architektur Fachmagazin Ausgabe 1 2020

architekturonline.com

FACHMAGAZIN

WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT

Erscheinungsort Perchtoldsdorf, Verlagspostamt 2380 Perchtoldsdorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550

01

www.architektur-online.com

© Pavel Bendov

Februar 2020

Alt &

Neu


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AT WORK

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Editorial

Gute Ideen

für Dämmung

Alt & Neu

Was kann in der Architektur eine bessere Basis für

Nachhaltigkeit bilden, als bestehende bauliche Strukturen

in ihrer Substanz und Konzeption zu sanieren und

so an die Erfordernisse der Neuzeit anzupassen. Diesem

schonenden Umgang mit dem gewachsenen Umfeld haben

wir uns unter dem Leitthema „ Alt + Neu“ in dieser

Ausgabe von architektur verschrieben. Hier präsentieren

wir Projekte, bei denen Alt und Neu in vorbildlicher

Weise kombiniert wurden.

In der Schweiz am Zürichsee haben JOM Architekten ein Einfamilienhaus

aus 1934 im Zuge der thermischen Sanierung

aufgestockt und aus dem einstmals schüchternen Häuschen

eine moderne und selbstbewusste Villa entstehen lassen.

Während einer vorsichtigen Sanierung des Battersea Art Centers

in London vernichtete ein verheerendes Feuer weitere

Teile des Bauwerkes. Dies bot den Haworth Tompkins Architekten

die Grundlage zu einer sehenswerten Neuinterpretation

der historischen Architektur. Einer ähnlichen Aufgabe

stellte sich im südostenglischen Hastings das Architekturbüro

dRMM. Dort war ein ehemals beliebter Pier den Flammen zum

Opfer gefallen. Der Brandruine hauchten die Architekten mit

einer Symbiose aus Alt und Neu neues Leben ein.

In New York City verwandelten ODA Architects eine unter

Denkmalschutz stehende ehemalige Zuckerfabrik in Büroräume

und konnten dabei den Charme des historischen Bestands

inmitten der modernen Großstadt erhalten. Welche ästhetische

und nachhaltige Substanz in alten Mauern stecken kann,

beweisen auch die OK Plan Architects, die mit viel Kreativität

eine alte Fabriksanlage in Tschechien in ein Ausstellungs- und

Kulturzentrum umgewandelt haben. Diese und viele weitere

Projekte dieser Ausgabe zeigen Beispiele, wie unterschiedlich

man sich der Aufgabe Alt+Neu stellen kann.

In Dubai wurde nun ein Hotel eröffnet, für welches die 2016

verstorbene Stararchitektin Zaha Hadid sowohl das Innen- als

auch das Außendesign entworfen hat. Wir zeigen hier das einzige

Hotelprojekt, bei dem sie ihre architektonische Vision von

der Verflechtung der Räume umsetzen konnte. Ein weiterer

Bericht beschäftigt sich mit dem Thema Licht und den vielfältigen

Aufgaben und Einsatzmöglichkeiten von natürlicher

und künstlicher Beleuchtung. Und auch der klimaabhängigen

Steuerung von thermisch aktivierten Bauteilen widmen wir

uns: Vor den Toren Wiens, in Purkersdorf, wird zur Zeit diese

Technologie im Rahmen eines Forschungsprojekts auf die

praktischen Einsatzmöglichkeiten getestet.

Die Rubrik „Architekturszene“ handelt dieses Mal von der

Ausstellung „Nine Buildings, Stripped“ des Künstlers Andreas

Fogarasi. Am Beispiel von neun Gebäuden zeigt er auf, wie gesellschaftspolitische

oder ökonomische Anforderungen zum

Aufstieg und Fall einzelner Gebäude oder gar ganzer Stadtviertel

führen können. Abgerundet wird das thematische Angebot

mit den bekannten Rubriken EDV, Bau & Recht, sowie

einer Vielzahl an Berichten über innovative Produkte.

Walter Laser

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steuern.

So entsteht ein natürlicher

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besten Eigenschaften bei

sehr geringem Gewicht.


architektur FACHMAGAZIN

Inhalt

Editorial 03

Magazin 06

Architekturszene 26

Die Stadt lebt durch den Wandel

Bau & Recht 28

Neu aufgesetzt 30

Universitätsbibliothek

Karl-Franzens-Universität / Graz /

Atelier Thomas Pucher ZT GmbH

Schwarze Kunst 36

Art Zone 8smička / Humpolec /

OK PLAN ARCHITECTS s.r.o.

Aus dem Feuer geboren 42

Battersea Arts Centre / London /

Haworth Tompkins Architects

Von Zucker und 48

Zeitgeschichte

10 Jay / New York City / ODA New York

Wie Phönix aus der Asche 56

Hastings Pier / White Rock / dRMM

Rot wie Ochsenblut 62

QST house / Braga, Portugal / NOARQ

Leinen los am Zürichsee 68

Sanierung und Dachaufbau /

Kilchberg, Schweiz / JOM Architekten

Alte Struktur neu gedacht 72

Pátio do Meco/ Aldeia do Meco /

Fábio Ferreira Neves

Hotellerie & Gastronomie 76

Licht 82

Produkt News 84

edv 110

Technologietrends 2020

30

42

MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Hochstraße 103, A-2380 Perchtoldsdorf, Österreich

CHEFREDAKTION Ing. Walter Laser (walter.laser@laserverlag.at)

REDAKTION mag. arch. Peter Reischer, Alexandra Ullmann, Linda Pezzei, Edina Obermoser, Dolores Stuttner, DI Marian Behaneck, Julia Haumer-Mörzinger, Mag. Matthias Nödl

GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at) n LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14

GRAFISCHE GESTALTUNG & WEB Andreas Laser n LEKTORAT Helena Prinz n DRUCK Bauer Medien & Handels GmbH

ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 89,- / Ausland: € 109,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):

€ 59,- / Ausland: € 86,- (Das Abonnement verlängert sich automatisch, sofern nicht mind. 6 Wochen vor Erscheinen der letzten Ausgabe eine schriftliche Kündigung bei uns einlangt.)

EINZELHEFTPREIS € 14,- / Ausland € 18,-

BANKVERBINDUNG BAWAG Mödling, Konto Nr. 22610710917, BLZ 14000, IBAN AT 87 1400022610710917, BIC BAWAATWW n Bank Austria, Konto Nr. 51524477801, BLZ 12000

IBAN AT 231200051524477801, BIC BKAUTWW; UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; n ISSN: 1606-4550

Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied

der Redaktion gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.

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OFFENLEGUNG GEMÄSS § 25 MEDIENGESETZ:

Geschäftsführer: Silvia Laser Gegenstand des Unternehmens: Der Verlag und die Herausgabe von periodischen Druckschriften aller Art, insbesondere von Zeitungen und Zeitschriften;

Gesellschafter: Silvia Laser mit einer Beteiligung von 50%. Ing. Walter Laser mit einer Beteiligung von 50%; Richtung der Zeitschrift: Architektur Fachmagazin mit aktuellen Informationen über die Architekturszene

in Österreich und international, sowohl den Hochbau als auch die Innenarchitektur, das Design und die Haus- und Bautechnik betreffend.


48

62

72

Österreichs meistverbreitete Architektur Fachzeitschrift

Durchschnittliche Verbreitung pro Ausgabe laut ÖAK (Österreichische Auflagenkontrolle)

1. Jahreshälfte 2019 Inland + Ausland

36

architektur Fachmagazin

11.811

Architektur & Bauforum

architekturjournal

wettbewerbe

10.458

9.890

Architektur Aktuell

Keine ÖAK Prüfung


architektur FACHMAGAZIN

6

Magazin

Absolut

DICHT

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7

Magazin


architektur FACHMAGAZIN

„Boden g’scheit nutzen“

Der LandLuft Baukulturgemeinde-Preis

2021 stellt den Umgang mit Grund und

Boden in den Fokus kommunaler Entwicklung.

Bereits zum vierten Mal nach

2009, 2012 und 2016 holt LandLuft, der

Verein zur Förderung von Baukultur in

ländlichen Räumen, zukunftsorientierte

Gemeinden Österreichs vor den Vorhang.

8

Magazin

Innovative Gemeinden, die nachhaltig in die

Lebensqualität vor Ort investieren – mit besonderer

Berücksichtigung der kommunalen

Boden- und Raumordnungspolitik – können

ab jetzt einreichen. Gesucht sind Gemeinden

sowie Klein- und Mittelstädte, deren Baukultur-Strategie

einen innovativen Umgang mit

Grund und Boden mit einschließt und vitale

Orte für ihre Bürger entstehen lässt. Neben

dem eigentlichen Baukulturgemeinde-Preis

lobt LandLuft auch einen Sonderpreis für

außergewöhnliches Engagement aus. Er

winkt zum Beispiel Privatpersonen, Initiativen,

Unternehmen oder regionalen Zusammenschlüssen,

deren boden- und raumordnungspolitisches

Engagement besonders

vorbildlich ist.

Was zeichnet eine Baukulturgemeinde aus?

Die LandLuft Baukulturgemeinde-Preise

2009, 2012 und 2016 haben Städte und Gemeinden

prämiert, deren baukulturelles Engagement

bereits seit Jahren spürbar ist und

das Zusammenleben in unterschiedlichsten

Bereichen nachhaltig verbessert hat: Umwelt-

und Naturschutz, Verkehr, Generationengerechtigkeit,

Abbau von Leerständen,

Wirtschaft und Infrastruktur, Ortsbild und

Siedlungspolitik, Tourismus, Einbindung der

Bevölkerung bei relevanten Aufgabenstellungen

bzw. Bauvorhaben.

Damit der Erfolg der ausgezeichneten Gemeinden

für alle nachvollziehbar wird, dokumentiert

LandLuft den baukulturellen Status

Quo, zeichnet den Weg dahin nach und

bringt die verantwortlichen Personen ins

Gespräch. Dies geschieht zum einen durch

Buchpublikationen, in denen ausführlich auf

die Gewinnergemeinden und deren Entwicklung

eingegangen wird, zum anderen durch

die Neuauflage der LandLuft Wanderaus-

© LandLuft: Georg Herder

stellung. Sie wird bei der Preisverleihung präsentiert

und tourt dann durch den gesamten

deutschen Sprachraum. Seit 2009 machte

die Ausstellung bereits an 80 Stationen halt.

LandLuft Baukulturgemeinde-Preis 2021

Teilnahmeberechtigt sind alle österreichischen

Gemeinden (LandLuft Baukulturgemeinde-Preisträger

sind ausgenommen).

LandLuft Sonderpreis für außergewöhnliches

Engagement für Privatpersonen, Unternehmen,

Initiativen oder regionale Zusammenschlüsse.

Einreichfrist: bis 23. 03. 2020

www.baukulturgemeinde-preis.at

Neuauflagen Verarbeitungsrichtlinien

Die Österreichische Arbeitsgemeinschaft

Putz (ÖAP) hat in Kooperation mit der

Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme

(QG) die Verarbeitungsrichtlinie Sockel

überarbeitet. Durch schriftliche Erklärungen

und zeichnerische Darstellungen

durch 2D- und 3D-Ansichten bietet die

Richtlinie Lösungsvorschläge für Schnittstellen

zwischen mineralischen Außenputzen

sowie Wärmedämm-Verbundsystemen

und den angrenzenden Bauteilen.

So finden sich unter anderem detaillierte

Vorschläge für Ausführungen des Sockelputzes

und Wärmedämm-Verbundsystemen

im Spritzwasser- und Perimeterbereich

und soll ergänzend zu den Verarbeitungsrichtlinien

für Werkputzmörtel (VAR) und

den Verarbeitungsrichtlinien für Oberputze

(RL OP) bei auftretenden Fragen zu Schnittstellen

zwischen Sockel und mineralischen

Außenputz sowie Wärmedämm-Verbundsystem-Lösungsvorschläge

durch schriftliche

Erklärungen und zeichnerische Darstellungen

bieten.

Ebenfalls neu ist die Verarbeitungsrichtlinie

für das Verputzen von Wandheiz-, Deckenheiz-

und Kühlsystemen und soll ergänzend

zu den Verarbeitungsrichtlinien für Werkputzmörtel

und den Verarbeitungsrichtlinien

für Oberputze bei auftretenden Fragen Lösungsvorschläge

durch schriftliche Erklärungen

und zeichnerische Darstellungen bieten.

ÖAP – Österreichische

Arbeitsgemeinschaft Putz

www.oeap.at


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9

Magazin

First Class

Cooler!

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Ob mit Schneidebrett für Küche oder Terrasse, im Badezimmer,

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10

Magazin

Wiederbelebung der

Hyparschale

Der Bauingenieur Ulrich Müther prägte mit seinen kühnen Betonschalen die Architekturmoderne

in der DDR. Mit der 1969 erbauten Magdeburger Hyparschale,

einer der größten ihrer Art, setzte er am Rotehornpark bewusst ein modernes

Pendant zur angrenzenden Stadthalle – einem expressiven Backsteinbau aus den

1920er-Jahren.

Renderings: gmp Architekten

Nach über 20 Jahren Leerstand beginnt jetzt die

denkmalgerechte Sanierung nach dem Entwurf der

Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp).

Neben der Wiederbelebung als Veranstaltungs- und

Ausstellungsort steht hierbei die Instandsetzung des

Betonschalendaches im Mittelpunkt, wodurch die

stützenfrei konstruierte Halle in ihrer räumlichen Wirkung

wieder erlebbar wird.

den offenen Raum mit seinem geschwungenen Dach

vielfältig nutz- und erlebbar. Stahlkonstruktionen und

Fassaden im Innenraum knüpfen konstruktiv und gestalterisch

an die ursprünglich industriell geprägte,

vertikal betonte Außenfassade aus Stahl und Glas an.

Hier ersetzt eine transparente Glasfassade die bisherige

transluzente Industrieverglasung, wobei die originale

Fassadenkonstruktion erhalten bleibt.

Müther konstruierte die Betonschale aus vier hyperbolischen

Paraboloiden. Die regelmäßig doppelt

gekrümmten Dachflächen überspannen eine Fläche

von 48 x 48 Metern und ermöglichen die komplett

stützenfreie Halle. Im Rahmen der Sanierung wird die

Tragfähigkeit des Daches wiederhergestellt und durch

den Einsatz von Carbonbeton sogar erhöht. Zudem

werden die über Kreuz zwischen den Schalen verlaufenden

Oberlichter wieder geöffnet. Die Lichtbänder

betonen die Schalenform und bieten eine optimale

Belichtung für das Zentrum der Halle: Neu eingefügte

Galerieebenen und begehbare Brücken machen


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11

Magazin

MEHR VOM BAD,

MEHR VOM LEBEN

Platzsparender

Spiegelschrank,

eingelassen in

die Vorwand.

Frische Luft durch

die DuoFresh

Geruchsabsaugung.

Unsichtbarer Stauraum

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Vorzüge wie deutlich mehr Platz, lupenreine Sauberkeit,

maximalen Komfort, zeitloses Design und absolute Barrierefreiheit.

Kurz gesagt: Man hat mehr vom Leben.

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12

Magazin

Wohnen wie

ein Parasit

Das ecuadorianische Architekturbüro El Sindicato gestaltet mit der Casa Parásito

ein Mikrohaus, das seinem Namen alle Ehre macht. Wie ein Parasit setzt es sich

auf bestehende Strukturen und bietet die Möglichkeit, dicht gebauten Stadtraum

nach oben zu erweitern. Auf diese Weise entsteht ein System, das alte und neue

Architektur miteinander verbindet. Anstatt einander zu ersetzten geht man eine

Symbiose ein, von der beide Seiten profitieren.

Fotos: Andrés Villota, El Sindicato Arquitectura


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13

Magazin

Die Voraussetzungen für die Installation einer Casa

Parásito sind simpel – es braucht nur einen bestehenden

Bau mit Flachdach und dessen Installationen.

Der Prototyp des kleinen Hauses befindet sich in Quito

auf dem Dach einer Lagerhalle. Dort dockt er, wie

ein echter Parasit, mit Abfall-, Wasser und Stromnetz

an die Infrastruktur seines Wirts an und bietet weite

Ausblicke über die südamerikanische Metropole.

Mit seiner simplen Holzkonstruktion lässt sich das

Projekt an verschiedensten Orten positionieren.

Stahlfundamente verankern das Haus mit dem Bestandsbau.

A-Rahmen bilden das strukturelle Gerüst

des Mikrohauses und bieten Platz für die 12 cm dicke

Kokosfaserdämmung. Darüber legen sich die stark

geneigten Dachflächen, die in Metallpaneelen ausgeführt

sind. Sie ziehen sich seitlich bis zum Boden und

schützen vor Wind und Wetter. Die beiden Querfassaden

sind komplett verglast – eine bietet Ausblick

nach draußen, die andere sorgt, in Milchglas gefertigt,

für Privatsphäre. Die Glasflächen bringen viel

Tageslicht ins Innere und werden von der zu beiden

Seiten 80 cm überstehenden Dachhaut vor direkter

Sonneneinstrahlung abgeschirmt.

Auf gerade einmal 12 m 2 gibt es in der Casa Parásito

alles, was man alleine, oder als Pärchen zum Wohnen,

Arbeiten und Schlafen braucht. Die stehenden Aktivitäten

konzentrieren sich auf den Kern des 2.5 x 3.6 m

kleinen Innenraums. Rundherum ordnen die Architekten

mit Küchenzeile, Tisch, Regalen und Nasszelle

die Einbauten kompakt entlang der Außenwände an.

Dadurch verleihen sie dem kleinen Haus zusätzliche

Stabilität. Ein Zwischenboden macht den spitz zulaufenden

Giebel als Schlafbereich mit Blick auf die

Stadt nutzbar. Sämtliche Oberflächen des multifunktionalen

Raums kleiden OSB-Platten und schaffen

eine gemütliche Atmosphäre auf kleinster Fläche.

Das Mikrohaus demonstriert einen kosten- und ressourcenschonenden

Weg für den Umgang mit Bestand

und Neubau und wie sich beide mit gezielter

Planung wunderbar ergänzen.


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14

Magazin

Lust zum

Arbeiten

Einen ähnlichen Stellenwert als Stadtplaner wie Otto Wagner in Wien besitzt

Georges-Eugène Haussmann in Paris. Die Umgestaltung einer seiner Villen zum

Experience Center der Wirtschaftsprüfgesellschaft PWC durch das Pariser Architekturbüro

Vincent Gloria & Levisalles Architectes schafft eine kreative Arbeitsatmosphäre,

die geprägt ist vom Zusammenspiel von Alt und Neu.

Fotos: Arnaud Schelstraete

Das Pariser Experience Center kann man getrost als

ungewöhnlichen Arbeitsplatz bezeichnen, an dem

Projekte für den digitalen Bereich kollektiv entwickelt,

getestet und realisiert werden. Trotz dieser

Aufgabenstellung fehlt die daraus zu erwartende

Großraumbüroatmosphäre hier gänzlich: Der Bestandsbau

unterteilt die Fläche ohnedies in kleinere

Räume, die mithilfe der filigranen Möblierung nun flexibel

genutzt werden können. Diese Anpassungsfähigkeit

wird auch von der Belegschaft gefordert - es

gibt keine fixen Arbeitszeiten oder -plätze. Viel Wert

wird auf das Arbeiten in transdisziplinären Teams gelegt,

die offene Raumstruktur ohne Türen trägt ihren

Teil dazu bei.

Schon beim Betreten des Gebäudes offenbart sich

dessen besonderer Charakter. Vor die Fassade mit

ihren klassischen Gestaltungselementen ist ein Glaspavillon

positioniert, der jetzt den Eingangsbereich

markiert. Drinnen trifft man dann nicht wie gewohnt

auf einen Empfang, sondern auf ein freigelegtes Stiegenhaus,

das alle fünf Büroebenen miteinander verbindet.

Die verschiedenen Aufenthalts- und Arbeitsbereiche

gliedern sich direkt an dieses an und lassen

einen dynamischen Austausch sowie wechselnde

Gruppengrößen zu. Demgemäß variiert die Möblierung

je nach Bereich und kontrastiert mit der historischen

Struktur. Gold, Stuck und Marmor treffen auf

Holz, kräftige Farben und tropische Pflanzen.


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15

Magazin

Der Parkettboden gehört zur Originalsubstanz und

findet sich frisch renoviert wie zuvor als verbindendes

Element aller Räume wieder. Zum Innenhof und

Garten ausgerichtet gruppieren sich neben gemeinschaftlichen

Bereichen auch einige Computerarbeitsplätze,

eine kleine Werkstatt und ein Präsentationsbereich.

Im Keller des Gebäudes finden die alte

Substanz und die neue Ausstattung noch einmal auf

eindrucksvolle Weise zusammen. Hier kommen die

größten Räume des Hauses unter und können für

Veranstaltungen genutzt werden.

Das Arbeiten ist auf gemeinsames Entwickeln und

Besprechen aufgebaut. Dementsprechend gibt es

vor allem großformatige Tische, auf denen mehrere

Personen Platz finden. Räumlich separiert sind nur

die sogenannten Bubbles, die als kleine Rückzugsbereiche

in die Bürolandschaft integriert sind. Der

kreative Prozess soll auch durch die Ausstattung der

Arbeitsbereiche mit Schreibtafeln und Pinnwänden

gefördert werden.

Vincent Gloria & Levisalles Architectes war es wichtig,

die Eingriffe in den historischen Bestandsbau auf das

Notwendigste zu reduzieren. Diese Würdigung der Bausubstanz

des ehemaligen Wohnhauses und die Ausstattung

mit zeitgemäßen Möbeln sollen den Mitarbeitern

den Wohlfühlcharakter eines Zuhauses vermitteln.


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16

Magazin


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17

Magazin

Gläserne Einblicke

Eine ausgewogene Stadt lebt von der Nutzungsmischung. Diesen Leitsatz

bestätigt und feiert das Projekt „The Looking Glass“ in Amsterdam. Denn das

Team von UNStudio schaffte es, einem Einkaufs- und Wohngebäude nach der

Renovierung mit nur minimalen Änderungen neues Leben einzuhauchen.

Fotos: Eva Bloem

Moderner Chic und zeitlose Eleganz treffen bei der

Komposition des niederländischen Architekturbüros

aufeinander. Kennzeichnend für den Bau sind drei

lange Fenster mit einer dreidimensionalen Glasstruktur.

Die verglasten, bewegende Textilien imitierenden

Elemente an der Vorderseite gewähren schon vom

Straßenraum aus Einblicke in das Innere des Gebäudes.

Die geschwungene Form verleiht den Fenstergläsern

ein dynamisches Aussehen. Elemente aus

Metall, die in die Schwingungen des Glases eingearbeitet

wurden, verleihen den Fenstern Struktur. Sie

sorgen für visuelle Stabilität und stellen sicher, dass

sich die weiche Linienführung markant von der roten

Fassade abhebt und noch besser zur Geltung kommt.

Durch die gekonnte Mischung aus Alt und Neu fügt

sich die Fassade nahtlos in das Ortsbild der P.C.

Hooftstraat – einer der elegantesten Einkaufsstraßen

Europas – ein. Verantwortlich dafür ist nicht zuletzt

die traditionell-historische Backsteinfassade. Sie bildet

einen angenehmen Kontrast zu den hohen Glasfenstern

und der nüchtern-modernen Innenraumgestaltung.

Mit seiner schlichten Bauweise drängt

sich das Gebäude nicht auf. Die einzigartige Wirkung

der Glaselemente wird erst bei direktem Betrachten

des Baus spürbar. Geschwungene, konvexe Formen

laufen dabei ineinander über und schaffen so eine

transparente Vielseitigkeit. Es war dem Designteam

ein Anliegen, dem ursprünglichen Stil des Bauwerks

treu zu bleiben. Die Glasfenster sollen das Gebäude

bereichern und nicht grundlegend verändern.

Bereichernd wirkt der Kontrast aus Alt und Neu bei

diesem Projekt. Denn die historische und die moderne

Bausubstanz heben sich gegenseitig hervor,

womit die Vorzüge des vielseitigen Bauwerks optimal

zur Geltung kommen. In einer flüssigen Geste

wird eine Brücke zwischen Architektur und Mode

geschlagen. Damit repräsentiert das Haus Geometrie

und Handwerkskunst auf höchstem Niveau. Von

Abwechslungsreichtum ist auch die Innenraumgestaltung

geprägt. Große, hohe Räume treffen hier auf

geradlinige Designelemente aus natürlichen Materialien

wie Holz. Hervorgehoben wird die helle Einrichtung

des Geschäfts zusätzlich durch die gezielt

eingesetzte Beleuchtung. Vor Einblicken geschützt

bleibt der Wohnbereich im oberen Geschoss des

Hauses. Kleine Fenster säumen diesen Abschnitt, sodass

den Bewohnern Intimität gewährt wird.

Ein Musterbeispiel für Moderne, die sich in bestehende

Architektur eingliedert, ist das renovierte Gebäude

in der P.C. Hooftstraat. Das verspielte Textil-Glas wirkt

nicht als Barriere, sondern vereint gekonnt die Bedürfnisse

des Flagship-Stores mit denen der Bewohner im

Obergeschoss. Es lohnt sich für den Betrachter also

durchaus, einen Blick durch die Lupe zu wagen.


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18

Magazin

Platz zum

Rütteln

Guter Sekt muss gerüttelt werden. Und das am besten

nach alter Tradition von Hand. Für diesen Prozess wurde

am Kellereigelände des Weingutes Bründlmayer im

niederösterreichischen Langenlois von cp architektur ein

Sektrüttelhaus errichtet.

Bilder: Philipp Kreidl

Der Neubau befindet sich am Standort des traditionellen

alten Weinkellers der Familie Bründlmayer, der von

2010-2012 schon einmal erweitert wurde. Der große

Erfolg der Sektherstellung nach alter handwerklicher

Tradition machte den Bedarf nach einem weiteren Gebäude

notwendig. Dieses ist nur durch eine schmale

Erschließungsstraße vom südlich liegenden bestehenden

Kellereigebäude getrennt und schließt im Norden

an die dörfliche Wohnbebauung der Nachbarschaft an.

Deshalb sollte der Baukörper bewusst niedrig gehalten

und die abfallende Geländehöhe genutzt werden.

So ist es von außen nur schwer erkennbar, dass es

sich eigentlich um einen zweigeschossigen Baukörper

handelt. Das Obergeschoss dient der händischen

Manipulation der Flaschen, das geschickt in den Hang

eingebettete Untergeschoss steht als Lager für die finalisierten

Sektflaschen zur Verfügung.

Das Sektrüttelhaus fügt sich durch das Hineinsetzen

ins Erdreich harmonisch in sein Umfeld ein und wirkt

optisch weniger voluminös. Die niedrigere Temperatur

der Masse des umgebenden Lehmhanges lässt

sich zudem als natürliche Kühlung des Lagerraums

nutzen und hält den Innenraum konstant auf einer

Idealtemperatur von 12-14°C. Im Unterschied zu allen

oberirdischen Bauteilen wurde das Untergeschoss

dafür völlig ungedämmt ausgeführt. Der Energieaufwand

für die Gebäudekühlung wird dadurch so gering

wie möglich gehalten.


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19

Magazin

Errichtet wurde das Gebäude in Fertigteilbauweise

aus Betonhohlelementen mit sichtbaren Fugen im

Innenraum. Angelehnt an die Typologie eines Presshauses

wurde die Halle mit einem zweigeteilten

Satteldach mit Tonziegel-Deckung versehen. Durch

diesen Kunstgriff erscheint der Baukörper aus zwei

getrennten, länglichen Häusern zu bestehen, die

leicht versetzt nebeneinander positioniert sind.

Der Innenraum der Sektrüttelhalle erinnert stark an

das Ambiente eines Weinkellers, wobei die Kombination

aus Holz und Sichtbeton der traditionellen Bauweise

der Ziegelgewölbe in Nichts nachstehen. Flache,

kreisförmige Hängeleuchten unterstützen das

Tageslicht, das über die beiden Fensteröffnungen in

den Raum gelangen kann und schaffen eine besinnliche

Lichtstimmung.

Das für die Sektrüttelpulte verwendete Eichenholz

findet sich auch bei der Deckenverkleidung und im

Außenraum bei den Verschattungselementen der

Südfassade wieder. Mit ihren Lochbohrungen verweisen

diese auf die Sektrüttelpulte im Inneren. Zukünftig

werden die Paneele mit Pflanzen bewachsen

sein und sollen so eine natürliche thermische Schutzschicht

für die Südwand bilden. Durch die beiden

Fensteröffnungen an den östlichen weiß verputzten

Ziegelwänden mit abgetreppten Giebeln kann man

auch einen Hinweis darauf bekommen, was im Innenraum

des Gebäudes passiert – die alte Tradition des

Sektrüttelns von Hand findet Platz in einem neuen

zeitgemäßen Gebäude.

Für die Produktion von

Schaumweinen ist das

Sektrütteln notwendig,

um ein von Hefeteilchen

befreites Endprodukt zu

erhalten. Dieser Vorgang

erstreckt sich über einige

Wochen, da die Sektflaschen

dafür täglich

gedreht und von einer

waagrechten in eine immer

senkrechtere Position

gebracht werden müssen.

Die Unterbringung in

vertikal aufgestellten Eichenholz-Bohlen

mit Lochbohrungen,

die Sektrüttelpulte

genannt werden,

ermöglichen diesen Vorgang.

Die Hefe wandert

über den Flaschenhals

zum Kronenkorken und

kann schließlich von dort

entfernt werden.


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20

Magazin

Lebende Gebäude

Einen interessanten technischen, biologischen und klimarelevanten Ansatz propagiert

Prof. Ferdinand Ludwig von der Technischen Universität München (TUM).

Demnach könnten Pflanzen, konstruktiv in die moderne Architektur integriert, für

ein besseres Klima in den Städten sorgen. Sein Credo: „Mit der Baubotanik muss

nicht extra Raum für die Pflanzen geschaffen werden. Sie sind integraler Bestandteil

der Bauwerke und sorgen für Kühlung und ein besseres Klima in der Stadt.“

Fotos: TUM / Ferdinand Ludwig

Dabei ist die Technik, lebende Pflanzen für konstruktive

Aufgaben zu nutzen, nicht neu. Vom nordindischen

Meghalaya-Plateau führen unzugängliche Täler

und Schluchten in die weiten Flächen Bangladeschs.

In den Monsunmonaten schwellen die Gebirgsbäche

in den Wäldern zu wilden Strömen an. Um diese überwinden

zu können, bauten schon die indigenen Khasi-

und Jaintia-Völker ihre Brücken aus den lebenden

Luftwurzeln des Gummibaums Ficus elastica.

74 solcher lebender Übergänge hat Prof. Ludwig gemeinsam

mit Thomas Speck, Professor für Botanik an

der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, analysiert:

„Solche stabilen Brücken aus ineinander verschlungenen

Wurzeln können mehr als 50 Meter lang und mehrere

Hundert Jahre alt werden. Besprochen wurden

die lebenden Meghalaya-Brücken schon viel, wissenschaftliche

Untersuchungen gab es bislang allerdings

wenige und das Wissen um die alten Bautechniken

war kaum schriftlich dokumentiert“, so Ludwig. Deshalb

führten die Forscher Interviews mit den Brückenbauern

und -bauerinnen, um den Bauprozess besser

zu verstehen. Und um einen Überblick über die komplexe

Wurzelstruktur zu gewinnen, machten sie mehrere

tausend Fotos, erstellten daraus 3D-Modelle und

kartierten die Brücken erstmals.


www.architektur-online.com

21

Magazin

Eine Brücke, die sich selbst baut

„Üblicherweise beginnt der Bauprozess mit einer

Pflanzung: Wer eine Brücke plant, pflanzt einen Setzling

des Ficus elastica an einem Flussufer oder am

Rand einer Schlucht ein. Zu einem bestimmten Zeitpunkt

ihres Wachstums entwickelt die Pflanze Luftwurzeln“,

erklärt Speck. Die Luftwurzeln werden dann

um eine Hilfskonstruktion aus Bambusstangen oder

Palmenstämmen geschlungen und horizontal über

den Fluss geleitet. Wenn die Wurzeln bis ans andere

Ufer gewachsen sind, werden sie dort eingepflanzt.

Sie entwickeln kleinere Tochterwurzeln, die ebenfalls

an das Ufer gelenkt werden, wo sie eingepflanzt

wurden. Durch das stetige Pflanzenwachstum und

verschiedene Schlingtechniken bilden die Wurzeln

des Ficus elastica hochkomplexe Strukturen, die den

Brücken eine große mechanische Stabilität verleihen.

Immer wieder werden die neu wachsenden Wurzeln

in die bereits bestehende Struktur eingearbeitet. Gebaut

und instandgehalten werden die Brücken von

Einzelpersonen, Familien oder auch mehreren Dorfgemeinschaften.

Bis eine lebende Brücke aus Ficus

elastica fertig ist, vergehen jedoch Jahrzehnte, wenn

nicht Jahrhunderte. An ihrem Bau beteiligen sich oftmals

mehrere Generationen.

„Die Brücken sind ein einmaliges Beispiel für vorausschauendes

Bauen. Davon können wir viel lernen: Wir

stehen heute vor Umweltproblemen, die nicht nur

uns, sondern vor allem nachfolgende Generationen

betreffen. Die Erkenntnisse über die alten Techniken

der indigenen Völker könnten dabei helfen, die moderne

Architektur weiterzuentwickeln, sagt Ludwig,

der selbst Architekt ist. In sein Planen und Bauen

bezieht er Pflanzen bereits als lebende Baustoffe mit

ein. 2007 begründete er mit diesem Ansatz ein neues

Forschungsgebiet: Die Baubotanik.

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und Hagelsicherheit

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architektur FACHMAGAZIN

22

Bauteilaktivierung

Bauteilaktivierung

mit Wetterprognose

Die Trägheit des Energiespeichers Beton ermöglicht bei der Bauteilaktivierung die

kostengünstige und effiziente Zwischenspeicherung von Energie. Dieser Trägheitsvorteil

wirkt einerseits stabilisierend für das Gebäude, andererseits ist eine rechtzeitige

Reaktion auf einen Wetterwechsel und die daraus resultierende bedarfsorientierte

Zuführung von Energie in die aktivierten Bauteile nur schwer möglich.

Fotos: Treberspurg Architekten

In Purkersdorf in Niederösterreich wurde

nun ein Projekt realisiert, bei dem erstmals

im Wohnbau die Bauteilaktivierung mit einer

prädiktiven Steuerung kombiniert wurde,

die das Heizen und Kühlen des Gebäudes

unter Berücksichtigung von Wetterprognosen

regelt. Diese Anlage ist Teil des Forschungsprojekts

„TAB-Scale“ zwischen der

BOKU, dem Ingenieurbüro Hofbauer und

Treberspurg & Partner Architekten und soll

u. a. Informationen über die Einsatzmöglichkeit

dieser Technologie im mehrgeschossigen

sozialen Wohnbau liefern.

Das in Passivhausbauweise errichtete Haus

in Purkersdorf ist entsprechend dem konstruktiven

und energetischen Konzept als

Stahlbetonkonstruktion mit hoher Speichermasse

ausgeführt. Ziel ist es, die am Haus

mittels Fotovoltaik und am Grundstück mittels

Tiefenbohrungen gewonnene Energie

sowie die passive Solarenergie zu nutzen und

zu speichern. Das Passivhaus ist nach den

Kriterien des solaren Bauens geplant und mit

einer Bauteilaktivierung ausgestattet, die

sämtliche Heiz- und Kühlfunktionen des Gebäudes

übernimmt. Die Energieversorgung

für Heizung und Warmwasser erfolgt über

eine Wärmepumpe mit Erdreichtiefensonden

als Wärmequellen. Ein beträchtlicher Teil

des Strombedarfs wird durch eine Fotovoltaikanlage

am Dach abgedeckt. Neben einer

hoch wärmedämmenden Gebäudehülle mit

Passivhauskomponenten ist das Gebäude

zudem mit einer Wohnraumlüftungsanlage

mit Wärmerückgewinnung inklusive Zusatzheizungsfunktion

ausgestattet.


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23

Bauteilaktivierung

Bauteilaktivierung mit

innovativem Ansatz

Im Rahmen des Forschungsprojekts wird

nun gemessen, ob sich unter Berücksichtigung

von Wetterprognosedaten ein messbarer

Vorteil für den Gebäudebetrieb ergibt

und wie groß dieser in unterschiedlichen

Situationen erwartet werden kann. Dafür

werden Informationen über zukünftige Entwicklungen

der Außentemperatur und der

solaren Einstrahlungsleistung der nächsten

24 bis 48 Stunden verarbeitet. Das System

ist prinzipiell mit allen möglichen Heizsystemen

kombinierbar, wird im Forschungsprojekt

aber speziell im Zusammenhang mit

thermisch aktivierten Bauteilen untersucht.

Durch die große Trägheit dieser Systeme ist

eine rechtzeitige Reaktion auf einen Wetterwechsel

besonders wichtig.

Für „TAB-Scale“ wurden Messeinrichtungen,

die die Temperaturen in den bauteilaktivierten

Stahlbetondecken durch einbetonierte

Temperaturfühler erheben, eingebaut und

die Steuerung speziell für das Forschungsprojekt

von der BOKU, Institut für Verfahrens-

und Energietechnik entwickelt. Damit

lässt sich abhängig von der Wetterprognose

der Energiehaushalt regeln, aber auch

komplexere Aufgaben lösen, wie etwa ein

im Zeitverlauf variierendes Energieangebot,

der CO 2 -Fußabdruck der Energie (Strom aus

Wind oder PV gegenüber Netzbezug) oder

variierende Strompreise berücksichtigen.

Die Berechnung wird in zeitlich definierten

Abständen, in diesem Fall stündlich, ausgeführt

und es wird dann jeweils die aktuellste

Lösung verwendet.

https://forschung.boku.ac.at/fis

www.treberspurg.com/forschung/tab-scale/


architektur FACHMAGAZIN

24

Beton

Schleuder-Betonstützen

für Hoch- und Industriebau

Die Rotop® Schleuderbetonstützen der MABA Fertigteilindustrie GmbH sind Betonfertigteile,

die mit Bewehrungsgraden von bis zu 20 % hergestellt werden können.

Die dadurch erzielbare Tragfähigkeit bei zugleich schlanker Bauweise, sowie eine

breite Palette an Anschlüssen und Einbauteilen eröffnen Planern und Architekten

ungeahnte Einsatzmöglichkeiten.

Fotos: Paul Sebesta


www.architektur-online.com

25

Beton

Als einziger Fertigteilhersteller in Österreich

verfügt die Kirchdorfer Gruppe am Standort

Micheldorf (OÖ) über ein Schleuderbeton-

Kompetenzzentrum, wo die Grenzen des

Machbaren immer wieder neu definiert werden:

Der Spezialbeton wird in einer liegenden

Schalung mit bis zu 450 Umdrehungen

pro Minute und 20 g Radialbeschleunigung

verdichtet. Dadurch sind Bauteileigenschaften

erzielbar, die Architekten und Statiker

begeistern. Aus diesem Grund kommen die

enorm leistungsfähigen Schleuderbetonstützen

sehr oft bei den spannendsten und

spektakulärsten Bauprojekten in Österreich

zum Einsatz.

Living Garden

Wie etwa beim Projekt Living Garden in

der Seestadt Aspern, wo Schleuderbetonstützen

von MABA zum Einsatz gekommen

sind. Bei dem von den Architekten Martin

Mostböck und Pesendorfer | Machalek Architekten

für den Eigentümer Fair Finance

und den Projektentwickler VI-Engineers

entworfenen Projekt handelt es sich um ein

Wohn- und Apartmenthaus (mit gewerblicher

Nutzung) in einem der größten Stadtentwicklungsprojekte

Europas. Zentraler

Gedanke des nachhaltig konzipierten, grünen

Gebäudes ist es, die Natur so tief wie

möglich in die Stadt zu bringen und den

Bewohnern und Anrainern eine grüne Lunge

zu bieten. Neben dem angenehmen Klima

(Sauerstoff, Beschattung, Windschutz) soll

das Gebäude auch als Green-Building identitätsstiftend

für seine Bewohner und das

umgebende Quartier sein.

Die Erdgeschosszone ist großzügig verglast,

mit Schaufenstern, Shops, Lokalen, Fahrradräumen

und den Zugängen zu den Lobbys

der drei Stiegenhäuser. Sie erschließen 37

Wohnungen und 19 Apartments. Aus dem

Freibereich im Hof mit Spielplatz und üppiger

Vegetation entwickelt sich die grüne

Ader, die an der Fassade entlang ansteigt,

die begrünten Terrassen verbindet und am

intensiv begrünten Dach mündet. Von diesen

Terrassen genießen die Bewohner eine

wunderbare Aussicht auf den See der Seestadt,

wobei auf der größten Terrasse, über

dem 1. OG, Flächen für Urban Gardening vorgesehen

sind.

Bei der Umsetzung dieses luftigen architektonischen

Entwurfs sind für Living Garden

insgesamt 22 der schlanken Rotop® Schleuderbetonstützen

zum Einsatz gekommen.

Diese ausschließlich in Micheldorf produzierten

Stützen können Tragfähigkeiten

(NRd) von bis zu 52.000 kN aufweisen, da

beim Entstehungsprozess hochfester Beton

mit enormen Fliehkräften gegen die

rotierenden Schalungen geschleudert wird.

Als Ergebnis dieses Verfahrens werden

nicht nur hervorragende statische Materialeigenschaften,

sondern auch eine nahezu

porenfreie und glatte Sichtbetonoberfläche

erzielt. Ob senkrecht stehend oder schräg

eingebaut sind die Schleuderbetonstützen

ein vielseitig einsetzbares konstruktives

Element, das je nach Durchmesser in variablen

Längen verfügbar ist. Die Stützen können

über ein oder mehrere Geschosse mit

durchgehender Bewehrung geführt werden

– mit allen üblichen Durchstanzbewehrungen.

Ein umfassender Schalungspark ermöglicht

Sonderformate und diverse Kopfund

Fußausbildungen, Anschlüsse und

Einbauteile sind als Standardausführung

bzw. als Sonderlösungen erhältlich.

Individuelle Planung

Entwickelt und getestet wurde die Rotop®

Schleuderbetonstütze, die in runder, quadratischer

oder ovaler Form in Längen bis zu

33 Meter und in Standard-Durchmessern

von 20 bis 90 cm (rund) oder Seitenlängen

von 20 bis 60 cm (quadratisch) erhältlich

ist, in Kooperation mit der Technischen

Universität Wien: In über 40 zerstörenden

Versuchen wurde die Tragfähigkeit erprobt

und die hohe Brandbeständigkeit unter statischer

Belastung belegt.

Mit umfassenden Beratungsleistungen und

der online Rotop® Bemessungssoftware 3.0

wird zudem sichergestellt, dass entsprechend

der jeweiligen statischen und funktionalen

Projektanforderungen das volle

Potenzial der Stützen ausgeschöpft werden

kann. Buchstäblich von der Ausschreibung

bis hin zum Versetzen der Stützen auf der

Baustelle reicht die Unterstützung durch

erfahrene MABA-Experten, wobei im Bedarfsfall

für die sichere Manipulation und

ein reibungsloses Versetzen die Schleuderbetonstützen

von der zentralen Produktionsniederlassung

im Oberösterreichischen

Traunviertel just-in-time zur Baustelle geliefert

werden.

MABA Fertigteilindustrie GmbH

T +43 5 7715 400

office@maba.at

www.maba.at


architektur FACHMAGAZIN

26

Die Stadt lebt

durch den Wandel

architekturszene

Wohnbauten und Bürogebäude, aber vor allem deren materielle Zusammensetzung

beeinflussen das Stadtbild. Gleichzeitig sind Bauwerke jeder Art einem steten

Wandel unterworfen. Mit ebensolchen Umbrüchen setzt sich der Künstler Andreas

Fogarasi in seiner Ausstellung „Nine Buildings, Stripped“ auseinander. Ihm ging es

bei der Realisierung des Projekts darum, historisches Baumaterial in den Kontext

moderner Werkstoffe zu setzen. Am Beispiel von neun Gebäuden zeigt er auf, wie

gesellschaftspolitische oder ökonomische Anforderungen zum Aufstieg und Fall

einzelner Gebäude oder gar ganzer Stadtviertel führen können. Durch den direkten

Vergleich alter und neuer Baumaterialien, zeigt er, welche Formen und Ausmaße der

architektonische Wandel in der Stadt annehmen kann.

Fotos: Andreas Fogarasi & BILDRECHT GmbH, 2019/Jorit Aust

Veränderung als

wirtschaftliche Konstante

Gesellschaftliche Strömungen, Baunormen,

wirtschaftliche und politische Umbrüche –

jene Faktoren haben maßgeblichen Einfluss

auf die Architektur. Dies zeigt auch die Geschichte

der Sozialversicherungsanstalt der

gewerblichen Wirtschaft. Im Jahr 1970 wurde

sie vom umstrittenen Architekten Carl

Appel geplant und in Form eines Büroriegels

schräg an der Wiedner Hauptstraße platziert.

Kennzeichnend für das Gebäude waren

ursprünglich ornamentierte, mehrfach

geknickte Kassetten. Ebendiese bestanden

aus fünf Millimeter dickem Aluminium – es

handelte sich um eine abstrakte Struktur,

die an eine Baumrinde erinnerte. Die Planer

von ATP Architekten entwarfen 2019 ein

neues Design für die Fassade. Dabei gingen

sie weitaus sparsamer und bisweilen

fragiler vor. Nun säumen champagnerfarbene

eloxierte Aluminiumpaneele und dünne

Keramikplatten den Bau. Dieser Wandel am

Gebäude verdeutlicht, wie sich der Baustil in

den letzten 40 Jahren verändert hat. Zunehmend

starre Baunormen und -gesetze, aber

auch der steigende wirtschaftliche Druck

führen dazu, dass Baustoffe eine regelrechte

„Abmagerungskur“ hinter sich haben. Umso

deutlicher wird dieser Unterschied beim Betrachten

von Fogarasis Materialpaket.

Der Wirtschaft fiel auch das nächste, ehemals

bejubelte Projekt zum Opfer. Julius

Natterer, Emil Japupec und Lukas Lang

planten und realisierten 1980 das Rinterzelt

im Norden Wiens. Für lange Zeit galt

es als Wahrzeichen Transdanubiens, wobei

den „Vesuv von Kagran“ eine ungewöhnliche

Holzkonstruktion kennzeichnete. 48

leicht gekrümmte Holzleimbinder wurden

zu einer stützenfreien Halle angeordnet.

Bahnen aus Trapezblech stellten die wetterfeste,

schützende Haut der Konstruktion

dar. 1984 würdigte man das Bauwerk sogar

mit dem Österreichischen Holzbaupreis.

Errichtet wurde das Gebäude zum Zweck

der Müllverwertung und -trennung – der

Name „Rinter“ leitet sich aus den Begriffen

Recycling und International ab. Doch schon

bald stellte sich dieses Vorhaben als wenig

praktikabel und ineffizient heraus. Denn

bereits 1983 meldete Rinter Konkurs an.

Nur kurze Zeit später übernahm die Stadt

Wien den Bau. Die Nutzung des ehemals so

innovativen Baus als Abfallbehandlungsanlage

durch die MA 48 wurde dem Projekt

aber nicht gerecht, weshalb mit dem Sommer

2019 schließlich die Abbrucharbeiten

starteten. Gleichzeitig erbaute das Atelier

Richard Palme nur wenige Meter neben dem

Rinterzelt einen Ersatzneubau. Er beinhaltet

neben divers angeordneten, übereinander

liegenden Trakten für die Müllverarbeitung,

große Fenster sowie eine Fassade aus

silbergrauem Lochblech. An seinen architektonischen

Erfolg konnte das Rinterzelt

im Bereich der Ökonomie also niemals anknüpfen.

Der Städtebau am Zahn der Zeit

Der baustoffbezogene Wandel von Fußgängerzonen

und Stadtplätzen ist ebenfalls

Thema der Ausstellung Fogarasis. Als

bekanntes Beispiel präsentiert er unter anderem

die Entwicklung der Opernpassage.


www.architektur-online.com

27

architekturszene

Nachdem sich in den 1950er-Jahren auf

dem Verkehrsknotenpunkt zwischen Karlsplatz

und Oper die Unfälle mit Fußgängern

häuften, entschied sich die Stadt für die

Errichtung einer Passage unter dem Opernring.

1955 wurde der von Adolf Hoch geplante

Abschnitt eröffnet. Es handelte sich mit

ihr um das erste unterirdische Verkehrswerk

im Umkreis der Ringstraße. Mit ihr entstand

auch das legendäre Café Rondo. Die 56 mal

51 Meter lange Konstruktion gilt auch heute

noch als eines der schönsten Zeugnisse

der Wiener Nachkriegszeit. Ursprünglich

beinhaltete die Passage 32 konzentrisch angeordnete

Säulen und zwei Unterzug-Lichtkränze.

Auch waren die Stiegenabgänge

mitsamt den tragenden Elementen damals

mit marmoriertem Linoleum verkleidet.

In den 1970er-Jahren folgte ein nicht unbedingt

sensibler Umbau der Halle. Nicht nur

wurden die Lichtkränze entfernt, sondern

auch die Säulen erhielten eine neue, steinerne

Ummantelung. 2013 wollte die Stadt

Wien diese unsanfte Überarbeitung, die

dem Original in keiner Weise gerecht wurde,

rückgängig machen. 2008 schrieb sie einen

europaweiten Wettbewerb zur Erweiterung

und Erneuerung der Karlsplatz-Passage

aus. Die Opernpassage sollte im Zuge jenes

Um- und Ausbaus in ihren ursprünglichen

Zustand zurückgeführt werden. Allerdings

war es den zuständigen Architekten von

GERNER GERNER PLUS, Ritter + Ritter und

Vasco+Partner nicht möglich, das ursprüngliche

Linoleum zu verwenden – es entsprach

nicht mehr den heutigen Brandschutzvorschriften.

Die Planer entschieden sich fortan

dafür, den Originalbelag zu digitalisieren.

Auf diese Weise produzierten sie eine Fotofolie,

die sie zwischen zwei gewölbten Glasplatten

einschlossen. Hierbei handelt es sich

um eine zeitgemäße Umsetzung der historischen

Optik. Ein kleines Potpourri verschiedener

Materialien in Fogarasis Sammlung ist

Zeugnis dieser bewegten Geschichte.

Dass auch Verkehrsknotenpunkte einem

steten Wandel unterliegen, verdeutlicht

das Areal um den ehemaligen Wiener Südbahnhof.

Entworfen und umgesetzt wurde

er vom Planer Heinrich Hrdlicka zwischen

1955 und 1961. Nach der Zusammenführung

der Süd- und Ostbahngleise war es damals

erstmals möglich, an ebendieser Stelle eine

gemeinsame Bahnhofshalle zu errichten.

Seinen Entwurf konzentrierte der Architekt

und Zentralinspektor der Bauabteilung der

ÖBB vordergründig auf die Proportion der

Kassenhalle, die Komposition der Baustoffe

sowie die räumliche Inszenierung des Aufbruchs.

Mehr als 50 Jahre nach seiner Fertigstellung

wurde der Bahnhof noch wegen

der gekonnten Verarbeitung verschiedener

Terrazzo-Oberflächen und Gesteinsmaterialien

gelobt. Es war nach dessen Schließung

im Jahr 2009 möglich, einige Bruchstücke

der Materialien zu retten. Am ehemaligen

Standort des Südbahnhofs steht heute der

Erste Bank Campus. Realisiert wurde er zwischen

2012 und 2015. Das mit der Planung

beauftragte Architekturbüro Henke Schreieck

griff dabei bewusst auf traditionelle Materialien

und Handwerksmethoden zurück.

Den zentralen Umsteigepunkt ersetzt der

heutige Hauptbahnhof am Fuße des Favoritner

Sonnwendviertels. Mit der Planung wurde

das Trio Ernst Hofmann, Albert Wimmer

und Theo Hotz beauftragt. Auch diese Architekten

entschieden sich für den Einsatz

von Stein. Diesmal handelt es sich um grünen

Naturstein aus Osttirol. Das Material

kombinierten sie mit grauen Faserbetonplatten

und Aluminiumelementen in Bronze.

Überdacht wird das Konstrukt mit rautenmäßig

angelegten Waben aus Aluminium.

Über das Scheitern und den Neuanfang

Auch Beispiele fehlgeleiteter Ortsplanung

haben in der Ausstellung Fogarasis ihren

Platz. Im Wien der späten 1990er-Jahre

hatten Stadtverdichtungsprojekte einen

hohen Stellenwert. Und im Rahmen dieser

wurden etliche Blockbuster-Kinos errichtet.

Eines davon war der Cineplexx Palace an

der Reichsbrücke. Die Realisierung erfolgt

im Jahr 1999 durch ostertag Architects

und Harry Seidler. Der Erfolg der Unterhaltungseinrichtung

war aber nur von kurzer

Dauer. Mit rund 40.000 Kinosesseln war in

der Bundeshauptstadt schnell eine Übersättigung

erreicht, sodass der unrentable Kinobetrieb

einer Indoor-Kinderstadt wich. 2013

war auch damit Schluss. Das Gebäude am

Tor zur Donaustadt stand fortan leer. Lange

Zeit wirkte es als Mahnmal einer fehlgeleiteten

Investorenarchitektur. Im Jahr 2019

erfolgte schließlich der Abriss des schwerfällig

wirkenden Bauwerks. Derzeit entsteht

an dessen Standort Österreichs höchstes

Wohnhaus. Das Projekt von A01 Architects

soll 48 Etagen umfassen und eine Höhe von

170 Metern erreichen. Umlaufende Balkongeländer

samt baulich integrierten Pflanzentrögen

werden die Fassade des neuen

Baus prägen. Die Zukunft wird zeigen, ob

der Wohnbau auch seitens der Bevölkerung

Zuspruch findet.

Eine Stadt braucht viele Gesichter

Vielseitigkeit definiert die Großstadt. Wandel

ist unumgänglich und wird häufig durch

sich ändernde soziale Strömungen begünstigt.

Die Herausforderung für Architekten

besteht darin, auf die unterschiedlichen

Anforderungen der Bevölkerung – aber

auch auf die Vorschriften der Verwaltung

– richtig zu reagieren. Mit seinem Projekt

zeigt Andreas Fogarasi, welche Formen

und Ausmaße stadtgestalterische Neuerungen

annehmen und welche Richtung sie in

Zukunft einschlagen können. Seine Arbeit

sieht der Künstler nicht als vollendet an. Die

Zahl der Bauwerke wurde zufällig gewählt,

wobei er in Zukunft eine Erweiterung nicht

ausschließt. Denn für ihn ist der stadtgestalterische

und architektonische Wandel

niemals abgeschlossen. Jeder Ort lebt von

der Veränderung, die sich an menschlichen

Bedürfnissen orientiert.


architektur FACHMAGAZIN

28

Bau & Recht

Die Dekarbonisierung

von Gebäuden im Interesse

des Klimaschutzes

Der Kampf gegen den Klimawandel und der Umgang mit seinen Folgen ist eine zentrale

Herausforderung der Politik unserer Zeit. In der gegenwärtigen politischen Diskussion

steht dabei auch die Dekarbonisierung von Gebäuden stark im Fokus. Immerhin

nimmt der Gebäudesektor, insbesondere die Energie- und Wärmeversorgung von Gebäuden,

einen nennenswerten Anteil an den Treibhausgasemissionen insgesamt ein.

Text: Ing. Mag. Julia Haumer-Mörzinger und Mag. Matthias Nödl (Co-Autor)

Ausgehend von den Klimaschutzzielen der

Europäischen Union sollen die Treibhausgasemissionen

bis zum Jahr 2050 auf ein

Niveau verringert werden, das um 80 bis

95 % geringer ausfallen soll als jenes im

Jahr 1990. Der nationale Energie- und Klimaplan,

mit dem sich Österreich ausdrücklich

zu den Klimaschutzzielen von Paris

bekannt hat, unterstützt die Klimaschutzziele

der Europäischen Union und sieht 300

Maßnahmen zur Erreichung der gemeinsamen

Energie- und Klimaziele der EU vor.

Die neue türkis-grüne Bundesregierung

hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Ziele

des Pariser Klimaschutzabkommens zu

erfüllen und zum Vorreiter im Klimaschutz

zu werden. Das nunmehr Anfang Jänner

2020 veröffentlichte Regierungsprogramm

sieht daher vor, dass bis spätestens 2040

die Klimaneutralität Österreichs erreicht

werden soll. Durch die Dekarbonisierung

Österreichs soll also ein Gleichgewicht zwischen

den Treibhausgasemissionen und

der Absorption von Kohlenstoff aus der

Atmosphäre („Netto-Null“) erreicht werden.

Derzeit entfallen rund 36 % des Gesamtenergieverbrauchs

der Europäischen Union

auf Gebäude und rund 40 % des Endenergieverbrauchs

werden für die Heizung und

Kühlung von Gebäuden verwendet. Ausgehend

von diesen Zahlen ist klar ersichtlich,

dass die Immobilienwirtschaft, insbesondere

die Dekarbonisierung von Bestandsgebäuden

eine zentrale Rolle beim Klimaschutz

einnimmt.

Das Regierungsprogramm sieht daher unter

anderem vor, dass der Gebäudesektor durch

den konsequenten Umstieg auf Heiz- und

Kühlsysteme mit erneuerbaren Energien zur

angestrebten Energiewende beitragen soll.

Die Versorgung von Gebäuden mit fossilen

Energieträgern (Erdöl, Kohle, Erdgas, etc.)

soll bis spätestens 2035 ausgedient haben.

Der Umstieg auf Heiz- und Kühlsysteme

mit erneuerbaren Energien wird auch durch

das „100.000-Dächer-Programm“ gefördert,

wodurch ein Anreiz für Privatpersonen geschaffen

werden soll, die Dachflächen ihrer

Gebäude für die Energiegewinnung durch

Fotovoltaik-Module zu nutzen.

Bestehende Gebäude sollen gemäß dem

Regierungsprogramm durch thermische

Sanierungen energieeffizienter werden und

so zur Reduktion des Energieverbrauchs

beitragen. Die Erhöhung der Sanierungsrate

ist dabei mit einem Zielwert von 3% sehr

ambitioniert angesetzt. Derzeit beträgt die

Sanierungsrate in Österreich nur rund 0,7 %

und ist seit dem Jahr 2010 zudem rückläufig.

Zur Erreichung des Zielwerts von 3% ist

daher eine Vervierfachung sowie eine massive

Förderoffensive und Weiterentwicklung

der Wohnbauförderung erforderlich.

Eine weitere Hürde zur Erhöhung der Sanierungsrate

besteht derzeit darin, dass

alle nützlichen Verbesserungen und substanzändernden,

über den Erhaltungszweck

hinausgehenden Baumaßnahmen, zum

Bereich der außerordentlichen Verwaltung

gemäß den gesetzlichen Bestimmungen

des Wohnungseigentumsgesetzes (WEG)

zählen. Hinsichtlich der Maßnahmen der

außerordentlichen Verwaltung entscheidet

bei Liegenschaften, an welchen Wohnungseigentum

begründet ist, die Mehrheit

der Wohnungseigentümer. Jedoch

haben die überstimmten Wohnungseigentümer

das Minderheitsrecht, eine gerichtliche

Aufhebung des Mehrheitsbeschlusses

zu verlangen.

Substanzändernde, über den Erhaltungszweck

hinausgehende, Baumaßnahmen

sind insbesondere umfangreiche Generalsanierungen

von Gebäuden (z.B. thermische

Sanierung), der Einbau eines Aufzuges

sowie die Neugestaltung von Fassaden.

Auch die Errichtung einer Photovoltaikanlage

zählt seit einer entsprechenden höchstgerichtlichen

Judikatur zu den Maßnahmen

der außerordentlichen Verwaltung, sofern

diese den gemeinschaftlichen Interessen

(z.B. Energieersparnis) der Wohnungseigentümer

dient.

Bei der oft geforderten Nachrüstung von

E-Ladestationen in Gebäuden stellt sich die

derzeitige Rechtslage jedoch komplexer dar.

Hierbei ist zu unterscheiden, ob die E-Ladestation

von einem einzelnen Wohnungseigentümer

an seinem Wohnungseigentumsobjekt

oder an allgemeinen Teilen der

Liegenschaft errichtet werden kann sowie

die Nutzung allen interessierten Wohnungseigentümern

offensteht. Die Errichtung der

E-Ladestation durch einen einzelnen Wohnungseigentümer

stellt eine Änderung des

Wohnungseigentumsobjekts dar und bedarf

der Zustimmung aller Mit- und Wohnungseigentümer.

Die Errichtung der E-Ladestation

auf allgemeinen Teilen der Liegenschaft,

welche jedem interessierten Wohnungseigentümer

zur Verfügung steht, erfolgt im

Gemeinschaftsinteresse und ist daher unter

die Maßnahmen der außerordentlichen Verwaltung

zu subsumieren.


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| BA12-14G |

Eine Steuerung

Bau & Recht

für alle Gewerke

Integrale, PC-basierte Gebäudeautomation

von Beckhoff

Das Regierungsprogramm stellt im Hinblick auf den

Klimaschutz für die Errichtung von Photovoltaikanlagen

und die Nachrüstung von E-Ladestationen bei

der Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen

des WEG Erleichterungen (einfachere Beschlussfassung,

Schaffung von neuen Mehrheitserfordernissen)

in Aussicht. Maßnahmen zur Dekarbonisierung

von Gebäuden sollen in Zukunft zudem nicht mehr

als „Verbesserungsmaßnahmen“, sondern als „Erhaltungsmaßnahmen“

gewertet werden. Eine Erhaltungsmaßnahme

stellt im Unterschied zu einer Verbesserungsmaßnahme

eine solche der ordentlichen

Verwaltung gemäß § 28 WEG dar. Die geplante Novellierung

des WEG würde die Beschlussfassung der

Wohnungseigentümergemeinschaft über Dekarbonisierungsmaßnahmen

sohin erheblich vereinfachen.

Unklar ist insbesondere, ob die geplante Rechtslage

dazu führt, dass die Dekarbonisierung von Gebäuden

fortan auch vor dem Mietrechtsgesetz (MRG) als

Erhaltungsmaßnahme zu werten ist, zu deren Umsetzung

der Vermieter (z.B. als Gebäude- oder Wohnungseigentümer)

verpflichtet sein soll bzw. deren

Umsetzung der Mieter gerichtlich durchsetzen kann.

Dies wäre zumindest denkbar. Andernfalls bestünde

ja für viele Vermieter – nach der derzeit geltenden

Rechtslage – kaum ein Anreiz, eine „grüne Sanierung“

ihres Gebäudes zu veranlassen, weil sie für die

Vermietung eines energieeffizienteren Gebäudes idR

auch keinen höheren Mietzins lukrieren können.

Es bleibt abzuwarten, wie der Gesetzgeber die nach

dem Regierungsprogramm geplanten Maßnahmen

zur Dekarbonisierung von Gebäuden umsetzen wird;

dies zumal das Regierungsprogramm diesbezüglich

vorwiegend aus Überschriften bzw. Bulletpoints besteht

und die konkrete Umsetzung noch von der Einigung

der Regierungsparteien und der konkreten Ausgestaltung

zu verschiedenen Themenbereichen (z.B.

zur angestrebten ökosozialen Steuerreform) abhängt.

www.beckhoff.at/building

Die offene, PC-basierte Steuerungstechnik von Beckhoff bildet die

Grundlage einer integralen Gebäudeautomation, die alle Anforderungen

an eine nachhaltige und effiziente Lösung erfüllt. Eine

einheitliche Hard- und Softwareplattform steuert alle Gewerke, von

der nutzungsgerechten Beleuchtung über die komfortable Raumautomation

bis zur hocheffizienten HLK-Regelung. Das Ergebnis:

Durch die optimale Abstimmung aller Gewerke werden die

Energieeinsparpotenziale über die Energieeffizienzklassen hinaus

voll ausgeschöpft. Darüber hinaus reduziert die integrale Gebäudeautomation

Hardware-, Software- und Betriebskosten. Für alle

Gewerke stehen vordefinierte Softwarebausteine zur Verfügung,

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Bibliotheken


architektur FACHMAGAZIN

30

Alt & Neu

Neu aufgesetzt

Universitätsbibliothek Karl-Franzens-Universität/ Graz/ Atelier Thomas Pucher ZT GmbH

Text: Alexndra Ullmann Fotos: Crystal O‘Brien-Kupfner und Anna Artaker; David Schreyer

Das Bibliotheksgebäude der Karl-Franzens-Universität

Graz bekam vom Atelier Thomas Pucher eine gläserne

Krone in Form eines gewaltigen flachen Kubus mit

Stahlkonstruktion aufgesetzt − doch nicht nur das.

Hinzu kommen auch tief greifendere Überlegungen und

Entscheidungen. So wurde die historische Fassade des

Bestandsgebäudes freigelegt, ein verbindendes Atrium

und ein neuer Bibliotheksvorplatz geschaffen. Der

resultierende Mehrwert ist groß.


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31

Atelier Thomas Pucher ZT GmbH


architektur FACHMAGAZIN

32

Alt & Neu

Das Bauen mit und im Bestand wirft verschiedene

Fragen auf: Was verträgt der Ort? Womit kann man

weiterarbeiten? Wovon muss man sich trennen? Architekt

Thomas Pucher findet durch seine sensible

und klare Vorgehensweise für die Grazer Universitätsbibliothek

passende Antworten darauf. Die Entscheidungen

dafür, wie diese in Zukunft funktionieren

soll, sind schon im Zuge des Wettbewerbes 2015

gefallen und führten zu einem siegreichen ersten

Platz. Im September 2019 wurde die Bibliothek der

Karl-Franzens-Universität nun fertiggestellt und dabei

nicht nur restauriert und erweitert, sondern auch

neu strukturiert.

Die Universitätsbibliothek war ein Konglomerat von

einem historischen Gebäude aus dem Ende des

19. Jahrhunderts und einigen Erweiterungen. Ein Ergänzungsbau

aus den 1970er Jahren verdeckte die

klassizistische Fassade des Bestandsbaus und wurde

deshalb entfernt.

Der Architekt entschloss sich auch dazu, die alte

Struktur mit einer neuen zu überlagern. Das nicht

nur in dem Sinne, dass ein neuer kubischer und verglaster

Baukörper auf den Bestandsbau aufgesetzt

wurde. Auch die Gebäudefunktionen und den Zugang

organisierte man generell neu. Das führte zur

Entscheidung, ein zentrales Atrium und einen neuen

Vorplatz zu gestalten.

Ankommen, verteilen, aufhalten, kontrollieren, veranstalten

– das alles passiert im neuen Atrium, das als

Verbindungsraum zwischen Hauptgebäude und Bibliotheksgebäude

entstand. Die historische Fassade wird

hier zu einem Bestandteil des Innenraumes.


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33

Atelier Thomas Pucher ZT GmbH

Der Bibliotheksplatz ist als neuer Umschlagsort für

die Studierenden gedacht. Er bündelt die wichtigsten

Verbindungsachsen und stellt einen attraktiven Aufenthaltsbereich

im Außenraum dar. Damit der Platz

nicht komplett der Witterung ausgesetzt ist, zieht

sich der auskragende Glaskubus als überdeckendes

Vordach über ihn. Auf dieser Platzdecke brachte die

Wiener Künstlerin Anna Artaker den vergrößerten

Kupferstich einer Buchillustration aus dem 17. Jahrhundert

an. Sie verweist dadurch konkret auf die

Bibliothek im Gebäudeinneren. Mit der gewählten

zentralperspektivischen Darstellung setzt sie auch

einen Bezug zur Universitätsgründung Ende des

16. Jahrhunderts, wo die Zentralperspektive gerade

den neuesten Kenntnisstand darstellte.

u


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34

Alt & Neu

Ein neues verglastes Atrium füllt den Raum zwischen

dem Bibliotheks- und dem Hauptgebäude und

schafft so eine Verbindung. Es dient auch als neuer

Eingangsbereich und bietet durch seine Nutzungsmöglichkeit

als Event- und Veranstaltungsbereich einen

Mehrwert für die gesamte Universität. Nachdem

man die Zugangskontrolle im Atrium passiert hat,

gelangt man in das eigentliche Bibliotheksgebäude.

Dort hat jeder Studierende die Wahl: Lesen und Lernen

im historischen Lesesaal oder in einem der neuen

Lesebereiche.

Der historische Bibliothekslesesaal wurde im Zuge

der Erweiterung einer Restaurierung unterzogen und

erstrahlt wieder in seinem alten Glanz. Durch seine

Glasdecke wird er natürlich belichtet und schafft so

eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Um diese beizubehalten,

schnitt man den darüber positionierten

flachen Kubus an dieser Stelle ein und gibt durch

Galerien den Blick auf das Glasdach des historischen

Lesesaales frei. Um dieses herum sind auf zwei Ebenen

neue Lesebereiche angeordnet, die insgesamt

stärker zoniert sind und so den Studierenden abwechslungsreiche

Räume bieten, die mal leiser und

lauter oder größer und kleiner sind.

Auch andere Bereich, die für das studentische Leben

wertvoll sind, finden im Bibliotheksgebäude Platz.

Es gibt einige loungeartige Aufenthaltsräume, einen

neuen Vortragssaal, Räumlichkeiten für die Universitätsadministration

und eine Dachterrasse.

Der neue aufgestülpte Körper wird liebevoll „flying

reading carpet“ genannt, Bezug nehmend auf die

weite Auskragung und den roten Teppich, der als Bodenbelag

im Inneren gewählt wurde. Kombiniert mit

der weiß gestrichenen Stahlkonstruktion, der weißen

Deckenverkleidung, den Glaselementen und der weißen

Möblierung wirkt er sehr edel und schafft für die

Studierenden eine angenehme Arbeitsatmosphäre.

Mit seiner Erweiterung der Universitätsbibliothek Graz

findet Architekt Thomas Pucher adäquate Antworten

auf die eingangs gestellten Fragen. Die Umgestaltung

kommt nicht nur dem Universitätscampus zugute,

sondern vor allem auch den Studierenden. Er gibt dem

Bibliotheksgebäude sein altes Gesicht mit einem neuen

beeindruckenden Kopfschmuck zurück.

Für die Studierenden

gibt es im historischen

Lesesaal und den neuen

Lesebereichen zusammen

650 Arbeitsplätze,

zusätzlich entstand im

Bibliotheksgebäude auch

ein neuer Hörsaal mit 430

Sitzplätzen.


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35

Atelier Thomas Pucher ZT GmbH

EG OG 3

Universitätsbibliothek Karl-Franzens-Universität

Universitätsplatz 3a, 8010 Graz

Bauherr:

Architekt:

Projektleitung:

Mitarbeiter:

Statik:

Bundesimmobiliengesellschaft mbH (BIG)

DI Thomas Pucher

DI Magnus Griesbeck

DI Roman Krajger, DI Pia Lackner, DI Hannes Stöffler, DI Matteo Saya,

DI Dorota Nagowska, Josef Ebner, DI Dominik Zach, DI Gabriele Steinmann, DI Peter Rous,

DI Alexander Ernst, Maximillian Michl, DI Philip Vossen, DI Joanna Czernicka

Bollinger und Grohmann ZT GmbH

Bebaute Fläche:

3.518m² (neuer Überbau)

Nutzfläche:

9.547m²

Planungsbeginn: 11/2015

Fertigstellung: 09/2019

Bauzeit:

33 Monate

Baukosten:

28 Mio. Euro


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36

Alt & Neu


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37

OK PLAN ARCHITECTS s.r.o.

Schwarze Kunst

Art Zone 8smička / Humpolec / OK PLAN ARCHITECTS s.r.o.

Text: Peter Reischer Fotos: Lukáš Žentel

Schon im Jahr 2010 sind die Gebäude der ehemaligen

Textilfabrik Karel Trnka in Humpolec, Tschechien einer

sogenannten Low-Cost-Erneuerung unterzogen

worden – die dunkle, anthrazitfarbene Fassade war

das augenfälligste Merkmal dieser Renovierung. Eine

wesentlich grundlegendere Veränderung führten die

OK Plan Architects in den Jahren 2016 - 2018 durch.

Sie verwandelten den alten Bau in die Art Zone

8smička (der „Achter“), in ein Kunst- und Kulturzentrum

für die gesamte Region. Heute kann man in den

Räumen des aus dem 19. Jahrhundert stammenden

Komplexes (damals wurde die Stadt auch „Böhmisch

Manchester“ genannt) moderne Kunst aus Tschechien

und den angrenzenden Ländern betrachten. All

das wird durch eine private Stiftung ermöglicht.

Die Architekten Štěpán Malovec und Martin Odehnal

von OK PLAN ARCHITECTS – sie haben ihr Büro

gleich neben dem Fabriksbau angesiedelt – gliederten

das dreigeschossige Bauwerk neu und sehr effektiv:

Im Erdgeschoss befinden sich heute der Hauptausstellungsbereich,

gewidmet der Tschechischen Moderne

und der zeitgenössischen Kunst, ein Café und

ein Buchgeschäft. Diverse Nebenräume, WC-Anlagen

und ein multifunktionaler Konferenzraum ergänzen

das Programm auf dieser Ebene. Ein weiterer Ausstellungsbereich

für moderne und zeitgenössische Kunst

liegt im ersten Stock, zusammen mit einigen Privaträumen.

Im zweiten Obergeschoss hat man das Depot der

Bilder untergebracht, insgesamt beträgt die Nutzfläche

ca. 3.000 m².

u

Eine alte Fabriksanlage

in Humpolec/Tschechien

haben die OK Plan Architects

s.r.o. zu einem Ausstellungs-

und Kulturzentrum

umgewandelt. Das

Projekt beweist, welche

ästhetische und nachhaltige

Substanz in alten

Mauern stecken kann,

wenn man ein bisschen

Kreativität anwendet. Reuse

statt new-built!


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38

Alt & Neu

Das optische Signet dieser Institution – ein riesiger

Achter an der dunkelgrauen Fassade – ist schon von

der Autobahnausfahrt der D1 aus zu sehen. In den

beiden Umrisskreisen dieses Achters ändern sich

ständig die Logos, je nach Ausstellung und Thema,

das schlägt sich bis auf die Internetpräsenz der Galerie

durch. Überhaupt haben die Architekten die

Identität des Projektes durch die Ziffer 8 und deren

visuelle und typografische Varianten geprägt: Im

Bookstore sind jeweils acht Stapel Kataloge nebeneinander

zu finden, im Café sind jeweils acht gleiche

Köstlichkeiten in der Vitrine angeordnet, das Personal

ist mit entsprechenden Kleidern und T-Shirts versehen

usw. Ein weiteres Wahrzeichen der Anlage ist

natürlich der riesige, erhalten gebliebene Schlot aus

roten Ziegeln.

Betritt man als Besucher vom kleinen Kundenparkplatz

aus das Gebäude, ist man zu allererst von der

Klarheit und Stringenz der verwendeten Materialien

überrascht. Um so mehr, wenn man die Information

bekommt, dass eigentlich alles Sichtbare entweder

recycelt, oder aus alten Materialien neu interpretiert

ist. Die dunkelgrauen Betonsteine, die im Inneren teilweise

sichtbar sind, entsprechen genau den Größen

der an der Außenfassade verwendeten Steine, wurden

aber großteils neu erzeugt. Die Bücherregale im

Café und dem angrenzenden Sitzbereich sind aus

alten Traggestellen, die man in der Stoffproduktion

verwendet hatte, hergestellt und neu interpretiert.

Radiatoren in den Ausstellungshallen haben einen

industriellen Touch und entsprechen dem Design der

damaligen Zeit, wirken aber topmodern.

Auf der Eingangsebene

finden sich großzügige,

klare Räume für den

Ausstellungsbereich, den

Shop und das Café.


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Beeindruckend ist auch das technische Equipment

der Galerie: Hightech, wohin man blickt und alles perfekt

verarbeitet. Das liegt auch an den abgehängten

Gipsdecken, diese verbergen die darunter liegende

Infrastruktur, wie Klimaanlage, Verrohrung und Beleuchtungssysteme

und sind gleichzeitig, durch ihre

Gestaltung eine sehr wirksame Akustikdämmung.

Alles dient dem Komfort, der Konzentration und der

Geruhsamkeit der Besucher. Diese Akustikdecken

beschränken zwar die Raumhöhe von 3 auf 2,60

Meter, tun aber der Großzügigkeit der Inszenierung

keinen Abbruch. Es ist ein durchgehender und harmonischer

Kompromiss zwischen Industriehalle und

Galerieraum, der ideale akustische Bedingungen für

Sprache und Vorträge in den Räumen bietet – es ist

keinerlei Nachhall zu bemerken.

Auch bei den Beleuchtungskonzepten waren die Architekten

erfinderisch. Licht ist ja ein wesentliches

Element für alle musealen Bereiche und Konzepte,

so auch für das Innere des 8mička‘s. Naturlicht ist

klarerweise schwieriger zu beherrschen und kann

auch bei den Exponaten Schäden hervorrufen, sowie

Alterungsprozesse beschleunigen. Deshalb wählte

man ein sehr ausgeklügeltes, künstlerisches System.

Diese Technologie ermöglicht es sowohl Spotlights

für bestimmte Objekte zu verwenden, wie auch

Streulicht und andere Effekte. Das Aufbausystem

stellt ein wandlungsfähiges Arrangement für Licht in

allen Räumen zur Verfügung, denn jede Ausstellung

verlangt nach einer individuellen Lichtinszenierung.

Dies wird durch eine leichte Veränderungsmöglichkeit

der Lampen ermöglicht, bedient werden sie

mittels digitalem Fernsteuerungssystem DALI über

Computer oder mobile Endgeräte.

u

39

OK PLAN ARCHITECTS s.r.o.


architektur FACHMAGAZIN

40

Alt & Neu

Eine Vorgabe für die Erneuerung der Fabrik war es,

die alten Fensteranordnungen in der Fassade zu erhalten.

Man verwendete Metallfenster im Industriedesign

mit einer Doppelverglasung und im Erdgeschoss

und ersten Stock wurden semitransparente

Scheiben eingesetzt. So ist der Lichtschutz der Ausstellungsobjekte

gewährleistet. Im zweiten Stock hat

man aus Sicherheitsgründen für das Depot lichtundurchlässige

Scheiben verwendet.

Das Herz der notwendigen Klimaanlage ist in einem

Maschinenraum im Keller untergebracht. Die

Heizung der gesamten Räume wird mit zwei Luft/

Wasser-Wärmepumpen bewerkstelligt. Diese Anlage

versorgt alle Räume mit Frischluft und Wärme. Jeder

Ausstellungsraum besitzt eine Steuerung, um die

Temperatur zwischen 18 und 20 Grad und die Luftfeuchtigkeit

zwischen 50 und 55 Prozent zu halten,

denn das ist für die Exponate lebenswichtig. Die raumbezogene

Steuerungseinheit ist jeweils in Nischen der

Struktur untergebracht. Die Radiatoren sind immer in

Fensternähe angeordnet, um das Risiko von Kondensatbildung

an den Glasflächen zu minimieren.

Die Fußböden der Galerieräume und der Buchhandlung

im Erdgeschoss sind mit einem Epoxidharz überzogen

und im ersten Stock entsteht eine gemütliche Atmosphäre

durch die Verwendung von Eichenbrettern,

genauso wie im Café im Erdgeschoss. Die Architekten

haben ausschließlich tschechische, nach Möglichkeit

sogar lokale Firmen und Handwerker beschäftigt: So

stammt die Kaffeehauseinrichtung von TON und die

Frontseite der Bar ist mit Resten von Bilderrahmenprofilen

verkleidet – ein perfektes Recycling. •

In den, im Obergeschoss

gelegenen, Veranstaltungsräumen

dominieren

warme Farben und

Materialien.


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41

OK PLAN ARCHITECTS s.r.o.

PŮDORYS 1NP

PŮDORYS 2NP

1.09

96 m 2

1.10

139 m 2

1.11

68 m 2

113 m 63 m 103 m2 2 2 1.13

1.06

1.12 1.14

1.08

1.03 1.07

1.02

1.15

1.05

1.18

LEGENDA MÍSTNOSTÍ

2.02 2.03

1.01 ZÁDVEŘÍ 101 m 2

1.02 KAVÁRNA

1.03 MANIPULACE - CATERING

1.04 ÚKLID

1.05 ŠATNA

1.06 ZVEDACÍ ŠACHTA

1.07 VÝTAH

1.08 VÝSTAVNÍ PROSTOR

1.09 VÝSTAVNÍ PROSTOR

1.10 VÝSTAVNÍ PROSTOR

1.11 AUDITORIUM

2.06

1.12 HALA- ŠATNA

2.05

1.13 WC MUŽI

1.14 WC ŽENY

2.04

1.15 SERVER

1.16 KNIHKUPECTVÍ, POKLADNA

A RECEPCE

1.17 ÚDRŽBA

2.01

1.18 KOTELNA

1.19 KOMÍN

2.07 2.08

2.09

2.10

2.12

2.13

LE

2.

2.

2.

2.

2.

2.

2.

2.

2.

2.

2.

2.

2.

2.

278 m 2 143 m 2 123 m 2

1.04

1.01

1.16 1.17

2.11

2.14

1.19

EG OG 1

SITUACE

ŘEZ

Art Zone 8mička

Humpolec, Tschechische Republik

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Statik:

Endowment Fund 8smička

OK PLAN ARCHITECTS, s.r.o.

Architekt Luděk Rýzner, Ing. arch. František Čekal

Dagmar Palánová

Grundstücksfläche: 3.000 m 2

Baufläche: 1.073 m 2

Nutzfläche: 3.000 m 2

Planungsbeginn: 2015

Bauzeit: 11/2016 - 03/2018

Fertigstellung: 04/2018


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42

Alt & Neu

Aus dem

Feuer geboren

Battersea Arts Centre / London / Haworth Tompkins Architects

Text: Peter Reischer Fotos: Fred Howarth, Philip Vile, Morley von Sternberg

1666 stand fast ganz London während einer Feuersbrunst

in Flammen. Aber auch in letzter Zeit reihen sich

denkwürdige Brandkatastrophen aneinander: der

Crystal Palace 1936, die Valley-Parade-Feuerkatastrophe

1985, Brand im Bahnhof King´s Cross St. Pancras

1987, Brand im Windsor Castle 1992, der Grenfell

Tower 2017. In Fachkreisen herrscht die Meinung,

dass man es in Großbritannien mit dem Brandschutz

nicht so genau nimmt und nur durch Glück bei derartigen

Katastrophen nicht noch mehr Menschenleben

zu beklagen waren.

Glück im Unglück hatte man auch beim Feuer, das die

Grand Hall des Battersea Arts Centres (BAC) in London

im Jahr 2015 zerstörte. Die Architekten des Büros

Haworth Tompkins (HT) arbeiteten bereits seit

2006 an der Neukonfigurierung und Gestaltung des

BAC. Das ehemalige Rathaus, im Südwesten Londons

gelegen, war 1893 von E. W. Mountford entworfen

worden. Es war „Grade II listed“ (englische Denkmalschutzkategorie),

wegen seiner wichtigen politischen

Rolle, die es bei der Entstehung der Suffragettenund

Arbeiterbewegung im frühen 20. Jahrhundert

hatte. Seit 1974 beherbergte es bereits das BAC,

eine der wichtigsten Brutstätten der neuen Kunst

der Performance in England. Das Büro HT arbeitete

hier bereits seit 2007 mit dem BAC, Theaterkünstlern

und den lokalen Vereinigungen zusammen und

in einem kreativen, experimentellen Prozess sollte

der ganze Komplex zu einem lebendigen, adaptiven

Organismus umgeformt werden. Im Betrieb sollten

dann die traditionellen Grenzen zwischen Publikum

und Künstlern, dem Foyer und Auditorium aufgelöst

werden und so eine nahezu unendliche Spielfläche

von Kombinationen entstehen.

u

Während der Sanierung

des Battersea Art

Centers in London durch

die Haworth Tompkins

Architekten, vernichtete

ein verheerendes Feuer

die sogenannte Grand

Hall und weitere Teile des

Bauwerkes. Diese Katastrophe

war der Anlass, die

Folgen dieses Ereignisses

in den Prozess einzubeziehen

und so zu einer

sehenswerten Neuinterpretation

der historischen

Architektur zu gelangen.


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43

Haworth Tompkins Architects


architektur FACHMAGAZIN

44

Alt & Neu

Man begann mit einer Reihe von improvisierten,

nicht invasiven Eingriffen um eine spielerische Strategie

für die Veränderung zu testen und eine neue

Designsprache für die Architektur zu entwickeln. Die

Umbauten fanden stufenweise statt, zuerst im Café

und der Eingangshalle als 2015 ein Feuer während

der Bauarbeiten die sogenannte Grand Hall komplett

zerstörte. Der Schock der Verwüstung brachte aber

neue Möglichkeiten für die Gestaltung und die Rekonstruktion.

Die aus Ziegeln bestehenden Außenwände

der Halle waren zwar angegriffen, konnten

aber stabilisiert und in ihrer Tragfähigkeit erhalten

bleiben. Das Dach und die denkwürdige, gewölbte

Gipsdecke wurden allerdings komplett vernichtet.

Also rekonstruierte man das tonnenförmige Dach

und anstatt des Gipsgewölbes bauten die Architekten

– sozusagen als signifikantes Merkmal eines

Change-Prozesses und einer Evolution – eine aus

Sperrholzplatten bestehende Decke ein, die sich von

den Oberkanten der Seitenwände ausgehend der

ursprünglichen Gewölbekurvatur folgend erstreckt.

Die Konstruktion aus gefrästen Sperrholzplatten,

dreifach mit Abstandshaltern in die Tiefe gestaffelt,

bieten eine spektakuläre Neuinterpretation der

neobarocken Decke aus Gips. Vor allem der Kontrast

zwischen perfekter Decke und den brandbeschädigten

Wänden macht den Reiz dieses Projektes aus.

Eine neue technische Infrastruktur, verborgen über

dieser Decke, bietet nun eine natürliche Ventilation,

wesentlich größere theatralische Möglichkeiten und

eine variable Akustik um sowohl das gesprochene

Wort, wie auch Dramen, Festivals, Hochzeiten und

Konzertaufführungen zu ermöglichen.


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45

Haworth Tompkins Architects

Die Oberflächen der Hallenwände und der sie umgebenden

Gänge sind in dem Zustand belassen worden,

wie sie nach dem Brand vorgefunden wurden. Sie

spiegeln einen pompejanischen Reichtum an Oberflächen,

Strukturen und Farben wider. Beleuchtet

werden sie heute von Hängelampen, extra entworfen

von Haworth Tompkins und dem Produktdesigner

Robert McIntyre. In den Korridoren nimmt eine gelochte,

abgehängte Decke sowohl in Farbe wie auch

Konzept das Motiv der Tonnendecke der Grand Hall

wieder auf. Die Orgel der Halle, entworfen von Robert

Hope-Jones, war Gott sei Dank zur Zeit des Brandes

größtenteils abgebaut und zur Restaurierung ausgelagert.

Sie wurde auf einer Tribüne wieder aufgebaut,

um eine größere Flexibilität für die Nutzung der Bodenfläche

zu gewährleisten. Demontable Sitzreihen

und die umlaufenden Galerien verbinden sich mit

der Tribüne und lassen verschiedenste Nutzungen

bei Events zu. Die Bar der Grand Hall hat man in

Zusammenarbeit mit dem Künstler Jake Tilson, der

akribisch die zerstörten Stoffe nach dem Brand rekonstruierte,

neu gestaltet und so einen hochinteressanten

Blickfang geschaffen.

u

Die Stahlkonstruktion über der neuen Hallendecke

aus den Sperrholzmodulen bietet

genug Platz für Installationen, Klimatisierung

und Technik.


architektur FACHMAGAZIN

46

Alt & Neu

Die Lower Hall (unter der Grand Hall) wurde vom

BAC in einen kreativen Kollaborationsbereich mit

der Bezeichnung „Scratch Hub“ umgewandelt. Hier

bieten sich Areale für lokale Start-ups, Künstler, gesponsorte

Veranstaltungen und soziale Events. An

der Außenseite weisen – chirurgisch in der Fassade

eingebettet – Signalbalken auf die Eingänge hin. Die

Town Hall Road, die leicht erhöht im Osten der Halle

verläuft, ist landschaftsgestalterisch behandelt mit

gemeinschaftlichen Pflanzbeeten und Sitzbereichen

im Freien.

Um das natürliche Licht tief in das Gebäudeinnere

zu bringen und um die Orientierung zu verbessern,

hat man einen neuen Hof als Veranstaltungsort geschaffen.

Und zwar, indem man selektiv einen nicht

benutzten Lichthof im Inneren des Bauwerkes entkernte.

Die neuen Wandflächen sind mit glasierten

weißen Ziegeln belegt, um die Helligkeit des Raumes

durch Reflexion des Naturlichtes zu erhöhen, und

zwar nicht nur im Hof, sondern auch in den umliegenden

Gängen. Man hat generell Wegführungen wieder

geöffnet und verbessert und so die Lesbarkeit des

ursprünglichen Mountford-Entwurfes wieder hervorgeholt.

Das manifestiert auch die konsequente Entwicklung

der architektonischen Substanz. Unbenutzte

Dachräume und -böden sind in Büros, Dachgärten

und Schlafgelegenheiten für „Artist in Residence“

verwandelt worden.

All die Erneuerungen, Einbauten und Rekonstruktionen

dieses historischen Gebäudes und die komplette

Rekonfiguration seines Innenlebens, verbinden

heute Performance, historisches Erbe und die lokale

Gemeinschaft, sie machen das BAC für die nächste

Phase seines Lebens in unserer, sich rasant ändernden

Welt, fit. Architekten und Auftraggeber waren

hier gleichberechtigte Partner während des ganzen

Prozesses, sie teilten sich die Autorenschaft und erzeugten

eine vibrierende, kreative Zusammenarbeit.


Auch der neu geschaffene

Innenhof zeigt alte Gebäudestrukturen.

Er trägt

mit seinen weißen Wänden

zu einer Aufhellung

auch der – hinter seinen

Begrenzungen liegenden

– Innenräume bei.


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47

Haworth Tompkins Architects

OG 1

EG

UG

Battersea Arts Centre

London, England

Bauherr:

Planung:

Statik:

Battersea Arts Centre

Haworth Tompkins

Price and Myers, Heyne Tillet Steel

Grundstücksfläche: 5.625 m 2

Nutzfläche: 2.396 m 2

Grand Hall: 570 m 2

Planungsbeginn: 2007

Bauzeit: 03/2015 – 08/2018

Fertigstellung: 2018

Baukosten:

22,5 Mio. Euro


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48

Alt & Neu

Von Zucker und

Zeitgeschichte

10 Jay / New York City / ODA New York

Text: Edina Obermoser Fotos: Pavel Bendov

ODA Architects verwandelten in New York City eine

ehemalige Zuckerfabrik in Büroräume. Unter den

strengen Augen des Denkmalschutzamts gelangt es

den Architekten, das geschichtsträchtige Gebäude an

der 10 Jay Street behutsam zu revitalisieren. Der Bau

wurde auf seine Grundmauern reduziert, um eine neue

Fassade ergänzt und so der Charme des historischen

Bestands inmitten der modernen Großstadt erhalten.


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49

ODA New York


architektur FACHMAGAZIN

50

Alt & Neu

Am Fuße der berühmten Manhattan Bridge und unmittelbar

am East River prägt das Gebäude an der

10 Jay Street seit jeher das Stadtgefüge und erinnert

an die industrielle Vergangenheit der amerikanischen

Metropole. Die ehemalige Zuckerraffinerie

der Arbuckle Brothers unterlief im Laufe der Jahre

etliche Veränderungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg

und dem Verkauf der Fabrik wurde mit dem Abriss

eines Nachbarbaus auch die zur Wasserfront orientierte

Fassade entfernt. Erhalten blieben nach den

Abbrucharbeiten in den 50er Jahren nur die drei

originalen Ansichten und die Innenraumgestaltung.

Um das Loch zu flicken wurde das Gebäude daraufhin

rundum in Beton gehüllt und im Zuge wechselnder

kommerzieller und kreativer Nutzungen immer

wieder leicht verändert. Während der Großteil der

Industriebauten in dem beliebten New Yorker Viertel

nach und nach teuren Apartments und Lofts weichen

musste, blieb die Zuckerfabrik bis heute bestehen.

ODA Architects widmen sich der Sanierung mit

Bedacht und in Rücksicht auf die Vorschriften der

Landmarks Preservation Commission, die sich um

den Schutz historischer Bauten kümmert. u


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51

ODA New York

Die kristalline Fassade

spiegelt nicht nur die

Umgebung, sondern auch

die Vergangenheit der

ehemaligen Zuckerfabrik

wider und ergänzt die

historischen Backsteinmauern.


architektur FACHMAGAZIN

52

Alt & Neu


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53

ODA New York

Die tragende Struktur des zehnstöckigen Stahlrahmenbaus

wurde in Folge der Sanierung bis auf den

Kern ausgehöhlt. Erhalten blieb neben den drei plakativen

Fassaden aus rotem Backstein, nur das Innenleben

der einstigen Fabrik. Die alten Ansichten

wurden restauriert und neue Aluminiumfenster in die

Öffnungen gesetzt. Diese sind Nachbildungen der

Originalfenster und passen die Außenhülle an heutige

Energiestandards an. Vor die tragenden Säulen,

der zum Wasser gerichteten Stirnseite des Gebäudes,

legt sich das repräsentative Herzstück des Projekts

in Manhattan – die auffällige Vorhangfassade. Sie

setzt sich aus drei- und viereckigen Low-E-Glas- und

Aluminiumflächen zusammen, die in verschiedenen

Winkeln aufeinandertreffen. Die einzelnen Elemente

werden von einer verzweigten Unterkonstruktion

zusammengehalten. Den vorderen Abschluss der

Geschossdecken bilden flache Paneele. Diese sind

abwechselnd in Spiegelglas und, den Auflagen des

Denkmalschutzamtes entsprechend, in rotem Backstein

ausgeführt. Die neue Fassade wirkt mit ihrer

kleinteiligen Gestaltung fast kristallin und soll damit

an die Geschichte der ehemaligen Zuckerraffinerie

erinnern. Wie ein riesiges Kaleidoskop spiegeln die

geneigten, speziell beschichteten Glasflächen den

Himmel, die umliegenden Wolkenkratzer, die Brücke

und den East River wider und werden zum Blickfang

des Bürobaus.

Entgegen erster Überlegungen der Bauherren, die

ehemalige Fabrik in einen Wohnbau zu verwandeln,

fiel die Entscheidung letzten Endes zugunsten einer

Büronutzung aus. Im Erdgeschoss des rund 21.000 m 2

großen Baus entstand mit dem auffälligen Foyer, das

die Nutzer willkommen heißt, der einzige aufwendig

ausgebaute Bereich. Zu seinen Highlights zählt ein

riesiges, mit Moos bepflanztes Bild der Manhattan

Bridge, sowie ein in Stein nachgebildeter Abschnitt

der Fassade, der den Liftschacht einfasst.

Die einzelnen Stockwerke blieben gänzlich unbespielt

und fungieren als große, kreative Open-Space-Arbeitsbereiche.

Sie werden nur von einem versorgenden

Kern mit Erschließungszone und Nasszellen im

rückseitigen Gebäudeteil, sowie dem regelmäßigen

Raster der Säulen strukturiert. Mit der vollverglasten

Hauptfassade öffnen sich die Räume zur Metropole

und dem Fluss hin. Dies sorgt für reichlich Tageslicht

und ein freundliches Ambiente im Inneren. Die Büros

können flexibel angemietet und je nach Nutzung angepasst

werden.

u


architektur FACHMAGAZIN

54

Alt & Neu

Die industrielle Vergangenheit zeichnet sich auch im

Inneren des Fabrikgebäudes an der 10 Jay Street klar

ab. Bauliche Eingriffe und Reparaturen, die über die

Jahre vorgenommen wurden, blieben im Zuge der Sanierung

ebenso erhalten, wie die ursprüngliche Gestaltung

der Räume. Roter Backstein und Ziegel kleiden

die Wände. Rohe Böden, Stahl und Betonsäulen sorgen

gemeinsam mit dekorativen Bögen für einen modernen

Industriecharakter in sämtlichen Bereichen.

Um auch die Uferpromenade neu zu beleben, entschieden

sich die Besitzer Triangle Assets dafür,

den Grund zwischen Gebäude und Wasser an den

Brooklyn Bridge Park anzuschließen. Die Fläche ist

nun Teil der kilometerlangen Parkanlage entlang des

East Rivers, und lädt begrünt und mit Wegen durchzogen

zum Spazieren, Laufen oder Erholen mit Blick

auf die Manhattan Bridge ein. Diese Naherholungszone

legt sich rund um den geschichtsträchtigen Bau

und bettet ihn perfekt in seine Umgebung ein.

ODA Architects meisterten die Gratwanderung zwischen

Historie und modernem Neubau mit Bravour.

Sie bereichern damit nicht nur die Skyline der Metropole

um ein Stück gebauter Zeitgeschichte, sondern

machen vor, wie durch Umnutzung bestehende Bauten

revitalisiert und so neu ins Stadtgefüge integriert

werden können.


Die Innenräume des

Bürobaus bestechen mit

offenen Grundrissen

und modernem Industriecharme.

Zwischen

den restaurierten Säulen

können die Arbeitsbereiche

flexibel angepasst

werden.


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ODA New York

10 Jay

New York, USA

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Statik:

Triangle Assets, Glacier Global Partners

ODA New York

Eran Chen, P. Christian Bailey, Ryoko Okada, Mark Bearak,

Carolina Moscoso, Kate Samuels, Yongchun Choi, UnJae Pyon

Active Design Group Engineering (ADG)

Bebaute Fläche: ca. 21.000 m 2

Planungsbeginn: 2016

Fertigstellung: 2019


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Alt & Neu

Wie Phönix

aus der Asche

Hastings Pier / White Rock, Hastings, Großbritannien / dRMM

Text: Edina Obermoser Fotos: dRMM, Alex de Rijke, James Robertshaw, Hastings Pier Charity, Daniel Shearing, Jim Stephenson, Ståle Eriksen, Kinga Koren


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dRMM

Der Hastings Pier blickt

auf eine bewegte Geschichte

zurück. Einst ein

florierender Treffpunkt

für Künstler, wird er

1990 schwer beschädigt,

geschlossen und

fällt schließlich im Zuge

eines Brandes 2010 den

Flammen zum Opfer. Das

Architekturbüro dRMM

hauchte der Seebrücke

neues Leben ein, indem

es eine Symbiose aus Alt

und Neu schaffte, die den

Glanz vergangener Tage

spüren lässt und zeitgemäß

fortführt.

Die Seebrücke im südostenglischen Hastings prägt

den Küstenort seit langer Zeit. Mit ihrer turbulenten

Vergangenheit gehört sie zur Identität der kleinen

Stadt. Sie ist für die Bewohner nicht nur ein Bauwerk,

sondern vielmehr kommunikativer Treffpunkt, Marktplatz

und Naherholungsort zugleich. Zwei Jahre nach

dem verheerenden Brand organisierte das Royal

Institute of British Architects RIBA einen Wettbewerb

zur Sanierung des Piers, den das britische Büro

dRMM Architects für sich entscheiden konnte.

Mit dem Entwurf bauen die Architekten auf dem zerstörten

Bestand auf und übersetzen diesen behutsam

in eine zeitgemäße Struktur. Dies gelingt unter

anderem durch einen transparenten und partizipativen

Planungsprozess, der die lokale Bevölkerung

aktiv miteinbezog. Nachdem der Pier über die Jahre

hinweg in seinen Funktionen nach und nach voller

und starrer wurde und damit immer mehr seiner ursprünglichen

Qualitäten verlor, sahen die Bewohner

den Brand als Chance eines Neuanfangs. Die Seebrücke

sollte wieder zu dem flexiblen, vielseitig nutzbaren

Ort werden, der sie einst war.

Die bestehende Unterkonstruktion aus Eisen wurde

im Zuge der Sanierung erneuert und verstärkt. Auf

das Fundament legt sich mit einem weitgehend unbespielten

Deck das Herzstück des neuen Hastings

Piers. Dieses bietet reichlich Platz für verschiedene

Aktivitäten – egal ob für kulturelle Events wie Ausstellungen

und Konzerte oder einen einfachen Spaziergang.

Die neue Plattform reicht 280 m weit in den

Ozean hinein. Während sie an ihrer schmalsten Stelle

lediglich 14 m misst, dehnt sie sich an ihrem breitesten

Punkt fast 60 m aus.

Die Architekten übernahmen nicht nur das Fundament

des Bestands, sondern auch die Reste der

Brandruine. Sämtliche Holzteile, die vom Brand verschont

blieben, wurden recycelt und für den Bau der

neuen Seebrücke verwendet. Sie erinnern an vergangene

Tage und sind sowohl nachhaltig als auch

kostengünstig. Der Einsatz des Materials folgt einem

simplen Prinzip – alle horizontal spannenden Elemente

sind neu, die vertikalen Abschnitte in gerettetem

Holz gefertigt.

Einer von ursprünglich zwei historischen Pavillons

im viktorianischen Stil bildet neben dem Grundgerüst

der Seebrücke das einzige Relikt, das den Brand

2010 überstanden hat. Er wurde behutsam restauriert

und flankiert die Hauptplattform, die direkt an

die Strandpromenade andockt. Seine lang gezogene,

leicht gebogene Form mit je einer Kuppel zu beiden

Enden ist dem freien Platz vor ihm zugewandt, der

die Besucher auf dem Pier empfängt. Mit dem neuen

Zinkdach fanden die Architekten eine kostengünstige

Lösung, den restaurierungsbedürftigen Pavillon

zu sanieren und gleichzeitig die Denkmalschutzbehörde

zufriedenzustellen.

u


architektur FACHMAGAZIN

58

Alt & Neu

Im Zentrum des Hastings Piers befindet sich das

neue Besucherzentrum, das komplett aus Brettsperrholz

gefertigt ist. Seine Ansichten kleidet der recycelte

Bodenbelag der alten Seebrücke. Jedes Holz

hat, gezeichnet durch das Feuer, eine dunkle und

einzigartige Optik. Die Latten sind in einem Zickzackmuster

verlegt, sodass die Ansichten des Baus

von Weitem wie Sägezähne wirken. Erst bei näherer

Betrachtung entpuppt sich die dreidimensionale

Struktur als flache Fassadenverkleidung. Die zum

Meer gerichtete Front des Gebäudes ist großflächig

verglast. Durch die ziehharmonikaförmige Faltung

der einzelnen Glaspaneele entstehen entlang der Außen-

und Innenseite abgetrennte Sitznischen. An der

dem Land zugewandten Querseite führt eine Treppe

auf das Dach des Baus. Dort erwarten die Besucher

szenische Ausblicke auf das Meer. Im Inneren des

Zentrums blieben sämtliche Holzoberflächen und

-träger unverkleidet und sorgen für eine gemütliche

Atmosphäre. Außerdem wurde durch das Einsparen

zusätzlicher Ausbauschritte das Gewicht reduziert

– ein wesentlicher Faktor für die Planung der gezeitenbeeinflussten

Konstruktion. Als weiterer Vorteil

erweisen sich die niedrigeren Kosten.

Das Besucherzentrum mit Panoramadach wird

zum neuen Mittelpunkt des Piers. Eine sägezahnartige

Fassade aus recyceltem Holz verleiht

ihm einen raffinierten Touch.


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dRMM

Zwischen Pavillon und Besucherzentrum reihen sich

auf dem weitläufigen Deck vereinzelte Hütten und

Verkaufsstände aneinander. Ansonsten bleibt die

Fläche zwischen den baulichen Interventionen weitestgehend

frei und bietet reichlich Platz für verschiedene

Veranstaltungen. Sitzgelegenheiten laden

immer wieder zum Innehalten ein. Die vordere Spitze

der Plattform ist leicht abgerundet und komplettiert

die Seebrücke. Sie gibt den Blick auf das Meerespanorama,

die Stadt und eine Handvoll verrostete

Stützpfeiler in den Fluten frei, die an die tragische

Entwicklung des Piers erinnern sollen.

u


architektur FACHMAGAZIN

60

Alt & Neu

Der Hastings Pier ist eine eindrucksvolle Demonstration

davon, wie man Alt und Neu in der Architektur

nebeneinander inszenieren kann. Bestand und

Neubau werden durch behutsame Sanierung perfekt

in Einklang gebracht. Damit setzen die Architekten

dRMM nicht nur die Vorgaben des Denkmalschutzamts

um, sondern schaffen einen Ort der Erinnerung,

an dem Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen

und gemeinsam in eine verheißungsvol-

le Zukunft blicken. Sie revitalisierten die einst hoch

frequentierte Landmarke und machen sie zu einem

Stück öffentlichen Raum, der wie eine erweiterte

Strandpromenade seine Fühler in die Fluten ausstreckt

und von seinen Nutzern belebt wird. Dieser

Meinung ist auch das RIBA, das die Seebrücke 2017

kurzerhand mit dem Stirling Prize zum besten britischen

Bauwerk des Jahres kürt.


Die Materialpalette

umfasst einen harmonischen

Mix aus alten

und neuen Elementen.

Dieser verleiht dem Pier

nicht nur ein markantes

Aussehen, sondern erinnert

außerdem an seine

Vergangenheit.


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dRMM

Hastings Pier

White Rock, Hastings, Großbritannien

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Hastings Pier Charity

dRMM Architects

Projektleitung: Alex de Rijke,

Leitender Architekt: Adam Cossey

Statik:

Ramboll

Grundstücksfläche: 11.720 m 2

Bebaute Fläche: Besucherzentrum: 416 m 2 , Pavillon: 222 m 2

Nutzfläche: Besucherzentrum: 390 m 2 , Pavillon: 221 m 2

Planungsbeginn: 08/2011

Bauzeit: 02/2014 - 04/2016

Fertigstellung: 2016

Baukosten:

16,7 Mio. Euro


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62

Alt & Neu

Rot wie

Ochsenblut

QST house / Braga, Portugal / NOARQ

Text: Linda Pezzei Fotos: João Morgado

Im Norden Portugals, nordöstlich von Porto, etwas im

Landesinneren gelegen, befindet sich im Distrikt Braga

die Stadt Vila Nova de Famalicão. An deren Rändern

erstreckt sich fruchtbares Farmland, oft durch

hohe Steinmauern von den tiefer gelegenen Straßen

abgetrennt. Auf einem dieser Grundstücke hat das in

Porto ansässige Architekturbüro NOARQ 2019 das

alte Farmhaus eines privaten Bauherren mit viel Gefühl

renoviert und erweitert.

Auf dem Weg zum Haus findet man sich zunächst

zwischen hohen Granitmauern wieder, hinter denen

sich die weiten Felder und Wiesen nur erahnen lassen.

Dann plötzlich spitzt die Dachtraufe strahlend rot

über die Mauerkrone und kleine, rot gerahmte Fenster

im Mauerwerk geben den ersten Hinweis: Hinter der

Mauer gibt es etwas zu entdecken. Schließlich öffnet

sich das Gebäude unvermittelt mit einem schwungvollen

Bogen hin zu einer Hofeinfahrt: Ein zweiflügeliges,

in rot gestrichenes Holztor zwischen den zwei

alten Bestandshäusern aus Stein, dazwischen nahezu

schwebend ein in Holz ausgeführter, erst kürzlich

hinzugefügter Baukörper. Wie die Traufe, Fensterrahmen

und das Tor ist auch dieser komplett in der Farbe

Ochsenblutrot angestrichen und präsentiert sich so

stolz und markant den Ankömmlingen.

u

Im ländlichen Gebiet

nordöstlich von Porto

gelegen, versteckt

sich hinter einer hohen

Mauer ein ehemaliges

Farmhaus, das von den

ansässigen Architekten

NOARQ mit viel Gefühl

in ein privates Wohnhaus

verwandelt worden ist.

Im Inneren dominieren

schlichte Weißtöne, nach

außen hingegen sprüht

das Gebäude mit dem

markanten Zubau in rot

geradezu vor portugiesischer

Lebensfreude.


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63

NOARQ


architektur FACHMAGAZIN

64

Alt & Neu

Der rot leuchtende Zubau beherbergt ein

Schlafzimmer mit Bad und bietet trotz der

großzügigen Glasfenster zum Garten hin das

gerade rechte Maß an Privatheit.

Unter diesem Zubau hindurch betritt der Besucher

das Grundstück über den ehemaligen Dreschplatz

des Anwesens, das sich, von einer Stützmauer getragen,

eine Ebene höher gelegen bis weit hinter das

Haus erstreckt. Das ehemalige Ackerland wurde zu

einem Garten umfunktioniert, in dem teils Büsche

und große Bäume wachsen, sich an anderer Stelle

wiederum Wege aus organisch geformten Steinplatten

durch das sattgrüne Gras schlängeln. Bereits

jetzt verschmelzen alt und neu, Vergangenheit und

Gegenwart zu einem harmonischen Ganzen.

Die Besonderheit des QST Hauses liegt in seinem

Spiel mit offenen und geschlossenen Bereichen. Beim

Ankommen vermittelt die massive Wand aus blauem

Granit von außen fast den Eindruck einer Festung.

Doch einige dezente Gucklöcher und Lichtschlitze

laden mit einem ersten zaghaften Versuch dazu ein,

diese Festung zu erkunden. Die ganze Pracht und

Schönheit des Grundstückes eröffnet sich dem Betrachter

erst hinter den Mauern, wenn sich das blutrote

Tor einladend auftut. Das historische Gebäude

wurde von den Architekten im Zuge der Renovierung

und Erweiterung von jeglichen malerischen Motiven,

Schuppenanbauten, Fensterläden und anderen losen

exotischen Elementen befreit. Die massiven Granitmauern

und das schlichte Ziegeldach stehen mit ihrer

Schönheit des Naturmaterials für sich und wären nicht

die roten Fensterrahmen und Dachtraufen, so könnte

man nicht sagen, aus welcher Zeit der Bau stammt.


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65

NOARQ

Freilich erübrigt sich diese Frage ohnehin beim Anblick

des Zubaus. Dieser schließt im Obergeschoss

an den Bestand an, spannt frei über den Hofzugang

und öffnet sich gegenüberliegend über ein paar Stufen

aus Stein zum Garten hin. Der gesamte Baukörper

ist ringsum mit schmalen Holzlamellen verkleidet

und bis auf ein kleines straßenseitiges Fenster nur

mittels großflächigen Schiebefenstern zum Garten

hin geöffnet. Eine kleine Terrasse ist in den Baukörper

eingeschnitten, die gleichzeitig Schatten

spendet und den Blick vom Schlafzimmer hinaus ins

Grüne rahmt. Auch das zugehörige Bad liegt direkt

an dieser Fensterfront, welche die Grenze zwischen

Innen- und Außenraum optisch verschwimmen lässt.

Im oberen Geschoss befinden sich zwei weitere

Schlafzimmer, jedes mit eigenem Bad, sowie das

Esszimmer und zwei Wohnzimmerbereiche. Die gemeinsam

genutzten Räume sind zwar nicht direkt

voneinander abgetrennt, durch Höhenversprünge,

Treppenstufen, Podeste und tragende Wandteile

aber reizvoll in Szene gesetzt. Im Erdgeschoss befindet

sich auf der einen Seite des Hofes die Garage mit

Stellplätzen für zwei Autos, auf der anderen Seite gelangt

man über die Waschküche in den Kochbereich

mit einem offen im Raum stehenden Küchenblock.

Hier gibt es auch einen Essplatz sowie ein WC, ehe

eine Treppe in den oberen Wohnbereich führt. u


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66

Alt & Neu

Das Innere des rot

leuchtenden Zubaus

bildet in seiner

Schlichtheit einen

spannenden Kontrast

zum expressiven

Äußeren.

Während die Architekten bei der Renovierung der

Fassade äußerst zaghaft vorgegangen sind, wurde

im Inneren jedes einzelne konstruktive Teil neu gestaltet.

Alle Wand- und Deckenflächen sind ungeachtet

ihres Materials oder Baudatums in weiße Farbe

getaucht, ebenso wie die wenigen Einbauten und

auch der schlichte Küchenblock. Im Gegensatz zum

leidenschaftlichen Blutrot der Außenhaut präsentiert

sich die Innenraumgestaltung in jungfräulich strahlendem

Reinweiß. In Kombination mit dem hellen

Holzton der Parkettböden wirken die Räume frisch

und hell.

Der besondere Reiz liegt in der Kombination aus

Neu und Alt - das Verwinkelte und Verschachtelte

des Bestandsgebäudes in Kombination mit der

spielerischen Umnutzung und Neugestaltung jedes

einzelnen Winkels eröffnet immer neue Blickbeziehungen

und eine sich damit ändernde Wahrnehmung

des Raumes an sich. In den Fensternischen tun sich

plötzlich Sitzgelegenheiten auf, von überall her fällt

Tageslicht in den Raum. Kleine Details wie die eigens

gestalteten Eingriffsmulden an den Wandschränken,

ausgesuchte Designermöbel und -leuchten oder der

Kamin im Wohnzimmer setzen Akzente und lassen

das Haus trotz seiner schlichten Eleganz keinesfalls

klinisch und kalt wirken, sondern vermitteln Geschmack

und Persönlichkeit.

Dank der Zurücknahme im Inneren wirken die großen

Fenster zum Garten hin wie lebendige Bilderrahmen.

Die umgebende Natur wird auch im Inneren erlebbar.

Die Verschachtelung von Böden, Decken und

Wänden bietet trotz der räumlichen Offenheit Möglichkeiten

zum Rückzug. Während die Fassade von

außen in ihrem Ochsenblutrot auf die wilde Natur reagiert,

kommt der Überschwang im Inneren zur Ruhe,

wo die Bewohner ihre innere Balance finden.

Mit dem QST Haus haben NOARQ, wie sie sagen, die

entkleidete Realität neu erfunden.


7

6

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NOARQ

ND

COBERTO / COVERED ACCESS

RIA / LAUNDRY

/ KITCHEN

ERVIÇO / SERVICE BATHROOM

LL

JANTAR / DINING ROOM

ESTAR 1 / LIVING ROOM 1

ESTAR 2 / LIVING ROOM 2

OR / CORRIDOR

1 / BEDROOM 1

NHO 1 / BATHROOM 1

2 / BEDROOM 2

NHO 2 / BATHROOM 2

/ DRESSING ROOM

3 / BEDROOM 3

NHO 3 / BATHROOM 3

LEGENDA - LEGEND

1. ACESSO COBERTO / COVERED ACCESS

2. LAVANDARIA / LAUNDRY

3. COZINHA / KITCHEN

4. QB. DE SERVIÇO / SERVICE BATHROOM

5. HALL / HALL

6. SALA DE JANTAR / DINING ROOM

7. SALA DE ESTAR 1 / LIVING ROOM 1

8. SALA DE ESTAR 2 / LIVING ROOM 2

9. CORREDOR / CORRIDOR

10. QUARTO 1 / BEDROOM 1

11. Q. DE BANHO 1 / BATHROOM 1

12. QUARTO 2 / BEDROOM 2

13. Q. DE BANHO 2 / BATHROOM 2

14. CLOSET / DRESSING ROOM

15. QUARTO 3 / BEDROOM 3

16. Q. DE BANHO 3 / BATHROOM 3

/ CONCRETE

/ BRICK

/ STONE

/ GREEN

/ WATER

/ EARTH

1

BETÃO / CONCRETE

TIJOLO / BRICK

PEDRA / STONE

VERDE / GREEN

AGUA / WATER

TERRA / EARTH

2

UND FLOOR

3

PISO 01 / FIRST FLOOR

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0 1 2

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6.87

7.02

2.40

1.49

2.80

2.70

0.00

0.00

CORTE LONGITUDINAL 02

CORTE TRANSVERSAL 03

0 1 2

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5

6.87 7.02

7.02

6.87

2.80

2.40

1.49

2.40

0.00

0.00

0.00

CORTE LONGITUDINAL 03

CORTE TRANSVERSAL 01

0 1 2

5

0 1 2

5

QST house

Braga, Portugal

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Statik:

Privat

NOARQ - José Carlos Nunes de Oliveira

arch. André De Oliveira, arch. Joana LP, arch. Luís Lima

Ing. Marco Cunha

Grundstücksfläche: 4.007 m 2

Bebaute Fläche: 343,4 m 2

Nutzfläche: 271 m 2

Planungsbeginn: 2014

Fertigstellung: 2019

Baukosten:

300.000 Euro


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Alt & Neu

Leinen los

am Zürichsee

Sanierung und Dachaufbau / Kilchberg, Schweiz / JOM Architekten

Text: Linda Pezzei Fotos: Seraina Wirz, Atelier für Architekturfotografie


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JOM Architekten

In Kilchberg am Zürichsee

haben die Planer des

Zürcher Architekturbüros

JOM ein in die Jahre

gekommenes Privatwohnhaus

im Zuge der

thermischen Sanierung

aufgestockt und dem

gesamten Gebäude eine

völlig neue Anmutung

verliehen. Mit Anklängen

an die Schifffahrt fügt

sich das vormals graue

Gebäude heute selbstbewusst

in die Seepromenade

und eröffnet direkten

Ausblick auf das Wasser.

In Zeiten von Wohnraumknappheit und zunehmender

Verdichtung in beliebten Wohnlagen wird die

grüne Wiese als Ausgangspunkt der Architektenplanung

heute mehr und mehr zum Einzelfall. Vielmehr

gilt es, bestehende Substanzen klug umzunutzen,

aufzuwerten und zu adaptieren. Vor einer ebensolchen

Herausforderung standen die Köpfe der in Zürich

ansässigen JOM Architekten bei ihrem Projekt in

Kilchberg am Zürichsee.

Das bestehende Einfamilienhaus des Bauherren

befindet sich in hinterer Reihe der Seepromenade,

bietet aufgrund seiner Hanglage allerdings dennoch

einen tollen Ausblick in Richtung Zürichsee und stellt

somit eine äußerst attraktive Wohnlage dar. Aufgrund

seines Baujahres 1934 entsprach das Gebäude

allerdings in keiner Weise mehr den heutigen Energieanforderungen.

Die thermische Sanierung sollte

jedoch nur ein Aspekt des Projektes werden, denn

der Bestand ließ auch eine höhere Ausnutzung der

Baumasse zu.

Die Architekten planten daraufhin anstelle des

Schrägdachs ein drittes Geschoss mit Terrasse ein.

Außerdem sollte das Haus eine komplett neue Fassade

mit Wärmedämmung erhalten. Die Kombination

dieser Maßnahmen sowie deren stringente Umsetzung

haben das vormals schüchterne Häuschen am

See in eine moderne, selbstbewusste Villa verwandelt.

Das Stilmittel der starken Überformung konnten

die Architekten gezielt nutzen, um den Charakter des

Hauses nach über 80 Jahren gesamthaft zu wandeln.

Präsentierte sich das Einfamilienhaus früher in seiner

Dimensionierung und Gestaltung mit Satteldach

bieder und zurückhaltend zur Straße hin, so setzten

die Architekten 2019 ein echtes Ausrufezeichen. In

seiner kubischen Erscheinung wirkt das Haus heute

modern, aber zeitlos. Details wie die zwei übereinander

liegenden Rundfenster betonen die Vertikale,

ohne massiv zu wirken. Die Einschnitte der Öffnungen

in der Fassade sind präzise und fein gesetzt. In

Kombination mit der glatten, strahlend weißen Fassade

wirkt das Gebäude frisch und leicht. Die transparenten

Handläufe der Terrassen und Balkone erinnern

- passend zur Seelage - mit ihrer runden Form

an Decks einer Schiffsarchitektur.

Aufgrund der Fassadendämmung liegen die Fenster

tief in der Fassade versteckt, an einigen Stellen aber,

wie beispielsweise im seeseitigen Wohnzimmer, wurden

die breiten Fenster außenbündig an die Fassade

gerückt, sodass ein spannendes Spiel an Tiefen entsteht.

Im Inneren wirkt dieser Szenenwechsel wie ein

Zoom-Objektiv, das den Blick der Bewohner seitlich

fasst und gezielt auf die Naturszenerie richtet.

Die Aufstockung erfolgte im vorfabrizierten Holzelementbau.

Dieser erfordert zwar im Vorfeld eine

genaue und detaillierte Planung, die sich allerdings

in der Bauzeit auszahlt. So wurde das gesamte Attikageschoss

an nur einem halben Tag aufgerichtet.

Gerade in dicht besiedelten Gebieten mit wenig Platz

für die Baustelleneinrichtung und vielen Nachbarn

auf engem Raum bietet sich diese Bauweise bestens

an. So konnten die Baumaßnahmen auch ohne Einschränkungen

zur Winterzeit vorgenommen werden.

Neben dem Aufbau mit der Terrasse veränderten die

Architekten auch einige Strukturen am und im Haus.

Anstelle der Garage wünschte sich der Bauherr eine

größere Küche. Dank schlichter weißer Fronten und

dezent eingepasster Einbauschränke wirkt die Küche

großzügig und aufgeräumt. Anstelle von Oberschränken

setzten die Gestalter mit den Wandleuchten einen

Akzentpunkt. Vergrößerte Fensteröffnungen

bringen zudem viel Tageslicht in den Raum und sorgen

für eine helle und freundliche Atmosphäre. u


architektur FACHMAGAZIN

70

Alt & Neu

Das Innere des Privathauses

wurde mit viel

Feingefühl saniert und

durch zurückhaltende

Einbauten und kleine

Details ergänzt.

Der Eingangsbereich ist großzügig und offen gestaltet,

prägendes Element der Szene ist die neue Massivholztüre,

deren Oberfläche mit stehenden Holzlamellen

verkleidet wurde. Die Garderobe ist flächenbündig

in die Wand integriert und bietet viel Stauraum für

Schuhe und Jacken. Die bestehende Säule ist statisch

notwendig, nimmt in ihrer Verkleidung mit weißen

Holzlamellen allerdings Bezug auf die Vertikalstruktur

der Eingangstür. So wirkt sie als Element nicht

störend, sondern fügt sich harmonisch in die Szenerie

und dient zudem als willkommener Raumteiler.

Der Treppenraum wurde um einen Aufgang zum Dachgeschoss

erweitert. Die alten Holzschränke verleihen

diesem Bereich Charakter und bieten praktischen

Stauraum. Während im gesamten Haus die Farbe weiß

dominiert, kommen als Kontrastpunkt schwarze Akzente

zum Einsatz. Nicht nur die Türknöpfe der Wandschränke,

auch die Ablagen der Schränke im Treppenraum

sowie die Geländer sind in schwarz gehalten und

fassen auf diese Weise den leeren Raum in der Vertikalen

für das Auge des Betrachters.


Objekt:

Wydlerstrasse

Massstab:

1:100

Format A2

Projektverfasser

JOM Architekten GmbH

ETH FH SIA

Aargauerstrasse 70

8048 Zürich

+41 44 508 38 00

mail@jom.ch

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71

JOM Architekten

Den Architekten ist die Transformation des Bestandsgebäudes

so überzeugend gelungen, dass man als

Betrachter weder im Innen- noch im Außenraum mit

Sicherheit sagen könnte, aus welcher Zeit das Bauwerk

stammt. Weder wirkt es konserviert, noch hip

und trendy - gerade der zeitlose Stil macht die Besonderheit

des Hauses Im Wydler aus. Die kleinen Details

und Akzente fügen sich zu einem harmonischen

Ganzen und wie ein ehrwürdiger Dampfer ankert das

Haus auf seinem Baugrund, als wäre es ganz selbstverständlich

schon immer so gewesen. Allzeit bereit

ein paar Dampfwölkchen in die Luft zu pusten und mit

lauter Schiffshupe auf dem Zürichsee in den Horizont

zu segeln.


Objekt:

Wydlerstrasse

Massstab:

Format A2

Projektverfasser

JOM Architekten GmbH

ETH FH SIA

Aargauerstrasse 70

8048 Zürich

+41 44 508 38 00

mail@jom.ch

Sanierung und Dachaufbau

Kilchberg, Schweiz

Bauherr:

Architekten:

Privat

JOM Architekten GmbH, Zürich

Planung: 2017 - 2018

Bauzeit: 2017 - 2019

Fertigstellung: 2019


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72

Alt & Neu

Alte Struktur

neu gedacht

Pátio do Meco/ Aldeia do Meco, Portugal / Fábio Ferreira Neves

Text: Alexndra Ullmann Fotos: Nelson Garrido


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73

Fábio Ferreira Neves

Im südportugiesischen

Fischerdorf Aldeia do

Meco kann das Ferienhaus

Pátio do Meco gemietet

werden. Mit seinem Entwurf

zeigt der Architekt

Fábio Ferreira Neves wie

man eine traditionelle

Typologie zeitgemäß

interpretieren kann und

schafft darin ein stilvolles

Urlaubsdomizil.

Im Spanischen und Portugiesischen bezeichnet ein

„Pátio“ einen allseitig umschlossenen Innenhof, zu

dem hin sich die Wohnräume öffnen. Einen solchen

besitzt das Ferienhaus Pátio do Meco, gelegen im südportugiesischen

Fischerdorf Aldeia do Meco. Architekt

Fábio Ferreira Neves gestaltete dieses basierend auf

den Strukturen des ursprünglichen Hauses neu.

Eigentlich befand sich auf dem Grundstück ein Haus,

das aus zwei Gebäudeteilen bestand und so zwei

Familien darin aufnehmen konnte. Dessen fortgeschrittener

Zerfall führte zur Entscheidung es abzubrechen

und ein neues zu errichten. Der Architekt

entschied sich dabei bewusst für einen respektvollen

Umgang mit der alten Struktur: Positionierung und

Proportionierung orientieren sich daran. Auch das

steinerne Mauerwerk des Ursprungsbaus wurde in

den Neubau integriert.

Auf dem Grundstück befinden sich nun aber nicht

mehr nur zwei Gebäudeteile, sondern gleich sieben

davon gruppieren sich um den Innenhof. Zwischen

diesen verschiedenen Einheiten erstrecken sich

mehrere Terrassen. Eine entlang der Grundstücksgrenze

verlaufende Mauer schottet diese von der

Straße ab und schafft Privatsphäre. Nur eine der

Terrassen bleibt von außen sichtbar, über diese betritt

man das Gebäudeensemble. Sie mündet in eine

innenliegende Terrasse, die für die Erschließung der

separierten Räume notwendig ist.

u


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74

Alt & Neu

Im Haupthaus des Ensembles

finden alle Feriengäste

Platz, um sich zu treffen

und zu entspannen.

Zum gemeinsamen Essen

steht ein großer Holztisch

zur Verfügung.

Der Hauptbau befindet sich unmittelbar neben dem

Grundstückszugang und kann direkt über die südlich

orientierte Terrasse betreten werden. In ihm

sind ein gemeinschaftlicher Aufenthalts- und Essbereich

sowie die Küche untergebracht. Alle anderen

Gebäudeeinheiten sind für private und technische

Funktionen reserviert. Insgesamt vier Gästezimmer

mit jeweils eigenem Bad sind um den Innenhof angeordnet.

Die Öffnung dieser erfolgt nur in Richtung

der mit Schilf überdeckten Terrasse, von dieser Seite

werden sie belichtet und erschlossen. Sie funktioniert

auch als ein kleiner privater Vorbereich für die

Zimmer im Außenraum.

Die Ausstattung der Innenräume folgt der Ausstrahlung

des Außenraumes: viel Weiß und die Wirkungskraft verschiedener

Materialien und Abstraktheit. Trotz der auch

teilweise dunkleren Farbwahl besitzt die Möblierung einen

gewohnt zurückhaltenden Charakter.

Abgesehen von den Terrassen, die eine einschneidende

Wirkung besitzen, erscheint das Gebäudevolumen

sehr verschlossen und durch die entstehenden

großen weißen Flächen sehr reduziert. Trotzdem

erkennt man den mediterranen Kontext des Neubaus

aufgrund von verschiedenen verwendeten Elementen:

die Dachdeckung mit Ziegeln, die Olivenbäume,

das Wasserbecken und nicht zuletzt der Pátio. Dieser

wird dabei neu interpretiert: Die pavillonartige Struktur

wirkt zusammen mit den überdachten Terrassen

und der Umschließungsmauer als eine durchgehende

Struktur, die den Innenhof umfasst. Sie schafft für

ihre Gäste einen großartigen Ausgangspunkt, um in

einen entspannten Ferientag zu starten und diesen

vollkommen genießen zu können.


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Fábio Ferreira Neves

Pátio do Meco

Aldeia do Meco, Portugal

Architekt:

Mitarbeiter:

Statik:

Fábio Ferreira Neves

Margie Walraven (Interior Design)

Carlos Goncalves

Grundstücksfläche: 428 m²

Bebaute Fläche: 225 m²

Nutzfläche: 150 m²

Planungsbeginn: 2012

Bauzeit:

4 Jahre

Fertigstellung: 2018

Baukosten:

270.000 Euro


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Hotellerie & Gastronomie

Zaha Hadids

Spektakuläres Hotel

Die spanische Hotelkette Meliá Hotels International (weltweit 370 Hotels) plant für

Februar 2020 die Eröffnung des ME Dubai, dem ersten Hotel ihrer Luxus-Life style-

Marke ME im Mittleren Osten. Entwickelt von der Stararchitektin Zaha Hadid setzt

der spektakuläre Hotelbau in der Wüstenstadt neue Maßstäbe.

Fotos: Meliá Hotels International


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77

Hotellerie & Gastronomie

Es ist zudem das einzige Hotelprojekt, bei dem die

aus dem Irak stammende und 2016 verstorbene Britin

sowohl Innen- als auch Außendesign entworfen hat,

um ihre architektonische Vision von der Verflechtung

der Räume umzusetzen.

Positioniert im ebenfalls von Hadid entworfenen 95

Meter hohen Opus-Gebäude der Omniyat Immobiliengruppe,

liegt das ME Dubai mitten im Herzen

des aufstrebenden Burj-Khalifa-Bezirks in Downtown

Dubai. 93 sensationell ausgestattete Zimmer und Suiten

sowie 98 avantgardistische Designerwohnungen

als Serviced Apartments verteilen sich auf 19 Etagen.

Lobby, Vertical Café, Lounges und der großdimensionierte

Hotelempfang tragen die unverkennbare

Designhandschrift der Stararchitektin. Mit beeindruckender

Originalität schafft ihr Design eine neue

Balance zwischen massiv und leicht, blickdicht und

transparent, innen und außen.

Opus hat eine Gesamtfläche von rund 23.000 Quadratmetern

und besteht aus zwei miteinander verschmelzenden

Türmen, die durch eine Kubusform

verbunden sind, deren ausgehöhltes Inneres einen

ebenso unerwarteten wie eindrucksvollen Blick auf

das Äußere gewährt. Beachtliche 15 Restaurants wird

das ME Dubai im Opus betreiben.


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78

Hotellerie & Gastronomie


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79

Hotellerie & Gastronomie

Ein Hauch Italien

in Britannien

Im Herzen der Innenstadt von London befindet sich der Covent-Garden-Markt,

dessen Wurzeln zurück bis in das frühe 17. Jahrhundert reichen. Schnell entwickelte

sich das Gebiet zum wichtigsten Handelsplatz der Stadt und des Landes bis

Ende der 1960er Jahre die Verkehrssituation rund um den Platz kollabierte und die

Händler im sogenannten New Covent Garden Market – nur wenige Kilometer entfernt

und verkehrstechnisch dem steigenden Handelsvolumen angepasst – eine

neue Wirkungsstätte fanden.

Fotos: Matteo Piazza

Wo früher Waren aus der ganzen Welt gehandelt wurden,

sind heute zahlreiche Shops und ein reichhaltiges

gastronomisches Angebot zu finden. Wie etwa

das VyTA Covent Garden, entworfen vom römischen

Architekturbüro COLLIDANIELARCHITETTO für den

Unternehmer Nicolé Marzotto, Miteigentümer der

Weingruppe Santa Margherita und Inhaber von Vyta.

Marzotto will sich mit diesem Projekt der Herausforderung

stellen, einen neuen Stil der gehobenen Küche

zu fördern, der italienische Gourmetküche mit

modernem Design verbindet.

„VyTA Covent Garden ist ein Wunderland der Farben

und Formen, das Menschen überraschen, feiern und

unterhalten soll, die auf der Suche nach einer Welt des

Vergnügens und der Emotionen sind“, so die Architektin

Daniela Colli. Ein gutes Beispiel dafür, dass Neu

und Alt nicht nur dezent und humorlos, sondern auch

opulent und mit Augenzwinkern kombinierbar sind.

Seine neue Wirkungsstätte befindet sich im Ostturm

des denkmalgeschützten Covent-Garden-Marktes –

auf drei Etagen, mit einem großen Außenbereich mit

Blick auf den Platz und zwei Terrassen im Obergeschoss,

die als Lounge-Bars dienen.

Betreten wird der Gourmettempel durch ein Portal

im viktorianischen Stil. Dahinter empfängt die Innenarchitektur

in opulentem Material- und Farbenspiel

mit starkem Bezug auf die italienische Architekturkultur

der sechziger Jahre: Holzwände und lackierte

Oberflächen, Inlays und Friese, Glas, Edelmetalle und

Marmor prägen glamouröse Räume und wollen unkonventionellen

italienischen Stil ausdrücken. So besteht

der Marmorboden aus über 7.000 Rauten und

Halbrhomben – inspiriert von den Kunstwerken des

futuristischen Malers Giacomo Balla. Eine Treppe mit

Palisanderstufen, Wandverkleidungen aus grünem

Alpi-Marmor oder goldfarbene Tapeten ergänzen die

Konzeption der Räume als lebendiges Set und bilden

einen Mix aus Eleganz und Ironie in geometrischen

Stilisierungen.


architektur FACHMAGAZIN

80

Hotellerie & Gastronomie

Luxuriöse Restaurierung

Ab 15. Mai 2020 können die ersten Gäste im

Madrider Haus der kanadischen Luxuskette

Four Seasons logieren. Der Eröffnung ist eine

siebenjährige Restaurierungsphase von sieben

historischen Gebäuden im Zentrum der

spanischen Hauptstadt vorausgegangen.

Highlights des Hauses sind der größte Spa

der Stadt und die Dachterrasse, auf der der

spanische Michelin-Starkoch Dani Garcia

im Dani andalusische Food-Offenbarungen

auf den Teller zaubert. Insgesamt verfügt

das Four Seasons Hotel Madrid über 200

Zimmer und Suiten – darunter die Royal

Suite mit doppelter Deckenhöhe und historischen

Details. Zudem erwartet Hotelgäste

und Locals ein vierstöckiger Spa-Bereich

mit beleuchtetem Hallenbad und Sonnenterrasse

über den Dächern Madrids. Mit

acht Behandlungsräumen inklusive eigenem

Salon und separatem Fitness-Center

ist er der größte Spa der Stadt. Hinzu

kommt ein flexibel nutzbarer Event-Bereich

mit mehr als 1.400 Quadratmetern und

Platz für bis zu 500 Personen. Herzstück ist

der glamouröse, ovale Sol-Ballsaal.

Verantwortlich für die Restaurierung der

insgesamt sieben Gebäude, die künftig

auch 22 Four Seasons Private Residences

und die luxuriöse Shopping-Mall Galería

Canalejas beherbergen, war das Architekturbüro

Estudio Lamela. Insgesamt konnten

stolze 3.700 Artefakte erhalten werden. Für

die Gestaltung der Innenräume wurde ein

internationales Team aus Designern wie

BAMO, BG Architecture, Martin Brudnizki,

AvroKO und Luis Bustamante beauftragt.

Bilder: Four Seasons

Hotel rettet Dorf

Ein gutes Beispiel für „Alt+Neu“ steuert

auch das neu eröffnete San Canzian Village

& Hotel bei. Dafür wurde ein mittelalterliches

Mini-Dorf im istrischen Hinterland vor

dem Verfall gerettet. Von Olivenbäumen

und Weingärten gesäumt entstand aus

dem Ort Mužolini Donji ein exquisites Miniatur-Hoteldorf,

das lediglich 24 luxuriöse

Zimmer und Suiten bietet. Sorgfältig ausgewählte

Stoffe, Möbelstücke, Tapeten und

nicht zuletzt Kunstwerke prägen das Ambiente

des Anwesens, das seinen Gästen auf

5-Sterne-Niveau behaglichen mediterranen

Charme und cooles Design in jahrhundertealter

Kulisse bietet.

Fotos: San Canzian


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81

Hotellerie & Gastronomie

Inspirierendes

Interior-Design-Konzept

Das Premium-Restaurant Octave ist im größten Museum der Welt für belgische

Schokolade beheimatet. Das übergreifende Interior-Design-Konzept stammt von

dem in Antwerpen ansässigen Kreativ-Studio real. space agency. Um die Verbindung

mit dem Schokoladenmuseum hervorzuheben, entschied man sich, sowohl

die tropische Herkunft der Kakaobohne mit Hilfe von botanischen Elementen zu

zitieren, als auch die industrielle Seite der Herstellung von Schokolade in das Interior-Konzept

zu integrieren.

Cathinca Arfman, federführende Innenarchitektin,

setzte in Bezug auf die Einrichtung auf weißen Marmor,

dunkles Holz oder auch auf Stühle und Bänke in

natürlichen Farben, die wiederum selbstbewusst mit

industriell konnotierten Materialien wie Stahl, Ziegelwänden

und Betonböden kombiniert wurden. Und

über allem schwebt der Charme der Belle Epoque,

einer Zeit, in der die Kunst Einzug in den Alltag hielt

und auch die belgische Schokolade immer mehr Liebhaber

gewann.

Markanter Punkt im zentralen offenen Bereich im

Erdgeschoss ist die Bar. Ihre imposante Wirkung

verdankt sie der keramischen Fliesenserie Craft von

Agrob Buchtal, die in einer außergewöhnlichen Verlegung,

nämlich vertikal, am Sockel eingesetzt wurden.

Craft ist eine Kollektion, die im Zusammenspiel mit

Brenntemperatur und offener Flammführung ganz

besonders leuchtende und intensive Colorationen

ermöglicht – sie wird stehend per Langzeitbrand im

klassischen Tunnelofen gefertigt. Dort kreiert das natürliche

Spiel des Feuers eine urwüchsig-archaische

Optik und ermöglicht darüber hinaus Stück für Stück

Unikate. Hochglänzende Glasuren erzeugen darüber

hinaus eine imposante optische Tiefe und Transparenz

sowie ein lebendiges Farbspiel.

AGROB BUCHTAL

Ansprechpartner in Österreich siehe

www.agrob-buchtal.de (Rubrik Kontakte)


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82

Licht

Licht für Lebensqualität

Licht ist ein Teil der Architektur und macht diese erst sichtbar. Allerdings beeinflusst

es nicht nur die Architektur an sich, sondern auch die Menschen, die sich in ihr

befinden. Seit einigen Jahren wird diesbezüglich der nicht-visuelle Einfluss von Licht

auf den Menschen untersucht und es steht fest: Licht beeinflusst den biologischen

Rhythmus des Menschen, seine Körperfunktionen und sein körperliches und geistiges

Wohlbefinden – es ist also ein wichtiger Einflussfaktor auf die Lebensqualität.

Text: Alexndra Ullmann Fotos: Tuomas Uusheimo

Großes Augenmerk sollte deshalb auf die

notwendige Ausleuchtung des Innenraumes

durch natürliches und künstliches

Licht gelegt werden, denn der Mensch verbringt

seine überwiegende Zeit in ihm. Ein

geeignetes Lichtkonzept dafür soll möglichst

früh erdacht und -geplant werden.

Die technischen Möglichkeiten der künstlichen

Beleuchtung haben sich in jüngster

Vergangenheit dramatisch verändert. Als

am besten geeignetes Leuchtmittel gilt

heutzutage die LED, denn sie bietet neben

dramatischen Energiesparpotenzialen gegenüber

Vorgängertechnologien auch die

einfache Steuerung der spektralen Zusammensetzung

des Lichts. Unterschiedliche

Farbtemperaturen, die Beleuchtungsstärke

und auch die Beleuchtungsart haben

unterschiedliche Auswirkungen auf den

Menschen. So wirkt eine kühlere bläuliche

Lichtfarbe aktivierend und warmes rötliches

Licht entspannend.

Angepasst werden sollte das Lichtszenario

an die innere Uhr, die jeder Mensch durch

den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus in

sich trägt. In unseren mitteleuropäischen

Breitengraden ist dieser ganzjährig annähernd

gleich. Anders sieht es in nördlicheren

Gebieten aus, wie etwa Skandinavien.

Dort gibt es auch „lichtextreme“ Tage, wo

man im Sommer die Sonne entweder fast

ganztägig oder auch im Winter nur für einige

wenige Stunden zu Gesicht bekommt.

Hier kommt dem Licht zur Steuerung des

menschlichen Wohlbefindens eine besondere

Bedeutung zu.

Als beispielhaftes Projekt für einen bemerkenswerten

Umgang mit Licht kann man die

Zentralbibliothek OODI in Helsinki von ALA

Architects sehen. Ihr Leitsatz lautete dabei:

„The architectural lighting concept as part

of the architectural design work.“ Für jeden

Raum des Gebäudes überlegten sie sich ein

passendes Lichtkonzept und integrierten

es in die Architektur. Um den zentralen Lesesaal

herum verläuft allseitig eine Glasfassade

und lässt so zu, dass möglichst viel des

vorhandenen Tageslichtes hineinströmt.

Generell versuchte man dieses zu maximieren,

um den Bedarf an künstlicher Beleuchtung

so gering wie möglich zu halten. Oberlichter

setzten dabei zusätzlich punktuelle

Akzente, um natürliches Licht in der gesamten

Gebäudetiefe nutzen zu können.


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83

Licht

Das Lichtkonzept im Eingangsbereich der

Bibliothek wieder setzt auf diffus positionierte

Lichtquellen, die in die hölzerne

Deckenverkleidung integriert sind und

den Raum gleichmäßig ausleuchten. Diese

Lichtquellen ziehen sich hinaus bis auf das

Vordach im Außenraum. So werden nicht

nur die Innenräume erhellt, das Licht strahlt

auch nach außen und markiert diesen Bereich

als zentralen Anziehungspunkt.

Die Helsinkier und Helsinkierinnen schätzen

ihre Zentralbibliothek als öffentliches

Wohnzimmer, wo sie im Sommer wie im

Winter gerne ihre Zeit verbringen. Das gelungene

Zusammenspiel von Architektur

und Licht schafft hier Aufenthaltsqualität

und im weiteren Sinne auch Lebensqualität.


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Produkt News

Leuchtende Beispiele

In allen Designbereichen sind Themen wie ganzheitliches Denken, Produktzukunft

und Recycling omnipräsent. Zu erkennen ist das deutlich auch im Leuchtendesign,

wo jedoch für die Umsetzung dieser Ansprüche oftmals neue Materialien und innovative

Verarbeitungstechniken erforderlich sind. Verbunden damit erleben auch

Arbeitsstoffe eine Renaissance, die entweder besonders langlebig sind oder leicht

in den Ressourcenkreislauf zurückgeführt werden können.

Fotos: Messe Frankfurt / Petra Welzel

Stein ist hier genauso ein Beispiel wie Holz oder

Metall. Daneben sind es alternative Rohstoffe, wie

etwa Bioplastik, mit denen Gestalter gerne arbeiten.

Ebenfalls Trend: Immer öfter erfüllt digitale Technik

als Herzstück zeitgenössischen Leuchtendesigns die

Anforderungen moderner Nutzer – auch dann, wenn

Leuchtkörper im Stil klassisch gehalten sind. Möglich

wird das durch immer filigranere beziehungsweise

leistungsstärkere LEDs und OLEDs.

Licht- und Leuchteninnovationen nehmen auf der

Light + Building vom 8. Bis 13. März 2020 in Frankfurt

eine zentrale Rolle ein. Im Rahmen der Weltleitmesse

für Licht und Gebäudetechnik wird dort auch

die gesamte Zukunft des Wohnens im Trendforum

in Halle 6.2 in drei Szenarien – „Organic Sculptures“,

„Studied Masterpieces“ und „Inventive Collages“ veranschaulicht.

Recherchiert und zusammengestellt

werden diese Trends durch das renommierte Stilbüro

bora.herke.palmisano.

www.light-building.com/trendforum


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Produkt News

Artis Double R

Perfekte Lichttechnik für den Handel

Die Strahler der neuen Serie Artis Matrix sind nicht nur optisch und technisch

erstklassig, sie bieten für die Praxis eine absolute Innovation. Erstmals besteht

die Möglichkeit, die Abstrahlcharakteristik und die Helligkeit jedes Strahlers über

eine geschützte Technologie von Molto Luce Gmbh, direkt vor Ort an die jeweiligen

Erfordernisse anzupassen.

Der eigens konstruierte Freiformflächenreflektor mit

Facettierung kombiniert dabei maximale Effizienz

mit bestmöglicher Längsentblendung bei einer absolut

homogenen und brillanten Ausleuchtung der zu

beleuchtenden Fläche. Der Strahlerabstand kann dabei

auf bis zu drei Meter gesetzt werden. Die stufenlose

Schwenkbarkeit von +15° bis -15° ermöglicht bei

unterschiedlichen Gangbreiten und Raumhöhen eine

optimal ausgeleuchtete Ware, wodurch ein perfektes

Einkaufserlebnis garantiert wird.

Als 3-Phasen Stromschienenstrahler ist Artis in

einflammig asymmetrisch sowie zweiflammig doppel-asymmetrisch

erhältlich. Ergänzt wird das

Artis-Sortiment durch ein- und zweiflammige Einbauversionen.

Mit seiner ästhetischen Optik ermöglicht

die Serie stilvolle Beleuchtung in lässigen Look und

garantiert zudem aufgrund seiner technischen Ausgereiftheit

für ein Höchstmaß an Einsatzmöglichkeiten.

Auf Anfrage kann Artis auch in den Sonderlichtfarben

Magic Colour, Magic White, Meat & Fish, Fruits

& Vegetables, Bread sowie 3500K Premium CRI>90

bestellt werden.

Molto Luce GmbH

T +43 (0)7242 698-0

office@moltoluce.com

www.moltoluce.com

Light +

Building

Halle: 1.2

Stand: F51

ARtis Single Track


architektur FACHMAGAZIN

Drehschalter

mit Beleuchtung

2019 ist ein echtes „Schalterjahr“: Berker

und die legendäre Kunst-, Designund

Architekturschule „Das Bauhaus“

feiern 100-jähriges Bestehen. Pünktlich

zum Doppel-Jubiläum wurden die

runden Drehschalter neu aufgelegt und

sind nun auch mit einem einzigartigen

Highlight erhältlich: der ersten integrierbaren

Drehschalter-Beleuchtung

auf dem Markt. Ideal für gehobene

Wohnbauten, Hotels oder historische

Gebäude.

86

Produkt News

Serie Glas: Runde Rahmen aus Glas stehen

für Tradition, Eleganz und für einfaches und

dennoch unwiderstehliches Design, das

sich sowohl in Altbauten als auch in moderne

Wohnumgebungen harmonisch einfügt.

Bei der Serie Glas bestehen die Schalterfüße

aus echtem Klarglas. Eine Alternative

ist die Ausführung mit Klarglas, das auf der

Rückseite polarweiß lackiert ist. Mit polarweißen

und schwarzen Zentraleinsätzen

oder Drehknebeln aus Messing und Chrom

entsteht ein Look, der das Gegenteil von

alltäglich ist.

R.classic: Kunststoff? Glas? Aluminium?

Edelstahl? Oder lieber kein Rahmen? Auch

das ist mit R.classic möglich – die rahmenlosen

Drehschalter sind eine Innovation. Im

Grunde sind die runden Rahmen aber viel

zu schön, um auf sie zu verzichten. Der mattierte

Edelstahl, das natureloxierte Aluminium

und die Glas- und Kunststoffrahmen in

Polarweiß oder Schwarz unterstreichen den

einzigartigen Charakter des Programms

R.classic: Zurück in die Zukunft – fortschrittlicher

kann traditionelles Design

nicht werden.

Serie 1930: Retro trifft Hightech: Die Berker

Serie 1930 arbeitet mit runden Rahmen. Die

Form und der glänzende Kunststoff in Polarweiß

oder Schwarz verleihen dem Schalterprogramm

das traditionelle, vom Bauhaus

beeinflusste Aussehen. Wer Retro-Design

in Vollendung sucht, kann sich für Drehschalter

aus weißem oder schwarzem Porzellan

entscheiden. Dabei sind nicht nur die

Rahmen, sondern auch die Zentralstücke

und Drehknebel „made by Rosenthal“ – Porzellan

vom Traditionshersteller.

Die neuen Drehschalter sind mit Status-Beleuchtung

und optional zuschaltbarem Orientierungslicht

erhältlich. Das kaltweiße

Serie 1930

Orientierungslicht leuchtet durchgängig

und macht den Schalter im Dunkeln dezent

sichtbar. Die warmweiße Statusbeleuchtung

zeigt an, ob eine Außensteckdose einoder

ausgeschaltet ist oder ob ein nicht einsehbarer

Raum gerade beleuchtet ist. Die

Art der Beleuchtung wird am integrierten

LED-Modul eingestellt. Über einen Schiebeschalter

am Modul lässt sich das Orientierungslicht

bei Bedarf abschalten.

Siblik Elektrik GmbH & Co. KG

T +43 (0)1 68 006-0

info@siblik.com

www.siblik.com

Serie 1930

Serie Glas

R.classic


www.architektur-online.com

Minimalist mit

maximaler Wirkung

Zumtobel steht für kreative Lösungsansätze,

geradliniges Design und technisch

innovative Lichtlösungen. Mit einem neuen

Downlight hat der österreichische Lichtanbieter

nun ein Produkt entwickelt, das sich

perfekt für allgemeine Beleuchtungsaufgaben

eignet. MICROS II ist ein kleines, kraftvolles

Downlight, perfekt für allgemeine

Beleuchtungsaufgaben in repräsentativen

Nebenbereichen in Retail, Hotel- und Gastgewerbe

oder Krankenhäusern. Ein flexibler

Reflektor mit mehreren Ausstrahlungswinkeln

und sehr guter Entblendung sowie

mehrere Farbvarianten lassen viel Raum

für kreative Lichtplanung. Außerdem eignet

sich MICROS II perfekt als Eins-zu-Eins-Alternative

für veraltete Halogenlampen – die

Montage gestaltet sich besonders einfach

und flexibel.

Zumtobel Lighting GmbH

T +43 (0)5572 390-0

info@zumtobel.info

www.zumtobel.com

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Produkt News

Innovative und hochflexible Aluminiumprofilsysteme

mit unendlichen Möglichkeiten.

Sie haben schon etwas ganz spezielles im Kopf? Wir freuen uns

mehr über ihr Vorhaben zu erfahren und stehen Ihnen gerne

beratend zur Seite. Sprechen Sie uns an!

Dome

Design trifft Licht

H-80 Profil | H-140 PROFIL

Besuchen Sie uns in

Halle 3,1 Stand E71

FORM FOLGT ARCHITEKTUR - LICHT FOLGT FORM

RIDI Leuchten GmbH, Industriepark Nord, Rudolf-Hausner-Gasse 16, 1220 Wien

Tel.: 01/73 44 210, Fax: 01/73 44 210 5; E-Mail: office@ridi.at, www.ridi.at


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Produkt News

bordbar Flugzeugtrolleys

Ein flexibles Möbel für die Ewigkeit

Der klassische Servicetrolley aus dem Flugzeug ist nicht nur ein Eyecatcher in

jeder Wohnung, sondern eignet sich auch perfekt im stylishen Büro, in der Gastronomie

oder der gehobenen Hotellerie. Create you personal bordbar.

Ausdrucksstark, weltoffen, minimalistisch, geradlinig,

urban, klassisch: ein bordbar Flugzeugtrolley kann

so vieles sein. Vor allem aber persönlich, wenn es um

die eigenen Wünsche und Vorstellungen geht – create

your personal bordbar! Egal ob die bordbar ihren

Platz im privaten Wohnbereich hat, Teil des Offices

ist oder in der Gastronomie und der Hotellerie zum

Einsatz kommt – den Gestaltungsmöglichkeiten sind

hier fast keine Grenzen gesetzt.

Als Getränkestation mit Kühlfunktion und Kaffeekapseleinschüben

im Besprechungszimmer, mit Registervollauszug

neben dem Schreibtisch im Coworking

Space, mit LED-Leuchtboden als Bar im privaten

Wohnbereich, mit Holzschneidebrett auf der Terrasse

neben der Grillstation, im Hotel in der Lounge für Magazine

und Zeitungen oder im Badezimmer für Pflegeprodukte,

um nur einige Möglichkeiten zu nennen.

Jeder dieser Trolleys wird von Hand gefertigt und

ist in verschieden Designs erhältlich. Es gibt auch

die Möglichkeit die Trolleys mit einem eigenen Design

zu versehen. Die Trolleys gibt es nicht nur als

new, sondern auch als used, womit auch viel Wert auf

Nachhaltigkeit gelegt wird. Auf die Trolleys new, werden

30 Jahre Garantie gewährt.

byThom

T +43 (0)1 909 44 17

office@bythom.at

www.bythom.at


www.architektur-online.com

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Produkt News

Sitzen auf neuem Level

Der jüngst mit dem begehrten German Design Award 2020 Gold ausgezeichnete

Allzweckstuhl se:spot von Sedus ist jetzt auch als Barhocker in zwei Höhen verfügbar.

Überall, wo kurzzeitige Teamarbeit und Besprechung, Kontaktpflege und informelle

Arbeit angesagt sind, also in Pausen-, Projekt- und Besprechungsräumen, an

Countern und den vielen Knotenpunkten in offenen Bürolandschaften und natürlich

in Kombination mit Highdesks, kann der ‚se:spot stool‘ zum Einsatz kommen.

Form und Kontur der Sitzschale sorgen dabei

für vorbildliche Sitzergonomie und hohen

Sitzkomfort. Bei den Gestellen kann das

stapelfähige Kufenmodell aus verchromtem

Stahl oder das Vierfuß-Modell aus Buche

schwarz oder Eiche natur gewählt werden.

Angeboten wird der neue Barhocker auch

in der Version ‚studio‘, einer Zwischenhöhe,

die sich vortrefflich mit Tischen mit ca. 900

mm Höhe verträgt. Gegenüber der klassischen

Barhockerhöhe fällt hier ein spontanes

„Ansitzen” bzw. „Aufstehen” leichter.

Als zusätzlichen Clou bietet die Modellfamilie

höchste Variabilität durch ein bequemes

Sitz- und Rückenpolster, das sich kinderleicht

wechseln und einfach reinigen lässt.

Sedus Stoll GmbH, Showroom Wien

Gumpendorfer Straße 15/9

1060 Wien

T +43 (0)1 982 94 17 12

sedus.at@sedus.com

www.sedus.com


architektur FACHMAGAZIN

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Produkt News

Individualität in

ihrer schönsten Form

Inspiriert vom Zeitgeist, der von puristischen und filigranen Produkten geprägt

ist, hat die Tiroler Industrie-Manufaktur Conform mit «Ikona» eine völlig neue Systemserie

von Badmöbeln entwickelt. Mit materieller Leichtigkeit, Funktionalität

und außergewöhnlicher Variabilität interpretiert die neue Serie die Typologie des

individualisierbaren Systemprogramms völlig neu.

Zu den besonderen Merkmalen gehören

die acht Millimeter dünnen Seitenwände,

die sich exakt um den Korpus der Möbelelemente

falten und die etwas zurückgesetzten

Fronten ummanteln wie ein zarter

Bilderrahmen. Diese feinen, aus den Möbeln

herauswachsenden Ränder betonen den

perfekt proportionierten SlimLine-Korpus

sowie den streng geometrischen Frontraster,

der durch einen minimalen und gleichbleibenden

Fugenspalt gekennzeichnet

ist. Die Fronten und Korpus-Looks sind in

25 ausdrucksstarken Oberflächen erhältlich.

Spezielle Designlösungen entstehen

beispielsweise aus bicoloren Kombinationen,

bei denen Korpuswände in trendigen

Unis - etwa in den neuen Farben Loft-Grau,

Manuka oder Camarin - mit großer Geste

naturinspirierte Frontflächen umschließen.

Ein weiteres Gestaltungsmerkmal von «Ikona»

ist die reduzierte Tiefe von 50 cm bei

den Waschtischunterschränken, welche die

elegante Designidee der besonderen Grazilität

unterstreicht sowie Möbel und Waschplatz

zu einer homogenen, harmonischen

Einheit verbindet.

Alle Möbelfronten sind auf drei unterschiedliche

Öffnungsarten ausgelegt, wahlweise

mit hochwertiger, synchronisierter

Push-To-Motion-Technik, Griffmulde oder

klassischen Stangengriffen. Bei letzterer

Variante können neben formschönen runden

und kubischen Chromgriffen auch Akzent-Griffe

in der Farbe Schwarz gewählt

werden, die in Kombination mit aussagekräftigen

Oberflächen das gelungene Contemporary-Design

der neuen Systemserie

betonen und dem Bad einen individuellen

Charakter verleihen.

Zur Wahl stehen bei «Ikona» beinahe 70

Unterschrankmodelle für Einzel- und Doppelwaschtische

in Breiten von 60 bis 180

cm sowie Seitenschränke in den Höhen

175 cm und 87 cm, jeweils in den Breiten

35, 40, 45 und 50 cm. Damit lässt sich die

Badmöbelserie mit einer Vielzahl an Mineralguss-,

Mineralwerkstoff-, Glas- und

Keramikwaschtischen, oder hochwertigen

Compact-Waschtischplatten für Aufsatzbecken

kombinieren. Zur Wahl stehen auch

ein SlimLine-Spiegelschrank und zwei

formschöne, schlanke Leuchtspiegel-Serien.

Und wenn diese Vielfalt an Formen, Formaten,

Farben und Materialien noch nicht

reichen sollte, lassen sich aus dem Standardrepertoire

auch maßgeschneiderte Lösungen

ableiten - und das alles mit einer Lieferzeit

von gerade einmal 9 Arbeitstagen!

CONform Badmöbel GmbH

T +43 (0)5412 63493

office@conformbad.at

www.conformbad.at

www.conform-partnersystem.com


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Produkt News

Luxus-Hotel

überzeugt bis ins Detail

Das 5-Sterne-Superior-Hotel „The Fontenay“ ist ein absolutes Highlight der

Hamburger Hotellandschaft: Seine einzigartige Lage direkt an der Außenalster,

die beeindruckende Architektur und die hochwertige Ausstattung begeistern

Gäste aus aller Welt. Der organische Grundriss, der aus der Feder des bekannten

Architekten Jan Störmer vom Büro Störmer Murphy and Partners stammt, setzt

sich aus drei ineinandergreifenden Kreisen zusammen.

Die Inneneinrichtung der Zimmer und Suiten, die zwischen

28 und knapp 200 Quadratmeter groß sind, ist

in elegantem Türkis und dezentem Beige gehalten. Die

Badezimmer bieten dank abgetrennter Dusche und

separatem WC jeweils viel Platz. Als besonderer Komfort

erwartet die Gäste in den Bädern aller Zimmerkategorien

ein Dusch-WC aus dem Hause Geberit, das

die Funktionen eines WCs und eines Bidets in sich vereint.

„Dass die Bäder eines solchen Hotels mit einem

Hygiene-WC – wie ich es lieber nenne – ausgestattet

werden müssen, stand für mich von Beginn an fest. Die

Produkte von Geberit haben mich durch ihre gelungene

Formensprache überzeugt“, erklärt Jan Störmer.

Herzstück des Geberit AquaClean Mera ist die patentierte

Whirl-Spray-Duschtechnologie. Der pulsierende

Duschstrahl, der durch dynamische Luftbeimischung

verfeinert wird, sorgt für eine sanfte und

gleichzeitig gründliche Reinigung des Intimbereichs.

Im Duscharm befindet sich eine zusätzliche Ladydusche

mit besonders weichem Duschstrahl. Für

eine angenehme Wassertemperatur sorgt ein hybrides

Warmwassersystem, ein handwarmer Luftstrom

übernimmt das Trocknen. Gesteuert wird AquaClean

Mera entweder über eine Fernbedienung oder alternativ

– wie im „The Fontenay“ – über ein Wandbedienpaneel.

Durch den kabellosen Betrieb lässt es sich

an einer beliebigen Stelle in der Nähe des Dusch-WCs

platzieren. Und auch im WC-Bereich des Restaurants

wird auf Qualitätsprodukte von Geberit gesetzt. Als

Betätigungsplatte für die Toiletten kam das Modell

Geberit Sigma70 zum Einsatz. De Urinale aus der

Serie Geberit Preda hingegen kommen dank Sensor

gänzlich ohne Betätigungsplatte aus. Auf Wunsch

lässt sich die Spülung jederzeit auf die sogenannte

Hybridspülung umstellen. Dabei werden die Urinale

wasserlos genutzt und in einem frei wählbaren Zeitintervall

mit Wasser gespült.

Geberit Vertriebs GmbH & Co KG

T +43 (0)2742 401 0

sales.at@geberit.com

www.geberit.at

www.geberit-aquaclean.at


architektur FACHMAGAZIN

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Produkt News

Minimalismus trifft auf Opulenz

Wie eine Superjacht sollte sich WAVE über der Spree in Berlin erheben. So der Anspruch

der Stararchitekten vom Büro GRAFT. Mit Erfolg: Im Auftrag von Bauwerk

ist es ihnen gelungen eine Architektur-Ikone mit atemberaubender Wasserlage an

der Stralauer Allee, im lebendigen Friedrichshain und angrenzendem Kreuzberg, zu

erschaffen. Die futuristische Handschrift des Gebäudes mit Vollglasfassade zeichnet

sich in jedem Winkel der 161 Apartments, Flats und Penthouses ab. 70 Prozent bieten

einen spektakulären Blick auf die Spree.

Eine Symbiose aus Natürlichkeit und High-End Design

beschreibt die Inneneinrichtung. Die Ausstattungsdetails

namhafter Hersteller erfüllen jeden

Anspruch an Qualität, Design, Hochwertigkeit und

Extravaganz. Für ein überwältigendes Raumgefühl,

das der außergewöhnlichen Architektur würdig ist.

Die Bäder sind mondän in ihrer Ausfertigung, minimalistisch

im Konzept. Holz und Weiß dominieren die

Farbgebung, abgerundete Linien die Formensprache.

Für die Bäder des exklusiven Wohnkomplexes wurden

IXMO Armaturen von KEUCO an der Wanne und in der

Dusche ausgewählt. Denn minimalistischer geht es

kaum: Mit ihrem Durchmesser von nur 90 mm ergänzen

sie die exklusive Ausstattung perfekt. Harmonisch

dazu ist der Duschkorb aus der KEUCO EDITION 11.

Die markante und zugleich zurückhaltende Formensprache

verleiht ihm eine herausragende Ästhetik.

Besonderer Clou: Der integrierte Glasabzieher lässt

den Duschkorb zu einem wahren Alltagshelden werden.

Die KEUCO COLLECTION MOLL Armaturen am

Waschtisch ergänzen die designstarke Auswahl perfekt

und unterstreichen mit ihren abgerundeten Linien

den minimalistischen Grundgedanken abermals. Passend

dazu: die Toilettenpapierhalter. Die verchromten

Oberflächen der KEUCO Armaturen und Accessoires

in den Bädern wirken in den Räumlichkeiten mit sanfter

Farbgebung durch ihr Understatement.

KEUCO GmbH

T +43 (0)662 45 40 56-0

office@keuco.at

www.keuco.com

www.ixmo.de

©Sucksdorff Photography


www.architektur-online.com

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Produkt News

© Zugspitz-Resort

Immer perfektes Klima

Eine touristische TOP-Adresse wie das Zugspitz-Resort (4 Sterne Hotel, Ferienwohnungen,

Campingplatz) binnen einer einzigen Zwischensaison grundlegend

umzubauen und zu erweitern, erfordert perfekte Planung und verlässliche Partner.

Der Startschuss für die Arbeiten fiel im März 2019, die Wiedereröffnung des

Resorts erfolgte im Dezember des gleichen Jahres.

Zu den Kernstücken des Umbaus zählen 47 neue

Zimmer und Suiten im Neubau der Anlage sowie im

Haupthaus 20 zusätzliche Badezimmer für den Komfort

der Camping-Gäste. Ein zentrales Anliegen des

Bauherren war dabei, auch die Behaglichkeit und den

Komfort für die Gäste durch effizientes Heizen und

Kühlen zu erhöhen. Beide Untergeschosse, die u.a.

das Spielland sowie die Fitness- und Yogaräume beherbergen,

das Erdgeschoss einschließlich Empfang,

Hotelhalle, Lounge, Restaurant und Buffet sowie

sämtliche Bäder erhielten eine Fußbodenheizung.

Insgesamt 4.080 m 2 des Fußbodenheizungssystems

Uponor Classic wurden dafür verbaut, dessen Trägerelementsystem

sich aufgrund seiner hohen Belastbarkeit

perfekt für stark frequentierte Bereiche

eignet. Drei unterschiedliche Mattenraster ermöglichen

die optimale Anpassung der Heizrohrabstände

an den jeweiligen Wärmebedarf. Die praxisgerechten

Rohrdimensionen von 17 mm und 20 mm ermöglichen

dabei große Heizkreislängen ohne Verbindungsstellen,

was speziell bei der Verlegung von größeren Flächen

wie hier im Hotel von Vorteil ist.

Die neuen Suiten des Zugspitz-Resorts sind außerdem

mit Kühldecken ausgestattet: verbaut sind hier rund

350 m 2 Uponor Thermatop M. Das System basiert auf

dem diffusionsdichten MLCP Mehrschichtverbundrohr

und besteht aus standardisierten Modulen, die

per Klick-Montage schnell und ohne zusätzliches

Werkzeug in herkömmliche Deckenunterkonstruktio-

nen eingehängt werden können. Die Register sind in

fünf Längen von 95 bis 255 cm verfügbar. So lassen

sich bei der Deckenbelegung nicht nur Einbauten wie

Lampen, Luftauslässe oder Lautsprecher problemlos

aussparen, sondern auch sehr komplexe Raumgeometrien

vollflächig thermisch aktivieren.

Die Beplankung erfolgt anschließend durch den Trockenbauer

komplett in Eigenregie, womit auch eine

vollständige Gewerketrennung gewährleistet ist. Die

speziell geformten Befestigungsschienen sorgen dabei

für einen sehr guten Kontakt der Rohre mit der

Gipskarton-Thermoplatte und ermöglichen dadurch

hohe Leistungswerte von bis zu 65 W/m² (∆ϑ = 8 K)

im Kühlfall.

© Uponor

Uponor Vertriebs GmbH

T +43 (0)2236 23003-0

info.at@uponor.com

www.uponor.at


architektur FACHMAGAZIN

94

Produkt News

Weltpremiere für

DX-Aufzugklasse

KONE, einer der Weltmarktführer der Aufzugbranche, entwickelt sich zum Plattformanbieter

für cloudbasierte Gebäude-Services und launcht die neue Aufzugklasse

DX. Diese neuen Aufzüge sind serienmäßig an die cloudbasierte digitale

Plattform von KONE angebunden und machen so zahlreiche smarte Services für

den breiten Markt und eine große Masse von Nutzern verfügbar. Bereitgestellt

werden die digitalen Services von KONE sowie von Partnern wie Amazon, Blindsquare,

Robotise und Soundtrack Your Brand.

Ziel des Konzerns ist dabei die volle Vernetzung

der Aufzüge mit Gebäuden, Betreibern,

Dienstleistern und Nutzern. Digitale Services

wie Aufzugmusik nach Wunsch, der

Aufzugruf mittels Alexa, cloudbasierte Infoscreens

für Aufzug, Foyer und Flur und der

KONE Magic Mirror machen die Gebäudenutzung

für Eigentümer und Mieter attraktiver

und steigern den Wert der Gebäude

über ihre gesamte Lebensdauer hinweg. Das

demonstriert eindrucksvoll der KONE Magic

Mirror mit seinen spektakulären optischen

Effekten: Wie durch Zauberei verwandelt er

die verspiegelte Kabinenwand zum virtuellen

Fenster oder zum randlos integrierten

digitalen Infobildschirm, den Betreiber mit

Bildern und Videos bespielen können.

Durch serienmäßige Anbindung an die digitale

Plattform von KONE und ihre sichere

offene Schnittstelle (API) lassen sich

DX-Aufzüge („Digital Experience“) mit allen

denkbaren Geräten und Anwendungen

einfach und umstandslos verbinden. Dazu

zählen beispielsweise Service- und Lieferroboter

in Hotels, Pflegeeinrichtungen

und Industrie, Sprachassistenten, Indoor-

Navigationssysteme, Gebäude-Apps und

ganze gebäudetechnische Systeme. Auch

elektrische Türen und Tore können mit der

DX-Klasse, aber auch mit entsprechend

nachgerüsteten Aufzügen kommunizieren.

Die integrierte Konnektivität der DX-Aufzüge

macht auch bestehende KONE Services

jederzeit sofort verfügbar: Entscheidet sich

ein Betreiber für die prädiktive Wartungslösung

24/7 Connect, erfolgt die Freischaltung

ohne Wartezeit und zusätzlichen Installationsaufwand.

KONE AG

T +43 (0)1 863 67-0

office.at@kone.com

www.kone.at


www.architektur-online.com

95

Produkt News

Fotos: Fabian Linden, Simonswerk

Attraktive Kirchensanierung

Die Ende der 50er Jahre erbaute katholische Kirche St. Michael in Paderborn-Sennelager

wurde grundlegend renoviert und neu konzeptioniert. Da durch

die sinkenden Besucherzahlen die Kirche optisch einfach zu groß wirkte, entschied

man sich für ein modernes Renovierungskonzept.

Die langen Kirchenbänke, die vorher Platz

für 400 Gläubige boten, wurden durch 140

Stühle ersetzt, welche nun – je nach Anlass

und zu erwartender Besucherzahl –

flexible Bestuhlungsarten erlauben. Auch

der Innenraum wurde neu gestaltet: Helle

Farbtöne an den Wänden und auf dem Boden

sorgen für eine freundlich warme Atmosphäre.

Einen attraktiven Farbakzent in

Ochsenfarbenrot setzen dabei die Wände

des Kreuzweges an beiden Längsseiten des

Kirchenschiffs. Neben der Farbgestaltung,

dem Fußboden und der Lichttechnik wurde

eine neue Eingangstür aus Massivholz eingebaut.

Ausgestattet ist diese doppelflügelige

und gefälzte Eingangstür mit der

Bandtechnik von SIMONSWERK.

Die beiden Türelemente haben ein Türflügelmaß

von 102 cm x 260 cm und eine

Türstärke von 92 mm. Die großflächige

Eingangstür mit den beiden Seitenteilen

(Gesamtlänge 490 cm x 293 cm) wurde mit

verdeckt liegenden Bändern der Modellausführung

TECTUS TE 680 3D FD für gefälzte

Türen ausgestattet.

Bei den Eingangstüren, die nach außen geöffnet

werden, sollte aus Sicherheitsgründen

keine außen liegende Bandtechnik zu

sehen sein. Zudem war der Belastungswert

der Bandtechnik von bis zu 160 kg aufgrund

des hohen Eigengewichts der Tür sowie der

zusätzlich auf das Türblatt wirkenden mechanischen

Kraft durch den Drehflügelantrieb

von zentraler Bedeutung.

Ausgestattet wurden die Türflügel mit jeweils

vier verdeckt liegenden Türbändern

– jeweils paarig oben und unten am Türblatt.

Diese Bandtechnik sorgt für eine klare

Optik der geschlossenen Tür und lässt die

extra angefertigten Türgriffe aus Messing

besonders gut zur Geltung kommen.

SIMONSWERK GmbH

T +49 (0)5242 413-0

info@simonswerk.de

www.simonswerk.com


architektur FACHMAGAZIN

96

Produkt News

Augenarztpraxis mit Loungecharakter

In angenehmer Atmosphäre wird ein Arztbesuch gleich viel entspannter. Die

Gestaltung von Praxis-Räumlichkeiten sollte daher nicht nur allein nach medizinischen

Gesichtspunkten erfolgen, sondern hat auch das Wohlbefinden der Patienten

und Mitarbeiter im Blick haben. Ein Beispiel für eine gelungene Umsetzung

ist die Praxis Breyer, Kaymak & Klabe Augenchirurgie in Düsseldorf. Das Gestaltungskonzept

stammt aus der Feder des Innenarchitekten Marcel Beckmann von

SOHOarchitekten Düsseldorf.

Die Flure sind durch erdige Wandfarben

kombiniert mit schwarz-weiß gehaltenen Bildern

optisch ruhig und zurückhaltend. Nur

der Boden ist etwas auffälliger: In der gesamten

Praxis wurde ein Chevron-Dekor von

PROJECT FLOORS verlegt. In einem satten

und warmen Braun ergänzt die Holznachbildung

das Gestaltungskonzept perfekt.

Wesentliche Entscheidungskriterien für

diesen Bodenbelag waren, dass ein LVT-Designboden

einerseits leicht zu reinigen ist

und so den Hygieneanforderungen einer

Arztpraxis entspricht. Andererseits sollte

die optische Anmutung des Bodens zur

Wertigkeit der gesamten Ausstattung passen

und diese unterstützen. Und so wurde

in Düsseldorf auf ca. 600 m 2 das Dekor

PW 3130 FP verarbeitet.

Das gewählte Chevron Verlegemuster, das

auch als Französisches Parkett bekannt ist,

komplettiert die insgesamt hochwertige Erscheinung

der Räume. Man sieht dem Boden

seine Abstammung aus dem Echtholzparkett-Bereich

an: Er ist ein echter Hingucker

und erinnert an die alten Herrenhäuser früherer

Zeiten. „Chevron wirkt als ‚Fischgrät‘

ohne die klassische Verzahnung moderner

und ist definitiv eine Abwechslung zu den

bereits bekannten Dielenböden.“, so der Innenarchitekt

Marcel Beckmann.

PROJECT FLOORS GmbH

T +49 (0)2233 9687-0

info@project-floors.com

www.project-floors.com


www.architektur-online.com

97

Produkt News

Technikum eröffnet

Der österreichische Bauchemieproduzent

Murexin eröffnete am 29. Jänner 2020 in

Wiener Neustadt ein modernes Technikum

und investierte damit 1,5 Millionen Euro in

den niederösterreichischen Standort. Auf

etwa 500 m 2 entstanden Räume für die Anwendungstechnik,

praktische und theoretische

Schulungen, Büroräume sowie Bereiche

für Forschung und Entwicklung. In nur neun

Monaten Bauzeit wurde das vom Architekturbüro

Scheibenreif geplante Gebäude, das

über zwei Geschosse verfügt, in Niedrigenergiebauweise

errichtet.

Am Standort in Wiener Neustadt, an dem

210 Mitarbeiter beschäftigt werden, sind

neben dem neu errichten Technikum auch

das Verwaltungsgebäude, Pulver- und Nassproduktion,

Labor sowie die Logistik von

Murexin angesiedelt.

„In der Vergangenheit konnten wir den

zahlreichen Anfragen unserer Kunden nach

Produktschulungen nicht nachkommen

und den Bedarf an internen Weiterbildungen

aufgrund mangelnder räumlicher Kapazitäten

nicht decken. Umso mehr freuen

wir uns, dass wir nun unsere technische

Kompetenz und die Verarbeitung unserer

Produkte in einem modernen, funktionalen

Rahmen zeigen können“, erklärt Bernhard

Mucherl, Geschäftsführung Murexin GmbH.

Murexin GmbH

T +43 (0)2622 27401-0

info@murexin.com

www.murexin.com

Thermisch getrennte Wände.

Mit dem Schöck Alphadock®.

Schließen Sie die letzte Wärmebrücke im konstruktiven Hochbau und reduzieren Sie den

Energieabfluss der Wärmebrücke an Stahlbetonwänden um bis zu 90%. So planen und realisieren

Sie wirtschaftlich optimiert mehrgeschössige Gebäude in höchsten Energiestandards.

Schöck Bauteile Ges.m.b.H | Thaliastraße 85/2/4 | 1160 Wien | Tel.: 01 7865760 | www.schoeck.at


architektur FACHMAGAZIN

98

Produkt News

©Angelo Kaunat

Cradle to Cradle-Zertifikat

für Kautschukböden

Von Anfang an in kompletten Produktkreisläufen denken, damit kein Müll entsteht –

das ist der Kern des Cradle to Cradle-Prinzips. Hierfür müssen Produkte so hergestellt

werden, dass alle verwendeten Materialien nach Gebrauch wiederverwendet oder

kompostiert werden können.

nora systems, weltweit führender Hersteller von

Kautschuk-Bodenbelegen, hat nun auch für die Kautschuk-Bahnenware

die Cradle to Cradle-Zertifizierung

erhalten. Nachdem bereits 2018 norament Fliesen

das Zertifikat in Silber bekommen hatten, wurden

jetzt auch die noraplan Standardbeläge vom „Cradle

to Cradle Products Innovation Institute“ mit Silber

ausgezeichnet.

Die unabhängigen Prüfer honorierten den Beitrag,

den die Kautschuk-Beläge zur Kreislaufwirtschaft und

zu umfassend nachhaltigen Gebäuden leisten. Die

Zertifizierung nach Cradle to Cradle zeichnet nämlich

nicht nur die Produkte an sich aus, sondern hat ebenso

positive Auswirkungen auf die Gebäudezertifizierungen

nach DGNB, LEED oder BREEAM. Dort wird

der Einsatz ökologisch vorteilhafter Materialien mit

hohen Punktzahlen bei der Bewertung belohnt.

Mit der gestiegenen Bedeutung von Nachhaltigkeit in

der Baubranche werden Zertifizierungen wie Cradle to

Cradle immer wichtiger. Von unabhängigen Instituten

vergebene Auszeichnungen helfen den Kunden bei der

Orientierung und unterstützen sie dabei, geprüft nachhaltige

Bauprodukte für ihre Projekte auszuwählen.

nora flooring systems produziert seit fast 70 Jahren

Premium-Kautschukböden in Deutschland und arbeitet

ständig daran, sich im Hinblick auf eine nachhaltige

Wertschöpfung weiter zu verbessern. Die größten

Chancen werden dabei in der Verwendung von

neuen, umweltschonenden Rohstoffen und der engen

Kooperation mit Lieferanten gesehen, um die verwendeten

Rohmaterialien hinsichtlich Nachhaltigkeit und

Transparenz in der Lieferkette weiter zu optimieren.

nora flooring systems GesmbH

+43 (0)7242 74 001-0

www.nora.com


www.architektur-online.com

99

Produkt News

Inspiriert von

skandinavischem Design

Der neue Messestand von Kneer-Südfenster auf der Fensterbau

Frontale 2020 zitiert den skandinavischen Wohnstil in vielen Facetten:

mit hellen, freundlichen Farben, klaren Formen und viel

Holz. Hier können sich Besucher von neuen Fenster- und Haustürideen

inspirieren lassen, die vortrefflich mit dem behaglichen

Wohnen im skandinavischen Stil harmonieren: Reduziertes Design,

geradlinig, flexibel und mit hoher Funktionalität.

Auch das Thema Glasfassaden wird auf dem Messestand in

neuer Form präsentiert: Die Glasfassaden des Fensterspezialisten

werden exakt auf Maß vorgefertigt und soweit wie möglich

vormontiert geliefert. Zudem wird ein neues großes Panoramafenster

mit tiefer Fensterlaibung aus Holz gezeigt, das als

Sitzfenster genutzt werden kann. Daneben zeigt der Komplettanbieter

Festverglasungen mit großen Formaten und auch

Sprossenfenster in neuem Design mit besonderem Charme

– beispielsweise ein filigranes Holz-Sprossenfenster, das zum

behaglichen Wohnen im skandinavischen Still passt. Auf neues,

hochwertiges Design bei Haustüren dürfen die Besucher am

Stand von Kneer-Südfenster ebenfalls gespannt sein. Dazu passend

werden die neuesten Zugangssysteme präsentiert – dabei

stehen Komfort und Sicherheit im Fokus.

Kneer GmbH

T +49 (0)7333 83-0

info@kneer.de

www.kneer-suedfenster.de

Fensterbau

Frontale

Halle: 5

Stand: 5-121

Schöner warten.

Designbodenbeläge vom Spezialisten.

www.project-floors.com


architektur FACHMAGAZIN

100

Produkt News

Nahtlose Übergänge

Auf einer der vornehmsten Straßen, in der Innenstadt von Rotterdam, steht ein

typisch holländisches Reihenhaus. Charakteristisch sind der niedrige Keller und die

kleinen Räume. Insgesamt sind die Innenräume sehr dunkel, kleine Fenster lassen

nur wenig Tageslicht ins Gebäudeinnere. Als das Haus vor wenigen Jahren den Besitzer

wechselte, sollte es sein Erscheinungsbild komplett verändern. Der Wunsch

des neuen Bauherrn war es die ehemals zwei Wohnparteien in ein großzügiges,

helles Haus zu verwandeln, das mehr Offenheit bietet. Gleichzeitig sollte es den

Charme des historischen Gebäudes nicht verlieren.

Für den Wunsch, die kleinen Räume groß und

hell zu gestalten und als Gesamtes wirken

zu lassen, musste massiv umgebaut werden.

Nachdem einzelne Etagen und Räume zusammengeführt

wurden, galt es, den Innenräumen

mehr Helligkeit zu verschaffen. Da

die zuerst angedachten Fenster-Entwürfe

sowohl die Küche als auch das Wohnzimmer

wahrscheinlich nicht ausreichend erhellen

würden, fiel die Entscheidung letztlich auf

eine Glas-Faltwand von Solarlux.

Mit der fast 6 Meter hohen Glas-Fassade erscheinen

die Innenräume nun in einem völlig

anderen Licht. Sie verleiht den Räumen

optische Weite und lässt die beiden Geschosse

sowie den Innen- und Außenraum

miteinander verschmelzen. Denn obwohl

sich das Haus mitten in der Stadt befindet,

hat es einen kleinen anliegenden Garten,

der miteinbezogen wurde. So wirkt der angrenzende

Essbereich dank der Glas-Faltwand

wie eine grüne Oase. Die Glasfassade

erstreckt sich über zwei Etagen. Im oberen

Geschoss wurde eine Festverglasung verbaut.

Die ebenerdige Fensterfront lässt sich

über die gesamte Breite öffnen und ermöglicht

so den Zugang zum Garten. Sie hebt

räumliche Konventionen auf und erfüllt

den Wunsch des Bauherrn nach einem fließenden

Übergang zwischen Drinnen und

Draußen. Ungewöhnlich weite Blickbezüge

schafft die Glas-Faltwand auch, wenn sie

geschlossen ist. Denn die filigranen Profile

mit einer Ansichtsbreite von nur 99 mm bieten

maximale Durchsicht und einen hohen

Umgebungsbezug.

SOLARLUX AUSTRIA GmbH

T +43 (0)512 209 023

info@solarlux.at

www.solarlux.at


www.architektur-online.com

101

kneer-suedfenster.de

Produkt News

ULTIMATE erstrahlt

in MAGENTA

Die patentierte Hochleistungsmineralwolle ISOVER ULTIMA-

TE aus dem Hause Saint-Gobain ISOVER hat ein neues Verpackungsdesign

in der Trendfarbe Magenta bekommen. Neu

ist ebenfalls, dass durch Farbcodes in Transparent, Gelb und

Silber die jeweilige Lambda-Gruppe auf einen Blick erkennbar

ist. Der Nennwert der Wärmeleitfähigkeit wird ebenfalls auf

den neuen Verpackungen angeführt. „Das neue Design macht

das Handling noch kundenfreundlicher. Zudem punktet unser

Leichtgewicht Ultimate mit 50 Prozent weniger Gewicht

als Steinwolle“, erklärt Franz Hartmann, Marketing- und Vertriebsdirektor

bei Saint-Gobain ISOVER.

Pfosten-Riegel-Fassade

• Große Glasflächen mit hohem Lichteinfall

• Geschossübergreifende Ausführungen

• Filigrane Konstruktion

• Einsatz von Fenster- und Türelementen

GEPRÜFTE, SCHADSTOFFARME

FENSTER FÜR GESUNDES

WOHNEN!

Saint-Gobain ISOVER Austria GmbH

T +43 (0)2266 6060

isover-at.marketing@saint-gobain.com

www.isover.at

SÜD-FENSTERWERK GmbH & Co. Betriebs-KG · Rothenburger Str. 39 · D-91625 Schnelldorf

Tel. +49 (0)79 50/81-0 · info@suedfenster.de


architektur FACHMAGAZIN

102

Produkt News

Öffentlicher Wohnbau

setzt auf Hanf

Die St. Pöltner Wohnungsgenossenschaft errichtete in St. Pölten-Harland eine Reihenund

Doppelhausanlage in Niedrigenergie-Bauweise. Im September 2019 wurden die

Häuser, deren Außenwände aus 50er Ziegeln bestehen, an die Bewohner übergeben.

Eine Besonderheit dieser Häuser, die als Wärmequellen

Luftwärmepumpen verwenden und elektrische

Energie von Fotovoltaik-Modulen beziehen, ist die

Verwendung von ökologischen Putzträgerplatten aus

Hanf anstelle eines Grundputzes. Hergestellt vom

Perger WDVS-Spezialisten Capatect sorgt diese Innovation

– ausgezeichnet mit dem EnergieGenie – für

außergewöhnlich guten Schallschutz und verstärkt

den Hagel- und Rissschutz.

Die Putzträgerplatte mit dem Markennamen Capatect

Hanf Massiv wurde speziell für porosierte Ziegelwände

entwickelt. Der größte Nutzen der Platte

besteht in ihrem unübertroffenen Schallschutz.

Ein mit der 4 cm dicken Hanf-Putzträgerplatte gedämmtes

Gebäude hat einen bis zu 13 dB besseren

Schallschutz als Gebäude mit normalem Grundputz.

Um den Wert greifbar zu machen: zehn Lärmquellen

– z.B. Mopeds – werden so wie eine einzige dieser

Quellen wahrgenommen.

Auch was die Dämmleistung angeht, weist die

Hanf-Putzträgerplatte, für die Hanf aus regionalem

Anbau, hauptsächlich aus dem Weinviertel, eingesetzt

wird, wesentliche Vorteile auf: Im Vergleich zum

Dämmputz verfügt sie über die zwei- bis sechsfache

Dämmleistung bei gleicher Dicke. Der entscheidende

Vorteil liegt aber in der Vermeidung von Wärmebrücken.

Darüber hinaus schluckt die elastische Hanffaser

leichte Setzungs- und Putzspannungsrisse. Im

Bereich des Fenstersturzes, der Deckenaufleger sowie

bei eingestemmten Steig- und Abflussleitungen

vermindert Hanf Massiv den Wärmeverlust erheblich.

Eine Verdübelung der Platte ist dabei nicht notwendig.

Als mineralische Armierung kommt Capatect

Minera Carbon Extra zum Einsatz, die dazu beiträgt,

dass die verputzte Fassade selbst 40 mm große Hagelschloßen

schadensfrei übersteht.

Ausgeführt wurden die Arbeiten an der Fassade

der Anlage (ca. 3.500 m²) in St. Pölten-Harland von

der Firma Bachner-Bau, einem Capatect Hanf-Partner-Verarbeitungsbetrieb.

Capatect Baustoffindustrie GmbH

T +43 (0)7262 560-0

info@capatect.at

www.capatect.at


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103

Produkt News

Geschichte neu interpretiert

Der Ort Kressbronn am Bodensee ist ein beschauliches Städtchen mit stark

traditionell beeinflusstem Baubestand. Dies gilt auch für die 1923 im Ortskern

zwischen Marktplatz und Festhalle errichtete Scheune. Als die Gemeinde 2012

Architekt Thomas Steimle aus Stuttgart beauftragte, den Stadel in eine öffentliche

Bücherei samt Bürgertreff umzuwandeln, war für deshalb auch klar: Der

Umbau des früher landwirtschaftlich genutzten Stadels sollte den Charakter des

Hauses bewahren, das weit auskragende, schützende Dach erhalten und auch die

traditionelle Gliederung in ein massives Erdgeschoss und ein darüberliegendes

filigranes Tennengeschoss übernehmen.

Geplant war die alte Fassade mit ihrer charakteristischen

Stülpschalung durch eine filigrane Holzkonstruktion

zu ersetzen, das Sockelgeschoss aus grobem,

verputztem Mauerwerk und Beton aber zu erhalten.

Im Zuge der Baumaßnahmen zeigte sich jedoch, dass

die vorhandene Substanz nicht mehr zu verwenden

war und komplett abgetragen werden musste. An

ihre Stelle trat ein neuer, bis zu 3,5 Meter hoher Sockel

aus 77 Zentimeter starkem Liapor-Leichtbeton.

Die Entscheidung für diesen Baustoff traf der Planer

nicht nur aus statischen und energetischen Gründen:

„Der Liapor-Leichtbeton spiegelt in seiner Materialität

und monolithischen Massivität auch perfekt

den Charakter des alten Sockels wider“, so Thomas

Steimle. „Gleichzeitig lässt sich am Leichtbeton auch

dessen Erstellung ablesen, in Anlehnung an das

Handwerkliche des früheren Sockels.“ Deswegen

wurden die Sichtbetonflächen auch nicht aufwendig

veredelt, sondern erscheinen so, wie sie nach dem

Ausschalen zutage traten. „Der Leichtbeton entwickelt

seine Schönheit und Qualität dadurch, dass er

sehr authentisch ist. Es ist ein grundehrlicher Baustoff,

durch und durch echt.“

Für den Sockel kamen rund 135 Kubikmeter Liapor-Leichtbeton

LC12/13 mit einer Rohdichte von

1.200 kg/m³ zum Einsatz. Nach dem Bau des Sockels

wurde das Obergeschoss errichtet. Spannungsreiche

Akzente setzen hier die sichtbaren Balken des

Dachstuhls, die aufwendig restauriert und nur wo

unbedingt erforderlich ersetzt wurden. Einzigartig

sind auch die auf der gesamten Obergeschossfassade

angebrachten vertikalen Holzlamellen. Sie sind

in Längsachse unterschiedlich zueinander gedreht

montiert und filtern das Tageslicht.

Nach knapp zweijähriger Bauzeit ist der historische,

eher introvertiert wirkende Speicher zu einem modernen,

offenen Haus geworden, das im Herbst 2018

eröffnet und seither mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet

wurde.

Lias Österreich GesmbH

T +43 (0)3155 2368-0

info@liapor.at

www.liapor.at


architektur FACHMAGAZIN

104

Produkt News

Foto: Anke Müllerklein

Kopenhagens neue U-Bahnhöfe

17 Stationen, 15 Kilometer Tunnelführung und acht Jahre Bauzeit: Die neue Kopenhagener

U-Bahn-Linie Cityringen erweitert das bestehende Metronetz und zeigt neue

Möglichkeiten in der Orientierung auf. Als individuell gestaltete Stadträume zeigen

sich die einzelnen Bahnhofszugänge inspiriert von der jeweiligen Umgebung in unterschiedlichen

Farben und Formen, um eine intuitive Wegeleitung zu ermöglichen.

Diese benutzerorientierte Bauweise, entworfen

vom renommierten Ingenieurbüro

Arup, soll Fahrgästen durch klare Sichtlinien

und minimale Beschilderung die Navigation

erleichtern und die Aufenthaltsqualität

erhöhen. Für die Fassadengestaltung von

sieben U-Bahnhöfen kamen Keramikplatten

von MOEDING zum Einsatz. Knapp 12.000

LONGOTON® Keramikplatten in den Farben

Rot, Grün, Weiß und Grau prägen die Bahnhöfe

Frederiksberg Allé, Gammel Strand,

Kopenhagen Hauptbahnhof, Østerport,

Nørrebro, Poul Henningsens Plads und Vibenshus

Runddel.

Der an die Dänische Staatsbahn (DSB) angelehnte

Rotton kennzeichnet dabei immer

einen Umstiegsbahnhof, während die anderen

Stationen immer das Umfeld an der

Oberfläche gestalterisch aufnehmen. Die

vier verschiedenen, grünen Glasuren der

Station Frederiksberg Allé nehmen zum

Beispiel Bezug auf die von Linden gesäumte

Allee oberhalb der Station.

Allen Farben gemeinsam ist eine glänzende

bzw. seidenmatte Oberfläche, die sie erstmalig

durch eine spezielle Auftragetechnik, den

sogenannten Orange Peel Effekt, erhielten.

Während des Einbrennverfahrens entsteht

so ein wellenartiges Relief in der Glasur, das

je nach Betrachtungswinkel und Spiegelung

eine lebendige Oberfläche schafft.

Moeding Keramikfassaden GmbH

T +49 (0)8732 2460-0

info@moeding.de

www.moeding.de


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105

Produkt News

Silikat-System für außen und innen

Mit insgesamt sieben Standorten im Innsbrucker Stadtgebiet und einem Gesamtbestand

von über 3,5 Millionen Medien ist die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol

die drittgrößte Bibliothek Österreichs und die größte Westösterreichs. Nun wurde der

Altbau der Hauptbibliothek renoviert und mit Brillux Produkten neu gestaltet.

Sowohl für die Fassade als auch für den historischen

Lesesaal im ersten Stock des Altbaus

der Hauptbibliothek waren seitens des

Denkmalamtes Silikatfarben vorgegeben

- Silikatfarbe ist extrem langlebig, farbtonstabil,

verschmutzungsresistent und kommt

von Natur aus ohne Biozidzusatz aus. Mit

Ultrasil HP 1901 aus dem Brillux Sortiment

kam an der Fassade eine Fassadenfarbe auf

Basis von Sol-Silikat zum Einsatz, eine ausgewogene

Kombination von hochwertigem

Kieselsol und Kaliwasserglas. Ohne Biozidzusätze

bietet sie natürlichen Schutz vor Algen

und Pilzen. Zugleich sorgt das Bindemittel

Kaliwasserglas für einen starken UV-Schutz

und damit höchste Farbtonbeständigkeit.

Auch im Innenbereich sind Silikatfarben

im Denkmalschutz insbesondere wegen

ihrer hohen Wasserdampfdurchlässigkeit

gefordert. Die sorgt dafür, dass Wände trocken

bleiben. Darüber hinaus werden Silikatprodukte

dem zunehmenden Wunsch

nach einer emissionsarmen, lösemittel- und

weichmacherfreien Beschichtung im Innenraum

gerecht. Bei den Wänden und Decken

im historischen Lesesaal wurde die Altbeschichtung

zunächst aufwendig entfernt,

dann der Renovierungsanstrich Kalisil 1909

aufgebracht und die Flächen schließlich mit

der Brillux-Silikatfarbe versehen.

Sol-Xtreme mit Sol-Silikat bewirkt, dass das

Beschichtungsmaterial schneller verkieselt

und eine härtere Oberfläche bildet. Das

Ergebnis ist eine Nassabriebbeständigkeit

der Klasse 1. Die beschichteten Wand- und

Deckenflächen überzeugen zudem mit

gleichmäßigen, stumpfmatten Oberflächen,

die die historische Stuck-Kassettendecke

und die Laibungen der Rundbogenfenster

wunderschön zur Geltung bringen.

Während die filigranen Eisengeländer im

historischen Lesesaal im Rahmen der Renovierung

mit Impredur Seidenmattlack 880

lediglich ausgebessert wurden, stand für die

Bücherregale im Bücherspeicher ein komplett

neuer Beschichtungsaufbau auf dem

Programm: Hydro-PU-Spray Filler 2120 sorgte

zunächst für eine haftvermittelnde Grundierung

und die Schlussbeschichtung wurde

im Rahmen des Brillux-Beschichtungssystems

mit Hydro-PU-Spray Seidenmattlack

2188 ausgeführt. Der ebenfalls auf modernster

PU-Bindemittel-Technologie basierende

wasserbasierte Premium-Seidenmattlack

erzielte besonders hochwertige Oberflächen

mit sehr geringer Vergilbungsneigung.

Brillux Farben GmbH

T +43 732 370740-0

info@brillux.at

www.brillux.at


architektur FACHMAGAZIN

106

Produkt News

Einfache thermische Entkopplung

Zwischen dem Naherholungsgebiet Traun-Donau-Auen und der „solarCity“ in

Linz-Pichling errichtet die WPJ Immobilien GmbH eine exklusive Wohnhausanlage mit

83 Wohneinheiten, die im Herbst 2020 bezugsfertig sein wird. Errichtet werden Punkthäuser

und Straßenriegel in Massivbauweise mit Stahlbeton und Ziegel.

Die gesamte Anlage wird im Niedrigenergiestandard

gebaut und deshalb hohes Augenmerk auf die Ausführungsqualität

und Wärmebrückenfreiheit der Konstruktion

gelegt. Neben der Dämmung der Fassaden

mit Vollwärmeschutz beinhaltet das auch wärmebrückenfreie

Anschlüsse im Bereich der auskragenden

Balkone sowie eine wärmetechnische Entkopplung

des Untergeschosses bzw. der Garagenebene des

Wohngebäudes.

Erstmals in Österreich wurde bei diesem Projekt deshalb

auch das jüngste Mitglied der Schöck-Produktfamilie,

der Alphadock, eingesetzt. Analog dem Isokorb

reduziert er die negativen Auswirkungen von Wärmebrücken

– und das an den für die Gesamtenergiebilanz

des Gebäudes wichtigen Stahlbetonwänden.

Somit wird auch die letzte große Wärmebrücke im

konstruktiven Hochbau geschlossen. Dabei wird das

hocheffiziente Dämmelement sowohl im Anschlussbereich

von der Wand an die Bodenplatte als auch

über oder unter den Geschossdecken eingesetzt. Der

Energieabfluss wird dabei um bis zu 90 % reduziert

und die Wandoberflächentemperatur soweit angehoben,

dass Bauschäden durch Kondensat und Schimmelpilz

nahezu ausgeschlossen sind. Die bei der

Entkoppelung von Stahlbetonwänden entstehenden

hohen statischen Kräfte werden dabei durch einen

Druckpuffer aus ultrahochfestem Beton (UHPC) aufgenommen

und abgetragen.

Für die statischen Berechnungen dieses Projektes

zeichnet die Firma Triax ZT GmbH verantwortlich,

auf deren Vorschlag Alphadock eingebaut wurde.

Aufgrund der großen Fensterflächen und Deckenspannweiten

verfügt das Gebäude über viele

hochbelastete Stahlbetonwände. Die durch diese

entstehenden Wärmebrücken werden üblicherweise

mit Verzögerungsdämmung umständlich minimiert.

Durch den Einsatz von Alphadock beim Wandanschluss

auf der darüberliegenden Geschossdecke

konnte in der Tiefgarage auf jegliche Dämmung verzichtet

und eine wirtschaftliche und energetisch bessere

Lösung realisiert werden.

Schöck Bauteile

Ges.m.b.H.

T +43 (0)1 786 5760

office@schoeck.at

www.schoeck.at


www.architektur-online.com

Ausgezeichnete

Nachhaltigkeit

Die Unternehmensgruppe fischer hat die wichtigste

und größte Auszeichnung in Europa im Bereich

Nachhaltigkeit erhalten. Das Unternehmen gewann

den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie

„Großunternehmen“. Firmeninhaber Prof. Klaus

Fischer nahm die Auszeichnung der Stiftung Deutscher

Nachhaltigkeitspreis im November 2019 in

Düsseldorf entgegen.

„Für unser Unternehmen ist diese wichtige Auszeichnung

etwas ganz Besonderes“, sagt Prof. Klaus

Fischer. „Ich gratuliere dazu allen unseren Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern ganz herzlich und widme

ihnen diesen Preis. Denn sie alle haben mit ihrer täglichen

Arbeit einen Beitrag zum Erfolg geleistet.“

Zum 12. Mal zeichnete die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis

Unternehmen aus, die in vorbildlicher

Weise wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Verantwortung

und Schonung der Umwelt verbinden. Begründet

wurde die Entscheidung der Jury mit dem gesamtheitlichen

Ansatz des Unternehmens, das fischer

Nachhaltigkeitsmanagement fest in seiner Strategie

zu verankern. Weitere Anerkennungen erhielt fischer

für verschiedene Aktivitäten: Die Dübel und Mörtel

des fischer greenline Sortiments, die zu mindestens

107

50 Prozent aus biobasierten Rohstoffen bestehen,

wurden als vorbildlich gewürdigt. Auch spart fischer

die CO 2 -Emissionen, die durch die Energiebeschaffung

entstehen, seit 2018 vollständig ein – stattdessen

wird auf Ökostrom aus 100 Prozent erneuerbaren

Energien zurückgegriffen.

fischer Austria GmbH

T +43 (0)2252 53730-0

office@fischer.at

www.fischer.at

Produkt News

WAS WIR DER UMWELT

TÄGLICH AN HEIZÖL

ERSPAREN!

Jedes Jahr helfen unsere Kunden mit unseren Dämmstoffen rund 57 Mio. Liter

Heizöl einzusparen oder anders gesagt: 720 Fässer Heizöl täglich! Damit

tragen sie dazu bei, dass unsere Umwelt ein bisschen „grüner“ wird.


architektur FACHMAGAZIN

Pure Dämmkraft

Im Dezember 2019 eröffnete das neue 4-Sterne-Hotel

ADAPURA in Wagrain seine stilvollen Pforten. „Bei

uns wohnen Sie anders“, verspricht das Hotel und

macht neugierig auf das urban-lässige Konzept inmitten

der Bergwelt des Salzburger Landes. Für die

Umsetzung des Vorzeigeprojekts zeichnet als Generalunternehmen

die Hoamat Bau aus Werfenweng

verantwortlich.

Damit sich die Gäste dort zu jeder Jahreszeit an einem

angenehmen Raumklima erfreuen können, wurde

das Steildach des Hauses mit mehr als 1.000 m 2

des leistungsstarken Polyurethan-Aufdachdämmelements

steinothan® 120 silent von Steinbacher

gedämmt. „Im Sommer bleibt die Hitze draußen, im

Winter bleibt die wohlige Wärme drinnen. Das ganze

Jahr über ein perfektes Wohlfühl-Klima für Gäste

und Mitarbeiter“, erläutert Mag. Roland Hebbel, Geschäftsführer

von Steinbacher.

Das beidseitig mit Reinalu beschichtete steinothan®

120 silent überzeugt aber nicht nur mit höchster

Dämmkraft, sondern auch mit konkurrenzlosen

Schallschutzeigenschaften – daher der Name silent.

Damit ist zusätzlich zum hervorragenden Wohnklima

108

und den nachhaltigen Energie- und Kosteneinsparungen

auch geräuscharmer Wohnkomfort gewährleistet.

Mehr Infos zu finanziellen Zuschüssen von Bund und

Ländern sowie weitere Referenzprojekte auf:

www.steinbacher.at/hotelsanierung

Steinbacher Dämmstoff GmbH

T +43 (0)5352 700-0

office@steinbacher.at

www.steinbacher.at

Produkt News

Für die Zukunft gerüstet

Über 5.000 Unternehmen der Baubranche mit insgesamt

fast 100.000 Anwendern vertrauen seit über 30

Jahren auf AUER Success, die marktführende österreichische

Bausoftware. Da sich die Ansprüche und

Arbeitsweise der Anwender über die Jahre verändert

haben, wurde nun das Nachfolgeprodukt „Success

X“ mit großer Umsicht, viel Begeisterung, jahrelanger

Expertise und bestem Know-How aus dem bauausführenden

Gewerbe entwickelt.

Bestehende Projekte lassen sich mit wenigen Mausklicks

aus der Bestandslösung AUER Success nach

Success X übernehmen. Die Arbeit ist gemäß österreichischen

wie auch deutschen Normen möglich.

Success X eignet sich bestens für absolut jede Projekt-

und Unternehmensgröße und ermöglicht sofortiges

Weiterarbeiten auf modernster technischer

Basis mit einer intuitiven Produktoberfläche. Die neue

Software ist bestens gerüstet für die Zukunft und unterstützt

schon heute modellbasiertes Arbeiten gemäß

BIM. Aber das Beste ist, dass Bestandskunden

von AUER Success das Nachfolgeprodukt Success X

kostenfrei im Rahmen der Wartung zur Verfügung gestellt

bekommen.

Zudem besteht für Wartungskunden die Möglichkeit,

Bestandslösungen von AUER Success über die

nächsten Jahre weiter pflegen zu lassen, um so bestehende

Projekte zu Ende führen zu können und so

einen sanften Übergang auf Success X zu wählen.

Daniel Csillag, Geschäftsführer der NEVARIS Bausoftware GmbH

„Ein Umstieg auf Success X ergibt Sinn, denn mit

dieser zukunftsorientierten Lösung brauchen sich

Nutzer in den nächsten Jahren keine Gedanken mehr

über Ihre Bausoftware zu machen,“ so Daniel Csillag,

Geschäftsführer der NEVARIS Bausoftware GmbH.

NEVARIS Bausoftware GmbH

T +43 662 890 800-0

kontakt@nevaris.com

www.nevaris.com

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109

Produkt News

Jahresrelease 2020

Die neue Version von ABK8 ist fertiggestellt und als Jahresrelease 2020 mit Top-Neuheiten

und tollen Features veröffentlicht! Neben praktischen Neuerungen punktet

diese Version durch eine Vielzahl optimierter Funktionen, um bewährte Prozesse zu

vereinfachen und aktuellen Anforderungen aus der Praxis gerecht zu werden.

ABK-BIM basiert auf der OpenBIM-Methode, um einen

durchgängigen Datenfluss – von der Planung bis

zur Ausschreibung – mittels offener, softwareneutraler

Standards sicherzustellen. Ein Gebäudemodell in

Form einer IFC-Datei, ganz gleich welcher Herkunft,

wird eingelesen und mit wenigen Handgriffen in einen

Kostenplan umgewandelt. Dieser wird nicht nur

im Kostenmanagement (z.B. gemäß ÖNORM B 1801-1)

weiterverwendet, sondern dient auch als Grundlage

für ÖNORM A 2063-konforme Leistungsverzeichnisse.

In ABK8 können ab sofort Ausschreibungs-Leistungsverzeichnisse

mit nur wenigen Klicks auf die

„eVergabe+“ Plattform des Auftragnehmerkataster

Österreich (ANKÖ) hochgeladen und dort veröffentlicht

werden. Des Weiteren verfügt die neue Version

über eine Schnittstelle zu digiplan, einer neuartigen

Software, mit der per Stift, Maus oder Kamera Aufmaße

einfach und zuverlässig aus gedruckten Plänen,

PDFs oder (auch verzerrten!) Fotos ermittelt

werden können. Die damit erfassten Aufmaße werden

in die ABK-Bauabrechnung übergeleitet und dort

weiterverarbeitet.

Das Controlling kann nun in der ABK-Bauabrechnung

nach Auswertungskennzeichen (AKZ) und Leistungszeiträumen

(LZ) vorgenommen werden. Somit

ist es möglich, Mengen- und Preisveränderungen

über den gesamten Abrechnungszeitraum gegenüberzustellen

und nachzuverfolgen.

Die neue Abrechnung mit Zuschlagsätzen gewährleistet

eine getrennte Dokumentation der reinen

Aufmaße und der zugehörigen Zuschläge. Die neue

Preisüberleitung aus Leistungsverzeichnissen in den

ABK-Projektkostenmanager ermöglicht es dem Anwender,

eine möglichst detaillierte und punktgenaue

Kostenermittlung abzubilden und eine Nachvollziehbarkeit

der Daten sicherzustellen.

Die gesamten Neuerungen des Jahresrelease 2020

im Detail sind auf der Website zu finden:

www.abk.at/support/abk8/neuerungen/v81a/

ib-data GmbH

T +43 (0)1 492 5570-0

abkinfo@abk.at

www.abk.at


architektur FACHMAGAZIN

110

edv

Technologietrends 2020:

Wissen, was kommt

Neue Technologien bestimmen zunehmend den Arbeitsalltag. Deshalb

sollte man sich schon heute auf Entwicklungen von morgen einstellen.

Was kommt 2020 und wie sollte man sich vorbereiten?

Text: Marian Behaneck

Wissen, was kommt: Die KI gehört zu den Schlüsseltechnologien der nächsten Jahre.

© Bosch

Programme und Daten werden in der Cloud

genutzt, Bauherren über Messenger-Dienste

kontaktiert oder Firmenfahrzeuge per

GPS lokalisiert. Dass dabei neueste IT-Technik

zum Einsatz kommt, ist den wenigsten

bewusst. Doch das Technologie-Rad dreht

sich weiter und immer schneller. Was gestern

noch utopisch klang, wird schon morgen

von der Realität überholt. Nach der

Digitalisierung, dem Cloud Computing oder

BIM sollen neue Technologietrends wie

Künstliche Intelligenz, Internet der Dinge,

Big Data oder Smart City bald auch den

Bausektor beeinflussen. Was das praktisch

bedeutet, welche Chancen und Möglichkeiten,

aber auch Herausforderungen und Risiken

entstehen, beleuchtet dieser Beitrag.

Digitalisierung,

Industrie 4.0 und Cloud

Marktforschungsunternehmen haben für

2020 mehrere Techniktrends ausgemacht.

An erster Stelle steht die Digitalisierung. Sie

hilft, Medienbrüche und dadurch bedingte

Fehler zu vermeiden, rationalisiert Arbeitsabläufe,

verkürzt Prozesse und beschleunigt

Serviceleistungen gegenüber Bauherren

und Kunden. Ein wichtiger Baustein ist

das Mobile Computing, der Einsatz mobiler

Hard- und Software. Damit lassen sich Vor-

Ort-Daten erfassen, Bürodaten abgleichen

oder Anfragen zeitnah beantworten. Wichtige

Bausteine der vierten industriellen

Revolution (Industrie 4.0, architektur 07/17:

Baustelle 4.0) sind unter anderem eine

durchgängige Digitalisierung der Auftragserfassung,

Fertigung, Bestellung, Montage

und Logistik, die Vernetzung autonomer,

smarter Objekte oder die Nutzung selbst

lernender Systeme, mit dem Ziel, Prozesse

zu flexibilisieren und zu optimieren. In der

Bereitstellung von Hard-, Soft- und Serviceleistungen

per Internet, dem Cloud Computing,

sehen IT-Experten noch viel Potenzial.

Die Cloud ermöglicht die jederzeitige Nutzung

von Programmen und Daten, ohne

entsprechende Kapazitäten lokal vorhalten

zu müssen. Updates/Upgrades sind ebenso

wenig erforderlich, wie ein Datenabgleich

zwischen Mobil- und Bürorechner. Mittelbis

langfristig wird die Cloud den PC als

Aufbewahrungsort für Programme und Daten

ablösen. Sie wird zu einem Bindeglied

zwischen den verschiedenen mobilen und

stationären Rechnern von Anwendern, die

über das Smartphone, Tablet, den Notebook

oder Desktop-PC auf stets aktuelle

Inhalte zugreifen können. Allerdings halten

sich branchenspezifische Softwareanbieter

derzeit noch zurück, was teilweise am

hohen Entwicklungsaufwand, mangelnden

Netzqualitäten oder Sicherheitsbedenken

der Anwender liegt.

IoT, Smart Home und Smart City

Populäre Beispielanwendungen des Internets

der Dinge (Internet of Things, kurz:

IoT) sind die Online-Sendungsverfolgung,

das Werkzeug-Tracking oder das Flottenmanagement.

IoT verknüpft reale Objekte

mit einem digitalen „Zwilling“ im Internet

und ermöglicht damit beispielsweise auch

smarte Räume oder Gebäude (Smart Home,

architektur 03/15: Häuser mit K(n)öpfchen):

Sie können über Sensoren die Umgebung

erfassen, diese Daten verarbeiten, weitergeben

und sich an die Bewohner anpas-


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edv

REVOLUTIONÄRE

BAUSOFTWARE

AUS ÖSTERREICH.

Es gibt X Wege, um an die Spitze

zu gelangen. Mit dem neuen

SUCCESS X gehen Sie auf Nummer

sicher. Setzen Sie auf Nachhaltigkeit.

Auch bei Ihrer Bausoftware.

Gehen Sie den Erfolgsweg

mit uns?

Die automatische Ableitung von Plänen, Visualisierungen, Mengen, Stücklisten, Kosten

oder LVs sind nur einige Beispiele für die zahlreichen Vorteile von BIM. © Graphisoft

sen. Selbstlernende Steuerungssysteme

registrieren ihre Gewohnheiten, ziehen

daraus ihre Schlüsse und richten das Zusammenspiel

der Systemkomponenten

optimal danach aus. Vorteile bietet die

vernetzte Geräte- und Gebäudetechnik

auch für die Gebäudenutzung: Systembauteile

wie Tür- oder Rollladenantriebe

können beispielsweise ihren aktuellen

Status melden, Wartungsintervalle selbstständig

kontrollieren und melden, wenn

Verschleißteile zu erneuern sind. Auch

Geräteeinstellungen und ‐konfigurationen

lassen sich per Fernzugriff vornehmen.

Smarte Gebäude sind ein wichtiger

Teil der Smart City. Sie steht für Konzepte,

mit denen Städte effizienter, technologisch

fortschrittlicher, grüner und

lebenswerter werden sollen. Technisch

betrachtet ist Smart City ein vernetztes

System, bestehend aus einer Vielzahl

von IoT-Objekten. Die gesamte Stadt ist

mit Sensoren versehen, die alle erfassten

Daten in der Cloud verfügbar machen,

was eine permanente Interaktion zwischen

Stadtbewohnern und den sie umgebenden

smarten Objekten ermöglicht.

So genannte „Smart Grids“ verbinden die

Gebäudetechnik auch von benachbarten

Gebäuden und Quartieren, sodass Energieströme

optimiert werden können: Erzeugen

beispielsweise Solarzellen eines

Gebäudes zu viel Strom, so lässt sich

dieser an Batteriespeicher benachbarter

Gebäude weiterleiten, wo z.B. Elektroautos

gerade ihre Akkus aufladen.

Per AR-Brille eingeblendete digitale Informationen

erweitern die Möglichkeiten von Baubegehungen. © Trimble

www.success-x.at


architektur FACHMAGAZIN

112

edv

Voraussetzung für einen zeit-, orts- und plattformunabhängigen Daten-/

Softwarezugriff und eine kooperative Projektarbeit, sind entsprechende

Cloud-Dienste. © Strato

Vernetzte Smarte Objekte und Bauelemente verbessern den Komfort

der Bewohner sowie die Wartung und Instandhaltung. © Somfy

BIM, VR/AR/MR und 3D-Druck

Die modellorientierte Planungsmethode

Building Information Modelling (BIM, architektur

08/14: Building Information Modelling)

reduziert Fehlerquellen und verbessert

Planungs- und Ausführungsqualitäten

– dank automatisierten Kollisionsprüfungen,

Kosten-, Massen/Mengen und Stücklistenberechnungen,

Ausschreibungen und

Dokumentationen etc. werden auch alle für

die Produktion, Lieferung, Montage und

Nutzung relevanten Informationen in das

BIM-Modell sukzessive eingepflegt, lassen

sich entsprechende Prozesse optimieren.

So können etwa Bau- und Montageabläufe

simuliert werden, um Überraschungen

auf der Baustelle vorzubeugen. Was, wann,

wo gerade geliefert oder montiert wird, ist

ebenso ersichtlich wie technische Daten

zu eingebauten Bauteilen, Wartungs- oder

Pflegehinweise. Der Einsatz virtueller oder

erweiterter Realitäten in der Akquisitions-,

Entwurfs- und Planungsphase bietet viele

Möglichkeiten (VR/AR/MR, architektur

06/17). Interaktive Präsentationen mit

VR-Brillen machen Projekte anschaulich,

vermeiden Missverständnisse und Fehler. In

Realbilder eingeblendete digitale Informationen

(Augmented oder Mixed Reality) erweitern

die optische Wahrnehmung, ermöglichen

virtuelle Baubesprechungen oder

ermöglichen dem im Rohbau stehenden

Bauherren eine Vorab-Ansicht ihrer späteren

Bad- oder Kücheneinrichtung. Die digitale

Fertigung ermöglicht eine möglichst

nahtlose Übergabe von (BIM)-Planungsdaten

an CNC-Maschinen, 3D-Drucker oder

Bearbeitungszentren. Das beschleunigt

Prozesse, ermöglicht aber auch eine neue

Formensprache, neuartige Produkte und

Herstellungsmethoden. Prototypen oder

Kleinserien individueller Möbelentwürfe

und anderen Objekten lassen sich ebenso

kostengünstig ausgeben, wie nicht mehr

lieferbare Ersatzteile etc. (architektur

06/18: 3D Druckdienste).

KI und Big Data

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) ermöglicht

smarte Programme, Produkte oder

Dienstleistungen, die aus Abläufen Rückschlüsse

ziehen und das dabei Erlernte kreativ

anwenden können. Damit lassen sich

beispielsweise Funktionsabläufe optimieren,

Ereignisse aus bisher gewonnenen Daten

vorhersagen oder Aufgaben von automatischen

Maschinen und Robotern autonom

erledigen. Praktische Anwendungen sind

automatisierte Prüfungen und Kontrollen

von BIM-Modellen auf Normenkonformität

oder Kollisionen, die Simulation und Planung

des Ressourcenbedarfs oder das Management

von Baustellen. Bei der Bau- und

Montageablaufplanung etwa kann KI unter

Berücksichtigung von Erfahrungen aus vorangegangenen

Projekten, Mängel- und Bautagesberichten

oder Logistikdaten dabei

helfen, Montageprozesse zu optimieren. Als

Datenbasis für KI-Prozesse dient häufig die

Die Interaktion zwischen Stadtbewohnern, smarten Gebäuden und den sie umgebenden

Objekten eröffnet zahlreiche Möglichkeiten der Smart City. © Schüco


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edv

Sammlung, Dokumentation, Verknüpfung

und Auswertung riesiger Datenmengen (Big

Data). Sie eröffnet unter anderem neue Marketingmöglichkeiten.

So lassen sich aus den

Daten Millionen von Kunden Rückschlüsse

auf das künftige Konsumverhalten ziehen

und präziser zugeschnittene, individuelle

Angebote unterbreiten, die aktuelle Kundenbedürfnisse

ansprechen.

Chancen und Risiken

Obigen Technologietrends stehen globale

Entwicklungen gegenüber, wie Klimawandel,

Umweltverschmutzung, endliche Energie-/

Rohstoffressourcen und damit eine wachsende

Notwendigkeit zur Kreislaufwirtschaft

(cradle to cradle). Zu den gesellschaftlichen

Herausforderungen gehören das Bevölkerungswachstum,

die Urbanisierung und

Gentrifizierung, aber auch die Individualisierung,

die unter anderem eine Zunahme von

Single-Haushalten zufolge hat. Für einige

dieser Entwicklungen können oben genannte

Technologietrends durchaus ein Teil der

Lösung sein. Manchmal sind sie aber auch

ein Teil des Problems. So kann Smart Home

beispielsweise Heizkosten senken. Insgesamt

führt ein erhöhter Strombedarf der

Smart-Home-Technik allerdings zu einem

Energie-Mehrverbrauch. Der zunehmende

Einsatz von Technik birgt zudem Risiken –

etwa im Hinblick auf den Datenschutz und

die informationelle Selbstbestimmung oder

die Datensicherheit. Kritiker warnen beispielsweise

vor Datenmissbrauch und dem

blinden Vertrauen in die Ergebnisse von

Datenanalysen im Zusammenhang mit KI

und Big Data. Da immer mehr Geräte digital

vernetzt sind, werden sie zu interessanten

Zielen für Cyberangriffe. IT-Sicherheitsmaßnahmen

werden in den kommenden Jahren

daher immer wichtiger, mehr Aufwand und

mehr Kosten verursachen. Durchsetzen

können sich obige Technologie-Trends allerdings

nur, wenn Hochgeschwindigkeits-Datennetze,

wie die 5G-Mobilfunktechnik

flächendeckend verfügbar ist und entsprechende

Datenmengen ausreichend schnell

übertragen werden können.

Technologietrends im Überblick

Digitalisierung: Die Digitalisierung analoger Prozesse rationalisiert Arbeitsabläufe,

vermeidet Medienbrüche und Fehler, verkürzt Entscheidungsprozesse und beschleunigt

Serviceleistungen.

Industrie 4.0: Die Vernetzung autonomer, smarter Objekte und Systeme und der Einsatz

selbst lernender Systeme flexibilisiert und optimiert Produktions- und Montageabläufe.

Mobile/Cloud Computing: Eine flexible Nutzung von Hardware, Software und Dienstleistungen

(und die meisten hier vorgestellten Technologietrends) setzen mobile,

cloud basierte Lösungen voraus.

Internet der Dinge: Die Verknüpfung realer Objekte mit einem digitalen «Zwilling» im

Internet ermöglicht zahlreiche Möglichkeiten, unter anderem das Tool-Tracking oder

das Fuhrpark-Management.

Smart Home: ... verspricht mehr Komfort, Sicherheit und weniger Betriebskosten.

Smarte Türen, Tore, Fenster und Fassaden eröffnen auch für Tischler/Fensterbauer

neue Geschäftsfelder.

Smart City: … steht für integrierte Konzepte, um Städte technisch, ökologisch und sozial

zu optimieren. Über Smart Grids können sich Gebäude und Quartiere haus- und

energietechnisch abstimmen.

BIM: Die modellorientierte Planung verbessert Planungs- und Ausführungsqualitäten,

reduziert Fehlerquellen und rationalisiert Kostenberechnungen, Ausschreibungen, Dokumentationen

etc.

VR/AR/MR: Interaktive VR-Präsentationen machen Projekte anschaulich. In Realbilder eingeblendete

digitale Informationen ermöglichen beispielsweise virtuelle Baubesprechungen.

Digitale Fertigung: ... ermöglicht eine nahtlose Übergabe von (BIM)-Planungsdaten an

CNC-Maschinen, 3D-Drucker oder BAZ. Das ermöglicht neue Formen, Produkte und

Herstellungsmethoden.

KI: Der Einsatz künstlicher Intelligenz ermöglicht smarte Programme, Produkte oder

Dienstleistungen, die aus Abläufen Rückschlüsse ziehen, lernen und das Erlernte kreativ

anwenden können.

Big Data: Die Sammlung, Dokumentation, Verknüpfung und Auswertung großer Datenmengen

eröffnet neue Akquisitions- und Marketingmöglichkeiten, etwa Prognosen des

Kundenverhaltens etc.

IT-Sicherheit: Da immer mehr Geräte digital vernetzt werden, werden sie zu attraktiven

Angriffszielen. Maßnahmen zur IT-Sicherheit werden in den kommenden Jahren daher

immer wichtiger.

Was haben Bauherren davon?

Über Apps und Messenger-Dienste können Bauherren vom Planer eine ähnlich schnelle

Rückmeldung erhalten, wie sie es von Internet-Diensten gewohnt sind. Für ihren aktuellen

Standort können sie lokale Serviceangebote, wie etwa Energieberater-Dienste

zeit- und ortsunabhängig abrufen (z.B. per GoogleMaps, GooglePlaces etc.). Anhand

von IoT- und Clouddaten lassen sich aktuelle Informationen zum Projekt abrufen. Big

Data und KI ermöglichen Planern präziser auf den individuellen Bedarf ihrer Kunden

einzugehen, Stimmungen oder Trends zu beobachten etc. Smarte Bauelemente steigern

die Sicherheit und den Wohnkomfort. VR-Präsentationen vermitteln Entwürfe

anschaulicher als Pläne und Skizzen, sodass sich Bauherren schneller und bewusster

entscheiden können.

Profitieren Sie vom ABK-Jahresrelease 2020

mit Top-Neuheiten und tollen Features!

Die Lösung für OpenBIM und AVA | www.abk.at


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Buchempfehlungen

Quirino de Giorgio

An Architect‘s Legacy

Quirino De Giorgio (1907–1997) gehört zu

den wenigen italienischen Architekten, in

dessen Karriere sich das gesamte 20. Jahrhundert

niederschlägt: vom Futurismus

über den Faschismus bis zu den mit der

Entwicklung des Stahlbetonbaus einhergehenden

Experimenten. Allzu oft wird De

Giorgio ausschließlich mit seinen frühen,

vom Faschismus geprägten Arbeiten in

Verbindung gebracht. Seine experimentelle

und dynamische Arbeitsweise setzte sich

jedoch bis an sein Lebensende fort und

brachte zahlreiche höchst beachtenswerte

Bauten hervor.

Dieses erste Buch über Quirino De Giorgio,

das außerhalb Italiens erscheint, bietet ein

Panorama aller seiner rund neunzig erhaltenen

Bauwerke durch die Linse des Fotografen

Enrico Rizzato. Die Bilder zeigen die

Spuren der Zeit, die sich in die Bauten eingeschrieben

haben, und nehmen den Leser

mit auf eine Reise quer durch die Facetten

italienischer Architektur. Begleitende Lagepläne,

Grundrisse und Schnitte bieten einen

vertieften Einblick in die räumlichen, baulichen,

urbanen und landschaftlichen Schöpfungen

De Giorgios. Ein einführender Essay

schildert die weitgehend unbekannten Methoden

und den Werdegang dieses höchst

innovativen Architekten.

Von Michel Carlana, Luca Mezzalira,

Curzio Pentimalli.

Fotografien von Enrico Rizzato

1. Auflage, 2019, Text in Englisch

Flexicover, 400 Seiten, 429 farbige und 252

sw Abbildungen und Pläne, 17 x 24 cm

ISBN 978-3-03860-176-0

33,99 Euro

Soviet Design

From Constructivism to Modernism

1920–1980

Sowjetisches Design wird häufig als massiv,

unergonomisch und uniform bewertet.

Ab den 1920er-Jahren und hinter dem Eisernen

Vorhang entwickelten sich jedoch

etliche Stile, die diesem Bild widersprechen

und deren zum Teil schwierige Beziehungen

zum Regime in diesem Buch aufgerollt

werden. Sie reichen vom Konstruktivismus,

Rationalismus und Suprematismus über

den sozialistischen Klassizismus hin zum

sowjetischen Art déco der 1930er-Jahre,

das vor 1946 vom Austausch mit ausländischen

Architekten und Künstlern profitierte.

Nach dem für die Massen produzierten

modernistischen und funktionalen Mobiliar

der 1950er-Jahre kehrten bald Einflüsse

der frühen Avantgarde und des Bauhauses

in das sowjetische Design zurück. Der

Niedergang des Regimes schliesslich führte

zu visionären Arbeiten einer neuen Designergeneration.

Erstmals bietet dieses

Buch, basierend auf Material aus erst seit

Kurzem zugänglichen Archiven und mit

einer Vielzahl an bisher unveröffentlichten

Dokumenten, einen umfassenden Einblick

in die innenarchitektonischen Leistungen

zwischen revolutionärer Avantgarde und

sozialistischem Modernismus.

Von Kristina Krasnyanskaya und

Alexander Semenov

Mit Vorworten von Elizaveta Likhacheva

und Christina Lodder

Gebunden, 448 Seiten, 257 farbige und

171 SW-Abbildungen, Englisch

24.5 x 30 cm

ISBN 978-3-85881-846-1

77,00 Euro

Das Museumsufer Frankfurt

Architekten und Bauten

Es gibt kaum einen Ort, an dem sich der

Architekturdiskurs des späten 20. und frühen

21. Jahrhunderts derart anschaulich

erleben lässt, wie in den Museumsbauten

in Frankfurt am Main. Mit der Publikation

Das Museumsufer Frankfurt legt der Autor

Roland Burgard nun ein Buch vor, das nicht

nur die Architektur der einzelnen Bauten

unter die Lupe nimmt, sondern einen Überblick

über die gesamte Entwicklung des

Frankfurter Museumsquartiers – auf beiden

Seiten des Mains – gibt. Im einleitenden

Kapitel der Publikation ordnet Burgard die

Entstehung des Museumsufers mit viel Hintergrundwissen

und Bildmaterial in die planungspolitischen

Prozesse der Frankfurter

Stadtentwicklung ein. Im Anschluss werden

die einzelnen Museen mit ebenso knappen

Projektbeschreibungen wie zahlreichen Illustrationen

dokumentiert.

Von Roland Burgard

176 Seiten, 168 farbige und

205 SW-Abbildungen

Gebunden, Deutsch

Verlag Birkhäuser, Basel, 2020

ISBN 978-3-0356-1881-5

34,95 Euro

Buchbestellungen möglich unter:

office@laserverlag.at

T +43 (0)1 869 58 29

F +43 (0)1 869 58 29-20

Bestellte Bücher können nicht wieder

retourniert werden. Preisangaben exklusive

Versandspesen.


„HERBERT ELFERS / PLANQUADRAT, DARMSTADT

ARCHICAD WAR EINE

TEAMENTSCHEIDUNG.

ALLE STEHEN DAHINTER.


WIR-

STEIGEN-

UM.AT

Büros wie Planquadrat wechseln zu ARCHICAD. Herbert Elfers,

Mitgründer und Partner: „Wir standen mit zwölf oder dreizehn Leuten

zusammen und sagten: Ja, das ist das richtige Programm für uns.“

Claudia Becker, Partnerin: „Diese gemeinsame Entscheidung

sorgte für eine gute Stimmung. Alle wollten möglichst schnell mit

ARCHICAD arbeiten.“

Mehr über den Umstieg unter wir-steigen-um.at


RAY

Chefsessel.

Für alle.

www.selmer.at

Exklusiver Partner der Brunner Group für Österreich

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