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möbel kultur 02-20

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ZKZ 4937

2 I 2020

MAGAZIN FÜR DAS MÖBEL-BUSINESS

Aufgeladener

Auftakt

Die große Analyse zur

„imm cologne“ 2020

Es geht wieder

vorwärts

An diesen Stellschrauben

dreht das Hülsta-Management

Foto: Tempur

MESSE-MARATHON

HEIMTEXTIL,

DOMOTEX & CO.

Partnertage: Gewinnen an Format

Begros-Interview: Hier läuft‘s!

Editorial: Coronare Störungen

Grimm: Nachfolge wie im Bilderbuch

Swissbau: Andere Zeiten in Basel

Tempur: Für eine starke Partnerschaft


DARÜBER

AKTUELLWIRD GEREDET

Partnertage Ostwestfalen

So viel steckte in dem

kleinen Messeformat

„Die Teilnehmer der Partnertage Ostwestfalen 2020 sind wohlgemut ins konsumige

Geschäft gestartet“, hieß es zum Abschluss aus Bad Salzuflen. Tatsächlich untermauerte

das Format bei seiner inzwischen 8. Ausgabe, dass der Handel es benötigt. Auch wenn

auf der Veranstaltung selbst immer weniger geordert wird, was aber im Prinzip für alle

Messen gilt, finden doch wichtige Geschäftsanbahnungen statt. Dass die Partnertage in

besonderem Maße thematisch aufgeladen waren, dafür sorgten auch das jüngste Weltgeschehen.

Wir haben die wichtigsten Themen zusammengefasst.

1 Marco Mäusbacher konnte

dem Handel nachhaltige

Argumente liefern. 2 Unico-

Unikum Steen Sandberg

überzeugte Søren Iversen

von einem Messeauftritt mit

ABC-Reoler. 3 Cord Vogelsänger

mit „Basis“-Paket.

4 Monika Simon glaubt mehr

denn je an Carla & Marge.

5 Fortes Interims-CEO Andrew

Pluntke trifft zukünftigen

CEO Joachim Stock. 6 Board-

Member Bora Bayazit lotete

die Chancen für Ipek aus.

4 5 6

1

2

3

WAS PASSIERT IN CHINA?

Schon die großen DAX-Konzerne

wie etwa BMW berichten über

Produktionsausfälle, die mit der

angespannten Gesundheitslage in

der Volksrepublik zusammenhängen.

Das Neujahrsfest wurde angesichts

der Situation um drei Tage verlängert.

Schon das ist ein Dämpfer für

die Produktivität. Noch unsicherer

als ohnehin schon, ist aber, ob die

vielen Wanderarbeiter ohne Einschränkung

an ihre Arbeitsstätten

zurückkehren. Je länger die unklare

Lage anhält, desto größer wird der

Schaden. Hinzu kommt, dass viele

Importeure ihre Geschäftsreisen

nach China verschieben oder absagen.

So können neue Modelle nicht

entwickelt werden und Qualitätskontrollen

müssen teilweise warten.

Auch große Messen wie die Ciff und

die Interzum Guangzhou mit 2.000

Ausstellern sind bereits gecancelt.

Wie nachhaltig der Schaden dieser

Zwangspause ist, wird sich erst im

Jahresverlauf zeigen. Nur zur Erinnerung:

Trotz abnehmender Tendenz

ist China mit knapp 2 Mrd.

Euro Importvolumen nach wie vor

der zweitgrößte Möbel-Außenhandelspartner

Deutschlands.

POLEN WIRD TEU(R)ER. Wahrlich

kein neues Phänomen, aber die

Bezugsquellen verlagern sich nun

effektiv in Richtung Osten. Die

Ukraine und Weißrussland sind

neue Hotspots im Preiseinstieg, aber

auch die Türkei kommt wieder in

Mode, auch weil der Wechselkurs

einladend ist. Nicht ohne Grund war

auf den Partnertagen eine Industrie-

12 möbel kultur 2/2020


Auffallend in

Haptik und

Design: Trendteam

geht mit

dem Programm

„Arist“ ungewöhnliche

Wege.

führen, den Vertrieb auf ein zentrales

Key-Account-Management

umzustellen. Wer ohnehin nur mit

fünf großen Gruppen im Geschäft

ist, kann sich auch anders organisieren.

Hinzu kommt der Onlinehandel,

der ja ohnehin keine Betreuung

auf der Fläche benötigt.

Insofern wurden zum Jahresanfang

gleich mehrere Themen aufs

Tableau gebracht, die im Jahresverlauf

und darüber hinaus ihre Gültigkeit

bewahren. Die Partnertage

haben sich als kompaktes Format

etabliert, bei dem es nicht mehr

allein um Produkte geht, sondern

mit Themen wie Nachhaltigkeit,

Services, Vertriebsstruktur, auch um

die Zukunft des schnelldrehenden

Möbel- Segments. SASCHA TAPKEN

größe wie Ipek vertreten. Der Zloty

erreicht dagegen immer wieder

neue Höchststände. Die Polen werden

zunehmend zum Opfer ihres

eigenen Erfolgs.

NACHHALTIG KONSUMIG. Ökologische

Themen spielten auf allen

Januar-Messen eine sehr wichtige

Rolle. Aber auch auf den Partnertagen

war das Thema allgegenwärtig.

Unternehmen wie Mäusbacher,

für die „Made in Germany“ schon

immer ein Anspruch zur Nachhaltigkeit

gewesen ist, können ihre

Argumente nun voll ausspielen. In

diesem grünen Umfeld waren auch

Neuentdeckungen zu machen. Wer

nicht bei dem ABC-Reoler aus Dänemark

vorbeigeschaut hat, hat etwas

verpasst. Das patentierte Stecksystem

des Regalsystems „Quadrant“ spart

buchstäblich jede Menge Holz.

FICHTE VS. EICHE SONOMA.

Rising Star oder Cash Cow? Während

einige Aussteller mit Nachdruck versuchen,

neue Dekore in den Handel

zu bringen, setzen andere auf

Bewährtes. Fichte, Kiefer oder Driftwood

sollen für neue Inspirationen

und Kaufimpulse bei den Verbrauchern

sorgen. Bega setzt dagegen

auf ein Revival von Eiche Sonoma.

„Das Dekor ist noch längst nicht

erledigt. Sich davon zu verabschieden,

ist reiner Aktionismus“, erklärt

Bega-Junior-Chef Thorsten Hilpert.

SERVICE WIRD GROSSGE-

SCHRIEBEN. Auch die Aussteller

der Partnertage denken entlang der

gesamten Wertschöpfungskette. Teil-

weise sogar intensiver, als das im

konventionellen Segment der Fall

ist. Immer mehr Lieferanten bieten

Schnelllieferprogramme, zum

Standard gehören zunehmend auch

Montage-Videos, die zum Teil sogar

sehr flott gemacht sind – wie etwa

bei Mäusbacher. Was die Foto-Produktion

betrifft, stellte Vogelsänger

ein sehr cleveres (und günstigeres)

Basic-Paket für das preissensible

Segment vor.

SPEZIFIKA DER EINKAUFS-

KOMMISSIONEN: An das Bild

mussten sich einige gewöhnen.

Dass Ostermann und Hardeck voller

Harmonie zusammen einkaufen

gingen, war insbesondere für

ältere Vertreter unserer Branche ein

bis dato unvorstellbares Bild. Doch

Spaß beiseite, der neu formierte

Begros-Trupp wirkte schon sehr gut

sortiert. Das gilt für die XXXLutz-

Smart- Kommission umso weniger.

Beobachter sprechen von einem

„Hühnerhaufen“ . Unterschiedliche

Betriebsgrößen, unterschiedliche

Märkte, unterschiedliche Temperamente

gestalten den gemeinsamen

Möbeleinkauf der mit über 30 Köpfen

besetzen Mannschaft schwierig.

Was in der Theorie der Expansion

so eindrucksvoll aussieht, scheitert

mitunter in der Praxis auf dem

Messeparkett.

DIE ZUKUNFT DES AUSSEN-

DIENSTES: Der ein oder andere

Verkäufer im Außendienstverhältnis

macht sich Gedanken über seine

Zukunft. Die fortschreitende Konzentration

könnte Lieferanten dazu

Bega-Gruppe

Update vom Marktführer

DAS SELBSTBEWUSSTSEIN DER BEGA-AKTEURE

rührt ja nicht von ungefähr, sondern von Umsatzgröße.

Und in diesem Punkt spielt die Import- und Servicegesellschaft

mit 455 Mio. Euro im vergangenen Jubiläumsjahr

heute in einer eigenen Liga. Immerhin waren

das 50 Mio. mehr als ursprünglich budgetiert. Dass

das aber auch bedeutet, dass alle Prozesse bis aufs

Letzte ausgereizt werden müssen, versteht sich von

selbst. Insofern steht die Kapazitätssicherung für das

Hilpert-Team nach wie vor ganz oben auf der Agenda,

zumal die Preissteigerungen in Polen auf die Liquidität

drücken. Mit dem ukrainischen Produzenten Mebli

Blonski ist 2019 ein aussichtsreicher Lieferant hinzugekommen,

allerdings war

die Liefermenge

geringer

als geplant.

Fünf Mio. Euro

Aufragsvolumen

dürften

es mittelfristig

aber schon

sein. Insgesamt

sind zwei neue

Hersteller aus

der Ukraine und

vier neue aus

Weißrussland hinzugekommen. Der gerade abgeschlossene

Vertrag mit Black Red White wirkt in diesem

Zusammenhang aber dennoch wie ein Brustlöser. Alle

Firmen-Divisionen haben im letzen Jahr plus gemacht,

die drei besonderen Erfolgsstories seien aber der

Schlafzimmerbereich, das Polster-Porfolio sowie das

Segment Küche gewesen. Der Handel hat das Basis-

Paket inklusive E-Geräte dankbar angenommen.

Mit dem Zugang von Dirk Pohlmann, der von Trendteam

zu Bega gewechselt ist, stellt die Gruppe die Weichen für

die Zukunft. Pohlmann soll Thorsten Hilpert entlasten,

der sich zunehmend um strategische Themen im Unternehmen

kümmern will – gemeinsam mit Geschäftsführer

Rüdiger Schliekmann. Dieter Hilpert, installiert

parallel dazu einen Beirat, der eine aktive Rolle im

Unternehmen spielen soll. Denn der Senior wolle sich

im Jahresverlauf etwas zurückziehen. Er lacht dabei:

„Dieses Mal wirklich.“

2/2020 möbel kultur 13


PERSÖNLICHHENNING KANTNER

22 möbel kultur 2/2020


Herr Kantner, Sie sind neuer Commercial

1 Director Bedding der Recticel Schlafkomfort

GmbH. Welches Know-how bringen Sie mit

und was wollen Sie bei Schlaraffia verändern

bzw. besser machen?

Henning Kantner: Die Möbelbranche

wurde nach dem Studium meine

berufliche Heimat. In mehr als 20

Jahren habe ich mir über mehrere

Stationen bei Marken-Unternehmen

wie unter anderem Interlübke und

Poggenpohl weitreichende Kenntnisse

angeeignet. Es ist mir eine

große Freude, meine Erfahrungen

bei Schlaraffia einbringen zu können

und damit die Wachstumspläne dieser

traditionsreichen „Volksmarke“ zu

unterstützen. Durch eine neue flache

Führungsstruktur gestalten wir die

Abstimmungswege effizienter, um

zukünftig dynamischer agieren zu

können. Eine konsequente Kundenorientierung

hat neben der Verbesserung

interner Prozesse oberste

Priorität, womit wir den deutschen

Markt über alle Vertriebskanäle kontinuierlich

auf- und ausbauen werden.

2

Wie haben Sie Schlaraffia bisher kennengelernt

und was zeichnet das Unternehmen

aus?

Henning Kantner: Schlaraffia ist eine

starke Marke mit einem hohen

Bekanntheitsgrad in Deutschland.

Tatsächlich zeichnet sich das Unternehmen

in meinen Augen durch ein

qualitativ ansprechendes und ganzheitliches

Produktportfolio aus, das

alle Bereiche rund um das Thema

Betten abdeckt. Aus dem Zusammenspiel

von jahrzehntelanger Erfahrung

und verschiedenen Technologien

gehen echte Innovationen hervor.

Auch die partnerschaftliche Zusammenarbeit

mit dem Handel ist sehr

gut. Man merkt, dass die Kontakte

über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte,

intensiv gepflegt wurden und eine

vertrauensvolle Bindung entstanden

ist. Nicht zuletzt das eingespielte

Team an Mitarbeitern, die die Marke

Schlaraffia täglich leben, hat mir den

Einstieg erleichtert.

Wie bewerten Sie den momentanen Nachhaltigkeits-Boom

und wie positioniert sich

3

Schlaraffia angesichts dessen?

Henning Kantner: Dass das Thema Nachhaltigkeit

immer mehr Bedeutung

gewinnt, empfinde ich persönlich als

richtig und wichtig, und tatsächlich

beschäftigt sich unser Unternehmen

schon seit geraumer Zeit mit dieser

Thematik. Haltbarkeit und Komfort

sind nämlich seit jeher die Kerneigenschaften

eines Schlaraffia Bettsystems.

Machen allein diese Eigenschaften

unsere Produkte schon ein

Stück nachhaltiger? Im Grunde schon,

denn sowohl die klimaschonendere

Produktion des „Geltex“-Schaums,

als auch die deutlich längere Haltbarkeit

sind gute Beispiele hierfür.

Nachhaltigkeit ist ein fester Bestandteil

unserer DNA und bildet heute

bereits das Fundament unserer Strategie,

weshalb das Thema auch in

Zukunft eine wesentliche Rolle in der

Ausrichtung einnehmen wird. Im ersten

Schritt richtet sich der Fokus auf

die Recycelbarkeit unserer Produkte.

Unter dem Motto „Mission Pure“

arbeiten wir an innovativen Lösungen.

Wie wird sich „Mission Pure“ auf das

4 Produktportfolio langfristig auswirken?

Henning Kantner: Hier haben wir

uns auf eine Reise begeben, unser

Produktportfolio zukünftig noch

nachhaltiger zu gestalten. Ganz entscheidend

profitieren wir hier von

der engen Zusammenarbeit mit

dem Forschungs- und Entwicklungszentrum

der Recticel Gruppe,

deren Fortschritte im Recycling von

PU-Schäumen die Bemühungen um

Ressourcenschonung positiv beeinflussen.

Unsere internen Bemühungen

in puncto Forschung und Entwicklung

fokussieren sich zurzeit auf

den so genannten „mechanischen

Recycle-Kreislauf“ und das Thema

„Eco Design“. Mittelfristig wollen

wir das chemische Recycling weiter

vorantreiben, indem wir am Ende

des Lebenszyklus durch Zerlegung,

in chemische Bestandteile aus einer

alten Schaum-Matratze wieder eine

Neue machen – und dabei möglichst

Schlaraffia: Henning Kantner über die Ziele der Traditionsmarke

„Nachhaltigkeit liegt

in unserer DNA“

Um künftig dynamischer agieren zu können, hat Schlaraffia seine Führungsstruktur

neu organisiert. Frisch an Bord ist Henning Kantner als Commercial Director Bedding

der Recticel Schlafkomfort GmbH und verantwortlich für sämtliche Vertriebs- und

Marketing ak tivi täten der Marke Schlaraffia. Im Gespräch mit der „möbel kultur“ hat

er verraten, wie sich das Unternehmen in Zukunft aufstellen will. Ein großes Thema

dabei ist „ Mission Pure“, bei dem die Recycelbarkeit der Produkte im Fokus steht.

wenig Produktionsabfall generieren.

Man kann also durchaus von einer

angepassten Ausrichtung für das

gesamte Produktportfolio sprechen.

Allerdings heißt das nicht, dass wir

von jetzt auf gleich alle Produkte

ändern, sondern dass wir mit jedem

neuen Produkt, das wir auf den Markt

bringen, einen wichtigen Schritt in

Richtung Nachhaltigkeit gehen. Im

Fokus liegt immer der Schlafkomfort

unserer Kunden, daran wird sich

auch nichts ändern.

In welchem Zeitraum soll das geschehen?

5 Henning Kantner: Bereits ab März

wird die „Geltex Quantum Pure“-

Matratze erhältlich sein. Diese ist

zum einen mit dem bereits 2018 eingeführten

nachhaltigeren „Geltex“-

Schaum in den Matratzenkernen

ausgestattet. Zum anderen ergänzen

wir die Kerne nun um nachhaltigere

Bezüge. Die Hauptmaterialien

des Bezugs bestehen aus recyceltem

Polyester und alle eingesetzten

Materialien sind wiederverwertbar.

Die auf der „imm cologne“ vorgestellte

„Eco Design“-Matratze ist

für das Jahresende geplant. Hier liegt

der Fokus auf dem Recycling am

Ende der Lebensdauer einer Matratze,

indem sie vollständig in ihre

Einzelmaterialien zerlegbar ist und

auf Klebstoff und Reißverschlüsse

verzichtet. Danach folgt das Polsterbett,

dessen Polsterschaum in Kopfteil

und Rahmen aus mechanisch

recyceltem Material besteht und das

mit einem recycelten Polsterstoff

bezogen sein wird. Verschiedene

Maßnahmen und Entwicklungen

zur chemischen Wiederverwertung

sind derweil in vollem Gange, doch

da der nachhaltige Komfort unserer

Kunden bei der Produktentwicklung

oberste Priorität hat, nehmen

wir uns die Zeit für entsprechende

Qualitätstests.

Schlaraffia hat neben Boxspringbetten

6 und den klassischen Schlafsystemen

nun neu auch Polsterbetten im Programm.

Was war der Grund für die Ausweitung der

Sortimentsrange?

Henning Kantner: Die Polsterbetten

runden unser sogenanntes

360°-Produktportfolio ab. Da die

Polsterbetten mit allen Schlaraffia

Matratzen und Lattenrosten sowie

Kopfteilen, Stoffen und Fußvarianten

unserer Boxspringkollektion

frei kombinierbar sind, bündeln

sie unsere Kernkompetenzen im

Bereich Schlafkomfort in nur einem

Produkt. Der Kunde hat dennoch die

volle Freiheit und kann sich an dem

kompletten Schlaraffia Produktportfolio

bedienen. „Look and feel“ ist

somit frei kombinierbar und kann

an individuelle Vorlieben angepasst

werden.

Dazu springen Sie jetzt auch auf den Rollpack-Trend

mit auf. Was genau machen

7

Sie anders und wie sollen die To-Go-Artikel

vermarktet werden?

Henning Kantner: Wir bieten seit längerem

bereits einige Matratzen-

Produkte gerollt verpackt an und ge -

stalten den Markt aktiv mit. Logisch

ist für uns als Schlaf-System Anbieter,

dass wir ebenfalls Topper und Lattenroste

auf den Markt bringen, die nicht

nur den Qualitäts-Ansprüchen unserer

Kunden gerecht werden, sondern

direkt rollbar mitgenommen oder

verschickt werden können.

KRISTINA TAPKEN

www.schlaraffia.de

2/2020 möbel kultur 23


TOP-THEMA/BRANCHENZAHLEN

Kassensturz

Obwohl die Einrichtungsbranche mit zunehmender Konzentration,

der Digitalisierung und verändertem Kaufverhalten zu kämpfen hat,

sind die Gesamtzahlen für 2019, nüchtern betrachtet, recht positiv.

Die Möbelindustrie entwickelt sich stabil und setzt verstärkt aufs

Ausland, der Handel kann abermals Steigerungen vermelden und

der E-Commerce wächst nach wie vor überproportional.

Deutsche

Möbelindustrie:

„Realistischer

Optimismus“

Die deutsche Möbelindustrie verzeichnete

bis Oktober 2019, dem

bis dato zuletzt gemessenen amtlichen

Wert, ein leichtes Minus von

0,4 Prozent. Der Umsatz für 2019

wird hochgerechnet bei rund 18

Mrd. Euro liegen. Von den Teilbranchen

konnten Küchen weiter zulegen

(+2,8%), auch Büro-, Ladenund

Objektmöbel kamen auf ein

Plus (+ 0,7%). Matratzen (-2,3%),

Polstermöbel (-0,5%) und auch die

„sonstigen Möbel“, in denen u.a.

Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbel

aufgeführt werden, haben

mit einem Minus von 2,9 Prozent

Umsatz verloren.

Zufrieden zeigt sich Jan Kurth,

Geschäftsführer des Verbandes der

Deutschen Möbelindustrie (VDM),

mit der aktuellen Entwicklung der

internationalen Märkte. So gingen

32,8 Prozent der in Deutschland

produzierten Möbel direkt ins Ausland.

Dies sei die höchste jemals

gemessene Exportquote. Insgesamt

stiegen die Ausfuhren im Jahresverlauf

2019 um 2,1 Prozent. Nicht nur

die meisten großen außereuropäischen

Märkte liegen derzeit im Plus.

Allein die Möbelausfuhren in die USA

konnten von Januar bis Oktober 2019

im Vergleich zum Vorjahr um 15,1

Prozent gesteigert werden. Der Absatz

deutscher Möbel in Russland erhöhte

sich nach längerer Schwächephase

2019 das dritte Jahr in Folge um

aktuell 18,8 Prozent. Andere wichtige

Wachstumsmärkte sind Japan,

Kanada und Südkorea. Nur China fiel

um 22,3 Prozent zurück.

Auch innerhalb der EU zog die

Nachfrage nach in Deutschland

produzierten Möbeln deutlich an.

Frankreich bleibt wichtigster Absatzmarkt

(+6,8%). Auch andere Märkte

wie die Schweiz, Belgien, Polen,

Italien und Schweden entwickelten

sich positiv.

Doch ebenso in Hinblick auf den

deutschen Markt gelte es, mit aller

Kraft das Thema „Made in Germany“

in den Vordergrund zu rücken und

die Verbraucher auf Qualität und den

erstklassigen Service aufmerksam zu

machen. Eine Maßnahme sei hier

das neue RAL-Herkunftslabel „Möbel

Made in Germany“ von VDM und

DGM, das derzeit entwickelt wird.

„Die Themenpalette Nachhaltigkeit,

Klimaverträglichkeit und der Trend

zur Regionalität müssen wir stärker

spielen und für unsere Hersteller nutzen,

da diese Themen wachsende

Bedeutung bei den Endverbrauchern

in ihrer Kaufentscheidung gewinnen“,

betont Kurth.

Immerhin hat eine aktuelle,

repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts

TNS Kantar

ergeben, dass rund ein Viertel aller

Deutschen – und damit knapp 19

Millionen Menschen in 9,3 Millionen

Haushalten –2020 die Anschaffung

neuer Möbel planen. Gerade

bei jungen Leuten ist die Lust auf

Neues besonders spürbar: So wollen

40,5 Prozent der Bevölkerung

zwischen 14 und 29 Jahren in ihre

Einrichtung investieren. Bei den 30-

bis 39-Jährigen sind es 31,5 Prozent

der Bevölkerung und bei den über

60-Jährigen 12,5 Prozent. Auch deshalb

geht Verbandsgeschäftsführer

Jan Kurth mit einem „realistischen

Optimismus“ ins neue Jahrzehnt. Er

rechnet für 2020 mit einem leichten

Umsatzplus von ca. einem Prozent.

2009 2019

Umsatz: 15,4 Mrd. Euro ca. 18 Mrd. Euro

Betriebe: 540 477

Beschäftigte: 90.000 85.000

+2,1 %

Exportanteil:

32,8 %

Vor zehn Jahren stand die

Möbelindustrie am Ende einer

großen wirtschaftlichen Krise,

die dazu geführt hatte, dass der

Umsatz, im Vergleich zu 2008,

um 12 Prozent zurückgegangen

war. Die Branche hat sich ein

Jahrzehnt später konsolidiert

und international zugelegt.

24 möbel kultur 2/2020


Wohnzimmermöbel

11 %

Küchenmöbel

26 %

Laut BVDM lag der Umsatz im Möbelhandel 2019

bei 34,2 Mrd. Euro. Mit einem Umsatzanteil von

26 Prozent sind Küchen die wichtigste Warengruppe,

gefolgt von Polstermöbeln, Schlaf- und

Wohnzimmermöbeln. Die Verkaufsfläche ist

inzwischen auf 23 Mio. qm angewachsen.

Onlinehandel: Der Bereich „Einrichtung“

knackt die 10-Mrd.-Euro-Marke

+4 %

Polstermöbel

22 %

Gesamtumsatz:

34,2 Mrd. €

Möbel- und

Küchenfachhandel:

Umsatz wächst um

vier Prozent

Nachdem die Umsätze des Möbel-,

Küchen- und Einrichtungsfachhandels

2019 im Jahresverlauf oftmals

uneinheitlich tendierten, vermeldete

der Handelsverband Möbel und

Küchen (BVDM) nun ein Plus von

vier Prozent auf 34,2 Mrd. Euro

– aufgrund von Hochrechnungen

auf Basis der ersten zehn Monate

2019 nach Werten des Statistischen

Bundesamtes. Für 2020 erwartet der

BVDM eine stabile Nachfrage.

Das doch unerwartete hohe Plus

erklärt der Verband damit, dass es

sich hier laut amtlicher Statistik um

die Umsätze des „Einzelhandels mit

überwiegend Wohnbedarf“ handelt.

Der BVDM geht davon aus, dass

Randsortimente, die bislang über

andere Branchen vertrieben wurden,

eine zunehmende Rolle spielen,

sowie Dienstleistungsumsätze,

denen Beratungs- und Serviceleistungen

gegenüberstehen. Insgesamt

klagte vor allem die Großfläche 2019

vielfach über Umsatzrückgänge und

leerstehende Häuser, während die

mittelständischen Fachhändler eher

positive Entwicklungen vermelden

konnten. Betrachtet man die verschiedenen

Sortimentsbereiche,

so sind Küchenmöbel mit 26 Prozent

Umsatzanteil nach wie vor

die stärkste Warengruppe, gefolgt

von Polstermöbeln mit 22 Prozent

Schlafzimmermöbel

13 %

und Schlafzimmermöbeln mit 13

Prozent, wobei Boxspringbetten

unverändert Verkaufsschlager sind

– allerdings zu Lasten der sonstigen

Schlafzimmermöbel. Wohnzimmermöbel

kommen demnach auf einen

Anteil von elf Prozent.

Der Umsatzverlauf stellt sich dabei

uneinheitlicher denn je dar. Grund

dafür sei das immer hybrider werdende

Informations- und Einkaufsverhalten.

So gebe es heute eine klare

Präferenz jüngerer Käuferschichten

zu hippen Standorten in florierenden

Städten. Selbst für Möbel und

Küchen müsse eine Erreichbarkeit

ohne Auto gewährleistet sein,

verbunden mit der Zustellung der

Ware. Darauf haben allerdings erst

wenige Unternehmen der Branche

eine Antwort. Der Flächenzuwachs

habe sich im vergangenen Jahr weiter

abgeschwächt: Es wird weniger neu

gebaut, vielmehr werden bestehende

Standorte und Flächen übernommen.

Insgesamt verfügt der deutsche

Möbelhandel über rund 23 Mio. qm

VK-Fläche. Zur Möbel-, Küchen- und

Einrichtungsbranche im engeren

Sinn zählt das Statistische Bundesamt

8.500 Unternehmen mit 100.000

Beschäftigten.

Den Online-Anteil beziffert der

BVDM mit rund zehn Prozent, entsprechend

einem Brutto-Umsatz von

3,5 Mrd. Euro. Hierbei beteiligen sich

inzwischen auch zunehmend klassische

stationäre Händler, die bislang

den Online-Pure-Playern weitgehend

das Feld überlassen hatten.

Der E-Commerce wächst rasant

weiter: 2019 wurden Waren im

Wert von 72,6 Mrd. Euro (alle hier

genannten Zahlen inkl. USt) online

gekauft. Das entspricht einem Plus

von 11,6 Prozent im Vergleich zum

Vorjahr. Treiber dieser Entwicklung

sind die Vielbesteller. Jeder dritte

Onlinekäufer ordert inzwischen

mehrmals in der Woche im Internet.

Aus den Daten der größten

E-Commerce-Verbraucherstudie

Deutschlands im Auftrag des Bundesverbands

E-Commerce und

Versandhandel (BEVH) zeigt sich

außerdem, dass eine von drei Bestellungen

heute über Smartphones und

Tablets erfolgt. Die hohe Zahl an

Bestellungen insgesamt ist auch darauf

zurückzuführen, dass Händler

und Zusteller in der Wahrnehmung

der Kunden noch besser geworden

sind. 94,5 Prozent der Befragten

äußerten sich mit ihrem Onlineeinkauf

sehr zufrieden oder zufrieden.

Das freut auch Gero Furchheim,

Präsident des BEVH und Sprecher des

Vorstands der Cairo AG: „Deutschlands

Onlinehandel ist auf der Überholspur.

E-Commerce wird immer

effizienter und die Händler sind für

1/3 der Bestellungen

laufen heute über Smartphones

oder Tablets

Deutschlands Onlinehandel

bleibt auf der Überholspur.

Auch im Bereich „Einrichtung“

– Möbel, Lampen, Deko,

Haus- und Heimtextilien plus

Haushaltswaren und -geräte –

wird, laut BEVH, immer mehr

übers Internet gekauft.

weiteres Wachstum gut gerüstet.“

Und Hauptgeschäftsführer Christoph

Wenk-Fischer ergänzt: „Das Rekordjahr

2019 hat gezeigt: Das digitale

Geschäft ist der Motor des Handels

und Plattformen werden mehr und

mehr zum Betriebssystem der gesamten

Wertschöpfungskette.“

Der Bereich „Einrichtung“, der

Möbel/Lampen/Deko, Haus- und

Heimtextilien sowie Haushaltswaren

und -geräte umfasst, überstieg 2019

mit 10,92 Mrd. Euro erstmals die

Grenze von 10 Mrd. Euro. Der im

Vergleich zu den Zahlen des BVDM

(siehe links) dreimal so hohen Wert

ergeben sich durch die weiter gefasste

Definition von „Einrichtung“. Das

Wachstum lag hier überdurchschnittlich

bei 13,5 Prozent. Allein in der

Einzel-Kategorie Möbel, Lampen und

Deko gibt der BEVH einen Umsatz

von 4,71 Mrd. Euro an

Auf Basis der guten Geschäftsergebnisse

2019 erwartet der Verband

in diesem Jahr für den E-Commerce

einen weiteren Zuwachs. Dieser

werde, wegen der 2020 gedämpften

Konjunkturaussichten, aber mit zehn

Prozent etwas geringer ausfallen.

EVELYNE BECKMANN

+13,5 %

Bereich

„ Einrichtung“:

10,92

Mrd. Euro

2/2020 möbel kultur 25


TOP-THEMA/HÜLSTA

Nach Jahren der Konsolidierung geht es bei

Hülsta wieder vorwärts. Sowohl im Sortiment

als auch in der Fertigung soll es Veränderungen

geben, die der Marke wieder mehr

Strahlkraft verleihen. Die „möbel kultur

sprach mit dem neuen Gesellschafter und

CEO Dr. Thomas Knecht, mit dem bestehenden

Gesellschafter Ludwig Hüls sowie

Geschäftsführer Andreas Bremmer über die

Potenziale „Made in Germany“.

Nach vorne

entwickeln

Fotos: Guido Schiefer

Wir werden

uns als die

deutsche

Premiummarke

im Bereich

Möbel weiter

etablieren.

Dr. Thomas Knecht

Ich freue

mich, dass wir

uns in dieser

Konstellation

jetzt wieder

ausschließlich

um das

Unternehmen

kümmern können.

Ludwig Hüls

möbel kultur: Herr Dr. Knecht, die Branche

war doch vergangenen Herbst sehr überrascht

über Ihren Einstieg bei Hülsta. Was

hat Sie dazu bewogen?

Dr. Thomas Knecht: Wenn Sie meine

Vita verfolgt haben, ist Ihnen

bestimmt aufgefallen, dass ich mich

immer auf Firmen mit einer langen

Tradition konzentriert habe, die in

Umbruchsituationen stecken. Das

ist auch bei Hülsta der Fall. Zudem

konnte ich im Gespräch mit Ludwig

Hüls feststellen, dass wir die Probleme

des Unternehmens gleich einschätzen.

Glücklicherweise stimmt

auch die Chemie mit den Gesellschaftern

und so wurde die Idee

geboren, es gemeinsam anzugehen

und den Generationswechsel auf

den Weg zu bringen. Vorteilhaft ist

in dem Zusammenhang, dass mir

die Holzwerkstoffindustrie nicht

fremd ist, weil ich die Branche aus

meiner Beratertätigkeit kenne. Insofern

wusste ich, was da auf mich

zukommt.

möbel kultur: Wie gut kannten Sie Hülsta

vorher?

Dr. Thomas Knecht: Als Endkunde

sehr gut, weil ich mir von einem

meiner ersten Gehälter nach meinem

Studium eins der hochwertigen

Hülsta-Programme, nämlich

,Topside‘, gekauft habe. Und das

existiert auch heute noch. Es steht

in meinem Büro und wird gehegt

und gepflegt.

Ludwig Hüls: Wohlgemerkt in ganz

jungen Jahren schon ,Topside‘.

Dr. Thomas Knecht: Wenn man sich

Premiummöbel aus Deutschland

anschaut, kommt man an Hülsta

nicht vorbei. Als ich vor einem

Jahr mit den Gesellschaftern ins

Gespräch kam, habe ich zweifelsohne

die Leidenschaft für die Marke

mitgebracht, gerade auch was das

Thema „Made in Germany“ angeht.

möbel kultur: Herr Hüls, wie ist das für

Sie, die Verantwortung für Ihr Unternehmen

abgegeben zu haben. Das stelle ich

mir nicht so einfach vor.

Ludwig Hüls: Das ist richtig. Wir

sind seit über 80 Jahren ein Familienunternehmen

und bleiben es

auch weiterhin. Das war uns sehr

wichtig. Darüber hinaus hatte es

für uns eine große Bedeutung, dass

wir das Unternehmen in eine neue

Generation führen. Auch da sind

die Themen nicht immer so planbar,

wie man das vielleicht gerne

hätte. Doch mit diesem Schritt ist

uns auch das geglückt. Außerdem ist

uns gelungen, dass wir mit unseren

Problemen, die wir weiß Gott hatten,

nun auch nachhaltig abschließen

konnten. Ich weiß, dass wir uns

in dieser Konstellation jetzt wieder

ausschließlich um das Unternehmen

26 möbel kultur 2/2020


Alle haben

ein Interesse an

einer starken,

innovativen

Marke Made in

Germany.

Andreas Bremmer

kümmern können, was in den letzten

Jahren nicht immer so möglich

war, wie das eigentlich notwendig

gewesen wäre, weil andere Probleme

erst einmal im Vordergrund standen.

Natürlich brauchen wir jetzt

ein bisschen Zeit, aber ich bin mir

sicher, dass wir Hülsta wieder positiv

nach vorne entwickeln. Herr Dr.

Knecht steht in der Verantwortung,

und ich werde ihn unterstützen,

wo ich kann. Und deswegen stehe

ich auch heute hier, um ihm den

Rückenwind zu geben, die notwendigen

Aufgaben auch umzusetzen.

Um auf Ihre Frage zurück zu kommen:

Ich fühle mich heute besser

denn je, weil ich jetzt Perspektiven

sehe. Ich glaube, dass das ein ganz

wichtiger Punkt ist, wenn man Ziele

hat, die umsetzbar sind. Dann kann

man diese auch erreichen.

möbel kultur: Herr Dr. Knecht, die Möbelbranche

ist schon sehr speziell. Wie wollen

Sie als Branchenfremder insbesondere

mit den Verbänden umgehen?

Dr. Thomas Knecht: Die Handelspartner,

die wir auf der Großfläche

haben, sind ja keine neuen

Geschäftspartner für das Unternehmen.

Hülsta ist über Jahre und

Jahrzehnte mit diesen gewachsen

und groß geworden und es gibt sehr

etablierte Beziehungen. Der Charme

dabei ist, dass ich als jemand, der

möbel kultur“-Redakteurin Rita Breer

fragte bei den Gesellschaftern und der

Geschäftsleitung von Hülsta nach.

noch nicht im Netzwerk verankert

ist, durchaus auch Dinge und Routinen

hinterfragen kann und werde.

Und da erleben wir gerade auf beiden

Seiten ganz spannende Diskussionen.

Da werden auf einmal Strukturen

aufgebrochen, aus denen sich

neue Dinge ergeben. Es geht eben

nicht unbedingt nur um den Klassiker,

hier noch ein Prozent und da

noch ein Prozent, sondern es dreht

sich vielmehr um Fragestellungen,

z. B. wie gestaltet man heute die Supply

Chain. Das ist ein Riesenthema.

möbel kultur: Wo steht denn Hülsta

aktuell? Ist der Turnaround geschafft?

Andreas Bremmer: Herr Hüls hat das

vorhin ja schon richtig angedeutet,

nach einer turbulenten Zeit, die

viele Jahre gedauert hat, schauen

wir jetzt nach vorne. Wir haben

sehr gute Perspektiven, die Marke

gemeinsam neu aufbauen zu können,

auch in Richtung online.

Dr. Thomas Knecht: Ich

möchte noch eins ergänzen.

Ich bin neulich

gefragt worden, wann

denn jetzt der große

Knall bei Hülsta kommt.

Die Antwort ist ziemlich

einfach: Gar nicht. Da

kann ich auch nur wieder

auf meine Historie verweisen.

Ich bevorzuge es,

die Lage sauber zu analysieren,

so bekomme ich

eine klare Perspektive auf

Zahlen und Fakten und

kann lautlos aber mit

Nachdruck die Themen

in die Umsetzung bringen.

Ich glaube, dass wir

die Hausaufgaben, die

noch zu machen sind,

erkannt haben und wir

sind mit aller Mühe an

den Themen dran.

möbel kultur: Welche Aufgaben

sind das in erster

Linie?

Dr. Thomas Knecht: Ein

Thema ist sicherlich

die Arbeit am Sortiment.

Nur ein Beispiel: Hülsta

war lange erfolgreich im

Bereich Baby/Jugend.

Das geht zurück auf das

Modell ,Bonny‘, und

wir werden in diesem

Jahr wieder mit Möbeln

für diesen Bereich

herauskommen.

möbel kultur: Das war nie so ganz nachvollziehbar,

warum sich Hülsta davon

verabschiedet hatte.

Ludwig Hüls: Es ist müßig, sich über die

Vergangenheit Gedanken zu machen.

Wir wollen jetzt mit Kind und Jugend

wieder an alte Erfolge anschließen

und wir werden hier natürlich mit

weiteren Produkten nachlegen, sodass

Hülsta in diesem Bereich wieder

wahrnehmbarer auf der Fläche wird.

Das ist einfach notwendig.

möbel kultur: Was wären weitere Punkte,

an denen Sie ansetzen?

Dr. Thomas Knecht: Ganz einfach auch

Modellpflege. Darüber hinaus werden

wir uns ebenso mit anderen

Materialien beschäftigen.

möbel kultur: Es war bereits vor Ihrer Zeit

von der „Hülsta Küche“ die Rede. Oder

wird es vielleicht auch Outdoor-Möbel

der Marke geben?

Dr. Thomas Knecht: Denken kann man

immer alles. Auch in diesem Punkt

gilt: Ein Schritt nach dem anderen.

Wir kommen aus dem Bereich Wohnen.

Insofern liegt der Fokus jetzt erst

einmal auf dem, was wir können.

Ludwig Hüls: Hülsta Sofa ist auch ein

Sortiment, dass man nicht vergessen

sollte und das wir immerhin schon

seit vielen Jahren im Portfolio haben.

Und auch das Hülsta Bad, dass wir

im letzten Jahr neu vorgestellt

haben, sollte beleuchtet werden. Wir

sind schon dabei, ein Sortiment aufzubauen,

das über Wohnen hinaus

geht, das die Marke komplettiert. Sie

haben Recht, dass wir Sortimentsbereiche

in der Vergangenheit gestrichen

haben, aber wir sind dabei,

wieder nachzuarbeiten.

möbel kultur: Herr Dr. Knecht, das Sortiment

ist eine Seite. Doch wie bewerten

Sie heute, nachdem Sie einige Monate

dort sind, die unterschiedlichen Bereiche

im Unternehmen?

Dr. Thomas Knecht: An der Idee, Möbel

„Made in Germany“ in einem

bestimmten Preissegment, wo

wir uns als Premiummarke sehen,

abbildbar zu machen, hat sich nichts

geändert. Den Weg verfolgen wir

sehr klar. In der Produktion sind

wir dabei, maschinell nachzurüsten,

indem wir beispielsweise noch Ende

letzten Jahres neue Maschinen installiert

haben. Wir sind angetreten,

die Wertschöpfungskette weit möglichst

im eigenen Haus zu generieren.

Wie bewerten ich die einzelnen

Unternehmensbereiche? Machen

wir uns nichts vor, so lange ich Outsider

war, hatte ich einen gewissen

Einblick in eine Anzahl von Dokumenten,

jetzt habe ich es konkret

mit Menschen zu tun. Aber sagen

wir mal so: Große Überraschungen

habe ich bisher nicht erlebt. Aber

natürlich sind die Grauschattierungen

andere, wenn man in der Verantwortung

steht als wenn man das

Ganze von außen betrachtet.

möbel kultur: Herr Dr. Knecht, in der

Vergangenheit gab es radikale Veränderungen

bei Hülsta. War das rückwirkend

betrachtet richtig und wichtig für das

Unternehmen?

Dr. Thomas Knecht: Ich sehe das so:

Nicht alle Unternehmensverkäufe

der Gruppe sind so gelaufen, wie

wir sie durchgeführt hätten. Oder

anders ausgedrückt, einige Unternehmen

würden uns heute noch

gut zu Gesicht stehen.

2/2020 möbel kultur 27


HANDEL/GRIMM EINRICHTUNGEN

Als pures Glück bezeichnen Thomas Nolle (2. v. r.)

und seine Frau Gisela Banzhaf-Nolle, dass sie gemeinsam

mit dem Personalbereater Frank Goerlich

(r.) Lars von Wichert als Nachfolger für das Grimm

Einrichtungshaus in Göppingen gefunden haben. Im

architektonisch reizvollen Treppenhaus stellten sie

sich fürs Foto auf.

Meine Erfahrungen

aus Großfläche, der

Verbände, des Filialisten

und des Onlinehandels

der Möbelbranche

fließen hier ein.

Lars von Wichert

Nachfolge

wie im Bilderbuch

Wenn es keine familiäre Nachfolge in einem Einrichtungshaus gibt, fangen

für die Inhaber in der Regel die Probleme an. Thomas Nolle und Gisela

Banzhaf-Nolle holten sich jedoch mit dem Personalberater Frank Goerlich

professionelle Hilfe ins Haus. Mit Erfolg! Zum 1. Januar hat Lars von Wichert

Grimm Einrichtungen in Göppingen übernommen. Der hochwertige, knapp

4.000 qm große Standort wird damit in eine weitere Generation geführt.

Dabei half auch eine Anzeige in der „möbel kultur“.

30 möbel kultur 2/2020


Es ist pures Glück,

in der heutigen Zeit,

jemanden Junges zu

finden, der bereit ist ein

Möbelhaus fortzuführen.


Thomas Nolle

Modern und einladend wirkt

die Ausstellung von Grimm

Einrichtungen. Unterschiedliche

Wohnbereiche werden

zeitgemäß miteinander gemixt.

Schon lange träumte Lars von

Wichert davon, ein eigenes

Einrichtungshaus mit Niveau

zu besitzen. Dieser Wunsch ging

am 1. Januar dieses Jahres in Erfüllung,

als er die Nachfolge bei Grimm

Einrichtungen in Göppingen antrat.

Das nun111 Jahre alte Traditionsunternehmen,

welches Gisela Banzhaf-Nolle

und Thomas Nolle übergeben,

will der Jungunternehmer,

der zuvor u. a. bei Dodenhof und

der Begros tätig war und mittlerweile

seinen eigenen Onlineshop

Lavogi betreibt, mit viel Branchen-

Know-how und vor allem mit Leidenschaft

fürs Einrichten füllen. So

wie die Vorinhaber das die letzten

Jahre praktiziert haben. Und zuvor

der Vater und Großvater von Gisela

Banzhaf-Nolle. „Für mich ist das

eine einzigartige Gelegenheit“, sagt

Lars von Wichert.

Und auch Thomas Nolle freut

sich: „Das ist pures Glück, jemanden

gefunden zu haben, der das

Haus übernehmen

möchte und

dazu auch noch so gut

zu uns passt.“ Dass die Chemie

zwischen dem neuen und den Vorinhabern

stimmt, ist sofort spürbar.

Da sich die Tochter der beiden

für ein anderes Lebensmodell entschieden

hatte, wollte das Paar eine

neue Lösung finden. Über zwei

Jahre dauerte die zum Teil nervenaufreibende

Suche, wobei der Prozess

erst richtig ins Rollen und in die

zielführende Bahn gelenkt wurde,

als das Ehepaar den Personalberater

Frank Goerlich einschaltete. „Er hat

sozusagen als Diplomat zwischen

uns und den Bewerbern fungiert. Es

war sehr beruhigend, einen solchen

Sparringspartner an unserer Seite zu

wissen.“ Goerlich schaltete auch die

initiierende Anzeige in der „möbel

kultur“, über die sich der Kontakt

zu Lars von Wichert ergeben hat.

Beide kannten sich noch aus früheren

Zeiten. „Wenn es um einen

Herzenswunsch

geht, ein

Familien unternehmen wie dieses,

das seit über 100 Jahren besteht, in

die vierte Generation zu führen, ist

es wichtig, den Emotionen Raum

zu geben und dabei trotzdem die

Diskussionen auf einer sachlichen

Ebene zu führen“, erläutert Frank

Goerlich.

Er rät, frühzeitig über die Nachfolge

nachzudenken. „Denn solch

ein Prozess dauert in der Regel fünf

bis zehn Jahre. Es braucht dafür

eine Struktur und ein Konzept, wie

das Möbelhaus entwickelt werden

muss, damit eine Übergabe auch

funktionieren kann.“ Oft genug

sieht die Realität anders aus. Viele

Unternehmer um die 60 denken

noch lange nicht ans Aufhören. Bei

anderen ist die Zukunft unsicher.

Deshalb kommt es häufig zu Investitionsstaus,

die es schwierig machen,

2/2020 möbel kultur 31


VERBÄNDE

Strahlende Gesichter

bei Begros-Geschäftsführer

Patrick Neuss

(l.) und Marketingleiter

Thomas Brüll am

Eingang des „Mondo

Mobils“, das auf

der Verbandsmesse

vorgestellt wurde und

komplett mit Möbeln

der Eigenmarke eingerichtet

ist.

Begros: Im Interview mit Patrick Neuss

Es läuft!

möbel kultur: Herr Neuss, wie bewerten

Sie die Verbandsmesse im Vorfeld der

„imm cologne“? Wie sehr konnte die

Begros schon zum Jahresstart von den

fünf Neuzugängen profitieren?

Patrick Neuss: Wir sind mit unserer

Begros-Messe überaus zufrieden.

Gemeinsam mit unseren Lieferanten

hatten wir im Vorfeld sehr

intensiv über die Bedürfnisse der

Endkunden nachgedacht und entlang

unserer Erfahrungen viele neue

Modelle entwickelt. Das ist sehr gut

angekommen. Darüber hinaus war

das natürlich auch ein wunderbares

Kick-Off zum Kennenlernen unserer

neuen Mitglieder – quasi mitten auf

unseren „Themen-Feldern“.

Mich persönlich hat es sehr

gefreut, wie engagiert auch

unsere neuen Mitglieder sind. Sie

haben sich bereits sehr aktiv und

konstruktiv in die Einkaufsentscheidungen

mit eingebracht. Ich

finde, wir sind schon hier als starke

Gemeinschaft aufgetreten. Alle fünf

konnten sicherlich davon profitieren,

unser Leistungsspektrum „live

und in Farbe“ zu erfahren.

Die Begros hat natürlich ebenfalls

profitiert. Wir konnten den Platzierungsschlüssel

deutlich erhöhen und

so ein starkes Signal in Richtung der

Industrie senden. Immerhin sind

wir jetzt der größte Möbelverband

für mittelständische Unternehmen

und zeigen aktuell ein signifikantes

Wachstum. Zusätzlich haben wir

beispielsweise viel Volumen bei

wenigen Abladestellen, was natürlich

mit Blick auf Logistik und Kosten

positiv einzahlt. In Summe sehen

wir also eine Win-Win-Situation

für alle Beteiligten.

möbel kultur: Mit Hardeck, dem Braun

Möbel-Center, der Ehrmann-Gruppe, Opti

und Möbel Heinrich liegt der Außenumsatz

der Begros nun bei rund 5,8 Mrd. Euro. Und

rückt damit auf Platz 2 im Ranking der

Möbel-Einkaufsverbände – nach Giga. Wie

ist es zu dem Deal gekommen?

Patrick Neuss: Die Branche ist im

Verhältnis recht überschaubar und

man kennt sich. Ich habe das in

der Vergangenheit regelmäßig

betont: wir sind Gesprächen stets

aufgeschlossen und immer an

Nicht nur, dass die Begros mit Hardeck, Braun,

Ehrmann, Opti und Heinrich fünf Dickschiffe

von Union an Land ziehen konnte. Auch der

Zeitpunkt war perfekt. Denn zum Jahresstart

besuchten die Neuzugänge direkt die Verbandsmesse

in Köln, tauschten sich mit den

neuen Kollegen aus und begutachteten das

Leistungsspektrum. Manchmal läuft‘s eben.

Der Meinung ist auch Geschäftsführer Patrick

Neuss im Interview mit der „möbel kultur“.

strategischen Expansionsschritten

interessiert. Wir sind jedoch keine

Ankündigungsweltmeister, sondern

setzen auf Qualität und nicht nur auf

Menge und Größe. Umso mehr freut

es mich, dass es uns gelungen ist,

die fünf neuen starken mittelständischen

Unternehmer von unserem

Begros-Leistungsangebot zu überzeugen.

Der Markt konsolidiert sich

– das ist kein Geheimnis. Für uns

war es natürlich wichtig, dass wir

im entscheidenden Augenblick, als

das Momentum bzw. eine geeignete

Möglichkeit da war, auch die

Disziplin und Entscheidungsfreude

hatten, die Übernahme in unseren

Verband perfekt zu machen.

möbel kultur: Allerdings gibt es jetzt

einige Gebietsüberschneidungen der

Unternehmen. Wie gehen Sie damit um,

ohne dass der Preiskampf zu stark wird,

auch bei der Begros-Marke „Mondo“?

Patrick Neuss: Eine solche Betrachtung

wäre aus unserer Sicht arg

rückwärtsgewandt. Die Kunden sind

heute in Zeiten des Online-Shoppings

etc. ganz anders unterwegs als

noch vor einigen Jahren. Das gilt in

zunehmendem Maße auch für die

Möbelbranche. Die Begros ist ein

Verbund von starken Unternehmerpersönlichkeiten,

die es auszeichnet,

in entscheidenden Situationen das

richtige „Näschen“ zu beweisen und

mit Disziplin und Entscheidungs-

38 möbel kultur 2/2020


freude auch größere Schritte möglich

zu machen.

Mit Blick auf „Mondo“ & Co.:

Die Eigenmarkenentwicklung ist

und bleibt eine unserer drei strategischen

Prioritäten. Wir konzipieren

hier entlang der Bedürfnisse unserer

Mitglieder oder besser entlang

der Bedürfnisse deren Endkunden

besonders attraktive Produkte, die

den angeschlossenen Häusern ein

einträgliches Geschäft sichern können.

Es gilt jedoch zu berücksichtigen,

dass wir ein Einkaufs- und Service-Verband

sind und die operative

vertriebliche Umsetzung vollständig

und individuell den selbständigen

Unternehmerpersönlichkeiten an

den jeweiligen Standorten obliegt.

möbel kultur: Am meisten überrascht

hat die Branche, dass künftig Ostermann

und Hardeck gemeinsame Sache machen

wollen. Es ist kein Geheimnis, dass die

beiden Filialisten seit Jahrzehnten Wettbewerber

sind, die mit harten Bandagen

kämpfen. Wie soll nun eine Zusammenarbeit

funktionieren?

Patrick Neuss: Die Begros bietet als

Einkaufs- und Service-Verband allen

Mitgliedern die Möglichkeit, aktiv

mitzugestalten und mitzuwirken.

Und unsere Mitglieder nehmen

diese Möglichkeit auch gerne wahr,

denn unseren Verbund zeichnet

das kraftvolle Engagement unserer

Mitglieder aus. Noch einmal: die

vertriebliche Gestaltung und Umsetzung

an den jeweiligen Standorten

liegen vollständig bei den jeweiligen

Händlern. Daher bitte ich um Verständnis,

dass ich zu individuellen

Fragen bezüglich der Geschäfte

unserer starken Unternehmer nicht

sprechen kann.

möbel kultur: Zuletzt lag der Fokus der

Begros auf den Themen Digitalisierung

bzw. der Optimierung der Stammdaten

sowie die Weiterentwicklung von Eigenmarken

und Exklusivitäten. Welche Pläne

und Ziele haben Sie für 2020?

Patrick Neuss: Wir hatten ja versprochen,

dass wir nicht jedes Jahr

eine neue „Strategie durchs Dorf

bzw. durch die Begros jagen“. Wir

wollen vielmehr konsequent unsere

strategischen Ziele weiterverfolgen

und uns schonungslos immer wieder

analysieren und hinterfragen.

Das haben wir natürlich auch 2019

wieder getan. Basierend auf diesen

Ergebnissen arbeiten wir auch 2020

mit der vollen Unterstützung unserer

neuen Mitglieder fokussiert an

den Themen 360° Einkauf, Digitalisierung

und Stammdatenmanagement

sowie unserer erfolgreichen

Eigenmarken.

Wir tun das, weil wir überzeugt

sind, dass dies in einer Branche, in

der die Margen immer mehr zum

Kunden hin erodieren, wichtige

Hebel zur nachhaltigen Existenzsicherung

sind. Ich persönlich bin

davon überzeugt, dass auch die

neuen Mitglieder von unserem

Engagement hierfür stark profitieren

und weiß, dass dies für sie auch ein

wichtiges Argument für den Beitritt

in unseren Verbund war.

Im Rahmen unseres 360°-Einkaufes

war die Bewertung „QM/

Rekla“ das Schwerpunktthema

2019. Wir alle wissen, dass wir

hierzu viel Überzeugungsarbeit

leisten mussten. Langsam sehen

wir erste Früchte und ein stärkeres

Miteinander. Im Rahmen unseres

360°-Einkaufes wird „QM/Rekla“

auch 2020 ein Fokus-Thema sein,

für das wir gemeinsam noch deutlich

Fahrt aufnehmen müssen –

und werden. Wir sehen teils große

Anstrengungen auf Lieferantenseite,

teils jedoch noch deutlich Luft nach

oben. Es ist kein Geheimnis, dass

wir uns daran orientieren und im

Zuge nachvollziehbarer Lieferantenbewertungen

auch solche qualitativen

Parameter direkt in Einkaufsentscheidungen

einfließen lassen.

Das wird uns gemeinsam zu Gute

kommen, denn wir werden dadurch

alle besser und unterm Strich messbar

erfolgreicher werden.

möbel kultur: Zur Messe haben Sie das

Tiny House „Mondo Mobil“ vorgestellt.

Dieses kann von den Mitgliedern für je

eine Woche gebucht werden und zieht nun

im Rahmen einer Roadshow durchs Land.

Das „Mondo

Mobil“, das von den

Begros-Mitgliedern

gebucht und für

Marketing-Aktionen

genutzt werden

kann, wurde von

dem Tiny-House-

Hersteller Tobias

Hegselmann gebaut.

Hier zusammen mit

der Schauspielerin

Annette Frier, die

auch künftig Markenbotschafterin

für

„Mondo“ sein wird.

Die Begros-Messe war

ein wunderbares Kick- off

zum Kennen lernen der

neuen Mitglieder.

Wie gut wird das von den Mit gliedern

angenommen?

Patrick Neuss: Das „Mondo“- Tiny-

House ist eine schöne Initiative der

Begros und ein weiterer Impuls

im Rahmen unseres 360°-Marketingprogramms.

Ich freue mich

sehr darüber, dass wir eine sehr

große Nachfrage sehen und das

„Mobil“ gut gebucht ist. Wir sehen

das allerdings wie bei den meisten

Impulsen aus unserem Haus

immer auch als Test. Am Ende werden

wir wieder genau analysieren

und messen, wie gut es von den

Endkunden angenommen wurde

und ob es uns weitergebracht hat.

Tiny Houses sind ja derzeit „in“,

und daher bin ich optimistisch und

freue mich drauf.

möbel kultur: Wer wird mit der Aktion

starten?

Patrick Neuss: Vom 11. bis 27. Februar

hat sich als erstes Möbel Biller

für das Tiny House angemeldet.

Zuerst wird es vor der Therme in

Erding stehen, dann am Flughafen

München, prominent platziert auf

dem Karree zwischen Terminal 1

und 2 und zum Schluss vor dem

Haupteingang des „Landshut Park“.

Wir alle sind gespannt, wie das bei

den Endkunden ankommt und

drücken die Daumen. Dann haben

wir hoffentlich Stoff für diese neue

„Möbelkultour“. Doch bis dahin lassen

wir das „Mondo“-Mobil erst

einmal anrollen.

EVELYNE BECKMANN

2/2020 möbel kultur 39


TOP-THEMA/PERSONAL

Die Besten

Thaddäus Rohrer,

Personal- und Unternehmensberatung

Mit ihrer „Personal-Offensive 2020“ nimmt sich die

möbel kultur“ einer der größten Herausforderungen

der Branche an. Am 29. April veranstaltet sie in Hamburg

„Das erste Forum der Branche gegen den Fachkräfte -

mangel – Lösungen für heute und morgen“. In diesem

Rahmen werden erstmals auch drei Awards für Best-

Practice-Beispiele verliehen.

Josephine Seidel-Leuteritz (l.)

und Louisa Verch, Women in

Furniture

Frank Goerlich,

Goerlich

Consult

Bert M. Ohnemüller,

Neuromerchandising

Group

Ulrike Witt, EHI Retail

Institute

Vanessa Tuncer, EHI

Retail Institute

finden

Der Fachkräftemangel ist mittelfristig

die echte Wachstumsbremse

in Deutschland.“ Zu

diesem Schluss kam Detlef Scheele,

Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur

für Arbeit, bei der Vorstellung

der Arbeitsmarktzahlen für

das Gesamtjahr 2019. Das Potenzial

sei fast ausgeschöpft und auch der

Zuwachs an Erwerbstätigen halte sich

in Grenzen.

Laut „Arbeitsmarktreport 2019“

des Deutschen Industrie- und Handelskammertags

ist es fast jedem

zweiten Unternehmen nicht möglich,

passende Mitarbeiter zu finden, um

offene Stellen längerfristig zu besetzen.

Am härtesten zu kämpfen haben

dabei die Mittelständler. Aber auch

Großunternehmen bleiben von der

Problematik nicht mehr verschont.

In der Möbelbranche macht sich

besonders der demographische Wandel

bemerkbar. Immer mehr gut ausgebildete

Mitarbeiter gehen in Rente,

junge Menschen rücken kaum nach.

Um auch in Zukunft erfolgreich agieren

und wachsen zu können, ist es für

Unternehmen wichtig, jetzt zu handeln.

Welche Möglichkeiten es dabei

50 möbel kultur 2/2020


Personal-Offensive 2020

Bilder unter Lizenz von Shutterstock.com verwendet

gibt, zeigt die „möbel kultur“ mit

ihrer „Personal-Offensive 2020“ auf.

„Das erste Forum der Branche gegen

den Fachkräftemangel – Lösungen für

heute und morgen“ findet am 29.

April in Hamburg statt. Hochkarätige

Referenten sind vor Ort, um den Teilnehmern

neue Wege und Möglichkeiten

aufzuzeigen sowie nachhaltige

Denkanstöße zu geben.

Nach einem Get-Together am Vorabend

startet der Konferenztag um

neun Uhr im Braugasthaus „Altes

Mädchen“ im Hamburger Schanzenviertel.

Dabei gehen zunächst Ulrike

Witt und Vanessa Tuncer vom EHI

auf das Thema Recruiting im Einzelhandel

ein. Josephine Seidel-Leuteritz

und Louisa Verch von Women

in Furniture beantworten die Frage,

was Unternehmen tun können, um

Diversität innerhalb der Organisation

für einen nachhaltigen Erfolg zu fördern.

Anschließend nimmt Bert Martin

Ohnemüller von der Neuromerchandising

Group die Zukunft des

stationären Handels unter die Lupe

und schaut, wie menschlich diese

ist. In einem Personaler-Pitch stellen

zudem Frank Goerlich, Thaddäus

Rohrer, Andreas Erbenich, Manuel

Vey und Jan Odendahl neue Möglichkeiten

der Bewerbersuche vor und

erläutern wichtige Erfolgsfaktoren der

Personalgewinnung. Zum Abschluss

der ersten Tageshälfte verraten Studierenden

der Möfa, welche Ansprüche

sie an einen Arbeitsplatz stellen.

In der zweiten Hälfte der Konferenz

stehen dann Best Practice-Beispielen

auf dem Programm. Denn

schon jetzt gibt es in Industrie und

Handel zahlreiche Ideen der Fachkräftegewinnung,

die erfolgreich

umgesetzt werden. Im Rahmen der

Veranstaltung vergibt die „möbel

kultur“ deshalb erstmals auch drei

Awards. Die besten Recruiting-, Ausbildungs-

und Mitarbeiterbindungsinitiativen

werden von einer Jury ausgezeichnet.

Anschließend stellen die

Preisträger ihre nachhaltigen Konzepte

vor. Unternehmen, die bereits

mit ideenreichen Recruiting-Fahrplänen

arbeiten, sind aufgerufen, sich

noch bis zum 6. März für den Preis

bewerben.

Optimal abgerundet wird das

Personal-Event von dem Thema

„Zukunft der Arbeit“. Anna und

Nils Schnell von Mowomind erklären

dabei, was Unternehmen ganz

konkret verändern können, um für

Bewerber attraktiv zu sein. Christian

Winkler von Xing klärt über die aktuellen

Umbrüche in der Arbeitswelt

auf und zeigt, wie Employer Branding-

und Recruiting im digitalen

Raum gelingt. In einer abschleißenden

Diskussionsrunde wird nicht

zuletzt überlegt, wie digitaler Fortschritt

und Menschlichkeit zusammengebracht

werden können.

Neugierig geworden? Dann melden

Sie sich schnell an unter www.

holzmann-events.de

DORIS SCHMIDT

www.holzmann-events.de

Jan Odendahl, JO

Unternehmens- und

Personalberatung

Manuel Vey, MV

Unternehmens- und

Personalberatung

Christian

Winkler, Xing

Andreas

Erbenich,

Personalberatung

Anna und Nils Schnell, Mowomind

2/2020 möbel kultur 51


IDEEN ZUR

LOOKINSPIRATION

52 möbel kultur 2/2020


Im Spiegelkabinett: Janua und Freifrau bespielten eine gemeinsame Sonderfläche

neben dem Hauptstand, der ganz unterschiedliche Sichtweisen offenbarte.

PLACE

TO BE

/// Eine Messe kann aus ganz unterschiedlichen

Blickwinkeln betrachtet werden. Das galt auch,

und in diesem Jahr ganz besonders, für die

„imm cologne“. Wie war die Stimmung? Was

durfte man nicht verpassen? Welche Trends

kommen? Was waren die Highlights? Und wer

machte die besten Geschäfte? Auf mehr als 40

Seiten gibt die „möbel kultur“ Antworten.

2/2020 möbel kultur 53


IMM COLOGNE

Kölner

Fragezeichen

Irgendwie seltsam ist die „imm cologne“ 2020 gewesen. Teilweise diffus und

schwer zu fassen. Deutschlands wichtigste Möbelmesse erhielt somit eine

symbolhafte Überhöhung, denn die Branche steht am Anfang eines neuen

Jahrzehnts, das von großen Umwälzungen geprägt sein wird. Digitalisierung,

Nachhaltigkeit und New Work lauten die großen Schlagworte, die die 2020er

Jahre einläuten. Und so ließ die Besucher das Gefühl nicht los, als würden sich

alle Beteiligten nur langsam und vorsichtig in das neue Jahrzehnt vortasten.

Viele Unternehmen scheinen

sich für den nächsten

Abschwung rüsten zu wollen

und drehen an der Kostenschraube.

Das führte dazu, dass die Koelnmesse

in diesem Jahr einige hochkarätige

Absagen kassieren musste –

und das in allen Sortimentsbereichen.

Wöstmann, Hülsta, Gutmann,

Gwinner, Oelsa, Sedda, Steinpol,

Willi Schillig, Centastar, Dunlopillo,

Flexa, Froli, und Dedon seien hier

nur ausschnittsweise genannt.

Doch wer Lücken lässt, darf

sich nicht darüber wundern, wenn

die Besucher zur Konkurrenz

abwandern. Denn so kam es zu

dem typischen Messephänomen,

dass diejenigen, die Flagge zeigten,

durchaus zufrieden waren. Koinor,

Polipol, Wimmer, Venjakob, Voglauer

& Co. konnten ihren Vorsprung so

sicher noch um einige Schritte vergrößern.

Kaum verwunderlich, dass

insbesondere die Unternehmen gut

abschnitten, für die Nachhaltigkeit

und Ökologie keine Modeworte sind,

sondern bei denen Green Living fest

in die DNA eingeschrieben ist. „Wir

produzieren seit 40 Jahren nachhaltige

Möbel. Für uns ist das also

kein Trend, auf den wir aufspringen

müssen. Wir spüren allerdings einen

starken Rückenwind des Zeitgeists“,

erklärte beispielsweise Team 7-Chef

Dr. Georg Emprechtinger.

An den meisten Ständen

herrschte die Meinung vor, dass

die Qualität durchaus gegeben sei.

Und letztlich kommt es doch auf

die Kaufkraft der Besucher an. Die

Koelnmesse rückte sogar mit einigen

Namen heraus: Aus Großbritannien

waren unter anderem DFS,

Heal´s und John Lewis unterwegs.

Positiv entwickelte sich auch Skandinavien

mit der Jysk-Gruppe, Svenska

Hem, der Indoor Group aus Finnland,

Bromölla und Säng Jätten, die

mit ihren kompletten Einkaufsteams

die Messe besuchten. Darüber hinaus

kamen auch die Entscheider der

großen internationalen Wohn-Kaufhausketten

zur „imm cologne“, darunter

Alinea und But aus Frankreich,

El Corte Inglés aus Spanien, Nitori

aus Japan und Boston Interiors aus

den USA. Auch die Branchengrößen

im Online-Handel – z. B. Amazon

und die Otto Group, die sich auch

mit einem eigenen Stand präsentierte.

Wayfair war mit über 60 Mitarbeitern

angereist, um Sortimente

zu sichten und zu ordern – u. a.

mit Europa-Chef Martin Reiter

und sogar Niraj Shah, einem der

Unternehmensgründer, der auch

der „möbel kultur“ an ihrem Stand

einen Besuch abstattete.

In Bezug auf die Quantität gab es

widersprüchliche Signale. So wurde

ein ausgesprochen schwacher Montag

diagnostiziert. Der Dienstag entwickelte

sich stark, Mittwoch und

Donnerstag verliefen stabil. Dass am

Ende ein deutliches Besucherplus

herauskam, überraschte dann aber

doch den einen oder anderen Aussteller,

zumal ein Besucherschwund

schon auf den ersten Messen des

Jahres, der Domotex und der Heimtextil,

eingetreten war. Doch die

Koelnmesse verkündete sowohl

60 möbel kultur 2/2020


Zuwächse auf B2B- (von 80.704 auf

82.000) als auch auf Gesamtebene

(von 125.000 auf über 130.000).

In puncto Internationalität

hielt die „imm cologne“ das hohe

Niveau – etwa die Hälfte kam aus

dem Ausland. Die stärksten Länder

waren die Niederlande, Belgien, Italien,

Schweiz und Frankreich: Die

größten Zuwächse konnte die Messe

aus der Schweiz (+18 Prozent), den

Niederlanden (+11 Prozent) und

Belgien (+10 Prozent) verzeichnen.

Erfreulich war die Entwicklung

bei den Besuchern aus Italien und

Russland. Europa insgesamt konnte

um 3,8 Prozent zulegen. Deutlich

mehr kamen auch aus Nordamerika

(+14,1 Prozent). Bedingt durch den

Handelsstreit mit den USA konsolidierte

sich China mit rund 3.000

Besuchern auf hohem Niveau.

„Mit diesem Ergebnis unterstreicht

die ,imm cologne’ nicht

nur ihre herausragende Position

für das weltweite Geschäft, sondern

indem vermehrt auch Planer,

anstaltung zudem einen noch stärkeren

Akzent auf das Thema „Smart

Living“ und bot der Branche eine

höchst attraktive Plattform für ein

übergreifendes Matchmaking.

Doch es gab auch Anlass zur

Kritik. Die Freiflächen wurden zum

Teil lieblos kaschiert – insbesondere

in der Halle 11.3, aber auch

in der Passage 10/11. Ebenfalls

moniert wurde, dass der Sparzwang,

der selbstverständlich auch einer

Messe gesellschaft zugestanden werden

muss, in einigen Punkten nicht

nachvollziehbar war. Das einstige

Presse-Zentrum (und die spätere

VIP-Lounge) im Congress Centrum

Nord stand in diesem Jahr komplett

leer, obwohl es sich um eine der

schönsten Räumlichkeiten auf dem

gesamten Gelände handelt. Das Programm

des „imm cologne congress“

konnte sich in diesem Jahr, bei der

immerhin siebten Ausgabe, nicht

mit seinen Vorjahresveranstaltungen

messen. Auch handwerkliche Fehler

in der Flächenplanung bemerkten

einige Experten, so führten beispielsweise

Rolltreppen direkt auf

und können sich somit imposante

Standgrößen leisten. Die Deutschen

haben somit finanziell oft das Nachsehen

– ein struktureller Nachteil

auf ihrer eigenen Heimatmesse.

Nun kann die Koelnmesse wiederum

keine günstigeren Konditionen

für die Deutschen anbieten, weil das

böses Blut unter den ausländischen

Ausstellern hervorrufen würde.

Zudem erodiert die Schnittmenge

einer gemeinsamen großen

Branchenmesse, weil die Vertriebswege

immer vielfältiger und ausdifferenzierter

werden – zumindest

in Deutschland. So gibt es Lieferanten,

denen die Verbandsmessen

ausreichen, einige setzen auf ihre

Hausmessen, andere wiederum

suchen noch mehr Internationalität

in Mailand. Und dann gibt es

auf den E-Commerce spezialisierte

Lieferanten, die dafür überhaupt

keine Messen mehr brauchen, weil

die technische Anbindung ausreicht.

Ein Wayfair oder ein Amazon kuratiert

ja nicht mehr, sondern will am

liebsten die kompletten Sortimente

aufsaugen, um den Kunden alles

bieten zu können, was der Markt

hergibt. Wozu dann noch Messen?

Dass die Koelnmesse sich aber auch

zukünftig für ihre Aussteller und

Living Kitchen – die wohl größte

Herausforderung für 2021. Denn

wiederholt steht die Küchenmesse

bei vielen Ausstellern grundsätzlich

auf dem Prüfstand.

Dieser Brisanz bewusst, lässt die

Koelnmesse deshalb einen besonderen

„Kometenschweif“ über

den Branchenauftritt aufsteigen

und stellt die nagelneue Halle

„1plus“ mit ihren 10.000 qm

ganz in den Kontext smarter Hightech-Vernetzung.

Anstelle von „Technologie-

und Branchensilos“ gehe es

dabei jedoch um einen umfassenden

Innovationshub rund um Haus

und Wohnen, wie Böse betonte. Der

künftig sogar im Jahrestakt stattfindet

und mit den neuen Schlüsseltechnologien

ein nachhaltiges Signal

für den zukunftsorientierten Eventcharakter

der „imm cologne“ setzt

(siehe auch S. 96/97).

Bei allen Kölner Fragezeichen

ist eines zumindest sicher: Wirtschaftlich

ist die Koelnmesse auf

einem enorm erfolgreichen Weg.

Sie hat das Geschäftsjahr 2019 mit

einem Rekordumsatz von mehr als

400 Mio. Euro und einem Jahresüberschuss

von mehr als 30 Mio.

Euro abgeschlossen. „Wir hatten

uns für 2019 viel vorgenommen

Architekten und Objekteinrichter

aus dem Inland gekommen sind,

auch wieder ihre Bedeutung für

den deutschen Markt“, sagte dementsprechend

Gerald Böse, Vorsitzender

der Geschäftsführung der

Koelnmesse.

Über die Performance der Messegesellschaft

in diesem Jahr gab es

geteilte Meinungen. Auf der Haben-

Seite standen ganz klar die mit viel

Liebe organisierten Sonderflächen.

Mit „Das Haus“, „Future Interiors“

und „Pure Atmosphere“ wurde die

Messe ihrem Anspruch, bei den

Besuchern emotionale „interior

moments“ hervorzurufen, gerecht.

Aussteller und Besucher lobten auch

die neue Struktur der Halle 10. Mit

dem deutlichen Ausbau von „Let’s be

smart – Smart Village“ setzte die Vergroße

Standwände zu, was nicht

besonders einladend wirkt.

Für alles sollte man die Koelnmesse

aber auch nicht verantwortlich

machen. Dass sich die deutsche

Industriebasis so uneinheitlich zeigt

und nie in der Lage ist, an einem

Strang zu ziehen, ist ein urdeutsches

Phänomen. Mailand ohne die komplette

italienische Industriestruktur?

Kaum vorstellbar. Shanghai ohne

Chinas Produzentenbasis? Unmöglich.

Dass potenzielle deutsche Aussteller

„ihre“ Flächen an Ausländer

abtreten, dafür können die Kölner

auch nichts, schließlich verdienen

sie ihr Geld immer noch mit der

Vermietung von Quadratmetern.

Es ist allerdings ein Teufelskreis:

Denn viele ausländische Hersteller

erhalten großzügige Subventionen

Gäste voll ins Zeug legt, daran ließen

Messe-Chef Gerald Böse und

Bereichsleiter Matthias Pollmann

am Messedienstag im Rahmen einer

Konzeptkonferenz keine Zweifel.

Rund 700 Mio. Euro fließen bis

2030 im Rahmen des Investitionsprogramms

Koelnmesse 3.0 in die

Aufenthalts- und Eventqualität. Die

größten Projekte sind dabei die

Bestandssanierung der Südhallen,

die Verbesserung der Verkehrs- und

Parkraumsituation und eine umfassende

Digitalisierung. Der Plan beinhaltet

ferner neben der Halle 1plus

den Bau des Confex, das als Messe-,

Kongress- und Eventhalle zugleich

neuen Formaten aus Conference

und Exhibition Raum bieten wird.

In der Hauptsache ging es auf

der Konzeptkonferenz aber um die

und haben jetzt geliefert. Das bedeutet

eine neue Bestmarke für unser

Unternehmen. Nach 2020 wollen

wir uns weiterhin oberhalb der 400

Mio. Euro bewegen“, so Messechef

Gerald Böse. „Damit behaupten wir

uns unter den führenden Messegesellschaften

der Welt.“

Die Koelnmesse macht alles richtig,

wenn sie diese Stärke in den

kommenden Jahren für die konzeptionelle

Weiterentwicklung der

internationalen Möbelmesse einsetzt.

Die Branche braucht auch

in Zukunft einen starken Möbelmesseplatz

in Deutschland. Dann

wird es nicht mehr nur vorrangig

um Produkte und Ordervolumen

gehen. Sondern vielmehr um Ideen,

Themen und Networking.

SASCHA TAPKEN

2/2020 möbel kultur 61


IMM COLOGNE

Branche im Umbruch: Nachhaltig präsentiert

Mit grünen

Ideen wachsen

Vorstöße in Sachen Möbel-Ökologie gab es immer

mal wieder in den letzten Jahren. Doch so deutlich im

Zeichen der Nachhaltigkeit stand die „imm cologne“

noch nie. Dabei wurden die „grünen“ Ideen auch

entsprechend aufmerksamkeitsstark inszeniert und

sorgten damit für viel Gesprächsstoff.

Ein Baum, umringt von Setzlingen,

stand symbolisch im

Zentrum des Messestandes,

aber 7.000 davon will Hartmann

2020 pflanzen. Jeder in der Produktion

verbrauchte Baum soll damit

ersetzt werden. Das Unternehmen

hat sich hohe Ziele gesteckt: In

absehbarer Zeit will es klimaneutraler

Hersteller werden. Dabei ist

jeder Baumsetzling mit einem Zertifikat,

auf dem sich seine exakten

Koordinaten befinden, versehen und

kann so kampagnenunterstützend

für die Endverbraucherkommunikation

genutzt werden.

Diese Aktion war nur eine von

vielen während der „imm cologne.“

Die Branche bewegt sich – und zwar

notgedrungen, denn die Endverbraucher

werden immer sensibler was

das Kaufverhalten angeht. Und so

experimentierte der ein oder andere

Hersteller ernsthaft mit neuen Werkstoffen.

Bert Plantagie stellte beispielsweise

Tischplatten aus Kunststoffflaschenverschlüssen

vor.

Auch Zuiver launchte eine Sitzschale,

die aus ehemaligen PET-

Flaschen besteht. Diese inspirierten

ebenso Matratzenhersteller Elastica.

Wettbewerber wie Auping, F.A.N.,

Dormiente, Schlaraffia oder Pro

Natura setzen auf Recycling. In der

Sleep-Halle war das Thema Nachhaltigkeit

präsenter denn je (mehr

dazu in der März-Ausgabe der

möbel kultur“)

Ligne Roset überraschte mit dem

neuen Werkstoff „Really“. Dahinter

verbergen sich sieben Millimeter

dicke Platten, die zu 70 Prozent aus

gebrauchten, recycelten Textilien

bestehen und zu 30 Prozent aus

einem Bindemittel. Ein Overlay sorgt

dafür, dass das neue Produkt von der

Funktionalität mit MDF vergleichbar

ist. Auch wenn das Material noch

nicht vollends ausgereift ist, sodass

komplette Kastenmöbel daraus entstehen

können, so machen die ausgedienten

Jeans als Komponenten

des Schranks „Everywhere“ von

Christian Werner oder dem Regal

„La Bibliotheque Fil“ von Pierre

Paulin doch schon eine Superfigur.

Die Franzosen bekennen sich nicht

erst seit gestern zu nachhaltiger

Produktion. Alle Abfälle werden

zudem in der Fertigung recycelt.

„Wir arbeiten weiter daran, unser

Bekenntnis zu nachhaltiger Produktion

auszubauen“, sagt Sabine

Böhm, Director Communication

und Marketing.

Auch Unternehmen wie Team 7,

Scholtissek, Wimmer, Decker oder

Voglauer, die schon immer ökologiebewusst

vermarktet haben, spüren

derzeit Rückenwind. Auch wenn die

Nachfrage nicht automatisch in die

Höhe schnellt, weil der Preis für

die Endkunden nach wie vor eine

hohe Bedeutung hat, so ist dennoch

das Interesse, langlebigere Produkte

zu kaufen, gestiegen. Das sollte die

Möbelbranche als Chance begreifen.

Mehr dazu im Kurz-Interview

mit Dr. Georg Emprechtinger von

Team 7(rechts). RITA BREER

62 möbel kultur 2/2020


Selbst TV-Sender

ließen es sich

nicht nehmen,

über die Baumpflanzaktion

von

Hartmann zu

berichten.

Foto: Guido Schiefer, möbel kultur

1

Herr Dr. Emprechtinger, der Team 7-Stand

lebt Nachhaltigkeit vor. Holz ist hier mit

allen Sinnen erlebbar. Wie stark spüren Sie

den „Greta-Effekt“?

Dr. Georg Emprechtinger: Es ist schon

interessant, dass wir Rückenwind

spüren, weil Nachhaltigkeit seit Greta

Thunberg en vogue ist. Aber wir waren

schon öko, als das noch völlig out war.

Seit 40 Jahren fertigen wir Öko-Designmöbel

in Österreich. In dieser Zeit

haben wir Strukturen entwickelt. Vom

Wald bis zum fertigen Möbel halten

wir die Wertschöpfungskette in eigenen

Händen. Das bringt den Riesenvorteil

mit sich, dass wir die Qualität

kontrollieren können. Es gibt einen

viel direkteren Zugang zu Nachhaltigkeit,

denn so wie wir sie verstehen,

ist dafür verdammt viel Anstrengung

notwendig und von heute auf morgen

geht das auch nicht.

2

Und was verstehen Sie denn konkret

unter Team 7-Qualität?

Dr. Georg Emprechtinger: Wir lassen

unser Holz wie Wein oder Käse

reifen, ein bis zwei Jahre lang bei

besten Bedingungen. Wenn ich es in

der Trockenkammer extrem schnell

trockne, geht das zwar zügig und spart

Geld, doch irgendwann reißt das Holz

vermutlich. Schade ist nur, dass der

Endkunde dem Holz beim Möbelkauf

nicht ansehen kann, welche Qualität

es hat. Wenn Sie zwei Weinflaschen

haben, eine kostet sieben Euro und

die andere 70 Euro. Dann sagt der eine

Weintrinker vielleicht: Es ist gleich

viel Alkohol, ich kaufe den für sieben

Euro, dann ist der Rausch billiger. Und

Möbel werden oft so gekauft. Der Kenner

fragt aber häufig nach dem Unterschied

und erfährt dann, dass das

Holz besonders gelagert wurde, und

dass jemand sich wirklich bemüht hat.

Er spürt die andere Qualität und sagt:

Sie ist mir den Preis wert. Wir stehen

in dem Business für höchste Qualität.

Die Reifung ist nur ein Aspekt, die

Dreischichtplatten sind ein anderer.

Wir fertigen sie auftragsbezogen und

gestalten Tischplatten und Fronten

nicht zufällig, sondern mit künstlerischem

Zugang. Wir nennen das

,Malen mit Holz‘. Endkunden dürfen

im Werk gern ihre Möbel mitgestalten.

3

In welchem Segment profitieren Sie am

stärksten vom Nachhaltigkeits-Hype?

Dr. Georg Emprechtinger: Im Prinzip

wachsen alle Segmente ähnlich,

Küche etwas besser. Wir sind auf

gutem Weg auch als einzigartige

Küchenmarke wahrgenommen zu

werden. Das zeigt uns unser erster

Team 7-Küchenstore in Wien.

Mit unserem ,grünen Bett‘ tragen

wir zum gesunden Schlafen bei.

Metallfreiheit und ausschließlich

Materialien aus nachwachsenden

Rohstoffen, das ist uns bei Team 7

ganz wichtig. Beim Schlafen bin ich

Überzeugungstäter. Ich nutze unser

grünes Bett seit zwei Jahren selbst.

Das ist für mich Lebensqualität.

SUSANNE KRAFT

Team 7 lud Standbesucher dazu ein,

Holz und natürliche Materialien mit

allen Sinnen zu erleben.

1 2 3

1 Noch Prototypen:

die Tischplatten

von Bert Plantagie.

2 Sitzschalen

aus recycelten

PET- Flaschen

hatte Zuiver dabei.

3 „Really“ heißt der

innovative Werkstoff

von Ligne Roset aus

Textilien.

2/2020 möbel kultur 63


IMM COLOGNE/WOHNEN

Wohnen: Meisterhaft inszeniert

Hauptsache

ausgefallen

Kernig und (farb-)stark: Gewohnt wird natürlich nachhaltiger,

denn dieser Megatrend hat auch die Wohnzimmer

erobert. Doch es gibt noch andere Strömungen.

Mit Orange, Glitzer und urigem Holz lässt sich die eigene

Persönlichkeit ausdrücken. Der Mut zu ausgefallenen

Akzenten war unübersehbar. Ein anderes Mittel, ihre

Umsatzchancen zu erhöhen, sehen viele Unternehmen

in Sortimentserweiterungen.

Hartmann

7.000 Bäume gepflanzt

Das Thema Nachhaltigkeit stand bei Hartmann

an erster Stelle. Denn warum nicht das groß

vermarkten, was bei dem Massivholzhersteller

sowieso schon gelebt wird? Bereits heute kommt

der Strom für die Produktion aus der Photovoltaikanlage.

Sämtliche Hölzer stammen aus nachhaltiger

Forstwirtschaft. Die Abschnitte der Holzreste

werden ressourcenschonend zum Heizen verwendet.

Und jetzt wurden auch noch 7.000 Bäume

gepflanzt (siehe S. 62). Passend dazu wurde das

Programm „Runa“ (Foto) überarbeitet.

www.moebel-hartmann.com

Schöner Wohnen-Kollektion

Gelungene Premiere

Mit einem 300 qm großen Stand hat sich die Schöner Wohnen-

Kollektion erstmals auf der Möbelmesse präsentiert. Das

Team zeigte die gesamte Bandbreite in lebensnahen Wohnwelten

mit den unterschiedlichen Looks „Klassische Moderne“, „Feminine

Eleganz“ und „Warm Scandic“. In einem Shop-in-Shop-Bereich

wurde ergänzend zum Möbelsortiment die Vielfalt der Home-

Produkte präsentiert. „Die Schöner Wohnen-Kollektion mit ihrer

ganzheitlichen Einrichtungskonzeption passt perfekt zum Geist

dieser ,neuen‘ ,imm cologne‘ und erweckt die Idee der ,interior

moments‘ im wahrsten Sinne des Wortes zum Leben“, erläuterte

Director Michael Espenhahn. Zur Messe wurden zudem mit

Fischer & Honsel (Leuchten) und der Marburger Tapetenfabrik

zwei neue Partner vermeldet. Alle gezeigten Wohnbilder können

daher vom Handel nahezu identisch umgesetzt werden. Und dann

gab es auch noch den 20. Geburtstag der SW-Kollektion zu feiern.

www.schoener-wohnen-kollektion.de

Form Exclusiv

Starkes Statement

Was Burberry im Fashion-Segment

wagte, inspirierte auch Form Exclusiv:

Orange macht als individuelles Solitärmöbel

eine gute Figur. Die Manufaktur aus

Havixbeck will künftig noch mehr „Möbel

mit Seele“ entwerfen. Dazu gehört auch

eine außergewöhnliche Innenausstattung,

z. B. mit Tapete. Ulrich Wiemann ist davon

überzeugt, dass die Kunden das Besondere

suchen. Weiter ausgebaut wurde zudem die

Kooperation „Volume K“mit Kesseböhmer.

Für das außergewöhnliche Regal gibt es ab

sofort auch einen digitalen Konfugurator.

www.form-exclusiv.de

68 möbel kultur 2/2020


Finori

Kompakt

Der Stand von Finori

umfasste 85 qm – bei

weitem zu wenig Fläche,

um die ganze Bandbreite

des Sortiments darzustellen.

Deshalb wurden Schwerpunkte

gesetzt, u.a. auf das

„Denver“-Wohnmöbelprogramm

(Foto), das der

oberfränkische Spezialist

für zerlegte Möbel in den

Sparten SB und Junges Wohnen

für 2020 auf den Markt

bringt. www.finori.de

Hammel

Jetzt auch Stühle im Sortiment

Auf 210 qm zeigte der dänische Kastenmöbel- und Tischproduzent

Hammel, was er für 2020 alles im Gepäck

hat. Auffällig: die Trendfarbe Zitronengelb, in der u.a. das

„Mistral“-Programm präsentiert wurde, das aber auch in

Eiche lieferbar ist. „Wir halten unser Sortiment flexibel,

das ist unser Motto“, sagte Area Sales Manager Kenneth M.

Pedersen. 2018 hat Hammel die Firma Findahl übernommen.

Unter der Marke Findahl by Hammel führen die Dänen

ab sofort auch Stühle (Foto) im Sortiment und können ihre

Kunden damit noch umfassender bedienen. In Deutschland

arbeitet Hammel mit GfM-Trend und dem EMV zusammen.

www.hammel-furniture.de

Demeyere/Cal-Scan

Qualität aus China

Der französische Kastenmöbelhersteller

Demeyere

ist in Asien unter einem anderen

Namen bekannt: Dort steuert

die Firma Cal-Scan den Vertrieb

und baut derzeit in China,

Indonesien, Vietnam, Taiwan

und Malaysia ein umfangreiches

Netzwerk auf. Jetzt war

die Marke erstmals ohne den

französischen Mutterkonzern auf der „imm cologne“ vertreten.

Mit dem Auftritt in Köln soll der Marke Cal-Scan noch

mehr Aufmerksamkeit zuteil werden. Neu im Programm ist

unter anderem das „Manoa“-Sideboard aus Esche-Furnier und

Rattan. www.scanlife.de

Kettnaker

Meisterstücke zum Jubiläum

Andere Unternehmen feiern Parties, wir gönnen uns zum

150. Geburtstag eine limitierte Edition aus Meisterstücken,“

freut sich Wolfgang Kettnaker. Die auf 150 Stück begrenzte

Kollektion, die eine Fusion aus feinster handwerklicher Tradition

und innovativer technischer Präzision darstellt, verzückte die

Besucher. Auch wenn die Nachfrage nach den Solitären groß war,

bleibt es bei der Limitierung, die Begehrlichkeiten wecken soll.

www.kettnaker.com

Interlübke

Das Coming Home-Feeling ist zurück

Zu recht selbstbewusst, erfrischend farbstark durch das „Color

Match 2020“-Konzept (Foto) und zudem klimaneutral trat

Interlübke auf. Mit „Tado“, einem Regal, das auch Raumteiler

sein kann, und „Just Cube“, dem German Design Award-Gewinner

in Gold, hatte Geschäftsführer Philipp Schramm, Systemmöbel

dabei, die für jede Raumgröße passen. Sie bieten so

vielfältige Gestaltungsoptionen,

dass

jeder seine Vorstellung

von Stauraum

konfigurieren kann.

Eine Möglichkeit,

um dem Coming

Home-Feeling ein

(Möbel-)Stück näher

zu kommen. www.

interluebke.de

Venjakob

Elegant

Neuer Standort – neuer

Look: Von der 10.1 in

die 10.2 ist Venjakob gezogen.

Die Fläche war zwar

genauso groß wie vorher,

doch ein anderes Beleuchtungskonzept

sorgte für eine

elegante Stimmung (siehe

auch S. 54). Den Fokus legte

Geschäftsführer Antonius

Rehkemper mit „Plan X“ auf

den Bereich Wohnen: ein Modulsystem, mit dem durch unterschiedliche

Wohncharaktere – in Lack, in einer Kombi aus Lack

und Eiche, komplett aus Holz, mit Akzenten oder mit ausdrucksstarker

Holzmaserung – vier verschiedene Zielgruppen angesprochen

werden sollen. www.venjakob-moebel.de

2/2020 möbel kultur 69


IMM COLOGNE

1

2

3

4

5

6

1 Evelyne Beckmann und Helane Al-Khazail,

möbel kultur“, im Gespräch mit Matratzenexperte

Jan Bobe (Hilding Anders). 2 Hatte Spaß:

Henning Kantner, Schlaraffia. 3 Dick Spierenburg,

Kreativdirektor der „imm“ im Talk mit Designerehepaar

Jutta und Christian Werner. 4 Hatten sich

viel zu sagen: Stefan Bornemann, Erpo, Thomas

Schlosser, Signet, und Julia Greven, Markenberaterin.

5 Schon Kult: die Band „Just2“. 6 Profi im

Netzwerken: Andreas Erbenich, Personalberater.

7 Gabriele Molitor (Agentur GeSK, 2.v.r.) und

ihre Mitarbeiterinnen Inga Giest (l.) sowie Lena

Zschunke mit Martin Böhringer, Object Carpet.

8 Reger Austausch: Brit Dieckvoß, Heike Gessulat,

„arcade“, und Volker Streckel (Designpost).

Moin Köln: „möbel kultur“-Get-together

Hotspot Holzmann-Party

7

Am Messe-Mittwochabend ist Partytime –

beim ungezwungenen Get-together von

möbel kultur“, „arcade“ und ADM in der

Passage zwischen den Hallen 10 und 11

trifft man interessante Branchenplayer.

Vor allem aber ist das Netzwerken und

Feiern bei Livemusik und Snacks eine entspannte

Angelegenheit.

Fotos: Guido Schiefer

8

9

92 möbel kultur 2/2020


9 Aus Belgien dabei: Lieven Van den Heede,

Möbelmesse Brüssel, mit seinem Kollegen

Glenn De Maeseneer, hier im Austausch

mit Frances van der Steen, franpress, und

Susanne Kraft, „möbel kultur“. 10 Jannes

Lorenzen und Francesco Scilipoti, Wohnklamotte,

nahmen Christoph Pacholski,

möbel kultur“ in ihre Mitte. 11 Kein

Schnack: Hier ist immer viel los! 12 Zum

Wohl: Gintaras Grabliauskas mit seinem

Sohn, beide Vitamin Design.

10

11

13 Stammgäste: Patrizia Fritsche, Messe

Frankfurt (l.), und Katrin Schön, Koelnmesse,

herzlich willkommen geheißen

von Rita Breer, „möbel kultur“ (M.).

14 Franz-Josef Schulte (l.), Schulte

Design, und Andreas Rieß vom Furniture

Club hatten sich viel zu erzählen.

15 Brachte ihr Welcome Design PR-Team

mit: Sandy Kärstädt (2.v.l.).

16 Ohne Stress: Tormod Sortehaug und

Olga Limanowski (l.) von Ekornes mit

Doris Schmidt „möbel kultur“.

12

13 14

15

17 Immer gern gesehen: Jens-Uwe Sander

(l.) und Martin Wieland, Hermes Einrichtungs

Service. 18 Mit voller Power seit

Jahrzehnten in der Möbelbranche unterwegs:

Annie Schifflers (M.), zusammen mit

Produktentwicklerin Ute Bröker, Evelyne

Beckmann, „möbel kultur“ (r.) sowie den

beiden Selva-Kennern Michael Wirtz (l.) und

Franz Runggar. 19 Adliger Besuch: Designerin

Prinzessin Maja von Hohenzollern (l.)

kam mit Kaja Möller, WAW Gruppe.

16

19

17 18

2/2020 möbel kultur 93


KÜCHE

Mit der Sonderschau „Let’s be smart“ wurde zum fünften

Mal „begehbare Zukunft“ gezeigt – die konkreten

Wohnwelten im „Smart Village“ sollen auch zu

Publikumsmagneten für die LivingKitchen 2021

werden. Wie medienwirksam das „intelligente

Dorf“ ist, bestätigte sich durch TV-Interviews mit

Messechef Gerald Böse (l.).

„Let’s be smart“: Die vernetzte Zukunftsschau in Köln

Smarte Vorboten für

die LivingKitchen 2021

Nur noch ein Jahr bis zur LivingKitchen. Anlass für die Koelnmesse, schon auf der

diesjährigen „imm cologne“ die Trommel zu schlagen. Einen Vorgeschmack dazu vermittelte

die Sonderschau „Let’s be smart“, die 2021 die nagelneue Halle 1plus komplett

füllen und zum Zugpferd für intelligentes Wohnen nicht nur in der Küche werden soll.

Schon zum fünften Mal

setzte die Koelnmesse mit

ihrer Zukunftsschau „Let’s

be smart“ auf die Anziehungskraft

intelligenter Technik. Diesmal

wurde sie im „Smart Village“

(Halle 4.2) auf rund 800 qm noch

etwas größer inszeniert: in drei

„Häusern“, die jeweils eine eigene

Lebenswelt für unterschiedliche

Zielgruppen rund ums Wohnen,

Schlafen, Kochen und Essen dar-

stellten. Während das „Smart Loft“

urbanen Lifestyle z. B. für Jobnomaden

thematisierte, ging es nebenan

um platzsparende und multifunktionale

Möbel für die Familie. Eine

dritte Lebenswelt demonstrierten

Assistenzfunktionen mit KI

für Senioren oder Bewohner mit

Handy cap. Vor allem intelligente

und vernetzte Features, die Mehrwert

im Alltag stiften, standen dabei

im Vordergrund. Wie in den Vorjahren

stammt das Konzept aus der

Feder von Christof Flötotto.

Partner waren 35 bekannte

Marken, bei denen Möbelhersteller

wie Rotpunkt, Interlübke, Cor und

Schramm neben Hausgeräten von

Miele auch Spezialisten für Licht

(Bega), LED-Tapeten (Marburg),

Tür- und Sicherheitssysteme (Biffar),

Heizung (Viessmann) sowie

IoT-Vernetzung (Livisi) und Sprachassistenz

(Gigaaa) ein ganzheitliches

Zusammenspiel ergaben. Die Präsenz

von Miele, Naber-Lüftungssysteme

und Rotpunkt weist zugleich

auf das Zukunftskonzept zur Messe

LivingKitchen im nächsten Jahr hin.

Auf einer „Konzeptkonferenz“ parallel

zur laufenden „imm cologne“

erläuterte Messechef Gerald Böse,

worum es dabei hauptsächlich geht:

um nutzerorientierte Anwendungen

von Schlüsseltechnologien, die nicht

nur abstrakte Einzelvisionen darstellen.

„Was heute definitiv, sowohl

in europäischer als auch in internationaler

Hinsicht fehlt,“ so Böse,

„ist eine thematische Aufbereitung

entlang der künftigen lebensweltlichen

Realitäten anstelle von Technologie-

und Branchensilos, die immer

nur Einzelaspekte beleuchten. Dies

wollen wir ändern!“ Die Küche als

Herzstück der Wohnung sei für das

Thema „Smart Living“ besonders

prädestiniert. Zumal die Connectivity

in diesem Kontext schon durch

die Küchengeräte breit vertreten ist.

Ort der Zukunftsschau 2021

ist die neue Halle 1plus, die im

Herbst fertiggestellt wird und dann

zur LivingKitchen Premiere feiert.

Sie umfasst 10.000 qm und biete

mit ihrer Infrastruktur den idealen

Rahmen für die zukunftsorientierte

Hightech. Angebunden ist sie durch

Übergänge in die Hallen 4.2. und

5.2, sodass Besucher vom Messe-

96 möbel kultur 2/2020


oulevard aus durch die etablierte

Küchenausstellung in das Areal

gelangen.

Das „Smart Village“ wird jedoch

nur ein Teil der Konzeption für 2021,

wie Matthias Pollmann, Geschäftsbereichsleiter

Messemanagement,

weiter ausführte. Vielmehr kommen

mit Telekommunikation und

Energieversorgung weitere Themen

dazu, ebenso wie eine Piazza zur

„Connected World“ und Specials

wie „Supermarket & Food Delivery“

und eine eigene „Education“-Zone

für den Handel u. a. zur künftigen

Kundenansprache im Küchenverkauf.

Insbesondere Hausgerätehersteller

wie BSH, Miele, Haier oder

LG sollen sich von dem Ansatz angesprochen

fühlen, um diese nach der

breiten Abstinenz 2019 zurückzugewinnen.

So betonte Pollmann

nochmals. Denn es sei klar, dass die

Unternehmen nicht unbedingt eine

zusätzliche Verkaufsplattform brauchen

(neben der IFA, Anm. d. R.),

sondern eine Alternative, die für sie

auch Sinn macht. Wie die Hersteller

die Plattform belegen, ob mit

eigenen Ständen oder in Szenarien

integriert, ist nicht festgelegt.

Angedockt an die beiden regulären

Küchen-Hallen, wird „Smart

Living“ dann zum publikums- und

medienwirksamen Zugpferd, wenn

die Rechnung aufgeht. Konkrete

Namen, welche Aussteller im nächsten

Jahr zu erwarten sind, wollte

Böse allerdings Mitte Januar noch

nicht nennen. Wobei die weitgefächerte

Thematik nicht nur als Ankerpunkt

für die Küchenmesse gilt,

sondern künftig jedes Jahr gespielt

werden soll.


HEIKE LORENZ

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6

2021 soll die komplette Halle 1Plus (10.000 qm) für die Smart-Living-Schau zur Verfügung

stehen. Im Schaubild (u.) finden sich außer dem „Smart Village“ weitere Themen.

Foto: Guido Schiefer; möbel kultur

1. Von komfortablen Einzellösungen bis zu vernetzten IoT-Szenarien: In drei Lebenswelten

demonstrierte das „Smart Village“, wie intelligentes Wohnen aussehen kann.

Zum ganzheitlichen Konzept zählten ebenso Solardachziegel, Home-Entertainment und

ein umgebauter DeLorean mit Elektroantrieb.

2. Am Badspiegel Mails checken oder die Wetterprognose abfragen? Im „Smart Mirror“

stecken viele Möglichkeiten.

3. Ein Tisch, der sich mit wenigen Handgriffen zum Regal verändern lässt, ist eine

Lösung für Tiny Spaces, nicht nur im Appartment der Kleinfamilie.

4. Das Küchenmobiliar – u. a. mit dem nachhaltigen „Bio-Board“ als Werkstoff oder

mit Hubsystemen von Granberg – kam diesmal von Rotpunkt. Die Geräte lieferte Miele.

5. Ein Life-Care-Robot wird in der Lebenswelt für Senioren zum Personal Assistant.

6. Ebenso platzsparend verbirgt sich der Tisch nach Gebrauch in der Zimmerdecke.

2/2020 möbel kultur 97


INDUSTRIE

1

2

Heimtextil: Zur 50. Ausgabe der Weltleitmesse top aufgestellt

Gelebte Nachhaltigkeit

Selten beherrschte ein Thema eine Messe so sehr wie „Nachhaltigkeit“ die Jubiläumsvertanstaltung der

Heimtextil. Ohne entsprechende Siegel haben es Textilien schwer, die flauschig weich, metallisch glänzend

und mit Fransen das in Erinnerung gebliebene Lebensgefühl der letzten 20er Jahre interpretierten.

„Wir haben intelligentes

Grün“,

sagte Barbara

Schöneberger bei

der Vorstellung

ihrer Tapeten-

Kollektion für

Gebr. Rasch mit

Geschäftsführer

Frederik Rasch.

Blattmotive spielen

eine wichtige

Rolle. Ergänzend

dazu gibt es

Kissenhüllen und

Fertigvorhänge.

Seit zehn Jahren ist Nachhaltigkeit

ein Fokusthema der Heimtextil,

doch nie war das so offensichtlich

wie bei der Jubiläumsmesse und

das nicht nur im Green Village und im

„Trend Space“. 259 (!) Unternehmen,

die nachhaltig Textilien produzieren,

listet der „Green Directory“ auf.

Als „Hurricane Season“ bezeichnete

Messechef Detlef Braun die aktuelle

Lage und meinte damit nicht nur

die Wetter-Turbulenzen durch den

Klimawandel, sondern den Umbruch

in der Produktion durch die Digitalisierung

und die Verlagerung auf das

Onlinegeschäft. Trotz der immensen

Herausforderungen und der aufgrund

des frühen Termins mit 63.000 Besuchern

etwas geringeren Frequenz

erreichte die Ausstellerzufriedenheit

das Vorjahresniveau.

Die „Informationsdichte“ hob

Ottmar Ihling, Sprecher des Deco-

Teams, hervor, das die Besucher einmal

mehr mit der Inszenierung der

Trends „colourful“, „sensual“ und

„casual“ begeisterte. „Unsere Kunden

können inzwischen sehr gut zwischen

Greenwashing und Cradle-to-Cradle-Kreislaufwirtschaft

unterscheiden“,

so Manuel Schweizer, CEO von

Deco Design Fürus, für die die Messe

„außerordentlich erfolgreich“ war.

Tatsächlich fragen besonders Amerikaner

nach Nachhaltigkeit und sind oft

erstaunt, wie viel wir bereits machen,

erklärte Kerstin Baron-Breunig, Vertriebsleiterin

bei Gebr. Munzert.

106 möbel kultur 2/2020


1. Spuren im Sand: Dem Lauf der Kugel zuzusehen,

war ein „Pure Spiritual“-Erlebnis im „Trend Space“.

2. Nachhaltig, zukunftsweisend, großartig: der „Trend-

Space“ den Anne Marie Commandeur vom Stijinstitut

Amsterdam verantwortete. 3. Samt bleibt en vogue, wie auch

eingearbeiteter metallischer Glanz. Dass auch noch Farbe

zurück ist, zeigt diese „Colorful“-Inszenierung des DecoTeams.

4. Pagageien und Exotik, wie dieses Kissen aus der „Unique

Wild at home“-Kollektion bleiben angesagt, da ist Karoline

Ihling-Fehrle, Designchefin bei Apelt, sicher. 5. Auf Erfolgskurs:

„Pivot“, das Hochwert-Label von Gebr. Munzert. 6.

Lizenznehmer für „Looks“, die konsumige Marke von

Wolfgang Joop, ist Ibena. 7. Over the Rainbow:

Zoeppritz und Rosenthal kooperieren

und trauen sich was.

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Ein Augenöffner für gelebte Nachhaltigkeit

war der „Trend Space“, den

Anne Marie Commandeur vom Stijlinstitut

Amsterdam federführend

für das Trend Council verantwortete:

Großartig die Identitätssuche in fünf

Themen-Welten, die Besucher nicht

ratlos zurückließ, sondern echte Inspiration

bot, vor allem auch mit der

Material Library.

Wichtiger wird der Hospitality-Bereich.

Anregungen für objektgeeignete

Textilien aus Garnen, die zunehmend

aus recycelten PET-Flaschen bestehen,

bot der Trevira-Gemeinschaftsstand

mit 31 Partnern und der Sonderschau

„Textile Future by Trevira CS“.

Den Wissensdurst stillte das mit

über 150 Vorträgen reichhaltigste Programm

der Messe-Geschichte, perfekt

zur Ergänzung der Ausstellerbesuche.

SUSANNE KRAFT/RITA BREER

www.heimtextil.

messefrankurt.com

Klassiker aus fünf Jahrzehnten

Spannende Zeitreise

Möbelklassiker, wie der „Wink“-Ohrensessel, ein

Telefon mit Wählscheibe, psychedelisch anmutende

orangefarbene Tapeten und „It never rains in Southern

California“ aus uralten Lautsprechern - so manch überraschendes

Wiedersehen lud im Heimtextil-Showcase

dazu ein, in Erinnerungen zu schwelgen. Oder überholte

Technik neu zu entdecken, wie die gute alte Schreibmaschine.

Die spannende Zeitreise führte aus Anlass

der 50. Ausgabe – 1971 startete die Messe mit 679

Ausstellern, 2020 beteiligten sich 2.952 – durch stimmig

gestaltete Räume,

die das Lebensgefühl

jeweils einer Dekade

widerspiegelten, und

endete im Café, das in

Kooperation mit der

Zeitschrift „Schöner

Wohnen“ realisiert

worden war.

2/2020 möbel kultur 107


5063

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