Unterwegs in Norwegen

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Unterwegs in

NORWEGEN

DAS GROSSE REISEBUCH


Unterwegs in Norwegen


4 Unterwegs in Norwegen

Vorwort


Fjorde und Wasserfälle, die Mitternachtssonne mit dem Nordkap und das ewige Eis: Der landschaftlichen Vielfalt des kleinen

Königreichs im hohen Norden Europas entspricht eine gleichermaßen reiche Kultur. Mit seiner intakten gesellschaftlichen

Solidargemeinschaft ist Norwegen heute eines der reichsten Länder der westlichen Welt und gleichzeitig eine führende

Wissens- und Industrie nation. Doch immer wird auch auf die natürlichen Grundlagen geachtet, die Natur in ihrer Schönheit

und in ihrem Reichtum wird in vielen Nationalparks besonders geschützt. Sie sind bei den Besuchern sehr beliebt, die

Norwegen gern im Rahmen einer Kreuzfahrt ansteuern, etwa mit dem Hurtigruten-Schiff.

Unterwegs in Norwegen

5


Inhalt

DIE SCHÖNSTEN REISEZIELE

Sørlandet 14

Agder 16

Østlandet 36

Vestfold og Telemark 38

Oslo 54

Viken 72

Innlandet 84

Vestlandet 100

Rogaland 102

Vestland 116

Møre og Romsdal 170

Trøndelag 186

6 Unterwegs in Norwegen


Nord-Norge 206

Nordland 208

Troms og Finnmark 254

Spitzbergen 288

Route 4:

Von Trondheim zum Nordkap 312

REISEATLAS 314

DIE SCHÖNSTEN REISEROUTEN

Route 1:

Hurtigruten – die klassische Postschiffreise 306

Route 2:

Von Lillehammer nach Kongsberg 308

Route 3:

Von Bergen nach Oppdal 310

Register 422

Bildnachweis, Impressum 424

Bild oben: Rorbuer, ehemalige Fischerhütten, im Lofotenort

Sakrisøy.

Bilder auf vorherigen Seiten: S. 2/3: Sonnenaufgang auf dem

Preikestolen über dem Lysefjord; S. 4/5: Innenraum der Stabkirche

Heddal.

Unterwegs in Norwegen

7


8 Unterwegs in Norwegen


Im letzten Kapitel dieses Buches werden vier Reise routen vorgestellt, die

durch die grandiosen Naturlandschaften und zu den schönsten Ortschaften

und Gegenden Norwegens führen. Die Übersichtskarte unten zeigt

den Verlauf aller Touren auf einen Blick. Die Texte zu jeder Tour geben

einen Abriss über die Reiseroute und stellen die zu befahrenden Regionen

und Provinzen sowie ihre landschaftlichen, historischen und kulturellen

Besonderheiten vor. Ergänzt werden die Texte durch detaillierte

Tourenkarten, auf denen der Verlauf der jeweiligen Route und ihre wichtigsten

Stationen angegeben sind. Hauptroute und Abstecher sind farblich

abgehoben, Piktogramme (siehe unten) symbolisieren die Hauptattraktionen

entlang des Weges. Zusätzlich werden herausragende

Reiseziele durch Bilder und informative Kurztexte am Rand der Karte

hervorgehoben.

Berühmte Reiserouten

Herausragende Naturlandschaften

und Naturmonumente

Herausragende Metropolen,

Kulturmonumente und -veranstaltungen

Sport- und Freizeitziele

Unterwegs in Norwegen 9


GRÖNLANDSEE

Nordvest-

Spitsbergen

nasjonalpark

F o r l a n d s u n d

Widjefjorden

1130 Okstindane

1368

1225

1085

997

Forlandet

nasjonalpark

I s f

j ord e n

Hornsund

H i n l o p e n s t r e e t

Sørkappøya

Martensøya

Lågøya

620 607

Nordaust-Svalbard

354

1717

SPITSBERGEN

Gustavfjellet

1235

S t o r f jor d

1205

Sør-Spitsbergen

nasjonalpark

Hornsundtind

1430

N o r

e n

340

d a u s

l a n d

Barentsøya

Tjuvfjorden

t -

e t

naturreservat

naturreservat

395

Svenskøya

230

Hopen

Kvitøya

410

Storøya Nordaust-

Svalbard

naturreservat

320

Kongsøya

Andfjorden

Øvre Dividal

nasjonalpark

665

Søraust-

590

Svalbard

Nordaust-

Svalbard

naturreservat

S v a l b a r d

370

BARENTS

SEE

0 100 km

n

L o f o t e

V e s t e r å l e n

Folda

Rago n.p.

V e s t f j o r d e n

Saltfjellet-

Svartisen

nasjonalpark

1594

Nord-Kvaløy

Ånderdalen n.p.

Vanna

Oslofjorden

Tromsø

NORD-

Reisa

nasjonalpark

NORWEGISCHE

SEE

NORWEGEN

Smøla

Frøya

Vikna

Trondheim

Trondheim

Dønna

1703

Børgefjell

nasjonalpark

TRONDELAG

Gressåmoen

nasjonalpark

SCHWEDEN

Førdefjorden

Ålesund

Jostedalsbreen

nasjonalpark

Sognefjorden

Jotunheimen

nasjonalpark

VESTLANDET

Dovrefjell-

Sunndalsfjella

nasjonalpark

Snøhetta

2286

Glittertind

2472

1414

Femundsmarka

nasjonalpark

Femund

Rondane

nasjonalpark

ÖSTLANDET

NORDSEE

Bergen

Stavanger

0 100 km

Lindesnes

1693

Hardangervidda

nasjonalpark

1882

SÖRLANDET

OSLO

Kragerø

Mjøsa

Geirangerfjorden

2082

1915

Røssvatnet

STOCKHOLM

OSTSEE

10 Unterwegs in Norwegen


Porsangenf

Stabbursdalen

nasjonalpark

LANDET

Øvre Anárjohka

nasjonalpark

Nordkapp

BARENTSSEE

RUSSLAND

Lindesnes

Der südlichste Punkt des norwegischen

Festlands beherbergt einen berühmten

Leuchtturm, der erstmals im Jahr 1656

Schiffen den Weg wies.

Kragerø

Der malerische Küstenort versprüht

mediterranes Flair und ist idealer

Ausgangspunkt für eine Tour durch die

Schären.

Oslo

Die norwegische Hauptstadt und

Hochburg des Wintersports wartet mit

zahlreichen interessanten Sehenswürdigkeiten

auf.

*

HIGHLIGHTS

Bergen

Umrahmt von Bergen und Fjorden liegt

die bedeutende Handelsstadt mit ihrem

historischen Stadtviertel Bryggen.

Geirangerfjord

Der bekannteste Fjord Norwegens zählt

als atemberaubende Naturschönheit zum

Welterbe der UNESCO.

FINNLAND

Helsinki

Helsingfors

Hli

Petrozavodsk

SANKT-PETERBURG

Ålesund

Aus mehreren durch Brücken miteinander

verbundenen Inseln besteht diese

Stadt, die vom Jugendstil dominiert wird.

Lofoten

Mit steil aufragenden Bergspitzen, malerischen

Fischerdörfern und mächtigen

Fjorden bilden die Inseln eine märchenhaft

mystische Landschaft.

Tromsø

Die idyllisch gelegene Universitätsstadt

wird auch »Paris des Nordens« genannt.

Nordkap

Am nördlichsten Punkt des europäischen

Festlands sind imposante Natur und

Gänsehautmomente garantiert.

Hiiumaa

Saaremaa

Tallinn

EST-

LAND

Spitzbergen

Ein faszinierendes Meer aus Eis und

Schnee bietet Seevögeln, Walrossen,

Robben und vor allem Eisbären eine

Heimat.

Unterwegs in Norwegen

11


Die schönsten Reiseziele


Fjorde, Mitternachtssonne und fantastische Nationalparks, eindrucksvolle Zeugnisse aus der Wikingerzeit und

Stabkirchen – in Norwegen warten überwältigende Landschaften kombiniert mit reicher Kulturgeschichte. Die

interessantesten Reiseziele des Landes werden in diesem Kapitel Provinz für Provinz in Text und Bild sowie mit

Stadtplänen der wichtigsten Metropolen vorgestellt. Interessante Aspekte zu Kultur und Natur werden in Themenartikeln

vertieft. Ein Klassifizierungssystem mit Sternchen – *** drei Sterne = »eine eigene Reise wert«, ** zwei

Sterne = »einen Ab stecher wert«, * ein Stern = »sehenswert« – erhöht den praktischen Nutzwert.


14

Sørlandet


Der südnorwegische Landesteil Sørlandet erstreckt sich von der Schärenküste am Skagerrak

bis zu den Fjellgebieten beidseits des Flusses Otra. Im Setesdal durchfließt er eines der

imposantesten Täler Norwegens. Die größte Stadt im Sørlandet ist die Hafenstadt Kristiansand.

Auch die anderen Städte Sørlandets liegen malerisch an der Küste, wie das auf sieben Inseln

erbaute Arendal. Bild: Insel Hidra im Flekkefjord.

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Unterwegs in Agder

Das aus den ehemaligen Provinzen Vest-Agder und Aust-Agder zusammengefügte Fylke Agder grenzt im Westen an Rogaland, im Osten

an Vestfold og Telemark und wird im Setesdal von der Otra durchflossen. Der südlichste Teil des Landes besticht durch malerische

Küstendörfer, zahlreiche Badebuchten, märchenhafte Landstriche und wildromantische Naturlandschaften.

Strand in Farsund.

*INFO

AGDER

Verwaltungszentren:

Arendal und Kristianstad

Fläche:

16 434,27 km²

Bevölkerung:

304 000

Bevölkerungsdichte:

18 Einwohner/km²

** Flekkefjord Zu den Attraktionen von Flekkefjord

gehört Hollenderbyen, die Holländerstadt,

ein Stadtviertel nördlich des Zentrums.

Die gewundenen, engen Gassen werden

von gediegenen, weiß gestrichenen Holzhäusern

aus dem 18. Jahrhundert gesäumt – einer

Zeit, als von dem Hafenstädtchen aus Holz

und Granit bis in die fernen Niederlande exportiert

wurden. Das Flekkefjordmuseum, ein

denkmalgeschütztes Gebäude von 1724, veranschaulicht

anhand von Möbeln und Textilien

den Alltag der im 18. Jahrhundert hier lebenden

Menschen. Einige Spezialsammlungen zeugen

von prähistorischer Zeit oder widmen sich

dem harten Alltag der Seefahrer. Dazu gehört

auch ein ausgestellter Kutter von 1936.

**

Grand Hotel Das Hotel ist sicher eines der

schönsten Gebäude von Flekkefjord. Erker und

achteckige Türmchen prägen das 1897 errichteten

Haus. Die Zimmer sind komfortabel ausgestattet,

viele haben Balkone mit Meerblick.

Im hauseigenen Restaurant serviert man vorwiegend

Skandinavisches, das Menü wechselt

je nach Saison.

*** Hidra Die von Flekkefjord mit der Fähre

erreichbare kleine Insel, von Fjorden geprägt,

lädt zur abwechslungsreichen Wanderung ein.

Die Küste fällt hier stellenweise zu den Fjorden

hin sehr steil ab. Die Aussicht auf Meer und

Festland ist beeindruckend. Im 19. Jahrhundert

wanderten viele Bewohner der Insel wegen

besserer Zukunftsperspektiven nach Amerika

aus. Heute zählt die Insel etwa 600 Einwohner.

Schulen gibt es dort nicht mehr, auch Tankstellen

und Einkaufsmöglichkeiten sind rar. Die

Orte mit ihren schmalen Straßen und Gassen

sind klein und beschaulich und geben einem

das Gefühl, die Zeit stehe still. Neben Naturliebhabern

kommen auch immer wieder Angler

gern hierher und versuchen ihr Glück.

** Farsund Sie erinnern ein wenig an die

Schweiz – die Häuser in Farsund sind mit ihren

Balkonen oft im Schweizerstil verziert oder weisen

verschnörkelte Jugendstilfassaden auf. Die

Stadt mit ihren knapp 10 000 Einwohnern be-

16 Sørlandet | Agder


steht aus drei Teilen – Vanse, Vestbygda und

der Altstadt von Farsund. Beliebt ist sie bei Urlaubern

vor allem wegen ihrer Sandstrände

rund um das Kleinstädtchen. In der kontrastreichen

Landschaft kommen auch Wanderer voll

auf ihre Kosten. Die große Vogelvielfalt, die sich

hier angesiedelt hat, wird von Ornithologen geschätzt.

Kulturgeschichtlich interessant sind besonders

die Wikingergräber.

Wilde Naturlandschaften prägen den Westen

Adgers (linke Seite oben). Kirkeham (oben)

besitzt einen pittoresken Hafen.

Einen mondänen Badeort stellt Farsund mit seinen weißen Häuserfassaden dar.

Sørlandet | Agder

17


** Mandal Dank traumhafter Sandstrände

wie dem fast einen Kilometer langen Sjøsanden

ist die südlichste Stadt des Landes auch bei

Einheimischen ein beliebtes Urlaubsziel. Mandal

präsentiert sich als charmante, schmucke

kleine Hafenstadt, die durch den Handel mit

Holz, das von hier aus seit dem 16. Jahrhundert

in die Niederlande exportiert wurde, zu Wohlstand

gelangte. Stattliche weiß gestrichene

Holzhäuser prägen bis heute das Stadtbild rund

um die Fußgängerzone und den Marktplatz. Die

im Empirestil errichtete Mandalkirke zählt zu

den größten Kirchen Norwegens und ist eine

Augenweide. Das in einem historischen Kaufmannshaus

untergebrachte Stadtmuseum beeindruckt

mit einer Sammlung von Werken

Amaldus Nielsens, Adolph Tidemands und

Gustav Vigelands. In der Umgebung locken der

Leuchtturm von Lindesnes und der Naturschutzpark

Furulunden. Landesweit ein Begriff

ist das Schalentierfestival im August: Delikatessen

aus dem Meer werden dann auf einem

mehrere Hundert Meter langen Tisch serviert.

*** Lindesnes Lindesnes, der südlichste

Punkt des norwegischen Festlands, liegt auf

57° 58´ nördlicher Breite, das entspricht der

Breitenlage der Hebriden vor der Küste Nordschottlands

und der Hudson Bay in Kanada. Als

»Südkap«, früher nicht zu Unrecht als »neset«

(also »die Nase«) bezeichnet, zählt Lindesnes

zu den meistbesichtigten Punkten im Sørland,

der Besucherandrang beschränkt sich jedoch

auf den Leuchtturm mit dem kleinen Leuchtturmmuseum.

Seine historische Bedeutung für

die Seefahrt ist enorm, denn vor dem Einsatz

Ruhe pur an einem der südlichsten Zipfel Norwegens: Blick in die Bucht von Mandal.

18 Sørlandet | Agder


Lindesnes Fyr

Er ist der älteste seiner Art in Norwegen, gehört zum südlichsten Punkt des Festlands

und wurde zum nationalen Leuchtfeuer ernannt: der Leuchtturm von Lindesnes. Bereits

1656 wurde hier das erste wegweisende Feuer entfacht. Nach längerer Zeit des Stillstands

wurde er 1725 erneut in Betrieb genommen, den heutigen Besuchern präsentiert

er sich als Umbau von 1920. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebiet und so

auch der strategisch wichtige Leuchtturm von den Deutschen besetzt. An diese Zeit erinnert

eine Bunkeranlage unweit des Turms. Ein Museum erläutert die Geschichte rund

um Seefahrt und Leuchtfeuer. Für eine herrliche Aussicht sollte man den Aufstieg im Turm

auf sich nehmen, außerhalb der Museumsöffnungszeiten zahlt man kein Eintrittsgeld.

seines ersten Leuchtfeuers im Jahr 1656 gab

es witterungsbedingt zahlreiche Schiffsunfälle

vor der Küste. Tat säch lich stammt der Name

Lindesnes vom altnordischen »Lidandi«, wobei

»lida« so viel heißt wie »Ende« oder »Gefahr«.

Wer vom Leuchtturm aus tatsächlich bis an das

»Ende« – also zum südlichsten Punkt – des norwegischen

Festlands wandert, kann dies selbst

in der Hauptsaison meist in Ruhe tun; hin und

zurück dauert dieser Weg eine Stunde. Auf den

steil zur tosenden See abfallenden Felsen ist

nichts in Sicht außer Natur. Selbst der Leuchtturm

zeigt sich während des Wanderns nur

selten. Doch dann dort zu stehen und den Sonnenauf-

oder -untergang zu erleben, bleibt unvergesslich,

auch wenn das Nordkap noch

1680 Kilometer Luftlinie entfernt ist.

An der südlichsten Spitze des norwegischen

Festlands wacht der Lindesnes-Leuchtturm,

der älteste Leuchtturm des Landes über das

weite Meer.

Sørlandet | Agder

19


20 Sørlandet | Agder

Lindesnes


»Norwegische Riviera« wird die Gegend um Lindesnes auch genannt.

Den Namen verdankt der Küstenstreifen dem beinahe mediterranen

Flair – den langen Sandstränden, hübschen Badebuchten und nicht

zuletzt den strahlend weißen Häuserfassaden, die sich in den Örtchen

am Wasser (hier: Spangereid) aneinanderreihen. Untypisch für die

Riviera: Hier kann man im Sommer auf Elchsafari gehen.

Sørlandet | Agder

21


*** Kristiansand Die mit ihren knapp

93 000 Einwohnern fünftgrößte Stadt Norwegens

ist das unbestrittene wirtschaftliche

Zentrum des Sørlandet, ein bedeutender Industriestandort

und zugleich ein Verkehrsknotenpunkt.

Obwohl die Verantwortlichen in den letzten

Jahren kräftig die Wer betrommel gerührt

haben und Kristiansand dank der vielen Sonnenstunden

im Jahr zu einem bei den Norwegern

beliebten Urlaubsort avanciert ist, nehmen

die meisten Touristen, die mit den Fähren

aus Dänemark oder Großbritannien anreisen,

die Stadt oft nur als Durchgangsstation wahr.

Dabei wartet Kristiansand mit vielen Einkaufsmöglichkeiten,

einem facettenreichen Kultur-

Ob Naturliebhaber, Kunstinteressierte oder Kulturbegeisterte – Kristiansand hat für jeden etwas zu bieten.

22 Sørlandet | Agder


fältig restauriert und locken mit Galerien, Kunsthandwerksläden,

Kneipen und Cafés. Das Viertel

liegt im Norden des Kvadraturen, dem

geschäftigen Stadtzentrum. Zwar wurden die

Holzhäuser, die auch hier einst das Stadtbild

prägten, bei einem Großbrand im Jahr 1892

zerstört, die ursprüngliche Anlage der Stadt

aber blieb erhalten. Kristiansand wurde unter

König Christian IV. 1641 gegründet und nach

den Idealen der Renaissance schachbrettmusterartig

angelegt. Die schnurgeraden Straßen

des Kvadraturen laufen im rechten Winkel aufeinander

zu. Auch die in der zweiten Hälfte des

17. Jahrhunderts fertiggestellte Festung Kristiansholm

an der Strandpromenade lohnt einen

Besuch. Die Rotunde des Baus ist heute von

einem kleinen Park umgeben. Das rund vier Kilometer

östlich von Kristiansand gelegene

Vest-Agder-Fylkemuseet zeigt nicht nur traditionelle

Gehöfte der Region, sondern auch historische

Stadthäuser mit Ladengeschäften und

Handwerksstätten.

*** Domkirken Die neugotische Kathedrale am

Marktplatz der Stadt wurde 1885 vollendet.

Vorher standen hier bereits drei andere Kirchenbauten,

die jeweils Stadtbränden zum Opfer

gefallen waren. Zu den Höhepunkten der

Ausstattung gehört ein Altarbild von Eilif Peterssen,

das Christus in Emmaus zeigt. Der Turm

der Domkirche kann bestiegen werden, der

Blick über die Stadt ist fantastisch.

Links: Schön erleuchtet ist der Rathausplatz

in Kristiansand am Abend.

und Nachtleben sowie einigen interessanten

historischen Sehenswürdigkeiten auf. Die hübschen,

meist zwei stöckigen, weiß gestrichenen

Holzhäuser der Altstadt Posbyen, die noch aus

dem 17. Jahrhundert stammen, wurden sorg-

Kristiansand Dyrepark

Als Attraktion für die ganze Familie gilt der rund zehn Kilometer östlich von Kristiansand

gelegene Tier- und Freizeitpark. Das Gelände erstreckt sich über rund 600 000 Quadratmeter

und wurde mitten in der Natur angelegt. Zu sehen sind unter anderem Wölfe, Affen,

Zebras und Giraffen. Das Areal umfasst auch eine fantasievolle Nachbildung der Stadt

aus dem Kinderbuch »Die Räuber von Kardemomme«. Auch Figuren aus anderen Büchern

von Thorbjørn Egner erwachen zum Leben, zum Beispiel Klaus Klettermaus und der Bäckermeister

Hase aus dem Hakkebakkeskog. »Leinen los!«, heißt es für alle Piratenfans,

die Kapitän Säbelzahn zu einer Schifffahrt und Schatzsuche einlädt.

Sørlandet | Agder

23


24 Sørlandet | Agder

Kristiansand: Kilden Teater og Konserthus


Imposant thront dieses Gebäude am Wasser. Nicht nur der Anblick

von außen ist fantastisch, auch vom Foyer aus bietet sich durch die

Glaswand ein spektakuläres Panorama. Vier Säle geben die Bühne

frei für meisterhafte Darbietungen aus Theater, Ballett, Oper, Tanz und

Musik. Kilden beeindruckt nämlich nicht nur durch seine Architektur,

sondern auch durch seine besondere Akustik.

Sørlandet | Agder

25


Abendstimmung in der Gegend um Rysstad im Setesdal.

*** Setesdal Das Tal zieht sich über mehr

als 100 Kilometer zwischen Hovden im Norden

bis nach Evje im Süden hin. Die Region wird oft

als Bilderbuch-Norwegen gepriesen und »Märchenland

des Südens« genannt. Beiderseits

des Flusses Otra, der sich durch das Tal einen

Weg zur Küste bahnt, wo er bei Kristiansand in

die Nordsee mündet, steigen bewaldete Höhenzüge

mal sanft geschwungen, mal steil und

schroff bis auf 1400 Meter an. Bis weit in das

19. Jahrhundert lag das Setesdal etwas abseits

der norwegischen Handelsrouten. Deshalb hat

sich die bäuerliche Kultur hier länger gehalten

als in anderen Teilen des Landes und wird bis

heute gepflegt. Während der Fahrt über die

Reichsstraße 9, die dem Lauf des Tales folgt,

fallen immer wieder die an den Hängen errichteten

stattlichen Gehöfte auf. Trotz aller Verbundenheit

mit der Tradition hat auch im Setesdal

die Moderne Einzug gehalten. Die Region ist

touristisch gut entwickelt und bietet Aktivurlaubern

unterschiedliche Möglichkeiten. Rund um

den kleinen Ort Hovden am nördlichen Eingang

zum Setesdal ist ein großes Wintersportgebiet

mit rund 150 Loipenkilometern und alpinen Abfahrten

entstanden. Im Sommer verwandelt

sich die zerklüftete Gebirgslandschaft in ein Paradies

für Wanderer und Kletterer.

In der Nähe des südlich von Hovden gelegenen

Bykle lockt der Byklestigen, ein Abschnitt

eines uralten Weges in das untere Setesdal,

der sich am Rand eines steil abfallenden Felsens

entlangzieht. Obwohl er befes tigt und gesichert

ist, gilt eine Wanderung als nicht ganz

ungefährlich.

Der rund 50 Kilometer südlich von Hovden gelegene

Ort Valle ist ein Zentrum der Silberschmiedekunst,

die im Setesdal eine lange Tradition

hat. Bis heute finden sich in der ganzen

Region Silberschmiede, die das Edelmetall zu

Schmuck oder Gebrauchsgegenständen verarbeiten

und zum Kauf anbieten. Einst soll das

Silber, so vermuten Historiker, aus den Bergwerken

in Kongsberg gestohlen worden sein,

heute wird es importiert. Das Setesdalsmuseet

in Rysstad, einem Nachbarort von Valle, informiert

über die Geschichte und Kultur der Region.

Die breit gefächerte Ausstellung zeigt nicht

nur Trachten, Kunsthandwerk und andere

26 Sørlandet | Agder


Zeugnisse des lokalen Brauchtums, sondern

informiert auch über die Nutzung der Wasserkraft.

Das Rygnestadtunet, eine Außenstelle

des Museums nördlich von Valle, ist das größte

und wichtigste Freilichtmuseum im Setesdal.

Der Fluss Otra verbreitert sich auf einer Länge

von 35 Kilometern fast zu einem See. Dank einer

atemberaubend schönen Lage und nicht

zuletzt aufgrund der Wassersportmöglichkeiten

ist hier ein beliebtes Feriengebiet entstanden.

Südlich von Ose bietet der Wasserfall Rei årsfossen,

der aus einer Höhe von 200 Metern in

die Tiefe stürzt, ein schönes Naturschauspiel.

Die Stadt Evje am südlichen Eingang zum Setesdal

ist als Fundort von Mineralen bekannt.

Das Evje og Hornnes Museum zeigt ebenso wie

der Mineralpark Setesdal die Vielfalt der im Umland

vorkommenden Gesteinsarten. In Evje

werden organisierte Rafting- und Kanutouren

auf der Otra angeboten.

Setesdalsbanen

Hier schlagen die Herzen von Eisenbahnbegeisterten höher: Wer in liebevoll restaurierten

Waggons unter zünftigem Volldampf Zug fahren möchte, kann dies mit der Setesdalsbahn

tun. Der Rauch des nostalgischen Gefährts ist, sozusagen, der Hauch einer vergangenen,

gemütlicheren Zeit. Von 1896 bis 1962 war diese Schmalspurbahn im Einsatz, die Strecke

maß 78 Kilometer. Nach der Stilllegung setzte sich schließlich ein Hobbyclub für den

teilweisen Erhalt ein, so konnten vier originale Lokomotiven erhalten werden, und bis heute

legt man mit der Museumsbahn eine Strecke von acht Kilometern zwischen den Bahnhöfen

Grovane und Røyknes zurück; dabei werden ein Tunnel und zwei Brücken passiert.

Auch die erhaltenen Häuschen auf den Bahnsteigen erinnern an vergangene Zeiten.

Das verwunschen wirkende Setesdal wird

von kristallklaren Bächen durchzogen (oben).

Sørlandet | Agder

27


** Lillesand Der zwischen Grimstad im Osten

und Kristiansand im Westen gelegene 300

Jahre alte Ort präsentiert sich als zauberhafte

kleinstädtische Idylle. Im Zentrum beherrschen

stattliche weiß gestrichene Holzbauten des 19.

Jahrhunderts, die inmitten blühender Gärten

stehen, das Bild. Hier geht es auch in der Hochsaison

ungleich beschaulicher zu als in den anderen

Küstenorten Südnorwegens. Dennoch

finden Feriengäste auch hier eine ausgezeichnete

touristische Infrastruktur. Verschiedene

Veranstalter bieten Ausflüge in den Schärengarten

vor der Küste an.

** Grimstad Obwohl die etwa 22 000 Einwohner

zählende Stadt ein Industriestandort

in der Region ist, gehört sie zugleich zu den

beliebtesten Urlaubsorten in Norwegen. Hier

scheint die Sonne 260 Tage im Jahr. An den

Sandstränden östlich der Stadt finden sich

deshalb in den Sommermonaten zahlreiche

Sonnenanbeter ein. Und kein Geringerer als

Norwegens berühmter Dramatiker Henrik Ibsen

hielt sich einst mehrere Jahre in Grimstad

auf: In den 1840er-Jahren absolvierte er

hier in der Apotheke Reimann eine Lehre.

Hinter den Häusern von Grimstad ragt die Dreifaltigkeitskirche in die Höhe.

Währenddessen machte er auch seine ersten

literarischen Schritte. Inzwischen wurde die

Ausbildungsstätte in ein Museum verwandelt,

das über das Leben des jungen Ibsen informiert.

Dort finden sich auch Hinweise darauf,

dass der Dichter Grimstad in seiner Ballade

»Terje Vigen« literarisch verewigt hat. Neben

Ibsen lebte einst auch der Flugpionier Tryggve

Gran hier.

** Arendal Mit ihren heute etwa 45 000 Einwohnern

zählt die Stadt zu den größten Orten

an der norwegischen Südküste. Sie ist auf sieben

Inseln erbaut und wird deshalb bisweilen

»das Venedig Norwegens« genannt. Ähnlich

quirlig ist sie auch in den Sommermonaten. Im

19. Jahrhundert war Arendal eine bedeutende

Handelsstadt, in deren Hafen sehr große Mengen

Güter umgeschlagen wurden. Heute liegen

28 Sørlandet | Agder


Gemütlicher Ort am Wasser: Grimstad.

Das hübsche Arendal wurde einst auf sieben Inseln erbaut.

Kriegsdenkmal in Grimstad.

Blick in die Bendiksklev-Straße in Arendal; im Hintergrund ragt die Dreifaltigkeitskirche auf.

an den Kais vornehmlich Jachten vor Anker,

und Arendal hat sich zu einem Urlaubsort entwickelt.

Die historischen Häuserblocks hinter

dem Hafen wurden sorgfältig saniert und in

Bars und Kneipen verwandelt. Direkt an den

Kais lenkt das Rathaus aus dem Jahr 1812, das

als zweitgrößtes Holzgebäude Norwegens gilt,

alle Blicke auf sich. Eine lange Hängebrücke

verbindet die Stadt mit der Insel Tromøy.

** Aust-Agder kulturhistoriske senter Das Kulturzentrum

am Stadtrand von Arendal gehört

zu den ältesten Museen des Landes, es wurde

1832 ins Leben gerufen. Es widmet sich den

Themen Geschichte, Kultur und Brauchtum. Zu

den interessantesten Abteilungen gehören die

archäologische Sammlung und die Ausstel -

lung zur Seefahrt. Weitere Abteilungen zeigen

Kunsthandwerk, Möbel und Trachten.

Oben: Ein Boot schaukelt bei Einbruch der

Dunkelheit gemütlich im kleinen Hafen von

Grimstad.

Sørlandet | Agder

29


Henrik Ibsen

Henrik Ibsen (1828–1906) wurde in der Hauptstadt der Telemark, Skien,

geboren. Von 1844 bis 1850 absolvierte er eine Apothekerlehre in Grimstad.

Mehrere museale Einrichtungen erinnern daran: Der Reimanngården

in der Vestregate 3 ist das wieder aufgebaute Apothekengebäude,

das Ibsenhuset enthält das Zimmer, in dem Ibsen sein erstes eigenes

Heim bezog und mit »Catilina« sein erstes Drama verfasste. Das Henrik-Ibsen-Museum

in Oslo zeigt die originalgetreu eingerichtete Wohnung des

30 Sørlandet | Agder


Dichters, in der er von 1895 bis zu seinem Tod elf Jahre später wohnte.

Ibsens realistische Darstellung der bürgerlichen Gesellschaft in psychologischen

Gegen wartsdramen machte ihn zum Wegbereiter des Naturalismus

auf der Bühne. Das Versdrama »Peer Gynt« (1867) war der erste

Welterfolg des damals 39-Jährigen: »Du selbst zu sein, sei dein Ruhm«

– dieser Satz Peers durchzieht leitmotivisch das Werk. Einen wesentlichen

Beitrag zum Erfolg leis teten die Bühnenmusik und die »Peer Gynt«-

Suiten Edvard Griegs, der in kongenialer Weise einzelne Szenen musikalisch

umsetzte. Mit »Die Stützen der Gesellschaft« (1877) schuf Ibsen den

Typ des kritischen Gesellschaftsstücks, das die Doppelmoral der politischen

Korrektheit anprangert. Die Titelheldin von »Nora oder Ein Puppenheim«

(1879) wurde eine Identifikationsfigur für Frauen auf der Suche

nach Emanzipation, damals so revolutionär und umstritten, dass Ibsen

ein alternatives Ende schreiben musste.

Sørlandet | Agder

31

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