.Februar 2020 Nr.28HA-76. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Brexit-Trip: Axel Veiel reist

von Calais nach Dover

Seite 3

Brandanschlag

Ein Politiker

in

Gefahr

VonLutz Schnedelbach

Er sagt, er lasse sich nicht einschüchtern.

„Ich bleibe meiner

Linie treu. Mein Ziel ist es nach wie

vor, gegen Kriminelle der Clans vorzugehen.

Undauch gegen Extremismus

werdeich weiter meine Stimme

erheben.“ So spricht Falko Liecke,

Neuköllns stellvertretender Bezirksbürgermeister.

Zwei Tage nach Lieckes 47. Ge-

FalkoLiecke,

stellvertretender Neuköllner

Bürgermeister

burtstag wurde

auf ein Auto seiner

Familie ein

Anschlag verübt.

Am Morgen des

Sonnabends,

kurz nach fünf

Uhr, stand der

Golf von Lieckes

Frau, der vor

dem Haus geparkt

war, in

Flammen. Die

Feuerwehr konnte nicht verhindern,

dass der Wagen ausbrannte.

DiePolizei geht voneinem politischen

Hintergrund des Brandanschlags

aus. Deshalb übernahm der

Staatsschutz die Ermittlungen. Einzelheiten

dazu wurden auch an diesem

Sonntag noch nicht mitgeteilt.

Fahnder gehen jedoch davon aus,

dass der Anschlag gegen den CDU-

Politiker gezielt verübt worden ist.

„Vermutlich wollte der Täter mit

dem Abfackeln des Autos zwei Fliegen

mit einer Klappe schlagen“, sagt

Liecke selbst. Dazu muss man wissen:

Zumeinen geht der CDU-Mann

seit langer Zeit gegen die Clankriminalität

im Bezirkvor.Und zum anderen

arbeitet seine Frau als Polizistin.

Es gebe viele Leute, die ihre Arbeit

nicht so toll finden, sagt Falko Liecke.

Der Stadtrat schließt aber auch eine

Tat der linksextremistischen Szene

nicht aus, weil er sich auch mit diesem

Thema immer wieder politisch

beschäftigt.

Falko Liecke, der im Mai vergangenen

Jahres als stellvertretender

Landesvorsitzender seiner Partei gewählt

wurde, hat schon oft für

Schlagzeilen in der Stadt gesorgt. So

regte er einst an, den Trägerverein Islamische

Gemeinschaft Berlin e. V.

der Al-Nur-Moschee in Neukölln

verbieten zu lassen und dessen Gemeinnützigkeit

abzuerkennen. Er

reagierte damit auf die in der Mosche

gehaltenen frauenverachtenden

und antisemitischen Reden.

VonFlüchtlingen und Migranten

forderte Liecke die Anerkennung der

Werte des Grundgesetzes. Erwar einer

der ersten Unterzeichner eines

Briefes vonCDU-Politikern, der sich

gegen die Flüchtlingspolitik von Angela

Merkel richtete.

Für Aufsehen sorgte ebenfalls

Falko Lieckes Vorstoß, den Kinderschutz

in kriminellen Großfamilien

zu untersuchen und das kriminelle

Umfeld als Kindeswohlgefährdung

zu definieren. Im Ergebnis müsse

man dann die Kinder aus den Familien

nehmen, erklärte Liecke. Auch

diese Äußerung brachte dem konservativen

Berliner Politiker vor allem

viel Kritik ein.

China-Rückkehrer in Quarantäne

Bundeswehr-Jet aus Wuhan landet in Frankfurt am Main:

Zwei Passagiere sind mit dem Coronavirus infiziert. Gesundheitsministerium

verteidigt seine Informationspolitik

An Bord des Airbus A310 „KurtSchumacher“ waren 124 Passagiere. Ihnen gehe es „den Umständen entsprechend sehr gut“, sagte Hessens Sozialminister.

VonChristian Schlüter

Das Coronavirus breitet

sich weiter aus.Nachchinesischen

Angaben sind

mittlerweile mehr als

300 Menschen an der Atemwegserkrankung

gestorben. Allein in China

seien bereits mehr als 14 300 Menschen

infiziert, weltweit sollen sich

mehr als 14 550 Menschen angesteckt

haben. Unterdessen meldeten

die Philippinen am Sonntag den ersten

Todesfall außerhalb der Volksrepublik.

Wie das Gesundheitsministerium

in Manila mitteilte, handelt es

sich bei dem Verstorbenen um einen

44-jährigen Mann aus der chinesischen

Millionenmetropole Wuhan –

die Stadt ist besonders stark von der

Lungenkrankheit betroffen und gilt

als Ursprungsortder Epidemie.

Am Sonnabend war ein Flugzeug

der Bundeswehr aus Wuhan nach

Frankfurt am Main zurückgekehrt.

Unter den 124 Menschen an Bord –

unter ihnen 20 Kinder –sind nach aktuellem

Stand zwei mit dem Coronavirus

infiziert. Die zwei deutschen

Staatsangehörigen wurden am Sonntag

aus der Kaserne in Germersheim

(Rheinland-Pfalz) in das Frankfurter

Uniklinikum gebracht. Ihnen gehe es

„den Umständen entsprechend sehr

gut“, sagte der hessische Sozialminister

KaiKlose (Grüne) in Frankfurt, der

Ärztliche Direktor desKlinikums,Jürgen

Graf,ergänzte,sie seien„medizinischwohlauf“.

Ein weiterer Verdachtsfall bestätigte

sich nicht. Unabhängig davon

müssen die übrigen aus Wuhan zurückgebrachten

Passagiere zwei Wochen

in Quarantäne bleiben –solange

dauert die maximale Inkubationszeit.

Unter ihnen befinden sich 100 Deutsche

und ihreAngehörigen: 22 Chinesen,

ein US-Bürger und ein Rumäne.

An dem Standort der Germersheimer

Kaserne stehen 128 Zimmer in einem

2018 fertiggestellten Gebäude bereit.

Für die Bevölkerung in Germersheim,

aber auch für die zivilen und militärischen

Helfer bestehe „kein Grund zur

Sorge“, hieß es am Sonntag.

Die Menschen seien im Quarantäne-Block

auf drei getrennte Stockwerke

verteilt, um die Ansteckungsgefahr

möglichst gering zu halten,

sagte der Sprecher der Luftwaffe.

„Das grenzt den möglichen Kreis

ein.“ Nach Angaben des rheinlandpfälzischen

Gesundheitsministeriums

dürfen sich die Rückkehrenden

in der Kasernenur mitMund-Nasen-

Schutz bewegen. Am Montag sollen

sie alle erneut auf den Virus getestet

werden und dann wieder in einer

Woche und am Ende der Quarantäne.

„Dies erfolgt, um weitere Fälle

möglichst früh zu erkennen und den

übrigen Rückkehrenden zusätzliche

Sicherheit zu geben“, hieß es.

Bundesgesundheitsminister Jens

Spahn (CDU) verteidigte am Sonntag

die Informationspolitik von Bund

und Ländern zum neuartigen Coronavirus.„Wirarbeiten

mit bestmöglicher,

größtmöglicher Transparenz“,

sagte Spahn in Berlin. Dafür sei aus

seiner Sicht aber auch nötig, dass immer

dann informiert werde, wenn es

auch gesicherte Informationen gebe.

Halbwissen und Verschwörungstheorien

würden nicht helfen. Spahn

sprach von einer „dynamischen

Lage“ und fügte hinzu: Es käme jetzt

darauf an, dassder Staatfunktioniere.

Allerdings müsse nun die Staatengemeinschaft

gemeinsam gegen das Virus

vorgehen. „Es bringt ja nichts,

wenn ein Land alleine Maßnahmen

ergreift, schon gar nicht in Europa.“

Deshalb will Spahn mit den G7-Staaten

über ein einheitliches Vorgehen

beim Coronavirus beraten.

Von den zwei Frankfurter Fällen

abgesehen, gibt es in Deutschland

„Es bringt ja nichts, wenn ein Land alleine

Maßnahmen ergreift, schon gar nicht

in Europa.“

Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister (CDU), will mit den übrigen G7-Staaten über

ein einheitliches Vorgehen beim Kampf gegen das Coronavirus beraten.

acht weitere bestätigte Infektionen.

Sie stehen alle im Zusammenhang

mit der Firma Webasto in Bayern.

Darunter sind sieben Angestellte des

Autozulieferers, außerdem hat einer

von ihnen sein Kind angesteckt.

Spahn sagte,alle seien „in sehr gutem

gesundheitlichem Zustand.“ Einweiterer

mit dem Virus infizierter Deutscher

sei auf der spanischen Kanareninsel

La Gomera registriert worden.

Er sei mit einem der in Deutschland

erkrankten Patienten in Kontakt

gewesen.

Wasdie Bekämpfung des neuartigen

Coronavirus betrifft, meldete das

thailändische Gesundheitsministerium

am Sonntag, dass mit einem

Cocktail aus Grippe- und HIV-Medikamenten

erfolgreich experimentiert

wurde.Der Zustand einer mit dem Virus

infizierten Frau aus China habe

DPA/BORIS ROESSLER

sich nach der Gabe des Medikamentencocktails

dramatisch verbessert,

hieß es aus Bangkok. Binnen 48 Stunden

nach dem Beginn der Behandlung

sei das Virus bei der Patientin nicht

mehr nachweisbar gewesen. In Italien

teilte unterdessen Gesundheitsminister

Roberto Speranza mit, dass Forscher

das Coronavirus isoliert haben:

„Das ist international eine wichtige

Nachricht. Sie bedeutet, dass es mehr

Möglichkeiten gibt, es zu verstehen

und zu studieren, um es eindämmen

zu können.“

In China wappnet man sich derweil

gegen wirtschaftliche Folgen der

Epidemie. Weil die rasante Ausbreitung

des Coronavirus auch die heimischen

Märkte beeinflussen könne,erklärte

die chinesische Zentralbank

am Sonntag, werde sie zur Öffnung

der Finanzmärkte nach den verlängerten

Neujahrsferien am Montag 1,2

Billionen Yuan (156 Milliarden Euro)

bereitstellen. Ziel sei es, das Bankensystem

mit ausreichend Geld zu versorgen

und den Devisenmarkt stabil

zu halten. In Hongkong drohten Tausende

Mitarbeiter der staatlichen

Krankenhäuser, inden Streik zu treten,

sollte die Grenze der Metropole

zu Festland-China nicht geschlossen

werden.

In Berlin ist von dem Coronavirus

noch keine Spur. Eine Entspannung

bedeutet das nicht unbedingt, denn in

der Hauptstadt rollt die Grippe-Welle:

Die Zahl der nachgewiesenen Fälle in

dieser Saison ist auf mehr als 1000 gestiegen

–ein Mensch starb an den Folgen

der Virusinfektion. Das geht aus

dem Wochenbericht des Landesamts

für Gesundheit und Soziales hervor.

Am stärkstengrassiert die Grippe den

Meldezahlen zufolge bisher bei Kindern

imAlter bis zu vier Jahren. Von

den Bezirken ist Pankow besonders

Seehofer offen

für Eingriffe in

Mietmarkt

Geringverdiener sollen

besser geschützt werden

VonUlrich Paul

Bundesbauminister Horst Seehofer

(CSU) lehnt den Berliner

Mietendeckel ab, spricht sich aber

zugleich für eine stärkere Regulierung

des Wohnungsmarkts aus.

„Wenn wir den Marktrein kapitalistischen

oder neoliberalen Regeln

überlassen, nach denen im Prinzip

immer der Stärkere gewinnt, entspricht

das nicht meiner Auffassung

vonsozialer Marktwirtschaft“, sagte

Seehofer der Welt am Sonntag. Man

müsse „auch jene unterstützen, die

aufgrund ihrer Einkommensverhältnisse

geringere Chancen haben“.

Konkret sprach sich Seehofer für

eine Änderung des sogenannten

Wucherparagrafen aus. Demnach

sollen deutlich zu hohe Mieten abgesenkt

werden, ohne dass der Mieter

eine Zwangslage nachweisen muss.

Außerdem befürwortet Seehofer

eine stärkere Einschränkung der

Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen.

Dabei will er den

Mietern jedoch nicht die Möglichkeit

nehmen, ihreWohnung selbst zu

kaufen. Zum Berliner Mietendeckel

sagte Seehofer, er halte diesen für

„verfassungswidrig“. Die Regelung

schieße „weit über das Ziel hinaus“.

Nach dem Landesgesetz sollen die

Mieten in der Hauptstadt für fünf

Jahre weitgehend eingefroren werden.

Aus Sicht von Seehofer verhindert

das Investitionen in Bestandswohnungen

und Neubauten.

Für die Grünen-Fraktionsvorsitzende

Katrin Göring-Eckardt gehen

Seehofers Vorschläge nicht weit genug:

„Ich erwarte von Horst Seehofer,

dass er beim Sozialen Wohnungsbau

endlich einen Gang hochschaltet“,

erklärte sie am Sonntag.

Göring-Eckardt wiederholte die Forderung

der Grünen nach einer Wiedereinführung

der Wohngemeinnützigkeit,

die es bis Ende der AchtzigerjahreinDeutschland

gab.Dabei

errichteten gemeinwohlorientierte

Bauunternehmen Wohnungen mit

gedeckelter Miete für Menschen mit

niedrigem Einkommen. „Und angesichts

von Rekordmieten braucht es

eine rechtssichere regionale Mietobergrenze

imMietrecht des Bundes“,

so Göring-Eckardt.

Kommentar Seite 8, Berlin Seite 13

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2 Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020

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Tagesthema

US-Vorwahlkampf

Iowa wählt am Montag, wer Präsidentschaftskandidat werden soll. Doch während Trump bei den Republikanern gesetzt ist,

kann es bei den Demokraten zu Überraschungen kommen. Ein Gespräch mit einem Kenner des Bundesstaats.

„Caucuses“

Die

Basis

stimmt ab

VonThomas Spang,Washington

Der Wegins Weiße Haus führt

durch so manche Wohnstube

Iowas. Am3.Februar markieren

die „Caucuses“ genannten

Parteiversammlungen in dem

Farmerstaat im Mittleren Westen

der USA traditionell den Beginn

der Vorwahl-Saison der Parteien.

Im Unterschied zur klassischen„Primary“,

bei der dieWähler

in Wahllokalen ihre Stimme

abgeben, verlangt ein „Caucus“

nicht nur physische Präsenz, sondern

die aktive Teilnahme. Jeder

Einwohner über 18 Jahre darf

seine Stimme abgeben, wenn er

vorher angibt, welcher Partei er

angehören will. Diese Erklärung

kann noch am Versammlungsort

selbst abgegeben werden.

Beiden Republikanerntritt DonaldTrump

2020 ohne ernsthaften

Gegenkandidaten an. Er gilt als gesetzt.

Die Demokraten bieten dagegen

ein ungewohnt breites Bewerberfeld

auf. Siehoffen auf eine

hohe Beteiligung an den Parteiversammlungen.

Vonden drei Millionen

Einwohnern des Bundesstaates

beteiligte sich 2016 etwa einer

vonzehn an den Caucuses.

Auf den Caucuses selbst stellen

Fürsprecher ihre Kandidaten

vor. Die Teilnehmer diskutieren

danach die Bewerber und stimmen

in einer ersten Runde für ihre

Favoriten. Kommt ein Bewerber

bei der Auszählung nicht auf mindestens

15 Prozent der lokalen

Teilnehmer-Stimmen, scheidet er

aus. Seine Anhänger müssen sich

umentscheiden und einem anderen

Kandidaten anschließen. Dabei

kommen die Überzeugungskünste

der jeweiligen Unterstützerins

Spiel. Je besser die Organisation,

desto größer die Chancen.

Danach wirdnach einem komplizierten

Schlüssel die Delegiertenzahl

für das jeweilige Wahllokal

ermittelt. In der Hauptstadt

DesMoines werden alle Delegiertenzahlen

zusammengerechnet.

Für Experten ist die in Iowa

praktizierte Form der Basisdemokratie

durchaus fragwürdig. Vieles

hängt von äußeren Faktoren ab:

von der Zeit, die die Wähler aufbringen

können oder wollen, über

den Organisationsgrad eines Kandidaten

bis hin zum Wetter. Nicht

zuletzt deshalb sind Prognosen

über den Ausgang der Caucuses

chronisch unzuverlässig.

Kaum jemand kennt Iowa

so gut wie David Yepsen,

der aus dem US-Bundesstaat

für die dortigen Medien

über Jahrzehnte die ersten Vorwahlen

von Republikanern und Demokraten

analysierte. ImInterview

spricht er über die Unsicherheit der

Demokraten, in der Ära Trump den

richtigen Kandidaten aufzustellen.

Der Schlussspurt beim Wahlkampf

der Demokraten in Iowa wirdüberlagertvom

Impeachment.Welchen Einfluss

hat das Geschehen im Kongress

auf das Rennen um die Nominierung

der Demokraten?

Jeder US-Senator muss in Washington

sein und dem Geschehen

vor Ort im Kongress persönlich folgen.

Das behindert den Wahlkampf

erheblich und drängt die Senatoren

Bernie Sanders, Elizabeth Warren

und Amy Klobuschar in der entscheidenden

Phase ein wenig ins Abseits.Sie

wären gewiss lieber in Iowa

als beim Amtsenthebungsverfahren

im Senat. Vor allem Klobuschar

schadet das,weil sie zuletzt Rückenwind

hatte. Andererseits waren die

Kandidaten oft genug hier.Die Wähler

hatten eine Chance,sie zu treffen.

Spielt das Impeachment in derWahrnehmung

der Menschen hier im Mittleren

Westen überhaupt eine Rolle?

Es gibt Hinweise, dass es die Demokraten

stärker motiviert, zu den

Parteiversammlungen zu gehen.

Laut einer Umfrage vonSuffolk/USA

Today sagt etwa einer von vier Befragten,

der Prozess gegen Trump

mache eine Teilnahme an einem

Caucus wahrscheinlicher. Auf der

anderen Seite mobilisiert das Impeachment

auch die Republikaner.

Die offene Frage bleibt, wem esam

Ende mehr hilft.

Sollte man dem kleinen Iowa überhaupt

so viel Bedeutung beimessen?

2016 haben die Demokraten bei

den Präsidentschaftswahlen auch

verloren, weil sie in ländlichen Staaten

wie Iowanicht gut abgeschnitten

haben. Diese Staaten haben imWahlmänner-Kollegium,

das den Präsidenten

wählt, proportional mehr Gewicht

als etwa Kalifornien oder New

York. Die Demokraten müssen auf

dem Land zulegen, wenn sie Staaten

wie Ohio, Pennsylvania, Wisconsin

oder Florida gewinnen wollen. Iowa

bietet sich als idealer Ort an, auszuprobieren,

welche Botschaften und

welche Kandidaten in einem solchen

Umfeld ankommen.

Da müssen sie aber kräftig zulegen.

Trump hängte Hillary Clinton in

Iowa um neun Punkte ab und siegte

in 93 von99Wahlbezirken.

Stimmt. Richtig ist aber auch, dass

das weiße IowazweiMal den schwarzenBarack

Obama wählte.Ein Drittel

aller Wahlbezirke wechselte 2016 von

„Knapper

könnte das Rennen

nicht sein“

Seit Monaten buhlen die Präsidentschaftsbewerber in Iowaumdie

Gunst der Wähler.Der kleine US-Bundesstaat ist Schauplatz

für die allererste Vorwahl.

ZUR PERSON

DavidA.Yepsen kam 1950 in dem kleinen OrtJefferson in Iowa zur Welt. Er graduierte1972 an

der UniversityofIowa. Yepsenmoderiertimöffentlichen Fernsehen die wöchentliche Sendung

„Iowa Press“.Vor seinerPensionierung war er beim Des MoinesRegister für34Jahre unter anderemals

Politik-Chef, Kolumnist und Verantwortlicher für die Wahlkampfberichterstattungtätig.

AFP/STEPHEN MATUREN

Obama zu Trump.Und zwar aus derselben

Motivation heraus. Die Leute

haben die Nase voll von der Politik.

Sie wollen etwas Neues, ein frisches

Gesicht. Und endlich auch den Aufschwung

in ihrem Leben spüren. In

den ländlichen Gemeinden fühlen

sich viele Menschen weiterhin abgehängt.

Bei den Republikanern ist Trump in

Iowa gesetzt. Wie ist die Dynamik im

Feld der demokratischen Bewerber?

Knapper könnte das Rennen kurz

vor der Ziellinie nicht sein. Gemessen

an den letzten Umfragen gibt es

ein Führungsquartett aus Sanders,

Warren, Biden und Pete Buttigieg.

Klobuchar könnte überraschend

von hinten kommen. Man sollte sie

im Auge behalten. Solide Voraussagen

sind unter diesen Umständen

unmöglich. Dafür liegen die Kandidaten

zu dicht zusammen. Da bei

den Parteiversammlungen ein

mehrstufiges Verfahren angewandt

wird, hängt viel vonder Dynamik bei

den jeweiligen „Caucuses“ ab. Da

spielt Organisation eine wichtige

Rolle. Gefühlt scheint mir Sanders

knapp vor Biden zu liegen, Buttigieg

konnte zuletzt nicht mehr zulegen

und Warren fiel etwas zurück.

Wie erklären Sie die Abwesenheit eines

klaren Spitzenreiters zu diesem

Zeitpunkt des Wahlkampfs?

Es herrscht große Verunsicherung

bei den Demokraten, die jemanden

suchen, der gegen Trump gewinnen

kann. Weil der Sieger in Iowabei den

Demokraten fast immer die Nominierung

der Partei davonträgt, empfinden

die Wähler es diesmal als

Bürde, den richtigen Kandidaten ins

Rennen zu schicken. Sie sind hinund

hergerissen sind, wem sie zutrauen,

Trump zu schlagen. Sie wollen

nicht noch einmal einen fehlerhaften

Kandidaten wie Hillary Clinton

ins Rennen schicken. Deshalb ist

das Rennen so unentschieden.

Sehen sie in dem Bewerberfeld der

Demokraten jemanden, der das Zeug

hat, Trump zu schlagen?

Ich kann Biden sehen und Buttigieg,

weiß aber nicht, was es ausmacht,

dass MayorPeteoffen homosexuell

ist. Wir haben noch niemals

einen bekennend schwulen Präsidenten

imWeißen Haus gehabt. Sanders

halte ich für schwieriger. Viele

mögen Bernie als Person, aber er ist

ein Sozialist. Dasist ein Beiwort, das

abstößt. Die Leute mögen nicht zu

viel Staat. Für Elizabeth Warren gibt

es einen Weg zur Mehrheit von

270 Wahlmännerstimmen. Aber ich

bin mir heute nicht mehr so sicher

wie noch im letzten Jahr. Sie hat mit

der Idee,die Menschen in eine staatliche

Krankenversicherung zu zwingen,

viele Wähler abgeschreckt.

DasGesprächführte Thomas Spang.

Impeachment

Trump

hält E-Mails

zurück

Kurz vor dem Ende des Amtsenthebungsverfahrens

gegen

US-Präsident Donald Trump machen

Berichte über neue, durch

die US-Regierung zurückgehaltene

Beweismittel Schlagzeilen:

Demnach ließ Trump dank seiner

Privilegien als US-Präsident Details

von 24E-Mails zur Ukraine-

Affäre zur Verschlusssache erklären.

Wenige Stunden vor Veröffentlichung

der Berichte hatte der

von Trumps Republikanern dominierte

Senat die Befragung von

Zeugen im Amtsenthebungsverfahren

außerdem abgelehnt und

damit ein rasches Ende des Prozesses

besiegelt.

Die Bundesbehörde Office of

Management and Budget (OMB)

habe Teile der E-Mails „redigiert“,

legte die hochrangige OMB-Mitarbeiterin

Heather Walsh Medienberichten

zufolge in einem Gerichtsdokument

dar.Inden nachträglich

bearbeiteten E-Mails des

Präsidenten, seines Stellvertreters

Mike Pence sowie enger Berater

Trumps gehe es um „den präsidialen

Entscheidungsprozess zu

Umfang, Dauer und Zweck des

Zurückhaltens vonMilitärhilfe für

die Ukraine“, zitierten die Medien

Walsh.

Die zurückgehaltene Militärhilfe

für die Ukraine im Umfang

von391 Millionen Dollar (352 Millionen

Euro) steht im Mittelpunkt

des Impeachment-Prozesses gegen

Trump. Die Demokraten werfen

dem US-Präsidenten vor, das

vom Kongress bereits bewilligte

Geld unter Missbrauch seines Amtes

zurückgehalten zu haben, um

die Ukraine zu Ermittlungen gegen

seinen möglichen Präsidentschaftswahl-Herausforderer

Joe

Biden von den Demokraten und

dessen Sohn zu drängen.

Der Senat hatte am Freitag die

von den Demokraten geforderte

Vernehmung von Zeugen im

Amtsenthebungsverfahren gegen

Trump blockiert. Damit nähert

sich das Amtsenthebungsverfahren

gegen Trump nun rasch seinem

Ende.AmMontag halten Anklage

und Verteidigung ihre

Schlussplädoyers. Die Schlussabstimmungen

über die Anklagepunkte

Amtsmissbrauch und Behinderung

des Kongresses finden

am Mittwoch statt. EinFreispruch

des Präsidenten gilt aufgrund der

Mehrheitsverhältnisse im Senat

als sicher. (AFP)

Biowetter:

Bluthochdruck

Kopfschmerzen

Schlafstörungen

Rheumaschmerzen

Atemwegsbeschwerden

Pollenflug:

Hasel

Erle

Pappel

Weide

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute gibt es viele Wolken, etwas Sonne sowie schauerartige Regenfälle,

und es sind bis 9Grad zu erwarten. Der Wind weht mäßig, in Böen frisch

aus West. In der Nacht reißt die Wolkendecke nur selten auf. Gelegentlich

regnet es. Dabei ist mit Tiefstwerten von 4bis 1Grad zu rechnen.

Belastung

mäßig

mäßig

mäßig

mäßig

mäßig

keine

keine

keine

keine

Gefühlte Temperatur: maximal 9Grad.

Wind: mäßig aus West.

Wittenberge

5°/9°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

5°/9° 6°/9°

Luckenwalde

5°/8°

Prenzlau

3°/9°

Cottbus

5°/9°

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

bedeckt wolkig stark bewölkt

3°/6° 1°/5° 1°/5°

Frankfurt

(Oder)

5°/8°

Sturmtief Ottilia liegt nördlich von Schottland und lenkt mit starken bis stürmischen

Böen von den Kanaren rekordverdächtig warme Luft ins südliche Mitteleuropa.

VonSchottland bis Zentraleuropa regnet es. Über den Britischen Inseln

herrscht derweil Nordweststurm, mit dem rasch polare Luft vordringt.

Köln

6°/12°

Sylt

4°/8°

Saarbrücken

6°/11°

Hannover

5°/9°

Konstanz

11°/13°

Hamburg

4°/9°

Erfurt

4°/9°

Frankfurt/Main

7°/12°

Stuttgart

7°/11°

Rostock

4°/8°

Magdeburg

6°/10°

Nürnberg

6°/11°

München

7°/14°

Rügen

3°/8°

Dresden

6°/10°

Deutschland: Heute zeigen sich viele

Wolken am Himmel, die Regengüsse

liefern. Tagsüber sind 8bis 14 Grad

zu erwarten. Die Tiefsttemperaturen

pendeln sich bei 4bis 0Grad ein.

Der Wind weht regional in Böen mit

Sturmstärke aus West. Morgen werden

4bis 11 Grad erzielt. Dazu

kommt es vielerorts zu Schneeregen,

örtlich regnet es schauerartig. Der

Wind weht teilweise mit stürmischen

Böen aus westlichen Richtungen.

Schneehöhen:

Thüringer Wald bis 40 cm

Harz bis 25 cm

Erzgebirge bis 30 cm

Bayerische Alpen bis 220 cm

Mondphasen: 09.02. 15.02. 23.02. 02.03.

Sonnenaufgang: 07:46 Uhr Sonnenuntergang: 16:55 Uhr Mondaufgang: 11:34 Uhr Monduntergang: 02:12 Uhr

Lissabon

20°

Las Palmas

26°

Madrid

18°

Reykjavik


Dublin


London

11°

Paris

11°

Bordeaux

22°

Palma

23°

Algier

24°

Nizza

17°

Trondheim


Oslo

-1°

Stockholm


Kopenhagen


Berlin


Mailand

16°

Tunis

21°

Rom

17°

Warschau


Wien

13° Budapest

13°

Palermo

19°

Kiruna

-12°

Oulu

-5°

Dubrovnik

15°

Athen

17°

St. Petersburg


Wilna


Kiew


Odessa

13°

Varna

16°

Istanbul

14°

Iraklio

17°

Archangelsk


Moskau


Ankara

10°

Antalya

15°

Acapulco 33° wolkig

Bali 25° Gewitter

Bangkok 33° heiter

Barbados 27° heiter

Buenos Aires 33° sonnig

Casablanca 24° sonnig

Chicago 5° bewölkt

Dakar 29° wolkig

Dubai 20° sonnig

Hongkong 20° bewölkt

Jerusalem 14° wolkig

Johannesburg 34° heiter

Kairo 19° heiter

Kapstadt 29° heiter

Los Angeles 14° wolkig

Manila 28° bewölkt

Miami 24° sonnig

Nairobi 26° Gewitter

Neu Delhi 20° sonnig

New York 11° wolkig

Peking 3° wolkig

Perth 36° heiter

Phuket 34° heiter

Rio de Janeiro 23° Schauer

San Francisco 11° wolkig

Santo Domingo 25° Schauer

Seychellen 30° wolkig

Singapur 33° heiter

Sydney 34° wolkig

Tokio 15° wolkig

Toronto 5° wolkig


Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020 3

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Neue Zeitrechnung

Die legendären Weißen Klippen: Der 33 Kilometer breite Atlantikgraben zwischen Dover und Calais –zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU.

AP

Schneller geht es nicht. Gäbe es einen

Preis für die zügigste Abfertigung im

internationalen Frachtverkehr –Calais

würde ihn gewinnen. Zu Hunderten

rollen Schwerlaster durch das Hafengelände,

erklimmen Zugbrücken, verschwinden

in den Laderäumen an den

Docks vertäuter Fähren. Französische

Grenzkontrolle, britische Grenzkontrolle

und die Suche nach Immigranten, die als

blinde Passagiere versuchen nach Dover zu

gelangen: Je Laster dauertdas gerade einmal

zwei Minuten.

Kaum legt eine Fähre ab, dockt auch

schon die nächste an. Stillstand gibt es nicht.

Unddoch geht es ruhig zu auf dieser gigantischen

Verladestation. Niemand rennt, niemand

ruft. Auch heute nicht. Dabei wissen

doch alle hier: Das ist die Ruhe vor dem

Sturm. In ein paar Stunden soll er losbrechen.

Samstag null Uhr ist Brexit-Time.Von

einer Sekunde auf die andere wird die EU-

Binnengrenze zur Außengrenze, sind Briten

und Rest-Europäer geschiedene Leute. Und

was passiertdann?

„Dann betreten wir Neuland, das ist verdammt

riskant, eröffnet aber auch Chancen“,

sagt Roy Rathborne. Der pensionierte

Elektriker aus Portsmouth steht vordem Abfertigungsschalter

der Fährgesellschaft P&O

Ferries. Alles sei möglich, glaubt der 73-Jährige.

Keiner wisse, wie das Abenteuer ausgehe,

wie Briten und EU-Bürger ihre Beziehungen

neu regeln würden.

„Brexitday,Idid cross“

Brexit: Voneiner Sekunde auf

die andere wird die EU-Binnengrenze zur Außengrenze, sind Briten und

Rest-Europäer geschiedene Leute.

Und was passiert dann?

Eine Reise von Calais nach Dover,von der EU

in das Vereinigte Königreich

Rathborne scheint Abenteuer zu mögen.

Hochgewachsen ist er, breitschultrig. Sein

roter Pullover signalisiert Unternehmungslust,

das Lächeln Zuversicht.„Inaller Freiheit

werden wir neue Beziehungen knüpfen“,

versichert er und kauft ein Ticket für die

Überfahrt nach Dover. Als er zum Bus eilen

will, der Passagiere zuden Grenzkontrollen

bringt, ruft die Ticketverkäuferin ihn zurück.

„Für Ihren Mut, dass Sie trotz Brexit nach

Großbritannien fahren, kriegen Sieeine Tapferkeitsmedaille“,

sagt sie, überreicht einen

Ansteckknopf. „Brexitday, Idid cross“, steht

darauf, Brexit-Tag, ich bin rübergefahren.

Gewiss, Briten und Rest-Europäer wollen

zunächst die Form wahren und so tun, als

wärenichts passiert. Während einer elfmonatigen

Übergangszeit sollen die alten EU-Regeln

weitergelten. So steht es im Austrittsvertrag.

Aber in Calais macht sich niemand Illusionen.

Nach der zum Jahresende auslaufenden

Gnadenfrist wird der Sturm nur umso

heftiger losbrechen. Wiedas bei Scheidungen

eben so ist: Wenn es ums Geld geht und

darum, wemkünftig welche Rechte zustehen

sollen, ist es mit dem Einvernehmen vorbei.

Großbritanniens Schatzkanzler hat Klartext

geredet. „Wir sind nicht aus der EU ausgetreten,

um weiterzumachen wie bisher“,

hatte Sajid Javid gesagt. Brüssel hatte entgegnet,

sollten die Briten EU-Standards nicht

mehr einhalten, etwa im Verbraucher- und

Umweltschutz, werde man den Freihandel

einschränken und Zollschranken errichten.

Für Calais heißt dies: Das gut geölte Abfertigungsräderwerk

droht aus dem Takt zu geraten.

Monströse Lkw-Staus wären die Folge.

Halb Calais befürchtet das. Die Ladenbesitzerin

Carole Goetgheluck nennt es „den

angekündigten Verkehrskollaps“. Schaudern

lässt die Französin mit dem flämischen Namen

auch die Angst, die britische Kundschaft

könne ausbleiben.„AllenfallsWohlhabende

werden sich teure Fährfahrten und

Zollaufschläge noch leisten“, glaubt Goetgheluck.

Vorausschauend hat sie ihr Sortiment

an den Vorlieben betuchter Kunden

ausgerichtet. Im Schaufenster ihres Geschäfts

in der Rue Royale türmen sich Bordeaux-Weine,

Käse aus der Normandie und

Honig aus der Provence.

Auch Emilie, 34Jahre alt, macht sich Sorgen.

DieKrankengymnastin, die ihren Familiennamen

nicht in der Zeitung lesen will,

befürchtet, dass „noch mehr Immigranten

kommen werden“. Zeitweise hatten am

Rand von Calais bis zu 4000 Flüchtlinge

campiert. Eine Stadt vor der Stadt war entstanden

–der „Dschungel vonCalais“.

„Im Spätherbst 2016 haben die Sicherheitskräfte

das Lager geräumt“, sagt Emilie,

„aber die Immigranten sind nicht etwa fort,

sie campieren jetzt nur weiter draußen.“ Am

Rand des Industriegebiets Les Dunes sei im

Wald ein neuer Dschungel entstanden. Die

Nachricht vonZollschranken und Lkw-Staus

bis weit ins Hinterland habe Hoffnungen geweckt,

fernab von Zäunen, Stacheldraht,

Scheinwerfern und Überwachungskameras

auf Lkw kletternzukönnen.

Den neuen Dschungel gibt es tatsächlich.

Adam lebt dort. AusEritrea ist er gekommen.

Ein paar Kilometer außerhalb von Calais, wo

die letzten Sicherheitszäune enden, hat er mit

rund hundert Leidensgefährten Iglus aufgeschlagen.

DieZelte stammen vonHilfsorganisationen,

die auch warme Kleidung und

Mahlzeiten austeilen. DieRede vomDschungel

ist nicht übertrieben. Auf glitschigem Boden

wuchern Wurzelwerk und Gestrüpp.

Schlingpflanzen ranken sich bis ins Astwerk

der Bäume hinauf. Niemand scheint diesen

Wald je gehegt oder gepflegt zu haben. Wenn

Adam lächelt, werden Zahnlücken sichtbar.

VonAxelVeiel

„Für Ihren Mut,

dass Sietrotz Brexit nach

Großbritannien

fahren, kriegen

Sie eine

Tapferkeitsmedaille.“

Eine Ticketverkäuferin am Fähranleger

„Das Alter“, sagt er,„ich bin schon 54.“ Waser

hier tut? „Warten“, sagt Adam, „ein Jahr

schon.“ Alles sei abgeriegelt. Aber er hoffe

weiter auf eine Gelegenheit, nach England zu

gelangen, wo er Freunde habe. Tun sich mit

dem Brexit und den drohenden Lkw-Staus

womöglich neue Chancen auf? „Von drohenden

Staus weiß ich nichts“, sagt Adam. Wenn

es nach den Behörden geht, werden sie auch

nicht kommen. Seit die Briten im Juni 2016 für

den Brexit votierten, rüstet Frankreich auf,

wappnet sich für ein mögliches Ende des Freihandels.Das

Ergebnis ist ein modernes Abfertigungssystem.VomExporteur

imVoraus auszufüllende,mit

Strichcodes versehene Zollpapierezählendazu.

DerLastwagenfahrer muss

sie nur unters Lesegerät halten, schon geht

die Schranke hoch. Allenfalls Stichprobenkontrollen

wären damit noch erforderlich.

Für den Fall, dass die Abfertigung dennoch

stocken sollte,stehenneueParkplätzezurVerfügung.

Auf der Fähre nach Dover ist die Stimmung

gelöster als in Calais.„Morgen tunwir

Briten es den Amerikanern nach und feiern

unseren Independence-Day, unseren Unabhängigkeitstag“,

sagt ein Steward und

klatscht vergnügt in die Hände.Glücksspielautomaten

verheißen Gewinnern500 Pfund.

Der Barkeeper schenkt Bier aus. Und als die

„Pride of Kent“ nach 90 Minuten vor den

Klippen vonDover anlegt,hellt sich die Stimmung

gänzlich auf.

DerBrexit, der sich in Calais als heraufziehendes

Unwetter darstellte,ist hier ein sehnlich

erwartetes, reinigendes Gewitter. Die

Mehrheit der gut 30 000 Bewohner hat 2016

für den Brexit gestimmt. 62 Prozentwaren es.

Im Rest des Königreichs fiel die Entscheidung

mit 52 Prozentknapper aus.Und selbst

wer für den Verbleib des Königreichs in der

EU gestimmt hat, ist nach dreieinhalb Jahren

zähen Ringens um die Modalitäten des Brexits

froh, dass endlich Klarheit herrscht.

Aufder Uferpromenade erfährtder Besucher,

dass vom Kontinent wenig Gutes kam.

Zu Füßen eines in Bronze gegossenen Kapitäns

erweist eine Gedenktafel „30 248 im

Zweiten Weltkrieg umgekommenen Seeleuten“

die letzte Ehre. Ein paar Schritte weiter

erinnert ein Schild an Kriegsgräuel des Jahres1942.

Nicht zu vergessen den naturgetreu

nachgebildeten Soldaten des Ersten Weltkriegs,

der sich ermattet auf sein Gewehr zu

stützen scheint. „Wir danken der Generation

des Ersten Weltkriegs“, steht darunter.

Und halten die Klippen nicht eine ganz

ähnliche Botschaft bereit? Diese Insel lässt

sich von niemandem vereinnahmen, sie ist

stolz, sie ist stark, scheinen die himmelwärts

strebenden Kreidefelsen zu besagen.

So sehen das jedenfalls die Brexit-Anhänger.

Brian zählt zuihnen. Der Polizist nutzt

den freien Vormittag, um seinen Pudel auszuführen.

Selbst in Zivilist dieser Mann eine

Respektsperson. Unterder mitSilbernoppen

besetzten Lederjacke zeichnen sich Muskelpakete

ab. Brian macht eine einfache Rechnung

auf: „Bisher haben wir Millionen nach

Brüssel überwiesen, bekamen im Gegenzug

Immigranten geliefert und wurden von der

EU gegängelt; künftig sind wir frei, behalten

das Geld und die EU behält die Immigranten.“

Nicht zuletzt Doverwerde vonden eingesparten

EU-Beiträgen profitieren, hofft

Brian. Premierminister Boris Johnson habe

angekündigt, das Geld werdeden Armenzugutekommen,

und Dover sei arm. Letzteres

stimmt. An Fassaden frisst der Schimmel, an

Balkongeländern der Rost. An Bettlern und

Betrunkenen fehlt es nicht. Vic Foster tritt

hinzu. Er ist nicht arm. Als Besitzer einer

Schilderfabrik hat er es zu Wohlstand gebracht.

Aber auch Foster hat für den Brexit

gestimmt. „Als einer von 28EU-Staaten haben

wir in Brüssel kein Gehör gefunden“,

sagt er.„Das meiste, was wir gewünscht haben,

wurde abgeschmettert.“ Selbst in der

Stunde des Brexits sei das noch so.Erkomme

nicht um null Uhrbritischer Zeit. Er komme,

wenn es auf dem Kontinent null Uhr sei.

„Dass es bei uns dann erst 23 Uhrist, interessiertinBrüssel

niemanden.“

Aber schwächt der Rückzug der Briten die

EU wie auch Großbritannien? WäreesinZeiten,

da Trump,Putin und Xi auf das Rechtdes

Stärkeren pochen, nicht wichtig, dass Europa

geschlossen Front macht gegen die Potentaten?

„Warum sollen wir denn nicht

auch künftig außenpolitisch mit der EU zusammenarbeiten?“,

fragt Foster zurück.

Alles nur ein böser Traum?

Wenn es nach Brian gegangen wäre, würde

die neue Freiheit mit Feuerwerk und fröhlichem

Glockengeläut begrüßt. Doch der über

den Ärmelkanal hinwegfegende Sturm verlockt

nicht eben zum Feiern imFreien. Als

die Stunde des Brexits schlägt, raffen sich die

acht Glocken der Saint-Mary-Kirche nur

zum üblichen kurzen Geläut auf. Am Himmel

ist weit und breit kein Feuerschein zu

entdecken. Lediglich oben am Klippenrand

tut sich etwas. Ein paar Brexiteers zünden

dort Knallkörper. Dumpfe Schläge hallen

durch die Nacht. Dann ist Stille.

Um einen Freudensturm zu entfachen,

fehlt nach dreieinhalb Jahren die Kraft.

Hinzu kommt die Ahnung, dass die neue

Freiheit ihren Preis haben könnte.Die Angst

vormassiven Rückstaus –auf dieser Seite des

Ärmelkanals ist sie nur allzu berechtigt. Gewiss,

auch hier wurde das Abfertigungsverfahren

modernisiert. Aber anders als in Calais

setzt die Natur dem Bemühen um Ausweichparkplätze

Grenzen. Die hinter dem

Hafen aufragenden Klippen lassen Erweiterungen

kaum zu. Allein ein stillgelegter Flughafen

im Hinterland und die Standstreifen

zweier Autobahnen stehen zur Verfügung,

um das drohende Chaos abzuwenden. Und

wenn in Dovernichts mehr geht, erlahmt das

Wirtschaftsleben im ganzen Königreich.

Rund 17 Prozent des gesamten britischen

Warenhandels werden hier abgewickelt.

Als die Morgendämmerung heraufzieht,

scheint alles wie vordem Brexit. Dass der33

Kilometer breite Atlantikgraben zwischen

Doverund Calais über Nachttiefer geworden

ist, ist ihm nicht anzusehen. DieAbfertigung

in Doververläuft ruhigund reibungslos.War

das mit dem um 23 UhrWirklichkeit werdenden

Brexit am Ende nur ein böser Traum?

Axel Veiel glaubt, dassBriten und EU

einander zu sehr brauchen, alsdass

sie sich wirklich trennen könnten.


4 Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020

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Politik

Hoffen auf

den dritten

Wahlgang

WieBodo Ramelow wieder

Regierungschef werden will

VonStefan Hantzschmann

ImJahr 2014 war er Deutschlands

erster Ministerpräsident von der

Linken, jetzt macht sich Bodo Ramelow

auf den Wegins nächste politische

Abenteuer.Der 63-Jährige stellt

sich am Mittwoch zur Wiederwahl in

Thüringen – allerdings kann er in

den ersten beiden Wahlgängen nicht

mit einer Mehrheit rechnen. Sein angepeiltes

Bündnis von Linken, SPD

und Grünen kommt im Thüringer

Parlament nur auf 42 Sitze, vier fehlen

zur absoluten Mehrheit. Unddas

ist nicht die einzige Tücke bei seiner

anstehenden Wahl in Erfurt.

Seit der Landtagswahl Ende Oktober

ist die politische Situation vertrackt.

Obwohl Ramelows Linke mit

31 Prozent dieWahl klar gewann, ging

die rot-rot-grüne Mehrheit verloren.

Rechnerisch hätte es für eine Koalition

aus Linken und der auf den dritten

Platz abgerutschten CDU gereicht,

doch ein Parteitagsbeschluss

der Christdemokraten verbietet jede

Zusammenarbeit mit der Linken oder

der AfD, die in Thüringen stark zulegte

und zweitstärkste Kraft wurde.

Nun will Ramelow Regierungschef

einer rot-rot-grünen Minderheitsregierung

werden – und setzt

bei seinerWahl auf den drittenWahlgang.

Dann ist nämlich nur noch die

relativeund nicht mehr die absolute

Mehrheit nötig. Scheitert der Kandidat

in den ersten beiden Wahldurchgängen,„so

ist gewählt, werineinem

weiteren Wahlgang die meisten

Stimmen erhält“, heißt es in der Landesverfassung.

Bodo Ramelow wurde im Jahr 2014 der

erste Ministerpräsident der Linken. DPA

Wasdas bei einem einzigen Kandidaten

konkret bedeutet, darüber

gibt es unterschiedliche juristische

Auffassungen. Es geht dabei um die

Frage, ob ein Einzelkandidat auch

mit mehr Nein- als Ja-Stimmen gewählt

wäre. Klärung könnte nur der

Verfassungsgerichtshof bringen –

nach der Wahl.

Ohnehin scheint in Thüringen alles

möglich: AfD-Landespartei- und

Fraktionschef BjörnHöcke hatte angekündigt,

dass seine Partei einen eigenen

Bewerber aufstellen will.

Mehrmals hatte der Rechtsaußen

Höcke FDP und CDU aufgefordert,

einen gemeinsamen Kandidaten

aufzustellen, und deutlich signalisiert,

dass die AfD wohl auch jemanden

vonder FDP oder der CDU mitwählen

würde. CDU und FDP lehnen

dies strikt ab. AmWochenende

bot der Bürgermeister der Gemeinde

Sundhausen, Christoph Kindervater,

CDU, FDP und AfD an, gegen Ramelow

zukandidieren. Kindervater gehört

keiner Partei an, bezeichnete

sich aber als Unterstützer der Werteunion

–einer Gruppe sehr konservativer

CDU-Mitglieder.

Die FDP entscheidet am Montag,

ob sie einen Bewerber ins Rennen

schickt. Die CDU hatte einen eigenen

Kandidaten bisher ausgeschlossen.

Im dritten Wahlgang sind aber

auch spontane Kandidaturen möglich.

Ramelow jedenfalls könnte ein

Gegenkandidat sogar helfen. Denn

dann gilt die Verfassung als eindeutig:

Gewählt wäre, wer die meisten

Stimmen bekommt. (dpa)

„Es gab eine starke Israel-Kritik“

Almuth Berger,die erste und letzte Ausländerbeauftragte der DDR, über den Antisemitismus in der DDR

Die DDR war ein antisemitischer

Staat, das schreibt

der Historiker Jeffrey Herf

in einem neuen Buch.

Seine Thesen haben eine große Debatte

auch unter unseren Lesernausgelöst

(BLZ 21.1.). Wie israelfeindlich

war die DDR? Undwie kam es dazu,

dass ausgerechnet die letzte Regierung

des Landes sich für die Aufnahme

sowjetischer Juden einsetzte?

Darüber sprechen wir mit Almuth

Berger,der ersten und letzten Ausländerbeauftragten

der DDR. Nach der

Wiedervereinigung wurde sie Brandenburgs

Ausländerbeauftragte,

kämpfte gegen den Rechtsextremismus.Die

76-Jährige empfängt in Berlin-Schmöckwitz,

wo sie mit ihrer

jüngsten Tochter lebt.

Frau Berger, wie kam es dazu, dass

die DDR kurz vor ihrem Ende beschlossen

hat, sowjetisch-jüdische

Flüchtlinge aufzunehmen?

Ende der Achtzigerjahre lebten

viele jüdische Menschen in der Sowjetunion

in Angst voreinem wieder

erstarkenden Antisemitismus. Es

herrschte eine Pogromstimmung im

Land. Dazu kamen die wirtschaftlichen

und sozialen Probleme und oft

bürgerkriegsähnlichen Zustände

beim Zerfall des großen sowjetischen

Imperiums. Bürgerrechtler

aus der DDR haben auf diese Entwicklung

früh aufmerksam gemacht.

Es war ein jüdischer Kulturverein gegründet

worden, der vor allem auch

für nicht-religiöse Juden offenstand.

Im Januar 1990 stellte der Kulturverein

zusammen mit der Arbeitsgruppe

Ausländer am Runden Tisch

den Antrag, dass Juden aus der Sowjetunion

aufgenommen werden

sollen. Gleichzeitig gab es in dieser

Phase denVersuch, dass die DDR mit

Israel diplomatische Beziehungen

aufnimmt. Das scheiterte vor allem

daran, dass Wiedergutmachungsforderungen

oder Entschädigungen

von der DDR nicht realisiert werden

konnten.

Der Antrag zur Aufnahme der sowjetischen

Juden wurde angenommen.

Washatte sich im Denken geändert?

DieDDR hatte bisher jede Mitverantwortung

für den Holocaust von

sich gewiesen. Sie hat sich als einen

antifaschistischen Staat definiert

und sozusagen auf der Seite der„Sieger“

gestanden. Das Umdenken

nach dem Abtreten des alten Politbüros

hatte schon Hans Modrow in

Briefen an den Jüdischen Weltkongreß

sowie den israelischen Premierminister

Anfang 1990 zum Ausdruck

gebracht und darin die historische

Verantwortung auch der DDR für

den Holocaust benannt. Deutliche

Worte fand dann die erste frei gewählte

Volkskammer in einer Erklärung

aller Fraktionen am 12.4.1990.

Darin bekannten sich die Abgeordneten

nicht nur zur Mitverantwortung

für die Ermordung jüdischer

Frauen, Männer und Kinder. Sie baten

die Juden in aller Welt um Verzeihung

–auch für das den Juden in der

DDR geschehene Unrecht.

Wieviele Juden lebten in der DDR?

Es gab in der DDR zum Schluss

nur noch etwa 400 Juden, die in acht

Gemeinden organisiertwaren. Diese

Gemeinden waren zum Teil kaum

noch lebensfähig. Man braucht für

einen Gottesdienst zehn Männer,

aber die waren oft nicht mehr da

oder zu alt. In ganz Brandenburggab

es keine jüdische Gemeinde mehr.

Wardiese Erklärung auch ein Abrücken

vom früheren Antisemitismus

der DDR?

Sicher hatte die Erklärung auch

diese Zeit mit ihrem Antisemitismus

im Blick. Wir hätten in den Achtzigerjahren

allerdings nicht gesagt:

Die DDR ist ein antisemitischer

Staat. Aber es gab Antisemitismus,es

fehlte an wirklicher Unterstützung

der jüdischen Gemeinden und es

gab eine starke Israel-Kritik, unter

der sich unter Umständen auch Antisemitismus

verbarg. Deshalb war

Almuth Berger:„In Brandenburg gab es keine jüdische Gemeinde mehr.“ BENJAMIN PRITZKULEIT

uns wichtig, dass wir uns davon distanzieren.

Die Erklärung der Volkskammer

endete mit der Zusage,verfolgten

jüdischen Menschen in der

DDR eine Heimat zu geben. Das hat

sich schnell in der Sowjetunion herumgesprochen.

Kurze Zeit später

stand ein Vertreter der jüdischen Gemeinde

Berlin vor meiner Tür und

sagte: Frau Berger, morgen stehen

100 Juden bei mir vor der Tür, was

soll ich machen? Es waren dann zwar

nur sechs,aber in den nächsten Wochen

kamen wirklich Hunderte. Sie

kamen mit einem Touristenvisum –

wenn sie eine jüdische Abstammung

nachweisen konnten, durften sie

bleiben. Das war eine ganz unkomplizierte

Regelung.

Die DDR war wie die BRD kein Einwanderungsland

und es gab keine

Flüchtlinge. Was war die rechtliche

Grundlage für die Aufnahme?

Ichhatte die Aufgabe,für den Ministerrat

eine Regelung zu entwerfen.

Daswar knifflig. Ausder Sowjetunion,

dem Bruderland der DDR,

konnte es keine Flüchtlinge geben.

Die Israelis argumentierten, dass jeder

Jude eine Heimat hat: Israel.

Mein Argument lautete: Wenn Juden

drum bitten, nach Deutschland zurückkommen,

können wir das auf

keinen Fall ablehnen. Der DDR-Ministerrat

unter Lothar de Maizière

hat am 11. Juli 1990 einen Beschluss

ZUR PERSON

Almuth Berger wird 1943 in Tangermünde als Tochter in einen Theologen-Haushalt geboren.

Sie studiertinBerlin Theologie, arbeitet später als Pfarrerin, engagiertsich für Ausländerarbeit.

Sie gehört1989 zu den Mitbegründernvon „Demokratie Jetzt“ und nimmt als deren Delegierte

an den Gesprächen am Runden Tisch teil. Im März 1990 wird sie Ausländerbeauftragte

der Regierung de Maizière. Mit der Wiedervereinigung endet ihre Amtszeit. 1991 wird

sie Ausländerbeauftragte Brandenburgs. Sie ist seit 2006 pensioniert.

verabschiedet, der ein diplomatischer

Balanceakt war. Indem Text

kamen die Worte Flüchtling, Sowjetunion

und Antisemitismus nicht vor.

Aber es wurde festgelegt, dass die Regierung

der DDR ausländischen jüdischen

Bürgern, denen Verfolgung

oder Diskriminierung droht, aus humanitären

Gründen Aufenthalt gewährt.

Damit war eine Möglichkeit

zum Handeln gegeben. Es wurde ein

Hilfsfond eingerichtet. Und wir

mussten Unterkünfte organisieren,

was sehr schwierig war.

Warum?

Weil es in der DDR keine Infrastruktur

für Flüchtlinge gab.Zur gleichen

Zeit kamen Tausende Flüchtlinge

aus Rumänien und Bulgarien.

Da kamen in mancher Nacht tausend

Leute am Bahnhof Lichtenberg

oder dem Ostbahnhof an. Und wir

mussten sehen, dass wir die Menschen

unterbringen und versorgen.

Es gab keine Sozialhilfe,keine Sozialarbeiter.

Das war auch für die Kommunen,

in die die Flüchtlinge kamen,

eine große Herausforderung.

Weil sie vorher mit Ausländern wenig

in Berührung gekommen waren?

Ja, das spielte sicher auch eine

Rolle. Aber darüber hinaus war es

damals für viele mental eine schwierige

Situation. Sehr viele Menschen

wurden arbeitslos, die Betriebe waren

weg, sie verloren ihre Existenzgrundlage

–und dann kamen auch

noch Flüchtlinge. Da haben sich

viele Bürger gewehrt. Ich habe viele

sehr emotionale Einwohnerversammlungen

mit heftigen Diskussionen

mitgemacht, 2015 hatte ich

dann durchaus Deja-vu-Erlebnisse.

Da kam vielleicht auch Unbearbeitetes

wieder hoch, auf jeden Fall erlebte

ich ähnliche Ängste und Abwehrhaltungen

wie 1990.

Wurdeinder DDR der Holocaust verschwiegen,

wie immer mal wieder behauptet

wird?

Das stimmt so nicht, da gab es

Bücher, Filme. Esgab die Möglichkeit,

sich zu informieren. Aber man

musste sich dafür interessieren. Ich

habe jetzt vor einigen Jahren zum

Beispiel mal ein Projekt mit Jugendlichen

gemacht über die Sängerin Lin

Jadati, eine aus Holland stammende

jüdische Kommunistin, die Auschwitz

und Bergen-Belsen überlebt

hatte und bewusst in die DDR gezogen

war,weil sie auf den Antifaschismus

dort vertraute. Sie war viel unterwegs,

gab Konzerte in der DDR

und auch im Ausland und erzählte

auch ihreLebensgeschichte.

Heute leben viele Juden wieder in Berlin.

Aber damals war das nicht so.

Welche Gefühle löste die Ankunft der

sowjetischen Juden in der noch existierenden

DDR bei Ihnen aus?

Icherinneremich da an den Sommer

1990: Es kamen so viele Flüchtlinge.

Ich hatte mein Büro in der

Klosterstraße beim Ministerrat, das

wurde zu klein. Da bekam ich zwei

Räume im Haus der Ministerien in

der Wilhelmstraße in Berlin-Mitte,

das früher das Reichspropagandaministerium

von Goebbels war.

Diese Räume richteten wir als ein

Kontakt- und Beratungsbüro für jüdische

Menschen aus Osteuropa ein.

Für mich war das sehr symbolträchtig:

In dem Haus,von dem früher die

Rassenpropaganda ausgegangen

war, wurden jetzt jüdische Menschen

empfangen.

Ist die unkomplizierte Regelung der

letzten DDR-Regierung zur Aufnahme

der Sowjetischen Juden im

Einheitsvertrag übernommen worden?

Wir haben sehr darum gekämpft,

konnten uns aber nicht durchsetzen.

Im bundesrepublikanischen Gesetzeswerk

gab es keine entsprechende

Regelung. Während der Verhandlungen

saßen viele Menschen in der Sowjetunion

auf gepackten Koffern

und wollten kommen. Es hat bis Anfang

1991 gedauert, bis sich die Innenminister

darauf geeinigt haben,

bei den sowjetischen Juden das sogenannte

Kontingentflüchtlingsgesetz

anzuwenden. Da hat auch der

Vorsitzende des Zentralrats der Juden,

Heinz Galinski, sehr drum gekämpft.

Sein wichtigstes Argument

war, dass mit dieser Zuwanderung

die kleinen jüdischen Gemeinden in

Deutschland gestärkt würden.

Wie wurden die jüdischen Einwanderer

Anfang der Neunzigerjahre in

den neuen Bundesländern aufgenommen?

Damals gab es viel Rassismus,

und Ausländerheime brannten.

Warder Antisemitismus auch schon

so starkwie heute?

Es gab zwar Neid-Debatten, nach

dem Motto: Unsgeht es schlecht und

die bekommen alles hinterhergeschmissen.

Aber es äußerte sich nicht

in massiven antisemitischen Angriffen.

Am Anfang der Neunzigerjahre

wurden vor allem Asylbewerberheime

angegriffen, später standen

dann einzelne Personen im Fokus.In

Brandenburg wurde einmal ein junger

Mann attackiert, weil er voneiner

Gruppe von Jugendlichen für einen

Juden gehalten wurde. Da merkte

man, dass dortviel schwelt. DerAntisemitismus

war aber nicht so offen

und so massiv wie heute.

DasGespräch führte

Sabine Rennefanz.

Scheuer,die

Maut und die

Vergangenheit

Ein Brief bringt den

Minister in Verlegenheit

VonKai Schlieter

Inder Maut-Affäreholt die Vergangenheit

Bundesverkehrsminister

Andreas Scheuer (CSU) ein. Anfang

Dezember hatten Berliner Zeitung

und Frontal 21 gemeinsam darüber

berichtet, wie Scheuer als Staatssekretär

des damaligen Verkehsministers

Peter Ramsauer (CSU) einen

Vorschlag des CDU-Politikers Willi

Zylajew zurückgewiesen hatte.

Zylajew hatte einen besonderen

Vorschlag für Scheuer: die Einführung

einer „Ausländer-Maut“. Jener

Plan, den er später mit einer 180-

Grad-Wende zu seinem wichtigsten

politischen Projekt machte –und der

nun der Grund des Maut-Untersuchungsausschusses

ist.

Zylajew hatte der Berliner Zeitung

von dem Brief zunächst nur berichtet.

DasDokument selbst hatte er allerdings

nicht mehr finden können.

Doch das Schriftstück befand sich ja

im Bundesverkehrsministerium.

Undaus den Archiven des Ministeriums

befreite es nun das Magazin Focus

mithilfe eines Informationsfreiheitsantrages.

Der Brief liegt auch

der Berliner Zeitung vor.

Mitte Juli 2012 schreibt Scheuer:

„Die Einführung einer Maut nur für

ausländische Verkehrsteilnehmer

wäreeuroparechtlich nicht zulässig.“

Ebenso entschied der Europäische

Gerichtshof (EuGH) im Sommer

2019. Andreas Scheuer hatte da die

Verträge allerdings schon unterzeichnet.

Auch den Grund dafür,dass eine

„Ausländermaut“ rechtswidrig ist,

kannte Scheuer offensichtlich schon

voracht Jahren. So könne „die einseitige

Mehrbelastung ausländischer

Verkehrsteilnehmer im Bereich der

Pkw-Maut faktisch einer Diskriminierung

gleichkommen“.

Die rechtlichen Risiken

So entschied auch der EuGH und

deswegen sieht sich die Bundesrepublik

nun 560 Millionen Euro an

Schadensersatzforderungen gegenüber.

Die fordert das Konsortium,

das die rechtswidrige Maut im Auftrag

vonScheuer erheben sollte.

Der verkehrspolitische Sprecher

der FDP,Oliver Luksic, sagte der Berliner

Zeitung: „Der Briefwechsel

zeigt nicht nur, dass sich Scheuer

über die rechtlichen Risiken der

,Ausländermaut’imKlaren war,sondern

auch, dass die Wirtschaftlichkeit

eines solchen Modells von Anfang

an nicht gegeben war.“

Tatsächlich heißt es in Scheuers

Brief von 2012 auch, dass die „Einnahmen

von ausländischen Verkehrsteilnehmernbei

Einführung einer

Pkw-Vignette vergleichsweise

gering wären“. Nach den damals verfügbaren

Daten lag „der Anteil ausländischer

Pkw am gesamten Personenverkehr

auf deutschen Straßen

bei ca. 6,7 %“. Und für Scheuer war

damals entscheidend, „dass letztendlich

mehr Geld für die Infrastruktur

zur Verfügung steht“. Spannend

auch der Vermerk, der dort handschriftlich

verzeichnet steht:

„Rücksp. erforderlich, da BMVBS

(Bundesinstitut für Bau-. Stadt- und

Raumforschung, Anm. Red) medial

eine andereBotschaft vermittelt“.

Die „Ausländermaut“ könnte teuer werden

–allerdings für die Deutschen. DPA


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6** Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020

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Politik

NACHRICHTEN

Polizei erschießt in London

Terrorverdächtigen

EinMann hat in London am Sonntag

nach Polizeiangaben zwei Menschen

mit einer Stichwaffe verletzt, einen

davon lebensgefährlich. Dasdritte

Opfer erlitt nach PolizeiangabenVerletzungen

durch Glassplitter.Der Attentäter

sei vonPolizisten gegen 15

Uhr(MEZ), nur wenige Minuten nach

dem ersten Notruf, erschossen worden.

DieBeamten seien Teil einer

„vorbeugenden Anti-Terror-Operation“

gewesen, hieß es in einer Mitteilung

der Polizei am Abend. Scotland

Yard geht voneinem islamistischen

Terrorhintergrund aus.Die Polizei

bestätigte Augenzeugenberichte,wonach

der Täter einen Sprengstoffgürtel

trug. Es habe sich dabei aber um

eine Attrappe gehandelt. DerVorfall

ereignete sich in einer belebten Einkaufsstraße

im Süden der Metropole.

Nach übereinstimmenden Medienberichten

war der Angreifer einschlägig

vorbestraft. Er wurde erst im vergangenen

Monat vorzeitig aus dem

Gefängnis entlassen. Er verbüßte

demnach etwa die Hälfte einer rund

dreijährigen Haftstrafe wegen der

Verbreitung vonislamistischer Propaganda.

(dpa, AFP)

Widersprüchliches Fazit zur

Synodalversammlung

Nach der ersten Synodalversammlung

der katholischen Kirche in

Deutschland sieht derVorsitzende

der Deutschen Bischofskonferenz,

Kardinal ReinhardMarx, den Reformprozess„einen

guten Schritt vorangekommen“.

Dagegen erklärte der Kölner

Kardinal Rainer MariaWoelki

dem Domradio,alle seine Befürchtungen

seien eingetreten –etwa dass

quasi ein protestantisches Kirchenparlament

geschaffen werde. Die230

Teilnehmer des Reformprozesses

SynodalerWegsprachen in Frankfurt

über Sexualität, Zölibat und die Position

vonFrauen in der Kirche. (dpa)

Kopf-an-Kopf-Rennen bei

Wahl in Leipzig

Beider Oberbürgermeisterwahl in

Leipzig hat im ersten Wahlgang keiner

der Kandidaten die erforderliche

absolute Mehrheit erreicht. Amtsinhaber

BurkhardJung (SPD) lieferte

sich am Sonntagabend ein Kopf-an-

Kopf-Rennen mit seinem CDU-Herausforderer

Sebastian Gemkow.

Nach dem vorläufigen Ergebnis erhielt

Jung 29,8 Prozent der Stimmen.

Er lag damit knapp hinter Gemkow,

der auf 31,6 Prozent kam. Damit ist

am 1. Märzein zweiter Wahlgang

notwendig, bei dem dann die einfache

Mehrheit reicht. Jung ist seit

2006 Rathauschef in Leipzig. (dpa)

Italien lässt über 360

Flüchtlinge an Land

Die vor Libyen Geretteten stammen

u. a. aus Bangladesch und dem Sudan. DPA

363 Migranten, die das Rettungsschiff

„Open Arms“ vorLibyenaus

Seenot geborgen hat, sind am Sonntag

nach tagelangem Warten auf See

in Sizilien eingetroffen. Zuvorhatte

die italienische Regierung der spanischen

Hilfsorganisation Proactiva

Open Arms am Sonnabendabend

die Genehmigung zum Einlaufen in

Pozzallo gegeben. Malta dagegen

habe die Einfahrtverweigert, schrieben

die Helfer auf Twitter. (dpa)

Die Spendengelder an den Türkischen Roten Halbmond werfen in der Türkeiviele Fragen auf. Warumetwaprofitieren Mitglieder aus dem Umfeld von Präsident Erdogan?GETTY IMAGES

Roter Halbmond in Erklärungsnot

Spenden an Hilfsorganisation begünstigen Erdogan-Clan. Die Bundesregierung überwies 25 Millionen

VonFrank Nordhausen

Die Zusage der Bundesrepublik,

der Hilfsorganisation

Türkischer Roter

Halbmond beim Bauvon

Notunterkünften für Binnenflüchtlinge

in der letzten syrischen Rebellenprovinz

Idlib zu unterstützen, ist

in der Türkei auf Kritik gestoßen. Die

Einwände gelten dabei nicht der Hilfe

für Vertriebene in der nordwestsyrischen

Bürgerkriegsregion, sondern

dem Empfänger. Der Türkische Rote

Halbmond ist zurzeit in eine massive

Spenden- und Steuervermeidungsaffäre

verstrickt, die auch die Familie

des Staatspräsidenten Recep Tayyip

Erogan betreffen soll.

Ein Sprecher des Auswärtigen

Amtes in Berlin hatte die Bereitstellung

der 25-Millionen-Euro-Hilfe an

den Roten Halbmond am Freitag bekannt

gemacht. Regierungssprecher

Steffen Seibert erinnerte daran, dass

Bundeskanzlerin Angela Merkel

(CDU) kürzlich bei ihrem Treffen mit

Präsident Erdogan in Istanbul weitere

humanitäre Unterstützung in

der Syrien-Krise zugesagt hatte. Offenbar

handelt es sich bei der aktuellen

Summe um die Einlösung dieses

Versprechens. Doch ist der Türkische

Rote Halbmond kein unproblematischer

Partner.

Mitte der Woche veröffentlichte

die türkische Nachrichtenwebsite

Gazetta9 einen Bericht mit faksimilierten

Unterlagen, wonach die Organisation

eine Spende vonacht Millionen

US-Dollar aus dem Dezember

2017 nicht für ihre humanitären

Aufgaben verwendet, sondern fast

die gesamte Summe an die berüchtigte

islamische Ensar-Stiftung weitergereicht

habe. Ensar ist für ihre

enge Verbindung zur islamischen

AKP-Regierung und zur Familie des

Staatschefs Erdogan bekannt. Ensar

betreibt Bildungsinstitute und

Wohnheime und war 2016 in einen

Missbrauchsskandal in ihren Einrichtungen

verwickelt; ein Lehrer

wurde zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

Obwohl sich weitere Skandale

anschlossen, erhält die Ensar-

Stiftung bis heute lukrative Regierungsaufträge

und kommunale

Geldzuwendungen in Millionenhöhe.

Nach Ansicht oppositioneller türkischer

Medien wirft die Spendenaffäre

erneut ein Schlaglicht auf die

Günstlingswirtschaft um den Erdogan-Clan.

„Die Affäre hat ein komplexes

Beziehungsgeflecht offengelegt,

das letztlich auf den Präsidenten

Erdogan und seine Familie verweist“,

schrieb die Kolumnist Ayse

Yildirim auf der oppositionellen

NachrichtenplattformArtiGercek.

So kam die ursprüngliche Acht-

Millionen-Dollar-Spende von dem

zweitgrößten türkischen Gasnetzbetreiber

Baskentgaz, der kürzlich von

der Torunlar-Holding gekauft wurde.

Deren Chef ist Aziz Torun – ein

Schulfreund Erdogans. Laut Presseberichten

soll die Firmaaufgrund ihrer

–steuerfreien –Spende an den

Roten Halbmond einen Steuervorteil

vonfast zwei Millionen Dollar erzielt

haben. Der bekannte türkische

Investigativjournalist Ismail Saymaz

twitterte: „7 925 000 Dollar an die

Ensar-Stiftung über den Roten Halbmond

bedeuten, dass dem Staat

1760 000 Dollar Steuern entgangen

sind. Sind wir so reich?“

Die Ensar-Stiftung räumte den

Vorgang ein, verteidigte sich aber,sie

habe das Geld für den „Kampf gegen

Fetö“ benötigt. Die Abkürzung bezeichnet

die Bewegung des in den

USA lebenden Islampredigers Fethullah

Gülen, die Erdogan für den

gescheiterten Putschversuch vom

„Die Affäre hat ein

komplexes Beziehungsgeflecht offengelegt,

das letztlich auf den Präsidenten Erdogan und

seine Familie verweist.“

Ayse Yildirim, Kolumnistin

Juli 2016 verantwortlich macht. Ensar

erklärte, sie habe die Spende an

eine andereStiftung namens Turken

zum Bauvon Kinderwohnheimen in

den USA weitergereicht. Diese Stiftung

wurde von Ensar und Türgev

gegründet, einer weiteren Bildungsstiftung,

die Erdogan persönlich ins

Leben gerufen hatte.Inden Vorständen

vonTurken und Türgev sitzt Erdogans

Tochter Esra Albayrak. Laut

Ensar seien die an Turken überwiesenen

Mittel für den laufenden Bau

eines 21-stöckigen Wohnheims in

Manhattan verwendet worden. Dort

sollten türkische Kinder vor „Fetö-

Elementen geschützt“ werden, er-

Kampf gegen die Kohle

klärte Ensar-Generaldirektor Hüseyin

Kader im Fernsehen. Er verteidigte

sich, die Millionen seien„im legalen

Rahmen“ als „bedingte

Spende“ geflossen, was bedeute,

dass ein Teil an andere Wohltätigkeitsorganisationen

weitergeleitet

werden könne.

Der Chef des Roten Halbmonds,

KeremKinik, erklärte laut türkischen

Medien: „Steuervermeidung ist

nicht dasselbe wie Steuerhinterziehung.“

Er führte aber nicht aus,

wieso praktisch die gesamte Acht-

Millionen-Dollar-Spende eines AKPnahen

Unternehmens an eine AKPnahe

Stiftung zu Steuersparzwecken

durch die Bücher der Hilfsorganisation

geschleust wurde.

Daraufhin äußerten viele User in

sozialen Netzwerken den Verdacht,

dass der Rote Halbmond als „Steuerhinterziehungs-

und Steuervermeidungsschleuse“

für AKP-nahe Unternehmen

diene. Die linke Tageszeitung

Birgün veröffentlichte ein

Dokument, wonach sich die Spenden

an den Roten Halbmond zwischen

2016 und 2019 gegenüber dem

Vergleichszeitraum um das 32-fache

erhöht hätten. Es sei denkbar, dass

der Rote Halbmond als Komplize in

einem riesigen Steuervermeidungssystem

fungiere.

DieBundesregierung hat sich bisher

zu den dubiosen Vorgängen um

ihren Spendenempfänger nicht geäußert.

Der Türkische Rote Halbmond

soll die zugesagten Gelder offenbar

für die riesigen Flüchtlingslager

nahe der türkischen Grenze verwenden.

Frank Nordhausen empfiehlt,

Gelder an den Roten

Halbmond zu überwachen.

Klimaaktivisten besetzen das Steinkohlekraftwerk Datteln 4. Sie wollen verhindern, dass es ans Netz geht

Klimaaktivisten wollen das Kraftwerk

Datteln in Nordrhein-

Westfalen zum neuen Schauplatz

der Auseinandersetzungen um einen

schnellen Kohleausstieg machen.

Mehr als 100 Menschen drangen

am Sonntag auf das Kraftwerksgelände

am Dortmund-Ems-Kanal

ein und besetzten Teile der Anlage.

Laut Polizei gelangten die Aktivisten

gewaltsam auf das Gelände. Ein Tor

sei aufgebrochen worden. Am Nachmittag

beendete die Polizei nach eigenen

Angaben die Besetzung. Alle

Aktivisten hätten die Anlagen freiwillig

verlassen, hieß es.

Der Kraftwerksbetreiber Uniper

hatte Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs

gestellt. Aufgerufen zu

der Aktion hatten die Gruppen „Ende

Gelände“ und „DeCOALonize Europe“.

Nach ihren Angaben gelangten

rund 150 Aktivisten auf das Gelände,

laut Polizei waren es 120.

„Unser Protest heute ist erst der

Anfang“, sagte Kathrin Henneberger,

Sprecherin von„Ende Gelände“. Die

Besetzung sei eine„sehr erfolgreiche“

Auftaktaktion gewesen. „Wir werden

wiederkommen.“ Manwerde verhindern,

dass das Kraftwerk ans Netz

gehe. Das 1100-Megawatt-Kraftwerk

läuft momentan zeitweise im Probebetrieb.

Endgültig ans Stromnetz anschließen

will der Betreiber Uniper

die Anlage im Sommer. Sie soll dann

unter anderem Strom für die Deutsche

Bahn liefern. DieGruppe „Ende

Gelände“ hatte sich bereits an Besetzungen

am Braunkohletagebau

Hambachbeteiligt.

DieKohlekommission hatte empfohlen,

mit dem Betreiber eine Verhandlungslösung

zu suchen, damit

das Kraftwerk nicht angeschaltet

wird. Dem folgte die Bundesregierung

aber beim Kohleausstiegsgesetz

nicht. Bundeswirtschaftsminister

PeterAltmaier (CDU) hatte unter

anderem auf die milliardenschwere

Entschädigung verwiesen, die hätte

gezahlt werden müssen. Altmaier

will sich angesichts der Kritik am Gesetz

zum Kohleausstieg am Dienstag

mit Betreibern von Steinkohlekraftwerken

treffen. Das erfuhr die dpa

am Sonntag aus Regierungskreisen.

Die SPD kritisierte die Besetzung.

„Ich kann solche Aktionen nicht gut

finden, nur weil sie im Namen des Klimaschutzes

passieren“, sagte derVorsitzende

der SPD-Fraktion im NRW-

Landtag, Thomas Kutschaty. „Wer

sich andauernd über Recht hinwegsetzt,

um sich Gehör zu verschaffen,

verabschiedet sich vom demokratischen

Diskurs.“ Dagegen betonte der

Linken-Bundestagsabgeordnete Hubertus

Zdebel, es sei „absolut legitim,

friedliche Mittel deszivilen Ungehorsams

anzuwenden, um gegen Datteln

4zuprotestieren“. (dpa)

Todesurteil

für

Zivilisten

US-Militär setzt künftig

wieder Landminen ein

Die Ankündigung der US-Regierung,

trotz internationaler Ächtung

wieder Landminen einzusetzen,

hat bei Hilfsorganisationen und

in der Politik heftige Kritik ausgelöst.

US-Präsident Donald Trump hob ein

Verbot der Vorgängerregierung auf.

Künftig soll die US-Armee moderne

Anti-Personen-Minen einsetzen

dürfen, die aus der Fernedeaktiviert

werden können und sich selbst zerstören.

Mehr als 160 Staaten, darunter

auch Deutschland, haben in einem

internationalenVertragdasVerbot

der Waffen vereinbart, weil herkömmliche

Landminen oft noch

lange nach dem Ende von Kampfhandlungen

vor Ort verbleiben. Bei

Minenexplosionen werden jedes

Jahr Tausende Zivilpersonen verletzt

oder getötet. Häufig sind die Opfer

Kinder, die im Freien spielen und

dort auf eine Mine treten. Häufig

müssen Verletzten die Beine amputiertwerden.

Die neue Politik könne „zum Todesurteil

für unschuldige Menschen

werden“, erklärte Eva Maria Fischer

von der Hilfsorganisation Handicap

International Deutschland. Die

Menschenrechtsorganisation Human

Rights Watch (HRW) erklärte,

der Einsatz von Landminen sei „unter

keinen Umständen und für kein

Land gerechtfertigt.“

AusdemWeißen Haus hieß es,die

Aufhebung der Beschränkung der

Minennutzung solle dem„Militär die

Flexibilität und die Fähigkeit geben,

die es zum Siegen braucht“. Traditionelle

Landminen, die aus der Ferne

nicht zerstört werden können und

Minensucher in Kandahar,Afghanistan,

im Jahr 2018

DPA

sich nicht selbst zerstören, seien dagegen

weiter verboten. Es würden

die „möglichen Vorsichtsmaßnahmen

getroffen, um Zivilisten vor

Landminen zu schützen“, hieß es.

Einmal aktivierte Landminen sollen

sich demnach nach spätestens 30

Tagen selbst zerstören. Es sei allerdings

zulässig, Gebiete oder Stützpunkte

dauerhaft mit Minen zu

schützen, die nach Bedarf aus der

Fernescharfgestellt werden können.

Aufeiner Stufe mit dem IS

„Landminen sind neben vielen anderen

ein wichtiges Werkzeug, das

unseren Kommandeuren auf dem

Schlachtfeld zur Verfügung stehen

muss“, sagte Verteidigungsminister

Mark Esper.

Fischer vonHandicap International

kritisierte, auch das Abschalten

vonLandminen nach einem Monat –

wenn es überhaupt funktioniere–sei

nicht ausreichend. Der HRW-Waffenexperte

Steve Goose erklärte, die

USA würden sich mit dieser Neuregelung

in eine Reihe stellen mit Regimen

und Terrorgruppen, die für

schwere Menschenrechtsverletzungen

verantwortlich seien. Landminen

würden zum Beispiel genutzt

von Syrien, Myanmar und der Terrormiliz

Islamischer Staat (IS). Besonders

von Landminen betroffen

sind Afghanistan, Jemen, Angola,

Kambodscha, Laos und der Irak. Der

1997 geschlossenen internationale

Ottawa-Vertrag verbietet die Herstellung,

den Einsatzund dieWeitergabe

vonTretminen. (dpa, AFP)


Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020 7

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Wirtschaft

NACHRICHTEN

Zuspruch für Abschaffung

von Ein-Cent-Münzen

Im Bundestag gibt es laut einem Zeitungsbericht

viel Zuspruch für die geplante

Abschaffung vonEin-Centund

Zwei-Cent-Münzen. Dashabe

eine Umfrage unter den Fachpolitikernder

Bundestagsfraktionen ergeben,

berichtete die Frankfurter Allgemeine

Sonntagszeitung. Für die

Union lobte die Finanzpolitikerin

Antje Tillmann (CDU) dasVorhaben

der EU-Kommission.Weil viele Menschen

bargeldlos zahlten, seien die

Kosten für die Prägung der Münzen

höher als ihr Nutzen. Eine Abschaffung

wäredaher„konsequent“. Der

finanzpolitische Sprecher der SPD-

Bundestagsfraktion, Lothar Binding,

urteilte,das„Handling vonBargeld“

müsse„so effizient wie möglich sein“.

Deshalb„sollte über eine Abschaffung

nachgedacht werden“. (AFP)

SPD kritisiertCSU-Aktion

gegen Tempolimit

SPD-FraktionsvizeSören Bartol hat

die Kampagne der CSU gegen ein

Tempolimit kritisiert. „Die CSU ist

beim Tempolimit vongestern“, sagte

er.„Wenn es eine gesellschaftliche

Mehrheit für ein Tempolimit gibt, sodass

selbst der ADACsich in diese

Richtung bewegt, sollte sich auch die

CSU der Realität stellen.“ DieCSU

will sich mit der Kampagne gegen

das „ideologisch motivierte Vorhaben“

vonGrünen, SPD und Linken

stellen, wie es auf einer Internetseite

heißt. In der großen Koalition ist ein

Tempolimit umstritten. (dpa)

Autos mit hohem Verbrauch

sollen mehr kosten

Umweltministerin Svenja Schulze

(SPD) hat sich für ein Bonus-Malus-

System beim Kauf vonAutos ausgesprochen.

Dies würde Fahrzeuge mit

hohem Spritverbrauch teurer und

Elektroautos günstiger machen. „Ich

glaube,dass es sehr gut wäre, wenn

diejenigen, die die großen spritfressenden

Autos kaufen, einen Aufschlag

bekommen“, sagte sie.Dieser

könne dann bei kleinen, günstigeren

Autos abgezogen werden.(dpa)

Johnson für Abkommen mit

EU nach Kanada-Vorbild

Premierminister BorisJohnson will

Großbritannien vonder Bindung an

EU-Regeln freimachen. Dafür

nehme er auch Grenzkontrollen in

Kauf, zitierten britische Medien

nicht näher genannte Regierungsquellen.

DerPremier wärezueinem

Freihandelsabkommen mit der Europäischen

Union nach dem Vorbild

Kanadas bereit, hieß es weiter. (dpa)

Somalia ruft Notstand wegen

Heuschreckenplage aus

Das richtige Alter für die Rente

Mit 63 Jahren, regulär oder später mit Zuschlägen: Der Zeitpunkt sollte gut überlegt sein

VonTheresa Dräbing

Mit 63 Jahren in Rente –

das wollen immer

mehr Menschen. 2019

waren es mehr als von

der Deutschen Rentenversicherung

Bund (DRV) erwartet – nämlich

1,34 Millionen Senioren in Deutschland,

die sich für einen vorzeitigen

Ruhestand entschieden haben und

die dabei noch nicht einmal Abschläge

bei den Zahlungen in Kauf

nehmen mussten. Ein wenig früher

den Ruhestand genießen zu können,

wünscht sich wohl auch der ein oder

andereArbeitnehmer,der momentan

noch voll und ganz im Arbeitsleben

steht. Andere wiederum wollen vielleicht

gerne länger arbeiten, als das

gesetzlich vorgesehen ist, und lieber

noch ein wenig hinzuverdienen.

Doch kann sich da jeder einfach so

frei entscheiden? Und wenn ja, wovon

hängt die Entscheidung ab? Wir

spielen drei Szenarien durch: Die reguläre

Altersrente, die Rente mit 63

und ein späterer Renteneintritt mit

Zuschlägen.

Die reguläre Altersrente: Die Altersgrenze

für den regulären Renteneintritt

steigt seit 2012 schrittweise an,

von 65Jahre auf 67 Jahre. Werwann

in Rente gehen kann, ohne Abschläge

bei den vorgesehenen Rentenzahlungen

hinnehmen zu müssen,

hängt vomGeburtsjahr des Versicherten

ab. Wer beispielsweise

1964 oder später geboren wurde,

wird regulär erst mit 67 Jahren in

Rente gehen können. 1963 Geborene

müssen 66 Jahre und zehn Monate

alt sein, 1960 Geborene 66 Jahreund

vier Monate.Zwar können sichVersicherte

auch entscheiden, früher das

Arbeitsleben gegen den Ruhestand

einzutauschen, dann mindern sich

allerdings die Rentenzahlungen.

Individuell ausrechnen kann das

reguläre Renteneintrittsalter jeder

ganz einfach mit einem Renten-

Rechner im Internet, zum Beispiel auf

deutsche-rentenversicherung.de.

Neben dem Erreichen der Regelaltersgrenze

ist außerdem eine Mindestversicherungsdauer

von fünf

Jahren Voraussetzung für den Anspruch

auf reguläreAltersrente.

Rente mit 63 Jahren: Trotz der festgelegten

Regelaltersgrenzen ist es zwar

auch möglich, bereits mit 63 Jahren in

Rente zu gehen, jedoch gibt es dabei

einige Einschränkungen. Hierbei

kommt es neben dem Geburtsjahr

vor allem auf die Anzahl der Versichertenjahre

an. Eine abschlagsfreie

Rente können nur besonders langjährig

Versicherte mit 45 Beitragsjahren

erhalten. Da die Altersgrenze für

besonders langjährigVersicherte aber

ebenfalls schrittweise angehoben

wird, gilt das nur für bestimmte Geburtsjahrgänge.

Mit 63 Jahren konnten

tatsächlich nur vor 1953 Geborene

abschlagsfrei in Rente gehen.

Für 1956 Geborene gilt bereits eine

Altersgrenze von 63 Jahren und acht

Monaten.

Es können aber auch Menschen,

die mindestens 35 Jahre indie Ren-

Der Betrag ist abhängig vonverschiedenen

Faktoren, wie Einzahlungsdauer,Renteneintritt

oder allgemeine Rentenanpassungen.

2018 lagen die durchschnittlichen Zahlbeträgeder

Altersrenten nach mindestens

35 Versicherungsjahren bei 1362 Euro

(Männer) und 991 Euro (Frauen).

RENTENHÖHE

Unterschiede sindauch regional sichtbar.

DiehöchstenDurchschnittsrenten hatten

2018 Männer in Nordrhein-Westfalenmit

1467 Euro und im Saarland mit 1452 Euro.

Die niedrigsten Altersrenten dagegen Frauen

in Niedersachsen mit im Schnitt 961 Euro und

in Rheinland-Pfalz mit 966 Euro im Monat.

Lebensmittel sollen teurer werden

Politiker von CDU, SPD und Grünen wollen Preisdumping bei Nahrungsmitteln eindämmen

SASCHA JAECK

tenkasse eingezahlt haben, schon mit

63 Jahren in Rente gehen. Dabei handelt

es sich um „langjährig Versicherte“.

Allerdings gilt für sie die zusätzliche

Einschränkung, dass sie Abzüge

hinnehmen müssen. Für jeden

Monat vorzeitigen Renteneintritts

werden 0,3 Prozentpunkte vom monatlichen

Rentenbetrag abgezogen –

und zwar dauerhaft für die kompletten

Jahredes Rentenbezugs.Wer also

beispielsweise noch drei Jahre bis

zum Erreichen der regulären Altersgrenze

hätte, müsste einen monatlichen

Abschlag von 10,8 Prozent hinnehmen.

Bei einer Rente von

1200 Euro wären dies 129,60 Euro

Abschlag. Die tatsächliche Rente betrüge

demnach 1070,40 Euro. Jeweniger

Zeit zu überbrücken ist, desto

geringer fällt die monatliche Minderung

aus.

Tipp: Es besteht bei Rentenminderung

die Möglichkeit der Ausgleichszahlungen,

Stichwort Flexirente.

Wenn beispielsweise die Auszahlung

der Lebensversicherung ansteht,

können damit Abschläge

ausgeglichen werden. Auch sind in

einem gewissen Rahmen Hinzuverdienste

auch in der Rente möglich.

Versicherten mit weniger als

35 Versicherungsjahren bleibt die

Rente mit 63 Jahren verwehrt. Sie

können je nach Geburtsjahr frühestens

zwischen 65 und 67 Jahren in

Rente gehen. Zu der Anzahl derVersicherungsjahre

zählen aber nicht nur

die Pflichtbeiträge aus sozialversicherungspflichtiger

Beschäftigung oder

Selbstständigkeit, sondern beispielsweise

auch Zeiten während der Kindererziehung,

während der Pflege

von Angehörigen oder während der

Bezugsdauer vonArbeitslosengeld I.

Späterer Renteneintritt mit Zuschlägen:

Während ein früherer Renteneintritt

oft Abschläge mit sich zieht,

wird ein späterer Renteneintritt honoriert.

Ob eine Weiterarbeit möglich

ist, hängt natürlich von einer

Vereinbarung mit dem Arbeitgeber

und den persönlichen Umständen

ab.Wer aber tatsächlich seine Rente

trotz Erreichen der Regelaltersgrenze

noch nicht in Anspruch

nimmt und weiter einem Job nachgeht,

bekommt später eine jährliche

Erhöhung vonsechs Prozent. Davon

abgesehen steigernallein die zusätzlichen

Arbeitsjahre die Rente. Wer

zum Beispiel 40 Jahre den Durchschnittsverdienst

aller Arbeitnehmer

erhalten hat, bei dem erhöht sich

laut DRV nach einem Jahr zusätzlicher

Erwerbstätigkeit die spätere

Rente um 107 Euro brutto monatlich.

Zudem muss in der Erwerbstätigenzeit

nach Renteneintrittsalter

kein Beitrag zur Arbeitslosenversicherung

mehr bezahlt werden.

Auch wer schon Rente bezieht,

darf weiterarbeiten und neben der

Rente Gehalt beziehen. Dabei werden

weiter Beiträge an die Rentenkasse

abgeführt und Entgeltpunkte

gesammelt, die die späteren Zahlungen

erhöhen. Hierbei sind allerdings

Hinzuverdienstgrenzen zu beachten:

Nur Einkommen bis 6300 Euro

im Jahr sind anrechnungsfrei.

Strompreise

steigen

weiter

Berliner bleiben von

Erhöhungen verschont

Die Welle der Strompreiserhöhungen

in Deutschland ebbt

nicht ab.Für die Monate Februar bis

April haben nach Zahlen des Vergleichs-

und Vermittlungsportals

Verivox 86Versorger Preiserhöhungen

vondurchschnittlich 8,1 Prozent

angekündigt. Für eine Familie mit einem

Jahresverbrauch von4000 Kilowattstunden

bedeute das Mehrkosten

von rund 100 Euro pro Jahr. Betroffen

seien rund 3,9 Millionen

Haushalte, vor allem in Nordrhein-

Westfalen, Niedersachsen, Baden-

Württembergund Hamburg.

In Berlin sind laut Verivox hingegen

keine Erhöhungen angekündigt.

Hier fungiert Vattenfall als Grundversorger.

Allerdings ist die letzte

Preisanhebung auch noch gar nicht

so lange her –zum Juni vergangenen

Jahres passte das Unternehmen seinen

Grundversorgertarif in Berlin

nach oben hin an. Nach einer Berechnung

von Switchup, einem automatisiertem

Stromanbieterwechselservice,

stiegen die Kosten für einen

Verbrauch von 3 500 Kilowatt

pro Stunde (kWh) letztmals um

47 Euro auf 1188 Euro.

Bei der neuen Preisrunde in anderen

Bundesländern sind laut Verivox

jetzt auch die großen Stromversorger

wie Eon und Innogy dabei.

„Vor allem kundenstarke Anbieter

verschieben ihre Preiserhöhungen

ins Frühjahr“, sagte Valerian Vogel,

Energieexperte bei Verivox. Auch die

Verbraucherzentrale NRWhat beobachtet,

dass große Versorger wie Innogy

und EonPreise nicht zu Jahresbeginn,

sondern zeitversetzt erhöhen.

„Offensichtlich wird hier bewusst

zum Jahreswechsel

abgetaucht, um dann mit weniger

Aufmerksamkeit die Preiserhöhungen

unterzubringen“, sagte deren

Energieexperte UdoSieverding.

Besonders ärgerlich sei, dass viele

Energieversorger die Preise stärker erhöhen,

als es eine 1:1-Erhöhung von

EEG-Umlage für die Ökostromförderung

oder Netzentgelten zulassen

würde. „Hier wird auf dem Rücken

der Kunden Kasse gemacht“, kritisierte

Sieverding. Betroffene Kunden

sollten deshalb über einen Anbieteroder

Tarifwechsel nachdenken.

Teurer Grundversorgertarif

Der Essener Energieversorger Innogy

verweist darauf, dass seine

Preise in der Grundversorgung sieben

Jahrelang stabil geblieben seien.

„Die letzte Erhöhung hat es im März

2013 gegeben“, sagte ein Sprecher.

Im Jahr 2015 seien die Preise sogar

gesenkt worden. Bei Eon hieß es:

„Die Strompreise bilden sich am

Marktund in einem intensivenWettbewerb.“

Knapp 80 Prozent der Anbieter

hätten bereits ihre Preise angepasst

oder Erhöhungen angekündigt.

„Nun kann auch Eon sich dem

allgemeinen Kostendruck nicht

mehr entziehen“, sagte ein Sprecher.

Die Angaben zu den Preiserhöhungen

betreffen Haushalte, die

Stromineinem Grundversorgungstarif

beziehen. Laut Bundesnetzagentur

sind das etwa 27 Prozent aller Privathaushalte

in Deutschland. Strom

in der Grundversorgung ist in der Regel

der teuerste Tarif. (dpa/BLZ)

Die Heuschrecken vernichten die Nahrungsgrundlage

für Mensch und Tier.

Wegen einer Heuschreckenplage hat

Somalia den Notstand ausgerufen.

DiemassenhafteVermehrung der

Wüstenheuschrecken bedrohe die

ohnehin instabileVersorgungslage in

dem zu den ärmsten Staaten derWelt

zählenden ostafrikanischen Land, erklärte

das Agrarministerium am

Sonntag in Mogadischu. DieHeuschreckenschwärme

vernichteten

wichtige Nahrungsgrundlagen. (AFP)

AP

Wenn es nach Bundeslandwirtschaftsministerin

Julia Klöckner

(CDU) geht, sollen demnächst

rechtliche Schritte gegen Preisdumping

bei Lebensmitteln eingeleitet

werden. „Um unlautere Handelsbedingungen

abzustellen, werden wir

auch ordnungsrechtliche Regelungen

ergreifen“, kündigte Klöckner

am Sonntag mit Blick auf ein am

Montag im Kanzleramt stattfindendes

Spitzentreffen mit Vertreterndes

Lebensmitteleinzelhandels an.

Klöckner erklärte, mit dauerhaften

Dumpingangeboten für Nahrungsmittel

setzeder Handel ein falsches,

auch gefährliches Signal. So

könne keine Wertschätzung für die

Produkte und deren Erzeuger entstehen.

Der Leidtragende sei am Ende

der Kette der Landwirt. „Es muss fair

zugehen“, forderte Klöckner. „Wir

brauchen Preise, die für den Verbraucher

bezahlbar und den Erzeuger

auskömmlich sind.“ Welche ordnungsrechtlichen

Schritte sie genau

unternehmen will, teilte die Ministerinzunächst

nicht mit.

Der Grünen-Vorsitzende Robert

Habeck forderte von der Bundesre-

gierung ein Verbot von Ramschpreisen.

Er schlug einen „Tierschutzcent“

auf tierische Produkte vor. „Damit

wird der Umbau von Ställen finanziert,

und Tiere bekommen mehr

Platz.“ Verbraucher würden dies an

der Kasse kaum merken.

Zuvor äußerte sich bereits Niedersachsens

Ministerpräsident Stephan

Weil (SPD) und forderte ein

verpflichtendes Tierwohllabel anstelle

des von Klöckner geplanten

freiwilligen Labels. „Und das Label

muss auch in der Gastronomie und

bei weiterverarbeiteten tierischen

Produkten vorgeschrieben werden“,

sagte Weil den Zeitungen der Funke

Mediengruppe. Er forderte einen

runden Tisch mit Politik, Landwirtschaft

und Umweltschutz, um „verlässliche

Perspektiven für eine nachhaltige

Landwirtschaft“ zu entwickeln.

Neben Bundeskanzlerin Angela

Merkel und Klöckner nehmen an

dem Treffen am Montag auch Kanzleramtschef

Helge Braun, Wirtschaftsminister

Peter Altmaier (alle

CDU) und Vertreter der Lebensmittelindustrie

teil. (AFP)

Drei Viertel aller Grundversorger haben

seit Jahresbeginn ihre Preise erhöht. DPA


8 Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020

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Meinung

Wohnungsmarkt

ZITAT

Starke Worte des

Ministers

Ulrich Paul

hält die angekündigten Eingriffe auf

den Immobilienmarkt für nötig.

Dasage noch einer, der Berliner Mietendeckel

würde keine Wirkung entfalten.

Kurz vordem Inkrafttreten des heftig

umkämpften Landesgesetzes hat sich

jetzt Bundesbauminister Horst Seehofer

(CSU) zum Problem steigender Mieten

geäußert. Seehofer sagte in einem Interview

mit der Welt am Sonntag, dass er

zwar vom Berliner Mietendeckel nichts

halte, nach dem die Mieten für fünf Jahre

in der Bundeshauptstadt weitgehend eingefroren

werden sollen. Doch zugleich

gab der Minister zu Protokoll, dass er sich

weitere Eingriffe in den Wohnungsmarkt

durchaus vorstellen könne.

DieTonalität, die er dabei wählte,lässt

durchaus aufhorchen. „Wenn wir den

Markt rein kapitalistischen oder neoliberalen

Regeln überlassen, nach denen im

Prinzip immer der Stärkere gewinnt, entspricht

das nicht meiner Auffassung von

sozialer Marktwirtschaft.“ DashättenVertreter

von Linken, SPD und Grünen in

Berlin kaum besser sagen können.

Die Frage ist nur, welche Taten Seehofer

seinen starken Worten folgen lässt.

Zwar spricht der Minister davon, dass er

den Wucherparagrafen verschärfen will

und dass er die Umwandlung vonMiet- in

Eigentumswohnungen begrenzen

möchte, was angesichts angespannter

Wohnungsmärkte wie in Berlin und München

nur sinnvoll erscheint. Doch muss er

nun im nächsten Schritt auch beweisen,

dass er bereit ist, seine Vorstellungen in

der Koalition durchzusetzen. TutSeehofer

dies nicht, muss man annehmen, dass

seine starken Worte nur der Beruhigung

der SPD für den Fall dienen, dass die

CDU/CSU-Fraktion den Mietendeckel

wie angekündigt vor das Bundesverfassungsgericht

bringt. Denn das dürfte den

Sozialdemokraten gar nicht gefallen.

Kammergericht

Digitaler

Totalschaden

Jörg Hunke

über Bequemlichkeit und ihre

fatalen Folgen.

Esist leider so, dass Diebstähle vor allem

dort begangen werden, wo Einbrecher

leichtes Spiel haben. Auch wenn

es um Daten geht. Nun erst ist das Ausmaß

der Attacke auf das Berliner Kammergericht

öffentlich geworden. Voneinem

Totalschaden in Millionenhöhe ist

die Rede. Als ob sich Computersysteme

nicht sichernließen.

Facebook ist da kein gutes Beispiel,

aber von einer erfolgreichen Attacke auf

Google ist nichts bekannt. Die Vereinten

Nationen meldeten vergangene Woche,

dass ein Cyber-Angriff abgewehrtwerden

konnte, weil es eine zuverlässige Infrastruktur

für die Datensicherheit und qualifiziertes

Personal gibt. Eine solche Infrastruktur

aufzubauen, kostet viel Geld und

ist oft auch lästig, weil das Eingeben immer

neuer Passwörter lange dauert und

aufhält. Außerdem bemerkt niemand die

Arbeit der IT-Spezialisten, wenn alles

glattläuft. Auch deshalb wirddie Datensicherheit

oft unterschätzt.

Inzwischen gibt es sogar einen eigenen

Welttag, mit dem zum Ändern des Passworts

aufgerufen wird. Es ist noch immer

so, dass die meisten Bundesbürger naiv

und einfallslos sind bei der Wahl. Daran

haben auch so große und weltweite Attacken

wie jene mit der Schadsoftware

Wannacry vor zwei Jahren nichts geändert.Wird

schon nichts passieren. Dashaben

die Entscheider beim Kammergericht

vermutlich auch gedacht. Für Unternehmen

und Behörden gilt übrigens: Die

meisten Attacken werden von früheren

IT-Mitarbeitern gestartet, die sich nach

der Entlassung rächen wollen. Siekönnen

in der Regel leicht in die ihnen bekannten

Systeme eindringen, weil niemand die

Passwörter geänderthat.

In Anbetracht der Erfolgsbilanz

Pandemien gehören zur Globalisierung.

Dievon den Mongolen eingeschleppte

Pest soll im 14. Jahrhundert

ein Drittel der europäischen

Bevölkerung und eine unbekannte Menge

Asiaten umgebracht haben. Die indigenen

Völker Lateinamerikas wurden im 16. Jahrhundert

von den Pocken, die die Europäer

mitbrachten, zu Hunderttausenden dahingerafft.

Die spanische Grippe brachte 1918

bis 1920 mehr Menschen den Todals der

ganzeErste Weltkrieg.

Der Coronavirus wird übertragen von

Menschen, die ihn zwar schon haben, aber

noch keine Krankheitssymptome zeigen. Er

ist derzeit weniger tödlich als der Sars-Virus

von 2002/3. Er ist aber extrem mutationsfreudig.

Nach offiziellen Angaben der chinesischen

Gesundheitsbehörde waren am 31.

Januar 9700 Menschen erkrankt und über

200 gestorben. Am 2. Februar waren es bereits

mehr als 300 Tote. Auch Fälle im Ausland

sind bekannt. Betroffen sind bisher

mindestens 18 Länder. Darunter Südkorea,

Japan, Thailand, Taiwan, Nepal, die USA,

Australien, Singapur, Vietnam, Saudi-Arabien,

Kanada, Frankreich und Deutschland.

Ausden Philippinen wirdder erste außerchinesische

Todesfall gemeldet. Die Weltgesundheitsorganisation

rief am 30. Januar den

„Internationalen Gesundheitsnotstand“ aus.

Dennoch lehnte sie Einschränkungen des

internationalen Reiseverkehrs mit China

ausdrücklich ab.

Pandemien und Panikwarnungen gehören

auch zusammen. Es besteht die Gefahr,

dass Panik einen noch größeren Schaden anrichtet

als die Pandemie. 300 Tote sind in

China eine Zahl, die bei einem Erdbeben

zum Beispiel kaum ernst genommen wird.

Ein Virus aber, das musste die chinesische

Die Kernzeitspaltung fand am vergangenen

Freitag, dem 31. Januar 2020, statt

und sie hatte, das ist die gute Nachricht,

nichts mit dem Brexit zu tun. Schauplatz war

vielmehr der Deutsche Bundestag während

seiner 144. Sitzung und mitten im Tagesordnungspunkt

zur Auswärtigen Kultur- und

Bildungspolitik, kurzAKBP,wie die Abgeordneten

flüssig abzukürzenwussten. Einseltenes

Thema in diesem Gremium, ein wichtiges

Thema „für die Sicherung vonFrieden in

der Welt“, wie Bundesaußenminister Heiko

Maas eingangs betonte.

Die folgende Debatte führte auf eine Abstimmung

über einen Antrag der Regierungsfraktionen

hin, der Bundestag möge

die Regierung dazu auffordern, die AKBP in

ihrem bisherigen Zuschnitt als „zentrale

Säule der deutschen Außenpolitik weiter

stärken“. Heiko Maas also soll mehr Geld bekommen

und die Debatte diente unter anderemdazu,

dass er erfährt, welche Fraktion etwas

dagegen haben könnte.

Da forderte etwa die FDP eine bessereKoordination

und eine Evaluation und außerdem

einen Austausch auch mit dem Iran,

und die AfD verhöhnte den Antrag als „Phrasendreschmaschine“,

der wohl verschleiern

wolle, dass man weder „politisch, moralisch

noch intellektuell in der Lage [sei], Ziele

deutscher Kulturpolitik zu formulieren“. Ein

inhaltlich absurder Einwurf, dessen Sprachkritik

aber nicht ganz ungerechtfertigt ist. Indes,Heiko

Maas hörte das nicht, denn als der

AfD-Abgeordnete das Wort ergriff, hatte der

Coronavirus

Pandemie

und Panik

Arno Widmann

ist der Meinung,dass die derzeitigeSeuche eine viel geringere

Gefahr für die Menschheit ist als etwa der CO 2 -Ausstoß.

Regierung beim Sars-Virus erkennen, ist eine

ganz andere Sache. Erkann sich sprunghaft

weiterentwickeln und mit ungeahnter Geschwindigkeit

um sich greifen. Das macht

ihn unheimlich.

Für Viren gilt weltweit Bewegungs- und

Aufenthaltsfreiheit. GegenVirenhelfen keine

Mauern und kein Brexit. Jeder Virus muss

einzeln erkannt und bekämpft werden. Dass

das funktioniert, haben die letzten Jahrzehnte

gezeigt. Es funktioniert freilich nur

multilateral. Die weltweite, möglichst

schnelle Erfassung aller Daten, die Bereitschaft

zum umfassenden Informationsaustausch,

zur Akzeptanz fremder Hilfe –das ist

die Grundlage eines erfolgreichen Kampfes

gegen Pandemien.

KOLUMNE

Als der Minister

wieder beschafft

werden musste

PetraKohse

guckt gerne

Bundestags-TV.

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

So gesehen wird auch klar, warum die

Welt sich so schwertut im Kampf gegen Terrorismen

jeder Art. Solange der Feind meines

Feindes mein Freund ist, wird esimmer

eine Art von Terrorismus geben, den mein

Feind unterstützt oder den ich unterstütze.

DerMultilateralismus beim Kampf gegen

Pandemien kann auch deshalb so erfolgreich

sein, weil er wenig kostet. Die zig Millionen

Euro für Impfstoffe und Impfungen sind

Peanuts.Außerdem kann die Pharma-Industrie

nicht nur bestens daran verdienen. Sie

bessertauch ihr Image gewaltig auf. Seuchen

stellen nicht unsere Wirtschaftsweise infrage.ImGegenteil.

Sieführen vor, wie gut sie

– befreit von nationalen Bornierungen –

funktionieren kann.

Ganz anders sieht es bei den wirklich großen

Gefährdungen der Menschheit aus. Der

Weltbiodiversitätsrat meldet: In den nächsten

Jahrzehnten sind eine Million Arten vom

Aussterben bedroht. Aufgrund unserer Aktivitäten.

Die Spezies, die sich Homo sapiens

nennt, droht alle anderen –und damit auch

ihre eigene Lebensgrundlage –auszurotten.

Davon lassen wir nicht ab.Wir müssten, um

dem Artensterben ein Ende zu bereiten, anders

leben und wirtschaften.

Das Gleiche gilt für die Verringerung des

CO 2 -Ausstoßes. Ein technisches Problem,

aber unsere ganze Existenz hängt so am

Petro-Konsum, dass wir vorziehen, die Welt

und uns zu vernichten, als ihn abzustellen.

Wir werden uns also ein neues, ein wirklich

multilaterales,ein womöglich menschheitliches

„Wir“ bauen müssen, wenn wir nicht

von den massiven Interessen, die vom derzeitigen

Status quo profitieren und uns überall

auf der Welt in immer engere Horizonte

einsperren, mit in den Abgrund gezogen

werden möchten.

Minister die Sitzung bereits verlassen. Einen

weiteren Redner später beantragte Britta Haßelmann

von den Grünen eine Unterbrechung

derVeranstaltung. Derzuständige Minister

sei in Minute 40 enteilt, und auch

sonst sei kein einziges Mitglied der Bundesregierung

anwesend. Wieder einmal. Zur

„Kernzeit“. Und das gerade heute, obwohl

am Vortag Bundestagspräsident Schäuble in

dieser Sache,dem Mangel an Bundestagssitzungsdisziplin

der Regierungsmitglieder, im

Kanzleramt vorgesprochen habe.

DerBundestagspräsident gab dem Antrag

statt, und ab Minute 54 stand man im Plenarsaal

bequem. LockereGesprächsfetzen wehten

ins Bundestags-TV-Mikrofon, Anton

Hofreiter ging mit schwingendem Haar nach

hinten ab, Claudia Roth versammelte einige

Frauen um sich –mitten in der Kernzeit der

bundesdeutschen Legislativarbeit war ein

Spalt entstanden, aus dem heraus eine Freizeit

erwuchs,inder die Gesetzgeber mit den

Beinen baumeln konnten. EinMoment vollständiger

Disfunktionalität. Das war schön.

Daswar Kunst. Aber natürlich nicht korrekt.

Um 10.08 Uhr allerdings, inMinute 68,

hatte man den Minister wieder beschafft. Er

entschuldigte sich artig und etwas verschwitzt,

im Auswärtigen Amt finde zur

Stunde eine „Kleinwaffenkonferenz“ statt,

zehn Außenminister des westlichen Balkans

und europäischer Länder nähmen teil ...

Zehn Außenminister! Ganz offensichtlich

ist die Kerntagungszeit des Bundestages im

ministeriellen Kalender nicht blockiert. 1,9

Kilometer ist das Auswärtige Amt vom Bundestag

entfernt, die einfache Fahrzeit beträgt

mit dem Auto neun Minuten, was bedeutete,

dass Maas keine zehn Minuten für die Kleinwaffen

aus dem westlichen Balkan gehabt

haben dürfte. Das ist nicht viel. Aber das

kommt davon, wenn man die Kleinwaffe des

eigenen Betriebs unterschätzt: die Geschäftsordnung.

Genaues und sinnentnehmendes

Lesen ist immer wichtig, auch hier.

„Da gehst du als Regisseur

aus der Tonmischung, und

alles ist verständlich. Und

dann siehst du deinen Film

im Fernsehen und verstehst

deine eigenen Dialoge

nicht.“

Christian Petzold, Regisseur, imSpiegel über die

schlechten Lautsprecher der modernen Fernseher

AUSLESE

Wie weiter nach

dem Brexit?

Die Briten sind draußen aus der EU,

wie geht es nun weiter? Die Sunday

Times aus London wagt einen Ausblick:

„Die Aussicht auf einige verdrießliche

Monate mit Verhandlungen, die laut Warnungen

erfahrener EU-Beobachter in der

zweiten Jahreshälfte tränenreich zu Ende

gehen könnten, ist für den Premierminister

(Boris Johnson) alles andereals ideal“,

heißt es dort. „Die jüngsten Vorhersagen

der Bank of England, veröffentlicht in der

vergangenen Woche, waren auffallend

pessimistisch und machten deutlich, dass

sie nicht mehr mit einem Produktivitätsaufschwung

rechnet, was der Schlüssel zu

wachsendem Wohlstand wäre. Das verlorene

Jahrzehnt [...] scheint sich fortzusetzen.“

Auch für die spanische Zeitung La

Vanguardia steht in Sachen Brexit fest:

„Weder das Vereinigte Königreich noch

die Europäische Union werden irgendwelche

Vorteile davon haben.“ Die Trennung

werde vor allem Kosten verursachen.

„Das Schlimme ist, dass die Fehler

nicht am nächsten Tagbezahlt werden,

sondernesist oft die nächste Generation,

die zur Kassegebeten wird.“

Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung

ist der Überzeugung, dass Großbritannien

die größeren Nachteile hat. „Die

schottische Regierung wird mehr denn je

ein zweites Unabhängigkeitsreferendum

verlangen. Irgendwann wird Johnson

nachgeben müssen –von wegen Volkswille.

Der Preis des Brexits könnte sehr

hoch werden.“ Christine Dankbar

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020 – S eite 9

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Berlin

Des Kaisers Bart:

Eine kleine

Betrachtung zur

Gesichtbehaarung

Seite 10

„Ich bin keine Nummer“: Obdachlose erzählen, was sie von der Zählunghalten Seite 13

„Nachfrage nach Wohnungen wird anhalten“: Investor schreckt der Mietendeckel nicht Seite 11

Stadtbild

WasGünther

mag

BarbaraWeitzel

lernt zwei sehr verschiedene

Menschen kennen.

Esist ein TagAnfang Januar, an

dem ich unfreiwillig tiefe Einblicke

in das Leben eines Fremden erhalte.

Das kam so: Im vergangenen

Jahr habe ich eine gebrauchte Kamera

gekauft. Der Mann, der sie inserierthatte,ich

nenne ihn hier Günther,versicherte

mir,erhabe alle Bilder

auf der Speicherkarte gelöscht.

Waservergessen hatte: Auch den Kameraspeicher

aufzuräumen. Am besagten

TagimJanuar finde ich die

Bilder.Ich finde jedoch nicht heraus,

wie man sie ungesehen löscht. Seitdem

weiß ich, dass Günther Marathon

läuft und seinen Geburtstag im

Kreis der Familie gefeiert hat. Zumindest

sieht es so aus,die Fotos zeigen

etliche ältere Herrschaften an

der mit langstieligen Blumen geschmückten

Tafel. DieFrauen tragen

das weiße Haar in Löckchen gelegt,

man isst Torte und trinkt aus zierlichen

Tassen. Günther freut sich

sichtlich über eine neue Sporthose.

Außerdem mag Günther violette

Blumen, etliche Nahaufnahmen zeugen

davon, und Sonnenuntergänge.

Vor dem Marathon trinkt Günther

Milchkaffee mit einem hellen Gestreusel

darauf, wahrscheinlich Karamel.

Dazu isst er einen Muffin.

An einem anderen TagimJanuar

erfahre ich, erneut ohne es zu wollen,

von den Vorlieben –und vor allem

Abneigungen –einer mir völlig

unbekannten Person. Schräg gegenüber

vom Haus meines Klarinettenlehrers

wohnt eine Frau, die viel

trinkt und rote Schuhe hasst. Das

weiß ich jetzt, weil die ansonsten ruhige

Straße an diesem Morgen plötzlich

von wüstem Geschrei erfüllt ist.

„Ey, was für hässliche Schuhe, wie

kann man nur solche Schuhe tragen,

Alte, checkst du nicht, wie hässlich

deine Schuhe sind?!?!“ So tönt es von

oben. Weit und breit ist niemand zu

sehen, folglich gilt die Tirade mir.

Ich befehle mir, nicht nach oben

zu schauen, und tue es natürlich

doch. Aus einem geöffneten Fenster

hängt eine Frau mit Kippe und Flasche

in der Hand. Gegen meinen

Willen gehe ich schneller und fühle

mich ausgeliefert. Klingele beim

Lehrer und starre auf meine roten

Stiefel. Nunmach doch auf, bitte ich

stumm, während die offenkundig

völlig besoffenen Frau im Ohrimmer

dieselben Sätze wiederholt, mit so

viel Wut, ja Hass in der Stimme,dass

ich ganz niedergeschlagen bin, noch

Stunden später. Seltsam. Eine

Fremde, betrunken, und doch

schaffte sie es,mir so nahezutreten.

Wann immer ich die roten Stiefel

trage oder diese Straße entlanggehe,

denke ich seitdem an die Betrunkene.

Ich kann nichts dagegen tun.

Und wann immer ich am Haus von

Günther vorbeifahre –esliegt an einer

Buslinie, die ich häufig nutze –

oder die Kamera anschalte, denke

ich an eine heitere Geburtstagsfeier,

onduliertes Haar und blühende Balkonpflanzen.

DieFotos habe ich einzeln

gelöscht, die Bilder im Kopf bleiben.

Wie die Worte der Frau, der ich

keinen Namen gebe. Denn an Günther

und seine Familie denke ich lieber.

Und die roten Stiefel trage ich

absichtlich häufig und mit stolzem

Trotz. Begegnungen kann man sich

nicht aussuchen in der großen Stadt.

Wohl aber das Schuhwerk.

Den02.02.2020 hätten sich vermutlich Einige gerne als Hochzeitsdatum in die Eheringe gravieren lassen. Aber Heiraten warandem Tagnicht möglich, zumindest nicht in Berlin.

Bezirke geben das Nein-Wort

Der Februar steckt voller besonderer Hochzeitstermine, doch einige Standesämter bleiben trotzdem zu

VonFlorian Thalmann

Viele Berliner würden sich

im Februar sicher gerndas

Ja-Wort geben, denn der

Monat steckt voller markanter

Hochzeitsdaten, beginnend

mit dem gestrigen Sonntag, dem

02.02.2020; dazu kommen der

20.02.2020, der 22.02.2020 und der

Schalttag. Doch statt des Ja-Wortes

gibt es von einigen Bezirksämtern

das Nein-Wort: Nur wenige Bezirke

bieten alle besonderen Daten als

Hochzeitstermine an.

Sonntags nie

Der 22. Februar fällt auf einen Sonnabend,

genau wie der 29. Februar –

deshalb bleiben die Türen der Standesämter

in vielen Fällen zu. „Das

Standesamt Mitte bietetTrauungstermine

nur mittwochs und freitags an“,

heißt es etwa auf Nachfrage der Berliner

Zeitung an das Bezirksamt. „Die

angeführten Termine liegen jedoch

an anderenWochentagen.“ Schlechte

Neuigkeiten auch aus Steglitz-Zehlendorf:

Hier gibt es Trauungen nur

am ersten Sonnabend des Monats.

„Der 22. und 29. Februar sind nicht

der erste Samstag des Monats und

werden im Standesamt Steglitz-Zehlendorfnicht

angeboten“, hieß es auf

Nachfrage.Das Wochenende ist auch

in Pankow heilig: Weil der 22. ein

Sonnabend ist, „finden hier keine

Eheschließungen im Rathaus statt“.

Ausgerechnet am speziellsten Tag

blieben die Türen der Standesämter

zu, nämlich am gestrigen 02.02.2020.

Das Datum besteht nur aus Nullen

und Zweien und ist zudem ein Palindrom

–eskann also von vorn und

von hinten gelesen werden. Zuletzt

gab’s das am 21.02.2012, einem

Dienstag. Ehepaareinspe hatten damals

mehr Glück mit den Behörden

als jetzt. „Der 02.02. fällt als gesetzlicher

geschützter Sonntag von vornherein

nicht in die Planung“, heißt es

aus Steglitz. Und aus Charlottenburg:

„Samstags und sonntags werden

keine Eheschließungen durchgeführt.“

Doch es gibt auch Hoffnung: Einige

Bezirksämter bieten sogar zusätzliche

Termine an. Etwa in Reinickendorf:

„Am 22.02.20 finden 14

Eheschließungen statt“, schreibt ein

Sprecher.„Normalerweise bieten wir

Samstagstrauungen nur im Sommer

an, sodass auch diese Termine zusätzlich

eingerichtet wurden.“

18 Eheschließungen soll es an dem

TaginTempelhof-Schöneberggeben

–und auch im RathausHelle Mittein

Marzahn Hellersdorf, das derzeit

wegen Renovierungsarbeiten geschlossen

ist, kann an dem Taggeheiratet

werden. „Üblicherweise ist

mit zehn Terminen pro Tag und Ort

zu rechnen“, sagt ein Sprecher. Und

die seien ausgebucht.

Sonderöffnungen am 20.02.2020

Deramstärksten nachgefragte Tagist

der 20. Februar 2020 –ein Donnerstag.

17 Paare heiraten inReinickendorf,

obwohl an Donnerstagen dort

sonst keine Eheschließungen angeboten

werden.„DieseTermine haben

wir zusätzlich eingerichtet, um möglichst

vielen Bürgern eine Hochzeit

zumWunschtermin anbieten zu können“,

heißt es. Zehn Eheschließungen

soll es in Pankow geben, nur ein

Termin ist noch frei. In Lichtenberg

werden gleich zwei Hochzeitsorte angeboten,

das Dienstgebäude in der

Egon-Erwin-Kisch-Straße und das

Rathaus; 13 Eheschließungen stehen

an. „Hier wurde bewusst geplant,

dass es eine erhöhte Nachfrage geben

könnte“, teilt ein Sprecher mit.

In Charlottenburg seien 20 Heiratstermine

angeboten und vergeben

worden, sieben für das Rathaus

Schmargendorf, die anderen für die

Konkurrenz für Giffey und Saleh

Villa Kogge. Glücklich werden auch

Paare inTempelhof-Schöneberg: Am

20. Februar wurde hier das Angebot

erweitert, es gibt vier Eheschließungen

im Goldenen Saal und satte 23 im

Trauzimmer.Und:Hierwirdaucham

22. Februar geheiratet, 18mal sogar,

trotz Sonnabend.

Eine Expertin kritisiertdas Vorgehen

der Standesämter und den dort

herrschenden Personalmangel: „Ich

erlebe immer wieder, dass Paare gezwungen

sind, eine freie Trauung zu

organisieren. Sie gehen dann in der

Woche inganz kleiner Runde zum

Standesamt und holen sich für die

Feier am Wochenende einen freien

Redner“, sagt Sarah Linow, die seit

zehn Jahren als Hochzeitsplanerin

tätig ist, der Berliner Zeitung.

„Schade ist es zum Beispiel in Mitte –

hier gibt es schöne Hochzeitsorte,

aber keine Termine an Samstagen.

Das ist sehr schade.“ Sie sieht darin

auch Schaden für die Stadt: Etliche

Touristen kämen in die Hauptstadt,

um zu heiraten. „Und die Leute geben

viel Geld dafür aus. Und Berlin

ist von überall gut zu erreichen, hip

und cool und günstiger als andere

Metropolen“, sagt Sarah Linow.

„Durch die fehlenden Termine geht

der Stadt viel Geld verloren.“

Zwei SPD-Mitglieder fordern Mitgliederbefragung vor der geplanten Neubesetzung der Parteispitze

Für den Vorsitz der Berliner SPD

haben sich neben Bundesfamilienministerin

Franziska Giffey und

SPD-Fraktionschef Raed Saleh weitere

Interessenten gemeldet. Die

stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft

der Selbstständigen

in der SPD,Angelika Syring, und

Ulrich Brietzke hätten eine gemeinschaftliche

Kandidaturerklärung

und einen Antrag auf ein Mitgliederbegehren

eingereicht, teilte eine

Sprecherin der Berliner SPD am

Samstag mit. „Wir prüfen nun das

Verfahren.“ Das

Mitgliederbegehren

ziele auf

eine Mitgliederbefragung

im

Vorfeld der Wahl

ab.

Zuvor hatte Angelika

der Tagesspiegel-Newsletter

Syring

„Checkpoint““ darüber berichtet.

Dem Bericht zufolge geht es Syring

und Brietzke ums Prinzip -Ambitionen

auf öffentliche Ämter hätten sie

SYRING/TWITTER

Ulrich

Brietzke

BRIETZKE/XING

nicht, hieß es.

Giffey hatte

am Mittwoch

mit dem bisherigen

Amtsinhaber

und Regierenden

Bürgermeister,

Michael

Müller bekanntgegeben,

Vorsitzende

der Berliner SPD werden zu

wollen -ineiner Doppelspitze mit

Saleh. Müller hatte zuvor mitgeteilt,

bei der am 16. Mai anstehenden

Wahl nicht mehr für den Posten des

Landesvorsitzenden anzutreten.

In ihrem am Freitagnachmittag

veröffentlichten Kandidatenbrief

schreiben Franziska Giffey und Rahed

Saleh: „Berlin ist die Stadt der

Freiheit. Berlin hat Anziehungskraft.

Berlin ist spannend. Berlin bietet

Chancen.“ Das sei alles andere als

ein Grund zur Klage,„aber auch ein

Auftrag für uns,dafür zu sorgen, dass

die guten Eigenschaften Berlins

auch wirklich allen in Berlin zu Gute

kommen“. (dpa)

WESTEND61

NACHRICHTEN

Veranstalter sagt

die Biermeile ab

Dasals „Biermeile“ bekannte Internationale

Berliner Bierfestival wird

es nicht mehr geben. Wieder Veranstalter

am Sonntag bekannt gab,hätten

sich die finanziellen Aufwendungen

etwa für Sicherheits-, Sanitäts-,

und Absperrmaßnahmen sowie für

Sanierungsmaßnahmen der Grünflächen

vonJahr zu Jahr erhöht. Nun

sei man „finanziell an die Grenzen

gelangt“. Dasseit 1996 alljährlich am

ersten Augustwochenende in der

Karl-Marx-Allee veranstaltete Festivallockte

stets Tausende Besucher,

sorgte aber auch immer öfter für Kritik

vonAnwohnern. Im vergangenen

Jahr boten etwa 300 Brauereien

mehr als 2000 Biersorten an. (BLZ)

Mehrere Kinder bei Brand

in Rummelsburg verletzt

In einem zweistöckigenWohngebäude

in Rummelsburgist am Sonntagmittag

ein Feuer ausgebrochen.

Beidem Brand in dem Gebäude in

der Einbecker Straße wurden zwölf

Bewohner verletzt, darunter fünf Kinder.120

Feuerwehrleute waren vor

Ort, sagte ein Sprecher.Bis in den

Nachmittag war die Lage noch nicht

unter Kontrolle.Die Retter suchten

im Dachstuhl nach Glutnestern. Die

Brandursache ist unklar. (ls., dpa)

Genug Freiwillige für den

BER-Test akquiriert

Nach wenigen Tagen der Suche sind

fast alle 20 000 Plätzefür freiwillige

Tester des künftigen Hauptstadtflughafens

BER vergeben. Darüber hinaus

seien mehrereHundertInteressenten

auf Wartelisten vermerkt,

sagte ein Flughafensprecher.„Das

Interesse ist erfreulich groß, den BER

vorallen anderen kennenzulernen.“

DieKomparsen sollen vonEnde Juni

bis Mitte Oktober die Passagier-Abläufe

erproben. (dpa)

Polizei meldet mehr Delikte

mit Schreckschusswaffen

Immer häufiger registriertdie Polizei

illegal mitgeführte Schreckschusspistolen

und das verbotene Abfeuerndieser

Waffen. Vergangenes Jahr

erfasste die Polizei 335 Verstöße gegen

das Waffengesetz mit Schreckschusswaffen.

In den Jahren davor

lagen die Zahlen deutlich darunter.

DieAnzahl anderer Straftaten wie

Bedrohung, Raub oder Diebstahl,

bei denen der Täter eine Schreckschusspistole

einsetzte,blieben mit

etwa 100 über die Jahrekonstant.

Überproportional sind es junge

Männer,die eine Schreckschusspistole

dabeihaben. Vonden 1655 Verdächtigen

(Jahre2015 bis 2019) bei

den Verstößen gegen das Waffengesetz

waren knapp 800 männlich und

unter 25 Jahren alt. (dpa)

Delikte mit Schreckschusspistolen

Anzahl der Verstöße in Berlin

335

141

173

209

265

2015 2016 2017 2018 2019

BLZ/HECHER; QUELLE: DP


10 Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020

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Stadtgeschichte

Kaiser Wilhelm I. (1797–1888): der Patriarchenbart. WIKIPEDIA (2)

Friedrich III. (1831–1888), der 99-Tage-Kaiser:Variante gepflegter Vollbart. Kaiser Wilhelm II. (1859–1941): Bartmode „Kaiser-Wilhelm-Aufsteiger“. HERITAGE IMAGES

Des Kaisers Bart

In den wilhelminischen Jahrzehnten avancierte die Gestaltung des majestätischen Gesichtshaares zum patriotischen Bekenntnis

VonMaritta Tkalec

Die zauseligen Revoluzzerbärte

der 1848er-Revolution

waren mit

Marx, Engels und Genossen

ins Exil gegangen, als die

Gründung des Deutschen Reiches

1871 den Siegeszug der Kaiserbärte

einleitete.Der wohlkomponierte Gesichtsbewuchs

Wilhelms I. –wollig

gelockt die würdevoll-grauen Backenbarthälften,

dazwischen glattes

Kinn, als Krönung über der Lippe der

energisch hochgezwirbelte altersweiße

und -weise Schnäuzer –fand

begeisterte Nachahmer über alle

Standesunterschiede hinweg: Die

Untertanen verstanden den gravitätischen

Patriarchenlook als Symbol

der Kaisertreue und der Konformität

und ergriffen massenhaft die Möglichkeit

zur klassenübergreifenden

Identifikation mithilfe eigener Körpergestaltung.

Mit dieser Barttracht

durfte sich der Schustergeselle wie

ein Kaiser fühlen.

Jeder Bart ist anders

Nicht jedem gestattete die Natur,

sich dem kaiserlichen Vorbild vollkommen

anzugleichen, denn: Jeder

Bart ist anders. Wuchsfläche, Struktur

oder Farbe des Restbestandes

ehemaliger Vollbehaarung fallen

höchst individuell aus.Wenn die Einzigartigkeit

jeder Bartanlage damals

eher störte,soöffnet sie dem Bartträger

der Gegenwart geradezu unendliche

Gestaltungsmöglichkeiten.

Mit opulenter Vollbartvariante

trat 1888 Kaiser Friedrich III. nach

dem Tode seinesVaters als Herrscher

auf. In seinen 27 Wartejahren als

Kronprinz hatte er sich militärisch

sowie in Finanz- und Handelsfragen

gebildet, sich gerne in architektonische

und stadtgestalterische Fragen

Berlins eingemischt, gegen den elterlichen

Willen aus Zuneigung die

britische Prinzessin Victoria zur Gemahlin

erwählt und –bei aller Loyalität

–gegen Vaters Politik opponiert.

Liberale Hoffnungen begleiteten die

Thronbesteigung. Doch nach nur 99

Tagen starb Friedrich III. an Kehlkopfkrebs.

Als Modevorbild setzte

sich der Vollbartnicht durch.

Ganz anders wirkte der nächste

Monarch im sogenannten Drei-Kaiser-Jahr

1888: MitWilhelm II., bei der

Krönung 29 Jahre alt, nahm der

Reichsadler Platz auf der edelsten

Oberlippe der Nation. Modern,

selbstbewusst, mit unmissverständlichem

Machtanspruch reckten sich

dessen Bartflügel dynamisch in die

Höhe. Das begeisterte Millionen

Männer.Mit diesem Schnauzer fand

die Tradition der Kaiser-Wilhelm-

Bärte ihren Höhepunkt.

Von dem US-amerikanischen

Historiker Robert K.Massie ist eine

Beschreibung Wilhelms II. zum Zeitpunkt

des Regierungsantritts überliefert:

„Wer den neuen deutschen

Kaiser betrachtete, sah einen knapp

mittelgroßen Mann mit rastlosen,

strahlend blauen Augen und lockigem

hellbraunem Haar. Sein auffallendstes

Merkmal war ein buschiger

Schnurrbartmit aufgebogenen Spitzen,

die Kreation eines geschickten

Barbiers,der jeden Morgen mit einer

Dose Wachs im Schloss erschien.“

Tatsächlich kam allmorgendlich

um sieben Uhr François Haby ins

Berliner Schloss, ein Haarkünstler

Aus der Forschung: Eine ausführliche Darstellung

liefertdie Dissertation vonChristina

Wietig „Der Bart. Zur Kulturgeschichte des

Bartes vonder Antikebis zur Gegenwart“, Institut

für Gewerblich-Technische Wissenschaften

-Fachrichtung Kosmetik und Körperpflege.

Vollständig im Netz: https://dnb.info/976764059/34

Aus dem Stadtmuseum: Elisabeth Bartel,

„Donnerwetter tadellos! Kaiser,Hoffriseur

und Männerbärte“, Taschenbuch, herausgegeben

2013 vomStadtmuseum in der Reihe

Museum in der Tasche

aus hugenottischer Familie, der seit

1880 in der dorotheenstädtischen

Mittelstraße, keinen Kilometer von

Kaisers Wohnung entfernt, erfolgreich

einen Frisiersalon betrieb.

Haby stylte Majestät zu großer Zufriedenheit,

begleitete den Kaiser auf

Staatsbesuchen. 1890 erhielt er Rang

des Hoffriseurs.

Habys Ruhm und Vermögen

mehrten auch die von ihm kreierten

und vertriebenen Kosmetika, allen

voran die Bartpomade mit dem

grandiosen Namen „Donnerwetter –

tadellos!“. Die Dose, die er allmorgendlich

für Majestät dabeihatte,

enthielt dieses Zeitgeistprodukt.

Seine Rasierseife hieß aufmunternd

„Wach auf“, das Damenshampoo

„Ich kann so nett sein“.

ZUR KULTURGESCHICHTE

Barttasse aus Porzellan, um 1900, Aufschrift:

„Ich gratuliere“ . STIFTUNG STADTMUSEUM

Die Bartbinde namens „Es ist erreicht“

ergänzte das Pflegeset. Und

nicht nur Majestät legte die Binde

über Nacht an, um die hochgezwirbelten

Spitzen, genannt Kaiser-Wilhelm-Aufsteiger,

inPosition zu halten,

sondern buchstäblich jedermann.

Bartwichse und Binde, die

Schönheits- und Statusprodukte für

den Mann, gehörten in der Zeit des

Wachstums Berlins zur Weltmetropole

zu den Massenprodukten. Friseur

Haby ließ 1901 seinen Salon luxuriös

umgestalten –spektakulär mit

grünen Marmorwaschbecken, dunkelrotem

Mahagonifurnier und einem

violetten Wandfries. Einen Teil

des Ensembles hütet heute das Märkische

Museum als Prachtstück seiner

Ausstellung.

Unvollständig wäre die Liste der

Kultgegenstände rund um das

Thema „Kaisers Bart für alle“ ohne

einen banalen Alltagsgegenstand:

die Barttasse. Ein über der Öffnung

platzierter Steg minimierte den Kontakt

vonSchnauzer und Tasseninhalt

beim Trinken. In der Kaiserzeit verfügte

wohl jeder Bartträgerhaushalt

über mindestens ein Exemplar. Wer

heute bei Online-Händlern nachschaut,

stellt fest: Die Barttasse ist

wieder da. Originale aus Kaisers Zeit

erzielen schöne Preise, Neuproduktionen

helfen modernen Bartträgern

beim hygienisch und ästhetisch vorteilhaften

Cappucinoschlürfen.

Einen Kaiserbart zu tragen verpflichtete

auch zu verbaler Disziplin:

Entschlüpfte einem majestätsähnlich

gezierten Mund ein illoyales

Wort, hieß es schnell: „Majestätsbeleidigung“!

Heinrich Manns „Untertan“

Diederich Heßling sagt es unmissverständlich:

„Der Schnurrbart

wird von Seiner Majestät getragen!

Es ist die deutsche Barttracht.“

In der Menschheitsgeschichte ist

es natürlich nichts Neues, den Naturzustand

des männlichen Gesichtshaares

abzuwandeln, ihm eine

zeitgemäße Ästhetik zu verleihen

oder mit Symbolkraft aufzuladen –

durch schneiden, formen, drehen,

locken, ölen, parfümieren. Alte Kulturen

haben Bärte mit Goldstaub

und Goldfäden veredelt oder mit Ersatzhaar

ergänzt, um es üppiger und

gesünder aussehen lassen. Heute

bieten Bartextensions unbegrenzte

Möglichkeiten in Form und Farbe.

Hierzulande geht es nicht mehr

um den Glauben an die im ewig

wachsenden Bart hausende göttliche

Macht oder die Überzeugung,

mit sprießendem Bart wüchsen dem

Jungmann Führerqualitäten zu. Die

Kulturhistorikerin Christina Wietig

beschreibt den neuen Bart „als kulturkreisabhängigen

virilen Individualausdruck

für die Kommunikation“,

um „Lebensentwürfe, Haltungen,

Temperamente,selbstgewählte oder

gesellschaftlich erwartete Rollenbilder“

vorzuzeigen.

Rebell oder Konformist?

Die Signale helfen demnach bei der

sofortigen Einordnung des Gegenübers:

Rebell oder Konformist? Auch

das Gegenteil ist möglich: Tarnung.

Bartträger verlangen Blickkontakt,

fordernvisuelle Auseinandersetzung

ein und gebieten zugleich Distanz.

Im Gegensatz dazu steht die Beschwichtigungsbotschaft

rasierter

Bärte: Der kindlichere Ausdruck des

vollständig einsehbaren Gesichts,

vor allem dessen Mimik, erscheint

weniger bedrohlich.

Der Kaiser-Bart fusselte übrigens

schon vordem Ende der Monarchie:

Wer die Gasmaske überstreifen

musste, bevorzugte um des Überlebens

willen glatte Haut. Übrig blieb

mit dem Bürstchen des Gefreiten

Hitler der nächste deutsche Kultbart.

Übergehen wir dieses (kurz)haarige

Kapitel mit der Ermahnung, die

der Poet Emanuel Geibel hinterließ.

In einem seiner Gedichte streiten drei

junge Männer im Wirtshaus darüber,

ob der Bart Kaiser Friedrich Barbarossas

braun, schwarz oder weiß gewesen

sei und hauen schließlich mit Säbeln

aufeinander ein. Deshalb der

Appell: „Zankt, wenn ihr sitzt beim

Weine,nicht um des Kaisers Bart!“

DAS IST

DAS WAR

DAS KOMMT

Labor 89

Groß-Berlin-Gesetz

Hugenotten in Berlin

Die gängige Erinnerungskultur über die Wendezeit und

die deutsch-deutsche Vereinigung ist von einer einseitigen

Erzählung geprägt, die ein Bild des nationalen Erfolgs

zeichnet. Soziale Umbrüche, aber auch Erfahrungen

und Beiträge von Menschen und Communities, die

nicht in dieses Bild passen, kommen kaum vor. Dieneue

Ausstellung im FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum

betrachtet diese Geschichte aus der Sicht von Akteuren,

die vor und nach dem Mauerfall für Gleichstellung,

Partizipation und Selbstbestimmung kämpften.

Labor 89.Neue Perspektiven auf die Wendezeit, Ausstellungbis 22. März,

FHXBMuseum,Adalbertstraße 95 A, Di–Do 12–18 Uhr,Fr–So 10–20Uhr

Nach jahrzehntelanger Diskussion trat 1920 das Groß-

Berlin-Gesetz in Kraft. Das hundertjährige Bestehen der

Stadt- und Einheitsgemeinde wird indiesem Jahr mit

zahlreichen Veranstaltungen, Ausstellungen und auch

Diskussionen über die heutige Situation gefeiert. Das

„Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde

Berlin“, so der vollständige Name, wurde am 27. April

1920 vomPreußischen Landtag mit schwacher Mehrheit

von 165 zu 148 Stimmen (Ja-Stimmen von SPD, USPD

und Teilen der linksliberalen DDP) beschlossen und trat

am 1. Oktober in Kraft. In die bisherige Stadtgemeinde

Berlin wurden die sechs kreisfreien Städte Lichtenberg,

Schöneberg, Wilmersdorf, Charlottenburg, Neukölln

und Spandau sowie aus den Kreisen Niederbarnim, Osthavelland

und Teltow die Stadtgemeinde Köpenick, 59

Landgemeinden und 27 Gutsbezirke eingemeindet. Damit

wurde der Grundstein für das Berlin des 20. Jahrhunderts

gelegt; die Stadt erhielt ihre Form, die im Großen

und Ganzen bis heute Bestand hat. Die Einzelteile verschmolzen

nicht zu einer großen Masse mit einem einzigen

Zentrum, sondernweisen bis heute Besonderheiten

auf. Zu den gut 1,9 Millionen EinwohnernAlt-Berlins gesellten

sich 1929 noch einmal genauso viele Neu-Berliner

aus den eingemeindeten Gebieten. Mit 3,8 Millionen

Einwohnern stieg Berlin schlagartig zur drittgrößten

Stadt der Welt nach NewYorkund London auf. (mtk.)

Im 17. Jahrhundertnahm der Große Kurfürst rund 15 000

Hugenotten in Brandenburgauf, die aus Frankreich fliehen

mussten. Viele vonihnen siedelten sich in Berlin an.

Sieprägten die Stadt nachhaltig inWirtschaft, Kultur und

Wissenschaft. Die jüngste Ausgabe der Zeitschrift Berliner

Geschichte widmete sich dem Thema. Die Autoren

des Heftes berichten von der Ansiedlung der Hugenotten,

der Entstehung der französischen Gemeinde in Berlin,

von der religiösen Toleranz der Zeit und der konkreten

Geschichte einer Hugenottenfamilie.

HugenotteninBerlin,Vorträgevon Susanne Lachenicht, Jürgen Wetzel, Mathias

Asche, RobertViolet, 11. Februar,20Uhr,Urania, An der Urania 17


Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020 11

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Berlin

Maximal 20 Prozent Überschreitung sind erlaubt

Die geplanten Regelungen des Mietendeckels –und wiesie von den Berlinern genutzt werden können

VonUlrich Paul

Das Abgeordnetenhaus

hat am vergangenen

Donnerstag den Gesetzentwurf

für den Mietendeckel

beschlossen, mit dem die

Mieten für fünf Jahre weitgehend

eingefroren werden sollen. Hier ein

Überblick über das weitere Verfahrensowie

die Kernpunkte des Gesetzes

–und ausgewählte Empfehlungen,

wie sich Mieter verhalten sollen.

Wann tritt der Mietendeckel in Kraft?

Voraussichtlich bis Ende Februar.

Zunächst muss der Senat entscheiden,

ob der Beschluss des Abgeordnetenhauses

von ihm unterstützt

wirdoder ob es eine weitereBehandlung

des Gesetzes im Parlament geben

muss. Wenn der Senat auf eine

weitere Behandlung im Parlament

verzichtet, kann der Gesetzestext redaktionell

fertiggestellt werden. Anschließend

geht das Gesetz zur Unterzeichnung

an den Präsidenten

des Abgeordnetenhauses. Spätestens

14 Tage nach der Unterzeichnung

muss das Gesetz im Gesetzund

Verordnungsblatt veröffentlicht

werden. Am Tagnach dieser Veröffentlichung

ist das Gesetz wirksam.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

rechnet damit, dass dies

Ende Februar der Fall sein wird.

Für welche Wohnungen gilt der Mietendeckel?

DerMietendeckel gilt für rund 1,5

Millionen Mietwohnungen, das sind

etwa 90 Prozent aller Mietwohnungen

in Berlin. Ausgenommen sind

unter anderem Sozialwohnungen,

Wohnheime sowie Neubauwohnungen,

die ab 2014 bezugsfertig geworden

sind. Der Mietendeckel gilt zudem

nicht für Wohnungen, die vorher

dauerhaft unbewohnbar waren

und erst mit einem dem Neubau entsprechendem

Aufwand wiederhergestellt

wurden. Ausgenommen sind

ferner Wohnungen, die mit öffentlichen

Mitteln modernisiert und instandgesetzt

wurden und einer

Mietpreisbindung unterliegen.

Wie werden die Mieten eingefroren?

Der Mietendeckel verbietet Vermietern

für die Dauer von fünf Jahren,

für bestehende Mietverhältnisse

eine Miete zu fordern, die über die

am 18. Juni 2019 wirksam vereinbarte

Miete hinausgeht. Die Mieten

werden also auf dem Stand vom 18.

Juni 2019 eingefroren. Dabei soll der

Preisstopp auch für Staffel- und Indexmieten

gelten. Wenn die Wohnung

zwischen dem Stichtag 18. Juni

2019 und dem Inkrafttreten des Mietendeckels

vermietet wurde,wirddie

in dieser Zeit vereinbarte Miete eingefroren.

Erstmals ab 2022 soll es

möglich sein, die gedeckelten Mieten

anzuheben. Und zwar um den

Prozentsatz der seit 18. Juni 2019 eingetretenen

Inflation, höchstens jedoch

um 1,3 Prozent jährlich. Dass

die Mieten für fünf Jahreeingefroren

werden, gilt also nur eingeschränkt.

Möglich sind solche Mieterhöhungen

aber nur, wenn die festgelegten

Mietobergrenzen je nach Baualter

und Ausstattung noch nicht erreicht

oder überschritten sind.

Was ist unter dem Begriff Miete zu

verstehen?

Beieiner Miete im Sinne des Mietendeckels

ist die Nettokaltmiete gemeint.

Also die Miete ohne Betriebskosten

sowie Kosten für Heizung

und Warmwasser. Enthalten in der

Miete sind zugleich alle Zuschläge,

wie zum Beispiel für Mobiliar. Jegliche

Aufschläge, etwa für Vorhänge

oder ein Bett, sind damit untersagt.

Wie hoch liegen die Obergrenzen?

Die Mietobergrenzen liegen je

nach Bezugsfertigkeit der Wohnung

und deren Ausstattung zwischen

3,92 Euro und 9,80 Euro je Quadratmeter.

InGebäuden mit nicht mehr

als zwei Wohnungen, also in Einund

Zweifamilienhäusern, erhöht

sich die Mietobergrenze um zehn

Prozent. Für Wohnraum mit moderner

Ausstattung erhöht sich die

Mietobergrenzeumeinen Euro.Eine

moderne Ausstattung liegt vor, wenn

drei der folgenden fünf Merkmale

vorhanden sind: 1. Ein schwellenlos

erreichbarer Aufzug. 2. Eine Einbauküche.

3.Eine hochwertige Sanitärausstattung.

4. Einhochwertiger Bodenbelag

in der überwiegenden Zahl

der Wohnräume. 5. Ein niedriger

Energieverbrauchskennwert. Bei

den Mietobergrenzen handelt es

sich um gesetzlich bestimmte Miethöchstpreise.

Sie basieren auf dem

Berliner Mietspiegel 2013. Die Mietobergrenzen

können zwei Jahre

nach Inkrafttreten des Mietendeckels

angehoben werden.

Sind Modernisierungen möglich?

Ja. Modernisierungen sind ohne

besonderes Genehmigungsverfahrenzulässig,

wenn sie beispielsweise

dem Klimaschutz oder dem Abbau

von Barrieren in der Wohnung dienen

und die Miete zugleich um nicht

mehr als einen Euro proQuadratmeter

steigt. Hierbei darf allerdings

auch die Mietobergrenze umnicht

mehr als einen Euro überschritten

werden. Solche Modernisierungen

müssen bei der Investitionsbank

Berlin (IBB) angezeigt werden.

Wasgilt bei der Wiedervermietung einer

Wohnung?

Frisch sanierte Plattenbauten am Wriezener Karree in Friedrichshain

IMAGO STOCK&PEOPLE

Mietobergrenzen

monatliche Nettokaltmiete in Euro pro Quadratmeter je nach Ausstattung der Wohnung

mit Sammelheizung und mit Bad

mit Sammelheizung oder mit Bad

ohne Sammelheizung und ohne Bad

Wohnung bezugsfertig ...

bis 1918 6,45

von 1919 bis 1949

von 1950 bis 1964

von 1965 bis 1972

von 1973 bis 1990

von 1991 bis 2002

von 2003 bis 2013

3,92

4,59

5,00

5,22

5,62

6,27

6,08

5,95

6,04

8,13

9,80

BLZ/HECHER; QUELLE: SENSTADT

Wenn Wohnraum nach dem Inkrafttreten

des Gesetzes wiedervermietet

wird, ist es per Gesetz verboten,

eine höhereals die eingefrorene

Miete zu nehmen. Liegt die eingefrorene

Miete oberhalb der jeweiligen

Mietobergrenze, darfdieVermietung

nur zur Mietobergrenzeerfolgen. Bei

der Mietobergrenze ist gegebenenfalls

der Zuschlag für eine moderne

Ausstattung und nach einer Modernisierung

zu berücksichtigen. Bei

Wohnungen, deren Vormiete unter

5,02 Euro je Quadratmeter liegt, darf

die Miete bei der Wiedervermietung

um maximal einen Euro auf bis zu

5,02 Euro je Quadratmeter erhöht

werden – Voraussetzung ist, dass

zwei der fünf Merkmale für eine moderne

Ausstattung vorhanden sind.

Also zum Beispiel ein schwellenlos

erreichbarer Aufzug oder eine Einbauküche.

Wann ist eine Miete überhöht?

Eine Miete ist überhöht, wenn sie

unter Berücksichtigung der Wohnlage

mehr als 20 Prozent über der

Mietobergrenze liegt. Ein Beispiel:

Beträgt die Mietobergrenze 5,95

Euro je Quadratmeter, darf der Vermieter

maximal 7,14 Euro je Quadratmeter

verlangen –das sind 20

Prozent mehr. Alles, was darüber

liegt, gilt als überhöht. Je nach Lage

sind jedoch Zuschläge oder Abschläge

möglich. Für Wohnungen in

einfacher Wohnlage ist ein Abschlag

von 28 Cent pro Quadratmeter zu

berücksichtigen, für Wohnungen in

mittlerer Wohnlage werden 9Cent je

Quadratmeter abgezogen, für Wohnungen

in guter Wohnlage werden

hingegen 74 Cent je Quadratmeter

draufgeschlagen. Die Wohnlagen-

Einordnung soll „demnächst“ veröffentlicht

werden –laut Stadtentwicklungsverwaltung

werden zur Bestimmung

voraussichtlich die

Wohnlagen des Berliner Mietspiegels

herangezogen.

Wie ist eine überhöhte Miete zu senken?

Bislang war vorgesehen, dass die

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

auf Antrag der Mieter die Miete

absenkt. Nach der Überarbeitung

des Gesetzentwurfs ist jetzt kein Antrag

der Mieter mehr nötig. Nun ist

im Gesetzestext festgelegt worden,

dass eine überhöhte Miete verboten

ist. Dieses Verbot gilt allerdings erst

neun Monate nach der Verkündung

des Gesetzes.Zwarist für die Absenkung

der Miete kein Bescheid der Senatsverwaltung

für Stadtentwicklung

nötig, doch könne ein solcher

„hilfreich“ sein, empfiehlt der Berliner

Mieterverein. Da die zuständige

Senatsverwaltung alle Maßnahmen

ergreifen könne, die zur Durchsetzung

des Absenkungsanspruchs erforderlich

sind, sollte sie bei einer

Ablehnung der Absenkung durch

den Vermieter einbezogen werden,

rät der Mieterverein. DieVerwaltung

könne dann einen Verwaltungsakt

erlassen oder eine Auskunft über die

zulässige Miete erteilen. Beides

könne bei einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung

mit demVermieter

hilfreich sein.

Gibt es eine Härtefallregelung für Vermieter?

Ja. Umzuverhindern, dass Vermieter

durch die Regelungen dauerhafte

finanzielle Verluste erleiden

oder ihr Eigentum in der Substanz

gefährdet wird, sieht das Gesetz eine

Härtefallregelung vor. Danach ist im

Einzelfall eine höhere Miete erlaubt.

Einkommensschwache Mieter sollen

im Gegenzug einen finanziellen

Ausgleich erhalten, den sie jedoch

beantragenmüssen.

Welche Strafen drohen Vermietern?

Verstöße gelten als Ordnungswidrigkeiten.

Hierbei drohen Geldbußen

biszu500 000 Euro.

Worauf stützt sich der Senat beim

Mietendeckel?

Der Senat beruft sich auf die Föderalismusreform

von 2006, nach

der die Kompetenz für das Wohnungswesen

auf die Länder übergegangen

ist. Die Landesregierung

sieht darin die Möglichkeit, ein öffentlich-rechtlich

ausgestaltetes

Mietpreisrecht zu schaffen.

Wie ist es um die Rechtssicherheit

des Gesetzes bestellt?

Mit dem Mietendeckel beschreitet

der rot-rot-grüne Senat juristisches

Neuland. Es gibt bisher kein

Bundesland, das die Mieten per Landesgesetz

öffentlich-rechtlich begrenzt.

Ob dies zulässig ist, ist umstritten.

Klagen sind angekündigt. So

wollen die Fraktionen vonCDU und

FDP im Abgeordnetenhaus vor das

Landesverfassungsgericht ziehen.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete

Jan-Marco Luczak strebt eine Entscheidung

vor dem Bundesverfassungsgericht

an. Dafür nötig sind die

Unterschriften von 178 Bundestagsabgeordneten.

Luczak erklärte,ersei

sicher, dass dieses Quorum schnell

erreicht wird. Es besteht also die Gefahr,

dass Teile des Mietendeckels

oder sogar das komplette Gesetzeswerks

als verfassungswidrig eingestuft

werden.

Ulrich Paul

hält den Mietendeckel für

ein nötiges Experiment.

Investieren, wenn die Preise fallen

Trotz Mietendeckels: Warum die Mähren AG, eine Immobilien-Investment-Gesellschaft, weiter an gute Geschäfte in der Bundeshauptstadt glaubt

VonUlrich Paul

Die Verbände der Immobilienwirtschaft

warnen seit Monaten

davor, dass der Mietendeckel zum

Investitionshindernis werde, doch

manche privaten Unternehmen zeigen

sich unbeeindruckt von der beschlossenen

Regulierung.

DieMähren AG,ein nach eigenen

Angaben langfristig orientierter Bestandshalter

mit Fokus auf Wohnimmobilien,

erklärte jetzt jedenfalls,

trotz Mietendeckels weiter in Berlin

investieren zu wollen. „Die Immobilienpreise

in Berlin haben aufgrund

der Diskussionen um den Mietendeckel

nachgegeben, dadurch nehmen

für uns die Investitionsmöglichkeiten

wieder zu“, erklärte Unternehmenschef

Jakob Mähren. „Wir beobachten

den Markt weiterhin intensiv,

nutzen unsere profunden

Marktkenntnisse und werden verstärkt

investieren“, so Mähren.

„Der Mietendeckel hat zur Folge,

dass sich vor allem kurzfristig orientierte

Investorengruppen zurückhalten“,

sagt Mähren. Für langfristig

agierende Investoren wie die Mähren

AGsei Berlin aber „nach wie vor

der attraktivste Wohnimmobilienmarkt

Deutschlands“, so der Unternehmer.Die

Metropole werdesich in

den kommenden Jahren weiterhin

positiv entwickeln und sei in der IT-

Branche und der Start-up-Szene

weiterhin starkgefragt –national wie

international. „Dementsprechend

wird die Nachfrage nach Wohnungen

auch in den kommenden Jahren

anhalten“, schätzt Mähren.

DieMähren AG,die 2002 gegründet

wurde, investiert vor allem in

Berliner Wohnimmobilien. Das Unternehmen

kauft klassische Mietshäuser

und Wohnanlagen sowie seit

2017 auch Gewerbeobjekte.Das Unternehmen

erklärte, dass es einen

Fokus „auf Developments von

„Der Mietendeckel hat zur Folge,

dass sich vor allem kurzfristig orientierte

Investorengruppen zurückhalten.

Für langfristig agierende Investoren wie uns

ist Berlin nach wie vor der attraktivste

Wohnimmobilienmarkt Deutschlands.“

Jakob Mähren, Chef der Berliner Immobilien-Investment-Gesellschaft Mähren AG

MÄHREN/ RICHATD B.

Wohnimmobilien setzen“ wolle.Dafür

würden künftig verstärkt in Berlin

und im nahen Umland Entwicklungsobjekte,

Gewerbeliegenschaften

und Baugrundstücke erworben.

„Wir sind hervorragend aufgestellt,

um Objekte gezielt nachzuverdichten

oder komplett zu entwickeln“, so

Jakob Mähren.

Durch den Mietendeckel werden

zwar die Mieten in bestehenden

Mietverhältnissen für fünf Jahre

weitgehend eingefroren. Ausgenommen

sind jedoch Neubauten, die seit

2014 fertiggestellt wurden. Auch im

Altbau sind manche Geschäftsmodelle

weiter möglich. So erwarten

Marktbeobachter, dass die Umwandlung

von Miet- in Eigentumswohnungen

weiter zunehmen wird.

Die Umwandlung unterliegt zurzeit

zwar gewissen Beschränkungen, ist

aber nicht grundsätzlich verboten.

Sollten die Kaufpreise vonMietshäusern

aufgrund des Mietendeckels

sinken, dürfte dies sogar dazu führen,

dass das Umwandlungsgeschäft

attraktiver wird –weil sich die Gewinnspanne

bei den Weiterverkäufen

erhöht.

Vorder Mähren AG hatte bereits

die Groth Gruppe erklärt, den Baueines

neuen Stadtquartiers in Lichterfelde

Süd ungeachtet des Mietendeckels

zu realisieren. „Der Mietendeckel

berührt uns hier überhaupt

nicht“, hatte Unternehmenschef

Klaus Groth bei der Präsentation der

Pläne im November betont. Die

Groth Gruppe will zwischen Osdorfer

Straße und Anhalter Bahn unter

dem Namen Neulichterfelde ein

Stadtviertel mit 420 Reihenhäusern,

rund 1540 Miet- und Eigentumswohnungen

sowie 540 Sozialwohnungen

errichten. Anfang 2021 sollen

die Bauarbeiten beginnen und

bis 2025/26 abgeschlossen werden.

Das Investitionsvolumen beläuft

sich auf rund 900 Millionen Euro.


12 Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020

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Berlin

In bis zu acht

Semestern zur

Hebamme

Charité schafft neuen

Studiengang

Wer in Berlin Hebamme werden

will, muss dafür künftig studieren.

Wegen einer bundesweiten Reformstehen

nun auch in der Hauptstadt

Veränderungen an: Die letzten

Ausbildungsjahrgänge von Charité

und Vivantes starten nach Angaben

der Institutionen dieses Jahr.Gleichzeitig

bereitet die Charité einen Hebammenstudiengang

vor. Angestrebt

werde, dass 60 Studierende

zum Wintersemester 2021/22 anfangen

können, wie die Universitätsmedizin

auf Anfrage mitteilte.

Die praktischen Ausbildungsteile

des dualen Studiengangs würden

Charité und Vivantes gemeinsam

übernehmen, heißt es. Insgesamt

plant der Senat eigenen Angaben zufolge

mit 120 Studienanfängern ab

2021.

Bislang machten die meisten angehenden

Hebammen in Berlin eine

klassische Ausbildung, für die ein

Mittlerer Schulabschluss ausreicht.

Zuletzt entschieden sich allerdings

auch immer mehr dafür, an der

Evangelischen Hochschule Berlin

(EHB) ein Studium zu absolvieren.

Bereits seit 2013 gibt es dort den Bachelor

of Science of Midwifery. In

den vergangenen Jahren stieg die

Zahl der Studienanfänger dort von

20 auf derzeit 49, wie es von Senat

und EHB heißt. Die Hochschule kooperiert

imdualen Studiengang mit

dem St.Joseph-Krankenhaus in Berlin-Tempelhof.

Die Studiengänge der EHB und

der Charité sollen künftig auffangen,

was an Ausbildungsplätzen wegfällt,

wie aus Plänen der Senatskanzlei

Abschied am Brandenburger Tor

Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union wurde am

vergangenen Freitag vollzogen, und Berlin verabschiedete sich auf sehr

emotionale Art. Kristin Snippe und Hans Strömsdörfer, beide nach eigenem

Bekunden große Englandfans,gehörten zu den Brexit-Gegnern,

die sich am Brandenburger Torversammelten. Viele kamen mit Kerzen

Immer mehr Ermittlungen werden eingestellt

CHRISTOPH SOEDER/DPA

und Union Jack, um gegen Mitternacht gemeinsam die EU-Hymne

„Ode an die Freude“ zu singen. Andrew Sims, Direktor der Embassy

Singers,hatte die Aktion am Brandenburger Tororganisiert. DerFunkturmamMessegelände

wurde am Abend in den Farben der britischen

Flagge angestrahlt. In Berlin leben etwa 18 000 britische Staatsbürger.

Opposition beklagt Überlastung von Polizei und Gerichten. Justizverwaltung verweist auf 158 neue Stellen

POLIZEIREPORT

Polizisten beworfen.

In Kreuzbergist in der Nacht zum

Sonntag ein Streifenwagen mit

Steinen beworfen worden. Dabei

wurde der Beifahrer verletzt. Kurz

nach 2Uhr befand sich die Funkwagenbesatzung

auf dem Bethaniendamm

in Richtung Köpenicker

Straße auf Streifenfahrt, als ein

Mann einen Kleinpflasterstein gegen

die Windschutzscheibe des

Fahrzeugs warf. Kurz darauf trafen

vondreiweiteren Männerngeworfene

Steine den Einsatzwagen. Die

Beamten alarmierten Kollegen. Als

sie eintrafen, waren die Steinewerfer

bereits geflüchtet. DerBeifahrer

wurde durch Glassplitter an

einer Hand verletzt. DerFahrer

kam mit dem Schrecken davon.

Fußgängerin schwer verletzt.

Eine Fußgängerin ist am Sonnabend

bei einem Unfall in Köpenick schwer

verletzt worden. Eine 63-Jährige war

gegen 17.45 Uhrmit ihrem Toyota in

der Kaulsdorfer Straße unterwegs.

Kurz hinter dem Wongrowitzer Steig

überquerte eine 39-Jährige die

Straße auf einem Zebra-Streifen. Dabei

wurde sie vondem Auto erfasst.

DieFußgängerin erlitt Verletzungen

am Kopf und kam in eine Klinik.

Verkäuferin überfallen.

Einmaskierter Mann hat am Sonnabend

gegen 19 Uhrinder Hermannstraße

in Neukölln eine Verkäuferin

überfallen. Siehatte im

Hinterhof des Ladens geraucht,

sagte sie der Polizei. Einmaskierter

Mann sei auf sie zugekommen, habe

ihr ein Messer vorgehalten, sie in einen

Raum gestoßen und habe Geld

gefordert. Die54-Jährige übergab

dem Räuber anschließend das Geld

aus der Kasse.Der Täter flüchtete

durch eine Notausgangstür in unbekannte

Richtung. DieMitarbeiterin

wurde leicht an der Hand verletzt.

Gewichtszunahme ist in dem Alter noch

keine Problem, im Gegenteil.

DPA

hervorgeht. UntermStrich sollen dabei

mehr Hebammen ausgebildet

werden als bisher.

Ein von Bundesgesundheitsminister

Jens Spahn (CDU) initiiertes

Gesetz sieht vor, dass werdende

Hebammen in Zukunft ein sechs bis

acht Semester langes duales Studium

mit hohem Praxisanteil absolvieren

müssen. Deutschland ist nach

Angaben der Bundesregierung das

letzte Land der EU, das eine entsprechende

EU-Richtlinie umsetzt.

Melita Grieshop, Professorin für

Hebammenwissenschaften und Leiterin

des Studiengangs Hebammenkunde

an der EHB,erklärt, dass Mütter

und Kinder profitierten, wenn sie

von einer studierten Hebamme betreut

werden. Der Hebammenmangel

jedoch werde nicht durch ein

Hochschulstudium beseitigt, sagt

Grieshop.Der habe andereUrsachen

– wie etwa die Bezahlung. Diese

werde der hohen Verantwortung, die

Hebammen tragen, nicht gerecht.

Hebammen werden in Berlin

dringend gebraucht. Nach aktuellen

Angaben des Senats arbeiteten 2017

rund 1500 Hebammen in der

Hauptstadt. DieZahl war in den Jahrenzuvor

zwar kontinuierlich gestiegen.

Gleichzeitig wurden aber auch

mehr Kinder geboren: 2016 übertraf

die Geburtenzahl in einem vorübergehenden

Höhepunkt laut Statistikamt

die 40 000-Marke. Es häuften

sich Berichte über Schwangere, die

nur schwierig eine Hebamme fanden

oder bei einsetzenden Wehen

auf volle Kreißsäle stießen. (dpa)

VonAndreas Kopietz

Berlins Justiz muss immer

mehr Strafverfahren einstellen.

Obwohl die Zahl

der Strafverfahren, die die

Staatsanwaltschaft führt, vonJahr zu

Jahr steigt, werden immer weniger

Verdächtige angeklagt. Das geht aus

einer noch unveröffentlichten Antwort

der Senatsverwaltung für Justiz

auf eine parlamentarische Anfrage

des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe

hervor.

Seit 2015 stieg die Zahl der Verfahren

gegen Tatverdächtige, die der

Staatsanwaltschaft bekannt sind,

von 157 675 auf 174 345 im vergangenen

Jahr. Auch die Verfahren „gegen

Unbekannt“ nahmen in diesem

Zeitraum von 63681 auf 95 879 zu.

Gleichzeitig verringerte sich jedoch

nach Angaben der Justizverwaltung

die Zahl der Anklagen von26322 auf

25 074 im vergangenen Jahr.

Für diese Entwicklung gibt es aus

Sicht verschiedener Ermittler keine

einheitliche Erklärung. Überlastung

der Staatsanwälte wäre eine davon.

Zahlreiche Verfahren, darunter Ermittlungen

wegen Körperverletzung

bei einer Prügelei, werden nach Paragraf

153 der Strafprozessordnung wegen„geringer

Schuld“ eingestellt –ein

auslegungsfähiger Begriff. „Die Frage

ist, ob dieVoraussetzungen der geringen

Schuld vorliegen oder es ein Befreiungsschlag

des jeweiligen Staatsanwaltes

ist, um sich auf schwerere

Verfahren zu konzentrieren“, so ein

Experte aus der Justizbehörde.

Eine weitere Erklärung für den

Anstieg der Verfahren könnten auch

Gesetzesänderungen sein, die Verfahren

nach sich ziehen, bei denen

viel ermittelt wird, aber wenig herauskommt.

So zieht die Änderung

des Sexualstrafrechts viele neue Verfahren

nach sich. Doch oft können

die Vorwürfe gegen Beschuldigte

nicht bewiesen werden.

„Die Zahlen zeigen einmal mehr

die gestiegene Belastung der Amtsund

Staatsanwaltschaft, aber auch

der Polizei und Gerichte, die in immer

weniger Zeit –teils nur wenigen

Minuten –einen kompletten Fall bearbeiten

und vertreten müssen“,

„Die Zahlen zeigen einmal mehr die gestiegene

Belastung der Amts- und Staatsanwaltschaft,

aber auch der Polizei und Gerichte.“

Marcel Luthe, Mitglied der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus

Schiene statt Straße

sagt Marcel Luthe. „Hier muss endlich

entschlossen und nicht nur

tröpfchenweise umgesteuert und

massiv in Staatsanwaltschaft, Polizei

und die Gerichte investiertwerden.“

Daswill Sebastian Brux, Sprecher

von Justizsenator Dirk Behrendt

(Grüne), so nicht stehen lassen. Mit

dem Doppelhaushalt 2020/21 würden

158 zusätzliche Stellen in den

Gerichten und Strafverfolgungsbehörden

geschaffen, so Brux. DieBerliner

Justiz sei besser als ihr Ruf.

„Deshalb haben wir keine Probleme,

Richter- und Staatsanwaltschaftsstellen

zu besetzen. Die Zahl der geeigneten

Bewerbungen übersteigt

immer die Zahl der zu besetzenden

Stellen.“

Im Dezember teilte die Justizverwaltung

auf eine Anfrage Luthes mit,

für welche Deliktgruppen Verfahren

eingestellt wurden: Rund 1860 betrafen

Straftaten gegen die sexuelle

Selbstbestimmung und Straftaten gegen

das Leben. Es waren außerdem

etwa 8300 Verfahren wegen Rohheitsdelikten

und Straftaten gegen

die persönliche Freiheit. Bei rund

17 400 Einstellungen ging es um Vermögens-

und Fälschungsdelikte, Urkundenfälschung,

Geld- und Wertzeichenfälschung.

Fast 10 000Verfahrenseinstellungen

betrafen „Sonstige

Delikte des Strafgesetzbuches“.

Doch eine genauere Aufstellung,

in wie vielen Fällen wegen welcher

Delikte Einstellungsbescheide verschickt

wurden –etwa bei den somit

ungeahndeten Sexualdelikten –oder

den „sonstigen Delikten“ gibt es

nicht. „Hierzu liegen keine statistischen

Informationen vor“, begründet

die Justizverwaltung.

Flixbus verliert Fahrgäste in Deutschland, das Geschäft mit Zügen der Schwestermarke Flixtrain wächst dagegen

Das Unternehmen Flixmobility,

das von Berlin aus etliche

Fernbuslinien betreibt sowie eigene

Bahnverbindungen nach

Leipzig, Köln und Aachen anbietet,

will nach Fahrgastverlusten im

Fernbusgeschäft mit Flixbus stärker

auf ihre Bahnmarke Flixtrain

setzen. „Unser Geschäft in

Deutschland wird sich definitiv in

Richtung Schiene verschieben“,

sagte Flixmobility-Geschäftsführer

André Schwämmlein der Deutschen

Presse-Agentur. „Wir gehen

davon aus, dass wir uns mit dem

Busgeschäft gegen die massive

Subventionierung der Deutschen

Bahn sehr schwertun werden.“

Laut Schwämmlein hatten Flixbus

und Flixtrain 2019 zusammen

zwar 22 Millionen Fahrgäste in

Deutschland befördert, das waren

rund 700 000 mehr als im Vorjahr.Es

wachse aber nur das Geschäft bei

Flixtrain. BeiFlixbus gebe es weniger

Fahrgäste als im Vorjahr.

In diesem Jahr werde das Geschäft

mit den grünen Bussen und

Zügen vermutlich ähnlich laufen wie

2019. „Wir werden im Bus weniger

Fahrgäste haben, im Zug mehr und

eventuell insgesamt ein kleines

Wachstum hinbekommen“, kündigte

Schwämmlein an.

Neben staatlichen Kapitalspritzen

für die bundeseigene Deutsche

Bahn kritisiertder Flixmobility-Chef,

dass zwar die Mehrwertsteuer für

Zugfahrten ab 50 Kilometern von 19

auf 7Prozent gesenkt wurde, nicht

aber für Busfahrten. Mansei darüber

enttäuscht und schockiert. Flixbus

hat rechtlichen Widerstand angekündigt

sowie ab 2021 Streckenstreichungen.

Vonder Steuersenkung profitiert

jedoch auch Flixtrain. Flixmobility

war vor zwei Jahren in das Zuggeschäft

eingestiegen. 2018 waren

750 000 Fahrkarten verkauft worden,

2019 waren es mindestens doppelt

so viele. (dpa)

Die Feuerwehr löschte die Flammen mit

einem Feuerlöscher.

PUDWELL

Glühende Grillkohle versteckt.

Vermutlich aus Angst vorder Feuerwehr

hat in der Nacht zum Sonntag

ein Mieter in der Baumschulenstraße

glühende Grillkohle unter seinem

Bett versteckt. Mieter des mehrgeschossigen

Wohnhauses hatten

die Feuerwehr alarmiert, weil es

nach Rauch roch. Als die Feuerwehr

in die Wohnung des Mannes kam,

entdeckte sie die glühende Kohle.Sie

wurde mit einem Feuerlöscher gelöscht.

DerMann sagte,dass er den

Grill in der Wohnung angezündet

habe.Den Grund sagte er nicht. Polizisten

brachten ihn in eine Klinik.

Landfriedensbruch.

In der Nacht zum Sonntag kam es zu

einem Landfriedensbruch in Kreuzberg.

Eine Polizeistreife hatte etwa 50

Personen bemerkt, die vomMehringdamm

aus in die Bergmannstraße

liefen. Dortstießen etwa 20

weiterePersonen hinzu. Gemeinsam

setzte die Gruppe dann ihren Wegin

Richtung Marheinekeplatz fort. Dabei

waren die Personen vermummt,

führten Transparente mit sich, zündeten

Pyrotechnik und skandierten

Sprechchöre. DiePolizisten folgten

der Gruppe und forderten Unterstützung

an. Anschließend konnten

die Polizeibeamten beobachten, wie

sich mehrmals kleinereGruppen

lösten und Fassaden verschiedener

Häuser mit Farbe besprühten. Darüber

hinaus wurden Mülltonnen auf

die Fahrbahn gerollt. MehrereRandalierer

wurden festgenommen. (ls.)


Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020 13 *

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Berlin

Ein Obdachlosenlager unter einer Berliner Brücke.

IMAGO STOCK&PEOPLE

Resigniert, genervt, verängstigt

Einige Obdachlosehaben sich vor der Zählaktion in der vergangenen Woche versteckt. Warum lehnen sie die Aktion ab? Wirhaben unsimÜbernacht-Café umgehört

VonAnnika Leister

Es war eine der größten koordinierten

Freiwilligenaktionen

Berlins: 2600 Ehrenamtliche

zogen Mittwochnacht

für drei Stunden durch

das gesamte Stadtgebiet und zählten

Obdachlose.Mit der „Nacht der Solidarität“

wollte die Senatssozialverwaltung

endlich erfahren, wie viele

Menschen in Berlin eigentlich auf

der Straße leben und welche Angebote

sie benötigen. Doch: Die Kritik

an der Methode ist groß.

Die Aktion wirke bedrohlich auf

Obdachlose, entmenschliche sie,

warnte etwa die „Selbstvertretung

wohnungsloser Menschen“ vorab.

DieZahlen seien nicht repräsentativ,

weil sich viele der Zählung entzögen

–oder ohnehin in Kellern und Wäldern

schlafen, wo sie nicht erfasst

würden. Tatsächlich entzogen sich in

manchen Gegenden ganzeGruppen

vonObdachlosen der Zählung, nach

Einschätzung vonExperten bewusst.

„Zahlen mit Vorsicht genießen“

Als „guten und richtigen Schritt“ bezeichnet

Markus Galle, Sprecher der

Arbeiterwohlfahrt Berlin (Awo), die

„Nacht der Solidarität“. „Wir warnen

allerdings davor, zuhohe Erwartungen

an die Ergebnisse zu stellen“,

sagte er der Berliner Zeitung. Die

Zahlen bildeten ausschließlich die in

den drei Stunden der Zählung angetroffenen

obdachlosen Menschen

ab. Einige Teams hätten niemanden

angetroffen, weswegen die Vermutung

naheliege, dass eine „gewisse

Zahl“ obdachloser Menschen bewusst

nicht habe teilnehmen wollen.

„Vor diesem Hintergrund sind die

Zahlen mit Vorsicht zu genießen.“

DieZählung bleibe eine„unvollständige

Momentaufnahme“, die erst

durch weitere Zählungen Aussagekraft

gewinne.

Wie aber denken Obdachlose

selbst über die Zählung? Und wo

schlafen sie zurzeit am liebsten? Eigentlich

nämlich sind durchaus

noch ein paar Schlafplätzefreiinden

Notübernachtungen der Berliner

Kältehilfe.Zuletzt meldete die Kältehilfe

232 freie Plätze bei 1170 Not-

Schlafplätzen stadtweit.

Am besten stellt man diese Fragen

im Übernacht-Café in der Gitschiner

Straße 15 in Kreuzberg, das

nachts von22bis 6Uhr vondemVerein

Karuna betrieben und betreut

wird. Seit in diesem Jahr beschlossen

wurde, die Kältebahnhöfe nicht

mehr zu öffnen, ist das Übernacht-

Café Ersatz für sie.Damit ist es keine

Notübernachtung wie alle anderen

in Berlin, sondern hält sein Angebot

sehr viel niedrigschwelliger. Während

die Gäste in anderen Unterkünften

am Eingang einen Alkoholtest

absolvieren, ihre Rucksäcke

durchsuchen lassen und ihreHunde

vor der Tür lassen müssen, gelten

hier andere Regeln: Man darf alkoholisiert

und high erscheinen, auch

Hunde dürfen rein.

Ab 22 Uhr gehen die Türen auf,

dann stellen Thorsten Buhl und drei

Mitarbeiter dampfende Suppenteller

und zwei Scheiben Brot vorjeden

Gast. Um Mitternacht startet die Kinovorführung,

mit einem Beamer

wird dann ein Film an die Wand neben

der Theke geworfen. Heute ist es

der bekannteste Monty-Python-

Film:„Das Leben des Brian“.„Always

look on the bright side of life“, pfeifen

die Gekreuzigten im Abspann gut

gelaunt. Einer von Buhls Gästen

summt leise mit.

Viele aber nutzen einfach die

Wärme und die Ruhe,legen die Füße

hoch, den Kopf an die Wand, schließen

die Augen, wenigstens für ein

paar Minuten.

Abgeschlossen mit dem Staat

In dieser Sonnabendnacht sind es

nur 20 bis 30 Gäste, die oft nur ein

oder zwei Stunden bleiben und dann

weiterziehen. Aber das kann extrem

schwanken, erzählt Buhl: Vor einer

Woche seien 70 Gäste dagewesen. Eigentlich

viel zu viele für die kleinen

Räume. Doch Buhl freut sich vor allem,

dass das Pilotprojekt angenommen

wird: „Wir wussten ja gar nicht,

ob das klappt.“

Doch, auch das sagt Buhl: Hier

landen die, die noch ein wenig Vertrauen

in Institutionen haben. „Andere

haben komplett abgeschlossen

mit dem Staat, die erreichen auch

wir nicht mehr.“ Er schätzt, dass sich

am Mittwoch circa zehn Prozent der

Zählung entzogen hätten.

Wirhaben uns unter Buhls Gästen

umgehört: Wie haben sie die drei

Stunden erlebt, in denen sie so sehr in

der Öffentlichkeit standen wie sonst

nie? Warumnahmen sie an der Erhebung

teil –oder nicht? Namen wurden

vonder Redaktion verändert.

Zweifel an der Statistik

Marc hat eine klare Meinung zu

der Zählung vom Mittwoch:

„Scheiße“ nennt er sie. Essei ihm

vorgekommen, als zähle man die

Obdachlosen, um zu wissen, wie

viele Polizeieinheiten man brauche,

„um uns endgültig loszuwerden“.

„Das hat mich total an Auschwitz erinnert,

daran, wie die Nazis die Juden

behandelt haben.“

Marc ist 30 Jahrealt, seine Hände

und Arme sind voll mit Punk-Tattoos,

„Asozial“ steht dort oder der

Chiffre für „All Cops are Bastards“,

sauber und sorgfältig selbstgestochen.

Marc geht derzeit an einem

Stock, er hat einen Hexenschuss und

humpelt. Auch seine Armbewegungen

sind eingeschränkt. Krankenversichertist

er nicht, zum Arzt kann er

erst am Montag, wenn in einer der

Obdachlosen-Einrichtungen, die er

besucht, ein Arzt vorbeikommt.

Die Zahlen, die am Mittwoch erhoben

wurden, hält er aus mehreren

Gründen nicht für repräsentativ:

„Viele von meinen Kollegen haben

sich versteckt“, sagt er. Sie wollten

nicht in einer Statistik auftauchen,

wollten„frei sein“.Viele andereseien

hingegen mehrfach gezählt worden:

Er sei mit Freunden in den drei Stunden

der Zählung erst an der Warschauer

Straße, dann am Alex und

schließlich im Übernacht-Café in

Kreuzberggewesen. Sechs Malseien

sie auf ihremWegangesprochen und

gezählt worden. Marc lacht: „Die

zählen einfach alle doppelt.“

Die Interviewer erfassen die Obdachlosen,

die nicht mit ihnen reden

Marc, 30

wollen, mit. Werreden will, mit dem

füllen die Freiwilligen einen längeren

Fragebogen aus. Auf der Straße

hat Marc das verweigert, die Menschen

seien unhöflich gewesen, hätten

ihn erst einmal gefragt, ob er obdachlos

sei. „Das fand ich frech. Das

sieht man doch!“ Aber im Übernacht-Café,

wo er die Sozialarbeiter

kennt, hat er den Fragebogen dann

doch ausgefüllt: „Ich konnte nicht

anders,das sind so gute Seelen hier.“

Marc hat keine Tasche bei sich.

„Das hat mich

total an Auschwitz

erinnert.“

Marc

„Brauche ich nicht, verliereich nur“,

sagt er.Was er tagsüber braucht, trägt

er in seiner Jacke mit sich – oder

schnorrtesschnell zusammen.

Er lebt schon so lange auf der

Straße, dass er das Schlafen in Räumen

nicht mehr erträgt, sagt er.„Ich

fange an zu schwitzen, kriege Herzrasen,

richtig Panik.“ Mit Freunden

hat er sich zurzeit ein Lager in Marzahn

aufgebaut, unter einer Brücke.

Sie haben Sperrholz zusammengesammelt,

haben Matratzen, Schlafsäcke,

eine Feuerstelle. Die Polizei

duldet sie dort –noch. „Ein kleines

Paradies“, sagt Marc.

Keine Lust zum Reden

Emil hat an der Zählung nicht teilgenommen.

Er sei in den drei

Stunden einfach rumgelaufen, habe

„Leute geschnorrt“. DieFreiwilligenteams

in blauen Westen habe er gesehen,

sei aber nicht angesprochen

worden. Doch selbst wenn man ihn

gefragt hätte, der 34-Jährige hätte

den Fragebogen nicht ausgefüllt. Er

habe draußen oft keine Lust zu reden,

bleibe lieber ganz für sich.

„Scheiße“ ist auch sein erstes Urteil

zur Zählung.„Ich bin keine Nummer.“

Der Krieg sei zu Ende, aber

Diskriminierung gebe es immer

noch. Er nennt sich selbst „eine Zecke“,

versteht sich als Linker.

Emil kommt ursprünglich aus

Dortmund, sein Vater besitzt dort

Restaurants. Bei ihm hat er kochen

gelernt, später eine dreijährige Ausbildung

zum Masseur gemacht. Er

saß wegen Totschlags im Gefängnis,

elf Jahre lang. Er habe einen Mann,

der eine Dreizehnjährige missbrauchte,davon

abgehalten und ihn

verprügelt, dabei sei der ungünstig

gefallen und gestorben, sagt Emil.

„Ich dachte, ich komme nie wieder

raus.“ Seit mehr als einem Jahr ist er

frei. Seither lebt er auf der Straße. Er

reist viel: Nach Köln und ins Ruhrgebiet,

seine Heimat, auch in Italien

und der Schweiz war er schon.

In Berlin fährterspät nachts –anders

als an anderen Orten –meistens

raus aus der Stadt, rein in den Wald

und übernachtet am liebsten in seinem

Zelt. Er brauche die Ruhe, sagt

er. Sein Zelt aber hat er gerade an

zwei Mädchen verliehen, die erst

Emil, 34

„Ich bin keine Nummer.

Ich bin eine Zecke,

verstehst du?“

Emil

16 und 17 Jahre alt seien. „Die brauchen

es dringender“, sagt er. „Man

muss auf die Kleinen aufpassen, die

gehen sonst kaputt.“

Warumernicht in einer der vielen

Notunterkünfte in Berlin schläft, in

denen zurzeit oft Plätzeleer bleiben?

„Die sind für die Tonne.“ Da werde

geklaut, da lägen manchmal Spritzen

unter dem Bett. Und: Man

müsse viel zu früh raus. Weil in den

Unterkünften das Personal für Tagschichten

fehle, würden die Menschen

dort oft schon ab fünf oder

sechs Uhr geweckt, spätestens um

acht müsse man in den meisten Einrichtungen

raus sein. Viele Besucher

aber haben Schlafstörungen, sagt er,

brauchen stundenlang, um überhaupt

zur Ruhe zu kommen.

Emil kann nicht verstehen,

warum man aus den Unterkünften

so früh rausgeworfen wird: „Die

Räume gibt es doch! Warum stehen

die tagsüber einfach leer?“ In Düsseldorf

könne man immerhin bis

halb elf bleiben, in Ruhe frühstücken,

duschen. „Das ist okay. Da

schlafe ich auch drinnen.“

Kritik an der Politik

Andreas hatte kein Problem mit

der Zählung. Er hat den Fragebogen

im Übernacht-Café ausgefüllt.

„Gestört hat’s mich nicht“, sagt er.

„Aber das ist doch Augenwischerei.“

Helfen werde esnicht. „Die hätten

viel früher was tun müssen.“

Er redet extrem schnell, manchmal

ist er deswegen schwer zu verstehen.

Auch im Stehen krümmt er

Rücken und Kopf weit nach vorne,

vermeidet Blickkontakt.

Die Politik habe geschlafen, sagt

Andreas. Es kämen so viele Menschen

aus Osteuropa nach Berlin,

dazu die Flüchtlingskrise 2015. „Das

ist auch für Berlin nicht zu schultern.“

Es würden Wohnungen gebraucht

für jene, die jetzt auf der

Straße leben, keine Notunterkünfte.

Als Erstes müsse die Politik dafür

spekulativen Immobiliengeschäften

den Riegel vorschieben, sagt er.„Hier

stehen so viele Häuser leer!“ Die Eigentümer

müssten gezwungen werden,

die Häuser herzurichten.

In dieser Nacht hat Andreas Geburtstag,

er wird37. Um Mitternacht

steht er mit zwei Männern vor der

Tür und raucht eine Zigarette. Die

beiden gratulieren, umarmen ihn.

Absurd, sagt Andreas, dass man den

Tagfeiere –man feiere ja, dass man

näher ans Grab gerückt sei.

Als Andreas das Übernacht-Café

betritt, packt er aus seinem Rucksack

erst einmal eine Dose Desinfektionsspray

aus und versprüht es.„Ich bin

da speziell“, sagt er. „Nur weil man

obdachlos ist, muss man nicht stinken.“

Er investiert jeden Tag zwei

Andreas, 37

Euro, umineinem Drogenkonsumraum

zu duschen.

Notunterkünfte seien für ihn gar

nicht zu ertragen. „Da habe ich

Angst, dass ich mir was hole“, sagt er.

Lieber schläft er in U-Bahnhöfen,

hat seine festen Orte und dort Bekannte

unter Anwohnern. „Die wissen,

dass ich sauber bin, keinen

Stress mache“, sagt er. Das sei wichtig,

nur so werde man geduldet. Er

erzählt, wie ein Bekannter,der „vollgekackt“

in einem Hausflur schlief,

„Gestört hat’s mich

nicht. Aber helfen

wird esauch nicht.“

Andreas

aus den oberen Stockwerken von

Anwohnernmit einem Eimer eiskalten

Wassers übergossen wurde.

Andreas lebt erst seit Anfang 2019

auf der Straße, hatte bis dahin einen

Jobals Stuckateur,war viel auf Montage.Seine

Freundin, mit der er acht

Jahre zusammenlebte, habe anderthalb

Jahrelang unbemerkt die Miete

nicht gezahlt, sie stattdessen ins Automatenspiel

gesteckt. Am Ende sei

er auf 27 000 Euro Mietschulden sitzengeblieben,

die Freundin zog mit

einem anderen nach Spanien. „Ich

hab das Vertrauen komplett verloren“,

sagt Andreas.


14 Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020

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Berlin

NACHRICHTEN

18-Jähriger flieht mit Auto

der Elternvor der Polizei

Um sich einer Verkehrskontrolle zu

entziehen, hat sich am Samstagabend

in Wittstock ein 18-Jähriger

eine Verfolgungsjagd mit der Polizei

geliefert. Nach einer Fahrtüber eine

Wiese und ein Feld endete die Spritztour

des jungen Mannes,teilte die

Polizei am Sonntag mit. Beider anschließenden

Kontrolle stellte sich

heraus,dass er keinen Führerschein

besaß und im Auto der Elternunterwegs

war.Ermuss nun mit einer

Strafanzeige rechnen. (dpa)

Landwirte streiten über

Nitratmessungen

Trotz Protesten vonLandwirten will

die Brandenburger Landesregierung

ihreNitratmessungen weiter durchführen

wie bisher.Die Verschärfung

der umstrittenen neuen Düngeverordnung

sei kein Grund, die Messstellen

zu überprüfen, teilte eine

Sprecherin des Umweltministeriums

mit. (dpa)

GEWINNZAHLEN

Lottozahlen: 7-8-12-32-42-47

Superzahl: 6

Spiel 77: 3668598

Landeslotterie Super 6: 742122

Glücksspirale: (Gewinner nach Endziffern)

5=10Euro

11 =25Euro

067 =100 Euro

5626 =1000 Euro

06 903 =10000 Euro

658 874 =100 000 Euro

279 546 =100 000 Euro

Prämie: Monatliche „Sofortrente“ in Höhe von

10 000 Euro auf die Nummer 6415 581.

ARD-Fernsehlotterie:

3277 585 gewinnt einen Audi A3

1900 268 gewinnt einen Audi A1

4074 730 gewinnt eine Reise ins Schloss Berg

6848 473 gewinnt eine Reise nach Dollenberg

Prämienziehung (nur für Mega-Lose):

5027 611 gewinnt 1000 000 Euro

823 089 gewinnt 100 000 Euro

35 847 gewinnt 10 000 Euro

6045 gewinnt 1000 Euro

92 gewinnt 10 Euro

Alle Angaben ohne Gewähr!

François Goeske(links) und Timmi Trinks sind in der Serie Studenten an der Polizeifachhochschule Halle/Saale, die an Tatorten ermitteln dürfen.

VomLolli-Klau zur Mordkommission

TIMMI TRINKS

betritt das Café Tiergarten in der Altonaer

Straße auf die Minute pünktlich.

DieVerspätung seines in Frankreich

geborenen Freundes und Kollegen

François Goeske kommentiert

der Schauspieler mit gespielter Empörung:

„Diese Franzosen!“ Um

schließlich hinterherzuschicken:

„Ich bewundere sie für ihre Gelassenheit.“

Trinks und Goeske gehören zu

den Hauptdarstellern der neuen

ZDF-Serie „Blutige Anfänger“

(mittwochs,19.25 Uhr), deren erste

Folge vergangene Woche ausgestrahlt

wurde. Die beiden spielen

darin Studenten an der Polizeifachhochschule

Halle/Saale, die neben

dem Studium auch schon ganz

praktisch in der Mordkommission

ermitteln. Anders als im richtigen

Leben ist in der Serie Timmi der

Gelassene und François der Wilde.

Obwohl Trinks im Februar erst

26 Jahre alt wird, kann er schon

sein 20-jähriges Bühnenjubiläum

feiern und blickt auf 18 Jahre vor

der Kamera zurück. Er gehört wie

Paula Beer, Sonja Gerhardt, Lucas

Reiber und Alina Levshin zu den

vielen bekannten Schauspielern,

die im jungen Ensemble des Friedrichstadt-Palasts

ihre ersten Bühnenschritte

gingen.

Eine starke junge Anhängerschaft

hat Trinks seit der Science-Fiction-

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Die beiden Berliner Timmi Trinks

und François Goeske spielen

Hauptrollen in der neuen ZDF-Serie

„Blutige Anfänger“

Serie„Allein gegen die Zeit“, der ein

Kinofilm folgte. Auch wenn „Blutige

Anfänger“ in Halle spielt, haben die

beiden Hauptdarsteller in der Saale-

Stadt während der Drehzeit nur wenige

Tage verbracht. Denn dort wurden

nur einige Außenaufnahmen gemacht.

Der Großteil entstand in Brandenburg

und Berlin. Ein übliches

Verfahren, um die Produktionskosten

zu reduzieren (auch die ARD-

„Eifelpraxis“ steht in Lübars). Trinks

ist vom Ausflug nach Halle eines in

Erinnerung: „Wir waren in einem

Hotel untergebracht, in dem der

Gin-Tonic nur 2,50 Euro kostete.“

FRANÇOIS GOESKE

schwärmt von Halle aus einem anderen

Grund: „Die Altstadt ist wunderschön!“

Er wünscht sich eine Verlängerung:

„Wir hoffen sehr, dass es

eine zweite Staffel geben wird. Die

Quote der ersten Folge war auch für

den Anfang gar nicht schlecht.“

Timmi Trinks freut sich: „Wir haben

inzwischen viel sehr freundliches

Feedback,weil die ganzeStaffel

ja schon in der Mediathek steht.“

Zwölf Folgen sind bisher gedreht.

Sein Kollege hätte für die Verlängerung

einen Verbesserungsvorschlag:

„Mehr Action für unsereRollen wäre

großartig.“ Trinks stimmt ihm zu:

CHRISTIAN SCHULZ

„Wir machen ja beide Parcour, und

es wäretoll, wenn wir das einbringen

könnten.“ Die Konstellation mit seinem

Kumpel François gemeinsam

vor der Kamera findet er gelungen:

„Wir kennen uns schon lange und ergänzen

uns gut. Diese Freundschaft

schwingt auch auf dem Bildschirm

immer mit.“ DerFeststellung, dass in

den Serientitel „Blutige Anfänger“ ja

schon das Verfallsdatum der jungen

Hauptdarsteller deutlich eingebaut

ist, widerspricht Trinks etwas energischer,

als es glaubwürdig klingen

könnte: „Das können wir beide weitermachen,

bis wir 45 sind. Die

Maske kriegt das hin!“ Goeske entwortet

ernsthaft: „Natürlich bin ich

dankbar für die Rolle. Aber ich mag

auch die Abwechslung.“

Trinks hatte zuvor noch nie einen

Kommissar gespielt „Ich war aber in

Rollen schon kriminell. Undhabe im

richtigen Leben früher auch schon

mal einen Lolli geklaut.“ Goeske

lacht: „Ich auch, das ist wohl der

Klassiker!“

Beide gehören der Generation an,

die immer weniger mit linearem

Fernsehen anfangen kann. Goeske:

„Ich gucke vor allem Video on Demand.“

Trinks ist ein unberechenbarer

Zuschauer: „Bei mir schwankt

das extrem. Mal schaue ich mehr,

um auch zu sehen, was die Kollegen

so machen. Und dann schaue ich

wieder fast gar nichts.“

Woidke bittet

Tesla-Kritiker

um Geduld

Ministerpräsident glaubt an

Lösung der offenen Probleme

Brandenburgs Ministerpräsident

Dietmar Woidke (SPD) hat angesichts

von Bedenken und Protesten

gegen die geplante Fabrik des US-

Elektroautobauers Tesla zu Geduld

aufgerufen. „Die Fragen nach dem

Infrastrukturausbau, nach der Wasserversorgung

und nach vielem anderen

werden beantwortet, aber das

braucht auch eine gewisse Zeit“,

sagte Woidke. „Dafür bitte ich um

Verständnis.“ Der Regierungschef

betonte: „Die Entscheidung von

Tesla ist gerade elf Wochen alt. Wenn

man sieht, was in der Zwischenzeit

schon passiertist, dann ist das gut.“

Tesla will in Grünheide (Oder-

Spree) eine Fabrik bauen, in der ab

Juli 2021 bis zu 500 000 Fahrzeuge

der Typen Model 3und Ysowie künftiger

Modelle im Jahr vom Band rollen.

Das umweltrechtliche Genehmigungsverfahren

läuft derzeit. Der

Wald auf dem Gelände muss noch

gerodet werden. Bedenken gibt es

bei Bürgern, Verbänden und in der

Politik auch wegen des erwarteten

Gütertransports und der Wasserversorgung.

Tesla braucht den Plänen

zufolge bis zu 372 000 Liter pro

Stunde für das Werk. Tesla-Vertreter

hatten bei einer Infoveranstaltung

nach Teilnehmerangaben erklärt,

denVerbrauch senken zu wollen. Am

Sonntag rief eine Bürgerinitiative zu

einem Protest-Spaziergang auf.

Der Ministerpräsident zeigte sich

zuversichtlich, dass offene Probleme

gelöst werden können, sieht aber

Herausforderungen für alle Seiten.

„Es gibt gute Fortschritte,aber vorallen

Beteiligten liegt noch sehr viel Arbeit“,

sagte Woidke. Erbetonte: „Wir

sind in guten Gesprächen mit Tesla.“

Am vergangenen Mittwoch habe

sich die Task Force, eine Arbeitsgruppe

mit Vertretern der Landesregierung,

vonTesla und vonKommunen,

unter anderem zur notariellen

Beurkundung des Kaufvertrags für

das Fabrikgelände getroffen.

Unterdessen laufen die Vorbereitungen

für den Bau: Aufdem Gelände

ist am Freitag wieder Weltkriegsmunition

gesprengt worden, sagte ein

Polizeisprecher am Sonntag. Voreiner

Woche waren auf dem Gelände

gleich sieben Weltkriegsbomben gesprengt

worden. Bisher wurden nach

Angaben des Innenministeriums

rund 85 Kilo Kampfmittel in dem

Waldgelände gefunden. (dpa)

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16 Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020

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Sport

Es macht immer klick, klack, klick, klack: beim Training der Pickleballer in Spandau.

SABINE GUDATH

Tennis mit einem Frühstücksbrett

Pickleball erlebt in den USA einen Boom und hat dort Zuwachsraten wie keine andere Sportart. In Berlin hat sie ihre Nische gefunden

VonChristian Kattner

Klick, klack, klick, klack,

klick, klack –richtig einzuordnen

ist das Geräusch

nicht. Für Tennis oder

Badminton klingt der Schlag zu hart,

für Tischtennis wiederum nicht hart

genug. Und auch optisch wirkt das,

was man an diesem Abend in der

Sporthalle der B-Traven-Gemeinschaftsschule

in Spandau zu sehen

bekommt, eher zusammengestückelt.

Der Schläger hat die Anmutung

eines größeren Frühstücksbrettchens,

den Ball schießen eigentlich

Floorballer auf ein Tor, und

das Netz hat zwar die Breite eines

Badmintonfeldes, ist aber niedriger.

Das, was einzeln betrachtet eher ungewöhnlich

daherkommt, muss als

Gesamtwerk betrachtet werden und

trägt sogar einen Namen: Pickleball.

Der Eindruck des Zusammengestückelten

täuscht nicht. Denn der

Ursprung ist in den Sechzigerjahren

in einer Garage neben einem Ferienhaus

auf einer Insel in den USA zu

finden. Die Väter Joel Pritchard, Bill

Bell und Barney McCallum hatten

eine Beschäftigung für ihre Kinder

gesucht und mehrere Teile, die sie

entdecken konnten, kombiniert. Ein

Schläger, ein Ball, ein Netz –die Geburtdes

Pickleball.

Neben dem Material sind auch

die Regeln, die im Laufe der Jahre

entstanden, ein Mix: Etwas Tischtennis,

Badminton, Tennis und dazu

noch ein paar Volleyballregeln.

„Mittlerweile ist es in den USA die

am meisten wachsende Sportart“,

erzählt Dale Gowan. Der lizenzierte

C-Trainer hat den Sport in seiner

Heimat kennengelernt und 2013

nach Deutschland importiert. Um

ein Haar wäre erder Pickleball-Pionier

in Deutschland gewesen. Aber:

„Imgleichen Jahr ist in Augsburgder

erste deutsche Verein entstanden.

Da hat man meine Idee geklaut“,

sagt er und lacht.

Viel passiert ist in Deutschland

seitdem allerdings noch nicht. Die

Zahl von 20bundesweit existierendenVereinen

ist mehr als überschaubar.

„Wie sagt man in Deutschland?

Wasder Bauer nicht kennt, das isst er

nicht“, sagt Gowan, dessen Heimat

Los Angeles ist. 1988 kam er als Soldat

nach Berlin und ist nicht mehr

gegangen. Mehr als zwei Millionen

Menschen spielen in seinem Heimatland

mittlerweile Pickleball, fünf

Millionen sind es weltweit. Doch in

Deutschland ist der Sport auch fast

60 Jahre nach seiner Entstehung

noch weitestgehend unbekannt.„Als

ich hier damals angefangen habe,

gab es auch große Fragezeichen“,

sagt Gowan, „aber da ich schon viele

Materialien hatte und es den Verein

also nichts gekostet hatte, habe ich

es einfach mal versuchen dürfen.“

Und esist gut angekommen. In

der B-Traven-Gemeinschaftsschule

gibt es mittlerweile eine Pickleball-

AG,zudem sind regelmäßig zehn bis

zwölf Spieler jeden Mittwochabend

„Es gibt Leute mit über 90 Jahren,

die es noch spielen. Man kann es ein Leben

lang spielen.“

Dale Gowan über die Vorzüge von Pickleball, das ursprünglich in einer Garage

in den USA zur Bespaßung von Kindern erfunden worden ist.

in der Halle,20Mitglieder hat die Abteilung

beim TSCSpandau. Um weiter

zu wachsen, hätte der Trainer

gerne mehr Hallenzeiten.

Aber genau an der Stelle ist er in

einem Teufelskreis gefangen. „Für

mehr Hallenzeiten brauche ich mehr

Mitglieder. Wenn ich mehr Mitglieder

gewinnen möchte, brauche ich

mehr Hallenzeiten“, sagt er.Dabei ist

Pickleball nicht mal nur auf die Halle

beschränkt. Manchmal, erzählt Dale

Gowan, fährt ermit seiner Ausrüstung

auf einen Parkplatz, klappt

schnell das Netz auseinander,zeichnet

mit Kreide ein Feld auf den Untergrund

und los geht’s.

In den USA ist man schon viel

weiter. Dort existieren komplette

Pickleball-Anlagen, mit aufgezeichneten

Feldern und Netzen. DasTeilnehmerfeld

von Turnieren wie den

US Open ist innerhalb vondreiStunden

voll. In Deutschland herrscht

hingegen Skepsis. Vielleicht sei es

der Name „Pickle“, welchen die

Deutschen mit einer Hautunreinheit

assoziieren, wie Dale Gowan mit einem

Augenzwinkern erzählt. Dabei

sind diejenigen, die es regelmäßig

spielen, hellauf begeistert. Denn: Es

ist eine Sportart, die keine Altersgrenzekennt.

Beiweltweiten TurniereninJapan,

den USA oder den Niederlanden

gibt es Altersklassen bis

zur Ü70. „Es gibt Leute mit über 90

Jahren, die es noch spielen. Man

kann es ein Leben lang spielen“, so

Gowan.

Auch beim TSC Spandau gibt es

mit Wolfgang Pöhler einen Spieler,

der bereits 80 Jahre alt ist und sich

auf dem Feld noch sehr schnell fortbewegt.

Eigentlich sei er ja in einem

Akkordeon-Orchester und spiele

Basketball, aber „hier sind ein paar

Damen drin, beim Basketball haben

wir das nicht“, sagt er und lächelt.

Durch einen Bekannten, mit dem er

zusammen Basketball spielt, sei er

auf Pickleball aufmerksam gemacht

worden und sofort begeistert gewesen.

„Es macht sehr viel Spaß und

fordert mich nicht so sehr wie Basketball“,

sagt Wolfgang Pöhler.Essei

sehr schnell zu lernen und fordert

die Treffsicherheit und das Reaktionsvermögen.

„Das ist ja auch im Alter

sehr wichtig, dass man das beibehält“,

sagt der 80-Jährige.Den Schläger,

der zwischen 15 und 200 US-

Dollar kostet, schwingt Wolfgang

Pöhler sehr kraftvoll. Klick, klack,

klick, klack –mal schneller, wenn er

am Netz steht und den Ball als Volley

spielt, mal mit etwas mehr Zeit für

den Schlag, wenn er den hinteren

Bereich des Feldes abdeckt.

Wer schon mal Badminton gespielt

hat, muss sich, was die Maße

anbelangt, nicht umstellen, denn es

wirdauf genau diesem Feld gespielt.

„Wenn ich Pickleball jemandem beschreibe,

dann sage ich, dass es wie

Tennis auf einem Badminton-Feld

ist oder Tischtennis XXL, wo du auf

der Platte stehst“, sagt Dale Gowan.

Damit kann eigentlich jeder Deutsche

etwas anfangen.

Auf dem Zettel ganz oben

Nach dem Aus für Rot-Weiß Erfurt: Die VSG Altglienicke übernimmt in der Regionalliga die Tabellenführung. Sie untermauert beim Sieg gegen Rathenow ihre Aufstiegsambitionen

VonMichael Jahn

Die Spieler der VSG Altglienicke

versammelten sich in ihren

pitschnassen Trikots nahe der Mittellinie,

bildeten einen Kreis, hüpften

im Kollektiv und feierten ihren

verdienten Erfolg gegen das Team

von Optik Rathenow. Der Stadionsprecher

rief begeistert: „Wir sind

neuer Tabellenführer!“ Die Fans applaudierten

stehend und lange.

306 tapfere Zuschauer sahen zuvor

im Jahnsportpark bei tristem

und nasskaltem Regenwetter Tore

der VSG-Kicker durch Christian

Skoda (10.), Stephan Brehmer (45.)

und Kevin Stephan (90.). Nach dem

dramatischen Aus des insolventen

Traditionsklubs FC Rot-Weiß Erfurt

in der vorigen Woche,dessen sämtlichen

Spiele annulliert werden, gab

es Verschiebungen in der Tabelle der

Liga. Der bisherige Spitzenreiter

Energie Cottbus büßt drei Zähler ein,

TugayUzan (r.) kommt gegen Aleksandar Bilbija zum Abschluss.

milien leiden unter dieser Situation.

Die meisten haben nun keinen

neuen Verein. Es ist schlimm, dass so

etwas immer wieder vorkommt.“

Die Spieler aus Altglienicke, die

eine starke Hinrunde absolviert und

sich in der Spitzengruppe etabliert

MICHAEL HUNDT

da der einstige 5:3-Erfolg aus der

Hinrunde gegen Erfurt nicht mehr

zählt, Altglienicke verliert nur einen

Punkt nach dem 1:1 gegen Erfurt im

Hinspiel. Da das für den Sonnabend

angesetzte Duell Erfurt contra Cottbus

wegen Einstellens des Spielbetriebs

bei Rot-Weiß gestrichen worden

war,zog Altglienicke,die Mannschaft

vonTrainer Karsten Heine,an

Energie vorbei –zumindest für eine

Woche. Der gesamte Vorgang um

Rot-Weiß Erfurtist dem Sportgericht

des Nordostdeutschen Fußballverbandes

(NOFV) übergeben worden.

Zeitnah wird dann die Tabelle auch

offiziell korrigiertwerden.

„Natürlich freuen wir uns“, sagte

Heine, 64, „oben zu stehen, ist immer

ein schönes Gefühl.“ Doch

Heine, ganz fairer Sportsmann, betonte

auch, dass er sehr traurig darüber

sei, was in Erfurtpassiere. „Das

bedaure ich sehr, das tut sehr weh.

Viele Spieler der Erfurter und ihreFahatten,

wurden im Jahnsportpark

durch ihren singenden Stadionsprecher

Ronny Rothé bestens eingestimmt

für den langen Aufstiegskampf.

Der Entertainer zelebrierte

vor dem Anpfiff das Vereinslied:

„Blau-Weiß sind unsere Farben, der

Verein ist unsereWelt. VSG olé!“ Besonders

Mittelfeldmann Skoda

schien animiert zu sein von dem

Liedgut und schoss schon nach zehn

Minuten einen wunderbaren Treffer.

Es war bereits TorNummer 13 für

den 29-Jährigen in dieser Saison. Damit

liegt er in der Liga auf Rang zwei

hinter Marc-Philipp Zimmermann

vom VfB Auerbach, der 15 Tore auf

dem Konto hat.

Dabei war Optik Rathenow, seit

30 Jahren von Trainer Ingo Kahlisch

angeführt, ein schwer zu bespielender

Gegner für die Männer aus dem

Südosten Berlins.„Wir haben in der

ersten Halbzeit zwei überragende

Tore geschossen“, freute sich Heine,

„aber wir haben nach der Pause

keine Kontrolle mehr über das Spiel

bekommen. Da ist noch viel Luft

nach oben.“ Lag der Ballbesitz lange

Zeit bei geschätzten 70 Prozent für

die VSG, hielt sich das später die

Waage. Dennoch geriet der Sieg des

neuen Spitzenreiters nie in Gefahr.

Das Trainingslager nahe Malaga

hatte der Mannschaft offenbar sehr

gut getan. Sie startete jedenfalls fit

und mit Elan in die zweite Phase der

Meisterschaft.

Optik-Chef Ingo Kahlisch, 62, der

zu den dienstältesten Trainern im

deutschen Fußball zählt, hielt sich

dann auch mit Komplimenten für

den Sieger nicht zurück. „Seitdem

Karsten Heine dort Trainer ist und

Lothar Hamann als sportlicher Berater

bei der VSG arbeitet, ist die

Truppe sehr gut geworden. Da sind

zwei Fachleute amWerk.Altglienicke

muss man im Kampf um den Titel

auf dem Zettel haben.“

Der sogelobte Heine bleibt Realist,

auch wenn das 0:0 des Mitfavoriten

1. FC Lok Leipzig am Sonnabend

gegen Viktoria 89 seiner VSG im Titelkampf

half. „Es wird ein langer

Weg“, sagte Heine, „aber wir wollen

ganz oben dabei sein.“


Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020 17

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Sport

Der König

der

Kandahar

Thomas Dreßen siegt auf

der Heimstrecke

Ein Teil des Preisgeldes war Thomas

Dreßen schon am Abend

nach dem Sieg in Garmisch-Partenkirchen

wieder los.45000 Schweizer

Franken, zirka 42 000 Euro,gibt es im

Weltcup für den Abfahrtserfolg auf

der Kandahar, bei so vielen Freunden

und Verwandten unter den Zuschauern

wollte sich der beste deutsche

Skirennfahrer nicht lumpen lassen.

Der26-Jährige wohnt mit seiner

Freundin zwar inzwischen in Österreich,

sein Heimatort Mittenwald

aber ist nur eine halbe Stunde von

Garmisch entfernt. „Das wird noch

richtig teuer heute für mich“, sagte

Dreßen vor den Feierlichkeiten zum

vierten Weltcupsieg seiner Karriere.

Die Abfahrten auf der Streif in

Kitzbühel und in Kvitfjell gewann er

2018, in diesem Winter folgten die

Siege in Lake Louise und −als erst

zweitem Deutschen nach Markus

Wasmeier 1992 − imWerdenfelser

Land. Für die WM-Bewerbung der

Stadt um die Titelkämpfe 2025 ist das

ein Schub.Auf die Strahlkraft der Familie

Neureuther verzichten die Organisatoren

in ihren Bemühungen

ebenso wie auf die von Doppel-

Olympiasieger Wasmeier. Dreßen ist

als potenzielles Zugpferdvon besonders

hohem Wert.

Ungewöhnliche Heimserie

Vorallem aber ist der Erfolg ein erneuter

Beleg für Dreßens Klasse, der

nach seiner schweren Knieverletzung

eigentlich nur langsam ein

Comeback geben wollte. „Es ist eh

bis jetzt schon eine Wahnsinnssaison

gewesen mit dem Sieg und

schon zwei Podiums.Dass jetzt noch

ein Sieg dazukommt −soganz checken

tu’ich das noch nicht“, sagte er.

Die anderen Deutschen hatten

ebenfalls ihren Anteil am gelungenen

Renntag, sechs der sieben Starter

schafften es in die Top30, insgesamt

drei unter die besten 15. Aleksander

Aamodt Kilde (Norwegen)

fuhr auf Rang zwei vor Johan Clarey

aus Frankreich.

„28 Jahre, das ist ja der Wahnsinn.

Er löst mich jetzt in allen Dingen ab“,

Trilogie, zweiter Teil

Novak Djokovic gibt bei seinem Sieg im Finale der Australian Open über Dominic Thiem Rätsel auf

VonDoris Henkel, Melbourne

Es gab mal, in der Anfangszeit

seiner glanzvollen Karriere,

eine Phase,inder Novak

Djokovic von den ersten

16 großen Finals bei Grand-

Slam-Turnieren die Hälfte gewann

und die Hälfte verlor. Doch seither

schnappte er sich von zehn Finals

neun, das letzte am Sonntag in der

Rod Laver Arena mit einem Sieg gegen

den Österreicher Dominic

Thiem (6:4, 4:6, 2:6, 6:3, 6:4). Es war

der achte in Melbourne, der 17. insgesamt

bei einem Grand-Slam-Turnier.

Errückt Roger Federer und Rafael

Nadal weiter auf den Pelz; der

Schweizer ist ihm drei Trophäen voraus,der

Spanier zwei. UndErster der

Weltrangliste ist er nun auch wieder.

Es war ein Spiel, das aus drei Teilen

bestand. Der erste begann mit

Vorteilen für den Titelverteidiger,der

Herausforderer glich aus, verpasste

aber mit einem teuren Doppelfehler

beim Breakball und Satzball die

Chance auf eine frühe Führung. Dabei

hätte der Gewinn des ersten Satzes

sowichtig für den Österreicher

sein können, der im Laufe des Turniers

fast sechs Stunden mehr gerackert

hatte als der Gegner. Und der

einen Tagweniger zur Erholung gehabt

hatte. Doch es gibt ja zwei

Theorien, welcher Wegvor einem Finale

der bessere ist: 24 Stunden

mehr Zeit zur Erholung zu haben

oder im Rhythmus bleiben zu können.

Die Sache mit der kürzeren Erholung

klappte sogar in extremen

Fällen wie bei Nadal 2009, der an einem

Freitagabend fünf Stunden und

14 Minuten gegen seinen Landsmann

FernandoVerdasco unterwegs

war und am Ende gegen Roger Federer,

der einen Tagmehr Pause gehabt

hatte,den Titel gewann.

Einmüder Eindruck

Im zweiten Teil der Trilogie im Melbourne

Park gab Djokovic seinen

Leuten Rätsel auf, vor allem, nachdem

er den zweiten Satz gegen den

nun eindrucksvoll spielenden Österreicher

verloren hatte. Normalerweise

sind die Besten besonders

stark darin, sofort den Hebel umzulegen,

wenn der Strom vorübergehend

ausgefallen war, aber diesmal

war das Gegenteil der Fall. Er wirkte

müde, inmanchen Situationen fast

apathisch und schien nicht die Kraft

zu haben, sich gegen Thiems forderndes

Spiel zu wehren. Während

des dritten Satzes rief er eine Ärztin

und den Physiotherapeuten auf den

Schwerwiegend: Novak Djokovic mit der Trophäe der Australian Open.

GETTY IMAGES/MAT KING

„Es war definitiv eines der schwierigsten

Endspiele, die ich hier hatte. Ich war an der

Schwelle, dieses Match zu verlieren. Ich habe

mich nicht gut gefühlt auf dem Platz.“

Novak Djokovic über den Gewinn seines 17. Titels bei einem Grand-Slam-Turnier,

der ihm umgerechnet rund 2,5 Millionen Euro eingebracht hat.

Platz, nach dem Ende des Satzes ging

er zur Behandlung sogar hinaus.

Doch jener Mann, der nach der

Pause zurückkehrte, war nicht derselbe,

der sie kurz vorher verlassen

hatte. Thiem verpasste früh im vierten

Satz eine Chance zum Break, danach

nahm der Steigungsgrad des

Berges, den er erklimmen musste,

zu. Er verlor sein Aufschlagspiel zum

3:5, kurzdanach schnappte sich Djokovic

den Satz, und als der Serbe zu

Beginn der fünften relativ zügig 3:1

in Führung ging, waren die Würfel

gefallen. Nach drei Stunden und 59

Minuten landete Dominic Thiems

letzter Ball neben der Seitenlinie.

Nichts zu bedauern

Hinterher waren sich alle einig, dies

sei sicher nicht der letzte Auftritt des

Herausforderers im Finale der Australian

Open gewesen. Es selbst

meinte,esgebe für ihn nichts zu bedauern;

sicher habe er hier und da

ein paar kleine Fehler gemacht, und

es wäre auch sicher besser gewesen,

den Breakball im vierten Satz zu nutzen,

aber am Ende sei es halt ein enges

Spiel in fünf Sätzen gewesen, das

er verloren habe. „Ich fühl mich

ziemlich leer jetzt, aber so ist das nun

mal. Aber ich spüre auch schon ein

klein wenig Motivation für den

nächsten Versuch, und nach einer

Pause wird sie ganz bestimmt noch

größer sein.“

Novak Djokovic wirkte nach der

ersten emotionalen Reaktion auf

dem Platz später in seiner Freude irgendwie

gedämpft. Er sei ziemlich

müde und erschöpft, sagte nach den

ersten Ehrenrunden beim Australischen

Fernsehsender Nine, und das

sei auch das Problem im dritten Satz

gewesen. „Ich weiß selbst nicht genau,

was da los war –meine Energie

war komplett weg, beim Aufschlag

war mir schwindelig, besser kann ich

es nicht erklären.“ Er sei dehydriert

und müsse mehr trinken, riet ihm

die Ärztin in der Behandlungspause,

was er auch tat und ins Spiel zurückkehrte;

ab dem Stand von2:2 im vierten

Satz habe er sich dann wieder

besser gefühlt. Irgendwie weckte die

Geschichte Erinnerungen an das Finale

2015, als er gegen Andy Murray

auch zwischendurch den Eindruck

gemacht hatte, ersei völlig erledigt,

und dann am Ende mit frischen

Kräften gewonnen hatte.

Aber unter dem Strich steht nun

diese mächtige Bilanz mit neun Siegen

in zehn Finals in weniger als fünf

Jahren. Da kann einem schon

schwindelig werden.

Den

Bann

gebrochen

Stephan Leyhe fliegt in

Japan auf Platz zwei

Als Stephan Leyhe mit Blumen

und Stoffbär in der Hand die Siegerehrung

genoss, konnte auch Karl

Geiger wieder lächeln. „Glückwunsch

Stephan, das hast du dir sehr

verdient“, sagte der vomWinde verwehte

Geiger, der den Verlust des

Gelben Trikots an Stefan Kraft

schnell abgehakt hatte. Viel lieber

freute sich der Skisprung-Weltmeisterschaftszweite

im fernen Sapporo

über den zweiten Platz seines Teamkollegen,

der endlich für seine starken

Leistungen belohnt wurde.

„Es ist eine Weile her,dass ich auf

dem Podium gestanden habe. Mein

zweiter Sprung war richtig gut“,

sagte Leyhe,der sich am Sonntag nur

dem ehemaligen Weltmeister Kraft

aus Österreich geschlagen geben

musste.Erst zum zweiten Malinseiner

Karriere flog Leyhe auf das Podium,

im November 2018 war er in

Wisla ebenfalls Zweiter geworden.

„Das Wochenende hier hat richtig

Spaß gemacht“, sagte Leyhe,der tags

zuvor bereits Fünfter geworden war.

Geiger verliertWeltcup-Führung

Leyhe hatte schon in Titisee-Neustadt

und Zakopane als Vierter das

Podest vor Augen, nun brach er den

Bann. Nach dem ersten Durchgang

lag er noch auf Platz acht, dann rollte

er mit dem weitesten Sprung des Tages

das Feld auf. Am kommenden

Wochenende steht für den Teamweltmeister,

der zum fünften Mal in

Folge bester DSV-Adler war,nun das

Heimspiel in Willingen an: „Das wird

emotional für mich. Ich bin in guter

Form und man wird sehen, was ich

da erreichen kann.“

Geiger haderte auf der Okurayama-Schanze

dagegen an beiden

Tagen mit den Bedingungen, die

Ränge elf und fünf kosteten ihn die

Führung im Gesamtweltcup. „Gute

Sprünge bei schlechtem Wind sind

zwar ärgerlich, aber halb so

schlimm“, schrieb der Bayer bei Facebook.Weil

Kraft an seinem„besten

Wochenende des Winters“ Zweiter

und Erster wurde,musste Geiger mit

genau 1000 Punkten nach drei Wochen

das Gelbe Trikot dem Österrei-

Thomas Dreßen raste in Garmisch zu seinem

vierten Abfahrtssieg. DPA/WARMUTH

scherzte Wasmeier. Schon die Bestmarke

für die meisten Abfahrtssiege

imWeltcup hatte er an Dreßen verloren

und meinte mit Bezug auf seine

beiden olympischen Goldmedaillen:

„Das kommt auch noch.“

Dreßen gelang auch die ungewöhnliche

Fortsetzung einer Serie.

Nach dem Südtiroler Dominik Paris

in Bormio (zweimal), dem Schweizer

Beat Feuz inWengen und dem Österreicher

Matthias Mayer inKitzbühel

gab es auch in Garmisch einen Abfahrtsheimsieg.

Dabei war Dreßen

voreinem Jahr in der Rehabilitation.

Im November war er in Beaver

Creek gestürzt und mit hoher Geschwindigkeit

in ein Fangnetz gerauscht.

Neben einer ausgekugelten

Schulter und dem gerissenen vorderen

Kreuzband im rechten Knie waren

auch der Innenmeniskus, der

Außenmeniskus, das Innenband

und der Knorpel lädiert. Das Knie

war, „ich sage es, wie es ist, im

Arsch“, erzählte Dreßen. Noch immer

muss er Rücksicht nehmen.

Zum Gewinnen reicht es trotzdem −

und zum Feiernsowieso. (dpa)

Ein neuer amerikanischer Traum

Sofia Kenin galt einst als großes Talent. Dennoch kam ihr Sieg bei den Australian Open für viele überraschend

Inszenierte Küsse vor Melbournes Kulisse: Sofia Kenin.

Australian-Open-Siegerin

Sofia

Kenin schmunzelt über ihreverblüffend

draufgängerischen Antworten

als kleines Mädchen noch immer.

Schon als Sechsjährige war sie

überzeugt, den Aufschlag ihres Lieblingsspielers

Andy Roddick zurückschlagen

zu können. „Ja“, sagte sie

2005 ernst, wieVideos zeigen, die seit

ihrem rasanten Aufstieg in Melbourne

im Internet kursieren:„Wenn

ich mich früh vorbereite und kurz

aushole.“ Roddick war mit einem

Aufschlag von fast 250 Stundenkilometern

zeitweise Rekordhalter bei

den Männern.

15 Jahrespäter küsst die US-Amerikanerin

den Daphne Akhurst Memorial

Cup−mit dem 4:6, 6:2, 6:2 gegen

die Spanierin Garbiñe Muguruza

feierte sie ihren ersten Grand-Slam-

Titel. „Ich bin wie auf Wolke sieben“,

sagte die 21-Jährige,als sie mit rotlackierten

Fingernägeln und einem

Glas Sekt nach ihrem Coup Rede und

Antwort stand. Alles sei surreal, es

verschwimme alles.IhrVater Alexander

Kenin sagt: „Wir sind noch nicht

am Ziel.“ Denn schon als kleines

Mädchen hatte sich Kenin vorgenommen,

Champion und die Nummer

eins der Welt zu werden.

Dass sie am Montag als neue

Nummer sieben erstmals unter die

TopTen vorrücken wird und ihr Idol

Serena Williams als beste Amerikanerin

in der Weltrangliste ablöst,

musste Kenin erst einmal sacken lassen.

Als jüngste Australian-Open-

Siegerin seit MariaScharapowa 2008

verewigte sie sich in der Tennis-His-

torie. Naomi Osaka war bei ihrem

Triumph vor zwölf Monaten allerdings

auch nur 22 Tage älter.

Glänzende Zukunft

GETTY IMAGES/DENHOLM

1987 verließen Kenins Eltern die Sowjetunion,

um ihren Kindern ein

besseres Leben zu ermöglichen. „Ich

danke meinen Eltern, mir den amerikanischen

Traum gegeben zu haben.“

Jetzt freut sie sich über ein

Preisgeld von rund 2,5 Millionen

Euro.

Was am Sonnabend mit ihrem

Sieg gipfelte,hatte begonnen, als Kenin

mit dreieinhalb Jahren mit einem

Schläger ihres Vaters in einer

Auffahrt inPembroke Pines in Florida

die ersten Bälle schlug. IhrVater

begleitet als Trainer ihren Wegvom

früh erkannten Talent zur jüngsten

amerikanischen Top-Ten-Debütantin

seit Serena Williams 1999. Mit

vier, fünf Jahren sei sie berühmter

gewesen als vor ihrem Aufstieg zur

Australian-Open-Siegerin, witzelte

ihr Vater mal.

Mit ihrem Tennisschläger in den

amerikanischen Nationalfarben präsentierte

sie sich im Melbourne-Finale

in den entscheidenden Situationen

spielerisch cool. Variabler, mit

mehr spielerischen Möglichkeiten

und mit bei weitem nicht so vielen

Fehlerngewann sie das Endspiel gegen

Muguruza, die 2016 bei den

French Open und 2017 in Wimbledon

triumphiert hatte.„Die Zukunft

des Tennis ist so glänzend“, gratulierte

US-Tennis-Ikone Billie Jean

King. (dpa)

Stephan Leyhe flog zum zweiten Mal in

seiner Karriere auf das Podium. GETTY/ROBERTS

cher (1 063) überlassen. Dritter ist

der polnische Tournee-Triumphator

Dawid Kubacki (924), der am Sonntag

nach zehn Podestplätzen in Folge

Sechster wurde. Leyhe (510) ist bereits

Achter.

Die Teamweltmeister Markus Eisenbichler

(Siegsdorf) und Richard

Freitag (Aue) erlebten dagegen ein

Wochenende zum Vergessen. Dreifach-Weltmeister

Eisenbichler nahm

mit den Plätzen 26 und 34 gerade

einmal fünf Weltcuppünktchen mit

auf die fast 9000 Kilometer lange

Heimreise. Der seit Wochen kriselnde

Freitag ging mit den Rängen

47 und 51 sogar ganz leer aus.

Deutlich besser lief es für Pius

Paschke (Kiefersfelden) mit den Plätzen

10 und 25, auch Constantin

Schmid (Oberaudorf)durfte mit den

Rängen 12 und 27 zufrieden sein.

Weiter geht es nun auf der Mühlenkopfschanze

inWillingen, dem letzten

Heimspiel des Winters für die

DSV-Adler. Dort werden spätestens

nach dem Sapporo-Wochenende

alle Augen auf Stephan Leyhe gerichtet

sein. (sid)


18 * Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020

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Sport

NACHRICHTEN

Klopp auf dem Weg

zur Meisterschaft

FUSSBALL. Trainer Jürgen Klopp

geht in der Premier League mit dem

FC Liverpool in Riesenschritten der

ersten Meisterschaft seit 30 Jahren

entgegen. Gegen den FC Southampton

mit Coach Ralph Hasenhüttl

siegten die Reds 4:0 (0:0), es war der

13. Heimsieg der Saison. Liverpool

hat nach 25 Partien 73 Zähler.Am

Sonntag verlor Verfolger Manchester

City bei Tottenham Hotspur mit 0:2

(0:0). DerRückstand des Meisters auf

Liverpool beträgt 22 Punkte.

Werder darf Selkenicht

gegen Hertha einsetzen

FUSSBALL. Werder Bremen darfseinen

am Freitag verpflichteten Zugang

Davie Selke am 7. MärzimDuell

gegen dessen bisherigen Klub

Hertha BSC nicht einsetzen. Dasbestätigte

Werder-Geschäftsführer

Frank Baumann: „Die Klausel war

eine vonHertha BSC gestellte Bedingung,

ohne die der Transfer nicht zustande

gekommen wäre.“

Tuchel streitet sich

mit Mbappé

FUSSBALL. Anders als in den sieben

Spielen zuvor hat Neymar nicht für

ParisSaint-Germain getroffen, feierte

jedoch in der Ligue 1einen 5:0

(3:0)-Heimsieg gegen Montpellier

HSC und die komfortable Tabellenführung.

Coach Thomas Tuchel stritt

sich mit de Stürmer Kylian Mbappé

nach dessen Auswechslung.

Zoff bei der Auswechslung: Kylian

Mbappé kritisiertThomas Tuchel.

Kessel sichertBRVolleys

den Sieg in Rottenburg

AP/ENA

VOLLEYBALL. Nach dem glanzlosen

3:0 (25:17, 25:22, 25:22)-Bundesligasieg

der BR Volleys in Rottenburg

räumte Mittelblocker GeorgKlein

ein: „Wir haben sicher nicht am Limit

gespielt.“ Bester Punktesammler

war Cody Kessel mit 18 Zählern. Mit

dem Sieg vergrößerten die ungeschlagenen

Berliner ihren Vorsprung

gegenüber Verfolger VfB Friedrichshafen

jedoch auf zwölf Punkte,da

der VfB gegen Frankfurtverlor.

Albas Basketballer

unterliegen in Oldenburg

BASKETBALL. Drei Tage nach der

Euroleague-Pleite gegen Fenerbahce

Istanbul hat Alba Berlin in der Bundesliga

die nächste Niederlage kassiert.

Am Sonntagabend unterlagen

die Berliner nach müder Vorstellung

bei Verfolger Oldenburgmit 88:93

(45:51). Alba bleibt Tabellendritter.

Förstemann und Kruse

gewinnen WM-Bronze

PARA-RADSPORT. Derfrühere

Teamsprint-Weltmeister Robert

Förstemann, 33, feierte ein gelungenes

Para-WM-Debüt. Im Tandem

mit dem sehbehinderten KaiKruse

bestätigte der Olympiaditte von2012

in Kanada durch die Bronzemedaille

Ambitionen auf einen Startbei den

Paralympics in Tokio.

Ein netter Nebeneffekt

Weil der FC Bayern zu alter Dominanz gefunden hat, übernimmt er wieder die Tabellenführung

VonFrank Hellmann, Mainz

Eswar bezeichnend, dass Manuel

Neuer nach einem entspannten

Arbeitstag im rheinhessischen Dauerregen

genügend Zeit für sich hatte.

Gratulierende Mitspieler vom FC

Bayern kamen beim unterbeschäftigten

Kapitän nach Schlusspfiff

nicht vorbei, weshalb der Nationaltorwart

inSeelenruhe seine Utensilien

sortierte, sich der Handschuhe

und des Trikots entledigte, umartig

dem Schiedsrichtergespann und

den Verlierernvom FSV Mainz 05 die

Hand zu reichen. Dann folgte –im

ärmellosen grünen Unterziehhemdchen

–der Gang zum mitgereisten

Anhang, der den Evergreen „Deutscher

Meister wird nur der FCB“ intonierte.

Genau diese Überzeugung

verbreitet sich gerade landauf,

landab auch bei allen, die nicht in

der Münchner Fankurve stehen.

Dem Rekordmeister hatte beim

3:1 eine starke halbe Stunde genügt,

die restlichen 60 Minuten fand auch

Trainer Hansi Flick „nicht Bayernlike“.

Aber selten ließ sich das so

leicht verschmerzen wie an diesem

Sonnabend. Die Punkteteilung am

selben Abend zwischen RB Leipzig

und Borussia Mönchengladbach katapultierte

den Rekordmeister wieder

dahin, wo er nach seinem Selbstverständnis

gehört, aber nur nach

dem sechsten Spieltag Anfang Oktober

stand: an die Tabellenspitze.

Spitzenspiel gegen Leipzig

Für Flick ist der Wachwechsel „ein

netter Nebeneffekt“, aber es gebe

eben„kaum eine andereMannschaft

mit einer derartigen Qualität“, stellte

der tiefenentspannte Fußballlehrer

fest. Drei Rückrundenspiele (zuvor

4:0 bei Hertha, 5:0 gegen Schalke)

und sechs Bundesligasiege in Serie

haben ausgereicht, um die bekannte

Hackordnung wieder herzustellen.

Der Punktevorsprung des Brauseklubs

als Herbstmeister ist schneller

geschmolzen als Schnee bei Föhneinbruch.

Und wenn die Bayern am

Sonntag das Spitzenspiel gegen die

Sachsen gewinnen, haben auf einmal

sie vier Zähler mehr auf dem

Konto als der ärgste Herausforderer.

Er sei kein Freund, „zu weit nach

vorne zu schauen“, erklärte Flick.

Vorher ist ja noch das DFB-Pokalachtelfinale

gegen die TSG Hoffenheim

(Mittwoch 20.45 Uhr) zu bestreiten,

was den 54-Jährigen mit seiner

eigenen Vita konfrontiert. Derin

Heidelberg geborene, imDörfchen

Effektive Träger

Thiago blüht unter Trainer Hansi Flick wieder auf.

Die Füchse starten nach der EM-Pause erfolgreich ins Jahr

VonCarolin Paul

Paul Drux war nach Abpfiff selbst

etwas überrascht. Acht Tore, so

viele Treffer hat der 24-Jährige in einer

Partie schon lange nicht mehr erzielt.

Beim Bundesliga-Auftakt der

Füchse in diesem Jahr spürte man

bei dem deutschen Nationalspieler

nichts von möglichen Europameisterschafts-Nachwirkungen.

Gegen

die HBW Balingen-Weilstetten war

seine Leistung ein Grund für den

deutlichen 33:27(17:14)-Erfolg.

„Paul Drux und Johan Koch waren

mit einer unglaublichen Effektivität

unterwegs und haben das Spiel

getragen“, urteilte der neue Sportvorstand

Stefan Kretzschmar. „Dass

Hans Lindberg nebenbei wieder

über zehn Tore macht, fällt manch

einem da gar nicht mehr auf.“

Auffallend war, dass die Füchse

am frühen Sonntagabend vor 8314

Zuschauern inder Max-Schmeling-

Halle vorallem durch eine geschlossenen

Mannschaftsleistung überzeugten.

Anders als noch bei der

30:31-Hinspiel-Schlappe demonstrierten

die Schützlinge von Trainer

Velimir Petkovic, dass nicht nur die

„Es freut mich auch ungemein,

dass Thiago sich nun zum dritten

Mal inFolge in die

Torschützenliste eingetragen hat.“

Hansi Flick hat die passende Rolle für

den zwischenzeitlich aussortierten Spanier gefunden.

Abwehrleistung in Berlin wieder

stimmt, sondernauch der Angriff zu

einer bestechenden Leistung fähig

ist. Dabei standen die Zeichen für einen

derartigen Auftritt vor dem Anpfiff

nicht so gut. Neben den ohnehin

verletzten Dejan Milosavljev,Fabian

Wiede, Mattias Zachrisson und

Simon Ernst meldete sich Mijajlo

Marsenic mit Knieproblemen ab.

Mitviel Tempo

Umso wichtiger war es, dass seine

Vertretung am Kreis, Johan Koch,

von Minute eins an überzeugte. Der

29-Jährige traf nach einer gespielten

Viertelstunde bereits viermal, wurde

von Drux mehrfach gut in Szene gesetzt,

erkämpfte vier Siebenmeter

und hielt auch in der Abwehr stand.

Bereits nach zwanzig Minuten war

abzusehen, dass die Füchse sich in

diesem Heimspiel die Punkte nicht

nehmen lassen würden. „Wir haben

ein gutes Spiel mit viel Tempo gezeigt.

Miteiner guten Wurfquote haben

wir uns das Leben leicht gemacht“,

sagte Drux, der nach Abpfiff

über den Sieg ebenso erfreut war,

wie über den bevorstehenden freien

Tagfür die Regeneration.

BONGARTS/ALEX GRIMM

Bammental im Rhein-Neckar-Kreis

beheimatete Coach, besitzt als langjähriger

Ratgeber und Angestellter

einen besonderen Bezug zum Dietmar-Hopp-Klub,

der die Bayern in

der Hinrunde in ihrer Arena besiegte.

Doch für die Wiederholung

eines solchen Beutezugs spricht gerade

nicht viel.

Sportdirektor Hasan Salihamidzic

sieht im neuen Jahrzehnt „bis

jetzt keine großen Probleme“. Klar,

der Kader sollte für „die wichtigen

Spiele in der heißen Phase“ –vorrangig

ab dem Champions-League-

Achtelfinale gegen den FC Chelsea −

breiter werden. Lucas Hernández,

Kingsley Coman und der in Mainz

eingewechselte Serge Gnabry

nannte Salihamidzic als Kandidaten,

die dann gesundheitlich voll auf der

Höhe sein sollten. Doch Flick hat mit

seiner Art bereits brachliegende Potenziale

geweckt: Aus dem unter

Niko Kovac als Sicherheitsrisiko geltenden

Thiago sei mit Joshua Kimmich

im zentralen Mittelfeld „ein

Stabilisator“ geworden, lobte Flick,

der für den Spanier eine Rolle gefunden

hat, in der defensive Ordnung

und offensive Entfaltung sich nicht

mehr ausschließen. „Es freut mich

auch ungemein, dass Thiago sich

nun zum dritten Mal inFolge in die

Torschützenliste eingetragen hat.“

Demonstratives Abklatschen

Thiagos Dribbling zum 3:0 war eine

Augenweide (26.), zuvor hatten

Gerd-Müller-Spurenleser Robert Lewandowski

nach Maßflanke von

Benjamin Pavard mit seinem 22. Saisontreffer

und 150. Bayern-Tor (8.)

sowie Flick-Profiteur Thomas Müller

nach Rückpass von Leon Goretzka

(14.) die Kräfteverhältnisse bereits

geklärt. Dass der unter der Woche im

internen Trainingsturnier von Jérôme

Boateng geschlagene Goretzka

am Gegentor von Jeremiah St. Juste

(45.) beteiligt war, ließ sich genauso

leicht wie die Handgreiflichkeit der

Teamkollegen verschmerzen. „Da

hat es in beide Richtungen gemenschelt“,

meinte Müller mit einem

Augenzwinkern über die längst versöhnten

Streithähne, die sich demonstrativ

beim Aufwärmen abklatschten.

David Alaba machte den

Titelhunger seiner Mitspieler übrigens

daran fest, „dass jeder im Training

mitzieht und Gasgibt“. DieAnsage

des Österreichers für die nächstenWochen:„Wenn

wir so weitermachen,

wird’s vorne spannend.“ Eher

das Gegenteil ist zu befürchten.

Souveräner Auftritt

Die Eisbären überzeugen ihre Fans und die NHL-Scouts

VonBenedikt Paetzholdt

Unter den 12 508 Zuschauern in

der Arena am Ostbahnhof tummelten

sich am Sonntag nicht nur

die Fans der Eisbären und des ERC

Ingolstadt. 20 Scouts der Teams aus

der nordamerikanischen Profiliga

NHL, die ab Montag internationale

Talente beim U19-Turnier im Wellblechpalast

beobachten, gesellten

sich dazu. In erster Linie wohl, um

Lukas Reichel unter die Lupe zu nehmen,

der gute Aussichten hat, beim

NHL-Draft ausgewählt zu werden.

Der 17-jährige Stürmer wusste

beim 6:2 (3:1, 2:1, 1:0) der Berliner zu

überzeugen, zwei Tore bereitete er

mit vor. Allerdings stahl ihm Nebenmann

Maxim Lapierredie Show.Der

Mittelstürmer fälschte beim 1:0 nach

57 Sekunden einen Schuss vonJonas

Müller ab. Nach dem Ausgleich

durch Kris Foucault im Powerplay

(11.), sorgte er mit einem Spieler weniger

auf dem Eis für die erneute

Führung. Beim 3:1 in Überzahl

konnte Lapierredie Vorlage Reichels

nicht verwerten, leitete den Puck mit

den Schlittschuhen aber so geschickt

weiter,dass Labrie traf.

Daszweite Drittel startete für Berlin

ohne Constantin Braun wegen einer

Unterkörperverletzung, aber mit

einer vierminütigen Überzahl. In der

letzten Aktion vor der Pause hatte

EHC-Stürmer Leo Pföderl einen hohen

Stock ins Gesicht bekommen;

entgegen aller Befürchtungen war er

weiter mit von der Partie. 51Sekunden,

ehe der bestrafte Ingolstädter

zurückkehrte, lag der Puck ein viertes

Mal imgegnerischen Tor, Ryan

McKiernan hatte ihn mit einem satten

Schuss dorthin befördert.

Nach dem 5:1 durch Marcel Noebels’

21. Saisontreffer kam Hektik

auf. 26 Sekunden später war Eisbären-Keeper

Justin Pogge bezwungen.

Dann musste Fabian Dietz wegen eines„unkorrekten

Körperangriffs“ für

den Rest des Spiels in die Kabine.Die

Unterzahl überstanden die Eisbären

aber. Das war die entscheidende

Phase, umsicherzugehen, dass der

Sieg gegen den Mitbewerber um die

ersten vier Plätze inder Hauptrunden-Tabelle

nicht mehr gefährdet

ist. 81 Sekunden vorSchluss erhöhte

Austin Ortega auf 6:2 und sorgte dafür,dass

Scouts und Fans einen souveränen

Sieg zu sehen bekamen.

ZAHLEN

Fußball

2. Bundesliga, 20. Spieltag

Regensburg −Gr. Fürth 0:2

Erzg.Aue−Arm.Bielefeld 0:0

Hannover96−SVWehen 2:2

FC St. Pauli−VfB Stuttgart 1:1

Karlsruher SC−Kiel 0:2

Nürnberg −Sandhausen 2:0

Heidenheim −Dyn. Dresden 0:0

Darmstadt 98 −VfL Osnabrück 2:2

VfL Bochum −Hamburger SV Mo., 20.30

1 Arm. Bielefeld 20 37: 21 38

2 VfB Stuttgart 20 34: 25 35

3 Hamburger SV 19 40: 20 34

4 Gr.Fürth 20 30: 24 31

5 Heidenheim 20 27: 21 31

6 Erzg.Aue 20 29: 27 30

7 Regensburg 20 33: 30 29

8 VfL Osnabrück 20 28: 24 27

9 Kiel 20 32: 31 27

10 Sandhausen 20 24: 23 27

11 Darmstadt 98 20 23: 28 23

12 FC St. Pauli 20 25: 27 22

13 Nürnberg 20 29: 38 22

14 Hannover96 20 24: 33 22

15 SV Wehen 20 24: 37 21

16 VfL Bochum 19 32: 36 20

17 Karlsruher SC 20 29: 39 20

18 Dyn. Dresden 20 18: 34 17

3. Liga, 22. Spieltag

Hallescher FC−Viktoria Köln 3:4

SV Meppen −Chemnitzer FC 1:2

Unterhaching −KFC Uerdingen 1:0

Ingolstadt−Kaiserslautern 2:1

Pr.Münster −Duisburg 1:4

Braunschweig−FCCZJena 1:1

B. München II−Hansa Rostock 1:0

SV Waldhof Mannheim −Magdeburg 1:1

FSV Zwickau −München 2:2

Großaspach −Würzb.Kickers Mo., 19.00

1 Duisburg 22 46: 29 43

2 Ingolstadt 22 45: 25 41

3 Unterhaching 22 33: 24 39

4 SV Waldhof Mannheim 22 35: 26 37

5 Braunschweig 22 34: 30 34

6 München 22 35: 32 33

7 Hallescher FC 22 38: 27 32

8 SV Meppen 22 41: 32 31

9 Hansa Rostock 22 28: 29 31

10 Kaiserslautern 22 37: 38 30

11 KFC Uerdingen 22 24: 30 30

12 B. München II 22 39: 42 29

13 Magdeburg 22 29: 24 28

14 FSV Zwickau 22 35: 33 28

15 Würzb.Kickers 21 34: 42 27

16 Viktoria Köln 22 39: 47 25

17 Chemnitzer FC 22 35: 39 24

18 Pr.Münster 22 32: 45 19

19 Großaspach 21 21: 40 18

20 FC CZ Jena 22 22: 48 13

Regionalliga

Halberstadt −Berliner AK 1:5

Lichtenberg 47 −Meuselwitz

abges.

Altglienicke−Rathenow 3:0

Lok Leipzig −Viktoria 0:0

Fürstenwalde −Dynamo 3:0

Bischofswerda −Nordhausen

abges.

Hertha II−Auerbach 1:2

Babelsberg −Chemie Leipzig 1:0

1Altglienicke 19 51: 23 41

2 Cottbus 18 42: 24 39

3 Lok Leipzig 18 31: 18 37

4 Hertha II 19 50: 32 32

5 Dynamo 19 26: 22 32

6 Fürstenwalde 19 37: 30 27

7 Auerbach 19 33: 40 26

8 Viktoria 18 17: 13 25

9 Berliner AK 19 37: 32 24

10 Lichtenberg 47 18 20: 23 23

11 Meuselwitz 18 28: 31 21

12 Chemie Leipzig 19 18: 22 20

13 Nordhausen 17 37: 27 18

14 Rathenow 19 18: 39 17

15 Halberstadt 19 21: 38 13

16 Babelsberg 18 17: 34 13

17 Bischofswerda 18 16: 51 10

DerRegionalliga-Meister Nordost spielt im Play-off gegen den Regionalliga-MeisterWest

um den Aufstiegindie Dritte Liga. Die drei anderen Regionalliga-Meister

steigen direktauf.Der FC Rot-Weiß Erfurtmuss den Spielbetrieb wegen Insolvenz

einstellen.

Eishockey

DEL

Bremerhaven−Mannheim

3:4 n.P.

Augsburg −Krefeld 2:1

Düsseldorfer EG−Wolfsburg

2:1 n.P.

Iserlohn−Nürnberg

5:4 n.V.

Straubing −Schwenningen 5:1

Eisbären −Ingolstadt 6:2

Köln −München 1:2

Tabellenspitze

1 München 43 151: 107 93

2 Mannheim 43 152: 109 87

3 Straubing 43 148: 106 84

4 Eisbären Berlin 42 136: 119 74

5 Bremerhaven 43 132: 122 73

6 Düsseldorf 42 105: 95 67

7 Ingolstadt 43 133: 133 65


Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020 19 *

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Sport

Halten, ohne

festzuhalten

Dass er mit 34 Jahren

noch der Held des Tages

in der Bundesliga werden

würde, hatte Philipp Pentke

gewiss nicht gedacht.

Schließlich hatte er erst vor

zwei Wochen sein Debüt in

dieser Spielklasse

gegeben, weil Hoffenheims

Stammkeeper

Oliver Baumann

am Meniskus

operiert worden

war. Trotz des

1:2 gegen Eintracht

Frankfurt machte

Pentke seine Sache

gut, ebenso wie

beim 3:0-Sieg in

Bremen. Waserdort zuhalten

bekam, war aber alles

nichts gegen das Sturmgewitter,

welches am Sonnabend

beim 2:1-Sieg gegen

Bayer Leverkusen über ihn

hereinbrach.

„Wie ein Boxkampf“ sei

diese Partie gewesen, sagte

er, eine Vielzahl von Torchancen

hüben und drüben,

vor allem aber hüben. Doch

egal wohin der Ball flog,

Pentkes Fäuste waren schon

da. Nur den Schuss von

Moussa Diaby aus kurzer

Inder Rubrik „Arbeitszeugnisse

richtig deuten“

kommt heute Bremens

Sportchef Frank Baumann

zu Wort. Nach dem 1:2 beim

FC Augsburgbenotete er sein

Team so: „Man hat wieder

gesehen, dass ein klarer Plan

da war, der erste Halbzeit

komplett aufgegangen ist.“

Dasentspricht der Formulierung:

„Die Mannschaft hat

sich bemüht, die ihr übertragenen

Aufgaben zu unserer

Zufriedenheit zu erledigen.“

Heißt: Setzen, Sechs!

Um genau vorzuempfinden,

was im Arbeitsnachweis

1899 Hoffenheim

Boxer:Philipp Pentke.

GETTY IMAGES/HANGST

Werder Bremen

Setzen,

Sechs!

Distanz musste er passieren

lassen. „Man of the Match?“,

scherzte Kapitän Benjamin

Hübner später:„Ich finde, er

hätte auch mal einen festhalten

können.“

Spiele mit Dauerbeschuss

sind kaum etwas

Neues für den Bundesliga-Frischling,

schließlich hat er

180 Partien für den

Chemnitzer FC

und 130 für Jahn

Regensburg bestritten.

Der Bundesliga

am nächsten

kam er bei

Energie Cottbus,

wo er in der Abstiegssaison

2008/09 dritter Torwartwar.

„Aus privaten Gründen“

wechselte er vor dieser Saison

von Regensburg nach

Hoffenheim, die niederländische

Handballerin Maura

Visser, mit der er liiert ist,

spielt bei der SG Bietigheim

in der Nähe.Das unverhoffte

Rampenlicht im Torder TSG

genießt er, solange es ihm

leuchtet. „Wir haben noch

viel vor inden nächsten Wochen“,

kündigt Philipp

Pentke an. (mali.)

von Davie Selke demnächst

steht, ist es wohl noch zu

früh. Beim ersten Auftritt für

seinen neuen, alten Klub

spielte er 90 Minuten, rannte

10,37 Kilometer, legte 20

Sprints hin, gewann elf Zweikämpfe,

spielte zwölf Pässe,

schoss zweimal aufs Tor, behauptete

vor dem 1:0 prima

den Ball, den dann der Augsburger

TinJedvaj verwertete.

Selkes Selbstzeugnis entspricht

einer Drei:„Ich werde

weiter alles reinhauen, was

ich habe.“ Vielleicht zur Abwechslung

mal den Ball? Das

wäreeine glatte Eins. (cs.)

Zwei minus: Davie Selkebereitet Augsburgs Eigentor vor.

IMAGO IMAGES

BUNDESLIGA

Verein Sp S U N Tore Punkte

1 München 20 13 3 4 58: 23 42

2 RB Leipzig 20 12 5 3 53: 25 41

3 Bor.Dortmund 20 11 6 3 56: 28 39

4 M'gladbach 20 12 3 5 38: 23 39

5 Leverkusen 20 10 4 6 31: 24 34

6 FC Schalke04 20 9 7 4 31: 26 34

7 Hoffenheim 20 10 3 7 31: 31 33

8 SC Freiburg 20 8 5 7 29: 30 29

9 VfL Wolfsburg 20 7 6 7 24: 25 27

10 FC Augsburg 20 7 5 8 33: 39 26

11 Eintr.Frankfurt 20 7 4 9 32: 31 25

12 Union Berlin 20 7 2 11 23: 32 23

13 Hertha BSC 20 6 5 9 24: 34 23

14 1. FC Köln 20 7 2 11 27: 38 23

15 Mainz 05 20 6 0 14 28: 47 18

16 SV Werder Bremen 20 4 5 11 25: 46 17

17 Düsseldorf 20 4 4 12 19: 41 16

18 SC Paderborn 20 4 3 13 25: 44 15

Namen sind Schall und Rot

21. Spieltag,7.bis 9.2.:

Frankfurt-Augsburg Fr., 20.30

VfL Wolfsburg -Düsseldorf Sa., 15.30

Bremen -1.FCUnion Sa., 15.30

Hertha BSC -Mainz Sa., 15.30

Freiburg -Hoffenheim Sa., 15.30

FC Schalke-Paderborn07 Sa., 15.30

Leverkusen -Dortmund Sa., 18.30

Mönchengladbach -Köln So., 15.30

Bayern München -Leipzig So., 18.00

Torjäger

22 Tore: Lewandowski (Bayern München)

20 Tore: Werner (Leipzig)

12 Tore: Sancho (Dortmund)

11 Tore: Hennings (Düsseldorf), Niederlechner

(Augsburg), Reus (Dortmund)

8Tore: Andersson (1. FC Union), Petersen

(SC Freiburg), Pléa (Mönchengladbach),

Quaison (Mainz)

GETTY IMAGES/CHRISTOF KOEPSEL

Paderborns Trainer Steffen Baumgart (Foto) redet

wie er spielen lässt: offensiv. Nach dem 2:4

(1:2) gegen den VfL Wolfsburg kritisierte er erneut

die Schiedsrichter. „Es wird mit zweierlei

Maßgemessen“, schimpfte er.„Ichentschuldige

mich bei meinem Verein, weil ich die Fresse halten

sollte.Aber das will und kann ich nicht.“ Paderbornmusste

ab der 34. Minute mit zehn Spielernauskommen,

weil Gerrit Holtmann nach einem

Rempler gegen Renato Steffens Schulter

Rot gesehen hatte. Was Baumgart amPlatzverweis

stört,„ist dass es in anderen Situationen anders

bewertet wird.“ Er findet: „Namen und Vereine

sollten keine Rolle spielen, tun es aber.“

Borussia Mönchengladbach

Esgibt eine neue Mode im

deutschen Profifußball:

die gelbe Sammelkarte. Getestet

hatte sie Bochums

Keeper Manuel Riemann im

Zweitligaspiel gegen Arminia

Bielefeld, für tauglich

befunden und eine Spielklasse

höher angewandt

wurde sie am Sonnabend

von Mönchengladbachs

französischem Angreifer

Alassane Plea beim 2:2 in

Leipzig.

Der hatte in der 61. Minute

gemeckert, als er keinen

Freistoß bekam, gemeckert,

als er dann die Gelbe Karte

von Schiedsrichter Tobias

Stieler gezeigt erhielt, und

gemeckert, bis zweites Gelb

und Rausschmiss folgten.

„Die spielentscheidende

Szene“, klagte Teamkollege

Jonas Hofmann, der außerdem

Stielers Französischkenntnisse

anzweifelte. Unnötig,

schließlich hatte Plea

seine Anmerkungen mit ausdrucksvoller

Gestik untermalt.

Unbestritten sind die Regelkenntnisse

des Referees,

der Mann ist Jurist und fand

sein Vorgehen völlig angemessen.

Schließlich wurde in

der Winterpause gutes Benehmen

auf die Tagesordnung

in der Bundesliga ge-

Alles auf eine

Sammelkarte

Fortuna Düsseldorf

Wie im

falschen Film

Nicht mal Pep Guardiola

hat es bisher in die Hall

Of Fame von Manchester

City geschafft. Uwe Rösler

schon. Nicht als Trainer,sondernals

Spieler,ebenso übrigens

wie der deutsche Torhüter

Bernd Trautmann und

Neil Young. Der sang keine

Lieder, sondern stürmte in

den Sechzigern am linken

Flügel. Rösler wiederum

schoss von 1994 bis 1998 in

153 Ligaspielen 50 Tore für

City. Nicht ganz die Quote

von Sergio Agüero, aber äußerst

ansehnlich. Einen

Agüero, oder wenigstens einen

Rösler,könnte Rösler bei

seinem neuen Klub gut gebrauchen,

schließlich verfügt

Fortuna Düsseldorfüber

den torärmsten Angriff der

Bundesliga. Manchmal

reicht ja aber auch ein Treffer

zum Sieg. Oder fast.

Friedhelm Funkel, während

der Woche abrupt entlassen,

muss sich als Beobachter

jedenfalls bis zu den

Genug gemeckert: Alassane

Plea.

DPA/ROBERT MICHAEL

setzt, auch wegen der grassierenden

Gewalt gegen

Schiedsrichter im Amateurfußball.

„Die Hemmschwelle

sinkt, wir müssen ein Zeichen

setzen“, sagt Stieler.

Verblüffend ist angesichts

der Problematik die

geballte Ignoranz, mit der

Spieler, Trainer und Vorstände

auf die neue Konsequenz

bei der Gemüterberuhigung

reagieren. Jonas

Hofmann fragte sich, „in

welche Kategorie wir noch

kommen“. Einfach mal

Klappe halten, wäre vielleicht

eine gute Idee. (mali.)

letzten Sekunden der Nachspielzeit

vorgekommen sein

wie im falschen Film. Kommt

ein neuer Trainer, und plötzlich

klappt alles, was vorher

stets schiefging. Engagierte

Fortunen führten mit 1:0 gegen

schläfrige Frankfurter,alles

deutete auf einen Sieg hin.

Dann wachte Frankfurt

kurzauf, traf inklusiveVideobeweis

zum Ausgleich, zwei

Punkte weg, alles wie gehabt,

also wie bei Funkel. Außerdem

ein Schuss Realität für

Rösler, dessen Topklubs als

Trainer bisher Wigan Athletic

und Malmö FF waren, und

dem die Begeisterung darüber,inder

Bundesliga angekommen

zu sein, jede Minute

anzusehen war. Noch nie

habe er eine Mannschaft gesehen,

die seine Spielidee

nach zwei Tagen so perfekt

umgesetzt hätte, schwärmte

der 51-Jährige. Bis in die Hall

Of Fame vonFortuna Düsseldorf

ist es trotzdem noch ein

weiterWeg. (mali.)

ZWANZIGSTER SPIELTAG

0:0

HERTHA–SCHALKE

5:0 (2:0)

DORTMUND–1. FC UNION

2:2 (0:2)

LEIPZIG–M’GLADBACH

2:1 (1:1)

HOFFENHEIM–LEVERKUSEN

1:1 (0:0)

DÜSSELDORF–FRANKFURT

1:3 (1:3)

MAINZ–BAYERN

2:1 (0:1)

AUGSBURG–BREMEN

4:0 (1:0)

KÖLN–FREIBURG

2:4 (1:2)

P’BORN–WOLFSBURG

Hertha BSC: Jarstein -Klünter,

Boyata, Torunarigha, Mittelstädt

-Ascacibar,Skjelbred -M.Wolf

(63. Piatek), Grujic (63. Maier),

Dilrosun -Lukebakio

FC Schalke04: Nübel -D.Caligiuri,

Kabak, Nastasic, Oczipka -

Mascarell -McKennie (90. Todibo),

Serdar (78. Schöpf) -Harit

-Gregoritsch, Raman (90.+2

Matondo)

Schiedsrichter:Stegemann

Zuschauer:47863

Gelbe Karten: Mittelstädt (3) /

Oczipka (2)

Borussia Dortmund: Bürki -

Piszczek, Hummels, Akanji -Hakimi

(64. Zagadou), Brandt,

Witsel, Guerreiro -Reus (71. T.

Hazard) -Haaland (77. Reyna),

Sancho

1. FC Union: Gikiewicz -M.

Friedrich, K. Schlotterbeck,

Subotic -Trimmel (74. Ryerson),

Gentner (68. Prömel), Andrich,

C. Lenz -Malli (59. Becker), Bülter

-Andersson

Schiedsrichter:Cortus

Zuschauer:81365

Tore: 1:0 Sancho (13.), 2:0

Haaland (18.), 3:0 Reus

(68./Foulelfmeter), 4:0 Witsel

(70.), 5:0 Haaland (76.)

GK: -/M.Friedrich (5)

RB Leipzig: Gulacsi -Mukiele

(46. Schick), Klostermann,

Upamecano, Halstenberg -

Adams (70. Olmo), Laimer -Sabitzer,Forsberg

(46. Poulsen) -

Nkunku, Werner

Bor.Mönchengladbach: Sommer

-Lainer,Ginter,Elvedi,

Wendt -C.Kramer (29. Strobl),

Zakaria, Neuhaus (90.+6 Johnson)

-Hofmann, Thuram (63.

Embolo), Pléa

SR: Stieler -ZS: 42146

Tore: 0:1 Pléa (24.), 0:2 Hofmann

(35.), 1:2 Schick (50.),

2:2 Nkunku (89.)

GK: Werner (2) /Neuhaus (4),

Elvedi (3), Embolo (4)

GRK: -/Pléa (61./Meckern)

1899 Hoffenheim: Pentke-

Posch, Akpoguma, B. Hübner,

Skov -Rudy, Samassékou -Kaderabek,

Baumgartner (66.

Grillitsch), Dabbur (60. Adamjan

(82. Bicakcic)) -Kramaric

BayerLeverkusen: Hradecky -L.

Bender,Tah, S. Bender,Sinkgraven(74.

Alario) -Baumgartlinger(74.

Amiri), Demirbay-Bellarabi

(46. Bailey), Havertz, Diaby-K.Volland

SR: Aytekin -ZS: 24 489

Tore: 0:1 Diaby(11.), 1:1 Kramaric

(23.), 2:1 Skov (65.)

GK: Baumgartner (1), Rudy(6),

Pentke(1) /L.Bender (2)

GRK: -/Demirbay(90.+2/wiederholtes

Foulspiel)

Fortuna Düsseldorf: Kastenmeier

-Mat. Zimmermann, Ayhan,

A. Hoffmann, Suttner -Stöger(87.

Sobottka), Morales -

Thommy,Va. Berisha (77. O.

Fink), Ampomah (69. Kownacki)

-Hennings

Eintracht Frankfurt: Trapp -da

Costa, Abraham, Hinteregger,

N´Dicka (84. Durm) -Rode,

Sow-Chandler,Kamada (46.

Ilsanker), Kostic -Paciencia

(46. A. Silva)

Schiedsrichter:Willenborg

Zuschauer:45018

Tore: 1:0 Ayhan (78.), 1:1

Chandler (90.+4)

Gelbe Karten: Stöger (2), Ayhan

(7) /Ilsanker (3)

FSV Mainz 05: Zentner -R.

Baku, Niakhaté, St. Juste, Brosinski

-Barreiro Martins (72.

Onisiwo), Kunde Malong (32.

Latza) -Öztunali, Boetius, Quaison

-Mateta (74. Szalai)

Bayern München: Neuer -Pavard,

Boateng,Alaba, Davies -

Kimmich, Thiago-Goretzka (65.

Philippe Coutinho) -Müller (65.

Gnabry), Perisic (89. Tolisso) -

Lewandowski

Schiedsrichter:Dankert

Zuschauer:33305

Tore: 0:1 Lewandowski (8.), 0:2

Müller (14.), 0:3 Thiago(26.),

1:3 St. Juste (45.)

GK: St. Juste (6), Boetius (2),

Latza (3) /Goretzka (2)

FC Augsburg: Luthe -Jedvaj,

Gouweleeuw,Uduokhai, Max -

R. Khedira (78. Löwen), Baier -

M. Richter,Vargas (86. Framberger)

-Hahn (46. Finnbogason),

Niederlechner

Werder Bremen: Pavlenka -Toprak,

Vogt, Moisander -M.Eggestein,

N. Sahin (80. Groß),

Klaassen, Bittencourt(87. Sargent)

-Woltemade (58. Bartels),

Selke, Rashica

SR: Fritz -ZS29432

Tore: 0:1 Jedvaj (23./ET), 1:1

Niederlechner (67.), 2:1 Vargas

(82.)

GK: Baier (3), Max (4) /M.Eggestein

(4), Toprak (1), Bartels

(1), Bittencourt(6), Selke(4)

Köln: Timo Horn-Ehizibue, Bornauw,Czichos,

Katterbach (46.

Schmitz) -Skhiri, Hector -Drexler

(89. Kainz), Uth, Jakobs -

Cordoba (81. Terodde)

Freiburg: Schwolow-Gulde,

Koch, Heintz -Schmid, Haberer

(46. Waldschmidt), Höfler,Günter

-Kwon, Petersen (68. Sallai),

Höler

Schiedsrichter:RobertKampka

(Mainz)

Tore: 1:0 Bornauw (29.), 2:0

Cordoba (55.), 3:0 Ehizibue

(90.+1), 4:0 Jakobs (90.+2)

Zuschauer:50000 (ausverkauft)

Gelbe Karten: Jakobs (3), Cordoba

(4), Uth -Höfler (6)

SC Paderborn: Zingerle -Jans (46.

Hünemeier), Strohdiek, Schonlau,

Holtmann -Vasiliadis, Sabiri -Zolinski

(60. Mamba) -Pröger,

Srbeny(74. S. Michel),Antwi-Adjej

Wolfsburg: Casteels -William, Knoche,

Pongracic, Roussillon -Guilavogui

(84. Gerhardt) -Schlager,Arnold

-Steffen, Mehmedi (90.+3

Victor) -Ginczek (74. Klaus)

SR: Patrick Ittrich (Hamburg) -Zuschauer:13926

Tore: 1:0 Zolinski (22.), 1:1 Knoche

(26.), 1:2 Ginczek (40.), 1:3

Ginczek (60.), 2:3Vasiliadis (72.),

2:4Arnold (76.)

Gelbe K.: Strohdiek (2), Hünemeier

(3),Vasiliadis (7) /Guilavogui

(4), Steffen (3), Pongracic (1)

Rot: Holtmann (33./Tätlichkeit)


Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020 – S eite 20

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Sport

Die Südtribüne hat nicht vergessen, wasNeven Subotic im Trikot von Borussia Dortmund geleistet hat.

IMAGO IMGAES/TEAM2

Nur einer feiert

Neven Subotic genießt die Rückkehr nach Dortmund, obwohl der 1. FC Union nicht den Hauch einer Chance hat und mit 0:5 verliert

VonMathias Bunkus, Dortmund

Wenigstens eine der rot

gewandeten Gestalten

hatte nach dem Abpfiff

des Ligakicks in

Dortmund sichtlich Spaß. Neven

Subotic, Abwehrspieler in den

Diensten des 1. FC Union und damit

am Sonnabend Gast, stand vor der

legendären Südtribüne des einstigen

Westfalenstadions und ließ sich von

der schwarz-gelben Wand feiern.

Ach, was heißt da ließ? Er feierte kräftig

mit. Immer wieder ruderte der Innenverteidiger

der Eisernen mit den

Armen, genoss sichtlich die ihm entgegenbrandenden

Zuneigungsbeweise.

Daswar manch einem der knapp

7000 mitgereisten Unionfans dann

doch ein bisschen zu viel. Immerhin

hatten die Köpenicker gerade mit einem

0:5 (0:2) gegen die Borussia die

höchste Bundesliganiederlage ihrer

Geschichte kassiert. Ein bisschen

mehr Zurückhaltung, etwas weniger

gute Laune hätten sie da von einem

ihrer Fußballgötter schon erwartet.

Der31-Jährige ließ sich die Laune

allerdings nicht verderben. „Ich

trenne das klar vomSpiel, das war alles

andere als schön. Wir hatten absolut

gar keine Antwort, weder offensiv

noch defensiv“, sagte der serbische

ehemalige Nationalspieler. Er

genoss das Bad inden Sympathiewogen

in vollen Zügen. Zehn Jahre

lange hatte er zwischen 2008 und

2018 den Dress der Dortmunder getragen,

dabei zwei Meisterschaften

und einen Pokalsieg gefeiert sowie

2013 ein Champions-League-Finale

bestritten. So etwas streift man nicht

einfach ab wie ein gebrauchtes

Hemd.

Wenig Gegenwehr

„Die haben ja meinen Namen gerufen.

Ich muss auch sagen, was ich in

meiner Karriereerlebt habe,das geht

nicht nach Abpfiff verloren. Ich bin

eben Neven und hab’ hier jahrelang

gespielt. Unddiese Bindung, die besteht.

Wie sie sich dann auslebt, das

entscheiden vor allem die Fans, die

am Ende des Tages rufen oder nicht.

Dasist auch für mich etwas nicht Alltägliches.Hier

vor80000 vorder Süd

zu stehen und diese Wertschätzung

zu erfahren, das ist unbeschreiblich“,

meinte der in Bosnien geborene

Abwehrspieler beinahe entschuldigend.

Immerhin, und das sollt festgehalten

werden, gehörte Subotic zu

denjenigen Union-Spielern, die in

„Wir wussten doch schon vor der Saison, und

das haben wir oft genug betont, dass es auch

mal ein paar Spiele geben wird, in denen wir

mal ein paar Dinger reinkriegen.“

Christopher Trimmel hält überzogene Panikmache nach der

deutlichen Niederlage inDortmund nicht für angebracht.

Dortmund ihren Jobleidlich verrichteten

und versuchten, sich dem Untergang

entgegenzustemmen. Wenn

auch mit bekanntem Resultat. „Wir

hatten uns vorgenommen, den Gegner

unter Druck zu stellen. Dortmund

hat das nicht angenommen,

einfach nicht mitgemacht. Daskann

man auch anhand der Anzahl der

Zweikämpfe, die wir gewonnen haben,

ablesen. Wir sind da einfach

nicht reingekommen. Unser Druck

hat einfach nicht ausgereicht. Wir

können das besser und müssen das

eigentlich auch besser machen“, resümierte

Subotic ein Spiel, bei dem

ein mit Personen wie MarcoReus,Julian

Brandt und Axel Witsel verstärktes

Teenagerduo namens Erling Haaland

und Jadon Sancho, beide 19

Jahre alt, wie eine Naturgewalt über

die Eisernen hereingebrochen war.

Am Ende notierte die Anzeigetafel

fünf Treffer für die Hausherren. Haaland

traf doppelt (18./76.), holte

dazu den von Reus verwandelten

Elfmeter heraus (68.), des Weiteren

trugen sich Sancho (13.) und Witsel

(70.) in die Schützenliste beim BVB

ein. Zu viel an diesem Tagfür die Köpenicker.

Bei diesen stellt sich die Frage,

wie sie jetzt mit der Situation umgehen.

Mannschaftskapitän Christopher

Trimmel gehört zudenjenigen,

die sich für die Verfahrensweise

„Mund abputzen, abhaken, weitermachen“

aussprechen. Er sieht das

Spiel nicht als einen möglichen

Knackpunkt an, an dem seine Mannschaft

zerbrechen könnte. „Wir

wussten doch schon vor der Saison,

und das haben wir oft genug betont,

dass es auch mal ein paar Spiele geben

wird, in denen wir mal ein paar

Dinge reinkriegen. Wichtig ist, wie

wir wieder rauskommen. Und ich

glaube, dass wir das ganz gut einschätzen

können und eine Reaktion

zeigen werden“, analysierte Trimmel.

DieWelt der Eisernen werdedadurch

nicht untergehen. „Es gibt halt

Mannschaften in der Liga, die sind

einfach ’ne Klasse stärker.“

Wasnicht heißt, dass er damit die

hohe Niederlage in irgendeiner

Form schönreden will. Dergebürtige

Burgenländer gilt als sachlicher

Mensch und fern jeder Panikmache.

„Wir wollten uns heute nicht hinten

reinstellen. Weil du gegen so eine

Mannschaft mit so viel Qualität dir

trotzdem irgendwann mal ein paar

Tore fängst. Wir wollten mutig sein.

Aber wir haben schlecht begonnen,

haben fast alle Ballgewinne sofort

wieder verloren“, sagte der 32-Jährige.

Immerhin wurde nach dem 0:2

der Rest der ersten Hälfte bis zur

Pause schadlos überstanden. „Inder

zweiten Halbzeit haben wir alles probiert,

aber man muss sich irgendwann

auch einmal eingestehen, dass

das wirklich ’ne hervorragende

Mannschaft ist.“

Die Konkurrenz im Keller patzt

Ob ein Anschlusstreffer etwas hätte

bewirken können, ist eine Frage hypothetischer

Natur. Mit dem Strafstoß

nach knapp einer Stunde war

jegliche Hoffnung dahin. Und so

bleibt eigentlich nur, sich zu schütteln

und nach vorn zu schauen. Zumal

die ärgste Konkurrenz Union an

diesem Spieltag auch nicht enger auf

die Pelle gerückt ist.

Schlauer als Goethe

Herthas Talent Arne Maier wollte den Klub verlassen, doch Manager Preetz und Trainer Klinsmann schenken ihm Vertrauen und er zahlt es zurück

VonSebastian Schmitt

Einer der klügsten deutschen

Denker, Johann Wolfgang von

Goethe, sagte: „Mit Ungeduld bestraft

sich zehnfach Ungeduld; man

will das Ziel heranziehen und entfernt

es nur.“ Der Genius Leonardo

da Vinci meinte: „Die Ungeduld, die

Mutter der Torheit, preist die Kürze.“

BeiHertha BSC gab es in der vergangenen

Woche das große Lehrstück

über die Ungeduld. Arne Maier, 21,

war der Hauptakteur. Der Jungprofi

hatte bei Hertha im Kopf schon gekündigt.

Der Mittelfeldspieler wollte

nur noch weg, weil er keine Chance

mehr sah. Doch beim 0:0 gegen

Schalke 04 spielte Maier wieder.

Freitagabend, 63. Minute gegen

den Klub aus Gelsenkirchen. Für

Maier wurde sein Verlangen nach einem

schlimmen halben Jahr wahr.

Endlich wieder im blau-weißen Trikot

spielen. In der Hinrunde spielte

er gerade mal 20 Minuten beim 0:4 in

Augsburg und eine Minute beim 1:0

in Leverkusen. Schuld daran war

nicht seine Leistung oder mangelndes

Vertrauen des Trainerstabs, sondern

schlichtweg eine Knieverletzung

im Sommer.

Doch Maier glaubte nach den

Wintertransfers, die Hertha getätigt

hatte, plötzlich, dass er keine Zukunft

mehr bei seinem Heimatverein

hat. Er bat Manager Michael Preetz

um Freigabe. Schnell machten ihm

Preetz und Trainer Jürgen Klinsmann

klar, dass er überhaupt nicht

auf dem Abstellgleis stehe, sondern

fester Bestandteil bei der Zukunftsplanung

des Kaders ist. Klinsmann

nahm die Äußerungen von Maier

nach außen gelassen und erklärte:

„Damit kann ich leben, wenn sich

Herthas Arne Maier zieht ab, aber nicht weg!

ENGLER

ein Spieler mal so äußert. Es ist doch

klar,dass man unzufrieden ist, wenn

man nicht spielt.“

Es gab vergangene Woche ein klärendes

Gespräch, plötzlich war

Maier im Kader. Er spielte gegen

Schalke und war happy: „Es war ein

tolles Gefühl, wieder auf dem Platz

zu stehen. Ichbleibe weiter dran und

hoffe, dass mich der Trainer so oft

wie möglich einsetzt.“ Zu seinem

Wechselwunsch sagte er:„DieTransferphase

ist immer ein bisschen heiß

für jeden Spieler. Ich bin ein Spieler,

der gerne spielen will. Ichdenke,das

habe ich deutlich damit gezeigt. Das

Thema ist vomTisch. Wieman sieht,

bin ich noch bei der Hertha.“

Aus der Ungeduld wurde plötzlich

das große Glück für alle.Denn in

seinem 27-minütigen Auftritt gegen

Schalke konnte man sehen, was in

diesem Mittelfeldjuwel steckt. Dyna-

mischer Antritt, starke Übersicht

und vertikale Pässe in die Spitze, die

sonst keiner im Team so präzise

schafft. Gerade das Zusammenspiel

mit dem neuen Stürmer Krzysztof

Piatek sah vielversprechend aus.Mit

den beiden hatte Hertha in dem bis

dahin mühseligen Spiel plötzlich

wenigstens etwas mehr Angriffsschwung.„Schalke

hat am Ende zwei

defensiveSpieler eingewechselt. Das

haben sie auch nicht ohne Grund gemacht“,

sagt Klinsmann zufrieden.

Das spielt jetzt beim Pokalduell

am Dienstag auf Schalke eine Rolle.

Maier wurde am Freitag für Marco

Grujic eingewechselt. Der Serbe

kann seit Wochen nicht mehr überzeugen.

Es ist jetzt Maiers Chance,

Grujic aus der Stammelf zu verdrängen.

Für ihn kann es noch eine Saison

mit HappyEnd werden, manchmal

muss man eben etwas warten.


Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020 – S eite 21

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Feuilleton

Die Lesungen

der Wocheempfiehlt

Sabine Rohlf auf

Seiten 24 und 25

„In den USA geben die Leute für Chips mehr Geld aus als für Musik.“

Markus Schneider über die neuen (alten) Kräfteverhältnisse im Streamingmarkt Seite 22

Berlinale

Das Neue und

das Vertraute

Cornelia Geißler

zählt die Tage bis zum

Beginn der Filmfestspiele.

Man kann es ja mal versuchen:

Am 02. 02. tippe ich auf den roten

Bären auf dem Display meines

Taschentelefons. Am 20. 02. beginnen

die 70. Internationalen Filmfestspiele

Berlin und ich hoffe,genauere

Programminformationen zu finden.

Doch da steht: „Zur 70. Berlinale

wirdeskeine Appgeben.“ Schade,es

war praktisch, die Vorschau darin in

einen persönlichen Programmplaner

zu verwandeln und zu sehen,

was als nächstes ansteht und welche

Vorstellungen sich überschneiden.

Man soll nicht immer jammern,

wenn etwas vorbeigeht, sondern offen

auf das Neue schauen. DieWebseite

berlinale.de sei neu gestaltet

und für die Benutzung auf auf allen

Geräten optimiert, steht im Kleingedruckten.

Im Moment kann mir aber

auch die Homepage nicht über die

Ungeduld hinweg helfen. „Am 11.

Februar 2020 wird auf dieser Seite

das komplette öffentliche Programm

der 70. Internationalen Filmfestspiele

Berlin veröffentlicht“, vertröstet

diese.

Die Berlinale findet so spät im

Jahr statt wie seit 1987 nicht mehr –

da waren viele heutige Filmfreunde

noch gar nicht auf der Welt, andere

(wie ich) hinter einer Mauer versteckt.

Die Filmauswahl der einzelnen

Sektionen ist weitgehend bekannt,

allein die Programmierung

und die (Neu-)Verteilung auf die

Spielstätten wird also erst in einer

Woche verkündet. Dann gilt es, Tabellen

anzulegen und die Tage zu

planen, bis am 17. Februar der Kartenverkauf

beginnt.

Am kommenden Sonntag werden

die Oscars verliehen, die versprechen

Ablenkung. Am Potsdamer

Platz stehen in Schaukästen bereits

die streng grafischen Plakate, die

statt der Bären nur noch ein dickes B

zeigen und die Jubel-Zahl 70. Im

Merchandise-Shop kann man online

schon die diesjährige Tasche ordern.

Das richtige Berlinale-Gefühl entsteht

sowieso erst mit dem Trailer auf

der Leinwand. Hoffentlich hat der

den vertrauten Klang.

Spiel um dein Leben!

Christian Weises lustvoll überinspirierter „Hamlet“ mit Svenja Liesau in der Titelrolle

VonUlrich Seidler

Na jut, ick mach’s“, will

Svenja Liesau geantwortet

haben, als Christian

Weise sie gefragt habe,

ob sie die Titelrolle in seiner „Hamlet“-Inszenierung

spielen wolle. Der

Regisseur habe so verzweifelt geklungen,

dass sie es nicht abschlagen

konnte. Erst später habe sie mitbekommen,

dass es sich um das längste

Stück von Shakespeare handelt und

dass ungefähr die Hälfte des Textes

vonHamlet gesprochen wird.

Wir sehen die Schauspielerin

zum ersten Mal inFleisch und Blut,

als sie uns das in einer komischen

Improvisation alles erzählt, und da

ist der Premierenabend im Gorki-

Container schon 20 Minuten alt. Bis

dahin − und auch imweiteren Verlauf

− blicken wir viel auf den eisernen

Vorhang. Das meiste findet dahinter,

in einer detailliert ausgeschnittenen

und angemalten, perspektivisch

verschobenen und

verschachtelten Pappkulissenwelt

(Bühne: Julia Oschatz) statt und wird

vonLivekameras übertragen.

Nichts ist echt

Die Figuren stecken in selbstgestrickten,

knallfarbigen Kostümen

vonPaula Wellmann, auch die Haare

und Bärte sind aus Wolle und die

Schuhe angepinselt. Kurz: Alles ist

nachgebildet, nichts echt. Und das

ist auch kein Wunder,denn hier wird

ein Film gedreht − undFilmist Lüge.

Das schließt auch das Filmteam mit

ein, das zumindest teilweise mit

Pappkameraund -mikroarbeitet.

Ein amerikanischer Philosophieund

Filmstudent namens Horatio

(Oscar Olivo) will die Geschichte des

dänischen Prinzen nach Germany

übertragen und eine gegenwartsbezogene

politische Interpretation wagen

−mit deutschen Schauspielern,

mit denen zu arbeiten wie Porschefahren

sein soll. Und dann nimmt

ihm sein Freund Hamlet das Ganze

Stück für Stück aus der Hand.

Die Spiel-im-Spiel-Rahmung des

Abends ist mit der Mausefalle-Szene,

in der das Theater die Mörder entlarvt,

von Shakespeare angelegt.

Ebenso wie die Ebenen von Spiel

und Sein, von Wahn und Wirklichkeit,

auf denen Hamlet hoch- und

runterklettert, bis er die Ebenen

Kenda Hmeidan (li.) und Svenja Liesau im neuen „Hamlet“.

Hamlet vonShakespeare,

Übersetzung: Angela Schanelec

und Jürgen Gosch

Regie: Christian Weise,

Bühne: Julia Oschatz,

Kostüme: Paula Wellmann

STAB, BESETZUNG UND TERMINE

Es spielen: SvenjaLiesau,

AramTafreshian, Catherine

Stoyan, Ruth Reinecke, Falilou

Seck, MazenAljubbeh, Kenda

Hmeidan, Oscar Olivo, Dominic

Hartmann, Hanh MaiThi

Tran, Musiker:Jens Dohle

UTE LANGKAFEL MAIFOTO

Vorstellungstermine:

8., 10. Februar,3., 4. März,

jeweils 20 Uhr im Maxim-

Gorki-Theater (Container)

Karten: 20221115 oder im

Internet: gorki.de

selbst nicht mehr unterscheiden

kann und nicht weiß, was er denken

und fühlen, geschweige denn, wie er

handeln soll. Diese existenzielle Verwirrung

ist das Thema dieser Rache-,

Bruder-, Gattenmord- und Liebesund

eben auch Theatergeschichte.

Dass sich das Ganze nun an einem

Filmset in der Gegenwartabwickelt

und mit fröhlicher Albernheit

in jedem Moment mit einem „Cut“

ab- und von Improvisationen unterbrochen

werden kann, schafft reiche

selbstreflexive Möglichkeiten und

Gelegenheiten für Deutungen, Erklärungen,

Streitereien − und für

Genrewechsel per Ansage, die der

MusikerJens Dohle nach kurzemNicken

passend livevertont.

Verlorene Fäden

Die Spielweise in dieser an den Bastelwahn

von Vegard Vinge und Ida

Müller erinnernden Bilderbuchwelt

wechselt zwischen Stummfilm,

Stand-up, Puppentheater, Musical,

Drama und gefühlsechter Großaufnahme

à la Hollywood. Es kann

schon sein, dass auch dem echten

Regieteam der eine oder andere Faden

(zum Beispiel: Marginalisierung

des Theaters) oder Deutungsansatz

(Spannung vonRealpolitik und Idealismus)

im Durcheinander der Ideen

und Inspirationen verloren gegangen

ist −aber das passiert nun mal,

wenn man spielt.

Spätestens mit dem nächsten

bohrenden Blick von Svenja Liesau −

mit ihrer aufgerauten, aus der Tiefe

ihres Körpers dringenden Stimme,

mit ihrem Spiel, das im Augenblick

aufbricht, in Sekundenbruchteilen

ungezügelt durch die Seelenzustände

springt und im Handumdrehen wieder

eingefangen ist − hat uns das

Drama wieder im Griff. Ein schöner,

vollgestopfter, verspielter dreistündiger

Abend, an dem man das Theater

entdecken und lieben lernen kann.

Für Ruth Reinecke ist es die Premiere,

mit der sie sich nach über vierzig

Jahren vom Gorki verabschiedet.

Warum sie als Geist eine Karl-Marx-

Mähne tragen muss, erschließt sich

dem Publikum und vielleicht auch ihr

selbst so recht nicht, aber sie tut es bei

großerWärme mit fröhlicherWürde −

und sie kann vonfrüher erzählen, wie

Thomas Langhoff einmal zu ihr gesagt

hat:„Spiel um dein Leben, Ruth“.

Svenja Liesau hat ihr zugehört.

NACHRICHTEN

Deutsches Fernsehballett

besteht nur noch bis 2021

Ende des Jahres 2021 soll das Deutsche

Fernsehballett aufgelöst werden.

Daskündigte Geschäftsführer

Peter Wolf am Sonntag an. Alle vertraglichen

Verpflichtungen würden

bis Ende nächsten Jahres erfüllt. Im

Frühjahr 2021 gebe es eine Abschiedstournee.Wolf

bestätigte damit

einen Bericht der Zeitung Bild

am Sonntag.„Es rechnet sich einfach

nicht mehr“, sagte er am Sonntag der

Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Bisauf den Mitteldeutschen Rundfunk

(MDR) seien die anderen Sender

nicht mehr bereit, für das Ballett

zu zahlen. Seit 2017 habe es keinen

Auftrag mehr vomZDF gegeben,

sagte Wolf. Er habe deshalb den

MDR, der das 1962 gegründetete

Ballett nach der deutschen Vereinigung

übernommen hatte,umeine

Beendigung der fast 30-jährigen Zusammenarbeit

gebeten –dem sei

entsprochen worden. (dpa/BLZ)

MaryHiggins Clark

mit 92 Jahren gestorben

Ihre Krimis wie „Warte bis du

schläfst“, „Schrei in der Nacht“ oder

„Sieh dich nicht um“ haben sich millionenfach

verkauft und sind zum

Teil verfilmt worden. Am Freitagabend

starb die amerikanische AutorinMaryHiggins

Clark, teilte ihr Verlag

Simon &Schuster auf Twitter mit.

Auch ihreMemoiren waren ein Bestseller:MaryHiggins

Clarkwuchs als

eines vondreiKinderneines irischen

Pub-Besitzers in der NewYorker

Bronx auf. IhrVater starb,als sie elf

Jahrealt war. (dpa)

„Fidelio“-Inszenierung in

Wien erhält Buh-Rufe

Alszentralen Beitrag zum Beethovenjahr

2020 hat die Wiener Staatsoper

am Sonnabend die Urfassung

vonLudwig vanBeethovens einziger

Oper „Fidelio“ herausgebracht. Der

Dirigent Tomas Netopil wurde am

Pult des Staatsopernorchesters

ebenso umjubelt wie die Solisten.

DasRegieteam dagegen wurde mit

anhaltenden Buhrufen bedacht.

Amélie Niermeyer hatte die Handlung

der„Befreiungsoper“ in ein modernes

Gefängnis verlegt. (dpa)

UNTERM

Strich

Modell Berlin

Wietrauert

diese Stadt?

VonSteffen Greiner

Für eine Stadt, die den Todinihrer Mitte

trägt, weiß Berlin wenig von der Trauer.

Im öffentlichen Raum kommt sie allenfalls in

routinierten Kranzablage-Ritualen vor. Für

die Generation Ü60 steht Berlin noch immer

für Krieg, Terror und Völkermord, es ist der

Stadt bloß rabiat egal. Das gilt erst recht für

das Abseits der großen Geschichte. Die

Friedhöfe zwischen Neukölln und Wedding

sind Parks, die sich mit Ehrengräbernfür Geheimräte

des 19. Jahrhunderts überbieten.

Neue Grabstätten streuen sich unauffällig

dazwischen, drängeln sich auf Urnenfeldern

oder quetschen sich an die Friedhofsmauern.

Berlin ist heute nur kaum kleiner als vor

100 Jahren, aber damals scheint raumgreifender

gestorben worden zu sein.

Kaum vorstellbar ein Begräbnis wie das

vonHelmut Schmidt Ende 2015 in Hamburg.

„Eine Stadt steht Spalier“, titelte der NDR. So

was machen wir hier einfach nicht. In Berlin

wurde der Sarg von Richard von Weizsäcker

kurz zuvor ohne großen Aufwand durch die

Stadt gekurvt. Dabei war der Mann Jahrzehnte

mit der Stadt verbunden, nicht nur

als Regierender Bürgermeister. Für wen

hätte Berlin heute sonst die Straßen säumen

sollen, wie noch 1992 für Willy Brandt? Wer

könnte heute die Stadtgemeinschaft so integrierend

beeinflussen? Selbst der Anschlag

vom Breitscheidtplatz konnte daran nichts

ändern. Berlin lässt sich nicht vereinen, nicht

einmal in Trauer.Gemeinschaftstümelei, die

gegen das Andere gerichtet ist, zwanghaftes

Zusammenstehen und Heldenverehrung hat

die Stadt verlernt. Weil sie sich massiv veränderthat,

in den letzten Jahrzehnten. Glücklicherweise.

IRINA RASTORGUEVA

Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass

niemand hier so richtig lebt. Klar,esgibt wenige

Orte im deutschen Sprachraum, die

besseres Leben erlauben. Aber wer wird

denn gleich Wurzeln schlagen? Werhier geboren

wird, will irgendwann weg, wer von

sonstwo kommt, will für immer bleiben und

geht dann doch wieder. Berlin ist eine Stadt

des Ankommens. Danach drängt sie dich

sachte wieder hinaus. Berlin, offene Stadt.

DieWurzeln der Berliner greifen nur Berliner

Luft. Die Gräber der Berliner liegen in Recklinghausen

und Rabat.

Wo Berlin öffentlich trauert, in einem Kollektiv

abseits des privaten Umfelds, bleibt

die Trauer widerständisch. Das passt zum

Nicht-ganz-hier-sein bestens. Berlin instrumentalisiert

seine Trauern, macht aus Toten

Symbole,ohne dass sie,wie bei den rechtsextremen

„Trauerkundgebungen“ von Chemnitz

oder Kandel, ganz dahinter verschwinden.

Die jährliche Liebknecht-Luxemburg-

Demonstration der Linken im Gedenken an

die Opfer des Bürgerkrieges 1918/19 ist weder

Personenkult noch reine Folklore, sondern

bewegt noch immer Menschen zu

Kämpfen und zeigt heute mehr denn je die

Richtungskämpfe der Bewegung. Das Aufstellen

weißer Fahrräder an Orten, an denen

Fahrradfahrer starben, die dazugehörigen

Trauerfahrten durch die Stadt sind gleichzeitig

Ausdruck vonWut über verkehrsplanerische

Ignoranz wie stilles Gedenken.

Vielleicht liegt in solchen Zügen ein Modell

für eine Trauer, die verbindet, ohne damit

nur immer zu das Bestehende betrauernd

zu bejahen. Vielleicht wäre eine solche

Trauer eine emotionale Basis, die Wurzeln

erlaubt.

SteffenGreiner ist Co-Chefredakteur der Zeitschrift DieEpilog,

kommtaus Saarbrücken, bleibtvorübergehend in Berlin.


22 Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020

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Feuilleton

The Winner Takes It All

Das Streaming medialer Inhalte revolutioniert auch die Musikbranche. Die Beteiligungsprobleme der Musiker aber sind die alten geblieben

VonMarkus Schneider

Seinem 2019 erschienenem

Buch „Rockonomics“, einer

Abhandlung über die Musikindustrie,

hat der amerikanische

Wirtschaftswissenchaftler

Alan B. Krueger ein Zitat Paul

McCartneys vorangestellt. Der

meinte, zum antimaterialistischen

Rufseiner ehemaligen Band befragt:

„Das ist ein Mythos. Wir haben uns

buchstäblich hingesetzt und gesagt:

Los, wir schreiben uns einen Swimmingpool.“

Musiker wollen zunächst Musik

machen, aber es hat auch etwas,dafür

bezahlt zu werden. Die Inspirationen

der Beatles für Songs und Alben

liegen in Streamingzeiten ferner

denn je.DemTonträgereigentum hat

das letzte Stündlein geschlagen,

schon heute wirken Deutschland

und Japan wie gallische Dörfer im

CD-Markt. In den USA überstrahlt

der Liebhaberboom des Vinyls

schon CDs und Downloads (Spitzenreiter

2019: „Abbey Road“ von den

Beatles).

0,0003 Cent

Dies haben im Dezember auch ein

paar deutsche Popstars bemerkt. Die

Manager von Helene Fischer,

Rammstein, den Toten Hosen und

andere haben einen sogenannten

Brandbrief an die verbliebenen Big

Four der Industriesavanne –Universal,

Sony, Warner und BMG – geschrieben,

in denen sie sich über die

zu geringe Entlohnung aus den

Streamingerträgen beschwerten.

Tatsächlich klingen 0,0003 Cent –so

beziffert der schwedische Streamingpionier

Spotify den Wert eines

Streams –nicht gerade üppig. Andererseits

fließen derzeit proJahr allein

in den USA mehr als eine Trillion legale

Songstreams, 80 Prozent des

Umsatzes (hierzulande sind es gut

100 Milliarden Streams), durch die

virtuellen Weiten von Spotify, Amazon,

Apple und Co –die Leute verbringen

heute mehr Zeit mit Musik

als jemals zuvor, aber sie zahlen, so

Krueger über die USA, mehr Geld für

Kartoffelchips als für Musik.

Die Umsätze der Musikindustrie

steigen dabei mit den Streamingabonnenten

– die Zahl der Menschen,

die in den Portalen fürs Hören

bezahlen, statt eine Art werbeunterbrochenes

Playlistradio aufzurufen,

ist in den USA im letzten Jahrzehnt

von1,5 auf gut 61 Millionen gewachsen.

„Und“, ergänzt Maurice Summen,

Musiker der Band Die Türen

und Chef des Staatsaktlabels, „die

Großen verkaufen nach Vinyl, CD

und Download ihre Backkataloge

Auch sie will an ihren Streamingerfolgen jetzt selbst besser verdienen: Helene Fischer beim Schlagerfest im November in Dortmund

schon zum vierten Mal.“ Die Beschwerde

der deutschen Stars weist

zunächst nur hierauf hin: Trotz Aufwärtstrends

ist das Problem für die

meisten Musiker wesentlich das

uralte geblieben. Offiziell geben

Dienste wie Marktführer Spotify zwischen

60 und 70 Prozent ihrer Einnahmen

an die Musikfirmen weiter.

Wie viel von den Umsätzen beim

Künstler ankommt, ist eine Frage

vonVerhandlung und Kleingedrucktem.

„Vielleicht wäre ein System wie

Deezer esgerade in Frankreich versuchen

will, das tatsächliches Hören

zählt und nicht nach der Summe der

Aufrufe verteilt, ein Ansatz“, sagt

Summen. „Wobei die großen Firmen

oft noch immer mit Verpackung, Lagerung

und so rechnen – obwohl

man nur eine Datei hochladen

muss.“

Auch darum geht es bei der aktuellen

Grummelei der deutschen

DER BRANDBRIEF VON HELENE FISCHER, RAMMSTEIN ETC.

Wasbisher geschah:ImDezember 2019

wendeten sich 14 Anwälte vondeutschen

Musikstars wie Rammstein, Helene Fischer,

die Toten Hosen, Sarah Connor,Peter Maffay

oder Marius Müller-Westernhagen mit einem

Brief an Spitzenmanager der vier führenden

Plattenfirmen: Universal, Sony, Warner und

die Bertelsmann-Musiksparte BMG.

Popgrößen. In Schweden hat der

Musikerverband schon vor gut fünf

Jahren mit Erfolg gegen diese Praxis

geklagt. Es geht also natürlich um

Prozentanteile. ImIndiebreich rechnet

man durchaus auch Halbehalbe

ab.Aber Teilen gehörtnun mal nicht

Sie verlangten darin,wie als Erste die Frankfurter

Allgemeine Sonntagszeitung berichtete

(26. 1.), für ihre Mandanten einen größeren

Anteil an den Einnahmen aus dem Streaming.Offenbar

hatten diese Großen der

Branche beim Abschluss ihrer letzten Verträgegedacht,

0,0003 Cent pro Stream

seien eine zu vernachlässigende Größe.

zu den Marktstrategien der Großindustrie.

InAbwesenheit einer Lobby

(für alle kreativen Freiberufler) weist

immerhin Patrick Ohrt vonder Tote-

Hosen-Firma JKP darauf hin, dass

die Beschwerde gerade auch die Interessen

weniger etablierter Künstler

IMAGO IMAGES

im Blick habe. Bezeichnend übrigens,

dass sich unter den Brandschreibernkeine

HipHopper finden:

DieStreamingkönige haben begünstigt

durch Hörerdemografie und Produktionsweise

früh aufs Netz, eigene

(Sub-)Labels und entsprechende

Verträge gesetzt.

Für Krueger, ehemals vorsitzender

Wirtschaftsberater unter Obama,

steht die Musikindustrie trotz des

vergleichsweise geringen Anteils am

Gesamtvolumen als Modell fürs

Ganze. „Die gesamte Wirtschaft

strebt zum Superstartum, und die

Winner-takes-all-Geschichte kommt

vom Vormarsch der digitalen Technologie.“

In der Musik heißt das: Die

oberen fünf Prozent bringen 85 Prozent

des Umsatzes, im Livebetrieb

wie per Konserve.

Für die Konsumenten eröffnen

die Portale natürlich einen günstigen

Zugang zu gewaltigen Archiven,

wobei die digitale Marktlogik, so

Krueger,wohl zu einer weiteren Monopolisierung

führen wird.

Aber natürlich ist Streaming auch

ein feines Instrument für Marktforschung

– und Marktmanipulation,

etwa durch Fake-Konten, die Songs

im Dauerbetrieb abrufen. Die Songstrukturen

haben sich schon den 30

Sekunden angepasst, in denen ein

Song zur Sache kommen muss, bevor

Interesse und Klickwertung verfallen.

Und keine Ware beruht so

sehr auf dem Innenleben ihrer Konsumenten

wie Musik.

Bei Katalogen von 35 Millionen

Songs übernehmen eine große Zahl

unterschiedlich fein gefilterter Playlists

die Gatekeeperfunktionen, 2018

besetzten sie bei Spotify 31 Prozent

der Hörerzeit –dass ein Stück „entdeckt“

wird, hängt zunehmend von

der Popularität von Playlists ab und

entsprechend wertvoll werden die

Plätze. Krueger spricht von einer

neuen Artvon Payola, also der Beeinflussung

durch Kampagnen, wie im

Falle des US-kanadischen Rappers

Drake, dessen „Scorpion“ so penetrant

und in den abwegigsten Playlists

gepusht wurde,dass sich Fans in

den sozialen Medien beschwerten.

Trotzdem sprengte das Album die

Streamingrekorde –die Psychologie

lehrt, dass die Wahrscheinlichkeit,

ein Stück gutzufinden, steigt, je öfter

man es um die Ohren gehauen bekommt.

Schnupperabos zum Einstieg

Problematisch sind schließlich nach

wie vordie sogenannten Freemium-

Angebote einiger Plattformen, deren

werbeunterbrochener Gratiszugang

wie die Schnupperabos zum Einstieg

kaum Geld für die Künstler bringen

und den Gesamtumsatz verringern.

Taylor Swift trat 2014 erfolgreich in

den Streaming-Streik, weshalb seit

2017 Künstler ihre Alben für einen

gewissen Zeitraum exklusiv für die

zahlende Kundschaft streamen können

(Ergebnis für Swift damals: 1,2

Millionen CDs und Downloads in einer

Woche).

Vonden BigFour hat sich Warner

aus Wettbewerbs-Sensibilität schon

aus den offiziellen Tarifverhandlungen

mit den deutschen Stars ausgeklinkt.

Schaut man auf die Filmszene,

wodie Streamingportale zunehmend

wie Studios agieren –cut

out the middleman –gibt es für die

Industrie aber natürlich gute

Gründe,sich mit ihnen gutzustellen.

Für das Gros der eher prekär lebenden

und liverackernden Künstler indes

werden Swimmingpools wohl

auch nach der Tarifrunde eher nicht

drin sein.

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Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020 23

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Feuilleton

Das Leben ist

zu kurz für

miese Laune

Irmgard Knefs neue Show

in der Bar jeder Vernunft

VonIrene Bazinger

Esstimmt tatsächlich –Hildegard

Knef, geboren 1925 in Ulm,

würde in diesem Jahr 95 Jahre alt

werden. Unddas gilt ebenso für ihre

Zwillingsschwester Irmgard, die der

54 Jahrealte Autor,Regisseur,Schauspieler,Chansonnier

und Kabarettist

Ulrich Michael Heissig bereits 1999

erfunden hat. Er ist dieser fiktiven

Figur in mehreren Programmen

treu geblieben und lässt sie jetzt aus

ihrer Erdgeschoßwohnung in

Kreuzberg ins Seniorenheim nach

Charlottenburg ziehen. „Irmgard

Knef barrierefrei –mit 95 noch dabei“

heißt Heissigs neuer Abend in

der Bar jeder Vernunft, und der ist

ihm leichthändig fein und rundherum

schön gelungen.

Meist sitzt die alte Irmgardauf ihrem

Rollator und plaudert von dort

aus ungerührt scharfzüngig ins Publikum,

erzählt vonihrem „Hotel Interkontinental“,

in dem viele gefallene

Mädchen wie sie betreut wohnen

–weil sie daheim gestürzt sind.

Sie begreift nicht, warum sie nachts

nicht schlafen kann, denn „tagsüber

geht’s doch auch“. Aber wenn sie

dann aufsteht und ihr nasales Kommando

„Kindchen, fahr ab!“ Richtung

Tontechnik schnarrt, wenn die

Musik einsetzt und Irmgard zusingen

beginnt, fallen die Jahre von ihr

ab und sie wird fast wieder jung,

Motto: „Das Leben ist zu kurz, um

schlecht drauf zu sein!“ Sie singt mit

ihrem berühmten Tremolo, sie

schunkelt zum Tango, schmachtet

zum Chanson, rappt mit Fontanes

„Herrnvon Ribbeck“.

Heissig hat diese Figur als

Double vonHildegardKnef erschaffen

und ist darin derartperfekt, dass

er seiner Irmgard sogar ein paar

künstlerische Freiheiten gestatten

kann. „Seid vernünftig, denkt barrierefrei!“,

heißt es in dem titelgebenden

Lied, dazu kommen Umdichtungen

und Adaptionen. So sind nun

in „Für mich soll’s rote Rosen regnen“

besagte Blumen ausverkauft

und Irmgard kriegt stattdessen Primeln

(!) geschenkt.

Siewill keine Alkoholpralinen, sie

will lieber einen Joint, aber sie will

nicht lange darauf warten, schließlich

hat sie mit 95 Jahren keine Zeit

zu verlieren. Die unterschiedlichen

Aggregatzustände des Menschseins

weiß Ulrich Michael Heissig hinreißend

und bewegend darzustellen,

verrät kokett die Alltagsgebrechen

der„Grande Dame des halbseidenen

Showbiss“ –und wie sie sich mitWitz

und Grandezza davon emanzipiert.

Selbst wenn sie sich am Kurfürstendamm

in der „City West“ nicht mehr

auskennt, hat sie doch ihr Leben

nach wie vor unverzagt melancholisch

und fröhlich pessimistisch im

Griff. „Noch geht’s uns gut“, postuliertsie

mit vokaler Entschlossenheit

und zeigt, wie das Alter mit Herz und

Humor erträglich sein könnte.

Irmgard Knef „Barrierefrei“ bis9.2., Bar jeder

Vernunft, Karten 17 bis27Euro, Tel. 883 15 82

Ulrich Michael Heissig als Irmgard Knef

barrierfrei dekoriert.

ROBERT RECKER

Süße Apotheose

„Die Wand“: Sophie Rois bringt den Einsamkeitsroman von Marlen Haushofer als Solo-Party auf die Bühne

VonUlrich Seidler

Wem bis dahin noch

nicht aufgefallen ist,

dass er einem kulinarischen

Abend beiwohnt,

für den lässt der Regisseur

und Bühnenbildner Clemens Maria

Schönborn inaller Deutlichkeit ein

Zeichen aus dem Schnürboden

herab: ein Stück dreibödige Erdbeertorte,

groß wie eine Garage, mit erotisierenden

Schäumen und Fruchtstücken,

knackigen Schokosplittern

und einer Sahnedecke, auf der man

Ski fahren könnte. Später setzt sachter

Schneefall ein, Staubzucker glitzert

auf diesen Gipfel der Genüsse

nieder und dazu ist Bachs Kantate

„Ich habe genug“ zu hören, dieses

trostreiche Lebensabschiedslied:

„Ach, möchte mich von meines Leibes

Ketten der Herr erretten!“ Ganz

zartwirdvon solcher süßen, schmatzigen

Fettigkeit der Brechreiz gekitzelt,

aber schön ist es doch.

Der namenlosen Heldin des

Abends mögen sich solche Fantasien

in dem Wissen aufdrängen, dass sie

nie wieder im Leben eine Orange essen

wird. In einem Hochtal mit Berghütte

ist sie über Nacht voneiner unsichtbaren

Wand, hinter der alles tierische

und menschliche Leben erloschen

ist, eingeschlossen worden.

Wie unter einer Glasglocke, eingesperrt

inein Gebirgsidyll, fristet sie

zusammen mit einer trächtigen Kuh,

einem Hund und einer immer wieder

jungenden Katzeihr Dasein. Wer

könnte ihr verdenken, dass sie beim

Anblick eines Gletschers den süßen

Fluff vonSchlagobers imaginiert?

Sophie Rois spielt die Ich-Erzählerin

aus dem existenzialistischen,

spannenden, mit heller Genauigkeit

gefügten Roman „Die Wand“, den

die Österreicherin Marlen Haushofer

(1920–1970) in den Sechzigern

geschrieben hat. Dieisolierte Erzählerin

ist auf sich selbst zurückgeworfen,

sie hat ihr Ende vorAugen, kann

es an den schwindendenVorräten an

Zündhölzern nahen sehen. Sie richtet

sich ein, lernt ihre Kräfte und

Grenzen kennen, wirtschaftet nachhaltig,

verbindet sich mit den Tieren,

löst sich von allen Zuschreibungen

und blickt irgendwann mit einer Zufriedenheit

in die Sonne,die für uns,

die wir unter der Glocke der modernen

Welt leben, unerreichbar ist.

2012 wurde der Roman mit Martina

Gedeck verfilmt, und er wurde

Sophie Rois erklimmt den Gipfel, das Ende der brünftigen Böckeist nah.

ARNO DECLAIR

Selbst der Kommissar steckt voller Trauer

nun in ökofeministischen Kreisen

neu entdeckt. Vielleicht auch wegen

des gar nicht so metaphorisch, sondern

forstwirtschaftlich gemeinten

Umgangs mit röhrenden Hirschböcken

in der Brunftzeit. Von wegen

„helle Herausforderung, Stolz und

Lust“: „Für mich klang es nach einem

schrecklichen Zwang, der die

Böcke dazu trieb. Damals schoss ich

fast nur alte Böcke.Das Fleisch eines

Brunfthirsches ist völlig ungenießbar.

Ich aß nur die Leber, das Blut

und seine Eingeweide.“

Und wenn Sophie Rois den Sahnegipfel

erklimmt und von oben die

Flinte aus der Hüfte knapp am Parkett

vorbei abfeuert − „wieder einer“

−dann ist das mehr als eine Pose feministischer

Ermächtigung. Dann

ist die asketische, trostbefreite, aber

eben echte und dringliche Wirklichkeit,

von der der Roman erzählt, zu

einem goldenen Pudding für eine

glorreiche und fröhliche Apotheose

der Frau gereift. Da ist es dann auch

gar nicht mehr nötig, dass am Ende

wie im Roman ein Mann auftritt und

ohne Erklärung die Gefährten der

Erzählerin − ihren Hund und ein

Stierkalb,das für Nachwuchs und ein

Überleben hätte sorgen konnen −

totschlägt. Nö, wir brauchen sie

nicht, die Männer,für diese Party.

Depression, Einsamkeitsgefühle

und Todesfurcht sind dem Buch ausgetrieben.

Stattdessen wird eine luxuriöse

und freudvolle Selbsthuldigung

mit ein bisschen Austropop

und Dylan-Blues gefeiert: DieBühne

ist die Welt und die Welt eine sturmfreie

Bude. Keiner, der reinquatscht,

alle Regeln auf null, und niemand,

dem man die Schuld zuschieben

kann. Aufden ersten Blick macht das

die Sache vielleicht ein bisschen

harmlos, aber vielleicht rutscht einem

der Text auf diese Weise tiefer

ins Gehirn und hakt sich dort ein:

„Wahrscheinlich klingt das sehr

grausam, ich wüsste aber nicht, wem

ich heute noch etwas vorlügen sollte.

Ich kann mir erlauben, die Wahrheit

zu schreiben; alle, denen zuliebe ich

mein Leben lang gelogen habe, sind

tot.“ DasParkett war nicht tot, es applaudiert

nach einer kurzen Stunde

fröhlich, während Sophie Rois und

ihr Team an der Rampe tanzen. Wie

schön, dass wir einander haben.

SophieRoisfährtgegendieWand … 16.,26. 2.,

19.30Uhr, DeutschesTheater,Tel.: 28441225,

deutschestheater.de

Das Drama „Tage des letzten Schnees“ im ZDF nach einem Kriminalroman von Jan Costin Wagner

VonTorsten Wahl

Erst freut sich der Architekt Lars

(Barnaby Metschurat) über den

letzten Schneefall. Dann wirderihm

zum Verhängnis. Auf glatter Straße

im dichten Schneetreiben, abgelenkt

von der Musik und geblendet

vom Gegenverkehr, überschlägt er

sich mit dem Auto –die elfjährige

Tochter auf dem Rücksitz stirbt. Der

Hamburger Kriminalkommissar Johannes

Fischer (Henry Hübchen)

muss sich noch um eine zweite Tote

aus jener Nacht kümmern: Auf dem

Hof einer schicken Apartment-Siedlung

liegt die erschossene Lisa, eine

junge, aus Rumänien stammende

Studentin (Mercedes Müller).

Zwei Todesfälle, zwei Familien −

und zwei Männer geraten in den Fokus.

Der nur leicht verletzte Todesfahrer,

noch schwer unter Schock,

flüchtet sich in die Beteuerung, der

Fahrer des Gegenverkehrs hätte den

Unfall verursacht. Parallel begleitet

der Film den Banker Markus (Bjarne

Mädel), der die ermordete Lisa acht

Wochen zuvor bei einer Dienstreise

nachts in einer Hotelbar kennengelernt

und ihr in Hamburg ein schickes

Apartment eingerichtet hatte.

Seine depressive Frau (Christina

Christina Große und Bjarne Mädel; als Kind: Moritz Thiel.

Große) ahnt nichts vom Verhältnis,

nur sein kleiner Sohn zieht Markus

noch nach Hause.

Im Zentrum des Films aber steht

nicht der Zusammenhang der ominösen

Fahrten im Schneetreiben,

sondern die Frage, wie die beiden

Paare mit dem dramatischen Verlust

und der starken Entfremdung umgehen.

Die beiden nur lose verknüpften

Geschichten kommentieren einander,sowohl

die Kontraste als auch

die Gemeinsamkeiten geben dem

DPA/ZDF/MARION VON DER MEHDEN

Drama seine eigene Spannung. Voller

Trauer steckt auch der Kommissar.

Inder Buchvorlage von Jan Costin

Wagner steht er sogar im Mittelpunkt.

Drehbuchautor Nils-Morten

Oburg verlegte die Handlung von

Finnland nach Norddeutschland und

koppelte das Buch aus der Reihe um

den Kommissar Kimmo Joentaa aus.

Derdeutsche Kommissar Fischer hat

seine Frau vor einem Jahr verloren

und stürzt sich deshalb auch nachts

in die Arbeit oder fährtandie See.

Der Regisseur Lars-Gunnar Lotz,

der ansonsten für das ZDF die„Stralsund“-Krimis

in Szene setzt, steigt

hier aus der Krimi-Dramaturgie aus,

nennt „Tage des letzten Schnees“ einen

Film über Einsamkeit und findet

angemessene, passende Bilder. Allein

wie er die trauernden Figuren in

ihren Räumen arrangiert, erzählt

viel, die Dialoge bleiben sparsam,

fast karg, aber genau.

Diedurchweg starken Schauspieler

bringen einem die Figuren ungewöhnlich

nahe. Das gilt für Barnaby

Metschurat und Bjarne Mädel

ebenso wie für ihre Filmfrauen: Victoria

Mayer spielt die Gattin des Todesfahrers,

die den Todder Tochter

zunächst völlig verdrängt und dann

so starkvon der Trauer gepackt wird,

dass sie nicht mal zur Beerdigung gehen

kann. Christina Große zeigt in

wenigen Szenen, dass sie die Ehe gar

nicht aufgegeben hatte, von ihrem

Mann aber kaum noch gesehen

wird. Während sich das Drama um

Schuld und Verantwortung zuspitzt,

deutet der Film schließlich eine Art

Ausweg für Kommissar Fischer an –

Henry Hübchen hätte man gern

noch öfter in dieser Rolle gesehen.

Tage desletzten Schnees –Mo, 3.2., 20.15 ZDF

Ohne

Kompromisse,

immer

Zum Toddes Gitarristen

Andy Gill von Gang of Four

VonJohannes von Weizsäcker

Noch vom Krankenhausbett aus

habe Andy Gill, kreativer Kopf

der britischen Gruppe Gang of Four,

Mixe fürs neue Album durchgehört

und die nächste Tour geplant. Das

schrieb die Band, als sie am Sonnabend

Gills Todnach kurzer Krankheit

im Alter von 64Jahren mitteilte.

Genau diese widerborstige Fokussiertheit

hört man in der Musik, die

Gill mit seiner Band machte: Seine

abgehackten Gitarrenakkorde komprimierten

die Figuren von DrFeelgoods

Wilco Johnson zu etwas noch

Pointierterem, Schärferem, und seine

Rückkoppelungsschichten umrahmten

Frankfurter-Schule-trifft-Punk-

Fanzine-Slogans des Sängers Jon

King mit glasklarem Druck.

Gill und King gründeten die Band

1976, als sie Kunststudenten in Leeds

waren, auf der Höhe der Punk-Welle

erkannten sie dessen Potenzial zur

Weiterentwicklung in Richtung einer

differenziert artikulierten, politischen

Pop-Musik: Indem sie Funkund

Dub-Elemente mit der nihilistischen

Wutdes Punkrock verbanden,

wurden sie maßgebliche Exponenten

dessen, was bis heute als Post-

Punk bekannt ist – eine von der

Mach-es-selbst-Punk-Attitüde mehr

als vom Punkrock-Sound inspirierte

Musik, die folgerichtig keine spezifische

Musikrichtung darstellt, sondern

mehr eine Art Einladung an

Musiker aller Richtungen, die keine

Lust haben, sich den Vermarktungssystemen

von Entertainment-Großkonzernen

zu unterwerfen.

Was im Fall von Gang of Four

dazu führte, dass ihr erstes Album

den semi-ironischen Titel „Entertainment!“

trug und 1979 beim

Großkonzern EMI erschien! Wo andereaus

Angst vordem eigenen Ausverkauf

zurückgeschreckt wären, gelang

es Gang of Four,das System von

innen für sich zu appropriieren –jedenfalls

produzierte Gill das Album

selbst – und es klingt auch heute

noch so kompromisslos wie damals:

das Konsumkritikstück “Damaged

Goods“ wie “Anthrax“, in dem man

die Wurzeln prägender Undergroundgruppen

der 90er-Jahre wie

Fugazi oder Slint identifizieren kann.

Gerade auf die US-Szene hatten

Gang of Four – benannt nach der

Viererbande in Mao Tse Tungs Führungselite

–besonderen Einfluss. So

kreierte Gill später als Produzent Alben

der Red Hot Chilli Peppers oder

von The Jesus Lizard mit, und Kurt

Cobain outete sich in seinenTagebüchern

als Fan. Durch die Jahrzehnte

gingen und kamen die Mitglieder,

einzig Gill blieb immer da, mit grimmiger

Entschlossenheit ließ er seine

Fender-Gitarre klirren, während

hunderte Epigonen ihm durch die

Jahrzehnte nachklirrten. Legen Sie

heute noch einmal “Entertainment!“

auf den Plattenteller und schauen

Sie aus dem Fenster oder ins Internet:

Es gibt noch immer verdammt

viel, worüber man pissed sein kann.

Andy Gill (1956–2020) bei einem Konzert

2011 in der NewYorkerWebster Hall. AP


24 Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Berliner Ensemble (& 28 40 81 55)

19.30: Felix Krull –Stunde der Hochstapler

Berliner Kriminal Theater (& 47 99 74 88)

20.00: Die Therapie

Deutsche Oper Berlin (& 34 38 43 43)

20.00 Tischlerei: EinGeschäft mitTräumen

GarnTheater (& 78 95 13 46)

20.30: Die Schädlichkeit des Tabaks und andere

Ungeschicklichkeiten

Grips Hansaplatz (& 39 74 74 77)

19.30: Linie 1

Radialsystem (& 288 78 85 88)

19.00: DabkeCommunity Dancing

Schaubühne (& 89 00 23)

20.00: Orlando

20.30: Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs

TanzTangente (& 43 77 78 64)

19.30: Dance Festival 2020 –All Generations:

objects (TanzTangente)

Theater im Delphi (& 70 12 80 20)

20.00: Odyssey: Dead MenDie (Opera Lab Berlin)

Volksbühne Berlin (& 24 06 57 77)

20.00 3. Stock: vengapoise –ibizasky

KABARETT/VARIETÉ

1820 Bar (Rosa-Luxemburg-Str.41)

20.30: Cosmic ComedyOpen-Mic

Bar jeder Vernunft (& 883 15 82)

20.00: Aufgeräumt (Lo Malinke)

BKA (& 202 20 07)

20.00: TheatersportBerlin: Das Match

Distel (& 204 47 04)

20.00: Skandal im Spreebezirk

Schlosspark Theater (& 78 95 66 71 00)

20.00: Milstersingt Musical (Angelika Milster)

Stachelschweine (& 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

Wühlmäuse (& 30 67 30 11)

20.00: Der blaue Montag: Die ganze Stadt in einer

Show(Arnulf Rating,Mod.)

KLASSIK

Evangelische Kirchengemeinde in der Friedrichstadt

(& 204 35 48)19.30: Melen-Trio –Clarissa

Forster-Mommert(Violine), Katharina Becker(Viola),

Marika Gejrot(Violoncello), bei Schleiermacher,Streichtrios

vonGraham Waterhouse, Bernhard Romberg

und Ludwig vanBeethoven

Konzerthaus Berlin (& 203 09 21 01)

20.00 Kl. Saal: Akademie für Alte Musik Berlin, Georg

Kallweit (Violine), Xenia Löffler (Oboe), Werkevon

Lully,Scarlatti, C.P.E. Bach, Telemann, Vivaldi u. a.

Philharmonie (& 25 48 83 01)

20.00: Game of Thrones –The ConcertShow:

Sänger*innen und Musiker*innen der Cinema Festival

Symphonics, Ltg.Stephen Ellery

Pierre Boulez Saal (& 47 99 74 11)

19.30: SirAndrás Schiff(Klavier), Johann Sebastian

Bach: Das wohltemperierte Klavier,Band II

KINDER

Alte Dorfschule Rudow (& 66 06 83 10)

15.00: Kinderferienprogramm: Gummibärchendruck,

Workshop mit Christiane Boese (ab6J.)

Amerika-Gedenkbibliothek (& 902 26 -0)

10.00 Lernzentrum: Ferienprogramm: Lärmlabor,

Musikelektronik-Workshop (ab 9bis 3J.). Anm. erf.

Atze Musiktheater (& 81 79 91 88)

10.00 Studio: Des Kaisers neue Kleider (ab5J.)

10.30: Die Reise zum Mittelpunkt der Welt, Gastspiel

Erfreuliches Theater Erfurt(ab 6J.)

Cabuwazi –Zelt Kreuzberg (& 29 04 78 40)

10.00: Zirkusferien bei CABUWAZI im Winter 2020,

Fünf Tage Workshop (ab 7J.)

Cabuwazi –Zelt Springling (& 60 96 28 48)

10.00: Zirkusferien beiCABUWAZI im Winter 2020,

Fünf TageWorkshop (ab 7J.)

Cabuwazi –Zelt Tempelhof (Columbiadamm 84)

10.00: Zirkusferien bei CABUWAZIimWinter 2020,

Fünf Tage Workshop (ab 7J.)

Cabuwazi –Zelt Treptow (& 544 90 15 18)

10.00: Zirkusferien bei CABUWAZI im Winter 2020,

Fünf Tage Workshop (ab7J.)

Computerspielemuseum (& 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

Das weite Theater (& 991 79 27)

10.00: Pettersson und Findus –Eine Geburtstagstorte

für die Katze (ab 4bis 10 J.)

FEZ Berlin (& 530 71 -0)

10.00: FEZ –Kinder und Familien: Das Zauberschloss

–Wissen schafft Magie. Berlins beste Ferien!

Freizeitforum Marzahn (& 542 70 91)

10.00: 6. Kinder-Saal-Winter:Rumpelstilzchen,

FFM-Theaterensemble &Kinderballett Konfetti

Grips Podewil (& 39 74 74 77)

10.00: Vier sind hier (ab 2J.)

JugendmuseumSchöneberg (& 902 77 61 63)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

Labyrinth Kindermuseum (& 800 93 11 50)

9.00:Natürlich heute!, Umweltausstellung für Kinder

Neues Museum (& 266 42 42 42)

10.00 Informationsstand Neues Museum: Malerei

und Farbe der Steinzeit, dreitägiger Workshop. Anm.

erf.

Planetarium am Insulaner (& 790 09 30)

10.30: Raumschiff Erde

Puppentheater Firlefanz (& 283 35 60)

16.00: Kasper heiratet, Lustiges Kaspertheater

(ab 3J.)

Schwartzsche Villa (& 902 99 22 12)

10.30: Däumelinchens Reise, Maria Mägdefrau

(ab 4bis 9J.)

TanzTangente (& 43 77 78 64)

10.00: Dance Festival 2020 –All Generations: Undo

III +Aller Anfang,2Tanzstücke(ab 4J.)

LITERATUR/VORTRAG

Literaturhaus Berlin (& 887 28 60)

21.00: Wortservierungen: Aufruf an die letzte Generation

–Handeln stattHoffen, vonCarola Rackete mit

Richard Burger

Schwartzsche Villa (& 902 99 22 12)

20.00 Kl. Salon: Autorenforum: Lesen –Zuhören –

Diskutieren, Vorlesen unveröffentlichter Texte

Urania (& 218 90 91)

20.00: DLF Nova Podcastfestival Berlin: Machiavelli /

Eine Stunde Film

FÜHRUNG

Bärentouren (& 015 20 -5 22 67)

14.00: Bunker und Botanik im Humboldthain –

Geschichts- und Biologieführung im Stadtbiotop vom

2. Weltkrieg bis heute, Treff: Eing.S-Bhf. Humboldthain,

Hochstr.. Anm. erf.

16.00: Berlin zur Zeitder Romantik –Literaturführung

vonE.T.A. Hoffmann über die Brüder Grimm bis

AdalbertChamisso, Treff: Schillerdenkmal, Gendarmenmarkt.

Anm. erf.

20.00: Fledermaustour –Alt-Berliner Sagen und

Anekdoten: Romantiktour zwischen Hackeschem

Markt und Klosterviertel, Treff: Klosterruine –Klosterstr./Grunerstr.(Nähe

U-Bhf. Klosterstraße). Anm. erf.

22.00: Nachtwächtertour –Auf den Spuren von

Sagen und GespensternimNikolaiviertel und Alt-Berlin,

Treff: Eing.Nikolaikirche, Propststr.. Anmeldung

erforderlich

Deutsches Historisches Museum (& 20 30 40)

15.00: Wilhelm und Alexander vonHumboldt,

Öffentliche Führung

Olympiastadion (& 30 68 86 18)

11.00: Tour durchs Olympiastadion

11.30: Tour durchs Olympiastadion (in English)

Diskussion

Das ist

nicht meine

Geschichte

Als das Theatertreffen auf

die Idee mit der temporären

Frauenquote kam − also

dass im Tableau der zehn eingeladenen

Regiepositionen

zwei Jahrelang die Hälfte weiblich

besetzt sein muss −wurde

sofortauch in anderen Kategorien

Regulierungsbedarf angemeldet.Warumkeine

Quote für

Provinztheater oder für Neubundesbürger

oder für Über

Sechzigjährige oder Unter

Dreißigjährige? Jetzt wird’s albern.

Aber wie soll man dem

Missstand beikommen, dass

das auf deutschen Bühnen Gezeigte

noch immer nicht die

Gesellschaft repräsentiert und

neben Frauen vor allem Menschen

mit Migrationshintergrund

ausschließt? Daswirdin

der Volksbühne unter anderemmit

Theaterpraktikernund

-theoretikern wie Susanne

Keuchel, Thomas Köck, Sandrine

Micossé-Aikins, Pinar Karabulut

und Dan Thy Nguyen

diskutiert. Ulrich Seidler

That’snot my story. Ab 16 Uhrinden Salonsder

Volksbühne,T.: 24065777

Vorliebe für

Aprikosencocktails

VomLeben ins Werk,von Sprache zu Sprache,

Kultur zu Kultur –

diese Literaturwoche widmet sich der

Kunst der Übersetzung

Die Dichterin Uljana Wolf tritt am Mittwoch bei einer öffentlichen Veranstaltung im Rahmen ihrer Gastprofessur an der FU im Literarischen Co

Nicht jeder Text erschießt

sich von allein, insbesondere

Älteres und Lyrik

brauchen öfter ein

bisschen Hilfestellung. Den250. Geburtstag

des Dichters Friedrich Hölderlin

zum Beispiel werden im März

manche feiern, ohne je eine Zeile

von ihm gelesen zu haben. Hölderlins

Leben bietet auch zweifellos die

eingängigeren Motive: Es gibt unglückliche

Liebe, künstlerischen

Ehrgeiz, ja Genie und einen Psychiatrieaufenthalt,

der aus heutiger Sicht

wie ein einziger Horrortrip erscheint.

Vielleicht öffnet diese bewegte

Vita einen Zugang zum Werk?

Einen Versuch ist es jedenfalls

wert, dachte sich offenbar das Team

von „Friedrich Hölderlin. Dichter

sein. Unbedingt!“, einer neuen Arte-

Dokumentation. Der Film kombiniert

Spielszenen mit Aufnahmen

von Originalschauplätzen und lässt

außerdem Literaturexperten, darunter

Durs Grünbein und Daniela

Danz, zu Wort kommen. Im Literaturhaus

wird am Mittwochabend

eine knapp einstündige Fassung gezeigt,

außerdem steht die RegisseurinHedwig

Schmutte zur Diskussion

Sabine Rohlf

hat beim Lesen nicht den Anspruch,

immer alles zu verstehen.

Manchmal macht es auch Spaß,

ins Offene zu lesen.

bereit. Für alle, die sich für das vieldiskutierte

Verhältnis von Werk und

Leben interessieren, und für alle,die

einfach nur neugierig auf einen

demnächst gefeierten deutschsprachigen

Groß-Dichter sind. Und danach

vielleicht etwas vonihm lesen.

WerLyrik lieber mit den Mitteln

der Sprache erkundet, kann das am

gleichen Abend im Literarischen

Colloquium tun: Thema ist hier das

Übersetzen vonGedichten –eine anspruchsvolle,

jafast unlösbare Aufgabe:

Hat doch jede Sprache ihre eigenen

Klänge und Rhythmen, Wortspiele,

Reime, Betonungen und Silben.

Dennoch wird Lyrik übersetzt,

und zwar ganz ausgezeichnet. Es

fragt sich, was genau dabei eigentlich

transformiert, nachgedichtet

oder neu geschaffen wird. Die Lyrikerin

und Übersetzerin Uljana Wolf

beschäftigt sich als August-Wilhelmvon-Schlegel-Gastprofessorin

der

FU mit eben dieser Frage und Kunst.

Ein Semester lang arbeitete sie mit

Studierenden, begleitete, diskutierte

und reflektierte deren Übersetzungen.

In einer öffentlichen Abschlusssitzung

des Seminars werden Ergebnisse

dieser Arbeit vorgestellt, die

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (& 883 85 51) Little Women

14.30,17.20,20.15

Cinema Paris (& 881 31 19) Les miserables

15.00, 20.30; Les miserables (OmU) 17.45

Delphi Filmpalast (& 312 10 26) Little Women

14.00, 17.00, 20.00

Delphi LUX (& 322 93 10 40) Jojo Rabbit (OmU)

16.00, 21.00; Jojo Rabbit (OF) 13.30, 18.30;

1917 –Der Film (OmU) 20.30; Das geheime Leben

der Bäume 15.20; Parasite 17.40; Ein verborgenes

Leben 14.20, 20.00; Sorry We Missed You (OmU)

17.40; 1917 –Der Film 14.40, 17.20, 20.00; Judy

13.30, 16.00, 18.40; Judy (OmU) 21.15; Knives

Out (OmU) 20.50; Knives Out (OF) 18.00; Vom

Gießen des Zitronenbaums 15.20; Einsam zweisam

16.30;Freies Land 13.40;The Peanut Butter Falcon

(OmU) 19.00; Queen &Slim (OmU) 21.15

Filmkunst 66 (& 882 17 53) Das Vorspiel 17.45,

20.15;Crescendo#makemusicnotwar 20.00; Pavarotti

(OmU) 17.30

Kant Kino (& 319 9866) Die fantastische Reise

des Dr. Dolittle 13.20,15.40,18.20,20.45; Knives

Out 20.30; Das Vorspiel18.00; DieHeinzels 14.00,

15.20; Sorry We Missed You 15.50, 18.10, 20.30;

ARainy Day In New York 16.15; Spione Undercover

14.00; Latte Igel und der magische Wasserstein

13.30; Lindenberg! 17.10, 20.00; Als Hitler das

rosaKaninchenstahl20.00;KnivesOut 17.10; Das

Vorspiel 15.00

Zoo Palast (& 01805/22 29 66) Atmos: Bad Boys

for Life 20.00, 23.05; 3D: Die fantastische Reise

des Dr. Dolittle 14.10; 3D, Atmos: Star Wars: Der

Aufstieg Skywalkers 16.45; 3D: Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 17.40; Die Hochzeit 20.15,

23.10; Jumanji 14.45; Die Eiskönigin II 14.20;

Joker 22.50; Lindenberg! 19.45; Das perfekte Geheimnis

17.00; 3D: Die fantastische Reise des Dr.

Dolittle 20.30, 23.00; Die fantastische Reise des

Dr.Dolittle 15.00; DieHochzeit 17.30; BadBoysfor

Life 17.50; Die Hochzeit 15.00; Jojo Rabbit 20.30,

23.15; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 20.20;

Jojo Rabbit 17.45; Lindenberg! 14.30; Parasite

23.05; Knives Out 17.00, 20.00, 23.00; Vier zauberhafte

Schwestern 14.40

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (& 20 07 88 88) 2040 –Wir

retten die Welt! (OmU) 13.15; ARainy Day InNew

York (OmU) 17.00; Jeanne d‘Arc (OmU) 11.00; Der

Leuchtturm (OmU) 22.30; Lindenberg! 14.45; Die

Sehnsucht der Schwestern Gusmao (OmU) 18.30;

Les miserables 20.45;

Bunuel im Labyrinth der Schildkröten 12.45; The

Farewell (OmenglU) 16.00; Der geheime Roman

des Monsieur Pick (OmU) 14.15; Marianne &Leonard

–Words of Love (OmU) 11.00; Midsommar

–Director‘s Cut (OmU) 22.00; Queen &Slim 19.40;

Systemsprenger (DFmenglU) 17.40; Die Eiskönigin

II 16.45; Jam (OmU) 11.00; Die Kunst der Nächstenliebe

18.30; Motherless Brooklyn (OmU) 12.40;

Parasite –Gisaengchung (OmU) 20.15; Das Vorspiel

(OmenglU) 15.05; Why Don‘t You Just Die! –

Papa, sdokhni (OmU) 22.30

Tilsiter-Lichtspiele (& 426 81 29) Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 16.00; Freies Land 22.45;

Das geheime Leben der Bäume 14.00; Lara 18.15;

Lindenberg! 20.15; Land desHonigs (OmU) 22.20;

Der marktgerechte Mensch 14.00; Schönheit &Vergänglichkeit

18.20; Systemsprenger 16.00,20.00

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz IMAX: 1917 –Der

Film 14.00, 17.00, 20.00; 3 Engel für Charlie

20.10; Bad Boys for Life 14.40, 16.50, 17.30,

19.30, 19.50; Countdown 18.15, 20.40; Die Eiskönigin

II 14.30; 3D: Die fantastische Reise des

Dr. Dolittle 14.45, 17.45, 20.30; Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 14.10, 16.45, 21.00; Das

geheime Leben der Bäume 17.10; Die Heinzels

13.50, 16.00; Die Hochzeit 14.30, 17.20, 20.15;

Jojo Rabbit 17.10, 19.50; Jumanji 13.50, 17.45,

21.00; Kartoffelsalat 3 – Das Musical 15.10,

17.30; Knives Out 14.10; Latte Igel und der magische

Wasserstein 15.00; Lindenberg! 17.15,

20.30; Little Women 14.20, 17.30, 20.45; Little

Women (OF) 19.40; Sneak Preview 20.30; Spione

Undercover 14.45; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

17.40; Die Wolf-Gäng 15.00

Zukunft (& 01 76/57 86 10 79) Das geheime Leben

der Bäume 18.00; Joker (OmU) 22.30; Knives

Out(OmU) 20.00; Darkroom –Tödliche Tropfen(DFmenglU)

22.15; Systemsprenger (OmenglU) 18.00;

Vom Gießen des Zitronenbaums (OmU) 20.20

HELLERSDORF

CineStar (& 04 51/703 02 00) Bad Boys for

Life 16.20, 20.00; Die Eiskönigin II14.15, 16.50;

3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 13.50,

16.30, 19.20; Die Heinzels 13.40, 16.50; Die

Hochzeit 13.50, 17.00, 19.30; Jumanji 16.45,

19.30; Knives Out 19.45; Lindenberg! 19.50; Spione

Undercover 14.00; 3D: Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 19.40; Vier zauberhafte Schwestern

14.00; Die Wolf-Gäng 14.15, 17.10

Kino Kiste (& 998 7481) Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl 14.50; Cats 18.25; 3D: Die Eiskönigin

II13.00; Latte Igel und der magische Wasserstein

16.55; Systemsprenger 20.20

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (& 038 71/211 4109) 1917 –Der

Film 17.15, 20.00; Die Addams Family 12.40;

Bad Boys for Life 17.00, 20.00; Countdown 17.45,

20.10; Django Unchained 19.45; Die Eiskönigin II

10.20, 12.10, 14.20; 3D: Die fantastische Reise

des Dr. Dolittle 15.10, 17.40, 20.15; Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 12.00, 14.30, 19.50;

Die Heinzels 10.30, 12.15, 14.40, 16.50; Die

Hochzeit 15.00, 17.10, 19.45; Jumanji 16.50; Der

kleine Rabe Socke 10.40; Der König der Löwen

12.20; Latte Igel und der magische Wasserstein

12.45, 14.45; Lindenberg! 19.40; Pettersson und

Findus 10.50; 3D: Spione Undercover 12.40; Spione

Undercover 14.45; 3D: Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 16.45; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

19.50; Thomas und seine Freunde 10.20; Vier

zauberhafte Schwestern 12.30, 14.50; Die Wolf-

Gäng 12.30,14.50, 17.20

KREUZBERG

Babylon (& 61 60 96 93) A Jojo Rabbit (OmU)

16.50, 21.40; Sorry We Missed You (OmU) 19.20;

B Mystify –Michael Hutchence (OmU) 16.10; Parasite

–Gisaengchung (OmU) 18.30;SorryWe Missed

You (OmU) 21.20

fsk amOranienplatz (& 614 24 64) Sorry We

Missed You (OmU) 17.45, 19.45, 21.45; Das Vorspiel

18.00; Les miserables (OmU) 20.00, 22.15

Moviemento (& 692 4785) Als Hitler das rosa

Kaninchen stahl 14.15; Darkroom –Tödliche Tropfen

21.15; Darkroom –Tödliche Tropfen (OmenglU)

23.15; Die Kunst der Nächstenliebe 19.00; Little

Joe –Glück ist ein Geschäft (OmU) 16.45; Jojo

Rabbit (OmU) 10.00, 12.30, 15.00, 17.30, 20.00;

Die Kunst der Nächstenliebe (OmU) 22.30; Als

Hitler das rosa Kaninchen stahl 17.00; Der kleine

Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen Schatz

11.00; Die Kunst der Nächstenliebe 14.45; Der

Leuchtturm(OmU) 21.45;Thomasund seine Freunde:

Große Welt! Große Abenteuer! 12.45; Vom Gießen

des Zitronenbaums (OmU) 19.30

Regenbogen Kino (& 69 57 95 17) Der marktgerechte

Mensch 20.00

Sputnik (& 694 11 47) Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl (OmenglU) 16.00; The Farewell (OmU)

20.00; Judy(OmU) 18.00; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU)22.00; Shaundas Schaf:Der Film:UFO-

Alarm 14.30; Joker (OmU) 22.15; Little Joe –Glück

ist ein Geschäft (OmU) 20.30; Porträt einer jungen

Frau in Flammen (OmU) 18.30; Die Sehnsucht der

Schwestern Gusmao (OmU) 16.00; Weathering With

You: Das Mädchen, das die Sonne berührte 14.00;

Kinobar im Sputnik Der marktgerechte Mensch

18.00

Yorck (& 78 91 32 40) Das geheime Leben der

Bäume 15.00; Little Women 17.20, 20.15; New

Ein verborgenes Leben 16.00; Die Heinzels 14.15;

Parasite 19.40

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (& 5389590) DieAddamsFamily

10.00; Bad Boys for Life 20.30; Die Eiskönigin II

10.00, 13.00, 15.00; 3D: Die fantastische Reise

des Dr. Dolittle 17.30, 20.00; Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 12.30, 15.00; Die Heinzels

12.00, 14.00; Die Hochzeit 17.30, 20.00; Kartoffelsalat

3–Das Musical 16.00, 18.15; Knives Out

20.15; Latte Igel und der magische Wasserstein

10.00; Lindenberg! 17.15, 20.15; Spione Undercover

10.00, 12.45; Vier zauberhafte Schwestern

10.00, 12.30, 15.15; DieWolf-Gäng 15.30, 17.45

Union Filmtheater (& 65 01 31 41) Crescendo

#makemusicnotwar 20.00; Das geheime Leben der

Bäume 17.45; Lindenberg! 14.00, 17.30, 19.30;

Little Women 15.00, 16.45, 20.15; Romys Salon

13.00; Spione Undercover 15.15; Das Vorspiel

13.00

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (& 93 03 02 60)

1917 –Der Film 17.10, 19.50; Bad Boys for Life

17.00, 20.10; Die Eiskönigin II 11.45, 14.20;

3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 15.00,

17.30, 20.00; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

12.30; Die Heinzels 11.45,14.15, 16.45; Die

Hochzeit 14.00, 17.05, 19.55; Holop – Servant

(OF) 11.30; Jumanji 14.10, 20.00; Kartoffelsalat

3–Das Musical 11.35, 14.30, 16.55; Knives Out

19.45; Latte Igel und der magische Wasserstein

11.50; Lindenberg! 17.15; Little Women 16.30,

19.45; Das perfekte Geheimnis 20.30; Star Wars:

Der Aufstieg Skywalkers 14.10; Die Wolf-Gäng

11.40,14.05

MITTE

Acud (& 44 35 94 98) Freies Land (OmenglU)

18.45; Latte Igel und der magische Wasserstein

17.00; Porträt einer jungen Frau in Flammen (OmU)

21.00; Cunningham (OmU) 18.00; Das Kapital im

21. Jahrhundert–Capital in theTwenty-FirstCentury

(OmU) 22.00; Seven Waters (OmU; m. Gast u. Gespräch)

20.00

Babylon (& 242 5969) Fellini 100!: Die bittere

Liebe: Der weiße Scheich –Lo sceico blanco

(OmenglU) 17.45; Lubitschs Geliebte: Cluny Brown

auf Freiersfüßen –Cluny Brown (OF) 18.00;

Lubitschs Geliebte: Ein himmlischer Sünder (OmU)

22.15; ElHatk (OmU) 18.00; Fellini 100!: Fellinis

Das süße Leben –La dolce vita (OmenglU) 21.30;

Fellini 100!: Die Schwindler (OmenglU) 20.00;The

Peanut Butter Falcon (OmU) 22.00; Lubitschs Geliebte:

Rendezvous nach Ladenschluss –The Shop

Around the Corner (OmU) 19.30; Lubitschs Geliebte:

Soist Paris –SoThis Is Paris (OF) 20.30

Central Hackescher Markt (& 28 59 99 73) Die

Kunst der Nächstenliebe (OmU) 10.00, 14.30,

19.15; Queen &Slim (OmU) 12.00, 16.30, 21.30;

Fritzi – Eine Wendewundergeschichte 15.00; Joker

(OmU) 19.00; Der Leuchtturm (OmU) 21.45;

Thomas und seine Freunde: Große Welt! Große

Abenteuer! 13.15; Vom Gießen des Zitronenbaums

(OmU) 16.45

CineStar CUBIX (& 04 51/703 02 00)1917–Der

Film 17.20, 19.15; 1917 –Der Film (OF) 20.00,

23.00;3Engel für Charlie 23.15;Als Hitler dasrosa

Kaninchen stahl 11.30; Bad Boys for Life 16.40,

20.10, 22.50; BadBoysfor Life (OF)19.40, 22.20;

Cats (OF) 11.20; Die Eiskönigin II11.15, 13.50,

16.45; Die Eiskönigin II –Frozen 2(OF) 15.00;

3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 12.20,

14.15, 17.30, 20.10, 23.00; Die Heinzels 11.00,

13.15, 15.30; Die Hochzeit 13.50, 17.10, 19.20;

Joker 23.00; 3D: Jumanji 17.50; Jumanji 11.45;

Kartoffelsalat 3–Das Musical 11.20, 14.40; Knives

Out 16.50; Knives Out (OF) 20.45; Latte Igel

und der magische Wasserstein 11.10; Lindenberg!

16.10; Das perfekte Geheimnis 18.15; Sneak Preview

(OF) 20.00; Spione Undercover 13.40; 3D:

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 22.30; Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.00; StarWars: Der

Aufstieg Skywalkers –StarWars:The RiseofSkywalker(OF)

21.15;Vier zauberhafteSchwestern11.15;

DieWolf-Gäng 13.20, 15.50

Hackesche Höfe (& 283 46 03) 1917 –Der Film

(OmU) 16.30, 19.00; Ein verborgenes Leben –A

Hidden Life (OmU) 21.15; DasVorspiel (teilw.OmU)

14.45; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 16.30;

Lindenberg! 21.15; Miles Davis: Birth of the Cool

(OmU) 14.00; Das Vorspiel (teilw.OmU) 19.00; Ein

verborgenes Leben –AHidden Life (OmU) 14.00;

Jojo Rabbit (OmU) 17.15, 19.30; Little Joe –Glück

ist ein Geschäft (OmU) 21.45; Sorry We MissedYou

(OmU) 14.30, 19.00; Les miserables (OmU)16.45,

21.15; Jojo Rabbit (OmU) 22.15; Little Women

(OmU) 14.00, 16.45, 19.30

International (& 24 75 60 11) Das geheime Leben

der Bäume 13.45; Lindenberg! 16.00; Little

Women (OmU) 19.00; Siegessäule und Teddy präs.

MonGay:Taxi zum Klo (1980/2020) 22.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (& 01 80/505 06 44)

1917 –Der Film 16.50; Baba Parasi (OmU) 19.45;

Bad Boys for Life 16.30, 19.40; Countdown 20.30;

Die Eiskönigin II 12.00, 14.20, 17.15; Eltilerin Savasi

(OmU) 20.15; 3D: Die fantastische Reise des

Dr.Dolittle12.00, 14.20, 16.45, 19.30, 19.55; Die

fantastische Reise des Dr. Dolittle 15.00, 18.10;

Die Heinzels 12.00, 14.00, 16.05; Die Hochzeit

17.00, 19.55; Jumanji 12.00, 14.10, 17.20; Der

kleine Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen

Schatz 12.00; Rafadan Tayfa 2: Göbeklitepe (OmU)

12.30,14.45, 17.10; Sneak Preview 20.00; Sneak

Preview (OF) 20.00; Spione Undercover 12.00,

14.15; Vier zauberhafte Schwestern 12.00, 14.45;

DieWolf-Gäng 12.00, 14.00, 17.00

IL KINO (& 91 70 29 19) Als Hitler das rosa Kaninchen

stahl (DFmenglU) 14.30; The Farewell

(OmenglU) 16.40; Land des Honigs (OmenglU)

12.30; Parasite –Gisaengchung (OmenglU) 10.00,

22.30; Vom Gießen des Zitronenbaums (OmU)

18.40; Les miserables (OmU) 20.30

Neues Off (& 62 70 95 50) Queen &Slim (OmU)

16.30,19.30; Queen &Slim (OF) 22.30

Passage (& 68 23 70 18) Little Women (OmU)

14.40, 17.30, 20.30; 1917 – Der Film (OmU)

15.00, 17.45, 20.30; Knives Out 21.00; Lindenberg!

15.20, 18.10; Joker (OmU) 18.30, 21.00;

Judy (OmU) 16.00

Rollberg (& 62 70 46 45) Little Women(OF)14.45,

17.45, 20.45; Parasite –Gisaengchung (OmenglU)

17.20,20.15; 1917 –Der Film (OF) 17.00, 19.45,

22.30; Les miserables (OmenglU) 17.00, 19.30,

22.00; Jojo Rabbit (OF) 16.30, 19.00, 21.30

UCI Luxe Gropius Passagen (& 66 68 12 34)

1917 –Der Film 17.30, 20.15; Bad Boys for Life

16.40, 19.50; Die Eiskönigin II 11.50, 14.20;

3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 14.50,

17.20, 20.10; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

12.20; Die Heinzels 12.30, 15.05, 17.10;

Die Hochzeit 16.30, 19.40; Jumanji 11.45, 17.00;

Kartoffelsalat 3–Das Musical 14.15; Der kleine

Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen Schatz

12.10; Sneak Preview 20.15; Star Wars: Der Aufstieg

Skywalkers 20.00; Vier zauberhafte Schwestern

14.30; DieWolf-Gäng 12.00, 14.40

Wolf (& 921 03 93 33)Flussfahrtmit Huhn16.30;

Little Joe –Glück ist ein Geschäft (OmU) 18.50;

Sorry WeMissed You (OmU) 16.40, 21.00; Vom

Gießen des Zitronenbaums (OmU) 19.00; Les miserables

(OmU) 21.10


Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020 25

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

lloquium Berlin auf.Als Titel hat sie gewählt: „Gedichte übersetzen, Sprachkörper vernetzen“.

LITERATUR

Friedrich Hölderlin: Dichter sein. Unbedingt!

(Arte-Filmpremiere), 5. 2., 19.30

Uhr,Literaturhaus Berlin, Fasanenstr.23

Gedichte übersetzen, Sprachkörper

vernetzen,5.2.,19.30 Uhr,LCB,Am

Sandwerder 5

Das Café der Existenzialisten –von

Freiheit und Sein des Übersetzens,

7. 2., 20 Uhr,Buchhafen, Okerstraße 1

ROBERT BOSCH STIFTUNG/KAI NEDDEN

Gäste können daran teilhaben und

mitdiskutieren.

Nicht um Poesie, sondern um

Philosophie geht es in „At the Existentialist

Café“. Mitdiesem kurzweiligen

Buch bringt Sarah Bakewell

auch Menschen ohne Vorwissen die

Grundzüge der existentialistischen

Philosophie nahe. Wie der Hölderlin-Film

geht das Buch von Biografischem,

beziehungsweise Menschen

aus: Philosophinnen und Philosophen

des 20. Jahrhunderts wie Simone

de Beauvoir und Jean-Paul

Sartre, Maurice Merleau-Ponty, Albert

Camus und vielen anderen. Mit

ihren Eigenarten, Vorlieben (z. B. für

Aprikosencocktails und Pariser Cafés)

verbindet Bakewell eine kluge

Einführung in ihr Denken: Ihre Kollektivbiografie

nutzt Anekdoten und

persönliche Eigenarten als Brücke

zum philosophischen Sujet, auch

das ist eine ArtÜbersetzung.

Dieser Bestseller wurde natürlich

auch im üblichen Sinne übersetzt,

was das genau bedeutet, besprechen

Emre Gözgü, Übersetzer der türkischen

Fassung, und Rita Seuß, Übersetzerin

der deutschen Ausgabe ,am

Freitagabend im Buchhafen in Neukölln.

BeiderVeranstaltung derWeltlesebühne

e.V. unterhalten sie sich

über die Inhalte, Besonderheiten

und sprachlichen Herausforderungen

des Buches. Sie diskutieren auf

Deutsch, Englisch undTürkisch über

das Nachdenken und Schreiben

über Philosophie und über die Wege,

auf denen Bücher wie der „Ekel“,

„Das andere Geschlecht“ oder „Sein

und Zeit“ in andere Kultur- und

Sprachsysteme und persönliche Biografien

gelangen. Denn ein Inhalt

wird beim Übersetzen ja nicht fein

säuberlich herauspräpariertund steril

verpackt weitergereicht, sondern

entsteht immer neu und anders in

einem lebendigen, kreativen Prozess.

Lesen funktioniert letztlich

ganz ähnlich.

Dieser Gedanke ist tröstlich,

wenn wir mal wieder vor einem

Buch sitzen, das wir einfach nicht

verstehen. Denn es braucht kein

Superhirn, sondernOffenheit, Phantasie

und manchmal ein bisschen

Hilfestellung, um vom Buchstaben

zur Einsicht, von Sprache zu Sprache,

vonHölderlins Tübingen ins gegenwärtige

Berlin oder vonPariser in

Neuköllner Cafés zu gelangen.

Oper

Hörspiel

mit neuer

Musik

Ingeborg Bachmann hatte es

mit den Träumen. Sie wurden

in ihren Texten aber eher

gewaschen oder verkauft statt

geträumt, was nicht die einzige

Tragik war, die das Werk

der 1973 im Alter von47Jahren

verstorbenen österreichischen

Schriftstellerin durchzieht.

Unter dem Titel„Ein Geschäft

mit Träumen“ verfasste sie in

den 50er-Jahren zunächst eine

Erzählung, dann ein Hörspiel.

Hier geht es um einen Angestellten,

der gegenüber seinem

Chef Vernichtungsphantasien

hat und seine Kollegin verehrt.

Weil er sich die dazu passenden

Träume aber mit Zeit erkaufen

müsste, lässt er sie liegen.

In der Deutschen Oper

wird das szenisch mit Einsprengseln

des Originalhörspiels,aber

vorallem mit einer

neuen Musik der in Berlin lebenden

ukrainischen Komponistin

AlexandraFilonenko für

Akkordeon, Saxophon und

Klavier umgesetzt. PetraKohse

Ein Geschäft mit Träumen,Deutsche

Oper,20Uhr,Bismarckstr.35

Stadt im Ohr (& 20 07 88 41)

9.00: Hörspaziergang Friedenau –Eine Reise durch

15 Dekaden deutscher Geschichte, stadt im ohr,

Treff und Ausgabe des Audioguides: Süßkramdealer,

Varziner Str.4

10.00: Hörspaziergang Friedrichshain, Treff und

Ausgabe des Audioguides: Cafe Sibylle, Karl-Marx-

Allee 72

11.00: Wege nach Queertopia. Gehen, wie wir leben

wollen, Treff und Ausgabe des Audioguides: Café

Blume an der Hasenheide, Fontanestr.32

11.00: Zwischen Schlangeund Schwan. Audiospaziergang

über das Leben in DDR-Baudenkmälern, stadt

im ohr,Treff und Ausgabe des Audioguides: Concierge,

Platz der Vereinten Nationen 1

12.00: Audiotour Mitte-Schritte–Hörspaziergang

durch Berlins historisches Zentrum, stadt im ohr, Treff

und Ausgabe des Audioguides: ausberlin –Kaufhaus

für Berlinprodukte, Karl-Liebknecht-Str.9

KONZERT

A-Trane (& 313 25 50)

21.00: Andreas Schmidt (p) &Friends

Arcanoa (& 67 96 26 51)

21.00: open stage–SingerSongwriter +Poets

b-flat (& 283 31 23)

21.00: KuhnFua.k.a. Kill the Strudel!

Badehaus (& 95 59 27 76)

21.00: TuneUp*Session –Herbst Edition

Lido (& 69 56 68 40)

20.00: Hatari, Europe Will Crumble

Max-Schmeling-Halle (& 44 30 45)

20.00: Five Finger Death Punch, Bad Wolves, special

guest: Megadeth

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

20.00: The Murder Capital,Junior Brother

Orania.Berlin (& 69 53 96 80)

20.00: Orania.Piano Series: Thibault Falk

Philharmonie/Kammermusiksaal (& 25 48 81 32)

19.00: AccordiOona-Orchestra vonPro Musica e. V.,

Streichorchester „Saitensprung“, Jazzabelles &Jazzomat,

Bulgarischer Orthodoxer Chor Berlin e. V.

Rickenbacker’s (& 81 89 82 90)

21.00: MondayNight Pro Jam Session mitJürgen

Bailey

Schokoladen Mitte (& 282 65 27)

19.00: The Franklys +support

ufaFabrik (& 75 50 30)

20.00: Schalala –Das Mitsingding mit Stefanie

Bonse (Gitarre) und Marie-Elsa Drelon (Klavier)

Velodrom (& 44 30 45)

20.00: Editors

VertiMusic Hall (& 20 60 70 88 11)

20.00: Keane

CLUB

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Nice One, Timo Turner,Dylan K.

KitKat/Sage-Club (Köpenicker Str.76)

23.00: Electric Monday, Eric DClark, Die Phil, Frankie

Flowerz, Ricardo Rodriguez

Kulturbrauerei/Alte Kantine (& 44 31 50)

22.00: Hungry Monday

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(& 89 75 13 27) 18.00: Multisexual Boxhopping

21.00: Sing on Stagewith The Shredder

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59: House of Waxx, Soraya,Anu, Champagne Funk

BALLROOM

Ballhaus Berlin (& 282 75 75)

19.00: Salsa Bachata Tanz

MUSEEN

Berlinische Galerie (& 78 90 26 00)

10.00: Kunst in Berlin 1880–1980

10.00: Gartenparade, Atelier le balto

10.00: Bettina Pousttchi, Mi-Mo 10-18Uhr

Botanischer Garten Berlin (& 83 85 01 00)

9.00: Wo Wissen wächst: Alexander vonHumboldt

und die Wurzeln der Wissensproduktion, tgl. 9-20 Uhr

Braun-Sammlung Ettel Museum für Design

(Elberfelder Str.37) 11.00: Unterhaltungselektronik

1950-1990, So/Mo 11-17 Uhr

Brücke-Museum (& 831 20 29)

11.00: Unzertrennlich: Rahmen undBilder der

Brücke-Künstler, Mi-Mo 11-17 Uhr

Dalí Berlin (& 07 00 32 54 23)

12.00, 12.00: Dalí–Die Ausstellung am Potsdamer

Platz, tgl. 12-20 Uhr

DDR Museum Berlin (& 847 12 37 31)

9.00, 10.00: Geschichte zum Anfassen

9.00, 10.00: Letztes Jahr DDR –Aufbruch ins Ungewisse,

tgl. 10-20 Uhr

Deutsches Historisches Museum (& 20 30 40)

10.00: Die Armbrust –Schrecken und Schönheit

10.00: Wilhelm und Alexander vonHumboldt

10.00: Deportiertnach Auschwitz –Sheindi Ehrenwalds

Aufzeichnungen, tgl. 10-18 Uhr

Deutsches Spionagemuseum (& 398 20 04 51)

10.00: Hauptstadtder Spione, tgl. 10-20 Uhr

Georg Kolbe Museum (& 304 21 44)

10.00: herman de vries –How green is the grass?

Haus der Wannsee-Konferenz (& 80 50 01 -0)

10.00: Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord

an den europäischen Juden, tgl. 10-18 Uhr

James-Simon-Galerie (Bodestr.)

10.00: Nah am Leben –200 Jahre Gipsformerei, tgl./

Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Jüdisches Museum (& 25 99 33 00)

10.00: Awie Jüdisch. In 22 Buchstaben durch die

Gegenwart, tgl. 10-20 Uhr

Käthe-Kollwitz-Museum (& 882 52 10)

11.00: Mehr als ein Leben. Dauerausstellung des

Käthe-Kollwitz-Museums Berlin, Käthe Kollwitz, tgl.

11-18 Uhr

Liebermann-Villa am Wannsee (& 80 58 59 00)

11.00: Max Liebermann –Gartenbilder

11.00: Sehnsucht nach Idylle –Max Liebermann und

die Maler am Wannsee, Mi-Mo/Feiert. 11-17 Uhr

Mitte Museum (& 46 06 01 90)

10.00: Werwir sind undwas wir tun –mitten im

Museum, Johanna Diehl, Seiichi Furuya, Wilhelm

Klotzek, Stephan Kurr, Pia Linz, David Polzin, Kathrin

Sonntag u. a.

10.00: Otto Nagel und das Mitte Museum

10.00: Marie Juchacz (1879-1956), So-Fr 10-18 Uhr

Museum Blindenwerkstatt OttoWeidt

(& 28 59 94 07) 10.00: Blindes Vertrauen –versteckt

am Hackeschen Markt 1941-1943

10.00: „... und immer wieder bewundern wirEure mit

aufopfernder Liebe prima gepackten Pakete

10.00: Blindenwerkstatt Otto Weidt, tgl. 10-20 Uhr

Museum für Film und Fernsehen (& 300 90 30)

10.00: 120 JahreDeutsche Filmgeschichte und

FernsehgeschichteinWestund Ost

10.00: Fokus Fernsehen: Leben, sterben, Hochzeit

feiern

10.00: Brandspuren –Filmplakateaus dem

Salzstock, Mi-Mo/Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Neues Museum (& 266 42 42 42)

10.00: DieKrone vonKertsch. Schätze aus Europas

Frühzeit

10.00: Berlins größte Grabung,tgl./Feiert. 10-18, Do

10-20 Uhr

Pergamonmuseum (& 266 42 42 42)

10.00 Museum für Islamische Kunst: Traum und

Trauma. Wiedereröffnung der Teppichsäle

10.00: Der Babel-Bibel-Streit, tgl./Feiert. 10-18, Do

10-20 Uhr

Pergamonmuseum. Das Panorama

(Am Kupfergraben 2) 10.00: Pergamon. Meisterwerke

der antiken Metropole und 360°-Panorama von

Yadegar Asisi, tgl./Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

KINO

PANKOW

BlauerSternPankow (& 47 61 18 98)Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 13.30, 15.50, 18.10,

20.15; Little Women 20.30; Die Heinzels 13.40,

15.30; Lindenberg! 17.20

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (& 42 84 51 88) Little Women

14.30, 17.20, 20.15; Sneak Preview 22.00;

DasgeheimeLeben der Bäume 17.40;Die Heinzels

14.00, 15.50; Parasite 20.00; Preview: Besser Welt

als nie (m. Gästen) 20.00; Die fantastische Reise

des Dr. Dolittle 13.30, 15.10, 17.30; 1917 –Der

Film (OmU) 20.40; Sorry We Missed You 16.00,

18.20; Ein verborgenes Leben 18.30; Knives Out

15.40; Spione Undercover 13.50

Kino in der Kulturbrauerei (& 04 51/703 0200)

1917 –Der Film (OmU) 16.45, 20.00; Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 16.45; Ein verborgenes

Leben –AHidden Life (OmU) 21.45; Die Eiskönigin

II 14.15; Freies Land 23.00; Das geheime Leben

der Bäume 18.45; Die Heinzels 14.15, 16.30;

Jojo Rabbit (OmU) 14.00, 19.30; Jojo Rabbit (OF)

16.45, 22.30; Judy (OmU) 17.00; Der kleine Rabe

Socke 3 – Suche nach dem verlorenen Schatz

14.15; Knives Out (OmU) 23.00; Lindenberg!

19.45; Little Women 13.45; Little Women (OmU)

19.30; Little Women (OF) 16.45; Parasite 21.45;

The Peanut Butter Falcon (OmU) 16.30; Queen &

Slim (OmU) 22.45; Sneak Preview 20.00; Sorry

We Missed You (OmU) 19.15; Spione Undercover

14.15; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers –Star

Wars: The Rise of Skywalker (OF) 22.45; Vier zauberhafte

Schwestern 14.30; Vom Gießen des Zitronenbaums

(OmU) 16.15; Das Vorspiel 19.00; Die

Wolf-Gäng 13.45; Les miserables (OmU) 21.45

Krokodil (& 44 04 92 98) Land des Honigs (OmU)

18.00; Schönheit &Vergänglichkeit 21.00;Was gewesen

wäre 19.30

Lichtblick-Kino (& 44 05 81 79) Berlinized –Sexy

an Eis (OmU) 20.30; Darkroom –Tödliche Tropfen

22.15; Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao

(OmU) 18.00

UCI Kinowelt Colosseum (& 44 01 92 00) 1917

–Der Film 17.05, 19.40, 22.30; 1917 –Der Film

(OF) 20.00; 3Engel für Charlie 22.40; Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 19.55; Bad Boys for Life

17.00, 19.55, 22.40; Countdown 19.55, 22.30;

Die Eiskönigin II 12.10, 14.40, 17.20; 3D: Die

fantastische Reise des Dr. Dolittle 12.00, 14.20,

17.00, 19.45, 22.45; Die fantastische Reise des

Dr. Dolittle 14.30; Das geheime Leben der Bäume

17.05;The Grudge 22.40;

Die Heinzels 12.15, 14.30, 16.50; Die Hochzeit

12.00, 16.45, 19.50; 3D: Jumanji 17.00; Jumanji

14.15; Kartoffelsalat 3 – Das Musical 14.40,

17.00; Knives Out 19.50,22.45; Latte Igel und der

magische Wasserstein 14.30; Lindenberg! 19.40;

Little Women 16.50,19.45; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 12.10; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 12.10; Spione Undercover

12.15; 3D: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

22.45; Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 14.15;

Thomas und seine Freunde: Große Welt! Große

Abenteuer! 12.10; Underwater – Es ist erwacht

22.45; Vier zauberhafte Schwestern 14.45; Die

Wolf-Gäng 12.00, 14.35

REINICKENDORF

CineStar Tegel (& 04 51/703 02 00) 1917 –Der

Film 16.35, 19.40; Bad Boys for Life 17.05, 20.10;

Countdown 20.30; Die Eiskönigin II 11.30, 14.10,

16.55; 3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

11.40, 14.20, 17.10, 19.50; Die Heinzels 11.20,

13.30, 15.40; Die Hochzeit 11.15, 14.10, 16.45,

19.35; Jojo Rabbit 20.00; Jumanji 13.55, 17.15;

Kartoffelsalat 3–Das Musical 14.10, 18.00; Der

kleine Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen

Schatz 11.45; Knives Out 16.55; Latte Igel und der

magische Wasserstein 11.55; Lindenberg! 16.25;

Das perfekte Geheimnis 20.15; Sneak Preview (OF)

20.00; Spione Undercover 11.05, 13.45; 3D: Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 19.30; Star Wars:

Der Aufstieg Skywalkers 13.40; Vier zauberhafte

Schwestern 11.00; Die Wolf-Gäng 12.05, 14.40

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (& 852 30 04)

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 14.00, 17.00;

Lindenberg! 20.00

Cosima (& 85 07 58 02) Judy 18.00, 20.15

Odeon (& 78 70 40 19) Jojo Rabbit (OmU) 18.00;

Little Women (OmU) 15.00, 20.30

Xenon (& 78 00 15 30) Cunningham (OmU)

18.00; Jonathan Agassi SavedMyLife(OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (& 01 80/505 02 11) 1917

–Der Film 16.35, 19.50; Bad Boys for Life 16.50,

19.40; Die Eiskönigin II 10.00, 12.20, 14.05;

3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 17.00,

19.45; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

10.00, 12.00, 14.25; Die Heinzels 10.00, 12.15,

14.30; Die Hochzeit 16.40,19.30; Jumanji 17.15;

Sneak Preview 20.15; Spione Undercover 14.45;

Vier zauberhafte Schwestern 10.00, 12.15; Die

Wolf-Gäng 10.00, 12.10, 14.25

Kino im Kulturhaus Spandau (& 333 60 81) Als

Hitler das rosa Kaninchen stahl 13.45, 18.00; Der

geheime Roman des Monsieur Pick 16.00; Judy

20.15

STEGLITZ

Adria (& 01 80/505 07 11) Little Women 14.00,

17.00, 20.00

Cineplex Titania Palast (& 01 80/505 05 20)

1917 –Der Film 17.50, 20.00; Bad Boys for Life

16.50, 20.00, 22.55; Die Eiskönigin II 10.00,

12.15, 14.25; 3D: Die fantastische Reise des Dr.

Dolittle 10.00, 12.20, 14.45, 17.20, 19.50, 22.35;

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 14.15,

16.50; Das geheime Leben der Bäume 20.00; Die

Heinzels 10.00, 11.50, 13.45, 15.45; Die Hochzeit

17.05, 19.45; Jojo Rabbit 22.45; Jumanji 16.50;

Knives Out 17.00, 19.30, 22.35; Latte Igel und der

magische Wasserstein 10.00, 12.15; Sneak Preview

23.00; Sneak Preview (OF) 23.00; Spione Undercover

10.00, 12.00, 14.30; StarWars: Der Aufstieg

Skywalkers 20.45; Vier zauberhafte Schwestern

10.00, 12.15,14.30; Die Wolf-Gäng 10.00, 12.10,

14.25

Thalia Movie Magic (& 774 34 40) Bad Boys for

Life 20.30; Die Eiskönigin II12.00, 14.00; 3D: Die

fantastische Reise des Dr. Dolittle 12.00, 18.15,

20.30; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

10.00, 14.00, 16.00; Die Heinzels 10.00, 14.00;

Die Hochzeit 18.00, 20.30; Jumanji 18.00; Der

kleine Rabe Socke 3–Suche nach dem verlorenen

Schatz 10.00; Lindenberg! 20.30; Pavarotti 18.00;

Spione Undercover 12.00, 14.00; Vier zauberhafte

Schwestern 12.00, 15.45; Die Wolf-Gäng 10.00,

16.00

TIERGARTEN

Arsenal (& 26 95 51 00) Gaumont: Das Boot der

Verdammten –Les maudits (OmU) 20.00; DEFA-

Stiftung: Dschungelzeit 21.00; DEFA-Stiftung: Das

Eismeer ruft (mit Gast u. Moderation) 19.00

CinemaxX Potsdamer Platz (& 040/80 806969)

1917 – Der Film 13.40, 16.20, 16.50, 19.50,

23.00; Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 16.45,

19.10; Bad Boys for Life 16.50, 19.30, 22.15,

22.50; Countdown 17.40, 20.20, 23.00; Die Eiskönigin

II 14.30; 3D: Die fantastische Reise des Dr.

Dolittle 13.30, 17.00, 17.20, 20.00, 23.00; Die

fantastische Reise des Dr. Dolittle 14.00, 16.30;

Das geheime Leben der Bäume 17.10; The Grudge

22.45; Die Heinzels 14.10, 16.15; Die Hochzeit

13.40, 17.05, 19.20, 22.20; Jojo Rabbit 16.40,

19.40, 22.20; Jumanji 12.45, 16.00, 20.00,

23.00;

Kartoffelsalat 3 13.50, 17.15; Knives Out 16.45,

20.30, 22.50; Lindenberg! 13.30, 16.30, 19.00;

Little Women 13.30, 16.30, 19.40, 19.45, 22.30;

Parasite 19.30; Das perfekte Geheimnis 19.45;

Queen &Slim 23.00; Sneak Preview 20.00,20.30;

Spione Undercover 13.20; 3D: Star Wars: Der

Aufstieg Skywalkers 15.50, 20.20; Star Wars IX

13.10, 22.20; Underwater 23.00; Vier zauberhafte

Schwestern 14.40;WeatheringWith You 20.00; Die

Wolf-Gäng 14.10

Filmrauschpalast (& 394 43 44) Jam (OmU)

17.30; Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao

(OmU)19.30; WhyDon‘t YouJust Die! (OmU) 22.00

TREPTOW

Astra (& 636 16 50) Bad Boys for Life 17.15,

20.00, 22.30; Die Eiskönigin II 12.30; 3D: Die

fantastische Reise des Dr. Dolittle 17.30, 20.00,

22.30; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

10.00, 12.30, 15.00; Das geheime Leben der

Bäume 15.00, 18.00, 20.15, 22.30; Die Heinzels

10.00, 12.00, 14.00, 16.00; Die Hochzeit 17.30,

20.00, 22.30; Jumanji 18.00; Lindenberg! 20.30;

Spione Undercover 10.00, 15.00; Vier zauberhafte

Schwestern 10.00, 12.15, 14.00; Die Wolf-Gäng

10.00, 12.00,16.00

Casablanca (& 677 57 52) Knives Out 18.00;

Motherless Brooklyn 20.30; Systemsprenger 15.30

CineStar –Treptower Park (& 04 51/703 0200)

1917 –Der Film 17.00, 20.10; Bad Boys for Life

17.00, 20.00; Countdown 20.20; Die Eiskönigin II

11.40, 14.20; 3D: Die fantastische Reise des Dr.

Dolittle 11.30, 14.10, 17.10, 20.00; Die Heinzels

11.50, 14.15, 16.30; Die Hochzeit 14.10, 17.00,

19.55;Jumanji 14.05, 17.15; Kartoffelsalat 3–Das

Musical 14.40, 17.20; Der kleine Rabe Socke 3–

Suche nach dem verlorenen Schatz 12.00; Knives

Out19.30; Latte Igel undder magische Wasserstein

11.55; Lindenberg! 17.10;Das perfekteGeheimnis

19.45; Sneak Preview (OF) 20.00; 3D: Spione Undercover11.30;SpioneUndercover14.20;3D:

Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 11.30; Star Wars:

Der Aufstieg Skywalkers 19.30; Thomas und seine

Freunde: Große Welt! Große Abenteuer! 11.45;Vier

zauberhafte Schwestern 14.15, 16.50; Die Wolf-

Gäng 12.00, 14.45

WEDDING

Cineplex Alhambra (& 01 80/505 03 11) 1917

–Der Film 16.40, 19.45; Bad Boys for Life 16.50,

20.10; Die Eiskönigin II 12.00, 14.15; Eltilerin Savasi

(OmU) 20.15; 3D: Die fantastische Reise des

Dr.Dolittle 12.00, 14.20,16.45, 19.30; Die Hochzeit

16.50; Jumanji 14.10;

Rafadan Tayfa 2: Göbeklitepe (OmU) 12.00, 14.00,

16.00,18.00; Sneak Preview20.00; Sneak Preview

(OF) 20.10; Spione Undercover 12.00; Star Wars:

Der Aufstieg Skywalkers 17.00; Vier zauberhafte

Schwestern 12.00, 14.15; Die Wolf-Gäng 12.00,

14.15

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (& 4714001) An der Bruchkante –

Imker in Mecklenburg 19.30; Klavierstunden –Making

the Grade (OmU) 18.00; Swans –Where Does

ABody End? (OmU) 21.45

Toni &Tonino (& 92 79 12 00) Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 10.00, 13.15, 15.30, 17.45,

20.00; Die Eiskönigin II12.00; Lindenberg! 14.15,

17.00, 19.45

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (& 85 40 60 85) Als Hitler das

rosa Kaninchen stahl 15.30; Parasite 20.30; Das

Vorspiel 18.00

Eva-Lichtspiele (& 92 25 53 05) Crescendo #makemusicnotwar

15.30;Das geheimeLeben der Bäume

18.00; Latte Igel und der magische Wasserstein

13.15;The Peanut Butter Falcon 20.15

ZEHLENDORF

Bali (& 811 4678) But Beautiful –Nichts existiert

unabhängig 20.30; Ein Licht zwischen den Wolken

18.00

Capitol (& 831 6417) Das geheime Leben der

Bäume 15.00; Little Women 17.20, 20.15

POTSDAM

Thalia Potsdam (& 03 31/743 70 20) Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 16.00; Crescendo

#makemusicnotwar 15.45; Ein verborgenes Leben

(OmU) 20.30; Die Eiskönigin II 13.30; Das geheime

Leben der Bäume 18.30; Die Heinzels 14.00,

16.00; Jojo Rabbit (OmU) 18.15, 20.45; Latte Igel

und der magische Wasserstein 13.45; Lindenberg!

18.00, 20.45; Sorry We Missed You (OmU) 13.45,

20.45; Vom Gießen des Zitronenbaums (OmU)

15.45; Das Vorspiel 18.15

UCI Luxe Potsdam Center (& 03 31/233 70)

1917 –Der Film 17.10, 20.15; Bad Boys for Life

16.50, 20.00; Die Eiskönigin II 11.00, 13.50;

3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 14.00,

17.00, 20.00; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

11.00; Die Heinzels 11.10, 13.40, 15.45;

Die Hochzeit 11.00, 14.10, 16.40, 19.50; Jumanji

16.50;Kartoffelsalat 3–DasMusical11.15, 14.20,

17.45; Knives Out 19.50; Lindenberg! 19.40; Little

Women 16.30, 19.40;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 11.15; 3D:

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers 20.00; Star

Wars: Der Aufstieg Skywalkers 13.45; Vier zauberhafte

Schwestern 11.15, 14.15; Die Wolf-Gäng

11.00, 14.00, 17.10

UMLAND

ALA Falkensee (& 03322/279 88 77)Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 14.30, 17.00, 20.00

Capitol Königs Wusterhausen (& 033 75/46 97 77)

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl 17.00; Marianne

&Leonard –Words of Love 20.00

CineStar Wildau (& 04 51/7030200) 1917 –Der

Film 17.20, 20.15;Bad Boys for Life 16.45,20.15;

Countdown 20.20; Die Eiskönigin II 12.20, 15.00;

3D: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle 12.30,

15.00, 17.30, 20.10; Die Heinzels 12.30, 14.40,

17.40; Die Hochzeit 14.30, 17.20, 20.00; Jumanji

12.00, 17.10, 20.00; Kartoffelsalat 3 12.10,

14.50, 17.15; DerkleineRabeSocke 312.15; KnivesOut

19.45; LatteIgelund dermagischeWasserstein

14.40; Lindenberg! 17.10, 20.00; Little Women

14.30, 19.55; Das perfekte Geheimnis 12.00,

20.15; Spione Undercover 12.10, 14.40; 3D: Star

Wars IX 16.50; Vier zauberhafte Schwestern 12.15,

14.40; Die Wolf-Gäng 12.00, 14.30, 17.35

Filmpalast Bernau (& 033 38/70 54 54) Bad

Boys forLife20.30;Die Eiskönigin II 10.00;3D: Die

fantastische Reise des Dr. Dolittle 12.00, 18.15,

20.30; Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

10.00, 14.00, 16.00; Die Heinzels 12.00, 14.15;

Die Hochzeit 14.30, 20.30; Lindenberg! 17.30; Pavarotti

18.00; Vier zauberhafte Schwestern 10.00;

Die Wolf-Gäng 12.00, 16.00

Filmpalast Oranienburg (& 033 01/70 4828)

Bad Boys for Life 18.00; Django Unchained 20.00;

Die Eiskönigin II 14.15; 3D: Die fantastische Reise

des Dr. Dolittle 17.30, 19.45; Die fantastische

Reise des Dr. Dolittle 12.30, 15.00; Die Hochzeit

17.45, 20.15; Jumanji 15.15; Der kleine Rabe

Socke 310.45; Latte Igel und der magische Wasserstein

10.15; Lindenberg! 17.00;Parasite 20.30;

Pettersson und Findus 10.30; Spione Undercover

12.15; Vier zauberhafte Schwestern 13.00; Die

Wolf-Gäng 12.00, 14.00, 16.00

Kino-Cafe Dahme (& 03 54 51/343) Bad Boys

for Life 20.00

Movieland Erkner (& 033 62/36 68) Als Hitler

das rosa Kaninchen stahl 18.15; Bad Boys for Life

20.45; Die Hochzeit 14.00, 17.15, 20.00; Latte

Igel und der magische Wasserstein 16.15; Spione

Undercover 15.00


26 Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020

·························································································································································································································································································

Spreewild

Klartext

Bitte Schülerrabatt

für Spotify und Co.

VonLore Vieweg, 14 Jahre

Wofür wir Schüler uns außerhalb

der Schule interessieren,

ist sehr unterschiedlich. Manche gehen

reiten, anderebasteln Roboter.

Unsallen –naja, fast allen –gleich

istaber,dass wir unsunser Taschengeld

gut einteilen müssen. Es gibt

aber bestimmte Fixkosten, die sich

nicht vermeiden lassen. Etwa bei der

Musik. Wir hören wirklich überall

Musik. Weil wir

uns in der Hormonumstellung

befinden und

eigentlich nie genau

wissen, was

wir wann mal

wieder hören

„Warum zahlen

Studierende weniger

als Schüler?“

VERENA KALUZA

wollen, kaufen

wir keine einzelnen

Songs.

Wir brauchen

Streaming-Apps,

über die wir auf

alle möglichen Songs zugreifen können,

immer und überall. Blöderweise

sind die kostenpflichtig. Und so

gehen etwa zehn Euro monatlich

von unserem Taschengeld ab –sofern

wir nur eine App nutzen. Im

Durchschnitt bekommen Jugendlichen

zwischen 14 und 15 Jahren

aber nur 25 Euro Taschengeld. Wenn

man dann noch mal ins Kino oder

sich sonst etwas leisten will, wird es

schon knapp.

Klar, die Eltern könnten die

Kosten übernehmen. Machen sicher

auch einige. Bei mir ist es aber

so, dass meine Eltern solche Apps

überhauptnicht nutzen, weshalbich

mich selbst kümmern muss.

Alsich dann mitbekommen habe,

dass Studierende weniger zahlen als

Schüler, hat mich das schon sauer

gemacht. Bei Apple Music zum

Beispiel zahlen Studierende nur die

Hälfte. Auch bei Spotify bekommen

sie drei Monate lang kostenlos einen

Premium-Zugang und zahlen danach

4,99 Euro statt 9,99 Euro. Und

auch bei Plattformen wie Netflix haben

Studierende den Vorteil, dass es

reicht, wenn ein Mitbewohner einen

Account hat. Das ist schon unfair.

Nachbessern, bitte!

Hörprobe

Jung, schwul und gläubiger Christ

In der queeren Community stößt er auf Unverständnis. Für Marco aber passt beides zusammen

Marco (30) ist homosexuell

und engagierter

Christ. Wieso sich diese

zwei Welten ganz

und gar nicht ausschließen, erklärt

er uns im Interview.

Welcher Kirche gehörst du an?

Ich bin Mitglied der Evangelischen

Kirche Berlin-Brandenburgschlesische

Oberlausitz. Das ist die

evangelische Landeskirche. Lokal

beheimatet bin ich in der evangelischen

Kirchengemeinde Am Lietzensee

inWestberlin. Mitglied bin

ich seit meiner Taufe im Juni 2012.

Davorwar ich konfessionslos.

Seit wannlebst du offenhomosexuell?

Meinem besten Freund habe ich

es gesagt, als ich 14 war,vielen anderenerst

mit meinerVolljährigkeit.

Wie hat deine Sexualität die Wahl

deiner Gemeinde beeinflusst?

Ich habe mir eine Kirche ausgesucht,

die mit mir klarkommt, die

mich so annimmt, wie ich bin.

Daher nicht die katholische Kirche?

Ich möchte nicht abstreiten,

dass es innerhalb der katholischen

Kirche in Deutschland und Europa

auch viele Christinnen und Christen

gibt, die sehr offen und tolerant gegenüber

Homosexualität, Intergeschlechtlichkeit

und der queeren

Community im Allgemeinen sind.

Das Problem mit der katholischen

Kirche ist ein hierarchisches: Es ist

eine Weltkirche und ganz oben sitzt

mit dem Papstjemand, der sagt:„Homosexualität

istaber nicht gut.“Deshalb

istesauch in Deutschlandnicht

absehbar,dass die katholische Kirche

Homosexualität akzeptieren wird.

Genau das tut die evangelische Kirche

zu weiten Teilen. Viele bedenken

gar nicht, dass es eine Pluralität von

Kirchen gibt. Unddass zum Beispiel

nicht nur meine Kirchengemeinde

LGBTQ-freundlich ist, sondernunsere

gesamte Landeskirche. Ich will

aber auch nicht alles beschönigen. Es

gibt auch evangelische Kirchengemeinden,

die gegenüberGeschlechtlichkeiten

jenseits der heterosexuellen

Norm nicht aufgeschlossen sind.

Im Namen der Kirche war Marco (l.) mit einer Freundin auf dem Christopher-Street-Day.

Wird das Thema Homosexualität in

derBibel thematisiert? Wenn ja, wie?

Es gibt sehr queereLesarten der

Bibel. Undjenach Konfession gibt es

unterschiedliche Ergebnisse, zudenen

man da kommt. Ein Beispiel:

Fundamentale Christinnen und

Christen etwa sind extrem nah am

Wort. Die beziehen sich dann am

liebsten auf eine Stelle im Alten Testament,

inder es heißt: „Wenn ein

Mann bei einem Manne liegt, so ist

dies ein Gräuel.“ Dann kann man

sich oft anhören, dastehe es doch

schwarz auf weiß, Homosexualität

sei eine Sünde.Dabeigibt es viele Argumente,

die dagegensprechen: Ein

Gräuel ist zum Beispiel nicht gleich

Sünde, also das, was den Menschen

vonGott entfernt, sondernvielmehr

etwas, das gesellschaftlich nicht akzeptiert

ist. Und das war es damals

nun mal nicht. Die Gesellschaft hat

sich aber zum Glück verändert.

Wieso wolltest du Christ werden?

Die Taufe war für mich nur das

Ende eines langen Prozesses, daich

mich schon als Kind und als Jugendlicher

dem Glauben zugewandt

habe, jedoch noch keine Ahnung

vongar nichts hatte.Irgendwann kamen

die Fragen nach dem Sinn des

Lebens auf. Für mich waren die Coming-out-Zeit

und überhaupt die

Teenager-Jahre sehr anstrengend.

Waswirklich gegen Prüfungsangst hilft

Selbst nach dem Coming-out war es

nicht leicht, mit meiner Sexualität

klarzukommen. Die Frage, woich in

der Gesellschaft wirklich reinpasse,

hat mich sehr belastet. Und dann

lernte ich Leute kennen, die theologisch

versiert waren und mir von einer

anderen Kirche erzählen konnten,

die mich so akzeptieren würde,

wie ich bin. Dasgab mir Hoffnung.

Wielebst du deinen Glauben aus?

Ichbin im Gemeindekirchenrat.

Außerdem mache ich bei uns Öffentlichkeitsarbeit.

Ich bin auch ausgebildeter

Lektor beim Amt für kirchliche

Dienste,kann also Gottesdienste

mitgestalten und sie innerhalb gewisser

Regeln selbstständig führen.

Undich begleite den Konfirmandenunterricht

in meiner Gemeinde.

Darüber hinaus bin ich in der Landeskirche,

der Evangelischen Kirche

Berlin-Brandenburg-schlesische

Oberlausitz aktiv. Dahaben wir jetzt

beim letzten Christopher-Street-Day

in Berlin zum dritten Mal inFolge

einen Truck gehabt, den ich zum

zweiten Malmitorganisierthabe.

Wird Homosexualität in deiner Gemeinde

offen angesprochen?

Glücklicherweise wird das bei

uns fast gar nicht thematisiert, weil

es nicht notwendig ist. Wir versuchen

als Kirche, keine speziellen

Zielgruppen zu bedienen oder Linien

zwischen Menschen zu ziehen.

Hast du in der Kirchengemeinde und

im gelebten Glauben jemals negative

Erfahrungen aufgrund deiner Homosexualität

gemacht?

Innerhalb meiner Kirche habe

ich noch nie Diskriminierung erfahren.

Innerhalb der schwulen Community

dagegen stoße ich auf viel

Unverständnis aufgrund meines

Glaubens. Dort werde ich oft als der

dargestellt, der blöd genug ist, an

Gott zu glauben, der dem Papst vermeintlich

folgt und wahrscheinlich

auch wissenschaftsfeindlich eingestellt

sein muss. Solche Stereotype

werden dortleider ständigbedient.

DasInterviewführte Moritz Tripp,

24 Jahre.

Das Herz pocht wild, die Hände schwitzen und zittern. Examen können einem extrem zusetzen. Das muss nicht sein

PRIVAT

So wirst du

auf YouTube

berühmt

Wie das geht, will ein

neues Buch verraten

Von Julia Hausmann, 21 Jahre

Klar, nicht jeder träumt davon

berühmt zu werden. Aber viele

schon. Und so mancher Jugendlicher

würde gerne über YouTube

weltbekannt werden und haufenweise

Geld verdienen. Einem dabei

zu helfen, also auf dem Videoportal

berühmt zuwerden, verspricht Will

Eagle.ZudiesemZwecke hat er gerade

das Buch mit verheißungsvollem

Titel „So wirst du auf YouTube berühmt“

herausgebracht.

Das Buch

gliedert sich

im Prinzip in

zwei Teile –in

einemgibt der

Autor allgemeine

Tipps

Etwa wie man

professionelle

Videos produziert. Wieman seine eigene

Nische findet. Oder wie man

mit seinem Content Geld verdienen

kann. Hierbei setzt der Autor auf seine

eigene jahrelange Arbeitserfahrung

–Eagle war für Konzerne wie

YouTube oder Google tätig. Die andereHälfte

hat er bekannten YouTubern

zur Verfügung gestellt, unter

anderem SamSutherland, JessicaVill

und Lily Hevesh. Auf jeeiner Doppelseite

präsentieren sie ihren Feed

in Bildern und verraten, was ihnen

zum Erfolg verholfen hat. Wiederkehrend

hat der Autor unterschiedliche

kurz gehaltene Tipps in sogenannten

„Technikecken“ zusammengefasst,

die zum Beispiel dabei

helfen sollen, den Look seinerVideos

zu perfektionieren oder seine You-

Tube-Stimme zu finden.

Das Buch zeichnet sich durch

zahlreiche ansprechende Fotos aus

DieSpracheist einfach.Wasstört, ist

dass die YouTuber gut die Hälfte der

Seiten füllen, um ihreKanäle zu präsentieren.

Natürlich erhält man dadurch

einen schönen Überblicküber

die Vielfältigkeit, die die Plattformzu

bieten hat. Die übrigen rund 70 Seiten

sind zu wenig informativ. Es

mangelt an ausführlichen Anleitungen.

Berühmt werden YouTube-Anfänger

durchden Kauf dieses Buches

sicherlich nicht. Aber das wird hoffentlich

auch keiner annehmen.

„So wirst du aufYouTube berühmt“

vonWill Eagle ist im Laurence King

Verlag erschienen, 14,90 Euro.

Tarek K.I.Z. –„Golem“

Eigentlich sollte „Golem“ bereits

im Dezember erscheinen. Freitag

war es nun so weit. Doch leider ist

das Ergebnis immer noch etwas fad.

DieTracks sind sich in Melodie und

Klang sehr ähnlich. Kaum ein einzelner

Beat sticht hervor, zu oft wurden

sie durch den Synthesizer-Fleischwolf

gedreht. Auch wenn die Songs

mit der gewohnten K.I.Z.-Mischung

aus ironischen, provozierenden,

ehrlichen oder auch sarkastischen

Texten aufwarten –die Lyrics gehen,

mit wenigen Ausnahmen, im melodischen

Einheitsbrei unter. Schade,

klang die erste Single-Auskopplung

„Kaputt wie ich“ doch vielversprechend.

Tamina Grasme, 24 Jahre

Fazit Das Album ist zwar monoton im Klang,

die Texte können aber überzeugen.

VonKristina Vasilevskaja, 18 Jahre

Sogar jene, bei denen man es gar

nicht erwartet, verspüren sie: die

Prüfungsangst. Bei jedem zeigt sie

sich anders. Aber was tun? Die einen

stopfen tafelweise Schokolade

in sich hinein. Die anderen probieren

alle Tricks aus, die sie im Internet

finden. Wir verraten euch, was

wirklich hilft –und wasnicht.

Vorbereitung ist das Wichtigste,

doch manchmal kann man lernen,

wie viel man will, die Angst vor der

Prüfung und dem Unbekanntemwill

nicht weichen. Dennoch: Wer sich

optimal auf den Lernstoff vorbereitet

und sich immer wieder selbst

sagt, dass er vorbereitet ist, unterstützt

sich emotional. Auf dem Weg

zum Prüfungsort hilft es mir sehr,

alle Gedanken auszuschalten und

mir gedanklich Mutzuzusprechen.

Meditation –sicher hat der eine

oder andere bereits etwas davon

gehört. Man richtet dabei seine

Wem Klausuren und Test Angst bereiten, könnte es mit Meditation versuchen.

Aufmerksamkeit auf den Atem und

beobachtet urteilslos die eigenen

Gedanken. Allein das kann Wunder

bewirken, insbesonderewenn schon

einpaar Tage vordem wichtigen Tag

meditiertwird.

Auch sich vorzustellen, die

Prüfung sei eine ganz normale

ENERGEPIC.COM

Aufgabe, kann sehr helfen. Bei großen

Schreibarbeiten also einfach

genauso arbeiten, wie man es sonst

bei Übungen auch gemacht hat –

nur ohne Spicken, versteht sich. Es

nimmt die Panik, wenn man seine

Aufmerksamkeit nicht auf die gesamte

Prüfungssituation lenkt. Also

konzentriert bei sich und der Aufgabe

bleiben, ohne sich weitere Gedanken

zumachen, die einen vielleicht

entmutigen.

Es zischt, die Prüfung startet. Einige

erdet das Geräusch, das beim

Öffnen einer Dose Cola oder Red-

Bull ertönt. Doch zuckerhaltige

Lebensmittel insich hineinzupumpen,

ist nicht die beste Idee. Sie erzeugen

zwar vorerst einen Kick, der

ebbt jedoch nacheiner Weile wieder

ab und man fühlt sich ausgelaugt.

Wer vor und während Prüfungen

hibbelig und unruhig ist, sollte von

diesem Tipp lieber die Finger lassen

und stattdessen auf seinen Körper

hören. Vorder Prüfung ausgewogen

und vitaminreich essen reicht aus.

In der Prüfung lieber zu Obst oder

Smoothies greifen.

Ein Tipp des Karriere-Coaches

Jochen Maispricht unsereZehen an:

Wersich gestresst fühlt, soll einfach

mit ihnen wackeln und sich füreinige

Momente darauf konzentrieren.

Aufeinen Versuch kommt es an.

MELDUNG

Informatik-Asse an

die Tastaturen!

Ab sofortkönnen sich interessierte

Schüler für den Jugendwettbewerb

Informatik anmelden,der am

24. Februar in die erste von

insgesamt drei Runden startet.

Innerhalb von60Minuten gilt es,

verschiedenste thematischeAufgaben

zu lösen.Wer bereits angemeldet

ist und testen möchte,was

da auf ihn zukommt, kann bis zum

20. Februar einen Probewettbewerb

absolvieren. DerWettbewerb ist ein

Projekt der Gesellschaft für Informatik,

des Fraunhofer-Verbunds

IUK-Technologie und des Max-

Planck-Instituts für Informatik. (jill.)

Mit freundlicher Unterstützung von:

Das Projekt „Spreewild“

im Internet unter:

Die Beiträge dieser Seite werden von

Jugendlichen geschrieben.

KONTAKT

Berliner Zeitung

Jugendredaktion

Telefon: 030/695 66 50

blz-jugendredaktion@berliner-zeitung.de

instagram.com/spreewild_de

facebook.com/spreewild

twitter.com/Spreewild


Berliner Zeitung · N ummer 28 · M ontag, 3. Februar 2020 27

· ·

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) Livenach Neun 9.55

(für HG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG) Meister

des Alltags 11.15 (für HG) Werweiß denn

sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für

HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG)

Rote Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10

(für HG) Sturmder Liebe 16.00 (für HG)

Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt nach Meer

17.00 (für HG) Tagesschau 17.15 (für HG)

Brisant 18.00 (für HG) Werweiß denn sowas?

18.50 (für HG) Großstadtrevier 19.45 (für HG)

Wissen voracht –Zukunft 19.50 (für HG) Wetter

/Börse voracht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Erlebnis Erde: Unsere Erde

aus dem All (2/3)

Planet der Farben. Erst aus dem All

entpuppen sich die farbigen Bänder der

Polarlichter als kolossale Schleifen, die

kilometerweit in den Himmel ragen.

21.00 (für HG) Hart aber fair

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Die Story imErsten:

Goldgrube Bauland –Das große

Geschäft mit Grund und Boden

23.30 (für HG) Versuchskaninchen Heimkind

0.15 (für HG) Nachtmagazin

RTL

5.10 Explosiv –Weekend 6.00 Guten Morgen

Deutschland 8.30 (für HG) Gute Zeiten,

schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00 Unter uns.

Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was zählt. Daily

Soap 10.00 Der Blaulicht Report 11.00 Der

Blaulicht Report 12.00 Punkt 12 –Das

RTL-Mittagsjournal 14.00 Die Superhändler –

4Räume, 1Deal 15.00 Die Superhändler –

4Räume, 1Deal 16.00 Die Superhändler:

Lieblingsdeals 17.00 Herz über Kopf. Telenovela

17.30 Unter uns. Daily Soap 18.00 Explosiv –

Das Magazin 18.30 Exclusiv –Das Starmagazin

18.45 RTL Aktuell 19.03 Das Wetter 19.05 (für

HG) Alles was zählt. Daily Soap 19.40 (für HG)

Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Undercover Boss

Als UndercoverBoss im Einsatz ist Achim

Weniger,Vorstand der Vedes AG.Inderen

900 Spielwarenläden arbeiten rund

12 000 Mitarbeiter,die insgesamt

300 000 Produkte anbieten.

22.15 Extra –Das RTL Magazin

23.25 SpiegelTV

0.00 RTL Nachtjournal /Wetter

0.30 Die Alltagskämpfer –Überleben in

Deutschland

1.15 Ohne Filter –Sosieht mein

Leben aus!

MDR

14.00 (für HG) MDR um 2 15.15 (für HG)

Gefragt –Gejagt 16.00 (für HG) MDR um 4

17.45 (für HG) MDR aktuell 18.05 (für HG)

Wetter für 3 18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für

HG) Sandmännchen 19.00 Regionales 19.30

(für HG) MDR aktuell 19.50 (für HG) Mach dich

ran 20.15 (für HG) Polizeiruf 110: Ein Bild von

einem Mörder.Krimireihe, D2004 21.45 (für

HG) MDR aktuell 22.05 (für HG) Fakt ist! Patient

Krankenhaus 23.03 MDR aktuell 23.05 (für HG)

Mordkommission Istanbul: Rettet Tarlabasi.

Krimireihe, D2013 0.35 (für HG) Alles Klara

Bayern

14.00 Polettos Kochschule 14.45 (für HG)

Gefragt –Gejagt 15.30 Schnittgut. Alles aus dem

Garten 16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für

HG) WirinBayern 17.30 Regionales 18.00 (für

HG) Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau

19.00 (für HG) Querbeet extra 19.30 (für HG)

Dahoam is Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Heimat der Rekorde 21.00 (für

HG) Bayern erleben 21.45 (für HG) Rundschau

Magazin 22.00 (für HG) Lebenslinien 22.45 (für

HG) Der Kaiser vonSchexing 23.30 (für HG)

Mama Bavaria 0.15 Rundschau Nacht

Vox

6.00 Bones –Die Knochenjägerin 6.55 CSI:

Vegas 8.50 Verklag mich doch! 10.50 Vox

Nachrichten 10.55 Mein Kind, dein Kind –Wie

erziehst du denn? 12.00 Shopping Queen 13.00

Zwischen Tüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein

Kind –Wie erziehst du denn? 15.00 Shopping

Queen 16.00 Salonfähig –Wer macht schöner?

17.00 Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First

Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das perfekte

Dinner 20.15 Wirsind klein und ihr seid alt

22.20 Richtig (v)erzogen –Wir erziehen anders

0.30 VoxNachrichten

Super RTL

10.30 Sammy 11.00 Die Dschungelhelden

11.25 Grizzy &die Lemminge 11.50 Go Wild!

12.15 Trolls 12.45 Friends 13.10 Sally

Bollywood 13.35 Angelo! 14.00 Die Tomund

JerryShow 14.25 Voll zu spät! 14.45 Dragons

15.15 Scooby-Doo! 15.40 Alvinnn!!! und die

Chipmunks 16.15 Mr.Magoo 16.40 Dennis &

Fletscher 17.10 Go Wild! 17.35 Voll zu spät!

18.00 Die Tomund JerryShow 18.30 Woozle

Goozle 19.00 Alvinnn!!! und die Chipmunks

19.30 Angelo! 20.15 On the Case 23.10 The

Stalker Files 0.10 Infomercials

Sport1

5.00 SportClips 5.30 Antworten mit Bayless

Conley 6.00 Die Arche-Fernsehkanzel 6.30

Teleshopping 15.30 Cajun Pawn Stars–Pfandhaus

Louisiana 16.30 StorageWars –Die

Geschäftemacher.Doku-Soap. Quantität vs.

Qualität /EisigeAuktion 17.30 StorageWars

–Geschäfte in Texas 18.30 Fußball. Volkswagen

Pokalfieber 20.00 Fußball –DFB-Pokal Klassiker

22.30 Sport1 News 23.00 Goooal! –Das

internationale Fußball Magazin 23.30 3. Liga

Pur.22. Spieltag 0.15 SportClips

ZDF

5.00 (für HG) ZDF.reportage 5.30 (für HG)

ARD-Morgenmagazin 9.00 (für HG) heute Xpress

9.05 (für HG) Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15 (für

HG) SokoWismar 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops

17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG)

hallo deutschland 17.45 (für HG) Leute heute

18.00 (für HG) SokoMünchen. Affenliebe 19.00

(für HG) heute 19.20 (für HG) Wetter 19.25 (für

HG) WISO.WISO-Tipp: Richtig umziehen

20.15 (für HG) Tage des letzten Schnees

Kriminalfilm, D2020. Mit Henry

Hübchen, Bjarne Mädel. Lars und Kirsten

Eckertführen ein glückliches Familienleben

in Hamburg.Bis zu dem Tag, als Lars

einen folgenschweren Unfall baut.

21.45 (für HG) heute journal

22.15 (für HG) Nomis –Die Nacht des Jägers

Actionfilm, USA 2018. Mit HenryCavill

23.45 heute+

0.00 (für HG) Hi, AI –Liebesgeschichten

aus der Zukunft

Dokumentarfilm, D2019

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen 10.00 Im

Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfenfür Sie!

11.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! 12.00 Anwälte im Einsatz.

Reality-Soap 13.00 Anwälte im Einsatz.

Reality-Soap 14.00 AufStreife. Reality-Soap

15.00 AufStreife –Die Spezialisten. Reality-

Soap 16.00 Klinik am Südring.Doku-Soap

17.00 Klinik am Südring –Die Familienhelfer.

Doku-Soap 17.30 Klinik am Südring /oder Sat.1

Regional-Magazine 18.00 AufStreife –Die

Spezialisten 19.00 Genial daneben –das Quiz.

Moderation: HugoEgonBalder.Rateteam: Wigald

Boning,Ruth Moschner,Özcan Cosar,Kevin

Gerwin 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 Plötzlich arm, plötzlich reich –das

Tauschexperiment

Promis auf Sparflamme. Die prominente

Familie Jolig aus Bonn tauscht mit der

alleinerziehenden Iris Klug und ihren zwei

Kindernaus Köln.

22.20 akte.

23.50 (für HG) Criminal Minds

Krimiserie. Der letzte Schuss

0.45 (für HG) Criminal Minds

Krimiserie. Fenster zur Seele

1.25 Auf Streife –Die Spezialisten

2.10 Auf Streife –Die Spezialisten

WDR

10.25 Westpol 10.55 Planet Wissen 11.55

Nashorn, Zebra &Co. 12.45 WDR aktuell 13.05

Elefant, Tiger&Co. 13.55 Aufgepasst, der Profi

kommt! –Handwerk zwischen Hit und Horror

14.25 Um Himmels Willen 16.00 WDR aktuell

16.15 Hier und heute 18.00 WDR aktuell /

Lokalzeit 18.15 Servicezeit 18.45 Aktuelle

Stunde 19.30 Regionales 20.00 Tagesschau

20.15 Der Vorkoster 21.00 Ausgerechnet 21.45

WDR aktuell 22.10 Unterwegs im Westen 22.40

Mitternachtsspitzen 0.40 Jetzofiere –Das Beste

aus der „Proklamation des Kölner Dreigestirns“

NDR

14.15 (für HG) die nordstory 15.15 (für HG)

Gefragt –Gejagt 16.00 (für HG) NDR Info 16.20

(für HG) Mein Nachmittag 17.10 (für HG)

Leopard, Seebär &Co. 18.00 Regionales 18.15

(für HG) Die Nordreportage 18.45 (für HG) DAS!

19.30 Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Markt 21.00 (für HG) Die

Ernährungs-Docs 21.45 (für HG) NDR Info 22.00

(für HG) 45 Min 22.45 (für HG) Kulturjournal

23.15 (für HG) Der Kommissar und die Alpen:

Gute Gesellschaft. Krimireihe, I2016 0.45 (für

HG) Die Ernährungs-Docs

Kabel eins

5.50 (für HG) Castle 6.35 (für HG) The Mentalist

7.30 (für HG) Navy CIS: L.A. 8.25 Navy CIS 9.25

Blue Bloods 11.10 Numb3rs 12.05 (für HG)

Castle 13.00 (für HG) Castle 14.00 (für HG) The

Mentalist 14.50 (für HG) Navy CIS: L.A. 15.50

Kabel Eins News 16.00 Navy CIS 16.55

Abenteuer Leben täglich 17.55 Mein Lokal, Dein

Lokal –Der Profi kommt 18.55 Achtung

Kontrolle! Wirkümmernuns drum 20.15 (für HG)

Speed. Actionfilm, USA 1994 22.40 (für HG)

Speed 2: Cruise Control. Actionfilm, USA 1997

1.05 Police Story1.Actionfilm, HK 1986

RTLZWEI

5.20 PrivatdetektiveimEinsatz 6.00 PrivatdetektiveimEinsatz

7.00 Die Straßencops Süd 8.00

Frauentausch 10.00 Frauentausch 12.00

Frauentausch 14.00 Die Reimanns 15.00 Die

Reimanns 16.00 Hartz und herzlich –Tag für Tag

Rostock 18.05 Köln 50667 19.05 Berlin –Tag &

Nacht 20.15 Die Geissens –Eine schrecklich

glamouröse Familie! 21.15 Die Geissens –Eine

schrecklich glamouröse Familie! 22.15 Die

Wollnys –Eine schrecklich große Familie! 23.15

Lecker Schmecker Wollny 0.15 Exklusiv –Die

Reportage 1.05 Exklusiv –Die Reportage

Eurosport 1

8.30 Rad-Querfeldein 9.15 Radsport 10.05