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Sonderbeitrag zum 150-Jahr Jubiläum Alpenverein Villach

KLAUS DALMATINER & HELMUT LANG

SONDERAUSGABE

Der Villacher Alpenverein

und seine Geschichte von 1870 bis 2020


Vereinsgründung

und die ersten Vereinsjahre

Vor dem Jahr 1857 gab es keine alpinen Vereine. Es war nur sehr wenigen Menschen

möglich, die Alpen zu bereisen und Berge zu besteigen. Erst mit dem Ausbau eines

Eisenbahnnetzes begann sich dies langsam zu ändern. 1857 wurde „The Alpine Club“

in London als erste alpine Vereinigung gegründet. Es folgten 1862 die Gründung des

Österreichischen Alpenvereins in Wien und 1869 diejenige des Deutschen Alpenvereins

in München.

Im Dezember des Jahres 1869

beschlossen die Herren Anton

von Rauschenfels, Anton

Moritsch, Karl Ghon und Leonhard

Hyrenbach, auch in Villach eine

Sektion des Alpenvereins zu

gründen. Mitte Mai 1870 fand die

konstituierende Hauptversammlung

statt und schon am 26. Mai

1870 wurde bei der Generalversammlung

des Deutschen Alpenvereins

in München die Gründung

der „Sektion Villach“ als 24. Sektion

des damaligen Deutschen

Alpenvereins bekanntgegeben.

Da der Deutsche Alpenverein im

Mai 1869 gegründet wurde und

die im ersten Vereinsjahr (also

bis Ende Mai 1870) dem Deutschen

Alpenverein beigetretenen

Vereine als Gründungssektionen

gelten, ist der Villacher Alpenverein

die jüngste Gründungssektion

des Deutschen Alpenvereins!

Die Sektion hatte 1870 bereits

60 Mitglieder und der gewählte

Ausschuss bestand aus dem Ingenieur

Anton von Rauschenfels, dem

Fabriksbesitzer Anton Moritsch,

den Kaufmännern Carl Ghon und

Leonhard Hyrenbach und dem Maler

Jakob Canciani.

Der Villacher Alpenverein versuchte,

nach seiner Gründung in

den Kärntner Bergen Hütten zu

erwerben oder zu errichten und

Vereinsgründung und die ersten Vereinsjahre bis 1880 . . . . . . . . . . . .S. 2

Hermann Findenegg: Obmann von 1880 bis 1896 . . . . . . . . . . . . . . . .S. 4

Die Entwicklung des Villacher Alpenvereins von 1896

bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .S. 6

Der Villacher Alpenverein in der Zeit von 1919 bis 1945 . . . . . . . . . . . .S. 8

Der Neubeginn der Vereinsarbeit im Villacher Alpenverein

nach dem Zweiten Weltkrieg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 10

Klaus Kummerer: Erster Vorsitzender von 1986 bis 2007 . . . . . . . . . S. 14

Der Villacher Alpenverein von 2007 bis heute . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 16

2

Quellen: Rückblicke in die Geschichte des Villacher Alpenvereins im Magazin „Auf Tour“, Hefte 1-4/2016, 1/2017, 3 und 4/2017, 1-4/2018, 1-4/2019.

Sitzungsprotokolle des Villacher Alpenvereins von 2013 bis 2019


die Berge durch den Bau von

Wegen zugänglich zu machen.

Der Dobratsch, als Hausberg von

Villach, war für den jungen Verein

von besonderer Bedeutung.

Schon bei der Vereinsgründung

bestand die Absicht, so bald wie

möglich auf dem Gipfel des Dobratsch

Unterkunftshäuser mit 60

Schlafstellen zu errichten – also

für jedes der 60 Gründungsmitglieder

eine Schlafstelle! In den

Jahren 1871 bis 1872 wurden

am Dobratsch das Rudolfshaus

mit 40 Betten errichtet und die

vom Gewerken Paul Mühlbacher

begründeten „Villacher-Alpen-

Häuser“ in Pacht genommen. Das

Mühlbacherhaus erhielt einen

Zubau mit 20 Schlafstellen.

1873 bis 1874 wurden am Mangart

(damals „Manhart“ genannt)

eine Hütte errichtet und ein Weg

zur Hütte angelegt. 1880 wurde

die erste Hütte am Wischberg

(die Traufwandhütte) erbaut und

1881 folgte die Villacher Hütte

auf den „Langen Böden“ östlich

der Hochalmspitze. Somit besaß

der Villacher Alpenverein nur wenige

Jahre nach seiner Gründung

bereits vier Hütten. Nur die Villacher

Hütte ist auch heute noch im

Besitz unserer Sektion und somit

unsere älteste Hütte.

In den ersten zwölf Vereinsjahren

bewies die Sektion Villach

aber auch mehrmals ihr soziales

Engagement. So führte die

Sektion Villach 1879, nachdem

mehrere Staublawinen vom Dobratsch

abgegangen waren und

einen Teil von Bleiberg und Hüttendorf

verschüttet und zerstört

hatten, eine Sammlung

durch, womit vielen

Geschädigten rasch geholfen

werden konnte.

1882 leisteten nach

einem Hochwasser in

Oberkärnten die Sektion

Villach und der

Gesamtverein umfassende

Hilfe. Die Sektion

Villach sammelte

Spenden in der Höhe

von 16.000 Gulden. Mit

diesem Geld konnte 1.384 Familien

geholfen werden.

Im Jahre 1876 organisierte

der Verein zum ersten Male eine

Tanzveranstaltung im Casino in

Villach. Nachdem diese ein voller

Erfolg war, wurden ab dieser Zeit

regelmäßig „Alpenvereins-Kränzchen“

veranstaltet. 1882 meldete

der Kassier des Vereins, Anton Moritsch,

dass das Vereinskränzchen

am 1. Feber 1882 in den Räumen

des Casinos vorzüglich besucht

war und die Veranstaltung für

den Verein einen Reinertrag von

84,50 Gulden ergab.

Während der ersten 10 Vereinsjahre

gab es häuige Änderungen

in der Vereinsleitung, was den

raschen Aufschwung des Vereines

vorübergehend hemmte. Mit

der Wahl von Hermann Findenegg

zum 1. Vorsitzenden im Jahre

1880 konnte diese kritische Phase

überwunden werden.

Anton von Rauschenfels

Die Sektion hatte 1870 bereits 60 Mitglieder und der gewählte

Ausschuss bestand aus Anton von Rauschenfels, Anton Moritsch,

Carl Ghon, Leonhard Hyrenbach sowie Jakob Canciani.

© AV-Villach

3


Hermann Findenegg

Obmann von 1880 bis 1896

4© AV-Villach

Hermann Findenegg wurde am

10. Feber 1850 in Limmersdorf

bei Klagenfurt geboren. Er

studierte Pharmazie und

übersiedelte 1875 nach Villach.

Hier übernahm er die Leitung

der Apotheke am Kirchenplatz.

Hermann Findenegg

wurde 1877 Mitglied

des Villacher Alpenvereins

und er war seit diesem Jahr

im Verein als Schriftführer tätig.

Er war aber auch ein ausgezeichneter

Alpinist, dem mehrere Erstbesteigungen

gelangen; darüber

berichtete er in den Zeitschriften

des Alpenvereins. So konnte

er 1877 die Erstbesteigung des

Bramkofels (heute Montasch/

Jôf di Montasio) melden. Der alte

Findenegg-Weg von der Forca

dei Disteis über die Suringar-Biwakschachtel

auf den Montasch

ist noch heute eine von Alpinisten

häuig begangene Route. Bei

einer Tour zur Erforschung der

Petzeck-Gruppe verunglückte

er; bei einem Absturz erlitt er

schwere Verletzungen.

Im Jahr 1880 wurde Hermann

Findenegg zum Obmann des Vereines

gewählt. Damit endete

die für unseren Verein kritische

Zeit der häuigen

Änderungen in der

Vereinsführung. In

seiner bis Ende

des Jahres 1896

dauernden Amtszeit

als Vorsitzender

erlebte der Villacher

Alpenverein

einen ungeheuren

Aufschwung. So

hatte die Sektion

Villach im Jahr 1882

bereits 170 Mitglieder,

nach 149 im Vorjahr.

Laut Rechnungsbericht

des Vereinskassiers

Anton Moritsch hatte die Sektion

Villach im Jahre 1882 Einnahmen

in der Höhe von 1.162,66 Gulden,

denen Ausgaben von 1.028,76

Gulden gegenüberstanden.

Während Findeneggs Amtszeit

als Erster Vorsitzender des

Villacher Alpenvereins wurden

fünf Schutzhütten erbaut. Im Jahr

1883 erfolgte der Wiederaubau

der 1882 durch ein Unwetter zerstörten

Manharthütte. 1884/85

entstand die Feldnerhütte in der

Kreuzeckgruppe. Es folgte 1885

die „erste“ Mittagskogelhütte

(seit 1886 Berthahütte). Im Jahr

1889 wurde die Goldeckhütte

und 1896 die Seisera-Hütte errichtet.

Hermann Findenegg organisierte

nach den Hochwasserkatastrophen

der Jahre 1882 und

1885 auch große Hilfsaktionen.

Seine Ehefrau Bertha Findenegg

hat ihn tatkräftig unterstützt und

sich besonders für die Hütte am

Mittagskogel eingesetzt. Diese

wurde daher nach ihr „Berthahütte“

benannt. Die nunmehr

dritte Bertahütte trägt ihren Namen

noch heute.

Nach den ersten Gründungsjahren

hatte die Sektion Villach

in den achtziger Jahren des 19.

Jahrhunderts eine Größe erreicht,

die eine Aufteilung des Aufgabengebietes

erforderlich machten.

Es wurden daher die Gauverbände

Tarvis, Oberdrautal, Bleiberg,

Paternion, Ober- und Untergailtal

und Weißensee gegründet.

Der Gau Oberdrautal erbaute

1884/85 in der Kreuzeckgruppe

seine erste Schutzhütte, die bereits

oben erwähnte Feldnerhütte.

Neben dem Wege- und Hüttenbau

gewannen für die Sektion

Villach auch Forschungsarbeiten

immer mehr an Bedeutung. So

beschloss der Villacher Alpenver-


ein im Jahr 1887, in Villach eine

Wetterstation zu errichten. Sie

wurde am 13. März 1888 als meteorologische

Station II. Ordnung

am linken Ufer der Drau, direkt

neben der alten Draubrücke, eröffnet

und viele Jahre von Peter

Straschill betreut. Erst als man in

Villach im Jahr 1965 eine neue

Draubrücke errichtete, wurde die

Wettersäule entfernt.

© Museum der Stadt Villach

Wetterstation 1888

Wetterstation 1958

Ernst Pliwa

war Direktor der

Fachschule für

Holzbearbeitung

in Villach und

auch Mitglied des

Villacher Alpenvereins.

Im Jahr

1889 regte Ernst Pliwa den Bau

eines Reliefs von Kärnten an.

1890 beschloss die Sektion Villach,

das Relief zu errichten. Die

Stadtgemeinde Villach stellte

im Bereich des Schillerparks ein

Grundstück zur Verfügung. Bis

1891 wurden Geldspenden von

3.000 Gulden gesammelt, sodass

mit dem Bau des Reliefs begonnen

werden konnte. Ernst Pliwa

übernahm den Beginn der Arbeiten.

Er wählte für das Relief einen

Längenmaßstab von 1:10.000

und für die Höhe 1:5.000, um

auch das Mittelgebirge deutlich

wahrnehmbar zu machen. 1898

wurde Ernst Pliwa in das Ministerium

für öffentliche Arbeiten

nach Wien berufen. Er förderte

aber weiterhin die Fertigstellung

des Reliefs.

Die Arbeiten am Relief wurden

erst von Josef Paikert, dann

von Josef Rautter und ab

1899 von Gustav Goebel

weitergeführt. Die Sektion

Villach konnte aber

die notwendigen Kosten

für die Vollendung und

Überbauung des Reliefs

nicht aubringen. aubringen. Der

Villacher

Alpenverein

beschloss daher in

der

Jahreshauptversammlung

1907, das

Relief – so, wie es bis

dahin

fertiggestellt

war – in das Eigentum

der Stadt Villach

zu übergeben.

Im Jahresbericht für

1907 ist hiezu angeführt:

„Wir müssen

uns damit begnügen,

die Hauptsache, die

plastische

Arbeit,

geschaffen zu haben.“

Die Bemalung des Reliefs erfolgte

durch den Geoplasten Paul Oberlercher.

Die Stadt Villach errichtete

1913 ein Haus mit Oberlichte

und Galerie und machte das Relief

so allgemein zugänglich. Es ist

auch heute noch – als Außenstelle

des Museums der Stadt Villach –

eine wichtige Touristenattraktion

der Stadt.

Die Zahl der Mitglieder des Villacher

Alpenvereins hat sich während

der Amtszeit von Hermann

Findenegg vervielfacht. Von 57

Mitgliedern im Jahr 1880 ist sie

auf 348 Mitglieder im Jahr 1896

angestiegen.

1896 musste Hermann Findenegg

aus berulichen Gründen

nach Niederösterreich übersiedeln

und er legte daher sein Amt

zurück.

Im Jahresbericht des Vereins

von 1896 ist dazu angeführt: „Es

ist dies der größte Schlag, der die

Section seit ihrem Bestehen getroffen

hat. Denn mit dem Wachsen

und Werden unserer Section

ist der Name Findenegg unlösbar

verknüpft. Wenn wir Großes geschaffen

haben, so haben wir es

vorzugsweise ihm zu verdanken.“

Findenegg blieb aber weiterhin

Mitglied des Villacher Alpenvereins.

1898 bekam er eine Konzession

für eine Apotheke in Ferlach

und konnte nach Kärnten zurückkehren.

Seine Freude über seine

Rückkehr nach Kärnten währte

aber nicht lange. Er verstarb bereits

am 9. Jänner 1901. Laut Jahresbericht

der Sektion Villach von

1901: „… raffte ein tückisches Leiden

den Unermüdlichen dahin.“

An der Stelle der 1880 errichteten

Wischberghütte errichtete

die Sektion Villach im Jahr 1902

eine neue Hütte, die – zu Ehren

des verstorbenen Vorsitzenden –

Findenegg-Hütte benannt wurde.

Im Ersten Weltkrieg wurde diese

Hütte zerstört. Im Jahr 1925

wurde in der Nähe der alten Findenegg

Hütte vom CAI Triest eine

neue Hütte errichtet, die den Namen

Guido Corsi Hütte erhielt.

Hermann Findenegg war aber auch ein ausgezeichneter Alpinist.

Er unternahm mehrere Erstbesteigungen, welche von ihm in den

Zeitschriften des Alpenvereins veröffentlicht wurden.

5


Die Entwicklung des Villacher Alpenvereins

bis zum Ende des Ersten Weltkriegs

Nach dem Ausscheiden von Hermann Findenegg als Erster Vorsitzender im Jahr 1896 wurde

Professor Adolf Gstirner zu seinem Nachfolger gewählt. Doch schon im Jahr 1898 gab es

zwei weitere wichtige Änderungen im Villacher Alpenverein: Adolf Gstirner wurde nach Graz

versetzt und musste daher sein Amt als Vorsitzender des Villacher Alpenvereins zurücklegen.

Als Nachfolger wurde Ludwig Walter zum Ersten Vorsitzenden gewählt.

Das Ludwig-Walter-Haus wurde

am 28. Juli 1907 feierlich eröffnet.

Im gleichen Jahr wurde aber

auch die Sektion Ober-Drautal

(heute Sektion Spittal an

der Drau) gegründet. Dies führte

zu einem kurzfristigen Rückgang

der Mitgliederzahl, da 36 Vereinsmitglieder

der Gaue Spittal und

Greifenburg der neuen Sektion

beitraten. Ab 1898 gehörten zur

Sektion Villach daher neben dem

Vorort Villach nur mehr die Gaue

Tarvis, Bleiberg,

Paternion und

Weißensee.

Im Jahr 1891

gab es einen

„Aufruf“ des

Deutschen und

Österreichischen

Alpenvereins an

seine Sektionen,

sich an Gletscherbeobachtungen

zu beteiligen.

Nachdem der Klagenfurter

Gymnasialprofessor Hans Angerer

1898 im Bereiche des Ankogels

und der Hochalmspitze mit alljährlichen

Gletscherbeobachtungen

begonnen hatte, setzten ab

Das Ende des 1. Weltkrieges brachte für den Villacher Alpenverein

den Verlust seines wichtigsten Arbeitsgebietes, der Julischen

Alpen. Auch unsere dort befindlichen Alpenvereinshütten und das

vom Verein mit vielen Mühen erbaute Wegenetz waren verloren.

6

1925 durchwegs Mitglieder des

Villacher Alpenvereins diese Messungen

bis heute fort.

Im Jahr 1900 feierte die Sektion

Villach ihren 30-jährigen Bestand.

Der Villacher Alpenverein

hatte in dieser Zeitspanne ein bedeutendes

Netz an alpinen Wegen

geschaffen. In diesem Jahr ging

aber auch ein großer Wunsch

vieler Vereinsmitglieder in Erfüllung.

Dank der Bemühungen von

Notar Josef Fresacher gelangten

die Villacher Alpenhäuser in den

Besitz des Villacher Alpenvereins.

In diesem Jahr wurde auch erstmals

ein Bergführerkurs in Villach

abgehalten, an dem 15 Bergführer

teilnahmen.

1902 entstand, wie bereits im

Abschnitt über Hermann Findenegg

erwähnt, als Ersatz für die

1880 erbaute Wischberghütte (die

„Traufwandhütte“) eine neue Hütte,

die im Gedenken an den 1901

verstorbenen langjährigen Ersten

Vorsitzenden Hermann Findenegg

dessen Namen erhielt. Leider war

auch dieser Hütte kein langer Bestand

beschieden. Sie wurde im

Ersten Weltkrieg zerstört.

Die Zahl der Bergwanderer

hatte sich in den ersten drei Jahrzehnten

seit der Vereinsgründung

vervielfacht. Eine Folge davon

war, dass auch die Unfälle in

den Bergen zunahmen. So gab es


allein 1902 in der Sektion Villach

3 Bergunfälle. Die Sektion begann

daher mit dem Aubau eines Rettungsdienstes

in Kärnten. Es wurden

in Villach, Bleiberg, Raibl und

Wolfsbach alpine Meldestellen

eingerichtet. Unter der Leitung

von Ludwig Walter wurden auch

die Bergführerkurse neu organisiert.

Im Jahr 1904 ist der Alpenverein

Villach der Organisation

des alpinen Rettungswesens beigetreten.

1905 wurde unter der Leitung

und tatkräftigen Unterstützung

des Ersten Vorsitzenden und

Stadtbaumeisters Ludwig Walter

nach umfangreichen Vorarbeiten

mit dem Bau eines Hauses am

Gipfel des Dobratsch begonnen.

Die Eröffnung des Hauses erfolge

am 28. Juli 1907 mit einem großen

Fest.

Ludwig Walter legte bald den

Vorsitz in der Sektion Villach zurück.

Als sein Nachfolger wurde

Josef Aichinger 1907 zum Ersten

Vorsitzenden des Vereins

gewählt. Josef Aichinger war

Apotheker; er kam 1888 nach

Bleiberg, wo er die dort frei gewordene

Apotheke erwarb. Kaum

nach Bleiberg gezogen, trat er der

Sektion Villach bei. Im Jahr 1900

übersiedelte er nach Villach und

1901 wurde er stellvertretender

Vorsitzender der Sektion Villach.

Nach dem Rücktritt von Ludwig

Walter wurde er Erster Vorsitzender

und er war auch Mitglied

im Hauptausschuss des Gesamtvereines.

Josef Aichinger war ein hervorragender

Bergsteiger. Er bestieg

ohne Führer das Matterhorn und

den Piz Bernina, weshalb er in

Schweizer Zeitungen heftig angefeindet

wurde. Dazu Aichinger:

„Eine führerlose Besteigung

verstieß gegen die hergebrachte

Sitte und brachte Gefahr, dass

unser Beispiel nachgeahmt und

dadurch der Verdienst der Führer

geschmälert werde und das durfte

nicht sein.“

Im Jahr 1910, also zum 40-jährigen

Bestand des Villacher Alpenvereins,

wurde die Mitgliederzahl

von 400 überschritten.

Im gleichen Jahr wurde auch ein

Jubiläumsweg von der Seisera auf

den Montasch/Bramkofel erbaut,

der laut Aichinger „das Entzücken

aller seiner Begeher hervorrief“.

Er veröffentlichte auch mehrere

alpine Artikel in verschiedenen

Zeitschriften, leitete viele Bergsteigerkurse

und verfasste dafür

die im Hauptausschuss erschienene

Schrift „Die Technik des

Bergsteigens.“

Aichinger war aber auch ein Pionier des Schilaufs

in Österreich. Ihm zu Ehren wurde die Schihütte

auf dem Dobratsch „Aichingerhütte“ benannt.

Aichinger war aber auch ein Pionier

des Schilaufs in Österreich.

1895 veröffentlichte er den vielbeachteten

Aufsatz „Der norwegische

Schneeschuh im Dienste

des Alpinismus, eine Schiabfahrt

vom Dobratsch.“ Ihm zu

Ehren wurde die Schihütte

auf dem Dobratsch

„Aichingerhütte“ benannt.

Im Ersten Weltkrieg, von

1915 bis 1916, wurde Aichinger

die Leitung der

militärischen Schikurse

des 10. Armeekommandos

übertragen. Im Herbst

1918 wurde der bestens

durchtrainierte Aichinger

von einer Grippe befallen,

von der er sich nie mehr

erholen konnte. Er verstarb

am 12. April 1919 in

Villach.

Josef Aichinger

Der Erste Weltkrieg brachte

auch für den Villacher Alpenverein

gewaltige Verluste und Änderungen.

An einem einfachen

Detail wird das sofort ersichtlich.

Hatten die Jahresberichte des Alpenvereins

bis zum Beginn des

Weltkrieges in der Regel einen

Umfang von 54 bis 60 Seiten, so

gab es während des Krieges nur

noch ein Blatt!

Aus dem Jahresbericht für

1914: „Die Zahl der Mitglieder ist

zurückgegangen und beträgt mit

1. Jänner 1915 428. Der Betrieb

unserer sechs Hütten, der uns in

anderen Jahren viel Arbeit verursacht,

aber auch die hauptsächlichste

Einnahmequelle gebildet

hatte, musste mit Beginn der

Mobilisierung größtenteils eingestellt

werden.“

Aus dem Jahresbericht für

1915: „Als wir vor einem Jahre an

Stelle des gewohnten Tätigkeitsberichtes

unseren Mitgliedern

ein einfaches Blatt Papier mit wenigen

Druckzeilen vorlegten, gaben

wir uns der frohen Hoffnung

hin, im Jahre 1915 den mörderischen

Krieg, der unsere friedliche

Tätigkeit unterbrach, beendet zu

sehen ...“

© AV-Villach (2)

7


Fortsetzung

Die Entwicklung des Villacher Alpenvereins

bis zum Ende des Ersten Weltkriegs

8

Die sich rasch zuspitzende

Lage an der Wischberg-Front

veranlasste das Armeekommando,

besonders erfahrene

Alpenvereinsmitglieder als Alpinberater

einzuberufen. Julius

Kugy war wohl der bekannteste

unter diesen erfahrenen

Männern. Er wurde am 19. Juli

1858 in Görz geboren und ist

am 5. Feber 1944 in Triest verstorben.

Anlässlich seines 110. Geburtstages

wurde an seinem

Geburtshaus in Görz vom CAI

Gorizia und von der Sektion

Villach eine Gedenktafel enthüllt.

Auch an seinem Vaterhaus

in Lind bei Pöckau wurde

eine Gedenktafel angebracht.

Anlässlich des 150. Geburtstags

von Julius Kugy im Jahr

2008 beschloss der Vorstand

des Landesverbandes Kärnten,

bei der Österreichischen

Post eine eigene Briefmarke in

Auftrag zu geben. Es wurden

3.400 Stück der von Elis Zedrosser

gestalteten Briefmarke

aufgelegt. In Görz fand eine

große Feier aus Anlass des 150.

Geburtstages von Julius Kugy

statt. Die Festredner aller drei

Länder (Österreich, Slowenien

und Italien) würdigten ihn „als

Menschen ohne Nationalismus,

Vorurteile oder Ressentiments

und dass er durch seine Weltaufgeschlossenheit

zu einem

Vorreiter der Europäischen

Union in unserem Dreiländereck

geworden ist.“ Julius Kugy,

der sowohl Deutsch als auch

Italienisch beherrschte und

zu allen drei Kulturkreisen intensiven

Kontakt plegte, ist in

dieser Hinsicht noch heute ein

großes Vorbild. Kugy war nicht

nur ein bedeutender Alpinist

und Erschließer der Julischen

Alpen, er war auch Schriftsteller,

Musiker und ein Naturfreund

mit umfangreichen botanischen

Kenntnissen.

Ein bezeichnender Eintrag

im Jahresbericht für 1918 lautet:

„Die im Jahresbericht über

das 44. Vereinsjahr geäußerte

Befürchtung, dass der Ein-

luss des Krieges einen starken

Rückgang der Mitgliederzahl

mit sich bringen wird, hat sich

in erschreckender Weise als

Tatsache ergeben.“ Bis 1916

war die Zahl der Mitglieder auf

223 gesunken.

In den letzten Monaten vor

dem Ende des Ersten Weltkriegs

gab es noch ein wichtiges

Ereignis. Der Holzindustrielle

Albert Wirth war ein

Mitglied unserer Sektion. Im

Mai 1918 schenkte er dem

Deutschen und Österreichischen

Alpenverein ein 4.072 ha

großes Areal im Bereiche des

Großglockners. Die Schenkung

war mit einem konkreten Auftrag

verbunden: Der Alpenverein

sollte sich dafür einsetzen,

dass dieses Gebiet zu einem

Nationalpark wird. Im Jahr

1935 wurde dieses Areal Naturschutzgebiet.

Damit war der

erste Schritt auf dem Weg zum

Nationalpark Hohe Tauern getan.

Im Jahr 1919 übernahm Rudolf

Siber die Führung des

Villacher Alpenvereins. Unter

seiner Leitung erfolgte der Wiederaubau

der Sektion. Es war

ein schwieriger Neubeginn. Rudolf

Siber schrieb zur Situation

des Villacher Alpenvereins 1919:

„Mehr als die Hälfte 50-jähriger

mühevoller Arbeit ist vernichtet

oder verloren; die Sektion steht

am gleichen Punkte, wo sie vor 40

Jahren gestanden ist“.

Die erste Bertahütte, auf der

ehemaligen Jepza-Alm unmittelbar

an der neuen Grenze zum

SHS-Staat (Jugoslawien) gelegen,

wurde nach der Volksabstimmung

1920 durch einen Brandanschlag

zerstört. 1923 überließ die

Prinz Liechtenstein´sche Gutsverwaltung

dem Villacher Alpenverein

im Bereich des Ferlacher Sattels

kostenlos einen Pachtgrund.

Dort errichtete der Alpenverein

Villach die zweite Bertahütte, die

am 27. September 1925 feierlich

eröffnet wurde.

Der Gau Gailtal bat den Zweig

Villach um Wiedererrichtung der

zerstörten Nassfeldhütte. 1926

begann der Neubau der Hütte unter

der Leitung von Carl de Roja.

Ihre Eröffnung erfolgte bereits im

Jahr 1927.

Carl de Roja und Rudolf Siber

bemühten sich auch besonders

um die Erneuerung und Erhaltung

des Ludwig-Walter-Hauses.

Am 3. Dezember 1929 gelang

der Erwerb eines Grundstücks

samt Hütte auf der Gerlitzen.

Damit hatte der Villacher Alpenverein

auch auf diesem Hausberg

eine eigene Hütte. Die unbewirt-


Der Villacher Alpenverein

in der Zeit von 1919 bis 1945

Das Ende des Ersten Weltkriegs brachte für den Villacher Alpenverein den Verlust

seines wichtigsten Arbeitsgebietes, das in den Westlichen Julischen Alpen gelegen

war. Auch unsere dort befindlichen Alpenvereinshütten (Mangarthütte, Findenegg-

Hütte, Seiserahütte) und das vom Verein mit vielen Mühen erbaute Wegenetz waren

verloren. Was nun folgte, war eine völlige Neuorientierung des Villacher Alpenvereins.

Es war ein Neubeginn mit der Konzentration auf die verbliebenen Arbeitsgebiete.

schaftete Hütte wurde im Sommer

als Jugendherberge und im

Winter als Schihütte genutzt.

1993 wurde die Hütte vom Hüttenwart

Jakob Ortner und von

Heinz Kupper erneuert. Die Gerlitzenhütte

ist bis heute im Besitz

unserer Sektion; sie wird von unserem

Hüttenwart Karl Cernic betreut.

Der Zweig Villach übernahm

1928 auch die Neuorganisation

des alpinen Rettungswesens, der

sich Moritz Benedikt widmete. Er

war Leiter der Landesstelle Kärnten

des Bergrettungsdienstes.

Die Mitgliederzahl des Villacher

Alpenvereins stieg nach dem

Amtsantritt von Rudolf Siber rasant

an. 1922 wurde erstmals

ein Mitgliederstand von mehr als

tausend Personen erreicht. In der

zweiten Hälfte der zwanziger und

vor allem in den dreißiger Jahren

kam es wegen der wirtschaftlichen

Notlage in Österreich zu

zahlreichen Austritten aus dem

Verein. Der Mitgliederstand sank

daher wieder

deutlich.

Wegen ihrer großen Verdienste

um den Zweig Villach wurden

Rudolf Siber und Carl de Roja im

Jahr 1932 zu Ehrenmitgliedern

ernannt.

In den Umbruchtagen

des Jahres

1938 übernahm für

kurze Zeit Dr. Ernst

Strobl die Stelle des

Vereinsobmannes.

Während des

Zweiten Weltkriegs

war Ewald Aichinger

Obmann des Villacher

Alpenvereins.

Es war für den Verein

eine sehr schwierige Zeit.

Zwar wurden die Schulden des

Vereins übernommen, aber der

Alpenverein wurde dem Reichsbund

für Leibeserziehung unterstellt.

Die Vereinstätigkeit kam

praktisch zum Erliegen.

Rudolf Siber

Rudolf Siber zur Situation des Villacher Alpenvereins 1919:

„Mehr als die Hälfte 50-jähriger mühevoller Arbeit ist vernichtet

oder verloren; die Sektion steht am gleichen Punkte,

wo sie vor ungefähr 40 Jahren gestanden ist.“

© AV-Villach (2)

9


Der Neubeginn der Vereinsarbeit im Villacher

Alpenverein nach dem Zweiten Weltkrieg

Mit dem Kriegsende im Mai 1945 drohte das Ende des Gesamtvereins und damit auch

des Zweiges Villach. Jede Vereinstätigkeit wurde verboten und es war die Enteignung

des Vereinsvermögens zu befürchten.

10

Dr. Friedrich Scheide

Nur dem unermüdlichen

Einsatz weniger Vereinsmitglieder,

die zu

den Idealen des Alpenvereins

standen, ist es zu verdanken,

dass sich der Alpenverein in dieser

schwierigen Zeit behaupten

konnte. Zu ihnen zählten

vor allem Hofrat Martin Busch in

Innsbruck und in Villach unsere

Mitglieder Heinrich Bradler, Max

Frühstück, Dipl.-Ing. Hans Pelikan,

Konrad de Roja, Dr. Herwig Salar

und Dr. Friedrich Scheide.

Im Jahr 1946 wurde an die

ehemaligen Mitglieder eine

Nachricht – „An die alten und

jungen Bergsteiger“ – versandt.

Sie enthielt einen Aufruf, sich für

die Wiedererstehung des Zweiges

Villach einzusetzen. Am 28.

November 1946 fand dann im

Gösser Bierhaus in Villach die

Hauptversammlung statt. Dabei

wurden die Grundlagen für das

Weiterbestehen des Zweiges Villach

festgelegt. Friedrich Scheide

wurde zum Ersten Vorsitzenden

des Villacher Alpenvereins gewählt.

Dr. Scheide gelang es in nur sechs Jahren,

dem Verein zu alter Größe und zu neuem Ansehen zu

verhelfen. Die Mitgliederzahl des Zweiges Villach

stieg unter seinem Vorsitz von 343 Personen

im Jahr 1948 auf 743 Personen im Jahr 1953.

Friedrich Scheide gelang es

in nur sechs Jahren, dem Verein

zu alter Größe und zu neuem

Ansehen zu verhelfen. Die Mitgliederzahl

des Zweiges Villach

stieg unter seinem Vorsitz von

343 Personen im Jahr 1948 auf

743 Personen im Jahr 1953. Die

Mehrzahl der ehemaligen Vereinsmitglieder

konnte wieder für

den Verein gewonnen werden.

Während der Amtsperiode von

Friedrich Scheide wurde mit dem

Aubau einer eigenen Jugendgruppe

begonnen. Diese wichtige

Pioniertätigkeit übernahmen

Frau Ilse Benedikt (allgemein

„Tante Ilse“ genannt) und die

Herren Sepp Meidl und Prof. Hans

Pacher.

Auch die Gletschermessungen

im Bereiche des Ankogels und

der Hochalmspitze, die Prof. Dr.

Walther Fresacher 1925 übernommen

und bis 1951 durchgeführt

hatte, setzten unsere Mitglieder

Prof. Hans Pacher (bis 1973), Dipl.-

Ing. Helmut Lang (bis 1998) und

ab 1999 Dipl.-Ing. Andreas Knittel

fort. Helmut Lang verfasste eine

umfangreiche Arbeit über sämtliche

Gletscher Kärntens und Andreas

Knittel stehen für die Messungen

modernste Instrumente

zur Verfügung.

Leider ist Friedrich Scheide, unser

damaliger Erster Vorsitzender,

1953 allzu früh verstorben.

Dipl.-Ing. Dr. Ferdinand Thomaser


1965 tagte zum dritten Mal der Gesamtverein in Villach.

Damals wurde auch die Organisation eines Dreiländertreffens beschlossen.

Dieses wurde das Fundament der freundschaftlichen Beziehungen zu

unseren Bergfreunden in Friaul-Julisch Venetien und Slowenien.

wurde zum Nachfolger und somit

zum neuen Ersten Vorsitzenden

des Villacher Alpenvereins gewählt.

Die Zeit ab 1954 können wir

als die „Hoch-Zeit“ der Villacher

Alpenvereinsjugend bezeichnen.

Es gab vier Jugendgruppen,

deren Mitglieder Wochenende

für Wochenende unter kundiger

Führung in die Berge zogen – mit

bis zu 50 Touren im Jahr! Aus diesen

Jugendgruppen entstand eine

ebenfalls außerordentlich aktive

Jungmannschaft, die durch Jahrzehnte

sowohl die Funktionäre

im Vorstand als auch bewährte

Tourenführer stellte.

Die Vereinsmitglieder konnten

sich nun wieder vermehrt dem

Bergsteigen widmen. 1955 organisierte

der Villacher Alpenverein

eine Gemeinschaftsfahrt zur

Hochalmspitze mit Besteigung

des 3.360 m hohen Gipfels. Weiters

wurde auch die Hüttenversorgung

ausgebaut.

Nachdem auch die zweite Bertahütte

1945 durch Brandstiftung

zerstört worden war, überließ die

Prinz Liechtenstein´sche Forstverwaltung

dem Villacher Alpenverein

eine kleine Holzknechthütte.

In den Jahren 1956 und 1957

machten unsere Mitglieder und

unsere Jugendgruppe in vielen

Arbeitsstunden aus ihr die kleine

„Mittagskogelhütte“.

Dipl.-Ing. Dr. Ferdinand Thomaser

© AV-Villach (3)

Weg der Jugendgruppe zum ersten

Arbeitseinsatz auf der Mittagskogelhütte

am 30. September 1956.

(Quelle:„Grünes Buch“)

11


Hermann Wiegele

Im Jahre 1959 wurde Baumeister

Rupert Sternath für drei

Jahre zum Obmann gewählt. Ihm

folgte 1962 Dr. Peter Beer. Unter

seiner Führung begann der Bau

der „dritten“ Bertahütte. Die feierliche

Eröffnung fand am 4. Juli

1963 statt. Peter Beer starb bald

danach und völlig unerwartet am

17. Feber 1964.

Nach dem Tod von Peter Beer

wurde Hermann Wiegele zum

Nachfolger gewählt. Während seiner

erfolgreichen Amtszeit konnte

sich der Villacher Alpenverein

zum Großverein mit hohem Ansehen

entwickeln. Hermann Wiegele

führte den Villacher Alpenverein

bis zum März 1977.

mit 2.066 erstmals über 2.000

Mitglieder gezählt.

In den Jahren 1969 bis 1970

erfolgte – nach einem umfangreichen

Innenausbau – der Umzug

unserer Geschäftsstelle in den

letzten noch bestehenden Turm

der Villacher Stadtmauer. Fritz

Gabriel betreute als Sekretär ab

dieser Zeit für viele Jahre die Vereinskanzlei.

Das Jahr 1970 stand ganz im

Zeichen der 100-Jahrfeier des Bestehens

unseres Vereins. Die Festschrift

„100 Jahre Alpenverein

Villach“ ist eine wichtige Quelle

zur Geschichte des Villacher Alpenvereins.

12

Karl Kuchar

Nach Plänen von Dipl.-Ing. Gustav

Schwab erfolgten im selben

Jahr umfangreiche Umbauarbeiten

am Ludwig Walter Haus. Bei

der Eröffnung der Villacher Alpenstraße

war der Umbau beendet

und so konnte die steigende

Besucherzahl am Dobratsch-Gipfel

problemlos bewältigt werden.

1965 tagte zum dritten Mal der

Gesamtverein in Villach.

Damals wurde

auch die Organisation

eines Dreiländertreffens

beschlossen.

Sie wurde das Fundament

der freundschaftlichen

Beziehungen

zu unseren

Bergkameraden in

Friaul-Julisch Venetien

und Slowenien.

Die Mitgliederzahl des Villacher

Alpenvereins stieg kontinuierlich

an. 1967 wurden bereits

mehr als 1.500 und im Jahr 1977

1971 begann der Bau der Sendeanlage

am Dobratsch-Gipfel. Im

Zuge dieses Baus wurde auch das

nicht mehr benutzbare Rudolfshaus

abgetragen.

1973 wurde der Alpengarten

am Dobratsch vom 1966 gegründeten

Verein „Alpengarten Villacher

Alpe“ feierlich eröffnet. Der

Aubau des Alpengartens war nur

durch die Hilfe von

vielen freiwilligen

Mitarbeitern möglich.

Diese Helfer

waren überwiegend

Mitglieder des Villacher

Alpenvereins.

Im Mai 1976 verwüstete

ein schweres

Erdbeben Friaul.

Der Alpenverein und

die Bergrettung Villach

stellten Rettungsmannschaften.

Unser Haupteinsatzgebiet lag

im Raum Moggio Udinese. Unsere

Mitglieder Ferdinand und Margret


Thomaser, Karl Kuchar und Klaus

Kummerer koordinierten mit großem

persönlichem Einsatz die

Hilfe des Villacher Alpenvereins.

Im März 1977 legte Hermann

Wiegele seine Funktion als Erster

Vorsitzender aus gesundheitlichen

Gründen zurück. Hermann

Wiegele wurde zum Ehrenobmann

des Villacher Alpenvereins

ernannt. Er verstarb am 26. September

1977.

Ferdinand Thomaser wurde am

25. März 1977 zum Nachfolger

gewählt. Er übernahm somit nach

seiner 1. Amtsperiode von 1953

bis 1959 zum zweiten Mal das

Amt des Vereinsobmannes, das er

bis 1986 innehatte.

Im Jahr 1980 gelang unserem

Verein ein wichtiger Schritt zur

besseren Information seiner Mitglieder

über das Vereinsgeschehen.

Der Verein begann mit der

Herausgabe der Zeitschrift „Alpenverein

Aktuell“, die mit vier

Ausgaben im Jahr erschien. Diese

Tradition haben wir bis heute

beibehalten. Die Redaktion unserer

ersten Zeitschrift übernahm

bis 1986 Karl Kuchar, ab der Folge

2/1986 dann Ing. Heinz Sternig.

1981 wurde das hundertjährige

Bestehen unserer Villacher Hütte

auf der Hochalm gefeiert. Es gab

eine große Veranstaltung mit

Gästen aus Gmünd und auch einem

Vertreter aus Osnabrück. Die

Osnabrücker Hütte ist ein wichtiger

alpiner Stützpunkt nördlich

der Hochalmspitze.

In den Achtzigerjahren unternahmen

unsere Villacher Alpenvereinsmitglieder

zahlreiche

bedeutende Expeditionen. Organisiert

wurden diese Expeditionen

von unserer Hochgebirgsgruppe

Villach (HG Villach) unter der

Leitung von Dr. Karl Pallasmann.

So gelang im November 1983 die

Erstbesteigung des 6.809 m hohen

Chonku Chuli im Himalaya.

Der Berg hatte damals noch den

Namen Phurba Seto Himal.

In der Jahreshauptversammlung

1983 wurde Ing. Björn Zedrosser

als Naturschutzwart in

den Vorstand des Villacher Alpenvereins

gewählt. Björn hat in dieser

Funktion Großartiges für den

Naturschutz in Kärnten geleistet.

Er war bis 2018, also durch 35

Jahre, Naturschutzreferent des

Villacher Alpenvereins.

Bis zum Jahr 1986 stieg die Mitgliederzahl

unseres Vereins auf

2.274.

In der Jahreshauptversammlung

im März 1986 kandidierte

Ferdinand Thomaser nicht mehr

für die Stelle des Ersten Vorsitzenden.

Er hat insgesamt 15 Jahre

lang den Villacher Alpenverein

geführt. Mit Karl Kuchar nahm

noch ein weiteres Mitglied des

AV-Vorstandes Abschied. Dazu im

AV Aktuell 2/1986: „Ein Fixstern

unserer AV-Familie hat sich nunmehr

entschlossen, nach langen

Jahren unermüdlicher Tätigkeit

für den AV Villach seinen Platz

im Vorstand Jüngeren zu übergeben.“

Karl Kuchar war nicht nur

Schriftführer und Redakteur des

AV Aktuell. Er war über viele Jahre

an allen wichtigen Entscheidungen

des Vereins wesentlich

beteiligt.

50. Dreiländertreffen am 1. Oktober 2014

Im Jahr 1980 wurde aber auch

das 110-jährige Bestehen unseres

Vereins groß gefeiert. Höhepunkt

der Feierlichkeiten waren

ein Festabend im Paracelsus-Saal

des Villacher Rathauses und ein

anschließender Kärntner Abend

in der Turnhalle. Der Alpenverein

Villach verfasste auch eine Festschrift:

„110 Jahre Alpenverein

Villach“ mit einer Vereinschronik.

© AV-Villach (3)

13


Klaus Kummerer:

Erster Vorsitzender von 1986 bis 2007

Im März 1986 wurde Klaus Kummerer zum neuen Ersten Vorsitzenden

gewählt. Klaus hatte gute Kontakte zu den Mandataren der Stadt

Villach, zu den Funktionären des CAI Görz und Tarvis und auch zum

Slowenischen Alpenverein. Unter seiner Führung kam es daher zu

einem Ausbau der Zusammenarbeit mit der Stadt Villach und mit

unseren Alpenvereinsnachbarn in Italien und in Slowenien.

Aus dieser Zusammenarbeit

entstanden die gemeinschaftlichen

Wanderungen

mit den Mandataren

der Stadt Villach, die Dreiländertreffen

der alpinen Vereine Kärntens,

Friaul-Julisch Venetiens und

Sloweniens, die jährlichen „Familien-Tage“

mit dem CAI Tarvis sowie

die „Karstfahrt“ mit dem CAI

Görz. Diese Veranstaltungen sind

noch heute ein fester Bestandteil

unseres Vereins. Der Name

des „Familien-Tages“ wurde auf

„Freundschaft über Grenzen

hinweg“ abgeändert.

1986 beschlossen

der Österreichische,

der Südtiroler und

der Deutsche Alpenverein

in Brixen, das

Sportklettern im Alpenverein

einzuführen.

In Villach wurde

allerdings erst 1996

beim Gymnasium in St.

Martin eine Kletterhalle unter

der Mitwirkung des Villacher Alpenvereins

errichtet. Ein eigenes

Wettkletterteam gab es in unserem

Verein aber bereits seit 1995.

Paul Steinkellner hat sich für den

Aubau unserer Wettkletterteams

besonders verdient gemacht.

Im Jahr 1988 wurde die Ortsgruppe

Unteres Drautal gegründet.

Sie ist die einzige Ortsgruppe

in Österreich, die zwei Sektionen

– der Sektion Spittal an der Drau

und dem Zweig Villach – angehört.

Die Ortsgruppe entstand auf

Initiative des ersten Obmanns der

Ortsgruppe, Günther Fleissner, des

Ersten Vorsitzenden der Sektion

Spittal an der Drau, Dr. Herwig

Gräbner, und unseres Ersten Vorsitzenden

Klaus Kummerer.

Durch die erfolgreichen Bemühungen

von Dr. Heinz Jungmeier,

Vorsitzender des Landesverbandes

Kärnten im Österreichischen

Alpenverein, und durch die großzügige

Unterstützung des privaten

Sponsors Heinz Roth konnte

der Alpenverein die gesamte Ostseite

der Hochalmspitze im Ausmaß

von 750 Hektar erwerben.

Somit war die Erhaltung dieses

Gebietes in seiner Ursprünglichkeit

sichergestellt. Unser langjähriger

Naturschutzreferent, Björn

Zedrosser, führte mit freiwilligen

Helfern des Villacher Alpenvereins

viele Maßnahmen zur Erhaltung

und zum Schutz der Natur

durch. (z.B. Umweltbaustellen

zur Beseitigung wilder Deponien

und Sanierung von Wegen). Aus

Anlass des 60. Jahrestages des Erwerbs

der Gerlitzenhütte führten

1989 Jakob Ortner und Heinz Kupper

mit vielen freiwilligen Helfern

des Villacher Alpenvereins umfangreiche

Sanierungsarbeiten

durch.

Im März

Klaus Kummerer

1990 beschloss die Hauptversammlung

des Villacher Alpenvereins,

den letzten noch bestehenden

Turm der Villacher

Stadtmauer zu erwerben. Die

notwendigen Mittel für den Ankauf

konnten wir mit maßgeblicher

Unterstützung durch die

Stadt Villach und den Österreichischen

Alpenverein aubringen. In

der Folge begann der Alpenverein

unter der Leitung unseres Baureferenten

Mag. Heribert Meschik

mit der Sanierung des Turms. Am

22. September 1992 erfolgte der

feierliche Abschluss dieser Sanierungsarbeiten.

Im Jahr 1995 beging unser Verein

das Jubiläum seines 125-jährigen

Bestehens. Aus diesem

Anlass wurden drei große Veranstaltungen

organisiert und durchgeführt:

Es gab in der Galerie an

der Stadtmauer eine von Björn

Zedrosser gestaltete Fotoausstellung:

„Zeitsprünge“, weiters einen

Dia-Vortrag von Dr. Wolfgang Retter

zur Bedeutung des Nationalparks

Hohe Tauern und als Höhepunkt

am 20. Mai 1995 einen

Festakt im Paracelsussaal des

Villacher Rathauses. Bei dieser

Veranstaltung war der damalige

Erste Vorsitzende des Österreichischen

Alpenvereins, Dr. Christian

Smekal, unser Ehrengast.

© AV-Villach (3)

14


Der starke Mitgliederzuwachs,

insbesondere nach dem Jubiläumsjahr

1995, machte auch einen

Ausbau des Angebotes für

unsere Mitglieder notwendig.

Das Alpinteam bot daher unter

der Leitung unseres Alpinreferenten

Walter Lackner ein

umfangreiches Programm mit

Führungstouren an.

Stellvertretend für die vielen

ehrenamtlichen Mitarbeiter seien

genannt: Renate und Diethard

Rauter mit ihrer PowerCard Wandergruppe,

Sepp Petschar mit der

Seniorengruppe Markart, die

K&K Gruppe von Gerald Krall und

Willi Kriegl und Karl Pallasmann

mit der Hochgebirgsgruppe.

Das größte Problem für den Villacher

Alpenverein stellte unser

Ludwig-Walter-Haus (LWH) dar.

Am Haus waren immer häuiger

Sanierungsarbeiten erforderlich.

Die Wasserversorgung und die

Abwasserentsorgung wurden immer

schwieriger. Der Zustand der

Toilettenanlage war unzumutbar

und der Zufahrtsweg konnte

kaum mehr benützt werden.

Schon 1993 hat es daher im

Vorstand heftige Diskussionen

über die Zukunft das LWH gegeben.

Man entschloss sich zu

einer Mitgliederbefragung. Thema:

„Was soll mit dem Ludwig-

Walter-Haus geschehen?“ An der

Befragung beteiligten sich 120

Mitglieder. Dabei wurden auch

die Fragen gestellt, ob das LWH

abgetragen oder verkauft werden

soll. Eine große Mehrheit der Beteiligten

war sowohl gegen eine

Abtragung des Hauses als auch

gegen einen Verkauf.

1998 wurde zur Lösung der

Probleme ein „Arbeitskreis LWH“

gegründet. Im Jahr 2000 gab es

wiederum heftige Diskussionen im

Vorstand. Man überlegte auch, ob

man das LWH wegen der ständig

notwendigen Investitionen nicht

aufgeben sollte! Die zu befürchtenden

verschärften Umweltschutzaulagen

der Behörden drohten

zu einer enormen Belastung des

Vereins zu werden. Eine Entscheidung

wurde nicht getroffen.

2005 wurden Pläne für die Sanierung

des Daches und für die

Möblierung der Küche erstellt.

Die Toilettenanlage wurde abgerissen

und an ihrer Stelle eine

neue WC Anlage geplant. Laut

Vorstandssitzung vom 2 März

2007 wurden die Sanierungskosten

auf etwa € 200.000,-- geschätzt.

Daneben gab es noch

ständige Probleme mit dem Gatten

unserer damaligen Pächterin.

Im Frühjahr 2007 iel eine

wichtige Entscheidung über die

Organisation unserer Kanzlei:

Karl Pallasmann und Klaus Kummerer

Manfred Ließmann übergab mit

1 April 2007 die Leitung der Geschäftsstelle

an Dipl.-Ing. Wolfgang

Gabriel.

Unser Erster Vorsitzender

Klaus Kummerer entschloss sich,

nach 21 Jahren sein Amt zu übergeben.

Bei der Übernahme der

Vorstandsfunktion durch Klaus

Kummerer im Jahr 1986 hatte der

Villacher Alpenverein 2.274 Mitglieder.

Während seiner Amtszeit

Unter der Führung von Klaus Kummerer kam es zu einem

Ausbau der Zusammenarbeit mit der Stadt Villach und

unseren Alpenvereinsnachbarn in Italien und in Slowenien.

gab es einen starken Mitgliederzuwachs.

Ende des Jahres 2006

hatte unser Verein bereits 4.575

Mitglieder. Unter der Führung

von Klaus Kummerer hat sich somit

der Mitgliederstand des Villacher

Alpenvereins verdoppelt.

Von der Hauptversammlung am

9. März 2007 wurde Dr. Karl Pallasmann

zum Ersten Vorsitzenden

des Villacher Alpenvereins gewählt.

In dieser Hauptversammlung

wurde Klaus Kummerer zum

Ehrenvorsitzenden unseres Vereins

ernannt.

15


Der Villacher Alpenverein

von 2007 bis heute

Mit der Wahl von Karl Pallasmann zum neuen Ersten Vorsitzenden des Villacher

Alpenvereins kamen auch Dipl.-Ing. Joachim Gfreiner als 3. Vorsitzender und Karl

Cernic als Schatzmeister (Finanzreferent) am 9. März 2007 neu in den Vorstand.

Karl Pallasmann

Es war nach vielen Jahren

die letzte Jahreshauptversammlung,

die im Gasthof

Kucher in Judendorf stattfand.

Ab 2008 war der Tagungsort das

Volkshaus in Völkendorf.

Das größte Sorgenkind unseres

Vereins stellte während des

Vorsitzes von Karl Pallasmann

das Ludwig-Walter-Haus am

Dobratsch dar. Zur Erinnerung:

Nach Zu- und Umbauten am alten

Mühlbacher-Gewerkenhaus in

den Jahren 1905 bis 1907 fand im

Juli 1907 die feierliche Eröffnung

und Umbenennung des Hauses in

„Ludwig-Walter-Haus“ statt. Am

8. September 2007 wurde in einer

Feier mit Gipfelmesse der Eröffnung

vor 100 Jahren gedacht.

Noch war man voller Pläne für

unser Haus am Dobratsch. Geplant

waren die Adaptierung des

Ludwig-Walter-Hauses im Sinne

des Umweltgütesiegels des ÖAV

und die Lösung der Probleme

mit der Wasserversorgung sowie

der Abwasser- und Abfallbeseitigung.

Aber schon im Heft 1/2008

musste unser Baureferent Joa-

chim Gfreiner berichten: „Nach

Aussagen des Architektenhearings

käme eine Altbausanierung

teurer als ein Neubau.“ Bald danach

drohte die Bezirkshauptmannschaft

Villach als zuständige

Gewerbebehörde wegen der

akuten Probleme bei der Wasserver-

und -entsorgung sowie der

unzumutbaren Sanitäranlagen

mit der Schließung des Hauses.

Nachdem auch der Hauptverein

in Innsbruck einen Neubau des

Hauses empfohlen hatte, begann

man mit der Planung. Den endgültigen

Entwurf für das neue

Haus erstellte der Architekt Dipl.-

Ing. Günter Weratschnig. Um einen

Neubau des Hauses durchführen

zu können, war zuvor die Sanierung

des Zufahrtsweges erforderlich.

Die Steilstücke des Weges

wurden entschärft und die engsten

Kurven für eine Befahrbarkeit

mit Lkw erweitert. Der Abbruch

des alten Schutzhauses erfolgte

im Juni 2010. Unmittelbar danach

begann der Neubau, der

noch vor Ende des Jahres 2010

fertiggestellt sein sollte. Dies war

tatsächlich zu Weihnachten 2010

der Fall! Erster Pächter des neu-

Wolfgang Gabriel

16

© AV-Villach (6)


en Hauses war die Familie Lachhartinger.

Für notwendige Fertigstellungsarbeiten

wurde das

Haus bis 1. Juni 2011 nochmals

geschlossen. Die ofizielle Eröffnung

des neuen Hauses erfolgte

am 18. Juni 2011; gleichzeitig

erhielt es den Namen „Dobratsch

Gipfelhaus (DGH)“.

Vor dem Neubau des DGH hatte

der Villacher Alpenverein keine

Schulden. Doch der Neubau überstieg

die inanziellen Möglichkeiten

unseres Vereins: Im Zuge des

Neubaus kam es aus verschiedenen

Gründen zu unvorhergesehenen

Kostensteigerungen. Der

Vorstand beschloss zwar in seiner

Sitzung vom 14. Juni 2010

ein Kostenlimit, aber schließlich

lagen die Gesamtkosten noch um

mehr als € 700.000 über diesem

Kostenlimit. Es musste daher ein

Darlehen aufgenommen werden,

dessen Rückzahlung voraussichtlich

erst im Jahr 2025 abgeschlossen

sein wird. Über alle diese Vor-

gänge wurden die Mitglieder

in Kenntnis gesetzt; sie

stimmten in den Hauptversammlungen

auch

den erforderlichen Anträgen

mehrheitlich zu.

Der Villacher Alpenverein

konnte unmittelbar

nach der Eröffnung

des DGH einen

Schlussstrich unter einen

„dunklen“ Fleck in seiner

Vereinsgeschichte ziehen. In Kooperation

mit dem Universitätskulturzentrum

UNIKUM, dem

Verein Industriekultur und Alltagsgeschichte

und dem Verein

ERINNERN wurde zum Thema

„Haus-Berg-Verbot“ am 11. Juni

2011 eine Kunstaktion am Dobratsch

durchgeführt. Helmut Manzenreiter,

der Bürgermeiser der

Stadt Villach, enthüllte am Gipfelhaus

zur Erinnerung an das von

1921 bis 1945 bestehende, vom

damaligen Vorstand des Villacher

Alpenvereins beschlossene „Betretungsverbot

für Juden“ eine

Gedenktafel.

Neben dem Dobratsch Gipfelhaus

waren auch an unserer

Bertahütte umfangreiche Sanierungsarbeiten

notwendig. Im Jahr

2008 musste die Küche der Hütte

umgebaut und 2012 unsere kleine

Mittagskogelhütte abgetragen

werden.

In der Jahreshauptversammlung

am 8. März 2013 kandidierte

Karl Pallasmann nicht mehr als 1.

Vorsitzender. Die Mitgliederzahl

unseres Vereins stieg während

seines Vorsitzes beträchtlich. Am

Ende seiner Amtszeit im März

2013 hatten wir bereits 6.300

Mitglieder. Als Nachfolger für

Karl Pallasmann wählte die Jahreshauptversammlung

2013 Dr.

Klaus Dalmatiner und als 2. und 3.

Vorsitzende zogen Dipl.-Ing. Wolfgang

Gabriel und Christine Lastin in

den Vorstand ein.

Klaus Dalmatiner und Karl Pallasmann bei der Schlüsselübergabe.

Somit

begeben

wir uns in die jüngste Geschichte

des Villacher Alpenvereins. Viele

Leser dieser Zeilen werden sich

daher noch an das eine oder andere

Ereignis erinnern, das in der

Folge geschildert sei.

2013 übernahmen Gerald Rauter

und Monika Pirker als Pächter

das Dobratsch Gipfelhaus (DGH).

Mit ihnen konnte sich auch der

Alpenverein Villach darüber freuen,

dass das DGH die Auszeichnung

„Klima:aktiv Bronze“ für

höchste energetische und ökologische

Qualität erhielt. Am 15.

September 2013 feierten wir mit

vielen Freunden aus nah und fern

den 50. Geburtstag unserer neuen

Bertahütte; sie war in den Jahren

2011 bis 2013 auch saniert

und teilweise umgebaut worden.

Ebenfalls Anlass zum Feiern

gaben die Ortsgruppe Unteres

Drautal (sie wurde 25 Jahre alt),

der Alpengarten Villacher Alpe

(der vor 40 Jahren als Kind des

Villacher Alpenvereins entstand)

oder die Eröffnung des Panoramaweges

Südalpen, dessen erste

Etappe von Rosenbach über den

Rosenbach-Sattel zur Kahlkogelhütte

führt. Sepp Petschar beendete

nach vielen Jahren die Leitung

der Seniorengruppe Markart und

mit dem Rücktritt von Erwin Radauer

hörte auch die (Senioren-)

Gruppe 50+ zu bestehen auf.

Valentin und Andrea Meschnigg

übernahmen die Seniorengruppe

Enzian. Schmerzlich war für viele

das Ableben von Gerald Krall, der

als „Kaiser Gerald“ gemeinsam

mit

Willi Kriegl von

2002 bis 2012 die K&K-Seniorenwanderungen

durchgeführt

hatte. Unser Turm

erhält auf der Sonnseite

einen geplegten Garten –

„Urban Gardening“ muss

es auf Denglisch heißen.

Auf dem Dobratsch soll am

Beginn des Jägersteigs ein

neuer „Gams- und Gipfelblick“

die Massen anlocken.

Der besonders schneereiche

Winter 2013/2014 verursachte

Schäden am Dobratsch Gipfelhaus,

an der Bertahütte und an

der Villacher Hütte. Das DGH erhielt

zu Beginn der Sommersaison

2014 mit Andreas Bachmann

und Renate Hofmann (schon wieder)

neue Pächter. Anfang Juli

trafen sich rund 40 Mitglieder der

„Alten Jungmannschaft“ auf der

Ploner Alm im Jaukenmassiv. Das

50. Dreiländertreffen der alpinen

17


© AV-Villach (4)

18

Vereine Kärntens, Friaul-Julisch

Venetiens und Sloweniens fand

Ende September in Tarvis und

auf dem Dreiländereck statt. Und

die Naturkundliche Gruppe des

Alpenvereins Villach feierte ihren

30jährigen Bestand. Am Ende des

Jahres 2014 zählte unser Verein

bereits nahezu 7000 Mitglieder.

Das Jahr 2015 begann mit einem

Paukenschlag: Aus der Roten

Wand ging ein großer Felssturz

nieder, dessen Erschütterungen

sogar die Erdbebenwarten registrierten.

Nach einem langen

Rechtsstreit, der bis zum Obersten

Gerichtshof führte, gewann

der Alpenverein Villach den Pro-

zess

gegen

eine

Grundeigentüme-

rin, die am

Mirnock un-

seren AV-Weg

187 beseitigt

haben wollte

und zu diesem

Zweck

Markierungen

übermalte

und

Wegweiser

beseitigte.

Wolfgang

Gabriel

legte seine vielen Ämter

8.000stes Mitglied: Familie Figueira da Silva mit

Dr. Klaus Dalmatiner und GR Gerhard Kofler

zurück: u.a. Zweiter Vorsitzender,

Geschäftsstellen- und Redaktionsleiter

unserer Mitgliederzeitschrift.

Mit Maria Messner

verloren wir eine stille

Mitarbeiterin, die immer

hilfsbereit zur Stelle war.

Alpenvereins-Logo aus Stein – Einige Kinder legten 2016 in der

Villacher Alpen Arena ein tolles Mosaik aus farbigen Steinen.

2015 entstand die neue, sehr aktive

Familiengruppe „Steinböcke“,

geleitet von Marc Tiebout und Silke

van der Pipen.

2016 wurde vieles neu: Nachdem

Margret Arendt als Gestalterin

unserer Mitgliederzeitschrift

in den wohlverdienten Ruhestand

getreten war, fanden wir mit Michael

Kravanja einen Nachfolger,

der dem Heft gleich ein nahezu

doppelt so großes Format verordnete.

Christine Lastin übernahm

die Redaktionsleitung und gründete

ein Redaktionsteam; dies

verschaffte dem Magazin ständig

neue Ideen für interessante Themen

und für neue Serienbeiträge

(Wetter, Physiotherapie, bekannte

Bergsteiger, ….). Mit Johannes

Staudacher erhielt das DGH wiederum

einen neuen Pächter, der

sich nach eigener Aussage „keinen

schöneren Arbeitsplatz“ vorstellen

kann; ebenso betrat Gisela

Höher auf der Bertahütte die Bühne

der Hüttenpächter. Gerald Karnel

gab nach vielen erfolgreichen

Jahren die Verantwortung für die

Wettkampf-Kletterer ab und Björn

Zedrosser beendete nach noch

mehr Jahren seine Tätigkeit als

Naturschutzwart, als Mitglied des

Kärntner Naturschutzbeirates,

als Gründer der Naturkundlichen

Gruppe, als früherer Leiter der

Jungmannschaft, und und und ….

Am 20. Mai 2016 wählte die

Jahreshauptversammlung Dr.

Klaus Dalmatiner neuerlich zum

1. Vorsitzenden des Alpenvereins

Villach. Als 1. Stellvertreter zieht

neu Dr. Heiner Zechmann in den

Vorstand ein, 2. Stellvertreterin


bleibt Christine Lastin. Mit großer

Freude und auch mit Stolz

konnten wir das 7000. Mitglied

des Alpenvereins Villach ehren.

Mit Margret Gross und Elisabeth

Fercher lösen zwei neue Damen

Ingrid Kandolf und Brigitte Kugi

in unserem Olymp, also im Büro

im ersten Stock, ab. Werner Pfeifer

übernahm nicht nur die Aufgaben

von Wolfgang Gabriel im AV-Büro,

sondern er änderte Vieles zum

zeitgemäß Besseren.

Schon in der Hauptversammlung

vom 12. April 2019 durften

wir das 8000. Mitglied begrüßen!

Dieses ungebremste Wachstum

ist sicher auch auf das breite

Kurs- und Führungsangebot zurückzuführen,

das sehr stark in

Anspruch genommen wird.

Karl Pallasmann konnte im

Turm das gemeinsam mit Davide

Tonazzi verfasste Werk „Kriegswege

– Sentieri di Guerra“ vorstellen.

Karl führte und führt auch

unermüdlich in jedem Jahr eine

interessierte Schar begeisterter

Teilnehmer „von der Kaverne in

die Taverne“.

Das Sportkletter-Wettkampfteam

des Alpenvereins Villach

heimste jedes Jahr stolze Erfolge

ein. Daher ist es umso erfreulicher,

dass die Pläne für eine neue

Kletterhalle in Villach Gestalt annehmen.

Der Alpenverein Villach

wirkte maßgeblich an den Planungen

mit und er schloss mit der

„I 54 Kletterhalle Villach GmbH“

einen Kooperationsvertrag ab.

Aus dem Vorstand schieden im

Laufe der Jahre unter anderen

Christine Lastin, Brigitte Stuhlberger,

Otto Lamprecht, Karl Walluschnig,

Volkmar Pirkopf

und Björn Zedrosser sowie

Alois Goller als Schriftführer

und Franz Kohlhuber

als Jugendreferent aus. Als

Nachfolger konnten Clemens

Heinricher (Bau- und

Hüttenreferent), Franz Kohlhuber

(Naturschutzreferent), Alois Goller

(Alpinreferent), Marc Tiebout

(Jugendreferent), Johann Rasch

(Finanzreferent), Günther Umfahrer

(1. Rechnungsprüfer), Mathias

Poglitsch (2. Rechnungsprüfer),

Werner Pfeifer (Schriftführer),

Ulrich Pietzke (Hüttenwart Dobratsch

Gipfelhaus) und als neuer

Sportkletterreferent Jörg Groschacher

gewonnen werden – um nur

einige zu nennen.

Mit dem Heft 1-2017 unserer

Mitgliederzeitschrift „Auf Tour“

begann eine Serie mit Gesprächen,

die wir mit acht bekannten

Kärntner Bergsteigern führten.

Sie wurde mit der Ausgabe

1-2019 abgelöst durch Interviews

mit unseren Hüttenwarten.

Auch Wetter und Klima, wieder

verstärkt der Naturschutz, die

Wege zu unseren Hausbergen

und Berichte über die vielfältigen

Bergerlebnisse und Fahrten

unserer Gruppen sind mit interessanten

Beiträgen vertreten.

In der Villacher Alpenarena entstand

ein neuer Klettergarten

samt Übungsklettersteig. Bei

Björn Zedrosser und Heiner Zechmann

ausreichend kalten Temperaturen,

die es bekanntlich immer

seltener gibt, kann hier auch das

Eisklettern geübt werden. An der

Bertahütte und am Dobratsch

Gipfelhaus waren umfangreiche

Sanierungsarbeiten notwendig.

Georg und Marion Unterlechner

gründeten eine Gruppe „Kunterbunt“,

die sich – wie es der Name

schon ausdrückt – den verschiedenen

Spielarten der Naturerlebnisse

widmet.

Der Panoramaweg Südalpen ist

vom Rosenbach-Sattel bis Thörl-

Maglern verlängert worden; dort

schließt er an den Karnischen

Höhenweg an. Karl Lagger, Karl

Nadrag und Gottfried Tschemernjak

sorgten für die einwandfreie

Beschilderung.

Mit Valentin Meschnigg haben

wir einen lieben Freund verloren,

der die ehemalige Senioren-

Gruppe „Enzian“ gewissenhaft zu

vielen unbekannten Zielen führte.

Dass er auch Bergretter und

Vollblutmusikant war, sei ebenfalls

dankend erwähnt.

Der Alpenverein Villach bewarb sich anlässlich

seines 150-jährigen Bestehens erfolgreich um die

Hauptversammlung 2020 des Gesamtvereins. Unser

Vorstand steuert mit voller Kraft darauf hin, dieses

wichtigste Ereignis des Österreichischen Alpenvereins zu

einem besonderen Erlebnis für alle Teilnehmer zu machen.

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D NKE!

An unsere ehrenamtlichen Funktionärinnen und Funktionären,

den zahlreichen helfenden Händen und allen Mitgliedern,

die zu 150 Jahren Geschichte beigetragen haben.

Die gemeinsame Vision, die Verbundenheit zur Natur und das

Verantwortungsgefühl gegenüber dieser ist es, die Großes möglich macht.

Danke für 150 Jahre!

© AV-Villach

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