Berliner Kurier 07.02.2020

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Reiz der reifen Jahre

Berlinerin jobbt mit

70 als Dessous-Model

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BERLINER KURIER, Freitag, 7. Februar 2020

DasVirchow-Klinikum in

Wedding: Hier befindet

sich das Charité-

Kinderkrebszentrum.

Fotos: dpa, Cultura, imago-images/Schöning

-Bahn-Tunnel

unter Treptow

Der Berliner Fahrgastverband greift alte Pläne auf

und forderteine neue Trasse quer durch Berlin

Von

PETER NEUMANN

Berlin – Ein S-Bahn-Tunnel

für Mitte, Kreuzberg und

Treptow: Das ist das Herzstück

des Plans, den Christfried

Tschepe vom Berliner

Fahrgastverband Igeb am

Donnerstag vorgestellt hat.

Es wäre ein Jahrhundertprojekt,

das große Teile der Innenstadt

jahrelang in eine Baustelle

verwandeln wird. Kosten würde

es eine Milliardensumme,

und wohl erst in 30 bis 50 Jahren

würde es fertig, so Tschepe.

Doch der Verband hält es für

nötig. Andere S-Bahn-Strecken

würden entlastet, neue Direktverbindungen

könnten entstehen,

Reisezeiten würden verkürzt.

Die S6, die dort fahren

soll, würde den geplanten Campus

in der Siemensstadt mit

dem Flughafen BER verbinden.

„Berlin muss pragmatisch

handeln und visionär denken“,

forderte Tschepe. Mit dem Vorschlag

mischt sich der Verband

in den rot-rot-grünen Koalitionsstreit

über den Ausbau des

unterirdischen Gleisnetzes ein.

Die Igeb stößt sich daran, dass

die U-Bahn-Neubaustrecken,

die sich die SPD wünscht, außerhalb

der Innenstadt liegen.

So soll die U7 unter anderem

zum Flughafen BER verlängert

werden –das wäre Unsinn.

„Wir halten es für sinnvoller,

sich auf die Innenstadt zu konzentrieren“,

so Tschepe. „Beginnen

und enden soll die neue

S6 im Bezirk Spandau –auf der

Siemensbahn, deren Wiederaufbau

gerade erst vereinbart

wurde.“ Von Jungfernheide aus

würde die S6 dann weiter fahren,

um jenseits des S-Bahnhofs

Westhafen abzubiegen –auf die

zweite Berliner Nordsüd-S-

Bahn, die unter dem Arbeitstitel

S21 zum Teil im Bau ist.

Nach Halten an der Perleberger

Brücke und unter dem

Hauptbahnhof könnten die Züge

in den S-Bahnhof Potsdamer

Platz einfahren. In der Tunnelstation

würde der nächste Neubauabschnitt

für die S6 starten.

1940 gab es bereits konkrete

Pläne, einen fünf Kilometer langen

Bahntunnel zu bauen, der

unter der Koch- und Oranienstraße

verläuft. Jetzt greift der

Fahrgastverband IGEB sie wieder

auf. An den neuen S-Bahnhöfen

Kochstraße, Moritzplatz,

Görlitzer Bahnhof und Glogauer

Straße hätten die Fahrgäste

viele Umsteigemöglichkeiten.

An der Kiefholzstraße träfe

die S6 erneut auf den Ring. Dort

sollte ein Umsteigebahnhof

entstehen –auch wenn dies wegen

der Autobahn A100-Planer

vor Probleme stellen würde.

Vor dem S-Bahnhof Plänterwald

würde die S6 wieder ans

bestehende Netz anschließen –

weiter geht die Fahrt zum BER.

durch Kündigung verloren.

Charité-Vorstand Ulrich

Frei, zuständig für die

Krankenversorgung, erklärte

vergangenen Dezember:

Zwölf Mitarbeiter

hätten in diesem Zeitraum

das Team auf dieser

sensible Krankenstation

verlassen. Etwa zehn der

50 Stellen seien derzeit

nicht besetzt.

Wegen dieser Personalknappheit

musste im Kinderkrebszentrum

sogar im

Dezember 2019 für einige

Tage ein Aufnahmestopp

verhängt werden. „Wie

andere Kliniken auch, suchen

auch wir händeringend

nach Fachkräften im

Pflegebereich“, sagt

Charité-Sprecherin Manuela

Zingl dem KURIER.

Das sei neben der Kinderkrebsstation

auch für die

Intensivstationen der Fall.

Dass Kliniken kaum gut

ausgebildetes Pflegepersonal

finden, ist nicht nur

eine Frage der Bezahlung,

so Verdi-Gesundheitsexperte

Marco Pavlik. „Es

liegt auch an den schlechten

Arbeitsbedingungen

auf den Stationen.“

Ein todkrankes Kind, das

Ärzte abweisen müssen,

weil nicht genug Personal

auf der Station da ist: „Das

ist ein Armutszeugnis“, so

Berlins Ärztekammer-

Präsident Günter Jonitz

zum KURIER. „Es ist eine

fatale Gewissensentscheidung,

die Pfleger und Ärzte

oft treffen müssen, wen

sie als Patienten aufgrund

des Personalnotstandes

behandeln undwen sie als

Patienten nicht behandeln.

Und nur, weil die Politik

den Kliniken seit Jahren

wirtschaftliche Sparzwänge

auferlegt.“ Eine

verfehlte Gesundheitspolitik,

die aus Krankenhäusern

mittlerweile Wirtschaftsunternehmen

gemacht

habe, so Jonitz.

„Das einzige was zählt, ist,

dass Kliniken schwarze

Zahlen schreiben.“

Foto: Gerd Engelsmann

Eine Chance für die Bahnstadt Berlin“: Christfried Tschepe, Vorsitzender des

Fahrgastverbands Igeb, stellte die Pläne für die neue S-Bahn-Verbindung vor.

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