unternehmen Ausgabe71 März 2020

suedwest.presse

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten. Ausgabe 71 - März 2020

unternehmen [!] RESSORT 1

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 71 | März 2020 | 3,00 €

Meisterliche

Perspektive

Das Handwerk ist erfolgreich wie nie. Ohne

Weiterbildung fürs Digitale bleibt das nicht so, sagt

der Ulmer Kammerpräsident Joachim Krimmer.

ZUKUNFT IN PULVERFORM

Die Digitalisierung krempelt die

Logistik um. Statt Gütern werden

Daten transportiert.

Seite 6

GUTE TÜTEN

So will die Verpackungsindustrie

mit umweltschonenden

Produkten nachhaltiger werden.

Seite 30

UMFRAGE

Führungskräfte erzählen über ihre

Kochkünste und Missgeschicke in

der Küche.

Seite 46


2

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LO N G IT U D E . AT TIT U D E .

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unternehmen [!] INHALT 3

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Wirtschaft im Südwesten gibt sich nach einer

konjunkturellen Achterbahnfahrt 2019 wieder

zuversichtlicher. Wie lange diese Einschätzung

Bestand hat, ist offen. Zu sehr überlagern

sich strukturelle Umbrüche in der Autoindustrie,

die sich auf die Zulieferkette und damit aufs gesamte

Land auswirken, mit konjunkturellen Herausforderungen:

Handelsstreit, Brexit-Folgen und

Corona-Virus lassen grüßen. Während in der Industrie

Unternehmen die Stundenkonten ihrer

Mitarbeiter herunterfahren und Kurzarbeit beantragen,

boomt das Handwerk. Wie sich die Betriebe

auf die Digitalisierung einstellen, schildert Joachim

Krimmer, Präsident der Handwerkskammer

Ulm, im Titelinterview (Seite 10). Auch die Logistik

bekommt die Kraft der digitalen Möglichkeiten

zu spüren (Seite 6). Diese Ausgabe steckt

zudem voller Beispiele, wie Firmen den Wandel

gestalten: Von Unternehmen, die die Energiewende

verwirklichen (Seite 20), bis hin zu Firmenporträts

der Fastenklinik Buchinger Wilhelmi

(Seite 24), des Joghurtherstellers Ehrmann (Seite

34) und des Lkw-Bauers Iveco (Seite 42).

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!

Ihr Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter unternehmen [!]

spezial

6 Die Zukunft in Pulverform

Ein Blick ins Logistiklabor der Hochschule

Neu-Ulm

20 So helfen kluge Puffer

Unternehmen aus dem Südwesten

zeigen: Die Energiewende ist technisch

machbar und wirtschaftlich sinnvoll.

30 Gute Tüten

Wie die Verpackungsindustrie

nachhaltige Lösungen liefern will

titelthema

10 Starke Basis, goldene Aussicht

Joachim Krimmer, Präsident der

Handwerkskammer Ulm, im Gespräch

machen

24 Fasten mit Aussicht

Seit 100 Jahren kommt die Methode

von Otto Buchinger zum Einsatz

34 Aus dem Allgäu ins Kühlregal

Die Familienmolkerei Ehrmann stellt

seit 100 Jahren Fruchtjoghurt her

36 Ein Schritt nach vorn

Team viewer startet an der Börse durch

42 Unter Strom

Am Iveco-Standort Ulm laufen bald

E-Lkw vom Band

finanzieren

26 Kontrolliertes Risiko

Experten empfehlen Aktienfonds

anstelle klassischer Anlageformen.

verantworten

38 Blick über den Kirchturm

Karl Heinz Raguse, Organisator des

Unternehmertags, über Erfolg

leben

46 Was Manager in die

Pfanne hauen

Umfrage unter Führungskräften

namen & nachrichten

4 Pleitenschreck im Bau-Boom

18 Bienenstrom aus Nürtingen

44 Hymer expandiert in den USA

50 Impressum

06

20

38

24

24


4

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

Pleiten-Schreck im Bau-Boom

Immobilien Der insolvente Bauträger Realgrund wird abgewickelt. Die Investoren bringen

das 150-Millionen Projekt in eigener Regie zu Ende. Kritik an Nachforderungs-Praxis.

Wohnungsbau Der Immobilienmarkt

boomt. In der Finanzmetropole

Frankfurt werden

utopisch anmutende Preise von

mehr als 20 000 Euro pro Quadratmeter

umbautem Raum bezahlt.

Möglich ist dies, weil immer

mehr ausländische Investoren

auf den deutschen Markt

drängen. Der Grund: hohe

Nachfrage, wenig Leerstand und

sichere Wirtschaftssituation.

Hinzu kommt, dass die Preise

im internationalen Vergleich

moderat sind – mit Ausnahme

von Frankfurt und München.

Dort sehen nicht nur Experten

der Schweizer Bank UBS eine

hohe Blasengefahr. Kleine, wirtschaftsstarke

Großstädte wie

Ulm rückten für professionelle

Investoren daher vermehrt in

den Fokus, sagen Branchenbeobachter.

Umso mehr überraschte die

Insolvenz und Abwicklung der

Ulmer Realgrund AG. Für den

Bauträger mit 43 Mitarbeitern

hatte es als Ganzes keinen Käufer

gegeben. Das Interesse an

den unfertigen Projekten ist riesig.

So wird das größte Projekt,

der 150 Millionen teure Neu-Ulmer

Südstadtbogen, der die Ursache

für die Schieflage ist, von

den bisherigen Investoren in Eigenregie

fertiggestellt. Die Baupreise

für das Projekt, das von

einem großen Stuttgarter Generalunternehmer

realisiert wird,

waren um 25 Prozent gestiegen:

Der von Investoren vorab bezahlte

Kaufpreis reichte nicht

aus, um die Kosten zu decken.

Seitens der Hausbank, der

Volksbank Ulm-Biberach, die

beim Südstadtbogen nicht beteiligt

ist, sagt Vorstandssprecher

Ralph Blankenberg: „Die Insolvenz

von Realgrund wäre vermeidbar

gewesen, wenn mehr

Pragmatik geherrscht hätte.“ Er

hält vor allem die Praxis bei

Nachforderungen von Baukonzernen

für „hochgradig fragwürdig“.

Bei Realgrund handle es

sich um ein lokales „Vorzeige-Unternehmen“.

[!] kö/amb

Blick auf das Areal des Südstadtbogens: Hier entstehen ein 50

Meter hoher Büroturm und 450 Wohnungen. Foto: Volkmar Könneke

Alles neu – von Göppingen bis Augsburg

Industrie- und Handelskammern

Von Göppingen über Ulm

bis Augsburg: Binnen sechs Monaten

hat sich ein Generationswechsel

in den Selbstverwaltungen

der Wirtschaft vollzogen.

Den Anfang machte Gernot Imgart.

Der promovierte Jurist (53)

löste im August 2019 den langjährigen

Geschäftsführer Peter

Saile an der Spitze der Bezirkskammer

Göppingen (rund

13 700 Mitglieder) ab, die zur

IHK-Region Stuttgart gehört.

Seit Jahresbeginn ist Marc

Lucassen Hauptgeschäftsführer

der IHK Schwaben (147 000 Mitglieder).

Der 47-Jährige, der

Chemie und Wirtschaft studiert

und an der TU München pro-

Gernot

Imgart leitet

die Bezirkskammer

Göppingen.

Leitet seit

Januar die

IHK Schwaben:

Marc

Lucassen.

Max-Martin

Deinhard ist

Hauptgeschäftsführer

der IHK Ulm.

23 Jahre

Stratege und

politischer

Kopf der IHK:

Otto Sälzle.

moviert hat, löste Peter

Saalfrank ab, der 19 Jahre im

Amt war.

In Ulm (46 000 Mitgliedsfirmen)

wurde Otto Sälzle Mitte

Januar vor 300 geladenen Gästen

verabschiedet. Der 63-Jährige

hat nach mehr als 23 Jahren

– ebenfalls zu Jahresbeginn –

sein Amt als Hauptgeschäftsführer

an seinen Nachfolger

Max-Martin Deinhard übergeben.

Der 38-jährige Politik- und

Verwaltungswissenschaftler

war zuvor für die IHK Würzburg-Schweinfurt

als stellvertretender

Hauptgeschäftsführer tätig.

Seine Berufslaufbahn startete

er als Flugzeugmechaniker in

Bremen. [!]

swp


unternehmen [!] NAMEN & NACHRICHTEN 5

Nuvisan übernimmt Bayer-Forschungsteam

Pharma Der Neu-Ulmer Pharma-Dienstleister

Nuvisan hat

vom Bayer-Konzern eine komplette

Forschungsabteilung

übernommen. Die dazugehörigen

Mitarbeiter, die Spezialisten

auf dem Gebiet kleinmolekularer

Wirkstoffe sind, wechseln zu

dem Neu-Ulmer Unternehmen,

das damit seine Mitarbeiterzahl

verdoppelt. Details zum Kaufpreis

wurden nicht genannt.

Das Unternehmen mit einem

Jahresumsatz von rund 55 Millionen

Euro bietet Dienstleistungen

für Pharmaunternehmen an.

Diese reichen von klinischen

Studien von Medikamenten im

Rahmen der Zulassung, über Labordienstleistungen

bis hin zur

Auftragsfertigung. Die Forschungsklinik

hatte früher unter

dem Namen LAB firmiert.

Nuvisan betreibt über die Forschungsklinik

in der Wegener

Straße hinaus mehrere Standorte

in Deutschland und Frankreich.

Die strategische Partnerschaft

zwischen Nuvisan und

Bayer bilde die Basis für die

neue Niederlassung in Berlin

und untermauere die langjährige

Kooperation der beiden Unternehmen.

Aus Sicht von Nuvisan-Geschäftsführer

Dietrich

Bruchmann erhalte die Firma

„Zugang zu erstklassigem Fachwissen

und Technologien“ und

bekomme mit dem Campus ein

„operatives Zentrum im Wissenschaftscluster

Berlin.“ Mit

der Übernahme komplettiere

Nuvisan zudem sein Leistungsspektrum

auf dem Gebiet präklinischer

Forschung. Bei der

Forschungseinheit von Bayer in

Berlin handle es sich um ein voll

funktionsfähiges Team. [!] kö

400 Forscher des Pharmakonzerns Bayer in Berlin haben nun einen

Arbeitgeber aus Neu-Ulm.

Foto: Bayer AG

Führung verkleinert

Ebner Media Group Die Familienholding

Verlagsgruppe Ebner

Ulm GmbH & Co. KG verkleinert

im Zuge ihrer Neuordnung

und des Generationswechsels

die Führungsspitze. Marco Parrillo,

der seit zwölf Jahren für

den Verlag tätig ist, übernimmt

die alleinige Geschäftsführung.

Gerrit Klein, der seit 2008 das

Unternehmen geführt hat,

scheidet ebenso aus wie Günter

Götz, der 40 Jahre für den Verlag

tätig war. Die Ebner Media

Group ist eine 100-prozentige

Beteiligung der Verlagsgruppe

Ebner. Sie gibt zahlreiche Fachzeitschriften

heraus, organisiert

Messen sowie Kongresse und

gilt in der Branche als Vorreiter

für digitale Geschäftsmodelle.

300 Mitarbeiter erwirtschafteten

2019 einen Umsatz von mehr

als 50 Millionen Euro. [!] amb

Kritik der Kakteen

IHK Region Stuttgart. Die Erhöhung

der Mitgliedsbeiträge

der Industrie- und Handelskammer

Region Stuttgart hat die

Kakteengruppe auf den Plan gerufen.

Die kammerkritische

Gruppe bemängelt die Erhöhung

und verlangt, den Weinberg

hinter dem IHK-Gebäude

in der Landeshauptstadt zu verkaufen.

Das lehnt die Kammer

ab. Die Umlage für das laufende

Jahr steigt um 0,05 Prozentpunkte

auf 0,21 Prozent des Gewerbeertrags.

In den vergangenen

beiden Jahren hatte der Hebesatz

der Stuttgarter Kammer

bei jeweils 0,16 Prozent gelegen,

zudem gab es für die Mitglieder

Rückerstattungen in Millionenhöhe.

Mit der Erhöhung liegt die

Umlage wieder auf dem Niveau

von 2005 bis 2013. Die Kammer

in Stuttgart erhöht als einzige in

Baden-Württemberg im laufenden

Jahr den Hebesatz. [!] jkl

Nicht ganz wie

geschmiert

Liqui Moly Der Ulmer Schmierstoffhersteller

Liqui Moly hat

2019 den Umsatz um 4 Prozent

auf den Rekordwert von 569

Millionen Euro gesteigert. Allerdings

hatte es vor einem Jahr

massive Probleme bei der Einführung

einer neuen Software

zur Steuerung

von Einkauf,

Produktion

und Verkauf

gegeben,

räumte Geschäftsführer

Ernst Prost,

Geschäftsführer

von Liqui

Moly.

Ernst Prost

ein. In der Folge

gab es lange

Wartezeiten

für Kunden.

„Wären

wir börsennotiert, müsste ich

eine Gewinnminderungswarnung

herausgeben“, sagt er.

Doch das Unternehmen ist seit

dem Jahr 2018 eine 100-prozentige

Tochtergesellschaft der

Würth-Gruppe (Künzelsau).

Die Zahl der Mitarbeiter stieg

von 849 auf 933. [!] kö

Jobabbau in

Immenstaad?

Rüstungssparte Der geplante

Stellenabbau beim Flugzeugbauer

Airbus löst beim Betriebsrat

Proteste aus. „Das Unternehmen

darf nicht auf Kosten der

Mitarbeiter saniert werden“,

sagt Thomas Pretzl, Gesamtbetriebsratschef

der Airbus Defence

and Space GmbH. Den zu

geringen Auftragseingang habe

das Management zu verantworten.

Von den 2400 Stellen, die in

der Sparte Defence & Space gestrichen

werden, entfallen 830

auf Deutschland. Damit sind

nicht nur Arbeitsplätze in Ottobrunn

und Manching, sondern

auch in Ulm (330) und Immenstaad

(2300 Mitarbeiter) bedroht.

Welcher Standort in welchem

Ausmaß betroffen sei, lasse

sich noch nicht sagen, heißt

es bei Airbus. Ende vergangenen

Jahres war bekannt geworden,

dass Airbus ein Sparpaket

für die Sparte plant. Hintergrund

ist ein deutlicher Ertragseinbruch.

Daher seien jetzt robuste

Maßnahmen nötig, sagte

Spartenchef Dirk Hoke.[!]amb


6

SPEZIAL unternehmen [!]

Was kommt denn

da angerollt?

Bodendrohnen wie

diese werden im

öffentlichen Raum

eingesetzt und

werden künftig zum

Beispiel Waren

zustellen.

Zukunft kommt

in Pulverform

Logistik Die Digitalisierung krempelt die Branche

um. Touren werden in Echtzeit optimiert. Statt

Gütern werden vermehrt Daten transportiert. Ein

Blick ins Logistiklabor der Hochschule Neu-Ulm.

Aus dem Augenwinkel betrachtet

sieht der kleine

Kasten aus wie ein Kühlschrank.

Bei genauerer Betrachtung

entdeckt man hinter der

Glastüre jedoch keine Getränke,

sondern einen Druckkopf, der

gleichmäßig seine Bahnen zieht. Hin

und zurück. Hin und zurück. Das

gute Stück ist ein 3D-Drucker und

befindet sich im Logistiklabor der

Hochschule Neu-Ulm und damit an

einem Ort, an dem man sich dem

Begriff Logistik 4.0 prima annähern

kann.

Mit dem Begriff kann sich der

Leiter des Labors, Prof. Dr.-Ing. Oliver

Kunze, jedoch nicht anfreunden.

„Für mich ist das vor allem ein Marketingbegriff,

der relativ schlecht

definiert und daher schwer zu fassen

ist“, erklärt der Professor für das

Forschungs- und Lehrgebiet Betriebswirtschaftslehre

mit Schwerpunkt

Logistik & Ressourcenrisikomanagement

seine Abneigung. Aber

dass sich die Logistikbranche durch

neue Technologien wie beispielsweise

auch den 3D-Druck grundlegend

verändern wird, davon ist er

überzeugt.

Smarte

Bodendrohnen

und 3-Drucker werden

die Logistik von

morgen prägen.

Oliver Kunze

Professor, Hochschule Neu-Ulm

3D-Druck, auch additive Fertigung

genannt, spielt eine immense Rolle

beim digitalen Wandel in der Industrie

– insbesondere bei logistischen

Prozessen. „3D-Drucker gehören

ebenso wie intelligent gesteuerte

Bodendrohnen oder

Augmented-Reality-Brillen zu den

Innovationen der vergangenen Jahre,

die die Logistik von morgen prägen

werden“, betont Kunze. Seiner

Einschätzung nach haben 3D-Drucker

das disruptive Potential, den

physischen Transport von Gütern

durch den Transport von Daten zu

ersetzen. Damit ändern sich nicht

nur jahrzehntelang eingeübte Abläufe,

sondern auch die Spielregeln der

Branche.

Denn Unternehmen, die Ersatzteile

benötigen, müssen diese zukünftig

nicht mehr in anderen Ländern

produzieren lassen, sondern

können dies selbst vor Ort tun. „Der

Verwendungsort fällt mit dem Produktionsort

zusammen.“ Die

3D-Druck-Technologie macht am

meisten Sinn, wenn beide Orte weit

voneinander entfernt liegen. Ganz

weit sogar. So surren zum Beispiel

3D-Drucker bereits auf der Internationalen

Raumstation ISS. Auch auf

Öl-Plattformen werden Ersatzteile

für Bohrgeräte oftmals schon in Eigenregie

hergestellt – auf hoher See.

Doch der Neu-Ulmer Professor

schränkt ein: „Auch wenn man damit

in Zukunft vermeiden kann, dass

große Gütermengen über weite Entfernungen

transportiert werden

müssen, wird dies in den kommenden

Jahren noch nicht überall im

großen Stil der Fall sein. Doch bei

kleinen Losgrößen ist die additive

Herstellung von Teilen mit 3D-Druck

oft preislich schon günstiger als zum

Beispiel der Spritzguss.“

Daten- statt Gütertransport

Klar ist: der Anfang ist gemacht.

Doch wie groß fällt der ökologische

Fußabdruck dieser Technologie aus?

Auch dies erforscht Kunze mit seinem

Team im Logistiklabor, in dem

sich eine Vielzahl von 3D-Druckern

unterschiedlicher Technologien aneinanderreihen,

die unterschiedliche

Materialien entstehen lassen

können. Scheibchen für Scheibchen.

„Am Anfang steht immer ein digitales

Modell, welches durch CAD-Konstruktion

und immer öfter unterstützt

durch 3D-Scans erstellt werden

kann.“ Erforscht wird an der Wileystraße

auch, wie man durch

3D-Druck Lagerkapazitäten oder

aber auch Material, darunter plastische

und elastische Kunststoffe, Keramik

oder auch Metalle, und damit

Ressourcen einsparen kann.

Auch für Andrea Marongiu spielt

der 3D-Druck eine große Rolle bei

der fortschreitenden Digitalisierung

der Logistikbranche bis hin zu Logistik

4.0: „Es gibt Firmen, die experimentieren

bereits damit. Der Vorteil:

Teile, die nicht so oft gebraucht

werden, müssen auch nicht auf Lager

gehalten werden, sondern werden

dann gedruckt, wenn sie benötigt

werden“, sagt der Geschäftsführer

des Verbandes Spedition und Logistik

(VSL), Baden-Württemberg


unternehmen [!] SPEZIAL 7

e.V.. Auch für ihnist der Terminus

Logistik 4.0 nicht klar einzugrenzen:

„Unter diesem Begriff

werden sehr viele Dinge

subsumiert. Fragen Sie zehn

Wissenschaftler danach, erhalten

sie zehn verschiedene Nuancen

in der Definition. Aber ich

bin optimistisch, dass in den

kommenden Jahren viele Prozesse

viel schneller umgesetzt

werden, wie es sich so mancher

Big-Data-Skeptiker wünscht.“

Menschen ohne Musterdenken

Behälter, die ihren Füllstand

selbst erfassen und Stapler, die

Transportaufträge eigenständig

entgegennehmen und autonom

erledigen. Ist das schon Logistik

4.0?

In naher

Zukunft

werden Paletten

miteinander

kommunizieren.

Andrea Marongiu

Verband Spedition und Logistik

„Viele denken, wenn man

nicht mehr mit einem Klemmbrett,

sondern mit einem Tablet

durchs Lager läuft, dann ist das

bereits Logistik 4.0. Das ist es

jedoch nicht“, sagt Marongiu:

„Bereits in naher Zukunft werden

einzelne Gegenstände wie

Paletten oder Lagersysteme miteinander

kommunizieren, ohne

dass der Mensch eingreift. Doch

wenn Bestellvorgänge an Logis-

Fabian Frommer, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Logistiklabor, zeigt einen 3D-Drucker im Einsatz,

was er aus Pulver formen kann, und wie man ihn reinigt.

Fotos: Lars Schwerdtfeger


8

SPEZIAL unternehmen [!]

Neue Lösungen für die „letzte Meile“

ILLUSTRATION: MAX MESCHKOWSKI

Wenn nicht fliegend, dann könnte

das Paket die „letzte Meile“

künftig per S-Bahn zurücklegen.

Die Hochschule

Neu-Ulm hat gemeinsam

mit der TU

München im Rahmen

des Projekts City

Crowd Logistics

(CCL) eine Idee untersucht,

wie Transportdienstleistungen

für die „letzte Meile“

im städtischen Umfeld

umgesetzt werden

können. Dabei

arbeiten viele Individuen

wie Pendler

und auch Unternehmen

übergreifend

zusammen, um urbane

Transporte kooperativ

durchzuführen.

Zum Beispiel mit

S-Bahn, Zug, auf dem

E-Scooter oder Fahrrad:

„Bei der Co-Nutzung

der bestehenden

Pendlerströme

im öffentlichen Verkehr

können Transporte

von Kleinsendungen

auf Teilstrecken

sogar CO 2

-neutral

erfolgen“, sagt

Prof. Dr. Oliver Kunze.

Ähnlich wie im Internet

die Router stellen

Mitnahme- und Abgabestationen

in diesem

„physischen Internet“

einen flexiblen

Transport auf

immer neuen Wegen

sicher.

tikbetriebe zukünftig von Produktionsmaschinen

selbst ausgelöst werden,

ist auch das noch nicht Logistik

4.0. Davon kann man erst sprechen,

wenn die Bestellung wiederum

einen weiteren automatisierten Prozess

auslöst“, erläutert Marongiu.

Die Branche

wird mit

riesigen Strömen

an Echtzeitdaten

arbeiten müssen.

Andrea Marongiu

Verband Spedition und Logistik

Stetige Touren-Optimierung

Das Thema ist für den Geschäftsführer

des baden-württembergischen

Logistikverbandes eng mit künstlicher

Intelligenz (KI) verbunden:

„Wir werden in der Logistik in Zukunft

riesige Datenmengen haben, in

denen der Mensch – im Gegensatz

zu einem Quantencomputer – keine

Muster mehr erkennen kann.“ Die

Transportbranche wird nach seinen

Worten mit riesigen Strömen von

Echtzeitdaten arbeiten müssen. Mit

ihnen kann man quasi an jeder Kreuzung

neue Informationen über die

Speditionsfahrt erhalten und so die

Touren stetig optimieren, auch für

die Zukunft.

Auch im Lager kann KI nach seinen

Worten in Sekundenbruchteilen

auf Fehlteile reagieren und Prozesse

unverzüglich umsteuern. „All diese

Daten sind nötig, um immer exaktere

Prognosen treffen zu können,

die die Logistikprozesse zukünftig

noch effizienter machen werden.“

Und welche Rolle wird der

Mensch spielen? Für Marongiu besteht

die Angst der Menschen, durch

Roboter und Maschinen ersetzt zu

werden, seit der industriellen Revolution:

„Die Furcht ist jedoch unbegründet.

Wir kennen heute viele

Jobs noch gar nicht, die es in Zukunft

geben wird. Die Gefahr ist, dass wir

falsch ausbilden und Wissen vermitteln,

mit dem wir später gar nichts

mehr anfangen können.“

Auch Hochschulprofessor Oliver

Kunze ist überzeugt: Die Position

des Menschen in der Logistik wird

sich wandeln, doch die Automatisierung

ist mit hohen Kosten verbunden.

„Der Mensch wird immer der

Entscheider, der Problemlöser sein

und auch als Konzeptentwickler eine

Rolle spielen“, sagt der Neu-Ulmer

Wissenschaftler, der sich vorstellen

kann, dass die Logistik der Zukunft

auch neue Geschäftsfelder entwickeln

wird: zum Beispiel spezielle

3D-Services für Firmen.[!] Stefan

Loeffler

Zur Person

Andrea Marongiu

ist seit 2007 Geschäftsführer

des

Verbandes Spedition

und Logistik Baden-

Württemberg, dem

sich 460 Speditions-,

Transport- und

Logistikunternehmen

angeschlossen

haben. Der Betriebswirt

(FH) hat an der

Fachhochschule

Heilbronn Verkehrsbetriebswirtschaft

studiert.


unternehmen [!]

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RESSORT 9

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Joachim Krimmer,

Präsident der Handwerkskammer

Ulm,

führt einen Sanitärbetrieb

in Leutkirch.


unternehmen [!] TITELTHEMA 11

Starke Basis,

goldene Aussichten

Handwerkskammer Ulm Den Betrieben geht es so gut wie lange nicht. Doch der Boom

birgt auch Schattenseiten. Ein Gespräch mit Präsident Joachim Krimmer über Wartezeiten,

akademische Titel und was die Digitalisierung für die Firmen bedeutet.

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem „Bachelor Professional“.

Wie fühlt man sich, wenn man mit Ü60 einen akademischen

Abschluss in der Tasche hat – ganz ohne

Examen?

(lacht): Da können Sie mal sehen! Ich freue mich natürlich

darüber, vor allem weil das unseren Meistern

hilft, ihre Qualifikation auch im Ausland deutlich zu

machen.

Der Meisterabschluss ist doch bereits lange dem Bachelorabschluss

gleichgestellt.

Weil aber nur in Deutschland, Österreich und Luxemburg

duale Ausbildungen bekannt sind, kann

etwa ein Amerikaner herzlich wenig mit dem Titel

Handwerksmeister anfangen. Durch

die zusätzliche Bezeichnung „Bachelor

Professional“ wird der Bildungsgrad

international vergleichbar.

Warum ist das so wichtig?

Denken Sie einmal 15 Jahre zurück.

Da schnitt Deutschland in den Bildungsrankings

der Organisation für wirtschaftliche

Entwicklung (OECD) nicht besonders gut ab. Die

gebetsmühlenartig vorgetragene Kritik lautete: Hierzulande

gäbe es zu wenig Akademiker.

Was waren die Folgen fürs Handwerk?

Das hat dazu geführt, dass die Politik das Studieren

stark beworben hat. Die Folge ist, dass aktuell jeder

zweite Schulabgänger einen Studienabschluss anstrebt.

Geichzeitig blieben im Handwerk viele Ausbildungsplätze

unbesetzt. Das hat den Fachkräftebedarf

in unseren Gewerken erhöht.

Die neuen

Bezeichnungen

erleichtern das

Arbeiten im

Ausland.

Man hört Ihre Verärgerung heraus.

Das war auch höchst ärgerlich, dass die OECD jahrelang

ignoriert hat, dass hierzulande der Weg in den

Beruf nicht nur über ein Studium, sondern auch die

dualen Berufsausbildung führt. Diese ist das Rückgrat

der Fachkräftesicherung und damit einer der

großen Erfolgsfaktoren unserer Wirtschaft. Obendrein

eröffnet sie auch jungen Menschen die Chance,

sich beruflich zu entwickeln. Dass wir in Deutschland

eine im Vergleich mit anderen Ländern so geringe

Jugendarbeitslosigkeit haben, hat auch viel mit

dem dualen Ausbildungssystem zu tun. Das wird häufig

vergessen.

Die OECD hat ihren Fehler jetzt aber korrigiert.

So schön der Schritt ist, so überfällig war er.

Wie bedeutsam ist es da noch, dass der Bundesrat berufliche

Bildungsabschlüsse international verständlich

gemacht hat?

Ich verspreche mir viel davon. Zum einen, weil es

die Berufsabschlüsse im Handwerk aufwertet. Gesellen,

Facharbeiter, Meister zählen zu den kompetentesten

der Welt und sind mindestens

so gut qualifiziert wie Akademiker

in vielen anderen Ländern.

Zum anderen bin ich überzeugt,

dass die Gleichwertigkeit der Abschlüsse

langfristig auf das Bild des

Handwerks in der Gesellschaft ausstrahlt

und die Ausbildung wieder

attraktiver macht.

Was bringt es den jungen Handwerkern konkret im Alltag?

Viele junge Menschen haben den Wunsch, nach ihrer

Meisterprüfung für einige Zeit im Ausland zu arbeiten.

Die zusätzlichen Bezeichnungen erleichtern

das, weil Arbeitgeber überall auf der Welt, den Bildungsstand

der Ausgelernten so einschätzen können.

Wobei Europa ein spezielles System hat.

Hier wird die berufliche Qualifikation in acht Stufen

gemessen. Eine dreijährige duale Berufsausbildung

wird dem Niveau 4 zugeordnet. Ein Abschluss als

Meister oder Bachelor entspricht dem Niveau 6. Danach

folgen noch der akademische Masterabschluss

(Niveau 7) und die Promotion (Niveau 8).

Über mangelnde Attraktivität der Handwerksberufe

können Sie sich doch aber nicht beschweren…

Das stimmt! Im Handwerkskammerbezirk Ulm sind

die Ausbildungszahlen im 6. Jahr in Folge gestiegen.

Darauf sind wir stolz, aber wir tun auch viel dafür.

Zur Person

Morgens um 5 Uhr

startet Joachim Krimmer

in den Tag, von 6

Uhr an sitzt der gebürtige

Allgäuer am

Schreibtisch seines

Sanitär-, Heizungsund

Lüftungsbetriebs

in Leutkirch. Diesen

leitet der gelernte

Zentralheizungs- und

Lüftungsbauer seit

1984. Damals hatte er

das heute 107 Jahre

alte Unternehmen von

seinem Vater übernommen.

Nachmittags

ist der 63-Jährige (verheiratet,

drei Kinder)

oft für die Handwerkskammer

Ulm unterwegs,

an deren Spitze

er seit September

2014 steht. Zuvor war

er unter anderem

Kreishandwerksmeister

in Ravensburg

(2011 bis 2014) und

Obermeister der

SHK-Innung (2002 bis

2014). Für Hobbys

bleibt ihm wenig Zeit:

Dazu gehören Skifahren

und im Sommer

baden gehen.


12

TITELTHEMA unternehmen [!]

Ein Beispiel für

Digitalisierung

im Handwerk ist

die App „Hilti on

Track“.

Und was?

Zunächst einmal schaffen wir mit vielen meisterpflichtigen

Betrieben gute Strukturen. Denn diese

Betriebe bilden vermehrt aus. Gleichzeitig kümmern

wir uns als Kammer sehr um den Nachwuchs. Aktuell

bestehen 600 Bildungspartnerschaften zwischen

lokalen Unternehmen und Schulen. Es gibt

zudem 100 Ausbildungsbotschafter – Lehrlinge, die

Gleichaltrigen in der Schule ihren Beruf vorstellen

und ihnen die Berührungsängste nehmen. Wir bieten

Berufsberatungen an und wenden uns verstärkt

an Realschulen und Gymnasien, mit großem Erfolg:

15 Prozent der Auszubildenden haben Abitur. Weitere

15 Prozent bildet die Gruppe der Geflüchteten,

die durch Deutschkurse und das Arbeiten einen Weg

zur Integration finden.

Welche Rolle spielt ihr Konzept für berufliche Bildung,

mit dem sie am Innovationswettbewerb „des Bildungsministeriums

teilnehmen?

Wir müssen uns auch im Handwerk auf den technologischen

Fortschritt und die Digitalisierung einstellen.

Daher brauchen wir entsprechende Qualifikationsmaßnahmen

für Gesellen und über den

Meisterbrief hinaus. Bereits jetzt bieten wir an unserem

Berufsbildungszentrum in Ulm entsprechende

Weiterbildungen an. Mit höheren Qualifikationen

steigt die Qualität der Arbeit. Davon profitieren

letztlich die Kunden. Zudem sehen junge Menschen,

dass sie im Handwerksberuf wirklich etwas

erreichen können und aufsteigen können. Deshalb

setzen wir uns als Kammer so stark für solche Weiterbildungen

ein.

Können Sie das im Detail an einem Beispiel erklären?

Ein Beispiel aus dem Elektrotechnikerhandwerk:

Diese nutzen gerade auch

Produkte aus der Energieund

Informationstechnik.

Über eine Solarthermie-Anlage

wird die

Energie der Sonne genutzt

und in Wärme umgewandelt.

Über eine Photovoltaikanlage

wird Strom gewonnen,

mit dem dann beispielsweise

energieautark in einem Haus

ein ganzes Smart-Home-System bedient

wird. Es sind also alle digitalen

Geräte in den Wohnräumen vernetzt

und aufeinander abgestimmt, ob Sonnenrollo,

Eingangstür, Kaffeemaschine,

Soundsystem oder Lampen. Das kann

für den Einzelnen nicht nur mehr Lebensqualität

sein – das ist ein Mehr an Sicherheit,

an Effizienz und spart Kosten. Mit unserem

Konzept der „Innovativen Exzellenzqualifikation“

soll also erreicht werden, dass aktuelle und

zukünftige Technologien direkt in die Ausbildung

einfließen. So rüsten wir unsere Fachkräfte für morgen.

Wie sehr verändert die Digitalisierung den Alltag der

Betriebe intern?


Digitale Lösungen wie

Building Information

Modeling machen das

Handwerk besser, sagt

Joachim Krimmer.

Das ist sehr vielseitig, je nach Beruf: Das fängt bei

der Zimmerei an, die mit einer Drohne das Dach

ausmisst, so dass kein Mitarbeiter mehr auf Dächer

steigen muss. Und es geht bis hin zu Apps auf mobilen

Endgeräten. Ein gutes Beispiel ist „Hilti on

Track“.

Was bringt die Anwendung den Betrieben?

Das ist eine App, mit der diese alle Geräte verwalten

und sofort sehen können, wo diese sich aktuell

befinden, wann sie wieder gewartet werden müssen

und vieles mehr. Zusätzlich kann ich als Betrieb auch

die Sicherheits- und Baustelleneinweisung meiner

Monteure über die Anwendung steuern und habe

direkt die Bestätigung, dass diese durchgeführt worden

sind, weil es die Mitarbeiter am Smartphone

oder Tablet bestätigen.

Wie gut sind die Betriebe auf BIM vorbereitet?

Building Information Modeling (BIM) ist ein riesengroßer

Schritt, um die Abläufe und die Zusammenarbeit

am Bau zu verbessern. Projekte werden

in einem virtuellen Modell bis ins Detail vorausgeplant:

Architekten, Statiker und Handwerker arbeiten

zeitgleich am gleichen Projekt in einer Cloud,

an einem digitalen Zwilling. So ist sofort ersichtlich,

wo die einzelnen Gewerke kollidieren. Bauherren

können mit einer VR/AR-Brille durchs Gebäude laufen

und sehen, wie es fertig aussehen wird. Aktuell

befindet sich alles noch im Aufbau, doch es gibt bereits

Unternehmen, die mit BIM arbeiten. Insgesamt

werden Digitalisierung und BIM Bauprojekte schneller

und fehlerfreier und dadurch das Handwerk auch

besser machen. Da gibt es eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten.

Kraftort

USM steht für zeitloses Design, zurückhaltend aber ausdrucksstark. Die Einfachheit

lässt gestalterische Freiheit, die Reduktion schafft Raum für echte Klasse.

www.fey-ulm.de


14

TITELTHEMA unternehmen [!]

Jochim Krimmer ist

zuversichtlich, dass sich

beim Thema 5G auf dem

Land in den nächsten vier

Jahren viel tut.

Wie zum Beispiel?

Als Schreiner können Sie mit Kunden direkt am

iPad ein Möbelstück kreieren. Sie wissen sofort wie

das Endprodukt aussieht, wie viel es kosten wird

und wie hoch der Materialeinsatz ist. Die Daten

werden an eine vollautomatische CNC-Maschine

übertragen, die das Möbelstück direkt herstellt. So

verkürzen sich Wartezeiten für Kunden.

Sind Sie mit dem eigenen Sanitär-Betrieb schon auf

BIM-Baustellen aktiv?

Wir sind noch nicht ganz so weit. Letztlich sind die

Architekten die Taktgeber dieser Entwicklung, sie

sind und müssen die Vorreiter sein. Unsere Aufgabe

als Handwerkskammer ist es, unsere Mitglieder

so weiterzubilden, dass diese sofort miteinsteigen

können, sobald sich BIM bei den Architekten

durchsetzt. Denn wer als Handwerker dann

nicht bereit ist, ist im wahrsten Sinne weg vom

Fenster.

Wie stark ist der Druck, weil Kunden aus Industrie

und der Öffentlichen Hand auf digitale Schnittstellen

setzen?

Aus meiner Sicht ist das kein Druck,

sondern viel mehr eine Hilfe.

Wir müssen keine Papierberge

mehr ausfüllen wie früher.

Die digitale Ausschreibung

ist sowohl für den

Handwerker als auch für

diejenigen, die auswerten

müssen einfacher und

schneller. Die Digitalisierung

ist keine Revolution,

sondern eine

Evolution und nötig.

Handwerker sind es gewöhnt,

dass sich ihre Berufsbilder

verändern –

mal schneller, mal langsamer.

Gibt es ein Beispiel aus

Ihrem Betrieb?

Das Leistungsverzeichnis,

kurz LV, wird uns digital

per Email zugeschickt.

Dann können wir

es in unser Computerprogramm

übernehmen, ausfüllen

und unterschrieben

zurückschicken. Bestenfalls

erfolgt selbst die Unterschrift

digital. Bei uns wird aktuell

noch ausgedruckt, händisch

unterschrieben und wieder eingescannt.

Dann geht’s per E-Mail

zurück an die ausschreibende Stelle.

Das digitale Format erleichtert

auch die Absprache mit den Lieferanten

und Dienstleistern, die uns auf

dieser Basis blitzschnell Preise und

Umfänge zuschicken können.

Ist eine rasche Digitalisierung der Handwerksbetriebe

möglich? Mitunter mutet das Gebiet zwischen Ostalb

und Bodensee wie ein einzig großes Funkloch an.

Das stimmt und hier muss sich einiges ändern. Eine

flächendeckende 5G-Internetversorgung ist die

Grundvoraussetzung dafür, dass die Digitalisierung

gelingen kann. Unsere Kunden wohnen schließlich

nicht nur in Ballungsräumen, sondern auch auf dem

Land. Ich sehe hier die Politik in der Pflicht und bin

immer wieder mit verschiedenen Akteuren im Gespräch.

Daher bin ich auch zuversichtlich. Ich schätze

in drei bis vier Jahren sind wir bei diesem Thema

sehr viel weiter – das müssen wir auch.

Wie sehr trifft die Handwerksbetriebe die schwache

Industriekonjunktur?

Nach unserer aktuellen Umfrage sind rund 80 Prozent

der Betriebe sehr gut ausgelastet. 2019 war also

ein sehr gutes Jahr für das Handwerk. Durch die

gute Auftragslage und die begrenzte Anzahl an

Fachkräften haben wir auch Wartezeiten. Das ist

weder für den Kunden schön noch für den Betrieb.

Natürlich könnte es weniger Aufträge geben, wenn

die Industrie schwächelt. Das heißt aber nicht, dass

die Handwerker nichts mehr zu tun haben. Der

Fachkräftebedarf spitzt sich im Gegenteil in den

kommenden Jahren weiter zu. Nach und nach gehen

starke Jahrgänge in Rente und es kommen nur

ein Drittel so viele Nachwuchskräfte nach.

Wo erwarten Sie im Handwerk aufgrund des Megatrends

Klimaschutz die größten Umbrüche?


unternehmen [!] TITELTHEMA 15

Das Klimapaket ist eine gute Sache, bringt uns Handwerksbetrieben

sehr viel Arbeit und ist eine Konjunkturspritze,

wie wir sie seit Jahren fordern. Plötzlich

geht alles sehr schnell. Wenn Sie die vielen Häuser

anschauen, die sanierungsbedürftig sind, kann

man schon sagen: Das Handwerk hat einen goldenen

Boden und eine vielversprechende Zukunft.

Was halten Sie von der CO 2

-Steuer?

Das ist das gute Recht des Staates, sie zu erheben.

Allerdings muss mit der CO2-Besteuerung unbedingt

eine Reduzierung der EEG-Umlagen einhergehen.

Viele Industriebetriebe sind hier befreit –

das sind mitunter unsere direkten Konkurrenten.

Handwerker sind in aller Regel nicht befreit, weil

die Personalkosten nicht im entsprechenden Verhältnis

zum Energieverbrauch stehen. So entsteht

ein Ungleichgewicht. Ebenso wichtig ist es, für weniger

Bürokratie zu sorgen. Denn die ist das große

Hemmnis in unserer Entwicklung.

Handwerker

sind es

gewöhnt, dass sich

ihre Berufsbilder

verändern.

Wie bürokratisch stellt sich der Staat beim Klimaschutz

an?

Nehmen Sie den Heizungsbau: Bauherren bekommen

bis zu 45 Prozent Zuschuss, wenn sie eine Öl-Heizung

durch eine moderne Wärmepumpe oder ähnliches

austauschen. Allerdings ist die Beantragung so kompliziert,

dass man dafür einen 200 Euro teuren Dienst

in Anspruch nehmen muss. Die Bürokratie ist immens.

Deshalb schrecken viele Leute davor zurück. Anderes

Beispiel, selbe Botschaft: Wenn ich als Betrieb bei

20 Stunden Arbeitszeit für eine PV-Anlage, zehn Stunden

brauche um Anträge auszufüllen, dann läuft etwas

falsch. Es gibt bereits gute Vorschläge, um das

Verfahren zu vereinfachen. Jetzt muss die Politik diese

aber auch umsetzen.

Wie schaffen es die Betriebe ihre Mitarbeiter für die Zukunftsaufgaben

zu qualifizieren?

In der Hochkonjunktur ist es natürlich schwierig, weil

alle Mitarbeiter gebraucht werden, um das Auftragsvolumen

abzuarbeiten. Wir versuchen, unsere Mitglieder

dennoch zu sensibilisieren: Ohne Weiterbildung

keine Zukunft. Die Entwicklung schreitet voran

und wartet nicht, bis alle Aufträge erfüllt sind.

Die Bürokratie

rund um den

Austausch einer

Ölheizung ist

immens.


16

TITELTHEMA unternehmen [!]

Dienstleister für fast 20 000 Betriebe in sieben Land- und Stadtkreisen

Zwei der 28 Mitarbeiter von Joachim Krimmer bei der Arbeit. Die Wurzeln des Leutkircher Betriebs reichen ins Jahr 1913 zurück.

Einen großen Teil seiner Arbeitszeit verbringt Krimmer für die Handwerkskammer Ulm.

Die Handwerkskammer Ulm ist eine von

der acht regionalen Kammern in Baden-

Württemberg. Sie ist Dienstleister und Ansprechpartner

für 19 500 Handwerksbetriebe

mit mehr als 120 000 Beschäftigten und

rund 8000 Auszubildenden. Ihr Zuständigkeitsgebiet

reich von der Ostalb über Ulm

bis hin zum Bodensee. Ihre Mitgliedsbetriebe

erwirtschafteten zuletzt einen Jahresumsatz

von mehr als 15 Milliarden Euro. Zu den

Aufgabenschwerpunkten gehören neben

Ausbildung, Prüfungswesen und Führen der

Handwerksrolle auch berufliche Bildungsangebote,

Nachwuchswerbung, vielfältige Beratungsleistungen

für Betriebsinhaber wie

u.a. Personalberatung und Angebote für

Existenzgründer oder rund um die Unternehmensnachfolge.

Joachim Krimmer steht seit 2014 an der

Spitze der Handwerkskammer. Er führt mit

seinem Sohn Christoph in Leutkirch einen

Heizungs,-Sanitär- und Lüftungsbetrieb mit

28 Mitarbeitern, der 1913 gegründet wurde.

Erkennen die Betriebe diese Gefahr?

Sie werden förmlich zur Weiterbildung gezwungen.

Fortlaufend entstehen neue Produkte und Regelungen.

Wenn der Kunde Innovationen möchte, muss sich

der Betrieb so oder so damit auseinandersetzen. Bestenfalls

natürlich, indem er rechtzeitig Weiterbildungsangebote

in Anspruch genommen hat. Die

„Blaue-Flecken“-Taktik, bei der man einfach mal drauf

los schafft, funktioniert in den meisten Fällen nicht.

Die Angebote der Innungen, Kreishandwerkerschaften

und auch an unseren Bildungsakademien werden

aber nachgefragt.

Alle sprechen von E-Mobilität,

aber Handwerkstransporter

mit E-Antrieb haben Exotenstatus.

Woran liegt das?

Ein Handwerkstransporter

muss in allererster Linie

alltagstauglich sein. Der

Umkreis, in dem sich die

meisten Kollegen bewegen ist etwa 60 Kilometer

groß. In diesem muss ich mich –

auch im Winter bei Minusgraden – uneingeschränkt

bewegen können und meine

Baustellen erreichen. Das ist mit einem reinen

Elektrofahrzeug aktuell nicht gewährleistet.

Anders sieht es bei Hybriden aus. Allerdings

müssen auch diese für unsere Betriebe

bezahlbarer werden.

Ein kompletter,

sofortiger

Austausch der

Transporter wäre

nicht finanzierbar.

Haben die Betriebe keine Angst mehr vor Fahrverboten

in Innenstädten?

Fahrverbote in den Städten wären für Handwerker,

Kunden und Betriebe eine Katastrophe. Das haben

wir auch dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten

Winfried Kretschmann wiedergespiegelt.

Er hat uns geantwortet, dass es für Handwerker

auch wenn Fahrverbote kommen sollten Ausnahmen

geben würde. Das Thema hat an Brisanz

abgenommen, auch weil es sich so in die Länge zieht.

Nach und nach werden die alten Fahrzeuge sowieso

ausgetauscht. Handwerksbetriebe

fahren ihre Transporter etwa

acht bis zehn Jahre. Müssten sie tatsächlich

ihren Fuhrpark auf einmal

zu einem Tag X austauschen , wäre

das für viele nicht finanzierbar.

Als Nachzügler unter den Bundesländern

bezahlt nun auch die Landesregierung

eine Meisterprämie. Wie bewerten

Sie das?

Tatsächlich war das letzte Jahr fürs Handwerk sehr

erfolgreich – nicht nur wirtschaftlich, auch politisch.

Die Meisterpflicht wurde für zwölf Berufe wieder

eingeführt. Dafür haben wir seit Jahren gekämpft,

eigentlich seit der Abschaffung selbiger. Und endlich

zahlt auch das Land Baden-Württemberg die

Meisterprämie. Das war ein hartes Stück Arbeit.

Aber es hat sich gelohnt. Es hat sich gezeigt, was


wir erreichen können, wenn wir zusammenstehen

und mit einer Stimme sprechen. Die Prämie ist ein

weiterer Schritt in Richtung Gleichwertigkeit der

Bildungsabschlüsse. Wir brauchen Fachkräfte, also

müssen wir ihnen endlich einen finanziellen Anreiz

bieten. Dieser längst überfällige Schritt hilft unseren

Meisterschülern, deren Kosten für die Prüfungen

zu decken.

Aber von der Gleichbehandlung von der Ausbildung im

Handwerk und Studiengängen sind wir noch meilenweit

entfernt…

Das stimmt, da fehlt noch einiges. Studenten zahlen

keine Studiengebühren, das Meisterstudium wird

bislang nicht vom Staat unterstützt. Bei Hochschulstudierenden

wird während der Erstausbildung das

Kindergeld fortgezahlt, bei Meisterstudenten nicht.

Für Studierende gelten ermäßigte Beitragssätze für

Sozialversicherungen und sie bekommen Zuschüsse

für Wohnungen und Ermäßigungen in Alltagseinrichtungen

wie Schwimmbädern, Kinos und Museen.

All das muss auch für Meisterstudierende gelten.

Es gibt sicher noch mehr Punkte, wir arbeiten

Schritt für Schritt daran, dass Gleichberechtigung

nicht nur eine Worthülse bleibt.

Welche Frage würden Sie sich wünschen, dass man Sie

Ihnen stellt?

Was am Handwerk so schön ist.

Und was ist so schön daran?

Jeder Mitarbeiter kann frei bestimmt und kreativ arbeiten.

Natürlich gibt es Aufträge, die erfüllt werden

müssen. Aber die Herangehensweise liegt in

der Hand eines jeden Handwerkers selbst. Für mich

ist das das Allerschönste am Handwerk. Sie sehen

nach ihrer Arbeit ihr Werk und auch die Freude des

Kunden. Das ist sehr erfüllend und sinnstiftend.

Das Interview führte

Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter

Unternehmen [!]

Dokumentation:

Ronja Gysin

Fotos:

Marc Hörger

Ohne Farbe

kein Glanz.

Peter Wolf (*1953), Schwabe

Druckerei · Agentur · Digital

89155 Erbach · F 07305.9302.0 · leroux.de


18

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

Leitlinien für

gute Führung

Unternehmen Eine Expertenkommission

der Zeppelin Universität

Friedrichshafen hat einen

Musterkodex entwickelt,

der Kommunen, Bundesländer

und Bund unterstützen soll. Der

Public Corporate Governance

Kodex stellt Grundsätze zur

Steuerung, Leitung und Aufsicht

von und in öffentlichen Unternehmen

zusammen. So bietet

die 38-seitige Leitlinie unter anderem

Handlungsempfehlungen

mit Blick auf die Transparenz

von Vergütungen für Geschäftsführer

und Aufsichtsräte, zur

Repräsentation von Frauen in

Gremien oder zur Vermeidung

von Interessenskonflikten. Mehr

Informationen unter www.

pcg-musterkodex.de.

Data-Science im

Mittelpunkt

Wissenschaft Data Science,

das Extrahieren von Wissen aus

vorhandenen Daten, wird vor

dem Hintergrund von Big Data

und Machine Learning immer

wichtiger. Deshalb fand an der

THU in Ulm der erste Data-Science-Tag

statt. Rund 80 Teilnehmer

aus Hochschule und Industrie

teilten ihre Erfahrungen –

darunter Vertreter von Daimler

TSS, Boehringer Ingelheim und

Bosch. In zwei Workshops wurden

gängige Data-Science-Werkzeuge

vorgestellt, um Fragestellungen

zu Bilderkennung, Klassifikation

oder Zeitreihenanalyse

zu lösen.

Vorbereitet auf

den Ernstfall

Fortbildung Kritische Ereignisse

können angehende Hebammen

und Pflegekräfte im neuen

Simulationslabor der DHBW

Heidenheim im Kloster Wiblingen

erleben. Das Labor wurde

zusammen mit dem Universitätsklinikum

Ulm entwickelt

und finanziert. Neben medizintechnischem

Equipment stehen

Simulationspuppen bereit, an

denen Hebammen und Pflegekräfte

den Geburtsvorgang oder

Ökostrom soll den Lebensraum von Bienen und anderen Insekten sichern.

Bienenstrom aus Nürtingen

Die Nürtinger Stadtwerke bieten seit dem Jahr 2018

das Produkt Bienenstrom. Mit jeder verkauften Kilowattstunde

der aus Wasserkraft gewonnenen Energie

fließt ein Cent in den Aufbau und die Pflege von

Blühflächen. Bienenstrom ist also der Ökostrom, der

Lebensräume für Pflanzen und Insekten schafft: Auf

diese Weise soll das Insektensterben abgemildert

werden. Studierende der HfWU haben nun eine

das Behandeln von Schmerzpatienten

trainiert können. Um die

Übungen möglichst realistisch

zu gestalten, setzt die DHBW

auch Schauspieler ein. Per Videoanalyse

kann dann das eigene

Verhalten reflektiert werden.

Plastik aus dem

Wasser filtern

Gesundheit Mikroplastik – also

Kunststoffteilchen mit einer

Größe von weniger als fünf Millimetern

– ist mittlerweile häufig

im Leitungswasser zu finden.

Da sich die Mini-Plastikteilchen

potenziell negativ auf Gesundheit

und Umwelt auswirken,

wollen Studierende der DHBW

Heidenheim etwas dagegen unternehmen.

Zusammen mit dem

Filterhersteller BWF Envirotec

entwickelt die Projektgruppe

„Aquapoly“ der Hochschule

eine Technik, bei welcher die

Mikroplastik-Partikel bereits bei

der Trinkwasser-Entnahme entfernt

werden sollen. Funktionieren

soll das durch Nassfiltration.

Fairer Handel

im Fokus

Foto: irin-k/Shutterstock.com

Marktforschungsstudie für die Stadtwerke durchgeführt.

Das Ergebnis: Es besteht großes Potenzial für

mehr Nachhaltigkeit in Nürtingen. Knapp die Hälfte

der Befragten kennt den Bienenstrom, obwohl bislang

nur zehn Prozent Konsumenten der nachhaltigen

Energie sind. Die Mehrheit der Teilnehmer würde

den Bezug des nachhaltigen Angebots in Erwägung

ziehen.

Nachhaltigkeit Kekse, Kaffee

oder Leckereien vom Süßigkeiten-Automaten:

Die Technische

Hochschule Ulm setzt auf fair gehandelte

Produkte, wo immer es

geht. Das wurde jetzt vom Verein

TransFair ausgezeichnet. „Nachhaltigkeit

und soziale Verantwortung

gehen allerdings weit über

Produkte wie Kaffee oder Tee

hinaus“, erklärt Ursula Klaschka

von der THU, „Nachhaltigkeit ist

auf vielen Ebenen der Hochschule

verankert.“ So gibt es dort etwa

Lötworkshops, in denen sich Studierende

eine faire Computermaus

zusammenbauen können.

Mit Big Data aufs

Treppchen

Auszeichnung Beim Messe-Impuls-Preis

an der DHBW Ravensburg

hat Absolventin Sofia

Zindler mit ihrer Bachelorarbeit

den ersten Platz geholt. Die Arbeit

der 24-Jährigen befasst sich

mit dem Thema Big Data. Würden

viele Daten gesammelt,

könnten Kunden besser verstanden

und Produkte gezielter platziert

werden. In Kooperation

mit ihrem Partnerunternehmen,

der Hamburg Messe und Congress

GmbH, hat Zindler das Potenzial

von Personentracking,

Frequenzmessung und Objektverfolgung

untersucht. [!] gys


unternehmen [!] RESSORT 19

Entdecken Sie

Raum für neue

Perspektiven.

ZEISS Forum

Auf rund 2.000 Quadratmetern bietet das ZEISS Forum in Oberkochen

auf insgesamt drei Ebenen inklusive Cafébar und dem ZEISS Museum der Optik

die ideale Plattform für Business-Veranstaltungen und Konferenzen.

Die 17 flexibel buchbaren Räumlichkeiten, ausgestattet mit modernster

Tagungs- und Veranstaltungstechnik, bieten bis zu 800 Personen Platz.

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20

SPEZIAL unternehmen [!]

So helfen

kluge Puffer

Strom Die Energiewende ist wirtschaftlich

und technisch machbar. Praxisbeispiele aus

dem Südwesten zeigen, welche Vorteile

Unternehmen aus Speicherlösungen ziehen.

Es ist ein furchtbar technokratischer

Begriff,

doch für das Gelingen

der Energiewende ein

wichtiger Baustein: die Sektorenkopplung.

Sie verzahnt

Strom- und Wärmeerzeugung

miteinander und liefert einen

ganzheitlichen Versorgungsansatz

für Wohnen, Arbeiten und

Mobilität. Durch Anlagen, die

sowohl Strom als auch Wärme

erzeugen können, einerseits,

und Speicher andrerseits, wird

die Energieversorgung flexibel.

Vor allem hilft die Sektorenkopplung,

dass erneuerbare

Energie rund um die Uhr an 365

Tagen verfügbar

ist.

So investiert

die PTS-Prüftechnik

GmbH

im Rahmen ihrer

Ökostrategie

rund

300 000 Euro

in einen 500

Kilowatt-Speicher

für ihren

Wenn die

Produktion

ruht, halten wir

den Strombezug

aufrecht.

Neubau in Remshalden. Ihren

Strombedarf deckt der Dienstleister

für die Fahrzeugindustrie

zu 100 Prozent aus regenerativen

Quellen. Eine Photovoltaik-Anlage

samt Speicher gehört

ebenso zu dem Konzept

wie das Recyceln von Prozesswärme

und vieles mehr. Zudem

erfüllt der Neubau den für Industriebauten

ambitionierten

KfW 55-Effizienz-Standard. Die

Anlage, die von ADS-Tec aus

Nürtingen geplant worden ist,

einem Spezialisten für Batterietechnologie,

reduziert die

CO 2

-Emission jährlich um 1400

Tonnen. Mit Speicherlösungen

Ralf Tesch

Firmenchef Nutreon Engineering

kappen die Unternehmen ihre

Bedarfsspitzen, heißt es bei

ADS-Tec. Das entlastet die

Stromnetze.

Doch es gibt auch Speichersysteme

ganz anderer Art:

250 000 Euro spart eine Käserei

allein dadurch pro Jahr, dass sie

ihren Kältespeicher mit 100 000

Litern Fassungsvermögen permanent

dazu nutzt, ihren Strombezug

stabil zu halten. „Wenn

die Produktion ruht, halten wir

den Strombezug aufrecht und

kühlen damit den Eisspeicher,“

sagt Ralf Tesch. Läuft die Produktion

unter Volllast, wird

Energie aus dem Speicher zugeführt,

um den

Netzbezug stabil

zu halten.“

Der Lebensmittelingenieur

hat sich

2010 mit der

Nutreon Engineering

GmbH

in Mainz

selbstständig

gemacht. Deren

Geschäftsmodell: Die Produktionskosten

bei der Herstellung

von Lebensmitteln senken.

Zu den Kunden gehören vor allem

stromintensive Brauereien,

Molkereien, Bäckereien und besagte

Käserei.

Für die Unternehmen rechnet

sich ein möglichst gleichmäßiger

Strombezug. Denn die

Stromkosten der Käserei setzen

sich aus dem Leistungspreis,

also den Lastspitzen, und dem

Arbeitspreis, also der Menge der

benötigten Kilowattstunden

(kWh), zusammen. „Der Netzbetreiber

bonifiziert unser Verfahren,

die Lastkurve zu glätten

Kluge Speicherlösungen sind ein wichtiger Faktor für

das Gelingen der Energiewende.


unternehmen [!] SPEZIAL 21

und damit die Netzinfrastruktur

nicht zu stressen, mit einem um

ein Drittel günstigeren Netzentgelt“,

erläutert Tesch.

Die Energie-Zukunft in Firmen: Mit solchen Leitständen lassen sich Strombezug und Speicher steuern.

Nach dem

Unglück in

Fukushima hat

der Bund Anreize

gegeben.

Friedrich Riempp

Unternehmer

Entlastung der Netze

Eine andere Möglichkeit, die

Stromrechnungen zu senken, ist

die atypische Netznutzung. Das

heißt: In Zeiten, in denen das

Netz normalerweise unter Volllast

steht, gehen Teschs Kunden

vom Netz. Ist der Versorger

kaum gefragt, bevorraten sich

die Lebensmittelerzeuger mit

Strom. Im Beispiel der Käserei,

deren Namen er aus Wettbewerbsgründen

nicht nennt, berechnen

die Algorithmen aus einem

Dutzend Parametern wie

akuter Strombedarf, Bedarfsprognose

und Wetterlage, ob die

Kälteanlage Energie aufnimmt,

abgibt oder sich aus dem Herstellungsprozess

ausklinkt.

Diese Form Künstlicher Intelligenz

setzt Nutreon in immer

neuen Variationen in Produktionsbetrieben

ein oder erweitert

bestehende Systeme. Um etwa

Strom nicht mehr zum Festpreis

zu kaufen, sondern dann, wenn

ein bestimmtes Limit unterschritten

ist. „Meist müssen wir

nur die Software installieren.

Alle relevanten Daten, um die

Algorithmen zu füttern, sind in

der Regel bei den auditierten

Herstellern bereits vorhanden“,

sagt Tesch. Mehr als ein Dutzend

Produzenten arbeiteten

bereits mit seiner Software.

Dabei erzielt jede Fabrik ihre

Energie flexibilität anders. Liegt

im Fall der Käserei allein im Kältespeicher

die Lösung, sind es

bei einer der größten Molkereien

Europas mehr als 60 Aggregate

vom Rührwerk über die

Kühlung, das BHKW bis zum

Notstromaggregat, die digital

vernetzt ineinandergreifen und

wechselseitig die Energiekosten

senken. Bei Nutreon entwickeln

knapp 20 Lebensmittelingenieure

und Softwareentwickler solche

Lösungen.

Einen ähnlich Ansatz hat

auch die Firma Riempp (Oberboihingen/Landkreis

Esslingen)

gewählt, die 250 Mitarbeiter beschäftigt.

Riempp übernimmt

für rund 100 Mittelständer in

der Region Stuttgart Wartung

und Instandsetzung von Maschinen.

Vor fünf Jahren entwickelte

das Unternehmen unter

dem Namen Emsyst 4.0 ein

Energiemanagementsystem.

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22

SPEZIAL unternehmen [!]

Die Säulen des Projektes Kopernikus

Sonntags prüft

die Software das

Druckluftsystem

im Ruhemodus auf

Leckagen.

ADS-Tec bietet Batteriespeicherlösungen samt Ladesäulen fürs Niederspannungsnetz an.

Um die Energiesysteme fit

für die Energiewende zu machen,

hat das Bundesforschungsministerium

im Jahr

2016 das „Projekt Kopernikus“

gestartet. Das beruht auf vier

Säulen: Netzstruktur (ENSU-

RE); die flexible Nutzung erneuerbarer

Energien (P2X),

um die es in diesem Beitrag

„Im Zusammenhang mit dem

Atomausstieg nach dem Reaktorunglück

in Fukushima hat der Bund

Anreize gesetzt, Energieverschwendung

zu vermeiden,“ sagt Inhaber

Friedrich Riempp. Heute ist seine

Software in Shopping Malls, Autohäusern,

Bürocentern und Fabriken

installiert und spart oft ohne Komfortverlust

bis zu 40 Prozent an

Energie ein.

Ein typisches Beispiel ist die Firma

Krämer in Metzingen. Der Spezialist

für Laufstege an Maschinen,

Leitern und Handläufen, hat 2014 begonnen,

seinen 40-Mann-Betrieb

energieautark zu machen. Einstieg

für Inhaber Stefan Krämer war

geht; Industrieprozesse (Syn-

Ergie) und ein übergreifendes

Energiewende-Navigationssystem

(ENavi). 250 Institute

aus Forschung und Wirtschaft

sowie gesellschaftlich relevante

Akteure wie Germanwatch

oder BUND sind in das Projekt

eingebunden, um alle wirtschaftlichen,

technologischen,

Zur Person

Friedrich Riempp

hat sich mit seinen

250 Mitarbeitern auf

elektrotechnischen

Industrieservice spezialisiert.

Er betreut

von seinen Standorten

Oberboihingen,

Tübingen und Denkendorf

100 Firmen.

sozialen und politischen Aspekte

zu verbinden. Kopernikus

ist auf neun Jahre angelegt,

mit 400 Millionen Euro

Budget ausgestattet und umfasst

die je dreijährigen Phasen

Konzepte (abgeschlossen),

Prototypen (läuft aktuell)

und Lösungen. www.kopernikus-projekte.de

Stefan Krämer

Unternehmer

Riempps Softwarelösung. „Emsyst

öffnet seither im Sommer automatisch

nachts die Dachfenster, um die

Halle zu kühlen,“ beschreibt Krämer

eine simple Funktion. Bei Regen

schließt das Sensor-gestützte Softwaresystem

die Luken.

In der digitalen Lösung ist auch

hinterlegt, welche Beleuchtungsstärke

in der Halle nötig ist. „Das

Programm schaltet abhängig vom

Tageslicht entsprechend LED-Lichter

ein. Dasselbe gilt für die Abschaltung

des Druckluftkompressors.

„Sonntags prüft die Software das

Druckluftsystem im Ruhemodus 15

Minuten lang auf Leckagen“, sagt

Krämer. Seit 2015 deckt eine PV-Anlage

mit einer installierten Leistung

von 74 kWp auf dem Hallendach die

Hälfte des verbliebenen Strombedarfs.

Dank eines 2017 hinzu gekommenen

47 kW-Speichers, auch von

ADS-Tec, der die Energie der Abendstunden

und vom Wochenende aufnimmt,

stieg der Autarkiegrad weiter.

„Emsyst“, so Keämer, „koordiniert

diese Prozesse und hat die

Lastspitze von 64 auf 54 kW gesenkt“.

In Summe sank der Gesamtstromverbrauch

binnen fünf Jahren

um 30 Prozent, der Zukauf von

Strom um 60 Prozent. Und dank Batteriespeicher

reduzieren die Metzinger

ihre Einspeisung ins Netz um

ein Viertel.

„Die Energiewende käme schneller,

wenn Netze und Energie dynamisch

bepreist wären,“ sagt Riempp.

Mit intelligenten Stromnetzen könnten

Verbraucher ihren Bedarf anpassen:

Scheint die Sonne und weht der

Wind, so dass viel Strom produziert

wird und die Preise günstig sind,

würden Geräte bevorzugt laufen

und Energie in Speichern bevorratet

werden. Lastkurven, so Riempp,

glichen dann stabilen Linien.

Noch decken Kohle- und Gaskraftwerke

die Strom-Spitzenlasten

ab, doch künftig werden das verstärkt

Speichersysteme tun, sagen

Experten. Das sind etwa thermische

Speicher, die auf unterschiedlichen

Temperaturniveaus basieren. Oder

Pumpspeicher, die mit unterschiedlichen

Höhenniveaus arbeiten, bei

denen überschüssige Energie Wasser

nach oben pumpt oder Gewichte

nach oben hievt.

Verfahrenstechnisch komplexer

ist Power-to-Gas. Hier wird Strom

in Wasserstoff oder Methan umgewandelt.

Beides kann lange in großen

Mengen gespeichert und direkt

genutzt oder wieder in Strom verwandelt

werden. Jeder Betrieb, so

Riempp, müsse für sich entscheiden,

welche Variante den größen Nutzen

bringe [!]

Leonhard Fromm


unternehmen [!] RESSORT 23


24

MACHEN unternehmen [!]

Von fast jedem Platz in der Klinik hat

man einen Blick über den Bodensee.

Sanftes Training und verschiedene Kurse gehören zum Fasten.

Fasten

mit Aussicht

Buchinger Wilhelmi Vor 100 Jahren

entwickelte Otto Buchinger seine

Fastenmethode. Inzwischen hat sein

Urenkel die Klinik übernommen – ihn

beschäftigt auch der Verzicht auf Digitales.

Durch die großen Fenster

der Lobby kann man

den Bodensee schimmern

sehen. Wäre das

Wetter klarer, würde der Blick

bis weit in die Alpen reichen.

Hier, in der Fastenklinik Buchinger

Wilhelmi in Überlingen, bezahlen

die Besucher viel Geld

dafür, dass sie sehr wenig zu essen

bekommen. Im Frühjahr des

vergangenen Jahres hat Raimund

Wilhelmi, der

die Klinik in dritter Generation

geführt hat, die

Geschäfte an seinen Sohn

Leonard übergeben.

Entwickelt wurde die Methode

des Fastens nach Buchinger

vor etwa 100 Jahren von

Otto Buchinger. Um sein

Rheuma zu behandeln unterzog

sich der Arzt einer dreiwöchigen

Fastenkur – erfolgreich.

Wenig später behandelte er seinen

ersten Patienten mit der

neuen Methode und gründete in

Witzenhausen an der Werra ein

erstes Kurheim.

Die Fastenkur nach Buchinger

beginnt mit einem Entlastungstag,

an dem man nur wenige

Kalorien zu sich nimmt.

Auch wenn es

gerade Trend

ist, will ich das

Fasten, wie wir es

machen, erhalten.

Leonard Wilhelmi

Urenkel von Otto Buchinger

Mit Glaubersalz wird das Verdauungssystem

entleert, danach

gibt es für den Rest der Kur nur

noch Saft, Brühe und Tee – ein

Teelöffel Honig am Tag ist erlaubt.

Am Ende stehen die Aufbautage,

an denen die Kalorienmenge

wieder erhöht wird.

Die Wirkung des Fastens ist

unter Medizinern durchaus umstritten

– vor allem, wenn es um

das langfristige Abnehmen geht.

Das ist laut Wilhelmi aber gar

nicht unbedingt das Ziel: „Viele

unserer Patienten kommen lediglich

mit dem Ziel um abzunehmen,

stellen dann aber fest,

dass es ganz andere Effekte mit

sich bringt.“ 3000 Gäste besuchen

die Klinik jedes Jahr. Viele

von ihnen würden merken,

dass sie danach das ganze Jahr

über mehr Energie hätten.

Damit die Effekte des Fasten-Aufenthaltes

nicht sofort

wieder verpuffen, gibt es viele

Kurse und Tipps, wie man seinen

Lebensstil grundsätzlich

verändern kann – rund 350

Mitarbeiter, darunter Ärzte,

Therapeuten und

Köche, begleiten die

Patienten.

1953 gründete Buchinger mit

seiner Tochter Maria und ihrem

Ehemann Helmut Wilhelmi die

Klinik in Überlingen am Bodensee.

„Meine Großeltern nutzten

die Dynamik der Nachkriegsjahre“,

zollt der heutige Chef Leonard

Wilhelmi seinen Vorfahren

Respekt. Die dritte Generation,

also seine Eltern Raimund Wilhelmi

und Françoise Wilhelmi

de Toledo, habe dann vor allem

die Qualität des Hauses vorangetrieben:

spezialisierte Ärzte

eingestellt, das Kursangebot erweitert

und die Methode wissenschaftlich

begleitet und untermauert.

Studie mit 1422 Probanden

Leonard Wilhelmi, der jetzt ein

knappes Jahr die Geschäftsführung

der Überlinger Klinik innehat,

will vor allem das Erbe

seiner Vorfahren bewahren.

„Auch wenn Fasten gerade im

Trend liegt, will ich das Fasten,

wie wir es machen, erhalten“,

erklärt der 32-Jährige. Natürlich

wolle er das Erbe auch sinnvoll

weiterentwickeln. In welche

Richtung das gehen könnte, da

will er sich noch nicht festlegen.


unternehmen [!] MACHEN 25

Nach den Umsätzen seines Familienunternehmens

gefragt,

hüllt sich Leonard Wilhelmi zunächst

in Schweigen, bestätigt

dann aber eine Zahl, die in der

Presse kursiert. Demnach liegt

der Gruppenumsatz bei 45 Millionen

Euro. Das Stammhaus am

Bodensee und die Niederlassung

auf Marbella, die von Wilhelmis

Bruder geführt wird, tragen dazu

etwa gleich viel bei.

Um die Wirksamkeit ihres Angebots

zu belegen, hat Françoise

Wilhelmi de Toledo gemeinsam

mit Ärzten aus den USA, Frankreich

und von der Charité in Berlin,

zu Beginn des Jahres eine Studie

mit 1422 Probanden veröffentlicht,

die zeigt, dass sich Blutdruck,

Zuckerwerte und das

Gewicht der Patienten positiv entwickeln.

Auch die Stimmung der

Probanden habe sich verbessert.

Auf das Handy verzichten

Ein Thema, das Leonard Wilhelmi

umtreibt, ist die Handy-Nutzung.

Im Moment ist das Telefonieren

in der Fastenklinik nur im

eigenen Zimmer erlaubt. Er denke

aber auch über weitergehende

Regelungen nach – zum Beispiel,

das Wlan nachts abzuschalten.

Andererseits sieht er die Verbannung

des Smartphones auch kritisch:

„Wenn einer beim Essen ein

Buch liest, stört das keinen. Wenn

er ein Buch auf dem Smartphone

liest, sagt bestimmt einer, er soll

es weglegen“, so Wilhelmi.

Was die Zukunftspläne angeht,

bleibt Wilhelmi vage: Es gebe viel

Interesse an dem Konzept aus den

USA. Pläne, dort oder an einem

anderen Standort, eine weitere

Klinik zu eröffnen, gebe es aber

nicht. „Wir müssen eine gute Strategie

finden, uns auf diesem herausfordernden

Markt zu positionieren.

Aber es ist noch zu früh,

um konkrete Pläne zu kommunizieren.

Es warten allerdings bereits

mehrere Pläne auf ihre Verwirklichung.“

[!] Simone Dürmuth

FOTO: DIEGO MATTEO MUZZINI /SHUTTERSTOCK.COM

„Das Glück des Fastens“

1953 bauten Maria Buchinger und ihr Mann

Helmut Wilhelmi die Klinik in Überlingen.

Vor 100 Jahren

empfing der Arzt

Otto Buchinger seinen

ersten Fastenpatienten

und beschritt

damit einen

ganz neuen Weg.

Heilfasten war damals

so gut wie unbekannt.

Otto

Buchingers Enkel

Raimund Wilhelmi

Otto Buchinger

hat ebenfalls sein

Leben dem Heilfasten

gewidmet.

Jetzt hat er ein

Buch über seinen

Großvater geschrieben.

Es ist unter

dem Titel „Das

Glück des Fastens“

erschienen und für

20,60€ im Buchhandel

erhältlich.

WIR GESTALTEN MIT

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26

FINANZIEREN unternehmen [!]

ILLUSTRATIONEN: MAX MESCHKOWSKI

Kontrolliertes

Risiko

Geldanlage Klassische Anlageformen

reichen meist nicht mehr zum Werterhalt.

Experten empfehlen Aktienfonds, wenn

Unternehmer einige Regeln beachten.

Die Aussichten für

Unternehmer sind

aufgrund der

anhaltenden

Niedrigzinsphase

eher trübe.

Die Finanzverantwortlichen

in vielen Unternehmen

stecken derzeit

in einem Dilemma.

Auf der einen Seite bitten immer

mehr Hausbanken für höhere

Guthaben auf dem Firmenkonto

mit einem Verwahrentgelt

zur Kasse, andererseits mangelt

es an Anlagealternativen, um

diese überschüssigen Gelder sicher

und gleichzeitig rentabel

anzulegen. Wenn die Konjunktur

in der Eurozone endlich einen

Gang hochschalten würde,

hätte sich das Problem gelöst,

hoffen viele. Denn dann kämen

Inflation

und Zinsen

reagieren nicht

mehr so schnell

wie früher.

Ulrich Kater

Deka-Chefvolkswirt

auch die Preise wieder ins Laufen

und die Europäische Zentralbank

(EZB) erhöht ihre Leitsätze.

Doch dieser lehrbuchmäßige

Zusammenhang löst sich zunehmend

auf. „Inflation und Zinsen

reagieren nicht mehr so schnell

wie früher auf Veränderungen

des Auslastungsgrades der

Volkswirtschaft“, beobachtet

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der

Fondsgesellschaft Deka. Derzeit

liegen sowohl Inflation als auch

Inflationserwartungen deutlich

unter der Zielmarke der EZB

von zwei Prozent. „Der schwächere

Zusammenhang zwischen

Auslastung und Inflation in

Kombination mit Zinsen nahe

Null macht die Aufgabe der Zentralbank

deutlich schwerer, mittels

niedriger Zinsen die wirtschaftliche

Aktivität zu stimulieren“,

so Kater.

Mächtige Trends

Die Gründe hierfür haben Ökonomen

noch nicht abschließend

erforscht. Aber schon jetzt ist

klar: Es sind mächtige Trends,

die die Zinsen dauerhaft unten

halten dürften. „Zu nennen sind

demografische Entwicklungen,


unternehmen [!] FINANZIEREN 27

eine verringerte Verhandlungsmacht

von Arbeitnehmern, die

Globalisierung und der dadurch

verschärfte internationale Wettbewerb,

der Konjunkturschock

in Folge der Finanz- und Staatsschuldenkrise“,

zählt Kater die

wichtigsten Faktoren auf. Hinzu

kommen laut dem Deka-Experten

zudem noch veränderte

Produktionsprozesse und

Die Inflationsrate schwankte in

Deutschland im vergangenen Jahr

zwischen 1,1 und 2 Prozent.

Marktbedingungen durch die

Digitalisierung.

Dauerhafte Null- oder sogar

Negativzinsen bei demgegenüber

höherer Inflationsrate sind

nicht nur für Privatanleger, sondern

auch für Unternehmer fatal.

„Fast jeder dritte Mittelständler

hat in den vergangenen

Monaten bereits Negativzinsen

gezahlt“, beschreibt Teoman Yanikoglu,

Projektleiter Invest bei

der Landesmesse Stuttgart, die

Folgen. „Wer heute nicht an den

Kapitalmärkten agiert oder als

Unternehmer sein Anlageverhalten

laufend überprüft, kann

kaum nennenswertes Vermögen

aufbauen oder sichern.“

Mit Kontenanlagen bei Banken

jedenfalls lässt sich im andauernden

Niedrigzinsumfeld –

liquides – Firmenvermögen

nicht mehren, ja, noch

nicht einmal sichern.

„Unter Berücksichtigung

der laufenden

Inflation ergibt sich

auf Dauer ein Verlust

an Kaufkraft“, so Yanikoglu.

Aktien als Alternative

Erstaunlich vor diesem

Hintergrund ist: Wertpapiere

kommen im Denken vieler

Finanzverantwortlicher bislang

kaum vor. Das jedenfalls ist

das Ergebnis der Studie „Wie

der Mittelstand anlegt“, die die

Commerzbank im vergangenen

Herbst veröffentlicht hat. Demzufolge

nutzen nur jeweils 13

Prozent der 500 dafür befragten

Unternehmen Aktien und/oder

Fonds, nur jedes zehnte greift zu

Anleihen. „Dabei bieten Wertpapiere

interessante Alternati-

Und wenn wir fertig sind,

lassen wir andere richtig

schön arbeiten.

BLANK HOLDING GmbH

www.fritschle-baut.de


28

FINANZIEREN unternehmen [!]

Leitmesse für Finanzen und Geldanlage

Auf die Plätze, fertig, los: Welche Anlage eine gute Rendite bringt, ist nicht leicht abzusehen.

In der derzeit vertrackten

Zinssituation wird Finanzwissen

auch für Unternehmer

immer wichtiger – sowohl für

ihren eigenen Vermögensaufbau

als auch für das Firmenvermögen.

Die Invest – Leitmesse

und Kongress für Finanzen

und Geldanlage – vom

24. bis 25. April 2020 auf dem

Zur Person

Michael Völter ist

seit 2015 „Vorsitzender

des Vorstands

der Vereinigung Baden-Württembergische

Wertpapierbörse

e.V.“, also Chef der

Börse Stuttgart und

ihren 300 Mitarbeitern.

Der 55-Jährige

ist gelernter Bankkaufmann

und promovierter

Jurist (Uni

Tübingen).

Messegelände am Stuttgarter

Flughafen ist eine gute Möglichkeit,

sich direkt mit Experten

aus der Finanzbranche

auszutauschen und Fragen zu

stellen. Rund 70 Aussteller haben

sich angekündigt. Auch

Diskussionsrunden und Vorträge

liefern Einblicke aus erster

Hand. Die Anleger erfahren

ven, sowohl mit Blick auf Rendite

als auch zur Vermeidung von Strafzinsen“,

erklärt Michael Völter, Vorsitzender

des Vorstands der Vereinigung

Baden-Württembergische

Wertpapierbörse e.V.. Er stellt fest,

dass das Spektrum möglicher Anlagen

in Wertpapiere sehr breit sei,

„auch mit einem defensiveren Risikoprofil“.

Ein Grund dafür ist, dass zentrale

Ansprechpartner für Finanzierund

Anlagefragen hierzulande traditionell

die Hausbanken sind. „Das

hat aber auch damit zu tun, dass die

Wertpapierkultur in Deutschland

generell nicht sehr ausgeprägt ist“,

ergänzt Völter. „Berührungsängste

und grundsätzliche Vorbehalte gegenüber

dem Kapitalmarkt sind aber

für Unternehmer nicht sinnvoll.“

Natürlich komme etwa ein Börsengang

nicht für jedes Unternehmen

dort, mit welchen Strategien

man trotz Niedrigzinsen nachhaltige

Anlageentscheidungen

treffen kann. „Wer bei seinen

Anlageentscheidungen Orientierung

sucht, findet sie auf

der Invest in komprimierter

Form“, wirbt Teoman Yanikoglu

von der Landesmesse

Stuttgart für sein Projekt.

Die

Wertpapierkultur

ist in Deutschland

generell nicht sehr

ausgeprägt.

Michael Völter

Vereinigung bw. Wertpapierbörse

in Frage. „Aber beim privaten Vermögensaufbau

und bei der Altersvorsorge

führt im Niedrigzinsumfeld

für den Unternehmer selbst

kaum ein Weg an Wertpapieren vorbei“,

ist Völter überzeugt.

Ein paar elementare Punkte gibt

es dabei zu beachten. „Anlagen sollten

breit gestreut werden auf Emittenten

aus unterschiedlichen Branchen

und Regionen“, nennt Völter

die wichtigste Anlageregel. „Das

geht zum Beispiel zum Beispiel über

Investmentfonds und börsengehandelte

Indexfonds, so genannte

ETFs.“ Je länger der Anlagehorizont,

desto geringer sei die Gefahr, vor allem

bei Aktien Verluste zu erleiden.

Unternehmen, die einen Teil ihres

langfristig liquiden Vermögens in

Wertpapieren investieren, sollten

stets auch genügend Barmittel auf

Konten zur Verfügung haben. So

sind sie nicht gezwungen, zur Unzeit

Wertpapiere zu verkaufen.

Börsengang als Option

Der Schritt Richtung Börse ist aber

zumindest für mittelgroße Unternehmen

auch aus einer Finanzierungsperspektive

eine Option –

selbst dann, wenn sie nicht als Aktiengesellschaft

firmieren. Durch die

Finanzierung über Anleihen oder

Schuldscheindarlehen schaffen sie

sich ein zweites Standbein und

gleichzeitig können sie die niedrigen

Zinsen für sich nutzen. „In den

skandinavischen Ländern zum Beispiel

finanzieren sich die Unternehmen

zu rund 50 Prozent über den

Kapitalmarkt“, beobachtet Lutz Weiler,

CEO Germany beim Corporate-Finance-Haus

Pareto Securities.

In Deutschland gebe es in dieser

Hinsicht noch Nachholbedarf. Einen

Grund dafür sieht Weiler in den immer

strengeren Regulierungsvorschriften

hierzulande. „Viele Mittelständler

schreckt das ab, den Kapitalmarkt

als Geldquelle zu nutzen“,

ist der Pareto-Deutschlandchef

überzeugt.

So genannten Nordic Bonds sind

eine Möglichkeit, die den Weg dahin

ebnen. „Sie haben vergleichsweise

geringe Dokumentationspflichten

und die schnelle Umsetzung macht

dieses Wertpapierkonzept für Mittelständler

besonders attraktiv“, so

Weiler, dessen Haus sich als Spezialist

für die Konzeption und Emission

dieser Anleiheform sieht. „Im

vergangenen Jahr haben wir 44 Pri-


unternehmen [!] FINANZIEREN 29

Die schnelle

Umsetzung

macht Nordic

Bonds so

attraktiv.

Lutz Weiler

Pareto Securities

Um ihr Geldvermögen

zu mehren, kommen

Unternehmer nicht

umhin, sich mit neuen

Anlagemodellen zu

beschäftigen.

ILLUSTRATIONEN: MAX MESCHKOWSKI

märemissionen im Nordic-Bond-Market

um mit einem

Gesamtvolumen von etwa 1,8

Milliarden Euro umgesetzt.“

Das Nordic-Bond-Format hat

Weiler zufolge in dieser Zeit

auch auf dem deutschen Markt

für KMU-Anleihen stark an Zugkraft

gewonnen.

Große Investorenbasis

Mit der Emission eines Nordic

Bonds gehen deutsche Unternehmen

an die Börse Oslo. „So

bekommen sie Zugang zu einer

potenziell großen Investorenbasis.

Das macht sie unabhängig

von einzelnen Finanzierungspartnern“,

zählt Weiler die Vorteile

auf. „Zudem sind bei diesem

Konzept sehr flexible Strukturen

möglich.“ Es umfasse sowohl

vorrangig unbesicherte

Anleihen als auch besicherte

Anleihen. „Auch die schnelle

Umsetzung – sieben bis zehn

Wochen sind die Regel – machen

die Begebung eines Nordic

Bonds, für den kein Rating

erforderlich ist, für Mittelständler

attraktiv.“

Zusätzliche Besonderheit ist,

dass eine nachträgliche Erhöhung

des Volumens auf Basis

der bestehenden Emissionsdokumente

möglich ist. „Das verschafft

den Unternehmen einen

größeren Handlungsspielraum“,

erklärt Weiler, der als sinnvolle

Mindestgröße für eine Emission

20 bis 25 Millionen Euro

nennt. [!] Thomas Luther


30

SPEZIAL unternehmen [!]

Ein leises Knistern

ist zu hören.

„Ich habe

hier gerade eine

Packung Weingummi.

Die schmecken sehr lecker“,

sagt Bernd Sadlowsky.

„Die Verpackung

aber ist Augenwischerei.

Außen ist es eine

Papierfolie, innen ist

Kunststoff.“ Ein Schwarzes

Schaf für den Geschäftsführer

des Hamburger Verpackungsinstituts.

Denn

ein Trend bestimmt die

Branche: Nachhaltigkeit.

Dieser Trend erzeugt

laut Sadlowsky einen enormen

Druck auf die Industrie.

Denn die Verbraucher

wollen ein gutes Gefühl und

die Industrie muss dafür

sorgen. „Die Hersteller wollen

reagieren, stellen dann

aber fest, dass sie aufwendige

Prozesse umsetzen müssen“,

berichtet er. Dieser

neue, wichtige Kollege im

Team, die Nachhaltigkeit,

habe es deshalb schwer. Es

stehe ihm ein alter Kollege

gegenüber, der vor allem ein

Freund der Verbraucher sei,

die Bequemlichkeit. Wenn

an den Joghurt gleich ein

Plastiklöffel gepackt werde,

könne man den bequem im

Zug essen, nachhaltig sei

das aber nicht.

„Nachhaltigkeit kostet

Geld und Zeit, ist unbequem

und reduziert unter

Umständen die Lebensdauer

der verpackten Produkte.“

Der neue Trend treibe

derzeit sinnvolle und weniger

sinnvolle Blüten.

Diese folgen im Wesentlichen

drei Richtlinien,

den drei „R“ – Reduce,

Reuse und Recycling.

Auf Deutsch also

Reduzieren, Wiederverwenden

und Wiederverwerten.

Beim

ersten Ansatz geht es

darum, Verpackungsmaterial

so weit wie

möglich zu reduzieren.

So kann man laut Sadlowsky Getränkeflaschen

aus PET um 50

Prozent leichter machen. „Das

kann auf Kosten der Stabilität

Gute

Tüten

Verpackung Die Industrie steht unter

Druck und soll Verbrauchern ein gutes

Gewissen verschaffen – mit mehr

Nachhaltigkeit. Die Wege führen über

Biokunststoff, PET, Papier und so

manchen Irrweg.

Plastik wird von vielen verteufelt. Experten betonen aber seine

Bedeutung. Es komme auf die Art des Kunststoffes an.

gehen, aber das fällt

nur auf, wenn die Flasche

schon halb leer

ist.“

Edeka probiert bei

Avocados, Orangen

und Mandarinen eine

Beschichtung aus

pflanzlichen Fetten aus,

die mitgegessen werden

kann, Apeel genannt. „Die

Hülle sorgt dafür, dass die

Früchte länger haltbar

sind. Für mehr Freude am

Genuss und weniger Lebensmittelverschwendung“,

wirbt die Supermarktkette.

„Das ist mit

Vorsicht zu genießen, die

Natur hat das Produkt

schon auf natürlichem

Wege geschützt“, wendet

Sadlowsky ein. Ob das Obst

durch so ein hauchdünnes

„Negligé an Fetten“ wirklich

besser geschützt sei,

hänge stark von Transportund

Lagerbedingungen ab.

Polymere Schutzschicht

Vera Fritsche, Expertin

beim VDMA, Fachverband

Nahrungsmittelmaschinen

und Verpackungsmaschinen,

erzählt von „Skinverpackungen“

mit Karton als

Produktträger. Der aus dünnem

Karton bestehende

Produktträger ist dabei mit

einer polymeren Schutzschicht

als Barriere gegen

Fett, Feuchtigkeit und Sauerstoff

versehen.

Der zweite Ansatz ist

„Reuse“, also Wiederverwenden.

Sadlowsky erzählt

von einem positiven Trend:

„Neulich gab es Kekse in

der Bäckerei in einem

Mehrwegglas, das man

für vier Euro wieder zurückgeben

konnte. Da

hat jemand seine Hausaufgaben

gemacht.“

Für Michael Braungart

ist gerade der dritte

Punkt extrem wichtig:

Recycling. Braungart

ist Gründer der

EPEA Internationale

Umweltforschung in Hamburg,

der Wiege von Cradle to Cradle,

einem Konzept zur Entwicklung

öko-effektiver Produkte.

FOTOS: VECTOR THINGS/SHUTTERSTOCK.COM


unternehmen [!] SPEZIAL 31

Zur Person

Bernd Sadlowsky

ist Chemietechniker.

Der Professor bietet

Lehrveranstaltungen

an und leitet unter

anderem das Hamburger

Verpackungsinstitut.

Zuvor war er

auch Schadensanalytiker

bei TÜV

Rheinland.

Nachhaltigkeit

kostet

Geld, Zeit

und ist

unbequem.

Bernd Sadlowsky

Hamburger Verpackungsinstitut

Es brauche gewisse Voraussetzungen,

um sinnvoll recyceln zu können,

sagt er. „Als erstes müsste das

PVC aus den Packungen verschwinden.

PVC macht nur zwei Prozent

der Verpackungen aus, hat aber die

identische Dichte wie PET und es

ist sehr schlecht abzutrennen.“

Am besten, da sind sich die Experten

einig, lassen sich Monokunststoffe

recyceln. „Es werden im Moment

4800 Materialen und Chemikalien

in unseren Verpackungen

verwendet. Damit ist Recycling quasi

ausgeschlossen“, sagt Braungart.

Eine Ketchupflasche besteht aus

sechs Schichten oder mehr. „Das

kann man nicht sauber recyceln, nur

mit sehr starkem Qualitätsverlust“,

sagt auch Sadlowsky. „Also verbrennt

man es einfach.“

Braungart schlägt sogar ein

Pfandsystem für alle Verpackungen

vor: „Im Supermarkt könnten die

Leute eine Pfandmarke erwerben,

dann könnte man damit 120 verpackte

Produkte kaufen. Wenn man

die Verpackungen zurückbringt, bekommt

man das Geld wieder“,

schlägt er vor. Man würde so nur die

Nutzung der Verpackungsmaterialien

verkaufen. Und die Verpackungen,

am besten alle aus einem einheitlichen

Monomaterial gefertigt,

könnten recycelt werden.

Braungart sieht gute Gründe, weiter

Plastik zu verwenden. Nur müsse

es das richtige Plastik sein. „Wenn

man Kunststoffe insgesamt dämonisiert,

bleibt man auf der primitiven

Stufe der jetzigen Kunststoffe

stehen“, kritisiert er. PET könne

mindestens acht bis zwölfmal verwendet

werden. „Man kann das PET

auch biologisch abbaubar machen“,

sagt Braungart. „Denn eigentlich

brauchen wir Verpackungen, die wir

auch verlieren könnten und die in

biologische Systeme übergehen.“

Das Thema Biokunststoffe interessiert

auch Bernd Sadlowsky. „Man

könnte sagen, im Wesentlichen ist

ein Biopolymer ein Kunststoff, der

aus nachhaltigen Stoffen wie Maisstärke

besteht und der meistens biologisch

abbaubar ist.“ Ein Problem

sei aber, dass man diese Biokunststoffe

nicht einfach in das Verwertungssystem

einschleusen könne.

„Ein Biokunststoff soll innerhalb von

zwölf Wochen kompostierbar sein,

die durchschnittliche Dauer in großindustriellen

Kompostieranlagen ist

aber nur sechs Wochen.“ Ist Biokunststoff

ökologisch nachhaltiger?

„Nö“, sagt Sadlowsky.


32

SPEZIAL unternehmen [!]

FOTO: BIG FOOT PRODUCTIONS/SHUTTERSTOCK.COM

Branche mit 28 Milliarden Euro Umsatz

Viele Obstsorten sind eigentlich schon ganz natürlich mit einer Schale geschützt.

„ Die Biopolymere schneiden hinsichtlich

der Ökobilanz nicht besser

ab als viele andere Verpackungsmaterialien.“

Aber sie vermittelten

Kunden ein gutes Gefühl.

„Im Bereich der Papierverpackung

gibt es Neuentwicklungen,

die als Substitution von Kunststoffverpackungen

eingesetzt werden

können.“ Darauf weist Vera Fritsche

hin. Ein Beispiel seien Verpackungspapiere

mit einer Mineralöl- und

Fettbarriere, die eine hohe Produktsicherheit

gewährleisteten und sich

vollständig recyceln ließen.

Aber auch bei Papierverpackungen

gibt es Nachteile. Die Papierfasern

verkürzen sich, man kann es

nicht unendlich oft recyceln, sagt

Kunststoff ist ein Schwerpunkt

der Verpackungsindustrie

in Deutschland, ein zweiter

ist die Papier- und Pappeherstellung.

Dies zeigt auch

die Anzahl der Betriebe: 2018

gab es insgesamt 303 Betriebe,

die Verpackungen aus Papier

und Pappe herstellten

und 259 Unternehmen, die

sich auf Kunststoffverpackungen

spezialisiert haben. Fast

28 Milliarden Euro betrug der

gesamte Umsatz der deutschen

Verpackungsindustrie

im Jahr 2018. Gut 19 Milliarden

Euro sind dabei Inlandsumsatz,

8,7 Milliarden Euro sind

Auslandsumsatz. Rund

121 000 Menschen arbeiteten

in diesem Jahr in der Verpackungsindustrie.

Zur Person

Michael Braungart

ist Professor an der

Leuphana Universität

Lüneburg und

Gründer mehrerer

Organisationen. Seit

Jahren vertritt er das

Cradle-to-Cra dle-

Designkonzept, das

öko-effektive Produkte

entwickelt.

Die Verwertungsquoten

sind vor allem bei Papier und

Pappe sehr hoch, sie liegen bei

99,8 Prozent. Der Verbrauch

von Pappe- und Papierverpackungen

stieg bis 2015 stetig

an, bevor er im Jahr 2016 auf

7,9 Milliarden Tonnen leicht zurück

ging.

Die Menge der eingesammelten

Verpackungen bei gewerblichen

und industriellen Endverbrauchern

betrug im Jahr

2016 rund 4,8 Millionen Tonnen.

Bei privaten Endverbrauchern

wurden insgesamt 5,6

Millionen Tonnen eingesammelt.

Sadlowsky. Braungart gibt zu bedenken,

dass viele Papierverpackungen

eigentlich auch aus Kunststoff seien

– wegen Zusatzstoffen wie Nassfestigkeitsstabilisatoren.

Eine Serviette,

von einem Kreuzfahrtschiff verloren,

bleibe im Meer ein halbes Jahr

erhalten, sagt der Experte. „Ich habe

mit meinen Studenten auch gezeigt,

dass Papiertaschentücher, die beim

Wandern im Gebirge weggeworfen

werden, sechs Jahre lang dort bleiben.“

Selbst Glas ist umstritten. So gerät

Sadlowski fast ins Schwärmen,

wenn er von Glasverpackungen

spricht, die ja aus Stoffen wie Sand

und Siliziumoxid bestehen. Stoffe,

die sich fast beliebig oft in neue

Strukturen packen lassen, wie er

sagt. Braungart hingegen weist auf

die Verletzungsgefahr, das Gewicht,

Bleibelastungen und Keramikeinschlüsse

hin, die das Glas brüchiger

machen.

Sadlowsky stellt angesichts der

Diskussion um Nachhaltigkeit und

Müll die grundsätzliche Frage:

Brauchen wir überhaupt Verpackungsmaterialien?

Die Antwort aller

drei Experten ist klar: Ja. „Viele

Produkte unseres täglichen Lebens,

das gilt besonders für Lebensmittel

und Getränke, Medikamente

und andere schützenswerte Konsumgüter,

sind ohne Verpackung

nicht denkbar“, erklärt Vera Fritsche.

Braungart erzählt von Erfahrungen

aus Russland, wo 90 Prozent

der Ernte verloren gegangen

wären, weil sie nicht richtig verpackt

waren.

Eigentlich ist

alles, was uns

umgibt, entweder

Verpackung oder

Inhalt.

Michael Braungart

Chemiker

Der Cradle-to-Cradle-Experte

geht sogar noch weiter. „Eigentlich

ist alles, was uns umgibt, entweder

Verpackung oder Inhalt.“ Ein Auto

sei eine Menschentransportumverpackung.

Ein Kleidungsstück eine

Menschenprimärverpackung, ein

Auto dessen Sekundärverpackung.

„Was wir in der Verpackungsherstellung

lernen, ist also elementar

wichtig und kann auf andere Lebensfelder

übertragen werden.“

Die Produktverpackungen seien

aufgrund des Kostendrucks und der

öffentlichen Debatte die am weitesten

entwickelten Industrieprodukte.

Deshalb gelte: „Wir müssen Verpackungen

nochmal neu denken.“

Für einen großen Eishersteller

haben er und seine Kollegen eine

Verpackung entwickelt, die sich in

Flüssigkeit auflöst, wenn sie eine

gewisse Zeit nicht mehr gekühlt

wird. Integriert sind Samen seltener

Blumen, die wachsen und erblühen,

wenn man das Eis gegessen

und die Verpackung in die Wiese

geworfen hat. Braungart wartet

noch auf ihren Einsatz. [!]


unternehmen [!] RESSORT 33

Die Uhlmann Pac-Systeme GmbH & Co. KG

ist ein weltweit führender Systemanbieter

für das Verpacken von Pharmazeutika in

Blister, Flaschen und Kartons.

Mit seinem innovativen Portfolio von

Blistermaschinen und Flaschenlinien über

Kartonierer bis hin zu Endverpackern setzt

Uhlmann seit Jahrzehnten Maßstäbe in

Sachen Qualität, Effizienz und Verfügbarkeit.

Als Total Solution Provider bietet das

Unternehmen Beratung, Projektmanagement,

Umsetzung, umfangreiche Services und

digitale Lösungen aus einer Hand.

Die Uhlmann Pac-Systeme GmbH & Co. KG gehört

zur Uhlmann Group. Mit den weiteren Unternehmen

Koch Pac-Systeme aus dem Schwarzwald, Cremer

Speciaalmachines aus den Niederlanden und Wonder

Packing Machinery aus China erweitert Uhlmann sein

Angebot für den Pharma-, Gesundheits-, Konsumgüter-,

Lebensmittel- und Agrarmarkt.

Weitere Infos unter:

www.uhlmann.de

www.uhlmann-group.com


34

MACHEN unternehmen [!]

Die zweite Generation: Anton

und Alois Ehrmann führten das

Erbe weiter.

Mit Kühltransportern in die

weite Welt: Heute gibt es

Ehrmann-Produkte in mehr als

70 Ländern.

Familienfoto aus den Anfängen: Alois Ehrmann senior gründete die

Molkerei 1920.

Fotos: Ehrmann

Aus dem Allgäu ins Kühlregal

Ehrmann In Sachen Fruchtjoghurt macht der Familienmolkerei aus dem Allgäu keiner was

vor. Jetzt feiert der Marktführer sein 100-jähriges Bestehen.

Der Gründer

Alois Ehrmann

verkaufte Käse

und Butter aus der

Garage heraus.

Gunther Wanner

Marketingdirektor Ehrmann

Oberschönegg im Unterallgäu

hat gut 900 Einwohner.

Doch tagsüber

halten sich in

dem kleinen Ort deutlich mehr

Menschen auf: Am Ortsrand, auf

einer Anhöhe, liegt das Stammwerk

der Molkerei Ehrmann.

730 Menschen arbeiten hier an

Produkten wie „Almighurt“,

„Grand Dessert“ und „High Protein

Pudding“. 500 000 Liter

Milch werden hier von 355 Lieferanten

jeden Tag angeliefert

und dann verarbeitet.

In diesem Jahr feiert Ehrmann

sein 100-jähriges Bestehen:

1920 gründete Alois Ehrmann

senior in Oberschönegg

die „Alois Ehrmann Käserei“.

„Er verkaufte im Prinzip Käse

und Butter aus der Garage heraus“,

beschreibt Marketingdirektor

Gunther Wanner die Anfänge

der Firma.

Heute ist Ehrmann ein international

aufgestelltes Unternehmen

und beliefert Handelskunden

in rund 70 Ländern. Die

Molkerei macht rund die Hälfte

ihres Umsatzes außerhalb

Deutschlands, dabei werden Exporte

und die Produktion im

Ausland zusammengerechnet.

In der sogenannten weißen

Linie (Milchprodukte außer

Käse) ist Ehrmann in Deutschland

mit einem Marktanteil von

6,2 Prozent die Nummer Zwei

hinter der Molkerei Müller.

Beim Fruchtjoghurt ist Ehrmann

mit einem Marktanteil von

13,2 Prozent sogar Marktführer

in Deutschland.

„Die Firma Ehrmann ist konstant

gewachsen“, berichtet

Christian Ehrmann, der das Unternehmen

leitet. Das betrifft

nicht nur das Produktportfolio.

Heute ist Ehrmann weit über die

Landesgrenzen hinaus bekannt.


unternehmen [!] MACHEN 35

Aspekte wie

Tierwohl und

Klimaschutz sind für

unser Unternehmen

wichtig.

Christian Ehrmann

Geschäftsführer Ehrmann

Produziert wird in Deutschland,

Brasilien und Russland, beliefert

werden mehr als 70 Märkte.

Das Haus, in dem Alois Ehrmann

lebte und arbeitete, ist heute von

modernen Firmengebäuden umgeben.

Bis vor wenigen Jahren wurde

es auch noch vom jeweiligen Geschäftsführer

bewohnt, inzwischen

wird auch dort gearbeitet.

Seit den 60er Jahren ist der Käse

kein Thema mehr für das Familienunternehmen,

dafür trat der Fruchtjoghurt

in den Fokus. Man habe es

geschafft, das Produkt im Vergleich

zur Konkurrenz cremiger und weniger

rau im Geschmack zu machen,

erklärt Wanner. In dieser Zeit entstand

die Produktlinie Almighurt,

den es heute in 70 verschiedenen

Geschmacksrichtungen gibt. Darunter

die Klassiker Erdbeer,

Himbeer und Kirsch. Aber auch

ausgefalleneres wie Mohn-Marzipan.

Auch der bekannte Slogan

„Ehrmann – keiner macht mich

mehr an“ wurde in den 60ern

entwickelt.

In dieser Zeit, in der mit

Alois junior und Anton Ehrmann

bereits die zweite Generation

am Ruder war,

wuchs Ehrmann auch in der

Fläche. Eine besondere Herausforderung,

da wegen der

erforderlichen Kühlung die

Produkte nicht sehr lange

transportiert werden konnten.

Im Jahr 2006 hat Christian

Ehrmann, Sohn von Alois Ehrmann

junior, die Geschäfte

übernommen. Heute ist die

Molkerei international tätig

und beschäftigt weltweit 2400

Mitarbeiter. Zur Gruppe gehören

auch die Fleischwerke Zimmermann

und das Unternehmen

Saliter, das unter anderem Kondensmilch

herstellt.

Bis zum Sommer war man auch

in den USA aktiv, zog sich nach

zehnjährigem Engagement aber wieder

zurück, da immer mehr Konkurrenten

auf den Markt drückten. Es

galt, eine Entscheidung zu treffen:

massive Investitionen oder Rückzug.

Verkauft wurden die Werke in

Vermont und Arizona an die französische

Molkerei Lactalis, die zu

Nestlé gehört. In Folge des Verkaufs

sank der Umsatz der Gesamtgruppe

von 850 Millionen Euro im Jahr

2018 auf voraussichtlich 800 Millionen

Euro im vergangenen Jahr. Bereinige

man die Zahlen um das verkaufte

US ­Geschäft, sei der Umsatz

unterm Strich gewachsen, so Marketingdirektor

Gunther Wanner.

Zum Gewinn macht das Unternehmen

keine Angaben.

Damit die Umsätze auch in Zukunft

steigen, beschäftigt Ehrmann

ein 21-köpfiges Forschungsteam.

Das entwickelte jüngst zum Beispiel

die neue Produktlinie

„High Protein“. „Wir haben das

Produkt zunächst in Finnland

getestet“, erklärt Wanner, „dort

ist der Trend früher aufgeschlagen.“

In der Zukunft soll auch

das Thema Nachhaltigkeit

eine größere Rolle spielen,

teilt Christian Ehrmann mit.

„Aspekte wie Tierwohl, Klimaschutz

und Verpackungsentwicklung

stehen in unmittelbarem

Zusammenhang mit

unserem Unternehmen.“ Es

gebe verschiedene Projekte,

um das Unternehmen entsprechend

auf die Zukunft

vorzubereiten.

Aber auch die Kühlregale

der Supermärkte will Ehrmann

weiterhin maßgeblich

mitgestalten. Darum steht die

nächste Innovation schon bereit:

Die Molkerei bringt einen

Joghurt der Geschmacksrichtung

Hanf auf den Markt. „Aber keine

Sorge, der macht nicht high“, erklärt

Wanner und lacht. [!]


Simone Dürmuth

Zur Person

Christian Ehrmann

ist der Enkel

des Firmengründers

Alois Ehrmann und

führt das Unternehmen

seit 2006. Der

Geschäftsführer hat

zunächst Molkereifachmann

gelernt

und dann Betriebswirtschaft

studiert.

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36

MACHEN unternehmen [!]

Ein Schritt nach vorn

Teamviewer Das Göppinger Softwareunternehmen profitiert vom

anhaltenden Nachhaltigkeitstrend und fährt in seinem ersten Jahr

an der Börse deutliche Gewinne ein.

Großer Auftritt für das Göppinger Software-Unternehmen: Beim Börsengang im vergangenen Jahr in

Frankfurt waren viele Teamviewer-Mitarbeiter mit dabei.

Wir haben

signifikant

höhere Anfragen

für Homeoffice-

Lösungen.

Oliver Steil

Geschäftsführer

Börsengang, Aufnahme in

den M-Dax und nun ein

sattes Plus bei den Umsatzzahlen:

Für Teamviewer

ging es im abgelaufenen

Geschäftsjahr nach vorn. Die

Aufnahme in den M-Dax war

eine „Veredelung unseres Unternehmens“,

resümiert Geschäftsführer

Oliver Steil. Die Göppinger

Softwarefirma hatte Ende

September vergangenen Jahres

den Börsengang gewagt, im Dezember

rückte das Unternehmen

dann in den Börsenindex auf.

„Das hat uns zum einen intern

einen Ruck gegeben. Zudem bekommen

wir seither mehr Aufmerksamkeit

gerade bei Investoren.“

Alles in allem habe der Börsengang

dem Technologieunternehmen

einen „echten Fortschritt

gebracht“, betont der Geschäftsführer.

Das zeigt sich auch in den Geschäftszahlen.

2019 stieg der Umsatz

um 51 Prozent auf 390 Millionen

Euro. Im gleichen Zeitraum

erzielte das Unternehmen, das

rund 840 Mitarbeiter weltweit

beschäftigt, einen Überschuss

von 111 Millionen Euro. Noch ein

Jahr zuvor hatte die auf Fernwartungssoftware

spezialisierte Firma

ein Minus von mehr als

12 Millionen Euro verzeichnet.

„Diese Entwicklung ist für uns

noch wichtiger als der Börsengang“,

sagt Steil. „Wir haben abgeliefert,

was wir versprochen

haben.“ Für das laufende Jahr erwartet

Steil ein Umsatzwachstum

auf bis zu 430 Millionen

Euro. „Wir werden unsere

Wachstumsstrategie weiterhin in

vollem Tempo umsetzen.“

Grundlage für die selbstbewusste

Prognose sind dem Geschäftsführer

zufolge die Abgrenzung

zu Konkurrenzprodukten

gepaart mit der „starken Profitabilität“

des Unternehmens.

Zudem seien neue Produkte etwa

für Großunternehmen gut angenommen

worden.

Voraussichtlich Ende des

zweiten Quartals steht zudem

der Umzug in die neue mehr als

8500 Quadratmeter große Firmenzentrale

an. In den Neubau

in der Göppinger Innenstadt

sollte eigentlich die Stadtverwaltung

einziehen. Nach Fürsprache

der örtlichen Kreissparkasse

stimmte der Gemeinderat für

eine Umwidmung und ermöglichte

so den zeitnahen Umzug

des IT-Spezialisten. „Das ist auch

dringend notwendig“, erklärt

Kommunikationschefin Martina

Dier. Da der Platz am bisherigen

Hauptsitz bereits knapp ist, habe

das Unternehmen bereits zusätzliche

Flächen angemietet. „Das

ist auf Dauer aber unpraktisch.“

Computer verbinden

Rund 464 000 Kunden haben bislang

eine Teamviewer- Software

abonniert, mit der Computer

etwa für Konferenzen oder Fernwartungen

miteinander verbunden

werden können. „Wir profitieren

von Megatrends“, erklärt

Steil. Einerseits infolge der fortschreitenden

Digitalisierung, andererseits

aufgrund des wachsenden

Nachhaltigkeitsbewusstseins.

„Homeoffice-Angebote

kann man unter dem Aspekt des

Umweltschutzes betrachten, die

Betriebe sparen dadurch aber vor

allem auch Geld.“ In welchem

Umfang sich diese Trends im

Umsatzplus widerspiegeln, lasse

sich derzeit jedoch nicht quantifizieren.

Aktuell spürbar seien jedoch

die Auswirkungen des

Corona-Virus in China auf

das Geschäft des Göppinger

Unternehmens. „Wir haben

signifikant höhere Anfragen

für Homeoffice-Lösungen“,

erläutert Oliver Steil. [!]


Julia Kling


37

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Geschichten

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38

VERANTWORTEN unternehmen [!]

Blick über den

Kirchturm

Unternehmertag Um erfolgreich zu bleiben, müssen

Firmenchefs ihre Strategie überprüfen, sagt Organisator

Karl Heinz Raguse. Er empfiehlt zudem: Kooperiert mehr!

FOTO: MARC HÖRGER ILLUSTRATIONEN & MONTAGE: MAX MESCHKOWSKI

Sich vom Tagesgeschäft

lösen und über den Tellerrand

blicken: Dafür gibt Karl

Heinz Raguse Impulse an

seinem 21. Unternehmertag.


unternehmen [!] VERANTWORTEN 39

Es gehört zum 1x1 jedes

Zeitmanagementseminars:

Das Eilige darf das

Wichtige nicht verdrängen.

Doch der Alltag von Führungskräften

und Unternehmern

sieht oft anders aus, weiß

Karl Heinz Raguse, der Leiter

der regionalen Geschäftsstelle

des Bundesverbands mittelständische

Wirtschaft. Das Motto

des Unternehmertages, den Raguse

zum 21. Mal organisiert, lautet

daher folgerichtig: „Weiter

denken“.

Unternehmer und Manager

stecken häufig viel zu tief im Tagesgeschäft

und nehmen sich zu

wenig Zeit, eine Unternehmensstrategie

zu entwerfen und auch

Wir benötigen

Möglichkeiten,

damit sich Bürger

mehr beteiligen

können.

Karl Heinz Raguse

Organisator Unternehmertag

FOTO: MATTHIAS KESSLER

Netzwerken von Angesicht zu Angesicht: Beim Unternehmertag in

der Ulmer Donauhalle lassen sich leicht neue Kontakte knüpfen.

regelmäßig zu überprüfen. Mit

ein Grund dafür sei auch, dass

Zeit und Energie in Unternehmen

durch bürokratische Regeln gebunden

werden. Da bleibe wenig

Raum fürs „Weiter denken“.

Mit Sorge sieht Raguse auch,

dass die Wirtschaft in ideologisch

und wenig differenziert geführten

Debatten wieder zum Feindbild

erkoren werde. In der laufenden

Klima-Diskussion müsse

man aufpassen, dass die Schwingungen

nicht zu sehr gegen die

Wirtschaft ausschlagen. Diesel

als Treibstoff zum Beispiel sei

„nicht per se“ schlecht. Und auch

das zuständige Bundesamt habe

beim VW-Diesel skandal einen

schlechten Job gemacht und die

Mogel-Software jahrelang nicht

entdeckt. Die derzeit hochgelobte

Elektro-Mobilität werde noch

lange nicht Kraftstoffe komplett

ersetzen können.

Wasserstoff aus Windstrom

Weil das Erdölzeitalter aber zu

Ende gehe, werden laut Raguse

synthetische Kraftstoffe ein Mega-Thema.

In der Zementindustrie

sind erste Pilotanlagen in Vorbereitung.

Er kann sich ebenso

Modelle auf genossenschaftlicher

Basis vorstellen. „Könnten sich

die Bürger unmittelbar beteiligen,

wüchse die Akzeptanz selbst für

solche Anlagen, aber auch für

Windräder. Wasserstoff aus

Windstrom wäre dann eine weitere

Gelegenheit zur Stärkung der

regionalen Wertschöpfung.“

Wirtschaft, wenn möglich, regional

denken und weite Transportwege

vermeiden, ist für Raguse

ein wichtiger Ansatz von

„Weiter denken“– und er nennt

gelungene Beispiele. Dazu gehört

die neue Verzinkerei des

Weißenhorner Verschalungsund

Gerüstspezialisten Peri, die

im Januar im Werk Günzburg in

Betrieb genommen wurde. Das

Verzinken der Gerüstteile erfolgte

bislang außer Haus durch

Lieferanten. Nach den Angaben

von Peri-Sprecher Markus Woehl

waren dafür pro Jahr 300 000

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40

VERANTWORTEN unternehmen [!]

Netzwerken von Angesicht zu Angesicht: Impressionen des

Unternehmertages im vergangenen Jahr.

FOTOS: MATTHIAS KESSLER

Lkw-Transportkilometer nötig,

die nun wegfallen. „Umweltgesichtspunkte“

allein seien bei der

Planung des Werkes aber nicht

ausschlaggebend gewesen, sagt

Woehl. Das Familienunternehmen,

das zuletzt mit 9500 Mitarbeitern

in 70 Ländern einen Jahresumsatz

von 1,56 Milliarden

Euro erwirtschaftete, wollte die

Wertschöpfung komplett unters

eigene Dach holen. „Wir wollten

damit auch die komplette Kontrolle

über die Produktion, einhergehend

mit einer wesentlich

höheren Flexibilität“.

Regionalität und Wachstumsstrategie

seien

eng miteinander

verklammert.

Selbst die

in Deutschland

relativ hohen

Energiepreise

machten bei

Gesamtinvestitionen

von 170

Millionen Euro

Wir wollten

damit die

komplette

Kontrolle über

die Produktion.

Markus Woehl

Pressesprecher von Peri

keinen Strich

durch die Rechnung. Wie der Peri-Sprecher

betonte, hat Deutschland

dafür ganz andere und nicht

weniger wesentliche Vorzüge, die

nach Jahren der Verlagerung von

Produktion ins Ausland bei Unternehmen

zunehmend wieder

mehr Gewicht bekämen: die politische

und rechtliche Verlässlichkeit.

Eine Viertel Fahrstunde von

Günzburg, in Jettingen-Scheppach,

produziert die Firma Ludo

Fact klassische Spiele, 17 Millionen

Stück pro Jahr. Mir der Fertigung

von Schachteln fing es an,

doch damit gab sich Horst Walz

nicht zufrieden. Bald schon nach

seinem Einstieg wollte er sich um

das komplette Produkt kümmern,

um die Bausteine ebenso wie die

Würfel, die Anleitung, die Lederbecher,

aber auch um die Konfektionierung,

die komplette Logistik

bis hin zum Versand an die

Endkunden. Natürlich international,

mitsamt Erledigung der

Zollformalitäten.

Transportweg einsparen

Noch nicht im eigenen Haus erfolgt

lediglich die Produktion der

Kunststoffteile, die derzeit aus

China bezogen

werden. Noch,

denn auch dies

möchte Walz in

absehbarer Zeit

unter dem eigenen

Dach erledigen:

der höheren

Flexibilität

wegen, um

den „unökologisch-langen“

Transportweg einzusparen und

um die Wertschöpfungskette

noch mehr zu verlängern. Der

Lohnanteil an einer solchen Produktion

sei niedriger als vielfach

gedacht.

Raguse setzt derweil an anderer

Stelle den Hebel an. Im Rahmen

der von ihm und dem Ratiopharm-Geschäftsführer

Andreas

Burkhardt lancierten Initiative

„Donautal Connect“ bringt er

dort ansässige Firmen an einen

Tisch. Auch, weil viele dort nicht

wüssten, was der Nachbar mache,

produziere und wo sich mögliche

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unternehmen [!] VERANTWORTEN 41

Anknüpfungen ergeben könnten.

Hauptsächlich aber, um die Interessen

zu bündeln und gemeinsam

Lösungen für ähnliche Fragestellungen

zu finden.

Ausweg aus Parkpoblematik

„Weiter denken“ heißt in diesem

Fall, nach Auswegen für die Stauund

Parkproblematik zu suchen.

Nachgedacht werde bereits über

ein umfassendes Verkehrskonzept

und die Installierung einer

gemeinsam nutzbaren App, über

welche die Beschäftigten in unternehmensübergreifenden

Fahrgemeinschaften

zusammenfinden

können. Nachgedacht werde

ebenso über den Bau von zwei gemeinsamen

Parkhäusern und einen

fahrerlosen Shuttle-Dienst.

Auch Carsharing spiele eine Rolle

in den Überlegungen – ebenso

wie E-Bike-Stationen.

„Das Industriegebiet kann

nicht mehr erweitert werden,

expandierenden Firmen bleibt

kaum mehr als die Aufstockung

nach oben“, sagt Raguse. Freiwerdende

Parkflächen könnten sinnvoller

genutzt werden, so lautet

das Kalkül.[!]


Thomas Vogel

Donauhalle als Treffpunkt für Netzwerker

Von Workshops bis hin zur Podiumsdiskussion reichen die Formate auf dem Unternehmertag.

„Weiter denken“, unter diesem

Motto steht der diesjährige

„Unternehmertag“, der am

26. März zum 21. Mal die

Ulm-Messe in einen Treffpunkt

der Macher und Innovatoren

aus Wirtschaft, Wissenschaft

und Politik verwandelt. Die eintägige

Veranstaltung in der Ulmer

Friedrichsau definiert sich

als Innovations- und Kommunikationsplattform

des Mittelstands

und bietet neben den

Messeständen Workshops, Podiumsdiskussionen

mit Fachexperten

sowie Firmen- und

Produktpräsentationen.

Organisiert wird der „Unternehmertag“

von der Raguse &

Partner GmbH. Deren Hauptgesellschafter

Karl-Heinz Raguse

ist zugleich in Persona die

Verbindung zum Bundesverband

mittelständische Wirtschaft

(BVMW). Seit Mitte der

1990er Jahre leitet der gelernte

Maschinenbauer freiberuflich

von Neu-Ulm aus die von ihm

ins Leben gerufene regionale

Geschäftsstelle des Verbands,

eine von 300 in Deutschland.

Derzeit betreut Raguse mehr

als 200 Mitgliedsfirmen. Insgesamt

gehören dem Verband

rund 50 000 Mitgliedsfirmen

an. Damit ist der BVMW die

größte, freiwillig organisierte

Mittelstandsvereinigung.

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42

MACHEN unternehmen [!]

Es ist eine Herausforderung

für den

Iveco-Standort im Ulmer

Donautal, aber eine,

die Belegschaft und Führungsriege

gern annehmen. Das Werk

hat den Zuschlag für den Bau

des High-Tech-Lastwagens Nikola

Tre bekommen. Batterieelektrisch-

und brennstoffzellenbetriebene

Lkw sollen künftig in

Ulm vom Band rollen. Bereits

im vergangenen September hatte

sich der niederländisch-britische

Mutterkonzern CNH Industrial

mit 250 Millionen Dollar

als Hauptinvestor am

US-amerikanischen Unternehmen

Nikola Motors beteiligt.

Jetzt erfolgte die Standort-Vergabe

für den Lkw der Zukunft.

„Wir können jetzt nicht nur

an technologischen Veränderungen

teilnehmen“, ist Magirus-Chef

Marc Diening überzeugt,

„sondern Impulse geben,

einen Generationswechsel prägen

und ganz vorn mit dabei

sein.“ In der Belegschaft habe

die Entscheidung des Mutterkonzerns

große Begeisterung

ausgelöst, „zumal die Kollegen

damit nicht gerechnet haben“.

Auf die Produktion der

wasserstoffbetriebenen

Lkw mit einem Gesamtgewicht

von bis zu 40 Tonnen

hatten sich mehrere

Standorte des Konzerns

Hoffnung gemacht. Ulm

bekam aufgrund der bestehenden

Infrastruktur

und Kompetenz

den Zuschlag, sagt

Diening. Die Ulmer

Region habe sich

„durch ihre gut ausgebildeten

Arbeitskräfte

und zahlreiche

Forschungsinstitute

Standort mit Tradition

Der Konzern CNH

Industrial hat seinen

Sitz in Amsterdam

und London.

Der Jahresumsatz

lag zuletzt bei rund

27,3 Milliarden Euro.

Die CNH- Tochter

Wir können

jetzt ganz

vorn mit dabei

sein und

Impulse geben.

Marc Diening

Iveco Magirus

Iveco beschäftigt

mehr als 21 000

Mitarbeiter in sieben

Ländern, rund

1800 davon in Ulm.

2012 schloss Iveco

zunächst die

Lkw-Produktion

und legte den Fokus

auf die Feuerwehrfahrzeugsparte.

2017 folgte jedoch

die Eröffnung

eines Auslieferungszentrum

für

Lkw und Busse.

zu einer führenden Drehscheibe

für die Brennstoffzellenmobilität

entwickelt“, teilte CNH

Industrial mit. Der Konzern, der

neben Iveco zwölf weitere Marken

unter seinem Dach vereint,

investiert am Standort nun insgesamt

40 Millionen Euro in die

Modernisierung der Produktionsanlagen.

Dann steht die Endmontage

des Lkw im Mittelpunkt.

„Wir haben zwölf Monate,

um das Werk entsprechend

umzubauen“, sagt Diening. In

dieser Zeit müsse die Gebäude-Infrastruktur

umgestellt und

auf andere Montageschritte vorbereitet

werden.

Eine Reihe von Prototypen

haben die Iveco-Mitarbeiter bereits

montiert. Sie werden von

den spanischen Iveco-Fertigungsstandorten

Valladolid

und Madrid mit Modulen beliefert.

Das ermögliche eine

schnelle Ausweitung der Produktion.

Gerrit Marx, Chef der

Nutzfahrzeugsparte von CNH

Industrial ist überzeugt, die

Endmontage, die Antriebsintegration

und die High-End-Ausführungen

des Nikola Tre so zu

beschleunigen, dass eine zeitige

Markteinführung 2021 möglich

ist. Bereits im Herbst diesen

Jahres soll der Prototyp

des batteriebetriebenen Nikola

Tre vorgestellt werden.

„Das ist ein sehr ehrgeiziges

Ziel“, weiß

Diening, „aber wir sind in

der Lage das umzusetzen“.

Der Zeitplan erzeuge einen

„positiven Druck“.

Langstrecke möglich

Die zügige Entwicklung

des Nikola Tre basiert

darauf, dass sowohl

Elektro- als auch Brennstoffzellen-Lkw

auf den erst

vergangenes Jahr auf den

Markt gekommenen S-Way

von Iveco aufgesetzt werden

kann: Chassis, Kabine, Fahrwerk

und Elektronik dieser Sattelzugmaschine

müssen nicht

oder nur geringfügig modifiziert

werden. Antriebstechnik

und auch Bremsen werden neu

entwickelt. Die Entwicklung,

aber auch Erprobung und Fertigung

findet nun künftig in

Ulm statt.

Unter Str

Lastwagen Der Iveco-Stand

Produktion batterie- und wa

euphorisch. Für die Umstellu


unternehmen [!] MACHEN 43

om

ort im Ulmer Donautal erhält den Zuschlag für die

sserstoffbetriebener Lkw. Die Belegschaft ist

ng der Produktion bleibt aber wenig Zeit.

Nicht nur auf eine Antriebsart fokusiert: Der Nikola Tre soll

mit Batterie- und Wasserstoffantrieb in Serie gehen.

Der batteriebetriebene Lkw

wird mit einer Reichweite von

rund 400 Kilometern eine Option

für kurze bis mittlere Strecken,

erklärt Diening. Gehe es

um die Langstrecke, also um

Reichweiten von mehr als 1000

Kilometern, ist laut Magirus-Geschäftsführer

der Brennstoffzellenantrieb

die Zukunft. Dessen

Markteinführung ist für 2023 geplant.

In der ersten Ausbaustufe

sollen im Donautal bis zu

1000 Fahrzeuge pro Jahr gefertigt

werden. Bei einem Drei-

Schicht-Betrieb wären bis zu

3000 Fahrzeuge denkbar, erklärt

Diening. Das sei bislang aber

Zukunftsmusik und hänge von

der Nachfrage ab.

Um die neuen Aufgaben bewältigen

zu können wird die

Entwicklungsabteilung – rund

300 Leute für Fahrgestellauslegung

und Konstruktion – zunächst

um 40

Ingenieure verstärkt,

erklärt

Christian Sulser,

Vorstand

für Marketing

und

Vetrieb der

Iveco Magirus

GmbH.

Wie viele

Dem Beispiel

von Iveco und

Nikola Motors

müssen weitere

folgen.

Roman Zitzelsberger

IG Metall

Stellen insgesamt am

Standort geschaffen werden,

lasse sich jedoch

noch nicht sagen. E-Fahrzeuge

seien nicht so komplex

wie Fahrzeuge mit

Verbrennungsmotoren.

Zudem sei aufgrund der

Preise für batteriegetriebene

Lkw der Markt

noch in der Findungsphase.

„Langfristig wird das

sicher eine Erfolgsgeschichte“,

ist Sulser jedoch

überzeugt. Denn

die EU-Gesetzgebung

zwinge die Hersteller

mittlerweile zu Fahrzeugen

mit null Emissionen. „Ulm

hat den Zuschlag für eine absolute

Zukunftstechnologie erhalten,

die erst am Anfang steht.“

An der traditionsreichen Feuerwehrfahrzeugsparte

am Standort

Donautal werde sich nichts

ändern, vielleicht bis auf einige

räumliche Veränderungen, erklärt

Sulser.

Elektro-Lkw beziehen ihre

Energie entweder aus einer Batterie

– die bei Lastwagen allerdings

sehr groß sein muss und

damit entsprechend schwer ist

– oder aus einer Brennstoffzelle.

In letzterem Fall erfolgt die

Stromerzeugung an Bord des

Fahrzeugs. Die Brennstoffzelle

wird in aller Regel aus einem

Tank mit Wasserstoff versorgt.

Politisches Signal

Für die Transformation in der

Fahrzeugindustrie mit ihrer

Vielzahl an Beschäftigten seien

solche Zukunftsinvestitionen

entscheidend, sagte Roman Zitzelsberger,

Bezirksleiter IG Metall

im Südwesten. „Den entsprechenden

Willen vorausgesetzt,

ist es gut möglich, nachhaltige

Technologien an den

bestehenden

Standorten anzusiedeln.“

Dem Beispiel

von Iveco und

Nikola Motors

müssten aber

weitere folgen,

forderte der

Gewerkschaftsvertreter.

Baden-Württembergs Ministerpräsident

Winfried Kretschmann

(Grüne) zeigte sich erfreut

über die Entscheidung.

„Dies ist ein wichtiges standortpolitisches

Signal für den Innovationsstandort

Baden-Württemberg.

Wir freuen uns, dass

das Ökosystem für alternative

Antriebstechnologien in unserem

Land weiter an Schlagkraft

und Dynamik gewinnt.“ Damit

werde ein „wichtiges Fundament

für neue Wertschöpfung

und Arbeitsplätze“ im Land gelegt.

Auch der Ulmer Oberbürgermeister

Gunter Czisch sieht

in der Standortwahl eine „großartige

Zukunftsperspektive“. Es

sei ein Zuschlag, der von vielen

Akteuren befördert wurde. Die

Werksleitung, der Betriebsrat

sowie die Stadt Ulm hätten am

selben Strang gezogen. Zudem

habe es Rückenwind von Bund

und Land gegeben.[!] Julia Kling


44

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

Hymer expandiert in USA

Wohnmobil Der Hersteller aus Bad Waldsee baut künftig Fahrzeuge für den amerikanischen

Markt. Auch im Kreis Ravensburg wird die Produktion ausgebaut.

Thor-Konzern Fahrzeuge der

Erwin Hymer Gruppe werden

bald auch in den USA produziert

und vermarktet. Der Mutterkonzern

der Gruppe,

der US-Branchenriese Thor Industries,

kündigte die Gründung

einer neuen Tochtergesellschaft

unter dem Namen Hymer USA

an. Das Unternehmen solle seinen

Sitz in Bristol, im Bundesstaat

Indiana, haben. Die Produktion

der ersten Fahrzeuge ist

für das vierte Quartal 2020 vorgesehen.

Hymer USA nutzt eine

bereits bestehende, neu renovierte

Werksanlage und plant,

im Laufe des Jahres etwa 7,5 bis

9 Millionen Euro zusätzliche Investitionen.

„Wir sehen auf dem nordamerikanischen

Markt großes Potenzial

für unsere europäischen

Produkte“, sagt der Vorstandschef

der Hymer Group, Martin

Brandt. Der bisherige Technische

Geschäftsführer bei Hymer,

Jochen Hein, wird von September

an für den US-Produktionsstandort

nach europäischen

Standards verantwortlich

sein. Auf seinen Posten am

Blick in die Produktion von Hymer in Bad Waldsee: In den Reisemobilen steckt viel Handarbeit.

Hauptsitz in Bad Waldsee (Kreis

Ravensburg) folgt Hans-Georg

Rauh, der rund 20 Jahre Erfahrung

in der Automobilzulieferindustrie

mitbringt.

Der europäische Marktführer

will künftig auch die Fahrzeug-Gestelle

selbst herstellen.

Am Stammsitz in Bad Waldsee

wird momentan eine eigene

Chassis-Fertigung gebaut. Bislang

stellt das Unternehmen vor

allem den Aufbau der Wohnmobile

her. Angaben zur Investitionssumme

machte Hymer nicht.

Durch die Fertigung könne man

die Basiskonstruktion direkter

auf den Aufbau abstimmen und

weiterentwickeln, sagte Geschäftsführer

Christian Bauer.

Zudem schaffe Hymer neue Arbeitsplätze

in der Region – wie

viele ist derzeit nicht bekannt.

Der Bau der Fertigung ist nach

seinen Worten im Sommer abgeschlossen.

Die Serienproduktion

soll 2021 starten. [!]

Wachstum dank

Puzzle-Trend

Ravensburger Der Trend zum

Puzzeln hat beim Spielehersteller

Ravensburger im vergangenen

Jahr das Wachstum angekurbelt.

Weltweit seien fast 20

Prozent mehr Erwachsenenund

Kinderpuzzles umgesetzt

worden als im Jahr zuvor, sagte

Vorstandschef Clemens Maier.

Der Absatz lag bei 21 Millionen

Stück. Die Umsätze stiegen im

Vergleich zum Vorjahr um 6,7

Prozent auf rund 524 Millionen

Euro. Beim Ausblick auf 2020

bleibt der Unternehmenschef

vorsichtig: „Grundsätzlich erstmal

positiv“, sagt Maier. „Es

wird halt jetzt spannend, wie

sich die Konjunktur verhält. In

manchen Branchen merkt man

ja schon deutlich, dass es zurückgeht.

Wir sehen noch keine

größeren Anzeichen, dass die

Menschen momentan anfangen,

weniger Geld auszugeben.“ Das

könne sich jedoch schnell ändern.

Alno-Chef zieht

sich zurück

Führungswechsel Veränderung

beim Küchenbauer Alno: Der

bisherige Chef der Neuen Alno

GmbH, Thomas Kresser, zieht

sich zurück. Die Geschäftsführung

bestehe künftig aus Jochen

Braun (Finanzen und Produktion)

und Michael Spadinger

(Vertrieb und Einkauf). Details

nannte das Unternehmen nicht.

Kressers Rückzug sei nach dem

Neuaufbau der vergangenen

zwei Jahre planmäßig erfolgt.

Die Alno AG war 2017 in die Insolvenz

geraten. Die britische

Investmentgesellschaft Riverrock

kaufte das Stammwerk in

Pfullendorf (Kreis Sigmaringen)

samt Maschinen ohne Schulden

für rund 20 Millionen Euro. Der

Küchenbauer musste deutlich

schrumpfen: 2016 hatte die Alno

AG noch 1600 Mitarbeiter, heute

sind es nur noch 320 am

Standort Pfullendorf. Tochtergesellschaften

im Ausland gibt

es nicht mehr.

ZF darf

übernehmen

Wabco Der Autozulieferer ZF

darf den US-amerikanischen

Bremsenhersteller Wabco übernehmen.

Die US-Wettbewerbsprüfer

haben den 6,2 Milliarden

schweren Deal genehmigt, jedoch

mit einer Auflage: Wabco

muss sich zuvor von der 2017

erst übernommenen Tochter R.

H. Sheppard trennen.

Knoth löst

Thomas ab

BW-Bank Ilka Knoth übernimmt

zum 1. April bei der BW-Bank

die Leitung des Privatkundengeschäfts

und des privaten Vermögensmanagements

in Baden-

Württemberg außerhalb Stuttgarts.

Sie folgt auf Klaus Thomas,

der in Ruhestand geht.

Vom 1. April

an mit neuer

Aufgabe:

Ilka Knoth.


unternehmen [!] RESSORT 45

VORTEILS-

PREISE

für Abonnenten der

SÜDWEST PRESSE

„abomax“

SÜDWEST IMPULS 2020

VORSPRUNG DURCH WISSEN

EIN WEITERBILDUNGSFORMAT DER SÜDWEST PRESSE

Veranstaltungsort:

Stadthaus Ulm, Münsterplatz 50, 89073 Ulm

Jeweils von 19.30 bis 21.00 Uhr (Einlass ab 19.00 Uhr).

Preise: Einzelkarte 49,– €* | 59,– €

Doppelkarte (2 Pers./Vortrag) 79,– €*

*Vorteilspreis für Abonnenten der SÜDWEST PRESSE „abomax“

Sponsorpartner:

Infos und Buchung bei der Veranstaltungsagentur:

SPRECHERHAUS® | +49 2561 9792888 | www.sprecherhaus-shop.de oder unter www.südwestimpuls.de

1 Do., 06.02.2020 | MENTALKRAFT

Thomas Baschab

Thomas Baschab, der bekannteste Mentaltrainer,

eröffnete Mentale die Kraft Vortragsreihe und zeigte, was Mentalkraft

ist, Die was ungeahnten sie bewirken Möglichkeiten kann und wie einfach es

funktioniert, sein inneres Potenziale zu zu nutzen entfalten und zu nutzen.

2 Do., 05.03.2020 | PERSPEKTIVENWECHSEL

Leander Govinda Greitemann

Perspektivenwechsel

Vom reaktiven zum kreativen Mindset

5 Do., 10.09.2020 | LEICHTIGKEIT

Laura Kellermann

Wie Lebensqualität gelingt

Psychologietipps mit Soforteffekt

6 Do., 08.10.2020 | BEGEISTERUNGSFÄHIGKEIT

Paul Johannes Baumgartner

Das Geheimnis der Begeisterung

Das Feuer in anderen entzünden

3 Do., 02.04.2020 | GESICHTSSPRACHE

Eric Standop

Ich sehe Dich

Lesen, was ins Gesicht geschrieben steht

7 Do., 12.11.2020 | SELBSTMOTIVATION

Dr. Marco Freiherr von Münchhausen

Prinzipien effektiver Selbstmotivation

So zähmen Sie Ihren inneren Schweinehund

4 Do., 28.05.2020 | HUMORFAKTOR

Eva Ullmann

Humor ist mehr als nur lustig!

Lernen Sie Techniken und Wirkung

für sich zu nutzen

8 Do., 17.12.2020 | GEISTESKRAFT

Dr. Henning Beck

Lernst du noch oder verstehst du schon?

Der Weg des Wissens ins Gehirn.


46

LEBEN

unternehmen [!]

Was Manager

in die

Pfanne hauen

Umfrage Dampfnudeln von Oma oder Sauerbraten von

Muttern. Fünf Männer haben unserem Mitarbeiter

Stefan Loeffler von ihrem Lieblingsspeisen und

Missgeschicken zwischen Herd und

Spüle berichtet.

FOTO: ALEXANDER RATHS/SHUTTERSTOCK.COM

Walter Bauer, Prokurist bei der

Neu-Ulmer Settele GmbH & Co.

KG, ist beim Essen jederzeit

offen für Neues.

Für Jürgen Barz, Geschäftsführer

der Barz GmbH, geht nichts

über den Sauerbraten seiner

Mutter.

1Zum Kochen fehlt mir leider

die Zeit. Ich bin eher

der „Speisenerwärmer“,

ein Virtuose auf der

Mikrowelle

sozusagen.

2Pasta

mit leckeren

Soßen

oder

im Sommer

gegrillte

Klassiker

bekomme ich

recht gut hin. Sonst

finde ich auch viel

Unterstützung aus unserem

breit gefächerten

Sortiment im Unternehmen.

3Die Situation ergab sich –

Gott sei Dank – bislang

noch nicht.

4Ein tolles Steak mit Pfefferkruste

und Salat oder Gemüse

dazu, das hat schon was.

5Da fällt mir spontan nichts

ein. Zudem sollte man bei

meiner beruflichen Tätigkeit

immer offen für alles sein.

6Normalerweise habe ich

mich da recht gut im Griff.

Schwierig wird es nur, wenn es

ein Überangebot an Leckereien

gibt. Am liebsten würde ich

dann alles testen, um dann

letztendlich das Beste nochmals

zu kosten.

1Ich koche sehr gerne und

habe mir das meiste selbst

beigebracht, indem ich Rezepte

aus diversen Kochbücher ausprobiert

habe.

2Bowl-Gerichte. Da kommt

alles in einen Topf. Sehr lecker.

3Selber

gemachte

Ravioli,

die allesamt

ineinander

verklebt

waren.

4Der Sauerbraten meiner

Mutter.

5Schnecken!

6Eigentlich bei keinem Gericht.

FOTO: ANEST/SHUTTERSTOCK.COM


unternehmen [!] LEBEN 47

Verbranntes Fleisch, flüssiger

Kuchen, verklebte Ravioli – auch

bei Führungskräften geht mal

etwas schief. Kochen gelernt

haben einige nicht freiwillig,

sondern mangels Alternativen

während des Studiums.

FOTO: DAVID TADEVOSIAN/SHUTTERSTOCK.COM

FOTO. BIG FOOT PRODUCTIONS/SHUTTERSTOCK.COM

1) Kochen Sie gerne – und wo haben

Sie es gelernt?

2) Was tischen Sie der Familie und

Freunden am liebsten auf?

3) Was ist in der Küche schon einmal

richtig schief gegangen?

4) Was ist Ihr Lieblingsgericht?

5) Welches Essen lässt Sie vom Tisch

flüchten?

6) Bei welchen Snacks oder Leckereien

vergessen Sie Ihre Disziplin?


48

LEBEN unternehmen [!]

1) Kochen Sie gerne – und wo haben

Sie es gelernt?

2) Was tischen Sie der Familie und

Freunden am liebsten auf?

3) Was ist in der Küche schon einmal

richtig schief gegangen?

4) Was ist Ihr Lieblingsgericht?

5) Welches Essen lässt Sie vom Tisch

flüchten?

6) Bei welchen Snacks oder Leckereien

vergessen Sie Ihre Disziplin?

1Ja, sehr gerne. Im Studium

habe ich es mir aus der Not

als Autodidakt selbst beigebracht.

2Italienische und französische

Gerichte, wie zum Beispiel

Spaghetti alla puttanesca,

Ossobuco alla milanese oder

bretonisches Huhn.

3Kutteln auf normannische

Art, die waren leider

ungenießbar.

4Andalusisches Huhn

mit Avocado und Trockenfrüchten.

Hat sich das Kochen im

Studium selbst beigebracht

– Dr. Marc Lucassen, Hauptgeschäftsführer

der IHK

Schwaben.

5Ganz klar: Fertiggerichte.

6Hausgemachte

Apfeltarte.

FOTO: PHOVOIR/SHUTTERSTOCK.COM

1Ich koche sehr gerne und

habe mir alles bei meiner

Mutter abgeschaut. Gelernt

habe ich es während des Studiums,

als ich um das Kochen

nicht mehr herumgekommen

bin.

Markus Hitzler, Geschäftsführer

der Werbeagentur Halma

GmbH & Co. KG, probiert sich

gerne durch die verschiedenen

Küchen dieser Welt.

2Ich probiere immer etwas

aus und mache saisonale und

regionale Gerichte, die ich mit

Leckereien aus aller Welt kombiniere.

3Alle Küchen-Pannen-Klassiker:

Hauptzutat liegt noch

im Laden, verbranntes Fleisch,

flüssiger Kuchen, zu viel Salz in

der Suppe, …

4Heute Italienisch. Morgen

etwas anderes. Und übermorgen

wieder was Neues – ich

probiere mich sehr gerne durch

die Weltküche, so dass es „das

eine“ Lieblingsessen gar nicht

gibt. Außer Omas Dampfnudeln

mit Vanille-Sauce vielleicht.

5Alles was sich noch bewegt

oder mich mit großen Augen

anschaut – und Dinge, bei denen

ich keine Rückschlüsse mehr

darauf ziehen kann, was es einmal

war oder woher es kommt.

6Bei viel zu vielen – besonders

die Kombination von

Salzigem mit Schokolade und

Cola lassen mich alle Vernunft

vergessen.

1Kochen überlasse ich lieber

Menschen, die das besser

können. Ab und an koche ich

nach Rezept, denn wirklich gelernt

habe ich es nicht.

2Vegane Burger, dazu Salat.

Das ist einfach und schmeckt

lecker.

3So ziemlich alles...

von Pizza im Ofen

vergessen bis Überschwemmung

beim

Abspülen.

4Klarer Fall:

Pizza!

Innereien kommen bei Roxy-Geschäftsführer

Christian Grupp

nicht auf den Tisch, Pizza

dagegen sehr oft.

5Auch klarer Fall: Alles, was

mit Innereien zu tun hat.

6Cashewnüsse und Softgummies.

FOTO; NEW AFRICA/SHUTTERSTOCK.COM

FOTO: MIRAPHOTO/SHUTTERSTOCK.COM


unternehmen [!] RESSORTAnzeige

49

Dänische Designmöbel und Accessoires

für zuhause, Büro und Gastgewerbe

BoConcept wurde 1952 in Dänemark von Jens

Ærthøj und Tage Mølholm gegründet.

Alles was sie hatten, waren ihre Handwerkskünste

und die Entschlossenheit, hochwertige

dänische Möbel vielen Menschen zugänglich

zu machen. Dabei folgten Jens und Tage

konsequent den Prinzipien, die das dänische

Möbeldesign auf der ganzen Welt bekannt gemacht

haben:

Schlichte Handwerkskunst, reduziertes

Design, hohe Funktionalität

und wertige Materialien.

Prinzipien, die bei BoConcept bis heute gelebt

werden. Bestes Beispiel: Unsere Designikone,

der „Imola-Sessel“. Der moderne Klassiker

wird ausschließlich von den talentiertesten

Polsterern aus hochwertigen Materialien liebevoll

von Hand hergestellt.

Im Laufe der Jahre hat sich die kleine Schreinerei

zur größten Möbelmarke Dänemarks entwickelt.

Aktuell gibt es über 300 Stores in mehr

als 60 Ländern mit den trendigen Möbeln,

Accessoires und Leuchten für Wohn-, Schlaf-,

Arbeits-, Esszimmer und Außenbereiche.

Lieblingsmöbel –

so individuell wie Sie!

Nutzen Sie die vielfältigen Möglichkeiten, Ihre

neuen Lieblingsmöbel in Größe, Material und

Farbe individuell nach Ihren Wünschen zu

konfigurieren. So stehen Ihnen z.B. mehr als

einhundert Leder- und Stoffvarianten zur

Auswahl.

Für Business-Kunden schaffen wir

Wohlfühl-Umgebungen,

in denen sich Mitarbeiter, Kunden und Gäste

wie zu Hause fühlen. Mit Komfort und Ausstrahlung,

individuell geplant und von unseren

Montageprofis geliefert – von Crailsheim bis

zum Bodensee. Für Büro, Gastronomie und

Hotellerie.

Realisieren Sie jetzt Ihren Wohn- und Arbeitstraum

und besuchen Sie unseren Store

in Ulm. Lassen Sie sich auf über 600 qm Ausstellungsfläche

von unzähligen Einrichtungsideen

inspirieren.

Ganz gleich, ob kleine Veränderung oder große

Verwandlung, wir beraten Sie bei uns im

Store und auch bei Ihnen zuhause/im Unternehmen.

Neue Straße 73 I 89073 Ulm I 0731 37990055

store@boconcept-ulm.de I www.boconcept.de


50

NAMEN & NACHRICHTEN

unternehmen [!]

Simmet löst

Brackvogel ab

Medienhaus Die Neue Pressegesellschaft

(NPG/Ulm) hat seit

Jahresbeginn mit Andreas Simmet

(53) einen neuen Vorsitzenden

der Geschäftsführung. Unter

dem Dach des Medienhauses

erscheint die Südwest Presse,

die Märkische Oderzeitung

(Frankfurt/Oder) und die Lausitzer

Rundschau (Cottbus). Das

Medienhaus beschäftigt 2100

Mitarbeiter, 2018 lag der Umsatz

bei 238 Millionen Euro. Simmet

ist seit sieben Jahren im Unternehmen,

hat bisher hauptsächlich

das Geschäft in Brandenburg

geführt. Seit 2018 war er

Mitgeschäftsführer der NPG. Er

leitet das Unternehmen mit dem

kaufmännischen Geschäftsführer,

Matthias Bikowski.

Thomas Brackvogel (65) ist

nach zwölf erfolgreichen Jahren

aus der Geschäftsführung ausgeschieden

und zur Verlagsgruppe

Ebner Ulm gewechselt

(Familie Ebner, hälftiger Gesellschafter

der NPG). Dort hat er

den Vorsitz des Verwaltungsrates

übernommen.

Unternehmenslenker unter sich:

Thomas Brackvogel (li.) und

Andreas Simmet.

Derzeit steht das ehemalige Abt-Gebäude am Münsterplatz leer. Geht es nach den Plänen des Inhabers

Erwin Müller, soll bald die Hotelkette Motel One dort einen Standort eröffnen. Foto: Lars Schwerdtfeger

Aus Kaufhaus Abt wird Motel One

Erst überraschte Erwin Müller mit der Übernahme

des Kaufhauses Abt am Münsterplatz. Jetzt

verkündete der Ulmer Drogerie-Unternehmer,

dass in das mittlerweile leerstehende Haus die

Münchner Hotelkette Motel One einziehen soll.

Das Unternehmen will das Gebäude in ein 150

Kongress der

Controller

Digitalisierung Standardisierung,

Automatisierung und

Künstliche Intelligenz werden

auch für Controller immer

wichtiger. Unter dem Motto

„For a better performance“ stellt

der 45. Kongress der Controller

in München, 27. und 28. April,

bereits gesammelte Erfahrungen

und Möglichkeiten der Digitalisierung

in den Fokus. Weitere

Infos im Internet unter

www.icv-controlling.com.

Nachfolger

stehen bereit

Betten-Haus umbauen. Zu den 5500 Hotelbetten

in der Doppelstadt kommen laut Wolfgang Dieterich,

Geschäftsführer der Ulm/Neu-Ulm Touristik,

1000 Betten bis 2022 hinzu. Dadurch enstehe

ein Preis- und Konkurrenzdruck, der mittlere

und kleine Betriebe gefährden könne.

Betriebsübernahme Die Bereitschaft

von Unternehmerkindern

zur Übernahme des Familienunternehmens

ist gewachsen.

Die Zeppelin-Universität

Friedrichshafen hat im Auftrag

der Stiftung Familienunternehmen

516 potenzielle Nachfolger

befragt. 61 Prozent sehen es

demnach als wahrscheinlich an,

dass ein Team aus Familienmitgliedern

und Nicht-Familienmitgliedern

die Geschäftsführung

übernimmt. Enorme Chancen

sieht die nächste Unternehmergeneration

in der

Digitalisierung und in der Kooperation

mit Start-ups. [!]

Impressum

Verlag & Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77

89073 Ulm

Redaktion

Alexander Bögelein (verantwortlich)

a.boegelein@swp.de

Anschrift wie Verlag

Anzeigen

Stefan Schaumburg (verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

Gestaltung

Alen Pahic (Art Director)

Max Meschkowski

(Layout & Illustration)

Antje Meyer & Katrin Fülle (Bild)

Fotos Marc Hörger (Titel + Titelinterview),

Lars Schwerdtfeger,

Volkmar Könneke, Werkfotos, PR,

Archiv

Druck

Druckerei R. le Roux GmbH

Daimlerstraße 4

89155 Erbach

Objektleitung

Tobias Lehmann

Telefon 0731 156-515

t.lehmann@swp.de

Mediaberatung

Christine Blum

Telefon 0731 156-500

E-Mail c.blum@swp.de

Vertriebsservice

unternehmen.vertrieb@swp.de

Den Datenschutzbeauftragten

erreichen Sie unter:

datenschutz@swp.de

Nächste Ausgabe: 9. Mai 2020

Die Themen

- Wirtschaft im Donauraum – das

Forum zum Donaufest 2020

- Urlaub für Unternehmer – Tipps

für die Freizeit

- Wie die digitale Transformation

das Management verändert

- Innovationen im Vending-Markt

Anzeigenschluss: 9. April

Auflage: 15.000 Exemplare

www.swp-unternehmen.de


unternehmen [!] RESSORT 51

Überblick

ist einfach.

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52

RESSORT unternehmen [!]

Der Touareg

In jeder Hinsicht groß

Attraktives Sonderleasing

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Der Touareg setzt mit seiner kraftvollen Silhouette, seiner dynamisch abfallenden Dachlinie und seinen

innovativen IQ.LIGHT – LED-Matrix-Scheinwerfern 1 neue Maßstäbe in Sachen Design. Eine neue Dimension

des Komforts erwartet Sie auch im Innenraum. Zum Beispiel durch sein neuartiges geschwungenes Innovision

Cockpit 1 , das ganz einfach per Touch-, Gesten- oder Sprachsteuerung bedienbar ist. Genießen können Sie auch

das farbige Ambientepaket 1 mit direkter und indirekter Beleuchtung. Informieren Sie sich bei uns über den

Touareg und vereinbaren Sie eine Probefahrt.

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Kraftstoffverbrauch, l/100 km: innerorts 7,7/außerorts 5,9/kombiniert 6,6/CO 2

-Emissionen, g/km: kombiniert 173.

Ausstattung: Siliziumgrau Metallic, R-Line, Licht-und-Sicht-Paket, Panorama-Ausstell-/Schiebedach, Lederpaket

„Savona“ mit ergoComfort-Sitzen vorn, Komfortpaket „Keyless Access“, Innovision Cockpit, Fahrerassistenzpaket

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