sporting hamburg MÄRZ 2020

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Stadtsportmagazin

Tandemclub Weiße Speiche

© Fotos: Tandemclub Weiße Speiche Hamburg e.V.

So simpel wie super, oder:

Pilot*innen gesucht.

er sagt: „Das wenige, was ich wahrnehme,

bleibt bei mir sehr gut hängen.“

„Und mir ist das natürlich eine

große Hilfe als Tourenleiterin“, sagt

sie, „er kann sich an so viel erinnern.“

Ansonsten ist es dann so, dass die

Pilot*innen beschreiben, wo sie

langsausen, und hintendran wird

kräftig gestrampelt.

Perfekte Kombi: Der Club verbindet den Spaß am Radfahren mit der Integration von Blinden,

Sehbehinderten und Sehenden. Und wurde dafür mit dem Werner-Otto-Preis 2020 ausgezeichnet.

Sie lacht: „Er kann ja nicht weglaufen.“ Thomas sieht auch den

körperlichen Aspekt. „Ich freue mich immer so doll auf die Ausfahrten,

weil ich mich dann mal bewegen kann.“ Maike: „Ich kam

in diesen Verein, weil ich Rad fahren wollte und das Tandemfahren

hier wirklich Sinn macht“, und besser konnte sie es offensichtlich

gar nicht treffen. Wichtig ist natürlich Vertrauen, aber Thomas sagt:

„Der Pilot, die Pilotin will ja auch heil ankommen.“ Altersmäßig geht

es aktuell so bei Mitte 30 los, bis 75 Jahre alt sind die Mitglieder.

Nachwuchs und neue Mitglieder werden sehr gern gesehen. Auch

an Pilot*innen mangelt es.

Also:

Wer mag, schaut auf der Website:

www.tandemclub.de

Die 45 vereinseigenen Tandems stehen in der

inzwischen vereinseigenen Halle an der Pinnau

in Pinneberg. Dort finden auch in lockeren Abständen

die Schraubertreffs statt. Und im Winter

wird gewandert. We like!

Und bei der Originalität des Vereinsnamens haben die derzeit 116 Mitglieder

sowieso mit Abstand die Nase vorn. Wir reden vom Tandemclub Weiße Speiche.

Die Geschichte dahinter ist ein Knaller und ein weiteres Beispiel dafür, was Sport

so alles stemmt, im Allgemeinen und im Speziellen.

Gegründet wurde

Weiße Speiche 1984

vom Schauspieler

Jasper Voigt. Seine

Idee war es einfach

nur, sehbehinderten

oder komplett blinden

Menschen das Radfahren zu ermöglichen. Und ehrlich gesagt, springt einen dann ja das

Tandem nur so an. Jedenfalls, wenn man mal drüber nachdenken würde. Zum Glück gibt

es solche pfiffigen Kollegen. Wir treffen uns mit Maike Heinrichs-

Dwenger (65) und Thomas Wiechmann (57). Maike ist Thomas’

Pilotin, denn er ist erheblich sehgestört, nimmt nur Umrisse wahr

und kann nicht räumlich sehen. Aktive, selbstständige Teilnahme

am Straßenverkehr, erst recht auf einem Rad: nicht so cool. Und

deswegen gibt es die Weiße Speiche.

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Sie treffen sich in ihrer Saison zwischen März und Oktober alle zwei,

drei Wochen zu regelmäßigen Ausfahrten, sportliche Strecken bis zu

130km oder entspanntere Touren zwischen 40 und 80km. Oder sie

machen eine Literatour, auch schön, radeln gemeinsam und sprechen

dann bei Kaffee und Kuchen über klasse Bücher. Maike ist auch noch

eine der Tourenleiter*innen im Verein: „Wir arbeiten die Touren aus,

Startpunkt ist immer in Reichweite einer HVV-Haltestelle, das ist

für die Teilnehmenden sehr wichtig“, erklärt sie. Und dann geht es

rund, Picknick oder Einkehrschwung inklusive. Vorab radeln Thomas

und Maike, sie sind auch Lebenspartner, die Touren gemeinsam ab.

Sie gibt die Richtung natürlich vor,

für eine grobe, wichtige Orientierung

reicht Thomas’ Sehvermögen,

Die Touren finden bei jedem Wetter statt, Proviant wird mitgebracht.

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