ewe-aktuell 1/2020

eineweltengagement
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Partnerschaftsmagazin des eine-welt-engagement e.v.

Jahrgang 23 - März 2020

Wo geht die Reise hin?

Where are we going to?

WEITERE THEMEN IN DIESER AUSGABE

Zwischenseminar in Tansania

Alltag in Deutschland


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Editorial

Inhaltsverzeichnis

Goodbye 2019 and Hello 2020

Liebe Leser*innen,

Anfang des Jahres machte beim Weltwirtschaftsforum

in Davos eine junge Frau aus Sambia, Natasha

Wang Mwansa, auf sich aufmerksam und stahl dem

Urteil einiger Medien nach einer anderen jungen

Prominenten,

nämlich Greta

Thunberg, die

Show.

Doch geht es

beiden gerade

nicht um

Prominenz oder

Show, sondern

um nichts

Geringeres

als die

Zukunft ihrer

Generation.

Allerdings mit

unterschiedlichen Forderungen, wie der Beitrag zu

Natasha Mwansa zeigt.

Zu einem Perspektivwechsel regen auch Filmund

Buchbesprechung in dieser Aufgabe an.

Und es werden Fragen aufgeworfen: Was bewirkt

Entwicklungszusammenarbeit bei den Akteuren

beider Seiten? Und sind wir so frei von Rassismus, wie

wir meinen?

Fragen, die auch in der Vereinsarbeit des ewe eine

zentrale Rolle spielen.

Und natürlich geben uns auch Priscilla, Naomie

und Eugine wieder ganz konkrete Einblicke in ihr

Freiwilligen-Jahr.

Eine anregende Lektüre und frohe Ostern wünscht

2

8

16

21

Naomie

Eugine

Priscilla

Congo Calling

Why I‘m no longer

talking to white

people about race

Editorial

Natasha Mwansa

Film Review

Book Review

3

11

19

Goodbye 2019

Der letzte Monat des Jahres war in vielerlei Hinsicht

anders als sonst. Vor allem war er aber warm.

Alle in der Kirche fieberten auf Weihnachten zu,

jeder bereitete etwas vor. Die Kinder bereiteten ein

Theaterstück vor und die Jugendlichen übten Lieder

ein, die sie an den Weihnachtstagen singen würden.

Und ich war mittendrin, verwirrt über das warme

Wetter an Weihnachten, darüber keinen Tannenbaum

zu sehen und emotional, weil ich nicht bei meiner

Familie sein konnte. Dennoch fand ich irgendwie

meinen Platz in dem ganzen Getummel und half Sister

Charleen bei der Arbeit. Ich half ihr beim Dekorieren

und Anfertigen der Kulisse für das Theaterstück und

für die Krippe. Durch das Mitwirken und Helfen

fühlte ich mich als ein Teil der Gemeinschaft und

des Festes. Meine Schwestern konnten es kaum

erwarten, dass bald Weihnachten sein würde. Sie

erklärten mir oft, wie Weihnachten bei ihnen ist. Und

sie waren neugierig, wie es wohl in Deutschland ist.

An Heiligabend war das Kirchenprogramm gar nicht

viel anders als in Deutschland unter Christen. Wir

warteten, bis es dunkel war, und gingen dann zur

Kirche los. Da war es ungefähr 18:30 Uhr. Die Kirche

war mit vielen Kerzen beleuchtet und bekam dadurch

eine leicht romantische Atmosphäre: das war für mich

wohl das Schönste an dem Weihnachtsfest. Ich war die

Goodbye 2019

The last month of the year was different in many ways

than usual. Most of all, it was warm. Everyone at

church was looking forward to Christmas, everyone

was preparing something. The children prepared

a roleplay and the youth practiced songs that they

would sing on Christmas Day. And I was right in the

middle of everything, confused by the warm weather

at Christmas, by not seeing a Christmas tree and also

emotionally because I couldn‘t be with my family. Still,

I somehow found my place in the hustle and bustle and

helped Sister Charleen at work. I helped her decorate

and make the background for the roleplay and the

crib. By participating and helping, I felt like a part of

the community and the festivity. My sisters couldn‘t

wait for Christmas to come: they often explained to

me what Christmas was like for them. And they were

curious about what it is like in Germany. There was

a church program on Christmas Eve that was not

much different than in Germany among Christians.

We waited until it got dark and then went to church.

That was about 6:30 p.m. The church was lit with a

lot of candles which created a somehow romantic

atmosphere that was probably the most beautiful thing

about Christmas for me. These Christmas holidays I

was somewhere else with my thoughts and missed my

family quite a bit. More than I thought. Because of the

weather and the lack of Christmas rituals that I know

and that I am used to from my family in Germany, I

didn‘t really get into Christmas mood. It was a pity, a

strange feeling above all. Nevertheless, it was a great

experience that I had the opportunity to experience

Christmas differently and to realize what I really need

on the festive days, what I can do without and what

just not. It was nice to see how people in another part

of the world understand and define Christmas and

above all how they celebrate it. As is well known, there

are always two sides of the same coin and both have

refilled my thoughts.

Ihre/Eure Yoko Kuchiba

Krippendeko/Crib decoration

Christmas had passed a few days and everyone was

preparing for New Year. The church, my family and

me. If I had struggled a few days before, I was now

looking forward to the new year. The last day of the

year was also a church day, this time it was only a

little bit different from Christmas Day. At New Year´s


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Weihnachtstage mit meinen Gedanken woanders und

vermisste meine Familie doch etwas sehr. Mehr als ich

dachte. Denn durch das für mich ungewohnt warme

Wetter zu dieser Jahreszeit und durch die fehlenden

Weihnachtsrituale, die ich von meiner Familie aus

Deutschland kenne und gewohnt bin, kam ich nicht

wirklich in Weihnachtsstimmung. Das war etwas

schade - ein komisches Gefühl vor allem. Dennoch

war es eine tolle Erfahrung, Weihnachten einmal

anders zu erleben und zu merken, was ich denn

wirklich an den Tagen brauche, worauf ich verzichten

kann und worauf halt eben nicht. Es war schön zu

sehen, wie Menschen auf einem anderen Teil der Welt

Weihnachten verstehen, es definieren und vor allem

feiern. Es gibt ja bekanntlich immer zwei Seiten der

Medaille und beide haben meine Gedankenwelt neu

erfüllt.

Weihnachten war nun seit ein paar Tagen

ausgeklungen und alle bereiteten sich auf das neue

Jahr vor. Die Kirche, meine Familie und ich. Hatte ich

die Tage zuvor ein wenig „gestruggelt“, so freute ich

mich nun doch auf das neue Jahr. Der letzte Tag des

Jahres war ebenso ein Kirchentag, diesmal nur etwas

anders als an Weihnachten. An Silvester bleiben viele

Menschen nach der Messe in der Kirche und beten

bis zum frühen Morgen, wenn die Sonne aufgeht. Das

war erst einmal sehr neu für mich, aber so viel anders

als ich üblicherweise Silvester feiere, ist es doch nicht.

Ich bete zwar gewöhnlich nicht bis morgens, aber

ich tanze. Unsere Eltern stellten uns frei, ob wir in

der Kirche bleiben wollten oder nicht. Zwei meiner

Schwestern blieben dort mit anderen Gleichaltrigen,

ich entschied mich, mit nach Hause zu fahren. Denn

ich wollte mir die Option frei halten, schlafen zu gehen,

wenn ich das wollte. Es war nämlich nicht erlaubt, an

Silvester in der Kirche zu schlafen. Meine Gasteltern

und meine anderen Geschwister gingen ungefähr um

22 Uhr schlafen und so ging ich dann auch in mein

Zimmer. Ich machte es mir gemütlich, telefonierte

mit meinen Lieben, schaute einen Film, hörte Musik,

reflektierte das Jahr und schrieb in mein Buch, was

ich mir für das nächste Jahr wünschen würde. Ich

betrieb „selfcare“, so würde man das heutzutage wohl

sagen. Das mag für den einen oder anderen einsam

klingen, für mich jedoch war es eine sehr schöne und

Happy New Year

Eve, many people stay in church after Mass and pray

until early morning when the sun rises. At first, it

was very new for me, but it is not that much different

from how I usually celebrate. I usually do not pray

until morning but I dance. Our parents let us choose

whether we wanted to stay in church or not. Two of

my sisters stayed there with other peers, but I decided

to go home because I wanted to have the option to go

to bed if I wanted to. It was not allowed to sleep in the

church on New Year´s Eve. My host parents and my

other siblings went to sleep around 10 p.m., so I went

to my room. I made myself comfortable, phoned my

loved ones, watched a film, listened to music, reflected

on the last year and wrote into my book what I would

like for the next year. I practiced self-care, that would

be how you call it these days. This may sound lonely

for one or the other, but it was a very nice and unique

experience for me, because I will probably never

celebrate New Year´s Eve alone again in my life. So, it

was an interesting and nice experience and it gave me

a lot. All in all, I am very grateful for the experiences

made so far, they not only enriched me, but also

made me stronger and I was able to develop a little bit

further.

Hello 2020

At the beginning of January, I enjoyed the rest of the

time with my sisters before they had to go back to

school and before I went to a seminar in Tanzania. As

usual, we spent the time walking, cooking, dancing

and telling stories. In addition, I prepared myself

a little for the seminar and the vacation afterwards.

My flight went to Dar es Salaam the day before the

sehr einzigartige Erfahrung, denn ich werde wohl

nie wieder in meinem Leben alleine Silvester feiern.

So war das eine interessante und schöne Erfahrung,

die mir viel hat geben können. Alles in allem bin

ich doch sehr dankbar für die bis dahin gemachten

Erfahrungen. Sie haben mich nicht nur bereichert,

sondern auch stärker gemacht und ich konnte mich

dadurch wieder ein Stück weit weiterentwickeln.

Hello 2020

Anfang Januar genoss ich die restliche Zeit mit meinen

Schwestern, ehe sie wieder zur Schule mussten

und ich mich auf den Weg nach Tansania zu einem

Seminar machte. Wie sonst auch verbrachten wir die

Zeit damit spazieren zu gehen, zu kochen, zu tanzen

und uns Stories zu erzählen. Nebenbei bereitete ich

mich ein wenig auf das Seminar und den Urlaub, den

ich anschließend machen wollte, vor. Mein Flug ging

einen Tag vor dem Seminar nach Dar es Salaam. Ich

kam abends am Flughafen in der riesigen Stadt an.

Ich war ziemlich aufgeregt, da ich alleine unterwegs

war. Die Sonne war schon fast verschwunden und es

wurde immer dunkler. Aber alles ging gut und ich traf

auf andere Freiwillige, mit denen ich mich verabredet

hatte. Wir trafen uns in einer Lodge an der Küste von

Dar es Salaam. Auf dem Weg dorthin unterhielt ich

mich sehr gut mit einem Einheimischen aus Tansania,

meinem Uber-Fahrer. Ich war anfangs noch sehr

aufgeregt und überfordert von dieser großen, auch zu

dieser Tageszeit immer noch vollen und beschäftigten

Stadt. Meine Blicke wanderten überall hin. Vor allem

zu den Menschen, die ihre verschiedenen Religionen

und Kulturen nach außen trugen, aber dennoch

gleichzeitig auch eine Kultur teilten. Ich fragte meinen

Uber-Fahrer danach. Er sagte mir, in Dar es Salaam

lebten viele verschiedene Kulturen und Religionen in

Frieden zusammen und man akzeptiere die Religion

der anderen ohne Hass oder Ablehnung. Das sah man

auch am Stadtbild: die Menschen liefen und lebten

neben-, mit- und untereinander. Mir fielen aber auch

die hohen Gebäude auf. Die Architektur in Dar es

Salaam war sehr interessant und durchmischt. Vor

allem der Mix, der sich nicht nur in der Bevölkerung

widerspiegelt, sondern auch in der Architektur. Das

Stadtbild ist von vielen orientalischen und indischen

seminar started. I arrived at the airport of this huge

city in the evening. I was pretty excited because I was

traveling alone. The sun was almost set and it was

getting darker and darker. But everything went well

and I met other volunteers with whom I had made

an appointment. We met in a lodge on the coast of

Dar es Salaam. On the way, I had a good chat with a

local from Tanzania, my Uber driver. At first, I was

very excited and overwhelmed by this big and even

at this time of the day still crowded and busy city. My

eyes wandered everywhere. Especially to the people

who showed their different religions and cultures

but also shared one culture. I asked my driver about

this. He told me that in Dar es Salaam many different

cultures and religions live together in peace and that

you here accept the religion of others without hatred

or rejection. You could see that in the city: people

walked and lived side by side and among each other.

Then I noticed the high buildings above me. The

architecture in Dar es Salaam was very interesting and

mixed. Above all, the mix, which is not only reflected

in the population, but also in the architecture. The

cityscape is characterized by many Oriental and

Indian ornaments, especially on the window grilles

and walls. In addition to these buildings there are

very modern giant buildings that do not follow a real

style, they go in all possible directions. But the mix of

tradition, culture and modernity forms this city.

The seminar was very instructive, varied, exhausting,

very nice and helpful. It gave me the possibility

to meet great new people, hear new stories and of

similar or completely different experiences. It was

Sansibar/Zanzibar


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Ornamenten geprägt, was man vor allem an den

Fenstergittern und Wänden sieht. Neben diesen

Gebäuden gibt es sehr moderne, riesige Gebäude,

die keinem wirklichen Stil folgen, sie gehen in alle

erdenklichen Richtungen. Aber der Mix aus Tradition,

Kultur und Moderne macht die Stadt eben aus.

Das Seminar war sehr lehrreich, vielseitig, anstrengend,

sehr schön und hilfreich. Durch das Seminar konnte

ich tolle neue Menschen kennenlernen, neue

Geschichten und ähnliche hören, aber auch von ganz

anderen Erfahrungen. Es war schön, sich endlich

einmal über das Erlebte austauschen zu können.

Wir kamen in einem Kloster, etwas entfernt von

der Stadtmitte, unter. Die Menschen waren sehr

nett und die Umgebung sehr schön und erholsam.

Insgesamt waren wir 16 Freiwillige. Auch schön war,

dass ich nicht die einzige über 25 Jahre war, sondern

noch zwei andere im gleichen Alter da waren. Wir

verstanden uns alle sehr gut und tranken abends nach

dem Seminar oft noch ein Bierchen, spielten Spiele,

lernten uns kennen und tauschten uns über vieles

aus. Wir behandelten einige interessante Themen,

wie zum Beispiel Interkulturalität, Rassismus und das

Weiß sein sowie die damit einhergehenden weißen

Privilegien, die man vor allem im Freiwilligendienst

zu spüren bekommt, und wie man damit umgehen

kann. Die Seminarwoche war sehr prägend für mich:

nicht nur zum Reflektieren, sondern auch weil ich jetzt

weiß, was ich, wenn ich in Deutschland bin, machen

möchte. Ich möchte Aufklärungsarbeit leisten in den

Bereichen Rassismus, Kolonialismus, Integration

und Gleichberechtigung. Ich habe in dem Seminar

noch einmal ganz klar gelernt, dass ich durch meine

Interkulturalität nicht ZWISCHEN zwei Stühlen

sitze, sondern AUF zwei Stühlen sitze. Das ist mein

Vorteil, damit bin ich geboren und daraus möchte

ich das Beste machen. Denn vor allem hier in Sambia

ist mir aufgefallen, dass ich weder schwarz noch

weiß bin. In Deutschland gelte ich als schwarze Frau,

hier in Sambia jedoch als weiße Frau. Das hatte mir,

was meine Identität angeht, in den letzten Monaten

einige Kopfschmerzen bereitet. Doch jetzt kann ich

es akzeptieren und sehe darin eher einen Vorteil als

einen Nachteil. Zudem hat sich mein Wunsch, mit

Kindern und Jugendlichen im Bereich Sozialarbeit

zu arbeiten, ebenfalls verstärkt. Das Seminar war

Natur/Nature

nice to finally be able to exchange ideas about what

had happened. We stayed in a monastery, a little away

from the city center. The people were very nice and

the environment was also very nice and relaxing. We

were a total of 16 volunteers. It was also nice that I

was not the only one over 25 years but there were

two others of the same age. We all got on very well

and often had a beer in the evening after the seminar,

played games, got to know each other and exchanged

a lot. We dealt with some interesting topics such as

interculturalism, racism and whiteness and the white

privileges associated, that can be felt especially during

the voluntary service, and how to deal with them. The

seminar week was very formative for me, not only to

reflect, but also because I know now what I want to

do when I am in Germany. I want to raise awareness

concerning racism, colonialism, integration and

equality. In the seminar I learned again very clearly

that due to my intercultural nature I am not sitting

BETWEEN two chairs but sitting ON two chairs.

That is my advantage, and I was born with it and I

want to make the best of it. Especially here in Zambia

I noticed that I am neither black nor white. Because

in Germany I am seen as a black woman, but here in

Zambia I am seen as a white woman. That had given

me a few headaches in terms of my identity in the past

few months. But now I can accept it and see it as an

advantage rather than a disadvantage. In addition,

my wish to work with children and young people in

the field of social work has also been confirmed. The

seminar was therefore successful, and we had really

great team leaders who shared important knowledge,

skills and experience.

demnach erfolgreich und wir hatten wirklich tolle

Teamer, die mir Wichtiges mit auf den Weg gegeben

haben.

Das Untereinander mit den anderen Freiwilligen

war sehr spaßig und ich habe einige tolle Menschen

kennengelernt, die ich gern in Deutschland besuchen

möchte. Mit wieder anderen ging es dann für mich

weiter nach Sansibar. Ich reiste mit Silvan, Andreas

und 5 anderen gemeinsam nach Sansibar bzw. Stone

Town. Nach einem leckeren Pizzastop trennten sich

dann unsere Wege. Ich blieb mit Silvan und Andreas

in Stone Town. Dort machten wir eine Spicetour und

schauten uns an, welche Gewürze in Sansibar angebaut

und verkauft werden. Wir entdeckten gemeinsam

die verschiedenen Gassen und Märkte dort, ehe uns

Silvan dann verließ und auch weiterreiste. Andreas

und ich blieben in Stone Town und lernten dort einige

interessante Charaktere aus den verschiedensten

Ecken der Welt kennen. Das Hostelleben war

spannend und erholsam und gefiel mir sehr. Nach

acht Tagen ging es dann wieder zurück nach Sambia,

a~ber nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem Zug!

Ich hatte schon immer davon geträumt, eine Zugreise

zu machen: diese dauerte fast 3 Tage. Zusammen

mit Paula, Silvan, Cara, Patricia, Anna und Andreas

fuhren wir mit dem Zug zurück nach Sambia. Im Zug

hatten wir 4er-Abteile für uns. Ich teilte mir das Abteil

gemeinsam mit Paula, Silvan und Anna. Auf engstem

Raum fuhren wir von Dar es Salaam aus nach Kapiri

Mposhi in Sambia. Auf der Fahrt durchfuhren wir

eine wunderschön grüne Landschaft, die von weiten

Bergen umgeben war. Und auch Menschen begegneten

uns auf unserer Fahrt, die wir mit Winken begrüßten.

Jetzt bin ich wieder im schönen Monze und ganz

schön froh, wieder da zu sein. Die Reise und kurze

Auszeit hat mir gut getan und mich für den zweiten

Teil meines Freiwilligendienstes vorbereitet.

Bis bald und Grüße aus Monze, Naomie

Naomie Rothkamp

The interaction with the other volunteers was very

fun and I met some great people that I would like to

visit in Germany. With others, I went on to Zanzibar. I

traveled together with Silvan, Andreas and 5 others to

Zanzibar / Stone Town. After a delicious pizza stop we

parted ways. I stayed in Stone Town with Silvan and

Andreas, where we went on a spice tour and looked

at which spices are grown and sold in Zanzibar. We

explored the various alleys and markets there, before

Silvan left us and traveled on. Andreas and I stayed

in Stone Town and got to know some interesting

characters from different corners of the world. The

hostel life was exciting and relaxing and I really liked

it. After eight days we went back to Zambia, but not

by plane but by train! I had always dreamed of taking

a train trip, which lasted almost 3 days. Together with

Paula, Silvan, Cara, Patricia, Anna and Andreas we

took the train back to Zambia. On the train we had a

compartment for 4 people. I shared the compartment

with Paula, Silvan and Anna. We traveled in a confined

space from Dar es Salaam to Kapiri Mposhi in Zambia.

On the way we passed through a beautiful green

environment that was surrounded by the vastness of

mountains. And people came across our journey, who

we greeted with a wave. Now I am back in beautiful

Monze and I am really happy to be back. The trip and

the short break were good for me and prepared me for

the second part of my voluntary service.

See you soon and greetings from Monze, Naomie

Naomie Rothkamp

Zugfahrt/Journey by train


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Junge Menschenrechtsaktivistin aus

Sambia

Young human rights activist from

Zambia

Die junge Natasha Wang Mwansa ist mit ihren 18

Jahren eine der stärksten und wichtigsten Stimmen

für Sambias Frauen und Jugendliche. Sie lässt sich

inspirieren von Frauen wie Malala Yousafzai und

Michelle Obama und setzt sich insbesondere für

die Rechte von jungen Frauen und die Bekämpfung

tropischer Krankheiten ein.

Zuletzt machte sie beim Weltwirtschaftsforum in

Davos durch ihre frische, mitreißende Art auf sich

aufmerksam.

Hier nun folgt ein Auszug aus einer Rede anlässlich

der Women Deliver Conference vom 3. Juni 2019 in

Kanada, bei der sie viel Anerkennung, Applaus und

Standing Ovations bekam. Hoffentlich ziehen ihre

Worte auch Handlungen nach sich:

“Zuerst einmal möchte ich klarstellen, dass man

nichts für uns junge Menschen tun kann, ohne uns

miteinzubeziehen, das wäre das Gleiche, wie gegen

uns zu arbeiten. Ähm, darf ich mich hinstellen?

Ich fühle mich stärker, wenn ich stehe! (Applaus).

Also, das Wichtigste für all die hier anwesenden

Politiker ist, dass wir junge Menschen

in Machtpositionen brauchen, wenn es

um die Gesundheit und Bildung junger

Menschen geht!

Zweitens möchte ich gerne etwas

ansprechen, dass mit jungen Menschen

und der Stärkung unserer Frauen zu tun

hat. Ihr versprecht uns Geschlechter-

Gerechtigkeit, ihr versprecht uns

mal dies und mal das, aber lasst uns

das mal überdenken: Wenn wir aus

unserem Staatshaushalt nur 0.1% für

die Förderung Jugendlicher und Frauen

ausgeben, dann funktioniert das einfach

nicht! Also erhöht die Beträge, die in

unsere Zukunft investieren! (Applaus).

Es gibt immer noch Dinge wie

Kinderheirat, aber das ist unmenschlich.

Diese Dinge müssen abgeschafft werden.

Wir können unsere Mädchen nicht

verheiraten und ihnen die Bildung

verwehren, wir können nicht zulassen,

dass sie wegen ihrer monatlichen

Natasha Wang Mwansa is 18 years old, and one of the

most important and powerful activists for women’s

and youths’ rights in Zambia. Inspired by role models

like Malala Yousafzai and Michelle Obama, she makes

young women’s needs heard, and fights against the

threat of tropical diseases in the country.

Recently, Natasha delivered a stirring speech at the

World Economic Forum in Davos.

In the following, you will find an extract from another

speech at the Women Deliver Conference on 3rd

June 2019 in Canada. For this speech, she gained

recognition and even standing ovations. We hope that

her words will be followed by actions:

“Firstly, one thing that has to be emphasized is that

there is no way that anything is going to be done for us

without us, because that’s just doing it against us. So…

ehm, can I stand? I feel more powerful when I stand.

(Applause). So, the key message to all political leaders

here is that we need young people in positions of power,

because we are not only going to be beneficiaries. So,

give us power!

Natasha Mwansa, Quelle: womendeliver.org

Menstruation, die stigmatisiert und stereotypisiert

ist, eingeschränkt werden. Nein, wir brauchen

Geschlechter-Gerechtigkeit, und das muss sich in

unseren Staatsausgaben widerspiegeln! (Applaus,

Standing Ovations).

Oh danke, vielen Dank, aber ihr macht es mir

schwer weiterzureden. Ich mag, dass der kanadische

Premierminister sich um die Entwicklung unserer

Mädchen sorgt. Aber ihr könnt nicht zu irgendeinem

Mädchen auf der Straße gehen und sie fragen, was sie

braucht, und dann erwarten, dass sie euch sofort eine

Liste mit Dingen gibt. Ihr müsst uns unterstützen,

indem ihr uns die Bildung gebt, die uns befähigt,

selbst kritisch zu denken und Entscheidungen über

unsere Gesundheit zu treffen. Wir wollen nicht, dass

ihr über unsere Köpfe hinweg handelt, wir wollen

selbst entscheiden!

So, noch zwei weitere Punkte, entschuldigen Sie:

Soziale Verantwortung. Ich möchte nicht in einer Welt

leben, in der ich nur die Nachrichten schaue, und mein

Präsident nimmt an, dass ich dies und jenes brauche.

Ich möchte ihm selbst sagen, was ich brauche, und ich

verlange von ihm, dass er mir diese Bedürfnisse erfüllt.

Wir müssen uns also zusammensetzen und darüber

reden, was wir brauchen und was uns versprochen

wird. Und darüber, was uns versprochen wird und

was wir dann wirklich bekommen. Leute, die Politiker

können reden, aber sie handeln nicht genug! Wir

müssen sie zur Verantwortung ziehen, meine Damen

und Herren, und dafür brauchen wir die richtigen

politischen Mechanismen. Es reicht mit dem Reden,

jeder von uns hat eine soziale Verantwortung zu

handeln.

Und dann zum Schluss, und das möchte ich nochmal

betonen: Es reicht nicht, dass wir bestimmte Räume

für Jugendliche haben, in denen sie diskutieren und

mitbestimmen können. Diese Orte sind toll, aber,

wenn wir uns das aus einer globalen Perspektive

anschauen, wird schnell klar, dass wir ein globales

System brauchen, in dem Jugendliche Verantwortung

bekommen. Alle sollten daran mitwirken, denn wenn

wir mal ehrlich sind, sind wir die größte Population.

And then secondly, I really want to talk about

prioritising things that have to do with young people

and female empowerment. Look, you can promise

us gender equality and this and that, but you need

to reflect this: You can’t have a national budget, and

adolescent health budget is about 0.1%, that’s not

working. So, increase the budget when it comes to

young people, general education, gender equality and

female empowerment.

I hate this thing called “child marriage”. It’s inhumane.

These things have to be worked on. We can’t have girls

being married off, having no education, not being able

to take care of themselves every time of the month

simply because of stereotypical behaviour. We need

gender equality, and we need this reflected in the

national budget.

(Applause, standing ovations) Thanks, thank you, but

you’re making it hard for me to speak. Another thing

that has to be emphasized is that you can’t just ask

any girl on the streets “What do you need?” and then

you expect her to tell you everything. We need proper

education, institutions that give us skills to make our

own decisions concerning everything that has to do

with our health. We want to know that we ourselves

have power to make choices and influence whatever is

going on in our lives.

And then two more points, I’m sorry. We have this

thing: social accountability. I do not want to live in

a world where I am just watching the news, and the

president just assumes what I want personally, as a

girl. I want to tell him what I want, and I want him to

promise me that he is going to provide those needs.

So, we need to talk about what we want and what is

actually provided, and about what is promised and

what is actually done! Politicians can talk, guys, but

actions? No! And we need to hold them accountable,

ladies and gentlemen, we need proper mechanisms to

hold our politicians accountable. Actions is what we

need right now, so let’s act.

And then last but not the least, it’s not enough that we

have youth corners. They are good, but when we look

at it from a global perspective, we need a global, youth


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Deutschland

Wir verdienen diese Verantwortung, und sie wird uns

weiterbringen! Also investiert in unsere Mädchen,

investiert in uns junge Menschen. Und glaubt mir,

ich verspreche euch, es wird uns alle weiterbringen.

Danke.“

Für ihr Engagement bekam Natasha eine

Auszeichnung der Welt-Gesundheits-Organisation

und ist damit die jüngste und einzige subsaharische

Preisträgerin der Welt. Sie diskutiert in den sozialen

Medien und auf Konferenzen mit Jugendlichen, unter

anderem mit Greta Thunberg, wie auch mit Politikern

über Möglichkeiten, die Machtstrukturen aufzureißen

und mehr Gerechtigkeit zu fordern.

von Jolina Bilstein

Quelle des Redeauszugs:

Natasha Mwansa Q&A during panel discussion of

Women Deliver 2019: https://www.youtube.com/

watch?v=AV7h01erzuY

Bildnachweis/Proof of Images

friendly and responsive system. Let’s be honest: we

are the largest population, we deserve this, and this is

going to benefit us. So, invest in girls, invest in young

people. And trust me, you can hold me accountable

for this: I promise you it will bring great benefits.

Thank you.”

For her activism, Natasha gained an award from the

World Health Organisation, and is until now the

youngest and only sub-Saharan award winner. She

keeps on discussing in social media and at conferences

with other youths like Swedish Greta Thunberg. She

also talks to politicians and demands more balanced

power structures and justice.

by Jolina Bilstein

Source of the speech´s extract:

Natasha Mwansa Q&A during panel discussion of

Women Deliver 2019: https://www.youtube.com/

watch?v=AV7h01erzuY&t=13s

Die Fotos in dieser Ausgabe wurden uns freundlicherweise, wie folgt, zur Verfügung gestellt/ the photos have

been kindly provided by:

Seite/Page 1-7, 23 Naomie Rothkamp,

S./P 2, 19-20 Priscilla Daka,

S./P 1-2, 11-14 Eugine Himunza,

S./P 2, 8 womendeliver.org,

S./P 2 Yoko Kuchiba

Ich sage mir stets, „Eine tausend Meilen lange Reise

beginnt mit dem ersten Schritt.“ Denn das ist für

mich Inspiration. Es ist sehr interessant für mich, nun

schon sechs Monate in Deutschland zu sein, weil ich

vieles gelernt habe und während meines Aufenthalts

hier auf viele Dinge gestoßen bin. In der Sprache

meines Stammes, also auf Tonga, würde ich sagen

„menso ndasanina“ (ich habe meine Augen gefüttert).

Um in diesem Bild zu bleiben: ich habe meine Augen

mit vielem gefüttert und ich habe eine Menge von

meiner Gastfamilie, von meinem Arbeitsplatz, von

den anderen Freiwilligen bei der Seminarwoche und

auch von meiner Umgebung an sich gelernt.

Das Wetter in Deutschland ist so faszinierend und

gleichzeitig so verwirrend, weil man nie genau weiß,

was kommt: stell dir vor, die Sonne scheint sehr hell,

keine Wolken, der Himmel ist sehr klar, aber es ist sehr

kalt! Als ich die Sonne so hell scheinen sah, fühlte ich

mich so gut und ich wollte für einen Spaziergang nach

draußen gehen. Allerdings ohne warme Anziehsachen.

Uuuh, als ich gerade die Haustür erreichte, war es so

Eugine in der Kita/In the Kindergarten

“A journey with a thousand miles begins with the first

step”, I will always say this because it is my inspiration.

Being in Germany for six months is a very interesting

thing because I have learned and I have come across

many things during my stay. In my local tribe which

is Tonga I would say “menso ndasanina” (I have fed

my eyes). Taking this metaphor forward I have fed my

eyes a lot and learned a lot from my host family, from

my workplace, from fellow volunteers at the seminar

week and from the surrounding itself.

German weather is so amazing and confusing at the

same time because you never know: imagine the sun

is shining very bright without clouds, very clear sky

but very cold. So, seeing the sun shining bright made

me feel so nice and I made plans for going for a walk

but without wearing warm clothes. Uuuuh just when I

approached the door it was freezing and immediately,

I changed my plan of going out and stayed indoors. If

I was to compare the Zambian weather with German

weather, I think you can predict the Zambian weather

at times but unfortunately, the German weather you

cannot. You just have to follow the weather forecast

to be sure.

Staying in a German family is different from staying in

a Zambian family but every family -whether German

or Zambian - has the advantage that one learns a lot

of different interaction in a family and about the way

of life. In Germany, despite calling elderly people by

their first name which is not allowed or is unusual

in Zambia, that does not mean you do not have

respect for the elders. What matters is you behave in a

respectful way and that you respect limits. Personally,

I have learned them, I developed and I am reflecting,

knowing what I can do and what not, what to touch

and what not.

Celebrating Christmas in Germany is very nice

although it is different from Zambia, because we

mostly celebrate it at church where we have a meal

as a parish, a youth part, holy childhood activities,

gatherings with friends and families at times and

really enjoy Christmas in Zambia. What makes it

nice in Germany is that you spend it with your family.

You have a Christmas meal during which you talk to

your family, you receive gifts and have a nice time

remembering. Spending some time with your family


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is important to build your

family relationship and family

time is the best because you

never know what happens.

Having a character of being

moody or short tempered

does not help neither in

Germany nor in any situation

in real life. My personal trait

of character to prefer to

be quiet for no reason has

become a problem for me

here: it was challenging and

did not help. So, my advice is

to be open minded to take in

new things. Communicating

with the people around you

is important in Germany and

also in any situation anywhere

Eugine im Haus der Geschichte/ Eugine at Haus der Geschichte

you are. I have been a quiet

frostig, dass ich auf der Stelle meine Pläne änderte und

person in my first months

doch im Haus blieb. Wenn ich das Wetter in Sambia here and that has not been helping. Now I am working

mit dem in Deutschland vergleichen sollte, würde ich on it and I hope my ability to communicate will be

sagen, dass ich das sambische Wetter dann und wann good by the end of my voluntary year.

doch einschätzen kann, das deutsche Wetter hingegen Working in the kindergarten or doing my voluntary

nicht. Um sicher zu gehen, sollte man sich nach der year in the daycare is a very good preparation for

Wettervorhersage richten.

life for me. This is because I have never worked in a

In einer deutschen Familie zu leben, ist anders als big institution like this and it is preparing me for the

in einer sambischen, doch egal, ob deutsche oder future. However, the challenge has been to wake up

sambische Familie, es hat den Vorteil, dass man in einer early: around 05 hour in the morning from Monday

Familie viel über unterschiedliche Interaktionsweisen to Friday. That was quite challenging for me despite

und den Lebensstil der Menschen lernt. Obwohl man I have been in a boarding school in Zambia. But the

in Deutschland ältere Personen bei ihren Vornamen good part is that I am now used to getting up early.

nennen darf – was in Sambia nicht erlaubt bzw. nicht The only problem is the season: winter. When I go for

üblich ist -, bedeutet dies nicht, dass man keinen work it is still dark and by the time I come back home

Respekt vor den Älteren hat. Entscheidend ist, dass it is already dark again. The nights are longer than

man sich respektvoll verhält und Grenzen einhält. Ich the days. So, I cannot wait for summer to come. I am

persönlich habe inzwischen diese Grenzen gelernt, looking forward to the summer because it will be very

habe mich entwickelt, denke nach und weiß, was ich funny moving up and down with the bicycle.

tun darf und was nicht, was ich anfassen darf und was Working with children has taught me to stay calm and

nicht.

sometimes to be courageous.

To stay calm because we have many projects with the

Weihnachten feiern ist in Deutschland sehr schön, children. Unfortunately, some children are not yet old

aber sehr anders als in Sambia. Denn wir feiern enough to do everything by themselves. And at times

hauptsächlich in der Kirche, wo es ein gemeinsames when am stressed this sometimes annoys me because

Mahl als Gemeinde gibt, Aktivitäten der Youth things look simple to me. But, of course, I have to stay

Gruppe, der Holy Childhood Gruppe, von Zeit

zu Zeit auch Zusammenkünfte mit Freunden und

Familie, und wir Weihnachten wirklich genießen.

Was es in Deutschland nett macht, ist, dass man

Weihnachten mit der Familie verbringt. Es gibt ein

Weihnachtsessen, bei dem man sich unterhält, man

bekommt Geschenke und hat eine schöne Zeit bei

gemeinsamen Erinnerungen. Zeit mit der Familie zu

verbringen, ist wichtig, um die Verbindung zur Familie

aufzubauen. Und Zeit mit der Familie ist sowieso das

Beste, weil du nie weißt, was als nächstes passiert.

Wenn man einen etwas mürrischen oder reizbaren

Charakter hat, ist das weder in Deutschland noch

in anderen Situationen im Leben hilfreich. Meine

persönliche Eigenschaft, es vorzuziehen, ohne

erkennbare Gründe still zu bleiben, war hier zunächst

etwas problematisch und hat nicht geholfen. So kann

ich nur raten, sich offen zu verhalten, um Neues

aufnehmen zu können. Mit den Menschen deiner

Umgebung zu kommunizieren, ist in Deutschland,

aber auch in jeder Umgebung, wo auch immer man

sich befindet, wichtig. Ich war in den ersten Monaten

hier zu still und das war nicht förderlich. Aber nun

arbeite ich daran und hoffe, dass zum Ende meines

Freiwilligen-Jahres meine Kommunikationsfähigkeit

besser sein wird.

Das Arbeiten im Kindergarten oder in einer Tagesstätte

ist meiner Ansicht nach

eine sehr gute Vorbereitung

auf das Leben. Ich denke

mir das, weil ich vorher

noch nie in einer größeren

Einrichtung gearbeitet habe,

mich das aber auf die Zukunft

vorbereitet. Allerdings ist

das frühe Aufstehen eine

echte Herausforderung:

um 5 Uhr morgens von

Montag bis Freitag. Das war

herausfordernd für mich,

obwohl ich in Sambia in einem

Internat war. Aber das Gute

ist, dass ich mich inzwischen

ans frühe Aufstehen gewöhnt

habe. Übrig bleibt ein Problem:

die Jahreszeit Winter. Wenn

calm and I have to be understanding.

Early this year we had a new child at the kindergarten.

So, this child kept on looking at me for the whole day.

I wondered why and this question was in my mind the

whole day. The next morning the girl came to me and

asked: “Warum hast du einen dunklen Kopf?” (Why

do you have a black head?) I wondered by myself,

whether she never came across an African, although

there are many African people in Germany. First, I

answered that I eat a lot of chocolate, but then I told

her that I am from Africa and my workmate explained

this to her too.

Courage and motivation are very important. I am

courageous – at least my workmates say so. They

think that I am courageous because I am able to speak

in front of the children on my own and in German,

for example when leading the morning cycle called

Morgenkreis. Or when we come together with other

kindergartens for sports activities. Or when taking

part in activities like reading with the children (A

mouse took a stroll into the deep dark woods. A fox

saw the mouse and the mouse looked. Where are you

going to, little brown mouse? Come and have lunch in

my underground house. That is terribly kind of you,

fox – but I am going to have lunch with a Gruffalo.)

This story is very funny and interesting. Didn’t you

know: THE GRUFFALO.

Eugine liest das Grüffelo vor./Eugine is reading Gruffalo


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ich zur Arbeit gehe, ist es noch dunkel, und wenn

ich nach Hause komme, ist es schon wieder dunkel.

Die Nächte sind länger als die Tage. Deshalb kann ich

den Sommer kaum erwarten. Ich freu mich auf den

Sommer. Denn es wird sicher sehr lustig, mit dem

Fahrrad hin und her zu fahren.

Mit Kindern zu arbeiten, hat mich gelehrt, ruhig zu

bleiben und manchmal auch mutig zu sein.

Ruhig zu bleiben, weil wir viele Projekte mit den

Kindern machen: Manche Kinder sind einfach noch

nicht alt genug, um alles allein schaffen zu können.

Und ab und zu, wenn ich gestresst bin, dann ärgert

mich das, weil die Sachen für mich so einfach aussehen.

Aber ich muss in diesen Situationen selbstverständlich

ruhig bleiben und Verständnis zeigen.

Anfang des Jahres kam ein neues Kind in den

Kindergarten. Und dieses Kind schaute mich den

ganzen Tag an. Ich fragte mich warum und diese Frage

kreiste den ganzen Tag durch meine Gedanken. Am

nächsten Morgen kam das Mädchen dann auf mich zu

und fragte: „Warum hast du einen dunklen Kopf?“ Ich

fragte mich, ob es noch nie einem Afrikaner begegnet

ist, obwohl es so viele Afrikaner in Deutschland gibt.

Erst einmal antwortete ich ihm, dass ich ganz viel

Schokolade esse. Aber danach erzählte ich ihm, dass

ich aus Afrika stamme, und meine Kollegin hat ihm

das auch noch einmal erklärt.

Mut und Motivation sind sehr wichtig. Ich bin mutig

– wenigstens sagen das meine Kollegen.

Sie denken dies, weil ich mich traue, ganz allein vor

den ganzen Kindern zu sprechen, z.B. wenn ich den

Morgenkreis führe. Oder wenn wir uns mit anderen

Kindergärten zu gemeinsamen Sportaktivitäten

treffen. Oder bei anderen Aktivitäten, wie dem

Lesen mit den Kindern. (Eine Maus ging in einem

tiefen, dunklen Wald spazieren. Ein Fuchs sah die

Maus und die Maus guckte ihn an. Wo gehst Du hin,

kleine, braune Maus? Willst du nicht bei mir im Bau

Götterspeise essen? Das ist schrecklich nett von dir,

Fuchs, aber ich muss zu Mittag schon beim Grüffelo

sein.) Diese Geschichte ist sehr lustig und interessant.

Kennt ihr sie nicht: DAS GRÜFFELO?

Die deutsche Kultur ist so faszinierend. Sie ist sehr

einzigartig, mit ihren Werten, Festen und Bräuchen.

Ich mag die Stereotypen über Deutschland. Es gibt

The German culture is so amazing. It is very unique

because of its values, celebrations and customs. I

like German stereotypes. There are many but I know

only a few: Germans are punctual and hardworking.

I am hoping to be hardworking and punctual when

I am back in Zambia (but also keeping Zambian

time). Germans drink a lot of beer (“Bitte ein Bit” an

advertising slogan for a beer called Bit-burger. “Please

a Bit” in English). There are many brands of beer and

wine. The German beer is very nice with “Wurst”

(SAUSAGE).

Eugine an Karneval/Eugine at Carnival

viele davon, doch ich kenne nur einige wenige:

„Deutsche sind pünktlich und arbeiten fleißig.“ Ich

hoffe, auch fleißig arbeiten zu können und pünktlich

zu sein, wenn ich wieder in Sambia bin (aber auch das

sambische Zeitgefühl zu behalten). „Deutsche trinken

viel Bier.“ („Bitte ein Bit.“ aus der Bitburger Werbung)

Es gibt viele Bier- und Weinsorten. Das deutsche Bier

schmeckt sehr gut zu Wurst.

In Deutschland gibt es viele Feste: fast jeden Monat

eins und sie sind ziemlich bunt. Im Moment bin ich

gespannt auf ein großes Fest, das Karneval genannt

wird, und hoffe, daran auch teilnehmen zu können.

Deutschland ist auch ein Land des Sports: die meisten

Menschen treiben hier Sport. Und mir als Sportler fällt

es auch leicht, beim Sport mit zu machen – genauer

beim Volleyball. Das Volleyballspielen hier macht mir

wirklich sehr viel Spaß und ich glaube, dass sich mein

Spiel sehr verbessert hat. Deshalb: Achtung, Sambia!

Manche Menschen mögen behaupten, Deutsche seien

nicht freundlich. Aber diese Meinung teile ich nicht.

Ich denke, was wichtig ist, ist die Persönlichkeit des

Einzelnen. Ich sage das aus dem Grund, weil ich

immer Hilfe erhalten habe, wenn ich danach gefragt

habe. Zum Beispiel hat man mir mit einem Lächeln

im Gesicht geholfen, als ich mich verlaufen hatte.

Und während des Freiwilligen-Seminars haben die

anderen Freiwilligen mir auch geholfen, obwohl ich

als einziger aus dem Ausland kam, nämlich, indem

sie für mich ins Englische übersetzten, wenn es an

neue Orte ging, und indem sie mich in ihre Spiele mit

einbezogen (z.B. beim Werwolf).

Außerdem habe ich gelernt, dass es wichtig ist,

über Dinge zu sprechen, um sich darüber klar zu

werden und um einen Konflikt zu lösen, wenn es

zu Missverständnissen kommt. So ist z.B. während

meiner letzten Woche ein Konflikt aufgetaucht, aber

er konnte durch Diskussionen gelöst werden. Wege

finden, Konflikte zu vermeiden, darum geht es beim

Darüber-Reden, und dann obsiegt der Friede.

Obwohl ich mein Zuhause vermisse, mag ich

Deutschland wirklich sehr. Mein Umfeld an und

für sich lindert das Heimweh und verhilft mir zu

Ausgeglichenheit.

Eugine Himunza (dt. Übersetzung Y.Kuchiba)

Germany has a lot of celebrations: almost every

month and they are so colorful. Right now, I am very

interested in the big celebration known as carnival and

I hope to attend it. Germany is also a land of sports

activities: most of the people are engaged in sports.

Being a sportsperson, it was easy for me to participate

in sports activities - more precisely, in volleyball. I

really enjoy playing volleyball here and I think my

skills have greatly improved: Zambia watch out!

Some people might say Germans are not friendly. I don’t

support this. I think what matters, is the personality of

a person. The reason why I say this is because whenever

I ask for help, I am helped. For instance, when I found

myself in a wrong place, I was helped with a smiling

face. And during the volunteers´ seminar week, my

fellow volunteers helped me although I was the only

one from out of the country: by translating to English,

when going to new places, involving me in games (for

example Werwolf).

I also have learned that it is important to talk about

something in order to clear up your mind and when

there is an issue of misunderstanding to solve a conflict.

For example, a conflict occurred during my last week

and it was solved through discussing. Finding ways to

avoid conflicts, that is talking about them and then

peace prevails.

Despite missing home, I really like Germany. The

environment itself heals and leads to inner peace.

Eugine Himunza


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Filmkritik zu Congo Calling

Film Review - Congo Calling

Congo Calling ist ein Dokumentarfilm von Stephan

Hilpert, der drei Europäer porträtiert, die in der

ostkongolesischen Stadt Goma leben und arbeiten.

Peter, der nach 30 Jahren Entwicklungszusammenarbeit

in den Ruhestand versetzt wird, sucht nach Wegen trotz

des knapper werdenden Geldes in Goma, das seine

Heimat geworden ist, zu bleiben. Der junge Spanier

Raúl forscht über Rebellengruppen im Ostkongo

und hadert mit der Machtposition, die ihm allein

durch seine Forschungsgelder und durch die Rolle

als Arbeitgeber seiner einheimischen Freunde zufällt.

Und Anne-Laure, die als Entwicklungshelferin nach

Goma gekommen ist, diese Arbeit aber aufgegeben

hat und nun Gomas größtes Musikfestival „Amani“

mitorganisiert, fragt sich, ob und wie ihre Beziehung

mit ihrem kongolesischen Freund Fred langfristig in

Goma funktionieren kann und ob sie die Kraft hat,

dauerhaft fernab ihrer Heimat Belgien zu leben.

Congo Calling stellt somit nicht die Armut der

Bevölkerung oder die Gewalt im Ostkongo in

den Mittelpunkt, sondern schildert sehr intim die

persönlichen Geschichten der drei Protagonisten, die

alle auf ihre Weise eng mit Goma verbunden sind.

Beeindruckt hat mich vor allem Raúl, der versucht,

wertfrei zu beobachten und dabei auf Kategorien wie

„richtig“ und „falsch“ zu verzichten. So lauscht er

unvoreingenommen der Erzählung eines ehemaligen

Rebellen, der ihm von dem Zauber seiner Mei-

Mei-Tätowierung berichtet, und versucht, selbst

als zwei seiner Mitarbeiter die ihnen anvertrauten

Forschungsgelder veruntreuen, sie angesichts der

Versuchung der „Säcke voll Geld“, die er „in einen

Ozean aus Armut“ bringt, nicht zu verurteilen.

Als ehemalige Freiwillige des ewe hat der Film mich

besonders bewegt. Das Leben in Goma, das in einer der

ärmsten und unsichersten Regionen der Welt liegt, und

in dem zwei Drittel der Bevölkerung Flüchtlinge sind,

ist sicherlich nicht direkt mit dem Leben in Mazabuka,

wo ich meinen Freiwilligendienstes 2014/15 verbracht

habe, vergleichbar: Blauhelm-Soldaten patrouillieren

die Straßen, die Dichte an Hilfsorganisationen und

Entwicklungshelfern ist extrem hoch und Gewalt und

Korruption sind stets präsent. Dennoch haben viele

Szenen des Films bei mir Erinnerungen an meine Zeit

Congo Calling is a documentary movie done by

Stephen Hilpert which portrays three Europeans who

live and work in the East-Congolese town of Goma.

Peter, who after 30 years of development assistance

work is going into retirement, is searching for a way to

stay in Goma, which has become is home, regardless of

the ever growing lack of money. The young Spaniard

Raúl is researching on the rebel groups in east Congo

and is in conflict with the role of leadership, which has

been bestowed upon him by his local friends solely

due to his research money and his role as employer.

Anne-Laure, who came to Goma as a development

worker but had to quit the job and is now organizing

Goma´s biggest music festival „Amani“, asks herself,

if and how her relationship with her Congolese

boyfriend Fred could work in the long term and if

she could master the strength to permanently live far

away from her home in Belgium.

Congo Calling, therefore, does not put the poverty of

the people nor the violence in east Congo front and

center, but depicts intimately the personal stories of the

three protagonists, who, in their own ways, are closely

connected to Goma. I was most impressed by Raúl,

who tries to view everything without bias and avoids

categorizing things as „right“ or „wrong“. He listens

unbiased to a former rebel, who tells him the story of

the magic in his Mei-Mei tattoo. Raul then tries not

judge two of his colleagues who are misusing research

money as they have been put under temptation when

he brought „bags of money“ in „an ocean of poverty“.

As a former EWE-volunteer, I was very touched

by the film. Life in Goma, which is in one of the

poorest and unsafe regions in the world and in which

two thirds of the population are refugees, cannot

be directly compared to life in Mazabuka, where I

did my voluntary service in 2014/15. UN-soldiers

patrol the streets, the number of aid-organizations

and development helpers is extremely high while

violence and corruption are at a permanent high.

However, several scenes from the film reminded me

of my time in Mazabuka: the Airtel shop at the street

corner, the music at the Amani festival or the fervent

in Mazabuka geweckt: Sei es der Airtel Shop an der

Straßenecke, die Musik beim Amani Festival oder das

inbrünstige Gehupe im Straßenverkehr. Und sie haben

Fragen, die ich mir während meiner Zeit in Sambia oft

gestellt habe, neu aufgeworfen: Welche Rolle hatte ich

in den Augen der Einheimischen allein durch meine

europäische Herkunft? Welche Hilfe können und

sollten ausländische NGOs vor Ort langfristig leisten?

Ist die Hilfe aus dem Norden sinnvoll oder verursacht

sie nur weitere Abhängigkeiten?

Der Film zeigt Situationen, die ich ähnlich erlebt

habe. So wird das Kamerateam auf der Straße von

Straßenkindern umringt, die rufen: „Ich will, dass ihr

uns ein Haus baut.“ „Wir wollen einen Pool und alles,

um wie die Weißen zu sein.“ „Wir lieben Goma. Wir

wollen wie die Weißen sein.“ Dass Kinder und auch

Erwachsene häufig davon ausgehen, dass man als

Weiße Geld und Reichtum besitzt, habe ich auch in

Sambia erfahren. Und ganz Unrecht haben sie damit ja

auch nicht. Selbst ich als Freiwillige hatte damals weit

mehr zur Verfügung als viele andere. Und ich hatte

immer die Sicherheit, im Notfall zur Bank gehen und

Geld abheben zu können. Trotzdem hat mich das Bild

als reiche Weiße irgendwann sehr gestört. Ich wollte als

Person und nicht als Weiße wahrgenommen werden.

Dass es nicht einfach ist, die unsichtbare Grenze

zwischen Ausländern aus dem globalen Norden und

Einheimischen zu durchbrechen, und dass dies im

Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit selten

gelingt, wird auch im Film thematisiert. So erzählt

Fred, dass Anne-Laure eine der wenigen Europäer

in Goma ist, die die virtuelle Grenze überwunden

hat, obwohl es dort von Entwicklungshelfern ja

nur so wimmelt. Genau das macht die Idee des ewe

so wichtig. Partnerschaft auf Augenhöhe, die sich

viele NGOs in der Entwicklungszusammenarbeit

attestieren, funktioniert nicht, indem man sie in

Leitbilder und Programme schreibt, sondern über

enge Kontakte, langsam aufgebautes Vertrauen und

mit der Zeit wachsende Freundschaften. Mit dem

Konzept, Freiwillige in Gastfamilien und Gemeinden

zu integrieren, macht es der ewe seinen Freiwilligen

verhältnismäßig leicht, die virtuelle Grenze zu

durchbrechen: Auch wenn ich am Ende meines

Jahrs auf der Straße nach wie vor mit Muzungu

angesprochen und nach Geld gefragt wurde, war ich

honking of the road traffic. Questions which I had

often asked myself during my time in Zambia were

also mentioned: what role did I play in the view of the

locals due to my European descent? What help could

and should foreign NGOs offer in the area on the long

term? Is aid from the north sensible or does it just lead

to further dependence?

The movie shows a situation which is similar to the

one I experienced. The camera team would be circled

by street children who shouted, „ I want you to build

us a house.“ „ We want a pool and everything to be

like the whites.“ „We live in Goma. We want to be

like the whites.“. I also experienced that in Zambia:

children and grown-ups alike, believe that being

white means having money and riches. And they are

not completely wrong. Back then as a volunteer, I had

much more than most and I had the security, in case

of an emergency, to go to the bank and withdraw some

money. Nonetheless, the depiction as „rich white

person“ really disturbed me. I wanted to be viewed

as a person and not as a „white“ person. The film

shows that it is not easy to break the unseen boarders

between the foreigners from the global north and the

locals and it is often not achieved through partnered

development work. Fred explains that Anne-Laure

is one of the few Europeans in Goma who managed

to break down the virtual barrier although Goma is

so full of development workers. This is exactly what

makes the idea of the EWE so important. Partnership

on the same level doesn‘t work by writing it down

in programs, as has been verified by several NGOs.

It works only through close contact, trust that is

built slowly and friendships that grow over time.

The EWE makes it much easier for its volunteers to

break through the virtual barrier with the concept of

integrating them in host families and communities.

Even though after the end of my year I would still be

called Muzungu on the streets and some would ask

me for money, I was no longer the rich white person

to my family and friends but their daughter, sister and

friend Lea.

It doesn‘t matter if one was once in Congo or somewhere

else in Africa, Congo Calling raises questions for the

viewer and provides food for thought on critically


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Mein dritter Bericht

My Third Report

für meine Familie und meine Freunde nicht mehr

die reiche Weiße, sondern ihre Tochter, Schwester,

Freundin Lea.

Egal, ob man schon einmal im Kongo oder anderswo in

Afrika war oder nicht, Congo Calling wirft Fragen beim

Zuschauer auf und gibt Denkanstöße zur kritischen

Hinterfragung von Entwicklungszusammenarbeit

und zur Rolle von Europäern im Ausland. Gerade für

Leser von ewe-aktuell, die alle irgendeinen Bezug zur

Thematik haben, ist der Film daher sehr sehenswert.

Dass er keinerlei Bewertung der Situation vor Ort

vornimmt und für die Fragen, die er aufwirft, keine

Lösungen präsentiert, finde ich persönlich sehr

ansprechend, sind doch auch wir Europäer mit

unseren Beurteilungen häufig zu voreilig.

von Lea Hennemann

Der Film wurde leider nur bis zum 9. Februar 2020 in

der ZDF-Mediathek frei zugänglich gezeigt.

Den Trailer kann man sich über folgenden Link

anschauen: https://jip-film.de/congo-calling/

Auf dieser Homepage lassen sich auch Termine für

Kinovorführungen des Films finden:

https://jip-film.de/im-kino

questioning development work and the role of

Europeans in foreign countries. For the readers of the

EWE magazine, who in any way have a connection to

the theme of the movie, I would recommend seeing

the movie. I personally find it appealing that the movie

neither evaluates the situation in Congo nor presents

and answers to the questions that it raises, we too as

Europeans are often in a rush to judge.

By Lea Hennemann

(English translation by Evans Chali)

Unfortunately, the film was shown for free only until

February 9th, 2020 on the ZDF-Mediathek.

The following link leads to the trailer: https://jip-film.

de/congo-calling/

The dates on which the movie can be seen (in

Germany) in the cinema can be found one the

following homepage: https://jip-film.de/im-kino

Seit meinem letzten Bericht ist die Zeit wirklich

schnell vergangen und in den letzten Tagen ist eine

Menge passiert.

Zunächst war da Weihnachten und alles. Ich war

wirklich erstaunt, wie sehr sich die Menschen hier

auf Weihnachten vorbereiten. Denn es gab schon

Ende November Weihnachtsdekoration und das war

für mich wirklich überraschend. In dieser Zeit waren

Eugine und ich bei Silja zuhause zu Besuch. Sie waren

wirklich sehr nett zu uns und haben uns vieles gezeigt.

Wir waren auch auf dem Aachener Weihnachtsmarkt,

der sehr schön und groß ist. Und ich hatte keine Idee

davon, wie ernst man hier Adventskalender nimmt.

Weihnachten war wirklich toll. Es war viel festlicher

als zuhause in Sambia.

Dann wenig später kam Neujahr, was auch toll war,

aber gleichzeitig auch schade, weil ich nämlich

arbeiten musste. Bei der Arbeit ist alles gut, alles ist in

Ordnung. Die Krankenschwestern sind sehr hilfsbereit

und ich lerne im Krankenhaus viel darüber, wie man

sich um Patienten kümmert und wie man ihnen

helfen kann, wenn sie einen brauchen. Aber genau

genommen, kann ich nicht viel machen, wenn es zum

Beispiel um die Verabreichung von Medikamenten

Beim Ausflug/On a trip Priscilla und Evans

Time has gone by really quickly since my last report

and a lot has happened in the past days.

First there were the Christmas holidays and all. I really

got stunned by how much people here prepare for

Christmas because I could see Christmas decorations

as early as the end of November and to me that was

really surprising. During this time Eugene and I went

to Silja´s place for the weekend and they were very

nice to us and showed us around. We also saw the

Christmas Market in Aachen which was nice and big.

I had no idea how much advent calendars are really

respected here. Christmas was really great here. It has

been way more festive than that in Zambia at home.

Then later came New Year and it was great but sad at

the same time because I had to go to work. Work is

going on just well and everything is fine. The nurses

are really helpful, and I am learning a lot from the

hospital about how to take care of patients and how to

help people when they need you. Actually, I do not do

a lot when it comes to giving medicine or things like

that because I am not allowed to. Therefore, I am only

helping the nurses.

I am also learning a lot about the lifestyle of people

here and about their daily lives. Most of the people I

have met are really active and do a lot of sports. One

of the most important things that people do here is

that they always plan their days. They plan ahead of

time which is really good and actually makes you look

more organized. As a matter of fact, I am also learning

to do that.

I had my third seminar a few days ago and I had a great

time there with everyone. Everything is fine and it is

better now because I can understand some German

now which is really helpful. I had fun at the seminar

and it even snowed there.

This time I even go for an art course and I also have

piano lessons. Everything else is fine as well because

I cut my timings fine in order to distract myself from

thinking about home too much. The language is still

hard for me to speak but I try my best. Engaging in

conversations with people actually helps a lot.

I have my art classes on Saturdays but not always.

Mostly they are every two weeks. And my piano

lessons: I have them every Tuesday. My host family


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Buchrezension

Book Review

oder Ähnlichem geht, denn das darf ich nicht. Deshalb

helfe ich den Schwestern nur.

Ich lerne auch viel über den Lebensstil und den

Alltag der Menschen hier. Die meisten, die ich bisher

kennengelernt habe, sind sehr aktiv und treiben

eine Menge Sport. Eines der wichtigsten Sachen,

die die Menschen hier machen, ist die Tage immer

durchplanen. Man plant im Voraus, was wirklich gut

ist, weil man dadurch besser organisiert scheint. Und

tatsächlich lerne ich auch zu planen.

Vor einigen Tagen fand mein drittes Seminar statt und

ich habe eine gute Zeit mit allen dort verbracht. Alles ist

gut und es ist auch besser als vorher, weil ich nun doch

einiges auf Deutsch verstehe, was natürlich hilft. Ich

hatte Spaß beim Seminar und es hat währenddessen

sogar geschneit.

Im Augenblick besuche ich sogar einen Kunstkurs

und ich habe auch Klavierstunden. Alles andere ist

auch gut, weil ich mir wenig zeitlichen Spielraum

lasse, um abgelenkt zu sein und nicht zu viel an

zuhause denken zu müssen. Es ist immer noch schwer

für mich, die Sprache zu sprechen, aber ich strenge

mich sehr an. Sich an Unterhaltungen von anderen zu

beteiligen, hilft da eine Menge.

Mein Kunstkurs ist samstags, aber nicht immer.

Meistens findet er alle zwei Wochen statt. Und

die Klavierstunden sind jeden Dienstag. Meine

Gastfamilie unterstützt mich wirklich sehr und sie

haben sehr viel Verständnis und sind sehr nett. An

einem der vergangenen Tage ist meine Gastmutter

mit zu meiner Arbeit gekommen, um

zu sehen, wo ich arbeite und wie die

Krankenstation ausschaut. Das war

sehr nett von ihr.

In den nächsten Tagen beginnt der

Karneval und fast jeder spricht davon,

wie toll Karneval ist und so. Ich weiß

nicht, ob wir zuhause auch so etwas

wie Karneval haben oder ob wir dafür

nur eine andere Bezeichnung haben.

Jedenfalls bin ich sehr gespannt darauf.

Priscilla Daka

(dt. Übersetzung von Y.Kuchiba)

is really supportive and they are really understanding

and kind. One of the past days my host mother went

with me to my workplace to see where I work and how

the ward is. That was really nice.

Carnival is starting the next few days and almost

everyone is talking about it and how great it is and

all. I don‘t know if we have something like carnival at

home or maybe it has another name but I can‘t wait

to see.

By Priscilla Daka

Schneeballschlacht/ Snowball fight

Zeichnung von/Drawing by Priscilla

„Why I‘m no longer talking to white people about race“

Mit ihrem Buch “Why I’m not longer talking to white

people about race” (2017) (deutscher Titel: „Warum

ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“)

schafft die Autorin Reni Eddo-Lodge es, Menschen auf

der ganzen Welt wachzurütteln und uns postkoloniale

Strukturen in unserer heutigen Welt aufzuzeigen.

Ehrlich, reflektiert und sehr taff berichtet die

Journalistin aus London von ihren Erfahrungen als

schwarze Frau in einem weitgehend von Männern

und Weißen dominierten Land: Großbritannien.

Eddo-Lodge wuchs in London auf und beschäftigte

sich schon früh mit postkolonialen Machtgefällen,

weißen Privilegien und den Zusammenhängen

zwischen Rassismus, Klassismus, Feminismus und

Kapitalismus.

Ja, das sind viele, riesige Begriffe auf einmal, das wirkt

vielleicht erstmal abschreckend und anstrengend.

So dachten wohl auch viele Menschen im Umfeld

der Autorin. Sie berichtet von Freunden und

Bekannten, die nicht zuhören wollen und denen die

Auseinandersetzung mit den eigenen Privilegien

besonders unangenehm zu sein scheint. Weiße, die

behaupten, sie hätten nichts mit Rassismus zu tun,

schließlich seien zwei von ihren Freunden schwarz.

Männer, die leugnen, dass sie Privilegien genössen,

schließlich gäbe es ja Frauenquoten, daher hätten sie

viele weibliche Kolleginnen.

Aus lauter Frustration, wie wenige Menschen

wirklich bereit sind, sich mit ungerechten Strukturen

auseinanderzusetzen, schrieb Eddo-Lodge auf ihrem

Blog, warum sie sich nie wieder mit Weißen über

Rassismus unterhalten möchte. Und daraufhin

bekam sie plötzlich so viel Zuspruch von Menschen

aus aller Welt, dass sie genau deren Gedanken

endlich ausgesprochen hätte oder dass sie unbedingt

weiterkämpfen soll, dass sie sich entschloss, das

Thema doch wieder aufzunehmen und ein Buch zu

schreiben.

Mich persönlich hat das Buch zuerst unglaublich

mitgenommen. Ich hatte als weiße Leserin das Gefühl,

With her book „Why I‘m no longer talking to white

people about race“ (2017), the author Reni Eddo-

Lodge manages to wake up all people in the world and

to show us post-colonial structures in today´s world.

She, a journalist from London, reports honestly,

reflected and tough about her experiences as a black

woman in a country mostly dominated by men and

whites: Great Britain. Eddo-Lodge grew up in London

and from a young age, she made herself aware of the

post-colonial power imbalance, white privilege and

the connection between racism, classism, feminism

and capitalism.

Those are all quite big words and one might find them

scary and overwhelming. Many people who were with

the author thought so too. She reports of friends and

acquaintances who did not want to listen to her and

whom the confrontation over their privilege seemed

to make very uncomfortable. Whites who believe

that they have nothing to do with racism since two

of their friends are black. Men who deny that they are

privileged since there exists a female quota and hence,

they have several female colleagues.

Eddo-Lodge was so frustrated of how few people

were really ready to confront unfair structures that

she wrote on her blog of how she would never again

speak with whites about racism. She then suddenly

got several responses from people all over the world,

who thought that she had spoken of what they also

thought was true and that she should not give up. She

then decided to take up the problem again and write

a book about it.

I, personally, was carried away by the book. I had the

feeling as a white person, that I was placed in one

category with all other white people. I constantly

try to treat everyone equally, to be sensible of other

cultures and nationalities and I see myself as an open

and curious person. Why then would the author

throw complaints at me, that I had it easy simply

because of my privilege, and that I didn‘t even believe

this privilege existed.


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mit allen anderen Weißen in eine Schublade gesteckt

zu werden – dabei bemühe ich mich doch stets, allen

Menschen gleich zu begegnen, sensibel mit anderen

Kulturen und Herkünften umzugehen, und sehe mich

generell als weltoffenen und neugierigen Menschen.

Warum also maßt sich die Autorin in ihrem Buch an,

mir vorzuwerfen, ich hätte ein einfaches Leben nur

aufgrund meiner Privilegien, und würde diese noch

nicht mal wahrnehmen?

Erst nach längerem Nachdenken fiel mir auf, dass

ich gerade durch das Zusammenstecken mit anderen

Weißen in eine Schublade genau das erlebte, was

Schwarze, Indigene und People of Colour (BIPoC)

immer wieder durchleben: Stereotypisierung. Und

durch mein Sträuben gegen diese Stereotypen verhielt

ich mich genauso, wie es von mir als Weiße erwartet

wurde – denn während beispielsweise „Afrikaner“ in

vieler Hinsicht immer als fest zusammengehörende

Gruppe betrachtet werden, betrachten wir Weißen

uns selten als eine homogene Masse mit denselben

Idealen und kulturellen Werten.

Eddo-Lodge schafft es, die Machtverhältnisse dieser

Welt einmal umzukehren. Und mutet jede*r weißen

Leser*in das Gefühl zu, einmal diskriminiert und

vorverurteilt zu werden. Zu Recht.

Das Buch hat mich bzw. meine Sicht auf die Welt in

vielen Hinsichten bereichert und erweitert. Obwohl ich

nicht alle geschilderten Erfahrungen nachvollziehen

kann und nicht allen Aussagen sofort zustimmen

würde – und das muss ich ja auch gar nicht – war es

doch unglaublich wichtig für mich zu erleben, wie es

sich anfühlt, so verurteilt zu werden. Und das ja noch

nicht mal durch ein reales Gegenüber.

Ich bin mir der Tatsache viel bewusster, dass unsere

kapitalistischen Wohlstandsstrukturen noch immer

auf unserer kolonialen Vergangenheit aufbauen,

dass Machtgefälle zwischen globalem Norden und

globalem Süden nach wie vor existieren, dass ich als

weiße Person viele Privilegien besitze, derer ich mir

erst einmal bewusst werden musste. Und ich habe

festgestellt, dass sich rassistische Strukturen nicht durch

Schweigen und Farbenblindheit, sondern nur durch

offene Gespräche, viel Zeit und Auseinandersetzung,

Only after some thought did I realize that by being

put into one category with all white people, I was

experiencing that which black people, the Indigenous

and People of Color (BiPoc) experience continuously:

stereotyping. And by being ruffled up by this

stereotyping, I behaved as was expected of me as

a white person. Since Africans are often viewed as

a closely connected group, we as whites rarely view

ourselves as a homogenous mass with similar ideals

and cultural values.

Eddo-Lodge therefore manages to turn the relationship

of power. She brings every white reader to feel how it

is, to be discriminated against and prejudiced. And

rightly so.

The book helped me to grow and enrich my views on

the world. Even though I could not imagine all the

experiences that were portrayed nor could I agree

with all that was said - and I do not have to -, it was

very important to experience the feelings that come

along with being discriminated against. And that was

not even through real confrontation.

I now know clearer that our capitalistic structures are

still built on our colonial history, that the imbalance

of power between the Global North and the Global

South still exists, that I, as a white person, have several

privileges, which I had to learn of first. I now believe

that racist structures cannot be fought through silence

nor colorblindness, but through open conversation,

time, confrontation and self-reflection. As a feminist,

my goal should be equality for all people and not just

men and women.

To those as interested in themes like racism and

sexual inequality in our everyday life as I am, and

those who are ready to confront themselves in all

dimensions, I strongly recommend this book done by

an unbelievably fascinating woman.

By Jolina Bilstein (English translation by Evans Chali)

und viel Selbstreflektion bekämpfen lassen. Besonders

als Feministin sollte mein Ziel die Gleichberechtigung

aller Menschen sein, nicht nur die Gleichberechtigung

von Mann und Frau.

Wen Themen wie rassistische und

geschlechterbegründete Ungerechtigkeiten in

unserem Alltag genauso interessieren und erschüttern

wie mich, und wer bereit ist, sich selbst einmal in allen

Dimensionen zu hinterfragen – dem lege ich dieses

Buch von einer unglaublich faszinierenden Frau sehr

ans Herz.

von Jolina Bilstein

Reni Eddo-Lodge: “Why I´m No Longer Talking

to White People About Race”

Bloomsbury Circus, 2017 (272 pages)

Deutsche Ausgabe: „Warum ich nicht länger mit

Weißen über Hautfarbe spreche“

Aus dem Englischen von Anette Grube erschienen

bei Tropen 2019, 263 Seiten, 18 Euro

Deutsche Weltwärts-Freiwillige beim Zwischenseminar in Tanzania/ german volunteers evaluation seminar in Tanzania

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