sporting hamburg MÄRZ 2020

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Tim Ole und das

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Staatshaftungsrecht


ein für uns sehr relevantes Thema. Nicht, weil es da

irgendwelche juristischen Probleme mit Tim Ole Naske

gäbe. Sondern weil es immer wieder beeindruckt, mit

…ist

welcher Konsequenz klassische Amateursportler, die sich

in diesem Jahr mit Glück auf das höchste ihrer persönlichen Ziele vorbereiten

dürfen, ihren Sportler-Alltag leben bzw. managen.

Die allein ihre drei(tausend) wöchentlichen Trainingseinheiten,

gepaart mit Physio und Co, unter einen Hut bringen, UND die dann

noch – und auch nicht so mal nebenbei – Jura studieren und eben

solche wilden Klausuren rocken. Ein solcher Vogel ist Tim Ole

Naske. Er träumt von Olympia. Und wenn man diese Workload nur

mengenmäßig betrachtet, ist das schon mal ganz schwere Kost.

Zieht man dann noch die psychische Belastung in Betracht, ist das

wirklich vorübergehen. Denn da ist richtig Druck auf dem Kessel.

Und so selbstbewusst TOle scheint, das kann an nur wenigen

spurlos vorbeigehen. Da ist so ´ne schräge Klausur „ein toller Ausgleich“,

lacht er, wir treffen ihn nämlich direkt danach im Clubhaus.

Eigentlich kommt er gerade aus dem Trainingslager zurück, nach

dem Trainingslager ist in diesen Zeiten vor dem Trainingslager, aber

„zwischen den Einheiten war noch Luft für Jura“, offensichtlich. Die

mitgebrachte schöne Nachricht: Bundestrainer Marcus Schwarzrock

hat entschieden, Tim Ole sitzt aktuell im bundesdeutschen

Doppelvierer für Tokio, das ist offiziell und schon mal super. Danach

hat es nämlich im letzten und auch im vorletzten Jahr nicht ganz

ausgesehen. Er war dann vom Einer in den Doppelzweier umgestiegen,

für obigen Doppelvierer, für den Verband das Boot mit der

deutlich höheren Priorität, war er nicht vorgesehen. Also fuhr er,

mit etwas dickerem Hals, in wechselnden Zweier-Konstellationen

Doppelzweier, 2019 mit dem Frankfurter Stephan Krüger. Sie waren

sogar in der Weltspitze, Weltcup-Dritte in Poznan, auf der EM in

Luzern siegten sie im kleinen Finale – aber für Tokio wäre es eng

geworden. TOle war nicht soooo happy. Offensichtlich kam er aber

im letzten Jahr mental und wie er selber sagt „erstaunlich fit“ aus

der Sommerpause zurück. Er hatte sich an ein

selbst auferlegtes, höheres Trainingsniveau

gewöhnt, und das hat Früchte getragen. An

seinen guten Ergometer-Werten (er wurde

5.) und auch an seiner mentalen Stärke gab

es daher nichts auszusetzen, weswegen in einem winterlichen

Planungsgespräch mit den zuständigen Bundestrainern ein Platz

im Vierer möglich schien. Diesen Platz hat TOLe nun zuletzt im

Trainingslager mehr als eindrucksvoll bestätigt, als dass er im

internen Einer-Vergleich Anfang Dezember in Portugal im Finale vor

allen Kontrahenten lag. Alle Jungs/Männer, im Grunde Freunde, mit

denen er den ganzen Tag gemeinsam trainiert, lebt, isst, Spaß hat,

müssen bei solchen Ausscheidungsrennen immer wieder gegeneinander

antreten. Das ist krasseste Selektion, die man aushalten

muss. Stühlerücken bei den Ruderern geht so. Nach dem Vorlauf

sah es nämlich für TOle auch nicht wirklich gut aus. Er erzählt sehr

offen: „Ich habe dann vor dem Finale mit Stephan (Stephan Frölke,

sein Heimtrainer und Mentor von der RG Hansa, Anmerkung der

Redaktion) telefoniert. Der sagte: Wenn Du zu Olympia willst, musst

Du jetzt alles zeigen, alles ausblenden, Wasser ins Gesicht und dann

das Ding gewinnen.“ Und das hat TOle dann einfach gemacht. Nun

sitzt er im bundesdeutschen Doppelvierer für Tokio, und zwar sogar

auf der von ihm sehr geliebten Schlagposition, zackbumm, und er

strahlt übers ganze Gesicht. „Wir kennen uns alle lange, verstehen

uns gut und sind alle, so wie es aussieht, mit der aktuellen Kombi

sehr zufrieden“, berichtet er von seinen Mannschaftskameraden

Hans Gruhne, Karl Schulze und Max Appel. Er findet, dass man

„mit den richtigen Leuten im Boot selber auch besser rudert“, und

natürlich rudert man auch immer für die anderen mit. Erst mal bis

in den April hinein, bis zum 1. Weltcup, denn STOPP, dann könnte

nämlich NOCH mal gerückt werden. Krass. Wie soll man sich da

auf Staatshaftungsrecht konzentrieren ...

© Foto: Tim Ole Naske

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Auch die Ergometer-Werte sind ein wichtiges Kriterium für die Nominierungen.

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