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FC BAYERN MÜNCHEN

DER AUFSTIEG DER

MITTLEMÄßIGEN. VON

DER LOKALGRÖßE ZUM

WELTVEREIN

AKTE FC BAYERN

DAS BAYERN MÜNCHEN DOSSIER

THOMAS LOOK/UDO MURAS


2

Inhalt

Editorial 2

EDITORIAL

Steckbrief 3

Der FC Bayern München war mal

eine mittelmäßige Lokalgröße.

Das war in den ersten 60 Jahren

seines Bestehens. Heute ist er der mit

Abstand beste Verein Deutschland und

einer der zehn besten Klubs In Europa.

Das hat er in den zweiten 60 Jahren

seines Bestehens geschafft.

Wie und warum zeigt das Ligalivenet

FC Bayern München Dossier AKTE FC

BAYERN MÜNCHEN. „Der Aufstieg

der Mittelmäßigen. Von der Lokalgröße

zum Weltverein“.

In 11 Kapiteln beschreiben wir die

Metamorphose des Vereins von einem

relativ erfolglosen Provinzklub zum

uneingeschränkten Dominator des

deutschen Fußballs; einem Verein, dem

man zunächst den Zutritt zur Bundesliga

verweigerte und dem man den

Lokalrivalen 1860 München aus eher

fadenscheinigen Gründen vorzog.

„AKTE FC BAYERN MÜNCHEN“

richtet sich an Lover und Hater von Bayern

München. Geschichte wird Legende,

Legende wird Mythos. Und aus Mythos

wird Kult. Oder Grund zum „ewigen“

Fremdschämen – je nach Ereignis mal so

oder eher so.

Für die Lover beschreiben wir die

größten Triumphe und wichtigsten Erfolge,

für die Hater die peinlichsten Katastrophen

und größten Niederlagen.

Dazu Geschichten, die nur Wenige kennen

und Ereignisse, die die Kluboberen

der Münchener als mehr als nur peinlich

empfinden. Oh My God! Wir charakterisieren

die Most Important Persons der

Vereinsgeschichte und benennen die

größten Feinde – die Persona Non Grate

des Klubs.

Fun Facts und ein ganz besonderer

Moment, der für den Verein bis heute

prägend ist, ergänzen das Dossier.

Abgeschlossen wird AKTE FC BAYERN

MÜNCHEN durch einen umfangreichen

Appendix. Wir zeigen ein kurzes

historisches Video zu einem der wichtigsten

Tore des FC Bayern München und

Bildergeschichten zu den wichtigsten

Persönlichkeiten des Vereins. Komplettiert

wird das Dossier durch Tabellen, Ranglisten,

Statistiken und sonstige Zahlen

– Fakten und Wissen nicht nur für Daten-Nerds,

sondern auch für Blowhards,

Braggadocios und Connaisseurs.

Übrigens: Ein Dossier wie zum FC Bayern

gibt es zu jedem Bundesliga-Verein

und zur Bundesliga. Wer alles in einer

Schrift will, dem empfehlen wir das

E-Book „AKTE BUNDESLIGA“. Dort

finden sich Dossiers über Triumphe,

Tragödien, Erfolge und Peinlichkeiten

der Bundesliga und ihrer Vereine. Ziemlich

ungerecht, bewusst einseitig aber

wahr.

Thomas Look, CEO

Good to Know 4

Für die Hater 9

Für die Lover 15

Most Important 24

Persons

Personae Non 28

Gratae

Tragisch 31

OMG - Oh 35

My God

Fun Facts 45

Special Moments 49

Soccer Memes 51

und weise Worte

IMPRESSUM

Verantwortlicher im Sinne des § 55 Abs. 2 RStV: Thomas Look

Redaktion: Carsten Germann, Udo Muras, Sophie Hargesheimer Bilder: Imago Images

Infografiken und Tabellen: Andjela Jankovic, Marcus Brauer, Denis Tuksar Produktion: Marcus Brauer, Denis Tuksar

Erscheinungstermin: Februar 2020 Verlag: Closelook Publishing GmbH (Verleger im Sinne des Presserechts), Walter-Kollo-Str.

24, 14513 Teltow E-Mail: publishing@closelook.eu Geschäftsführung: Thomas Look

HRB 26282, Amtsgericht Potsdam, UID: DE 290542225

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STECKBRIEF

Daten, Fakten Und Ereignisse

3

D

er FC Bayern München (FCB) wird am

27. Februar 1900 gegründet und ist mit

291.000 Mitgliedern (Stand: Juli 2019)

der mitgliederstärkste Sportverein der Welt. Der

Klub gehört nicht zu den Gründungsmitgliedern

der Fußball-Bundesliga, spielt aber seit der Saison

1965/66 ununterbrochen und mittlerweile am längsten

von allen Bundesligavereinen in der höchsten

deutschen Spielklasse.

Das erste Spiel der Vereinsgeschichte findet auf dem

städtischen Spielplatz an der Schyrenstraße statt.

Der FCB schlägt den 1. Münchner FC mit 5:2. Von

1900 bis 1907 spielt der Verein in Schwabing an der

Clemensstraße 50 und wechselt danach zur Leopoldstraße.

Von 1925 an spielt der FCB 47 Jahre lang

im Grünwalder Stadion – bis zum Ende des Zweiten

Weltkriegs als Untermieter von 1860 München. Das

erste Spiel im neuen Olympiastadion von München

findet am letzten Spieltag der Saison 1971/72 statt.

Von 1995 an muss der FC Bayern das Stadion mit

1860 München teilen. Das Trainingsgelände des FC

Bayern befindet sich in München-Giesing an der

Säbener Straße.

Im Zuge der WM 2006 in Deutschland wird ein

neues Stadion in Fröttmaning am nördlichen Ende

der Stadt (Stadtbezirk 12 Schwabing-Freimann) gebaut.

Sowohl der FC Bayern als auch 1860 München

spielen in der neuen Arena, die nur für Fußballveranstaltungen

genutzt werden darf. Die FC Bayern

München AG und die TSV München von 1860

GmbH & Co. KGaA sind zunächst zu je 50 % an

der Stadiongesellschaft, der die Arena gehört und

sie betreibt, beteiligt. Als die „Löwen“ in finanzielle

Nöte geraten, verkaufen sie ihren Anteil an den FCB.

Eine ausgehandelte Rückkaufoption wird kurze Zeit

später ebenfalls an den FCB abgetreten. Mittlerweile

spielt 1860 München wieder im altehrwürdigen

Stadion an der Grünwalder Straße. Seit dem 25.

Mai 2012 beherbergt die Allianz Arena die FC-Bayern-Erlebniswelt,

eine multimediale Ausstellung auf

mehr als 2.500 Quadratmetern mit mehr als 400

Ausstellungsstücken aus der Geschichte des Vereins.

Die Profiabteilung der FCB-Fußballer wird im Jahr

2001 in die FC Bayern München AG ausgegliedert.

Aktionäre sind per Dezember 2019 mit 75,00 % der

Fußball‐Club Bayern München e. V. und mit jeweils

8,33 %: die Adidas AG, die Allianz SE und die Audi

AG. Die AG ist in zwei Geschäftsbereichen aktiv: 1)

dem Geschäftsbereich Fußball, der den Betrieb und

die Vermarktung der Fußballmannschaften („Sportveranstaltung/Vermarktung/Sponsoring“)

und der

Marke des FC Bayern („Merchandising/Lizenzen“)

umfasst und 2) dem Geschäftsfeld Allianz Arena,

welches die drei hundertprozentigen Töchter Allianz

Arena München Stadion GmbH, Allianz Arena

Payment GmbH und Arena Stadion Beteiligungs

GmbH & Co. KG beinhaltet.

Auf Wiedersehen Olympiastadion heißt es im Frühjahr 2005.

Foto: Imago Images/HochZwei

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GOOD TO KNOW

Was wenige wissen

4

Der FC Bayern – Entstanden aus Frust, unter

Mitwirkung von viel Alkohol, mit den Vereinsfarben

Blau-Weiss und ohne richtige

Bayern. Unsinn? Nope! Denn am 27. Februar 1900

findet im Gasthaus „Bäckerhöfl“ in München eine

Sitzung der Fußballabteilung des MTV München

statt. Bei dieser kommt es zu einem gewaltigen Streit

über die weitere Entwicklung der Fußballabteilung

des Vereins. Die Generalversammlung des MTV

hat kurz zuvor den Beitritt des Vereins zum Verband

der Süddeutschen Fußball-Vereine abgelehnt.

Das kommt nicht gut an – jedenfalls nicht bei allen

Sitzungsteilnehmern. Gegen 21:30 Uhr verlassen

die MTV-Vereinsmitglieder Ringler, Otto Ludwig

Naegele, Zoepffel, Josef Pollack, Fritz Wamsler, Karl

Wamsler, Georg Schmid, Paul Francke, Kuno Friederich,

Wilhelm Focke und Franz John wutentbrannt

das Gasthaus. Und wechseln zur zweiten Halbzeit in

das „Weinhaus Gisela“ in Schwabing. Mit viel Frust,

Wut im Bauch und beseelt von Bier, Schnaps und

Wein gründen sie noch am selben Abend den F.C.

Bayern – mit genau elf Mann. Und ein Berliner wird

erster „Cheffe“. Zu den auf der Gründungsurkunde

erwähnten Mitgliedern des F.C. Bayern gehört der

Bildhauer Benno Elkan, der damals noch unbekannt

ist. Den Vorsitz führt ein Berliner mit Namen Franz

John. John wird auch der erste Vorsitzende in der

Geschichte des Vereins. Als Vereinsfarben einigt

man sich auf Blau-Weiß, die Farbe Rot taucht zunächst

nicht auf. Die Vereinsgründer kommen zu

einem Großteil nicht aus München oder Bayern,

sondern aus Berlin, Freiburg, Leipzig und Bremen.

Also weniger Bayern München, sondern eher

Borussia München.

Der FC Bayern ist der Krösus der Bundesliga. Das

ist bekannt und stimmt auch. Was wenige wissen.

Im internationalen Vergleich ist der FC Bayern

nicht überragend finanzstark und wichtige Finanzkennzahlen

verschlechtern sich beim Verein. Der

FCB setzt vom 1. Juli 2018 bis zum 30. Juni 2019

750,4 Millionen Euro um, 93 Millionen Euro mehr

als im Geschäftsjahr zuvor. Der Jahresüberschuss

nach Steuern beläuft sich auf 52,5 Millionen Euro.

Das sind 23 Millionen Euro oder 78 Prozent mehr

als 2017/18 und 13,3 Millionen Euro mehr als beim

bisherigen Rekordüberschuss 2016/17. Das Eigenkapital

des Gesamtkonzerns steigt zum 30. Juni

2019 auf 497,4 Millionen Euro (Bilanz des Gesamtkonzerns,

zu der auch die Allianz Arena Stadion

GmbH gehört). Die Zahlen klingen exzellent, sie

sind es aber nicht, zumindest nicht im Vergleich mit

den internationalen Top - und Oligarchen-Klubs.

Beispiel Umsatz: Transferbereinigt lauten die drei

jüngsten Jahreszahlen: 592 Mio. €, 588 Mio. € und

629 Mio. €. Der FC Bayern wächst nicht besonders

dynamisch.

Beispiel Kosten: Die Spielergehälter legen schneller

zu als der Umsatz. In der Saison 2017/18 betragen

sie 302,5 Millionen Euro, 14 Prozent mehr als im

Jahr davor. In einer 3-Jahres-Betrachtung steigt der

transferbereinigte Umsatz um sieben Prozent, die

Personalkosten wachsen mehr als doppelt so schnell.

Inzwischen liegt die Personalkostenquote der

Bayern bei 46 Prozent.

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Good To Know - Was wenige wissen

5

Stand: November 2019; * Nettogehalt - Coutinho ist damit Top-Verdiener beim FC Bayern

** Gehaltsteilung mit Inter Mailand

Platz Spieler Gehalt pro Saison Geboren Vertrag bis

1 Robert Lewandowski € 19.5 Mio. 21.08.88 2023

2 Manuel Neuer € 15 Mio. 27.03.86 2021

2 Thomas Müller € 15 Mio. 13.09.89 2021

4 Lucas Hernandez € 13 Mio. 14.02.96 2024

5 Philippe Coutinho* 13 Mio. € Netto 12.06.92 2020 (Leihe)

6 Thiago Alcantara € 12 Mio. 11.04.91 2021

6 David Alaba € 12 Mio. 24.06.92 2021

6 Jerome Boateng € 12 Mio. 03.09.88 2021

9 Ivan Perisic** € 10 Mio. 02.02.89 2020 (Leihe)

10 Leon Goretzka € 8 Mio. 06.02.1995 2022

10 Joshua Kimmich € 8 Mio. 08.02.95 2023

10 Kingsley Coman € 8 Mio. 13.06.96 2023

13 Corentin Tolisso € 7.0 Mio. 03.08.94 2022

14 Javi Martinez € 6.0 Mio. 02.09.88 2021

15 Niklas Süle € 5.0 Mio. 03.09.95 2022

15 Sven Ulreich € 5.0 Mio. 03.08.88 2021

15 Benjamin Pavard € 5.0 Mio. 28.03.96 2024

15 Jan-Fiete Arp € 5.0 Mio. 06.01.00 2024

19 Serge Gnabry*** € 4.5 Mio. 14.07.95 2023

Bayern München - Aktuelle Spielergehälter; November 2019. Quelle Vermögenmagazin.de 1

Man kann an einem Vergleich der Gehälter des aktuellen Kaders mit den ziemlich validen Schätzungen der

Gehälter der ehemaligen Spieler die Gehaltsexplosion im deutschen und internationalen Fußball relativ

genau ablesen. So verdient ein Fiete Arp das doppelte dessen, was Lothar Matthäus in der Saison 1999/00

beim FC Bayern verdient haben soll. Und er streicht ungefähr das gleiche ein wie Oliver Kahn in der Saison

2007/08.

1 Die Gehälter werden vom Verein nicht kommuniziert und nicht öffentlich bekannt gegeben. Sie basieren daher auf Medienrecherchen

und Schätzungen, insbesondere auf einer Aufstellung von www.vermoegenmagazin.de vom November 2019. Wir

halten es für unwahrscheinlich, dass Serge Gnabry weniger verdienen soll als z.B. Jan Fiete Arp, aber die Zahlen liegen uns so vor.

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Good To Know - Was wenige wissen

6

Nummer Spieler Gehalt pro Saison Geboren Letzte Spielzeit

16 Lothar Matthäus € 2.5 Mio. 21.03.61 1990/00

15 Stefan Effenberg € 4.5 Mio. 02.08.68 2001/02

14 Oliver Kahn € 5.0 Mio. 15.06.69 2007/08

13 Lukas Podolski € 3.0 Mio. 04.06.85 2008/09

12 Luca Toni € 10 Mio. 26.05.77 2009/10

11 Mark van Bommel € 4.0 Mio. 22.04.77 2010/11

10 Miroslav Klose € 7 Mio. 09.06.78 2010/11

9 Toni Kroos € 4.5 Mio. 04.01.90 2013/14

8 Bastian Schweinsteiger € 10 Mio. 01.08.84 2014/15

7 Holger Badstuber € 4 Mio. 13.03.89 2015/16

6 Mario Götze € 12 Mio. 03.06.92 2015/16

5 Tom Starke € 1.5 Mio. 18.03.81 2016/17

4 Xabi Alonso € 5.4 Mio. 25.11.81 2016/17

3 Douglas Costa € 7 Mio. 14.09.90 2016/17

2 Philipp Lahm € 10 Mio. 11.11.83 2016/17

1 Arturo Vidal € 10 Mio. 22.05.87 2017/18

Bayern München – Gehälter ehemaliger Spieler; Schätzung aus November 2019. Quelle Vermögenmagazin.de

Beispiel Gewinn und Bimbes: In der Saison 2017/18

bilanziert die FC Bayern AG einen operativen Gewinn

(EBITDA) von 110 Millionen Euro, für die

Saison 2018/19 knapp 115 Millionen Euro. Das ist

weniger als in der Saison 2016/17 und ungefähr

auf dem Niveau der Saison 2015/16. Das Eigenkapital

der Bayern wächst zwar noch, zuletzt von

446 auf 451 und 497 Millionen Euro. Aber beim

Umlaufvermögen, das in erster Linie aus Bankguthaben

und Transferforderungen besteht, zeigt

sich ein Rückgang. 211 Millionen Euro haben die

Bayern Ende Juni 2019 auf der hohen Kante. Zwei

Jahre zuvor sind es gut 220 Millionen Euro, Mitte

2016 sogar noch über 227 Millionen Euro. Im Bundesligavergleich

sind die Bayern damit nach wie

vor die unangefochtene Nummer Eins: Der größte

Konkurrent Borussia Dortmund weist zum 30.

Juni 2018 ein Umlaufvermögen von 120 Millionen

Euro aus, davon 55 Millionen Euro als Bankguthaben.

Doch den größten Vorsteuergewinn eines

Fußballklubs erzielt im Finanzjahr 2017/18 der

FC Liverpool mit 125 Millionen Britischen Pfund.

Fazit: Für einen Transfersommer oder -winter mit

gezielten Verpflichtungen sind die Bayern gerüstet.

Aber die wirtschaftliche Substanz, um auf Dauer auf

Top-Level auf dem globalen Transfermarkt zu agieren,

haben sie nicht mehr – maximal das Geld für

genau eine Rundumerneuerung des Kaders. Denn

vor zehn Jahren konnte man mit dem Festgeldkonto

des FCB (ca. 200 Mio. €) noch eine ganze Mannschaft

bestehend aus Weltklassespielern kaufen. Heute

bekommt man für diese Summe gerade noch eine

Weltklasseabwehr – ohne Torhüter und Ersatzbank.

Gladbach und Bayern – Zwischen 1969 und 1977

tauchen nur zwei Namen auf der Meisterschale auf.

Borussia Mönchengladbach und Bayern München.

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Good To Know - Was wenige wissen

7

Beide Teams qualifizieren sich in der Aufstiegsrunde

1964/65 für die Bundesliga und beide Teams spielen

flotten Angriffsfußball. Was weniger bekannt ist: Beide

Vereine setzen in den 60-er Jahren fast komplett

auf „local heroes“ und nicht auf nationale und internationale

Stars. Auch der FC Bayern! In Gladbach

stammen Spieler wie Netzer, Vogts, Wimmer und

Heynckes aus Mönchengladbach oder der näheren

Umgebung, in München sind es die Bajuwaren Beckenbauer,

Maier und Müller und etwas später Roth

und Schwarzenbeck, die eine neue Ära einleiten.

Am 31.05.1967 gewinnt der FC Bayern zum ersten Mal

einen Europacup, den Cup der Pokalsieger. Franz Roth (m.)

schießt das einzige Tor des Spiels in der Verlängerung. Foto:

Imago Images/WEREK

Die Bayern haben die Bundesliga schon immer bestimmt.

Ihre Dominanz ist genauso vorbestimmt

wie die von Barca oder Real in Spanien. Das mögen

einige Bayern-Hater verzweifelt denken. Doch

selbstverständlich ist die Dominanz der Münchener

nicht – eher schon hart und geschickt erarbeitet.

Denn mindestens zwei Vereine haben in den 80-er

Jahren des 20. Jahrhunderts, als durch das Privatfernsehen

ein neues Fußballzeitalter eingeleitet

wird, ähnlich gute Startbedingungen wie der FCB:

der Hamburger SV und der 1. FC Köln. Alle drei

Vereine spielen in einem großen Stadion, sind in

einer Millionenstadt angesiedelt, haben ein lokales

Umfeld mit großen, finanzkräftigen Sponsoren, eine

große Fanggemeinde, Tradition und ein Top-Team.

Aber nur der FCB hat auch ein gutes Management.

Bei den beiden anderen Vereinen regieren von den

90-er Jahren an das Peter-Prinzip und Avanti Dilettanti.

Der FC Bayern entwickelt sich zum Krösus

der Liga, die beiden anderen erst in Richtung Mittelmaß

und dann zu Fahrstuhlteams. Schon 1991

rettet nur der Transfer von Thomas Doll zu Lazio

Rom den Hanseaten die Lizenz, die Kölner steigen

nach 34 Jahren Bundesligazugehörigkeit 1998 zum

ersten Mal und bis 2019 insgesamt sechsmal ab.

Der FC Bayern in Geldschwierigkeiten? Das muss

vor Einführung der Bundesliga gewesen sein.

Bullshit! Im Jahr 1984 steht der FCB mit 8,0 Mio.

DM in der Kreide, viel Geld für damalige Verhältnisse.

Der Hamburger SV hat sich gerade als

dominierende Kraft im deutschen Fußball etabliert.

Da rettet der Verkauf von Karl-Heinz Rummenigge

die Bayern-Bilanz. Inter Mailand zahlt rund

11,5 Millionen D-Mark für den Weltklassestürmer,

womit die Bayern auf einen Schlag entschuldet

sind. „Bayern-Millionen machen die Bundesliga

verrückt”, textet der „Kicker” etwas hysterisch. Die

Münchener legen das Mailand-Geld exzellent an.

Sie verpflichten Lothar Matthäus für 2,4 Millionen

DM von Borussia Mönchengladbach und Roland

Wohlfarth für eine Million DM von Zweitligist

MSV Duisburg, die teuersten Transfers der Saison

1984/85. Zusätzlich stoßen Norbert Eder und

Ludwig Kögl für kleineres Geld zum FCB. Insgesamt

investieren die Bayern für damalige Verhältnisse

gewaltige vier Millionen Deutsche Mark in

ihren Kader. Mit Erfolg: Von 1985 – 1987 folgt der

zweite Titel-Hattrick in der Geschichte des Vereins.

Die Rummenigge-Brothers feiern den Gewinn des DFB-Pokals

am 31.05.1984. Foto: Imago Images/Pressefoto Baumann

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Good To Know - Was wenige wissen

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Der erste europäische Titel: Finale - Europacup der Pokalsieger 1967

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FÜR DIE HATER

Peinliche Katastrophen und große Niederlagen

9

Die größten fußballerischen Peinlichkeiten

des FCB bei internationalen Spielen

sind zwei besonders schmerzhafte Niederlagen

des FC Bayern in Europa. Als Mutter aller

fußballerischen Peinlichkeiten des FC Bayern gilt

die Niederlage im Finale der Champions League

1999 im Estadio Camp Nou des FC Barcelona gegen

Manchester United, als das Team einen 1:0 Vorsprung

in den letzten Minuten des Spiels nicht über

die Zeit retten kann. Fast genauso peinlich ist den

Bayern-Oberen die Niederlage im Finale der Champions-League

in der heimischen Allianz-Arena im

Jahr 2012 gegen Chelsea London, das trotz drückender

Überlegenheit im Elfmeterschießen verloren

wird. Das Vize-Triple im Jahr 2012 gilt als Tiefpunkt,

aber auch als Wendepunkt des FC Bayern. Weitere

peinliche Katastrophen und große Niederlagen

der Klubgeschichte sind (Stand Dezember 2019):

Bayern vs. Barca in der UCL 2015 – Das Original

frisst die Kopie: Im Halbfinale der Champions-League

Saison 2014/15 trifft der FC Bayern auf

den FC Barcelona. Pep Guardiolas neues Team gegen

den Heimatverein des Spaniers. Die Kopie gegen

das Original. Und das Original zeigt der Kopie, was

Klasse ist. 3:0 gewinnen die Katalanen das Hinspiel

und auch im Rückspiel dominiert das beste Team

der Saison 2014/15 lange Zeit. Nach einer frühen

Führung und dem 2:1 für Barca ist klar, dass die Bayern

diesen Rückstand nicht mehr würden aufholen

können. Der 3:2 Sieg der Münchner ist Kosmetik.

Ancelotti überlistet die Bayern – UCL 2014:

Ein weiteres UCL-Desaster für den FC Bayern

und Pep Guardiola ereignet sich in der Saison

2013/14. Der Titelverteidiger scheitert im Champions-League-Halbfinale

an Real Madrid. Ohne ein

einziges Tor und mit der höchsten Heimspiel-Niederlage

(0:4) der Europapokal-Geschichte lässt sich

eine konfuse Bayernelf von den Königlichen von Europas

Fußball-Thron stoßen. Sechs Tage nach dem

0:1 in der spanischen Hauptstadt zerstören Sergio

Ramos mit einem Kopfball-Doppelschlag in der 16.

und 20. Minute sowie Cristiano Ronaldo (34./89.)

vor 68.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena

die Münchner Hoffnungen auf die erste Titelverteidigung

in der Champions League. Die Bayern merken

sich den Trainer, der ihnen das angetan hat: Carlo

Ancelotti, er wird 2016 Nachfolger von Pep Guardiola.

Schema F unter LvG – UCL Finale 2010: Das historische

Triple hat der FC Bayern schon mehrfach

in letzter Minute vergeigt. Unter anderem im Jahr

2010. Der deutsche Meister und Pokalsieger verliert

in Madrid das Finale der Champions League gegen

Inter Mailand mit 0:2 (0:1). Vor 74.954 Zuschauern

besiegelt Diego Milito (35./70. Minute) mit seinen

Toren die damals vierte Niederlage der Bayern in einem

europäischen Landesmeister-Finale nach 1982,

1987 und 1999. Inter erobert erstmals seit 45 Jahren

wieder die wertvollste Trophäe des europäischen

Club-Fußballs und macht nach Meisterschaft und

Pokalsieg den Dreifach-Triumph perfekt. Die Bayern

sind feldüberlegen, doch spielen sie typischen LvG-

Fußball. Schematisch, ausrechenbar und uninspiriert.

Der Anfang vom Ende. Diego Milito mit dem 1:0 gegen den

FC Bayern im Champions League Finale 2010. Inter Mailand

schlägt den FC Bayern mit 2:0. Foto: Imago Images/AFLO-

SPORT

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Für die Hater - Peinliche Katastrophen und große Niederlagen

10

Felix Magath – Rache ist süß: Bundesliga 2009. Bittere

Niederlagen gibt es nicht nur in Europa, sondern

auch in der Bundesliga. Und Ex-Trainer, die

sich „rächen“. Felix Magath ist ein Paradebeispiel.

Aufgrund seiner Erfolge als Trainer beim VfB Stuttgart

wird der FC Bayern auf Magath aufmerksam

und verpflichtet „Quälix“ zur Saison 2004/05 als

Trainer. Das Engagement beim Rekordmeister dauert

vom 1. Juli 2004 bis zum 31. Januar 2007 - In

dieser Zeit wird Magath mit den Bayern sowohl

in der Saison 2004/05 als auch 2005/06 Deutscher

Meister und gewinnt jeweils auch den DFB-Pokal.

Zwei Doubles in Folge sind zuvor noch keinem

Verein oder Trainer gelungen. Als die Bayern nach

der WM 2006 und dem Abgang von Michael Ballack

nicht an die Leistungen der Vorjahre anknüpfen

können, wird Magath am 31. Januar 2007 nach einem

0:0 gegen den VfL Bochum entsorgt und durch

seinen Vorgänger Ottmar Hitzfeld ersetzt. Am 15.

Juni 2007, knapp zwei Monate vor dem Beginn der

Saison 2007/08, wird Magath neuer Geschäftsführer

und Trainer beim VfL Wolfsburg. Er verpflichtet

weitgehend unbekannte Spieler wie den Brasilianer

Grafite oder den Bosnier Edin Džeko. In der Saison

2007/08 schafft das Team den UEFA-Cup und

2008/09 gewinnt der VfL Wolfsburg die Deutsche

Meisterschaft. Dabei „schreddern“ sie im Frühjahr

2009 den FC Bayern zu Hause mit 5:1. Rache ist süß.

Richtig schlecht sind die Bayern im Jahr eins nach

Beckenbauer, in der Saison 1977/78: Da setzt es

auch die größte Negativserie des Vereins mit sieben

Niederlagen nacheinander. Sie beginnt mit einem

0:2 in Mönchengladbach am 22.10., setzt sich

fort mit den gleichen Ergebnissen im Heimspiel

gegen Hertha BSC und im UEFA-Cup-Spiel bei

Marek Stanke Dimitrov (nach 3:0 im Hinspiel ein

„Erfolg“), einem 3:6-Desaster beim MSV Duisburg,

einem 1:3 im Derby gegen die bis dahin sieglosen

„Löwen“ und gleich zwei 0:4-Niederlagen binnen

drei Tagen bei Eintracht Frankfurt, letzte am 26.11.

im UEFA-Pokal. Erst dann verliert Trainer Dettmar

Cramer seinen Job, Bayern tauscht ihn gegen den

Eintracht-Trainer Gyula Lorant ein, der prompt

sein Debüt gewinnt (4:2 gegen Kaiserslautern).

So schlimm wird es nie wieder. Aber im Oktober

1991 gibt es immerhin noch vier Niederlagen hintereinander:

Am 5.10. heißt es 1:4 gegen die Stuttgarter

Kickers (H), am 12.10. gibt’s ein 0:3 gegen

Borussia Dortmund (H), am 19.10. ein 2:3 beim VfB

Stuttgart und am 22.10. ein 2:6 bei B 1903 Kopenhagen

(UEFA-Cup, 2. Runde, Hinspiel). Diesen Wert

hat nur noch ein Coach egalisiert, dem man das gar

nicht zugetraut hätte – Wunder-Mann Pep Guardiola.

Denn der Rekordtrainer verliert im Frühjahr 2015

nach fast 24 Jahren ebenfalls vier Spiele nacheinander.

Gegen Borussia Dortmund (Halbfinale DFB-Pokal/H/1:1,

0:3 i.E.), bei Bayer Leverkusen (Bundesliga/0:2),

beim FC Barcelona (Halbfinal-Hinspiel

Champions League/0:3) und gegen den FC Augsburg

(Bundesliga/0:1). Vor allzu scharfer Kritik schützt

ihn die schon längst gewonnene Meisterschaft.

2:6 im Europacup gegen das „Weltteam” aus Kopenhagen

– 1991: Im Oktober 1991 kassiert der

FCB die höchste Niederlage in einem europäischen

Wettbewerb. Die setzt es ausgerechnet gegen den

„Weltklub“ B Kopenhagen. Am 23. Oktober 1991

verlieren die Bayern in der 2. Runde des UEFA-Pokals

in Kopenhagen mit 6:2 (Torschützen Kopenhagen:

Manniche (2), Nielsen, Wegner, Kraus, Uldbjerg;

München: Mazinho, Münch). Bei den Bayern

ist wenige Tage zuvor Jupp Heynckes von Manager

Uli Hoeneß entlassen worden, nach der Niederlage

wachsen die Zweifel an Trainernovize Sören Lerby.

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Für die Hater - Peinliche Katastrophen und große Niederlagen

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2:6 im Oktober 1991 gegen Bröndby Kopenhagen – das war peinlich. Im Rückspiel schaffen Effe und Co – hier ein Foto vom

Rückspiel - nur noch ein 1:0. Foto: Imago Images/Fred Joch

Es setzt noch sechs Niederlagen mit vier Toren Differenz,

doch da sind die Gegner aber von anderem

Kaliber: 1973 gibt es im Landesmeister-Cup

ein 0:4 bei Ajax Amsterdam, ebenso wie 1977 im

erwähnten UEFA-Cup-Spiel bei Eintracht Frankfurt,

2009 unter Jürgen Klinsmann in der Champions

League beim FC Barcelona oder 2014 im

Halbfinalheimspiel dieses Wettbewerbs gegen Real

Madrid. Mehr als nur den Hauch einer Blamage

hat dagegen das 0:4 im UEFA-Cup-Halbfinale bei

Zenit St. Petersburg. Nur einmal heißt es 1:5: im

UEFA-Cup-Halbfinale 1980 bei Angstgegner Eintracht

Frankfurt, aber erst in der Verlängerung.

Endstation Breisgau und Magdeburg, Weinheim

und Vestenbergsgreuth: Selbst gegen Teams wie den

SC Freiburg setzt es Anfang der 90-er Jahre richtige

Klatschen, wie z.B. am 2. Spieltag der Saison 1994/95

mit 1:5 beim SC Freiburg. Von besonderer Peinlichkeit

sind aber einige Bayern-Niederlagen im Pokal.

Die Bayern scheiden im DFB-Pokal drei Mal innerhalb

von zehn Jahren gegen Amateure aus. Gegen den

1. FC Magdeburg, gegen den FV Weinheim 09 und –

legendär – gegen die Mittelfranken des TSV Vestenbergsgreuth.

In Weinheim (1990) und in Nürnberg

(1994), wohin Vestenbergsgreuth wegen der Fernsehübertragung

ausweicht, erwischt es sie schon in

der ersten Runde. Beide Spiele enden 1:0. Im November

2000 kommen sie immerhin in die 2. Runde,

ehe ihnen der damals viertklassige 1. FC Magdeburg

(Oberliga Nordost-Süd) im Elfmeterschießen (4:3)

den Garaus macht. Was für ein Fest für Bayern-Hater.

Die aus Bayern-Hater Sicht erfreulichsten Spielzeiten in der

Bundesliga sind 1974/75, 1977/78, 1991/92 sowie 1976/77.

Darin finden sich folgende Negativ-Rekorde der Bayern:

Schlechteste Platzierung in der Abschluss-Tabelle:

1977/78 sind die Roten am Ende auf Platz 12.

Meisten Gegentore: 1976/77 kassiert Sepp Maier 65

Gegentore.

Schlechteste Tordifferenz: 1974/75 hat der FCB eine

Tordifferenz von -6 (57:63).

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Für die Hater - Peinliche Katastrophen und große Niederlagen

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Wenigsten erzielten Punkte: 1977/78 sind es 32:36

Punkte (34 Spiele), 1991/92 36:40 Punkte (38 Spiele).

Es sind die einzigen Spielzeiten in der Bundesliga

mit negativen Bilanzen.

Wenigste Siege: 1977/78 gibt es für die Münchener

nur elf Siege, alle zuhause. Daraus folgt…

Wenigste Auswärtssiege: 1977/78 bleibt der FC Bayern

in der Fremde erfolglos, schafft nur sieben Remis.

Meiste Niederlagen: 1991/92 verliert der FCB 15

von 38 Spielen, 1974/75 gibt es 14 Niederlagen in

34 Spielen.

12. Spieltag, 20.10.1973, 15:30 Uhr; 1. FC Kaiserslautern:

Elting, Ackermann, Bitz, E. Diehl, F. Fuchs,

Huber, Laumen, Pirrung, Sandberg, Schwager, K.

Toppmöller. München: Maier, Beckenbauer, Dürnberger,

Gersdorff, Hansen, Hoeneß, Hoffmann,

Müller, Roth, Schwarzenbeck, Zobel. Tore: 0:1 Gersdorff

(3.), 0:2 Gersdorff (12.), 0:3 Müller (36.), 1:3

Pirrung (43.), 1:4 Müller (57.), 2:4 K. Toppmöller

(58.), 3:4 Pirrung (61.), 4:4 Pirrung (73.), 5:4 E. Diehl

(84.), 6:4 Laumen (87.), 7:4 Laumen (89.). Schiedsrichter:

Horst Bonacker Bergheim), Zuschauer:

34000, Kartenstatistik: Gelb: Bitz – Gersdorff, Rot:

Gersdorff (76.).

Schlechteste Heimbilanz: 1991/92 ist der FCB 14.

(von 20 Mannschaften) in der Heimspieltabelle, die

Münchener kommen nur auf 21:17 Punkte.

Schlechteste Halbserien: 1977/78 steht der FCB nach

der Hinrunde mit 14:20 Punkten auf Platz 15. In der

Rückrundentabelle 1991/92 liegt er auf Platz 13 bei

mageren 17:21 Punkten (20 Teams). Vergleichbar

schlecht verläuft die Rückrunde 1976/77 mit 15:19

Punkten (18 Teams).

Nicht in diesen zeitlichen Korridor fällt nur diese

Rubrik:

Wenigste Tore: 1994/95 und 2006/07 erzielt der FCB

nur jeweils 55 Tore (in 34 Spielen).

Besonders berühmt ist ein 4:7...Die überraschendste

Wende in einem Bundesligaspiel gegen den FC

Bayern. Am 20. Oktober 1973 liegt der 1. FC Kaiserslautern

gegen die Bayern zur Halbzeit mit 1:3

hinten, in der 57. Minute erhöhen die Münchener

auf 4:1. Fait accompli – denken alle Zuschauer, die

ersten gehen nach Hause. Doch das Spiel kippt noch

einmal. 7:4 für die Pfälzer steht es nach 90 Minuten!

Sechs Tore gegen den FC Bayern in 33 Minuten –

eine grandiose Leistung der „Roten Teufel“. Wegen

seines spektakulären Verlaufs wird diese Partie von

den Lesern der „Sport Bild“ 2013 zur besten in 50

Jahren Bundesliga gekürt, sicherlich auch mit den

Stimmen zahlreicher Bayern-Hater. Die Statistik:

1. FC Kaiserslautern – Bayern München 7:4 (1:3),

Klaus Toppmöller trifft zum 2:4 für Kaiserslautern gegen den

FC Bayern am 20.10.1973. Am Ende steht es 7:4 für die

Pfälzer. Die Mutter aller Bundesliga-Niederlagen für den FC

Bayern. Foto: Imago Images/Ferdi Hartung

Dem FC Bayern die Bundesliga-Meisterschaften

„geklaut“: Fünf Meisterschaften hat Borussia

Mönchengladbach in der Bundesliga dem FC Bayern

„geklaut“. Eine davon am letzten Spieltag. In der

Saison 1970/71 liegen die Bayern vor dem letzten

Spiel beim MSV Duisburg vor den Gladbachern,

sie verlieren jedoch mit 0:2. Gladbach gewinnt in

Frankfurt mit 4:1 und verteidigt als erster Verein

den Meistertitel in der Bundesliga. Das passiert den

Bayern bis Dezember 2019 nicht mehr.

Gewonnen und doch verloren. Der FC Bayern gewinnt

in der Saison 1994/95 mit 5:2 in Frankfurt,

aber wegen eines Wechselfehlers von Giovanni Trapattoni,

der mit Dietmar Hamann einen vierten Ama-

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teur bringt (drei sind erlaubt), wird das Ergebnis am

grünen Tisch in ein 2:0 für Frankfurt umgewandelt.

Die höchste Heimniederlage – 0:7 gegen Schalke

04 – 1976. Doch es geht noch peinlicher. Und

dafür sorgt ausgerechnet Schalke 04, in der Regel ja

kein Angstgegner für die Bayern. Doch am 9. Oktober

1976 besiegt der FC Schalke 04 den großen

FC Bayern mit 7:0 im Olympiastadion in München.

Klaus Fischer schießt dabei vier Tore. Das 7:0 gegen

Schalke ist bis heute immer noch die höchste

Pflichtspielpleite des FC Bayern und gleichzeitig

der höchste Sieg der Königsblauen. Und hier die

Zahlen: FC Bayern München – FC Schalke 04 0:7

(0:2) Sa 09.10.1976, 15:30 Uhr, Olympiastadion,

München, Bundesliga 1976/1977, 9. Spieltag, 50.000

Zuschauer, Schiedsrichter: Günter Linn (Altendiez).

Tore: 0:1 Klaus Fischer (11. Minute), 0:2 Erwin

Kremers (44.), 0:3 Klaus Fischer (46.), 0:4 Manfred

Dubski (64.), 0:5 Klaus Fischer (67.), 0:6 Rüdiger

Abramczik (74.), 0:7 Klaus Fischer (82.). Fast genauso

bemerkenswert: Fortuna Düsseldorf gewinnt

am 9. Dezember 1978 mit 7:1 gegen den FCB, das

ist die höchste Auswärtspleite des Rekordmeisters.

Mehr als sieben Tore hat Bayern noch nie in der

Bundesliga bekommen (Stand Dezember 2019).

Keine Chance gegen Kloppo und das Vize-Tripple,

2012. Die Bayern dominieren und zumindest

für kurze Zeit die Nr. 1 im deutschen Fußball zu

werden, diesen Wunsch hegen viele. Das gelingt

dem BVB in den Jahren 2011 und 2012. Sichtbarer

Ausdruck dafür ist der 5:2-Sieg im DFB-Pokalfinale

2012 und der Gewinn des Doubles. Überragender

Mann im Finale ist Robert Lewandowski,

der drei Tore schießt. Für die Bayern ist es damals

die fünfte Pleite gegen den BVB in Serie. Peinlich.

Auch die Aussage von Kapitän Philipp Lahm

nach dem Spiel: „Wir waren über 90 Minuten die

bessere Mannschaft…”. Das Jahr 2012 ist sowieso

ein absolutes Seuchenjahr für die Bayern.

Versagt beim Penalty Shoot-Out – Die Gram beim

Finale dahoam, 2012. Gegen Amateure im DFB-Pokal

rauszufliegen ist peinlich. Gegen Engländer im

eigenen Stadion das Champions League-Finale

im Elfmeterschießen zu versemmeln, das ist megapeinlich.

Wobei die größere Peinlichkeit darin

besteht, dass es überhaupt zum Shootout kommt,

denn an diesem 19. Mai 2012 spielt nur eine Mannschaft:

der FC Bayern, der durch Thomas Müller

kurz vor Schluss in Führung geht und diese durch

Didier Drogbas Kopfballtor nach einer Ecke wieder

hergibt. Schon in der Verlängerung üben sie

dann Elfmeterverschießen, Arjen Robben vergibt

den „Matchball“ und scheitert an Petr Cech. Böse

Vorboten. Im Elfmeterschießen sind sie wieder im

Vorteil, obwohl es an Schützen mangelt und sogar

Manuel Neuer schießen muss (und trifft). Ivica Olic

und ganz zuletzt Bastian Schweinsteiger vergeben

und stürzen den Verein tagelang in tiefste Tristesse.

Das fatale „Finale dahoam“ krönt die Seuchensaison

2011/12. Denn auch in der Bundesliga und im

DFB-Pokal reicht es nur zum zweiten Platz. Es ist die

Initialzündung für die bis August 2019 anhaltende

Dominanz der Bayern über den deutschen Fußball.

So was wollen sie nicht mehr erleben und deshalb

holen sie Matthias Sammer (als Sportdirektor).

Barcelona 1999. Die Mutter aller Niederlagen oder

in 102 Sekunden vom Himmel in die Hölle. Chelsea

war furchtbar, aber die Mutter aller Bayern-Niederlagen

ist der verpasste Sieg im Champions Legaue-Finale

1999. Durch ihre Niederlage in Barcelona

verpassen die Bayern die Chance, zum damals

vierten Mal in der Vereinsgeschichte den einstigen

Europapokal der Landesmeister zu gewinnen. Sie

kratzt auch an ihrem Mythos der Kaltschnäuzigkeit

und Unbesiegbarkeit nach eigener Führung – und

das auf wirklich überflüssige Art. 40.000 Fans, die im

Münchner Olympiastadion auf einer Großleinwand

zusehen, quittieren das Aus in allerletzter Minute

mit fassungslosem Entsetzen. Vor 90.000 Zuschauern

im Fußball-Tempel Camp Nou und einem Milliardenpublikum

an den TV-Schirmen in aller Welt

wähnt sich der FC Bayern nach dem Freistoßtor

von Mario Basler (6. Minute) am Ziel aller Träume.

Doch diese werden durch die Tore von Teddy Sher-

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ingham (91.) und Ole-Gunnar Solksjaer (93.), beide nach Eckbällen von David Beckham, zunichte gemacht.

„Das war die grausamste Niederlage, weil wir so nah dran waren”, fasst Präsident Franz Beckenbauer das Unfassbare

in Worte. „Ein paar Sekunden haben ausgereicht, um Manchester wieder ins Spiel zu bringen. Ich

habe selten eine unglücklichere Niederlage erlebt als diese.” 102 Sekunden, um genau zu sein. „Es ist bitter,

es ist traurig. Es ist unfassbar für Spieler und Fans, was hier passiert ist. Der Mannschaft kann man keinen

Vorwurf machen”, sagt Lothar Matthäus, der sich noch beim Stand von 1:0 auswechseln lässt, was ihm intern

schwere Vorwürfe einbringt. Torschütze Mario Basler wird fast poetisch: „Das waren drei Minuten bis zur

Ewigkeit. Da bricht eine Welt zusammen.”

Teddy Sheringham trifft zum 1:1 gegen den FC Bayern im UCL-Endspiel 1999. Die Mutter aller Champions-League des FC

Bayern bahnt sich an. Foto: Imago Images/Sportimage

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FÜR DIE LOVER

Wichtige Triumphe und große Erfolge

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Mit 29 Meistertiteln ist der FCB deutscher Rekordmeister, mit 19 Pokalsiegen deutscher Rekordpokalsieger.

Der FC Bayern kann bis zum Ende der Saison 2018/19 sieben Europapokalsiege verzeichnen, fünf Siege

gelingen in der Champions League bzw. dem Vorläufer, dem Europapokal der Landesmeister. Zweimal

wird der Klub Weltpokalsieger und einmal gewinnt er die Klub-WM.

Die höchsten Siege:

Die höchsten Siege des FCB in der Bundesliga sind:

Höchster Auswärtssieg mit 8:1 beim FC St. Pauli:

Gegen den bereits als Absteiger feststehenden Kiez-

Klub lassen die Bayern am 7. Mai 2011 ihren Frust

über die an Borussia Dortmund vergebene Meisterschaft

aus. Zur Pause steht es erst 0:2, aber dann

machen die Schützlinge von Interimscoach Andries

Jonker Ernst. Die Torfolge: 0:1 Gomez (10.), 0:2 van

Buyten (32.), 0:3 Gomez (52.), 0:4, 0:5 Robben (54.,

74.), 1:5 Eger (78.), 1:6 Robben (84.), 1:7 Gomez

(86.), 1:8 Ribéry (88.). Mit sieben Toren Differenz

gewinnen sie auch am 7. Dezember 2013 zu Beginn

der Ära Guardiola bei Werder Bremen. Schon zur

Pause (0:3) ist alles klar gegen den Lieblingsgegner

der Neuzeit. Die Torfolge: 0:1 Lukimya (21./Eigentor),

0:2 van Buyten (27.), 0:3 Ribéry (38.), 0:4 Mandzukic

(60.), 0:5 Müller (68.), 0:6 Ribéry (82.), 0:7

Götze (90.).

Weinkauff (57.), 7:1 Breitner (59.), 8:1 Roth (64.), 9:1

Müller (83.), 10:1 Roth (89.), 11:1 Müller (90.). Das

Resultat ist wegweisend für beide Klubs. Während

Bayern mit einem Bundesligarekord von 101 Toren

Meister wird, steigt der BVB ab.

Am 28.11.1971 schlägt Bayern München Borussia Dortmund

mit 11:1. Foto: Imago Images/WEREK

Höchster Sieg 1971 mit 11:1 gegen den BVB - Am 16.

Spieltag der Saison 1971/1972 schlägt der FC Bayern

München Borussia Dortmund mit 11:1. Mannschaft

(inkl. Kicker-Noten): Maier (2) – Koppenhöfer (3),

Hansen (3) , Beckenbauer (2) , Breitner (2) – Roth

(2) , Zobel (3) , U. Hoeneß (2) – Krauthausen (2),

Müller (2) , Hoffmann (3) Trainer: Lattek. Die Torfolge

ist spektakulär: 1:0 Müller (11.), 2:0 U. Hoeneß

(20., Kopfball), 3:0 Hoffmann (39.), 4:0 Müller (45.),

5:0 U. Hoeneß (49.), 6:0 Beckenbauer (54.), 6:1

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Für die Lover - Wichtige Triumphe und große Erfolge

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Glanz und Gloria

Die wichtigsten Triumphe und größten Erfolge des

FC Bayern sind:

DFB-Pokalsieg 1966 als Aufsteiger: Vor der ersten

Bundesligasaison der Bayern in der Saison 1965/66

schimpft Trainer Tschick Čajkovski, dass er keine

fertigen Spieler habe und zufrieden wäre, wenn die

Klasse gehalten werden würde. Was soll ich anfangen

mit „kleines, dickes Müller,“ sinniert der Jugoslawe.

Am ersten Spieltag der Bundesliga-Saison

1965/66 gibt es im Derby gegen den TSV 1860 eine

0:1 Niederlage. Das Spiel ist ein übles Geholze. 1860

München führt früh und das Spiel erlebt kurz vor dem

Abpfiff noch einen Tiefpunkt. Eine Aktion, die den

weiteren Lauf der Saison, gar der Fußballgeschichte

beeinflussen soll. Beteiligt sind der rustikale Bayern-Vorstopper

Danzberg und 1860-Stürmerikone

Konietzka. Der Bayern-Verteidiger tritt den bereits

am Boden liegenden Konietzka. Die Folge: Platzverweis

und eine achtwöchige Sperre. Er verliert seine

Position im Team und ein junger Nachwuchsspieler

rückt vor, der ein ganz anderes Spielverständnis hat –

„Le Kaiser“ Franz Beckenbauer. Der damals 19-Jährige

ist die Entdeckung der Saison. Nach nur sechs

Liga-Einsätzen wird er in die Nationalelf berufen.

Am vierten Spieltag steht der FC Bayern zum ersten

Mal an der Tabellenspitze der Bundesliga. Die erste

Saison wird auf dem dritten Tabellenplatz beendet.

Es ist das einzige Mal in der Geschichte der Bundesliga,

dass beide Vereine aus München am Ende

einer Saison unter den ersten Drei stehen. Hätte

Bayern das Spiel gewonnen, wäre es auf Anhieb

Meister geworden (bei gleichem Saisonverlauf), so

wird es zum einzigen Mal 1860. Der FCB gewinnt

nach 1957 (1:0 gegen Fortuna Düsseldorf) zum

zweiten Mal, nun im Finale gegen den Meidericher

SV, den DFB-Pokal. Nach dem mit 4:2 gewonnenen

Spiel sagt Sepp Maier: „Hoaß war’s, gschwitzt

hamma, und gwunna a no. Grad schee war’s!“

Europacup der Pokalsieger – Sieg gegen Glasgow

am 31.05.1967 in Nürnberg: In der nächsten Saison,

1966/67, bleibt die Mannschaft nahezu unverändert.

Franz „Bulle“ Roth kommt aus Kaufbeuren hinzu,

Georg Schwarzenbeck aus der eigenen Jugend.

Nach dem Auftritt im Messestädte-Pokal (Vorläufer

des UEFA Cups) spielt der FC Bayern erstmals in

einem von der UEFA veranstalteten internationalen

Wettbewerb, dem Europapokal der Pokalsieger. Mit

grandiosem Erfolg. Über Tatran Prešov, die Shamrock

Rovers, Rapid Wien und Standard Lüttich erreicht

der FC Bayern das Finale in Nürnberg. Exakt

dort, wo die Bayern schon 35 Jahre zuvor den

ersten wichtigen Titel für den Verein, die Deutsche

Meisterschaft 1932, gewonnen haben. Gegner im Finale

sind die Glasgow Rangers, die zuvor im Achtelfinale

den Titelverteidiger Borussia Dortmund

aus dem Wettbewerb geworfen haben. Vor 71.000

Zuschauern erzielt Franz „Bulle“ Roth in der Verlängerung

(108. Minute) das 1:0 für die Münchner.

Roth hat zwei Jahre zuvor noch in der C-Klasse beim

TSV Bertoldshofen gespielt. Die Bundesliga-Saison

schließt der FC Bayern auf Platz sechs ab. Der

DFB-Pokal wird erfolgreich verteidigt, in Stuttgart

sehen 68.000 Zuschauer den Pokaltriumph der Bayern.

Mit 4:0, durch Tore von Müller (2), Ohlhauser

und Brenninger (je 1), wird der Hamburger SV mit

Uwe Seeler geschlagen.

Trainer Zlatko Cajkovski (l.) und Manager Robert Schwan

(2. v.l.) – hier am 18.12.1965 auf der Trainerbank - sind die

Architekten des Bayern-Erfolges Mitte der 60-er Jahre. Foto:

Imago Images/WEREK

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Deutsche Meisterschaft 1968/69 und das Double:

Der FC Bayern München kann die ersten fünf

Spiele der Saison gewinnen und ist vom ersten bis

zum letzten Spieltag Tabellenführer. Am Ende beträgt

der Vorsprung auf den Vize-Meister Alemannia

Aachen acht Punkte. Die Münchner gewinnen

auch den DFB-Pokal, das erste Double seit 1937.

Der FC Schalke 04 hat im Pokalfinale die Chance,

das zu verhindern, unterliegt aber mit 1:2. Branko

Zebec setzt als Trainer in der gesamten Saison nur

13 Spieler ein. Torschützenkönig wird, wie schon

1967, Gerd Müller mit 30 Toren.

Deutsche Meisterschaft 1971/72: Nachdem Borussia

Mönchengladbach 1969/70 und 1970/71 Meister

geworden ist und die Bayern in der Vorsaison die

Meisterschaft noch durch eine Niederlage am letzten

Spieltag beim damaligen Angstgegner MSV Duisburg

versaubeutelt haben, werden die Münchener

1971/72 wieder Meister. Doch es ist knapp: Denn

vor dem letzten Spieltag führt der Klub nur mit einem

Punkt vor Herbstmeister Schalke 04, das seine

bis dato beste Saison in der Bundesliga spielt. Am

letzten Spieltag treffen die beiden Mannschaften

im neuen Münchner Olympiastadion aufeinander.

Der FC Bayern gewinnt mit 5:1 und wird Deutscher

Meister. Das fünfte Tor der Bayern von Franz

Beckenbauer ist das 101. Saisontor der Bayern, ein

neuer Torrekord. Torschützenkönig wird wieder

Gerd Müller mit 40 Toren - ebenfalls Rekord. Der

Meisterschaft 1972/73 fehlt der Glanz, zu überlegen

sind die Bayern, die den Titel schon am 30. Spieltag

einfahren. Diesmal kommt Müller auf 36 Tore,

wieder gibt es die Kanone.

Europacup der Landesmeister 1974 – Atletico Madrid:

Der FC Bayern München und Atletico Madrid

stehen sich im Jahr 1974 im Finale um den Europapokal

der Landesmeister im Brüsseler Heysel-Stadion

gegenüber. Drei Mal hat Ajax Amsterdam zuvor

den Titel gewonnen, nun steht eine Wachablösung

in der Königsklasse an und der FC Bayern schickt

sich an, der neue europäische Dominator zu werden.

Doch lange deutet gar nichts daraufhin. Nach 90

Minuten steht es in einem langweiligen Spiel ohne

Höhepunkte 0:0. Bis zur 114. Minute tut sich auch in

der Verlängerung wenig. Dann wird den Spaniern

ein Freistoß auf der linken Seite zugesprochen. Kapitän

Luis Aragones, der spätere Nationaltrainer

Spaniens, legt sich den Ball zurecht und zirkelt ihn

über die Mauer ins Tor. Nichts zu machen für Sepp

Maier, die Bayern scheinen verloren zu haben. Zwei

Gegentore hat die Atletico-Abwehr um Eusebio Bejarano

und Ramon Heredia bis zum Finale zugelassen,

in sieben Partien haben sie zu Null gespielt. Dreißig

Sekunden vor Schluss starten die Münchener einen

letzten Angriff, der belgische Schiedsrichter Vital

Loraux hat die Pfeife bereits im Mund. Da traut sich

ein Spieler etwas, der sich sonst nichts traut (trauen

darf). Georg Schwarzenbeck, „Katsche“, „Putzer des

Kaisers“ oder auch „des Kaisers Adjutant“ genannt,

der Mann für das Grobe, der die Drecksarbeit für

Le Kaiser verrichtet. Die Legende sagt, dass er nur

mit ausdrücklicher Genehmigung von Beckenbauer

die Mittellinie überqueren darf. 30 Meter vor dem

gegnerischen Tor erhält er den Ball zugespielt, ein

Zeichen von Verzweiflung beim FC Bayern. Die

Spanier rechnen mit allem, aber nicht mit einem

Schuss des Vorstoppers. Doch der traut sich, auch

weil ihm nichts Besseres einfällt. Der Ball schlägt im

linken unteren Eck ein. „Er wusste gar nicht, wohin

mit dem Ball, da hat er einfach draufgehalten. Ich

war schon auf dem Weg in die Kabine, guckte nur

über die Schulter und sehe wie der Ball einschlägt.

Ein unglaubliches Ding“, erinnert sich Trainer Udo

Lattek Jahre später. Das Spiel endet Remis. Da es

damals noch kein Penalty Shoot-Out gibt, muss das

Finale wiederholt werden. Der FC Bayern gewinnt

zwei Tage später mit 4:0, Uli Hoeneß schießt die

entscheidenden Tore. Es krönt die Supersaison, in

der der FC Bayern auch den Meister-Hattrick schafft.

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Hans-Georg Schwarzenbeck im Finale des Europacups der Landesmeister 1974 gegen Atletico Madrid. Foto: Imago Images/

WEREK

Europacup der Landesmeister 1975: Der zweite

Landesmeister-Titel ist der vielleicht überraschendste

Triumph der Bayern, die sich 1974/75 in einer

veritablen Krise befinden. Im WM-Finale gegen

die Niederlande (2:1) haben sechs Spieler des Serien-Meisters

gestanden, denen jegliche Motivation

fehlt. Sie unterliegen zum Auftakt Kickers Offenbach

im Frankfurter Waldstadion – der Bieberer

Berg wurde modernisiert – mit 0:6. Es ist die bis

dahin höchste Bundesliga-Niederlage des Meisters.

Schon zuvor setzt es Debakel in Testspielen wie

gegen Betis Sevilla (0:5) und Racing Brüssel (1:5).

Warum? Die Bayern sehen sich als WM-Opfer. Weil

das Starensemble im Monat 600.000 D-Mark an Gehalt

verschlingt und der Verein wegen der langen

Sommerpause drei Monate keine Einnahmen hat,

jagt es Manager Robert Schwan unmittelbar nach

dem dreiwöchigen Urlaub um die Welt. Trainer Udo

Lattek dazu im Rückblick: „Training fand damals eigentlich

nur noch im Flieger und auf der Gangway

statt“. Aber der Klub kassiert gutes Geld für seine

Weltmeister-Kombo, aus der nur Paul Breitner (zu

Real Madrid) ausgeschieden ist. Dessen letzte Worte

werden zum Menetekel: „Die Bayern sind satt und

brauchen vom Zeugwart bis zum Schuhputzer eine

neue Motivation.“ Wie wahr.

Schon im dritten Heimspiel schwindet der Nimbus

der Unbesiegbarkeit im Olympia-Stadion, als Schalke

04 nach 73 Spielen und viereinhalb Jahren dort

als erster Bundesligist gewinnt (0:2). Gegen eine

Meistermannschaft, die weitgehend unverändert ist –

nur der Ex-Duisburger Stürmer Klaus Wunder oder

Neuling Karl-Heinz Rummenigge kommen häufiger

zum Einsatz. Doch dem großen Rest um die Achse

Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller

fehlt es an Kraft und Motivation. Uli Hoeneß: „Unser

Abgleiten war ein ganz natürlicher Vorgang. Wir

waren ausgebrannt, müde, ausgelaugt. Wir konnten

uns nur noch in den Europacupspielen zusammenreißen“

Bereits nach dem 1:3 in Braunschweig am 7.

Spieltag titelt der Münchner Merkur: „Der Respekt

vor dem Meister ist weg.“ Die Mannschaft konzentriert

sich nur noch auf die Verteidigung des Euro-

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papokals, profitiert auch von einem Freilos in der

1. Runde und schaltet dann im deutsch-deutschen

Duell den 1. FC Magdeburg (3:2/2:1) aus. Das reicht

damals schon, um über den Winter zu kommen.

Udo Lattek kommt nicht über den Winter, er wird

am 2. Januar 1975 in höchster Abstiegsnot gefeuert

(14. Platz). Fußball-Professor Dettmar Cramer

übernimmt und gewinnt auf Anhieb den Europapokal,

den die Mannschaft nach Erfolgen über Ararat

Erewan (2:0/0:1), AS St. Etienne (2:0/0:0) und

Leeds United (2:0 im Finale) glanzlos, aber abgeklärt

verteidigt. Das Finale wird von der brutalen

Gangart der Engländer, die Andersson und Hoeneß

vom Platz treten, und Ausschreitungen ihrer Fans,

die mit Sitzschalen werfen, überschattet.

FC Bayern – Leeds United: 28. Mai 1975 in Paris,

Ergebnis 2:0 (0:0), Zuschauer: 50.000 (Prinzenpark)

Schiedsrichter: Kitabdjan (Frankreich)

FC Bayern: Sepp Maier – Rainer Zobel, Hans-Georg

Schwarzenbeck, Franz Beckenbauer (Kapitän der

Mannschaft), Bernd Dürnberger – Björn Andersson

(4. Josef Weiß), Franz Roth, Hans-Josef Kapellmann

– Uli Hoeneß (42. Klaus Wunder), Gerd Müller,

Conny Torstensson. Trainer: Dettmar Cramer. Tor

1:0 Franz Roth (72.), 2:0 Müller (82.).

Weltpokal 1976 und zum dritten Mal Europacup

der Landesmeister: Der FC Bayern gewinnt 1976

zum dritten Mal nacheinander den Europacup der

Landesmeister. In einem uninspirierten Spiel wird

der AS St. Etienne mit 1:0 geschlagen. „Bulle“ Roth

schießt mal wieder den Siegtreffer.

FC Bayern München – AS Saint-Étienne: 12. Mai

1976 in Glasgow (Hampden Park), Ergebnis: 1:0

(0:0), Zuschauer: 54.684, Schiedsrichter: Károly

Palotai (Ungarn). Die Aufstellung: Sepp Maier

– Johnny Hansen, Georg Schwarzenbeck, Franz

Beckenbauer (Kapitän), Udo Horsmann – Bernd

Dürnberger, Franz Roth, Hans-Josef Kapellmann –

Karl-Heinz Rummenigge, Gerd Müller, Uli Hoeneß,

Trainer: Dettmar Cramer. Tor 1:0 Franz Roth (57.)

Im Dezember 1976 tritt Bayern erstmals im damals

eher zweitrangigen Weltpokal an und triumphiert

über die Brasilianer von Cruzeiro Belo Horizonte

in zwei wegen der Witterungsumständen denkwürdigen

Spielen (2:0 in München/0:0). In München

liegt schon im November Schnee, der die Rasenheizung

überfordert. In Brasilien sind es drei Tage vor

Weihnachten 23 Grad und ein Platzregen fegt über

den Platz. Gespielt wird um 22.30 Uhr. Die Tore

schießen Gerd Müller und Jupp Kapellmann.

1980 Meister, endlich wieder: Zwei Spieltage vor

Ende der Saison liegen der Hamburger SV und Bayern

München punktgleich an der Tabellenspitze.

Beide haben eine Tordifferenz von +48, nur aufgrund

zweier mehr geschossener Tore liegt der HSV

vorne. Doch Meister werden die von Pal Csernai

trainierten Bayern. Am vorletzten Spieltag verlieren

die Hamburger beim Aufsteiger Leverkusen mit

1:2, während die Bayern ihre beiden letzten Spiele

gewinnen. Meistertitel Nummer 6! 1981 wird der

Titel verteidigt, wieder ist der HSV der schärfste

Konkurrent. Es ist die Breitnigge-Ära, Spielmacher

Paul Breitner und Stürmer Karl-Heinz Rummenigge,

der in beiden Spielzeiten Torschützenkönig wird

(26 bzw. 29 Tore), dominieren die Liga.

1984/85 – Einleitung der super-erfolgreichen 80-er

Jahre. Bayern München gelingt in der Saison 1984/85

ein Start-Ziel-Sieg. Nach dem ersten Spieltag steht

die Mannschaft torgleich und punktgleich mit

Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln an

der Tabellenspitze, ab dem zweiten Spieltag sind die

Münchener bis zum Saisonende alleiniger Tabellenführer.

Nach sechs Siegen in Folge haben sie bereits

vier und nach dem 10. Spieltag sogar fünf Punkte

Vorsprung vor Mönchengladbach. Am letzten

Spieltag stehen die Münchner zwei Punkte und zwei

Tore vor Werder Bremen. Während die Bremer das

letzte Spiel bei Borussia Dortmund mit 0:2 verlieren,

gewinnt der FC Bayern bei Eintracht Braunschweig

mit 1:0. Wissen für Blowhards: Das Nachholspiel des

12. Spieltags Borussia Mönchengladbach–Bayern

München (3:2) am 11. Dezember 1984 am Bökelberg

ist die erste bundesweite Live-Übertragung

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Für die Lover - Wichtige Triumphe und große Erfolge

20

einer kompletten Bundesligapartie in Deutschland

(in der ARD). Gewinn der deutschen Meisterschaft

1986: Herbstmeister Werder Bremen führt die Tabelle

vor dem vorletzten Spieltag mit zwei Punkten

vor Titelverteidiger FC Bayern München an. Dann

kommt es im Bremer Weserstadion zum direkten

Duell der Titelaspiranten, in dem die Bremer durch

einen Sieg vorzeitig Deutscher Meister werden können.

Das Spiel endet 0:0. In der 89. Minute vergibt

Michael Kutzop einen Elfmeter für Werder Bremen.

Am letzten Spieltag verlieren die Bremer beim VfB

Stuttgart mit 1:2, während die Bayern mit 6:0 gegen

Borussia Mönchengladbach gewinnen und bei

Punktgleichheit aufgrund der besseren Tordifferenz

erneut Deutscher Meister werden. Zum ersten und

bisher einzigen Mal holt damit ein Verein, der an

den 33 Spieltagen zuvor nie Tabellenführer gewesen

ist, die Meisterschale.

Gewinn 1986/87, Hattrick again: In der Saison

1986/87 gewinnt der FC Bayern München mit sechs

Punkten Vorsprung seinen dritten Titel in Folge.

Dieses ist nach der Periode von 1972 bis 1974 der

zweite Meisterschafts-Hattrick der Bayern. Trainer

ist wieder Udo Lattek. Insgesamt ist dies die zehnte

deutsche Meisterschaft der Bayern, die damit vor

dem 1. FC Nürnberg alleiniger Rekordmeister sind.

Die Münchner verlieren nur ein einziges Spiel, das

Heimspiel gegen Leverkusen mit 0:3, das ist Rekord

(egalisiert in der Spielzeit 2012/13 mit einer Niederlage

– wieder gegen Leverkusen).

Gewinn der Meisterschaft 1989 gegen Köln und

Daum: Bayern München führt seit dem fünften

Spieltag die Tabelle der Saison 1988/89 an, nur ein

einziges Mal unterbrochen vom VfB Stuttgart am 10.

Spieltag. Als einzige ernstzunehmende Konkurrenz

erweist sich der 1. FC Köln, der unter Trainer Christoph

Daum seine beste Saison seit der Meisterschaft

1977/78 spielt und nach dem 29. Spieltag bis auf

einen Punkt an die Bayern herankommt. Das Duell

zwischen dem FC Bayern und dem 1. FC Köln

ist geprägt von der verbalen Auseinandersetzung

zwischen den Trainern Christoph Daum und Jupp

Heynckes. Der mediale Höhepunkt ist das legendäre

Encounter im „Aktuellen Sportstudio“ kurz

vor dem Duell der Klubs in Köln am 25. Mai. Im

TV-Studio gibt es keinen Sieger, auf dem Platz triumphieren

die Bayern. Bis zur 80. Minute steht es

1:1. Dann wird Daum nervös und verzockt sich. Er

nimmt Abwehrmann Jürgen Kohler vom Feld, dessen

Gegenspieler Roland Wohlfarth schießt noch

zwei Tore und sichert den Bayern den 3:1-Sieg, der

die Meisterschaft vorentscheidet. 1990 verteidigen

die Heynckes-Schützlinge die Meisterschaft, diesmal

ganz ohne Drama. Köln wird wieder Zweiter,

nun aber mit sechs Punkten Rückstand und die Liga

spottet über den „Vize-Daum“, der nach der Saison

entlassen wird.

25.04.1989 - Händeschütteln von zwei „Fußballfeinden“.

Jupp Heynckes und Christoph Daum. Foto: Imago Images/

Sven Simon

UEFA Cup Sieg 1996, alle drei Wettbewerbe voll:

Der deutsche Rekordmeister besiegt unter Aushilfstrainer

Franz Beckenbauer, der schon bei der

Meisterschaft 1994 seinem Ruf als Glückskund gerecht

wird, in den Finalspielen Girondins Bordeaux

(2:0 und 3:1) und wird nach Bayer 04 Leverkusen

(1988), Eintracht Frankfurt (1980) und Borussia

Mönchengladbach (1975, 1979) der vierte deutsche

Verein, der den UEFA-Pokal gewinnen kann. Damit

hat der Verein alle drei europäischen Pokale gewonnen.

Im Jahr darauf misslingt die Titelverteidigung

schon in der ersten Runde – Aus gegen den FC Valencia

(0:3/1:0), doch holt das Team von Giovanni

Trapattoni die Deutsche Meisterschaft nach zwei-

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Für die Lover - Wichtige Triumphe und große Erfolge

21

jähriger Dortmunder Dominanz wieder an die Isar.

„Trap“ wird der erste italienische Meistertrainer in

Deutschland.

Double Gewinn 1999/00, Duelle gegen Bayer

Leverkusen: Im Mittelpunkt der Saison steht der

Zweikampf um den Meistertitel zwischen Bayern

München und Bayer 04 Leverkusen. Der von Christoph

Daum trainierte Werksklub übernimmt am 30.

Spieltag durch ein 4:1 gegen Arminia Bielefeld die

Tabellenführung. Titelverteidiger FC Bayern leistet

sich dagegen eine überraschende 1:2-Niederlage im

Derby gegen 1860 München. Leverkusen und der

FCB gewinnen die letzten Spiele vor dem 34. Spieltag

(Leverkusen 3:1 in Bremen, 2:0 beim HSV und

4:1 gegen Frankfurt, Bayern 1:0 in Dortmund, 4:1

gegen Rostock und 3:0 in Bielefeld). Leverkusen

geht mit 73 Punkten und einer Tordifferenz von +40

in das Auswärtsspiel bei der Spvgg. Unterhaching,

Bayern hat vor dem Finale gegen Werder 70 Punkte

und eine Differenz von +43. Drei Punkte weniger,

aber eine bessere Torbilanz. Zum Meistertitel reicht

Leverkusen ein Remis, Manager Reiner Calmund

plant schon die Meisterfeier, der DFB bringt die

Schale in den Sportpark Unterhaching. Doch die

Werkself gerät durch ein Eigentor von Michael Ballack

nach 20 Minuten in Rückstand, der FCB führt

zur Halbzeit bereits mit 3:1. Leverkusen drückt,

trifft aber nicht. Nach 72 Minuten köpft Markus

Oberleitner zum 2:0 für Unterhaching ein. Der FCB

ist Meister und wieder schaut Christoph Daum in

die Röhre.

Deutsche Meisterschaft 2000/01, gegen Schalke 04

– Do it again, FCB: Seit dem 29. Spieltag ist Schalke

04 in der Saison 2000/01 Tabellenführer vor dem

FC Bayern München. Vor dem vorletzten Spieltag

sind die Bayern und Schalke punktgleich bei einer

besseren Tordifferenz der Schalker. In der 90. Minute

fallen nahezu zeitgleich zwei Tore. Für den FC

Bayern trifft Alexander Zickler zum 2:1-Heimsieg

gegen den 1. FC Kaiserslautern, sieben Sekunden

zuvor hat Krassimir Balakow für den VfB Stuttgart

das 1:0-Siegtor gegen Schalke erzielt. Jetzt ist der

FC Bayern wieder Erster und hat vor dem letzten

Spieltag drei Punkte Vorsprung vor Schalke 04. Die

Bayern benötigen bei einem Sieg der Schalker gegen

Unterhaching mindestens ein Unentschieden

beim Hamburger SV. Schalke gewinnt das letzte

Spiel gegen Unterhaching, während Bayern gegen

den HSV Remis spielt und Deutscher Meister wird.

Das Finale ist weit dramatischer als es klingt: Schalke

liegt mit 0:2 und 2:3 zurück, siegt aber schlussendlich

noch mit 5:3. Markus Merk leitet die Partie

des HSV gegen Bayern München. Eine Leihgabe

der Schalker steht im Tor der Hamburger, Matthias

Schober. Der HSV erzielt in der 90. Minute das

1:0 durch Sergej Barbarez. In der vierten Minute der

Nachspielzeit gibt es einen indirekten Freistoß für

den FCB im Strafraum des HSV. Schober hat eine

Rückgabe regelwidrig mit der Hand aufgenommen.

Die HSV-Mauer steht auf der Linie, es gibt

eigentlich keine Lücke. Patrick Andersson findet

trotzdem eine und schießt sein einziges Tor in einem

Pflichtspiel für den FC Bayern. Die Münchener

sind wieder Deutscher Meister. Diesmal heißt der

Architekt des Hattricks Ottmar Hitzfeld, seit 1998

im Amt und jedes Jahr Meistertrainer.

Die Dusel-Bayern gewinnen die Deutsche Meisterschaft

2000/01. Patrick Andersson schießt sein einziges Tor für

den Verein in einem Pflichtspiel. Foto: Imago Images/ Claus

Bergmann

Champions League 2001 und Weltpokal: Das Finale

findet am 23. Mai 2001 im Giuseppe-Meazza-Stadion

in Mailand statt. Der FC Bayern München gewinnt

gegen den FC Valencia nach einem 1:1 nach

Verlängerung mit 5:4 im Elfmeterschießen. Ol-

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Für die Lover - Wichtige Triumphe und große Erfolge

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iver Kahn pariert drei Elfmeter und errichtet sich

sein eigenes Denkmal. Im Halbfinale schaltet der

FCB zuvor Titelverteidiger Real Madrid aus. Die

Münchener gewinnen beide Spiele, mit 1:0 und 3:1.

Im November holen die Bayern in Tokio den Weltpokal.

Held des Tages ist Verteidiger Sammy Kuffour,

der das „goldene Tor“ zum 1:0 gegen Boca Juniors

aus Argentinien erzielt (110. Minute).

Double 2005 und 2006, die Ära Magath: 2004/05

übernimmt der Schleifer Felix Magath von Ottmar

Hitzfeld die Bayern-Mannschaft, die ihren 2002/03

(16 Punkte Vorsprung) souverän gewonnenen Titel

2004 an Werder Bremen verloren hat. Magath holt

auf Anhieb das Double, was vor ihm nur Branko

Zebec (1969) gelungen ist. Der schärfste Verfolger,

Schalke, nach einem 1:0 gegen Bayern am 25. Spieltag

noch Erster, bricht ein und wird um 14 Punkte

distanziert, weil Bayern die letzten neun Spiele gewinnt.

Die Meisterschaft wird schon am 31. Spieltag

(4:0 in Kaiserslautern) eingefahren. Auch im Pokalfinale

wird Schalke besiegt (2:1). 2005/06 wiederholt

Magaths Team das Kunststück: Der FC Bayern steht

mit Ausnahme des ersten und des neunten Spieltages

auf dem ersten Tabellenplatz und sichert sich am

vorletzten Spieltag den Meistertitel – kurioserweise

wieder auf dem Betzenberg (1:1). Die Bayern haben

fünf Punkte Vorsprung auf Werder Bremen. Im Pokalfinale

quält sich das Team von „Quälix“ zu einem

1:0 gegen Eintracht Frankfurt. Magaths Kredit reicht

trotzdem nur sieben Monate, auf Platz vier wird er

am 30. Januar 2007 entlassen. Ottmar Hitzfeld kommt

zurück und wird 2008 ein fünftes und letztes Mal

Meister.

Double 2010, LvG und sein statisches Systemspiel:

Nach einem Jahr ohne Meisterschaft gewinnt der FC

Bayern München wieder den Titel. Entscheidend ist

die neu verpflichtete Flügelzange Arjen Robben/

Franck Ribéry, vom Boulevard „Robbery“ getauft.

Auch wichtig: Der niederländische Trainer Louis

Van Gaal (LvG) integriert die aus dem Jugendbereich

des Vereins stammenden Thomas Müller und

Holger Badstuber in die erste Mannschaft, beide

fahren nach der Saison zur WM nach Südafrika.

Nach der Meisterschaft gewinnen die Bayern auch

das Pokalfinale gegen Werder Bremen (4:0).

25.04.1989 - Händeschütteln von zwei „Fußballfeinden“.

Jupp Heynckes und Christoph Daum. Foto: Imago Images/

Sven Simon

Der Triumph des Josef Heynckes 2012/13 Teil 1 –

Die Meisterschaft gegen den BVB: Nach zwei Jahren

ohne Titel dominiert der FC Bayern wieder die Bundesliga.

Bereits am ersten Spieltag übernimmt er mit

einem 3:0 bei Aufsteiger Greuther Fürth die Tabellenführung

und behält diese durchgehend bis zum

Saisonende. Acht Siege zu Saisonbeginn bedeuten

einen neuen Rekord; am neunten Spieltag folgt die

einzige Saisonniederlage, zu Hause gegen Leverkusen

(1:2). Ansonsten gibt es nur noch zwei Mal gegen

Borussia Dortmund und je einmal gegen den 1. FC

Nürnberg und Borussia Mönchengladbach keinen

Sieg. Die 91 Punkte sind ein weiterhin bestehender

Bundesligarekord.

Der Triumph des Josef Heynckes 2012/13 Teil 2: Im

Endspiel der UEFA Champions League bezwingt der

FC Bayern München im Londoner Wembley-Stadion

in einem deutschen Duell Borussia Dortmund

mit 2:1 und qualifiziert sich damit für den UEFA Super

Cup 2013 und die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft

2013. Das entscheidende Tor erzielt Arjen Robben

(89. Minute), die Führung von Mario Mandzukic

(60.) gleicht Ilkay Gündogan per Foulelfmeter

(68.) noch aus. Von besonderer Bedeutung ist der

zweifache Sieg des FC Bayern gegen die damalige

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Für die Lover - Wichtige Triumphe und große Erfolge

23

Übermannschaft des FC Barcelona im Halbfinale. Mit 4:0 und 3:0 demütigt die Elf von Jupp Heynckes das

Starensemble der Katalanen. Zehn Tage nach Wembley holen sich die Bayern das historische und einmalige

Triple, schlagen im DFB-Pokal-Finale den VfB Stuttgart mit 3:2. Heynckes bekommt einen perfekten

Abgang.

2013 gewinnt der FCB auch noch den UEFA Supercup und wird Club-Weltmeister: Der FC Bayern besiegt,

nun unter Pep Guardiola, den FC Chelsea nach Elfmeterschießen und gewinnt im Sommer 2013 erstmals

den europäischen Supercup. Gegen die Londoner liegen die Münchner zweimal in Rückstand und kommen

erst in der letzten Sekunde der Verlängerung durch Javi Martinez zum 2:2-Ausgleich. Im Elfmeterschießen

leistet sich der Triple-Sieger keinen Fehlschuss, Manuel Neuer pariert den fünften Versuch der

Engländer. 37 Jahre nach dem ersten Weltpokalsieg wird der FC Bayern im Dezember 2013 zum dritten Mal

Club-Weltmeister.

Seit der Spielzeit 2012/13 dominiert der FC Bayern die Bundesliga und wird bis zur Saison 2018/19 mit

vier verschiedenen Trainern siebenmal hintereinander Deutscher Meister. Eine derartige Serie hat es im

deutschen Fußball nur in der DDR gegeben, wo staatliche Einflussnahme dem BFC Dynamo Berlin zu zehn

Titeln am Stück verhilft.

Deutscher Meister wird nur der FCB. Zumindest von 2012/13 bis 2018/19. Foto: Imago Images/Sven Simon

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MIPS: MOST IMPORTANT PERSONS

Diese Typen prägen den Verein

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Uli Hoeneß – Der Architekt: Als Uli

Hoeneß am 1. Mai 1979 das Management

des Vereins übernimmt, ist dieser

ziemlich klamm und weit von der

Spitzenstellung im deutschen Fußball entfernt, die

er heute hat. Der Metzgersohn aus Ulm setzt in den

folgenden 40 Jahren fort, was er als Spieler seit 1970

begonnen hat: Titel sammeln und Geld verdienen.

Hoeneß, als Spieler Welt- und Europameister und

bei allen Erfolgen der Bayern in den Siebzigern dabei,

führt den Klub als Manager und ab 2009 als Präsident

und Aufsichtsratsvorsitzender zu 24 Meisterschaften,

14 Pokalsiegen und drei Europapokalsiegen.

Seine impulsive Art, sich für die Interessen

des FCB einzusetzen, bringt ihm die Bezeichnung

„Abteilung Attacke” ein. Obwohl er im Juni 2014

wegen Steuerhinterziehung eine 20-monatige Haftstrafe

antreten muss, wählen ihn die Mitglieder 2016

wieder zum Präsidenten. Am 15. November 2019

tritt Hoeneß von seinem Amt als Präsident zurück.

Im Vereinsmagazin 51 stellt er klar: „Wenn man beim

FC Bayern meinen Rat braucht, bin ich da. Wenn

sie ihn nicht brauchen, ist das ein gutes Zeichen.“

Franz Beckenbauer – Der Fußballkaiser: Die Lichtgestalt

des deutschen Fußballs ist von Anfang

an dabei, als der FC Bayern die Bundesliga erobert.

Seine Position muss er noch finden, seine Rolle

nicht. Ob als Linksaußen, als der er anfängt, als Mittelfeldantreiber,

der er fünf Jahre ist, oder als Libero,

als der er seine Glanzzeit erlebt und 1977 von der

Münchner Bühne abtritt – er ist der Superstar der

Mannschaft. Schon nach sechs Bundesligaspielen

wird er A-Nationalspieler, fährt nach seiner ersten

Saison zur WM und kommt als Vizeweltmeister zurück.

In 396 Bundesligaspielen für den FC Bayern

(1965-77) hat er nie auf der Bank gesessen. Nach

dem Abgang Werner Olks 1970 übernimmt der Kaiser

mit 25 Jahren die Kapitänsbinde. Viermal wird er

Deutschlands Fußballer des Jahres (1966, 1968, 1974

und 1977), zweimal Europas Fußballer des Jahres

(1972 und 1976), als Kapitän mit Deutschland Weltmeister

(1974) und Europameister (1972). Seine

Spielweise wandelt zwischen Eleganz und Arroganz,

sein Markenzeichen sind Außenristpässe und

Doppelpässe mit Gerd Müller, gegen die Legionen

von Abwehrspieler kein Rezept finden. 1977 flieht

er vor der Steuerfahndung und der Klatschpresse,

die seine Eheprobleme genüsslich ausschlachtet,

nach New York, wo ihm auch bei Cosmos New

York der Erfolg nachläuft (Meister 1978 und 1980).

Seine letzten Titel als Aktiver gewinnt er mit dem

HSV (Meister 1982) nach seiner überraschenden

Bundesligarückkehr. Sein Verein aber bleibt der FC

Bayern, dem er nach seiner Zeit als DFB-Teamchef

(Weltmeister 1990) seine ganze Aufmerksamkeit

widmet. Ab Oktober 1991 Vize-Präsident, steigt er

im Januar 1994 als Nachfolger von Erich Ribbeck als

Trainer ein und wird prompt Meister. Dann wird er

Präsident des FCB (1994-2009) und als solcher der

erste, der einen Bundesligisten trainiert – im April

1996 löst er Trainerflop Otto Rehhagel ab. Meister

wird er diesmal nicht, aber er holt den UEFA-Pokal.

Danach zieht er sich endgültig in die Führungsetage

zurück, in seine Amtszeit fallen neun Meisterschaften

und der Gewinn der Champions League. Uli

Hoeneß, auf und neben dem Platz über Jahrzehnte

sein Weggefährte: „Überragend, was Franz erreicht

hat. Er ist sehr ehrgeizig und zieht die Dinge mit

großer Opferbereitschaft durch.“ Ab 2009 Ehrenpräsident,

wird es fortan ruhiger um den Kaiser,

der so genannt wird, weil er sich mal neben einer

Büste des österreichischen Kaisers Franz Joseph

hat fotografieren lassen – und weil er auf dem Platz

wie kein Zweiter im deutschen Fußball regiert hat.

Auf seine vielleicht größte Tat für selbigen fällt allerdings

ein Schatten, der seinen Lebensabend

verdüstert. Seit 2015 steht er im Mittelpunkt in-

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MIPs: Most Important Persons - Diesen Typen prägen den Verein

25

ternationaler Finanzermittlungen wegen Korruptionsverdachts

durch Behörden Deutschlands, der

Schweiz und der USA – war die WM 2006 gekauft?

Das Geheimnis um die ominösen 6,7 Millionen

Euro, die Beckenbauer im DFB-Auftrag besorgt

hat und die falsch bilanziert werden, um was auch

immer zu verschleiern, hat auch er als unmittelbar

Beteiligter bis zum Dezember 2019 nicht aufgeklärt.

Der junge Kaiser. Franz Beckenbauer am 01.08.1963. Foto:

Imago Images/Kicker/Metelmann, Infografik by Ligalive, Infografik

erstellt von Andjela Jankovic im Auftrag von Closelook

Venture GmbH

Wilhelm Neudecker – Der Präsident: Wilhelm Neudecker

ist von 1962 bis 1979 Präsident des FC Bayern

München. Er stirbt am 24.12.1993. Unter seiner

Präsidentschaft entwickelt sich der Verein von der

Nummer zwei in München zum Weltverein mit je

vier Europapokalsiegen und deutschen Meistertiteln.

Der millionenschwere Bauunternehmer, der

sich seinen Senatorentitel für 150.000 DM gekauft

hat, professionalisiert nach seinem Amtsantritt den

damals zweitklassigen Regionalligisten und verpflichtet

1963 mit Zlatko Čajkovski einen Meistertrainer.

Robert Schwan wird zudem der erste Manager eines

deutschen Fußballvereins. Neudecker führt den

Verein nach Gutsherrnart und hat auch im DFB-Ligaausschuss

als Vorsitzender eine mächtige Stimme.

Im März 1979 wird Neudecker das erste Opfer einer

Spielermeuterei gegen einen Präsidenten. Neuere

Enthüllungen bringen seine Amtszeit mit mehr oder

weniger illegalen Steuertricksereien in Verbindung.

Jupp Heynckes – Der späte Triumphator: Jupp

Heynckes gilt im Jahr 2009 eigentlich als nicht mehr

vermittelbar – als Trainer in der Bundesliga. Zu

schlecht sind seine letzten Ergebnisse bei Schalke 04

und Borussia Mönchengladbach. Heynckes gilt als

„yesterday man“, als Mann des Kohlenstoffzeitalters,

der in die neue Zeit mit Social Media Accounts und

Smartphones nicht passt. Als Uli Hoeneß im April

2009 die Nase voll hat von Jürgen Klinsmann erinnert

er sich an Jupp Heynckes, der seit seinem Ausscheiden

bei Borussia Mönchengladbach im Jahr 2007

arbeitslos ist. Vom 27. April 2009 bis zum Saisonende

der Saison 2008/09 trainiert Heynckes den FC Bayern

und macht es gut. Der Verein erreicht Platz zwei

und damit die direkte Champions-League-Qualifikation.

Etwas später erinnert sich Rudi Völler,

Manager bei Bayer Leverkusen, an Heynckes und

verpflichtet ihn als Trainer für die Saison 2009/10.

Heynckes macht es wieder gut und bleibt bis 2011.

Sein Erfolg ist die Eintrittskarte für eine dritte Station

beim FC Bayern. Von 2011 bis 2013 trainiert

Heynckes den FCB und schafft erst das Vize-Triple

(2012), dann das richtige Triple. Als Carlo Ancelotti

beim FCB im Oktober 2017 gehen muss, springt

„Jopi“ Heynckes aus Freundschaft und Verbundenheit

zu Uli Hoeneß wieder ein. Er wird Deutscher

Meister, ein zweites Triple schafft er in der Saison

2017/18 nicht. Aber nie ist mehr Liebe zwischen

einer Bundesligamannschaft und ihrem Trainer.

Arjen Robben – Der „fliegende“ Holländer: Als

Arjen Robben im Jahr 2009 beim FC Bayern

anheuert, hat er eigentlich keine Lust auf die

Münchener. Bei Real Madrid hat er eine gute Saison

(2008/09) gespielt, doch das reicht nicht. Zur

Saison 2009/10 kommt bei Real Madrid mit Florentino

Pérez ein neuer Präsident ins Amt. Dieser

verpflichtet den Chilenen Manuel Pellegrini als

neuen Trainer und holt mit Cristiano Ronaldo und

Kaká neue Spieler. Der Bessere ist der Feind des

Guten. Der 25-jährige Robben wird überzählig.

Widerwillig lässt er sich dazu bewegen, den Verein

zu verlassen. Manchmal muss man zu seinem

Glück gezwungen werden. 201 Bundesligaspiele

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MIPs: Most Important Persons - Diesen Typen prägen den Verein

26

bestreitet der Niederländer mit dem starken linken

Fuß für den FCB, in denen er 99-mal trifft. Sein

wichtigstes Tor erzielt er auf internationaler Bühne

– am 25. Mai 2013 erzielt er das entscheidende

2:1 zum Champions-League Sieg gegen Dortmund.

Sepp Maier im Juli 1965 im Trikot von Bayern München. Foto:

Imago Images/Kicker/Metelmann

Konrad ,,Conny“ Heidkamp – Der Spielführer:

Konrad Heidkamp ist Spielführer der Mannschaft

des FC Bayern München, die 1932 die erste

deutsche Meisterschaft für den Klub gewinnt.

Zwischen 1927 und 1930 macht er neun Länderspiele

für die A-Nationalmannschaft und nimmt

an Olympia 1928 in Amsterdam teil. Der in Düsseldorf

geborene „Grenadier vom Rhein“ organisiert

wahlweise die Defensive oder das Mittelfeld des

FC Bayern. Das Fachmagazin „Fußball“ benennt

ihn zusammen mit seinen Mitspielern Sigmund

Haringer und Ludwig Goldbrunner als beste Bayernspieler

der Saison 1931/32. Noch 1944 steht er

mit 39 Jahren auf dem Platz und ist Teil der Mannschaft,

die Südbayerischer Meister wird. Heidkamp,

der auch als Spielertrainer agiert, hat starken Anteil

daran, dass der Verein im Krieg den Spielbetrieb

aufrechterhält und nicht auseinanderfällt.

Franz ,,Bulle” Roth – Der mit den wichtigen Toren:

Ohne Franz Roth hätte der FC Bayern einige

internationale Titel weniger. Roth kommt zur Saison

1966/67 zum FC Bayern. Er spielt im defensiven

Mittelfeld und ist dort eher für die rustikale Seite des

Bayern-Spiels verantwortlich. Roth gelingt in drei

Europapokalendspielen das 1:0 für den FC Bayern.

Zweimal sind seine Tore spielentscheidend: Beim

Sieg gegen die Glasgow Rangers im Jahr 1967 (Europacup

der Pokalsieger) und beim Triumph über

den AS St. Etienne (Europacup der Landesmeister

im Jahr 1976). Sein 1:0 gegen Leeds United (1975)

stellt die Weichen zum Sieg. Insgesamt schießt

Roth elf Tore in 65 Europapokalspielen für den FC

Bayern. „Der Europacup hat mich geliebt“, sagt er

1999 der WELT. 1976 und 1977 erleidet er innerhalb

eines Jahres zwei Risse der rechten Achillessehne.

Das ist das Ende seiner Karriere beim FCB.

Sepp Maier – Torwart-Legende: Sepp Maier ist mit

699 Pflichtspielen weit vor Oliver Kahn Rekordspieler

des FC Bayern München. Für den Verein spielt

Maier 17 Jahre lang von 1962 – 1979. Maier ist eine

der zentralen Figuren des Bayern-Teams in den 60-er

und 70-er Jahren. Maier gewinnt mit dem FCB 1974,

1975 und 1976 den Europapokal der Landesmeister

und 1976 den Weltpokal. Zuvor hat er 1967 mit

dem Verein den Europapokal der Pokalsieger (1967)

gewonnen. Maier wird vier Mal mit dem FCB

Deutscher Meister (1969, 1972, 1973, 1974) und

ebenso häufig DFB-Pokalsieger (1966, 1967, 1969,

1971). Er wird in den Jahren 1975, 1977 und 1978

zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt und

übernimmt nach Franz Beckenbauers Abgang 1977

das Amt des Mannschaftskapitäns. Am 14. Juli 1979

wird er bei einem selbst verschuldeten Straßenverkehrsunfall

schwer verletzt und muss bald darauf

seine aktive Karriere als Profifußballer beenden.

Maier absolviert 442 von insgesamt 473 Bundesligaspielen

in Serie - bis heute Bundesligarekord.

Udo Lattek – Titel-Udo: Udo Lattek ist der erfolgreichste

Trainer Deutschlands, wenn es nach Titeln

geht. Mit dem FC Bayern München und Borussia

Mönchengladbach wird er achtmal deutscher

Meister. Außerdem gewinnt er mit beiden Vereinen

sowie mit dem FC Barcelona jeweils einen

Wettbewerb im Europapokal (Europapokal der

Landesmeister, UEFA-Pokal, Europapokal der Pokalsieger).

Am 14. März 1970 übernimmt Lattek er-

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MIPs: Most Important Persons - Diesen Typen prägen den Verein

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stmals den Trainerposten beim FC Bayern. Der Legende nach soll Franz Beckenbauer, der ihn vom DFB

her kennt, den Verein dazu bewogen haben. Einige Spieler haben mit Trainer Branko Zebec Probleme (mit

der ruppigen Art und dessen Alkoholkonsum) und sprechen sich für Lattek aus, den sie als Assistent von

Helmut Schön von der Nationalmannschaft kennen. Die Ernennung von Lattek ist in München umstritten.

1970 ist Lattek 35 Jahre alt und hat keine Erfahrung als Vereinstrainer. Umso erstaunlicher seine Bilanz, die

nach seiner zweiten Amtszeit (1983-87) gezogen wird: zwei Meister-Hattricks (1974-76) und (1985-87), der

Landesmeister-Cup (1974) und der DFB-Pokal (1986). Noch immer ist er Bayerns Rekordtrainer in der

Bundesliga (299 Spiele) und weit nach seinem Tod 2015 Kult bei den Fans.

Sexy Hexy: Uli Hoeneß und Paul Breitner mit dem SWAG der 70-er Jahre. Foto: Imago Images/Fred Joch

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PNGS: PERSONAE NON GRATAE

Diese Typen sind unbeliebt

28

Christoph Daum – Der „Verschnupfte“: Christoph

Daum hat Trainer-Ikone Jupp Heynckes in den 80-er

Jahren in einer Weise „angemacht“, die Uli Hoeneß

bis heute nicht verzeihen kann. Kostprobe: „Die

Wetterkarte ist interessanter als ein Gespräch mit

ihm.“ Oder: „Ich werde immer häufiger angerufen

von Leuten, die wissen wollen, was der Unterschied

zwischen Heynckes und einem großen Trainer

sei.“ Daum tut das, um die Bayern im Titelkampf

zu verunsichern. Legendär ist das Aufeinandertreffen

der Protagonisten im Aktuellen Sportstudio

vor dem entscheidenden Match des 1. FC Köln gegen

die Bayern im Mai 1989, als sich Daum und

Hoeneß vor einem Millionenpublikum fetzen. Das

TV-Duell gewinnt gemäß einer Leserumfrage der

BILD Daum (47% Zustimmung) weit vor seinem

Sportdirektor Udo Lattek (30%), Heynckes (15%)

und Hoeneß (8%). Meister aber werden die Bayern,

die fortan einen neuen Lieblingsfeind haben.

Hoeneß: „Leute wie Daum müssen wir in Zukunft

schon im Keim ersticken.“ Oder verhindern. Der

Streit lebt knapp zwölf Jahre später wieder auf und

erreicht eine neue Eskalationsstufe, als Hoeneß

die Verhinderung Daums als Nachfolger von Erich

Ribbeck als Trainer der deutschen Nationalmannschaft

betreibt. Mit seiner Interviewaussage in der

AZ München – ,,Wenn unwidersprochen über den

verschnupften Daum geschrieben werden kann,

darf er nicht Bundestrainer werden“ – löst er eine

Lawine aus. Hoeneß bekommt Morddrohungen,

Daum ist in der Öffentlichkeit der Gute – bis er sich

mit seiner Haarprobe, die exorbitanten Kokaingenuss

nachweist, selbst überführt. Trotzdem hat er

Hoeneß „die schlimmste Zeit meines Lebens“ (vor

der Inhaftierung) eingebrockt und ist auch nach

Daums Geständnis nicht besänftigt: „Bei all dem

fehlt mir die Reue.“ Daum bringt es zwar im Inund

Ausland zum Meisertrainer, aber für den FC

Bayern kommt er aus gutem Grund nie in Frage.

Jens Lehmann – Der Rivale: Der Torwart nimmt Oliver

Kahn vor der WM 2006 den Platz als deutsche

Nummer 1 weg und wird von Bundestrainer Jürgen

Klinsmann protegiert. Auch wegen einiger spezieller

Aussagen über „King“ Kahn („Was soll ich mit ihm

reden? Ich habe keine 17-jährige Freundin.“) wird

er zum Buhmann der Bayern-Fans, die ihn bei einem

Länderspiel in München gnadenlos ausbuhen.

Louis van Gaal – Der Tulpengeneral: Der Niederländer

trainiert die Bayern von Juli 2009 bis April

2011 und gewinnt auf Anhieb das Double. Mit seiner

spröden, empathielosen Art verprellt er Spieler

wie Luca Toni, Miro Klose, den er beim ersten

Training nach seinem Namen fragt, Mark van Bommel,

Lucio und Franck Ribéry. Auch Präsident Uli

Hoeneß hat mit dem „Tulpengeneral“ seine Probleme

und greift LvG in der Sendung Sky 90 am

30. Oktober 2010 öffentlich an: „Es ist schwierig

mit ihm zu reden, weil er anderer Leute Meinung

nicht akzeptiert. Aber ein Verein ist heute keine

One-Man-Show mehr.“ Es folgt ein Burgfrieden

beim Rotwein im rumänischen Cluj am Rande

eines Spiels in der Champions League, aber als

van Gaal im Frühjahr den nächsten Konflikt heraufbeschwört

und Ersatztorwart Thomas Kraft zur

neuen Nummer 1 aufbauen will, obwohl Manuel

Neuer im Sommer kommen soll, und die Meisterschaft

in weite Ferne gerät, muss der Holländer gehen.

Hoeneß hat sich bis heute mit einigen Widersachern

ausgesöhnt, mit van Gaal (wohl noch) nicht.

Sebastian Kehl – Der Bayern-Verschmäher: Der

Mann, der den Bayern-Scheck zurückgab. Der Transferstreit

zwischen Borussia Dortmund und Bayern

München um Nationalspieler Sebastian Kehl ist Anfang

Januar 2002 vom Tisch. Dafür bedarf es eines

Schlichtungsgespräch mit der Deutschen Fußball

Liga (DFL) in München. Der 21-Jährige entschuldigt

sich öffentlich beim Champions-League-Gewin-

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PNGs: Personae Non Gratae - Diesen Typen prägen sind unbeliebt

29

ner aus München. „Ich habe mich davon überzeugt,

dass Bayern München davon ausgehen konnte,

dass eine Zusage zu einem Wechsel nach München

besteht. Ich habe Verständnis, wenn der FC Bayern

München über meine Entscheidung, zu Borussia

Dortmund zu wechseln, enttäuscht ist“, wird Kehl

in einer DFL-Presse-Erklärung zitiert. Laut DFL respektiert

der FC Bayern die Erklärung Kehls „und

wünscht ihm für seine sportliche Entwicklung beim

BVB und in der Nationalmannschaft alles Gute“.

„Für Bayern München ist damit die Angelegenheit

abschließend erledigt“, so Wilfried Straub, Vorsitzender

der Geschäftsführung der DFL. Kehl hat

noch als Spieler des SC Freiburg zunächst eine Vereinbarung

mit dem Weltpokalsieger aus München

getroffen. Kurz vor Weihnachten gibt er aber seinen

Wechsel nach Dortmund bekannt. Die von den

Bayern gezahlte Summe von 1,5 Millionen Mark

überweist er zuzüglich Zinsen zurück. Der Fall

Kehl ist der Beginn einer langandauernden Rivalität.

Alan Sugar – Der Feind von der Insel: Der Inhaber

von Tottenham gerät im Transfer - Tauziehen um Jürgen

Klinsmann mit Uli Hoeneß und Jürgen Klinsmann

aneinander. Nach dem Wechsel des Deutschen

nach München hält Sugar vor laufenden Fernsehkameras

ein von Klinsmann signiertes Trikot in die

Höhe und sagt: ,,Damit würde ich nicht einmal mehr

mein Auto waschen.“ Einige Monate zuvor hat sich

der Eigentümer der „Spurs“ noch für den „besten

Kauf aller Zeiten” feiern lassen. Jetzt verkündet er

deprimiert das Ende einer Männerfreundschaft und

kündigt rechtliche Schritte an. Zumindest einen Teil

des Geldes wolle er zurückhaben von einem Mann,

“dem ich in die Augen geschaut und vertraut hatte”.

Hoeneß verteidigt Klinsmann während der Fehde

mit Sugar. Das gefällt dem englischen Geschäftsmann

gar nicht. Später ändert sich die Meinung

von Hoeneß über den Schwaben, aber wohl nicht

über Alan Sugar. Zumindest ist hiervon nichts

bekannt.

Jürgen Klinsmann – Der Gierige mit dem Lächeln:

Sowohl als Spieler als auch als Trainer versucht

sich der „ewig lächelnde“ Schwabe beim FC Bayern,

beide Episoden enden unerfreulich. Der Spieler

(1995-97) geht zwar als Meister, aber zermürbt

vom Gebaren beim „FC Hollywood“ und im Zorn.

Sinnbildlich dafür ist sein Tritt in eine Werbetonne

nach einer Auswechslung durch Trainer Giovanni

Trapattoni. Besonders mit Klubikone Lothar Matthäus,

mit dem ihn seit gemeinsamen Mailänder

Zeiten eine herzliche Abneigung verbindet, liegt

Klinsmann über Kreuz. Matthäus macht Klinsmann

dafür verantwortlich, dass ihn Bundestrainer Berti

Vogts 1996 nicht mehr berücksichtigt und fordert

ein TV-Duell mit seinem Mitspieler. Ehe es so weit

kommt, sucht der das Weite („Es hat halt nicht gepasst

mit dem Verein und mir.“). Trotz 31 Toren in

65 Bundesligaspielen überwiegt der negative Eindruck

von einem Mann, der zuerst an sich denkt.

Elf Jahre später scheint alles vergessen, aufgrund

des starken deutschen Auftritts bei der Sommermärchen-WM

2006 holt der FC Bayern den dafür

verantwortlichen Bundestrainer zurück – nun auf

die Trainerbank. Er kommt mit großen Versprechungen,

aber ohne Jogi Löw und will „ein Energiefeld

aufbauen, das den Spielern viel Spaß machen

wird“. Zusätzlich will er jeden Einzelnen „jeden Tag

besser machen“. Der FC Bayern tut alles für den

Sonnyboy mit Wohnsitz Kalifornien, baut das ganze

Vereinsgelände um. Uli Hoeneß: „Klinsmann

war der Trainer mit der größten Machtfülle in der

Geschichte des FC Bayern. Seine Wünsche wurden

nicht erfüllt, sondern überfüllt.“ Es folgt eine für

Münchner Verhältnisse katastrophale Saison ohne

Titel, darunter ein 1:5 in Wolfsburg, ein 2:5 zuhause

gegen Bremen (Gegentorrekord in der Allianz Arena),

ein 0:4 in Barcelona in der Champions League,

kein Tag an der Tabellenspitze und die Entlassung

am 29. Spieltag. Plötzlich haben es alle kommen

sehen. Verteidiger Philipp Lahm schreibt in seiner

Biographie: „Nach sechs Wochen wussten alle Spieler,

dass es nicht gehen würde.“ Hoeneß tritt nach:

„Für Klinsmanns Rauswurf waren am Ende nicht die

Ergebnisse entscheidend, sondern das Verhältnis

zur Mannschaft.“

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Paul Breitner – Persona Non Grata: Der Weltmeister

von 1974 darf beim FC Bayern München nicht mehr

auf die Ehrentribüne. „Es gab einen Anruf von Herrn

Dreesen, mir werde von Uli Hoeneß nahegelegt,

mich auf absehbare Zeit nicht im Ehrengast-Bereich

blicken zu lassen“, so der frühere Münchner Profi

zur „Bild“ im November 2018 über ein Telefonat

mit Vorstandsmitglied Christian Dreesen. „Ich habe

ihm gesagt: Damit habe ich ohnehin gerechnet. Und

ich möchte den einen oder anderen im Moment

sowieso nicht sehen.“ Was ist geschehen? Breitner

hat im Oktober 2018 den verbalen Rundumschlag

von Präsident Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-

Heinz Rummenigge bei einer mehr als ungewöhnlichen

Pressekonferenz in Sachen Medienschelte

mit den Worten kritisiert: „Ich bin nach wie vor

deprimiert, weil ich mir nie vorstellen konnte in 48

Jahren, die ich mit oder am Rande des FC Bayern

lebe, dass sich dieser Verein diese Blöße gibt, dass

er diese Schwäche zeigt. Was den Uli angeht: Ich

verstehe vieles nicht, was dort passiert ist.“ Es ist

mal wieder das Ende der On-off-Beziehung zweier

Männer, die doch Freunde fürs Leben geworden

zu sein schienen. Gemeinsam kommen sie 1970 in

die Bundesliga, teilen sich eine WG, die Hotelzimmer

und so manche lukrative Werbeeinnahme,

feiern die großen Erfolge der Siebziger. Dann geht

Breitner nach Madrid, doch noch als angehender

Manager sorgt Hoeneß für Breitners Rückkehr. Ein

erstes Zerwürfnis 1983 bei einem Testspiel in Singapur

wird notdürftig geflickt, noch vor einiger

Zeit dient Breitner als Repräsentant des Vereins

und Berater des Vorstands. Seine spitze Zunge hat

er stets schlecht hüten können, schon 1973 wütet

er: „Bei diesem Scheißverein können sie nicht mal

richtig feiern.“ 2018 ist sein Kredit aufgebraucht.

25.04.1989 - Händeschütteln von zwei „Fußballfeinden“.

Jupp Heynckes und Christoph Daum. Foto: Imago Images/

Sven Simon

Ole Gunnar Solskjaer – Der Torschütze: Der Norweger

hat dem FC Bayern nichts Böses angetan. Außer,

dass er in der 93. Minute das entscheidende Tor beim

2:1 für Manchester United im Champions League

Finale 1999 geschossen hat. Die Mutter aller Bayern-Niederlagen.

Fällt irgendwo sein Name, bekommen

echte Bayern-Fans Schmerzen an Leib und Seele.

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TRAGISCH

Diese Personen hatten Pech

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Kurt Landauer – Der Verfolgte: Kurt Landauer ist

zwischen 1913 und 1951 vier Mal an der Spitze des

FC Bayern und führt den Verein zur ersten Meisterschaft

1932. Als Jude wird er von den Nazis verfolgt.

Am 22. März 1933, kurz nach der „Machtergreifung“

der Nationalsozialisten, legt Landauer sein Amt als

Bayern-Präsident nieder. Im April 1933 verliert er

wegen seines jüdischen Glaubens seinen Job und

wird arbeitslos. 1935 erhält er eine Stelle in einem

Wäschegeschäft in München. Ende 1937 verkauft er

mit seinem Bruder Franz den Stammsitz der Familie

in der Kaufingerstraße 28 an die Warenhauskette

Woolworth und wird am 10.11.1938 für vier

Wochen ins Konzentrationslager Dachau eingesperrt.

Im Mai 1939 flüchtet er in die Schweiz, vier

seiner Geschwister werden von den Nazis ermordet.

Als die Mannschaft 1940 ein Spiel in Zürich

bestreitet, entdeckt sie ihren Ex-Präsidenten auf

der Tribüne und begrüßt ihn herzlich, trotz ausdrücklichem

Kontaktverbot durch die Gestapo.

Im Juni 1947 kehrt Landauer nach München zurück

und wird im August wieder Präsident des

FC Bayern München, ehe er 1951 überraschend

durch ein Komplott abgewählt wird und sich verbittert

zurückzieht. Er stirbt 1961. Die „Schickeria”

richtet jährlich ein Kurt-Landauer-Turnier aus und

gründet eine nach ihm benannte Stiftung, die sich

aktiv gegen Rassismus und Ausgrenzung wendet.

Gerd Müller - Der Suff und Alzheimer: Gerd Müller

ist an Alzheimer erkrankt und lebt seit 2015 in einem

Pflegeheim. Der Bomber der Nation – oder

kleines dickes Müller, wie sein erster Trainer im

Profibereich, Tschick Cajkovski, ihn in den 60-er

Jahren nennt. Jener Mann, ohne dessen Wirken „wir

uns immer noch im Holzhäusl umziehen würden“,

wie Franz Beckenbauer gern mal betont. Der Mann,

der den Sinn des Fußballs wie kein Zweiter beherzigt:

das Runde muss ins Eckige. Gerd Müller,

das Phänomen im Strafraum, ist rein physisch nicht

der imposanteste Stürmer gewesen – auch nicht

zu seinen Glanzzeiten. Nicht der Größte, nicht der

Schnellste, auch kein Dribbler – aber für eine ganze

Dekade der beste Mittelstürmer der Welt. Er schießt

398 Tore in 453 Ligaspielen, davon 365 in der Bundesliga

(ewiger Rekord) und 68 Länderspieltore für

Deutschland in 62 Spielen (Schnitt: 1,06) – Rekord

bis 2014, als Miroslav Klose mit 71 Toren vorbeizieht,

aber bei weit mehr Einsätzen. Als er zurücktritt,

ist er WM-Torschützenkönig mit 14 Toren.

Was ihn besonders auszeichnet, ist seine Fähigkeit,

sich auf engstem Raum zu bewegen, Gegner stehen

zu lassen und aus den unmöglichsten Situationen

heraus und mit allen Körperteilen Tore zu

erzielen. Das kann keiner auf der Welt so gut wie

er und das hat er immer gewusst: „Des hast oder

hast net. Des kannst net lernen“, lautet das Credo

des bayerischen Schwaben, 1945 in Nördlingen

geboren. Bis heute ist er Vorbild für eine ganze

Gruppe von Mittelstürmern, die sich weniger durch

Größe oder physische Präsenz als durch Wendigkeit,

Reaktionsvermögen und Antizipation auszeichnen.

So gut sich Gerd Müller auf dem Platz zu Recht

findet, so schlecht findet er sich nach der Karriere

im richtigen Leben zurecht. Auch ihn verschlägt es

Ende der 70-er Jahre in die USA. Aber nicht nach

New York wie Kaiser Franz, sein langjähriger Doppelpasspartner,

sondern nach Florida. Und dort

beginnt die fatale Episode mit dem Alkohol, dem

er schon zu Münchner Zeiten zugesprochen hat.

Das Tragische an Müllers Vita ist, dass der „Bomber

der Nation“ nach seinem letzten Spiel im Jahr

1979 für die Orlando Smith Brothers in Fort Lauderdale

keinen richtigen Platz mehr im Leben findet.

Jedenfalls keinen, der ihn ausfüllt. Mit seiner

Frau Uschi führt er ein Steakhouse, gibt dort den

Grüß-Onkel und stößt mit jedem an, der mal mit

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Tragisch - Diese Personen hatten Pech

32

dem berühmten Bomber anstoßen möchte. Das

wollen viele. So wächst die Sucht. Nach sechs Jahren

in den USA kehrt er 1985 in das Land zurück, das er

1974 zum Weltmeistertitel geschossen hat und zurück

in die Stadt seiner größten Erfolge, aber selbst

in München steht er vor dem persönlichen Nichts.

Im September 1991 werden Müllers Probleme

öffentlich. Weil er angetrunken als Kiebitz beim

Bayern-Training angetroffen wird, weil die Ehefrau

sich scheiden lassen will und weil auch noch

die Steuerfahnder ihre Pflicht tun und zwei Eigentumswohnungen

pfänden. Müller hat nicht das

Zeug zum autoritären Trainer, cleveren Manager

oder eloquenten TV-Experten, das wissen alle, die

den gelernten Weber kennen. „Du bist kein Mann

der großen Worte. Du hast die Tore geschossen,

ohne viel zu reden“, so charakterisiert ihn 2003

Franz Beckenbauer in seiner Laudatio, als Gerd

Müller zum wertvollsten Bundesliga-Spieler aller

Zeiten gekürt wird. Der Held einer Generation nur

noch eine Witzfigur – das können die Bayern nicht

mit ansehen. Und reichen ihm die Hand. Es ist bitter

nötig, er ist ganz unten. „Schlimmer hätte es gar

nicht kommen können. Du bist oben, schwebst im

Himmel. Und fällst und fällst. Plötzlich bist du in

der Hölle“, sagt er in einem Interview. „Ich habe sehr

gelitten, und ohne die Hilfe meiner Freunde hätte

ich es wohl nicht geschafft.“ Seine Freunde: allen

voran „der Uli, der Franz und der Kalle“, wie er die

Kameraden von einst nennt. Hoeneß, Beckenbauer,

Rummenigge – alle haben sie mit ihm gespielt

und gefeiert. Nun geben sie zurück. „Nur nichts

tun. Den ganzen Tag einfach nur rumsitzen und

nichts Sinnvolles machen – das war das Verderben“,

räsoniert er selbst über seine Flucht in den Alkohol.

Bei Prominentenspielen, erzürnt sich Uli Hoeneß,

hätten sie ihn abgefüllt und sich dann über ihn

lustig gemacht. Also überreden sie ihn, eine Entziehungskur

zu machen, auch psychiatrische Hilfe

nimmt er in Anspruch. Und seine Frau lässt die Scheidung

sein. Der am schlechtesten vergütete Vertrag,

den ihm der FC Bayern je gegeben hat, trägt

ein Übriges zur Rettung von Müller bei. Seit 1992

ist er wieder angestellt bei den „Roten“. Ich bin vollkommen

glücklich, und ich bin beschäftigt“, sagt er

1993, als er die A-Jugend trainieren darf. Er arbeitet

fortan auch als Sponsorenbetreuer, Talentsucher,

Stürmer- und Torwarttrainer, Co-Trainer bei

den Profis und zuletzt bei den Amateuren. Doch

dann schlägt die Alzheimer-Erkrankung zu. Der

letzte Abschnitt im Leben des Bombers der Nation.

Harmonie im Hause Müller am 20.09.1965. Gerd Müller mit

Ehefrau Uschi Müller. Foto: imago Images/Rolf Hayo

Die Mitflieger von Uli Hoeneß: Die richtigste und

wichtigste Entscheidung trifft Uli Hoeneß am

17. Februar 1982. Sie rettet sein Leben. Denn Uli

Hoeneß und sein Freund, der Verleger Helmut

Simmler, wollen sich an diesem Tag das Länderspiel

Deutschland gegen Portugal im Niedersachsenstadion

von Hannover ansehen. Die Privatmaschine

mit Hoeneß an Bord startet um 18.19 Uhr in

München. Kurz vor Nürnberg schläft Hoeneß ein, er

hat sich den Platz hinten rechts gewählt. Der einzige

Platz mit Überlebenschance. Um 19.45 Uhr meldet

der Pilot technische Probleme. Gegen 20.05 Uhr

verschwindet das Privatflugzeug vom Radarschirm

der Flugsicherung. Pilot, Co-Pilot und Hoeneß-Freund

Semmler sterben beim Absturz. Hoeneß wird

aus der Maschine geschleudert und ca. 90 Minuten

nach dem Absturz von einem Jäger gefunden. Beim

Versuch, ihn ins Krankenhaus zu fahren, springt der

Geländewagen nicht an. Der Jäger deckt Hoeneß mit

einer Decke zu und sucht Hilfe. Nach einiger Zeit

kommen ihm Rettungskräfte entgegen. Uli Hoeneß

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Tragisch - Diese Personen hatten Pech

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wird ins Krankenhaus gebracht und überlebt. Pilot

Wolfgang Junginger, sein 25-jähriger Co-Pilot

Thomas Kupfer und Helmut Simmler sterben.

Norbert Eder – Der Unterschätzte: Norbert

Eder spielt von 1984 bis 1988 für den FC Bayern

München. Er absolviert 132 Ligaspiele für die

Münchner und gewinnt vier nationale Titel (dreimal

Meister, einmal Pokalsieger). Darüber hinaus

kommt er zu 28 Europapokal-Spielen. Eder gehört

dem Mannschaftsrat des FC Bayern an und ist 1985

und 1986 der Spieler mit den meisten Einsätzen für

den FC Bayern. 1986 wird er Vizeweltmeister mit

der deutschen Nationalelf. Eder stirbt im November

2019 nach langer Krankheit mit knapp 64 Jahren.

Breno – Der Einsame: Breno gilt im Jahr 2007 als

bester brasilianischer Nachwuchsverteidiger. Er

spielt von 2008 – 2012 beim FC Bayern München.

Sein erstes Pflichtspiel bestreitet er mit 18 Jahren

am 12. März 2008 im Achtelfinal-Rückspiel des

UEFA-Pokals bei der 1:2-Niederlage im Heimspiel

gegen den RSC Anderlecht. Seinen Einstand

in der Bundesliga gibt Breno am 4. Mai 2008 (31.

Spieltag), als er beim torlosen Unentschieden im

Auswärtsspiel gegen den VfL Wolfsburg in der 73.

Minute für Daniel van Buyten eingewechselt wird.

Bis zum Jahresende 2009 bestreitet Breno nur sieben

Bundesliga-, fünf Champions-League-Spiele

und ein DFB-Pokal-Spiel. Um mehr Spielpraxis zu

sammeln, wechselt er von Januar 2010 bis zum Ende

der Saison zum 1. FC Nürnberg. Am 7. März 2010

(25. Spieltag) erleidet er beim 3:2-Sieg im Heimspiel

gegen Bayer 04 Leverkusen nach einem Foul von

Stefan Reinartz einen Kreuzbandriss. Zur Saison

2010/11 kehrt Breno zum FC Bayern zurück, spielt

aber wieder nur die zweite Geige und wirkt zunehmend

deprimierter. In der Nacht zum 20. September

2011 brennt Brenos gemietete Villa in Grünwald

komplett aus. Der Spieler ist allein zu Hause und

wird leicht verletzt. Wegen des Verdachts der schweren

Brandstiftung wird er am 24. September 2011

in Untersuchungshaft genommen und in die JVA

München verbracht. Am 11. April 2012 erhebt die

Staatsanwaltschaft München I Anklage wegen des

Verdachts der schweren Brandstiftung. Am 4. Juli

2012 wird Breno zu drei Jahren und neun Monaten

Haft verurteilt. Die Haftstrafe wird nach zwei Drittel

der Zeit am 20. Dezember 2014 zur Bewährung

ausgesetzt. An die Fortsetzung seiner Bundesligakarriere

ist nicht zu denken, er kehrt nach Brasilien

zurück. Und schafft ein veritables Comeback.

Sebastian Deisler – Das depressive Supertalent: Er

gilt als Talent des Jahrhunderts und verdient sich

in Mönchengladbach und Berlin seine ersten Sporen.

Schon Nationalspieler, verpflichten ihn die

Bayern 2002 für umgerechnet 18 Millionen Euro

(inklusive Handgeld). Glücklich werden sie mit

dem sensiblen Mittelfeldspieler nicht. Seine Verletzungsanfälligkeit

wird sein Fluch, erst nach sieben

Monaten gibt er im Februar 2003 sein Debüt.

Da hat er schon zwei Kreuzbandrisse und eine verpasste

WM hinter sich. In München häufen sich die

Probleme, Muskelfaserrisse und Knorpelabsprengungen

im Problemknie füllen seine Krankenakte.

Sie führen schließlich zu psychischen Problemen,

weswegen sich Deisler 2003 und 2004 in Behandlung

begibt. Mit Felix Magath bekommt er ab der

Saison 2004/05 im Gegensatz zu Vorgänger Ottmar

Hitzfeld einen Trainer, der auf seine Befindlichkeiten

wenig Rücksicht nimmt, im Team wird er gemobbt.

Nach nur 62 Bundesligaspielen in viereinhalb

Jahren zieht er im Januar 2007 einen Schlussstrich,

die Fußballnation ist erschüttert. Die Vorgänge im

Trainingslager in Dubai sind dokumentiert im Sport

Bild-Buch „Die Rekord-Bayern“ (2017). „In der Nacht

vom 7. auf den 8. Januar wird Uli Hoeneß aus

dem Bett geklopft. Der Besucher hat sich telefonisch

angekündigt, aber so schnell war nicht mit seinem

Erscheinen zu rechnen. Vor seinem Hotelzimmer

steht Sebastian Deisler, der Hochbegabte mit dem

schweren Gemüt und den kaputten Knien. Noch

im Bademantel erfährt Hoeneß davon, dass Deisler

seine Karriere beenden will. Mit knapp 27. Sie reden

die Nacht durch, Deisler schläft nach Stunden

im Gästezimmer der Manager-Suite ein. Das

Schauspiel wiederholt sich in den nächsten Nächt-

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Tragisch - Diese Personen hatten Pech

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en bis zur Abreise, die Deisler am liebsten sofort antreten will. Der Manager kämpft wie ein Löwe um

den Karrieremüden. Vergebens. Kaum aus Dubai zurück, laden die Bayern am Dienstag, den 16. Januar,

zu einer Pressekonferenz. Hoeneß eröffnet sie Punkt zwölf Uhr: „Es ist kein angenehmer Anlass, weswegen

wir Sie hergebeten haben. Ich mache es kurz, Sebastian Deisler beendet seine Fußballkarriere.“ Deisler

macht es nicht viel länger: „Klar kann ich noch so ein bisschen mitspielen, aber mit der richtigen

Freiheit ist es vorbei. Ich habe kein Vertrauen mehr in mein Knie. Ich bin glücklich mit meiner Entscheidung,

das bin ich.“ Seitdem ist er nur sporadisch in der Öffentlichkeit aufgetaucht. 2009 erscheint

seine Biographie „Zurück ins Leben.“, in der er Vorwürfe gegenüber den Verantwortlichen in Berlin und

München erhebt. Deisler ist das Paradebeispiel eines Spielers, den der Profifußball fertig gemacht hat.

Das Unglücksflugzeug der Marke Piper Seneca. Uli Hoeneß überlebt den Absturz vom 17.02.1982. Foto: Imago Images/localpic

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OMG

Oh My God!

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Peinlichkeiten? Das gibt es bei anderen Klubs in der Bundesliga,

aber doch nicht beim Vorzeigeverein FCB. Mumpitz!

Ein Vorbild an aktiver Resozialisierung. „Der FC

Bayern ist ein Verbrecherklub“: Das sagen die Bayern-Hater.

Aber es stimmt – wenn auch auf eine

ganz andere Art. Denn der FC Bayern wird/wurde

maßgeblich von vorbestraftem Personal geführt.

Ein Vorbild an aktiver Resozialisierung also. „Cheffe“

Karl-Heinz Rummenigge akzeptiert im Jahr

2013 einen Strafbefehl wegen Zollvergehens und

bezahlt eine Strafe von 250.000 Euro. Er hat zwei

Luxusuhren aus Katar nicht verzollt. Ein Richter

am Amtsgericht in Landshut verurteilt ihn zu 140

Tagessätzen. Laut FOCUS geht das Gericht davon

aus, dass Rummenigge täglich 1.785 Euro zur freien

Verfügung hat. Ex-Präsident Uli Hoeneß sitzt wegen

Steuerhinterziehung 21 Monate im Gefängnis.

Aber auch der Aufsichtsrat, mit dem der FC Bayern

München in die Saison 2018/19 geht, ist nicht

ganz „sauber“. Dieser besteht aus den folgenden

neun Mitgliedern: Uli Hoeneß, Herbert Hainer,

Prof. Rupert Stadler, Dr. Werner Zedelius, Timotheus

Höttges, Prof. Dr. Dieter Mayer, Dr. Edmund

Stoiber, Dr. Theodor Weimer und Prof. Dr. Martin

Winterkorn. 33 % von ihnen hatten oder haben zu

diesem Zeitpunkt Probleme mit dem Gesetz. Sofern

jemand zu mehr als 90 Tagessätzen oder mehr als

drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurde, gilt

er nach dem deutschen Recht als vorbestraft. Das

trifft auf Uli Hoeneß zu, den damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden

der FC Bayern München AG. Der

stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende zum Start

der Saison 2018/19, Prof. Rupert Stadler, ist im

Sommer 2018 in Untersuchungshaft wegen Verdunklungsgefahr

und gegen das Aufsichtsratsmitglied

Prof. Dr. Martin Winterkorn liegt im Rahmen

der VW Dieselgate ein Haftbefehl aus den USA vor.

Angst vor Max Merkel – Das Ende von Gerd Müller

und Wilhelm Neudecker: Im Jahr 1979 gibt es Dauerärger

zwischen Trainer Pal Csernai und Superstar

Gerd Müller. Start der Fehde soll eine Auswechselung

Müllers im Spiel gegen Eintracht Frankfurt gewesen

sein. Gerd Müller flüchtet in die USA. Csernai hat

den Job überhaupt nur bekommen, weil sein ehemaliger

Chef, Gyula Lorant, entlassen worden ist.

Bayern-Präsident Neudecker will den ehemaligen

1860-Trainer Max Merkel verpflichten. Der gilt als

Schleifer und davor haben die eher verwöhnten

Bayern-Stars Muffe. Sie lehnen den Trainer Merkel

ab und Neudecker tritt zurück. Stattdessen wird Pal

Csernai, Cheftrainer. Die Ära Neudecker ist vorbei,

die erste Spielerrevolte der Bundesliga ist erfolgreich,

denn mit Pal Csernai wird Bayern zwei Mal Meister.

Angst vor Max Merkel – Die FC Bayern Spieler wollen

„Peitschen-Max“, den Ex-Trainer von 1860 nicht. Foto: Imago

Images/Fred Joch

Das Heynckes Versprechen, Trainerflops und Mittelmäßigkeit:

Anfang der 90-er Jahre durchlebt

der Rekordmeister turbulente Zeiten. Zahlreiche

Trainer, darunter Erich Ribbeck und Sören

Lerby, versuchen sich wenig erfolgreich daran,

das Team zu revitalisieren. Die Zeit nach der Entlassung

von Jupp Heynckes im Oktober 1991 ist

eine Zeit des Misserfolges. Die Bayern sind taktisch

und vom Spielerpersonal her nicht mehr auf

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OMG - Oh My God!

36

der Höhe des Geschehens – sowohl in Europa als

auch in Deutschland. Es hagelt Niederlagen und

das frühzeitige Ausscheiden aus den europäischen

Wettbewerben gegen maximal mittelmäßige Gegner

wird nicht die Ausnahme, sondern zeitweise

normal. Für eine kurze Zeit scheint es, als ob der

FC Bayern ein durchschnittlicher Bundesliga-Verein

werden würde. Und besonders viel Geld haben

die Münchener damals auch nicht auf dem Festgeldkonto.

Die schlechteste Saison in dieser Phase

ist die Spielzeit 1991/92. Am 8. Oktober 1991 muss

Heynckes nach einem schwachen Saisonstart seinen

Platz auf der Bank räumen. Sein 1990 auf dem

Münchner Rathausbalkon gemachtes Versprechen,

er werde mit den Bayern den Europapokal gewinnen,

und seine damals etwas zu verbissene Art brechen

ihm das Genick. Schon in der Vorsaison hat

es „nur” zum Vizemeistertitel gereicht. Außerdem

hat man sich im DFB-Pokal bei den Amateuren des

FV Weinheim bis auf die Knochen blamiert und ist

im Europapokal an Roter Stern Belgrad gescheitert.

Die neue Spielzeit wird für den FC Bayern zum

Super-GAU. Nach dem erneuten Pokal-Aus im eigenen

Stadion gegen Zweitligist FC Homburg und

einer 1:4-Heimpleite am 12. Spieltag gegen die

Stuttgarter Kickers will Manager Uli Hoeneß nicht

mehr an seinem Freund Heynckes festhalten. Kapitän

Klaus Augenthaler hat vor der Saison seine

Karriere beendet, die Leistungsträger Jürgen Kohler

und Stefan Reuter sind nach Italien abgewandert.

Torwart Raimond Aumann und sein Stellvertreter

Sven Scheuer fallen verletzungsbedingt lange aus.

Mit 36:40 Punkten schließen die Bayern die Saison

mit einem miserablen Punkteschnitt auf Platz 10

ab. Bis heute hält Hoeneß die Heynckes-Entlassung

für den größten Fehler seiner Manager-Laufbahn.

Wie entlasse ich den Sir – peinlich und rührend:

Beim Wettbewerb um den schlechtesten Bayern-Trainer

der letzten 30 Jahre fallen immer drei

Namen: Jürgen Klinsmann, Sören Lerby und Erich

Ribbeck. Wie die Bayern Ribbeck absägen – peinlich

und rührend zugleich. Sir Erich folgt im März

1992 auf den Fehlgriff Sören Lerby. Kurz vor ihm

werden Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge

als Krisenhelfer in den Verein geholt

und zu Vize-Präsidenten gewählt. Erich Ribbeck

spielt mit einer neu formierten Mannschaft zwar

1992/93 wieder um den Titel mit – zu mehr als

dem Vizemeistertitel hinter Otto Rehhagels Werder

Bremen reicht es nicht. In Erinnerung bleibt die

„Sargnagel-Aussage“ Ribbecks, nicht unbedingt

Deutscher Meister werden zu müssen. Als auch im

zweiten Jahr seiner Amtszeit das Team nicht richtig

in die Gänge kommt und in der Hinrunde schon

aus DFB-Pokal und UEFA-Cup ausscheidet, treffen

sich in der Winterpause die Bayern-Granden, um

zu besprechen, wie man den „Sir“ stilvoll „entsorgen“

könnte. Ribbeck ist allerdings direkt nach Ende

der Hinrunde in den Urlaub nach Gran Canaria geflogen.

Keine gute Idee. Bei der folgenden Präsidiumssitzung

setzt Grummeln ob der Trainersituation

ein. Aber es gibt keine Alternative. Uli Hoeneß

schlägt plötzlich Vize-Präsident Beckenbauer vor,

dieser schlägt schweren Herzens ein. Der Kaiser will

seinen Freund Ribbeck aber nur beerben, wenn der

selbst zurücktritt. Der Legende nach fliegen kurz vor

Weihnachten daraufhin zwei Vorstandsmitglieder

im Privatjet nach Gran Canaria. Sir Erich bewirtet

die beiden Überraschungsgäste nichtsahnend so

freundlich, dass sie es nicht übers Herz bringen, ihm

die Wahrheit zu sagen. Back to Munich ohne Mitteilung

der Entlassung. 25.000 Mark Flugkosten sind

futsch! Ob die Geschichte stimmt, ist nicht bewiesen.

Belegt ist, dass Franz Beckenbauer Erich Ribbeck

ablöst und zum zweiten Mal einspringt. Er holt

genauso viele Punkte in der Rückrunde wie Erich

Ribbeck in der Hinrunde. Aber mit der „Lichtgestalt“

als Teamchef fängt die Mannschaft Herbstmeister

Eintracht Frankfurt mit dem Bayern-Provokateur

Klaus Toppmöller („Bye-bye Bayern“) noch ein und

wird einen Punkt vor dem 1. FC Kaiserslautern

Meister. Nobel: Ribbeck bekommt die volle Meisterprämie

(250.000 DM) und sein Gehalt bis 30. Juni

(500.000 DM). So verabschiedet man einen Freund…

Hoeneß über die eigenen Fans – megapeinlich: Auch

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die Offiziellen der Bayern sind nicht ganz frei von

stillosen Fehltritten. Auf der Hauptversammlung des

Jahres 2007 rastet Uli Hoeneß plötzlich aus und beschimpft

die eigenen Fans. Unter anderem wirft er ihnen

vor, selbst für die häufig schlechte Stimmung im

Stadion verantwortlich zu sein. Dazu rechnet er aus,

dass nur die hohen VIP-Logen- Entgelte die billigen

Eintrittspreise im Stadion möglich machen würden.

Ton und Stil – peinlich. Fakten – so ganz falsch nicht.

Der Kaiser, die Bayern, die WM und die Deals mit

den Scheichs: Amigo-Deals sind in Bayern nicht

selten und auch dem FC Bayern nicht fremd. Im

Skandal um die Vergabe der WM 2006 könnte

deshalb auch der FC Bayern noch in Bedrängnis

geraten. Hierbei geht es insbesondere um verdächtige

Zahlungen und bizarre Freundschaftsspiele

– in Malta, Thailand und Tunesien. Zwar bestreitet

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, dass der

Verein im Jahr 2000 (als die WM vergeben wurde)

ausgerechnet in den Ländern zu Freundschaftsspielen

antritt, aus denen Mitglieder des Vorstandes

beim Internationalen Fußball-Verbandes kommen,

die am Ende genau über die Zuteilung des Turniers

entscheiden. Und das zu Preisen, die marktunüblich

sind. Maltesische Ermittler interessiert ein ganz

spezieller Vertrag, der kurz vor der WM-Vergabe

im Privathaus des damaligen Verbandspräsidenten

Maltas, Joe Mifsud, unterschrieben wird. Der

lukrative TV-Kontrakt mit der Schweizer TV-Rechte-Agentur

CWL bringt dem Verband ordentlich

Geld 2 . Es geht um die Fernsehrechte für das Freundschaftsspiel

zwischen Malta und den Bayern 2001.

Angeblich fließen 250.000 Dollar in die Kassen des

Fußballverbandes von Malta. Hintergründe sind

bisher unbekannt, der Vorwurf ist nicht bewiesen.

2 Näheres zum magischen Dreieck Beckenbauer,

Netzer und Dreyfus findet sich u.a. hier: https://www.sueddeutsche.de/sport/fussball-netzer-im-strudel-der-wm-af-

faere-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-151028-99-08361

Der Kaiser unter Korruptionsverdacht. Die WM 2006 ist Gegenstand

umfangreicher Ermittlungen. Foto: Imago Images/

Sven Simon

Und noch ein fauler Deal – diesmal mit Leo Kirch:

Und der ist bewiesen. Offensichtlich sind die Bayern

durchaus früher mal käuflich gewesen. Nach

Recherchen des manager magazin schließen am

9. Dezember 1999 Bayern-Manager Uli Hoeneß,

das Bayern-Vorstandsmitglied Karl Hopfner sowie

Ex-Präsident Fritz Scherer mit den damaligen

Kirch-Managern Dieter Hahn und Stefan Ziffzer

einen Geheimvertrag. In dem 18-seitigen Dokument

vereinbaren beide Parteien eine „exklusive

Zusammenarbeit”. Danach verpflichtet sich die

Kirch-Gruppe, den Bayern bis einschließlich der

Saison 2004 /2005 die Differenz zwischen den Erlösen

aus der zentralen Vermarktung durch den

DFB und den möglichen Erlösen des FC Bayern bei

einer individuellen Vermarktung der TV-Rechte

zu ersetzen – eine in der Liga-Geschichte einmalige

Wettbewerbsverzerrung. Mit dieser Zahlung

soll sich Kirch die Zustimmung des FC Bayern für

eine weitere zentrale Vermarktung der Bundesliga-Rechte

erkauft haben. Bayern-Manager Hoeneß

macht sich anschließend im Liga-Ausschuss zudem

für die Rechtevergabe an die Kirch-Gruppe stark.

Kirch sichert dem Bundesligisten in dem Geheimvertrag

zu, in den ersten drei Jahren jeweils einen

Ausgleich von bis zu 30 Millionen Mark zu zahlen.

Von der Saison 2003/2004 an wären gar bis zu 50

Millionen Mark pro Saison fällig gewesen. Tatsächlich

überweist Kirch für die Spielzeiten 2000/2001

und 2001/2002 rund 40 Millionen Mark an die Bay-

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ern, bis es zur Insolvenz der Kirch-Gruppe kommt.

Noch im Sommer 1999 hat die Bayern-Vereinsführung

auf eine Eigenvermarktung der TV-Rechte

durch die Bundesligavereine bestanden, weil sie auf

diese Weise höhere Honorare als bei einer zentralen

Vermarktung durch den DFB zu erhalten hoffte 3 .

Wenn der Kaiser grollt: Beckenbauers Wut-Rede in

Lyon 2001. Das „Champions-League-Bankett“ ist

für Lover wie für Hater des FC Bayern München

eine absolute Pflichtveranstaltung. Es sind Sternstunden

der Corporate Identity der Münchner –

und zuweilen des deutschen Fußballs. Am 6. März

2001 sitzen die Spieler mit leerem Blick bei Tisch

in ihrem Teamhotel in Lyon. Von Olympique Lyon

sind sie in der zweiten Gruppenphase der Champions

League zuvor mit 0:3 auseinandergenommen

worden. Nun muss im letzten Heimspiel gegen

den FC Arsenal ein Sieg her, sonst ist man in der

„Königsklasse“ früh am Ende. Da muss man was

machen, denkt sich auch Bayern-Präsident Franz

Beckenbauer. Der „Kaiser“ weiß um die Macht des

Mikrofons und um die Kraft der Wut-Rede. „Die

Frage ist immer, wie man ein Spiel verliert. Das war

heute eine Blamage. So, wie wir gespielt haben, das

hat nichts mit Fußball zu tun. Das ist eine andere

Sportart, die wir spielen. Wir haben zugeschaut, wir

haben körperlos gespielt. Das ist nicht Fußball, das

ist Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft, Altherrenfußball!

Tut mir leid, wenn ich das so sagen muss.

Es ist so. Es hat von der Tribüne aus vermutlich

noch schlimmer ausgesehen, als Ihr es unten auf

dem Platz mitbekommen habt. Das hat nichts mit

Fußball zu tun!“, kanzelt er die Stars um Stefan Effenberg

ab. „Wir sind sicherlich in einer Situation,

wo wir noch einiges retten können. Nur, ihr müsst

euer Spiel komplett umstellen. Es ist fünf Minuten

vor Zwölf! Anschauungsunterricht war der heutige

Gegner. Das ist Olympique Lyon, das ist nicht

Real Madrid, FC Barcelona oder Manchester United

- und wir haben heute eine Vorführung bekom-

3 https://www.manager-magazin.de/digitales/it/a-

236892.html

men. Warum? Weil die Einstellung nicht gestimmt

hat. Weil wir zurzeit einen Fußball spielen, der einfach

nicht mehr adäquat ist. Den hat man vielleicht

vor 30 Jahren gespielt. Ihr müsst Euch schleunigst

wieder an das Einmaleins des Fußballs gewöhnen:

Zweikämpfe. Wenn die Zweikämpfe nicht angenommen

werden, bist du immer zweiter Sieger. Auch gegen

eine Mannschaft wie heute, die sicherlich eine

gute ist, aber nicht zu den besten gehört. Da schaust

du aus wie ein Lehrbub, und zum Schluss kannst

noch froh sein und sagen: „Vielen Dank, dass wir

nur 3:0 verloren haben.’“ Für Beckenbauer ist klar:

,,In Zukunft könnt Ihr das nicht machen, sonst

müssen wir uns alle einen anderen Beruf suchen!“

Am nächsten Tag wird bei Harald Schmidt bereits

gerätselt, welche Berufe dies sein könnten… und

man landet immer beim „Fußballprofi“. Wie auch

immer. Am Ende wirken Beckenbauers Worte

Wunder: Die Bayern-Stars, die sich nach der Wutrede

spontan in Effenbergs Zimmer versammeln

und schwören, es dem Kaiser zu zeigen, holen

sich nach 25 Jahren endlich wieder den Pokal der

Landesmeister und verlieren inklusive des Finales

gegen den FC Valencia in Mailand kein Spiel mehr.

Giovanni Trapattoni - Lost in Translation: Es ist

die bis heute denkwürdigste Pressekonferenz in der

Fußball-Bundesliga. Sagen alle. Sagen vor allem die,

die dabei waren- und es zum Teil auch nach Jahren

noch nicht glauben können. München, 10. März

1998. Als Bayern-Coach Giovanni Trapattoni in einem

roten Trainingspullover zwei Tage nach einem

0:1 auf Schalke das Rednerpult im Presseraum betritt,

ahnt niemand etwas Böses. Kein Wunder. Der

Italiener beginnt seinen Monolog, der in die deutsche

Fußballgeschichte und in die Alltagssprache eingehen

wird, ganz gemächlich und gesetzt. ,,Es gibt im

Moment in diese Mannschaft”, so der ,,Mista”, ,,oh

einige Spieler vergessen Ihnen Profi, was sie sind!”

In der ersten Reihe wird schon gerätselt: Was will

uns der Maestro damit sagen? Die Einstellung

stimmt beim FC Bayern in dieser Bundesliga-Saison

1997/98, die man hinter Aufsteiger Lautern als

Vizemeister abschließen wird, ebenso wenig wie die

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Aufstellung. Trapattoni fragt nach, ob auch alle mitkommen:

,,Iss klar, diese Worte, ist möglich verstehen,

was ich sage gesagt?” Wir versuchen es zumindest,

wäre die richtige Antwort gewesen! Jetzt kommt

,,Trap” in Fahrt: ,,Ein Trainer ist nicht ein Idiot! Ein

Trainer zeigen, sehe, was passieren in Platz! In diese

Spiel, es waren zwei oder drei Spieler, die waren

schwach wie eine Flasche leer.” Für alle, die den Italo-

Deutsch-Mix nicht beherrschen: Basler, Scholl und

Strunz hatten einfach keinen Bock! ,,Diese Spieler”,

beklagt Trap, ,,klagen mehr als spielen.” Richtig:

Wenn es um eigene Ansprüche geht, war dieses Trio

schon immer ganz weit vorn. Vor allem ein Spieler

geht dem Italiener auf den Maßanzug: Thomas

Strunz: ,,Strunz ist zwei Jahre hier, hat gespielt zehn

Spiele, ist immer verletzt. Was erlauben Strunz?” Es

wird ein geflügeltes Wort, wie sich später erweisen

wird… Trapattoni hat keine Lust mehr: ,,Ich bin

müde jetzt Vater diese Spieler, eh verteidige immer

diese Spieler”. Auf Deutsch: Er lässt sie fallen und

wohl auch zu Recht: ,,Ich habe immer die Schulde

über diese Spieler, einer ist Mario, andere ist

Mehmet. Strunz hat nur gespielt 25 Prozent diese

Spiel.” Und er schließt mit ,,Ich habe fertig.” Noch

so ein Satz, der es in die deutsche Alltagssprache

schafft. Am Saisonende hat Trapattoni in der Tat

fertig. Wenigstens verabschiedet er sich mit dem

DFB-Pokal über die Alpen. Das 2:1-Siegtor im Finale

gegen Duisburg erzielt übrigens Mario Basler…

Giovanni Trapattoni am 10.03.1998 – 210 Sekunden geballte

Wortakrobatik und Emotionen. Foto: Imago Images/Fred Joch

Uli und die Detektive: Bayern spioniert Basler aus.

So kann es gehen! Da begeben sich die Bayern-Stars

Mario Basler und Sven Scheuer im November 1999

zu einem Reha-Aufenthalt nach Donaustauf – und

am Ende darf sich zumindest der Pfälzer Basler einen

neuen Job suchen. Der an sich harmlose Besuch

in einer Regensburger Pizzeria endet in einer handfesten

Keilerei zwischen Scheuer und einem Pöbler,

bei der Mario Basler anschließend „ein überragendes

Gespräch mit einem Polizisten“ hat. Beim FC

Bayern kann man über solche Metaphern nicht

lachen. Basler und Scheuer werden suspendiert,

der Keeper wird später begnadigt, doch für „Super

Mario“ ist beim FCB Schicht. Er wechselt zurück

zum 1. FC Kaiserslautern, für den er 1988/89 im

bedeutungslosen letzten Spiel bei Bayer Leverkusen

(1:0) sein Bundesliga-Debüt gegeben hat. Der im

Rückblick übertrieben erscheinende Rauswurf hat

eine lange Vorgeschichte. Bevor die Bayern Basler

die Papiere geben, lassen sie ihn von einem privaten

Ermittler beobachten. Ein grüner Golf heftet sich an

die Hacken des Laufwunders. Wenig später bittet

ihn Bayern-Manager Uli Hoeneß zum Rapport.

„Ich sag: Und Manager, alles klar? Und was gibt es

Neues? Sacht er, nix, hast ja nix am Wochenende

gemacht. Ist ja nix passiert. Sag‘ ich, scheiße gell?

Der Volldepp der mir in dem grünen Golf nachgefahren

ist, den hättet ihr euch auch sparen können“,

erklärt Basler gewohnt blumig im Kölner „Express“.

Uli Hoeneß, so Basler weiter, habe sich durch seine

Reaktion direkt verraten. „Super Mario“ dazu: „Da

hat der schon so einen Ballon gekriegt und dann hat

er angefangen zu grinsen. Sag ich, wenn der nicht

von euch auf mich angesetzt war gestern, dann

könnt ihr mir in die Schuhe scheißen. Da hat er

sich dann weggeschmissen vor Lachen.“ Auch im

Wissen darum, dass sein Detektiv vorher schon allerlei

Anklagestoff gesammelt hat, Basler geht für

sein Leben gern in Spielcasinos, trinkt und raucht

ungeniert in der Öffentlichkeit. Nun ist die Basler-

Maß voll und der Pfälzer Bub Mario ist wieder zu

Hause: „Ich bin froh, dass ich mir diesen Schwachsinn

von Uli Hoeneß nicht mehr anhören muss.“

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Franck Ribéry wird ausfallend: Eigentlich will

Franck Ribéry in der Winterpause der Saison

2018/19 nur ein Steak essen im Restaurant Nusr-Et”

in Dubai. Koch Nusret Gökçe will es besonders gut

machen und serviert dem Franzosen nicht irgendein

Steak, sondern ein vergoldetes Stück Fleisch für ein

paar Euro mehr. Franck teilt den Genuss des Steaks

über sein Instagram Account mit seinen Fans. Das

kommt nicht gut an. Ein Shitstorm vom Feinsten

ist die Folge. Doch Ribéry schlägt zurück. Über die

Storyfunktion auf Instagram richtet er den Kritikern

seiner Essensvorlieben aus: “Lasst uns 2019 den

Punkt auf das i und die Balken auf das t setzen. Beginnen

wir mit den Neidischen, den Wütenden, die

sicherlich durch ein kaputtes Kondom entstanden

sind: Fickt eure Mütter, eure Großmütter und euren

Familienstammbaum. Ich schulde euch nichts, mein

Erfolg habe ich vor allem Gott zu verdanken, mir

und meinen Nächsten, die an mich geglaubt haben.

Ihr seid nicht mehr als Steine in meinem Schuh.” In

einem weiteren Kommentar wendet er sich dann

an ,,die Pseudo-Journalisten, die mich und meine

Taten immer kritisieren.” Wenn er etwas Gutes täte,

würde das nie in den Medien stehen. Nein, sie reden

lieber über die Ferien, die ich mit meiner Familie

verbringe, sie scannen meine Handlungen, was ich

esse usw.”, resümiert der Bayern-Profi. Unterstützung

erhält Ribéry von seiner Frau Wahiba. Schon vor

Frank pestet sie auf Instagram: “Keine Sorge, wir

sind alle sehr erfreut zu sehen, dass wir sogar in der

Küche verfolgt werden. Ich bin kurz davor, mich

zu übergeben, glaubt mir. Armes Frankreich, dass

es tatsächlich so viele Idioten und Schweine gibt!”

Übrigens: Das Steak, welches Ribéry bestellt hat, ist

ein Ottoman-Steak. Ohne Goldzusatz kostet es laut

Karte 239 Euro. Mit Edelmetall wohl deutlich mehr.

Allerdings ist davon auszugehen, dass Ribéry das

Steak nicht bezahlt hat. Einladung vom Küchenchef 4 .

Wenn Sepp Maier ins Manöver zieht: Die Bay-

4 Weitere Details gibt es unter: https://www.t-online.

de/unterhaltung/stars/id_85036550/franck-ribery-rastet-ausueble-schimpfworte-an-seine-steak-kritiker.html

ern-Stars auf der Leinwand. Der Berliner Regisseur

Werner Jacobs (1909 – 1999) hat mit Sicherheit

bessere filmische Projekte umgesetzt als die

Verfilmungen von Ludwig Thomas „Lausbubenschichten“.

Wir erinnern uns an zeitlose Klassiker

wie „Und sowas muss um 8 ins Bett“, „Die Lümmel

von der ersten Bank – Zur Hölle mit den Paukern“

oder „Was ist denn bloß mit Willi los?“ Auf den

„Lümmel von der ersten Bank“, Jung-Star Hansi

Kraus alias Pepe Nietnagel, greift Jacobs 1967 gleich

zweimal zurück. Neben dem Pauker-Film dreht er

mit Kraus auch „Wenn Ludwig ins Manöver zieht“,

den zweiten Teil der Lausbuben-Geschichten

von Thoma. Die Besetzung ist prominent. Neben

Kraus und Heidelinde Weis versuchen sich Georg

Thomalla, Claus Wilcke („Hui Buh“) und Friedrich

von Thun in der bayerisch-preußischen Militärklamotte.

Und weil schon 1967 niemand mehr am

FC Bayern München vorbeikommt, werden die

Spieler Sepp Maier und Gerd Müller sowie Trainer

Zlatko „Tschik“ Cajkovski gleich mit gecastet und

in Uniformen samt Pickelhaube gesteckt. Heute

ist das natürlich politisch völlig unkorrekt. Cajkovski

als Armeekoch, Sepp Maier als „Sepp Maier“

und Gerd Müller als „Müller“, man kann erahnen,

wie intellektuell anspruchsvoll diese Komödie ist.

Den Kritikern reicht es: „Manchmal hat man den

Eindruck, einen Werbefilm vor sich zu haben.“

„Mer wolle ja nix Schlechtes sagen!“: Das Gefühl

wird man auch 1973 nicht los, als endlich auch ER

vor die Kameras tritt. Gemeint ist der Sozialkritiker

und bekannte Fußball-Wettspieler Franz Beckenbauer,

der als „Libero“ im gleichnamigen Film über

ihn selbst einen kritischen Blick hinter die Fassade

der Münchner Kicker-Schickeria der frühen 1970-

er Jahre wirft. Es tun sich Abgründe auf. Mit vor

allem einer bitteren Erkenntnis: „Ich hör auf mit

dem Fußball.“ Um dieser drastischen Forderung

gegenüber Harald Leipnitz Nachdruck zu verleihen,

fordert der Kaiser: „Gib mir an Whisky, I spiel eh

nimmer.“ Der Film wird von der Kritik zerrissen, nur

nicht von Alt-Bundestrainer Sepp Herberger, der

ihn auch sehen muss: „Mer wolle ja nix Schlechtes

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sagen!“ lautet sein irgendwie doch schlechtes Urteil.

Potato Fritz: Im Jahr 1976 reitet dann Hardy Krüger

alias „Potato Fritz“ unter der Regie von Peter Schamoni

über die Kino-Leinwand. Mit dabei: Sergeant

Stark alias Paul Breitner. Dazu kommen die

Berufs-Bösewichte Anton Diffring („Agenten sterben

einsam“) und Arthur Brauss („Das Mädchen

von Hongkong“) sowie die blonde Schönheit Diana

Körner. Dazu die Musik von Udo Jürgens – mehr

Kult-Kino geht eigentlich nicht. Der Erfolg scheint

garantiert. „Oscar“-verdächtiges Western-Kino

Made in Germany, wir wären gerne am Set mit dabei

gewesen. Dass der tot geglaubte Captain Henry am

Ende „den Indianern zu ihrem Recht verhilft“, ist sicher

auch im Sinne von Fußball-Rebell Paul Breitner…

Unterwegs für die gute Sache: Hardy Krüger und Paul Breitner

in „Potato Fritz“ Foto: Imago Images / United Archives

Gute Freunde…. Sollten niemals singen: Nonsens

nach Noten mit den Bayern-Stars. Mehr Fremdschämen

hat der FC Bayern, hat die Bundesliga

nicht zu bieten, als wenn die Stars der Münchner

zum Mikrofon greifen! Wir wissen natürlich

nicht, wie viele Maß Bier nach einem Bayern-Sieg

notwendig sind, um diese Lowlights aus der Welt

des deutschen Schlagers und der Pop-Kultur ohne

wirklich schlechtes Gewissen mitzusingen… Den

Anfang macht „der Kaiser“. Franz Beckenbauer

nimmt 1966 den seichten Song „Gute Freunde“ auf.

Bis heute hat Beckenbauer die Scheibe, die es in

Deutschland nur auf Rang 31 schafft und später als

Titelsong der ARD-Fernsehlotterie weiter die Zuhörer

quält, als „Jugendsünde“ abgestempelt. Aber

noch immer wird er in der Allianz Arena gespielt.

Text und Musik kommen von Kurt Hertha und Rolf

Arland, die eigentlich für Hit-Garanten wie Al Martino

oder Alice & Ellen Kessler tätig sind. Bei Franz

ist selbst dieses Dynamic Duo machtlos – oder es

hat mit lustloser Reimerei („Laß doch die andern

reden, was kann denn schon geschehn, wir wollen

heut und morgen nicht auseinander gehen“) einfach

einen schlechten Tag erwischt. Die B-Seite der bei

Polydor erschienen Single lautet übrigens „Du allein“,

nur falls das mal bei Jauch gefragt wird… Gefragt

ist der Titel allerdings auch Jahre später noch.

„Die Amigos“, „Marianne & Michael“ und „Die

jungen Zillertaler“, traditionell immer ganz nah

dran am guten Geschmack, covern „Gute Freunde“.

„Dann macht es Bumm“: Bei Gerd Müller hat es beim

FC Bayern in Form von Bundesliga-Toren 365-mal

„bumm“ gemacht. Bei dieser sportlichen Komponente

hätte es der „Bomber der Nation“ belassen sollen.

Stattdessen wagt sich der Nördlinger 1969 ebenfalls

ins Tonstudio – und heraus kommt mit „Dann

macht es Bumm“ ein peinliches Machwerk, das

selbst die B-Seite „Wenn das runde Leder rollt“ nicht

retten kann. Man scheint Müller beim Gesang die

fehlende Begeisterung für das Projekt, für diese Episode

aus der Serie „Reim dich, oder ich fress dich!“,

förmlich anzumerken. „Jeden Samstagnachmittag,

ja da ist was los“, bemüht sich der „Bomber“, „immer

wieder ist die Spannung riesengroß. Alle wollen Tore

sehn, das ist sonnenklar, wenn es klappt, dann ist

es wunderbar.“ Immerhin, gesteht Frau Uschi Jahre

später, ihr Gerd würde das sicher nie wieder tun.

Endlich Gold: Damit eine Bayern-Platte „Gold“ gewinnt,

muss erst 1982 der Belgier Jean-Marie Pfaff

vom SK Beveren nach München kommen. Der

Torhüter macht musikalisch zwar nicht unbedingt

eine bessere Figur als zuvor der Franz und der Müller-

Gerd. Aber: Er vermarktet die Peinlich-Scheibe „Jetzt

bin ich ein Bayer“ einfach professioneller. Nicht nur

das, er spendet die Goldene Schallplatte auch noch

Papst Johannes Paul II. bei einer Audienz. Inwiefern

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der Papst mit der Textzeile „Ich trinke Bier und esse

Leberkäs mit Eier“ klarkommt, ist nicht überliefert.

„Rummenigge“ (All night long): Nur indirekt

beteiligt – und das muss man im Nachgang absolut

schade finden – beim Bayern-Sturm in die Hitlisten

ist Karl-Heinz Rummenigge. Das englische Ehepaar

Alan & Denise Whittle kommt am 13. Oktober 1982,

beim Länderspiel England gegen Deutschland im

Londoner Wembley-Stadion (1:2) auf die Idee, die

sein Leben verändern wird. Die beiden Lover sind

so sehr in die „sexy knees“ von DFB-Star Karl-

Heinz Rummenigge verschossen, dass sie spontan

zur Feder greifen und mit „Rummenigge“ (All night

long) einen Kult-Trash-Klassiker rund um den FC

Bayern produzieren. Der dazugehörige Videoclip

kommt mit minimalistischem Aufwand aus und

könnte auch im Wohnzimmer von Alan & Denise

gedreht worden sein. Jedenfalls wissen sie von

einem Fußballspieler „over in West Germany“ zu

berichten, der „sexy knees“ hat…In Deutschland

dribbelt sich „Rummenigge“, am Anfang „genervt“

von dem Lied, bis auf Rang 43 der Hitparade. Die

eilig nachgeschossene, deutsche Version kommt

mit Wolfgang Fierek und Cleo Kretschmer, „Rummenigge

– Tag und Nacht.“ Und wir bleiben dabei:

Schade, dass Karl-Heinz Rummenigge genervt

war. Eine Sangeseinlage mit Wolfgang Fierek wäre

ihr Geld wert gewesen. So bleiben Liebhabern der

Fußball-Schlager-Szene nur Rummenigges Einsätze

bei „Olé Espana“ und „Mexico mi amor“ mit Michael

Schanze und Peter Alexander vor den Weltmeisterschaften

1982 und 1986. dazu. Schaad!

Karl-Heinz Rummenigge als Co-Kommentator im

TV: Erreicht werden die Niederungen der Sangeskunst

nur noch von den sprechakrobatischen

Darbietungen von Karl-Heinz als Co-Kommentator

für die ARD in den 90-er Jahren. Ein Paradebeispiel

des rhetorischen Zufalls. Einfache Sachverhalte

macht man kompliziert, für komplizierte Sachverhalte

weicht man auf dadaistische Satzkonstruktionen

aus. Gerd Rubenbauer und Heribert Faßbender

auf der einen Seite und Rummenigge als Sidekick

– das war für vier Jahre Fußball-TV der ARD

vor der Jahrtausendwende. Rummenigge: „Wenn

man über rechts kommt, muss die hintere Mitte

links wandern, da es sonst vorne Einbrüche gibt.“

Franz Beckenbauer und seine damalige Ehefrau Brigitte

Beckenbauer beim Abflug vom Flughafen München-Riem am

27.12.1970. Foto: Imago Images/WEREK

Willkommen im Cup der Verlierer: Das böse

Gerücht um Bayerns 0:4 in St. Petersburg. Am 1.

Mai 2008 verliert der FC Bayern München im Halbfinal-Rückspiel

des UEFA-Pokals mit 0:4 bei Zenit

St. Petersburg. Es ist die höchste Bayern-Niederlage

im Europacup seit dem Halbfinale im UEFA-Pokal

1980 bei Eintracht Frankfurt (1:5). Aber anders als

im Mai 1980 im Frankfurter Waldstadion hat das

Spiel im Petrovsky-Stadion von St. Petersburg ein

„Geschmäckle“. Die spanische Justiz ermittelt wegen

des Verdachts, dass bei der Partie, die die Russen

durch Tore von Pavel Pogrebnyak (2), Konstantin

Zyrianov und Viktor Fayzulin gewinnen (Hinspiel:

1:1) Bestechung im Spiel ist. Der Nationale

Gerichtshof in Madrid bestätigt wenig später, dass

ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sei.

Der deutsche Meister reagiert in einer schriftlichen

Stellungnahme abwartend. „Dem FC Bayern

München ist dieser Verdacht ebenso wenig bekannt

wie der Münchner Staatsanwaltschaft. Wir werden

versuchen, jegliche etwaige Information zu diesem

Vorgang zu erhalten.“ Das Spiel, so berichten

die spanischen Zeitungen El Pais und ABC unmittelbar

danach, soll für 50 Millionen Euro verkauft

worden sein. Ihre Behauptung und die Annahme

der spanischen Justiz stützen sich auf abgehörte

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Telefongespräche von russischen Mafia-Bossen in

Spanien. Der Chef eines einflussreichen kriminellen

Unternehmens soll sich in einem Gespräch mit

einem Kollegen gerühmt haben, den Erfolg von Zenit

im Halbfinale ,,für 50 Millionen” gekauft zu haben.

Die Währung sei dabei nicht genannt worden.

Der mutmaßliche Mafia-Boss wird im Frühjahr

2008 in Spanien festgenommen. Die Ermittler bewegen

sich jedoch offenbar auf dünnem Eis. „Es

ist nicht einmal klar, ob der “Kauf “ eines Fußballspiels

im Ausland nach spanischem Recht einen

Straftatbestand darstellt“, rudert die Zeitung ABC

wenig später zurück. Erst 2010 stellt sich heraus:

Die Vorwürfe der Spiel-Manipulation, die sowohl

die Bayern als auch der spätere UEFA-Cup-Sieger

Zenit St. Peterburg abstreiten, stammen von einem

Betrüger. Robin Boksic heißt der Mann und

er ist Mitarbeiter bei UEFA-Chefermittler Peter

Limbacher. Sein Chef ist, wie DIE ZEIT und der

STERN am 15. September 2010, schreiben falschen

Informationen, die später auch in einem FIFA-Dossier

erwähnt werden, aufgesessen. Und der Kroate

Boksic ist mittlerweile als Hochstapler entlarvt…

Top, die Wette gilt! – Klinsmann gegen „IM Lothar“:

Es gibt nicht viel, was Lothar Matthäus,

seines Zeichens Kapitän, Platzhirsch und auch

sonst Synonym für den FC Bayern München in

Hollywood-Zeiten ab 1995 nicht unternommen hat,

um Jürgen Klinsmann zu diskreditieren. Der der

BILD-Zeitung traditionell verbundene Franke, dem

seine Teamkollegen später nachsagen, er habe „eine

Standleitung aus der Bayern-Kabine zur BILD-Redaktion

eingerichtet“ und den unter vorgehaltener

Hand viele nur „IM Lothar“ nennen, weil viele

Interna bzw. ,,Inderna“, wie Matthäus selbst sagen

würde, auf oft wundersame Art und Weise den Weg

in das Boulevardblatt finden, schmiedet einen perfiden

Plan. Er hat es Klinsmann nicht verziehen, dass

der vor der EURO 1996 nonchalant und gemeinsam

mit Thomas Helmer und dem Dortmunder Matthias

Sammer zu Berti Vogts marschiert und den

Bundestrainer bittet, Matthäus nicht für das Turnier

in England zu nominieren. Nur so, argumentiert

Klinsmann, sei eine erfolgreiche EM möglich. Vogts

folgt dem Ratschlag des Trios, nominiert Matthäus

nicht und löst somit unvermutet die nächste Eskalationsstufe

in der Dauerfehde zwischen „Klinsi“ und

„Loddar“ aus. „Klinsmann ist feige, egoistisch und

nur aufs Geld aus“, ist nur ein Giftpfeil von Lothar

in die Richtung des Schwaben, der wo in München

spielt. Was Klinsmann nicht weiß: Matthäus wettet

mit Manager Uli Hoeneß um 10.000 Mark gegen

seinen Intimfeind. Er glaubt, dass es Klinsmann

nicht gelinge, in der Saison 1996/97, die Bayern

München als Deutscher Meister beenden wird, 15

Tore zu erzielen. Moralisch in der Abstiegszone

ist dies auch fachlich eine schlechte Idee. In seiner

Premieren-Saison in München hat Klinsmann

1995/96 bereits 16-mal getroffen. Irgendwie kriegt

Klinsmann spitz, was Lothar plant, klar, er hält ja

auch öffentlich nie hinter dem Berg mit solchen

Dingen. „Klinsi“ geht in die Offensive. Für den FC

Bayern und seine Fans zum Glück auf dem Platz!

Mein Tagebuch: Die Zuschauer am altehrwürdigen

Bökelbergstadion in Mönchengladbach wundern

sich am 34. Spieltag. Beim 2:2 des neuen Deutschen

Meisters FC Bayern in Gladbach drischt Jürgen

Klinsmann den Ball in der 90. Minute mit einer derartigen

Wucht ins Tor, als gelte es vor der Meisterparty

noch schnell das Netz zu zerschießen. Was die

Fans auf den Rängen und viele andere in Fußball-

Deutschland nicht wissen: Es ist das Tor, mit dem

Klinsmann in letzter Saisonminute dafür sorgt, dass

Matthäus die Wette gegen Hoeneß verliert. Wenig

später wissen dann wirklich alle Bescheid. Lothar

Matthäus veröffentlicht seinen Kampf mit Klinsmann

und andere Pikanterien unter Mein Tagebuch

und gewinnt täglich neue Freunde. „Ich registriere

das mit Unverständnis, langsam kann ich nur noch

darüber lachen“, sagt etwa Nationaltorhüter Andreas

Köpke, während Bayern-Keeper Oliver Kahn das

Thema „Matthäus“ nicht mehr hören kann: „Wir sind

Deutscher Meister, alles andere interessiert nicht.

Auf einem solchen Niveau bewege ich mich nicht. Ich

weiß, was los war. Ich brauche das Tagebuch nicht zu

lesen – ich war dabei.“ Auf die Vorwürfe der Klins-

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OMG - Oh My God!

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mann-Seite, mit der hohen Wettsumme hätte man vielen Kindern in Afrika eine Freude machen können,

setzt Matthäus einen finalen Konter: „Wenn man die zwei Millionen Mark, die sich Jürgen für die Ablöse als

Klausel im vergangenen Jahr aus seinem Vertrag hat streichen lassen, noch dazurechnet, sind wir schon bei

zwei Millionen und 10.000 Mark. Damit hätte man in der Tat eine ganze Menge anfangen können.” Klinsmann

hat am Saisonende 1996/97 genug vom Niveau-Limbo und wechselt zu Sampdoria Genua. Nicht ohne dem

Kontrahenten, mit dem er sich erst Jahre später versöhnt, noch einen mitzugeben: „Mir tun die Bayern-Spieler

leid, denn die haben die Probleme mit Lothar in Zukunft. Ich habe sie nicht mehr, ich bin weg – Gottseidank.“

Jürgen Klinsmann (L.), Otto Rehhagel (m.) und Lothar Matthäus (r.) im Jahr 1995 beim FC Bayern. Foto: Imago Images/HJS

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FUN FACTS

Wissen für Blowhards, Braggadocios und

Connaisseurs

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Der FC Bayern München ist deutscher Rekordmeister. Das

ist ein „No Brainer“. Doch hier kommen Fun Facts der besonderen

Art.

Warum eigentlich Mia san Mia: Auf Hoch-Deutsch

heißt Mia san Mia so ähnlich wie „Wir sind wir”,

übertragen „Uns kann keiner was”. Der Spruch ist

keine Erfindung des FCB, sondern ein Spruch aus

Österreich. Historiker haben nachgewiesenen, dass

er schon von Soldaten der K.u.K.-Monarchie im 19.

Jahrhundert gebraucht wird. Von Österreich kommt

er nach Bayern und irgendwann ganz spät zum

FCB. Genaues ist nicht überliefert. Aber als der FCB

im Jahr 1987 Rekordmeister wird, hört man den

Spruch von den Ur-Bayern Hans Pflügler, Hansi

Dorfner und Ludwig Kögl nach Erfolgen in Liedform.

„Mia san mia, mia san mia, mir san stärker wie

die Stier…” – urban legend has it, dass die drei Bayern-Granden

dabei gerne auf den Tischen tanzen.

Erster Bundesligasieg: Am 2. Spieltag der Saison

1965/66 erzielen die Bayern ihren ersten Sieg in der

Bundesliga im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt.

2:0 heißt es am Ende und Rainer Ohlhauser

(24.) und Werner Nafziger (87.) erzielen die ersten

Bundesligatore des Vereins. Team (Inkl. der Kicker-Noten

von damals): Maier (1) – Kupferschmidt

(3) , Olk (1) – Drescher (2) , Beckenbauer (2) , Borutta

(3) – Müller (3) , Koulmann (2) – Nafziger (3) ,

Ohlhauser (3) , Brenninger (3) Trainer: Cajkovski

Prügeleien zwischen Spielern sind bei den Bayern

gar nicht so selten: In der Saison 1999/00 geraten

Bixente Lizarazu und Lothar Matthäus aneinander

und der Franzose verpasst dem Franken eine Ohrfeige.

Doch das ist im Training und eher harmlos.

Dort muss man in den Neunzigern schon Christian

Ziege und Brasilien-Flop Bernardo trennen.

In den Achtzigern klebt Jean-Marie Pfaff seinem

Torhüter-Rivalen Raimond Aumann während einer

Liegestützübung eine. Deftiger wird es in der Neuzeit

in der Champions League: Im Hinspiel des Halbfinales

gegen Real Madrid verpasst Franck Ribéry im

April 2012 Arjen Robben in der Kabine ein Veilchen.

Auslöser ist ein Zoff Minuten zuvor auf dem Platz:

Der Franzose will unbedingt einen Freistoß treten,

Robben setzt sich vehement für Toni Kroos ein.

Zack… Der Franzose muss 50.000 Euro Strafe zahlen.

Arjen Robben und Franck Ribéry im August 2018 im Training

beim FC Bayern. Foto: Imago Images/MIS

Die Saison 2013/14: In der Saison 2013/14 steht

der FCB mit Coach Pep Guardiola schon nach

dem 27. Spieltag als Meister fest – die bisher früheste

Meisterschaft in der Geschichte der Bundesliga.

In jener Saison stellen die Bayern auch den

Bundesligarekord von 53 Spielen ohne Niederlage

auf. Begonnen wird die Serie schon im November

2012 unter Jupp Heynckes. Sie reißt erst im

April 2014 nach gewonnener Meisterschaft durch

ein 0:1 in Augsburg. Im Kalenderjahr 2013 verlieren

die Bayern kein Spiel, das gibt es bis heute

in der Bundesligageschichte kein zweites Mal.

Nummer Zwei: Die Münchner sind jahrzehntelang

nur die Nummer zwei in der bayerischen Hauptstadt

– hinter dem Lokalrivalen 1860 München.

Die „Löwen“ sind Gründungsmitglied der Bundesliga

und werden in der ersten Saison des FCB

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Fun Facts - Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisserurs

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(1965/66) erster Bundesligameister der Stadt.

König Otto in Bayern: In die Kategorie Missverständnis

fällt Otto Rehhagel. Kein Trainer hat bis

Dezember 2019 in der Bundesliga-Geschichte häufiger

auf der Bank gesessen als Otto Rehhagel (820

Spiele). Rehhagel kommt 1995 von Werder Bremen,

wo er 14 Jahre lang nahezu allein geherrscht hat.

Am 28. April 1996 wird Otto Rehhagel drei Tage vor

dem Final-Hinspiel im UEFA-Pokal gegen Girondins

Bordeaux entlassen. Er äußert sich später in der

„Sport-Bild” mit den Worten: „Bei meiner Entlassung

soll Klinsmann der entscheidende Mann gewesen

sein und gesagt haben: „Rehhagel muss weg.”

Die Bayern und die Klinsmann-Buddhas: Jürgen

Klinsmann sorgt mit einer ungewöhnlichen Dekoration

des Bayern-Hauptquartiers schon vor Beginn

seiner ersten Bundesligasaison als Trainer für die

Bayern für Gesprächsstoff. Und zwar mit leblosen

Figuren in Gold, liegend und sehr erhaben. Oder etwas

andächtiger in Weiss und im Schneidersitz. Sie

stehen auf der Dachterrasse sowie in der kuscheligen

Lounge des neuen Leistungszentrums des FC Bayern

und sollen für einen positiven „Energiefluss“ sorgen.

Doch die Buddhas haben weniger einen positiven

Einfluss auf den Energiefluss der Bayern-Spieler,

denn negative Auswirkungen auf das Image

des Vereins. Schmähungen, Lästereien und bissige

Kommentare sind das einzige, was sie auslösen. Und

auch die katholische Kirche ist nicht glücklich über

die Bayern-Buddhas, gibt sich aber diplomatisch.“

Jeder Trainer hat so seine Eigenart“, sagt Winfried

Röhmel, Sprecher des erzbischöflichen Ordinariats

München. Eine Affäre wolle Röhmel aus den Buddhas

zwar nicht machen „Vereinsheime sind eben

keine Horte der Intellektualität“, sagt er weiter. Eins

sei aber klar: „Beckenbauer hätte keine Buddhas

gebraucht.“ Später kommt raus: Klinsmann hat die

Figuren gar nicht aufstellen lassen, vielmehr hat Bayern

einen Architekten namens Jürgen Meißner freie

Hand gelassen. Aber ohne „Klinsis“ Willen geschieht

2008/09 gar nichts beim FC Bayern. Nach zwei

Monaten werden die Buddhas wieder abmontiert,

durchaus zur Freude der Spieler. Der Brasilianer Zé

Roberto etwa sagt: „Mir können die Buddha-Figuren

nicht helfen. Ich habe schon meinen Glauben.“

Buddhafiguren auf der Fensterbank des Bayern-Leistungszentrums

im Juli 2008. Jürgen Klinsmann will den Flow verbessern.

Foto: Imago Images/Ulmer

Die erste Meisterschaft in der Bundesliga: Diese

erringt der FCB in der Saison 1968/69. Es ist die

einzige, die die Bayern im Grünwalder Stadion holen.

Aber nur, weil sie 1972 das 17. und letzte Heimspiel

bereits im Olympiastadion austragen dürfen.

Max Gablonsky: So heißt der erste Nationalspieler,

den die Bayern stellen. Er debütiert 1910 und bringt

es bis Ende 1911 auf vier Länderspiele. Kurios: sein

einziges Tor für Deutschland beim 6:2 gegen die

Schweiz (26. 3. 1911) wird erst 100 Jahre später offiziell

anerkannt. Anlass dafür ist ein Zettel im Nachlass

Gablonskys mit dem Vermerk „6. Tor von

mir“. In den Chroniken steht aber bis dahin irrtümlich

der Karlsruher Gottfried Fuchs, einer von nur

zwei Nationalspieler jüdischen Glaubens. Ihm ein

Tor zu annullieren, erscheint doppelt heikel. Aber

auf Initiative der Nachfahren Gablonskys und des

FC Bayern-Archivs, die auch zwei zeitgenössische

Zeitungsberichte vorzeigen können, ändert der DFB

2011 seine Statistik – 42 Jahre nach Gablonskys Tod.

Tabellenletzter in der Bundesliga: In der Saison

1974/75 ist der FCB Bayern nach dem ersten Spieltag

Schlusslicht der Bundesliga. Das Team verliert

mit 6:0 bei Kickers Offenbach im Frankfurter Waldstadion.

Bis heute ist das die höchste Niederlage

eines amtierenden Meisters. Zweimal steht der FCB

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Fun Facts - Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisserurs

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zu Bundesligazeiten noch auf einem Abstiegsplatz:

1966/67 (8. Spieltag) und 1977/78 (16. Spieltag).

Die erfolgreichsten Eigentorschützen (Bundesliga,

DFB-Pokal und Europapokal zusammen gerechnet):

Die erfolgreichsten Eigentorschützen stammen aus

den goldenen Zeiten des FC Bayern in den 70-er und

80-er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Top-Scorer

sind: Franz Beckenbauer, Hans-Georg Schwarzenbeck

und Klaus Augenthaler (alle vier), Niklas Süle

hat nach drei Treffern in den falschen Kasten in der

Saison 2017/18 bereits Witterung aufgenommen.

Dem Kaiser auf der Spur: Als Franz Beckenbauer

1977 die Bayern Richtung New York verlassen will,

können sich die Klubs nicht auf eine Ablösesumme

einigen. Cosmos will die 1,5 Millionen D-Mark

nicht zahlen, der „Kaiser“ muss aber weg, das Finanzamt

ist ihm wegen unversteuerter Prämien

und Honorare auf der Spur. Beckenbauer zahlt die

Differenz zum Angebot der Amerikaner in Höhe

von 350.000 DM selbst. Später einigt er sich auf

amigo-bayerische Art auch mit dem Finanzamt.

Rekord Lewandowskis Traumtag gegen Wolfsburg:

Am 22. September 2015 trägt sich der polnische

Stürmer ins Geschichtsbuch des FC Bayern ein. Am

6. Spieltag liegt die Mannschaft von Trainer Pep

Guardiola in der Halbzeitpause mit 0:1 gegen den

VfL Wolfsburg zurück. Dann bringt Pep Guardiola

„Lewy“ – und der dreht die Partie mit fünf Toren in

neun Minuten und bricht damit vier Bundesligarekord:

schnellster Dreier-, Vierer- und Fünferpack

und die meisten Tore eines Jokers. Nur sechs Minuten

braucht der 2014 von Borussia Dortmund an

die Isar gewechselte Stürmer, um auf Touren zu kommen.

In der 51. Minute erzwingt Lewandowski mit

einem Schuss aus kurzer Distanz den 1:1-Ausgleich.

60 Sekunden später überwindet er VfL-Torhüter

Diego Benaglio mit einem platzierten Schuss von

außerhalb des Strafraums. Nach 55 Minuten ist der

schnellste Hattrick der Bundesliga-Geschichte perfekt,

3:1 im Nachschuss nach einem Pfostenkracher.

Gerade mal 3:22 Minuten hat er für diese Bestmarke

gebraucht. Wieder nur zwei Minuten später wird

es Zeit für das 4:1. Eine Flanke von Douglas Costa

hämmert „Lewy“ humorlos mit dem rechten Fuß

unter die Querlatte. Der Schlusspunkt dann nach

60 Minuten: Lewandowski jagt den Ball mit einem

sehenswerten Seitfallzieher und 8:59 Minuten nach

seiner Einwechslung für Thiago Alcantara zum

5:1-Endstand ins Netz. Lewandowski wird an diesem

Septemberabend zum 13. Spieler der Bundesliga-Geschichte,

dem fünf Tore in einem Spiel gelingen.

Der Rekord von Robert Lewandowski vom 22.09.2015. Foto:

Imago Images/Schiffmann

Lewandowskis Sternstunde beim Roten Stern: Am

24. November 2019 bleibt Lewandowski nur knapp

hinter seinem Bundesligarekord zurück. Aber vier

Tore binnen 15 Minuten reichen für den Rekord

in der Champions League. Zwischen der 53. und

67. Minute schraubt er Bayerns Führung bei Roter

Stern Belgrad von 0:1 auf 0:5. Den Anfang macht

ein Elfmeter, dann folgen zwei Rechtsschüsse und

ein Kopfball. Damit löst er den Brasilianer Luiz

Adriano ab, der im Einsatz für Schachtjor Donezk

am 21. Oktober 2014 gegen Bate Baryssau 17

Minuten für vier Tore gebraucht hat. Natürlich

darf „Lewy“ den Ball, der bei Abpfiff im Spiel ist,

mit nach Hause nehmen. Übrigens avanciert er

mit seinem Viererpack auch zu Bayerns Rekordtorjäger

in der Champions League (46 Treffer)

und distanziert Mitspieler Thomas Müller (44).

Das Phantom-Tor von Thomas Helmer: Es ist der 23.

April 1994. Im bayerisch-fränkischen Duell FC Bayern

München gegen den 1. FC Nürnberg läuft die 25.

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Fun Facts - Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisserurs

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Minute. Es gibt eine Ecke für die Münchner, die von

Marcel Witeczek von der rechten Seite nach innen

geschlagen wird. Oliver Kreuzer verlängert den Ball

gefährlich in die Mitte, wo FCN-Torhüter Andreas

Köpke lauert. Dort steht auch Kreuzers Münchner

Mitspieler Thomas Helmer. Der Ball prallt Helmer

zwischen die Füße und mit der Hacke „löffelt“ der

Nationalspieler die Kugel am Pfosten vorbei. ,,Ich

muss ziemlich dusselig ausgesehen haben, wie ich

dann irgendwie mit der Hacke rangehe“, sagt Thomas

Helmer 2003 in einem BILD-Band (40 Jahre Bundesliga),

„der Ball ist weg und ich sehe, wie der Andy

Köpke mich so komisch angrinst. Da kommen auch

schon meine Teamkollegen angestürmt und fallen

mir um den Hals. 1:0, Schiri Osmers hat auf Tor erkannt.

Sein von ihm befragter Assistent Jablonski

zeigte an: Tor!“ In diesem Moment ist klar: Thomas

Helmer hat eines der berühmtesten „Nicht-Tore“

der Bundesliga-Geschichte erzielt. „In der Kabine

sah ich in der Halbzeit die TV-Einspielung“, berichtet

Helmer, „das Ding war nicht drin, sondern

haarscharf am Pfosten vorbei am Außennetz gelandet.“

War es zwar auch nicht, der Ball rollt ohne

Netzkontakt am Tor vorbei. Aber Jablonski unterliegt

einer optischen Täuschung. Auch Karl-Heinz

Rummenigge sieht auf der Tribüne beim Betrachten

der Slow-Mo klar: „Wir werden den Ball nicht ins

Tor kriegen.“ Die Münchner gewinnen dank des

„Phantom-Tors“ diese Partie, Nürnberg legt Protest

ein – und schießt sich damit selbst ins Knie. Das

Spiel wird als erstes in der Bundesligageschichte annulliert

und am 3. Mai 1994 wiederholt. Die Bayern

überrollen die Nürnberger, die in der Erstauflage

durch Manfred Schwabl noch einen Elfmeter verschossen

hatten, mit 5:0. Mehmet Scholl (2), Bruno

Labbadia (2) und Dietmar Hamann schießen den

FC Bayern ganz nahe an den Titel, der dann gegen

den FC Schalke 04 (2:0) mit einem Punkt und

dem besseren Torverhältnis vor Lautern am letzten

Spieltag am 7. Mai 1994 perfekt gemacht wird.

Nürnberg steigt ab. Hätte Schwabl seinen Elfmeter

im ersten Spiel verwandelt, hätten die Franken auf

einen Protest verzichtet… und das „Phantom-Tor“

hätte gezählt!

Das Phantom-Tor des Thomas Helmer vom 23.04.1994. Foto:

Imago Images/Sven Simon

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SPECIAL MOMENTS

Die Verpflichtung des schwäbischen Sportinvaliden und

der Aufstieg zur Nummer 1 5

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In einem grauen Sakko steht er da. Das Notizbuch

lässig unter den Arm geklemmt, 27 Jahre jung,

unternehmungslustig und hoch motiviert. Von

Nervosität keine Spur, als er den Blick kurz nach

oben richtet und über die Gebäude der Säbener

Straße 51 wandern lässt. Zu gut kennt er all

das hier. Zu oft ist er als Spieler über den Trainingsplatz

gesprintet und durch die Flure gegangen,

auf dem Weg zum Fitnessraum. Doch heute

fühlt sich alles ein bisschen anders an für den

Schwaben aus Ulm mit den großen Ambitionen.

Es ist der 1. Mai 1979 und die Straßen sind wie

leergefegt in diesem historischen Moment, von dem

keiner weiß, dass es einer ist. Die meisten Leute

sitzen bei einem späten Frühstück und genießen den

„Tag der Arbeit“. Nicht so Uli Hoeneß. Der steht vor

der Eingangstür der Geschäftsstelle des FC Bayern

München und weiß nicht so recht, ob er hineingehen

soll oder nicht. Als hätte eine unsichtbare Macht

seine Gedanken gehört, öffnet sich plötzlich die Tür.

„Uli! Komm rein, komm rein!“ Paul Breitner steht

lachend im Türrahmen und winkt den alten Weggefährten

in die heiligen Hallen. Dieser fragt sich

noch nicht einmal, warum Breitner an diesem sonnigen

Feiertag überhaupt in der Geschäftsstelle anzutreffen

ist. Fußballprofi durch und durch, lässt

dieser bekanntlich keine Trainingsmöglichkeit aus.

„Sie haben mich gestern schon wieder gefragt, ob ich

nicht denke, dass du zu jung für den Job bist“, Breitner

schielt schelmisch zu seinem ehemaligen Mannschaftskameraden

und kann sich auf dem Weg zu

Hoeneß’ neuem Büro ein Grinsen nicht verkneifen.

„Das ist keine Frage des Alters, sondern eine Sache

der Leistung, des Engagements, der Ideen. Ich kann

tdoch ein solches Angebot nicht ablehnen, weil ich

27 bin“, erwidert Hoeneß genervt. Zu oft, hat er

diese Frage in den letzten Wochen beantworten

müssen. „Mit 35 könnte es vielleicht zu spät sein.“

Wenige Wochen zuvor haben eben diese beiden

Männer mit einer Spielerrevolution die Bundesliga

erschüttert. Der eine mehr, der andere weniger.

„Zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen

Fußballs hatten ein paar Spieler einen ganzen Klub

übernommen“, analysiert 2006 der Autor des Buches

„Gute Freunde“, Thomas Hüetlin, die Ereignisse

im Frühjahr ‘79. Auf der Rückreise von einem 0:0

in Braunschweig schließen sich die Spieler auf

Kommando von Breitner und Torwart Sepp Maier

zusammen, als sie erfahren, dass Max Merkel

für Gyula Lorant als neuer Trainer kommen soll

– entgegen der Abmachung mit dem Präsidenten.

Sie lehnen die Verpflichtung des Trainerdiktators

demokratisch, mit 16:0 Stimmen, ab. Käme

er, wollten sie am Montagmorgen aus Protest

das erste Training unter Merkel verweigern. Ihre

Sturheit siegt und Merkel wird nie kommen. Aus

Fassungslosigkeit über so viel Renitenz tritt Präsident

Wilhelm Neudecker am Montag darauf zurück.

Eine meuternde Mannschaft, die ihren Präsidenten

zum Rücktritt treibt? Unglaublich. „Mit einem

solchen Kapitän und dieser Mannschaft kann ich

nicht weiter zusammenarbeiten“, hat er am 19.

März 1979 gegenüber der Mannschaft erklärt, „ich

wünsche Ihnen und Ihren Familien alles Gute. Auf

Wiedersehen.“ Die Republik macht Kapitän Sepp

Maier verantwortlich, obwohl tatsächlich die komplette

Mannschaft hinter dem Putsch steht. Gerade

noch freut man sich darüber, die rebellische Jugend

5 Autor: Sophie Hargesheimer

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Special Moments - Die Verpflichtung des schwäbischen Sportinvaliden und der Aufstieg zur Nummer 1

50

weitgehend von den Straßen vertrieben zu haben,

da rütteln hoch bezahlte Fußballer an den Grundfesten

des Geschäfts. Der Arbeitgeber bestimmt

über Entlassungen und Neueinstellungen, die Arbeitnehmer

dürfen sich ob der Entscheidungen freuen

oder ärgern. Eine Art Betriebsrat mit paritätischen

Mitbestimmungsrechten bei der Besetzung der leitenden

Angestellten eines Fußballklubs gibt es nicht,

ein Streikrecht der Arbeitnehmer bei der Besetzung

von Trainer- oder Managerposten schon gar nicht.

Uli Hoeneß hat mit dem Sturz der Führungsetage

nur indirekt zu tun, da er zur Zeit des Umbruchs

an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen ist. Dennoch,

Hoeneß handelt noch im Vorjahr einen Sponsorenvertrag

zwischen Bayern München und Traktorenhersteller

Magirus-Deutz aus seiner Heimatstadt

Ulm aus. Die Gelder, so die Bedingung, dürfen ausschließlich

für eine Sache verwendet werden: Den

Rückkauf seines Freundes und alten Weggefährten

Paul Breitner von Eintracht Braunschweig. Hoeneß

hat somit den „Revoluzzer“ zurück nach München

geholt und indirekt einen Umbruch angestoßen,

von dem er am Ende am meisten profitieren wird.

Breitner übernimmt das sportliche Kommando

unter Neu-Trainer Pal Csernai und Uli wird

unmittelbar nach seinem Karriereende als Profi,

wozu ihn sein kaputtes Knie zwingt, Manager.

Im ersten Stock angekommen, bleiben die Buddys

vor der Tür stehen, hinter der symbolisch die ungewisse

Zukunft wartet. „Wir müssen das Schild

austauschen“, stellt Paul Breitner fest. „Nach dir,

bitte! Ist ja schließlich deins.“ Uli Hoeneß öffnet erstmals

die Tür zu seinem neuen Büro. Ein Schreibtisch,

ein Sideboard, ein Telefon. Protzig ist anders.

Als sich Breitner verabschiedet, nimmt der

neue Manager des FC Bayern das erste Mal hinter

seinem Schreibtisch Platz und lächelt in die Kamera.

Ein Pressefotograf darf nicht fehlen in diesem

bedeutsamen Moment der Vereinsgeschichte,

PR-Profi Hoeneß weiß das. Auf dem Tisch liegen

noch ein paar Unterlagen seines Vorgängers. Finanzpläne

und Bilanzen. Uli stöbert interessiert

und entdeckt die Gewinnermittlung des Vorjahres.

„Zwölf Millionen Mark Umsatz? Nicht gerade viel“,

murmelt er sich zu und greift zum Telefonhörer.

Nach nur zwei Stunden verlässt er sein Büro an

der Säbener Straße und geht, Notizbuch unter dem

Arm, die Treppen hinab. Viel kann er heute nicht

ausrichten, an diesem Feiertag ist kaum einer im

Büro. Aber es kommen noch andere Tage. Viele

Tage, die Gelegenheit bieten, Geschichte zu schreiben.

Und er nutzt sie bis zum 15. November 2019,

als er als Präsident des FC Bayern München abtritt.

Den Umsatz steigert er: Von 6.0 Mio. Euro auf 750,4

Millionen Euro im Geschäftsjahr 2018/19. Allein

der Vorsteuergewinn wird bei seinem Abschied

mehr als 15-mal so hoch sein als der Jahresumsatz,

den er bei Amtsantritt vorfindet. Die Demission

von Wilhelm Neudecker und der Amtsantritt von

Uli Hoeneß beim FC Bayern München sind zwei

ganz spezielle Momente in der Geschichte des erfolgreichsten

deutschen Fußballklubs.

Uli Hoeneß als Junior 1970 beim FC Bayern. Foto: Imago

Images/Fred Joch

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SOCCER MEMES UND WEISE WORTE

„Ehe ich zu den Bayern gehe, gehe ich lieber in den

Sudan oder lasse mir die Hand abhacken.“ Rudi

Völler, damals bei Werder Bremen

„Es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Unentschieden

oder Niederlage.” Franz Beckenbauer

„Die großen Trainer haben schließlich alle gesoffen:

Weisweiler, Happel, Zebec. Und ich gehöre ja auch

zu den Großen.“ Udo Lattek über die Trinkgewohnheiten

seines Berufsstands

„Wenn er der Obama des deutschen Fußballs ist, bin

ich Mutter Teresa.” Uli Hoeneß über Jürgen Klinsmann)

„Ein Lothar Matthäus lässt sich nicht von seinem

Körper besiegen, ein Lothar Matthäus entscheidet

selbst über sein Schicksal.” „Ein Lothar Matthäus

kann es sich nicht leisten, sich zu blamieren.” „Ein

Lothar Matthäus braucht keine dritte Person. Er

kommt sehr gut allein zurecht.” „I hope we have a

little bit lucky.” Lothar Matthäus

„Ich denke, die Götter haben Respekt vor mir.” Oliver

Kahn

„Weiter machen, immer weiter machen.“ Oliver

Kahn nach der Last-Minute-Meisterschaft 2001

„Fußball ist keine Mathematik!“ Karlheinz-Rummenigge

nach dem Spiel gegen Bolton United (2:2),

in dem Trainer Ottmar Hitzfeld allzu stark rotiert

hat.

„Wir wolle rot-weiße Trikots!“ Sammy Kuffour,

Sänger auf dem Rathausbalkon

„Wo keine Muskeln sind, kannst du dir auch nicht

weh tun! Meine Waden sind so dünn, da kann kein

Gegner die Knochen treffen, weil man sie so schlecht

sieht.” Thomas Müller

AKTE BUNDESLIGA – then title

Akte BVB Das Borussia Dortmund Dossier

Akte Gladbach Das Borussia Mönchengladbach Dossier

Akte Werder Das Werder Bremen Dossier

FC Bayern Meme: Der Titan (Olli Kahn) und das Schlitzohr

(Mehmet Scholl)

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AKTE BUNDESLIGA – Triumphe, Tragödien,

Erfolge und Peinlichkeiten der Bundesliga-vereine

Akte BVB Das Borussia Dortmund Dossier

Akte Gladbach Das Borussia Mönchengladbach

Dossier

Akte Werder Das Werder Bremen Dossier

Akte Eintracht Das Eintracht Frankfurt Dossier

Akte Königsblau – Das FC Schalke 04 Dossier

Akte effzeh – Das 1. FC Köln Dossier

Akte SCF – Das SC Freiburg Dossier

Akte SCP 07 – Das SC Paderborn Dossier

Akte Augsburg – Das FC Augsburg Dossier

Akte Bayer – Das Bayer Leverkusen Dossier

Akte Hertha – Das Hertha BSC Berlin Dossier

Akte Union – Das Union Berlin Dossier

Akte „Hoffe“ – Das TSG Hoffenheim Dossier

Akte Leipzig – Das RB Leipzig Dossier

Akte „Wölfe“ – Das VfL Wolfsburg Dossier

Akte Mainz – Das FSV Mainz 05 Dossier

Akte Fortuna – Das Fortuna Düsseldorf Dossier

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