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Printmagazin TECHNIK und WISSEN - Ausgabe 006

Technik und Wissen berichtet in moderner Form für Fachleute aus der Industrie. Die Themen reichen vom 3D-Druck, neuen Materialien über Robotik, Montage und Zulieferindustrie bis hin zu Konstruktions- und den ganzen Digitalisierungsthemen. Schwerpunkt Ausgabe 006: Datengetriebene Geschäftsmodelle und Mikrotechnik

Technik und Wissen berichtet in moderner Form für Fachleute aus der Industrie. Die Themen reichen vom 3D-Druck, neuen Materialien über Robotik, Montage und Zulieferindustrie bis hin zu Konstruktions- und den ganzen Digitalisierungsthemen.

Schwerpunkt Ausgabe 006: Datengetriebene Geschäftsmodelle und Mikrotechnik

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6 2020

TECHNIK-UND-WISSEN.CH

DIE CROSSMEDIALE PLATTFORM FÜR

AUTOMATION UND FERTIGUNG

CHF 15

DATEN-

GETRIEBENE

GESCHÄFTS-

MODELLE

ARBEITEN IM MIKROMETERBEREICH

NEUE INDUSTRIEMESSE INNOTEQ

KOLLABORATIVES ARBEITEN


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Ihre Maschinen.

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die Stabilität, Qualität, Leistung und somit die Kosten

Ihrer Produktion haben kann? Unsere Zerspanungsexperten

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EDITORIAL

STILLE

HÖCHSTLEISTUNGEN

Jedes Unternehmen bietet nach Ansicht von

Michael Ziesemer Potenziale für datengetriebene

Geschäftsmodelle! Im Interview beschreibt

der Präsident des «Zentralverband

Elektrotechnik- und Elektronikindustrie» selbst

Szenarien für Zementwerke und Spenglereien. Weil

viele Möglichkeiten aber nicht immer auf Anhieb zu

erkennen sind, empfiehlt er einen Perspektivenwechsel.

Wie dieser aussieht und was es sonst noch

dazu braucht, erzählt er bereitwillig ab Seite 22.

Wer sich trotz der Ausführungen von Michael Ziesemer

bei diesem Thema weiterhin schwer tut,

kann es mit professioneller Unterstützung versuchen.

Die Targetsim AG hat sich auf Business Simulations

spezialisiert und weist Unternehmen in

Planspielen den Weg durch die digitale Transformation

(ab Seite 26). Ein Unternehmen, das diesen Weg

bereits erfolgreich zurückgelegt hat, ist Swiss

Shrimp aus Rheinfelden. Die Produzentin ökologischer

Garnelen hat alle ihre Prozesse digitalisiert

und profitiert dadurch von totaler Transparenz und

Flexibilität (ab Seite 28).

Und welche speziellen Lösungen gibt es für den

Maschinen- und Anlagenbau? Eine Lösung, die uns

auf der SPS ins Auge stach, ist die Automated-Machine-Learning-Software

von Weidmüller. Uns hat

an dieser gefallen, dass sie es Domänenexperten

auf Basis ihres Applikationswissens gestattet, eigenständig

Machine-Learning-Modelle zu erzeugen.

Welche vier Schritte es dazu braucht, erfahren

Sie ab Seite 30.

Markus Back, Chefredaktor Print

Die Schweiz nimmt zweifellos eine bedeutende

Rolle ein in der Mikrotechnik. Eine

Messe wie die Siams in Moutier wird dies

wieder einmal eindrücklich bestätigen.

Aber es sind nicht nur die Ausstellerfirmen, die ein

Loblied verdienen. Die Besucher, und darunter werden

viele Hersteller und Zulieferer von Mikro-Bauteilen

sein, haben den hervorragenden Ruf mitaufgebaut,

den die Schweiz weltweit geniesst.

Auch sie müssen in einer Laudatio auf die Mikrotechnik

erwähnt werden, besonders auch, weil viele

von ihnen zur Kategorie der «stillen Schaffer» gehören

und ausserhalb der Branche oder ihres Umfelds

kaum wahrgenommen werden. Jean-Yves Kohler,

Verantwortlicher der Siams, nennt es im Interview

(Seite 52) das Ingenieursyndrom. Er meint damit,

dass diese Firmen technische und technologische

Höchstleistungen erreichten, aber nicht darüber

sprächen.

Es mag sinnbildlich sein, dass die Herstellung

von winzigsten Teilen nicht gross verkündet wird.

Und es ist in der immer lauter werdenden Marketingwelt

sicherlich sympathisch. Aber es ist auch

eine verpasste Chance. Denn in den kleinen Teilen

steckt ein Teil der Grösse der Schweizer Industrie,

die bewahrt bleiben will. Und nur dadurch, dass

man die Schönheit dieser Mikrowelt immer wieder

erwähnt, können jüngere Menschen die Faszination

verstehen und den Berufsweg in diese Richtung

einschlagen.

Eugen Albisser, Chefredaktor Online

#006 3


IMPRESSUM

Das crossmediale Fachmagazin für

Automation und Fertigungstechnik

www.technik-und-wissen.ch

Leser-Service / Abonnement

1 Jahr, CHF 75.– inkl. MwSt.

T. +41 41 464 60 48

abo@technik-und-wissen.ch

www.technik-und-wissen.ch/abo

Die nächste Ausgabe

von Technik und

Wissen erscheint

am 30. April 2020

Chefredaktion

Eugen Albisser, Chefredaktor Online

eugen.albisser@technik-und-wissen.ch

Markus Back, Chefredaktor Print

markus.back@technik-und-wissen.ch

Redaktion

Luca Meister

redaktion@technik-und-wissen.ch

Redaktionsadresse

Redaktion Technik und Wissen

Innovationsdorf Bern, Wylerringstrasse 36

3014 Bern

Leitung Werbemarkt

Roman Angermann

Tel. +41 79 249 08 92

roman.angermann@technik-und-wissen.ch

Konzept & Layout

Medienart AG, Aurorastrasse 27, 5000 Aarau

Martin Kurzbein (Art Director)

Stefanie Schildknecht-Lipp (Layout)

info@medienart.ch

Druck

AVD Goldach AG, Sulzstrasse 10–12, 9403 Goldach

www.avd.ch

Herausgeber

Technik und Wissen GmbH

Weidweg 49, 3032 Hinterkappelen

Tel. +41 41 464 60 46

www.technik-und-wissen.ch

Geschäftsführung

Eugen Albisser (Vorsitz, Chefredaktion Online)

Markus Back (Chefredaktion Print)

Valentin Kälin (Kaufmännische Leitung)

Jürg Rykart (Strategische Partnerschaften)

Erscheinungsweise

5 × jährlich, 2. Jahrgang

Auflage

9000 Exemplare

Eine Publikation in Zusammenarbeit mit

Alle Urheber- und Verlagsrechte an dieser

Publikation oder Teilen davon sind vorbehalten.

Jede Verwendung oder Verwertung

bedarf der schriftlichen Zustimmung der

Herausgeber. Der Inhalt dieses Heftes wurde

sorgfältig geprüft. Dennoch übernimmt der

Herausgeber keine Haftung für seine Richtigkeit.

Die rechtlichen Bestimmungen für

die Schaltung von Werbung entnehmen Sie

den «Allgemeinen Geschäftsbedingungen»

unter www.technik-und-wissen.ch


CHF 15

INHALT

06

Auf einen Kaffee

bei Frédéric Riva

22

Datengetriebene

Geschäftsmodelle

48

Arbeiten im

Mikrometerbereich

62

HP und der

3D-Druck

Jeder kann Beitrag zur Nachhaltigkeit

leisten, ist der Wago-

Geschäftsführer überzeugt.

Wie man sie findet und worauf

zu achten ist, erklärt ZVEI-

Präsident Michael Ziesemer.

Meisterliche und komplexe

Wendeschneidplatten für das

Langdrehen aus dem Berner Jura.

Wo steht HP heute mit

den 3D-Druckern und was läuft

in der Schweiz?

03 Editorial

04 Impressum

06 Auf einen Kaffee

bei Frédéric Riva, Wago

12 Blickpunkt Forschung

14 Mit Marktnähe zur neuen

Leitmesse Innoteq

16 Wissenswertes

Schwerpunkt

«Datengetriebene

Geschäftsmodelle»

18 «Es braucht einen gewissen

Atem»

22 Jedes Unternehmen hat

Potenziale

26 Spielend zum digitalen

Geschäftsmodell

28 Nachhaltige Shrimps aus

ökologischer Aufzucht

30 «Wir bringen jede Anwendung

in die Cloud»

Schwerpunkt «Arbeiten

im Mikrometerbereich»

46 Der Trend geht eindeutig

Richtung …

48 Der richtige Schliff

52 435 Gründe, die Siams

zu besuchen

54 Das Kleine gross zelebrieren

56 Präzisionstechnik für die

Romandie

59 Produkte

#006 2020 Datengetriebene Geschäftsmodelle | Mikrotechnik | Siams

6 2020

TECHNIK-UND-WISSEN.CH

DIE CROSSMEDIALE PLATTFORM FÜR

AUTOMATION UND FERTIGUNG

DATEN-

GETRIEBENE

GESCHÄFTS-

MODELLE

32 Domänenwissen einfach

digitalisiert

34 Produkte

38 Die Zukunft der

Industrie 4.0 steht bereit

62 HP und der 3D-Druck

64 Vorschau Hannover Messe

66 AM Expo: Additive Fertigung

im Fokus

67 Metav mit internationaler

Strahlkraft

ARBEITEN IM MIKROMETERBEREICH

NEUE INDUSTRIEMESSE INNOTEQ

KOLLABORATIVES ARBEITEN

40 Technisches Englisch:

Brush it up mit Maxon

Titelbild

Datengetriebene Geschäftsmodelle

Cover-Gestaltung: Verena Snurer

41 News in Zahlen

42 Wissenswertes

#006 5


AUF EINEN KAFFEE BEI FRÉDÉRIC RIVA

«ICH BIN EIN FAN

VON APPS»

Jeder kann einen Beitrag für eine saubere und nachhaltigere Welt leisten,

ist Frédéric Riva überzeugt. Wie dieser bei der Wago Contact SA

aussieht und was Big Data für sein Unternehmen bedeutet, erzählt der

Geschäftsführer während einer Tasse Kaffee.

Von Markus Back (Text) und Ruben Sprich (Fotos)

Ergänzen Sie bitte den folgenden Satz.

Morgens brauche ich eine Tasse Kaffee, …

… um gut in den Tag zu starten, da mir das

Aufstehen nicht so leicht fällt.

Und wie viele Tassen «Starthilfe» benötigen Sie?

Nicht so viele. Über den gesamten Tag verteilt sind es

in aller Regel drei bis vier Tassen Kaffee.

Sie trinken seit kurzem auch im Büro Ihren Kaffee nur

noch aus abspülbaren Tassen. Aus welchem Grund?

Wir haben im vergangenen Herbst die Kunststoff- und

Pappbecher weitgehend aus unserem Werk verbannt. Zwar

können wir bei der Herstellung unserer Produkte nicht

auf Kunststoff verzichten, weil dieser als Isolationsmaterial

zwingend notwendig ist, aber mit dieser Entscheidung

können wir zumindest einen kleinen Beitrag für eine

saubere und nachhaltigere Welt leisten. In unserem Fall

sind das immerhin knapp 100 000 Pappbecher im Jahr,

die es weniger braucht. Und wenn man bedenkt, dass es

für dessen Herstellung mehr Wasser braucht, als er

Fassungs vermögen hat, ist das doch ein schöner Erfolg.

Sind Sie damit Vorreiter innerhalb der Wago-Gruppe

oder war das eine Entscheidung, die aus dem Mutterhaus

im deutschen Minden kam?

Diese Entscheidung haben wir autark getroffen. Ich weiss

aber, dass unser Werk im thüringischen Sonderhausen

mittlerweile ebenfalls auf Papp- und Kunststoffbecher

weitgehend verzichtet.

Lassen Sie mich kurz nachhaken, da Sie mir bereits

zum zweiten Mal sagen, dass auf die Einwegbecher

«weit gehend» verzichtet wird. Wieso nicht komplett?

Das hat vor allem mit sicherheitstechnischen Aspekten

zu tun. Manche Bereiche der Produktion dürfen nicht mit

Glasflaschen oder Keramiktassen betreten werden. Daher

braucht es, zumindest im Moment, noch die Pappbecher.

Aber wir lassen uns auch hier bestimmt noch eine bessere

Lösung einfallen.

Welchen Beitrag leistet Wago sonst noch für den Umweltschutz?

Hier in der Schweiz bieten wir mittlerweile die Möglichkeit

für Home Office an, um den Pendelverkehr zu reduzieren.

Für die Mitarbeitenden, die aufgrund ihrer Tätigkeit oder

Funktion nicht von zu Hause arbeiten können, haben wir

vor einiger Zeit Ladesäulen installieren lassen, damit diese

gegebenenfalls auch mit einem Elektroauto zur Arbeit

fahren können. Ein weiterer Punkt, mit dem wir uns derzeit

sehr intensiv befassen, ist die Frage, inwieweit wir unsere

Produktion mit grünen Strom betreiben können.

Ein Schwerpunktthema dieser Ausgabe sind datengetriebene

Geschäftsmodelle, die je nach Anwendung ebenfalls

dabei helfen, die Umwelt zu schützen. Welches Potenzial

bieten diese einem «Klemmenhersteller» wie Wago?

In unserer Produktion erfassen wir schon seit längerer Zeit

die Maschinendaten, weil wir diese dazu benutzen, um die

Qualität unserer Produkte zu erhöhen und zugleich den

Ausschuss zu reduzieren. Wenn wir Letzteren reduzieren,

6 #006


DÜSSELDORF,10.–13.MÄRZ

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JETZT 4 TAGE LAUFZEIT!

VON DIENSTAG BIS FREITAG

DREH DOCH AB

UND KOMM ZUR METAV

helfen wir damit auch der Umwelt, da wir

weniger Kunststoff und Energie benötigen.

Ein weiterer Punkt ist die vorausschauende

Wartung. Wenn wir lediglich

Bauteile austauschen, die wirklich

erneuert werden müssen, schont das

ebenfalls Ressourcen.

und reduziert Ihre Lagerkosten!

Auf jeden Fall! Das Ersatzteillager stellt

einen Vermögenswert dar, der Kapital

bindet. Und dann ist da noch das Thema

der Service-Intervalle. Wenn der Auftragsbestand

so hoch ist, dass die Maschinen

eigentlich rund um die Uhr fertigen

müssten, stellt man diese nicht so gerne

ab, nur weil eine bestimmte Anzahl an

Betriebsstunden erreicht ist und nun

Komponenten ausgetauscht werden

sollen. Daher bieten letztendlich auch uns

datengetriebene Geschäftsmodelle, zu

denen ich die vorausschauende Wartung

zähle, einen grossen Mehrwert. Durch

Korrelation verschiedener Messwerte

müssen wir unsere Maschinen wirklich

nur dann stoppen, wenn ein Austausch

von Bauteilen zwingend erforderlich ist.

Übrigens macht man das heute ja in

ähnlicher Form bei den Autos. Früher

wurde das Motorenöl nach einer bestimmten

Fahrtstrecke gewechselt, jetzt

bestimmt die persönliche Fahrweise den

nächsten Werkstatttermin. Möglich ist

das nur durch Korrelation verschiedener

Messwerte.

21. Internationale Messe für

Technologien der Metallbearbeitung

Aufdrehen – aber richtig: Die METAV präsentiert alles

zu Technologien, Trends und Entwicklungen rund um

die Metallbearbeitung in der Produktionstechnik.

Das Live-Erlebnis, um das sich in der Branche alles

dreht – egal ob links- oder rechtsrum.

Gestatten Sie den Herstellern, deren

Produktionsmaschinen sie einsetzen,

den Zugriff auf die Maschinendaten?

Gerade bei pro-aktiven Wartungskonzepten

würde das ja durchaus Sinn machen!

In bestimmten Fällen ist es das Praktikabelste,

wenn der Hersteller aus der Ferne

auf die Maschine zugreifen kann. Daher

gestatten auch wir den Herstellern diesen

Zugriff, überwachen aber diesen und

dokumentieren, wann er sich beispielsweise

in eine Maschine eingeloggt und

wann er sich wieder ausgeloggt hat.

Dadurch profitieren wir von schnelleren

Software-Updates, kürzeren Stillstandzeiten

und geringeren Kosten, da nicht extra

ein Servicetechniker zu uns fahren muss.

Und damit helfen wir auch der Umwelt,

weil durch die entfallenden Servicefahrten

weniger CO 2 ausgestossen wird.


AUF EINEN KAFFEE BEI FRÉDÉRIC RIVA

«Jeder kann einen Beitrag zu

einer ökologischeren Welt leisten.»

Ein anderes Thema bei datengetriebenen Geschäftsmodellen

ist die Disruption. Wie gross ist Ihre Furcht,

dass Sie von Start-ups aus dem Wettbewerb gedrängt

werden könnten?

Angst ist immer ein schlechter Berater. Davon abgesehen

unterliegen wir zum Glück nicht diesen Schwankungen,

wie es beispielsweise der Finanz- oder Softwaresektor tut.

In unserer Branche erwarten die Anwender eine gewisse

Planbarkeit. Diese ist allerdings nicht gegeben, wenn wir

ihnen jeden Monat eine neue Software-Version anbieten,

die im schlimmsten Fall nicht einmal mehr rückwärtskompatibel

ist! Aber um Ihre Frage zu beantworten, sehe ich

eher Chancen für uns. Allerdings müssen wir wachsam

und bereit sein, die Dinge, welche Start-ups besser machen

als wir, zu übernehmen. Dazu gehören zum Beispiel agile

Managementmethoden, die es uns gestatten, schneller auf

Trends und Entwicklungen als bislang zu reagieren.

Wago hat während der SPS 2019 erstmals eine Strom -

ver sorgung für Industrie-4.0-Konzepte vorgestellt.

Wie könnte ein datengetriebenes Geschäftsmodell

aussehen, für das Ihre Stromversorgung Daten liefert?

Ein konkretes Beispiel aus dem Bauch heraus ist

etwas schwierig! Da Netzteile aber zentrale Bestandteile

von Maschinen sind, ist es für deren Betriebsfähigkeit

ein Vorteil, wenn man deren Zustand kennt. Neben der

Zustandsüberwachung lässt sich eine solche Schnittstelle

auch dazu benutzen, um den Energieverbrauch zu

dokumentieren oder die Maschine aus der Ferne wieder

einzuschalten.

Lassen Sie uns noch ein wenig über den Menschen

Frédéric Riva sprechen. Benutzen Sie in Ihrer Freizeit Apps,

die auf datengetriebenen Geschäftsmodellen basieren?

Ich bin ein grosser Fan von Apps und benutze diese übrigens

schon sehr lange ohne irgendwelche Ängste. Sie sind mir

eine grosse Hilfe im Alltag und ich empfinde sie als eine

Bereicherung. Wenn ich beispielsweise mit der Bahn zu

einem Geschäftstermin fahre, löse ich einfach mit der App

ein Ticket und steige in den Zug. Die ärgerlichen Wartezeiten

#006 9


AUF EINEN KAFFEE BEI FRÉDÉRIC RIVA

«Wir reduzieren

mit Hilfe von

Daten unsere

Ausschussquote.»

Frédéric Riva

Der gebürtige Lausanner (Jg. 1967)

studierte nach einer Ausbildung zum

Feinmechaniker in Yverdon les Bains

Mikrotechnik. Auf sein Studium, das

er 1990 mit einem Diplom beendete,

setzte er 2010 den MBA auf.

Während seiner berufl ichen Laufbahn

verantwortete er bei Siemens

Switzerland SA verschiedene

Positionen, zuletzt die des Direktors

der Westschweizer Vertretung.

In dieser Funktion war er zugleich

operativer Leiter «Sicherheit» im

Geschäftsbereich Gebäudetechnik.

Seit Januar 2015 ist er Geschäftsführer

und Vertriebsleiter der Wago

Contact SA, der Schweizer Einheit

der international tätigen Wago-

Gruppe. In seiner Freizeit ist der

Familienvater ein begeisterter

Laufsportler und Motorradfahrer.

10 #006


am Schalter oder die unverständliche

Menüführung an einem Automaten

machen mir zumindest keinen Kopf mehr.

Kürzlich sind Sie den New York Marathon

gelaufen. Inwieweit haben Sie Fitnessoder

Lauf-Apps genutzt, um sich auf

diesen Wettbewerb vorzubereiten?

Um das Training und meine Tätigkeit

als Geschäftsführer unter einen Hut zu

bringen, habe ich mir tatsächlich eine

App zur Vorbereitung gekauft. Die hat

mich vor allem dazu genötigt, auch dann

trainieren zu gehen, wenn ich überhaupt

keine Lust dazu hatte! Was aus meiner

Sicht aber fast viel wichtiger ist, ist eine

sinnvolle Kombination aus herkömmlichen

und digitalen Methoden. Ich habe

mich daher von einem Mediziner zunächst

untersuchen lassen und auf Basis

seiner Untersuchungsergebnisse mir

mit Hilfe der App einen individuellen

Trainingsplan erstellt.

Und um wie viel Prozent konnten Sie

mit der App Ihre Leistung im Vergleich

zu vorherigen Marathonläufen steigern?

Eigentlich um 100 Prozent, da es der erste

Marathon war, den ich gelaufen bin! Aber

Spass bei Seite. Ich hatte eine Laufzeit

von unter fünf Stunden anvisiert und die

habe ich auch erreicht.

Sie sind zudem ein begeisterter Harley-

Fahrer. Fahren Sie aufs Geradewohl

ins Grüne oder nutzen Sie Apps für die

Planung Ihrer Touren und die Einkehr

unterwegs?

Sowohl als auch. Ich benutze dann Apps

für die Tourenplanung, wenn ich nicht

so viel Zeit habe. Spielt diese aber keine

Rolle, fahre ich einfach mal los und lasse

mich überraschen. Auf diese Art und

Weise habe ich schon sehr schöne Pässe

und sehr gute Restaurants kennengelernt,

die in keiner App verzeichnet sind. Wenn

mich eine solche Tour allerdings in eine

mir unbekannte Stadt führt und ich in

dieser ein Hotel suche, bin ich froh, wenn

das die App für mich übernimmt. Es ist

vor allem dann sehr hilfreich, wenn ich

in Ländern unterwegs bin, deren Sprache

ich nicht spreche.

Kirsten Weiskat

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Wago Contact SA | www.wago.ch

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KURZ & KNAPP

BLICKPUNKT

FORSCHUNG

Stanford University

Teilchenbeschleuniger in Chipgrösse

Teilchenbeschleuniger müssen nicht immer so gross wie

jener am CERN sein. Physiker an der Stanford University

schrumpften einen Laser-Beschleuniger, so dass er nun auf

einen Silizium-Mikrochip passt. Darin ist ein Vakuum-Kanal

eingelassen, der nur 250 Nanometer dick und 30 Mikrometer

lang ist. Im Kanal sind Elektronen eingespeist, die von

einem gepulsten Infrarot-Laserstrahl beschleunigt werden.

Cornell University

Schwitzender Roboter

kühlt sich selber

Der menschliche Körper kühlt

sich ab, indem er schwitzt.

Diesen Mechanismus haben

Forscher nun auch auf Roboter

übertragen, um die Wärmeentwicklung

zu managen. Sie

konstruierten hierfür fingerähnliche

Aktuatoren, die mittels

3D-Druck hergestellt werden

und aus zwei Hydrogelmaterialien

bestehen. Die integrierten

«Poren» dehnen und verengen

sich je nach Temperatur, wobei

es das im Material enthaltene

Wasser ablassen und so sich

selbst kühlen kann.

ETH Zürich

Roboter hält alles in der Schwebe

Das akustische Schweben ist ein physikalisch

leicht erklärbarer Effekt. Mithilfe von Ultraschallwellen

kann man zum Beispiel zwischen

zwei Halbkugeln ein kleines Objekt schweben

lassen. Genau das hat nun Marcel Schuck, ein

ETH-Pioneer-Fellow, gemacht, und zwar verbunden

mit einem Roboter, der empfindliche

Teile greifen kann, ohne sie zu berühren. Teure

Greifer würden also überflüssig. Nun sucht

das Team nach Anwendungen in der Industrie.

Mehr Infos

zu allen

Forschungsthemen

online unter

TuWprint+

12 #006


Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)

Motoren in Nanomaschinen

Noch ist die Nanotechnologie ein weites,

unerforschtes Gebiet. Lichtgetriebene

molekulare Antriebe zum Beispiel wären

eine wichtige Voraussetzung, für den

Einsatz von Motoren in Nanomaschinen

– wenn sie ihre Bewegung auf eine andere

molekulare Einheit übertragen könnten.

Wissenschaftler der LMU berichten nun,

dass sie einen Motor mit einer Empfängereinheit

koppeln und deren Drehung

dadurch deutlich beschleunigen konnten.

TU Wien

Terahertz-Strahl bricht Rekorde

Strahlung im Terahertz-Bereich sind extrem schwer zu erzeugen. An der TU Wien

sei es nun aber gelungen, eine Terahertz-Strahlungsquelle zu entwickeln, die gleich

mehrere Rekorde breche, heisst es in einer Mitteilung der Universität. Diese sei extrem

effizient, ihr Spektrum sehr breit, denn sie erzeuge unterschiedliche Wellenlängen

aus dem gesamten Terahertz-Bereich. «2,3 Prozent der zugeführten Energie wird in

Terahertz-Strahlung umgewandelt – das ist um Grössenordnungen mehr als man

mit anderen Methoden erreicht», sagt die Forscherin Claudia Gollner.

Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT)

Ultradünne Touchscreens zum Drucken

Bisher waren Verfahren zur Herstellung biegsamer Touchscreens

eher aufwendig und die hergestellten Schichten

eher spröde. Ein biegsames Display im kostengünstigen

Rollendruckverfahren herzustellen wäre also eine grossartige

Alternative. Nun kam es tatsächlich zu einem

Forschungsdurchbruch auf diesem Gebiet und das neue

Verfahren – eine Indium-Zinn-Legierung erhitzen und

dann pressen – ist nicht nur verblüffend einfach, sondern

auch kostengünstig.

#006 13


MESSE INNOTEQ

MIT MARKTNÄHE

ZUR NEUEN LEITMESSE

INNOTEQ

Bei Produktentwicklungen wird der Endkunde immer öfter sehr früh einbezogen.

Die Bernexpo passte dieses Modell auf ihre Dienstleistungen an. Wie dies bei der

neuen Fachmesse Innoteq umgesetzt wird und wie Industriefirmen sich noch einbringen

können, erklärt Pascal Blanc, Bereichsleiter Industrie und Technik bei Bernexpo.

14 #006


Von Eugen Albisser (Text) und Ruben Sprich (Bild)

Sie haben vor ein paar Wochen eine neue Messe ins

Leben gerufen, die damals noch keinen Namen trug.

Nun hat ihn Bernexpo bekanntgegeben: Innoteq.

Ich muss ehrlich sagen, ich war überrascht.

Positiv oder negativ?

Neutral. Innoteq klingt wie ein Firmenname. Mit einer Messe

– obwohl es eine ähnlich lautende gibt – bringe ich den

Namen nicht in Verbindung. Steckt dahinter eine Absicht?

In gewisser Weise ja. Der Name selbst ist lediglich ein

Akronym aus den Wörtern «Innovation», «Technologie» und

der Abschlussbuchstabe Q steht für den Begriff «Qualität»

und zwar der ausgestellten Produkte, Dienstleistungen und

des Industriestandorts Schweiz.

Und warum die neutrale Form des Namens?

Wir wollen wegkommen vom Denken in Veranstaltungsrhythmen.

Wir müssen präsenter sein und wählten deshalb

eine neutralere Form, in welcher die Messe selbst zwar

wie ein Leuchtturm ist, aber die Plattform soll auch Raum

bieten für andere spannende Formate der Vernetzung und

des Austausches. Mit dem Namen Innoteq schränken wir

uns nicht ein. Es lassen sich sogar hervorragend diverse

Zusätze erstellen: Innoteq exhibition, Innoteq congress und

so weiter. Den Namen hat im Übrigen das Strategische

Board der Messe entworfen, und zwar in einem mehrstufigen

Prozess, in dem auch ein Workshop inbegriffen war.

Sieht man die Innoteq eigentlich als Nachfolgerin

der Prodex?

Offiziell gibt es die Prodex und Swisstech noch immer.

Insofern kann sie es nicht sein, aber das ist auch nicht

wichtig. Wir arbeiten mit den erwähnten Verbänden

zusammen. Diese Partner sind überzeugt davon, dass sie

mit Bernexpo eine neue Messe auf den Markt bringen

können, die zukunftsgerichtet ist.

Wird sich die Messe in ihrem Auftreten und dem Konzept

von einer Prodex unterscheiden?

Das ist schwierig zu sagen, ohne die Erwartungshaltung

ins Endlose zu steigern (lacht). Aber durch den Aufbau des

Projekts in enger Zusammenarbeit mit dem Strategischen

Bord erreichen wir eine Marktnähe, die es so bisher noch

nicht gab. Die Leute des Strategischen Bords waren sehr

aktiv und es war für sie eigentlich überraschend, dass sie

so nahe daran sein dürfen, bei der Entwicklung einer neuen

Messe. Wir wollen sicherlich mit dieser Marktnähe neue

Wege gehen.

Warum denken Sie, machen die Mitglieder beim Strategischen

Board mit? Immerhin ist Bernexpo ein Messeveranstalter

und man könnte Ihnen die Arbeit überlassen.

Ich glaube, da ist ein Wandel in der Denkweise entstanden.

Wenn Firmen heute Dienstleistungen und Produkte

entwickeln, dann bezieht man die Kunden bereits viel

früher mit ein. Dieses Vorgehen hat so viele Vorteile,

dass auch wir im Servicebereich dieses Modell übernehmen

und eine Win-Win-Situation schaffen wollen.

Zur erwähnten Marktnähe gehört ein Kick-off Meeting,

das am 26. März stattfinden wird. Wie funktioniert dies?

Grundsätzlich wollen wir allen Firmen so viele Informationen

wie möglich zugänglich machen – und am

liebsten persönlich überbringen. Deshalb laden wir

interessierte Firmen nach Bern ein. Am Kickoff-Meeting

erzählen wir, was wir vorhaben und die Firmen erhalten

die Möglichkeit, die Räumlichkeiten anzusehen und

sie können direkt vor Ort einen Platz vorreservieren.

Wer an dieses Kickoff-Meeting kommt, hat also einen

Vorsprung bei der Platzreservation?

So ist es. Aber es ist immer wieder beeindruckend,

wie wichtig es sein kann für Firmen, die Örtlichkeiten

zu sehen, damit sie sich ein genaues Bild machen

können. Für einige ist es zum Beispiel wichtig zu wissen,

wie der Eingangsbereich aussehen könnte, andere

sind interessiert an der Logistik oder wo die Mitbewerber

stehen.

Können Firmenvertreter am Kickoff-Meeting noch

Inputs geben?

Unbedingt! Dafür ist dieses Meeting da. Wir brauchen

diesen Austausch und wollen wissen, was die Firmen

wünschen und wie sie sich eine neue Messe vorstellen.

Nur so wird es eine Plattform, auf der sich die ganze

Industrie zu Hause fühlt.

Fakten zur Innoteq

Die Innoteq ist die neue Schweizer

Leitmesse der Fertigungsindustrie, der

Maschinen- und Werkzeughändler sowie

der Zulieferer der MEM-Industrie und

fi ndet vom 2. bis 5. März 2021 in Bern

statt. Vorgesehen ist eine Ausstellungsfl

äche von rund 28000 m 2 und ein

attraktives Rahmen programm. Die Messe

wird unterstützt von den drei grossen

Industrieverbänden Swissmechanic,

Swissmem und Tecnoswiss.

Am 26. März 2020 fi ndet in Bern zur

offi ziellen Lancierung ein Kickoff-Event

für die Branche statt.

www.innoteq.ch

#006 15


Wissenswertes

Margrit Harting

feiert 75.

Geburtstag

sfb Bildungszentrum

verabschiedet Absolventen

Die Unternehmerin

Margit Harting feierte

am 3. Februar

2020 ihr 75. Geburtstag.

Die diplomierte Handelslehrerin,

die 1971 Dietmar

Harting heiratete, trat 1987

dem Unternehmen bei und

formt es seither als Managerin, Vorstand sowie kreative und

inspirierende Seniorchefin. Neben zahlreichen Auszeichnungen

als Ehrenvorsitzende wurde sie 2008 mit dem Bundesverdienstkreuz

1. Klasse und 2018 mit der Ehrenbürgerwürde

der Leibniz Universität Hannover gewürdigt.

Perfektion und Professionalität, Ideen, grosse Motivation,

Begeisterungsfähigkeit und Überzeugungskraft zeichnen

die nunmehr 75-Jährige aus. Von Aufhören ist keine Rede,

vieles hat sie noch vor. Das gilt besonders für dieses Jahr, in

dem das Unternehmen, das Sohn Philip und Tochter Maresa

gemeinsam mit den Eltern leiten, so alt wird wie sie als

Aussenministerin der internationalen Technologiegruppe.

www.harting.com

Im Namen der Industrie heisse ich Sie

herzlich willkommen, wir warten ungeduldig

auf Sie!» Mit diesen Worten richtete

sich Ernesto Maurer, Stiftungsratspräsident

des sfb Bildungszentrums für

Technologie und Management, an die 196

Absolventen. Dorothea Tiefenauer, Direktorin

des sfb Bildungszentrums, eröffnete

die Diplomfeier in der Stadthalle Dietikon

und führte durch die Veranstaltung. Besonderer

Dank galt den Familien und Angehörigen,

sowie den Arbeitgebern und

Lehrpersonen, die zum Erfolg der Studierenden

beigetragen hatten.

Die besten Noten haben Patrick Geisseler

(5,7, Techniker HF Automation), Sven Cédric

Spillmann (5,4, Techniker HF Unternehmensprozesse),

Patrick Häfliger & Thomas

Diethelm (5,3, Techniker HF Energie

und Umwelt), Patrick Stoop (5,5, NDS HF

Betriebswirtschaft), Steven Buntschu (5,4,

Automatikfachleute), Severin Hof (4,7, Prozessfachleute)

und Rudolf Gabriel (5,1, Logistikfachleute)

erzielt.

www.sfb.ch

Die Lehrgangsbesten mit sfb-Präsident Ernesto Maurer (links). Bild: sfb

16 #006


Rüegg neuer PSI-Direktor

Christian Rüegg

übernimmt ab

1. April 2020

die Direktion

des Paul Scherrer Instituts

in Villigen. Er tritt

die Nachfolge von Thierry

Strässle an, der das

Christian Rüegg. Bild: Scanderbeg PSI nach dem Fortgang

Sauer Photography

von Joël Mesot seit Anfang

2019 ad interim geführt

hatte. Der 43-Jährige

ist zurzeit Leiter des

Forschungsbereiches

Neutronen und Myonen

am PSI.

Christian Rüegg stammt aus dem Kanton Aargau, studierte

Physik an der ETH Zürich und promovierte 2005 im Labor

für Neutronenstreuung der ETH Zürich und des PSI. Anschliessend

war er von 2005 bis 2011 im London Centre for

Nanotechnology des University College London. Von 2011

bis 2016 leitete er am PSI das Labor für Neutronenstreuung

und Imaging im Forschungsbereich Neutronen und Myonen.

Seit 2017 ist er Leiter des Forschungsbereiches und seit

Mai 2018 Mitglied der PSI-Direktion. Zudem ist er seit 2012

Professor an der Universität Genf.

Universal Robots mit neuem

DACH-Sales-Manager

Andrea Alboni verantwortet ab sofort den

Sales-Bereich von Universal Robots für die

Länder Deutschland, Österreich und

Schweiz. Für die neue Aufgabe bringt er

über zehn Jahre an Erfahrung mit: Vor seinem

Wechsel 2019 zur Universal Robots (Germany)

GmbH war er unter anderem als Key Account Manager

bei Webasto Thermo & Comfort und als Vertriebsleiter

bei SFC Energy angestellt. Sein Ziel ist es, die

Zusammenarbeit mit den Vertriebspartnern und

Kunden sowie die Entwicklung und den Einsatz der

kollaborierenden Robotik weiter voranzutreiben.

www.universal-robots.com

www.psi.ch

Efficient Engineering ist, wenn ein PLAN zu EPLAN wird.

EPLAN bietet Software und Service rund um das Engineering in den Bereichen Elektrotechnik und Automatisierung.

Unternehmen, die den digitalen Wandel im Engineering erfolgreich gestalten wollen, brauchen mehr als einen Plan.

Wie Sie mit uns als starken globalen Partner alle Potenziale voll ausschöpfen: eplan.ch


DATENGETRIEBENE GESCHÄFTSMODELLE

«ES BRAUCHT EINEN

GEWISSEN ATEM»

Mit der fortschreitenden Digitalisierung rücken datengetriebene Geschäftsmodelle

in den Fokus vieler Unternehmen. Doch auf was ist bei deren

Entwicklung zu achten und welche typischen Stolpersteine gilt es dabei

zu umgehen. TuW sprach hierzu mit vier Branchenexperten.

18 #006


Nikolaus Krüger

Chief Sales Officer/

Mitglied des Executive Board

Endress+Hauser AG

Von Markus Back

Predictive Maintenance ist oftmals

als Beispiel zu hören,

wenn über datengetriebene

Geschäftsmodelle gesprochen

wird. Doch was für weitere Beispiele

fallen unseren Experten darüber hinaus

zu dieser Frage ein? «Da kommen

mir einige in den Sinn», sagt Petra

Monn von Siemens: «Fleet Management

zur flexiblen Planung von Serviceeinsätzen,

Apps fürs bessere Training

der Maschinenbetreiber oder aber

auch Modelle rund um die verbesserte

Qualitätsinspektion durch gezieltes

Sammeln von Prozessparametern.»

Neben Modellen zur Unterstützung

und Entlastung des Anwenders, wie

zum Beispiel Remote Services, Interactive

HMI, Webhosted Trainings oder

auch HMI als Service, nennt Sebastian

Seitz von Eplan Modelle, die beim Upscaling

unterstützen: «Zudem fallen

mir der Digital Twin als Service, neue

Marktplätze für Maschinenkapazitäten

oder der Ersatzteilservice per 3D-

Druck ein.»

Ebenso kreativ zeigt sich Nikolaus

Krüger von Endress+Hauser. Als Anwendungen

nennt er die zeitnahe und

ortsunabhängige Erfassung und Darstellung

von Prozessen auf mobilen

Endgeräten sowie ein cloudbasiertes

Asset Management über den gesamten

Lebenszyklus verbauter Geräte hinweg.

Als ein weiteres Beispiel führt er

eine effizientere Produktion und eine

höhere Anlagenverfügbarkeit durch

eine Optimierung der Kalibrierintervalle

an.

Einwicklungsvoraussetzungen

Damit sich die genannten Ideen umsetzen

lassen, muss hierfür zunächst

eine Basis geschaffen werden. «Predictive

Maintenance wird sehr oft als

Applikationsbeispiel genannt», sagt

Andreas Rau von Phoenix Contact:

«Gleichzeitig stellen wir aber fest, dass

die Grundlagen für datengetriebene

Geschäftsmodelle noch gar nicht gelegt

sind.» Daher empfiehlt er zunächst

das Datenmanagement der eigenen

Produktdaten zu überarbeiten und diese

dann den Kunden für ihre Planungs-

und Betriebsprozesse zur Verfügung

zu stellen. Hierauf aufbauend

können sehr viele Geschäftsmodelle

entstehen, wie eine Remote-Anzeige

des Maschinenzustands, ein Device &

Patch Management bis hin zu Software-basierten

Funktionen, mit der zu

einem späteren Zeitpunkt die Fähigkeiten

von Maschinenfähigkeiten erweitert

werden können.

Für die Entwicklung eines Geschäftsmodells

braucht es nach Meinung von

Nikolaus Krüger eine saubere Datenbasis

mit klarer Struktur und Semantik.

Ein weiterer Aspekt sei die Daten-

Sebastian Seitz

CEO Eplan Software Service

Andreas Rau

Vice President Corporate

Development & New Business

Phoenix Contact GmbH & Co.KG

Petra Monn

Consultant Digital Enterprise

Siemens Schweiz AG

sicherheit, die es für das Vertrauen der

Kunden brauche. Dieser Meinung ist

auch Petra Monn: «Die Daten müssen

durch gezielte Cyber Security gegen

Fremdmanipulation geschützt sein.

Nur dann lassen sie sich als Service

im Rahmen eines Geschäftsmodells

verkaufen.»

Neben Vertraulichkeit und Knowhow-Schutz

empfiehlt Sebastian Seitz

für den Erfolg die Unterscheidung

nach Prozess- und nach personenbezogenen

Daten. Zudem rät er zu einem

agilen Entwicklungsansatz, da die etablierten

Top-Down-Ansätze nicht zielführend

seien.

Grundüberlegungen

Damit die Entwicklung nicht in einer

Sackgasse endet, gilt es zunächst, einige

Fragen zu klären. «Am Anfang sollte

man sich ehrlich fragen, was und mit

welchem Aufwand man wirklich erreichen

will», so Nikolaus Krüger und er-

Bilder: Siemens Schweiz AG

#006 19


DATENGETRIEBENE GESCHÄFTSMODELLE

gänzt: «Dabei hilft eine Kritikalitätsbetrachtung

jeder einzelnen Messstelle,

denn nicht jeder Sensor in einem Prozess

ist gleichermassen bedeutend für

die Sicherheit der Anlage oder die Qualität

des Produkts.»

Für Andreas Rau ist es elementar,

vom konkreten Kundennutzen auszugehen

und den Reifegrad des Themas

in der Industrie realistisch einzuschätzen.

«Der Maschinenbau ist

durch den Mittelstand geprägt, daher

sind skalierbare Lösungen wichtig,

welche die verschiedenen Reifegrade

des Maschinenbauers berücksichtigen»,

sagt er. Dies könne von der einfachen

Visualisierung der Daten in

einer Insellösung ohne Cloud bis hin

zur Analytik von Daten in der Cloud

mit Handlungsempfehlungen reichen.

Als Ansatzpunkte für einen erhöhten

Kundennutzen nennt er reduzierte

Stillstandzeiten, eine erhöhte Fertigungsqualität

und -menge durch datenbasierte

Prozessoptimierung sowie

transparentere Kosten.

Aus Sicht von Sebastian Seitz muss

zunächst einmal die eigene Position in

der Wertschöpfungskette klar bestimmt

sein. Denn diese diene als Basis

für eine Neuaufstellung. Dazu gelte

es, einige Fragen vorab zu beantworten:

Welchen Reifegrad habe man aktuell

im Umgang mit Daten? Welche

Daten führen zu welchem Nutzen, und

habe man den entsprechenden Zu-

Erfahren Sie auf unserem

Online-Portal, welche Lösungen

die Experten für die Entwicklung

datengetriebener Geschäftsmodelle

empfehlen und wieso es gar nicht

so einfach ist, den ROI bei diesen

Neuerungen zu bestimmen.

www.technik-und-wissen.ch

20 #006


griff? Was generiert dem Kunden wirklich

einen Mehrwert? Für welchen

Nutzen wäre er gegebenenfalls bereit,

zu bezahlen?

Vorgehensweise

Worauf ist aber bei der Entwicklung

eines datengetriebenen Geschäftsmodells

zu achten? «Das auf Effizienz

getrimmte Kerngeschäft und die neuen

Ansätze bei digitalen Geschäftsmodellen

müssen sich parallel und

komplementär entwickeln», so Sebastian

Seitz. Aus eigener Erfahrung bei

Eplan weiss er, dass es dabei wichtig

ist, die richtige Balance zwischen Eigenständigkeit

und Added Value fürs

Kerngeschäft zu finden.

Zu einer besonnenen Vorgehensweise

rät ebenfalls Nikolaus Krüger:

«Zuerst einmal müssen sich die Verantwortlichen

auf die Chancen der

Digitalisierung einlassen! Das ist der

erste und wichtigste Schritt.» Dann

müssten die Zuständigkeiten klar geregelt

und das Unternehmen auf die

digitale Transformation vorbereitet

werden, weil «die Auswirkungen nämlich

meist grösser sind, als es zunächst

den Anschein hat.»

Zu Neugier und Offenheit rät Andreas

Rau: «Probieren Sie die neuen Möglichkeiten

und Technologien aus und

schaffen hierfür ein Spielfeld mit entsprechenden

Kompetenzen.» Dabei

dürften jedoch niemals der konkrete

Kundennutzen und das Geschäftsmodell

aus dem Auge verloren werden.

Einen ganz wichtigen Tipp hierzu hat

Petra Monn: «Bei komplexeren Projekten

empfiehlt sich die Zusammenarbeit

mit einem Partner, der Erfahrung,

Methoden- und Technologiewissen

mitbringt.»

Kooperationen

Inwieweit machen aber Kooperationen

bei der Entwicklung eines datengetriebenen

Geschäftsmodells Sinn? «Meist

geht es gar nicht im Alleingang, da die

Unternehmen für datengetriebene Geschäftsmodelle

Kompetenzen benötigen,

über die sie selbst nicht verfügen»,

sagt Nikolaus Krüger. Dies begründet er

«Das Kerngeschäft und

das digitale Geschäftsmodell

müssen sich parallel und

komplementär entwickeln.»

Sebastian Seitz, Eplan

vor allem damit, dass in den allermeisten

Unternehmen bislang die Entwicklung

von Hard- und nicht etwa von

Software im Fokus stand.

Auch aus Sicht von Andreas Rau

macht es fast immer Sinn, Kooperationspartner

zu suchen. Die relevante

Frage hierbei sei die Form der Partnerschaft

und Kooperation. Dies könne

von einem losen Informationsaustausch

über konkrete Technologieund

Anwendungsprojekte bis hin zur

Beteiligung an Start-ups gehen.

Wann allerspätestens der Zeitpunkt

gekommen ist, einen Experten zu konsultieren,

weiss Petra Monn. «Wenn

man spürt, dass der Markt Anpassungen

verlangt, man aber aus eigenen

Stücken nicht mehr nachkommt», sagt

sie. Der Austausch mit externen Beratern

helfe aus ihrer Erfahrung auch

dabei, im Projekt die richtigen Prioritäten

zu setzen.

«Es gibt

keine Fehler,

nur die Angst

davor!»

Petra Monn, Siemens

Typische Anfängerfehler

«Manche Unternehmen vertagen die

oben angesprochenen Entscheidungen

und setzen in einem ersten Schritt

auf einen Data-Lake», sagt Sebastian

Seitz. Man habe die Hoffnung, dass

sich dieser erst einmal in Ruhe auffülle

und versuche darauf dann ein Geschäftsmodell

aufzubauen. «Die Praxis

zeigt jedoch, dass sich diese Data-Lakes

meist nicht schnell genug füllen

und damit dem Tempo der fortschreitenden

Digitalisierung nicht standhalten»,

schliesst Sebastian Seitz.

Da das Thema datenzentrierte Geschäftsmodelle

in der Industrie in vielen

Fällen noch Pionierarbeit bedeutet,

rät Andreas Rau dazu, eher wenige, dafür

aber konkrete, mehrwertorientierte

‹Use Cases› anzugehen und daraus

schnell zu lernen. Ähnlich sieht es Petra

Monn: «Es gibt keine Fehler, nur die

Angst davor. Jeder iterative Entwicklungsprozess

lebt von seinen Fehlern,

denn dabei entstehen die wertvollsten

Einsichten, um eine App stetig zu verbessern.»

«Häufig werden die Ziele nicht präzise

genug formuliert, die Verantwortlichkeiten

sind nicht klar geregelt,

oder wichtige Kompetenzen im digitalen

Bereich fehlen. Daneben benötigen

viele Unternehmen am Anfang zu viele

Versuche, um ein brauchbares Ergebnis

zu erzielen», lautet die Erfahrung

von Nikolaus Krüger. «Viele

erwarten aber auch schlichtweg zu

viel von den neuen Geschäftsmodellen

oder rechnen zu schnell mit Resultaten.

Doch es braucht auch auf diesem

Gebiet einen gewissen Atem!»

Endress+Hauser AG

www.endress.com

Eplan Software & Service AG

www.eplan.ch

Phoenix Contact AG

www.phoenixcontact.com

Siemens Schweiz AG

www.siemens.ch

#006 21


DATENGETRIEBENE GESCHÄFTSMODELLE

Angenommen, Sie wären 30 Jahre jünger und

hätten einen Investor, der Ihnen beim Aufgleisen

eines datengetriebenen Geschäftsmodells zur Seite

stünde, wo würden Sie denn Ihr Glück versuchen?

Die erfolgreichsten Start-ups sind diejenigen, die über

enge Verbindungen zu den Hochschulen verfügen und in

Wissenscluster eingebunden sind. Daher würde ich es

zunächst davon abhängig machen, was ich gelernt und

studiert habe. Nehmen wir an, ich hätte die richtige

Ausbildung gewählt, dann könnte ich mir gut vorstellen,

im Bereich KI zu arbeiten. Ganz konkret finde ich dort

die Themen «Spracheingabe» und «Automatische Spracherkennung»

sehr spannend. Wenn Sie überlegen, wie

umständlich heute oftmals die Befehlseingabe über Tastaturen

und Mäuseklaviere erfolgt, dann könnte man hier

sicherlich vieles erreichen! Stellen Sie sich einmal vor:

Maschinen mit Sprache zu steuern oder Sensoren über die

Stimme zu konfigurieren – wäre das nicht toll?

Und wie würden Sie damit genau Ihren Lebensunterhalt

verdienen? Mit dem Verkauf der entsprechenden Software?

Die Software mit den entsprechenden Algorithmen

wäre nur ein Teil. Ein anderer entfiele auf datengetriebene

Dienstleistungen und regelmässige Updates. Nehmen

Sie beispielsweise unser Gespräch, das wir hier führen.

Wir haben nicht die gleiche Diktion oder Sprachfärbung,

wodurch ein Spracherkennungssystem sehr viel können

muss. Bis das alles einwandfrei funktioniert, braucht

es einige Updates.

Welche Überlegungen braucht es darüber hinaus?

Es sind zwei Aspekte, die generell für alle digitalen

Geschäftsmodelle gelten. Es ist zum einen die Kompetenz,

zum anderen die Kundenorientierung. Und Letzteres

gelingt nur, wenn man gemeinsam entwickelt. Das

bekommt man allein im stillen Kämmerlein nicht hin!

Im Idealfall erziehe ich den Kunden dabei zur Bequemlichkeit,

ansonsten begnügt er sich ja mit einem Mäuseklavier …

Daher muss ich mir Entwicklungspartner suchen, die

selbst innovativ sind. Denn der Anwender begnügt sich nur

solange mit dem Mäuseklavier, bis ein Wettbewerber die

Spracheingabe auf den Markt bringt. Von daher muss man

sich selbstkritisch fragen, ob man bei dieser Entwicklung

ganz vorne oder lieber weiter hinten im Spiel sein will? Ich

persönlich wäre lieber vorne bei den Pionieren. Dazu muss

ich mich aber mit anderen Pionieren zusammenschliessen.

Woher weiss ich aber, wer die richtigen Pioniere für

mich sind?

Zunächst einmal muss ich statt in Technik im Geschäftsmodell

denken. Heute ist es oftmals so, dass Unternehmen

eine Web-Schnittstelle in ihre Lösung integrieren und damit

das Thema «Digitalisierung» für erledigt betrachten. ››

22 #006


«JEDES UNTERNEHMEN

HAT POTENZIALE»

Günstiger Massenspeicher und die Cloud ebnen den Weg für datengetriebene

Geschäftsmodelle. Wie diese zu finden sind und auf was bei diesen zu achten ist,

sagt ZVEI-Präsident Michael Ziesemer im Interview.

Von Markus Back (Text) und Ruben Sprich (Fotos)

#006 23


DATENGETRIEBENE GESCHÄFTSMODELLE

«Die Web-Schnittstelle ist nicht

einmal die Hälfte der Übung.»

Michael Ziesemer über datengetriebene Geschäftsmodelle

Aber das ist nicht einmal die Hälfte der Übung! Zunächst

einmal wird ihr Produkt dadurch nur teurer und bietet,

was viel schlimmer ist, anderen die Möglichkeit, auf diese

Schnittstelle ihr eigenes Geschäftsmodell aufzusetzen.

Daher muss ich mir zuerst im Klaren sein, wie ich mein

Geld verdienen will. Erst wenn ich das weiss, suche ich

die passenden Partner.

Gut, nun habe ich den passenden Partner gefunden.

Wie bekomme ich aber das mit der Kundenorientierung hin,

wo doch jeder Kunde seine individuellen Wünsche hat?

Damit man schnell in den Markt kann, fängt man zunächst

klein an und weiss genau, wo der Anwender einen Nutzen

erkennt. Ein gutes Beispiel dafür ist WhatsApp, was heute

sehr viele Funktionalitäten bietet. Am Anfang konnten Sie

mit diesem Dienst aber nur Nachrichten übertragen. Das

war die Kernfunktionalität. Von dort aus wurde ausgebaut

und immer weiter differenziert.

Wie stelle ich aber fest, ob es in meinem Unter nehmen

überhaupt Potenzial für datengetriebene Geschäftsmodelle

gibt?

Jedes Unternehmen bietet Potenziale. Davon bin ich

fest überzeugt.

Und wenn ich ein Zementwerk besitze?

Dann gibt es in diesem eine Produktion und eine Lieferkette.

Da gibt es womöglich Kunden, die Ihr Zement zur

richtigen Zeit auf die richtige Baustelle geliefert haben

wollen. Ich will Ihnen dazu ein wirkliches Beispiel erzählen.

Ich habe mich mit einem Hersteller von Dachrinnen

unterhalten, der mir sagte, er wisse beim besten Willen

nicht, wie er die Digitalisierung angehen solle. Wir haben

zunächst die komplette Wertschöpfungskette diskutiert

und dabei wirklich nichts Sinnvolles ausmachen können.

Dann haben wir das Produkt aus Sicht des Kunden betrachtet

und kamen drauf, dass dieser ein Problem mit Laub

in den Dachrinnen hat. Weil dieses von unten nicht zu

erkennen ist, wäre doch ein Sensor eine tolle Sache, der das

Laub erkennt und eine Meldung aufs Smartphone schickt.

Für den Dachrinnenhersteller und andere Unternehmen,

die in diesem Bereich Fuss fassen wollen, bedeutet das

aber ein Paradigmenwechsel, da sie plötzlich auf eine

datenzentrierte Sichtweise umstellen müssen. Wie ist

dieser Transformationsprozess zu schaffen?

Die wesentliche Änderung ist mentaler Natur. Man muss

nicht einmal unbedingt in Daten denken, weil das von

alleine kommt. Ich muss vom Anwender und seinen

Bedürfnissen her denken. Wie ist die Anwendung, welche

Probleme gibt es da, wie sehen die Leute das? Mir fällt

dazu das Beispiel eines Bohrmaschinenherstellers ein, der

seine Kunden zu den Problemen bei ihrer täglichen Arbeit

befragt hat. Es zeigte sich, dass das eigentliche Problem

nicht das Bohren der Löcher, sondern deren zeitaufwendiges

Anzeichnen ist. Daraufhin hat er eine völlig neue

Produktsparte entwickelt, bei der mit Hilfe von Lasertechnik

das Ausmessen und Festlegen der Bohrlöcher erfolgt.

«Die wesentliche

Änderung ist

mentaler Natur.»

Michael Ziesemer über die Entwicklung eines

datengetriebenen Geschäftsmodells

24 #006


RUBRIKTITEL

Erfahren Sie unter

technik-und-wissen.ch,

inwieweit sich die Blockchain-

Technologie für datengetriebene

Geschäftsmodelle eignet und

was sich der ZVEI-Präsident von

der EZB und der Nationalbank

wünscht.

Möglicherweise muss ich für ein neues Geschäftsmodell

unternehmenseigene Daten mit denen Dritter vermischen.

Auf was ist dabei zu achten?

Wir sind da mitten in einem rechtlichen Problem. Ich muss

nicht nur prüfen, woher diese Daten stammen und was ich

mit diesen genau machen darf, sondern auch sicherheitstechnische

Aspekte, wie Datensicherheit und Datenschutz,

beachten. Von einer Verwendung fremder Daten ohne

entsprechende Abklärungen würde ich daher zumindest

abraten.

Wenn ich meine Daten mit denen anderer mische,

entsteht eine Abhängigkeit. Wie gewährleiste ich dennoch

einen kontinuierlichen Datenfluss?

Als Grundlage muss zunächst einmal ein Vertrag her.

Das Beste ist allerdings, wenn ich ein Modell finde, bei

dem derjenige, von dem ich die Daten beziehe, ein

Teil des Geschäftsmodells wird. So ist es automatisch

auch in seinem Interesse, dass dieser Datenfluss

nicht ins Stocken gerät.

Michael Ziesemer

Michael Ziesemer (Jahrgang 1951), Ingenieur

der Elektro technik, startete seine Karriere in der

Telekommunikation, wechselte aber bald zur

Messtechnik. 1981 trat er bei Endress+Hauser

ein, bekleidete verschiedene Funktionen auf

Produktionsseite, ehe er ab 1996 den Vertrieb der

Firmengruppe prägte. 2002 wurde er ins Executive

Board berufen; ab 2008 war er Chief Operating

Offi cer und Stell vertreter des CEO. 2016 wechselte

Michael Ziesemer als stellvertretender Präsident

in den Verwaltungsrat von Endress + Hauser.

Daneben ist er seit 2014 Präsident des einfl ussreichen

deutschen Zentralverbands Elektrotechnikund

Elektronikindustrie (ZVEI).

ZVEI | www.zvei.org

#006 25


Die digitale Transformation

muss erlebt und gespürt

werden. Das geht spielend am

besten und ist dabei absolut

risikofrei. Bild: Targetsim

SPIELEND ZUM DIGITALEN

GESCHÄFTSMODELL

Von den Schweizer Unternehmen finden 73 Prozent digitale Technologien für ihr

Geschäftsmodell wichtig bis sehr wichtig. Die Firmen sind gefordert, ihre

Mitarbeitenden intensiv auf den Wandel vorzubereiten. Spielerische Lernmethoden

machen neue Geschäftsmodelle erlebbar und bauen Ängste ab.

Von Dr. Gudrun G. Vogt, Managing Partner Targetsim AG

Wenn ein konventionelles

Geschäftsmodell digital

werden soll, bleibt kein

Stein auf dem anderen.

Alles muss sich radikal ändern: Strukturen,

Abläufe, Produkte, Kunden, Lie-

feranten, besonders aber Mitarbeitende

und Führungskräfte. Sie müssen

ihre Einstellung, ihr Verhalten ändern

und sich mit umfassenden Neuerungen

anfreunden. Experten behaupten

darum, dass Selbstkompetenz und soziale

Kompetenzen in der digitalen

Welt nicht weniger wichtig, sondern

noch viel wichtiger werden.

Das Gute daran ist, dass Menschen

lernfähig sind. Sie können sich an

neue Gegebenheiten anpassen. Das

26 #006


DATENGETRIEBENE GESCHÄFTSMODELLE

funktioniert aber nicht automatisch. Mitarbeitende brauchen

Orientierung, Transparenz und Antworten auf drängende Fragen:

Wohin soll die Reise gehen? Was bedeutet das für mich? Was wird

in der digitalen Zukunft von mir erwartet? Das Strategiepapier

der Geschäftsleitung ist dafür zu wenig konkret und nur bedingt

geeignet, um Zweifel und Befürchtungen abzubauen. Wirksamer

ist es, die digitale Transformation und ihre Folgen hautnah erlebbar

zu machen, mit allen Tiefen, Höhen, Risiken und Chancen.

Transformation aktiv mitgestalten

Hier bietet sich die Methode Planspiel an: Ein Unternehmen

wird mit seinen Abteilungen und Prozessen simuliert, nicht als

Zahleneingaben am Computer, sondern als Wertschöpfungskette

zum Anfassen und Begreifen. Die Teilnehmenden übernehmen

Verantwortung für je einen Schritt in der Supply Chain. In

mehreren Runden durchlaufen sie den Change-Prozess und

gestalten ihn aktiv mit. Sie können Betriebsabläufe verändern,

Lieferzeiten verkürzen, Sparpotenziale in der Produktion ausschöpfen

oder Ideen für neue Produkte entwickeln.

Im Rahmen der Digitalisierung bieten sich zum Beispiel individualisierte

Kleinserien oder Sonderanfertigungen mittels additiver

Verfahren an. Das eröffnet neue Kundensegmente und

Wege, um ein Unternehmen mit digitaler Technologie agil und

zukunftsfähig zu machen. Neue Rollen und Aufgaben können

im Planspiel ausprobiert werden. Auch neue Möglichkeiten

der Zusammenarbeit mit vor- und nachgelagerten Abteilungen

erschliessen sich. Alles kann risikofrei getestet werden.

Unternehmenskultur muss Wandel unterstützen

Im Ergebnis geht es darum, das Potenzial der Digitalisierung zu

entdecken. Der spielerische Zugang zum Thema verknüpft ein

neues Geschäftsmodell mit einem positiven Team-Erlebnis.

Durch das aktive Handeln im Planspiel schwinden Befürchtungen,

im Gegenteil: Teilnehmende gewinnen an Vertrauen in die

eigenen Fähigkeiten und schöpfen Mut, den Wandel mitzutragen.

Ein führender Hersteller von Präzisionsmaschinen nutzt beispielsweise

Gamification, um sein Top-Management auf die erwartete

Transformationsphase vorzubereiten. 70 Führungskräfte

erleben hier im dreistündigen Planspiel einen drastischen

Auftragseinbruch: Ein Drittel weniger Umsatz, dazu neue Mitbewerber

und Kostendruck. In acht konkurrierenden Teams testen

die Manager Wege aus der Krise. Das können Kosteneinsparungen

im Lager, die Konzentration auf margenstarke Produkte oder

neue Produktionsverfahren sein. Die Teams setzen ihre Lösungen

im Planspiel um und sehen sofort den Effekt. Umsatz, Gewinn,

Kundenzufriedenheit und Team-Zufriedenheit werden gemessen.

In Workshops mit der Geschäftsleitung erarbeiten die

Teilnehmenden dann konkrete Ideen für reale Massnahmen.

Das Engagement der Firmenleitung bleibt entscheidend, ob

Wandel gelingt. Starke Veränderungen des Geschäftsmodells

bringen Unsicherheit und Risiken mit sich. Eine offenere Unternehmenskultur

ist gefordert. Um Neuland zu betreten, müssen

unkonventionelle Ideen, Experimente und Fehler erlaubt sein.

Digitalisierung ist keinesfalls ein Kinderspiel. Spielerische Vorbereitung

hilft aber, Mitarbeitenden den Weg ins digitale Unternehmen

zu ebnen.

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DATENGETRIEBENE GESCHÄFTSMODELLE

NACHHALTIGE

SHRIMPS

AUS ÖKOLOGISCHER

AUFZUCHT

Konsequente Digitalisierung schafft Flexibilität und

Wettbewerbsfähigkeit. Das wissen auch die Verantwortlichen

bei Swiss Shrimp, weshalb sie sämtliche Prozesse in ihrem

Unternehmen digitalisiert haben.

28 #006 Bilder: Susanne Seiler


RUBRIKTITEL

Von Markus Back

Jedes Unternehmen bietet Potenziale

für datengetriebene

Geschäftsmodelle! Diese Meinung

vertritt ZVEI-Präsident

Michael Ziesemer im Interview ab Seite

22 in dieser Ausgabe. Ein hervorragendes

Beispiel, dass diese Aussage

unterstreicht, ist Swiss Shrimp in

Rheinfelden. Das Start-up-Unternehmen

produziert und vertreibt seit einem

Jahr Garnelen aus nachhaltiger

und ökologischer Aufzucht und vertraut

dabei auf digitalisierte Prozesse.

Diese umfassen dabei alle Bereiche,

von der Produktion und Beschaffung

über Verkauf und Logistik bis hin zum

Webshop und Finanzen und garantieren

der Betreiberin komplette Transparenz

und Flexibilität. So werden zum

Beispiel Kreditkartenzahlungen automatisch

verbucht, die Kommissionie-

rung über QR-Codes gesteuert oder

Chargennummern nach der Ernte

selbstständig generiert.

Mit Hilfe von Bits und Bytes hat

Swiss Shrimp nicht nur seine Prozesse,

sondern auch die Aufzucht optimiert.

Insgesamt 210 DALI-Leuchten

simulieren in den fensterlosen Aufzuchthallen

die Lichtverhältnisse am

Golf von Mexiko und lassen so die Tiere

viel besser gedeihen. Abrupte Lichtwechsel,

die es gibt, wenn morgens

und abends ein Lichtschalter umgelegt

wird, würden die flinken Schwimmer

in enormen Stress versetzen und

zu einer Sterberate im zweistelligen

Bereich führen.

Swiss Shrimp AG

www.swissshrimp.ch

Im Interview

auf unserer Website

erfahren Sie, was die

Herausforderungen bei

diesem Projekt waren und

welche Vorteile sich für

das Start-up-Unternehmen

durch die komplett

digitalisierten Prozesse

ergeben. www.technikund-wissen.ch

#006 29


DATENGETRIEBENE GESCHÄFTSMODELLE

«WIR BRINGEN

JEDE ANWENDUNG

IN DIE CLOUD»

Constantin Gonzalez ist Principal Solutions Architect bei Amazon Web Services.

Im Gespräch sagt er, wie eine Anwendung in die Cloud zu bringen ist und mit welchen

Massnahmen sich die Daten vor unerlaubten Zugriff oder Verlust schützen lassen.

Von Markus Back

Nehmen wir an, ich habe ein datengetriebenes

Geschäftsmodell entwickelt und wende mich

nun an Sie, weil dieses cloudbasiert sein soll.

Welche Fragen werden Sie mir stellen, damit

Sie mir eine massgeschneiderte Lösung anbieten können?

In jedem Fall empfehlen wir, mit einem Minimum Viable

Product anzufangen, also einer Software mit minimaler

Funktionalität, die nötig ist, um das Geschäftsmodell zu

validieren. Die erste Frage wäre also: Was ist der minimale

Funktionsumfang, der ausreicht, um eine erste Version

Ihrer Lösung zu bauen? Ausgehend davon stellt sich die

Frage, welche Daten benötigt werden und woher diese

kommen. Anschliessend muss beantwortet werden, wie

die Daten strukturiert sind und was mit ihnen geschehen

soll, um einen Mehrwert daraus zu ziehen. Nicht zuletzt

stellt sich die Frage, wie die Ergebnisse an die User

zurückgegeben werden sollen. Diese Fragen sind allerdings

nur der Anfang. Eine umfassende Lösung ist oft ein

Ergebnis mehrerer Iterationen rund um agile Prozesse,

wie Scrum oder Kanban.

«Kunden

entscheiden selber,

in welcher

Region ihre Daten

gespeichert

werden.»

Constantin Gonzalez

Möglicherweise decken Ihre Fragen auf, dass mein

angedachtes Geschäftsmodell gar nicht cloudtauglich ist.

Welche Antworten würden Sie dazu veranlassen, mir von

einer cloudbasierten Lösung abzuraten?

Wir betreuen inzwischen Millionen von Kunden verschiedener

Unternehmensgrössen aus allen denkbaren Branchen

und mit allen möglichen Anwendungsfällen und

hatten bisher keine einzige Anwendung, die nicht in der

Cloud umsetzbar gewesen wäre. Mit über 175 verschiedenen

Services, 15 Datenbanken für unterschiedliche Daten-

Anwendungen und über 7000 Lösungen unserer Software-

Partner im AWS Marketplace haben wir das Potenzial,

wirklich jede Anwendung in die Cloud zu bringen.

Man liest und hört viel über Datensicherheit.

Welche Alternativen bieten Sie Kunden an, die ihre

Daten zum Beispiel nicht auf Servern in den USA

oder China gespeichert haben wollen?

30 #006


Sicherheit ist die Top-Priorität unseres Angebots. Daher

können unsere Kunden grundsätzlich selbst entscheiden,

in welcher Region auf dieser Welt ihre Daten gespeichert

werden sollen.

Bei welchen Anwendungen oder Geschäftsmodellen raten

Sie dazu, Daten in einer «geschlossenen» Cloud separiert

von den Daten Ihrer anderen Kunden zu speichern?

Die Daten aller AWS-Kunden sind standardmässig maximal

vor unberechtigtem Zugriff durch Dritte geschützt, weshalb

es diese Separation nicht braucht. Die Isolation der Daten

wird dabei durch verschiedene, zertifizierte technische

und organisatorische Massnahmen sichergestellt. Darüber

hinaus können Kunden dafür sorgen, dass ihre Daten

verschlüsselt werden. Wir bieten dafür verschiedene

Services an, die die Verschlüsselung und das damit

verbundene Key-Management erleichtern. Für besondere

regulatorische Anforderungen, die eine exklusive Nutzung

von Hardware erfordern, bieten wir ausserdem passende

Instanz-Typen, die Dedicated Instances, an.

Welche Backup-Mechanismen bieten Sie als AWS,

damit mein datengetriebenes Geschäftsmodell auch

wirklich rund um die Uhr verfügbar ist?

Wir betreiben mehrere Verfügbarkeitszonen mit jeweils

einem oder mehreren Rechenzentren an verschiedenen

Standorten innerhalb einer Region, sodass bei einem

Ausfall Ressourcen aus einer anderen Zone übernehmen

können. Viele AWS Services speichern die Daten automatisch

in einer Form ab, die gegen ungewollten Datenverlust

geschützt ist. Andere Services beinhalten automatisierte

Backup-Mechanismen, darüber hinaus gibt es verschiedene

Services und Partnerangebote, die es Kunden erleichtern,

dedizierte Backup-Lösungen in der Cloud aufzubauen.

Es kommt vor, dass Daten versehentlich gelöscht werden.

Wie schnell muss ich reagieren, damit Sie mir diese Daten

retten und wieder herstellen können?

Bei uns haben die Kunden die volle Kontrolle über ihre

AWS-Umgebung. Das bedeutet aber auch, dass gelöschte

Daten unwiederbringlich verloren sind, sofern im Vorhinein

keine Schutzmassnahmen getroffen wurden. Das ist für

die Einhaltung unserer hohen Security- und Compliance-

Standards sehr wichtig. So müssen Kunden beispielsweise

sicher sein können, dass Daten, die aufgrund gesetzlicher

Vorgaben gelöscht wurden, nicht wieder hergestellt werden

können. Um ungewollten Datenverlust zu vermeiden,

unterstützen wir aber mithilfe verschiedener Services.

Können Sie anhand eines konkreten Beispiels aufzeigen,

welche monatlichen Kosten bei einer cloudbasierten

Lösung entstehen?

Diese Frage kann leider nicht pauschal beantwortet

werden. Mit Blick auf die unterschiedlichen Dienste

können sehr geringe Kosten für kleine, experimentelle

Cloud-Projekte oder grössere Beträge für sehr komplexe

Anwendungen mit Millionen von Endanwendern und

hohem Datenvolumen anfallen. Der AWS Simple Monthly

Calculator unter https://calculator.s3.amazonaws.com/

index.html ist der einfachste Weg, eine Beispiel-Rechnung

für eine Cloud-Lösung aufzustellen. Er enthält Beispiele

für ein paar einfache Szenarien. Mithilfe des AWS Free

Tiers können Kunden ihre ersten Gehversuche in der Cloud

für viele Services kostenlos ausprobieren.

AWS Amazon Web Services | www.amazon.com

Das hinterlegte Whitepaper gibt

Informationen dazu, wie Architekturen

aufzubauen sind, damit diese maximal

gegen einen Ausfall gesichert sind.

#006 31


DATENGETRIEBENE GESCHÄFTSMODELLE

DOMÄNENWISSEN

EINFACH DIGITALISIERT

Firmenbeitrag – Mit seinem Automated-Machine-Learning-Werkzeug ebnet Weidmüller

den Weg für datengetriebene Geschäftsmodelle. Dieses besteht aus vier Modulen und befähigt

Anwender zur Entwicklung eigener Machine-Learning-Modelle.

Von Markus Back

Die Idee von Weidmüller ist ein

vollkommen neuer Ansatz

bei der Realisierung einer

Automated-Machine-Learning-Software

für den Maschinen- und

Anlagenbau. Das Werkzeug gestattet

es, den Domänenexperten auf Basis

ihres Applikationswissens eigenständig

Machine-Learning-Modelle zu erzeugen.

Das Werkzeug besteht aus vier

Modulen zur Modellbildung, -ausführung,

-optimierung sowie zum Management

der Modelle über ihren Lebenszyklus

hinweg.

1. Modul: Modellbildung

Mit dem Modul zur Modellbildung

können Machine-Learning-Modelle

zur Anomalieerkennung, Klassifikation

und Fehlervorhersage erzeugt

werden. Dabei wird der Nutzer durch

den Modelbildungsprozess geführt, so

dass er gezielt sein Applikationswissen

einbringen kann. Auf Basis dieses

Wissens werden automatisch alternative

Modelle erzeugt, optimiert, validiert

und gegeneinander vergleichen.

Am Ende des Modellbildungsprozesses

kann der Nutzer das für seine

Applikation am besten passende

Modell nach bestimmten Kriterien,

wie zum Beispiel Modellgüte oder

Ausführungszeit, auswählen, exportieren

und speichern oder in die automatisch

generierbare Ausführungsumgebung

überführen.

Daniel Gottardo und Boris Savic (rechts) von Weidmüller Schweiz setzen auf

Industrial Analytics. Bild: Susanne Seiler

2. Modul: Modellausführung

Die Ausführungsumgebung dient zum

Betrieb der Machine-Learning-Modelle

in der Cloud oder in einer on Premise-

Anwendung. Sie ist plattformunabhän-

32 #006


gig und skaliert automatisch gemäss der Anzahl

der auszuführenden Modelle. Darüber hinaus stellt

die Ausführungsumgebung die Modellergebnisse

verständlich dar, so dass der Nutzer konkrete Handlungen,

zum Beispiel zur Fehlervermeidung, umsetzten

kann.

3. Modul: Modelloptimierung

Das Modul zur Optimierung der Machine-Learning-

Modelle im Betrieb ermöglicht es dem Anwender

die Modelle kontinuierlich zu verbessern. Neue Betriebssituationen

einer Maschine oder neue Ereignisse

können den Modellen mit wenigen Klicks

hinzugefügt werden, wodurch sich die Leistungsfähigkeit

der Modelle über ihren Lebenszyklus steigern

lässt.

4. Modul: Management der Modelle

Mit dem vierten Modul werden die Machine-Learning-Modelle

über ihren kompletten Lebenszyklus

hinweg verwaltet. Enthalten sind unter anderem

Funktionen zur Versionierung, Wiederherstellung

und Modellüberwachung.

Die einfache Anwendung des Werkzeugs überzeugte

übrigens auch die Juroren des Industrie 4.0

Innovation Award. Dieser wurde während der SPS

2019 zum vierten Mal vergeben und ging an Weidmüller.

Roland Heinze, Verlagsleiter Zeitschriften

beim VDE Verlag, zeigte sich in seiner Laudatio

davon überzeugt, dass diese Lösung Ingenieuren

und Technikern dabei helfen wird, KI- und Machine-Learning-basierte

Modelle zu entwickeln und

zu nutzen.

Weidmüller Schweiz AG | www.weidmueller.ch

Das Automated-Machine-Learning-Werkzeug ist

der erste Software-Service, der Domänenexperten in

die Lage versetzt, eigenständig Machine-Learning-

Modelle zu erzeugen, ohne selbst Data Scientist zu

sein und ohne spezielles Wissen im Bereich KI und

ML zu haben. Dabei kann ein erstes Modell bereits

in 20 Minuten generiert werden, wobei die erzeugten

Modelle denen einer vollständig automatisierten

Lösung sowie klassischen Condition-Monitoring-

Lösungen überlegen sind. In ersten Pilotprojekten

ist nachgewiesen, dass das Einbringen des

Applikationswissens die Modellgüte signifi kant erhöht.

Das Werkzeug generiert sogar Machine-Learning-

Modelle, die dem von einem Data Scientist kreierten

Modell überlegen sind. Möglich ist dies durch

die Kombination des Automated-Machine-Learning-

Ansatzes mit dem Domänenwissen.

Echt besser!

„ Alles aus einer Hand “

System-Lösungen für Kabel und

Schaltschrank von Murrplastik.

Murrplastik gehört seit 1963 zu den Pionieren wenn es um

professionelles Kabelmanagement und Hightech-Produkte

aus Kunststoff geht. Wir bieten Lösungen zu individuellen

Herausforderungen in den Bereichen Energiekette, Kabelschutz,

Kabelführung, Kennzeichnung und Energiezuführung.

Entwicklungsingenieure stellen für verschiedenste Anwendungsbereiche

innovative Universallösungen sowie kundenspezifische

Adaptionen bereit. „Made by Murrplastik“ steht

für wirtschaftliche Einsätze, für mehr Langlebigkeit, höhere

Robustheit und einfache Montage.

Mit weit über 200 Patenten und einem internationalen

Vertriebsnetz sind wir einer der weltweit führenden

Systemanbieter: „Rund ums Thema Kabel.“

Kabelschutz

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Murrplastik AG • Ratihard 40 • 8253 Willisdorf

Tel.: +41 52 646 06 46 • Fax: +41 52 646 06 40

www.murrplastik.ch

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Produkte

Hintergrundausblendung im Miniaturformat

Die O200-Reflexions-Lichttaster mit Hintergrundausblendung

bieten eine Reichweite von 120 mm selbst bei extrem dunklen oder

glänzenden Objekten. Sie werten dabei nicht nur die vom Tastobjekt

zurückgestrahlte Lichtintensität aus, sondern erfassen auch die

Distanz des Objekts zum Sensor. So können Objekte, die sich innerhalb

des einstellbaren Tastbereiches befinden, unabhängig von deren

Farbe und Oberfläche erkannt werden. Die Sensoren lassen sich dabei

auch von externem Fremdlicht, wie etwa LED-, Kamera-Beleuchtungen,

Maschinenreflektionen oder vom Licht anderer Sensoren nicht

stören. Aufgrund ihrer Ansprechzeit von 0,25 ms erlauben sie zudem

eine extrem schnelle und präzise Positionserkennung auch von

kleinsten Objekten bis zu 0,25 mm Grösse.

Baumer Electric AG | www.baumer.com/o200

Kontaktlose Energieübertragung bis 240 W

In der Werkshalle von morgen ist eine dezentrale Versorgungsund

Dateninfrastruktur ausschlaggebend, damit Maschinen

und Anlagen frei beweglich sind und über IoT kommunizieren

können. Das Fieldpower-Konzept versorgt Geräte, Maschinen oder

Fahrerlose Transportsysteme durch berührungslose Übertragungseinheiten

mit bis zu 240 W über einen 5 mm grossen

Luftspalt. Das Gehäusesystem gibt es in Schutzklassen bis IP65.

Die typgeprüfte Kühlung ohne Lüfter ermöglicht dabei den

Einsatz in Umgebungstemperaturen bis 50 °C ohne Derating.

Weidmüller Schweiz AG | www.weidmueller.ch

Getriebe-Familie mit vielen Untersetzungsverhältnissen

Die Metall-Planetengetriebe-Familie GPT ist extrem robust und toleriert häufige

sowie plötzliche Lastwechsel. Sie arbeitet mit hoher Effizienz, lässt sich mit

unterschiedlichen Motoren kombinieren und erlaubt verschiedene Wellenkonfigurationen.

Die Getriebe stehen mit Durchmessern von 22, 32 und 42 mm zur

Ver fügung und lassen sich mit einer Eingangsdrehzahl von 10 000 min -1 , bei

intermittierendem Betrieb sogar mit bis zu 20 000 min -1 betreiben. Die Serie 42GPT

bietet ein intermittierendes Drehmoment von bis zu 25 Nm bei einer Länge von

71 mm. Alle Getriebe können mit bis zu vier Reduktionsstufen ausgestattet werden,

wobei jede Stufe auf Höchstleistung im Hinblick auf Drehmoment und Geschwindigkeit

individuell optimiert wurde.

Faulhaber Minimotor SA | www.minimotor.ch

34 #006


Leistungsstarke Steuerung

Die Steuerung X20CP3687X vereint die

Leistung eines IPC mit der kompakten

Bauform der X20-Steuerungsserie. Durch die

hohe Rechenleistung, mehr RAM-Speicher

und integriertem Flash-Speicher eignet sie

sich unter anderem für die Abarbeitung

komplexer Regelungsalgorithmen oder für

Roboteranwendungen, die bislang nur mit

einem IPC zu bewältigen waren. Die Steuerung

verfügt über eine Ethernet-Schnittstelle

mit TSN-Unterstützung und lässt sich

uneingeschränkt für die Kommunikation

mit dem herstellerübergreifenden Kommunikationsstandard

OPC UA TSN verwenden.

Standardmässig ist sie mit Anschlüssen

für USB und Powerlink ausgestattet, weitere

Schnittstellen lassen sich über Interfacemodule

ergänzen. Trotz der Leistungsfähigkeit

entspricht ihre Bauform exakt derjenigen

der übrigen Steuerungen der X20-Serie.

B&R Industrie-Automation AG

www.br-automation.com

IM HERZEN DES JURABOGENS DER MIKROTECHNIK

SIAMS : die Messe für die gesamte Produktionskette der Mikrotechnik

EIN MESSE BESUCH!

> Sie ist auf Mikrotechnik spezialisiert.

> 450 sehr zielgerichtete Aussteller

> Die ganze Produktionskette ist vor Ort.

> Der Besuch erfordert bloss einen Tag.

> Das Ambiente ist sympathisch

und freundlich.

> Hier kann man Lösungen finden

und Geschäfte tätigen.

Buchen Sie die

Termine in Ihren

Terminkalendern!

MOUTIER, FORUM DE L’ARC

21–24 | 04 | 2020

Eine Ausstellung der FAJI SA

Entdecken Sie ab sofort die News unserer Aussteller auf dem

Informationsportal für Mikrotechnik www.siams.ch

Gratis-Eintrittskarten zum Download ab dem 15. Februar 2020: www.siams.ch/tickets


Kompaktlüfter

mit 42 Prozent Wirkungsgrad

einfach sicher

s-dias safety: flexibel & frei Konfigurierbar

flexibel

mit „Safety Hot Swap“ modulare Maschinen- und Anlagenteile

mit Safety im laufenden Betrieb einbinden, entfernen

und umgruppieren

Der Kompaktlüfter Axiforce 80 wurde für Anwendungen

mit hohem Gegendruck bis 1400 Pa

entwickelt. Damit eignet er sich unter anderem

für die Kühlung von LED-Displays, Frequenzumrichtern,

Robotersteuerungen und Leistungsmodulen.

Mit einer Grösse von 80 mm verfügt

er über dieselben Abmasse wie sein Vorgänger

S-Force, hat jedoch aerodynamisch optimierte

Lüfterräder. So erreicht er eine Steigerung des

Wirkungsgrads auf 42 Prozent und eine um 7 dB

(A) geringere Geräuschemission – bezogen

auf den Arbeitspunkt von 108 m³/h bei 285 Pa

Gegendruck.

ebm-papst AG | www.ebmpapst.ch

Kosteneffizient

durch modularen Aufbau für jede Applikation immer

das schlankste System – ob als Stand-alone-Lösung

oder voll integriert ins Steuerungssystem

Kinderleicht

konfigurieren mit Safety-Funktionsbausteinen

KommuniKativ

Datenaustausch über Ethernet – kabelgebunden

oder wireless (Black-Channel)

Halle 2.1 Stand A3

Eplan Plattform

Version 2.9 jetzt verfügbar

In der Eplan Plattform, Version 2.9, lassen sich

QR-Codes direkt erzeugen. Anwender können

Hyperlinks in ihrer Dokumentation hinterlegen,

die sich dann von mobilen Geräten wie Smartphone

oder Tablet per App scannen und öffnen

lassen. Das gilt sowohl für interne als auch für

externe Links. Übrigens: Der QR-Code funktioniert

auch bei ausgedruckten Dokumentationen. Das ist

schneller und eben einfacher. Letzteres gilt auch

für den Austausch von Symbolen in Platzhalterobjekten:

Diese können jetzt ganz simpel ersetzt

werden, in dementsprechende Wertesätze ausgewählt

werden. User profitieren von mehr

Übersichtlichkeit durch weniger Makrovarianten.

Eplan Software Services AG | www.eplan.ch

www.sigmatek-automation.ch


PRODUKTE

3D-Robot-Picking

Die 3D-Belt-Pick-Sensor-App ist speziell für das Lokalisieren von Produkten

auf einem Transportband entwickelt worden. Die Belt-Pick-App läuft in der

programmierbaren Kamera TrispectorP und liefert kalibrierte Messresultate

und Höheninformationen der lokalisierten Produkte, welche es dem Roboter

erlauben, diese schonender zu greifen. Kontrastprobleme, wie weisse Produkte

auf weissem Transportband, sowie das Parametrieren der Kamera bei neuen

Produkten, gehören mit dieser Lösung der Vergangenheit an. Das CSV-Protokoll

erlaubt dabei eine einfache Anbindung der Lösung an alle gängigen Roboter und

Steuerungen. Über die applikationsspezifische Software Belt Pick erfolgt die

Parametrierung der Kamera und die Abgleichung mit den Roboterkoordinaten.

Sick AG | www.sick.ch

Wireless Panel

Das Wireless Panel HGW 1033-32 ist mit Safety-Elementen,

einem hochauflösenden 10,1-Zoll-Multitouchdisplay

sowie drei Drehgebern ausgestattet. So kann der Bediener

ohne Kabel ganz nahe an die Maschine beziehungsweise

den Roboter ran und hat so den Prozess genau im Blick.

Für die Sicherheit sorgen der Zustimmtaster, ein Schlüsselschalter

sowie ein aktiv-leuchtender Not-Halt. Zudem

erleichtern die drei Dreh geber an der Front den Einrichtebetrieb.

Der Bediener kann die Maschine oder Roboter

im Auge behalten und beispiels weise die Achsen über die

Drehgeber nahezu blind verfahren. Das Panel lässt sich

zwei Stunden lang ohne

Nachladen betreiben,

unterstützt die OPC-UA-

Kommunikation und verfügt

über USB-Schnittstellen.

Sigmatek Schweiz AG

www.sigmatek-automation.ch

3D-Mehrlagenscanner

Feuerresistentes Cat.6-Kabel

Das Etherline-Fire-Kabel hält Notstromkreise

auch bei Feuer aufrecht. Dieses

gibt es nun auch in einer Cat.6-Version für

Datenübertragungsraten bis 10 Gbit/s bei

hoher Signalgüte bis Leitungslängen von

100 m. Eine Aderisolation auf Basis von

Polyolefin sowie eine Umwicklung der

Adern mit einem Anti-Feuer-Spezialband

blocken Flammen für mindestens 120

Minuten. Eine Gesundheitsgefahr für die

Einsatzkräfte besteht dabei nicht, denn

der Aussenmantel ist halogenfrei, wodurch

er keine korrosiven Gase freisetzt.

U.I. Lapp GmbH | www.lappgroup.com

Der Mehrlagenscanner R2300 für die 3D-Objektdetektion integriert

hochpräzise Laser messtechnik, die vier Scanebenen auswertet und so

Objekte in ihrer Länge, Breite und Höhe detektieren und messen kann.

Der Scanner verfügt über einen Messbereichsöffnungswinkel von 100°,

wobei er mit einer Winkelauflösung von 0,1° arbeitet. Er bietet darüber

hinaus grosse Messbereiche bis 10 m auf helle Objekte und bis zu 4 m auf

dunkle Oberflächen, eine Messrate von 50 kHz sowie wählbare Scanraten

von 12,5 oder 25 Hz mit bis zu 4000 Pixeln pro Scan. In Verbindung mit

dem lasertypischen, kleinen Infrarot-Lichtfleck ist er zudem in der Lage,

auch filigrane Objektstrukturen und Konturen zu verlässig zu erkennen.

Pepperl+Fuchs AG | www.pepperl-fuchs.com

#006 37


KOLLABORATIVES

ARBEITEN

#001

DIE ZUKUNFT

DER INDUSTRIE 4.0

STEHT BEREIT

Mit der Digitalisierung kam verstärkt der Gedanke auf, dass kollaboratives

Arbeiten ein Teil davon sein könnte. Doch es braucht Visionäre, damit dieser

Gedanke auch Formen bekommt – und Gebäude, in denen die Zukunft des

Arbeitens umgesetzt werden kann. In Arlesheim wird gerade ein solches Areal

entwickelt. Und dort sitzt auch der Visionär dieses Projekts.

Hans-Jörg Fankhauser, CEO der Fankhauser Arealentwicklungen

AG, ist der Kopf hinter uptown-

Basel, eines der faszinierendsten Schweizer

Projekte, welches sich den grossen Fragen der zukünftigen

Arbeitswelt widmet. Wie werden wir in ein paar

Jahren (zusammen)arbeiten? Welche Technologien helfen

uns, diese Ziele zu erreichen? Und welche Möglichkeiten

bestehen schon heute? UptownBasel wird die neusten Erkenntnisse

auf solche Fragen in einem Kompetenzzentrum

für die Industrie 4.0 umsetzen.

Dieses Zentrum ist keine Fiktion, sondern

entsteht in diesem Moment auf einem

70 000 Quadratmeter grossen Areal in

Arlesheim/BL. Im Dezember 2020 ziehen

die ersten drei Firmen mit insgesamt rund

600 Arbeitnehmern ins Gebäude 1 ein

und in acht Jahren wird auch das letzte

der Gebäude auf dem Areal fertig sein.

38 #006


Topmoderne Bauten, darunter das sicherste Industrie-

Gebäude der Nordwestschweiz, in welchem mehrere Datencenter

geplant sind, neuartige Bürolandschaften und

komplett flexible Hightech-Produktionshallen, die das

Kernelement des Areals bilden: Das Zentrum für die digitale

Transformation bietet zukünftig Platz für 50 Firmen und

insgesamt bis zu 2000 Arbeitsplätzen.

Wie aber wird dort gearbeitet? Hans-Jörg Fankhauser sieht

die Zukunft des industriellen Arbeitens auf campusartigkonzipierten

Geländen, die mit verlockenden Gastroangeboten

oder Sportmöglichkeiten die Work-Life-Balance steigern.

Aber natürlich auch das fördern, was für die Zukunft

immer wichtiger wird: Projekte in kollaborativer Zusammenarbeit

und vernetzt zu entwickeln.

Zur Rubrik

Diese fortlaufende Rubrik

«Kollaboratives Arbeiten»

entsteht in Zusammenarbeit

mit uptownBasel und wird

von ihr fi nanziell unterstützt.

Die Rubrik beschreibt die

Möglich keiten, welche sich

Industriefi rmen bieten im

Zeitalter der Digitalisierung:

Vom kollaborativen Arbeiten

bis zur vollkommen vernetzten

Produktion wie sie in Arlesheim

im «Kompetenzzentrum

Industrie 4.0» derzeit aufgebaut

wird.

Folge 2 in der Ausgabe #007:

Die Mieter von uptownBasel

www.uptownbasel.ch

Das dürften also schlechte Nachrichten

sein für Firmen, welche heute allein

in einem Gewerbegebiet abgeschottet

arbeiten. Anderseits stehen Lösungen

bereit. Denn uptownBasel ist für

alle offen.

Jede Firma – ob KMU oder Konzern – hat die Chance, ein

eigenes Team nach Arlesheim zu senden. Dort können sie

als Mieter von modernsten Infrastrukturen profitieren, vom

Arbeitsplatz aus auf futuristisch anmutende Produktionshallen

zugreifen und das kollaborative Arbeiten pflegen.

Seit dem Baustart am 26. März 2019 hat sich auf dem

Gelände des Schorenareals bereits viel ver ändert. Das erste

Gebäude mit einer Gesamtnutzfläche von 25 000 Quadratmetern

wurde bereits im Rohbau fertiggestellt und beinhaltet

drei von sieben Produktionshallen. Diese drei Produktionshallen

im ersten Gebäude bieten dank der stützenfreien

Konstruktion höchste Flexibilität auf einer Grundfläche von

1500 Quadratmetern mit einer Höhe von 9,5 m pro Halle.

Diese Hallen wurden bewusst so konstruiert, um Mietern

mit grossen Anlagen die maximale Flexibilität bieten

zu können. Über diesen Hightech-Hallen wird eine der

modernsten Bürolandschaften integriert, welche auf 9000

Quadratmetern Platz für insgesamt 600 Technologiespezialisten

bieten.

In diesen Hallen und Bürolandschaften sollen dank neuartiger

Vernetzung erfolgreiche Ideen, Produkte und Geschäftsfelder

entstehen – und das alles «Made in Switzerland».

#006 39


TECHNISCHES RUBRIKTITEL ENGLISCH

BRUSH IT UP!

Maxon fliegt zur Sonne

Maxon is flying to the Sun

Solar Orbiter wird im Februar starten und den

Wissenschaftlern neue Erkenntnisse über die

Sonne liefern.

In February, Solar Orbiter will start its mission to

provide scientists with new data about the Sun.

Solar Orbiter wird näher an die Sonne fliegen als

ihr nächster Planet Merkur – auf rund 45 Millionen

Kilometer.

Entsprechend heiss wird es auf der sonnenzugewandten

Seite: über 500 Grad Celsius.

Aus diesem Grund schützt ein Hitzeschild die

wertvollen Instrumente an Bord und gibt den Blick

auf die Sonne mittels Klappen nur während den

Messungen frei.

Das gilt auch für das Röntgenteleskop (STIX).

Entwickelt wurde es an der Hochschule für

Technik der Fachhochschule Nordwestschweiz

(FHNW) – in Zusammenarbeit mit mehreren

Schweizer Industriepartnern wie etwa Almatech.

Auch Schweizer Antriebe von Maxon kommen

im Röntgenteleskop zum Einsatz.

Zwei speziell modifizierte DC-Motoren mit Durchmessern

von 13 Millimetern bewegen ein Dämpfungsnetz

aus Aluminium, welches je nach Bedarf

vor die 30 Detektoren von STIX geschoben wird.

Die Mikroantriebe sind parallel platziert, können

gemeinsam oder einzeln betrieben werden,

was einen reibungslosen Betrieb über die ganze

geplante Mission von fünf Jahren sicherstellt.

Solar Orbiter will fly within 45 million kilometers

of the Sun – closer than Mercury, its nearest planet.

At this distance, the side of the probe facing

the Sun will be exposed to intense heat: more

than 500 degrees Celsius.

A heat shield will protect the valuable instruments

on board the probe, equipped with shutters to

provide a view of the Sun only when measurements

are being taken.

The same applies to the spectrometer-telescope

for imaging X-rays (STIX). It was developed at the

University of Applied Sciences and Arts Northwestern

Switzerland (FHNW) in collaboration with

several industrial partners from Switzerland,

including Almatech.

Swiss drives made by maxon are among the

components used in the X-ray telescope.

Two specially modified DC motors with diameters

of 13 mm move an aluminium attenuator, which

slides in front of STIX’s 30 detectors as required.

The micro drives are wired in parallel and can

be used together or individually. This ensures

that they’ll run smoothly for the entire five years

planned for the mission.

Wie würden Sie den Text übersetzen? Versuchen Sie es einfach,

Satz für Satz. Der deutsche Text in dieser «Brush it up»-Rubrik

wie auch die englische Übersetzung stammen von einer Pressemitteilung

der Firma Maxon Motor. Bild/Picture: Maxon Motor

40 #006


RUBRIKTITEL

NEWS IN

ZAHLEN

Ostasien investiert viel Geld in Forschung. Die EPFL hat auch einiges zusammengebracht.

Und in technologiegetriebene Schweizer Start-ups wurde im Jahr 2019 rekordhoch investiert.

All diese News sagen wenig aus ohne Zahlen. Deshalb hier ein paar gewichtige Zahlen

aus Industrie und Forschung.

613 000 000 000

US-DOLLAR

China, Japan und Südkorea werden immer mehr zum

Innovationsmotor. 613 Mrd. US-Dollar investieren sie bereits

in Forschung und Entwicklung.

1

SWISS PLASTICS

EXPO AWARD

Die Firma Tide Ocean und die HSR gewannen

den ersten Swiss Plastics Expo Award in

der Kategorie «Nachhaltigkeit». Sie haben eine

Methode entwickelt, mit der sie Plastikmüll

aus dem Meer in hochwertigen Kunststoff

umwandeln können.

285 800 000

FRANKEN

2019 war das zweitbeste Jahr, was die

Mittelbeschaffung der EPFL-Startups

betrifft, die 285,8 Millionen CHF an neuen

Investitionen anzogen.

55

PROZENT

Neues Jahr, neue Sorgen.

Bei den CIOs ist es in diesem

Jahr die Cybersecurity.

55 % aller befragten

Schweizer CIO bewerteten

das Thema als «äusserst

wichtig» für das Jahr 2020.

300 000 000 000

VOXEL

KIT-Forscher haben mit bisher unerreichter

Geschwindigkeit eine nur 60 mm 3 komplexe

Gitterstruktur aufgebaut mit submikrometergrossen

Details. Der Rekord: Das Objekt

enthält unglaubliche 300 Milliarden Voxel.

266

FINANZIERUNGSRUNDEN

Im Jahr 2019 wurden in der Schweiz 2,293 Milliarden

Franken in technologiegetriebene Jungfirmen

investiert. Ein Allzeithoch! Die Zahl der Finanzierungsrunden

belief sich auf 266.

#006 41


Wissenswertes

Ab dem Herbstsemester 2020 startet an der ZHAW School of Engineering der neu gestaltete

Master of Science in Engineering. Anmeldeschluss zum Studium ist der 30. April.

Master auf Science in Engineering

Der Master of Science in Engineering (MSE) erfährt

zum Herbstsemester 2020 ein Redesign, indem

die teilnehmenden Fachhochschulen ihr Angebot

auf 14 Profile erweitern. «Das erlaubt den Studierenden

eine klare Profilierung in ihrer Studienrichtung»,

sagt Reto Knaack, MSE-Studiengangleiter an der ZHAW

School of Engineering.

Um die Nachfrage nach hochqualifiziertem Fachpersonal

zu bedienen, werden die Profile Medical Engineering, Photonics

und Aviation neu geschaffen. Bei Letzt genanntem

werden die Studierenden in verschiedensten Bereichen

ausgebildet, um die künftigen Herausforderungen in der

Luftfahrt bewältigen zu können. Auch in anderen zukunftsweisenden

Themenbereichen bietet die ZHAW eine vertiefte

Ausbildung an. Im Profil Medical Engineering werden die

Studierenden in den Bereichen Gesundheitswissenschaften

und Medizintechnik ausgebildet. Dabei stehen die Entwicklung,

Optimierung und Anwendung innovativer Lösungen

für Kliniken und Medizinindustrie im Vordergrund der Ausbildung.

Und auch in der Entwicklung von Licht- und Laserapplikationen

für hochentwickelte (Sensor-) Technologien

sind gut ausgebildete Ingenieure gesucht.

Damit die Absolventen ihre Karriere auch im internationalen

Berufsumfeld forcieren können, werden die Theoriemodule

vollständig in englischer Sprache unterrichtet. In

der angewandten Forschung und Entwicklung setzen die

Masterstudierenden das Erlernte in die Praxis um. Dazu

bieten die 13 beteiligten Institute und Zentren die Profile als

Teil der fachlichen Vertiefung im MSE an und legen dabei

den Fokus auf die individuelle Betreuung und Ausbildung

der Studierenden.

www.zhaw.ch/de/engineering/studium/masterstudium

42 #006


KI sorgt für saubere

Städte

Saubere Städte dank Künstlicher

Intelligenz und dabei

erst noch Kosten gespart!

Wie das geht, wissen das

Westschweizer Start-up-Unternehmen

Cortexia und die Embedded-Spezialistin

Syslogic AG aus Baden-Dättwil.

Eine entscheidende Rolle in dieser Anwendung

spielen auf Kommunalfahrzeugen

verbaute KI-Computer und

Bildverarbeitungssysteme. Letztere erfassen

während den Einsatzfahrten

die Umgebung und ermitteln in Echtzeit

in der Edge den Verschmutzungsgrad-

und -art und schlagen daraufhin

entsprechende Reinigungsmassnahmen

vor.

www.technik-und-wissen.ch

Vollständiger Bericht

20.–24. APRIL 2020

DIE TRANSFORMATION

IST ÜBERALL. IHR HERZ

SCHLÄGT IN HANNOVER.

Wir begleiten die industrielle Transformation seit über 70 Jahren –

als Motor, Impulsgeber und Wegweiser.

Werfen Sie einen Blick in die Zukunft: auf der HANNOVER MESSE.

Be part of it: hannovermesse.de #HM20

HOME OF INDUSTRIAL PIONEERS


WISSENSWERTES

Siemens und ETH Zürich tun es weiterhin

Die Siemens Schweiz AG und die ETH Zürich haben

im Rahmen des Weltwirtschaftsforums (WEF) in

Davos die Fortsetzung ihrer strategischen Partnerschaft

bekannt gegeben. Das Engagement soll in

den kommenden fünf Jahren zu einer noch engeren Zusammenarbeit

führen.

Bevölkerungswachstum, Verstädterung und Energieversorgung

sind Herausforderungen unserer Zeit. Deshalb fördert

Siemens mit einer Schenkung an die ETH Foundation

den Bereich «Nachhaltiges Bauen/Digitale Fabrikation» und

ermöglicht innovative ETH-Forschungsprojekte. «Die Forschungsprojekte

werden gemeinsam definiert und liefern

unseren Fachleuten wertvollen Input für die eigene Produktentwicklung

im Bereich Gebäude- und Energietechnik»,

erklärte Cedrik Neike, CEO von Siemens Smart Infrastructure.

ETH-Präsident Joël Mesot ergänzt: «Dank der

Zusammenarbeit mit Industriepartnern wie Siemens können

wir Innovationen zum Nutzen der Gesellschaft noch

schneller vorantreiben.»

Ein erstes Projekt im Rahmen dieser erneuerten Kooperation

wurde bereits Anfang Januar 2020 lanciert. Dabei geht

es um die Anwendung von maschinellen Lernprozessen bei

der Planung von Gebäuden.

ETH-Präsident Joël Mesot (rechts) und Cedrik Neike,

CEO Siemens Smart Infrastructure, nach der Vertragsunterzeichnung.

Bild: ETH Zürich

www.siemens.ch

Durchbruch bei Brennstoffzellentechnologie

Eines der grössten Hindernisse für den Durchbruch

der Brennstoffzellentechnologie sind die hohen

Kosten im Vergleich zu etablierten Benzin- oder

Dieselantrieben. Das liegt vor allem am Einsatz

nicht standardisierter Komponenten und der meist wenig

automatisierten Produktion von Polymer-Elektrolyt-

Membran-Brennstoffzellenstacks (PEMFC-Stacks), dem

Herzstück des Brennstoffzellensystems.

Im EU-Projekt Fit-4-AMandA konzentrieren sich Forscher

des Fraunhofer IWU daher gemeinsam mit Partnern auf die

automatisierte Serienfertigung von PEMFC-Stacks und

deren Komponenten. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen

dazu beitragen, Brennstoffzellensysteme kostengünstig

in grösseren Mengen herzustellen. In einem ersten Schritt

erstellte das Projektteam daher zunächst ein Lasten- und

Pflichtenheft für die zu entwickelnde automatisierte Stack-

Montagelinie. Die darin verankerten Anforderungen an das

geplante Produktionssystem ergaben sich unter anderem

aus dem angestrebten Automatisierungsgrad, der Handhabung

fragiler Komponenten, dem Maschinendesign, dem

Qualitätssicherungssystem und den speziellen Infrastrukturanforderungen.

Die nach diesen Parametern entwickelte

Anlage wurde im Juni 2019 beim Projektpartner Proton

Motor in Puchheim aufgebaut und befindet sich derzeit im

Testbetrieb.

Und dieser Testbetrieb verläuft äusserst vielversprechend.

So konnte im Vergleich zu herkömmlichen Fertigungsmethoden

die Kapazität um Faktor 15 bis 30 erhöht sowie

die Montagezeit um circa 95 Prozent und die Kosten für den

reinen Montageprozess um 90 Prozent reduziert werden.

www.iwu.fraunhofer.de

PEMFC Stack der Proton Motor Fuel Cell GmbH.

Bild: Fraunhofer IWU

44 #006


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ARBEITEN IM MIKROMETERBEREICH

5 Firmen – 5 Trends in der Mikrotechnik

DER TREND GEHT

EINDEUTIG

IN RICHTUNG …

Was geschieht, wenn man einen Werkzeughersteller, einen Maschinenbauer,

einen Maschinenhändler, einen Roboterhersteller und einen Digitalisierungsspezialisten

nach den Trends in der Mikrotechnik befragt und nach eigenen Produkten, welche

unter diesem Einfluss des erwähnten Trends entwickelt wurden? Lesen Sie es selbst!

Von Eugen Albisser

Welche Trends erkennen Sie in der

Mikrotechnik?

DC Swiss: Die Entwicklung von kleineren,

leistungsfähigeren und kombinierten

Einheiten wird weiter fortschreiten, was die Bedürfnisse

und Bearbeitungsstrategien beeinflusst. Das Zusammenspiel

von Mechanik, Elektronik und Informatik auf engstem

Raum fordert kleinere physische Verbindungen und stellt

somit Anforderungen an kleinste und präziseste Werkzeuge

für die prozesssichere Gewindebearbeitung. Aufgrund

der hohen Produktanforderungen und der effizienteren

Wirtschaftlichkeit im Herstellungsprozess entsteht

das Bedürfnis, bestehende Folgeprozesse, wie beispielsweise

das Entgraten des Gewindes, zu beseitigen.

Fanuc: Der Trend geht eindeutig in Richtung Ultrapräzision

für die Massenproduktion, welche sich für die Bearbeitung

von komplexen Formkernen und Werkstücken eignen

soll und darüber hinaus für eine ganze Reihe von Anwendungen,

die Präzision im Nanobereich erfordern.

Fehlmann: Die 5-Achs-Bearbeitung auch bei ganz feinen

und sehr präzisen mechanischen Bauteilen und das

möglichst automatisiert für eine Produktion rund um

die Uhr ist definitiv ein Trend.

Siemens: Der digitale Zwilling der Werkzeugmaschine –

als Ausgangsbasis für hochpräzise Maschinen und

Teile – nimmt einen immer höheren Stellenwert sowohl

bei Maschinenbauern als auch bei Endkunden ein.

Ein digitaler Zwilling ermöglicht eine weitere Optimierung

der Qualität und höchste Auslastung der Maschinen.

Suvema: Die Miniaturisierung in den diversen Medtech-

Bereichen – und auch in der Uhrenindustrie oder in der

e-Mobilität – verlangt immer kleinere Werkstücke in

höchster Präzision mit Glanz-Oberflächengüte. Gefragt

sind kleinste Hochpräzisionsdrehmaschinen und 3-

und 5-Achsen-Bearbeitungszenter mit grosser Dynamik

und extremer Stabilität auf kleinster Aufstellfläche.

Haben Sie ein Produkt im Portfolio, welches unter

dem Einfluss Ihres erwähnten Trends entwickelt wurde?

DC Swiss: Die Familie der Gewindewirbler wurde mit

der GWi5000-Serie ergänzt, die die Herstellung des

perfekten Gewindes ermöglicht: gratfrei und mit feiner

Ober fläche.

Fanuc: Die Robonano α-NMiA von Fanuc ist eine Fräsmaschine

mit einer Befehlsauflösung im Sub-Nano-Bereich

und setzt damit neue Massstäbe in Sachen Genauigkeit

beim Fräsen. Es werden damit gefräste Oberflächen mit

einer Rauheit von wenigen Nanometern möglich, womit

dieses Bearbeitungszentrum schlagartig in den Fokus

der Uhren- und Medizintechnikbranche rückte.

Fehlmann: Die 5-Achs Versa-Baureihe und im Speziellen

die Versa 645 linear ist für die erwähnten Anwendungsfälle

der 5-Achs-Bearbeitung ideal. Die Maschine kann

optimal automatisiert werden und verliert aber nicht das

Handling beim Einfahren der Serienteile beziehungsweise

beim Herstellen von Einzelteilen.

Siemens: Die neue Siemens-Steuerung Sinumerik One

wurde als «Digital Native CNC» entwickelt. Wir haben

46 #006


Trend präzise 5-Achs-Bearbeitung: Neueste Technologie-

Features sorgen auf Maschinen wie von Fehlmann, dass

höchste Genauigkeit und Produktivität der ganzen Anlage

rund um die Uhr gewährleistet sind.

Trend Ultrapräzision: Die Robonano α-NMiA von Fanuc

ist eine Fräsmaschine mit einer Befehlsauflösung

im Sub-Nano-Bereich.

hierbei konsequent unseren eigenen Ansatz des digitalen

Zwillings verfolgt: Die Steuerung wurde zuerst virtuell

entwickelt und getestet, bevor die Software mit der

Hardware verbunden wurde.

Suvema: Sowohl die Kleinst-Langdrehmaschine Citizen

Cincom R504 wie auch die ultrakompakten 3- und 5-Achsen-

Bearbeitungszentren Hasegawa PM150 und PM250-5X

wurden genau unter diesen Vorgaben entwickelt.

Wo lagen die Herausforderungen bei der Umsetzung

dieses Produkts?

DC Swiss: Das präzise Schleifen des Werkzeuges, die

Geometrieabstimmung der unterschiedlichen Schneiden,

da mindestens eine Schneide den Kerndurchmesser

und mehrere Schneiden das Gewindeprofil realisieren,

sowie die richtige Beschichtung und Kühlmittelzufuhr

für den Einsatz in unterschiedlichen Werkstoffen – das

alles waren grosse Herausforderungen.

Fanuc: Die grössten Herausforderungen lagen nicht bei

der Steuerung selbst oder den Antrieben, sondern liegen

in den Installationsanforderungen: Voraussetzung ist

eine konstante Raumtemperatur von 23 °C, wobei eine

maximale Abweichung im Bereich von ± 1 °C je nach

angestrebter Bearbeitungsgenauigkeit zulässig ist; dies bei

50 % Feuchtigkeit, 0,7 ± 0,01 MPa und 1 m3/min Druckluft.

Fehlmann: Die Herausforderung liegt bei der höchsten

Genauigkeit und Produktivität der ganzen Anlage und das

rund um die Uhr. Die Maschine verfügt über die nötigen

Technologie-Features, so dass auch unbemannt höchste

Genauigkeit am Werkstück erzielt wird. Bei der Versa

645 linear war zusätzlich noch die Integration von

Fräs- und Schleifprozessen in die Anlage zum Herstellen

von hochpräzisen Teilen eine Herausforderung.

Siemens: Die grösste Herausforderung ist das konsequente

Denken und Realisieren des digitalen Zwillings und das

aktive Erkennen von neuen Geschäftsmodellen, welche

sich damit ergeben. Um das volle Potenzial der Sinumerik

One nutzen zu können, muss ein Wandel sowohl in den

Entwicklungsprozessen wie auch im Sales, Marketing und

auf Geschäftsleitungsebene stattfinden.

Suvema: Die rationelle, automatisierte Fertigung kleinster

Werkstücke in höchster Genauigkeit und mit perfekter

Oberflächengüte.

www.dcswiss.com

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Den vollständigen

Trendbericht lesen Sie auf

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#006 47


DER RICHTIGE

SCHLIFF

Wenn Firmen hochpräzise und komplexe Wendeschneidplatten für das

Langdrehen benötigen, dann ist die Firma Bimu eine sichere Anlaufstelle.

Aber nicht nur bei Sonderwerkzeugen können die Bernjurassier auftrumpfen.

Auch die Standardwerkzeuge zeugen von höchster Innovationskraft.

Von Eugen Albisser (Text) und Ruben Sprich (Fotos)

48 #006

Vollautomatisierter Betrieb: Die Wendeschneidplatten

werden auf den Maschinen von Rollomatic im

24 Stunden-Betrieb gefertigt und dies derart präzise,

dass die Abweichung von der ersten bis zur letzten

Wendeplatte maximal 2 µm beträgt.


ARBEITEN IM MIKROMETERBEREICH

Es gibt in der Schweiz für ein paar Tage im Jahr ein

Epizentrum der Mikrotechnik: die Messe Siams in

Moutier. Doch abgesehen von diesen vier Tagen im

April arbeiten unzählige Firmen über den ganzen

Jurabogen verteilt unermüdlich daran, die Schweizer Mikrotechnikbranche

voranzubringen und deren Ruhm zu festigen.

Keine Ausnahme bildet hier das unauffällige Städtchen

Tavannes, gerade einmal 15 Kilometer von Moutier entfernt.

Dort brachte die Uhrenindustrie um 1850 die Industrialisierung,

worauf eine Blütezeit folgte. Heute ist davon nur wenig

zu sehen, aber noch immer ist die Uhrenindustrie präsent,

die Maschinenindustrie und die Feinmechanik.

DIE FIRMA BIMU

An der Rue du Quai 10, gleich hinter dem Bahnhof von Tavannes,

ist eine dieser Firmen lokalisiert, die still und leise zum

weltweiten Ruhm der hiesigen Branche beiträgt: die Bimu

SA – Cutting Tools and Accessories. Der Firmenkatalog

der Bernjurassier zeigt auf 208 Seiten eine beeindruckende

Palette an Standard-Wendeplatten für die Präzisionsbearbeitung

und Zubehör wie modulare Werkzeugsysteme und

Werkzeughalter. «Unter den Standard-Wendeplatten sind

viele ehemalige Sonderanfertigungen, die aber ein breiteres

Bedürfnis abdeckten und so in den Katalog aufgenommen

wurden», sagt Michael Zuber, Inhaber und Geschäftsführer

von Bimu. Kein Wunder also, dass der neue Katalog, der zur

Siams 2020 erscheint, weiter an Umfang zulegen und nun

bereits rund 300 Seiten aufweisen wird.

natürlich eine höhere Stabilität. Daher kann man zum

Beispiel tiefer abstechen und das ist beliebt in der zweiten

grossen Branche, die wir beliefern, der Automobilbranche

und auch in der Luft- und Raumfahrt.

WENDESCHNEIDPLATTEN

FÜR DIE DÉCOLLETAGE

Bimus Wendeschneidplatten und Zubehör für Langdrehautomaten

sind in der Schweiz beliebt. Ein Drittel des Umsatzes

macht das Unternehmen im Heimmarkt. Als wichtigster

Handelspartner im Ausland gilt Deutschland, dann folgt die

USA und dann Singapur. Bimu ist aber auch in preissensiblen

Märkten wie China bereits auf gutem Weg mit den Sonderwerkzeugen.

Denn auch dort setzt sich die Erkenntnis

durch, dass es gewinnbringender sein könnte, fertige Sonderwerkzeuge

einzusetzen, als solche Werkzeuge selbst zu

schleifen.

Dennnoch gibt es das Handwerk des Décolleteurs, der auch

Stähle geschickt zu schleifen weiss. Doch eine gleichbleibende

Präzision hinzubekommen, ist selbst für den

besten Décolleteur nicht möglich. Jedes Werkzeug wird verschieden

und so müssen die Maschinen jeweils neu justiert

werden, das gefertigte Testteil wird gemessen und die

Herr Zuber, sind alle Produkte von Bimu ausschliesslich

für Anwendungen in der Décolletage entwickelt worden?

Ja, wir sind im Langdrehen zu Hause – und wir werden

auch auf diesem Gebiet bleiben. Das ist unsere Spezialität

und da haben wir auch dieses grosse Standardprogramm

aufgebaut, das laufend weiterentwickelt wird.

Wie würden Sie Bimu mit ein paar Stichworten beschreiben?

Ich würde uns beschreiben als «unkompliziert, schnell,

sowie sehr präzise – und zwar von der ersten bis zur

letzten Wendeplatte.»

Welche Produkte im Katalog verkauft Ihre Firma am

meisten?

Eigentlich ist es eine ganze Linie und zwar die 040er-Linie.

Das sind Präzisionswendeplatten für sehr kleine Durchmesser

von beinahe null bis zehn Millimeter Durchmesser.

Gleich danach kommt die 1000er-Linie für die Durchmesser

von 15 bis 25 Millimeter.

Es gibt dazwischen noch andere Linien. Woher kommt

der Sprung?

Die kleinere Linie ist vor allem in der Uhrenindustrie

und der Medizinaltechnik beliebt. Und die grössere, also

die 1000er-Linie, hat einen hochpräzisen Plattensitz und

Neuheit auf der Siams: Die 069R-Geometrie für das

feine Drehen hinten mit doppeltem Freiwinkel auf

drei Seiten. Links die Zeichnung, rechts die Original-

Wendeschneidplatte.

#006 49


ARBEITEN IM MIKROMETERBEREICH

Achsen korrigiert, bis der Fehler kompensiert ist. Mit fertigen

Sonderwerkzeugen entfällt diese aufwändige Prozedur.

Denn die Wendeplatten von Bimu weisen eine maximale

Abweichung von 2 µm auf der kompletten Geometrie auf –

von der ersten bis zur letzten Wendeplatte.

Michael Zuber

und die Firma Bimu

Herr Zuber, Sie haben die Firma Bimu im 2017

übernommen. Was hat sie an dieser Aufgabe gereizt?

Zerspanung war schon immer mein roter Faden. Das begann

in der Lehre und dann in den verschiedenen berufl ichen

Tätigkeiten. In der Konstruktion, in der Entwicklung, im Verkauf:

immer hatte ich mit Zerspanungswerkzeugen zu tun. All dieses

Wissen wollte ich einmal vereinen und eine aktive Rolle

übernehmen. Als mir die Firma Bimu angeboten wurde, wusste

ich: Diese Chance gibt es vielleicht nur einmal im Leben.

Die Firma hat 22 Mitarbeiter, eine Grösse also, von der ich

überzeugt war, dass der Job mit der Familie vereinbar ist –

was er auch ist. Ich hätte aber zum Beispiel keinen Apparatebau

übernehmen wollen. Zwar hätte ich Grundkenntnisse

aus dem Maschinenbaustudium, aber mein Herz ist dort,

wo Späne gemacht werden.

Bimu SA

www.bimu.ch

Siams: Halle 1.2, Stand B11

Sie produzieren die Wendplatten und Zubehöre hier

in Tavannes?

Ja. Die gekauften Rohlinge werden hier geschliffen, danach

geht es aber extern zum Beschichteten. Und die Werkzeughalter

zerspanen wir hier und geben sie ebenfalls extern

zum Härten und Brünieren. Das Erfreuliche am Standort

im Jurabogen ist, dass wir diese externen Zulieferer in der

Nähe haben.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues Sonderwerkzeug

für einen Kunden entwickeln müssen?

Wir schauen beim Kunden die Gesamtanwendung an

und nicht nur das Bauteil selber. Dazu gehören auch diese

Fragen: Welches Material will er damit bearbeiten?

Wie wird er kühlen? Wie kann man die Späne abführen?

Sind es kurze oder lange Späne und muss man sie brechen?

Anhand solcher Fakten kann man die Geometrie, die

Kanten, Verrundungen und Beschichtungen bestimmen.

Komplexe Wendeschneidplatten aus Hartmetall sind eine

der Spezialitäten von Bimu. Auf welche Herausforderungen

stossen die Mitarbeiter bei der Herstellung?

Überraschenderweise liegt die grösste Herausforderung

darin, an alle Informationen zu kommen. Da braucht es

den Austausch mit dem Kunden, um zum Beispiel zu

erfahren, ob es ein Linkswerkzeug ist, er also nach rechts

arbeitet – und weitere solche kleinen Details, die oft

vergessen gehen.

Und rein technisch gesehen? Nehmen wir ein komplexes

Bauteil, für das Bimu eine Drehplatte entwickeln musste.

Bei diesem Bauteil für die Medizintechnik existierte

ein derart ungünstiges Durchmesser-Längenverhältnis,

sodass geringste radiale Kräfte beim Längsdrehen einen

Energieführen leicht gemacht ...

... für Bewegung in jede Richtung

Einfach konstruieren mit e-ketten ® , Leitungen

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Aus Sonderwerkzeugen

werden Standardwerkzeuge,

wenn ein Absatzmarkt

besteht. Diese werden

dann in den Katalog

aufgenommen. Zur Siams

erscheint der neue Katalog

mit fast 100 neuen Seiten.

Co-Axialitätsfehler aller Durchmesser bewirken könnte.

Auf welche Lösung sind Sie da gekommen?

Wir müssen da noch erwähnen, dass das Bauteil zusätzlich

noch sehr genau und rostfrei sein muss. Das Bauteil hat

überwiegend einen Durchmesser von 0,2 mm bis 0,5 mm,

ist aber verhältnismässig lang mit 50 mm. Die Lösung

bestand in einer sehr scharfen Vollradiusgeometrie, die die

Schnittkräfte verringert. Die Drehplatte besitzt vorne einen

29˚ Winkel und der 0,04 mm Radius garantiert die geforderte

hervorragende Oberflächengüte von Ra min 0,25 µm/

Ra max 0,4 µm.

DER 3D-DRUCK

IN DER FERTIGUNG

Kommen bei solchen Entwicklungen auch Simulationssoftware

zum Einsatz?

Wir verfügen zwar über CAD und CAM, aber wir können

diese Anwendungen nicht simulieren. Da steckt daher sehr

viel Wissen darin bei der Entwicklung. Bis das optimale

Werkzeug gefunden ist, braucht es ein manchmal ein paar

Durchgänge. Der Kunde testet das Werkzeug, gibt uns

Feedbacks und wir passen das Werkzeug entsprechend an.

Sie verfügen über einen 3D-Drucker. Wozu wird er

verwendet?

Ja, wir haben seit fünf Jahren einen 3D-Drucker.

Wir verwenden ihn für das Rapid Prototyping von Wendeplattenhalter,

aber auch bei den modularen Spannsystemen.

Das Grossartige daran ist, dass wir bei den Haltern

zum Beispiel gleich die hydraulischen Anschlüsse mitdrucken

können, so kann der Kunde bereits die notwendigen

Fahrwege der Maschine testen.

Was denken Sie, wird Bimu in ein paar Jahren

auch Wendeschneidplatten ausdrucken?

Wir verfolgen das Thema additive Fertigung und haben

auch ein paar Ideen. Diese beziehen sich aber momentan

ausschliesslich auf die Halter. Denn dort ist ein hervorstechendes

Merkmal die Kühlung und gerade die Innenkühlung

ist nicht immer einfach zu realisieren mit den

klassischen Fertigungsverfahren. Mit einem 3D-Drucker

aber sind selbst komplexeste Kühlkanäle kein Problem.

Bei den Haltern kommt uns entgegen, dass sie nicht

hochpräzise aus dem Drucker kommen müssen. Denn die

Präzision auf den Auflageseiten und beim Plattensitz

bringen wir nachträglich ein. Noch aber ist die Herstellung

mittels 3D-Druck eine Kosten-Nutzen-Frage. Bei den

Materialien befinden wir uns in Sphären, die keine wirtschaftliche

Herstellung zulässt. Aber das wird sich

hoffentlich bald ändern.

Sie werden also auf der kommenden Siams noch keine

additiv gefertigten Wendeplatten ausstellen können.

Was wird Bimu den Besuchern aber zeigen?

Wir haben einige Neuheiten. Zum Beispiel eine Standard-

Wendeplatte, die einen doppelten Freiwinkel auf drei Seiten

besitzt. Damit ergibt sich eine sehr steife Schneidkante,

wir erhöhen damit die Werkzeugstandzeit und bekommen

eine perfekte Oberflächengüte. Mit einer solchen Geometrie

ist man auch sehr nahe an der Führungsbüchse und

Irrtum vorbehalten – wir sind wahrscheinlich die erste

Firma, die eine solche Standard-Platte im Portfolio hat.

Wir zeigen ausserdem eine Erweiterung unseres Schnellwechselsystems

und stellen auch eine neue ISO-Platte

vor, die wir selbst kreiert haben, und die eine neuartige

Spanbrecherstruktur aufweist.

#006 51


ARBEITEN IM MIKROMETERBEREICH

«435 GRÜNDE,

DIE SIAMS ZU BESUCHEN»

Wer technologische Höchstleistungen im Bereich Mikrotechnik sehen will, der reist

zwischen dem 21. bis 24. April 2020 nach Moutier zur Siams. Was die Besucher

erwartet, sagt Pierre-Yves Kohler, Geschäftsführer Faji und Verantwortlicher der Siams.

Von Eugen Albisser

Die Siams ist wieder ausgebucht. In einer Mitteilung

habe ich gelesen, dass trotz einer Warteliste

keine Zelte hinzugefügt würden, «weil die Messe

riskiert, Ihre Seele zu verlieren». Wie würden Sie

diese Seele beschreiben?

Es gibt mehrere Faktoren. Grösse ist zwar wichtig, aber wir

wollen eine Grösse bewahren, die die Geselligkeit stärkt.

Wir pflegen diese fast familiäre Atmosphäre. Ein weiteres

Element ist, dass die Messe sehr bodenständig ist. Wir tun

unser Bestes, um die Aussteller optimal zu präsentieren,

aber ohne Marketing-Overkill. Es ist möglich, die Tour an

einem Tag zu machen und es besteht kein Risiko, sich in

einer Show zu verlaufen. Es ist eine Konzentration von

Know-how in einer schönen und einfachen Verpackung.

Zur Siams

Die Siams wird mit rund 435 Ausstellern auf einer Gesamtmietfl

äche von knapp 8000 m 2 zum 17. Mal durchgeführt.

Sie fi ndet im Forum de l’Arc in Moutier statt, und zwar vom

21. bis 24. April 2020.

Download von Gratis-Eintrittskarten sind von der offi ziellen

Messe-Website möglich.

www.siams.ch

52 #006


Sie haben im Flyer zur neuen Messe ein neues Bild:

Roboterhände, die ein Herz formen. Hat das auch etwas

mit dieser Seele zu tun?

Ja, absolut. Es ist vielleicht etwas übertrieben, aber wir

wollten mit diesem Bild zeigen, dass wir uns im Herzen

einer aussergewöhnlichen Region befinden: dem Jurabogen

der Mikrotechnik. Dieses Bild bedeutet aber auch,

dass wir eine echte Liebe für diese Region haben, ein

aussergewöhnliches Kompetenzzentrum, in dem Unternehmen

oft das «Ingenieursyndrom» haben. Das heisst,

sie erreichen technische und technologische Höchstleistungen,

aber sie sprechen nicht darüber. Sie könnten

viel stolzer auf die Wunder sein, die sie vollbringen.

Die Messe soll deshalb auch ein Werkzeug sein, um sich

besser zu präsentieren und zu kommunizieren.

Eine ausgebuchte Messe, eine Warteliste – und trotzdem

bemühen Sie sich, als Veranstalter auch in der messelosen

Zeit mit Infoveranstaltungen den Kontakt zu halten mit

den Ausstellern.

Ja, denn wir möchten das ganze Jahr über an der Seite

unserer Aussteller sein. Dazu haben wir verschiedene

Werkzeuge eingerichtet: Das mikrotechnische Informationsportal,

das es ihnen ermöglicht, das ganze Jahr über

einfach zu kommunizieren; die Siams-Clubreisen, die es

ihnen ermöglichen, Unternehmen zu besuchen und

bestimmte Themen zu entdecken. Wir organisieren auch

Treffen mit unseren Ausstellern nach der Siams, um zu

versuchen, uns zu verbessern und vor der Siams, um zu

informieren und Ideen auszutauschen. Auch aus diesem

Grund haben wir ein Aussteller-Komitee eingerichtet,

das sich zwischen den Messen einige Male trifft.

Ich weiss, es ist immer schwierig ein paar Firmen hervorzuheben,

weil dann andere in den Hintergrund rücken.

Aber weil Sie erwähnt haben, dass viele Firmen sehr

bescheiden auftreten, will ich Sie dennoch fragen: Welche

Firmen kommen Ihnen da in den Sinn und sollte man

unbedingt besuchen?

Da haben Sie recht: Es ist ein bisschen knifflig. Auch, weil

auf der Siams die gesamte Produktionskette der Mikrotechnik

präsentiert wird und die Besucher oft erst hier komplette

Lösungen dank sich ergänzenden Ausstellern

entdecken. Es hat darunter etablierte Hersteller, aber auch

Technologie-Neulinge wie JH. Consulting, ein sehr kleines

Unternehmen im Bereich der Roboterintegration oder Organisationen

wie die Hubfactory, eine neue B2B-Plattform für

den Austausch von Mitarbeitern. Aber insgesamt kann ich

sagen: Es gibt 435 Aussteller und daher eigentlich 435 gute

Gründe, die Siams zu besuchen.

Sie und das Aussteller-Komitee streben «die bestmögliche

Siams» an. Werden wir diese vom 21. bis 24. April 2020

zu sehen bekommen?

Hoffentlich ist es immer die bestmögliche Siams, aber

jedes Element kann stets verbessert werden. Was wir

wollen, ist der Wow-Effekt, damit Aussteller und Besucher

das Gefühl haben, die Siams sei ein Muss. So hören wir

nie auf, uns selbst in Frage zu stellen und verbessern uns

ständig.

Auch online versuchen Sie ganzjährig zu mobilisieren.

Wie sieht der Erfolg dort aus?

Es gibt zwei Aspekte. Was die Veröffentlichungen betrifft,

sind wir sehr zufrieden. Mehr als 200 Unternehmen

haben über 2800 Nachrichten veröffentlicht. Interessant

ist, dass wir wirklich versuchen, daraus ein integriertes

Kommunikationsinstrument zu machen. Zum Beispiel

können Aussteller das System mit einer «Schlüsselbotschaft»

auf der Website bereichern, die auch für die

Erstellung von personalisierten Plakaten verwendet wird.

Was die Besucherzahlen betrifft, gibt es grosse Spitzen

in den Wochen rund um die Siams. Ausserhalb dieser Zeit

haben wir 3400 Sitzungen pro Monat auf der Website

und 26000 Aufrufe auf Twitter.

Im Zentrum bleibt aber die Messe. Gibt es da Highlights,

von denen Sie bereits wissen?

Wir haben noch nicht viele Informationen, aber die

Maschinenhersteller haben uns mitgeteilt, dass sie mit

neuen Maschinen aufwarten, darunter eine ganz neue

Generation von Transfermaschinen. Als weiteres Highlight

ist eine integrierte Mikroanlage angekündigt. Dort sind

mehrere integrierte Maschinen auf einer minimalen Fläche

ausgestellt. Es wird ein funktionales Konzept sein, aber

noch keine marktfähige Lösung. Besucher finden diese

in der Halle 1.2 am Stand C25.

Geschäftsführer Pierre-Yves Kohler und Laurence Gygax,

Vertrieb Faji SA, vor dem neuen Plakat. «Wir wollten mit dem

Bild zeigen, dass wir uns im Herzen einer aussergewöhnlichen

Region befinden: dem Jurabogen der Mikrotechnik.»

#006 53


ARBEITEN IM MIKROMETERBEREICH

DAS KLEINE GROSS

ZELEBRIEREN

Vom perfekten Gewinde bis zum Dream-Team für die Mikromechanik:

Auf der Messe Siams wird Mikrotechnik zelebriert. Eine mikrokleine Auswahl

der ausgestellten Tools und Dienstleistungen.

Axnum

Einstieg in die Laserbeschriftung

Alle Texte in

längerer Form auf

www.technik-undwissen.ch/details/

siams-2020

Das Kernstück des neuen Table-Top-Lasersystems Focus

One ist ein Faserlaser. Dieser ermöglicht Kennzeichnungen

von Metallen, Kunststoffen, Keramiken und Laserfolien.

Die Verwendung der langlebigen und robusten Faserlasertechnologie

garantiert höchste Verfügbarkeit. Die Bedienung

der Focus One ist nach einer kurzen Einführung so

automatisch und logisch wie bei einem Drucker.

Axnum: Halle 1.1, Stand D24 | www.axnum.ch

Fehlmann

Hochgenaue Werkstücke

5-achsig bearbeiten

Blaser Swisslube

Kostenlose «Liquid Tool Analyse»

Kleine Investition, grosse Einsparungen: Blaser möchte

den Firmen zeigen, dass der Kühlschmierstoff kein notwendiges

Übel ist, sondern ein starker Hebel zur Reduktion

der Gesamtkosten. Die Grundlage zu einer solchen Verbesserung

ist ein Beratungsprozess in vier Schritten.

Darin enthalten sind eine umfassende Analyse vor Ort,

ein Statusbericht, der Verbesserungspotenziale aufzeigt,

ein kostenloser Test in der Produktionsumgebung und

schliesslich das Erreichen der besprochenen Ziele zusammen

mit dem Kunden.

Blaser Swisslube: Halle 1.2, Stand B12 | www.blaser.com

Die «Versa 645 linear» ist geeignet für

Fräs-Hartfräsbearbeitungen kombiniert

mit Koordinaten- /Konturenschleifanwendungen.

Hochgenaue Werkstücke,

wie sie im Werkzeug- und Formenbau

vor kommen, können auf der Maschine

5-achsig bearbeitet werden. Die Schleifprozesse

inklusive Abrichten der

Schleifkörper sind in der Heidenhain

TNC 640 integriert und können einfach

an der Steuerung über Zyklen programmiert

werden. Dazu kommen eine hohe

mechanische Grundgenauigkeit, eine

optimale Temperaturstabilität und eine

hohe Dynamik.

Fehlmann: Halle 1.1, Stand A20

www.fehlmann.ch

54 #006


DC Swiss

Das perfekte Gewinde mit GWi5000

Gewindewirbler haben viele Vorteile. So kann ein einzelner Gewindewirbler für Rechtsund

Linksgewinde eingesetzt werden oder bei gleichbleibender Gewindesteigung mehrere

Durchmesser fräsen. Auch ist die Realisierung von Gewinden bis zum Grund der Vorbohrung

möglich und ein unterbrochener Schnitt oder schräger Austritt beeinflusst den Werkzeugverlauf

nicht. Die neuste Generation der 5000er-Serie ermöglicht die Herstellung des perfekten

Gewindes: gratfrei mit feiner Oberflächenrauheit..

DC Swiss: Halle 1.2, Stand D16/E9 | www.dcswiss.com

Igus

Roboter zu tiefen Kosten

Der Einsatz von Low-Cost-Automation ist inzwischen eine vielversprechende

Option, um Kosten zu senken. Auf der Siams zeigen wir daher die neueste

Generation Gelenkarm-, Linear- oder Delta Roboter auf Basis unserer Tribo-Polymer-

Technologie, die genau das ermöglicht. Sparen kann man aber auch bei der

Kabeltechnologie. Dafür zeigt Igus auf der Messe einen Preis-Leitungs-Check.

Igus: Halle 2.2, Stand A4 | www.igus.ch

Newemag

Erweitertes modulares Automatisierungskonzept

Mit «Pallet in motion» präsentiert Newemag ihr modulares Automatisierungskonzept.

Das System wurde seit der letzten Vorstellung mit dem

Roboter «broButler» erweitert. Das Besondere an diesem flexiblen und

einfach zu bedienenden System ist die Zusammenführung von je einer

Dreh- und Fräsbearbeitung zu einem modularen Automationskonzept.

Die Werkstücke werden auf der Miyano-Drehmaschine mit Unterstützung

des Roboterarmes «MiyButler» vorgedreht, danach manuell mit der

mobilen Palette lageorientiert auf die Brother-Fräsmaschine übergeben.

Mit dem «broButler» auf der Brother Fräsmaschine können bis zu sechs

Paletten platziert werden.

Newemag: Halle 1.1, Stand B6 | www.newemag.ch

Suvema

Dream-Team für die Mikromechanik

Passt perfekt: die Langdrehmaschinen von Citizen und

die ultrakompakten CNC-Hochgenauigkeitsbearbeitungszentren

der Traditionsmarke Hasegawa. Zusammen

bilden sie ein unschlagbares Team, wenn es um rationelle

Fertigung und höchste Präzision mit exzellenten Oberflächengüten

im Mikrobereich geht. Ergänzt wird das

«Dream-Team» durch den Support und die Technologieberatung

der Spezialisten aus dem Hause Suvema AG.

Suvema: Halle 1.1, Stand A16/B19 | www.suvema.ch

#006 55


ARBEITEN IM MIKROMETERBEREICH

PRÄZISIONSTECHNIK

FÜR DIE ROMANDIE

Wer als Werkzeughersteller Kundennähe sucht im Bereich Mikrofertigung, der ist in

der französischsprachigen Schweiz gut aufgehoben. Für Cristian Assandri, Geschäftsführer

der Gühring Schweiz AG, ist deshalb klar: Der Romandie gilt das Augenmerk.

56 #006


Von Eugen Albisser

Interview mit:

Cristian Assandri, Geschäftsführer

Gühring (Schweiz) AG

Herr Assandri, das Jahr beginnt bei Gühring

mit einer intensiven «Romandie»-Zeit – unter

anderem sind Sie bereits anfangs Februar

auf der Tecnopolis im Forum Fribourg dabei

gewesen. Warum hat Gühring dort teilgenommen?

Sie sehen das richtig – es ist eine intensive Romandie-Zeit.

Aber auch, weil wir dies explizit so möchten. Denn die

Westschweiz steht in diesem Jahr für uns im Fokus. Denn

wir haben erkannt, dass dort noch ein grosses Potenzial

vorhanden ist, wie wir unsere Westschweizer Kunden mit

Präzisionswerkzeugen unterstützen können. Unsere

Teilnahme an der Technopolis in Fribourg sollte vor allem

auch ein starkes Zeichen sein an unsere Kunden und

Partner, um ihnen die Richtung unserer Strategie aufzuzeigen.

Wir konnten denn auch die Chance nutzen, die Nähe

zu ihnen auszubauen, sodass wir noch intensiver in

Projekte miteinbezogen werden. Es ist keine leere Worthülse,

wenn ich sage: Der Kunde steht im Zentrum unseres

Wachstumsplans und ist ein wichtiger Teil der Firmenstrategie.

Das bedeutet für uns, dass wir die direkte Kommunikation

suchen und den Kundenkontakt auf Augenhöhe

haben. Nur so können wir am Ende das exakt richtige

Werkzeug zur Verfügung stellen.

In Kürze steht auch die Siams an, eine weit über

das Juragebiet hinaus bekannte und beliebte Messe.

Sind Sie selbst gerne dort?

Wir freuen uns sehr in Moutier an der Siams teilzunehmen.

Es ist ein attraktiver Platz für alle Akteure, welche in der

mechanischen Industrie involviert sind. Ich empfinde

es sogar als Privileg, in dieser speziellen Region unseren

Kunden begegnen zu dürfen, in der so viele historische

und traditionelle Schweizer Werkzeughersteller ihre

Wurzeln haben.

Ich habe gehört, Gühring wird dieses Jahr in Moutier

sogar mit einem etwas grösseren Stand vertreten sein

als auch schon.

Das ist wahr. Unser Stand wird nicht nur «etwas grösser»

sein, sondern doppelt so gross wie in den Jahren zuvor.

Somit können wir das Potenzial dieser Messe maximal

nutzen und haben einen Begegnungsort für uns und unsere

Kunden geschaffen.

Dank des neuen Programms

mit den Einstech- und

Drehwerkzeugen kann

Gühring nun die komplette

Werkzeugpalette anbieten.

Bild: Gühring

Ich nehme an, Sie werden einige neuere Produkte

zeigen. Wenn Sie nur eines hier kurz vorstellen könnten,

welches wäre dies?

Oh, das ist keine leichte Aufgabe! Das Programm der

Ausdrehwerkzeuge zum Beispiel wächst rasant und

der Fortschritt dort ist dank Eigenentwicklungen beim

Hartmetall, eigenen Maschinen und Beschichtungen

enorm.

Können Sie ein konkretes Produkt nennen?

Zum Beispiel das System 104 für die Kleinstwerkzeuge.

Es bietet grösstmögliche Stabilität und hohe Prozesssicher-

#006 57


ARBEITEN IM MIKROMETERBEREICH

heit. Das Startprogramm bietet über 8000 verschiedene

Artikel zum Ausdrehen, Profildrehen, Inneneinstechen

und Rückwärtsdrehen. Das System 110 eröffnet ebenfalls

neue und interessante Möglichkeiten mit einem Schaftdurchmesser

von 10 mm. Damit bieten diese Werkzeuge

maximale Stabilität.

Die Siams und die schon besprochene Tecnopolis sind

Messen für die Präzisionsbearbeitung – ein Kerngebiet

für Gühring also. Wie sehen Sie Gühring aufgestellt im

Bereich Mikrotechnik?

Sehr gut. Gühring hat in den letzten zwei Jahren auch noch

weitere Investitionen in diesen Bereich getätigt – zum

Beispiel in eine neue Werkstatt mit mehr als 5000 Quadratmetern,

welche heute sehr aktiv ist in der Erstellung von

Produkten im Bereich Mikropräzisionswerkzeuge.

Sie haben davor angedeutet, dass die Romandie für Sie in

diesem Jahr im Fokus steht. Sie haben auch ein eigenes

Büro geplant in der Westschweiz. Wie viele Personen

werden dort arbeiten?

Geplant ist ein Team mit fünf Personen. Darunter sollen

drei Aussenvertriebsmitarbeiter, ein Anwendungstechniker

und eine administrative Person sein. Wir unterstützen von

unserem Hauptbüro in Rotkreuz aus selbstverständlich

mit unserem Fachwissen und dem ganzen Team diese

Fachspezialisten in der französischen Schweiz.

Wie wichtig schätzen Sie dieses Büro und die Servicemannschaft

im französischsprachigen Teil der Schweiz ein?

Wir sehen, dass es schwieriger ist, nur zentral vertreten

zu sein, besonders, wenn man den Erfolg auch über

Kundennähe generiert. Wie gesagt, unser Credo lautet ja

nicht nur einfach, dass wir innovativ sein wollen, sondern

auch Kundennähe leben wollen. In der Schweiz wird

dieser regionale Anspruch noch durch die Mehrsprachigkeit

gefördert und so hat sich daraus die – ich möchte

fast sagen «zwingende» Konsequenz ergeben, dass wir

einen Standort in der Romandie umsetzen möchten.

Sie sehen also in der Romandie noch Potenzial. Gibt es

weitere Felder, auf denen Gühring weiterwachsen kann?

Das Traditionsunternehmen Gühring ist bereits jetzt

weltweit die Nummer eins als Lieferant in der Automotiv-

Industrie. Wir reagieren natürlich auf Veränderungen in der

Branche, zum Beispiel mit neuen Werkzeugen aus PKD für

die zukünftige E-Mobilität. Dazu kommen Werkzeuge für

den Formenbau und Werkzeuge für die Medizintechnik.

Wir bieten bereits jetzt viele Werkzeuge für diese Branchen

an, aber eine Weiterentwicklung ist schon in naher Zukunft

geplant.

«Wir haben definitiv

ein grosses Potenzial,

wie wir unsere Kunden

dort mit Präzisionswerk

zeugen unterstützen

können.»

Cristian Assandri, Geschäftsführer Gühring

(Schweiz) AG, will verstärkt den Markt in der

Westschweiz bearbeiten

Welches von den neu eingeführten Produkten von Gühring

lief eigentlich in der Schweiz im vergangenen Jahr am

besten?

Die Antwort ist eindeutig: die neuen Einstechwerkzeuge!

Wir gelten ja als «Bohrpionier» und haben inzwischen

wohl eines der umfangreichsten Programme an rotierenden

Zerspanungswerkzeugen. Aber dank des neuen

Programms, also jenes mit den Einstech-, aber auch

Drehwerkzeugen, können wir nun unseren Kunden

die komplette Werkzeugpalette anbieten.

Sie kennen sich gut aus mit den Schweizer Firmen im

Umfeld der Präzisionsbearbeitung. Wie schätzen Sie

deren wirtschaftliche Lage ein?

Der Schweizer Markt hat sich in den letzten Jahren

stark verändert und fokussiert. Aber dank einer starken

Automatisierung und auch Digitalisierung konnte sich

speziell die Präzisionsindustrie erstaunlich gut halten,

auch wenn der Schweizer Produktionsstandort natürlich

sehr fokussiert ist auf Nischenprodukte und damit auch

auf Sonder- und schwer zerspanbare Materialien. Aber

generell würde ich sagen, ist die Branche dank der hohen

Flexibilität perfekt aufgestellt für innovative Entwicklungen.

Und wir hoffen natürlich, dass wir diese Firmen

mit unseren Werkzeugen unterstützen können im Bestreben,

weiterhin innovativ zu sein.

Gühring (Schweiz) AG | www.guhring.ch

Siams: Halle 1.2, Stand A13

58 #006


Produkte

Additive Fertigung beginnt im Kopf

Mit Additive Manufacturing eröffnen sich neue technische und wirtschaftliche

Möglichkeiten. Ein Beispiel hierfür ist ein Spritzgussteil für einen Stecker in

der Automobilindustrie. Die Spritzgussform wurde konventionell aus mehreren

verschiedenen Einzelteilen in verschiedenen Bearbeitungsschritten hergestellt

und zusammengefügt. Mit der Matsuura Lumex kann

diese nun in einem Teil hergestellt werden. Es entfällt

die Montage und Einpassung der Einzelteile.

Zudem ermöglicht die hybride Technik der Lumex

die Herstellung dünner und tiefer Rippen, so dass

die Form auch ohne Erodierprozess gefertigt werden

kann. Damit reduziert sich der Designaufwand für

die Spritzgussform, da keine Elektroden fürs Erodieren

entwickelt werden müssen. Je nach Bauteil ist es

möglich, die Durchlaufzeit vom Design bis hin zur

fertigen Form für diese Spritzgussform mit Hybrid

Additive Manu facturing um 50 Prozent zu verkürzen.

Newemag | Schneider mc | www.newemag.ch

Vollhartmetallfräser

für Härtegrade 45–66 HRC

Für die Hochvorschubbearbeitung mit

grossem Zeitspanvolumen sind die

Fräser OptiMill-3D-HF-Hard mit vier

beziehungsweise sechs Schneiden

geeignet. Damit sie auch bei schwierigen

Einsatzbedingungen, wie einem

unterbrochenen Schnitt, prozesssicher

arbeiten, verfügen sie über eine

Stirngeometrie mit durchgehendem

Schneidenradius. Bis zu einer Härte

von 66 HRC kann der OptiMill-3D-CR-

Hard zum Schlichten von 3D-Formen

genutzt werden. Der Eckradiusfräser

erzeugt bei maximaler Vorschubgeschwindigkeit

sehr gute, glatte und

hochglänzende Oberflächen. Der Fräser

ist im Durchmesserbereich von 4 bis

12 mm in verschiedenen Längenausführungen

und Eckenradien verfügbar.

Mapal Dr. Kress KG | www.mapal.com

#006 59


PRODUKTE

Extrem hart und absolut bruchfest

Das eigens für den RT 100 XF entwickelte Hartmetall schafft durch seine

einzigartige Kombination aus Wolframcarbid und Kobalt die Gratwanderung

zwischen Härte und Zähigkeit. Das Gefüge dieses Verbundschneidstoffes

bietet einen Nachschärfeffekt, der grosse Ausbrüche, die den Verschleiss

am Werkzeug beschleunigen, verhindert. Der robuste Kegelmantelanschliff

und die konkave Hauptschneide machen den RT 100 XF indes zu einem

sehr stabilen Bohrwerkzeug zur Bearbeitung rostfreier Stähle, Gusseisen,

Sonderlegierungen und gehärteten Stählen (45 HRC). Die Führungsfasen

greifen dabei extrem früh, perfektionieren damit die Koaxialität, sichern

eine hohe Bohrungsqualität, verbessern die Geradheit und Oberfläche –

und sind deshalb bereits ab 5xD Standard. Die dritte und vierte Stützfase

sorgen derweil für Laufruhe. Der Span fliesst durch die polierten Spannuten

schneller ab, schont die Bohrungsoberfläche und reduziert gleichzeitig

signifikant die Bearbeitungstemperatur.

Gühring (Schweiz) AG | www.guehring.ch

Siams: Halle 1.2, Stand A13

Höchstleistung im Doppelpack

Bei Schmiedeteilen minimiert die Geometrie der doppelseitigen Wendeschneidplatte

MU5 das Entstehen von Kolkverschleiss und ermöglicht dadurch

eine prozesssichere vollautomatisierte Serienfertigung. Für Anwender mit

wechselnden Materialien und geringeren Stückzahlen ist sie aufgrund ihrer

universellen Einsetzbarkeit für Stahl und Rostfrei-Werkstoffe interessant.

Gleichermassen vorteilhaft für beide Zielgruppen dürfte die Kombination

aus verbessertem Spanbruch bei höheren Standzeiten sein. Die Bearbeitungsparameter

der Platte liegen bei f 0,15 bis 0,6 mm und ap 0,5 bis 4 mm, was

für 60 Prozent aller Anwendungen gilt. Um Anwendern die jeweils optimale

Lösung zu bieten, gibt es die MU5-Platte in allen gängigen Grundformen.

Walter AG | www.walter-tools.com

Siams: Halle 1.2, Stand C22


Maschinenzentrierte Robotik

B&R integriert die ABB-Roboter in sein Portfolio, wodurch

Maschinenbauer zukünftig Automatisierungslösungen

und Robotik aus einer Hand erhalten. Da sämtliche Achsen

und Sensoren nun in einem Netzwerk kommunizieren,

werden Synchronisationszeiten im Mikrosekundenbereich

erreicht. Ein weiterer Vorteil dieses Zusammenschlusses

ist eine deutlich kürzere Entwicklungszeit, da sich mit

den Mapp-Softwarebausteinen Maschinenapplikation

inklusive der Robotik sehr viel schneller als bisher parametrieren

lassen. Da sich die Synchronisierung zwischen

Sensoren und Roboterbewegungen generell vereinfacht,

kann fortan zum Beispiel das Ergebnis einer Qualitätsüberprüfung

durch eine Vision-Kamera von B&R in weniger

als einer Millisekunde in einen Steuerungsbefehl für einen

ABB-Roboter umgewandelt werden.

B&R Industrie-Automation AG | www.br-automation.com

Miniatur-Spannmodul

mit hoher Einzugskraft

Das Vero-S NSE mikro 49-13 bietet eine Wechselwiederholgenauigkeit < 0,005 mm bei Einzugskräften

von bis zu 1500 N. Die Haltekräfte liegen je nach verwendeter Gewindegrösse des Spannbolzens bei

3000 N (M3) beziehungsweise 5000 N (M4), wobei die selbsthemmende und formschlüssige Verriegelung

mechanisch über ein Federpaket erfolgt. Die Position des Spannschiebers lässt sich über eine Staudruckabfrage

detektieren, womit sich das Modul (ø 49 mm, Bauhöhe über Tisch 13 mm) für die Zerspanung

sowie für die Automatisierung eignet. Zum Öffnen genügt ein pneumatischer Systemdruck von 6 bar.

Sämtliche Funktionsteile wie Grundkörper, Spannbolzen und Spannschieber, sind in Edelstahl ausgeführt.

Schunk Intec AG | www.schunk.com

Siams: Halle 1.2, Stand C19

Kollaborativer Leichtbau-Roboter

Der Leichtbau-Roboter CRX-10iA wurde speziell für

kollaboratives Arbeiten entwickelt und ist in zwei

Varianten erhältlich: Als Kurzarm-Version mit einer

Reichweite von 1,2 m und als Langarm-Version

mit einer Reichweite von 1,4 m. Die Tragkraft liegt

jeweils bei 10 kg. Beide Versionen können mit einem

Vision-System ausgestattet werden, was etwa das

autonome Laden und Entladen von Behältern oder

Regalsystemen erlaubt.

Fanuc Switzerland GmbH | www.fanuc.eu

Siams: Halle 1.1, Stand D13

#006 61


Neue Drucker, neue

Materialien, neuer

Standort: Für Martin

Affolter – im Bild vor

der «HP Jet Fusion

5200 3D Processing

Station» – könnte

es nicht besser laufen.

Bild: Technik und

Wissen

IMMER IN BEWEGUNG

Als HP sich aufmachte, die Welt des 3D-Druckes zu erobern, da ahnten wenige,

welch grossen Einfluss dies auf die Branche haben könnte. Bereits ein Jahr nach Markteintritt

aber waren ihre Maschinen hierzulande die meistgenutzten Industriedrucker

im Kunststoff. Wo steht HP heute mit den 3D-Druckern und was läuft in der Schweiz?

Von Eugen Albisser

Die Welt von HP bewegt sich

kontinuierlich. Zwei der Bewegungen

lassen sich sogar

in Kilometerzahlen angeben:

0,4 km und 37,4 km. Die kürzere Distanz

wird HP Schweiz zurücklegen,

wenn sie in Kürze den Firmensitz von

Dübendorf in den Glatt Tower nach

Wallisellen verlegt. Und die grössere

Distanz bezieht sich auf den Umzug

der SGSolution AG, dem erfolgreichen

Schweizer Distributor von HPs 3D-

Druckern, der das aargauische Gränichen

verliess und sich ebenfalls in

Wallisellen ansiedelte.

Strategische Partnerschaft

mit Josef Binkert AG

Die Firma SGSolution zog aber nicht

etwa wegen HP nach Wallisellen, das

ist eher eine glückliche Fügung. Sie

kam wegen der Firma Josef Binkert

AG. Das Traditionsunternehmen aus

dem Bereich Werkzeugmaschinenhandel

ist nämlich eine strategische

Partnerschaft mit SGSolution eingegangen

und sie teilen sich fortan auch

die Räumlichkeiten. «Wir werden beide

von dieser Partnerschaft profitieren»,

erklärt Martin Affolter, CEO der

SGSolution, «denn wir bewegen uns in

den gleichen Branchen und haben nun

die Produkte des anderen auch noch

im Portfolio.»

Ein neues Flaggschiff

Auch auf technologischer Ebene ist einiges

gelaufen bei HP seit dem Einstieg

mit den Druckern HP Jet Fusion

4200. Inzwischen ist man bei der

5200er-Serie angekommen, die bisher

fortschrittlichste Kunststofflösung.

Dazu gehört das Flaggschiff «HP Jet

Fusion 5210Pro». Die technischen Daten

jedenfalls versprechen schon einiges:

Das effektive Bauvolumen beträgt

380 × 284 × 380 mm, die Baugeschwindigkeit

wird mit bis zu 5058 cm³/h angegeben,

was eine weitere Steigerung

darstellt zur bereits schnellen Lösungen

von HP, die Druckauflösung beträgt

1200 dpi und die Schichtdicke

0,08 mm. Ein wesentliches Merkmal

liegt in der Software. Diese soll für höhere

Genauigkeit sorgen und dürfte

sich dank Künstlicher Intelligenz im

Betrieb laufend verbessern.

Bewegung auch bei den Materialien

Auch bei den Materialien sind die

Amerikaner kontinuierlich mit Partnerfirmen

daran, die Palette zu erweitern.

Der Farbdruck ist bereits da, PP

62 #006


GENERATIVE FERTIGUNG

kommt im Sommer und TPU, mit dem

es möglich ist, Teile herzustellen

mit flexiblen, elastomeren Eigenschaften,

wird auch bald eingeführt. «Aber

das ist noch nicht alles», sagt Martin

Affolter auf einer Pressekonferenz in

den neuen Räumlichkeiten in Wallisellen,

«ab 2021 erfolgt der Einstieg

von HP ins Metallgeschäft.» Bereits

sind Testkunden wie VW involviert

und haben innerhalb weniger Wochen

über 10 000 hochwertige Komponenten

für ihr neues Elektrofahrzeug damit

herstellen können. «Mithilfe des

HP Metal Jets können wir unser Ziel,

die additive Fertigung zu industrialisieren,

schnell umsetzen – ein wichtiger

Wendepunkt für die Automotive-

Branche», wird Dr. Martin Goede,

Head of Technology Planning and Development

bei Volkswagen, in einer

Pressemitteilung zitiert. Wie schon

beim Start der 3D-Kunststoff-Drucker

von HP muss sich die Konkurrenz

beim bevorstehenden Eintritt von HP

in den Metall-Druckermarkt auf einiges

gefasst machen. «Mit den neuen

3D-Druckern für Metall bekommt auch

die strategische Partnerschaft mit Josef

Binkert eine weitere Dimension»,

sagt Martin Affolter, «denn in diesem

Bereich werden exakt solche Maschinen

und Tools gebraucht zur Nachbearbeitung

zum Beispiel, die Binkert

anbietet.»

SGSolution AG | www.sgsolution.ch

Multimediastory «Ab in die 3. Dimension»

«Technik und Wissen» verfolgt HPs Aufstieg im 3D-Druck bereits

seit den Anfängen. Wir waren als eines der ersten Medienteams

eingeladen, die noch geheim gehaltenen Drucker in den Testlabors

in Barcelona zu sehen und darüber zu schreiben. So entstand die

noch immer viel gelesene und faszinierende Multimediastory «Ab

in die 3. Dimension», die den Forschungsweg des amerikanischen

Unternehmens aufzeigt und die neuartige Technologie erklärt.

OD5000: DER LEISTUNGSSTARKE MESSEXPERTE

Messen auf hohem Niveau und ohne externe Auswertung - dank der im Sensorkopf eingebauten Ethernet Schnittstelle ist eine direkte

und schnelle Kommunikation über TCP/IP- und UDP/IP-Protokoll möglich. Messen von schnell rotierenden Teilen? Kein Problem für

den OD5000 von SICK, dank einer Messfrequenz von bis zu 80kHz. Dickenmessung mit nur einem Sensor? Möglich dank innovativen

Auswertealgorithmen direkt im Sensor. Sie wollen kleinste Vertiefungen in kleinen Löcher vermessen? Kein Problem für den OD5000

dank dem äusserst kleinen Lichtfleck im Mikrobereich. Zusätzlich bietet der OD5000 eine einfache Bedienung und Remote Zugriff dank

integriertem Web Interface. www.sick.ch/OD5000


HANNOVER MESSE

INDUSTRIAL

TRANSFORMATION

Digitalisierung, Individualisierung, Klimaschutz: Diese drei Megatrends

verändern das Nachfrageverhalten und damit alle Stufen der industriellen Wertschöpfung.

Daher greift die Hannover Messe mit ihrem Leitthema «Industrial

Transformation» diesen Wandel auf und gibt gezielt Antworten zu den Trendthemen

CO 2 -neutrale Produktion, Industrial Security, Industrie 4.0, Künstliche Intelligenz,

Leichtbau, Logistik 4.0 und Plattformökonomie.

64 #006 Bilder: Deutsche Messe AG


Hannover Messe

Messethema:

Leitthema 2020:

Partnerland 2020: Indonesien

Die Hannover Messe besteht aus verschiedenen

internationalen Leit messen, welche die komplette

industrielle Wertschöpfungskette widerspiegeln.

Einzelne Leitmessen sind nur im Zwei jahres-

Rhythmus vertreten, sodass sich das Bild der

Hannover Messe stets wandelt.

Industrial Transformation

Leitmessen 2020: Additive Manufacturing

Automation

Cloud & Infrastructure

Digital Platforms

Drive Technology

E-Mobility Infrastructure

Electrical Power Technology

Engineering & Offi ce Software

Fluid Power

Future of Work

Handling & Assembly

Hydrogen Fuel Cells

Industrial 5G

Industrial Start-Ups

Innovative Materials

Integrated Energy

IT Consulting / Security

Lightweight Engineering

Linear Technology

Logistics Automation / IT

Material Handling

Metal Parts, Components & Solutions

Predictive Maintenance

Process Automation

Research Development

Robotics

Trade & Investment

VR & AR

Datum: 20. bis 24. April 2020

Öffnungszeiten:

Eintrittspreise:

9 bis 18 Uhr

34.– € (Tagesticket)

77.– € (Dauerticket)

Veranstaltungsort: Messegelände, D-30521 Hannover

Hotels/Unterkünfte: Hannover Marketing & Tourismus GmbH

Tel. +49 511 123 455 55

hotels@hannover-tourismus.de (bac)

#006 65


AM Expo 2020

ADDITIVE FERTIGUNG

IM FOKUS

Die AM Expo fokussiert sich als

einzige Fachmesse in der Schweiz ausschliesslich

auf die additive Fertigung.

120 Aussteller entlang der gesamten

Wertschöpfungskette zeigen an dieser

anwendungsorientiert auf, welche

Möglichkeiten diese Fertigungstechnologie

bietet und wie sie rentabel

eingesetzt werden kann.

Bilder: Messe Luzern AG

AM Expo 2020

Messethema:

Fokusthemen:

Die AM Expo gibt, abgestimmt auf die

verschiedenen Anwendungsbereiche,

Antworten auf alle zentralen Fragen

zur additiven Fertigung.

• Neue Technologien

• Rapid Prototyping und Rapid Tooling

• Design für additive Fertigung

• Leichtbau

• Serienproduktion mit Normen,

Zertifi zierungen und Qualitätssicherung

• Neue Materialien

• Nachbearbeitung und Oberfl ächen

• Software, Daten und Designautomation

Datum: 3. und 4. März 2020

Öffnungszeiten:

9 bis 16 Uhr

Eintrittspreise: CHF 25.–

(Eintritt für alle Tage gültig;

Studenten kostenlos)

Veranstaltungsort: Messe Luzern AG

Horwerstrasse 87

CH-6005 Luzern

(bac)

66 #006


21. METAV

INTERNATIONALE

STRAHLKRAFT

Obwohl die METAV in Düsseldorf als regionales

Pendant zur EMO gilt, hat sie seit Beginn an internationale

Strahlkraft. Bei der Veranstaltung vor zwei Jahren

kamen knapp elf Prozent der 26 500 Besucher aus

dem Ausland. Der grösste Anteil reiste aus den Niederlanden,

der Schweiz, Belgien und Österreich an.

METAV

Messethema:

Als Maschinenbaumesse mit dem Schwerpunkt

«Fertigungstechnik» spiegelt die METAV primär die

Themen Werkzeugmaschinen, Hochpräzisionswerkzeuge,

Anlagen für die Fertigungs- und Prozessautomation

sowie Werkzeuge für die Qualitätssicherung.

Datum: 10. bis 13. März 2020

Öffnungszeiten:

Eintrittspreise:

9 bis 17 Uhr

Tageskarte 36 € (Vor Ort) / 19 € (Online)

Dauerkarte 59 € (Vor Ort) / 37 € (Online)

Veranstaltungsort: Messegelände Düsseldorf

Am Staad (Stockumer Höfe), D-40474 Düsseldorf

Hotels/

Düsseldorf Tourismus GmbH

Unterkünfte: Tel. +49 211 172 023 221

business@duesseldorf-tourismus.de

www.metav.de/de/Anreise_und_Planung/

Unterkunft_CityInfos

Veranstalter:

Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.V.

Tel. +49 69 756 081 74

metav@vdw.de

www.vdw.de

(bac)

Bilder: Messe Düsseldorf, Constanze Tillmann

#006 67


THE ART OF GRINDING.

WEIL PRÄZISION UNTER EINEM GESCHÄRFTEN BLICK ENTSTEHT.

Die Fritz Studer AG, gegründet 1912, ist einer der Markt- und

Technologieleader im Universal-, Aussen-, Innenrund- sowie im

Unrundschleifen. Besuchen Sie uns an der GrindTec 2020

in Halle 2, Stand 2055.

studer.com

The Art of Grinding.

A member of the UNITED GRINDING Group

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