Inkontakt märz april 2020

efggjohannes316

März / April 2020


IMPRESSUM

EFGG Erkelenz,

Am Schneller 8-10,

41812 Erkelenz

EFGG Erkelenz ist vereinsrechtlich

organisiert im

GiFBGG

(Gemeinden im Freikirchlichen Bund der

Gemeinde Gottes e.V.).

Der GiFGG gehört zum FBGG

(Freikirchlicher Bund der Gemeinde Gottes

e.V.) als Dachverband.

Beide Vereine sind als gemeinnützig

anerkannt –

Redaktion und Layout:

Heinz Hepp

inkontakt(@)efgg-erkelenz.de

Bildnachweis: freie Bilder Pixabay

Alle Artikel von externen Quellen sind

entsprechend. gekennzeichnet

INHALT

Autor

Seite

INHALT / IMPRESSUM 2

EDITORIAL 3

WACHEN UND HOFFEN. RÜDIGER PUCHTA 4

GLAUBE SIMON HARTUNG 5

WORAN DEUTSCHLAND GLAUBT MARTIN WALTER 11

“HERR, ICH GLAUBE” HEINZ HEPP 11

DEMAS- VOM MITARBEITER ZUM THOMAS KARKER 15

WEGLÄUFER.

GLAUBE IN DER KRISE ECKHARD KLEPPE 21

GLAUBEN – TROTZ SCHWIERIGKEITEN REBEKKA SCHMIDT 24

GLAUBE IN DER KRISE DAVID WILKERSON 26

TV-TIP RTL PASSIONSGESCHICHTE MARTIN SCHLORKE 29

GLAUBENSZEUGNISSE 30

BUCHBESPRECHUNG NICOLAI FRANZ 33

TERMINE 35-36

Anschrift:

Am Schneller 8-10,

41812 Erkelenz

Internet:

www.efgg-erkelenz.de

Gemeindepastor:

Rüdiger Puchta,

Am Schneller 10

Telefon: 02431 / 5310

Email: Pastor(@)efgg-erkelenz.de

Seelsorger / Ältester:

Heinz Hepp (BCE) Theologe

Telefon: 02433 / 3079264

Email: seelsorger(@)efgg-erkelenz.de

Bankverbindung:

Gemeinden im Freikirchlichen Bund der

Gemeinde Gottes e.V. Hamburger

Volksbank

IBAN: DE30 2019 0003 0000 1910 35 BIC:

GENODEF1HH2

2


EDITORIAL

NUN ABER BLEIBEN GLAUBE,

HOFFNUNG, LIEBE, DIESE

DREI; ABER DIE LIEBE IST DIE

GRÖßTE UNTER IHNEN.

1KORINTHER 13,13

In den nächsten drei Ausgaben von

Inkontakt werden wir uns mit diesen

elementaren Säulen unseres

Christseins auseinandersetzen.

In dieser Ausgabe geht es um GLAUBE.

Wenn wir die Ereignisse der Letzten

Wochen verfolgen könnte man zu der

Auffassung kommen, dass das

Wertesystem unserer Gesellschaft vor

der Auflösung steht. Absurde, politisch

motivierte Greueltaten gegen

unschuldige Menschen. Aktive

Sterbehilfe wird durch das oberste

Gericht unseres Landes sanktioniert.

Wenn die Ehrfurcht vor dem Leben auf

der Strecke bleibt und die Verrohung in

unserer Gesellschaft raumgreifend

wird, muss man sich die Frage stellen

wo der Glaube an den Herrn der

Schöpfung geblieben ist.

Welche Antwort geben wir Christen auf

diese Entwicklungen? Wo stehen wir

mit unserem Zeugnis für Jesus? Ist das

Fundament unseres Glaubens solide?

Diese Fragen müssen erlaubt sein.

Gerade in den letzten Tagen wird unser

Landkreis von den Entwicklungen der

hinlänglich bekannten Pandemie

überrollt. Krisenstäbe sind gebildet und

Notfallpläne ausgearbeitet.

Alles ist unter Kontrolle?

Eine Ärztin aus unserem

Freundeskreis, die in einem großen

Kölner Krankenhaus arbeitet, behauptet

das Gegenteil.

Nichts ist unter Kontrolle!

In Lukas 21: 25 sagt Jesus:

Und es werden Zeichen sein an Sonne

und Mond und Sternen und auf der

Erde Angst der Nationen in

Ratlosigkeit bei brausendem und

wogendem Meer

In einer gottlosen Gesellschaft herrscht

Ratlosigkeit.

Lasst uns mutig und von ganzem

Herzen dieser Welt Hoffnung durch

Jesus Christus bringen, damit

Ratlosigkeit in Glauben verwandelt

wird.

3


Wachen und

Hoffen!

Vom „wachenden und hoffenden Glauben“

berichten die Verse der biblischen

Monatssprüche März und April 2020: Jesus

Christus spricht: „Wachet!“ (Markus 13,37) „Es

wird gesät verweslich und wird auferstehen

unverweslich.“ (1. Korinther 15,42)

Beide Verse stehen im Kontext der Passionsund

Ostergeschehnisse und geben dem

Glauben an Jesus Christus eine besondere

Fokussierung, die Jesus seinen ersten Jüngern

und einige Zeit später, durch seinen Missionar

und Apostel Paulus, der christlichen

Gemeinde in Korinth sehr ans Herz legt.

Wachender Glaube

(Markus 13,37; 14,38)

„Wachet!“ Es ist im Markusevangelium das

letzte Wort Jesu nach einer langen Rede über

die Endzeit. Er kündigt in dieser Rede harte,

letzte Zeiten an: Vermehrtes Auftreten

religiöser Verführer, vermehrte Konflikte

unter den Völkern mit verheerenden Kriegen,

Naturkatastrophen und große Uneinigkeit,

Misstrauen und andere negative

Auswirkungen im Miteinander der Menschen.

Für uns liest und hört sich das an manchen

Tagen so, als hätten wir gerade eine aktuelle

Nachrichtensendung verfolgt oder einen Blick

auf die Schlagzeilen einer Zeitung geworfen.

Deshalb braucht diese Rede Jesu auch unsere

Aufmerksamkeit. Angesichts der

Begleiterscheinungen der Endzeit und erst

recht angesichts des großen Tages seiner

Wiederkunft brauchen auch wir einen

„wachenden, sehr aufmerksamen Glauben“!

Einen Glauben, der sich dabei ganz auf Jesus

verlässt und uns hungrig und durstig nach

seiner Nähe bleiben lässt. Einen Glauben, der

sich vom Heiligen Geist und von Gottes Wort

wahrhaftig leiten lässt - gerade in Zeiten

vermehrt auftretender „Verführer und

Scheinerlöser“. „Wachender Glaube“ ist also

mehr denn je gefragt.

Zwei Tage nach dieser Rede hat Jesus mit

seinen Jüngern im Garten Gethsemane

gewacht, gebetet und riet ihnen: „Wachet und

betet, dass ihr nicht in Versuchung fallt. Der

Geist ist willig; das Fleisch ist schwach.“ Der

biblische Bericht darüber zeigt uns, wie schwer

seinen Jüngern damals dieses Wachen und

Beten fiel. Umso aufmerksamer sollten wir

heute seinen Aufruf zum „wachenden

Glauben“ sehen und beherzigen. In einer

Andacht ist bei mir der Satz hängen geblieben

„Wer glaubt, MUSS wach sein!“

Hoffender Glaube

(1. Korinther 15,42)

„Es wird gesät verweslich und wird

auferstehen unverweslich.“ Ein Satz aus dem

tröstlichen 15. Kapitel im 1. Korintherbrief

über die Auferstehung Jesu und ihre

unabänderlichen Auswirkungen für alle

Menschen, die an Jesus glauben, mit ihm

leben und in diesem Glauben einmal sterben

werden. Ihnen gilt: „So wie Jesus von den

Toten als Erster auferstanden ist, so werden

wir auch einmal von den Toten auferstehen.“

Und: „So, wie der Auferstandene Jesus einen

herrlichen Leib/Körper hat, so werdet ihr auch

einen neuen, unverweslichen und herrlichen

Leib/Körper mit Eurer Auferstehung

bekommen.“

4


Die Korinther damals und viele von uns heute

können sich das kaum vorstellen. Aber es ist

unsere Hoffnung, es ist das große Ziel unseres

Glaubens. Hoffender Glaube ist mehr als unser

täglicher Überlebenskampf im Umgang mit

Sorgen, gesundheitlichen Problemen und

dem Ringen um eine gute Lebensqualität. Der

Apostel Paulus will hier im Namen Jesu unser

Blickfeld, unseren Lebens- und Glaubensfokus

weiten: An jedem Tag unseres Lebens kommt

ein Saatkorn mehr dazu - ja, es wird in unser

aller Leben auch „gesät verweslich“.

Unaufhaltsam, trotz Fitness, gesunder

Ernährung, Gesundheitscheck, Klimaschutz

und guter Altersvorsorge. Nicht, dass das alles

nicht auch sehr wichtig wäre und durchaus

seinen Platz in unserem Leben haben sollte.

Aber: Es hält das „es wird gesät verweslich“ in

unserem Leben nicht auf. Hoffender Glaube

sieht deshalb weiter und freut sich - inspiriert

durch Gottes verheißendes und wahres Wort -

auf das große Finale: „und wird auferstehen

unverweslich.“ In einer guten Erklärung von

Prof. Dr. Uwe Swarat von der Theologischen

Hochschule Elstal lesen wir verständlich und

kompakt: „Bei der Auferweckung aus dem

Tode bekommen wir einen Leib anderer Art,

nämlich einen überirdischen, vom Geist

Gottes durchdrungenen Leib. Dieser Leib ist

nicht mehr armselig, sondern herrlich, nicht

mehr schwach, sondern stark, nicht mehr

verweslich, sondern unverweslich. In diesem

irdischen Leben haben wir alle einen

sterblichen Leib wie Adam ihn hatte. Im

kommenden Gottesreich dagegen werden wir

einen unsterblichen Leib erhalten wie ihn der

auferstandene Christus hatte. Dann wird der

Tod endgültig besiegt sein.“

Eine informative TV-Sendung mit vielen

wissenschaftlichen Themen, die ich sehr mag,

endet immer mit dem Satz „Bleiben sie

neugierig!“ Manchmal möchte ich das als

„Segen nach unserem Gottesdienst“ der

Gemeinde mit auf den Weg geben: „Bleibe

neugierig, bleibe wachsam und aufmerksam

für das, was Gott in Deinem Leben wirkt. Und

bleibe hoffnungsfroh und gewiss angesichts

einer herrlichen Zukunft im himmlischen

Zuhause!“

Ich wünschen allen in den kommenden

Wochen der Passions- und Osterzeit diesen

„wachen und hoffnungsfrohen Glauben“ -

genährt und inspiriert durch die Gemeinschaft

mit unserem Herrn Jesus Christus.

Herzliche Segensgrüße, Rüdiger Puchta

Glaube – Predigt

aus der Reihe

„Glaube, Liebe,

Hoffnung“

Pastor Simon Hartung

Zum Start in meinen Dienst, in der Freien

evangelischen Gemeinde Göttingen, predigte

ich über die drei Kernworte des Christentums:

Glaube, Liebe, Hoffnung! Hier nun die erste

Predigt zum Thema Glaube.

5


Predigttext: Jesaja 7,1–9.

Predigttitel: Glaube und vertraue dem einen

Gott.

Einstieg

Im vergangenen Gottesdienst haben wir uns mit

der Geschichte von den vier Männern und ihrem

gelähmten Freund beschäftigt (Lk 5,17–26).

Diese vier Männer brachten ihren Freund aus

purer Liebe zu Jesus. Und sie erlebten im

Glauben und Hoffen auf Jesus, dass ihr Freund

von Jesus innerlich wie äußerlich heil wurde.

Glaube, Liebe und Hoffnung – die Kernworte

des Christentums. Jetzt wollen wir uns ganz

speziell damit beschäftigen, was eigentlich

dieser Glaube ist. Und dazu stelle ich dir eine

Frage, die dich während dieser Predigt

begleiten soll. Die Frage lautet:

Wem vertraust du?

Vielleicht fragst du dich jetzt was Vertrauen mit

Glauben zu tun hat. Das werden wir heute

klären – Deshalb bitte ich dich, dir mal

Gedanken über diese Frage zu machen und

versuche am Ende der Predigt eine Antwort

darauf zu finden, wem du vertraust.

Hinführung

Vertrauen kann etwas ganz Alltägliches und

dabei Unterbewusstes sein. Zum Beispiel

vertraue ich jeden Tag darauf, dass meine

Bremsen am Auto funktionieren, wenn ich oben

vom Göttinger Waldrand hier herunter zur

Gemeinde fahre. Oder ich vertraue jede Nacht

darauf, dass der Baum neben meinem Haus

nicht umfällt, selbst wenn es draußen richtig

stark stürmt.

Vertrauen kann aber auch etwas ganz Intimes

sein: Ich vertraue meiner Frau meine Ängste,

meine Sorgen und meine Nöte an. Das mache

ich, weil es mir gut tut diese Dinge mal

auszusprechen und ich meiner Frau vertraue,

dass sie diese Dinge nicht in der Weltgeschichte

herumerzählt.

In all diese Dingen ist Vertrauen vor allem eins:

Vertrauen ist etwas Existentielles! Das heißt,

mein ganzes Leben kann nur funktioniert, wenn

ich vertrauen kann. Ohne Vertrauen durchs

Leben zu gehen funktioniert nicht. Wenn ich

nichts und niemanden vertraue, dann traue ich

mich noch nicht einmal, mich zu bewegen. Ich

müsste schließlich damit rechnen, mit jedem

Schritt umzufallen. Ich traue mich nicht einmal

zu sprechen. Ich müsste immer damit rechnen,

dass ich missverstanden werde. Ohne

Vertrauen ist Leben eigentlich kein Leben –

Menschsein kein Menschsein. Doch Situationen

und Geschehnisse im Leben, ob

selbstverschuldet oder nicht, stellen unser

Vertrauen infrage. Wenn die Bremse am Auto

versagt. Wenn der eigenen Frau nicht mehr

vertraut werden kann. Wenn im Leben

zunehmend nichts mehr vertrauenswürdig

erscheint und ich irgendwann sogar mir selbst

nichts mehr traue. Wem oder was kann man

darüber hinaus trauen? So, dass mein Vertrauen

nicht ausgenutzt wird – dass mein Vertrauen

nicht enttäuscht wird?

Wort Gottes

Diese Frage stellt sich auch ein großer König vor

etwas mehr als 2700 Jahren. Dieser König hieß

Ahas und war damals Herrscher von Juda. Er

hatte einen tollen Palast in der wunderschönen

Stadt Jerusalem. Doch Ahas wurde in seiner

Existenz bedroht, alles was er war und alles was

er besaß drohte vernichtet zu werden. Denn das

so genannte Nordreich, dort lebten auch

Israeliten, die zu dieser Zeit auch Efraimiter

genannt wurden, diese ehemaligen Juden

hatten sich mit den Syrern

zusammengeschlossen, um gemeinsam König

Ahas und sein jüdisches Volk anzugreifen. Das

können wir in Jes 7,1+2 nachlesen:

1 In Juda war Ahas, der Sohn von Jotam und

Enkel von Usija, König. Damals zogen Rezin, der

König von Syrien, und Pekach, der Sohn von

Remalja, der König von Israel, gegen Jerusalem

6


heran. Sie griffen die Stadt an, konnten sie aber

nicht einnehmen. 2 Im Königspalast wurde

gemeldet, die syrischen Truppen stünden schon

im Gebiet von Efraïm. Der König zitterte und

mit ihm das ganze Volk, wie Bäume, die vom

Sturm geschüttelt werden.

Ein starkes Bild. Das ist existenzielle Bedrohung

jedes Vertrauens. Nur der Wind als Vorbote des

Sturms führt schon dazu das man anfängt zu

zittern. Es ist noch gar nichts passiert. Aber die

Angst treibt einem schon jetzt die Gänsehaut

auf die Unterarme und man verliert sein

Vertrauen in alles und jeden. Ich fühlte mich

beim Lesen dieser Verse an Herr der Ringe oder

andere Filme mit großen Schlachten erinnert.

Man steht dort auf dem Hügel und überblickt

eine mächtige Armee – jedem ist klar, das

können wir nicht gewinnen. Oder in meine

Lebenswelt übersetzt: Es ist wie dieser Moment

beim Arzt. Also mir geht es auf jeden Fall so.

Schon kurz bevor man die Spritze bekommt,

fühlt man sich alles andere als wohl. Und dem

König Ahas und seinem Volk drohte die

Todesspritze. Zahlenmäßig haben sie keine

Chance. Wenn die syrisch-israelische

Truppenallianz angreift, werden alle sterben.

Wem oder was kann man jetzt noch vertrauen?

Genau in diese Situation spricht der Prophet

Jesaja vollmächtige Worte Gottes. Als Prophet

wurde Jesaja von Gott dazu beauftragt, dem

König an einem bestimmten Ort eine

bestimmte Botschaft zu überbringen. Ich lese

das gleich, es wird ganz genau beschrieben. Das

war die Kernaufgabe des Propheten Jesaja.

Prophet heißt auf Hebräisch ‚navi‘ und was ein

Navi für eine Aufgabe hat, das wissen wir alle im

21 Jh. Ein Prophet im 7. Jh. v. Christ gibt auch die

Richtung vor. Ein Prophet verliert das Ziel nicht

aus den Augen. Dabei erhält er seine Daten

nicht von einem Satelliten, sondern im Hören

auf Gott wird deutlich wo es hingeht. Dabei

kann es auch mal zu Fehlern in der Übertragung

kommen, aber grundsätzlich ist so ein Prophet

schon ganz vertrauenswürdig. Ganz wörtlich

übersetzt heißt ‚navi‘ ‚Berufener Rufer‘. Jesaja

ist von Gott dazu berufen, Gottes Willen über

das Volk des Königs Ahas auszurufen, und das

tut er; Wir lesen die folgenden Verse aus Jesaja

7, die Verse 3–9:

3 Da gab der Herr dem Propheten Jesaja den

Auftrag: »Nimm deinen Sohn Schear-Jaschub

mit und geh zu König Ahas hinaus, ans Ende der

Wasserleitung beim oberen Teich, auf die

Straße, die zum Tuchmacherfeld führt! 4 Sag zu

Ahas: ›Bleib ruhig, hab keine Angst! Werde nicht

weich vor dem Zorn Rezins und Pekachs; sie

sind nur qualmende Brennholzstummel. 5 Die

Syrer unter Rezin und die Efraïmiten unter dem

Sohn Remaljas planen zwar Böses gegen dich.

Sie sagen: 6 Wir wollen nach Juda hinaufziehen,

den Leuten dort Angst einjagen, das Land an

uns bringen und als neuen König den Sohn

Tabeals einsetzen! 7 Aber der Herr, der

mächtige Gott, sagt: Das wird ihnen nicht

gelingen! 8 Syrien ist nicht stärker als Damaskus

und Damaskus nicht stärker als Rezin. Und das

Reich der Leute von Efraïm? In 65 Jahren wird es

am Ende sein und das Volk wird nicht mehr

bestehen. 9 Denn Efraïm ist nicht stärker als

Samaria und Samaria nicht stärker als der Sohn

Remaljas. Vertraut auf den Herrn! Wenn ihr

nicht bei ihm bleibt, dann bleibt ihr überhaupt

nicht!‹«

Dieser letzte Halbvers, der Vers 9b, ist der

Höhepunkt der ersten zwölf Jesajakapitel. Diese

zwölf Kapitel handeln vom Scheitern des Volkes

Israels, besonders auch vom Scheitern der Elite

des Landes, wozu König Ahas gehörte.

Prophetenbücher beschreiben meistens einen

merkwürdigen Kreislauf des Scheiterns:

Zunächst kündigen Propheten Katastrophen

an, da wo sich gesellschaftliche oder religiöse

Missstände im Volk ausgebreitet haben. Denn

Gott könne diese Missstände nicht mehr länger

hinnehmen und greift in die Geschichte ein. Am

Ende aber, ist es Gottes Ziel, dass die Menschen

in Frieden miteinander leben können. Das sie

gesellschaftlich und religiös in seinem Sinne

miteinander und mit ihm leben. Und Gott sagt

7


hier ganz genau, wie das in dieser Notsituation

des Königs Ahas möglich sein wird: Gott

spricht: „Vertraut auf mich! Wenn ihr nicht bei

mir, eurem Gott Zuflucht sucht – werdet ihr

alles verlieren!“

Für das Volk war das eigentlich klar. Im Alten

Testament ist Glauben daher der völlig falsche

Ausdruck, wenn es darum geht, die Beziehung

eines Menschen oder die Beziehung des Volkes

Israel zu Gott auszudrücken. Denn ob die

Menschen glauben oder nicht – diese Frage

stellte sich gar nicht. Natürlich glaubte man an

Gott. Atheisten waren tore Menschen. Es sind

Menschen, so drückt es der Psalmist in Psalm

4,1 aus, die in ihrem Denken und Handeln völlig

verblendet sind. Im Alten Testament gibt es also

kein Glaube oder Unglaube. Man glaubte an

Gott, man glaubte ganz selbstverständlich

daran, dass es einen Schöpfer von Himmel und

Erde gibt. Die Frage ist, ob man diesem

Schöpfer in seinem Leben vertraut! Vertrauen

ist also der richtige Ausdruck, wenn es hier um

die Beziehung zu Gott geht. Man fragte danach,

wie sehr man dem Gott, an den man glaubt, in

seinem Leben vertraut. Denn nur selten konnte

das Volk Israel ernsthaft ihrem König vertrauen,

so wie es die anderen Nationen taten. Wo der

König gleichermaßen auch Gott war. Noch nie

konnten sie auf ihre Mannesstärke im Krieg

vertrauen, das Land war winzig im Vergleich zu

anderen Nationen. Nein, das Volk Juda war

immer abhängig von ihrem gnädigen Gott, der

trotz aller Missstände zu seinem Volk steht.

Ihrem Gott sollen Sie vertrauen und nur ihm.

Gott, der Herr des Volkes Israels – ihm gilt es zu

vertrauen in Krieg und Terror, was dem Volk

angesichts der nördlichen Allianz drohte.

Aber was heißt Gottvertrauen im Alten

Testament? Was meint Gott hier, wenn er von

dem Volk einfordert, ihm alleine zu vertrauen:

Wenn man sich den Weg Gottes mit seinem

Volk anschaut – von Abraham angefangen und

durch alle Königsdynastien hindurch, dann kann

man etwas ganz sowas wie einen gemeinsamen

Nenner finden: Das Wort „allein“ ist hier

entscheidend! Vertrauen auf Gott heißt,

anzuerkennen das Gott allein Gott ist. Er allein

der Geber des Lebens ist und somit das Leben

aus ihm, der Quelle des Lebens heraus zu

gestalten ist. Gott gilt es im Leben zu Vertrauen,

und keiner anderen Gottheit. Im Vertrauen auf

diesen Gott macht es also keinen Sinn, andere

Bündnisse einzugehen! Das hat etwas mit dem

Menschenbild zu tun. Ein Mensch kann nicht

zwei Herren dienen … dieser weise Spruch Jesu

aus dem Matthäusevangelium galt

unausgesprochen auch schon im Alten

Testament und gilt auch heute. In unserer

Gesellschaft ist es total angesagt, sich seine

eigene Religion zusammen zu mixen. Man

nimmt sich einfach das aus den jeweiligen

Religionen, was einem gefällt – doch so macht

man sich selbst zu Gott. Denn Vertrauen auf

Gott bedeutetet zweitens auch, dass wir uns

von diesem Gott in unserem ganzen Handeln

bestimmen lassen. Wenn wir diesem Gott

vertrauen, dann vertrauen wir darauf, dass er

Gutes für unser Leben will – wir hören auf ihn

und nicht auf uns selbst. Denn was passiert

zwangsläufig, wenn ich zwei Herren folgen

möchte? Wenn ich auf der einen Seite Christ bin

und auf der anderen Seite aber mein Handeln

von anderen Religionen oder

Weltanschauungen her gestalte? Ganz einfach:

Du vertraust nicht auf Gott – sondern auf deine

eigene Entscheidung, wann du dein Handeln

von Gott und wann du es von anderen Dingen

bestimmen lässt.

Gott aber will dein ganzes Vertrauen!

Also nicht wie das Nordreich Israel. Sie glaubten

auch an Gott, aber was das Militärische anging,

vertrauten sie nicht auf Gott, sondern suchten

Hilfe bei den Syrern. Halten wir fest: Durch den

Propheten Jesaja fordert Gott das Volk dazu

auf, ganz und gar, mit ihrer ganzen ungeteilten

Existenz auf Gott zu vertrauen, der von sich

sagt, dass er bei seinem Volk sein wird und sie

beschützen wird.

Konkretisierung

8


Was hat das jetzt mit uns zu tun? Vor allem

müssen wir uns fragen, ob das die Antwort auf

unsere Eingangsfrage sein kann – Ist der Gott

des Königs Ahas, der vor 2700 Jahren lebte, ist

Gott auch heute noch die Antwort auf unsere

Frage, wem man im Leben vertrauen kann?

Wenn Vertrauen im Alten Testament heißt, nur

einem Gott zu vertrauen und

sein Leben von Gott her zu

gestalten – gilt das auch

heute noch für uns Christen?

Das besondere an

Prophetenbüchern ist, dass

zwar die Worte des

Propheten Jesaja in eine ganz

bestimmte einmalig

geschichtliche Stunde und zu

unverwechselbaren

Adressaten gesagt wurden

(etwa 732 v. Chr. zu König

Ahas). Aber das diese Worte

Gottes, Worte für diese eine

Stunde sind, bedeutet

keineswegs, dass diese

Worte Gottes in dieser einen

Stunde in sich geschlossen

aufgingen! Nein! Nach

Meinung der Schüler des

Jesaja, die diese Worte

aufgeschrieben haben, und

nach Meinung zweier

Religionen (nämlicher der

jüdischen und der christlichen Religion)

besitzen diese Worte Gottes weit über diese

geschichtliche Stunde hinaus einen großen

Wert. Das schriftliche Wort Gottes hat

Modellcharakter und vermittelt grundsätzliche

Erkenntnisse über Gott und sein Wirken in

dieser Welt.

Diese Worte Gottes haben auch für uns heute,

in unserer neuen geschichtlichen Stunde eine

große Bedeutung. Man muss diese Worte

Gottes allerdings in unsere Zeit hinein

übersetzten. Was heißt es heute, wenn Gott

spricht: Vertraut auf den Herrn! Wenn ihr nicht

bei ihm bleibt, dann bleibt ihr überhaupt

nicht!‹« Diese Worte eins zu eins zu

übernehmen würde zu kurz greifen. Denn ein

paar Verse weiter macht der Prophet Jesaja eine

große, eine weltverändernde Ankündigung.

Das auf und ab des Volkes, mal näher, mal

weniger nah bei Gott; Das Zulassen von

Katastrophen und dann doch wieder die Gnade

und Barmherzigkeit

Gottes. Dieser Kreislauf

soll durchbrochen

werden.

In Jes

7,14 steht, dass eine

Frau einen Sohn

bekommen wird und

dieser Sohn wird der

Immanuel sein –

übersetzt bedeutet das

Gott mit uns!

Und ja, das ist passiert.

Mit Jesus Christus

kommt Gott zu uns. In

Jesus geht Gott

unserem Vertrauen

voraus und schenkt uns

seine Nähe umsonst.

Dieser Gott, den es

wirklich gibt, der liebt

uns. Wir sind Teil seiner

wertvollen Schöpfung.

Er hat uns gemacht,

doch wir haben die

Beziehung zu Gott

aufgekündigt und leben seither „jenseits von

Eden“. Wir leben jenseits der paradiesischen

Vorstellung von einem Leben in Frieden und in

der unmittelbaren Nähe zu Gott. Wir brauchen

uns nur die Tageschau angucken um das zu

erkennen! Wir Menschen, wir alle haben Gott

misstraut und sind eigene Wege gegangen. Wir

haben Gottes Zorn mehr als verdient. Wir, die

wir auf der Flucht sind vor Gott, genauso wie wir

frommen, mit unseren Versuchen, uns doch

irgendwie selbst vor Gott ins rechte Licht zu

stellen. Aber dann ist Jesus erschienen. In ihm

wurde Gott Menschen, er beugte sich tief herab.

9


Er trug am Kreuz, was uns von Gott trennte. Er

nahm auf sich, was uns zukam, ihm aber

niemals: unsere Schuld. Er gab uns als reines

Geschenk, was ihm zukam, uns aber niemals:

Die Würde, wieder freie Söhne und Töchter

Gottes zu sein. Der Vorhang ist zerrissen. Unser

Nein zu Gott wurde von Gott zu einem Ja – der

Vorhang ist zerrissen, der Weg zu Gott ist frei.

Darauf gilt es nun zu vertrauen. Kein Blindes

Vertrauen zu Gott – sondern das vertrauen zu

dem Gott, der in Jesus Christus auf diese Welt

kam und sich ganz für uns hingab. Kein blindes

Vertrauen zu Jesus, sondern echte

Gemeinschaft mit dem Auferstandenen. Zum

Beispiel, wenn wir das Abendmahl feiern, wo wir

schmecken können, was Gott in Christus für uns

getan hat. Hier wird es spürbar im Mund, dass

sich Jesus sich für uns hingegeben hat.

Natürlich können wir (du und ich) ganz viel dafür

tun, dass die Bremse an unserem Auto

funktioniert – aber wir haben es eben nicht

gänzlich in der Hand. Wir können ganz viel dafür

tun, dass unsere Ehen gelingen – also ganz viel

miteinander Reden – und trotzdem kann eine

Ehe scheitern. Es gibt viele Dinge auf dieser

Welt die uns kostbar sind und die uns Sinn im

Leben verleihen – aber wem können wir in den

tiefsten Tiefen unseres Lebens vertrauen –

wenn wir vom Sturm geschüttelt werden wie ein

Baum. Wir Vertrauen dem, der für uns in den

Tod gegangen ist. Wir Vertrauen dem, der

genau weiß, was es heißt, verraten, verachtet

und verspottet zu werden. Wir vertrauen dem,

der alles gegeben hat, damit wir leben können

als Kinder Gottes. Wir vertrauen Christus.

Glaubst du das?

WORAN GLAUBT

DEUTSCHLAND

ARD Themenwoche Woran glaubst Du?

Johannes Kneifel –

einst Neonazi, heute Pastor

"Gott hat mir das Weinen wiedergeschenkt"

Johannes Kneifel war Neonazi, saß wegen

Körperverletzung mit Todesfolge fünf Jahre

im Gefängnis - und ist heute Pastor. Im

Interview erzählt er, was ihm bei

Glaubenszweifeln hilft und warum Wasser für

ihn eine große Bedeutung hat.

Herr Kneifel, woran glauben Sie?

Johannes Kneifel: An die Person Gottes. Ich

glaube vor allem an den Gott, den die Christen

im Glaubensbekenntnis bekennen. Vater, Sohn

und Heiliger Geist.

Wie sind Sie zu Ihrem Glauben gekommen -

und wann?

Zunächst einmal entwickelt sich Glaube

natürlich. Gott wirklich kennengelernt habe ich

2003 im Gefängnis in Hameln. Zunächst haben

mir Christen, die ehrenamtlich ins Gefängnis

kamen oder dort als Seelsorger arbeiteten,

durch ihre Zuwendung Gottes Wesen

nahegebracht. Schließlich habe ich in einem

Gefängnisgottesdienst gemerkt, dass nicht nur

über Gott geredet wird, sondern Gott selbst da

ist und zu mir spricht.

Zur Person

1999 verletzt der 17-jährige Johannes Kneifel

einen Mann mit Fausthieben so schwer, dass

dieser stirbt. Kneifel gehört damals der

Neonazi-Szene an, konsumiert viel Alkohol und

besitzt wenig Perspektive. Wegen

Körperverletzung mit Todesfolge wird er zu fünf

Jahren Gefängnis verurteilt. Dort findet er den

Weg zum christlichen Glauben und beginnt

nach der Haft ein Theologiestudium. Heute lebt

Johannes Kneifel als Pastor in Bayern. Seine

Lebensgeschichte hat er in seinem Buch "Vom

Saulus zum Paulus" niedergeschrieben.

Welche Rolle spielt Ihr Glaube - im Alltag, im

Leben, im Beruf?

Mein Glaube spielt eine sehr große Rolle in

meinem Leben. Ich versuche jeden Tag mit Gott

zu leben, meine Werte an Gottes Werten zu

orientieren, meine Entscheidungen so zu

treffen, dass ich sie vor Gott verantworten kann.

10


Manchmal merke ich auch, dass Gott eine

Richtung vorgibt und Gehorsam von mir

einfordert. Von daher besteht mein Leben

ständig darin, meine Beziehung zu Gott zu

gestalten.

Welche Reaktionen bekommen Sie von

Menschen?

Ich lebe meinen Glauben natürlich nicht nur

individuell, sondern in der Gemeinschaft mit

anderen Christen. Daher ist mein Glaube etwas,

was mich mit anderen Menschen verbindet.

Viele Menschen, die nicht an Gott glauben, sind

immer wieder erstaunt, wenn sie merken, dass

durch Gott in meinem Leben eine positive

Veränderung eingetreten ist, die ziemlich

beachtlich ist.

In welchen Momenten zweifeln Sie an Ihrem

Glauben oder hadern mit ihm?

Natürlich macht mein Glaube auch Krisen durch

und ich erlebe Dinge, die ich lieber nicht erleben

würde. Doch auch da hilft mir mein Glaube, da

ich sehe, dass es mir nicht anders geht als

anderen Menschen. Außerdem bin ich sehr

dankbar, für die Tradition, in der ich leben darf.

Zum Beispiel für die Geschichten der Bibel, in

denen Menschen ihre schmerzhaften Momente

verarbeitet haben. Das hilft mir, mit meinem

Leid zu Gott zu kommen und das Vertrauen

aufrecht zu halten, dass Gott es gut meint -

auch wenn es von außen nicht danach aussieht.

Erzählen Sie uns von einem besonderen

Glaubenserlebnis!

Ein besonderes Glaubenserlebnis war für mich

meine Taufe. Da ich erst als Erwachsener

gläubig geworden bin, habe ich die ganz

bewusst miterleben dürfen. Das war für mich

deshalb ein sehr intensiver Moment, vor allem

weil auf der emotionalen Ebene mehr passiert

ist, als ich erwartet hätte. Ausgerechnet im

Taufgottesdienst, wo Wasser ja eine sehr große

Rolle spielt, habe ich zum ersten Mal nach

langer, langer Zeit angefangen zu weinen.

Dabei habe ich gemerkt, dass Gott mir auch auf

der Gefühlsebene Dinge wie das Weinen

wiederschenkt, die lange Zeit kaputt waren.

Das Interview führte Martin Walter

“HERR, ich

glaube.”

Johannes 9:1-7, 13-17, 34-39

Autor: Heinz Hepp

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen

Probleme mit ihrem Sehvermögen haben. Viele

Menschen verlieren aus dem einen oder

anderen Grund ihr Augenlicht. Stell dir vor, wie

es für Menschen ist, die ohne Sehvermögen

geboren wurden. Wenn ein Mensch nur für eine

Weile im Leben erblindet, wußte er, was sehen

bedeutet. Aber was ist mit den Menschen, die

noch nie sehen konnten? Sie haben noch nie

Farben gesehen, sie haben noch nie den

Sternenhimmel bei Nacht gesehen, sie haben

noch nie etwas gesehen! Eine ganze Welt ist

ihnen verschlossen geblieben.

Heute möchte ich über Blindheit schreiben. In

der Bibel gibt es zwei Arten von Blindheit - eine

Art ist die physische Art, an die wir denken,

wenn wir das Wort „blind“ hören. Aber es gibt

eine andere Art von Blindheit in der Bibel, die

geistige Blindheit. Was ist geistliche Blindheit?

Wir werden es besser verstehen, wenn wir

11


unseren Bibeltext studieren. Ich möchte eine

kurze Definition der geistlichen Blindheit

versuchen. Geistliche Blindheit ist, wenn ein

Mensch nicht sehen kann, wer Jesus Christus

wirklich ist. Geistliche Blindheit glaubt nicht,

dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist, der

Retter der Welt. Geistliche Blindheit ist, wenn

wir nicht in der Lage sind, all die guten Dinge

zu erkennen, die Gott uns geben möchte - das

ist geistliche Blindheit.

Wir werden sehen, wie Jesus Christus einen

Menschen heilt, nicht nur von körperlicher

Blindheit, sondern auch von geistlicher

Blindheit.

Obwohl Jesus bei seinen Jüngern war und sie

hautnah den HERRN erlebten dokumentieren

sie, dass ihr Glaube einen blinden Fleck hat. Wir

sehen problemlos den Holzsplitter im Auge

unseres Gegenübers, aber übersehen mühelos

den Balken im eigenen Auge. Er ist

unser blinder Fleck¹. Jeder Mensch hat

Schwächen, doch liegt hier oft ein blinder

Fleck. Eigene Makel und Schwachstellen sehen

wir nicht – und wollen diese auch nicht

wahrhaben. Schwächen sind eine Kampfansage

anunser Selbstbewusstsein und Selbstwertgefü

hl. Sie konfrontieren uns mit der eigenen

Unvollkommenheit,

Fehlbarkeit,

Menschlichkeit. Nicht wenige setzen das –

fälschlicherweise – mit Minderwertigkeit gleich.

Umso wichtiger ist eine Auseinandersetzung

mit dem eigenen blinden Fleck und möglichen

Schwächen. Das mag unangenehm sein, ist

aber enorm nützlich.

Wenden wir uns den geistlichen blinden Flecken

zu. Ein geistlicher blinder Fleck ist, wenn ein

Christ etwas nicht wirklich versteht. Schauen

wir uns die Jünger an. In den Versen 1-2 heißt es:

„1 Und als er vorüberging, sah er einen

Menschen, blind von Geburt. 2 Und seine

Jünger fragten ihn und sagten: Rabbi, wer hat

gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er

blind geboren wurde?“

Dies war zu dieser Zeit eine übliche Lehre. Da

wird jemand mit Krankheit bestraft, weil er oder

seine Eltern gesündigt haben. Die Jünger sahen

diesen Blinden, der auf der Straße bettelte, und

fragten sich: "Was hat er getan oder was haben

seine Eltern getan, dass er blind geboren

wurde?"

Die Jünger hatten einen geistlichen blinden

Fleck in ihrem Verständnis. Die Jünger

verstanden nicht, warum guten Menschen

manchmal schlechte Dinge passieren. Aber hier

nimmt Jesus ihren blinden Fleck weg. Er sagt:

„3 Jesus antwortete: Weder dieser hat

gesündigt noch seine Eltern, sondern damit die

Werke Gottes an ihm offenbart würden.“

Dieser Mann, der von Geburt an blind war,

wurde nicht für eine bestimmte Sünde bestraft.

Gott ließ zu, dass diese Blindheit ihm zu einem

guten Zweck widerfuhr - damit das Werk Gottes

in seinem Leben sichtbar werden konnte, damit

Gott seine Liebe und Kraft im Leben dieses

Mannes offenbaren konnte.

Hast du irgendwelche geistlichen blinden

Flecken? Wenn wir jemanden leiden sehen,

sagen wir dann auch: "Wow, was hat er getan,

um das zu verdienen?" Oder was ist, wenn du

leidest? Sagst du dir: "Gott muss mich für meine

Sünde bestrafen!" Jesus sagt uns in diesem

Text, warum guten Menschen manchmal

schlechte Dinge passieren - damit das Werk

Gottes im Leben eines Menschen sichtbar wird.

Manchmal lässt Gott zu, dass jemandem

schlimme Dinge passieren, damit er seine

Herrlichkeit durch die Situation diesem

Menschen offenbaren kann.

Eine christliche Frau geht mit einer unheilbaren

Krankheit in ein Krankenhaus, und während sie

12


dort ist, ist sie ruhig, sie betet, sie spricht mit

anderen über ihren Glauben, sie verbreitet

Freude und Optimimus. Vielleicht überrascht

sie sogar die Ärzte oder noch besser - Gott wird

durch ihre Krankheit verherrlicht. Oder

vielleicht stirbt sie - selbst dort wird Gott

verherrlicht, während die Ärzte und

Krankenschwestern zusehen, wie sie auf

getröstete Weise mit dem Tod umgeht, ihren

Glauben teilt und auf Christus vertraut. Gott

nutzt schlechte Situationen im Leben der

Menschen, um seine Barmherzigkeit und Liebe

zu offenbaren.

Jesus fährt fort, den Jüngern zu sagen: „4 Wir

müssen die Werke dessen wirken, der mich

gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die

Nacht, da niemand wirken kann. 5 Solange

ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“

Jesus ist das Licht der Welt. Er ist das Licht in

den dunkelen Momenten und Situationen der

Menschen. Noch wichtiger ist jedoch, dass er

deutlich macht, wer Gott ist und wie ein Mensch

Frieden mit Gott finden kann. Mal sehen, wie

Jesus Licht in das Leben dieses Blinden bringt ...

"6 Als er dies gesagt hatte, spie er auf die Erde

und bereitete einen Teig aus dem Speichel

und strich den Teig auf seine Augen; 7 und er

sprach zu ihm: Geh hin, wasche dich in dem

Teich Siloah! - was übersetzt wird: Gesandter.

Da ging er hin und wusch sich und kam

sehend.“ Stellen wir uns vor, wie es für diesen

Mann war. Nie in seinem ganzen Leben hatte er

jemals zuvor sehen können. Und jetzt wurde

eine ganz neue Welt vor ihm geöffnet. Jetzt

konnte er Farben und Menschen und Bäume

und den Himmel und alles sehen.

Jesus offenbart hier seine Kraft. Er erfüllt die

alttestamentlichen Prophezeiungen, die

besagen, dass der Messias Blinden das Sehen

ermöglichen würde. Jedes Mal, wenn Jesus in

der Bibel ein Wunder vollbringt, war dies seine

Art, Menschen zu zeigen - ich bin der Messias.

Ich bin wer ich sage der ich bin. Ich bin das Licht

der Welt. “ Erkennen wir, warum dieser Mann

blind geboren wurde? Jesus heilte diesen Mann,

damit die Menschen sehen konnten, dass er der

Messias war.

Aber es gab viele Menschen, die sich weigerten

zu glauben, dass Jesus der war, von dem er

sagte, der er sei - die Pharisäer. Die Pharisäer

waren die religiösen Führer dieser Zeit und sie

glaubten nicht, dass Jesus der Messias war. Sie

waren geistlich blind. Jesus war nur ein Lehrer,

dachten sie. Schlechte Dinge passieren

Menschen immer als Strafe für Sünde, dachten

sie. Sie waren geistlich blind. Sie befragten den

Mann, der geheilt worden war, und sie waren

verwirrt. „Wie könnte Jesus Gott Sohn sein,

denn er hat am Sabbat geheilt! “ Sie hielten es

für falsch, Menschen am Sabbat zu helfen –

erkennen wir, wie blind die Pharisäer waren? Sie

verhörten den Mann, der geheilt wurde, und

fragten ihn, für wen er für Jesus hielt. "Er ist ein

Prophet", sagte der Mann. "Er ist von Gott." Die

Pharisäer waren so verärgert, als sie das hörten,

dass sie den Mann aus dem religiösen Leben

Israels exkommunizierten. „Du bist ganz in

Sünden geboren, und du lehrst uns? Und sie

warfen ihn hinaus.”

Kennst du jemanden, der geistlich blind ist, wie

die Pharisäer? Ein Großteil unserer Welt ist

geistlich blind. Ein Großteil der Welt weigert

sich zu glauben, dass Jesus Christus der Sohn

Gottes ist, der Retter der Welt, obwohl Jesus

erstaunliche Wunder vollbrachte, die niemand

außer Acht lassen konnte, wie dieses Wunder

hier. Sogar die Pharisäer geben zu, dass die

Wunder legitim waren. Und dann gab es dieses

größte Wunder von allen, als Jesus von den

Toten auferstanden war. Die Auferstehung

wurde nie widerlegt. Die Augenzeugenberichte,

die unerklärliche Veränderung der

Persönlichkeit der Jünger von schwachen

Zweiflern zu selbstbewussten Christen - all

diese Dinge sagen uns, dass die Auferstehung

tatsächlich stattgefunden hat. Und dennoch

lehnen die Menschen die Vorstellung ab, dass

Jesus Christus der Sohn Gottes und der Retter

der Welt ist. Warum?

Es liegt an einem Geburtsfehler. Du und ich und

jeder einzelne Mensch auf der Welt hat einen

13


großen Geburtsfehler. Es ist geistliche

Blindheit. Die Unfähigkeit, geistliche Dinge zu

sehen. Die Unfähigkeit zu sehen, dass Jesus

Christus Gott und Retter ist. Die Unfähigkeit,

den wahren Weg zum Himmel zu sehen. Dies ist

geistliche Blindheit, und jeder Mensch auf der

Welt wird mit diesem geistlichen Geburtsfehler

geboren.

Deshalb waren die Pharisäer so stur. Und

deshalb sind die Menschen heute so stur. Haben

wir uns jemals gefragt, warum diese oder jene

Person nicht glaubt? Kann diese Person nicht

sehen, was Jesus Christus getan hat? Die

Antwort ist - NEIN. Diese Person kann nicht

sehen, weil sie geistlich blind ist.

Jesus Christus kommt in unsere Welt, um

Menschen zu helfen, Menschen von ihrer

geistlichen Blindheit zu heilen. Viele Menschen

lehnen diese Hilfe ab, wie diese Pharisäer, und

viele Menschen heute. Aber es gibt diejenigen,

die Hilfe suchen. Jesus heilt diese Menschen -

das hat er für diesen blind geborenen Mann

getan. Wenn wir darüber nachdenken, hat er

diesen Mann zweimal geheilt - zuerst seine

körperliche Blindheit und dann seine geistliche

Blindheit. In unserem Bibeltext ging Jesus,

nachdem er gehört hatte, dass die Pharisäer

den Mann hinausgeworfen hatten, und fand ihn

und sagte: „35 Jesus hörte, dass sie ihn

hinausgeworfen hatten; und als er ihn fand,

sprach er: Glaubst du an den Sohn des

Menschen? 36 Er antwortete und sprach: Und

wer ist es, Herr, dass ich an ihn

glaube? 37 Jesus sprach zu ihm: Du hast ihn

gesehen, und der mit dir redet, der ist

es. 38 Er aber sprach: Ich glaube, Herr. Und er

warf sich vor ihm nieder.“

Jesus heilt diesen Mann von seiner geistlichen

Blindheit. Er offenbart dem Mann, dass er der

Messias ist, der gekommen ist, um seine Seele

zu retten. Der Mann sah Jesus an und sagte:

„Herr, ich glaube“, sagte er. Und dann betete er

Jesus an. In seinem Herzen wurde dieser Mann

ein Christ, ein Nachfolger Christi, und das war

das größte Wunder von allen. Jetzt hatte er

nicht nur Augen, die sehen konnten, sondern

auch Augen des Glaubens, die Jesus als den

Retter der Welt sehen konnten. Das hat Jesus

für uns getan. Er hat deine geistliche Blindheit

weggenommen. Warum bist du ein Gläubiger?

Hast du dich das jemals gefragt? Warum bist du

kein Ungläubiger? Warum bist du nicht geistlich

blind wie die meisten Menschen auf unserer

Welt? Wir verdienen wegen unserer Sünde

nichts von Gott - wenn überhaupt, verdienen wir

es, für all die Fehler bestraft zu werden, die wir

in unserem Leben gemacht haben. Aber Jesus

kommt in unser Leben und verändert uns. Er

heilt dich von deiner geistlichen Blindheit. Er

zeigt dir Barmherzigkeit und Gnade und gibt dir

Augen des Glaubens, die ihn sehen und an ihn

glauben.

Genau wie dieser Mann in der Geschichte hat

Jesus uns eine ganz neue Welt eröffnet. Mit

Augen des Glaubens können wir jetzt sehen,

dass unsere Sünden vom Lamm Gottes

weggenommen wurden. Mit Augen des

Glaubens können wir jetzt sehen, dass uns Gott

all die Fehler, die wir im Leben gemacht haben,

vollständig und entgültig vergeben hat. Mit

Augen des Glaubens kannst du jetzt sehen, dass

dir das ewige Leben garantiert ist. Jesus hat

deine Blindheit weggenommen und dir Augen

des Glaubens gegeben. Jetzt kannst du sehen,

dass du einen Gott hast, der alles zu deinem

Besten vorbereitet hat. Jetzt kannst du sehen,

dass selbst die schlechten Dinge, die im Leben

passieren, keine Bestrafung für Sünde sind -

Jesus wurde bereits für deine Sünden bestraft.

Nein, diese schlechten Dinge im Leben sind für

Gott eine Gelegenheit, seine Herrlichkeit zu

zeigen, so wie er es für diesen Mann in dieser

Geschichte getan hat. Jesus hat dich von deiner

14


geistlichen Blindheit geheilt. Jesus hat dir eine

Seele mit Vision gegeben - eine ganz neue Welt

des Glaubens wurde dir geöffnet.

Schätzen den geistlichen Blick, den Gott dir

gegeben hat. Erreiche diejenigen, die blind sind.

Wer weiß, vielleicht bist du sein Werkzeug, dass

Christus eine andere blinde Seele heilen kann.

Zitat: ¹Karrierebibel.de

Predigt über 2 Tim 4,10:

Demas – vom

Mitarbeiter zum

Wegläufer

Die Bibel legt großen Wert

darauf uns immer wieder

in Lebensbeschreibungen

wichtige Hinweise für

unser praktisches

Christsein aufzuzeigen. –

Einige Charaktere finden

wir mit aller

Ausführlichkeit gezeichnet. Andere wiederum

werden uns nur mit knappen Randnotizen

vorgestellt. Manchmal habe ich den Eindruck,

dass diese skizzenhaften Vorstellungen noch

wirkungsvoller sind als die ausführlichen. Davids

Leben wird uns ja im AT reichlich ausgeführt,

hier wird er uns in seiner ganzen Art gezeigt, im

NT finden wir aber sein Leben nur mit einem

knappen Satz umschrieben. Apg 13,36 heißt es:

„Denn David freilich, als er zu seiner Zeit dem

Willen Gottes gedient hatte, entschlief.“ Viele

Einzelheiten, die den Bibelleser interessieren,

sind hier fortgelassen, das Wichtigste seines

Lebens wird gesagt: er hat zu seiner Zeit dem

Willen Gottes gedient.

Paulus hat ja in seinen Briefen am Ende oftmals

noch Grüße von seinen Mitarbeitern erwähnt

und teilweise noch kleine Kommentare dazu

geschrieben. An Timotheus schreibt er in

seinem 2. Brief am Ende einige

bemerkenswerte Worte. Paulus war in äußerst

einsamer und bedrängter Lage im Gefängnis. Es

sind möglicherweise die letzten Worte, die er

überhaupt geschrieben oder diktiert hat. Er war

in Rom gefangen und erwartete das Ende; das

sagen uns die ersten Worte unseres Textes (Vers

6-11): „Denn ich werde schon geopfert, und die

Zeit meines Hinscheidens ist gekommen. Ich

habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den

Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten;

hinfort liegt für mich bereit die Krone der

Gerechtigkeit, die mir der Herr, der gerechte

Richter, an jenem Tag geben wird, nicht aber

mir allein, sondern auch allen, die seine

Erscheinung lieb haben. Beeile dich, dass du

bald zu mir kommst. Denn Demas hat mich

verlassen und diese Welt liebgewonnen und ist

nach Thessalonich gezogen, Kreszens nach

Galatien, Titus nach Dalmatien. Lukas ist allein

bei mir. Markus nimm zu dir und bringe ihn mit

dir; denn er ist mir nützlich zum Dienst.“

Einen dreifachen Blick gibt Paulus uns hier:

• blickte er rückwärts in die Vergangenheit, war

er erfüllt vom Triumph des Siegeszuges des

Evangeliums (Vers 7): „Ich habe den guten

Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet,

ich habe den Glauben gehalten!“

• schaut er vorwärts in die Zukunft: kein Wort

über die bevorstehenden Leiden und

Schmerzen; kein Gedanke an das Beil des

Henkers; er sieht darüber hinweg und spricht:

„Hinfort liegt mir bereit die Krone der

Gerechtigkeit, die mir der Herr, der gerechte

Richter, an jenem Tage geben wird; nicht aber

mir allein, sondern auch allen, die Seine

Erscheinung lieb haben.“

• in die Gegenwart; und gerade die folgenden

Worte von ihm sind mir immer von

besonderem Wert gewesen. Sein Blick in die

Gegenwart ist es gerade, die mir sein Wesen

offenbart: „Beeile dich, dass du bald zu mir

kommst. Denn Demas hat mich verlassen und

diese Welt liebgewonnen und ist nach

Thessalonich gezogen. Kreszens nach Galatien,

Titus nach Dalmatien. Lukas ist allein bei mir.“

15


Paulus war also allein bis auf Lukas, der bei ihm

ausharrte. Kreszens fort, Titus fort, Timotheus

nicht da, Markus fort. Diese alle waren im

göttlichen Auftrag unterwegs, und obgleich

Paulus sie vermisste gedachte er ihrer doch mit

Freuden. Nur eine einzige Abwesenheit machte

ihn betrübt: „Demas hat mich verlassen,“ nicht

im göttlichen Auftrag, sondern „weil er den

gegenwärtigen Weltlauf liebgewonnen hat.“

Wir kennen Demas von früher her. An Philemon

schreibt er: „Es grüßt dich Epaphras, mein

Mitgefangener in Christus Jesus, Markus,

Aristarch, Demas, Lukas, meine Mitarbeiter.“

Hier wird Demas noch als Mitarbeiter

eingereiht.

Am Schluss des Kolosserbriefes schreibt Paulus

(wahrscheinlich aus seiner ersten

Gefangenschaft): „Es grüßt euch Lukas, der

geliebte Arzt, und Demas.“ Hier scheint es

vielleicht schon so, weil er nur so erwähnt wird,

dass es schon Dissonanzen zwischen Paulus und

Demas gegeben haben könnte.

Jetzt musste er schreiben: er „verließ mich, er

gewann den gegenwärtigen Zeitlauf lieb!“

Dieser eine kleine Satz enthält eine ganze

Tragödie; ein Mann, der in inniger

Gemeinschaft mit dem Apostel gelebt hatte,

das war ja geradezu eine kleine Bibelschule, die

der Demas da gemacht hatte, da waren ja schon

die Tischgespräche wertvoll, und der hatte ihn

jetzt verlassen.

Wir wollen 3 Dinge klar ins Auge fassen:

1. die Versuchung: „den gegenwärtigen Weltlauf“;

dann

2. die Zustimmung: „er hat liebgewonnen“; und

schließlich

3. die Trennung: „er verließ mich.“

Niemand, der einmal unseren Herrn Jesus

kennen gelernt hat, verlässt Ihn Knall auf Fall!

Der Teufel reißt einen Jünger Jesu nicht durch

offenen Angriff von Jesus weg. Zu einem

solchen bahnt er sich heimliche Wege. Ein

solcher wird immer erst im Verborgenen des

Herzens rückfällig ehe es zum öffentlichen

Abfall vom Glauben kommt. – Die leise Stimme

der Versuchung ist das erste gewesen, danach

hat der Wille nachgegeben, und eines Tages

heißt es plötzlich: „Demas ist gegangen!“ und in

dem Augenblick wird offenbar, was Gott längst

gewusst hat.

Lasst uns zu unserer eigenen Warnung und

Bewahrung die Dinge etwas näher betrachten.

1. Die Versuchung

Wir wollen uns den Text einmal etwas genauer

anschauen. Der Schwerpunkt liegt in dem Wort

„gegenwärtiger Zeitlauf (aiona).“

Wie konnte aber der Zeitlauf, das Zeitalter

Demas zur Versuchung werden?

1. Erstens durch den Betrug seiner

Gegenwärtigkeit, seiner Realität.

2. Zweitens durch den Betrug seines Wesens,

seiner Art.

Versetze dich in Gedanken in das damalige Rom

zurück. Denke an Paulus, den Gefangenen in

Rom, im kaiserlichen, prächtigen Rom, Rom auf

seinen sieben Hügeln, Rom die ewige Stadt,

Zentrum der weltlichen Macht, Rom, alle Wege

führe dahin! Ich hatte das Vergnügen im August

16


mit 31 Schülern eine Studienfahrt nach Rom

machen zu können. Da waren wir im Kolosseum

(50.000), Circus Maximus (300.000), im Forum

Romanum, da konnte man sich ein wenig einen

Eindruck verschaffen über die Größe und

Herrlichkeit der Stadt in ihrer Blütezeit. Unter

aller Pracht, verborgen vor dem Auge der

Menschen, schmachtete hier der Apostel in

finsteren Gefängnissen. Demas war auch dort.

Demas war in Rom. Er sah das Heidentum, den

Pomp, die Pracht, den Luxus der Patrizier, die

Ausschweifung, die Oberflächlichkeit, das

Lächeln und Genießen des Reichtums. Und was

er sah, war für ihn „der gegenwärtige Zeitlauf.“

Paulus im Gefängnis, mit dem hatte er oft von

einer nahen, kommenden Herrlichkeit

gesprochen; aber hier sah er gegenwärtige,

jetzt bestehende Herrlichkeit. Paulus hatte ihn

unterwiesen, dass es durch Leiden und

Schmach der Gegenwart zu dieser noch nicht

geoffenbarten Herrlichkeit der Zukunft gehe,

und hier sah Demas um sich her lauter

Unmittelbares, lauter Greifbares. Demas

wusste wohl den Unterschied zwischen

Sichtbarem und Unsichtbarem,

dem Tastbaren und dem

Unantastbaren, dem Sinnlichen

und dem Geistlichen.

Auf seinen Reisen mit Paulus hatte

er viele Städte kennen gelernt,

auch Thessalonich, wohin er dann

hernach ging – die leibhaftige

Heimstätte von Luxus und

Ausschweifung. Es war auch in

erster Linie nicht die

Ausschweifungen, nicht die

Gemeinheit der Sünde der Stadt,

was ihn fortzog, sondern die

Tatsache, dass er hier etwas hatte,

was seine Augen sehen, seine Hände greifen

konnten –, eben „den gegenwärtigen Zeitlauf.“

Diese Greifbarkeit des Irdischen ist es, die

unzählige Seelen von Jesus entfernt hat. Moses

hielt standhaft aus, als sähe er den

Unsichtbaren, Demas aber liebte das

Gegenwärtige, das Sichtbare, das Nahe, das

Tastbare, das, wovon er meinte, völlig gewiss

sein zu können. Im Geiste höre ich ihn reden –

ich höre ihn sagen: „Ich liebe Paulus, seine

Ideale sind groß –, aber – ich bin da nicht sicher.

All sein Reden über die kommende Herrlichkeit,

über den wiederkehrenden Jesus, der ein Reich

aufrichten soll, ist doch ungewiss. Rom dagegen

– hier weiß ich doch, was ich habe; das ist doch

dicht um mich her!“ So wog er das

Gegenwärtige ab gegen das Zukünftige, das

Sichtbare gegen das Unsichtbare, das Irdische

gegen das Himmlische, das Sinnliche – nicht im

gemeinen Sinn – das, was Auge und Ohr gefällt,

gegen das Geistliche, was nur durch den

Glauben verstanden werden kann. Liebe

Gemeinde, du kennst Demas! Er lebt in deiner

Nähe. Du bist vielleicht Demas! Das

gegenwärtige Zeitalter ist Versuchung für uns

alle!

Schau dir die Betörung seines Wesens und seine

Art an! Alles, was Demas in Rom oder in den

anderen Städten sah, alles, was ihn so sehr

beeinflusste, war das gerade Gegenteil von

dem, was Paulus ihn gelehrt hatte. Paulus hatte

geredet von Selbsthingabe, die das Leben erst

lebenswert macht, und dass man sterben muss,

um zu leben. In Rom sah Demas Leute, die nicht

durch Selbsthingabe, sondern durch

Selbstbestimmung im Leben herrschten. Denn

der Grundzweck aller Sünde ist Selbstsucht.

Paulus hatte gesagt, das höchste Gesetz des

17


Lebens sei „dienen.“ Er hatte Demas und die

anderen in die Fußstapfen Jesu geleitet, der am

größten war, als er Seinen Jüngern die Füße

gewaschen hat.

Demas sah in Rom aber Menschen, die nicht

ihre Ehre darin suchten, anderen zu dienen,

sondern darin, sich möglichst viele andere

dienstbar zu machen. Paulus hatte gelehrt, in

Gottes Reich sei Kreuzesnachfolge der

Reichtum; in Rom hieß das Gesetz des Lebens:

Besitzen, erjagen, erhaschen, einsammeln! – In

dem Maße, wie Demas der unsichtbaren Dinge

unsicher geworden war, klammerte er sich an

das, was er sah. Das Gegenwärtige sagte ihm:

Sei kein Narr! Rede nicht von Selbsthingabe,

befriedige dich selbst und tue, was dir gefällt.

Folge deinen Gelüsten in der gegenwärtigen

Stunde. Erwarte nicht eine bessere Zeit in einer

unbekannten Zukunft! Rom sagte ihm: Sei kein

Narr und diene den Menschen, sondern lass die

Menschen dir dienen. Rom sprach: Rede nicht

von Entsagen! Geh’ hin, ergreife, was du

bekommen kannst!

Reichtum wurde ihm geboten, Freude wurde

ihm geboten, Freiheit wurde ihm geboten. „Tu

was du willst, Hauptsache es macht Spaß!“ das

impft uns die Welt ein. Und da konnte er nicht

widerstehen.

2. Die Zustimmung

Warum ist Demas aber den Weg gegangen? Ich

frage deshalb, weil doch die anderen, die mit

Paulus in Rom gewesen waren, dieselben

Versuchungen gesehen und empfunden haben,

und ihnen nicht zum Opfer gefallen sind.

Vergessen wollen wir nicht, dass der Betrug des

gegenwärtigen Zeitalters immer eine Gefahr für

den Glauben ist, aber dass diese Gefahr nicht

notwendigerweise über den Glauben zu siegen

braucht. Erst wenn der Glaube seine Kraft

verleugnet, ist der Sieg auf der feindlichen

Seite. „Lieb gewonnen“ – das ist des Rätsels

Lösung; das hier gebrauchte griechische Wort

heißt nicht „phileo“ sondern „agapeo“, der

stärkste Ausdruck für „lieben“, den man wählen

kann. Er drückt Liebe aus, die auf Erkenntnis,

auf Willen beruht. Dies bedeutet „willkommen

heißen,“ dies ist eine Herzensangelegenheit,

Herzblut, mit ganzem innigen Willen Ja zur Welt

sagen, dort suche ich jetzt mein Glück.

Wie ist Demas zu solcher Willensentscheidung

gelangt?

Er und wir leiden an einer Augenkrankheit: dem

Schielen. Ein Auge auf die ewigen Dinge, ein

Auge auf das was die Welt mir so zu bieten hat.

Heilung ist nötig!

Wir wollen noch mal einen Schritt rückwärts

gehen, damit wir die ganze Entwicklung besser

fassen können. Was hatte Paulus doch gesagt

im Blick auf sich selbst, als er vor seinem Ende

schrieb: „Nicht allein aber mir, sondern allen,

die Seine Erscheinung liebhaben!“ Hier liegt der

große Gegensatz. Stell einmal Leute, die Jesu

Erscheinen liebhaben, solchen gegenüber, die

das gegenwärtige Zeitalter liebhaben, und du

verstehst Demas noch besser, warum er den

Apostel verlassen hat. Der erste unheilvolle

Schritt war das Vergleichen. „Die Erscheinung

Jesu“ – wie ungewiss! Wie groß ist die

Versuchung, wenn der Satan uns ins Ohr

flüstert: „Dein HErr verspricht zu kommen!

Vielleicht kommt Er nie; so wie’s ist, so bleibt’s!“

Welche Versuchung!

Wie kam Demas dahin, den obigen Vergleich zu

ziehen? Was für Umstände bringen eine Seele

dahin, das Erscheinen des kommenden HErrn

und das gegenwärtige Zeitalter zu vergleichen?

Petrus sagt: „Wendet allen Fleiß an, zu eurem

Glauben hinzuzufügen …“ und somit wissen wir,

dass der Glaube entfaltet und gepflegt werden

muss. Eine Blumenknospe mag als Gleichnis

dienen. In der Knospe ist alles enthalten, was die

kommende vollendete Blüte ausmacht, ja, was

die Frucht ausmacht. So ruht im Glauben auch

schon alles, was eine vollendete Heiligung

ausmacht. Das Höchste, was nach der

Darstellung des Petrus aus dem Glauben

kommt, ist: die Liebe. Die Liebe ist die Frucht:

die aus der Knospe kommt. Paulus nimmt

einmal im Galaterbrief dasselbe Gleichnis auf,

die Frucht des Geistes: Liebe,….

Woran fehlt es denn bei Demas? Am Glauben?

Nein, er hatte geglaubt, er war Jesu

18


nachgefolgt, aber er hatte es an dem Fleiß

fehlen lassen, den Glauben auszubauen; er

hatte vernachlässigt die Gabe, die in ihm war;

infolgedessen war der unentwickelte Glaube

unfruchtbar geworden.

Dies ist die Entwicklungsgeschichte jeden

Abfalls. Unterlasse es, mit allem

Fleiß die Fähigkeiten des Glaubens

zu entwickeln und zu fördern, so

wird der Glaube eine unfruchtbare

Blüte bleiben; dann werde ich

unwillkürlich das Sichtbare mit dem

Unsichtbaren, das gegenwärtige

Zeitalter mit der Erscheinung Seiner

Herrlichkeit vergleichen – und der

verkümmerte Glaube wird

unterliegen.

Was folgte dem unglückseligen

Vergleich? Demas wurde schwächer

und schwächer im Glauben, das

Entfernte entfernte sich noch mehr;

Gebet war eine Anstrengung, das

Forschen in den Schriften überflüssig

und zeitraubend. Woher mag es nur

kommen, dass so viele bekennen: ich

kann nicht mehr beten, wie ich

früher tat? Der Himmel ist vernebelt, Jesus ist

weit weg für mich. – Wenn dem so ist,

Geschwister, dann haben wir angefangen,

Vergleiche zu ziehen, nachdem wir unser

Glaubensleben haben verkümmern lassen;

denn genau so rasch als das Ewige an Wert

verliert, gewinnt das Zeitliche an

Anziehungskraft, wenn die Seele den Glauben

vernachlässigt.

Wenn dann schließlich das Nahe immer näher

und das Gegenwärtige gegenwärtiger

geworden ist, immer begehrenswerter, dann

stimmt der Wille zu, und die Zuneigungen

werden dem Irdischen zugewendet, nicht

übereilt, sondern überlegt! Wenn wir den Ernst

dieses Schrittes, den Demas tat, ganz verstehen

wollen, so brauchen wir nur daran zu denken,

was Paulus einstmals an die Kolosser schrieb,

als Demas noch bei ihm war: „sinnet auf das,

was droben ist,“ d. h. setzet eure Zuneigungen

auf das, was droben ist.

Niemand lasse in diesen Dingen die

Entschuldigung gelten, man könne nichts dafür,

was man liebhabe! Glaubenshingabe entspringt

aus dem Willen, nicht aus Gefühlen. „Sinnet auf

das, was droben ist“ – das ist ein Befehl. Demas

aber sann mit Willensentschluss auf das, was

auf Erden ist; so kam er in die kritische Stunde,

wo er offen erklärte, dass er das Risiko einer

ungewissen Ewigkeit nicht auf sich nehmen

wolle.

3. Die Trennung

Demas verließ Paulus und das Gefängnis und

seine Bedrängnisse; er schied aus der

Gemeinschaft der wenigen Seelen, welche

immer noch Jesu Erscheinung lieb hatten aus; er

verließ Paulus, Lukas und die anderen; er

verließ Jesus.

Wo ging er nun hin? Nach Thessalonich, in eine

der bedeutendsten Städte des Reiches; ein

Mittelpunkt des Handels, in seinem Reichtum

und seinem Götzendienst eine rechte

Verkörperung des damaligen Zeitalters. Ein

Demas wird immer ein Thessalonich finden; wer

19


sich einmal entschlossen hat, um für das

Gegenwärtige das Ewige herzugeben, findet

immer ein Thessalonich. Vielleicht fand er das

was sein Name ‚Demas‘ bedeutet: „populär“,

„beliebt sein“.

Vielleicht findest Du Dich bei dem was wir jetzt

besprochen haben wieder? – Stehst du mit

Lukas bei Paulus in der Gemeinschaft mit Jesus?

Hast du Jesus lieb? Hast Du Jesus Dein Leben

übergeben und auf Deinem Glaubensweg den

Blick auf den unsichtbaren Jesus geheftet?

Hast du vielleicht in Demas dein eigenes Bild

erkannt, zwar bist du noch nicht in Thessalonich

– so weit ist es bei dir noch nicht gekommen;

aber du machst doch schon Vergleiche! Du hast

kürzlich viel darüber nachdenken müssen, dass

es doch im Grunde vorteilhafter wäre, die Welt

von heute zu nehmen, wie sie ist, anstatt auf

etwas zu warten, was du noch nie gesehen hast.

Entscheide dich heute! Und wenn du das

Sichtbare wählen solltest, dann sollst Du Dir

folgendes nochmals durch den Kopf gehen

lassen, dass wir immer irgendwelchen Träumen

nachhängen:

Mit 14 bestaunen wir den zweirädrigen

Feuerstuhl, der an der Ecke abgestellt ist. 200

Sachen macht er ohne Schwierigkeiten. Motor,

Form, Armaturen sind einfach spitze. Wieso

gibt’s den Führerschein erst im Greisenalter von

18? Wer dies Motorrad hat, der hat’s.

Mit 24 suchen wir nach dem Traumjob, der auf

dem Stellenmarkt angeboten wird: 5 Mille im

Monat bei einer 35-Stunden-Woche. Der

Jahresurlaub sollte 50 Tage nicht

unterschreiten. Wieso muss sich jeder

krampfhaft kaputtschaffen? Wer diesen ]ob

hat, der hat’s.

Mit 34 sparen wir für das Eigenheim, das einen

großen Brocken kostet. 150 qm Wohnfläche

würden ausreichen. Möglichst am stillen Wald

oder auf der grünen Wiese muss es stehen.

Wieso soll ich ein Leben lang Miete zahlen? Wer

dieses Heim hat, der hat“s.

Und mit 44 blättern wir im Urlaubskatalog, mit

55 studieren wir Gesundheitsbücher, kurzum:

Das Leben hängt mit Sachen zusammen. Das

Ding muss her, etwas Zählbares, Greifbares,

Sichtbares. Wer dies hat, der hat das Leben.

Und der Apostel sagt: Träumereien! Wach

endlich auf und überlege! Das gleiche hat auch

der reiche Kornbauer gemacht und dann war

Schluss mit lustig!

Glaubt ihr, Demas hat das Zeitalter, das er

liebte, wirklich gewonnen? Kannst Du es

festhalten?

Wenn Schüler manchmal zu mir sagen: „Ich

muss da jetzt mal schnell…“ dann sage ich

manchmal: „Du das einzige, was du musst ist

sterben, sonst nichts!“ Das müssen wir, der

reiche Kornbauer war über Nacht weg. Da war

es mit seinen Träumen aus! Er stand vor Gott im

Gericht und sein ganzer Reichtum war nichts als

ein Griff ins Klo!

Ich bitte dich, korrigiere deine Pläne; hör auf,

Vergleiche zu machen. Ein gefahrvolles Grab

harrt jenem, der dabei verharrt. Ich habe auch

schon öfters gedacht gibt es noch etwas

anderes als Jesus? Nirgends finde ich so etwas

wie bei Ihm!

Was geschah denn schließlich mit Demas?

Niemand weiß es. Ich gehöre auch nicht zu

denen, die einen Demas immer gleich

schnurstracks in der Hölle sehen. Die Bibel sagt

uns nichts mehr, das reicht.

20


Ich bin ganz gewiss, wenn Demas

zurückgekehrt wäre, hätte der Herr ihn wieder

aufgenommen, ohne einen Vorwurf. Auch

Paulus hätte ihn willkommen geheißen, wie er

es bei Markus ja auch getan hatte, der war auch

unterwegs mal ausgestiegen. Auch der hat

Paulus einmal den Rücken gekehrt.

Bist Du mit Demas in Thessalonich, wo es

keinen freien Ausblick in die Ewigkeit gibt

– Demas, kehre um, und du wirst

freundlich aufgenommen werden!

Wenn du bis heute zwischen dem

Sichtbaren und Unsichtbaren geschwankt

hast, – halt! sage ich. – Triff deine Wahl,

indem du zum Kreuz des Sohnes Gottes

aufschaust!

Meine Botschaft gilt in erster Linie solchen

Männern und Frauen, die von Christo abgeirrt

sind. Dann aber auch denen, die Ihm noch nie

nachgefolgt sind. Auch ihr, – wählet – ich bitte

euch – das Unsichtbare, das Geistliche, das

Ewige gegen das Sichtbare, Zeitliche! Der

Segen wird nachfolgen und er quillt ins ewige

Leben!

Prädikant Thomas Karker, Bremen

GLAUBE

IN DER KRISE

PFARRER ECKHARD KLEPPE

Text: Jesaja 63, 15 – 17.19 + 64, 1 – 3 ´

63 15 So schau nun vom Himmel und sieh herab

von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! Wo ist

nun dein Eifer und deine Macht? Deine große,

herzliche Barmherzigkeit hält sich hart gegen

mich.

16 Bist du doch unser Vater; denn Abraham

weiß von uns nichts, und Israel kennt uns

nicht. Du, HERR, bist unser Vater; »Unser

Erlöser«, das ist von alters her dein Name.

17 Warum läßt du uns, HERR, abirren von

deinen Wegen und unser Herz verstocken, daß

wir dich nicht fürchten? Kehr zurück um deiner

Knechte willen, um der Stämme willen, die dein

Erbe sind!

19 Wir sind geworden wie solche, über die du

niemals herrschtest, wie Leute, über die dein

Name nie genannt wurde.

Ach daß du den Himmel zerrissest und führest

herab, daß die Berge vor dir zerflössen

64 1 wie Feuer Reisig entzündet

und wie Feuer Wasser sieden macht, daß dein

Name kundwürde unter deinen Feinden und die

Völker vor dir zittern müßten,

2 wenn du Furchtbares tust, das wir nicht

erwarten

3 und das man von alters her nicht vernommen

hat. Kein Ohr hat gehört, kein Auge hat gesehen

einen Gott außer dir, der so wohl tut denen, die

auf ihn harren. „Schön wär’s“, kann man da nur

sagen. Und wäre es nicht wirklich schön, etwas

zu spüren von Gott, sogar etwas von Gott zu

sehen und zu hören? Das ist doch die Quelle

allen Zweifels, dass für uns Gott nur zu glauben

ist und eben nicht zu sehen und zu hören, wie es

hier im letzten Vers heißt. Das Schweigen und

die Leere sind für viele Menschen der

entscheidende Grund, sich mit ihrem Leben von

Gott ab zu wenden. Für sie ist wirklich und

tatsächlich nur das, was sie sehen und hören. Da

spielt der Glaube, der christliche Glaube keine

große Rolle und mehr als der Glaube daran, dass

ein Pfund Rindfleisch eine gute Suppe gibt, ist

nicht drin.

21


Letztens habe ich in einer Zeitschrift( Publik

Forum,2011/12 „Höllenpredigt“) gelesen, die

wirkliche Probleme der Kirchen seien nicht die

Steuern oder die behauptete Langeweile der

Gottesdienste oder die falschen Antworten auf

die Fragen der Zeit oder Antworten sogar auf

Fragen, die keiner gestellt hat – das wirkliche

Problem sei eine Glaubenskrise.

Jahrhundertelang sei den Menschen vor Gott

Angst gemacht worden mit „Höllenpredigten“,

so nennt das der Artikel. Das geschah so

eindringlich und über so lange Zeit, dass es auch

im Unbewussten bis heute nachwirkt. Angst will

man natürlich loswerden. Das tun wir Menschen

und auch viele Tiere unter anderem durch

Flucht.

Und so kommt es, dass die Menschen vor Gott

fliehen. Sie tun das nicht mit den Füßen,

sondern im Kopf, in dem der Gedanke, dass kein

Gott sei, zu einer Art Schlagzeile oder

zumindest zu einem Untertitel des Lebens wird.

Und um das Ganze auch noch schlau aussehen

zu lassen, beruft man sich eher wahllos auf diese

oder jene Erkenntnis der Wissenschaft. Und

dann ist sie da, die Glaubenskrise, und die

Menschen in ihrem Selbstverständnis sind

tatsächlich zu „solchen geworden, über die der

Name Gottes nie genannt wurde.“ „Mit Gott“,

sagen die Menschen dann einfach, „habe ich

nichts zu tun!“ Glaubenskrise!

Das ist keine moderne Erscheinung und sie tritt

nicht jetzt zum ersten Mal auf. Sie ist uralt. Der

Prophet Jesaja kennt das schon, wenn er eben

fragt: „Sind wir nicht geworden wie solche, über

die du niemals herrschtest, wie Leute über die

dein Name nie genannt wurde?“ Und sind wir

heute nicht genau so, zumindest viele, nämlich

so geworden wie Leute, über deren Leben eine

andere Überschrift samt Untertitel steht als

die: Ich kann leben im Vertrauen auf Gott!?

Bei Jesaja hatte die Glaubenskrise natürlich

einen anderen Hintergrund. Hier wird geredet

im Rückblick auf das sogenannte Exil, das Israel

unter babylonischer Herrschaft erleiden

musste. Dazu war es gekommen durch ein

Verhalten, dass man heute noch kommentieren

würde mit den Worten: Wer nicht hören will, der

muss fühlen. Auf Gottes Gebote wollten die

Menschen nicht mehr hören und das Exil war die

Quittung. Dort im Exil geht den Menschen auf

wie leblos, bewegungslos und hoffnungslos ein

Leben fern von Gott ist. In dieser Situation eines

traurig-trübsinnigen Daseins versucht der

Prophet – nebenbei bemerkt ist das nicht Jesaja

selber sondern eine Art Schüler, ein Nachfolger

von ihm - der versucht Gott zu bewegen, seine

Macht wieder zugunsten Israels auszuspielen.

Wie ich finde macht er das nicht sonderlich

geschickt. Er versucht Gott eineBringschuld

unter zujubeln. Er sagt: „Du bist doch unser

Vater, warum lässt du uns allein; du bist doch

der Herr, warum lässt du uns allein? Du bist doch

der Erlöser, also mach doch und erlöse uns vom

Exil, bereite uns die Heimat“!

Er geht sogar soweit, Gott die Verantwortung

dafür anzulasten, dass die Menschen abgeirrt

sind von ihm und ihre Herzen verstockt haben.

Das tut er nämlich, wenn er schreibt: „Warum

lässt du uns Herr, abirren von deinen Wegen und

unser Herz verstocken, dass wir dich nicht

fürchten?“

Ja warum tut der Herr das wohl? Genau kann

man das nicht sagen. Man kann nur spekulieren

aber vielleicht ist folgende Spekulation gar

nicht so weit von der Wahrheit entfernt:

Vielleicht tut er es deshalb, weil er keine

Marionetten haben will, sondern Menschen, die

aus freiem Willen und weil es der Logik und

Vernunft des Lebens entspricht, an ihn glauben

und ihm vertrauen. Stattdessen gebärden sie

sich damals ganz ähnlich wie heute.

Verantwortung wird abgeschoben und es sind

oder ist vorzugsweise immer der andere, der als

schuldhafter Verursache herhalten muss. Das

werden sie, liebe Gemeinde, aus eigener

Erfahrung reichlich kennen. In diesem Fall wird

die Schuld sogar auf Gott geschoben: „Warum

hast du uns irren lassen – Du“!

Die Menschen, sie wussten genau, was Gott

von ihnen wollte: „Den Nächsten lieben, wie

sich selbst und Gott von ganzem Herzen, ganzer

Seele, mit allen Kräften und von ganzem

22


Gemüt.“ Daran hat sich bis heute nichts

geändert, am Willen Gottes. Das wussten die

Menschen ganz genau. Trotzdem sind sie

sozusagen mit vollem Tempo bei Rot über die

Ampel. Und jetzt hinterher wird gesagt: Gut,

die Ampel war zwar rot, das haben wir gesehen,

aber warum steht die denn auch hier? Die

Ampel ist schuld - oder der, der sie aufgestellt

hat.

„Herr, warum lässt du uns abirren von deinen

Wegen?“ Das ist keine gute Frage, weil das

„Fremdgehen“ immer einen selbst zum

Verursacher hat. In dem Zusammenhang muss

man nach sich selbst fragen.

Nun hat der Text aber noch einen zweiten

Charakter, nicht nur den der

Ungeschicklichkeit, Gott ein Versagen an zu

heften.

Der, der hier schreibt, ist zugleich getrieben von

einer aufrichtigen Sehnsucht und in jeder

Sehnsucht steckt ja auch ein bisschen

Verzweiflung, die einen mal so und mal so reden

lässt. Denn am Ende stellt er dann doch fest,

dass mit Gott nicht anders umzugehen ist, als

auf ihn zu harren, d.h. zu warten. „Kein Ohr hat

gehört, kein Auge hat gesehen einen Gott außer

dir, der so wohl tut denen, die auf ihn

harren.“ Man muss nicht genau sehen und

hören im physikalischen Sinn, sondern

vorzugsweise warten, um Wohltaten Gottes

wahrnehmen zu können. Diese hohe

Bedeutung des Wartens spiegelt sich für uns

wieder im Advent.

Und dieses Warten des Propheten ist

durchdrungen, nicht so, wie heutzutage von

Konsum, sondern von einer brennenden

Sehnsucht. „Oh Heiland reis die Himmel auf,

herab, herab vom Himmel fleuß“, dieses alte

Lied ist diesem Bibeltext nachgedichtet.

Sehnsucht, Sehnsucht nach ein bisschen mehr

Himmel auf der Erde, ein bisschen mehr

Menschlichkeit und Gerechtigkeit und Frieden

und einer Heimat, die der Seele halt gibt. Nicht

mehr verloren sein im Exil, das war die

Sehnsucht damals.

Gilt das auch für uns heute? Viele können, wie

gesagt, mit dem christlichen Gottesglauben

nichts mehr anfangen. Schlechter geht es uns

deshalb nicht. Und wir sind vielleicht auch

solche, die gerne die Schuld bei anderen

suchen, wenn etwas nicht nach unserer Nase

geht. Aber leben wir auch in einem Exil, dass die

Sehnsucht stark werden lässt?

Natürlich leben wir in keinem Exil im wörtlichen

Sinn. Aber wenn Exil bedeutet, nicht mehr da

sein zu können, wo man hingehört, wir aber

eigentlich zu Gott gehören, dann kommt das

Leben im Exil bedrohlich nahe. Das ist dann

vielleicht das Exil der Einsamkeit und

Verlassenheit, dem immer mehr Menschen

ausgesetzt sind, weil Liebe nicht mehr den Weg

findet sich darin auszudrücken, Zeit zu haben

für den anderen. Vielleicht ist es das Exil des

Urwalds, in dem unablässig mit den Ellbogen

gekämpft werden muss, um sich sein

Überlebensrecht zu bewahren. Vielleicht ist es

das Exil des Konsums, das nicht nur unser

Portemonnaie, sondern uns selber zu Zwergen

werden lässt gegenüber einem Gebirge an

Konsumgütern, ein Gebirge, aus dem es kein

Ausweg gibt, nur den Hunger nach immer mehr.

Und die Menschen, die nur noch am Computer

sitzen, keinen Kontakt mehr zu anderen haben

und die sogenannte virtuelle Welt für die

Wirklichkeit halten, ist das nicht auch eine Art

Exil, das Exil der großen Illusion?

Ich glaube, ein Exil kann viele Gesichter haben

und es steckt darin doch immer ein und

dasselbe, die Sehnsucht nach oder die Hoffnung

auf wirkliches Leben.

Aber wie ist das denn zu erreichen? Über

welche Hoffnung ist das zu erreichen?

Was bleibt denn zu hoffen, wenn die Hoffnung

auf Gott in die hinterste Reihe gesetzt oder

gleich ganz des Saales verwiesen wird? Worauf

soll man hoffen? Auf den Lottogewinn oder

darauf, möglichst viel Spaß zu haben im Leben

oder darauf, dass man nie von Neid zerfressen

wird, weil man selber derjenige ist, der immer

das dickere Auto fährt? Was gilt es zu hoffen?

Dass man schnell und schmerzlos stirbt, dass

23


der hl. Florian immer bei den anderen zündelt?

Oder ist da zu hoffen, das Schnäppchen aller

Schnäppchen nicht zu verpassen? Oder worauf

soll man hoffen? Auf die Vernunft der Technik,

die die Polkappen schmelzen lässt, auf die

Vernunft der Politik, die es bis heute nicht fertig

bringt, Kriege zu verhindern, oder auf die

Vernunft der Märkte die den Vogel in der Hand

zerquetschen, nachdem sie die Taube auf dem

Dach schon abgeschossen haben?

Für wirkliche Hoffnung taugt das alles nicht,

das offenbart einem irgendwann die

Lebenserfahrung.

Der Schreiber dieses Teils des Jesajabuches hat

das vielleicht auch gemacht. Vielleicht hat er

auch zunächst so kleine Teilhoffnungen, die

durchaus dem Leben zugutekommen können,

für das Ganze gehalten. Am Ende verbindet er

seine Hoffnung aber mit dem Warten auf Gott.

Sein Hoffen ist warten auf Gott. Er bereitet sich

sozusagen seinen eigenen Advent und weis

darum, dass es ohne Advent nicht geht.

Er weiß allerdings nicht, was wir Christen heute

wissen und was Zentrum unseres Glaubens und

unsere Verkündigung in der Welt ist. Es ist

tatsächlich so gekommen, dass Gott sich hat

hören und sehen lassen, ganz wirklich und

endgültig. Am Ende des Wartens, des Advents,

ist es so, dass Gott Mensch geworden ist mitten

unter uns in dem Kind in der Krippe, in Jesus von

Nazareth. Jesus von Nazareth ist Gott als der,

der uns ganz menschlich die Hand reicht. Ich

glaube, das ist etwas Schönes, etwas

Wunderbares, und ich glaube auch, es ist etwas

für jeden, der seine Vorurteile alle mal zur Seite

legen kann.

Das Warten auf Gott war und ist in Jesus in

Erfüllung gegangen. Jesus ist Gott als der, der

uns ganz menschlich die Hand reicht. Das ist

doch etwas Schönes, die Hand gereicht zu

bekommen und gesagt zu bekommen: „Fürchte

dich nicht, keine Angst! Du darfst mich an

deiner Seite wissen im Leben und im Sterben

und du darfst meiner an deiner Seite gewiss

sein, wenn es darum geht, für Gerechtigkeit

einzustehen oder wenn es gilt, Gleichgültigkeit

zu überwinden oder wenn du loskommen

möchtest von deiner Unzufriedenheit und

deinen eigenen schweren Lebensfragen!“

Es ist möglich, dass wir mit unseren

Lebenshoffnungen in die Irre laufen, in die

Wüste oder in das Exil oder wie auch immer.

Dann sieht es so aus, als seien wir solche, über

die Gottes Name nie genannt wurde.

Umgekehrt geht das nicht. Gott kennt unsere

Namen, und er vergisst sie nicht. „Fürchte dich

nicht. Ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei

deinem Namen gerufen, du bist mein!“ Das

bleibt so, auch wenn man sich die Ohren

zuhält. Wir können daran nichts ändern. So wie

wir auch nichts daran ändern können, dass es

Advent ist und Weihnachten wird. Nichts

ändern können wir, aber freuen können wir uns

darüber, dass das Warten auf Gott keine

verlorene, sondern eine heilige Zeit ist.

Wie man trotz

Schwierigkeiten

am Glauben

festhalten kann

Vor einer Woche ist das neue Live-Album von

«Jesus Culture» auf den Markt gekommen. Es

sei wohl das beste ihrer Karriere, sagt Frontfrau

Kim Walker-Smith. Warum? Weil die Lieder in

extrem schweren Situationen und

Glaubenskrisen entstanden sind.

Aufgenommen wurde das neue Album in der

Gemeinde «Jesus Culture Sacramento», die

gerade erst ihr einjähriges Jubiläum gefeiert

hat. Eineinhalb Monate nahm die Band jeden

Sonntag den Lobpreis auf, bis die zwölf Songs

– alles Originale der Band – vollständig waren.

Für Frontfrau Kim Walker-Smith zeigen die

Lieder des Albums viel «Reife»: «Sie sind alle in

der Tiefe entstanden und sind alles Originale.

24


In Bezug auf das Liederschreiben habe ich das

Gefühl, dass es unser bisher bestes Album ist!»

Glaubensprüfungen und verlorene Hoffnung

Doch, so Walker-Smith, sei «Let it Echo» in

einer der härtesten Zeiten für die Gruppe

entstanden, die Lieder widerspiegeln

Glaubenskämpfe und Schmerzen. «Die

vergangenen eineinhalb Jahre waren

vermutlich die heftigsten, die wir als Jesus

Culture-Familie erlebt haben», erklärt Kim

Walker-Smith. Im Dezember 2014 wurde unter

anderem das Baby von Bandmitglied Chris

Quilala tot geboren. «Wenn man davon

spricht, dass der Glaube geprüft wird oder von

Momenten, in denen du die Hoffnung verlierst

oder dich einfach verloren fühlst – das kenne

ich gut. Einer meiner Kämpfe im vergangenen

Jahr war die Frage an Gott: 'Siehst du mich

überhaupt? Bist du hier mit mir? Siehst du, mit

was ich hier kämpfe?' … Ich hatte manchmal

einfach das Gefühl, dass Gott so weit weg ist…»

Bewusst entscheiden, sich Gott zu nähern

Alle Mitglieder der Gruppe hätten solch

schwere Zeiten durchgemacht und mit

Schwierigkeiten gekämpft. Doch «für uns

bedeutete das einfach der bewusste

Entschluss, uns für Gott zu entscheiden und

uns zu entscheiden, uns an ihn zu drücken, ihn

zu lieben, ihm zu vertrauen und ihn beim Wort

zu nehmen! Es ist eine harte Entscheidung,

diesen Entschluss zu treffen und dich auf Gott

zuzubewegen, wenn du verletzt wurdest, böse

bist, dich verloren fühlst oder einfach keine

Hoffnung mehr hast. Es braucht viel Mut und

Kraft. Und das ist eines der wunderbaren Dinge

daran, wenn man eine Gemeindefamilie hat,

die zusammen mit dir durch diese Situation

geht…»

In Perfektion gefangen…

Auch für Kim Walker-Smith war es kein

einfaches Jahr. «Mein kleiner Sohn wurde drei

Wochen nachdem Quilalas ihr Baby verloren

hatten geboren. Es war eine Mischung aus

Gefühlen, die in mir hochkamen. Einerseits war

es so schwer zu sehen, wie meine guten

Freunde durch diese Situation gehen müssen.

Auf der anderen Seite waren da aber auch

meine eigenen Ängste und Sorgen mit allem,

was auf mich zukam… Ich fühlte mich, als ob

alles um mich herum so 'menschlich-schwach'

war und ich konnte Gott nicht erlauben, nah an

mich heran zu kommen. Ich hatte das Gefühl,

dass für ihn alles perfekt sein musste.»

…doch für Jesus ist das Chaos kein Problem

Sie versuchte, perfekt zu sein – und scheiterte

kläglich. «Ich schaffte es einfach nicht und

letztlich sagte Jesus zu mir: 'Ich will keine

Perfektion. Ich möchte einfach nur dich! Ich

möchte einfach nur deine Einladung, zu dir

kommen zu dürfen und bei dir zu sitzen. Ich

habe keine Angst vor dem Chaos, Chaos macht

mir keine Sorgen. Lass mich einfach neben dir

sitzen, inmitten von all dem, und bei dir sein…'»

Dies habe alles komplett verändert.

All diese Situationen finden sich in den Liedern

des neuen Albums wieder. Es geht immer

wieder darum, Gott trotz aller Schwierigkeiten

und Probleme zu vertrauen. «Ich glaube, alle

Songs dieses Albums widerspiegeln die Reise,

auf der wir uns in den vergangenen 1,5 Jahren

befanden. Sie sah für jeden von uns

unterschiedlich und doch irgendwie sehr

ähnlich aus.»

Ein Leben, hundertprozentig für Gott

Auf die Frage hin, wie es kommt, dass die Band

und sie als Leadsängerin so stark von Gott

gebraucht werden, antwortet die zweifache

25


Mutter: «Das geht auf meine Entscheidung von

vor vielen Jahren zurück, mein Leben

hundertprozentig Gott hinzugeben. Ich habe

nichts und niemandem erlaubt, mir wichtiger

zu werden als Gott. Seine Gegenwart, ihm

nachzueifern und mit ihm zu gehen hat für

mich höchste Priorität.»

Walker-Smith selbst wird es in diesem Jahr

aufgrund ihrer jungen Familie etwas ruhiger

angehen lassen. «Ich nehme mir eine kleine

Auszeit in diesem Jahr, denn es war für uns echt

schwierig, insbesondere für die Kleinen. Wir

wollen weiterhin Schritt für Schritt Gott

nachfolgen, ihm vertrauen und einfach darauf

warten, was er für uns vorbereitet hat.»

Autor: Rebekka Schmidt

Quelle: Livenet / Christian Post

GLAUBE IN DER

KRISE

David Wilkerson (1931-2011)

June 17, 2019

Jesus sah eine Krise des

Glaubens voraus, als er

fragte: „Wenn der

Menschensohn

kommen wird, wird er

dann Glauben finden

auf Erden?“ (Lukas

18,8). Unser Herr

wusste, dass in der

Endzeit viele den

Glauben verlieren

würden. Auch Paulus

sprach davon, als er in einem Brief an Timotheus

schrieb: „Der Geist aber sagt deutlich, dass in

den letzten Zeiten einige von dem Glauben

abfallen werden und verführerischen Geistern

und Lehren von Dämonen anhängen“ (1.

Timotheus 4,1). Und Paulus ermahnte

Timotheus ausdrücklich, an seinem Glauben

festzuhalten, weil so viele Gläubige „in ihrem

Glauben Schiffbruch erlitten [haben]“ (Vers 19;

Neues Leben).

Auch Petrus warnte, dass in den letzten Tagen

eine Krise des Glaubens eintreten würde. Doch

er versichert uns, dass wir, wenn wir am

Glauben festhalten, „aus Gottes Macht durch

den Glauben bewahrt werde[n] zur Seligkeit,

die bereitet ist, dass sie offenbar werde zu der

letzten Zeit“ (1. Petrus 1,5). Er fügt hinzu: „Dann

werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine

Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei

Anfechtungen, auf dass euer Glaube … durchs

Feuer geläutert wird“ (Verse 6-7).

Petrus schrieb dies an Menschen, die eine

Anfechtung nach der anderen durchgemacht

hatten, und gab ihnen zu verstehen: „Nur der

Herr weiß, was nötig ist, um in uns einen

Glauben hervorzubringen, der kostbarer ist als

Gold. Unsere momentanen Schwierigkeiten

und Nöte benutzt er, um dies zu tun.“

Viele große Diener Gottes in der Geschichte

bestanden die Prüfungen und wurden

Glaubenshelden. In den beängstigenden

Momenten größter Gefahr in ihrem Leben

hielten diese Heiligen im Glauben stand. Ihr

Leben war ein Zeugnis für die Treue Gottes, das

bis heute Bestand hat, und viele von ihnen

werden in Hebräer 11 aufgezählt: Henoch,

Noah, Abraham, Sara, Jakob und andere.

Doch es gibt auch traurige Beispiele von

Gläubigen, die in ihrer Zeit der Krise

scheiterten. Gott hatte für sie dieselbe Absicht

wie für diejenigen, die in ihren Krisen im

Glauben ausharrten. Doch stattdessen gaben

sie in ihrer Krise auf, gehorchten Gott nicht

mehr und wandten sich vom Glauben ab.

KÖNIG SALOMO UND DER APOSTEL

PAULUS MACHTEN EINE GLAUBENSKRISE

DURCH; DER EINE SCHEITERTE, WÄHREND

DER ANDERE DIE BEWÄHRUNGSPROBE

BESTAND UND FÜR VIELE GENERATIONEN

EINE ERMUTIGUNG WURDE

König Salomo war mit allem gesegnet, was ein

Dienst für Gott umfassen konnte: eine

Erziehung im Glauben, eine übernatürliche

Berufung und eine persönliche Begegnung mit

26


dem Herrn. Darüber hinaus segnete Gott ihn mit

einer Weisheit, die alle Weisheit der Welt

übertraf. Seine göttliche Salbung war für alle

erkennbar, und er erntete Ansehen und

Bewunderung in der Welt. Der Tempel, den er in

Jerusalem errichten ließ, war als großartigste

religiöse Stätte seiner Zeit bekannt. Daneben

verfasste Salomo tausende Sprüche und Lieder.

Was immer er in die Hand nahm, hatte Erfolg.

Dieser vielfältige Segen zog viele Besucher an:

„Aus allen Völkern kamen sie, zu hören die

Weisheit Salomos, und von allen Königen auf

Erden, die von seiner Weisheit gehört hatten“

(1. Könige 4,34). Zu diesen staunenden

Besuchern gehörte die Königin von Saba. Was

Salomo für Gottes Haus zustande gebracht

hatte, raubte ihr den Atem und sie staunte, wie

glücklich die Menschen überall in seinem

Königreich waren. In ihren Augen war Salomos

Königreich ein Paradies, der Himmel auf Erden.

Tausende Menschen stellten sich Salomo zur

Verfügung, um seine brillanten Pläne zu

verwirklichen. Er prahlte, dass ihm jeder

Wunsch, jedes Verlangen und jedes Vergnügen

erfüllt wurde. Wie konnte dieser gesegnete

Mann dann am Ende sagen, alles sei nichtig und

vergeblich? Warum sagte er, der Mensch sei

nicht besser dran als ein Tier, da er genauso

sterbe wie ein Hund? „Als ich aber ansah alle

meine Werke, die meine Hand getan hatte, und

die Mühe, die ich gehabt hatte, siehe, da war es

alles eitel und Haschen nach Wind und kein

Gewinn unter der Sonne“ (Prediger 2,11).

Einige moderne Bibelwissenschaftler glauben

nicht, dass diese Worte von Salomo stammen.

Sie sagen, ein reicher Mann habe das Buch

Prediger unter Salomos Namen verfasst, um

seinen Schriften Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Andere erklären, es habe zwei Verfasser

gegeben, von denen einer eine positive und der

andere eine negative Lebensauffassung vertrat.

Doch ich teile die Ansicht der meisten

Kirchenväter, dass Salomo der „Prediger, der

Sohn Davids, der König zu Jerusalem“ (Prediger

1,1) war, der den Schluss zog: „Es ist alles ganz

eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel“

(Vers 2). Wie konnte Salomo zu einer derart

negativen Einschätzung gelangen?

Salomo war ein Diener Gottes, der einen guten

Anfang gemacht hatte. Er verbannte den

untreuen Priester Abjatar aus dem Tempel und

ersetzte ihn durch das Priesteramt des

gerechten Zadok. Salomo befolgte Gottes

Gebote und betete demütig: „Ich aber bin noch

jung, weiß weder aus noch ein“ (1. Könige 3,7).

Als der Tempel fertiggestellt war, betete er

darum, dass es ein Haus der Buße und

Vergebung, des Gebets und Flehens sein würde.

Nach diesen guten Glaubensschritten änderten

sich die Dinge. Wir lesen: „Und als er nun alt war,

neigten seine Frauen sein Herz fremden Göttern

zu, sodass sein Herz nicht ungeteilt bei dem

Herrn, seinem Gott, war … Salomo tat, was dem

Herrn missfiel, und folgte nicht völlig dem Herrn

… Der Herr aber wurde zornig über Salomo,

dass er sein Herz von dem Herrn, dem Gott

Israels, abgewandt hatte“ (1. Könige 11,4.6.9).

EINFACH AUSGEDRÜCKT HATTE SALOMO

EINE GLAUBENSKRISE, DOCH WORIN

BESTAND SEINE KRISE?

„König Salomo liebte viele ausländische Frauen

… aus solchen Völkern, von denen der Herr den

Israeliten gesagt hatte: Geht nicht zu ihnen und

lasst sie nicht zu euch kommen; sie werden

gewiss eure Herzen ihren Göttern zuneigen. An

diesen hing Salomo mit Liebe.“ (1. Könige 11,1-

2). Gott gab Salomo ein direktes Gebot, keine

Frauen aus heidnischen Völkern zu heiraten,

doch genau das tat Salomo und hatte am Ende

700 Ehefrauen und einen Harem mit 300

Konkubinen. Er war nicht bereit, seine sexuelle

Begierde zu beherrschen.

Ich frage mich, wie oft der Geist des Herrn König

Salomo gewarnt hatte: „Du kennst Gottes Wort

und weißt, was er dir geboten hat. Höre auf

damit!“ Es geschah vermutlich jedes Mal, wenn

Salomo eine weitere Frau heiratete. Mit der Zeit

wurde der König taub für die Warnungen des

Herrn. Und dann dauerte es nicht lange, bis er

Gottes Gebot nach Belieben missachtete, ohne

ein schlechtes Gewissen zu haben oder Reue zu

empfinden. Schließlich duldete er sogar die

27


Götzen und Götter seiner Frauen: „[Gott hatte]

ihm geboten … dass er nicht andern Göttern

nachwandelte. Er aber hatte nicht gehalten,

was ihm der Herr geboten hatte“ Vers 10).

Jeder Christ, der eine hartnäckige Sünde nicht

aufgeben will, wird sich am Ende seine eigene

Lehre zurechtlegen, um seine Sünde zu

entschuldigen. Das war die Art und Weise, wie

ein so außerordentlich weiser und brillanter und

zunächst demütiger König wie Salomo am Ende

so tief fallen konnte. Glaube bedeutet mehr, als

nur darauf zu vertrauen, dass Gott uns segnen

und bewahren wird. Glaube bedeutet auch, sich

darüber klar zu sein, dass Gott jeden

willentlichen Ungehorsam treu richten wird. Ich

habe oft gehört, wie über jemanden gesagt

wurde: „Schau, was für einen starken Glauben

dieser Christ hat. Er ist gewiss, dass Gott große

Dinge tun kann.“ Doch ein solcher Mensch hat

nur dann einen echten Glauben, wenn er auch in

der Gewissheit lebt, dass Gott unseren

Ungehorsam gerecht richten wird.

Am Ende richtete Gott den mangelnden

Glauben Salomos: „Darum sprach der Herr zu

Salomo: Weil das bei dir geschehen ist und du

meinen Bund und meine Gebote nicht gehalten

hast, die ich dir geboten habe, so will ich das

Königtum von dir reißen und einem deiner

Großen geben“ (Vers 11).

Dasselbe Urteil trifft heute alle, die sich mit

einer ähnlichen Geisteshaltung wie Salomo

selbst betrügen. Sie glauben nicht, dass Gott

ihre Sünde richten wird, und geben sich deshalb

allen möglichen Vergnügungen und Begierden

hin. Wie Salomo nennen sie schließlich das Böse

gut und das Gute böse und legen sich eigene

Lehren zurecht, um ihre Sünde zu rechtfertigen.

Am Ende haben sie Gottes Gnade in einen

Freibrief für ihre Lüste verwandelt.

ANDERS ALS SALOMO BESTAND PAULUS

DIE BEWÄHRUNGSPROBE SEINES

GLAUBENS

Kaum ein Diener Gottes wurde je so geprüft wie

Paulus. Überall, wo er hinkam, sah er sich mit

Anfechtungen und Leiden konfrontiert. Er

schrieb: „dass der Heilige Geist mir in allen

Städten bezeugt, dass Fesseln und

Bedrängnisse auf mich warten“

(Apostelgeschichte 20,23). Paulus erklärte mit

anderen Worten: „Ich weiß nicht, was morgen

sein wird, aber ich weiß, dass der Heilige Geist

mich leitet. Er ist treu, mich vorzubereiten und

zu warnen: ‚In jeder Stadt erwarten dich Leid

und Not.‘“

In alledem bewahrte Paulus den Glauben, der

ein starkes Zeugnis war: „Aber ich achte mein

Leben nicht der Rede wert, wenn ich nur meinen

Lauf vollende und das Amt ausrichte, das ich

von dem Herrn Jesus empfangen habe, zu

bezeugen das Evangelium von der Gnade

Gottes“ (Vers 24).

Satan setzte seine Angriffe fort, doch Paulus

ließ nie von dem Dienst ab, den Christus ihm

anvertraut hatte. Der Teufel konnte ihn nicht

abschrecken. Paulus ermutigt uns, dieselbe

Einstellung zu haben: „Du aber sei nüchtern in

allen Dingen, leide willig, tu das Werk eines

Predigers des Evangeliums, erfülle redlich

deinen Dienst“ (2. Timotheus 4,5).

Geliebte, Gott sucht nach dieser Art von

Glaubenszeugnis. Er möchte eine paulinische

Gemeinschaft, die seine Treue bezeugt,

während die Welt außer Kontrolle trudelt.

Mitten in diesem Chaos stehen solche treuen

Christen fest im Glauben und sind bereit, eine

Antwort zu geben, wenn jemand sie fragt: „Was

sollen wir tun? Wohin sollen wir gehen?“

Ihr beständiger Gehorsam errichtet ein starkes

Bekenntnis der Treue des Herrn. Das Beispiel

von Paulus bekennt einer ungläubigen Welt:

„Du bist treu, Jesus!“ Und der Segen, den Paulus

erwartete, wartet auf alle treuen Diener des

Herrn: „Ich habe den guten Kampf gekämpft,

ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben

gehalten; hinfort liegt für mich bereit die Krone

der Gerechtigkeit, die mir der Herr, der gerechte

Richter, an jenem Tag geben wird, nicht aber

mir allein, sondern auch allen, die seine

Erscheinung lieb haben“ (Verse 7-8). Möge dies

auch unser Zeugnis sein, indem wir in dieser

Endzeit am Glauben festhalten. Amen!

Quelle: https://worldchallenge.org

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18.02.2020 „DIE PASSION“

Mit Starpower: RTL

erzählt am 8. April die

Passionsgeschichte

live im TV

dafür von RTL weitere prominente Unterstützer

an die Seite gestellt.

Die Hauptrolle, Jesus von Nazareth, wird

Alexander Klaws spielen. Der ehemalige Sieger

von „Deutschland sucht den Superstar“ konnte

bereits Erfahrungen mit der Figur sammeln:

Klaws trat in der Rockoper „Jesus Christ

Superstar“ auf. Dennoch sei dies nun eine neue

Herausforderung. Ihn begeistere vor allem die

„Die Passion“ ist in den Augen von RTL schon

jetzt das TV-Highlight des Jahres: Am

Karmittwoch soll sich die Stadt Essen unter der

Regie des Senders in eine Bühne verwandeln

und die „größte Geschichte aller Zeiten“ mit

vielen Promis erleben. Auf einer

Pressekonferenz wurden nun die Idee und die

Schauspieler vorgestellt.

TV-Moderator Thomas Gottschalk hat schon

vieles erlebt und doch sei „Die Passion“ für ihn

etwas völlig Neues und „hochinteressant“. Die

Idee von RTL, die Passionsgeschichte als Music-

Live-Event aufzuführen, begeistere ihn, sagte er

am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Gottschalk, der bei diesem Projekt die letzten

Stunden Jesu als Erzähler begleitet, bekommt

„jugendfreundliche Art“ des RTL-Formates.

Genau darin sieht Gottschalk die große Stärke

der Show. Es müsse jedem klar sein, dass es

niemals gelingen werde, diese Geschichte so zu

erzählen, wie sie es verdiente. Außerdem werde

es immer Menschen geben, die sich in

bestimmten Punkten auf die Füße getreten

fühlten. Dennoch sei dieser Versuch, die

Passionsgeschichte neu zu vermitteln, wichtig.

Viel zu wenige wüssten heute noch, was damals

eigentlich genau geschah. Dabei sei diese „alte

Geschichte aktueller denn je“.

Gottschalk persönlich mache sich auch keine

Gedanken darüber, dass „Die Passion“ die

Geschichte zu kitschig erzähle. Alle Beteiligten

würden das Projekt sehr ernst nehmen. RTL

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habe aber nicht die Absicht, Bibelforschung zu

betreiben oder die vielen Kirchenaustritte zu

stoppen, erklärte Gottschalk. Stattdessen wolle

man Menschen unterhalten und zum Besseren

bewegen.

Zwölf Jüngerinnen und Jünger

Eine der größten Herausforderungen sei es für

den Moderator, sich an Jüngerinnen zu

gewöhnen. Neben den Schauspielern und

Musikern Samuel Koch, Gil Ofarim, Stefan

Mross, Thomas Enns, Prince Damien, Nicolas

Höppner, Laith al Deen und Mark Keller treten

bei RTL vier weibliche Jünger auf: Sarah Timpe,

Sila Sahin, Mareile Höppner und Anna-Carina

Woitschack.

Das gesamte Team wird vom Theologen

Michael Tilly (Tübingen) unterstützt und

beraten. Dieser bezeichnete auf der

Pressekonferenz die Ostergeschichte als

„Weltliteratur“, die Menschen auch nach 2.000

Jahren noch begeistere. Mit der Nacherzählung

der Leidensgeschichte Jesu wolle man aber

nicht anecken oder andere Menschen verletzen,

sagte Tilly mit Verweis auf Juden und Muslime.

Vielmehr sei es das Ziel, dem Hass der Welt die

Liebe und Freundschaft, die Ostern vermittelt,

zu entgegnen.

In den Nebenrollen kündigte RTL unter

anderem den früheren Fußballmanager Reiner

Calmund, den Gastronom und Sänger Nelson

Müller und den Schauspieler und Komiker Ingolf

Lück an. Die Übertragung soll zwei Stunden

dauern. Hauptbühne ist der Burgplatz neben

dem Essener Dom. Dort werden 4.900

Menschen erwartet. Zusätzlich wird es noch

eine Prozession mit einem leuchtenden Kreuz

durch die Stadt geben. Moderatorin Nazan

Eckes wird während des Kreuzweges

Teilnehmer interviewen.

Von: Martin Schlorke

Heim gefunden!

Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die

vollkommene Liebe treibt die Furcht aus.

1. Johannes 4,18

Meine Frau und ich fuhren mit einem unruhigen

und mulmigen Gefühl zu meiner Stiefmutter.

Die 400 Kilometer Entfernung machten die

Sache nicht einfacher. Meine Stiefmutter hatte

Brustkrebs im letzten Stadium und war kurz

davor, ins Hospiz zu gehen. Dieser Besuch

würde der letzte Besuch bei ihr sein. Als Christ

hatte ich schon bei unzähligen Gelegenheiten

über den Glauben mit ihr gesprochen, und es

waren spannende und interessante Gespräche.

Seit ihrer Erkrankung hatten wir dieses Thema

jedoch ausgelassen. Dies sollte unser letztes

Gespräch darüber werden.

Ich hatte die Bibel mitgenommen, in der

Hoffnung, ihr etwas daraus vorlesen zu können.

Auch der Tod kam zur Sprache, und nach einer

Viertelstunde fragte ich sie, ob ich etwas aus der

Bibel vorlesen dürfe. Sie freute sich über meine

Frage, als hätte sie schon lange darauf

gewartet, dass ich sie ihr stelle.

Ich las ihr vor, dass der Herr Jesus gekommen

war, damit wir Leben haben. Sie verstand

plötzlich, dass nicht nur das Leben hier gemeint

war, sondern besonders das ewige Leben mit

und bei Gott, das unsJesus, der Sohn Gottes,

durch seinen Tod und seine Auferstehung

schenken will. Wir lasen auch, dass im Himmel,

dem Haus des Vaters, Wohnungen sind, die

Jesus für uns bereitet. Sie konnte gar nicht

genug hören, und wir lasen immer weiter …

Je mehr wir über die Zukunft, die Jesus seinen

Leuten versprach, lasen, umso entspannter

wurden ihre Züge, denn sie erkannte die Liebe

Gottes auch zu ihr. So wurde es ein herrlicher

Nachmittag, und wir erlebten, wie aus der

Furcht vor dem Tod Freude über die unendliche

Liebe Gottes wurde, die sie mit offenen Armen

annahm.

Wir freuen uns nun auf ein Wiedersehen mit ihr

– bei Gott. Bgr

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FUSSBALL-PROFI LEWIS HOLTBY

«GOTT WIRD NICHT

GEFUNDEN, ER FINDET UNS!»

Die ersten Pflichtspiele der Fussball-

Bundesliga sind gelaufen. Und obwohl die

Saison noch jung ist, gibt es jetzt schon

Helden auf dem Rasen. Darunter Lewis

Holtby, Mittelfeldspieler bei FC Schalke 04.

Doch der Deutsch-Engländer erstaunt nicht

nur auf dem Spielfeld, sondern auch privat. Er

gibt sich bescheiden und betont immer

wieder wie viel er Gott verdankt.

Wenn ich allein bin, spreche ich oft mit Gott, ob

ich traurig bin oder ob ich Glücksgefühle habe.

Und ich bedanke mich jeden Tag bei ihm für das

Leben, für meine Gesundheit, für meine Familie

und mein Wohlbefinden. Der Glaube hilft mir in

meinem Fussball-Alltag sehr, schwierige

Situationen vernünftig einzuschätzen und nicht

zu sehr aus der Emotion heraus zu handeln,

sondern Geduld zu bewahren und vor allem

dankbar für Kleinigkeiten zu sein.

Auf den Seychellen zum Beispiel war ich

Augenzeuge, wie eine grosse Schildkröte ganz

majestätisch aus dem Meer kam und ihre Eier

im Strand direkt an unserem Hotel ablegte. Das

mitzuerleben war echt Wahnsinn!»

Glaube ist nichts selbst Gemachtes

Dass dieser junge Profi-Sportler so fest an Gott

glaubt, überrascht. Wie man zu so einem

Glauben kommt? Darauf hat der

Mittelfeldspieler eine ziemlich simple Antwort:

«Gott wird nicht gefunden, er findet uns!»

Wenn sich Holtby auf dem Spielfeld bekreuzigt,

kommt diese Geste aus ganzem Herzen. Und

auch wenn es für solche Bekenntnisse auf dem

Rasen Kritik hagelt, wie von Ex-Profi Mehmet

Scholl oder Bundestrainer Jogi Löw, bleibt

Lewis Holtby dabei: «Gott ist mein treuer

Begleiter.»

Gott liebt Menschen

Wenn man Lewis Holtby fragt, was den Kern

seines Glaubens ausmacht, antwortet er: «Vor

allem empfinde ich Dankbarkeit. Ich glaube,

dass Gott alle Menschen liebt und dass die

Dinge, die in meinem Leben passieren, kein

Zufall sind, sie haben einen Grund! Ich habe

schon Sachen erlebt, die schwer zu beschreiben

sind, weil ich selbst es einfach nicht fassen

konnte.

Autor: Miriam Hinrichs

Quelle: Jesus.ch / Die Fussball-Bibel

TENNIS-PROFI

MARY PIERCE

Neues Leben und Sinn gefunden

17 Jahre lang gehörte Mary Pierce zur

Weltspitze im Tennis. Die Französin holte zwei

Grand-Slam-Titel: 1995 das Australian Open

und 2000 das French Open. Und doch ist sie

heute, nach ihrem Karriere-Ende, glücklicher

denn je, so sagt sie. Die Sportlerin lebt auf

Mauritius und erzählt dort anderen von dem,

was sie so froh macht: von Jesus.

Ihr neues Leben hat nichts zu tun mit Glamour

und Luxus. Mary Pierce lebt auf einem

abgeschiedenen Bauernhof auf Mauritius. Dort

arbeitet sie als Missionarin für die Organisation

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«Church Team Ministries». Der Ex-Tennis-Profi

schwärmt: «Ich bin glücklich wie nie. Ich weiss

schon, dass einige denken, dass mir jemand

eine Gehirnwäsche verpasst hat. Aber die Leute

haben keine Ahnung. Wenn ich Gott nicht

kennengelernt hätte, wäre ich nach meiner

Verletzung drogenabhäng oder Alkoholikerin

geworden...»

Jesus gefunden

Schon in ihrer aktiven Zeit als Tennis-Profi

findet Mary Pierce zum Glauben an Jesus. Sie

wird aufmerksam auf eine Kollegin, die wegen

ihres Glaubens gehänselt wird: «Dieses

Mädchen war anders als alle anderen. Sie hatte

gefunden, wonach ich immer gesucht hatte.

Etwas, das die Leere in mir ausfüllen konnte.»

Als diese Sportlerin ihr erzählt, dass man eine

persönliche Beziehung zu Jesus haben kann, ist

Pierce verwirrt. «Ich dachte: Wie kann es sein,

dass ich mein ganzes Leben lang in die Kirche

ging und mir niemand davon erzählte?»

Eines Abends ist die junge Französin allein in

ihrem Hotelzimmer. Sie hat gerade ein Match

verloren und hat es satt, so weiter zu leben wie

bisher. Unter Tränen fängt sie an, Jesus ihr Herz

auszuschütten. Als sie einige Zeit später auf

einem christlichen Radiosender ein Gebet hört,

spricht sie es mit und lädt Jesus ein, Herr in

ihrem Leben zu werden.

Sie fängt an, in der Bibel zu lesen und ist

erstaunt, dass dieses Buch alle Fragen

beantwortet, die sie jahrelang beschäftigt

haben. In einem Vorort von Paris geht sie in eine

Gemeinde und nimmt dort an ganz normalen

Gemeinde-Aktionen teil. So geht das Tennis-

Ass von Haustür zu

Haustür und

verkauft dort den

überraschten

Parisern

Marmelade für

einen guten

Zweck. Auch ihre

Preisgelder

spendet sie von

nun an für

karitative Zwecke.

Karriere-Aus,

doch das Leben

geht weiter

Heute setzt sich

Mary Pierce in

Afrika für Witwen

und Waisen ein: «Es ist ein Privileg für mich,

dass ich hier mitarbeiten darf. Es macht viel

Spass und ist ein Segen, den Kindern beim

Wachsen zuzusehen und zu beobachten, wie sie

sich durch die Liebe Gottes verändern.»

Und auch sie verändert sich. Sie schafft es,

ihrem Vater Jim zu vergeben, der sie jahrelang

durch Prügel und Beschimpfungen zu

Bestleistungen antreiben wollte: «Die Wunden

der Vergangenheit sind verheilt. Durch Jesus bin

ich frei. Ich liebe meinen Vater und habe nichts

gegen ihn.»

Über ihre neue Aufgabe sagt die 39-Jährige:

«Mein Leben ist jeden Tag eine

Herausforderung. Aber es ist, als würde die

Apostelgeschichte der Bibel vor meinen Augen

real werden. Ich möchte ein Teil von dem sein,

was Gott Gutes auf der Welt bewegt. Jesus hat

sein Leben für mich gegeben und es ist mir eine

Ehre, dasselbe für ihn zu tun.»

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Buchbesprechung

Wie verwurzelt

ist mein Glaube

eigentlich?

Eine Rezension von Nicolai Franz

Michael Herbst und Patrick Todjeras warnen:

Viele Christen halten sich für geistlich reifer, als

sie eigentlich sind. Grund genug, dass sich auch

gestandene Christen mit ihrem Glauben

auseinandersetzen. Das neue Buch der beiden

Theologen ist dafür eine nützliche Hilfe –

sowohl für Kleingruppen als auch in der

persönlichen Lektüre.

Michael Herbst und Patrick Todjeras leiten das

„Institut zur Erforschung von Evangelisation

und Gemeindeentwicklung“ an der Universität

Greifswald. Den beiden Theologen ist es also ein

Anliegen, die christliche Botschaft und den

Glauben an Jesus Christus unter die Menschen

zu bringen. Mit „Verwurzelt“ haben sie nun ein

Buch vorgelegt, das das Evangelium auf eine

Weise weitergeben will, wie Paulus es im

Galaterbrief tut: Sie wollen den Lesern „Jesus

vor Augen malen“.

Und das gelingt ihnen sehr gut. „Verwurzelt“ ist

eine Art ausformulierter Glaubenskurs, der in

vier Teile gegliedert ist. Kleingruppen können

das Buch gemeinsam lesen und dafür ein

Begleitheft bestellen. Das Buch geht bei seiner

Beschreibung des Glaubens nicht streng

chronologisch vor, wie es dem Weg einer

christlichen Bekehrung entsprechen würde.

Stattdessen versuchen Herbst und Todjeras,

den Glauben an Jesus Christus mit dem Bild

eines Baumes zu verdeutlichen, der einen festen

Grund braucht, um bestehen zu können.

Zielgruppe sind, so liest sich zumindest das

Buch, gerade die Menschen, die bereits an Jesus

Christus glauben, ihren Glauben aber

herausfordern und vertiefen wollen –

unabhängig von ihrem Lebensalter. Dass

Christen mit ihrer geistlichen Reifung niemals

am Ende sind, machen die Autoren mehrfach

deutlich. Sie warnen sogar eindringlich davor,

sich seiner Sache allzu sicher zu sein. Hochmut

und geistliche Überlegenheitsgefühle – egal

welcher Couleur – sei gerade die Haltung, die

Jesus Christus in den Evangelien am heftigsten

kritisiert habe.

Herbst und Todjeras bauen dabei auf alten

Dogmen auf, die seit Jahrtausenden von

Christen geglaubt werden – eben den „Wurzeln“

des Glaubens. Die Stärke von „Verwurzelt“ ist

gerade nicht, den Baum des Glaubens möglichst

originell vom Kopf auf die Füße zu stellen, wie

es in evangelikalen Kreisen gerade en vogue ist,

sondern in den biblischen Wurzeln der

Christenheit die alte Schönheit des Glaubens

neu zu entdecken, indem Herbst und Todjeras

ihn neu buchstabieren – aber nicht neu gründen.

Gott entscheidet, nicht der Mensch

So seien die Wege zu Jesus durchaus

unterschiedlich. Manche Menschen würden

durch theologische Erleuchtungen überzeugt,

wie etwa der Apostel Andreas, der verstanden

habe, dass Jesus das „Lamm Gottes“ und damit

der versprochene Messias sei. Für andere

Menschen heutzutage könne der

entscheidende Weg zu Jesus aber auch andere

Botschaften bedeuten: „Für Jesus bist du kein

Verlierer!“, „Du bist genug.“, „Dein Scheitern ist

nicht das Ende.“ Glaube könne eben nicht

erzwungen werden. Gott entscheide, wann er in

das Leben eines Menschen komme, nicht der

Mensch selbst. „Es ist uns verborgen, warum die

einen beginnen, Jesus nachzufolgen, und die

anderen das nicht tun. Nicht verborgen ist uns

aber, dass Menschen beginnen, Jesus zu

folgen.“

Die Abschnitte beginnen überwiegend mit einer

interessanten Anekdote oder biografischen

Bezügen der Autoren, die wahlweise Nicken, ein

Schmunzeln oder beides zugleich erzeugen.

Meisterhaft schlagen die Autoren dann

augenzwinkernd den Bogen zu Themen, die

eigentlich ernst sind. Eine Gratwanderung, die

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Herbst und Todjeras aber durchweg sicher

gelingt. Eine Kostprobe:

„Wenn es um den Tod geht, verstehen

Verwaltungen keinen Spaß. In den

Unterrichtsblättern für die

Bundeswehrverwaltung heißt es: ‚Der Tod stellt

aus versorgungsrechtlicher Sicht die stärkste

Form der Dienstunfähigkeit dar.‘ Noch besser

sagt es das Bundessteuerblatt: ‚Es ist nicht

möglich, den Tod eines Steuerpflichtigen als

dauernde Berufsunfähigkeit im Sinne von § 16

Abs. 1 Satz 3 EstG zu werten und demgemäß den

erhöhten Freibetrag abzuziehen.‘ Den Vogel

schießt ein Kommentar zum

Bundesreisekostengesetz ab: ‚Stirbt ein

Bediensteter während einer Dienstreise, so ist

damit die Dienstreise beendet.‘

Das Grab, in das sie Jesus legten, stellte in jeder

Hinsicht die stärkste Form der Dienst- und

Berufsunfähigkeit für Jesus dar. Seine Dienstreise

war an ihr Ende gekommen, als er nach nur drei

Jahren öffentlichen Wirkens wie ein Verbrecher

hingerichtet wurde. Allerdings zeigt uns die

Ostergeschichte, dass der Tod nicht das letzte

Wort hatte. Es heißt nämlich, dass Jesus von den

Toten auferstanden ist und lebt.“

Das Buch packt auch schwierige Themen wie

das Gericht Jesu oder die Beinahe-Opferung

Isaaks durch dessen Vater Abraham an. Es sind

Texte, die nicht nur heutige Leser verstören und

erschrecken. Gerade deshalb nehmen sich die

Autoren dieser Texte an, die nach ihren Worten

„wie Lebertran“ schmecken können. Unter

Christen stoßen gerade Gerichtstexte bisweilen

auf zwei entgegengesetzte Reaktionen, wie

Herbst und Todjera zutreffend bemerken: Die

einen lehnen diese schwierigen Texte mit der

simplen Formel ab, dass Jesus

eine „Frohbotschaft, keine Drohbotschaft“ in

die Welt geschickt habe – als ob eine Meinung

vor allem dann richtig wäre, wenn sie sich reimt.

Andere Christen, die Autoren nennen sie

„religiöse Moralisten“, überbewerten den

Richtercharakter Gottes und entwickeln ein vor

allem strafendes Gottesbild, in der Gnade zur

Theorie verkommt. „Verwurzelt“ malt den

Lesern stattdessen eine dritte Sichtweise „vor

Augen“, die versucht, sowohl der „Furcht

Gottes“ als auch seiner bedingungslosen und

aufopfernden Liebe gerecht zu werden.

Sowohl zur persönlichen Lektüre als auch für

Kleingruppen bietet „Verwurzelt“ in leicht

verständlicher Sprache einen tief

durchdrungenen Zugang zum Glauben an Jesus

Christus. Die vielen lebendigen

Veranschaulichungen helfen, dran zu bleiben.

Dabei richtet sich das Buch nicht an eine

bestimmte Altersgruppe, empfiehlt sich daher

für eine breite Leserschaft – und lädt dabei zum

Austausch ein.

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