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SPORTaktiv April 2020

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APRIL/MAI <strong>2020</strong><br />

ÖSTERREICHS GRÖSSTES AKTIVSPORT-MAGAZIN<br />

NEUE<br />

WE GE<br />

GEHEN<br />

PETER FILZMAIER<br />

MESSI &<br />

MARATHON<br />

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KULTIGE<br />

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E N G I N E E R E D I N T H E<br />

D O L O M I T E S<br />

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EDITORIAL<br />

KLAUS MOLIDOR<br />

<strong>SPORTaktiv</strong>-Chefredakteur<br />

klaus.molidor@styria.com<br />

NEUE WEGE<br />

GEHEN<br />

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Eigentlich hätte diese<br />

Kolumne ganz anders werden sollen. Genau genommen war sie es schon,<br />

bevor uns das Virus und seine Auswirkungen mit voller Wucht getroffen<br />

haben. Daher: in die digitale Rundablage damit. Den Medien kommt in<br />

der Krise eine besonders wichtige Rolle zu. Sie halten uns alle auf dem<br />

Laufenden, geben die Informationen der wichtigsten Entscheidungen weiter<br />

an die Bevölkerung, beenden Spekulationen und enttarnen Fake News.<br />

Eingeschrieben in ihre Grundfunktion des Geschichtenerzählens haben<br />

Medien aber auch seit jeher eine zweite Aufgabe: Sie lenken ab. Vom Alltag<br />

mit seinen Unwegsamkeiten und Problemen. Sie bieten einen kleinen<br />

mentalen Unterschlupf, wenn draußen der Sturm tobt.<br />

Genau hier kommen wir ins Spiel. Natürlich haben auch wir das Thema<br />

im Blatt, ansonsten wollen wir aber vorausblicken in eine Zeit, in der wir<br />

alle wieder rausgehen können, uns bewegen, Sport machen, durchatmen.<br />

Darum stellen wir euch Leute vor, die ihre Träume verwirklicht haben,<br />

geben Tipps, wie man effizienter läuft und worauf es beim Schuhkauf ankommt.<br />

Zeigen euch, wie man sich auf seinen ersten 3000er vorbereitet,<br />

bringen euch im Interview mit Peter Filzmaier sicher das eine oder andere<br />

Mal zum Schmunzeln. Auf dem Cover rufen wir laut „Neue Wege gehen“.<br />

Das sollten wir in Zukunft alle tun. Neue Wege gehen. Uns darauf besinnen,<br />

dass es nicht notwendig ist, alles immer und rund um die Uhr<br />

verfügbar zu haben. Regional und saisonal sollten nicht mehr nur Schlagworte<br />

bleiben, sondern es in unser tägliches Handeln in allen Bereichen<br />

schaffen. Zu erleben, zu kaufen, zu tun gibt es auch daheim genug. Die<br />

Gier muss ein Ende haben, an ihre Stelle muss die Gemeinschaft treten,<br />

die jetzt so gut funktioniert, wo alle zusammengreifen und einander über<br />

alle Grenzen hinweg helfen. Weiter so. Tun, was getan werden kann, mit<br />

Augenmaß. Oder wie es John F. Kennedy so treffend formuliert hat: „Frag<br />

nicht, was dein Land für dich tun kann. Frag, was du für dein Land tun<br />

kannst.“<br />

BLASENFREI<br />

DURCH KOMPRESSION<br />

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Foto: Thomas Polzer<br />

Bleibt fit,<br />

Euer Klaus<br />

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INHALT<br />

TOP-STORY<br />

12 „POLITIKER LIEBEN DEN SPORT“<br />

Auch Politikwissenschafter Peter Filzmaier ist ein Sportfreak<br />

FIT<br />

18 DAS PURE LEBEN<br />

Regenerieren bei Nulldiät: <strong>SPORTaktiv</strong> beim Heilfasten<br />

22 STARK IM KOPF<br />

Ex-Skitrainer Mathias Berthold über mentale Stärke<br />

28 AUSPROBIERT<br />

Unterhemd, Sportbrille und ein postfossiler Schuh<br />

RUN<br />

34 DEM MYTHOS 180 AUF DER SPUR<br />

Gibt es die optimale Schrittfrequenz beim Laufen?<br />

40 PODOSKOP, PRONATION, PROBELAUF<br />

Wie man im Laufschuh-Dschungel den Richtigen findet<br />

44 KLAGEN ABSEITS DER KLAGEMAUER<br />

<strong>SPORTaktiv</strong> live dabei beim Jerusalem Marathon<br />

48 AUSPROBIERT<br />

Regenjacke, Merino-Shirt und ein auffälliger Schuh<br />

52<br />

BIKE<br />

52 KULTIGE KURVEN<br />

Zwei Steirer und ihre Fahrt über 45 legendäre Passstraßen<br />

58 VIER RÄDER FÜR EIN SAYONARA<br />

Fabio und Elias und ihre Erkenntnisse nach 13.000 Kilometern<br />

68 AUSPROBIERT<br />

Ein Reifen, der sticht, Biker-Dessous und eine Lenkertasche<br />

OUTDOOR<br />

72 VON NULL AUF ROT<br />

Leseraktion: Sophia Vasik hat Ski fahren gelernt<br />

18<br />

76 EIN STÜCK NÄHER AM HIMMEL<br />

Einmal auf einen 3000er gehen: Worauf es dabei ankommt<br />

88 „WIE EINE DROGE“<br />

Kühles Nass extrem – die Reportage vom Eisschwimmen<br />

94 AUSPROBIERT<br />

Ein Algenshirt, Steigeisen und die Brille einer neuen Marke<br />

PRO<br />

98 WIR GEGEN DIE STARS<br />

Diesmal: In der Kletterhalle mit Jessica Pilz<br />

102 HIER SCHREIBEN DIE ATHLETEN<br />

Siebenkämpferin Verena Preiner gewährt Einblicke<br />

106 „JAMMERN WÄRE EXTREM UNFAIR“<br />

Stürmer Stefan Maierhofer über Sport in Zeiten von Corona<br />

110 AUS DIESEM HOLZ SIND CHAMPIONS<br />

Timbersports oder: Sport mit Axt und Motorsäge<br />

Fotos: Axel Rabenstein, Stefan Filzmoser<br />

4 <strong>SPORTaktiv</strong>


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29. MAI BIS 1. JUNI <strong>2020</strong><br />

am Weissensee<br />

Mehr Info: auf S. 70<br />

KLETTERSTEIG-<br />

SCHNUPPERCAMP<br />

21.–23. AUGUST <strong>2020</strong><br />

im JUFA-Hotel Hochkar-<br />

Sport-Resort<br />

Mehr Info: auf S. 80/81<br />

E-MTB-WOMEN-CAMPS<br />

25.–28. MAI <strong>2020</strong><br />

im Narzissen Vital Resort im Ausseerland<br />

Mehr Info: auf S. 80/81 im Bike Guide<br />

18.–21. JUNI <strong>2020</strong><br />

im Schwarzen Adler in St. Anton am Arlberg<br />

Mehr Info: auf S. 106/107 im Bike Guide<br />

ALLE INFOS UNTER<br />

WWW.SPORTAKTIV.COM<br />

SCHWIMM-CAMP<br />

21.–24. MAI <strong>2020</strong><br />

4.–7. JUNI <strong>2020</strong><br />

in der Kärnten Therme im Karawankenhof<br />

Mehr Info: www.sportaktiv.com<br />

TRAILRUNNING-CAMP<br />

29.–31. MAI <strong>2020</strong><br />

in Saalfelden Leogang im Krallerhof<br />

Mehr Info: www.sportaktiv.com<br />

RENNRAD-CAMP<br />

7. BIS 10. MAI <strong>2020</strong><br />

in Valamar/Porec<br />

Mehr Info: www.sportaktiv.com<br />

ABGESAGT<br />

BIKE & HIKE-CAMP<br />

24.–27. SEPTEMBER <strong>2020</strong><br />

in Filzmoos<br />

Mehr Infos folgen ab Mai auf<br />

www.sportaktiv.com und n der nächsten<br />

<strong>SPORTaktiv</strong>-Juni/Juli-Ausgabe.<br />

Foto: Martin Fueloep<br />

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KOSTENLOSE INFORMATIONSABENDE<br />

FÜR DIE LEHRGÄNGE:<br />

Diplomausbildungen Gesundheit<br />

und Sport<br />

28. 5. <strong>2020</strong>, Do., 18.00, WIFI Süd<br />

Diplomlehrgang Yogatrainer<br />

16. 9. <strong>2020</strong>, Mi., 18.00, WIFI Süd<br />

Diplomlehrgang Functional<br />

Fitnesstrainer<br />

16. 9. <strong>2020</strong>, Mi., 18.00, WIFI Süd<br />

LEHRGÄNGE:<br />

Grundlehrgang Gesundheit und Sport<br />

5. 6. – 5. 7. <strong>2020</strong>, Fr. 14–17.30 Uhr,<br />

Sa., So. 9–17 Uhr; 60 Std., € 860,–; WIFI Süd<br />

Grundlehrgang Mentales Training<br />

26. 6. – 9. 8. <strong>2020</strong>, Fr., Sa., So. 9–17 Uhr;<br />

100 Std., € 1800,–; WIFI Süd<br />

Diplomlehrgang Wirbelsäulen- und<br />

Beckenbodentrainer<br />

21. 8. – 17. 10. <strong>2020</strong>, Sa., So. 9–17 Uhr<br />

oder 8–18 Uhr; 74 Std., € 1200,–<br />

Diplomlehrgang Functional<br />

Fitnesstrainer<br />

3. 10. <strong>2020</strong> – 6. 2. 2021, Fr. 17–21 Uhr,<br />

Sa. 9–17 Uhr; 158 Std., € 2250,–<br />

Diplomierter Yogatrainer<br />

10. 10. <strong>2020</strong> – 13. 2. 2021, genauer Stundenplan<br />

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SA, SO 9–17 UHR, 56 STD., € 880,–<br />

Informationen unter<br />

T. 0316/602-333<br />

Anmeldungen unter<br />

T. 0316/602-12 34<br />

www.stmk.wifi.at/gesundheit<br />

WIFI Steiermark


RADFAHREN,<br />

SANFT UND<br />

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Klagenfurt liegt am Wörthersee,<br />

das Panorama bilden die schroffen<br />

Karawanken. Für Radfahrer<br />

ergeben sich rund um die Kärntner<br />

Landeshauptstadt ideale Bedingungen<br />

für jeden Anspruch.<br />

Es gibt sanft kupiertes Gelände<br />

genauso wie knackige Anstiege.<br />

Man rollt durch die Natur und<br />

genießt vielerorts herrliche Ausblicke<br />

– wie auf dem Bild vom<br />

Magdalensberg aus.<br />

Die mediterrane Klagenfurter<br />

Innenstadt steht außerdem im<br />

Kontrast zur südalpinen Landschaft.<br />

Genau solche reizvollen<br />

Gegensätze zeichnen Klagenfurt<br />

am Wörthersee für genussvolle<br />

Rennradtage aus. Mehr Rad-<br />

Urlaubtipps zu Klagenfurt:<br />

www.visitklagenfurt.at<br />

Foto: Tourismus Region Klagenfurt/Franz Gerdl<br />

8 <strong>SPORTaktiv</strong>


<strong>SPORTaktiv</strong><br />

9


10 <strong>SPORTaktiv</strong>


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bis 20. August findet die Hartbergerland<br />

Weltradsportwoche<br />

bereits zum 48. Mal statt. Jeder<br />

kann dabei sein und gemeinsam<br />

mit Radsportlern aus rund 20<br />

Nationen Rennen bestreiten. Am<br />

Programm stehen: Prolog, Einzelzeitfahren,<br />

Bergsprint, Rundstrecken-<br />

und Straßenrennen sowie<br />

täglich spannende Side-Events.<br />

Dieses Jahr gibt es eine neue Strecke<br />

in einer speziellen Location –<br />

und die Chance, die Startgebühr<br />

zu sparen: Die Radsportregion<br />

Hartbergerland übernimmt die<br />

Gebühr von fünf Teilnehmern,<br />

die sich bis 20. Mai <strong>2020</strong> anmelden.<br />

Alle Infos zur Woche,<br />

Nächtigungsmöglichkeiten<br />

und Anmeldung:<br />

www.weltradsportwoche.com<br />

Foto: Region Hartbergerland<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

11


POLITIKER<br />

LIEBEN DEN<br />

SPORT<br />

elche Zutaten muss eine<br />

Sportgeschichte haben, damit<br />

sie Sie fasziniert? Was<br />

eint die Geschichten, die es in Ihr Sportbuch<br />

geschafft haben?<br />

Die Betonung im Untertitel ist, dass es<br />

wirklich „meine“ sehr persönlichen Sportgeschichten<br />

sind. Das heißt, ich muss damit<br />

eine emotionale Erinnerung verbinden,<br />

wie ich etwas miterlebt habe. Sei es<br />

vor Ort oder vor dem Fernseher mit Familie<br />

und Freunden. Die Leser werden daher<br />

im Buch sowohl ein paar erzählte Sportereignisse<br />

finden, zu denen sie genauso ihre<br />

eigene Erinnerung haben, als auch weniger<br />

bekannte Geschichten, die vielleicht genau<br />

deshalb besonders spannend sind.<br />

Der Beruf Sportreporter war für Sie ein<br />

Bubentraum. Waren Sie selbst als Kind<br />

schon so sportlich? Hätten Sie sich damals<br />

die tägliche Turnstunde gewünscht?<br />

ÖSTERREICHS BEKANNTESTER<br />

POLITIKWISSENSCHAFTER HAT NOCH<br />

KEIN BUCH ÜBER POLITIK, ABER EIN<br />

SPORTBUCH GESCHRIEBEN. PETER<br />

FILZMAIER WEISS AUCH AUS EIGENER<br />

ERFAHRUNG SEHR GENAU, WOVON<br />

ER SCHREIBT: MIT EINER 10-KILOME-<br />

TER-BESTZEIT UNTER 33 MINUTEN.<br />

INTERVIEW: CHRISTOF DOMENIG<br />

Ich war guter Durchschnitt beim Sport,<br />

denke ich, vielleicht ein bisschen besser.<br />

Doch bildungs- und sportpolitisch habe<br />

ich als Bub sicher nicht gedacht. Mein<br />

Wunsch war da höchstens, jeden Tag Fußball<br />

zu spielen. In der damaligen Zeit ohne<br />

Kabel- und Satellitenfernsehen und fast<br />

ein halbes Jahrhundert vor dem Streaming<br />

habe ich aber möglichst jede Sportübertragung<br />

im ORF verfolgt. Weil es nicht so<br />

viel Angebot gab, hatte das das Flair von<br />

etwas ganz Besonderem. Und es war mehr<br />

Zeit, die Vor- und Nachberichterstattung<br />

genauso anzuschauen. Das hat vielleicht<br />

den Bubentraum Sportreporter begründet.<br />

Fotos: Markersdorfer Marktlauf/Henry Kellner, Brandstätter Verlag<br />

12 <strong>SPORTaktiv</strong>


PETER<br />

FILZMAIER<br />

ist Professor für Politikwissenschaften<br />

an den<br />

Universitäten Krems<br />

und Graz und leitet das<br />

Institut für Strategieanalysen<br />

in Wien. Seine<br />

politischen Analysen<br />

sind vom ORF wie aus<br />

zahlreichen anderen<br />

Medien bekannt.<br />

Mit „Atemlos“ hat der<br />

Sportfan und hervorragende<br />

Hobbyläufer sein<br />

erstes Buch vorgestellt.<br />

Peter Filzmaier: „Atemlos.<br />

Meine schönsten<br />

Sportgeschichten und<br />

was sie mit Politik zu tun<br />

haben.“ Brandstätter<br />

<strong>2020</strong>, € 22,– (Hardcover),<br />

€ 17,99 (E-Book)<br />

www.brandstaetterverlag.com<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

13


In der österreichischen Politik hat<br />

man den Eindruck, dass der Sport<br />

ein Wanderpokal ist: In den letzten<br />

15 Jahren waren fünf Parteien für<br />

die Sportagenden zuständig. Sagt<br />

das auch etwas über den Wert aus,<br />

den die Gesellschaft dem Sport zugesteht?<br />

Ganz so einfach ist das nicht, denn<br />

Politiker lieben ja den Sport. Nämlich<br />

als Plattform, um sich zu inszenieren.<br />

Indem sie als Fans bei Sportveranstaltungen<br />

auftreten oder<br />

manchmal auch etwas peinliche Bilder<br />

liefern, wie sie in nicht mehr<br />

ganz jungen Jahren Fußball spielend<br />

ihren Bauch vor sich herschieben.<br />

Warum tun Politiker das? Weil sie<br />

wissen, da haben sie viele Tausende<br />

Zuschauer. Also hat der Sport hohen<br />

gesellschaftlichen Stellenwert. Nur<br />

machtpolitisch ist der Sport für einen<br />

Minister und seine Partei uninteressant,<br />

weil er relativ wenig gestalten<br />

kann. Vielleicht auch, weil<br />

mächtigen Sportverbänden sozusagen<br />

egal ist, wer unter ihnen den<br />

Minister spielt.<br />

Sie sind in Ihren besten Zeiten 10<br />

Kilometer unter 33 Minuten gelaufen<br />

und den Halbmarathon in 1:12<br />

Stunden. Warum der Laufsport?<br />

Ich hatte einen Skiunfall mit schweren<br />

Verletzungen beider Ellbogen,<br />

weil ich beim Sturz in einen Abgrund<br />

instinktiv die Arme über den<br />

Kopf gab. Danach habe ich dann<br />

eine Sportart gesucht, bei der ich<br />

nicht beeinträchtigt war. Das war<br />

Laufen. Für einen Wissenschafter,<br />

der beruflich Strategieanalysen<br />

macht, ist beim Langstreckenlauf<br />

auch faszinierend, wie systematisch<br />

man über einen langen Zeitraum<br />

hinweg trainiert und wie fast mathematisch<br />

die Renneinteilung geplant<br />

wird.<br />

Auch von Politikern weiß man,<br />

dass sie oft Langstreckenlauf betreiben.<br />

Warum ist diese Sportart<br />

in der Berufssparte Politiker verbreitet?<br />

14 <strong>SPORTaktiv</strong>


Naja, als in den Neunzigerjahren der<br />

Laufsportboom kam, ist es rechnerisch<br />

klar, dass wie in allen Berufsgruppen<br />

auch die Zahl laufender Politiker<br />

stark angestiegen ist. Das Besondere<br />

ist da nur, dass sich manche<br />

Politiker damit besonders fernsehgerecht<br />

inszenierten und Journalisten<br />

das oft allzu leichtfertig als Thema<br />

aufgriffen.<br />

Haben Sie Ihre eigenen Laufzeiten<br />

und Trainingsdaten mit solcher Akribie<br />

analysiert wie eine Wahl?<br />

Oder wie die Sportereignisse, die<br />

Sie für Ihr Buch gesammelt haben?<br />

Da muss ich zunächst eine Sache<br />

korrigieren: Ich analysiere im Buch<br />

gar nichts, sondern schildere höchst<br />

subjektiv meine Sicht der Dinge.<br />

Wenn mein Barca spielt, hat der<br />

Gegner den Sieg nie verdient und<br />

steht im Zweifelsfall dauernd im Abseits<br />

(lacht). Für mein Lauftraining<br />

habe ich einerseits wirklich viele Bücher<br />

gelesen und Trainingspläne gemacht.<br />

Nur war es oft schwierig, das<br />

mit beruflichen Zwängen unter einen<br />

Hut zu bringen. Worauf ich<br />

aber stolz bin: Ich habe Freunden einen<br />

Trainingsplan geschrieben, wenn<br />

jemand zum Beispiel als schon ein<br />

bisschen älteres Semester die Dreistundengrenze<br />

im Marathon knacken<br />

wollte.<br />

Als Sportfan sind Sie gewissermaßen<br />

politisch unkorrekt, sagen Sie:<br />

Sie halten zu Sportlern, die als<br />

Menschen nicht sympathisch sind,<br />

freuen sich über Doppelfehler im<br />

Tennis, sofern es Ihrem Favoriten<br />

hilft … Haben Sie eine Erklärung,<br />

warum für Sportfans offenbar etwas<br />

andere Maßstäbe jenseits der<br />

Political Correctness gelten?<br />

Sport lebt ja davon, dass wir mitfiebern.<br />

Acht Leute auf parallelen Bahnen<br />

schwimmen zu sehen, das wäre<br />

wenig aufregend, wenn wir uns nicht<br />

mit einem davon identifizieren. Die<br />

sind ja kaum voneinander zu unterscheiden,<br />

zur Zeit der Ganzkörperanzüge<br />

waren sie es fast gar nicht.<br />

Oder wollen Sie da immer nur<br />

streng sachlich den Kraulstil diskutieren?<br />

Also brauchen wir Gefühle<br />

wie das Wir-Gefühl. „Das ist einer<br />

von uns!“ oder: „So wie der oder die<br />

will ich sein!“ Und so weiter und so<br />

fort. Spannend ist dabei aber nicht<br />

unbedingt der perfekte Gentlemansportler,<br />

denn auf einer Party ist<br />

ja auch nicht der Typ mit dem allerbesten<br />

Benehmen besonders sexy.<br />

Einer Ihrer großen Helden ist Marco<br />

Pantani. Abgesehen von der<br />

Tragik seiner Persönlichkeit: Wie<br />

sehen Sie generell den Zwiespalt<br />

zwischen Heldenverehrung und<br />

späterer Verdammung, sobald ein<br />

Sportler des Dopings überführt ist?<br />

Da bin ich am Rande einer gespaltenen<br />

Persönlichkeit. Pantanis unbändige<br />

Angriffslust wider jede taktische<br />

Vernunft, sobald die Straße bergauf<br />

ging, das hat mich fasziniert. Auch<br />

wenn ich im Hinterkopf wusste, dass<br />

seine Duelle mit dem Deutschen Jan<br />

Ullrich oder natürlich Lance Armstrong<br />

ein Wettbewerb von lauter<br />

wandelnden Apotheken waren. Doping<br />

ist Betrug und ich wünsche mir<br />

unendlich mehr Ressourcen an Personal<br />

und Geld für viel mehr Kontrollen.<br />

Was mir aber umgekehrt<br />

wichtig ist: Strafen und Sperren sind<br />

dann nach ordentlichen Verfahren<br />

und einem Urteil auszusprechen,<br />

nicht als Pauschalurteil im Volksmund:<br />

„Die gifteln alle!“ Ich sage ja<br />

auch nach erschütternden Missbrauchsfällen<br />

in der Kirche nicht,<br />

dass alle Priester Kinderschänder wären<br />

oder ähnlich schlimmen Unsinn.<br />

Sie schreiben auch, dass in<br />

Deutschland in jüngster Zeit in der<br />

Doping-Berichterstattung ein Paradigmenwechsel<br />

stattgefunden hat,<br />

hin zu einer kritischeren und differenzierteren<br />

Sichtweise. Haben<br />

Sie eine Erklärung, wodurch dieser<br />

Wechsel im Nachbarland ausgelöst<br />

wurde?<br />

Durch sehr späte Erkenntnis. Offenbar<br />

ist irgendwann doch Schuldbewusstsein<br />

eingekehrt, dass man Jan<br />

Ullrich geglaubt hat, es hätte ihm<br />

nur in der Disco jemand was ins Getränk<br />

getan. Und bei einem Langsteckenläufer<br />

war es irgendwas in der<br />

Zahnpasta, wenn ich mich richtig erinnere<br />

... Doch die späte Gegenreaktion<br />

ist bewunderswert, die ARD hat<br />

zum Beispiel eine eigene Antidopingredaktion.<br />

Sie würden selbst gern Sportereignisse<br />

kommentieren. Wenn Sie<br />

sich eines aussuchen könnten,<br />

welches wäre das?<br />

Marathonlauf. Ich hätte ja sogar im<br />

ORF den Wiener Marathon live<br />

kommentieren dürfen. Infolge des<br />

Coronavirus wurde daraus nichts.<br />

Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben<br />

...<br />

SPORT LEBT VOM MITFIEBERN, VON<br />

GEFÜHLEN WIE DEM WIR-GEFÜHL. ODER<br />

WOLLEN SIE IMMER STRENG SACHLICH<br />

DEN KRAULSTIL DISKUTIEREN?<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

15


Peter Filzmaier in seiner besten Zeit als Läufer,<br />

hier beim Markersdorfer Marktlauf 2013. Er gewann<br />

Volksläufe und schaffte es als Dritter des<br />

Wiener Halbmarathons auf eine Teletextseite mit<br />

Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe.<br />

Denken Sie, könnte man mit Sportanalysen<br />

jenseits des Mainstreams mehr<br />

Menschen für Leichtathletik und andere<br />

bei uns „am Rand“ stehende<br />

Sportarten begeistern? Nur ein Beispiel<br />

aus Ihrem Buch: Edwin Moses<br />

blieb 12 Jahre lang über 400 m Hürden<br />

ungeschlagen – war aber auch studierter<br />

Physiker, wagte als Erster einen<br />

13er-Schrittrhythmus zwischen<br />

den Hürden und ließ sich politisch nie<br />

von irgendeiner Seite vereinnahmen ...<br />

Ich glaube, Ja, das könnte man. Denn<br />

sogar Seriensieger – und Ed Moses war<br />

ein Jahrzehnt lang der Beste der Besten<br />

– können langweilig sein. Was uns fasziniert,<br />

das ist immer die gesamte Persönlichkeit<br />

und der Lebenslauf. Wobei zugegeben,<br />

auch negative Eigenschaften<br />

Faszination ausüben können. Ich muss<br />

gestehen, auch zum Langläufer Petter<br />

Northug gehalten zu haben, der schon<br />

vor einem Verkehrsunfall in alkoholisiertem<br />

Zustand ein Beispiel für unglaubliche<br />

Arroganz war.<br />

Sie haben schon erwähnt, einem<br />

Freund einen Trainingsplan für einen<br />

Marathon unter drei Stunden geschrieben<br />

zu haben. Sie haben sich<br />

also sozusagen auch als Trainer bewährt.<br />

Trainer-Persönlichkeiten kommen<br />

in Ihrem Buch relativ wenige vor.<br />

Müssten die sportlichen Taktiker und<br />

„Fädenzieher im Hintergrund“ nicht<br />

gerade Sie als Politikwissenschafter<br />

auch besonders interessieren?<br />

Im Laufsport habe ich da vielleicht ein<br />

bisschen Einblick. Doch meine Sportgeschichten<br />

habe ich ja als Fan im Stadion<br />

und vor dem Fernseher erlebt. Nicht als<br />

Politikwissenschafter und nicht in Trainerseminaren.<br />

Und Hand auf’s Herz:<br />

Schauen Sie bei einem Fußballspiel<br />

wirklich dauernd auf den Trainer und<br />

interessiert es Sie ehrlich, was er da an<br />

der Seitenlinie herumfuchtelt? Also ich<br />

sehe lieber Lionel Messi zu.<br />

BEIM LANGSTRECKENLAUF<br />

FASZINIERT AUCH, WIE FAST<br />

MATHEMATISCH DIE RENNEINTEILUNG<br />

GEPLANT WIRD.<br />

16 <strong>SPORTaktiv</strong>


FIT<br />

Training – Gesundheit – Ernährung<br />

Fotos: Getty images, Kieser Training, Cyberobics, Klosterhof-Alpine-Hideaway<br />

#TRAINATHOME<br />

Cooler Zug der Online-Fitnessplattform<br />

Cyberobics: Mit Start der<br />

Coronakrise schaltete das Unternehmen<br />

all seine Angebote zum<br />

angeleiteten Heim-Fitnesstraining<br />

frei. Reinschauen:<br />

www.cyberobics.com<br />

20 JAHRE KIESER TRAINING<br />

Die Franchisekette, die für gesundheitsorientiertes<br />

Krafttraining steht,<br />

feiert ihr 20-jähriges Österreich-<br />

Jubiläum und will nun auch in kleineren<br />

Städten ab 40.000 Einwohner<br />

Studios eröffnen.<br />

www.kieser-training.at<br />

ALLERGIEFREI AUF URLAUB<br />

Ein neues Hotelportal listet Betriebe,<br />

die speziell auf Gäste mit Allergien und<br />

Unverträglichkeiten eingerichtet sind.<br />

Der Schwerpunkt liegt in Österreich<br />

und Deutschland. So ist die Suche nach<br />

einem allergiefreien Urlaubsort leichter.<br />

www.allergiehotel.info<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

17


DAS PURE<br />

LEBEN<br />

WENN WENIGER MEHR IST, WIE VIEL IST DANN EIGENTLICH GAR NICHTS?<br />

BEIM HEILFASTEN WIRD DER KÖRPER AUF NULLDIÄT GESETZT. DAMIT ER IN RUHE<br />

REGENERIEREN KANN. SPORTAKTIV-MITARBEITER AXEL RABENSTEIN HAT’S<br />

GETAN. UND DABEI DEN TIEFEREN SINN DER ASKESE ERLEBT.<br />

VON AXEL RABENSTEIN<br />

Was haben Kate Moss und<br />

Hannes Reichelt gemeinsam?<br />

Beide waren sie<br />

schon zu Gast im VIVA-<br />

MAYR-Kurhotel in Altaussee. Ich selbst<br />

bin weder Model noch Streif-Sieger.<br />

Aber ich bin jetzt 45 Jahre alt. Und das,<br />

so war die Idee, ist ein guter Anlass, um<br />

im steirischen Salzkammergut den Versuch<br />

zu starten, zwischen mir und meinem<br />

Körper reinen Tisch zu machen.<br />

Der Plan lautet wie folgt: Von Montag<br />

bis Freitag nehme ich ausschließlich<br />

Brühe zu mir. Dazu gibt’s Nahrungsergänzungsmittel<br />

in Form von Basenpulver<br />

und Magnesium-Zink-Citrat sowie<br />

literweise Tee und stilles Wasser. So<br />

kann ich mal runterkommen. Und von<br />

Grund auf entgiften.<br />

Am Sonntag reise ich an. Abends erhalte<br />

ich das letzte feste Essen, einen<br />

Kautrainer aus Buchweizen. Dieser wird<br />

gekaut und gekaut, so um die 30 bis 50<br />

Mal. Erst dann wird geschluckt. Warum<br />

das so sein sollte? Weil im Mund das<br />

menschliche Verdauungssystem beginnt.<br />

Ich esse zu hastig, verschlucke mich und<br />

spüle mit Basenbrühe nach. Das ist mir<br />

peinlich, die anderen Gäste im Speisesaal<br />

gehen routinierter mit ihrem Essen<br />

um. Nicht alle sind allerdings auf<br />

der gleichen Diät, manche reduzieren<br />

nur die Mengen, verzichten auf gesättigte<br />

Fettsäuren und jene Lebensmittel, die<br />

uns übersäuern. Und das sind leider die<br />

meisten: von Fleisch und Fisch über<br />

Brot und Nudeln bis hin zu Milchprodukten.<br />

Der Dresscode ist erfrischend leger,<br />

von Jeans bis Schlafanzug ist alles dabei.<br />

Eines verbindet jedoch alle, die hier essen:<br />

das bewusste Aufnehmen der Nahrung.<br />

Denn das sei von hoher Bedeutung<br />

für unsere Verdauungstätigkeit, wie<br />

mir Dr. Sepp Fegerl erklärt – der Arzt,<br />

der mich in dieser Woche betreuen<br />

wird: „Unser vegetatives Nervensystem<br />

verfügt über zwei funktionelle Gegen-<br />

Fotos: Axel Rabenstein<br />

18 <strong>SPORTaktiv</strong>


Fasten, frieren, viel<br />

Zeit für Körper und<br />

Seele. Autor Axel<br />

Rabenstein bei<br />

seiner Fasten-<br />

Premiere<br />

in Altaussee.<br />

spieler. Der Sympathikus erhöht unsere<br />

nach außen gerichtete Aktionsfähigkeit,<br />

während der Parasympathikus die inneren<br />

Organe steuert, der Erholung, Reparatur<br />

und Weiterentwicklung dient.“<br />

Hängen wir über der Zeitung oder dem<br />

Smartphone, sind wir nicht bei uns. Das<br />

Konzentrieren aufs Essen und unser<br />

Selbst hingegen hilft uns zu verdauen<br />

und die Nahrung schonend mit dem<br />

Körper aufzunehmen. Ich sitze da, kaue<br />

meine Semmel, spüre, wie ich mir Bissen<br />

um Bissen einverleibe und frage<br />

mich, wie etwas so Grundsätzliches in<br />

unserem Leben so nebensächlich werden<br />

kann.<br />

Der nächste Morgen. Ich habe keinen<br />

Hunger. Und nicht einmal schlechte<br />

Laune. Es mag daran liegen, dass es keinen<br />

Zweifel daran gibt, dass ich fasten<br />

möchte. Aus meinem Zimmer überblicke<br />

ich den See. Halb grau, halb spiegelnd<br />

liegt er zwischen den Bergen. Die<br />

Szenerie erinnert an ein Schwarz-Weiß-<br />

Foto. Alles wirkt still und reduziert.<br />

Dr. Sepp Fegerl sehe ich jeden Tag zur<br />

„ärztlich manuellen Bauchbehandlung“<br />

und allgemeinen Konsultation. „Ich verschaffe<br />

mir mit den Händen einen<br />

Überblick über die Aktivitäten von<br />

Dünn- und Dickdarm“, sagt er, „zudem<br />

wirkt die Massage als Lymphdrainage<br />

für die im Bauch liegenden Organe und<br />

tonisiert den Darm.“ Ich lerne, dass unser<br />

Darm ein acht Meter langer Muskelschlauch<br />

ist, der es mit seinen Zotten<br />

und Ausstülpungen auf die Fläche eines<br />

Tennisplatzes bringt. Ich lerne, dass hier<br />

gut 70 Prozent unseres Immunsystems<br />

sowie mehr als 100 Millionen Nervenzellen<br />

angesiedelt sind, die sich über den<br />

Vagus-Nerv auf intensive Weise mit unserem<br />

Gehirn austauschen. Und ich<br />

lerne, dass mein Körper sich in den<br />

kommenden Stunden auf volle Effizienz<br />

einstellen wird. Zunächst verbrauche ich<br />

gespeicherte Kohlenhydrate. Das Glykogen<br />

taugt noch rund eineinhalb Tage als<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

19


Brennstoff. Dann stellt der Körper seinen<br />

Stoffwechsel vom Anabolismus auf<br />

den Katabolismus um: Nun gewinnen<br />

wir unsere Energie ausschließlich aus<br />

Proteinen und Fett – und davon haben<br />

wir mehr als genug. Mein Fettanteil liegt<br />

laut Impedanzanalyse bei 21,1 Prozent.<br />

Und das, obwohl ich 2019 mit jeweils<br />

einem Triathlon über die Kurz-, Mittelund<br />

Langdistanz nicht unbedingt untätig<br />

war.<br />

Die Zufuhr an Kohlenhydraten wird<br />

beim Fasten unterbrochen, mein Fettstoffwechsel<br />

intensiviert. Das kann ich<br />

als Ausdauersportler natürlich nur begrüßen.<br />

Der Grund, warum ich hier<br />

bin, ist aber ein anderer: Ich möchte<br />

entgiften. Was also geschieht nun in<br />

meinem Körper? Man stelle sich eine<br />

Stadt vor, in der so viel konsumiert wird,<br />

dass die Müllabfuhr gerade so hinterherkommt.<br />

Die Mitarbeiter schieben Extraschichten,<br />

sie sind gestresst und konzentrieren<br />

sich auf den größten Müll. Für<br />

eine grundlegende Reinigung fehlen jedoch<br />

die Kapazitäten. Deshalb sind alle<br />

froh, wenn mal für ein paar Tage keine<br />

neuen Müllsäcke in den Straßen landen.<br />

Endlich wird die Stadt mal wieder rich-<br />

tig sauber. So weit die Kurzbeschreibung.<br />

Es lohnt sich aber, in die Tiefe zu<br />

gehen: Denn während wir hier draußen<br />

ein Riesengeschrei um das Thema Recycling<br />

machen, erneuern wir uns dort<br />

drinnen schon seit jeher auf faszinierende<br />

Weise wie von selbst.<br />

Es geht um das kleine Wunder der<br />

„Autophagie“. Diese startet der Körper<br />

nach einer Nahrungspause ab 14 bis 18<br />

Stunden. Gealterte, funktionslose oder<br />

falsch zusammengebaute Zellbestandteile<br />

werden mit einer passgenauen Membran<br />

umgeben. Innerhalb dieser temporär angelegten<br />

Hüllen zersetzen Enzyme den<br />

Zellmüll und stellen die Grundbestandteile<br />

zur Wiederverwertung bereit. „So<br />

werden unsere Zellen effizienter“, erklärt<br />

mir Doc Fegerl: „Alte und defekte<br />

Mitochondrien werden entsorgt, und die<br />

gut funktionierenden Minikraftwerke<br />

vermehren sich.“ Das alles ist kein Hokuspokus.<br />

Sondern ein biochemischer<br />

Prozess, für dessen exakte Beschreibung<br />

der japanische Forscher Yoshinori Osumi<br />

2016 den Nobelpreis erhielt.<br />

Wow! Ich erneuere mich, indem ich<br />

nicht esse. Das fühlt sich gut an. Ich<br />

mache es mir in einem Sessel bequem<br />

HEILFASTEN<br />

Die nicht religiös motivierte<br />

Form des Fastens lässt sich bis<br />

Hippokrates zurückverfolgen, sie<br />

kann neben einer Steigerung des<br />

Wohlbefindens bei zahlreichen<br />

Beschwerden und Krankheitsbildern<br />

sinnvoll sein. Viele Hotels<br />

bieten Fastenkuren an. Im VIVA-<br />

MAYR bietet sich die Möglichkeit<br />

einer umfassenden Betreuung<br />

durch Ärzte und Therapeuten, 110<br />

Mitarbeiter kümmern sich um<br />

maximal 70 Gäste. Eine Kur ist<br />

für wenigstens sieben Tage vorgesehen<br />

und wird individuell zusammengestellt.<br />

Pro Tag ist mit<br />

Kosten von 500 Euro zu rechnen.<br />

Mehr Infos: www.vivamayr.at<br />

und gönne mir einen Lavendel-Rote-Bete-Tee.<br />

In den kommenden Tagen<br />

geschieht viel. Eigentlich wollte ich lediglich<br />

nichts essen. Aber hier im VI-<br />

VAMAYR habe ich die Möglichkeit,<br />

eine Vielzahl an Behandlungen und<br />

Therapien zu testen. Vom täglichen<br />

Elektrolyse-Fußbad zur Unterstützung<br />

20 <strong>SPORTaktiv</strong>


meiner Entgiftung über Massagen und<br />

Leberwickel bis hin zur Kryotherapie in<br />

einer auf –110 °C gekühlten Kammer,<br />

die Entzündungen entgegenwirkt.<br />

„Unsere Gäste verbessern ihre Gesundheit<br />

und erhöhen ihr Wohlbefinden“,<br />

sagt Geschäftsführer Dr. Dieter<br />

Resch: „Für viele ist die Fastenkur der<br />

Start in ein bewussteres Leben.“ Durch<br />

die Anpassung von Stoffwechsel und Ernährung<br />

könnten Sportler zudem „ihre<br />

Leistungsfähigkeit erhöhen und im Falle<br />

einer Verletzung auch schneller regenerieren“.<br />

Der latent übersäuerte Sportlerkörper<br />

wird die basische Aufmerksamkeit<br />

in jedem Fall genießen. Darüber hinaus<br />

bietet sich im Haus die Möglichkeit<br />

für Faszientraining, Leistungs -<br />

diagnostik und Höhentraining (IHHT)<br />

zur Steigerung der Zellenergie.<br />

Aber das ist eine andere Geschichte.<br />

Zurück auf null: Inzwischen ist es Donnerstag<br />

– und ich habe seit 100 Stunden<br />

nichts gegessen. Natürlich ist Fasten<br />

kein Zuckerschlecken. Zum Aufwachen<br />

gibt’s keinen Kaffee, sondern eine Tasse<br />

mit abführendem Magnesiumzitrat.<br />

Auch daran gewöhne ich mich. Und<br />

meine Laune ist beinahe euphorisch. Ich<br />

fühle mich frei und energetisch, es ist,<br />

als würde die Welt, durch die ich hier in<br />

Bademantel und Schlapfen wandle, an<br />

allen Ecken und Enden glänzen.<br />

Hungergefühl? Fehlanzeige. Dafür<br />

steigt mir beim Genuss der Brühe, die ich<br />

vor ein paar Tagen noch als geschmackloses<br />

Wässerchen wahrgenommen habe, der<br />

feine Geruch von Sellerie in die Nase.<br />

Beim Fasten erholen sich aber nicht nur<br />

unsere Sinne. Auch die Seele nutzt die<br />

Chance, mal wieder den Staub aus den<br />

Schubladen zu wischen, zu entgiften und<br />

Ballast loszuwerden. Doc Fegerl fragt<br />

mich: „Träumen Sie schon intensiv?“ –<br />

Das wäre durchaus üblich. Der dominante<br />

Sympathikus lässt dem Parasympathikus<br />

den Vortritt. Die Abteilung Attacke<br />

macht Pause. Die Regeneration übernimmt.<br />

Im Fettgewebe und Zellgedächtnis<br />

gespeicherte Erinnerungen kommen<br />

zum Vorschein. Alte Pfade werden gelöscht.<br />

Träume entstehen.<br />

Am Freitagmorgen achte ich darauf.<br />

Und sieh an, da war ein Traum: Ich sitze<br />

auf einem Eisbären und versuche, ihm<br />

mit einem Farbpinsel Formeln und Kreise<br />

auf die Flanke zu malen. Der Eisbär<br />

zeigt sich nicht sonderlich kooperativ,<br />

immer wieder muss ich zusehen, dass<br />

ich nicht abgeworfen werde. Was das bedeutet?<br />

Keine Ahnung. Ich kann aber<br />

versichern, dass ich nie zuvor von einem<br />

Eisbären geträumt habe.<br />

Kommen wir zum Ende dieser Geschichte.<br />

Ich habe 3,8 Kilogramm abgenommen.<br />

Aber darum geht es nicht. Viel<br />

wichtiger ist, dass ich verstanden habe,<br />

meine Gesundheit mehr denn je als ganzheitliches<br />

Phänomen zu betrachten. Ein<br />

kleines Beispiel: Doc Fegerl zeigt mir,<br />

dass er meinen Rippenbogen auf der<br />

rechten Seite leichter eindrücken kann,<br />

als auf der linken. Hier sammeln sich<br />

Gase, die durch schwer verdauliche Rohkost<br />

entstehen. Mein Brustkorb schützt<br />

den aufgepumpten Dickdarm. Diese Inflexibilität<br />

im Thorax wirkt wiederum einer<br />

aufrechten Haltung entgegen. Soll<br />

heißen: Esse ich abends einen Salat, ist<br />

das schlecht für meinen Rücken. Bleiben<br />

wir beim Essen: Am Freitag erhalte ich<br />

wieder feste Nahrung. Einen Kautrainer,<br />

dazu Avocado-Mousse und ein Löffelchen<br />

gelben Saiblingskaviar. Ich nehme<br />

ein einzelnes Kaviar-Ei in den Mund und<br />

lasse es platzen. Der Geschmack ist extrem<br />

intensiv. Ich verstreiche ihn mit der<br />

Zunge im ganzen Mund. Später liege ich<br />

in meinem Zimmer auf dem Bett. Der<br />

Nebel hängt über dem Tal, hoch oben<br />

spitzt die Sonne durch die Wolken. Später<br />

glitzert der See.<br />

Ich freue mich darauf, in Zukunft bewusster<br />

zu essen. Den Wert der Enthaltsamkeit<br />

zu schätzen. Und spätestens im<br />

kommenden Jahr das nächste Mal zu<br />

fasten.<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

21


er Name Mathias Berthold steht für<br />

Erfolg. 2006 bis 2010 war der Vorarlberger<br />

Damen-Cheftrainer im Deutschen<br />

Skiverband, 2010 bis 2014 Herren<br />

Cheftrainer bei den österreichischen<br />

Alpinskistars, 2014 bis 2019<br />

dann bei den deutschen Herren. Fünf<br />

Goldmedaillen bei Olympischen Spielen und ebenso viele<br />

bei Weltmeisterschaften erreichten seine Athletinnen<br />

und Athleten. Große Beachtung fand aber auch der Aufstieg<br />

der deutschen Speed-Skifahrer in seiner Ära: mit<br />

den deutschen Kitzbühel-Siegen von Thomas Dreßen<br />

(Abfahrt 2018) und Josef Ferstl (Super-G 2019).<br />

Als aktiver Athlet wurde Berthold 1993 Profi- Slalom-<br />

Weltmeister in Aspen. Im Ski-Weltcup schlug er sich davor<br />

trotz Teilerfolgen jedoch unter Wert. Auch, weil er an<br />

mentalen Schwächen scheiterte. Entsprechend hoch be-<br />

MATHIAS BERTHOLD HAT IM SKISPORT<br />

OLYMPIASIEGER UND WELTMEISTER<br />

GEFORMT. GEMEINSAM MIT DEM PSY-<br />

CHOLOGEN BARDIA MONSHI GIBT DER<br />

VORARLBERGER JETZT JEDERMANN<br />

EINBLICK IN MENTALE STRATEGIEN<br />

DER SIEGER. WARUM DER ECHTE ER-<br />

FOLG NICHT IM ERGEBNIS, SONDERN<br />

IN DER ENTWICKLUNG LIEGT.<br />

INTERVIEW: CHRISTOF DOMENIG<br />

STARK<br />

IM KOPF<br />

Fotos: xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx<br />

22 <strong>SPORTaktiv</strong>


wertete er in seiner Trainerkarriere stets<br />

die Kraft der Gedanken.<br />

Seit 2019 ist Berthold Mentalcoach, unter<br />

anderem beim deutschen Fußballbundesligaclub<br />

1. FC Nürnberg. Mit dem<br />

Wiener Psychologen Bardia Monshi<br />

schrieb er jetzt ein Buch über mentale<br />

Stärke: Warum ein stabiler Geist für Profiund<br />

Hobbysportler im Berufs- wie im Privatleben<br />

und überhaupt „im Alltagsdschungel“<br />

das Um und Auf ist: Das haben<br />

wir von dem Autorenduo erfragt.<br />

Vom Einzel- zum Teamsport und vom<br />

Skisport zum Fußball: War das zuletzt<br />

für Sie nicht eine radikale Veränderung?<br />

MATHIAS BERTHOLD: Dazu muss ich zuerst<br />

festhalten, dass die Position beim 1. FC<br />

Nürnberg nur ein Teil meines Betätigungsfeldes<br />

ist. Ich betreue auch Einzelsportler<br />

als Individualcoach in Sachen<br />

mentale Strategien und Persönlichkeitsentwicklung.<br />

Was den 1. FC Nürnberg<br />

angeht, ist es natürlich in verschiedenen<br />

Bereichen eine neue Erfahrung, die ich<br />

machen darf. Am Ende des Tages geht es<br />

jedoch darum, dass jeder Sportler in jedem<br />

Moment auf seinem möglichst besten<br />

Niveau agiert – ob im Mannschafts- oder<br />

in einem Einzelsport, ist nicht entscheidend.<br />

Je besser jeder Spieler sein Leistungsvermögen<br />

abruft, desto mehr hilft er<br />

sich selbst und eben auch dem Team.<br />

Sie haben den Schritt weg vom Skisport<br />

sinngemäß auch damit begründet, dass<br />

er Sie aus Ihrer Komfortzone führt.<br />

BERTHOLD: Aus meiner Sicht ist die Arbeit<br />

wie das Leben an sich ein ständiger Prozess.<br />

Wenn man sich dauernd in seiner<br />

Komfortzone aufhält, wird man sich ganz<br />

schwer weiterentwickeln. Dinge werden<br />

zur Routine und es besteht die Gefahr,<br />

sich mit dem Erreichten zu begnügen.<br />

Damit tritt Stillstand in der persönlichen<br />

Entwicklung ein. Ich sehe jede Herausforderung<br />

als neue Motivation und als Impuls,<br />

um mich weiter zu verbessern.<br />

„Raus aus der Komfortzone“ passt zu Ihrem<br />

gemeinsamen Buch: Dass der<br />

Mensch nach Wachstum und Entwicklung<br />

strebt, unter gewissen Voraussetzungen<br />

über sich hinauswachen kann,<br />

ist darin eine Grundthese.<br />

BARDIA MONSHI: Ich wollte schon lange ein<br />

Buch schreiben. Dieses Vorhaben war aber<br />

tatsächlich außerhalb meiner Komfortzone.<br />

Mit Mathias wollte ich es schreiben,<br />

weil ich erkannt habe, dass er sehr ähnliche<br />

Herangehensweisen in der Arbeit mit<br />

seinen Athletinnen und Athleten hat wie<br />

ich mit den Menschen aus der Arbeitswelt.<br />

Die Verbindung zu zeigen fanden<br />

wir spannend.<br />

DR. BARDIA<br />

MONSHI<br />

ist Psychologe und Gründer des<br />

Instituts für Vitalpsychologie in Wien.<br />

www.vitalpsychologie.at<br />

www.elemental-app.com<br />

Sie sind beide in jungen Jahren mental<br />

gescheitert, ist zu lesen. Worin bestand<br />

für Sie jeweils dieses Scheitern?<br />

BERTHOLD: Ich kann in meiner Karriere als<br />

aktiver Sportler sicher auf ganz ordentliche<br />

Erfolge zurückblicken, aber eben nur<br />

„ganz ordentliche“. Ich denke, ich hätte<br />

wesentlich mehr erreichen können, wenn<br />

ich mich in verschiedenen Phasen professioneller<br />

verhalten hätte, wenn ich besser<br />

geführt worden wäre. Und wenn ich damals<br />

schon das Wissen und die Erfahrung<br />

von heute gehabt hätte. Deshalb war es<br />

mir als Trainer und ist es auch jetzt ein<br />

großes Anliegen, diese Erfahrungen und<br />

dieses Wissen weiterzuvermitteln.<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

23


AM HALDENSEE<br />

MATHIAS<br />

BERTHOLD<br />

ist einer der erfolgreichsten Ski-Nationaltrainer<br />

in Österreich und Deutschland. Seit<br />

2019 als Mentalcoach selbstständig.<br />

Bergfrühling<br />

[ 14. Juni - 19. Juli <strong>2020</strong> ]<br />

5 oder mehr Tage mit der ¾-Verwöhn pension<br />

und allen „Tyrol-Inklusive-Leistungen“ sowie:<br />

■ 1 Wanderkarte als Geschenk<br />

■ 1 Fahrradausflug<br />

■ 3 geführte Almwanderungen<br />

■ 2 geführte Nordic-Walking-Touren<br />

■ kostenlose Benutzung aller<br />

Bergbahnen im Tannheimer Tal<br />

Hotel Tyrol am Haldensee • Familie Schädle & Barbist<br />

A-6673 Haldensee • Seestraße 24 • Tel. +43 5675 6245<br />

info@tyrol-haldensee.com<br />

www.tyrol-haldensee.com<br />

5 Tage ab<br />

€ 525<br />

pro Person<br />

@tyrolhaldensee<br />

#tyrolhaldensee<br />

MONSHI: In meinem Fall bestand das Scheitern einfach<br />

darin, dass ich mein Potenzial in bestimmten Situationen<br />

nicht abrufen konnte. Das fing im Tennis an, wo<br />

ich an meiner Nervosität scheiterte, in meiner Familie,<br />

in der es nicht immer gelang, Schwierigkeiten gut zu<br />

meistern, in der Schule, wo ich manchmal nicht umsetzen<br />

konnte, was ich mir vornahm.<br />

Hätten Sie sich jemanden gewünscht, der Sie mental<br />

führt? Und wird im Sport heute stärker auf das<br />

Mentale geachtet als damals?<br />

BERTHOLD: Ich weiß nicht ob ich mir das gewünscht<br />

hätte, aber mit Sicherheit, dass ich es gebraucht hätte.<br />

Es hätte jemanden gebraucht, der sich erst einmal<br />

mein Vertrauen erarbeiten hätte können. Mit diesem<br />

ersten Schritt hätte ich mit dieser Person einen Prozess<br />

einleiten können, der mir Unterstützung hätte geben<br />

können, mich zu verbessern.<br />

Das Angebot heute ist durchaus vorhanden, hängt<br />

allerdings von den handelnden Personen ab. Ich habe<br />

als Cheftrainer versucht, Sportpsychologen in das<br />

Team zu integrieren und dabei sehr positive Erfahrungen<br />

gemacht. Dies funktioniert aber nur, wenn das gesamte<br />

Team hinter solchen Maßnahmen steht.<br />

MONSHI: Ich hätte mir systematisches Training gewünscht.<br />

Ich muss aber sagen, dass ich einen Trainer<br />

hatte, der mental sehr stärkend für mich war. In den<br />

letzten 20 Jahren hat sich extrem viel getan, insbesondere<br />

deshalb, weil immer mehr Topstars zugeben, dass<br />

sie sich mental unterstützen lassen.<br />

Man könnte mutmaßen: Ohne das Scheitern in jungen<br />

Jahren wären Sie später vielleicht nicht so erfolgreich<br />

geworden?<br />

Fotos: GEPA Pictures (2), Laurent Ziegler


MONSHI: Das ist leider in jedem Fall so. Ein Sprichwort<br />

sagt: Der Meister ist wesentlich öfter gescheitert, als es<br />

der Lehrling versucht hat. Das ist vielleicht eines der<br />

wichtigsten Erfolgsrezepte: Sei bereit zu scheitern und<br />

daraus zu lernen. Beruflich ist das für mich ein wichtiges<br />

Motto: Wenn ich aufhöre zu scheitern, entwickle<br />

ich mich nicht mehr weiter. Und Weiterentwicklung<br />

ist der echte Erfolg. Nicht das Endergebnis.<br />

BERTHOLD: Natürlich können aber auch positive Erfahrungen<br />

aus der Vergangenheit die notwendigen Impulse<br />

geben, um im nächsten Schritt die erfolgreichen Erfahrungen<br />

in positive Energie und zielführende Maßnahmen<br />

umzusetzen.<br />

Den Hochleistungssport bezeichnen Sie als „Vergrößerungsglas“<br />

für die mentalen Wirkkräfte, die in<br />

allen Lebensbereichen eine große Rolle spielen.<br />

Können Sie das kurz erklären?<br />

MONSHI: Im Sport ist es ganz offensichtlich, dass man<br />

mental stark oder schwach sein kann. Nehmen wir ein<br />

Fußballspiel her: Man muss sich zur richtigen Zeit beruhigen<br />

können und die Nerven behalten. Man muss<br />

sich motivieren können, auch wenn es mal nicht gut<br />

läuft. Man braucht Mitmenschen, die einen unterstützen.<br />

Man muss positiv denken und selbstkritisch bleiben.<br />

Man darf sich auf den Lorbeeren nicht ausruhen<br />

und überheblich werden ... Jetzt setzen Sie einfach<br />

statt des Fussballspiels das Berufsleben oder das Familienleben<br />

ein.<br />

Unsere Leser sind Hobby- und Freizeitsportler in der<br />

gesamten Bandbreite: von Gesundheitssportlern bis<br />

hin zu sehr ehrgeizigen Hobby-Leistungssportlern.<br />

Kann man mentale Strategien aus dem Spitzensport<br />

auch im Hobbysport anwenden?<br />

MONSHI: Unbedingt. Das Interessante ist, dass die<br />

mentalen Kräfte in jeder Könnerstufe gleichermaßen<br />

gefordert werden. Wir sind da alle gleich.<br />

BERTHOLD: Es geht darum, die wertvollen Erfahrungen,<br />

die wir im Sport machen, auf gewisse Lebenssituatio-<br />

STARK DURCH<br />

DIE KRISE<br />

In seiner „EleMental“-App bietet der Psychologe<br />

Bardia Monshi eine Vielzahl von wissenschaftlich<br />

fundierten Übungen für mentale Stärke. Die<br />

Übungen stärken auch das Immunsystem: Ein<br />

Grund, warum seit Ausbruch der Coronakrise alle<br />

Zugänge zur App für drei Monate kostenlos sind.<br />

www.elemental-app.at<br />

Vitamine<br />

Bleib‘<br />

gesund!<br />

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Time 4 POWER<br />

MagnesiumVital<br />

Das Magnesium für alle Fälle.<br />

• Unterstützt in der Allergiezeit<br />

bei intensivem Power-Sport<br />

(erhöhter Magnesiumbedarf)<br />

• Trägt zum<br />

Elektrolytgleichgewicht bei<br />

• Unterstützt eine normale<br />

Muskelfunktion<br />

Probase Pulver oder Tablette<br />

Kein Grund mehr, sauer zu sein.<br />

• Ausgewogene Kombination<br />

an Mineralstoffen &<br />

Spurelelementen<br />

• Trägt zu einem normalen Säure-<br />

Basestoffwechsel bei – als<br />

Pulver oder Tablette<br />

• Ideales Mineralstoff-<br />

Präparat für Breiten- und<br />

Leistungssportler<br />

In Ihrer Apotheke.<br />

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nen umzumünzen. Hochleistungssport besteht aus<br />

höchstem Leistungsdruck und enorm hohen Anforderungen.<br />

Wie aktive Sportler und Betreuer mit solchen<br />

Momenten und Situationen umgehen, welche Strategien<br />

dabei angewendet werden und wie man in jedem<br />

Moment versucht, dabei sein optimales Leistungsvermögen<br />

abzurufen, kann jedem Einzelnen dabei helfen,<br />

lösungsorientiert zu agieren.<br />

Das Bedürfnis nach „Selbstoptimierung“ wird heute<br />

auch überstrapaziert: Wir sollen für unsere Familie<br />

immer da sein und beruflich nach Höherem streben,<br />

uns perfekt ernähren und einen Modellkörper antrainieren:<br />

Diese – auch durch Selbstdarstellung in<br />

sozialen Medien – verbreitete Haltung sehen Sie im<br />

Buch kritisch ...<br />

MONSHI: Wir leben in einer Welt, die einem ständig<br />

zuflüstert: Die könntest besser, schöner, schlauer, reicher<br />

sein. Diese Botschaft macht Angst. Die einen<br />

kämpfen nun verzweifelt darum, aus sich Exzellenz,<br />

Schönheit, Intelligenz, Reichtum herauszuholen.<br />

Dann übertreiben es manche und höhlen sich aus.<br />

Aber das Leben kann nur gut, schön und bereichernd<br />

sein, wenn wir finden, was uns ganz persönlich trägt.<br />

Dafür müssen wir die Entscheidungen mutig treffen,<br />

wofür wir einstehen möchten, wohin wir uns persönlich<br />

entwickeln wollen. Wer auf zu vielen Bällen tanzen<br />

möchte, der muss Walzer, Boogie und Rumba<br />

gleichzeitig tanzen. Das kann nur komisch werden,<br />

insbesondere dann, wenn man eigentlich gar nicht auf<br />

Bällen tanzen möchte.<br />

Im Spitzensport wie im Leben gilt auch: Wer verkrampft,<br />

wird nicht gewinnen. Eine gewisse Lockerheit<br />

braucht es wohl auch für starke Leistungen.<br />

Welche Rolle spielt für Sie Humor im Leistungssport<br />

und welche im Alltagsdschungel?<br />

BERTHOLD: Humor, gute Laune und Lockerheit sind auf<br />

alle Fälle von hoher Bedeutung. Wir alle brauchen<br />

Pausen, um geistig und körperlich nicht zu ermüden.<br />

Diese Pausen dienen dazu, sich zu erholen, Energie zu<br />

tanken und um ein wenig abschalten zu können.<br />

JEDE HERAUSFORDE-<br />

RUNG IST EIN IMPULS,<br />

MICH WEITER ZU<br />

VERBESSERN.<br />

Bardia Monshi, Mathias Berthold:<br />

Positiv denken allein hilft auch nicht.<br />

Mentale Kraft für den Dschungel des Alltags.<br />

Echomedia Verlag 2019, € 24,90.<br />

In diesen Phasen Spaß zu haben und locker zu sein ist<br />

ein wesentlicher Faktor, um die „Energietankstelle“<br />

optimal zu nutzen. Bei der Ausführung von wichtigen<br />

Tätigkeiten sollte dann der Fokus wieder ganz klar im<br />

Prozess liegen.<br />

MONSHI: Einer meiner wichtigsten Lehrer, Viktor<br />

Frankl, sagte einmal: Das Vernünftigste ist, nicht allzu<br />

vernünftig zu sein. Es ist besser, wir lachen über die<br />

Dinge und uns selbst, bevor wir unter den Dingen<br />

und uns selbst leiden. Humor, olé!<br />

Sie sind Fan der Hard-Rock-Band Nazareth: Hilft auch<br />

eine gewisse „Rock Attitude“ am Weg zum Erfolg?<br />

BERTHOLD: Die Musik von Nazareth hat mich mein<br />

ganzes Leben begleitet. Ich kann mich an keinen Moment<br />

erinnern, bei der die Musik dieser Band keine<br />

Rolle gespielt hat. Der „Rocker“ spielte in gewissen<br />

Momenten sicherlich eine sehr wichtige Rolle, in anderen<br />

Situationen war aber auch schon mal was Beruhigendes<br />

und sogar Melancholisches angesagt. Gott sei<br />

Dank kann Nazareth mit ihrer Vielseitigkeit alle Stimmungen<br />

bedienen. Deshalb würde ich sagen, dass die<br />

„Rock Attitude“ für mich nicht zwingend notwendig<br />

war, die Musik an sich aber immer sehr wichtig war<br />

und immer sein wird.<br />

Foto: Echomedia Verlag<br />

26 <strong>SPORTaktiv</strong>


KOPFSACHE<br />

ZITRONEN<br />

LIMONADE<br />

PETER<br />

GURMANN<br />

Sport- und Gesundheitspsychologe<br />

sowie<br />

Beratungs lehrer in<br />

Klagenfurt. Kontakt:<br />

peter.gurmann@aon.at<br />

Der Pulverschnee spritzt bis über den Helm<br />

hinauf, ein perfekter Skitag in Heiligenblut.<br />

Ein paar Tage später wird der Ort<br />

aufgrund von Erkrankungen am Coronavirus<br />

unter Quarantäne gestellt. Personen, die sich in<br />

Heiligenblut aufgehalten hatten, wurden aufgefordert,<br />

sich zwei Wochen in häusliche Isolation<br />

zu begeben. Meldepflicht bestand für mich nur<br />

beim Auftreten von Symptomen. Wie kann ich<br />

mit einer noch nie erlebten Ausnahmesituation<br />

umgehen? (Tages-)Struktur hilft gegen Chaos,<br />

gibt persönliche Sicherheit und stärkt in Stresssituationen.<br />

Raum, Zeit und Rituale bieten den<br />

äußeren Rahmen, um handlungsfähig zu bleiben<br />

und nicht zu verzweifeln. Die üblichen Schlaf-,<br />

Essens-, Arbeits-, und Bewegungszeiten habe ich<br />

eingehalten. Home-Office fand ausschließlich in<br />

meinem Arbeitszimmer statt. „Projekte“, die ich<br />

aus Zeitgründen aufgeschoben hatte, habe ich in<br />

Angriff genommen. Langeweile kam nicht auf.<br />

Der eingeheizte Kaminofen erhellte unser aller<br />

Gemüter. Bewegungseinheiten am Fahrradergometer<br />

mit anschließender Entspannung in der<br />

Dampfdusche leisteten unschätzbare Dienste für<br />

meine Psyche. Bewusster und limitierter Medienkonsum<br />

halfen, faktenbasiert und schonend informiert<br />

zu werden. Der Familien-Mini-Krisenstab<br />

tagte täglich: Wie geht es jedem Einzelnen?<br />

Wer braucht was? Dabei haben wir den Fokus<br />

auch auf Positives gelenkt. Wenn das Leben<br />

dir eine Zitrone gibt, frag nach Tequila und Salz.<br />

Dazu ein Filmtipp: In „Ein Mann kämpft allein“<br />

läuft der zu lebenslanger Haft verurteilte Murphy<br />

im Hof des Folsom-State-Gefängnisses seine<br />

Runden. Viele Nebenrollen waren mit wirklich<br />

Verurteilten besetzt. Am Ende kommt es zum alles<br />

entscheidenden Lauf über eine Meile. Nach<br />

der Ziellinie blickt Murphy auf seine Handstoppuhr<br />

und schmettert sie gegen die Mauer …<br />

Das<br />

Etappenrennen<br />

auf dem<br />

Weg zum<br />

Gardasee!<br />

10.-13. Juni<br />

JAHR 2<br />

Imst<br />

Wenns<br />

Ried/Oberinntal<br />

Pfunds<br />

Nauders<br />

pro Etappe<br />

26-27 Km<br />

1.400-1.900 Hm


AUS<br />

PRO<br />

BIERT<br />

FIT<br />

EIN SHIRT FÜR ALLE<br />

JAHRESZEITEN, EINE BRILLE<br />

FÜR SCHWIERIGE NASEN<br />

UND LAUFSCHUHE AUS<br />

RESTEN VON REIS,<br />

BANANE UND ZUCKER.<br />

VON CHRISTOPH HEIGL<br />

UND CHRISTOF DOMENIG<br />

MEINE ZWEITE HAUT<br />

Eigentlich war ich beim Sport nie der Freund von<br />

Funktionsunterwäsche. Das hatte so was Mundl-<br />

Sackbauer-mäßiges, wöööah. „Heast, bist wo<br />

au’grennt???“, hätte mir der Mundl wohl zugerufen.<br />

Aber meine Einstellung hat sich geändert, seit von<br />

DOWE das Kurzarmshirt der „Ultra Series Underwear“<br />

im Schrank liegt (UVP € 79,–). „Kühlt im Sommer, wärmt<br />

im Winter“, lautet das multifunktionelle Versprechen der<br />

Hightech-Fasern. Und so komisch es klingt, es funktioniert.<br />

Das Shirt wird im Winter getragen, beim Skifahren,<br />

Skitourengehen, Laufen, Biken. Im Sommer beim Rennradfahren<br />

selbst unter engen Trikots. Ob kalt oder warm,<br />

es fühlt sich auf der Haut einfach immer perfekt an.<br />

Wie das geht? 3D-Seamless-Stricktechnologie für perfekte<br />

Passform und Bewegungsfreiheit, sagt DOWE. Eingestrickte<br />

Klimazonen unterstützen die Luftzirkulation<br />

und sorgen bei intensiven Tätigkeiten für ein ausgewogenes<br />

Körperklima, sagt DOWE. FastUltra-S-Faser beschleunigt<br />

den Feuchtigkeitstransport und die Trocknung,<br />

sagt DOWE. Die Faser verhindert die Ausbreitung<br />

von Bakterien und Gerüchen, sagt DOWE. Und ich sage:<br />

Stimmt. Dem ist nach zwei Jahren Dauertest nichts hinzuzufügen.<br />

Der Mundl hat’s immer schon gewusst...<br />

Fotos: Thomas Polzer, DoWe, Christoph Heigl, Christof Domenig<br />

28 <strong>SPORTaktiv</strong>


EIN ZARTES GRÜNEN<br />

VERLEIHT NASENFLÜGEL<br />

Eine neue Brille für Ausdauersportler hat RED BULL SPECT<br />

EYEWEAR am Markt, eigentlich sogar zwei. Die Modelle<br />

FLOW und PACE haben einen baugleichen Rahmen, aber<br />

unterschiedliche Scheibenformen: „Flow“ mit tiefer gezogener<br />

Stirnpartie, „Pace“ mit höherer Front. Was beide Varianten<br />

gemeinsam haben, ist das völlig neuartige Flow-System.<br />

Durch die Loslösung der Brillenscheibe (Linse) vom<br />

Rahmen wird der Effekt eines freischwebenden Brillenglases<br />

erzeugt. Die flexiblen Rahmenteile lassen die Scheibe<br />

bei Erschütterungen frei auf- und abfedern. Beim Laufen am<br />

Anfang etwas ungewohnt, der Laufstil profitiert aber davon.<br />

Das Pace-Modell ist perfekt fürs Rennrad und Biken. Beide<br />

kosten je UVP € 149,–<br />

Die Brille ist extrem leicht (Flow 28 Gramm, Pace 30 Gramm)<br />

und in bislang ungeahntem Maße anpassbar. Die Nasenauflagen<br />

können um gut 15 mm verschoben und mit den flexiblen<br />

Nasenpads in die gewünschte Position gedrückt werden.<br />

Auch die gummierten Bügelspitzen sind dank<br />

Drahtkern formbar. Mit dem S°Lock-Schnellwechsel-System<br />

kann easy zwischen getönter Scheibe und mitgelieferter<br />

Klarsichtscheibe gewechselt werden.<br />

Die französische Marke VEJA fertigt Freizeitschuhe – bisher<br />

zumindest. Denn jetzt gibt es auch den ersten richtigen<br />

Veja-Sportschuh, den Laufschuh Condor. Was Freizeitschuhe<br />

und der neue gemeinsam haben, ist der besonders ökologische,<br />

nachhaltige Ansatz. Der Condor wird als weltweit<br />

erster „Post Petroleum“-Laufschuh vermarktet und bekam<br />

als solcher auf der weltgrößten Sportmesse ISPO auch<br />

gleich einen Award im Laufschuhbereich.<br />

Das Testexemplar sticht also aus der Masse heraus. Es<br />

kommen jede Menge Recyclingmaterialien, ökologisch<br />

angebaute Baumwolle (Innenschuhe), aber auch exotisch<br />

klingende Rohstoffe wie Reisabfälle, Bananenöl und<br />

Zuckerrohr (in der Zwischensohle) zum Einsatz. Nachteil<br />

merkt man keinen: weder, wenn man den Schuh aus der<br />

Schachtel nimmt und begutachtet noch beim Reinschlüpfen<br />

noch beim Tragen im Alltag und auch nicht beim<br />

Laufen. Der Condor fühlt sich etwas härter an als mancher<br />

aktuelle Laufschuhkonkurrent, aber da gibt es ja unterschiedliche<br />

Philosophien und Vorlieben.<br />

Veja hat jedenfalls nicht einfach seinen Freizeitschuhen eine<br />

Laufschuhoptik verpasst, sondern viel Entwicklungsarbeit in<br />

den Schuh gesteckt und auf das Know-how von erfahrenen<br />

Laufschuhentwicklern zurückgegriffen – wurde beim Veja-<br />

Stand auf der ISPO versichert. Optisch ist der Schuh fesch,<br />

gerade in Blau-Türkis, dabei eigenständig und sogar alltagstauglich.<br />

Und mit € 140,– ist er auch nicht teurer als<br />

gängige Laufschuhe. Wäre schön, wenn der Übergang ins<br />

postfossile Zeitalter überall so klaglos funktioniert.<br />

Fazit: Der Schreiber dieser Zeilen hat eine etwas – sagen<br />

wir höflich – „komplexe“ Nasenform. Noch nie ist auf seinem<br />

Riechorgan eine Brille besser gesessen. Die flexiblen<br />

Nasenflügel sind ein Hit, optisch und funktionell sind die<br />

Brillen von Red Bull sowieso in der Königsliga daheim.<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

29


SHAKE DICH SLIM<br />

Abnehmen mit Geschmack:<br />

PEEROTON Slim Shake lässt erste<br />

Resultate schon nach 14 Tagen<br />

sehen. Der Jo-Jo-Effekt wie bei<br />

einer klassischen Diät bleibt aus.<br />

Es ist einfach in der Anwendung<br />

und schmeckt lecker nach Vanille<br />

oder Schoko und ist zudem ein<br />

idealer Mahlzeitenersatz.<br />

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umweltfreundliche, nachhaltige Produkte.<br />

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setzt die kalifornische Marke jetzt zu 100<br />

Prozent auf die Recyling-Faser Econyl.<br />

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Mineralwasser mehr<br />

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Calcium enthält als Ihres?<br />

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Magnesium<br />

Calcium<br />

Long Life 194,60 273,10<br />

Magnesia 170,00 37,40<br />

Sicheldorfer 87,30 175,10<br />

Römerquelle 63,00 132,00<br />

Vöslauer 40,70 112,00<br />

Peterquelle 39,00 159,00<br />

Preblauer 18,50 109,00<br />

Waldquelle 13,60 77,50<br />

Angaben von jeweiligen Herstellern übernommen.


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Leistungselixier heißt der natürliche<br />

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mit knackigem Karamell-Nuss-Crunch in<br />

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Eis Peanut Crunch“ bietet 25 g Protein pro<br />

Becher, dazu weniger Fett und Kalorien –<br />

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Den Ferrari mit Billig-Fusel betanken?<br />

Das würde niemand tun. Mit dem<br />

menschlichen Körper verhält es sich<br />

ähnlich: Wird regelmäßig Sport<br />

betrieben, dann soll nur hochwertiger<br />

Treibstoff rein.<br />

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Genau darauf hat sich der Schweizer<br />

Sportnahrungshersteller SPONSER®<br />

spezialisiert: die wissenschaftlich konzipierten<br />

Produkte und der Erfahrungsaustausch<br />

mit Hochschulen, Spitzensportlern<br />

und Ärzten decken sämtliche<br />

Bedürfnisse von Athleten ab und stehen<br />

für höchste Funktion, Qualität und Verträglichkeit.<br />

Olympiasieger bis hin zum<br />

Freizeitsportler vertrauen darauf.<br />

Die SPONSER Sport Food AG<br />

besteht seit 1988. Als Schweizer Branchenleader<br />

sorgt sie laufend für Innovationen.<br />

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Mitarbeiter mit ausgeprägtem<br />

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Kraftsport, Fitness oder Lifestyle:<br />

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verfügt SPONSER® über eine breite<br />

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<strong>SPORTaktiv</strong><br />

31


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Foto: ©Jorge Antonio / iStockphoto<br />

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Training – Menschen – Material<br />

Fotos: Dynafit, London Martahon, Rainer Predl/FB<br />

HERBST STATT FRÜHJAHR<br />

Egal, ob Rom, Paris, Barcelona<br />

oder London – alle großen City-<br />

Marathons, die im Frühjahr stattfinden<br />

hätten sollen, wurden vorsorglich<br />

in den Herbst verlegt.<br />

worldmarathonmajors.com<br />

70 KILOMETER IN DER KÜCHE<br />

Die Coronakrise macht Sportler kreativ.<br />

Der Niederösterreicher Rainer<br />

Predl etwa ist 70 Kilometer rund um<br />

seinen Küchentisch gelaufen. Das<br />

sind 11.024 Runden in 13 Stunden ...<br />

www.rainerpredl.com<br />

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Bergausdauerspezialist Dynafit<br />

sucht wieder 20 Trailheroes aus<br />

Österreich und Deutschland. Mitmachen<br />

können Hobbysportler, die<br />

auf Trails unterwegs sind. Alle Infos:<br />

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<strong>SPORTaktiv</strong><br />

33


180 SCHRITTE PRO MINUTE<br />

GELTEN ALS IDEALE SCHRITT-<br />

FREQUENZ BEIM LAUFEN – HÖRT<br />

MAN ZUMINDEST OFT. WAS<br />

IST DRAN AN DIESER THEORIE?<br />

WELCHE SCHLÜSSE KÖNNEN<br />

HOBBYLÄUFER DARAUS ZIEHEN?<br />

VON CHRISTOF DOMENIG<br />

DEM<br />

MYTHOS<br />

AUF DER SPUR<br />

180<br />

Das ist schon zackig. In der<br />

Musik sind 180 Beats pro<br />

Minute, drei pro Sekunde,<br />

eindeutig auf der schnellen<br />

Seite. Manche Läufer-Playlists<br />

im Internet werden nach dem<br />

180er-Beat zusammengestellt, Katy<br />

Perrys „Roar“, Papa Roachs „Last Resort“<br />

oder Michael Jacksons „They<br />

don’t care about us“ wirft Google als<br />

dafür passende Laufsongs aus. Also<br />

einfach mal die Laufschuhe anziehen,<br />

Kopfhörer aufsetzen und mit den<br />

Schritten mittrommeln.<br />

Ob man so die Laufstrecke ideal<br />

rockt? In Triathlonkreisen zum Beispiel<br />

wird Schrittfrequenz 180 manchmal<br />

als geradezu mythische Zahl angesehen.<br />

Die Schrittfrequenz (auch „Kadenz“<br />

genannt) ist aber auch deswegen<br />

stärker ins Blickfeld gerückt, weil heute<br />

fast alle Sportuhren mit Bewegungssensoren<br />

ausgestattet sind und den<br />

Durchschnittswert nach Laufrunden<br />

anzeigen. Eine 180er-Frequenz erreichen<br />

nur wenige Hobbyläufer, üblich<br />

sind eher 160. Oder noch weniger.<br />

Der Schluss, der auch in Trainings-<br />

Apps öfters einprogrammiert ist: Die<br />

Schritte seien „zu lang“, es wird zu<br />

stark „über die Ferse“ gelaufen, Energie<br />

gehe beim Auftritt verloren. Der<br />

Laufstil sei insgesamt unökonomisch<br />

und der Fersenauftritt ungesund, weil<br />

gelenksbelastend. Höchste Zeit, an seiner<br />

Schrittfrequenz zu arbeiten. Und<br />

sich dem Ziel 180 anzunähern.<br />

Zwei unserer Lauf experten, Kurt<br />

Steinbauer und Stefan Spirk, sehen solche<br />

Pauschalempfehlungen durchaus<br />

kritisch. Weil sie unzulässig vereinfachen.<br />

Die wissenschaftliche Studienlage<br />

zur Schrittfrequenz ist jedenfalls widersprüchlich:<br />

180 galt lange als<br />

durchschnittliche Anzahl von Bodenberührungen<br />

unter Topathleten. Ob<br />

das auf Freizeitläufer einfach umzulegen<br />

ist, darf hinterfragt werden. Eine<br />

noch recht junge finnische Studie hat<br />

außerdem festgehalten, dass es auch<br />

unter Weltklasseathleten sehr unter-<br />

Fotos: iStock, Kurt Steinbauer, Stefan Spirk<br />

34 <strong>SPORTaktiv</strong>


schiedliche Schrittfrequenz-Typen gibt. In der<br />

Marathon-Weltklasse (Läufer mit Laufzeit unter<br />

2:08 Stunden) reiche das Spektrum von<br />

156 bis zu 187 Schritten pro Minute, zitierte<br />

das Magazin „Runner’s World“ aus der finnischen<br />

Studie von Eeli Paunonen.<br />

Kurt Steinbauer kennt eine weitere interessante<br />

Untersuchung: In einem<br />

10.000-m-Rennen mit Weltrekordhalter<br />

Kenenisa Bekele wurde festgestellt, dass drei<br />

Topleute mit drei deutlich unterschiedlichen<br />

Schrittfrequenzen das Rennen bestritten:<br />

Einer hochfrequent, einer mit niedriger<br />

Kadenz und einer mit mittlerer. Im Finish<br />

setzte sich jener Läufer durch, der in der<br />

Lage war, sein Tempo über die Schrittfrequenz<br />

noch zu beschleunigen – und nicht<br />

jener, der schon das gesamte Rennen mit<br />

hoher Frequenz bestritten hatte.<br />

Kurze versus lange Schritte<br />

Grundsätzlich gesprochen gibt es mit<br />

Schrittlänge und Schrittfrequenz also zwei<br />

„Stellschrauben“, um die Laufgeschwindigkeit<br />

zu regulieren. Was besser ist – hohe Frequenz<br />

und eher kurze Schritte, oder niedrigere<br />

Frequenz und eher längere Schritte –<br />

das lässt sich pauschal nicht beantworten.<br />

MAG. KURT<br />

STEINBAUER<br />

ist Sportwissenschafter,<br />

Leistungsdiagnostiker und<br />

Lauftrainer in Graz und<br />

Deutschlandsberg (St).<br />

www.spiritofsports.at<br />

MAG. STEFAN<br />

SPIRK<br />

ist Sportwissenschafter<br />

und Leistungsdiagnostiker<br />

sowie Athletik- und<br />

Volleyballtrainer in Graz.<br />

www.sportchirurgieplus.at<br />

Dass Schrittfrequenz 180 jedoch auch bei<br />

langsamem Tempo grundsätzlich möglich<br />

ist, zeigt sich im Extremen an der japanischen<br />

„Slow Jogging“-Bewegung (siehe:<br />

www.slowjogging.de). Selbst Laufeinsteiger<br />

sollen dabei mit 180 bis 190 Schritten pro<br />

Minute laufen – im Geh tempo und mit<br />

Mini-Trippelschritten. „Slow Jogging“ soll<br />

einen erhöhten Muskeleinsatz und damit<br />

Kalorienverbrauch im Vergleich zum<br />

(gleich schnellen) Gehen bringen, bei zugleich<br />

extrem geringer Stoßbelastung. „Das<br />

stimmt alles schon“, meint Stefan Spirk,<br />

„dafür schränkt man sich mit so einem<br />

Laufstil in seinem Bewegungsumfang extrem<br />

ein. Und eingeschränkte Beweglichkeit<br />

erhöht wiederum erst recht die Verletzungsanfälligkeit.“<br />

Den generellen Schluss, kurze Schritte<br />

seien besser als lange, weil damit der Fersenauftritt<br />

vermieden wird, können Steinbauer<br />

und Spirk auch nicht unterschreiben:<br />

„Nachdem beim Fersenauftritt in einer dynamischen<br />

Laufbewegung das Bein schon<br />

in der Rückwärtsbewegung ist, ist die Stoßbelastung<br />

bei Weitem nicht so groß, wie es<br />

oft dargestellt wird. Auch das gern gebrachte<br />

Argument des Energieverlusts durch den<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

35


STATT DIE SCHRITTFREQUENZ<br />

EINFACH ZU ERHÖHEN, SOLLTE<br />

ES DAS ZIEL VON LÄUFERN SEIN,<br />

DIE SCHRITTLÄNGE WIE AUCH DIE<br />

FREQUENZ ÖFTER ZU VARIIEREN.<br />

‚bremsenden‘ Fersenaufsatz ist damit<br />

nicht haltbar. Bewiesen ist vielmehr,<br />

dass die Verletzungsgefahr höher ist,<br />

wenn man sehr hochfrequent über den<br />

Vorfuß läuft“, sagt Steinbauer. Nicht<br />

umsonst habe Haile Gebrselassie beim<br />

Wechsel vom 10.000-m-Bahnlauf zum<br />

Marathon vom Vorfußlaufen auf einen<br />

„abrollenden“ Stil umgelernt.<br />

Andererseits gebe es natürlich auch<br />

Läufer, die mit zu langen Schritten<br />

(und daher zu geringer Frequenz) laufen<br />

und damit ihrem Körper hohe<br />

Stoßbelastungen zumuten. Eine<br />

Schrittfrequenz von 160 sei wohl als<br />

unterer Bereich, der noch empfohlen<br />

werden kann, anzusehen, sagt Steinbauer.<br />

So wie 195 wohl eine Obergren-<br />

TRAININGS- TIPPS<br />

Mit Sportuhren lässt sich die Schrittfrequenz heute einfach messen, sonst kann man auch so vorgehen: Dreimal<br />

eine Minute auf einer ebenen Strecke laufen und die Zahl der Auftritte mitzählen. Mit dem ermittelten Durchschnittswert<br />

hat man einen passablen Anhaltspunkt.<br />

Um seinen Laufstil auf eine höhere Schrittfrequenz umzustellen, empfiehlt Kurt Steinbauer, zunächst auf die<br />

Laufbahn zu gehen und zu versuchen, 1000-m-Läufe mit einer höheren Frequenz zu bestreiten. Selbst wenn das<br />

Lauftempo dabei nicht über dem Gewohnten liegt, wird die körperliche<br />

Belastung zunächst erhöht sein: „Man verlässt seine Komfortzone“, sagt<br />

Stefan Spirk – doch auf Sicht bringt jeder Ausbruch aus den „eingefahrenen“<br />

Mustern Vorteile.<br />

Durchs Laufen im Gelände statt auf der Straße erhöht sich auch meist bereits<br />

die Schrittfrequenz. Und auch mit Musik mit 180 bpm zu laufen, kann<br />

hilfreich sein.<br />

Um eine bessere Laufleistung zu erreichen, sollte aber auch eine<br />

Schrittlängen entwicklung in Betracht gezogen werden. Das funktioniert<br />

über muskuläre Entwicklung, aber auch Technikübungen wie den Sprunglauf.<br />

Nur zur Veranschaulichung, welches Potenzial in der Schrittlänge<br />

steckt: Weltklassemarathonläufer unterscheiden sich von Hobbyathleten<br />

in erster Linie durch ihre 1,80 bis 2 Meter langen „fliegenden“ Schritte ...<br />

36 <strong>SPORTaktiv</strong>


ze sei, über der ein Laufstil im Dauerlauf<br />

zu energieraubend werde. Aber<br />

eben nicht pauschal. Die Lauftechnik<br />

müsste beachtet werden, der muskuläre<br />

Zustand sowie jener des Bindegewebes<br />

und etliche weitere Faktoren.<br />

Wenn die Uhr einem Hobbyläufer<br />

nach dem Long Jog eine Schrittfrequenz<br />

von 155 bescheinige und dieser<br />

seit vielen Jahren beschwerdefrei laufe,<br />

dann müsse sich dieser keine akuten<br />

Sorgen wegen zu hoher Stoßkräfte<br />

machen. Was sich stattdessen empfehlen<br />

lasse: In einem Laufseminar mit<br />

einem qualifizierten Trainer den Laufstil<br />

im Gesamten anschauen und danach<br />

bei Bedarf an einer Verbesserung<br />

arbeiten. Wenn nötig, auch der<br />

Schrittfrequenz.<br />

Variation gefragt<br />

Bei all dem lässt sich dennoch eines<br />

auch ganz allgemeingültig festhalten:<br />

Mit seiner Schrittfrequenz ebenso wie<br />

mit seiner Schrittlänge zu experimentieren<br />

und beides im Training öfters<br />

zu variieren, zahlt sich für jeden Läufer<br />

aus. Unabhängig von der Leistungsklasse.<br />

Das Schlüsselwort heißt<br />

eben: Variation. „Statt die Schrittfrequenz<br />

einfach zu erhöhen, sollte es<br />

Ziel von Läufern sein, sowohl die<br />

Schrittlänge als auch die Frequenz zu<br />

variieren – und das dann auch jederzeit<br />

abrufen zu können“, bilanziert<br />

Steinbauer. Wie man dorthin kommen<br />

kann, lest ihr im Kasten.<br />

Die Praxis vieler Hobbysportler<br />

zeigt übrigens, dass bei schnellerem<br />

Lauftempo automatisch auch die<br />

Schrittfrequenz mit ansteigt. Weil für<br />

eine Tempoerhöhung über längere<br />

Schritte zuerst die muskulären Voraussetzungen<br />

gegeben sein müssen<br />

und eine Tempobeschleunigung über<br />

die Frequenz grundsätzlich leichterfällt.<br />

Letztlich gilt wie stets im Sport:<br />

Abwechslung hilft, weil man so unterschiedliche<br />

Strukuren und Muskelgruppen<br />

erreicht und ganz generell<br />

den Körper auf unterschiedliche Art<br />

und Weise belastet. Weil sie ständig<br />

neue Trainingsreize bietet, Läufer vielseitiger<br />

macht und die individuellen<br />

Möglichkeiten erweitert. Jede Form<br />

von Gleichförmigkeit stumpft ab und<br />

verhindert ab einem gewissen Punkt<br />

den Trainingsfortschritt. Und das gilt<br />

auch so bei der Schrittfrequenz: Abwechslung<br />

ist gefragt – statt immer<br />

nur 160 oder auch „nur“ 180.<br />

Runners<br />

Challenge<br />

mit Christoph Sumann<br />

<strong>SPORTaktiv</strong> 37<br />

businesslauf.run<br />

© Lucas Pripfl Photography/alektodesign.at<br />

Schüler- &<br />

Lehrlingsrun<br />

16. JUNI <strong>2020</strong><br />

RED BULL RING<br />

SPIELBERG<br />

Jetzt anmelden auf


ACHT BRÜCKEN UND EIN HEXENKESSEL<br />

Seinen runden 20. Geburtstag wird der Leobersdorfer<br />

Fortuna Brückenlauf angesichts Corona erst 2021 feiern.<br />

NIEDERÖSTERREICH. Mehr als 2000 Läufer werden am<br />

1. Mai 2021 in Leobersdorf erwartet und noch mal so viele<br />

Fans werden die Läufer über die 10 km und alle acht Ortsbrücken<br />

pushen. Alle Finisher bekommen einen Laufgürtel<br />

geschenkt. Viel Spaß versprechen die McDonald’s Family<br />

Fun Days und die 3er-Staffel. Ein 5-km-Nordic-Walking<br />

sowie Jugendläufe stehen ebenfalls auf dem Programm.<br />

Gratis-Kaiserschmarrn, günstige Laufschuhe und buntes<br />

Bühnenprogramm gibt es beim Brückenläufer-Empfang<br />

mit Laufmesse am Vortag. www.brueckenlauf.at<br />

GGUT: GIB DIR DAS TRAILLAUF-ABENTEUER<br />

Der „Großglockner Ultra-Trail“ von 24. bis 26. Juli ist ein<br />

episches Abenteuer rund um Österreichs höchsten Berg.<br />

SALZBURG/OSTTIROL. Es ist Freitag, 24. Juli, kurz vor 22<br />

Uhr, Kaprun. Zart schimmern die Gletscher des Kitzsteinhorns<br />

im Mondlicht. Dorthin startet gleich das einzigartige<br />

Abenteuer im Herzen der Alpen. Voraus liegen 110<br />

km und 6500 hm auf der „Glocknerrunde“ rund um den<br />

Großglockner und durch die wunderschöne Hochgebirgslandschaft<br />

des Nationalparks Hohe Tauern. Auf Teilstrecken<br />

(zwischen 35 und 80 km) oder im Zweierteam kannst du<br />

auch Teile des großen Abenteuers einmal erleben.<br />

www.ultratrail.at<br />

Fotos: Großglockner Ultratrail/Wisthaler, Brückenlauf<br />

HAPPY BIRTHDAY, MOMENTUM!<br />

10 years of success: Der hochfunktionale ANITA ACTIVE Sport-<br />

BH momentum feiert heuer seinen zehnten Geburtstag.<br />

Er feiert in einer stylishen neuen Farbe: Iconic Grey.<br />

Schaut toll aus: Das Obermaterial aus metallisch glänzender<br />

Funktionsware schimmert edel und sorgt gemeinsam<br />

mit dem Innenfutter aus feuchtigkeitsabsorbierendem und<br />

-transportierendem Frottee für ein ausgeglichenes Körperklima.<br />

Der momentum besticht darüber hinaus durch weitere funktionale<br />

Details: atmungsaktive Netzqualitäten auf der Rückenpartie für einen<br />

ultraleichten Tragekomfort sowie nahtlos<br />

geformte, extraweiche Cups, die Bewegungen<br />

der Brust auf ein Minimum reduzieren.<br />

Erhältlich in Cup A-H.<br />

Foto: Anita Acitve<br />

TESTERINNEN GESUCHT<br />

5 Leserinnen können einen Anita<br />

Active Sport-BH testen. QR-Code<br />

scannen und anmelden, die<br />

Schnellsten kommen zum Zug!<br />

www.anita.com/active<br />

38 <strong>SPORTaktiv</strong>


WÖRTHERSEE<br />

HALBMARATHON<br />

Sommergenuss und einzigartige Urlaubsstimmung im Süden<br />

Österreichs erwartet tausende Laufbegeisterte bei der<br />

19. Auflage von Kärnten Läuft vom 21. bis 23. August <strong>2020</strong>.<br />

Frühbucher laufen günstiger, also gleich unter<br />

www.kaerntenlaeuft.at anmelden.<br />

Freitag,<br />

21. August <strong>2020</strong><br />

Gernot Kulis<br />

Kostenloses Kabarett<br />

in der Kärnten Läuft<br />

Running City.<br />

Ein Event von<br />

Anmeldung unter<br />

www.kaerntenlaeuft.at<br />

WO DER SPORT DIE NR. 1 IST<br />

Wörthersee


PODOSKOP,<br />

PRONATION,<br />

PROBELAUFPODOSKOP,<br />

RONATION,<br />

ROBELAUF<br />

Fotos: Gernot Eder, Klaus Molidor, wemove Runningstore<br />

40 <strong>SPORTaktiv</strong>


SCHUHE, SCHUHE, SCHUHE. 18 LAUFSCHUH-<br />

MARKEN ZÄHLT DER MARKT. WIE FINDET MAN<br />

BEI DER SCHIER UNBEGRENZTEN AUSWAHL<br />

DEN RICHTIGEN? DIE BERATUNG MACHT’S.<br />

WORAUF ES DABEI ANKOMMT.<br />

VON KLAUS MOLIDOR<br />

Aller Anfang ist nackt.<br />

Idealerweise. Denn<br />

vor dem Anziehen eines<br />

Laufschuhs steht<br />

einmal das Ausziehen<br />

der Alltagsschuhe und Socken.<br />

Und dann geht es auf das Podoskop.<br />

„Das ist eine Glasplatte, unter<br />

der Spiegel angebracht sind“,<br />

erklärt Werner Lichtenwörther<br />

vom „Wemove Runningstore“ in<br />

Wien. Seit 20 Jahren ist der Niederösterreicher<br />

schon in der Branche<br />

tätig. „Mit dem Podoskop<br />

sieht man auf die Unterseite der<br />

Füße und kann über den Abdruck<br />

schon einmal sehen, wie Längsund<br />

Quergewölbe des Fußes beschaffen<br />

sind und wie es um die<br />

Beinachse bestellt ist.“<br />

So beginnt eine Beratung, wenn<br />

Leute im Geschäft den Wunsch<br />

nach einem Laufschuh äußern.<br />

„Das machen wir eigentlich immer.<br />

Auch bei Stammkunden, die<br />

schon viele Jahre laufen, denn diese<br />

Parameter können sich über die<br />

Jahre durchaus ändern“, sagt Lichtenwörther.<br />

Neben dem statischen<br />

Befund der Füße kommt, wie<br />

beim Arzt, eine Art Anamnesegespräch<br />

dazu. Also: Wie viel jemand<br />

läuft, auf welchem Untergrund,<br />

in welchem Tempo und<br />

welche Ziele er oder sie verfolgt.<br />

„Danach habe ich schon ein Spektrum<br />

an Schuhen im Kopf, die ich<br />

dem Kunden vorschlagen kann.“<br />

Auf den statischen folgt der dynamische<br />

Befund. Sprich: Man<br />

läuft vor einer Kamera, die auf die<br />

Beine fokussiert ist, ein paar Meter.<br />

„Dabei schauen wir nicht nur,<br />

wie der Fuß aufsetzt und was das<br />

Sprunggelenk macht, sondern vor<br />

allem auch, was das Knie macht.“<br />

Der Abdruck auf dem Podoskop sagt<br />

schon einiges über den Läuferfuß aus.<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

41


Durch den dynamischen Befund<br />

sieht man dann genau, ob der Läufer<br />

eher einen Stabil- oder Neutralschuh<br />

benötigt. „Dafür geb ich immer<br />

Schuhe zum Probieren, die wenig<br />

Stütze haben. Dadurch sieht<br />

man besser, ob sie auch benötigt<br />

wird“, erklärt Lichtenwörther. Sonst<br />

würden viele Läufer bei einem Stabilschuh<br />

landen, ohne ihn wirklich<br />

zu benötigen. Zu viel Stütze kann<br />

auch falsch sein. „Das ist heute ganz<br />

anders als vor 10, 15 Jahren. Damals<br />

war es ein Verkaufsargument zu sagen,<br />

dass der Schuh eine starke Stütze<br />

hat.“<br />

In dieser Zeit wurde bei der Beratung<br />

auch hauptsächlich auf das<br />

Sprunggelenk geschaut. „Ist es nach<br />

innen gekippt, hieß es gleich: Stabilschuh“,<br />

erinnert sich der 42-Jährige.<br />

Erst vor ein paar Jahren hat sich die<br />

Doktrin geändert und es wird geschaut,<br />

ob das Knie gerade über<br />

dem Fuß bleibt. „Hat jemand<br />

O-Beine und geht das Knie tendenziell<br />

nach außen, gleicht die nach innen<br />

gerichtete Bewegung des<br />

Sprunggelenks das Ganze aus und<br />

du bist mit einem Neutralschuh bestens<br />

bedient.“<br />

Was den Stabilschuh-Boom ziemlich<br />

beendet hat. „Der hatte sicher<br />

auch damit zu tun, dass man auf<br />

Laufbändern mehr zur Pronation,<br />

also zum Nach-innen-Knicken neigt<br />

als auf der Straße“, sagt Lichtenwörther.<br />

Darum lässt er seine Kunden<br />

auch auf einer kleinen Laufbahn<br />

im Geschäft laufen. Das ist dann so,<br />

wie man selbst im Freien laufen<br />

würde, und keine Laborsituation.<br />

Die dynamische Analyse schränkt<br />

das Spektrum an möglichen Schuhen<br />

dann weiter ein. Schließlich<br />

bleiben vier, fünf Modelle übrig.<br />

„Am Ende entscheidet dann das Gefühl“,<br />

sagt Lichtenwörther. „Zu dem<br />

Zeitpunkt probierst du Modelle, die<br />

man von der Beratungsseite alle für<br />

WERNER<br />

LICHTENWÖRTHER<br />

ist Geschäftsführer vom<br />

Wemove Runningstore in<br />

Wien und seit 20 Jahren<br />

in der Branche tätig<br />

AUF DEM<br />

LAUFBAND<br />

NEIGT MAN<br />

MEHR ZUM<br />

NACH-INNEN-<br />

KNICKEN<br />

ALS AUF DER<br />

STRASSE.<br />

deinen Fuß, deinen Laufstil und<br />

deine Ambitionen empfehlen kann.<br />

Jeder empfindet aber etwas anderes<br />

als gut, bequem, richtig.“ Das lasse<br />

sich nicht über einen Kamm scheren.<br />

Einen Unterschied macht da<br />

auch die Schuhgröße. Es ist ein Unterschied,<br />

ob sich, sagen wir, 80 Kilogramm<br />

auf einen Schuh in Größe<br />

42 oder 46 verteilen. Da fühlt sich<br />

dasselbe Modell mal härter, mal<br />

weicher an.“<br />

Die richtige Schuhwahl braucht<br />

auch vor allem eines: Zeit. 30 Minuten<br />

sollte man dafür schon einplanen.<br />

„Es gibt aber auch Stammkunden,<br />

mit denen man sich über Trainings<br />

und Pläne unterhält, da<br />

kommt es schon vor, dass jemand<br />

auch eineinhalb Stunden hier ist.<br />

Einen Mythos entzaubert Lichtenwörther<br />

übrigens auch. Nämlich<br />

den, dass es sinnvoll ist, seinen alten<br />

Laufschuh zur Beratung mitzubringen.<br />

„Natürlich kann das interessant<br />

sein. Aber alle nutzen sich von der<br />

Außenseite der Ferse zuerst ab. Von<br />

der Abnützung auf einen Stil zu<br />

schließen, ist nicht wirklich möglich.<br />

Oder besser: Mit dem Podoskop<br />

und der dynamischen Analyse<br />

sieht man es viel besser.“<br />

42 <strong>SPORTaktiv</strong>


JEDER EMPFINDET<br />

ETWAS ANDERES<br />

ALS GUT, RICHTIG<br />

UND BEQUEM.<br />

Die große Konkurrenz zur ausführlichen<br />

persönlichen Beratung ist freilich<br />

das Internet. „Natürlich findest du jeden<br />

Schuh irgendwo im Netz mit Sicherheit<br />

billiger als im Fachhandel“, sagt Lichtenwörther.<br />

Dass sich Leute bei ihm im<br />

Geschäft beraten lassen und mit dem<br />

Wissen dann online bestellen, „kommt<br />

schon vor“, sagt er. „Aber zu einem sehr,<br />

sehr geringen Prozentsatz.“<br />

Manche Kunden kommen auch mit<br />

detaillierten Vorstellungen von einem<br />

Modell, weil sie sich im Internet schon<br />

ausführlich vorinformiert haben. „Das<br />

ist ein bisschen wie beim Autokauf“,<br />

schmunzelt Werner Lichtenwörther. In<br />

jedem Fall bittet er auch solche Kunden<br />

einmal über den Tellerrand zu blicken<br />

und zumindest ein zweites oder drittes<br />

Modell zu probieren. „Viele schwenken<br />

dann um.“<br />

Und nehmen einen Schuh mit nach<br />

Hause, den sie ausführlich ausprobiert<br />

haben und der ihnen nicht nur Spaß am<br />

Laufen bringt, sondern womöglich auch<br />

Verletzungen erspart. Weil er eben nicht<br />

nur für den Fuß passt, sondern auch<br />

zum Läufer.<br />

Bei der dynamischen Analyse zeigen sich Fußaufsatz, sowie<br />

Bewegung von Sprunggelenk und – ganz wichtig – Knie.<br />

BUFF ® is a registered trademark property of Original Buff, S.A. (Spain)<br />

www.buff.com<br />

www.epmsports.at


Hätte man es wissen müssen?<br />

Hätte ein Blick in den Streckenplan<br />

genügt? Hätte man<br />

über die rund 700 Höhenmeter informiert<br />

sein können, die auf der Strecke<br />

lauerten, wenn man sich nur früh genug<br />

darum gekümmert hätte? Aber wozu<br />

sich mit winzigen Details aufhalten,<br />

wenn es an einen der großen geopolitischen<br />

Brennpunkte geht? Jerusalem:<br />

Die 900.000-Einwohner-Stadt ist Wiege<br />

von Weltreligionen – und ihr Brandherd.<br />

Sie ist machtbewusste Metropole<br />

des Nahen Ostens – und eines seiner instabilsten<br />

Zentren. Sie ist Sehnsuchtsort<br />

von Gläubigen aus allen Teilen der Erde<br />

– und Schauplatz von wilden Verwünschungen.<br />

Zumindest an diesem<br />

März-Vormittag. Der Grund? Es geht<br />

bergauf. Schon wieder. Hätte man sich<br />

diese topografische Überraschung nun<br />

ersparen können? Ein deutliches: Naja.<br />

Zum einen war ein klares Streckenprofil<br />

vorab nicht zu bekommen. Zum anderen<br />

hätte man nur entweder die Bibel lesen<br />

(schon dort ist von sieben Hügeln<br />

die Rede, die zu Zeiten Jesu außerhalb<br />

der Stadtmauern lagen), von Kreuzworträtseln<br />

lernen (die Frage nach zumindest<br />

einem der Hügel ist Standard, meist Gareb,<br />

der Ölberg oder Golgota) oder einfach<br />

bei der Stadtführung am Tag vor<br />

dem Rennen aufpassen müssen.<br />

Fotos: Ingo Kutsche<br />

44 <strong>SPORTaktiv</strong>


42 Kilometer durch<br />

die Metropole<br />

dreier Weltreligionen.<br />

Der Jerusalem-Marathon<br />

ist<br />

alles andere als<br />

gewöhnlich.<br />

DIE KULISSE GEHÖRT ZU DEN HISTORISCH WUCHTIGSTEN<br />

DER WELT. DAS MACHT DEN JERUSALEM-MARATHON<br />

ZWAR NOCH NICHT ZU EINEM DER SCHÖNSTEN, ABER<br />

MIT SICHERHEIT ZU EINEM DER SELEKTIVSTEN STADT-<br />

MARATHONS. DAFÜR SORGEN KNAPP 700 HÖHENMETER.<br />

VON KLAUS HÖFLER<br />

KLAGEN<br />

ABSEITS DER<br />

KLAGEMAUER<br />

So aber ist es für einige der 4600 Läufer,<br />

die an diesem März-Freitag im Jahr<br />

1 v. C. (vor Corona) an den Start gehen,<br />

ein Blindflug. Ein Marathon an einem<br />

Freitag? Noch so eine Besonderheit.<br />

Aber es gelten die jüdischen Alltagsregeln:<br />

Freitagabend beginnt der Sabbat,<br />

vergleichbar mit „unserem“ Sonntag. Da<br />

wird für 24 Stunden das öffentliche Leben<br />

heruntergefahren, nicht gearbeitet,<br />

darf kein Feuer oder Licht oder Wärme<br />

gemacht, dürfen also auch keine elektrischen<br />

Geräte bedient werden. Marathonstart<br />

daher Freitagfrüh. Um sieben<br />

Uhr in der Früh. Der Tag schläft noch.<br />

Aber im Sacher-Garden, einer großzügigen<br />

Parkanlage mitten im Regierungsviertel<br />

herrscht schon Betriebsamkeit.<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

45


Viel Geschichte, viel bergauf,<br />

aber auch viele grandiose<br />

Ausblicke machen den Marathon<br />

in Jerusalem besonders.<br />

Die Knesset, das israelische Parlament,<br />

und das stattliche Gebäude des Gerichtshofs<br />

liegen in unmittelbarer Nähe.<br />

Gleich zu Beginn bekommt man einen<br />

Vorgeschmack auf das, was noch<br />

kommt: Hügel. Jener auf der Schleife<br />

rund um den Giv’at Ram-Campus der<br />

Hebräischen Universität und der Nationalbibliothek<br />

ist noch milde. Als Belohnung<br />

wartet eine schöne Aussicht auf<br />

die vom renommierten Architekten Santiago<br />

Calatrava gebaute Hängebrücke<br />

der Straßenbahn, wegen ihres Designs<br />

„Weiße Harfe“ genannt, und eine rasante<br />

Bergab- Passage Richtung New Gate.<br />

Bis vor 50 Jahren verlief hier die Grenze<br />

zwischen Jordanien und Israel. Die hier<br />

gutgemachte Zeit „frisst“ aber schon der<br />

nächste Anstieg.<br />

Linkerhand zunächst das Rathaus und<br />

dann ein Wohnviertel orthodoxer und<br />

ultraorthodoxer Juden. Sie schlendern<br />

desinteressiert am Sportgehechel draußen<br />

auf der breiten Allee auf den Gehsteigen<br />

dahin. Leicht zu erkennen an ihren<br />

dunklen, knielangen Mänteln samt<br />

weißen Hemden, mit großen, schwarzen<br />

Hüten und sich unter der breiten Krempe<br />

herausdrechselnden Locken.<br />

Es geht Richtung Norden, hinaus zum<br />

nächsten Uni-Campus: jenem der Hebrew<br />

University am Mount Scopus.<br />

Mount? Berg? Heißt nicht nur so, fühlt<br />

sich auch so an. Man will nicht klagen,<br />

aber einen echten Laufrhythmus zu finden,<br />

ist fast unmöglich. Motivation von<br />

Zuschauern zu tanken, ist in diesem Abschnitt<br />

der Strecke unmöglich. Es gibt<br />

nämlich so gut wie keine. Das liegt auch<br />

daran, dass die hier lebenden Palästinenser<br />

kaum Interesse am Lauf haben, bei<br />

der Premiere aus politischen Gründen<br />

sogar zu einem Boykott der Veranstaltung<br />

aufgerufen hatten. Zudem ist der<br />

Lauftag ein Freitag, der arbeitsfreie Tag<br />

der arabischen Bevölkerung. Da haben<br />

sie Besseres zu tun.<br />

DIE AUSBLICKE<br />

AUF DIE ALT-<br />

STADT UND<br />

DIE GOLDENE<br />

KUPPEL DES<br />

ISLAMISCHEN<br />

FELSENDOMS<br />

SIND EINZIG-<br />

ARTIG.<br />

Nur jede Menge Läufer begegnen einem<br />

entlang des breiten, als Pendelstrecke<br />

geführten Boulevards rauf zur Universität.<br />

Hinauf schnaufen sie, hinunter<br />

lächeln sie. Verständlich: Die Ausblicke<br />

auf die Altstadt und die in der Morgensonne<br />

funkelnde, stadtbildprägende goldene<br />

Kuppel des islamischen Felsendoms<br />

sind einzigartig.<br />

Und noch etwas sieht man hier deutlich:<br />

die enormen Sicherheitsvorkehrungen.<br />

Wie viel Personal Polizei, Militär<br />

und Sicherheitsdienste für die Veranstaltung<br />

abgestellt haben, verraten die Organisatoren<br />

nicht. Es dürften mehr sein,<br />

als man mit freiem Auge erkennen kann.<br />

Die, die man sieht, tragen dunkle Uniformen,<br />

martialische Sturmgewehre,<br />

schusssichere Westen – und ein Lächeln<br />

im Gesicht. Ein Foto? „Sure! Where are<br />

you from?“ Die Antwort erstaunt ihn.<br />

Als Österreicher scheint man unter den<br />

40.000 Teilnehmern aus 80 Nationen,<br />

die an diesem Laufwochenende (Kinderlauf,<br />

5k, 10k, Halbmarathon, Marathon)<br />

mitmachen, noch immer als Exot.<br />

Kein Wunder, sind ja auch nur 17<br />

Landsleute am Start.<br />

Nach dem Ausblick folgt der Einblick.<br />

Es geht – runter – Richtung Altstadt.<br />

Und das einzige Mal hinter die geschichtsträchtige<br />

Stadtmauer. Vorbei am<br />

muslimischen und christlichen Viertel,<br />

dem Davidsturm und der modernen<br />

Shoppingmall samt Hotel biegt man<br />

durch das Jaffa-Gate – hinauf – in eine<br />

46 <strong>SPORTaktiv</strong>


verwinkelte Gassen-Schikane im armenischen<br />

Viertel. Danach durchs Zion Gate wieder raus<br />

und wieder runter. Vorbei an König Davids<br />

Grabmal und dem Saal, wo das letzte Abendmahl<br />

stattgefunden haben soll. Dahinter, auf<br />

dem römisch-katholischen Franziskanerfriedhof<br />

am Berg Zion, liegt das Grab von Oskar Schindler<br />

– filmbekannter Menschenretter im Zweiten<br />

Weltkrieg. 3000 Jahre Geschichte auf engstem<br />

Raum. Nur dass sich dieser Raum halt nie eben<br />

zeigt. Man läuft hinunter, nur um unten mit einem<br />

Clown auf Stelzen und eifrig trillerpfeifenden<br />

und singenden Mädchen abzuklatschen und<br />

am Gegenhang wieder raufzulaufen. Keine Bestzeit<br />

jagen, sondern die Strecke mit den Augen<br />

genießen, hatte der Bürgermeister am Vortag geraten.<br />

Er kennt seine Stadt. Der Jerusalem-Marathon<br />

genießt nicht umsonst den Ruf eines der<br />

weltweit schwierigsten Citymarathons. Nach 30<br />

Kilometer wissen die Beine, warum. Dabei wartet<br />

die wahre Prüfung noch.<br />

Wieder zeigt der Höhenmesser nach oben.<br />

Entlang einer aufgelassenen Eisenbahnstrecke –<br />

heute ein lauschiger Spazierweg – schnauft man<br />

Richtung „First Station“, des alten Bahnhofsgebäudes,<br />

das heute ein Museum beheimatet. Irgendwo<br />

zwischen Kilometer 35 und 38, nach<br />

mühsamen Raus-und-wieder-rein-Passagen mit<br />

engen Wendepunkten und kleineren Kuppen,<br />

zeigt Jerusalems Hügellandschaft dann noch einmal,<br />

was sie kann. Und sie kann viel! An ein<br />

Laufen ist jetzt nicht mehr zu denken. Auch die<br />

folgende Downhill-Sektion bringt allerdings<br />

noch keine Erlösung. Bevor es zurück in den Sacher-Park<br />

und Richtung Zielgerade geht, fällt<br />

die Strecke immer wieder kurz ab, um nach der<br />

nächsten Kurve wieder knackig nach oben zu<br />

führen. Bestes Terrain für Intervalltraining, aber<br />

nicht am Ende eines Marathons.<br />

Aber dann! Nach knapp unter dreieinhalb<br />

Stunden eine letzte Unterführung. Der blaue<br />

Teppich der Zielgerade. Eine geballte Faust.<br />

Ein erleichtertes Lachen.<br />

3000 JAHRE GESCHICHTE<br />

AUF ENGSTEM RAUM. NUR<br />

DASS SICH DIESER RAUM<br />

HALT NIE EBEN ZEIGT.<br />

Kleine Zeitung<br />

Graz Marathon<br />

Der österreichische Herbstklassiker<br />

durch die Grazer Innenstadt!<br />

Sei dabei wenn es vom 9. bis 11. Oktober <strong>2020</strong><br />

heißt: „Pack die Laufschuhe und die<br />

Shoppingtasche ein!“<br />

Distanzen von 5 bis 42 km<br />

Kinder- und Jugendläufe<br />

Lauf-Urlaub-Packages für die ganze Familie<br />

Knapp 10.000 Teilnehmer und tausende Zuschauer<br />

Streckenführung durch die Innenstadt,<br />

vorbei an Sehenswürdigkeiten<br />

Einzigartige Stimmung durch „Hot-Spots“<br />

mit Musik, Tanz, u. v. m.<br />

Infos und Anmeldung: www.grazmarathon.at<br />

präsentiert von<br />

WO DER SPORT DIE NR. 1 IST


AUS<br />

PRO<br />

BIERT<br />

RUN<br />

LAUFEN IN WEISS-GOLD<br />

Love it or hate it. ASICS hat seinem neuen EvoRide-Schuh die<br />

Farbkombination Weiß-Gold spendiert – ja, auch für Herren.<br />

Doch der Reihe nach: Der EvoRide ist der Dritte im Bunde der<br />

„Ride“-Familie, die allesamt durch ihre gebogene Außensohlenlinie<br />

auffallen. So ähnlich wie die Rocker-Konstruktion bei<br />

den Skiern. Das soll besonders energieeffizientes Laufen ermöglichen.<br />

Die Biegung merkt man auch im Vergleich mit anderen<br />

Laufschuhen, das Abrollen fühlt sich besonders<br />

„rund“an.<br />

Der erste war der MetaRide, mit 250 Euro preislich im obersten<br />

Segment platziert. Im Vorjahr kam dann der GlideRide um 160<br />

Euro dazu – sozusagen der eher auf Hobbyläufer zugeschnittene<br />

Ableger des MetaRide, der besonders auf langen Strecken<br />

seine Stärken ausspielt. Und nun gibt es den EvoRide um 130<br />

Euro. Der jüngste hat eine etwas weniger stark gebogene Sohlenlinie<br />

als die beiden älteren „Brüder“ und wird vor allem für<br />

schnelle Trainingsläufe angepriesen. Er ist recht leicht und die<br />

Sprengung mit 5 mm gering.<br />

Auf meinen bevorzugt gemütlichen, langen Läufe war mir der<br />

GlideRide in Rot ein treuer Begleiter im Jahr 2019. Der aktuelle<br />

EvoRide fühlt sich ganz ähnlich an – um sein „schnelleres“ Potenzial<br />

zu erspüren, gibt es jedoch wohl geeignetere Tester.<br />

Angenehm ist das Tragegefühl, das vom Obermaterial ausgeht.<br />

Und damit noch einmal zur Farbe: I love it. Wer anders denkt,<br />

kann aus zwei weiteren Farbvarianten auswählen.<br />

EIN STRAHLEND WEISSER<br />

SCHUH, EIN SYMPATHISCHES<br />

SCHAF UND EINE SCHWARZE<br />

JACKE IN DER DUSCHE: DREI<br />

NEUE PRODUKTE FÜR LÄUFER<br />

IM PROBEGALOPP.<br />

VON CHRISTOF DOMENIG<br />

UND KLAUS MOLIDOR<br />

Fotos: Klaus Molidor, Christof Domenig<br />

48 <strong>SPORTaktiv</strong>


EIN HAUCH VON VOLLEM SCHUTZ<br />

DAS SCHAF ALS EHE-RETTER<br />

Es klingt wie der Beziehungsretter schlechthin: ein Shirt, das<br />

man trotz intensiver Beschwitzung durch körperliche Betätigung<br />

mehrmals hintereinander verwenden kann, ohne es zu<br />

waschen und vor allem ohne Geruchsbelästigung. Über Nacht<br />

auslüften, fertig. Merino heißt das Zauberding und ist ja längst<br />

nichts Neues mehr. Neu ist aber, dass es einen Hersteller aus<br />

Österreich gibt, der nichts in Plastik verpackt, alles in Europa<br />

herstellen lässt und die Wolle nur von Merino-Bauern bezieht,<br />

die auf Mulesing verzichten, also auf das narkoselose Entfernen<br />

der Haut rund um den Schwanz der Schafe. SCROC heißt<br />

die Firma, die auch die gesamte Produktionskette nachvollziehbar<br />

herzeigt. Also, rein in das blaue Shirt „Eterea“ um 59,90<br />

Euro. Auf der Haut ist es merinotypisch superweich, beim Laufen<br />

fühlt es sich großartig an. Nicht zu eng, nicht zu weit, nicht<br />

staubtrocken, nicht waschelnass. Nach einer Nacht im Freien<br />

folgt der Härtetest: die Nase der Chefin. „Geht noch“, sagt sie.<br />

Der Ritterschlag für die Wiederverwendung, Ehe gerettet. Wie<br />

viele Laufrunden das so geht, weiß ich noch nicht. Aber wenn<br />

eine Wäsche einspart wird mit einem nachhaltigen Produkt<br />

aus Österreich ist schon viel getan.<br />

Viele Gelegenheiten gab es nicht, die „ODLO Zeroweight Dual<br />

Dry“-Jacke auszuprobieren. Weil der Späterwinter und der<br />

Frühfrühling fast permanent den Regen verweigert haben. Also<br />

hab ich bei einem kurzen samstägigen Regenschauer die<br />

Chance beim Schopf gepackt: Ja, hält dicht.<br />

Der Clou der Jacke um € 249,95 (UVP) ist freilich nicht die<br />

Dichtheit allein, das können andere genauso. Bloß schmort<br />

man bei vielen wasserdichten Laufjacken im eigenen Schweiß,<br />

weil der nur mangelhaft nach außen verdampft. Nicht so hier:<br />

Die Kombination aus Wasserdichtheit und höchster Atmungsaktivität<br />

ist branchenführend, erklären die Schweizer stolz. In<br />

Zahlen: 20.000 mm Wassersäule bei 50.000 g/qm/24 h Dampfdurchlass.<br />

Odlo nennt die Kombination „Dual Dry Waterproof“:<br />

also doppelt trocken – von innen und außen. Für diese technologische<br />

Meisterleistung gab es heuer einen Gold Award auf<br />

der weltgrößten Sportmesse ISPO.<br />

Und dann ist da noch das „Zeroweight“ im Namen: Die<br />

schwarze Jacke ist unglaublich dünn und leicht. Ein Hauch von<br />

schwarzem Nichts, durch das sogar das <strong>SPORTaktiv</strong>-Logo des<br />

Shirts durchscheint. Weil der Schauer über Graz bald wieder<br />

vorbei war, hab ich mich übrigens danach noch probehalber in<br />

die Dusche gestellt, mit Jacke und frischem Shirt darunter,<br />

sanft aufgedreht und so den Regen simuliert. Das Shirt blieb<br />

trocken. Ja, hält dicht.<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

49


LÄNGER FRISCH<br />

Der Sonic 3 Accelerate ist ein<br />

neuer Roadrunning-Schuh von<br />

SALOMON. Im Mittelpunkt steht<br />

eine neue Technologie: [Opti.Vibe] soll<br />

Vibrationen um 15 Prozent reduzieren<br />

und damit die Ermüdung verzögern.<br />

www.salomon.com<br />

IMMER COOL<br />

Das stylishe „CoolNet UV+Tapered“-Headband<br />

von BUFF ® verfügt über eine intelligente<br />

Technologie zur Wärmeregulierung. Sie hält die<br />

Trägerin bei allen sportlichen Aktivitäten kühl und<br />

trocken und ist ein absolutes Must have für den<br />

kommenden Sommer.<br />

www.buff.com<br />

RUN<br />

NEWS<br />

SCHNELLE ENERGIE<br />

FÜR DIE MUSKELN<br />

Magnesium Sport plus Aminosäuren von DR. BÖHM<br />

kombiniert BCAA-Aminosäuren, Magnesium, Kalium,<br />

Vitamine und Spurenelemente im idealen Verhältnis.<br />

Es unterstützt beim Sport sowie bei der Regeneration<br />

danach. Hol’s dir in deiner Apotheke!<br />

www.magnesium-sport.at<br />

50 <strong>SPORTaktiv</strong><br />

BIS ZUM GIPFEL<br />

Die „DYNAFIT Glockner Ultra Gore-Tex Shakedry“<br />

Jacke ist eine technische Trailrunning-Jacke, die<br />

ultraleichte 150 Gramm wiegt. Sie ist wasserdicht<br />

und extrem atmungsaktiv und verfügt zudem<br />

über ein innovatives ZipOver-Rucksack-System mit<br />

Reißverschluss am Rücken.<br />

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Trailrunning-Schuh. Die Anpassung erfolgt in<br />

nur 20 Minuten direkt beim Fachhändler. Der<br />

Schuh garantiert jedem Trailrunner das gleiche<br />

Leistungsniveau und die ideale Passform,<br />

unabhängig von Geschlecht oder Anatomie.<br />

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Fotos: Hersteller


BIKE<br />

Technik – Menschen – Material<br />

Fotos: Manuel Hausdorfer/www.lime-art.at, Atticfilm, Armin Küstenbrück<br />

JAGD AUF 3. WELTREKORD<br />

Christoph Strasser jagt nach dem<br />

Weltrekord über 24 Stunden „Outdoor<br />

Track“. 1000 Kilometer will er<br />

mit 41,7 km/h Schnitt schaffen. Der<br />

Rekord von Marko Baloh steht bei<br />

890 km. Zwei andere 24-h-Rekorde<br />

(896, 941 km) hält Strasser bereits.<br />

www.christophstrasser.at<br />

STEILER ZAHN<br />

Echt steil! Mit einem speziell<br />

präparierten KTM-E-Bike mit<br />

Bosch-Antrieb und Spikereifen fuhr<br />

Ex-ÖSV-Coach Alexander Pointner<br />

den Aufsprung der Olympiaschanze<br />

in Seefeld hinauf – der ist bis zu<br />

33,5 Grad (= 66 %) steil.<br />

www.ktm-bikes.at<br />

DER STAR IN BAD GOISERN<br />

Das große Comeback: Sie holte EM-<br />

Gold, WM-Gold (auch im Marathon<br />

2004 in Bad Goisern), ist Olympiasiegerin.<br />

Nach ihrem Karrierende 2019<br />

lässt es sich Gunn-Rita Dahle-Flesja<br />

(NOR, 47) nicht nehmen, am 18. Juli<br />

wieder bei der Salzkammergut-Trophy<br />

zu starten. www.trophy.at


EIN DOWNHILL-BIKER UND<br />

EIN SKI-FREERIDER SETZEN<br />

SICH AUF IHRE RENNRÄDER<br />

UND FAHREN ALLES AB,<br />

WAS STEIL UND<br />

LEGENDENTRÄCHTIG IST.<br />

MANUEL GRUBER UND<br />

TOM KALCHER HABEN<br />

POSTKUTSCHEN, FERRARIS<br />

UND TEUFELSBRÜCKEN<br />

GESEHEN UND EINE<br />

MEDAILLE BEI EINEM<br />

RENNEN GEWONNEN,<br />

BEI DEM SIE GAR NICHT<br />

GESTARTET WAREN.<br />

VON CHRISTOPH HEIGL<br />

Manuel Gruber ist eigentlich<br />

Downhill-Mountainbiker,<br />

mit einer Silbermedaille<br />

von der Europameisterschaft<br />

2013 im Trophäenschrank.<br />

Tom Kalcher ist Gesellschafter einer<br />

Skischule am Niederalpl (St) und Freerider.<br />

Über ihre gemeinsame Ski-und<br />

Tourenleidenschaft haben sich die beiden<br />

Mürztaler kennengelernt und<br />

spontan ein Rennradprojekt auf die<br />

Beine gestellt: die schönsten Alpenpässe<br />

finden und befahren. „Ich bin als<br />

Downhiller immer schon Rennrad gefahren“,<br />

erzählt Gruber, „aber halt rein<br />

zu Trainingszwecken oder zum Sightseeing<br />

in den Wettkampforten.“ Kalcher<br />

ist ebenfalls Mountainbiker, Rennrad<br />

fährt er aber erst seit Herbst 2018, Pässe<br />

Fotos: Stefan Filzmoser<br />

waren Neuland für ihn. „Nach dem ersten<br />

Mal aufs Niederalpl hatte ich drei<br />

Wochen Fieber“, scherzt er.<br />

Rund 30 Alpenpässe in Österreich,<br />

Italien, Slowenien und der Schweiz<br />

sind die beiden im letzten Sommer abgefahren,<br />

manche von langer Hand geplant,<br />

andere ganz kurzfristig als Wochenendtrip.<br />

Elf Pässe innerhalb von<br />

fünf Tagen waren der Rekordwert des<br />

52 <strong>SPORTaktiv</strong>


KULTIGE KURVEN<br />

Abenteuers, das sich über zwei Monate<br />

erstreckte. Speziell trainiert haben die<br />

beiden Sportler nicht dafür, man muss<br />

aber erwähnen, dass vier-, fünfmal pro<br />

Woche Rad zu fahren für sie „normal“<br />

ist. Den Großglockner haben sie als<br />

ersten Gradmesser gewählt, mit<br />

Nockalmstraße, Predil und Nassfeld<br />

hat sich Gruber Richtung Westen vorgetastet.<br />

DIE TIPPS<br />

„Grundlagentraining ist natürlich wichtig“,<br />

sind sich die beiden bei den Tipps<br />

für Alpenpass-Neulinge einig. Speziell<br />

steile Steigungen zu trainieren, halten sie<br />

hingegen nicht für notwendig. „Es sind<br />

auch nicht alle bekannten Pässe automatisch<br />

steil, manche sind sehr angenehm<br />

zu fahren.“ Beim Radfahren hatten sie<br />

das Tagesgepäck „am Mann“ und am<br />

Rücken in den Trikottaschen, vor allem<br />

genug zu essen und – extrem wichtig –<br />

eine Radjacke für die Abfahrten. „Auch<br />

wenn es unten im Tal sommerlich heiß<br />

ist, bei den Abfahrten von 2000 Metern<br />

runter – vom Timmelsjoch etwa geht es<br />

30 Kilometer nur bergab – brauchst du<br />

immer eine Jacke“, weiß Gruber und berichtet<br />

von unerwartet großer Kälte und<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

53


MANUEL GRUBER<br />

aus Bruck (St) ist Downhill-<br />

Biker, Bikeguide, Trailbauer<br />

und Skilehrer.<br />

gefrorenen Fingern im Hochsommer.<br />

„Dir ist heiß, kalt, du hast Hunger, man<br />

muss damit rechnen, dass es ungemütlich<br />

wird.“ Ende der Saison muss man<br />

auch schon mit Straßensperren wegen<br />

Schneefall und Wintereinbruch rechnen.<br />

TOM KALCHER<br />

aus Mürzsteg (St) ist Gesellschafter<br />

der Skischule „Snowsports121“<br />

am Niederalpl (St) und Freerider.<br />

Als Tipp für Einsteiger empfehlen die<br />

zwei Steirer übrigens die Sella Ronda in<br />

Südtirol und Trentino. „Das sind nur 53<br />

Kilometer mit 1650 Höhenmetern um<br />

das ganze Sella-Massiv. Wunderschön<br />

und relativ flache Steigungen.“<br />

WAS IST DER REIZ?<br />

„Drei Stunden nur bergauf zu fahren, hat<br />

einen besonderen Reiz“, erklären sie. „Es<br />

ist ein Supergefühl, solche Bergetappen<br />

mit eigener Muskelkraft zu schaffen.“<br />

Zehn Kilometer auf Pflastersteinen<br />

durch geschichtsträchtige Landschaften<br />

zu kurbeln, zählt genauso zu den unvergesslichen<br />

Erlebnissen wie der Sprung in<br />

einen Dorfbrunnen oder das Abkühlen<br />

in der Etsch mitten in Meran. Weniger<br />

gut ist das Gefühl der Müdigkeit und die<br />

beginnt bei der Anreise in fern von Autobahnen<br />

gelegene Alpentäler. „Wenn du<br />

neun Stunden im Auto nach Andermatt<br />

sitzt und am nächsten Tag frische Beine<br />

brauchst, ist das nicht zu unterschätzen“,<br />

warnt Gruber. Bei der Wahl des Rennrades<br />

gingen sie mit leichten Modellen des<br />

Trek Emonda SL 7 auf Nummer sicher.<br />

„Essenziell in den Bergen sind für mich<br />

Scheibenbremsen“, sagt Gruber, „bei den<br />

langen Abfahrten sparen sie Kraft und<br />

WER SCHNICKSCHNACK WILL,<br />

SOLL AUTO FAHREN.<br />

bergamont.com


du kannst mit einem Finger bremsen.“<br />

Bergübersetzungen hatten sie nicht montiert,<br />

dafür je zwei 750-ml-Trinkflaschen<br />

mit. „Es gibt sehr viele Brunnen, wo<br />

man sich mit frischem Wasser versorgen<br />

kann.“ In den Trikots steckten Riegel,<br />

Gels und Bananen. Defekte hatten sie<br />

kaum, ein Patschen und ein leerer<br />

Di2-Schaltungsakku („Anfängerfehler,<br />

selber schuld“) waren schon alles. Die<br />

Strecken fuhren sie mit möglichst wenigen<br />

Stopps durch, für Foto- und Drohnenaufnahmen<br />

kamen sie später mit<br />

dem Auto zurück.<br />

Im Sommer ist viel los in den Bergen.<br />

„Motorräder, Oldtimer, Ferraris,<br />

911er-Karawanen, mich hat das aber nie<br />

gestört“, sagt Gruber. Und natürlich<br />

fahren sehr, sehr viele Radfahrer die Pässe<br />

ab. „Alte, Junge, Hobbyfahrer, Vollprofis,<br />

sogar das Elite-Team von<br />

Jumbo-Visma haben wir beim Training<br />

gesehen. Und interessanterweise kaum<br />

E-Biker.“ Grubers Highlight: Er kam an<br />

einem Pass unerwartet in den Zieleinlauf<br />

eines Schweizer Alpenbrevets, eine sehr<br />

beliebte Jedermann-Radrennserie. „Ich<br />

hab gleich gesagt, dass ich kein Teilnehmer<br />

bin, habe aber eine Finisher-Urkunde<br />

und eine Goldmedaille um den Hals<br />

bekommen, irre!“<br />

Besonders eingebrannt haben sich bei<br />

Gruber und Kalcher die Erinnerungen<br />

an drei „Legenden“ unter den Pässen,<br />

Gotthard, Stelvio und Zoncolan:<br />

GOTTHARDPASS<br />

SUI, 2107 Meter hoch, zwischen<br />

Andermatt und Airolo<br />

„Ich habe kurz davor zufällig im TV eine<br />

Doku über den Gotthardpass und seine<br />

Geschichte gesehen“, erzählt Gruber.<br />

Alles dann mit eigenen Augen zu erleben<br />

und zu begreifen, hat ihn nachhaltig<br />

begeistert. „Du siehst im TV diese<br />

wunderschöne alte Pferdepostkutsche,<br />

die mit Touristen fährt, und Tage später<br />

hörst du vor dir ihre Glocken läuten<br />

und die Pferdehufe auf den Pflastersteinen.<br />

Ich kannte den Hinweis: ‚Die<br />

Pferde immer bergseitig!‘ – also sind wir<br />

brav auf die andere Straßenseite<br />

ausgewichen.“ Auch die der Legende<br />

nach vom Teufel errichtete „Teufelsbrücke“<br />

und den genialen Trick der Urner<br />

Bevölkerung mit der Ziege kannte<br />

Gruber. Der Teufel hatte nämlich der<br />

Sage nach als „Belohnung“ für seinen<br />

Brückenbau eingefordert, dass der Erste,<br />

der die Brücke überquert, ihm gehöre.<br />

Ein schlauer Bauer hatte die Idee: Man<br />

schickte eine Ziege. Da hat der Teufel<br />

ziemlich gewütet, seine Brücke wieder<br />

zerstört und er ist zornig wieder in die<br />

Hölle abgedampft. „Wenn man den<br />

Background kennt, sind die Pflastersteine,<br />

die Postkutsche und die Teufelsbrücke<br />

noch viel geilere Erlebnisse.“<br />

3-Tages-Radtour vom Lungau bis Bad Radkersburg<br />

30.<br />

RADUMZUG<br />

Mehr Infos und Anmeldungen auf<br />

www.tour-de-mur.at<br />

11. bis 13. Juni <strong>2020</strong>


STELVIO<br />

Stilfserjoch, ITA, 2757 Meter hoch,<br />

zwischen Bormio und Prad<br />

„Der Stelvio ist einfach ein Klassiker“,<br />

schwärmt Kalcher über die ikonische<br />

Serpentinen-Orgie, die bis auf 2757<br />

Meter hinaufführt, der höchste Punkt<br />

ihrer Reise. „Ich habe beim Stelvio das<br />

große Leiden erwartet. Aber an diesem<br />

Tag hat meine Form gepasst, ich konnte<br />

es genießen.“<br />

ZONCOLAN<br />

ITA, 1750 Meter hoch, zwischen Ovaro<br />

und Sutrio, Option: die alte Ostauffahrt<br />

von Priola<br />

„Das war mit Abstand der steilste Pass<br />

und eine irre Quälerei“, schnauft<br />

Kalcher beim Gedanken an den Berg,<br />

der selbst den Profis des Giro d’Italia<br />

schon mehrfach alles abverlangt hat. „Zu<br />

Beginn der Steigung stehen ein paar<br />

DER NEUE TERMIN<br />

STEHT SCHON!<br />

Am Neusiedler See wäre Ende <strong>April</strong><br />

wieder die Freiluftsportsaison in<br />

Österreich eingeläutet worden. Neusiedler<br />

See Radmarathon, Lauftag<br />

und Zeitfahren finden nun stattdessen<br />

am 24./25 Oktober statt!<br />

Die aktuelle gesundheitliche Situation<br />

in Österreich und den Nachbarländern<br />

machte dem Event Ende <strong>April</strong> einen<br />

Strich durch die Rechnung. Aber aufgeschoben<br />

ist nicht aufgehoben: Am 24.<br />

und 25. Oktober geht nun das multisportliche<br />

Wochenende am Neusiedler<br />

See mit dem Radmarathon, dem Mörbischer<br />

Lauftag und dem Mörbischer<br />

Zeitfahren über die Bühne.<br />

Alle bisherigen Anmeldungen behalten<br />

ihre Gültigkeit. „Mit dem neuen<br />

Termin vermeiden wir Kollisionen mit<br />

ähnlichen Veranstaltungen. Außerdem<br />

herrscht Ende Oktober im Burgenland<br />

meist noch traumhaftes Wetter“, macht<br />

Organisator Johannes Heissenberger<br />

Lust, dem Event auch am Herbsttermin<br />

die Treue zu halten.<br />

Das Programm bleibt bestehen:<br />

Neben den Radfahrern sind also auch<br />

wieder die Läufer in der Weinmetropole<br />

Mörbisch im Einsatz. Alle dürfen sich<br />

auf ein wunderbares verlängertes Herbstwochenende<br />

im Burgenland freuen.<br />

MEHR INFOS<br />

www.neusiedlersee-radmarathon.com<br />

Foto: Neusiiedler See Radmarathon/Sportshot<br />

56 <strong>SPORTaktiv</strong>


Grabsteine, du fühlst dich wie an<br />

der Pforte zur Hölle“, sagt Gruber.<br />

„Und dort steht der Schriftzug:<br />

Leave all your hopes behind. Da<br />

weißt du, was es geschlagen hat.“<br />

Gleich der erste Kilometer hat es in<br />

sich und ist extrem steil. Kalcher:<br />

„Da glaubst, der Herrgott holt dich<br />

mit dem Lasso.“ Man müsse „sehr<br />

demütig“ hinfahren, sagt Gruber<br />

und seine Stimme klingt plötzlich<br />

wie die eines Priesters. „Wer den<br />

Zoncolan schafft, hat vor nichts<br />

mehr Angst.“ Mit einem Schnitt<br />

von 15,8 Prozent (max 23 Prozent)<br />

geht es über weite Strecken gen<br />

Gipfel. Kalcher erinnert sich genau,<br />

wie er oben schweißgebadet ankam.<br />

„Meine Radhose war wie aus der<br />

Waschmaschine. Ich habe getropft<br />

wie ein nasser Hund und war ganz<br />

grau im Gesicht.“ Der Zoncolan ist<br />

für ihn seitdem der Gradmesser.<br />

„Das Timmelsjoch und der<br />

Glockner sind Geschenke dagegen.“<br />

Mit Gotthard, Stelvio und Zoncolan haben Gruber und<br />

Kalcher ihre Top-3 eindrucksvoll beschrieben.<br />

In ihren persönlichen Top-10 der schönsten Pässe bzw.<br />

Runden stehen auch noch:<br />

4. Passo del Mortirolo (von Mazzo)<br />

1852 m hoch, Auffahrt 1258 hm, 11,4 km, 11 %<br />

5. Davos–Albulapass–Flüelapass-Davos<br />

2450 hm, 114 km<br />

6. Großglockner/Fuscher Törl<br />

1595 hm, 27 km<br />

7. Timmelsjoch (von St. Leonhard)<br />

1800 hm, 28,8 km, 6,5 %<br />

8. Kitzbüheler Horn<br />

1239 hm, 10,2 km, 12,3 %<br />

9. Mendelpass<br />

950 hm, 15,5 km<br />

10. Sella Ronda<br />

1620 hm, 53 km (Einsteigertipp)<br />

Als beendet sehen sie ihr Projekt noch keineswegs.<br />

„Noch lange nicht“, sind sie sich einig, „es gibt noch so<br />

viele Pässe zu fahren. Und den Zoncolan fahren wir ganz<br />

sicher auch noch von der anderen Seite.“<br />

ÜBER<br />

LEIDENSCHAFTEN<br />

1. Alfred, auch du startest heuer mit dem Rennrad<br />

in die Alpen. Wie schaut dein Projekt im Sommer<br />

im Detail aus?<br />

Anfang Juli geht es über die 10 großen Tour-de-<br />

France-Alpenpässe, von Nord nach Süd. Bergklassiker<br />

wie Col du Galibier, Alpe d’Huez, Col d’Izoard, der<br />

Col de la Bonette und der höchste Alpenpass, der Col<br />

d’Iseran (2764 m), werden mit vier Freunden erklommen.<br />

Die heurige Tour ist die Fortsetzung unserer<br />

Fernfahrt Kärnten–Rom aus dem Jahr 2018. Da mein<br />

Bruder mit dem Begleitauto dabei ist, können wir<br />

uns aufs Radfahren konzentrieren.<br />

2. Was reizt dich als Radfahrer<br />

besonders daran?<br />

Mehrtägige Radtouren verlangen<br />

sportlich und ernährungsseitig<br />

alles ab. Abends ist der Hunger<br />

unendlich, da wird geschlemmt<br />

wie bei den alten<br />

Römern. Die bleibenden<br />

Eindrücke mit gleichgesinnten<br />

Sportfreunden sind unbezahlbar<br />

und legendär.<br />

3. Gibt es eine spezielle<br />

Vorbereitung?<br />

Die 12.000 Höhenmeter der Tour verlangen<br />

eine Vorbereitung mit vielen Bergen,<br />

um einen leichten Rhythmus bei meiner 34/32-Übersetzung<br />

zu verinnerlichen. Ansonsten steht bei allen<br />

der Spaß im Vordergrund. Am Berg fährt dann sowieso<br />

jeder sein eigenes Tempo, um jegliche Über- oder<br />

Unterforderung zu vermeiden.<br />

4. Was war bislang das Schönste, was du am<br />

Rennrad erlebt hast?<br />

Dafür braucht es mehr als diese Spalte. Ganz oben<br />

steht das Fitbleiben in der Natur. Konkret eröffnete<br />

mir das Radfahren das Ausleben meiner Leidenschaft,<br />

die mich 2005 über Umwege sogar zu <strong>SPORTaktiv</strong><br />

brachte. Gemeinsame Ausfahrten mit Radhelden wie<br />

Mario Cipollini, Jan Ullrich, Peter Sagan oder das gemeinsame<br />

Entwickeln der mittlerweile schon legendären<br />

„Fuga300“ mit Paco Wrolich zählen klar zu<br />

meinen bisherigen Radhighlights.<br />

ALFRED BRUNNER IST GESCHÄFTSFÜHRER<br />

VON SPORTAKTIV UND LEIDENSCHAFT­<br />

LICHER RAD- UND RENNRADFAHRER.<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

57


WOHIN<br />

LÄUFT‘S?<br />

VIER REIFEN<br />

FUR EIN<br />

SAYONARA<br />

FABIO UND ELIAS SIND VON GRAZ<br />

13.643 KILOMETER NACH TOKIO GE-<br />

RADELT. 284 TAGE LANG HABEN SIE<br />

FÜRS LEBEN GELERNT, SIND VON<br />

BERGEN ÜBERRASCHT WORDEN,<br />

HABEN BANKOMATEN GESUCHT<br />

UND EINEN MILLIONÄR GEFUNDEN.<br />

VOR ALLEM ABER SIND SIE<br />

ERWACHSEN GEWORDEN.<br />

REIFEN AUF REIFEN SOZUSAGEN.<br />

VON KLAUS MOLIDOR<br />

FOTOS: ELIAS LANG, FABIO TRENN<br />

Der schönste Zeltplatz der<br />

Welt – so bezeichnen die<br />

beiden Tokio-Radler diese<br />

Stelle in Tadschikistan.<br />

Fotos: xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx<br />

58 <strong>SPORTaktiv</strong>


Die Veränderung ist mit freiem<br />

Auge sichtbar. Fabio trägt Vollbart,<br />

Elias fast schulterlanges<br />

Haar. Beim Start zu ihrem<br />

Graz-Tokio-Fahrradprojekt haben sie<br />

Bart und Kopfhaar komplett wegrasiert<br />

und die ganze Reise nicht nachgeschnitten.<br />

„Ich hab halt nahezu gar keinen<br />

Bartwuchs“, lacht Elias auf die Frage, ob<br />

er sich zwischendurch rasiert hat.<br />

Verändert hat sich aber natürlich nicht<br />

nur die Optik. Die beiden Burschen (Fabio<br />

ist 23, Elias 20 Jahre alt) sind nach<br />

wie vor jung, aber deutlich gereift unter<br />

13.643 Fahrradkilometern und einer 284<br />

Tage langen Reise durch 12 Länder. Aus<br />

den beiden Burschen sind Männer geworden,<br />

die ihren Lebensplan überdacht<br />

haben. „Ich wollte eigentlich Jus studieren“,<br />

sagt Fabio. „Unterwegs ist mir aber<br />

klar geworden, dass das nicht das Richtige<br />

ist und ich stattdessen Journalismus<br />

und PR machen werde.“ Elias wiederum<br />

hat die Reise in seiner Vorstellung bestärkt.<br />

„Ich will Schauspieler werden und<br />

bin mir jetzt noch sicherer, dass ich das<br />

machen werde.“<br />

Nicht verändert hat sich die Beziehung<br />

zueinander. „Wir sind immer<br />

noch Freunde“, sagen die beiden mit<br />

einem lauten Lachen. „Natürlich haben<br />

wir uns im Vorfeld überlegt, was passieren<br />

könnte und was wir machen, wenn<br />

es zu einem Streit kommt“, erzählt Elias.<br />

„Wir sind zu dem Schluss gekommen,<br />

dass es nichts bringt, wenn wir uns<br />

in die Haare kriegen“, ergänzt Fabio. Bei<br />

Meinungsverschiedenheiten sind sie<br />

dann einfach in einem Abstand von ein,<br />

zwei Kilometern gefahren – zum Ausdampfen.<br />

Körperlich sind die beiden völlig unvorbereitet<br />

losgefahren und sich im<br />

Rückblick sicher, dass es darauf auch gar<br />

nicht ankommt bei einem solchen Projekt.<br />

„Der Kopf muss stark sein“, sind<br />

sich beide einig. Sonst steht man nicht<br />

acht Tage im Dauerregen durch. Baut<br />

Abend für Abend im Regen das Zelt auf,<br />

legt sich in feuchten Dingen nieder. Immer<br />

und immer wieder.<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

59


Dafür ist mit jedem Tritt aufs Pedal<br />

das Gefühl der Freiheit größer geworden.<br />

„In Ungarn dann, nach dem Plattensee,<br />

war so eine Grenze, wo wir gespürt<br />

haben: Wow, jetzt sind wir weit<br />

gekommen. So weit, dass mich mein<br />

Vater nicht mehr einfach mit dem Auto<br />

abholen gekommen wäre“, sagt Elias.<br />

Erfrischend ist die völlige Naivität,<br />

mit der die beiden das Projekt angegangen<br />

sind. In den rumänischen Karpaten<br />

wurden sie von Bergen richtiggehend<br />

überrascht. „Wir haben ja nur auf<br />

Google Maps Start und Ziel eingegeben<br />

und sind diese Route dann nachgefahren“,<br />

sagt Elias. Auch in China geht<br />

es plötzlich tagelang auf einer Seehöhe<br />

von 3500 Metern dahin. „Wer weiß,<br />

ob wir das alles gemacht hätten, wenn<br />

wir gewusst hätten, was uns erwartet.“<br />

Immer wieder steht neben Radfahren,<br />

Zeltaufbauen, Kochen auch die Suche<br />

nach einem Bankomaten im Mittelpunkt.<br />

Sehr lange Zeit haben die beiden<br />

auch ohne Navi ihren Weg gesucht,<br />

wussten daher nicht, wie weit es<br />

noch bis zum nächsten Ort ist.<br />

Diese Phasen haben den Abenteurern<br />

aber durchaus positive Erfahrungen beschert.<br />

„Zum einen, dass man eben<br />

Leute ansprechen musste und sie um<br />

Hilfe bitten“, sagt Elias. Und eben<br />

nicht nach der ersten negativen Antwort<br />

oder Verständigungsschwierigkeiten<br />

die Flinte ins Korn werfen konnte.<br />

Zum anderen haben sie dadurch Unmengen<br />

an positiven Erfahrungen mit<br />

Menschen gemacht. „Fast auf der ganzen<br />

Reise haben wir extrem nette Menschen<br />

getroffen.“ Gastfreundschaft, so<br />

weit das Auge reicht. Die beiden erzählen<br />

von Attila in Ungarn, der sie auf<br />

der Suche nach einem Gasthaus kurzerhand<br />

bei sich aufgenommen und bewirtet<br />

hat. Selbstgebrannten Schnaps<br />

inklusive. In Charkow hatten sie ebenfalls<br />

einen Gastgeber, der dann wiederum<br />

in Wolgograd jemanden kannte,<br />

der die beiden auch bei sich wohnen<br />

ließ. „Das war die wohl surrealste Anekdote<br />

der Reise“ sagt Fabio. Der Gastgeber<br />

stellte sich als Millionär heraus,<br />

der sie in seiner Villa übernachten ließ<br />

und ihnen zum Abschied noch 2000<br />

Euro in die Hand gedrückt hat. „Der<br />

hat uns dann via Instragram verfolgt<br />

und als wir in Südkorea waren, angerufen,<br />

ob wir noch Geld brauchen.“<br />

Landschaftliches Highlight war dann<br />

der Pamir Highway, eine bei Radreisenden<br />

und Motorradfahrern sehr beliebte,<br />

wenn auch schlecht ausgebaute Strecke.<br />

Davon wurden die beiden – no na<br />

– überrascht. „Wir wussten weder, dass<br />

die Strecke so berühmt ist, noch, dass<br />

wir dort fahren werden.“ Tagelang radelten<br />

sie in Tadschikistan auf der Straße<br />

am Fluss dahin, am anderen Ufer<br />

beginnt Afghanistan. „Von dort haben<br />

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immer wieder Leute auf Eseln herübergewunken.<br />

Unvergesslich“, erinnern<br />

sich die Burschen.<br />

In China wurden sowohl Abenteuergeist<br />

als auch Durchhaltevermögen auf<br />

eine harte Probe gestellt. Kulinarisch<br />

gab es die eine oder andere Abwechslung<br />

zum Dauermenü Nudeln mit Gemüse<br />

bzw. Reis mit Gemüse in Form<br />

von Schlangen und gegrillten Skorpionen.<br />

Es gab aber vor allem die Erkenntnis,<br />

dass China wirklich anders ist als<br />

alles andere. „Und zwar komplett“, sagt<br />

Elias. In der Provinz Xinjiang – deren<br />

schlechter Ruf Fabio und Elias bereits<br />

erreicht hatte – gab es alle paar Kilometer<br />

Checkpoints an den Straßen. Jedes<br />

Mal mussten die beiden erklären, wer<br />

Endlose Weiten<br />

in Kasachstan.<br />

Oft mussten<br />

Fabio und Elias<br />

auch schieben.<br />

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Angekommen:<br />

Fabio (links) und<br />

Elias vor ihrem<br />

selbstgewählten<br />

Ziel, dem Tokio<br />

Tower.<br />

sie sind, was sie hier zu suchen haben,<br />

wohin sie wollen. Immer und immer<br />

und immer wieder. Die Checks haben<br />

sich oft viele Stunden hingezogen.<br />

„Wildes Campen sehen die dort auch<br />

gar nicht gerne“, erinnert sich Fabio an<br />

die Schwierigkeiten mit der Polizei<br />

nach einem Lagerplatz. „Dazu haben<br />

sich in Restaurants oft wildfremde Leute<br />

in Zivil einfach so zu uns gesetzt – es<br />

stellte sich heraus, dass es Polizisten waren,<br />

und das Fragespiel ging von vorne<br />

los. Oft wurden wir dabei gefilmt“, sagt<br />

Elias. „Da sind wir schon paranoid geworden.“<br />

Und das Abenteuer stand das<br />

erste und einzige Mal wirklich vor dem<br />

Abbruch. Nach ein paar Tagen dann<br />

die Entscheidung: rein in den Zug,<br />

raus aus der Provinz und eine Ausweichroute<br />

gewählt. Klingt easy, war es<br />

nicht. „Wir sind 25 Stunden im Zug<br />

gesessen, es waren nämlich 2000 Kilometer<br />

raus aus Xinjiang.“<br />

Dann endlich Shanghai und ein<br />

Ende des China-Wahnsinns in Sicht.<br />

Südkorea im Herbst war dann purer<br />

Genuss. „Das Land ist fahrradverrückt,<br />

wir sind 400 Kilometer auf einem breiten<br />

Radweg durchs Land gefahren“,<br />

sagt Fabio. Nach der Fährüberfahrt<br />

nach Fukuoka zelten die beiden mit<br />

freiem Blick auf den gewaltigen,<br />

schneebedeckten Mount Fuji. „Plötzlich<br />

beginnen wir zu realisieren, dass<br />

wir tatsächlich bald in Tokio ankommen<br />

werden.“ Nach fast neun Monaten<br />

wird ihnen beinahe die Zeit knapp. Die<br />

Gegend ist jetzt dicht besiedelt. 200<br />

Kilometer lang reiht sich Hochhaus an<br />

Hochhaus. Am 19. Dezember ist es<br />

dann so weit, der Tokio Tower, das<br />

selbstgewählte Ziel, ist erreicht. Zehn<br />

Tage später landen Fabio und Elias wieder<br />

in Graz. Habt ihr dann Silvester gemeinsam<br />

gefeiert? „Nein“, kommt es<br />

auch beiden wie aus der Pistole geschossen<br />

und mit einem herzhaften Lacher.<br />

„Es war schon komisch nach so<br />

langer Zeit, den anderen nicht mehr 24<br />

Stunden zu sehen.“<br />

Fabio und Elias, zwei Burschen aus<br />

Graz, haben gezeigt, dass man ohne<br />

großartige Vorbereitung von Graz nach<br />

Tokio radeln kann. Dass man Träume<br />

nicht immer nur träumen kann, sondern<br />

sie auch Wirklichkeit werden lassen<br />

kann. Wenn man sich die Zeit<br />

nimmt und wenn man es wirklich will.<br />

Jetzt zehren sie von einmaligen Erfahrungen,<br />

sie schätzen die Heimat mehr<br />

denn je, was es für ein Privileg ist, in<br />

einem Land wie Österreich leben zu<br />

dürfen. Ohne totale Überwachung, in<br />

Frieden. Was sich nicht verändert hat:<br />

Radsportfreaks hat die Reise keine gemacht<br />

aus ihnen. „Obwohl mir das<br />

Fahren schon sehr gefallen hat“, sagt<br />

Elias. „Aber am Wochenende eine Tour<br />

machen“, sinniert Fabio. „Niemals.“<br />

62 <strong>SPORTaktiv</strong>


PERFEKTE BALANCE<br />

Mit dem BioWrap-<br />

Tragesystem von THULE<br />

genießt du exklusiven<br />

Komfort. Es passt<br />

sich dem Körper an,<br />

sorgt für gleichmäßige<br />

Gewichtsverteilung und<br />

die perfekte Balance aus<br />

Polsterung und Belüftung.<br />

www.thule.com<br />

MEHR REICHWEITE<br />

Das SDURO Trekking 8.0 von HAIBIKE ist ein Trekking-Profi<br />

mit stabilem Gepäckträger, starkem Skybeamer-Licht und<br />

der Range-Extender-Option für mehr Gesamt-Akkukapazität<br />

und damit auch für mehr Reichweite.<br />

www.haibike.com<br />

BIKE<br />

NEWS<br />

WASSERDICHT UND<br />

MINIMALISTISCH<br />

Ideal für den Wochenendtrip ist<br />

der ATRACK 25 CR von ORTLIEB:<br />

Wasserdicht, minimalistisch,<br />

großer Reißverschluss am Rücken,<br />

Schulterträger mit stufenloser<br />

Verstellung der Rückenlänge. Perfekt.<br />

www.ortlieb.com<br />

TOURENFREUND<br />

Fotos: Hersteller<br />

Das LHASA E von<br />

CENTURION steht mit voll<br />

integriertem 625-Wh-Akku<br />

für leichte Offroad-Abenteuer,<br />

Trekking-Touren und Bike-<br />

Reisen. Die Geometrie ist<br />

sportlich und komfortabel<br />

zugleich.<br />

www.centurion.de<br />

TALENTIERTER<br />

ALLROUNDER<br />

Der MEZCAL III von VITTORIA bietet dank neuer Mischung<br />

mit Graphene 2.0 höchste Griffigkeit auf Wurzeln und Felsen<br />

und das bei geringem Gewicht. Das niedrige Profil sorgt für<br />

wenig Rollwiderstand und lange Lebensdauer<br />

www.vittoria.com<br />

63


EIGENTLICH IST EIN ACHTER BEI EINEM FAHRRAD ETWAS<br />

NEGATIVES. BEI DER NEUEN ERLEBNISRUNDE IN DER „ZUGSPITZ ARENA<br />

BAYERN-TIROL“ UM DEUTSCHLANDS HÖCHSTEN BERG IST DAS GANZ<br />

ANDERS. WILLKOMMEN AUF DER ZUGSPITZ 8.<br />

Es gibt ja auch unter Bikern eine<br />

gewisse Liebe zu Zahlen. 29 zum<br />

Beispiel, als Zollgröße der Laufräder.<br />

Oder 150 als Millimeterangabe<br />

für den Federweg. Aber 8? Ist<br />

mehr die „Number of the Biker-Beast“<br />

weil es ein nicht mehr rund laufendes,<br />

ein eierndes Rad beschreibt. Im Grenzgebiet<br />

zwischen Bayern und Tirol wird<br />

die 8 jetzt aber äußerst positiv besetzt,<br />

mit der „Zugspitz 8“. Dahinter verbirgt<br />

sich ein Radweg, der auf 120 Kilometern<br />

Deutschlands höchsten Berg, eben<br />

die 2962 m hohe Zugspitze und den<br />

Berg Daniel in Form einer 8 umrundet.<br />

Und der Weg eiert nicht, er ist vielmehr<br />

die eierlegende Wollmilchsau, weil er alles<br />

kann und bietet. Gemütliche Mehrtagestouren,<br />

bei denen Genuss und nicht<br />

Höhenmeter im Vordergrund stehen,<br />

oder sportliche Herausforderungen mit<br />

knackigen Anstiegen und Single-Trails.<br />

Familien können in der Talebene an<br />

mehreren Tagen das eindrucksvolle Pano-<br />

ACHTER MIT<br />

AUSSICHT<br />

ANZEIGE / Fotos: Thomas Marzusch, Christian Gaderer, Joe Hoelzl<br />

64 <strong>SPORTaktiv</strong>


ama genießen. Wer schon einmal in<br />

der Früh auf die Zugspitze zugeradelt<br />

ist, bei aufgehender Sonne, wird das<br />

bestätigen. Weil es an der Strecke viel<br />

zu entdecken gibt, lohnen sich Abstecher.<br />

Vom Zugspitzdorf Grainau<br />

schlängelt sich etwa ein Wegerl hinauf<br />

zum Eibsee. Nicht flach, aber nicht<br />

steil und dank E-Bike für jedermann<br />

schaffbar. Wer es noch sportlicher und<br />

härter liebt, kann von dort auch weiter<br />

bergauf fahren und sich an herrlichen<br />

Single-Trails versuchen.<br />

Von Grainau geht es weiter entlang<br />

der Loisach bis zur Landesgrenze in<br />

Griesen und über einen Schotterweg<br />

durch das Naidachtal zum Plansee<br />

und Heiterwanger See. Hier kann<br />

man sich perfekt bei einer Badepause<br />

erholen oder gleich den ersten Radltag<br />

gemütlich ausklingen lassen und<br />

die Freizeitmöglichkeiten am See genießen.<br />

Von Heiterwang führt die Strecke<br />

über den Panoramaweg nach Bichlbach<br />

und weiter nach Lermoos. Wer<br />

Single-Trails liebt, ist an der Grubigsteinbahn<br />

in Lermoos genau richtig.<br />

Hier lohnt es sich einen Tag mehr einzuplanen.<br />

Die Bahn bietet spezielle<br />

Bike-Tickets an, auf der Grubighütte<br />

gibt es Übernachtungsmöglichkeiten.<br />

Durch das Moos Richtung Ehrwald<br />

kann man die Aussicht auf die Berggipfel<br />

rundherum genießen und sich<br />

auf den nächsten Anstieg auf die Ehrwalder<br />

Alm vorbereiten. Wem der<br />

Weg zwischen Wettersteingebirge und<br />

Mieminger Kette zu anstrengend ist,<br />

kann sich von der Ehrwalder Almbahn<br />

mit dem Bike nach oben fahren<br />

lassen. Von der Bergstation gelangt<br />

man ohne große Anstrengungen weiter<br />

in Richtung Hochfeldern-Alm.<br />

Die Alm bietet ebenfalls Übernach-<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

65


DIE HIGHLIGHTS<br />

Die Strecke der Zugspitz 8 führt durch<br />

die Orte: Heiterwang, Bichlbach, Biberwier,<br />

Lermoos (alle in Österreich) sowie<br />

Mittenwald, Garmisch-Partenkirchen,<br />

das Zugspitzdorf Grainau und Griesen in<br />

Deutschland.<br />

Entlang der Strecke laden 9 Bade- und<br />

Naturseen zu einem Sprung ins kühle<br />

Nass bzw. zu einer Pause ein.<br />

6 Bergbahnen entlang der Zugspitz 8<br />

bieten Bike-Mitnahme an, auch<br />

Waschstationen gibt es ausreichend. In<br />

allen Orten gibt es auch zahlreiche Möglichkeiten<br />

Mountainbikes und E-Mountainbikes<br />

auszuleihen.<br />

Weitere Infos zu Tourenvorschlägen,<br />

Ausflugsmöglichkeiten, Bike-Verleihstationen<br />

unter www.zugspitze.com<br />

tungen an, falls man die Nacht<br />

weiter oben verbringen möchte.<br />

Hier sollte man unbedingt die<br />

herrlichen Ausblicke auf die steil<br />

abfallenden Nordwände der Mieminger<br />

Kette genießen. Durch<br />

das Gaistal geht es dann bergab<br />

in das Leutaschtal und schließlich<br />

gemächlich bis nach Mittenwald.<br />

Mit Blick auf die Wettersteinspitze<br />

im Süden und den<br />

Hohen Kranzberg im Norden<br />

gelangt man zu Lautersee und<br />

Ferchensee, die zu einer Badepause<br />

einladen. Weiter geht es<br />

zum idyllisch gelegenen<br />

Schlosshotel Elmau. Über Wamberg,<br />

eines der höchstgelegenen<br />

Kirchdörfer Deutschlands, führt<br />

die Tour schließlich wieder zurück<br />

zum Ausgangspunkt in<br />

Garmisch-Partenkirchen.<br />

DIESES BIKE VERÄNDERT ALLES<br />

DAS TURBO LEVO SL<br />

Mit einem Gewicht von gerade einmal 17,3 Kilogramm ist das S-Works Turbo Levo SL<br />

nicht nur eines der leichtesten E-MTBs seiner Klasse – es ist eine Klasse für sich.<br />

Warum das so wichtig ist? Weil es am Ende ein Bike ist, das alles kann.<br />

66 <strong>SPORTaktiv</strong><br />

SPECIALIZED.COM


FIT MIT SUMI<br />

KELLER<br />

STATT OLYMPIA<br />

GRENZENLOSER<br />

GRAVELSPASS<br />

Mit der URS-Serie bietet der<br />

Schweizer Hersteller BMC<br />

gleich doppelten Spaß: im<br />

Gelände wie auch auf der Straße.<br />

Foto: Thomas Polzer<br />

CHRISTOPH<br />

SUMANN<br />

war als Biathlet<br />

viele Jahre<br />

Weltklasse<br />

und ist jetzt<br />

leidenschaftlicher<br />

Freizeitsportler.<br />

Keiner weiß, wie es weitergeht. Das höre ich<br />

jetzt oft von Sportlern, wenn es um die<br />

Coronakrise geht. Wobei es bei den Profis<br />

einen Riesenunterschied macht, ob man Wintersportler<br />

oder Sommersportler ist. Wintersportler<br />

haben gerade Pause, die können sich entspannen<br />

und fangen das Sommertraining halt ein paar<br />

Wochen später an. Da gibt’s Schlimmeres. Aber<br />

Sommersportler haben ihren ganzen Wettkampfkalender<br />

verloren. Ohne Bewerbe ist es schwer,<br />

die Spannung im Kopf zu erhalten. Statt bei<br />

Olympia bist du jetzt in deinen eigenen vier<br />

Wänden. Aber was tun etwa Schwimmer und<br />

Triathleten? Die wenigsten haben ein Hallenbad<br />

im Keller oder ein 50-Meter-Becken im Garten,<br />

vermute ich.<br />

Apropos Garten. In den ersten Wochen der<br />

Zwangspause habe ich so viel Sport wie schon<br />

Jahre nimmer gemacht. Im Garten Tischtennis,<br />

Fußball, Hoverboard, Spazierengehen und Waldlauf<br />

im Familienverband. Wobei ich da als<br />

„Land-Ei“ eindeutig im Vorteil bin. In der Stadt<br />

ist das ein Problem. Am Ergometer mit Netflix –<br />

und das viele Wochen lang? Aber um die Sportler<br />

mache ich mir grundsätzlich keine großen Sorgen,<br />

weil Not erfinderisch macht. Und was ich<br />

da an Online-Videos und Ideen sehe, finde ich<br />

großartig. Crossfit über Whatsapp-Videos? Super.<br />

Vielleicht kommt auch die Renaissance der<br />

Waldläufe und die neue Liebe zu den ungeliebten<br />

Rumpfstabi-Übungen.<br />

Eines wird allerdings ein hartes Stück Brot:<br />

Wann auch immer die Krise vorbei ist, wird sich<br />

jede Firma gut überlegen, ob sie Sportler sponsern<br />

und fördern will oder Arbeitsplätze retten<br />

und erhalten muss. Der Sparstift wird regieren.<br />

Das wird Sportler genauso treffen wie Veranstalter<br />

im Hobbybereich. Aber da müssen wir gemeinsam<br />

durch. #staysafe<br />

Fotos: schønauer, BMC<br />

Der Name ist Programm. URS nennt<br />

BMC seine neueste Gravelbike-Serie.<br />

Das erinnert zum einen an einen<br />

typisch schweizerischen Vornamen,<br />

zum anderen stehen die drei Buchstaben<br />

für „unrestricted“ – zu Deutsch:<br />

uneingeschränkt, unbeschränkt, frei.<br />

Die Geometrie ist dabei progressiv<br />

und punktet mit geringem Lenkwinkel,<br />

einem langen Reach und einem<br />

sehr kurzen, integrierten Vorbau.<br />

Kontrolle und Reaktionsfähigkeit auf<br />

anspruchsvollstem Gelände sind garantiert<br />

– und bieten das beste Erlebnis<br />

auf Gravel und darüber hinaus.<br />

1-fach-Antriebsstrang, 45 mm Reifenfreiheit<br />

und Tubeless-Reifen machen<br />

aus dem URS ein abenteuerlustiges<br />

Gravelbike.<br />

MEHR INFOS:<br />

www.bmc-switzerland.com<br />

Das URS One ist das Topmodell der neuen<br />

BMC Gravelbikes und um 8.999 Euro zu haben.<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

67


AUS<br />

PRO<br />

BIERT<br />

BIKE<br />

SCORPIONS FÜR SOFTIES<br />

Pirelli Scorpion ist ein klingender Name. Da schnalzen Freunde<br />

der Motocross-Historie mit der Zunge und auch Liebhaber<br />

starker Autos bekommen einen höheren Puls. Denn unter diesem<br />

Namen bringen die Italiener seit Jahrzehnten legendäre<br />

Performance-Reifen auf den Markt. Nichts lag also näher, als<br />

Expertise und Standing auch wieder vermehrt im Radsport<br />

einzubringen. Forza, Pirelli!<br />

Wir haben uns fürs gatschige Frühjahr den PIRELLI SCORPION<br />

in der Version „S“ und „S LITE“ aufgezogen, S für Soft, natürlich<br />

tubeless. Mit 855 bzw 810 Gramm schaffen die Italiener<br />

einen mehr als respektablen Wert für griffige 2,4er-Reifen (UVP<br />

je € 47,90), dementsprechend leichtfüßig rollen die Skorpione.<br />

Mit 120 TPI haben sie einen sehr guten Pannenschutz, das<br />

hauseigene Smartgrip-Compound verspricht die ideale Gummimischung<br />

beim Kompromiss zwischen Grip (trocken, nass) und<br />

guten Rolleigenschaften. Willkommen zurück! Expertise seit<br />

1872 zahlt sich eben aus.<br />

Fazit: Die italienischen Skorpione haben mächtig Biss und bekommen<br />

eine römische Eins. Und dass an einem Mountainbike<br />

nicht zwangsläufig Reifen der großen drei (Schwalbe, Maxxis,<br />

Continental) verbaut sein müssen, beweist Pirelli damit auch.<br />

WIR RADELN INS FRÜHJAHR:<br />

MIT SKORPIONEN AUS ITALIEN,<br />

RADREIZWÄSCHE AUS<br />

DEUTSCHLAND UND EINER<br />

LEUCHTENDEN LENKERTASCHE.<br />

VON CHRISTOPH HEIGL UND CHRISTOF DOMENIG<br />

Fotos: Thomas Polzer, Christof Domenig<br />

68<br />

<strong>SPORTaktiv</strong>


7 SCHLAUE LITER FÜR ALLE FÄLLE<br />

Von ORTLIEB kommt die Lenkertasche E-Glow. Eine E-Bike-<br />

Tasche – die man aber natürlich auch aufs Stadt- oder Tourenrad<br />

montieren kann. Und die dort gute Dienste tut. Was ist eigentlich<br />

„E-spezifisch“ an der E-Glow? Zum Einen lassen sich<br />

an beiden Seiten der Tasche Flaschenhalterungen montieren<br />

– im Rahmendreieck von E-Bikes fehlt ja oft der Platz für die<br />

Trinkflasche. Zum anderen verfügt die Tasche über leuchtende<br />

LED-Streifen für bessere Sichtbarkeit im Dunkeln. Die Stromversorgung<br />

dafür geschieht wahlweise übers E-Bike-Display<br />

oder über eine Powerbank.<br />

Die Tasche ist wasserdicht und es passen 7 Liter rein. Genug<br />

für den schnellen Einkauf beim Bäcker – oder auf der Urlaubstour<br />

für alles, was schnell bei der Hand sein soll: Regengewand,<br />

Kamera, Geld oder ein paar Riegel. Das Handy kann ins<br />

Deckelfach geschoben werden, der Touchscreen lässt sich<br />

durch die wasserdichte Plastikschicht hindurch problemlos<br />

bedienen. Sehr praktisch zum Navigieren.<br />

Ortlieb-typisch ist überhaupt die ganze Tasche absolut wasserdicht.<br />

Der Deckel lässt sich dennoch mit einer Hand öffnen und<br />

er schnappt mit zwei Magneten wieder zu. Bei Pausen unterwegs<br />

kann man die Tasche per Schlüsseldreh schnell abnehmen.<br />

€ 99,– kosten die nützlichen 7 Liter Stauraum, für Touren<br />

kann man Satteltaschen im gleichen Design dazukaufen.<br />

DESSOUS FÜR BIKER<br />

Wenn es warm wird und wir wieder nach draußen dürfen,<br />

stellt sich für Radfahrer die alte Modefrage: Enge Radhose<br />

oder weite Baggyshorts? Die <strong>SPORTaktiv</strong>-Styleberater sagen<br />

natürlich: lässige, weite Shorts. Außer, du sitzt am Rennrad<br />

und willst so aerodynamisch wie möglich sein. Aber auch unter<br />

einer weiten Radhose brauchst du eine enge Innen- oder<br />

Unterziehhose mit einem Sitzpolster.<br />

Ja, das ist mitunter wärmer. Aber da hat SQLAB mehrere Lösungsansätze<br />

bei seiner ONE10 (UVP € 99,95): Das „Luxury Italian<br />

Extra Life“-Material sorgt für Thermoregulierung und Bewegungsfreiheit.<br />

Das Sitzpolster SQ-Pad 10 ist nur 8 mm dünn<br />

und straff. So behält es bei mittleren und langen Distanzen<br />

besser die Form. Die SQ-Pads sind für jeden Sitzknochenabstand<br />

universal geeignet. Im Test verhält sich die eher lang geschnittene<br />

Innenhose wunderbar komfortabel, man vergisst<br />

sie fast, ein gutes Zeichen.<br />

Fazit: Der Sommer kann kommen, die Dessous haben wir<br />

schon.<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

69


LADIES-BIKECAMP<br />

www.sportaktiv.com<br />

DAS 4. SPORTAKTIV-<br />

LADIES-BIKECAMP<br />

Termin: 29. Mai–1. Juni <strong>2020</strong><br />

im Naturpark Weissensee<br />

TEILNEHMER<br />

max. 24, die in 3 Gruppen aufgeteilt werden<br />

und mit wechselnden Guides fahren<br />

ZIELGRUPPE<br />

Bike-Einsteigerinnen und<br />

fortgeschrittene Bikerinnen<br />

CAMPINHALT<br />

• Technik und Trailtechnik<br />

• Abfahren auf unseren<br />

3 Weissensee-Trails<br />

• Schrauber-Workshop<br />

• Bike- und SEEnerlebnis<br />

LEISTUNGEN<br />

• 3 Übernachtungen im<br />

Hotel Arlbergerhof Vital im<br />

Naturpark Weissensee<br />

• Verpflegung: Halbpension mit kulinarischen<br />

Genüssen aus Christines Küche<br />

• Teilnahme am dreitägigen Bikecamp-<br />

Programm, an zwei Tagen mit Mirijam<br />

Buhr als Guide<br />

• Gratis-Bergschutz der Nürnberger<br />

Versicherung für die Dauer des Camps<br />

• Exklusives Maloja-Ladies-Shirt<br />

• Gratis-Bergbahnbenutzung<br />

• Top-Preis für <strong>SPORTaktiv</strong>-Leserinnen:<br />

€ 375,– p. P.<br />

• Aufpreis für Einzelzimmer: € 30,–<br />

BUCHUNGEN<br />

Direkt beim Hotel Arlbergerhof<br />

am Weissensee: T.: +43 (0) 47 13/22 80<br />

info@arlbergerhof.at<br />

Infos zum Hotel: www.arlbergerhof.at<br />

Es gelten die allg. Bedingungen des<br />

österreichischen Hotelgesetzes<br />

DEIN GESCHENK<br />

Ein Ultrasun-LSF-50-Sports-Gel; ein<br />

Top-Sportnahrungspaket von Peeroton;<br />

und ein <strong>SPORTaktiv</strong>-Headband<br />

von BUFF<br />

DAS ANGEBOT: 3 NÄCHTE IM<br />

ARLBERGERHOF VITAL UND 2 TAGE<br />

BIKEN UM € 375,–<br />

M<br />

üsste man die bisherigen Ladies-Camps<br />

in wenigen Sätzen<br />

zusammenfassen, würde sich<br />

das laut Arlbergerhof-Hausherr Peter<br />

Schwarzenbacher so anhören: „Mädels<br />

aus allen Himmelsrichtungen kommen<br />

zusammen, setzen sich aufs Bike und<br />

fahren gemeinsam auf die Alm. Dort<br />

geht’s mit vollem Ehrgeiz und noch<br />

mehr Spaß ans Techniktraining. Es gibt<br />

lauter strahlende Gesichter, Freundschaften<br />

entstehen und die eine oder andere<br />

Träne gibt es auch, wenn es darangeht,<br />

Abschied zu nehmen.“<br />

Der Weissensee ist als Location<br />

perfekt. Die Vormittage werden aktiv<br />

gestaltet, die Techniktrainings werden<br />

von Freeriderin Mirijam Buhr aus Aachen<br />

geleitet. Mit den neu gewonnenen<br />

fahrtechnischen Kenntnissen geht es<br />

geschmeidig die Trails bergab. Noch<br />

MIRIJAM BUHR ist Freeriderin und<br />

bringt mit ihrer Bikeschule seit Jahren<br />

nicht nur Ladies das Biken bei.<br />

einmal hinauf und die Trails werden<br />

gerockt. Nach einem Heidelbeerkaiserschmarrn<br />

folgt nachmittags die verdiente<br />

Abkühlung im Weissensee. Zum<br />

Entspannen und um in der Sonne zu<br />

liegen ist auch genug Zeit eingeplant.<br />

Und zum Abschluss jedes Tages gibt’s<br />

kulinarische Hochgenüsse aus Christine<br />

Schwarzenbachers Küche.<br />

WEISSENSEE<br />

Spielplatz der Natur<br />

Fotos: Heiko Mandl/Alrbergerhof<br />

70 <strong>SPORTaktiv</strong>


OUT<br />

DOOR<br />

Touren – Menschen – Sicherheit<br />

Fotos: Berwelten Verlag, Blue Tomato, SALEWA/oberalp_sinigaglia<br />

PRODUKTION UMGESTELLT<br />

Bergsportausrüster Salewa hat Teile<br />

seiner Produktion umgestellt und<br />

produziert jetzt auch Schutzmasken<br />

und Schutzanzüge. „Wir verdienen<br />

dabei nichts“, sagt Salewa-Chef<br />

Heiner Oberrauch.<br />

www.salewa.com<br />

DEIN FREUND DIE ANGST<br />

Extremkletterer Alexander Huber<br />

hat ein neues Buch geschrieben.<br />

„Die Angst. Dein bester Freund“.<br />

Darin erklärt er, dass ihn die Angst<br />

„schützt, antreibt, warnt, bremst<br />

und leitet.<br />

www.huberbuam.de<br />

50. SHOP ERÖFFNET<br />

Vom Garagen-Store zum Online-Shop,<br />

der jetzt auch ein Netzwerk<br />

an realen Geschäften hat:<br />

Blue Tomato hat seinen bereits<br />

50. Shop eröffnet und zwar im<br />

süddeutschen Ulm.<br />

www.blue-tomato.com


N<br />

och nie auf Ski und das mit<br />

20 Jahren. Das sind die Voraussetzungen,<br />

mit denen<br />

sich Sophia Vasik für unsere<br />

Leseraktion angemeldet hat, um endlich<br />

das Gefühl auf den berühmten<br />

„zwei Brettln“ zu erleben. „Die Eltern<br />

waren absolute Alpin-Verweigerer“, berichtet<br />

die junge Wienerin. Winterurlaub,<br />

ja, aber eben auf Langlaufskiern.<br />

Im Jänner nahm sie dann Wolfgang<br />

Heinzl von der Snowsports Academy<br />

unter seine Fittiche, um Sophia den<br />

Spaß am Skifahren zu vermitteln. Los<br />

geht so ein Unterricht einmal mit Bewegen<br />

auf den Skiern in der Ebene.<br />

„Schon da hab ich bemerkt, dass sie<br />

erstens schnell lernt und ihr zweitens<br />

die Erfahrung vom Langlauf zugutekommt“,<br />

sagt Heinzl. „Leute, die diese<br />

Erfahrung nicht haben, tun sich<br />

schon schwerer. Ich habe auch schon<br />

Gäste aus dem arabischen Raum und<br />

Indien gehabt, die gar keine Erfahrung<br />

mit Schnee haben, auch noch<br />

nie darauf gegangen sind. Da ist es<br />

schon etwas ganz anderes.“<br />

WOLFGANG<br />

HEINZL<br />

ist Ausbildner & Skilehrer bei<br />

Snowsports Academy sowie<br />

Skischulleiter der Schneesportschule<br />

Zauberberg.<br />

www.snowsports.at<br />

Das ideale Alter um motorische Fähigkeiten<br />

zu entwickeln, liegt zwar<br />

ungefähr zwischen dem 10. und 12.<br />

Lebensjahr. „Dafür hat Sophia das<br />

kognitiv wieder wettgemacht“, sagt<br />

Heinzl. Heißt: Sie konnte die Anweisungen<br />

schneller umsetzen. „Wolfgang<br />

ist ein cooler Typ“, streut die<br />

Anfängerin ihrem Lehrer Rosen. „Ich<br />

habe mich von Anfang an wohlgefühlt<br />

und er hat alles verständlich erklärt<br />

und die Übungen vorgezeigt.“<br />

Der Anfang sei dank der Loipenerfahrung<br />

tatsächlich leichter als erwar-<br />

VON NULL<br />

AUF ROT<br />

LESERAKTION, TEIL 1. SOPHIA VASIK WOLLTE HERAUSFINDEN, OB<br />

SKIFAHREN WIRKLICH „DES LEIWANDSTE“ IST. MIT SKILEHRER<br />

WOLFGANG HEINZL HAT SIE BEI NULL BEGONNEN UND IN DREI<br />

TAGEN DAS PFLUG-STADIUM SCHON HINTER SICH GELASSEN.<br />

VON KLAUS MOLIDOR<br />

Fotos: Wolfgang Heinzl<br />

72 <strong>SPORTaktiv</strong>


DU BIST RAUS!<br />

DIE SPORTAKTIV LESERAKTION<br />

Sophia<br />

Vasik beim<br />

Skischuhprobieren,<br />

am Minilift<br />

und ganz<br />

stolz über<br />

ihre ersten<br />

Abfahrten auf<br />

blauen und<br />

roten Pisten.<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

73


Foto: Sportograf<br />

Nach drei<br />

Tagen hat Sophia<br />

Vasik die<br />

Leidenschaft<br />

fürs Skifahren<br />

entdeckt.<br />

Rechtes Bild:<br />

Videoanalyse<br />

in der Mittagspause.<br />

BIKE- & RUN-FESTIVAL IN ANGERBERG<br />

Am 03./04. Oktober wird Angerberg bei der Ritchey<br />

Challenge zum eldoRADo für Biker und Läufer.<br />

TIROL. Anfang Oktober warten der MTB-Marathon mit<br />

drei Distanzen (65, 33, 26 km), der Trailrun mit den<br />

Strecken Hundsalm (26 km, 1600 hm) und Nachberg (17<br />

km, 980 hm) und der legendäre Kids Cup für Youngsters.<br />

Mit der Erstauflage des eldoRADo Nachberg-Marschs bietet<br />

das Festival eine neue Option – auf 17 Kilometern und 980<br />

Höhenmetern kann die Landschaft rund um Angerberg<br />

noch intensiver genossen werden. Bike- und Trail-Run-Expo<br />

laden zum Schnuppern & Testen ein. Aktuelle Infos unter:<br />

www.eldorado-festival.at<br />

tet gewesen. „Es ist“, räumt Sophia dann aber<br />

sofort ein, „schon etwas ganz anderes eine Piste<br />

hinunterzufahren, als auf einer Loipe seine Runden<br />

zu ziehen.“<br />

Trotzdem hatte sie den Bogen bald raus. Nach<br />

den ersten Rutschversuchen am Stuhleck ging es<br />

schon bald zum ersten Mal an den Lift. Zwar<br />

war das noch ein kleiner Seilzuglift auf einem<br />

„Hang“ mit sehr wenig Gefälle – aber immerhin.<br />

Pflugfahren und damit bremsen, erste Kurven,<br />

stehenbleiben. All das ist schon am ersten Tag erledigt.<br />

„Daher sind wir schon nach einer Stunde<br />

mit dem Schlepplift gefahren“, erzählt Wolfgang<br />

Heinzl. Den Hang hat sie dann bereits in Kurven<br />

bewältigt. „An dem Punkt beginnt bei den<br />

meisten die Freude am Skifahren“, sagt Heinzl.<br />

„Die flüssige Bewegungsform, das Kurvenfahren<br />

– das ist es, was das Skifahren ausmacht.<br />

Sophia wollte die Langlauferfahrung nicht<br />

überbewerten, Wolfgang Heinzl sieht darin aber<br />

einen deutlichen Vorteil anderen Anfängern gegenüber.<br />

„Das Bremsen im Pflug geht mit Alpinski<br />

leichter, weil sie eine Kante haben, die bei der<br />

Verzögerung hilft. Wenn man das vom Langlaufen<br />

her kann, wo die Ski keine Kante haben,<br />

bringt das schon viel.“<br />

Die Fortschritte waren so gut, dass es die beiden<br />

am dritten Tag schon durch das ganze Skigebiet<br />

am Stuhleck geschafft haben. „Auch rote<br />

Pisten waren da schon dabei“, erklärt Heinzl.<br />

Am zweiten Tag ist Sophia schon nicht mehr<br />

ausschließlich Pflug gefahren, am dritten Tag<br />

konnte sie die parallele Skiführung bei unterschiedlichen<br />

Abfahrten anwenden.<br />

Der Wienerin selbst ist die Freude über ihre<br />

Fortschritte anzusehen. „Am Ende jedes Trainingstags<br />

bin ich<br />

mit sehr guter Laune<br />

heimgekommen,<br />

weil es mir so<br />

viel Spaß gemacht<br />

hat“, strahlt Sophia<br />

Vasik. Man muss<br />

kein Prophet sein,<br />

um zu sagen: Da<br />

hat jemand die<br />

Leidenschaft zum<br />

Skifahren entdeckt. „Natürlich braucht es noch<br />

Zeit, bis ich mich sicherer fühlen werde. Ich<br />

muss nur lernen, meine Komfortzone mehr zu<br />

verlassen, dann sollten schwarze Pisten auch<br />

kein Problem mehr sein.“ Leseraktion Teil 1 –<br />

Mission erfüllt.<br />

74 <strong>SPORTaktiv</strong>


DU BIST RAUS!<br />

WIE ES DEN ANDEREN BEIDEN GEWINNERN UNSERER LESERAKTION, MARKO WEBER<br />

UND ALEXANDRA SUCHANEK, IN DER ZWISCHENZEIT ERGANGEN IST.<br />

MARKO<br />

WEBER<br />

Der 45-jährige Burgenländer hat das Mentalcoaching<br />

bei Wolfang Seidl gewonnen und schon die<br />

ersten Einheiten absolviert. Nach einer Bestandsaufnahme<br />

stand eine Bio-Feedback-Messung auf<br />

dem Programm und Marko hat erste Atemtechniken<br />

erlernt, die sein Stresslevel vor dem Wettkampf senken<br />

sollen. Markos Ziel ist der 24-Stunden-Lauf am<br />

4. Juli in Bad Blumau – als Einzelstarter.<br />

ALEXANDRA SUCHANEK<br />

Eigentlich wollten Alexandra und ihr Mann<br />

Christian weitere Steigeisenerfahrung<br />

sammeln und auf hartem Schnee trainieren.<br />

Die Corona-Krise hat den beiden aber<br />

einen Strich durch die Rechnung gemacht.<br />

„Schauen wir uns die Schneeberge<br />

halt von unten an“, sagt Alexandra. Mit<br />

Schneeschuhwandern und Skitouren haben<br />

sie sich in Form gehalten. „Jetzt laufen<br />

wir oder radeln am Ergometer.“<br />

STEINBOCK WT GTX


784<br />

Dreitausender-Gipfel<br />

gibt es in Österreich.<br />

Bergsport-Ausrüster Salewa hat seine<br />

Community auf den sozialen Medien<br />

dazu aufgerufen, diese zu besteigen. Am<br />

Ende der Aktion sollte von jedem der 784<br />

ein Gipfelfoto hochgeladen sein.<br />

Wie alle Outdoor-Unternehmungen<br />

war auch diese Aktion bei Redaktionsschluss<br />

in Warteposition. Aber natürlich<br />

gibt es ein Leben nach dem Coronavirus.<br />

Und ein heimischer 3000er noch in diesem<br />

Sommer ist bestimmt für viele, die<br />

noch nie so hoch gestiegen sind, ein lohnendes<br />

höheres Ziel.<br />

Doch zunächst die Frage an Bergführer<br />

Martin Edlinger von den Naturfreunden<br />

Österreich: Macht es vom Gefühl her einen<br />

Unterschied, ob man in den Alpen einen<br />

Gipfel mit 2500, 2800 – oder doch<br />

einen über 3000 schafft? „Der erste<br />

3000er wird nicht unbedingt eine ‚magische‘<br />

Grenze sein. Aber einen Abschnitt<br />

im Leben jedes passionierten Bergsportlers,<br />

ein erreichtes Ziel stellt er auf alle<br />

Fälle dar. Nicht umsonst heißt es bei gemeinsamen<br />

Bergtouren: Wenn’s dein erster<br />

3000er war, zahlst du die Runde auf<br />

der Hütte“, schmunzelt Edlinger.<br />

Wie geht man es also an? „Grundsätzlich<br />

sind 3000er-Gipfel in Österreich hochalpine<br />

Berg- oder Wandertouren“, sagt Edlinger.<br />

„Wobei man natürlich nicht pauschal<br />

sagen kann, welchen Schwierigkeitsgrad sie<br />

haben: Es gibt viele, die technisch wie auch<br />

konditionell fordernd sind – und es gibt<br />

sehr wohl auch einige, die leichter und einfacher<br />

bestiegen werden können“, sagt der<br />

erfahrene Bergführer. „Einstiegs-3000er“<br />

sind in der Regel durch Wanderwege gut<br />

erschlossen und zeichnen sich durch eine<br />

gute Hütten-Infrastruktur aus. Ausgangspunkte<br />

liegen höher, sodass der Gipfelanstieg<br />

leichter wird. Und Aufstiege lassen<br />

sich manchmal auch mit Seilbahnen abkürzen.<br />

MARTIN<br />

EDLINGER<br />

ist staatlich geprüfter<br />

Bergführer und Leiter der<br />

Abteilung Bergsport bei den<br />

Naturfreunden Österreich.<br />

www.naturfreunde.at<br />

Um für sich und seine Fähigkeiten ein<br />

passendes Gipfelziel über 3000 m Seehöhe<br />

zu finden, empfiehlt der Experte einen<br />

Blick in Online-Tourenportale (das der<br />

Naturfreunde heißt www.tourenportal.at).<br />

„Dort findet man eine Vielzahl von Touren,<br />

die auch gut selektierbar sind: Die<br />

Suche kann nach Höhenmetern, Schwierigkeit<br />

und etlichen weiteren Kriterien gefiltert<br />

werden, um die genau passende<br />

Tour zu finden.“<br />

Wichtig: die empfohlenen Touren und<br />

die gefundenen Daten einer „Qualitätsprüfung“<br />

zu unterziehen. Nicht jede online<br />

vorgeschlagene Tour ist genau genug<br />

beschrieben. Und manchmal sind in den<br />

Weiten des World Wide Web auch Daten<br />

zu finden, die veraltet oder schlicht falsch<br />

sind, weiß der Bergführer. Vor allem<br />

dann, wenn keine namhafte Institution<br />

hinter der Quelle steckt (wie z. B. ein alpiner<br />

Verein oder auch Tourismusverbände),<br />

sollte man die gefundenen Daten immer<br />

auf Plausibilität kontrollieren.<br />

Was muss man können, um einen<br />

3000er ins Auge zu fassen? Auch das unterscheidet<br />

sich natürlich je nach Schwierigkeit<br />

der gewählten Tour. „Grundsätzlich<br />

wird auch auf leichteren 3000ern das<br />

Gelände alpiner. Trittsicherheit auch im<br />

verblockten oder weglosen Gelände sowie<br />

Schwindelfreiheit sind Fähigkeiten, die<br />

Fotos: Martin Edlinger<br />

76 <strong>SPORTaktiv</strong>


EIN STÜCK NÄHER<br />

AM HIMMEL<br />

WAS MAN IMMER HAT, IST FAD. DIE UNFREIWILLIGE OUTDOOR-ABSTINENZ<br />

ZUM FRÜHLINGSSTART <strong>2020</strong> SCHÜRTE SO GESEHEN DIE VORFREUDE AUF<br />

HÖHERES: WARUM SICH ALS WANDERER NICHT EINMAL EINEN 3000ER-<br />

GIPFEL ZUM ZIEL SETZEN? WIR SAGEN EUCH, WORAUF ES DABEI ANKOMMT.<br />

VON CHRISTOF DOMENIG<br />

77


TRITTSICHERHEIT<br />

UND SCHWINDEL-<br />

FREIHEIT WERDEN<br />

WICHTIGER, JE<br />

HÖHER MAN<br />

HINAUFKOMMT.<br />

umso wichtiger werden, je höher man<br />

hinaufkommt.“ Andererseits braucht<br />

man Trittsicherheit, Gehtechnik oder<br />

Schwindelfreiheit oft schon in tieferen<br />

Lagen. Es gilt auch, über die Wegbeschaffenheit<br />

und technische Schwierigkeiten<br />

Bescheid zu wissen. Etwa: „Ob<br />

technische Schwierigkeiten vorkommen<br />

wie etwa kurze Kletterpassagen oder sehr<br />

ausgesetzte Passagen, die eine überdurchschnittliche<br />

Trittsicherheit erfordern.“<br />

Das ist im Vorfeld abzuklären,<br />

um dann unterwegs nicht überrascht zu<br />

werden. Bei als „leicht“ beschriebenen<br />

3000ern kämen solche Problemstellen<br />

allerdings nicht vor.<br />

Es gilt auch, dem Wetter in größerer<br />

Höhe mehr Aufmerksamkeit zu schenken.<br />

Das beginnt mit dem sorgfältigen<br />

Einholen der Wetterprognose. Unterwegs<br />

sollte man in der Lage sein, Alarmzeichen,<br />

die auf einen Wetterumschwung<br />

hindeuten, zu erkennen. „Auf<br />

1000 m Seehöhe wird ein Regen unangenehm<br />

sein. Wenn man dagegen auf<br />

3000 m in eine Kaltfront kommt, bedeutet<br />

das oft Schnee, eisige Wege, keine<br />

Sicht“, führt Martin Edlinger aus. Unterschlüpfe,<br />

sichere Hütten oder letztlich<br />

auch Rettung sind in höheren Lagen<br />

nicht mehr so einfach und schnell erreichbar<br />

wie in tiefen.<br />

Wenn die Luft dünner wird<br />

Eine gewisse Rolle spielt auch schon der<br />

abnehmende Sauerstoffgehalt der Luft.<br />

Ab rund 2500 m kann man theoretisch<br />

sogar höhenkrank werden, heißt es. „Die<br />

Wahrscheinlichkeit dafür ist zwar gering<br />

und die Symptome sind meist nicht sehr<br />

ausgeprägt. Aber auf 3000 Metern kann<br />

es schon vorkommen, dass leichtes<br />

Kopfweh auftritt. Dass die Schritte etwas<br />

mühsamer werden, ist ebenfalls<br />

nicht außergewöhnlich und für die<br />

meisten auf 3000 m schon spürbar. Vor<br />

allem wenn man vom flachen Land weg<br />

recht schnell in größere Höhen kommt,<br />

mit dem Auto oder der Seilbahn.“<br />

Dieser in Summe also doch etwas höhere<br />

Leistungsanspruch sollte in die<br />

Tourenplanung einfließen. Heißt: einfach<br />

etwas mehr Zeitreserven einplanen,<br />

als wenn es auf einen 2000er geht.<br />

Um sich seriös auf das Unternehmen<br />

3000er vorzubereiten gilt natürlich<br />

auch: nicht gleich mit dem Schwersten<br />

beginnen, sondern langsam steigern. Ein<br />

Premieren-3000er soll ein Saisonhighlight<br />

werden und nicht der Auftakt. Das<br />

ergibt sich schon aufgrund der Schneeschmelze:<br />

Auf einen 3000er zu wandern,<br />

ist ein Sommerziel, selbst nach einer<br />

schneearmen Saison.<br />

„Am besten und einfachsten bereitet<br />

man sich mit kontinuierlichen Wanderungen<br />

vor. Regelmäßigkeit ist das<br />

Wichtigste, um seine Ausdauer zu verbessern<br />

– und auf der anderen Seite trainiert<br />

man bei jeder Bergtour immer<br />

auch seine Trittsicherheit mit. Zusätzlicher<br />

Konditionsaufbau durch Laufen<br />

oder Radfahren ist in der Vorbereitung<br />

auch nicht verkehrt“, empfiehlt Bergführer<br />

Edlinger.<br />

Auf Nummer sicher geht man, wenn<br />

man sich für die 3000er-Premiere einem<br />

Bergführer anschließt. Auch wenn es bei<br />

Einstiegs-3000ern nicht unbedingt notwendig<br />

ist: „Alpine Vereine, Bergführer<br />

und Bergsteigerschulen bieten eine<br />

Menge toller Touren auf 3000er an.“<br />

Aber natürlich kann man sich einen<br />

Bergführer auch privat für sein persönliches<br />

Ziel buchen, das kostet aber auch<br />

etwas mehr. Ein Vorteil bei allen geführten<br />

Touren im Vergleich zur autodidaktischen<br />

Fortbildung: „Man lernt schneller<br />

und sicherer, auf was es in den Bergen<br />

ankommt.“ Wer nach der geglückten<br />

3000er-Premiere die Runde auf der<br />

Hütte zahlt, wissen wir ja bereits.<br />

Fotos: KK


EINSTIEGS-<br />

DREITAUSENDER<br />

Diese Gipfel über 3000 m Höhe eignen<br />

sich fürs erste Mal sehr gut. Empfehlung<br />

von Bergführer Martin Edlinger.<br />

KREUZSPITZE 3455 m<br />

In den Ötztaler Alpen von der Martin- Busch-Hütte<br />

aus. Über Schotter und Geröll hinauf zum eisfreien<br />

Gipfel, tolle Rundsicht auf die umliegenden Ötztaler<br />

Berge wie Hintere Schwärze und Similaun, Weißkugel<br />

oder Wildspitze. Gut markierter Weg, relativ einfach<br />

und ohne Gletscherberührung.<br />

AUFSTIEG: 930 hm von Martin-Busch-Hütte (2501<br />

m), Vent (T), Schwierigkeitsgrad: leicht/mittel<br />

SCHARECK 3122 m<br />

Leichte, durch die Mölltaler Gletscherbahn<br />

kurze 3000er-Tour auf den aussichtsreichen,<br />

zweithöchsten Gipfel der<br />

Goldberg-Gruppe. Ausgangspunkt ist<br />

die Duisburger Hütte.<br />

AUFSTIEG: 550 hm von der Duisburger<br />

Hütte (2572 m), Flattach (K),<br />

Schwierigkeitsgrad: leicht<br />

BÖSES WEIBL 3119 m<br />

Eine schöne Möglichkeit zur<br />

3000er-Premiere ist das Böse Weibl<br />

vom Lucknerhaus (1920 m) aus. Bis<br />

auf die letzten 30 Höhenmeter über<br />

grobes Blockwerk ist die Tour einfach<br />

und gletscherfrei.<br />

AUFSTIEG: 1200 hm vom Lucknerhaus,<br />

Kals (Osttirol), leicht<br />

KLEINER ANKOGEL 3096 m<br />

In der Ankogelgruppe in den Hohen Tauern ist der<br />

Ankogel vom Hannoverhaus (2565 m) ausgehend<br />

einer der am schnellsten zu besteigenden<br />

Dreitausender.<br />

Dank Seilbahnunterstützung<br />

sind nur 630 Höhenmeter bis<br />

zum Gipfel zurückzulegen.<br />

AUFSTIEG: 630 hm vom<br />

Hannoverhaus, Mallnitz (K),<br />

Schwierigkeit: leicht/mittel<br />

Für jede<br />

Aktivität in jeder<br />

Umgebung<br />

Thule AllTrail X – Die Allround-Lösung<br />

für aktive Menschen, die gerne Wandern,<br />

Reisen oder ihre Zeit in der Stadt<br />

genießen. Die Thule AllTrail X-Kollektion<br />

ist unübertroff en in ihrer Vielseitigkeit.


EDELRID, <strong>SPORTaktiv</strong> & Mostviertel Tourismus präsentieren:<br />

DAS 2. EDELRID-KLETTER-<br />

STEIG-SCHNUPPERCAMP<br />

21.–23. August <strong>2020</strong> (Fr.–So.)<br />

• 2 Übernachtungen im JUFA-Hotel Hochkar-<br />

Sport-Resort*** (NÖ)<br />

• inkl. Frühstück, Abendbuffet am Freitag sowie<br />

Mittags-und Abendbuffet am Samstag<br />

• Klettersteigtouren „Bergmandl“ und „Heli-Kraft“<br />

• Begehung der Hochkarhöhle mit Guide<br />

• Coaching in der JUFA-Turnhalle mit unterschiedlichen<br />

Boulder-Elementen (bei Schönwetter outdoor)<br />

• Testmaterial für alle Teilnehmer<br />

• Gratis-Bergschutz der Nürnberger- Versicherung für<br />

die Dauer des Camps<br />

• Preis fürs Tagescamp-Teilnahme ohne<br />

Übernachtung: € 76,- (Teilnahme ab 9 Jahre)<br />

• Spezialpreise für Camp und Übernachtung:<br />

ab € 196,– pro Person im Doppelzimmer<br />

ab € 176,– pro Kind im Doppelzimmer<br />

PROGRAMM<br />

Freitag: Anreise, Ausgabe von Goodies und<br />

Material<br />

Samstag: Materialausgabe nur für Tagesgäste,<br />

Klettersteigtouren, Hochkarhöhle<br />

Sonntag: individuelle Ausflüge zu den Angeboten<br />

der Region, Abreise<br />

ZUM TESTEN<br />

Klettersteigausrüstung - made by Edelrid:<br />

Klettergurt und -Set Jester Comfort, Leichtgewichthelm<br />

Zodiac und robuste Klettersteighandschuhe<br />

Work Glove Open.<br />

DAS ANGEBOT:<br />

2 GEFÜHRTE<br />

KLETTERSTEIGTOUREN<br />

UND 2 NÄCHTE MIT<br />

VERPFLEGUNG<br />

AB € 196,–<br />

DEINE GESCHENKE<br />

<strong>SPORTaktiv</strong>-Stirnband<br />

von Buff, Peeroton-Paket<br />

und weitere<br />

Überraschungen.<br />

80 <strong>SPORTaktiv</strong>


KLETTERSTEIG SCHNUPPERCAMP<br />

www.sportaktiv.com<br />

Für intensive gemeinsame Bergerlebnisse sind<br />

Klettersteige wie geschaffen. Mit dem Klettersteig-Schnuppercamp<br />

können gerade Familien<br />

in dieses herrliche Erlebnis eintauchen. Das Gebiet<br />

am Hochkar ist optimal dafür geeignet, den richtigen<br />

und sicheren Umgang mit Klettersteiggurt und -Set<br />

zu erlernen und sich am Stahlseil das allererste Mal zu<br />

versuchen. Der „Bergmandl“ -Klettersteig ist perfekt<br />

für die Premiere, wer es danach noch ein wenig herausfordernder<br />

mag, der kann sich zusätzlich am „Heli-Kraft“-Klettersteig<br />

versuchen. Und weil man stets<br />

von den Besten lernen sollte, übernimmt der erfahrene<br />

Bergsteiger und Kletterer Heli Putz von Outdoor<br />

Leadership mit seinem Team die Einschulung und<br />

Betreuung der Teilnehmer.<br />

Stützpunkt dieses <strong>SPORTaktiv</strong>- Lesercamps, das<br />

heuer zum zweiten Mal stattfindet, ist das JUFA-Hotel<br />

Hochkar- Sport-Resort*** in Göstling an der Ybbs, wo<br />

ihr nach der Tour im Wellnessbereich relaxen könnt.<br />

Wer ganz in der Nähe wohnt, ist natürlich auch herzlich<br />

willkommen und kann das Camp auch ohne<br />

Übernachtung buchen. Wer noch nicht genug hat, was<br />

das Programm am Samstag betrifft, der kann schon<br />

ganz früh aufstehen und beim Sonnenaufgangsyoga<br />

„Namasté am Berg“ mitmachen oder aber einfach<br />

nur mit der Hochkarbahn zum Frühstück aufs JoSchi<br />

Berghaus auf 1770m Seehöhe fahren und den wundervollen<br />

Sonnenaufgang in den Bergen genießen – oder<br />

beides (nicht im Package inbegriffen, vor Ort kurzfristig<br />

buchbar). Interesse? Alle Infos zum Camp und<br />

den Übernachtungs angeboten in der Region gibt’s bei<br />

Mostviertel Tourismus!<br />

ANMELDUNG UND WEITERE INFOS ZUM GEBIET<br />

Fotos: Martin Fueloep, Christian Hofer, Hersteller<br />

DAS HOTEL<br />

Das JUFA-Hotel Hochkar-Sport-Resort***<br />

in Göstling an der Ybbs<br />

Mostviertel Tourismus<br />

Töpperschhloss Neubruck 2/10<br />

3270 Scheibbs<br />

T. 0 74 82/204 44<br />

E-Mail: info@mostviertel.at<br />

www.mostviertel.at<br />

www.hochkar.com<br />

ZIELGRUPPE<br />

Klettersteig-Einsteiger, Familien<br />

TEILNEHMER<br />

max. 25 Personen<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

81


Es ist nicht ewig her, da war<br />

GPS-Navigation im Outdoorsport<br />

ein Fachgebiet für<br />

technikaffine Bergführer, also<br />

für Spezialisten. Das hat sich völlig<br />

geändert. „Schuld“ daran ist einerseits<br />

die Verbreitung des Smartphones.<br />

Andererseits sind Routenplanungsportale<br />

und Apps immer einfacher<br />

zu bedienen. GPS-Navigation<br />

funktioniert heute in den Bergen<br />

beinahe so einfach wie im Auto.<br />

Man gibt einen Start- und einen<br />

Endpunkt ein, lässt die Route berechnen,<br />

drückt auf Start und muss<br />

dann nur noch darauf achten, dass<br />

der blaue Punkt am Display, der die<br />

eigene Position markiert, auf der eingezeichneten<br />

Route bleibt.<br />

Unser langjähriger Kooperationspartner,<br />

die Naturfreunde Österreich,<br />

haben ihr Tourenportal (www.<br />

tourenportal.at) und die dazugehörige<br />

App neu aufgesetzt und mit den<br />

aktuell sten Features versehen. Deshalb<br />

wollen wir uns mit Matthias<br />

Pilz, Outdoor-GPS-Experte der Naturfreunde,<br />

die aktuellen Möglichkeiten<br />

der Outdoor-Navigation näher<br />

ansehen. Aber auch auf Grenzen<br />

und Gefahren hinweisen. Denn auch<br />

das kennt man vom Straßenverkehr:<br />

Dass man nur dem Navi folgt und<br />

aufs Mitdenken vergisst.<br />

Verschweigen wollen wir keineswegs,<br />

dass es andere bekannte Portale<br />

und Apps gibt, die sich sehr gut<br />

zum Navigieren in der Natur nutzen<br />

lassen. Wie etwa Komoot. Oder speziell<br />

für Skitourenanwendung Snowmaps,<br />

das Pilz empfiehlt. Das Naturfreunde-Tourenportal<br />

basiert wiederum<br />

auf dem Angebot des deutschen<br />

Portals „Outdooractive“ und umfasst<br />

eine Datenbank von rund 200.000<br />

fertigen Touren weltweit – alle mit<br />

GPS-Track.<br />

WENN MÖGLICH,<br />

BITTE<br />

WENDEN<br />

OUTDOOR-NAVIGATION MIT SMARTPHONE-APPS<br />

FUNKTIONIERT MITTLERWEILE FAST GENAUSO SIMPEL WIE<br />

EIN AUTO-NAVI. WAS MAN TROTZDEM – ODER BESSER GESAGT:<br />

GERADE AUFGRUND DIESER EINFACHHEIT BEACHTEN SOLLTE.<br />

1Fertige Tour aussuchen und<br />

GPS-Track herunter laden<br />

Wenn einem also eine online gefundene<br />

Tour genau so passt, wie sie ist,<br />

dann spricht grundsätzlich nichts<br />

dagegen, auf sie zurückzugreifen.<br />

Matthias Pilz empfiehlt dennoch immer,<br />

jede gefundene Tour zu überprüfen.<br />

„Der Vorteil des Naturfreunde-Tourenportals<br />

ist, dass es vorab<br />

schon eine Qualitätsprüfung gibt:<br />

Nur Touren, deren Datenlage von<br />

guter Qualität und vollständig ist,<br />

werden angezeigt.“<br />

Zur Tourenplanung gehört auch,<br />

aktuelle Verhältnisse wie das Wetter<br />

in die Planung mit einzubeziehen.<br />

Ziel ist es, Gefahrenstellen unterwegs<br />

VON CHRISTOF DOMENIG<br />

vorab schon zu erkennen. Also noch<br />

einmal: Daten nicht blind übernehmen,<br />

sondern kurz nachprüfen. Viele<br />

stehen auch schon draußen in der<br />

Natur und beginnen dort erst nach<br />

Touren zu suchen. Besser ist es, am<br />

Desktop zu planen, nicht am Smartphone,<br />

denn dort ist der erkennbare<br />

Kartenausschnitt sehr klein.<br />

2Start- und Zielpunkt<br />

eingeben, den Weg<br />

planen lassen<br />

Alles gilt sinngemäß auch für die<br />

zweite Möglichkeit: Statt auf einen<br />

fertigen GPS-Track zurückzugreifen,<br />

gibt man den gewünschten Startund<br />

Endpunkt ein. Portal bzw. App<br />

berechnen den besten Weg anhand<br />

Fotos: Naturfreunde/Martin Edlinger, Matthias Pilz<br />

82 <strong>SPORTaktiv</strong>


<strong>SPORTaktiv</strong><br />

83


MATTHIAS PILZ<br />

ist 30, Bergsportler, Ausbildner<br />

der Naturfreunde für Klettern,<br />

Hochtouren und Skitouren, hält<br />

Kurse zur GPS-Anwendung im<br />

Outdoorsport<br />

www.naturfreunde.at<br />

www.tourenportal.at<br />

des zugrunde liegenden digitalen Kartenmaterials.<br />

Weglänge, Höhenprofil<br />

usw. werden automatisch erstellt. Und<br />

wieder muss man eigentlich nur noch:<br />

Start drücken und dem Weg folgen.<br />

In der Praxis stehen viele auch bei dieser<br />

Variante bereits draußen am Startpunkt<br />

und geben den anvisierten Gipfel<br />

ein. So wie im Auto. Weg berechnen,<br />

nachgehen, fertig. Ist so einfach, wie es<br />

klingt. „Analog zur Navigation im Auto<br />

können sich jedoch Probleme ergeben,<br />

wenn man die berechnete Route gar<br />

nicht hinterfragt. Der Unterschied zum<br />

Straßenverkehr: Wo sich dort das Problem<br />

beim LKW zeigt, der auf der<br />

schmalen Bergstraße steckengeblieben<br />

ist, ist im Bergsport das Gefahrenpotenzial<br />

größer“, mahnt Pilz. Es wäre schon<br />

vorgekommen, dass Wanderer über<br />

schwierige Klettersteige geschickt wurden,<br />

weil eben der Klettersteig nicht als<br />

solcher für die Software erkennbar war.<br />

Dazu muss man wissen: Kostenlose<br />

Angebote arbeiten in der Regel mit<br />

„Open Street Map“. „Diese Karte wird<br />

ja von der Community – zahllosen freiwilligen<br />

Kartographen gezeichnet. Dementsprechend<br />

unterschiedlich ist die<br />

Qualität“, weiß der erfahrene Bergsportler.<br />

Im Vorteil ist, wer ein wenig investiert<br />

und die Bezahlversion nutzt: Beim<br />

„Tourenportal Pro“ der Naturfreunde<br />

(um 2,50 Euro pro Monat) ist die<br />

ÖK-Karte im Hintergrund. Das amtliche<br />

österreichische Standard-Kartenwerk<br />

ist im Bergsport das Maß der Dinge.<br />

Die „Pro“-Version ist aber auch deshalb<br />

für alle Unternehmungen in den<br />

Bergen zu empfehlen, weil sie die Möglichkeit<br />

bietet, die Daten offline zu speichern.<br />

Navigation funktioniert dann unabhängig<br />

vom Netzempfang. „Ich kann<br />

ohne Mobilfunk- und Datenempfang<br />

arbeiten. Am besten ist es, das Gerät zur<br />

Akkuschonung in den Flugmodus zu<br />

schalten“, sagt Pilz. Auf die Möglichkeit<br />

des Offline-Speicherns solle man unbedingt<br />

achten, sobald man in den Bergen<br />

mit dem Smartphone navigieren möchte:<br />

Alles andere sei eigentlich nur „zum<br />

Testen oder in Tallagen“ ausreichend.<br />

3<br />

GPS-Track querfeldein –<br />

als direkte Linie zwischen<br />

zwei Punkten.<br />

Geht es höher hinauf, wo es keine Wege<br />

mehr gibt, oder im Winter auf Skitouren,<br />

dann kommt die dritte Möglichkeit<br />

der GPS-Anwendung ins Spiel. Eigentlich<br />

ist es die älteste, klassische Form:<br />

Einzelne Punkt werden per Luftlinie verbunden.<br />

Im „Minimalfall“ besteht zwischen<br />

Start- und Endpunkt eine direkte<br />

Linie – oder man definiert vorab Zwischenziele<br />

auf seinem „GPS-Track“.<br />

Man kennt dann unterwegs den Abstand<br />

und die Richtung zum Ziel und<br />

sucht sich im Freien mit Kartenhilfe den<br />

besten Weg.<br />

„Auch während der Tourenplanung ist<br />

es möglich, zwischen automatischer<br />

Routenberechnung und direkter Linie<br />

umzuschalten. Das ist zum Beispiel auf<br />

Hochtouren von Vorteil, wenn man zuerst<br />

auf Wegen navigiert – und dann im<br />

vergletscherten Bereich ohne Wegenetz.“<br />

Auf der anderen Seite kann es auch einfach<br />

beim Schwammerlsuchen sinnvoll<br />

sein, einen Weg querfeldein vorausplanen<br />

zu können.<br />

Mit Pfeil und Sprachführung<br />

Bleiben noch zwei Fragen an den Experten.<br />

Erstens: Nach dem Sinn von Navigieren<br />

nach Gehör, wie man es im Auto<br />

kennt. Bringt es outdoor etwas, wenn<br />

das Gerät sagt: „Jetzt links abbiegen“<br />

oder: „Wenn möglich, bitte wenden“?<br />

Angeboten wird es teilweise schon.<br />

„Sprachführung und Abbiegehinweise in<br />

Pfeilform sind eine logische Ergänzung<br />

der automatischen Routenberechnung“,<br />

meint Matthias Pilz. „Da es bisher noch<br />

wenige solcher Anwendungen gibt, ist<br />

das Potenzial schwer abschätzbar. Ich<br />

denke, die Funktion wird ein nettes<br />

Gadget bleiben, das beim Radfahren einen<br />

Mehrwert bringt. Im alpinen Bereich,<br />

auf Bergtouren, Skitouren oder<br />

Hochtouren wird der Blick auf das Display<br />

und die Karte weiterhin mehr als<br />

nur sinnvoll bleiben.“<br />

Zweitens: Soll man die gedruckte Karte<br />

weiterhin dabeihaben? Antwort: unbedingt.<br />

„Die Basis jeder Tourenplanung<br />

oder Outdoor-Navigation ist nach wie<br />

vor das Verständnis der Karte – das wird<br />

leider oft vergessen. Man sollte die moderne<br />

Form der Tourenplanung als Ergänzung<br />

zum Basiswissen über Karten<br />

verstehen“, sagt Matthias Pilz.<br />

So fein die Technik auch ist, empfiehlt<br />

Pilz auch immer, einen Ausfall des elektronischen<br />

Geräts in der Planung von<br />

Outdoor-Unternehmungen in Betracht<br />

zu ziehen. Wozu es gehört, die in der<br />

Planung ermittelten Daten auch auszudrucken<br />

und in den Rucksack zu stecken.<br />

Und sollte der Akkustand kritisch<br />

werden, lieber rechtzeitig analog weiternavigieren:<br />

Es sollte immer eine Stromreserve<br />

vorhanden sein, um bei Bedarf<br />

einen Notruf absetzen zu können.<br />

Fotos: Naturfreunde/Martin Edlinger, Matthias Pilz<br />

84 <strong>SPORTaktiv</strong>


FEST IN<br />

DER WAND<br />

FÜNF AKTUELLE KLETTERSTEIGSETS<br />

FÜR SICHEREN HALT.<br />

AUSTRIA ALPIN HYDRA.EVO<br />

• Klettersteigset mit drittem<br />

Arm: Ferrata.Bloc-Klettersteigzusatzbremse<br />

für senkrechte<br />

Passagen<br />

• Ferrata.Bloc an Ort und<br />

Stelle verhindert so<br />

schwere Stürze<br />

• Fallhöhe wird auf ein Minimum<br />

reduziert und Verletzungen<br />

können vermieden<br />

werden<br />

PREIS (UVP): € 154,90<br />

www.austrialpin.at<br />

PETZL SCORPIO EASHOOK<br />

• Klettersteigset mit Eashook-<br />

Karabinern und Verdrehschutzsystem<br />

für Anwender, die zwischen<br />

40 und 120 kg wiegen<br />

• zwei elastische Arme mit<br />

hohem Dehnungsvermögen<br />

PREIS (UVP): € 130,–<br />

www.petzl.com<br />

STUBAI BERGSPORT SUMMIT<br />

LIGHT X1<br />

• ergonomischer Summit-Light-<br />

Karabiner<br />

• textile Schlaufe für Rastkarabiner<br />

• die beiden Arme und Karabiner<br />

haben unterschiedliche Farben<br />

zur schnellen Unterscheidung<br />

• entwickelt für Benutzer mit einem<br />

Gewicht von 40 bis 120 kg<br />

PREIS (UVP): € 99,90<br />

www.stubai-sports.com<br />

Fotos: Hersteller<br />

SKYLOTEC SKYRISER<br />

• der Nachfolger des meistverkauften<br />

Klettersteigsets Skysafe<br />

von Skylotec punktet mit noch<br />

mehr Performance<br />

• innovativer Karabiner-Resistor<br />

mit Handballensicherung und<br />

Stahl-Inlet als Schutz vor Abrieb<br />

durch das Stahlseil sowie mit<br />

großer Gate-Öffnung für komfortables<br />

Ein- sowie Aushängen<br />

• Key-Lock-Nase des Resistor<br />

verhindert ein Hängenbleiben<br />

am Stahlseil oder den Armen<br />

des Klettersteigsets<br />

PREIS (UVP): € 115,–<br />

www.skylotec.com<br />

BLACK DIAMOND IRON CRUISER<br />

• ist einfach, aber effizient zu bedienen<br />

für Sicherheit am Klettersteig<br />

• das neue Dyneema-Energieabsorptionssystem<br />

begrenzt die<br />

Belastung im Falle eines Sturzes<br />

• ausziehbare Verbindungsmittel im<br />

Bungee-Stil<br />

• entwickelt für Benutzer mit einem<br />

Gewicht von 40 bis 120 kg<br />

PREIS (UVP): € 110,–<br />

www.blackdiamondequipment.com<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

85


KLAMM-<br />

FERRATA<br />

KURZER ZU- UND<br />

ABSTIEG UND<br />

MAXIMALES KLETTER-<br />

STEIGVERGNÜGEN IN<br />

DIVERSEN SCHWIERIG-<br />

KEITEN MITTEN IM<br />

EINDRUCKSVOLLEN<br />

NATURDENKMAL.<br />

VON AXEL JENTZSCH-RABL<br />

Der „Hohe Steg“ – eine durch<br />

Schmelzwassermassen vor<br />

12.000 Jahren geschaffene<br />

kleine, aber eindrucksvolle Klamm –<br />

an deren Felswänden ein moderner<br />

Sportklettersteig entstanden ist. Das<br />

Naturdenkmal wurde optisch durch<br />

das kreuz und quer verlaufende Stahlseil<br />

doch relativ massiv verändert.<br />

Entstanden ist ein interessanter Klettersteig,<br />

der die Felsen bestmöglich<br />

ausnützt. Zwei Seilbrücken und eine<br />

Leiter bilden die Hauptattraktion für<br />

Ferratisten und der darunterliegende<br />

Turrachbach lädt im Sommer zum<br />

Abkühlen ein.<br />

Anreise<br />

Durch das Murtal nach Predlitz<br />

und dort nach Süden zur Turracher<br />

Höhe abzweigen. Nach 500 Metern<br />

kommt ein Straßentunnel, an dessen<br />

Südende sich ein großer Parkplatz<br />

befindet. Mit Öffis: mit der Bahn<br />

über Unzmarkt nach Predlitz-<br />

Turrach.<br />

Fotos: Andreas Jentzsch-Rabl<br />

86 <strong>SPORTaktiv</strong>


Route<br />

Siehe Topo. Hauptroute ist C, eine<br />

Power-Variante mit D/E gibt es auch.<br />

Zustieg<br />

Vom Parkplatz über die Straße zum<br />

bereits sichtbaren Südeinstieg. Für<br />

den Nordwesteinstieg folgt man der<br />

alten, tiefer gelegenen Straße noch<br />

zwei Minuten durch die Klamm nach<br />

Norden.<br />

Abstieg<br />

Vom Ausstieg in wenigen Schritten<br />

zum Wanderweg, der über Stufen<br />

hinunter zur Holzbrücke führt. Nach<br />

der Brücke rechts zum Parkplatz.<br />

AXEL<br />

JENTZSCH-RABL<br />

aus Bad Häring (T) kennt als<br />

Verfasser der umfangreichsten<br />

heimischen Klettersteigführer<br />

die meisten Klettersteige in<br />

Österreich und im umliegenden<br />

Ausland. Bei uns stellt er<br />

regel mäßig einen seiner<br />

Favoriten vor.<br />

Ausrüstung<br />

Klettersteigausrüstung und Helm<br />

Bemerkung<br />

Bei extremem Hochwasser ist der<br />

Klettersteig nicht begehbar!<br />

TOP-KLETTERSTEIG<br />

Hoher-Steg-Klettersteig<br />

Schwierigkeitsgrad C; Var. D/E<br />

Zeitaufwand: 60 hm/ 1 Std.<br />

Talort: Predlitz, 971 m<br />

Ausgangpunkt: Parkplatz südlich<br />

des Tunnels, 990 m<br />

BUCHTIPP<br />

Klettersteigführer<br />

Österreich neu<br />

7. Auflage mit<br />

Touren-App<br />

www.alpinverlag.at<br />

Notausstieg<br />

gehen<br />

A/B<br />

B<br />

Turm<br />

B<br />

Hoher Steg<br />

B<br />

A<br />

zum Parkplatz<br />

absteigen<br />

A<br />

C/D<br />

25 m 2-Seil-Brücke<br />

C<br />

A/B<br />

B<br />

B/C<br />

A<br />

B<br />

A/B<br />

A<br />

D/E<br />

D<br />

A<br />

C<br />

B<br />

B<br />

B<br />

B<br />

Leiter<br />

C<br />

Süd-Einstieg<br />

C<br />

B<br />

B<br />

B/C<br />

A<br />

C<br />

2-Seil-<br />

Brücke<br />

A/B<br />

A/B<br />

Leiter<br />

Expos.<br />

NW<br />

Nordwest-Einstieg<br />

Turrach<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

87


An den malerischen Gestaden<br />

der Donau in Altenwörth<br />

trafen sich Eisschwimmer aus<br />

dem In- und Ausland, um sich<br />

gemeinsam eine Abkühlung zu<br />

verschaffen.<br />

Auch so sehen Sieger aus.<br />

Die Haut krebsrot und<br />

am ganzen Körper zitternd,<br />

zieht sich Lukas<br />

aus Trencin mit letzter<br />

Kraft aus dem Wasser der Donau.<br />

Beim Versuch, in den dampfenden<br />

Hot Tub am Ufer zu steigen, fällt er<br />

fast von der Stiege und muss gestützt<br />

werden. Und trotzdem lächelt der<br />

Slowake selig übers ganze Gesicht.<br />

Schließlich ist er gerade 1000 Meter<br />

geschwommen, was für sich genommen<br />

noch kein Fall für die Heldengalerie<br />

ist. Allerdings hatte das kühle,<br />

nein, eiskalte Nass gerade einmal vier<br />

Grad, was selbst hartgesottenen Wasserratten<br />

den Badespaß in der Regel<br />

verleidet. „Jetzt bin ich einfach nur<br />

glücklich“, seufzt Lukas, als er sich in<br />

das wohlig temperierte Badefass gleiten<br />

lässt.<br />

Willkommen bei den offenen österreichischen<br />

Meisterschaften im<br />

Eisschwimmen. Ein Event, bei dem<br />

Rettungstaucher zum Standardpersonal<br />

gehören, Saunazelte am Uferrand<br />

vor sich hindampfen und in Winterjacken<br />

eingemummelte Zuschauer<br />

mit barfüßigen Teilnehmern in Bademänteln<br />

parlieren. Eine von ihnen ist<br />

Eva Wohlfarter aus Wien, die vor gut<br />

eineinhalb Jahren dieser Leidenschaft<br />

verfallen ist und zum ersten Mal an<br />

einem offiziellen Bewerb teilnimmt.<br />

„Eisschwimmen ist wie eine Droge,<br />

du erlebst dabei eine Grenzerfahrung“,<br />

sagt die 32-jährige Radiomoderatorin.<br />

„Wenn du ins Wasser<br />

gehst, tut es wirklich weh, es sticht<br />

und prickelt, deine Finger werden<br />

taub. Du bekommst nichts mehr von<br />

dem mit, was um dich herum passierst,<br />

konzentrierst dich nur noch<br />

auf deinen Körper und deine Atemtechnik.<br />

Ein wunderbares Gefühl.“<br />

Sie hat sich heute für das 50-Meter-Rennen<br />

der Damen angemeldet<br />

und absolviert damit ziemlich genau<br />

ein Siebtel von dem Programm, das<br />

Josef Köberl an diesem Tag abspult.<br />

Zwischen 25 und 1000 Meter lässt<br />

der 43-Jährige keine Strecke aus, am<br />

Ende des Tages wird er mehr als 24<br />

Minuten in der klirrend kalten Donau<br />

verbracht haben. Freunden gepflegter<br />

Verrücktheiten könnte der<br />

Name ein Begriff sein, schließlich<br />

schreckt der Wahlwiener vor nichts<br />

zurück, was mit Kälte zu tun hat. Er<br />

Fotos: Markus Geisler (3), Facebook<br />

88 <strong>SPORTaktiv</strong>


COOL? DEUTLICH UNTERTRIEBEN.<br />

EISSCHWIMMER WERFEN SICH<br />

BEI TEMPERATUREN INS<br />

WASSER, BEI DENEN ANDERE<br />

ZUR WOLLHAUBE GREIFEN.<br />

BEI DEN ÖSTERREICHISCHEN<br />

MEISTERSCHAFTEN TRAFEN<br />

SICH DIE AM HÄRTESTEN<br />

GESOTTENEN IN ALTENWÖRTH,<br />

UM IHRE BESTEN ZU KÜREN UND<br />

SICH SELBST ZU SPÜREN.<br />

VON MARKUS GEISLER<br />

„WIE EINE<br />

DROGE “<br />

durchschwamm in 14 Stunden den<br />

Ärmelkanal und ließ sich am Wiener<br />

Hauptbahnhof in einer Glaskabine<br />

komplett mit Eis bedecken – für zwei<br />

Stunden, acht Minuten und 47 Sekunden.<br />

Weltrekord im „Longest<br />

Duration Full Body Contact With<br />

Ice“, wie es offiziell heißt. Demnächst<br />

will er sich am Hintertuxer<br />

Gletscher ein Vollbad genehmigen –<br />

bei –0,4 Grad Wassertemperatur.<br />

Für ihn müssen sich die Meisterschaften<br />

an einem Seitenarm der Donau<br />

in Altenwörth, wo sich das<br />

Wasser thermometer im Laufe der Bewerbe<br />

langsam Richtung fünf Grad<br />

bewegt, anfühlen wie ein Warmbadetag<br />

im städtischen Hallenbad. Wobei<br />

man sich damit wirklich an einer kritischen<br />

Grenze bewegt. Denn wärmer<br />

als fünf Grad darf es gar nicht<br />

werden, sonst zählt es nicht mehr<br />

zum Eisschwimmen. Und eventuell<br />

aufgestellte Rekorde hätten keine<br />

Gültigkeit. Genau vor einem Jahr<br />

schwamm der Niederländer Sven Elfferich<br />

an dieser Stelle die 1000 Meter<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

89


ICH WILL DAMIT DOKUMENTIEREN,<br />

DASS MAN ALLES SCHAFFEN KANN.<br />

WENN MAN ES NUR WIRKLICH WILL<br />

UND HART DAFÜR TRAINIERT.<br />

in 11:55,40 Minuten – und sorgte<br />

mit dieser Bestleistung für Begeisterung,<br />

aber auch für Aufregung. „Einen<br />

Weltrekord so zu dokumentieren,<br />

dass er auch anerkannt wird, ist<br />

eine echte Herausforderung“, erzählt<br />

Köberl, der zusammen mit den Freizeitverein<br />

Altenwörth zum Organisationskomitee<br />

der Veranstaltung gehört.<br />

„Wir mussten nachher noch<br />

mal das Becken genau vermessen, die<br />

genauen Temperaturen nachweisen<br />

und alles haarklein übermitteln. Aber<br />

es hat gepasst.“<br />

Einen Rekord aufzustellen war<br />

auch der Aufhänger für Chun Kung<br />

Mak, an diesem Wochenende nach<br />

Niederösterreich zu kommen. Der<br />

im tschechischen Brünn lebende<br />

Schwimmer aus Hongkong absolviert<br />

als erster Mann überhaupt die<br />

„Eismeile“ (entspricht 1609,3 Meter)<br />

ausschließlich im kraftraubenden<br />

Delfinstil (was mit Pauline Barker<br />

übrigens eine Frau schon vor ihm<br />

schaffte). Knapp 40 Minuten dauert<br />

der Spaß, wobei Mak mit einem<br />

Dauerlächeln keine Sekunde daran<br />

zweifeln lässt, diese Tortur auch als<br />

solche zu empfinden. „Dabei geht es<br />

mir überhaupt nicht um sportliche<br />

Höchstleistungen oder darum, irgendetwas<br />

zu gewinnen“, erzählt der<br />

33-Jährige und präsentiert stolz seinen<br />

Bademantel aus eigener Kollektion.<br />

Sein Ansatz ist ein philosophischer.<br />

Und hat auch damit zu tun,<br />

dass ihm sein Vater diese Spompanadeln<br />

(„Lass das, die Europäer sind<br />

solche Wassertemperaturen gewohnt,<br />

du nicht!“ Anm.: Na ja, wenn er<br />

meint ...) ausreden wollte. „Ich will<br />

damit dokumentieren, dass man alles<br />

schaffen kann. Wenn man es nur<br />

wirklich will und hart dafür trainiert.“<br />

Die dem Eisbad folgende Endorphinausschüttung<br />

zur Belohnung<br />

nimmt er natürlich auch gerne mit.<br />

Bis heute haben die „Eismeile“, die<br />

neben Mak diesmal auch noch von<br />

sieben weiteren Wagemutigen bezwungen<br />

wird, gerade einmal 338<br />

Menschen absolviert.<br />

Einer davon ist, natürlich, Josef<br />

Köberl, der jetzt in der Hot Tub sitzt,<br />

das heiße Wasser genießt und sein<br />

1000-Meter-Rennen, bei dem er es<br />

mal wieder zu schnell anging, Revue<br />

passieren lässt. „Es ist falsch zu glauben,<br />

dass sich der Körper an die Kälte<br />

gewöhnt, im Gegenteil. Je länger<br />

das Rennen dauert, desto kälter wird<br />

einem. Es ist dann auch ein riesiger<br />

Unterschied, ob das Wasser zwei oder<br />

90 <strong>SPORTaktiv</strong>


Aufwärmen im Hot Tub nach 1000 Meter Kraul in weniger<br />

als fünf Grad kaltem Wasser: Josef Köberl (Mitte).<br />

Links: Chun Kung Mak aus Hongkong nach seinem<br />

erfolgreichen Versuch, als erster Mann der Welt die<br />

Eismeile ausschließlich im Delfinstil zu absolvieren.<br />

vier Grad kalt ist, da merkst du jede Nuance.“<br />

Er hat als bester Österreicher für seinen Lauf gut<br />

18 Minuten gebraucht und war damit um etwa<br />

sechs Minuten langsamer als Colin Bushweller,<br />

der eigens aus den USA angereist ist, um mit<br />

persönlicher Bestzeit den amerikanischen Rekord<br />

zu brechen. Was ihm in 12:43 Minuten<br />

eindrucksvoll gelingt. 50 Starter aus acht Nationen<br />

sind in Altenwörth insgesamt am Start, was<br />

nicht nur (aber auch) an der pittoresken Landschaft<br />

liegt, sondern auch daran, dass das Wasser<br />

unter Insidern als ziemlich schnell gilt.<br />

Ein Umstand, der Eva Wohlfarter wiederum<br />

egal war. Ihre Motivation lag darin, ihr Hobby,<br />

dem sie im Winter einmal pro Woche nachgeht,<br />

auch einmal bei einem echten Wettkampf auszuprobieren<br />

und zu schauen, wie es ihr im direkten<br />

Duell Frau gegen Frau geht. Ohne dabei<br />

auf Zeiten oder Platzierungen zu schauen. Was<br />

nicht heißt, dass sie sich über ihren Vize-Titel<br />

nicht gefreut hätte. „Andere werfen Pillen ein,<br />

verschreiben sich der Esoterik oder reisen um<br />

die Welt, um einen Kick zu bekommen“, sagt<br />

sie. „Wenn ich in eiskaltem Wasser schwimme,<br />

genieße ich die Magie des Augenblicks und bin<br />

so nah bei mir wie sonst nie.“ Das gelegentliche<br />

Bibbern danach nimmt sie dabei gerne in Kauf.


G-1000® AIR STRETCH<br />

Leicht, luftig, flexibel<br />

Fjällrävens eigens entwickeltes Material.<br />

Ungewachst für die bestmögliche<br />

Atmungsaktivität und mit mechanischem<br />

Stretch für mehr Bewegungsfreiheit.<br />

Gefertigt aus Bio-Baumwolle und teilweise<br />

recyceltem Polyester mit fluorcarbonfreier<br />

Imprägnierung. Kann mit Greenland Wax<br />

behandelt werden.<br />

abisko midsummer<br />

trousers<br />

Leicht und luftig unterwegs.<br />

ob du im südlichen Voralpenland unterwegs<br />

bist oder den hohen Norden erkundest, um deine<br />

Bekleidung und Ausrüstung solltest du dir keine<br />

Gedanken machen müssen. Sie sollten dich<br />

bei deinen Abenteuern unterstützen, aber diese<br />

nicht bestimmen – dafür ist schließlich die Natur<br />

zuständig. Das gilt insbesondere für Hosen und für<br />

warmes Klima. Eine Naht an der falschen Stelle oder<br />

unnachgiebiges Material, das deine Bewegungsfreiheit<br />

einschränkt, kann dir deine Abenteuerlust im<br />

Handumdrehen nehmen. Unsere neuen, aus G-1000<br />

Air Stretch (recyceltes Polyester und Bio-Baumwolle)<br />

gefertigten Abisko Midsummer Trousers sind leicht<br />

und funktionell und bieten viel Bewegungsfreiheit.<br />

Mit den Belüftungsreißverschlüssen an den Seiten<br />

kann die Luftzufuhr individuell angepasst werden<br />

und die anschmiegsame Passform sorgt für hohen<br />

Tragekomfort - selbst auf langen Wanderungen.<br />

Eine Hose, die perfekt funktioniert und in keinster<br />

Weise dein Trekking-Erlebnis beeinträchtigt. Die<br />

Natur wartet auf dich. Wir sehen uns draußen.<br />

www.fjallraven.de


OUTSIDE<br />

LOGBUCH EINES<br />

KLETTERERS<br />

ULTRASUN SCHÜTZT<br />

HAUT UND UMWELT<br />

Die Schweizer Sonnenschutzmarke<br />

wird mit dem „EcoSun Pass“ als<br />

besonders umweltschonender<br />

Sonnenschutz ausgezeichnet.<br />

Foto: Ranggetiner<br />

HERBERT<br />

RANGGETINER<br />

... ist Profikletterer<br />

und einer der<br />

besten Extremkletterer<br />

Europas –<br />

und ein „Querdenker“<br />

der Outdoorsportszene.<br />

In seiner<br />

„Outside“­ Kolumne<br />

lässt er die <strong>SPORTaktiv</strong>-Leser<br />

an seinen<br />

Gedanken teilhaben.<br />

Die Bergwelt, unendliche Weiten, wir schreiben<br />

das Jahr 2000. Dies sind die Abenteuer des<br />

VW-Busses T2, der mit seiner 2 bis 7 Mann<br />

starken Besatzung mehrere Jahre unterwegs ist, um<br />

fremde Felsen zu erforschen. Viele Autostunden von<br />

der Heimat entfernt dringt der VW T2 in Felsgalaxien<br />

vor, die noch nie zuvor ein Mensch beklettert<br />

hat! Sternzeit 909,7 abends, irgendwo in Slowenien.<br />

Kaptain Franz steht bei 30 Grad am Feuer und kocht,<br />

nicht in schicker Uniform mit Streifen, sondern nur<br />

mit Unterhose (ohne Streifen). Hey Boss, wos gibt’s<br />

denn heit? Um die Geschichte abzukürzen, wir hatten<br />

das eine Jahr in Slowenien täglich Nudeln auf der<br />

Speisekarte, mit wohl jeder Art von Sauce, die es gibt,<br />

aber halt Nudeln. Keine Kohle, dafür viele Kohlenhydrate<br />

und bis heute keine Mangelerscheinungen, wir<br />

lebten die minimalistische Zufriedenheit! Manchmal<br />

halfen wir den Bauern, Körperpflege im Bach mit<br />

kompletter Montur war Standard und der Schlaf, ja,<br />

der Schlaf war ein kindlich entspannter. Keine Gedanken<br />

über Zukunft – Existenzängste oder krieg ich<br />

mal eine Rente! Den gestrickten Pullover von meinem<br />

Vater trug ich immer, auch als er nach einer Gaskocherexplosion<br />

(keine Laserpistole) ein 10 cm großes<br />

Loch im Brustbereich hatte! Abends saßen wir öfters<br />

bei den Weinbauern und je später die Stunde, desto<br />

wilder wurden die Geschichten. Unsere Kletterstorys<br />

matchten sich mit ihren über die erlegte Monsterwildsau!<br />

Wir schreiben die Sternzeit irgendwann, als wir in<br />

der Nähe einer Hafenstadt parkten, Bus geknackt,<br />

gestohlen hat man nur das Autoradio, danke! Am<br />

nächsten Tag parkten wir am selben Ort und siehe da,<br />

wieder geknackt und die dazugehörigen Boxen fachgerecht<br />

ausgebaut! Nur weil wir langhaarige, barfüßige<br />

Reisende waren (oder auch wegen meines handgroßen<br />

Lochs in der Brust) hielten uns Zöllner stundenlang<br />

in einem Container fest. Irgendwann waren sich die<br />

scharfen Drogenwuffis und ihre Herrl einig, das weiße<br />

Pulver im Auto ist Magnesium und die Besatzung des<br />

VW-Busses T2 erforscht nur die unendlichen Weiten<br />

und Felsgalaxien! To be continued ...!<br />

Die Nachricht ging um die Welt: Auf<br />

Hawaii und Palau werden fünf chemische<br />

Sonnenschutzfilter verboten.<br />

Gleichzeitig gibt es eine Vielzahl an<br />

Gütesiegeln – welchen also Glauben<br />

schenken? Der EcoSun Pass bewertet<br />

Produkte transparent nach den Kriterien<br />

biologische Abbaubarkeit, aquatische<br />

Toxizität (also wie giftig ist ein<br />

Filter, wenn er ins Wasser gelangt),<br />

sowie Bio-Akkumulierung mit Potenzial<br />

für endokrine Wirkung. Auf<br />

Deutsch: Sammelt sich ein Filter in<br />

Organismen an und besteht Verdacht<br />

auf eine hormonelle Wirkung? Als<br />

erste Marke weltweit wurde Ultrasun<br />

jetzt mit dem EcoSun-Pass-Label ausgezeichnet.<br />

Weitere Infos dazu:<br />

www.ultrasun.com<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

93


AUS<br />

PRO<br />

BIERT<br />

OUTDOOR<br />

ALGEN ZUM ANZIEHEN<br />

Isländische Algen sind die Grundlage der Naturfaser „Sea-<br />

Cell“, aus der Sportbekleidung gefertigt wird: Shirts mit kurzen<br />

und langen Ärmeln, solche mit Zip-Kragen und Unterhosen. Ab<br />

Mai gibt es zusätzlich Polo-Shirts. Algen-Pionier ist der Deutsche<br />

Peter Mattis mit seiner Firma Palgero. Drei Varianten stehen<br />

zur Wahl: Alge pur (97 % Alge und 3 % Elastan). Alge und<br />

Trevira in Kombination. Und Algen-Merino-Modelle. „Unsere<br />

Produkte haben einen sehr hohen Algenanteil, das unterscheidet<br />

uns von anderen Anbietern“, erläutert der Palgero-Chef. Im<br />

Test haben wir uns reine Algen-Shirts und die Alge-Trevira-Mischung<br />

(siehe Bild) angesehen. Fazit: Beide Kurzarm-Modelle<br />

von Palgero (je € 60,–) fühlen sich auf der Haut überaus angenehm<br />

an. Weich, sanft, wärmend, wenn es kalt ist, aber nicht<br />

zu warm, wenn es heiß ist, sind beide. Die Alge-Trevira-Mischung<br />

wirkt etwas luftiger. Wir würden sie an heißen Sommertagen,<br />

als einzige Schicht getragen, bevorzugen. Direkt auf<br />

der Haut, wenn man einen Midlayer darüber trägt, sind beide<br />

Modelle top. „Algen sind reich an Mineralstoffen, Vitaminen<br />

und Spurenelementen. Sie sollen die Haut vor freien Radikalen<br />

schützen und sich positiv auf ihren Feuchtigkeitshaushalt auswirken“,<br />

weiß Mattis. Na bitte!<br />

ALGEN ZUM ANZIEHEN, „BÖSE<br />

AUGEN“ FÜR BESTE SICHT UND<br />

STEIGEISEN FÜR JEDEN<br />

SCHUH: UNSERE DREI<br />

AKTUELLEN TESTS.<br />

VON OLIVER PICHLER<br />

Fotos: Oliver Pichler, Kenny Hamilton<br />

94<br />

<strong>SPORTaktiv</strong>


SICHT-WUNDER MAL ZWEI<br />

STEIGEISEN FÜR JEDEN SCHUH<br />

Im Frühjahr und im Frühsommer gibt es Jahr für Jahr zahllose<br />

Unfälle, ausgelöst durch Altschneefelder. Um beim<br />

Queren der Schneefelder nicht Überlebenslotto spielen zu<br />

müssen, sind Spikes, die man über jeden Schuh ziehen<br />

kann, oft das Mittel der Wahl. Sind Schneefelder hartgefroren,<br />

vereist und/oder extrem steil, braucht es – um das<br />

Absturzrisiko zu minimieren – Steigeisen und Pickel. Das<br />

Problem: Leichtere Wanderschuhe sind in der Regel mit<br />

üblichen Steigeisen nicht kompatibel. In diese Lücke stößt<br />

der US-Outdoor-Spezialist Kahtoola mit seinen KTS Crampons<br />

(€ 119,–). Sie können auch mit nicht für klassische<br />

Steigeisen geeigneten Schuhen verwendet werden. Die<br />

KTS Crampons sind – einmal auf den entsprechenden<br />

Schuh eingestellt – leicht und schnell anzulegen. Im<br />

Schnee und auf Eis geben sie deutlich mehr Halt als<br />

Spikes. Zu bedenken ist bei ihrer Verwendung zweierlei:<br />

Die je Fuß zehn Stahlzacken (2 bis 2,5 Zentimeter hoch) erhöhen,<br />

wenn man es nicht gewohnt ist, mit ihnen zu gehen,<br />

das Risiko zu stolpern deutlich. Und zusätzlich zu den<br />

KTS Crampons braucht es trotzdem einen Pickel, um im<br />

Fall des Falles ein Abrutschen verhindern zu können.<br />

„Evil Eye“ heißt eine neue Sportbrillenmarke made in Austria.<br />

Dahinter steht der Brillen-Weltkonzern Silhouette aus Linz.<br />

Seit Spätherbst 2019 am Markt, haben wir Evil Eye einem<br />

Langzeittest unterzogen. Konkret, zwei Modelle, die jeweils mit<br />

einem Spezialglas ausgestattet sind: Das Modell Trace/Trace<br />

Pro (ab € 209,–) mit dem „LST bright Vario purple mirror“-Glas<br />

(Schutzstufen 1 bis 3). Und das Modell Fusor/Fusor Pro (ab €<br />

229,–) mit „LST blue light Vario blue mirror“-Glas (Schutzstufen<br />

2 bis 4). Beide Gläser kombinieren Kontrastverstärkung (LST)<br />

mit variabler Anpassung an die Lichtverhältnisse (Vario). Die<br />

Kontrastverstärkung sorgt dafür, dass man mit Brille mehr und<br />

besser sieht als ohne. Die variable Anpassung stellt sicher,<br />

dass man auch im Schatten oder im Wald perfekte Sicht genießt.<br />

Wer es im Schatten nahezu ungetönt haben will und sich<br />

nicht oft hochalpin bewegt, ist mit Schutzstufen 1 bis 3 bestens<br />

versorgt. Wer viel im Hochgebirge oder am Wasser unterwegs<br />

ist, ist mit den Schutzstufen 2 bis 4 besser bedient. Beide Testmodelle<br />

sind extrem leicht und individuell an den Seitenbügeln<br />

sowie am Nasensteg anpassbar. Bei allen Evil-Eye-Modellen<br />

können Gläser bei Bedarf ganz einfach selbst gewechselt werden.<br />

Und es gibt jedes Modell und jedes Glas auch als optische<br />

Brille mit individueller Fehlsichtigkeitskorrektur.<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

95


FULL SPEED<br />

... so heißt diese leichte<br />

Sommerjacke für<br />

Herren von MARTINI<br />

SPORTSWEAR, die<br />

auch bei widrigen<br />

Bedingungen Schutz<br />

bietet. Das dünne,<br />

atmungsaktive Stretch-<br />

Material sorgt für volle<br />

Bewegungsfreiheit.<br />

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RUNDUM GLÜCKLICH<br />

Paragon (für Herren) und<br />

Maven (für Damen) sind das<br />

Rundum-glücklich-Paket unter<br />

den Trekking-Rucksäcken von<br />

GREGORY. Herausragend: das<br />

FreeFloat-Hybrid-Tragesystem.<br />

eu.gregorypacks.com<br />

OUT<br />

DOOR<br />

NEWS<br />

FÜR SPORTLICHE<br />

NATURLIEBHABER<br />

Die „CEP Outdoor Merino Mid Cut<br />

Socks“ bieten an kühlen Tagen idealen<br />

Tragekomfort und warme Füße. Die<br />

gezielt eingesetzte „medi compression“<br />

sorgt für bessere Koordination und<br />

sicheren Tritt in jedem Gelände.<br />

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WELTNEUHEIT<br />

Das Fernglas smart gedacht<br />

hat SWAROVSKI OPTIK: Der<br />

„dG“ (digital guide) identifiziert<br />

beobachtete Tiere automatisch<br />

und ermöglicht es, das Erlebte zu<br />

dokumentieren und zu teilen.<br />

swarovskioptik.com<br />

Fotos: Hersteller<br />

96 <strong>SPORTaktiv</strong>


PRO<br />

Liebe Leserinnen und Leser!<br />

Normalerweise finden Sie hier Hinweise<br />

auf kommende Sportevents. Doch in Zeiten<br />

wie diesen holen wir Sporthelden vor den<br />

Vorhang, die sich in der Krise auszeichnen.<br />

So wie die Bayern-Stars Leon Goretzka und<br />

Joshua Kimmich (großes Bild), die die Initiative<br />

„We kick Corona“ ins Leben gerufen<br />

und dafür eine Million Euro zur Verfügung<br />

gestellt haben. Das Geld soll für karitative<br />

Zwecke verwendet werden. Top!<br />

Fotos: Getty Images (4)<br />

ALISA BUCHINGER<br />

Wie viele Heeressportler (unter<br />

anderem auch Janine Flock, Marko<br />

Raguz oder Wolfgang Kindl)<br />

leistet auch die Salzburger Karateka<br />

ihren Beitrag und hilft beim<br />

Einschlichten in einem Warenlager<br />

in Laakirchen mit.<br />

RUSSELL WILSON<br />

Der NFL-Star (Quarterback der<br />

Seattle Seahawks) und seine Frau<br />

(Popsängerin Ciara) bezahlen eine<br />

Million Mahlzeiten für Menschen,<br />

die an der US-Westküste wegen der<br />

Corona-Krise in Schwierigkeiten<br />

geraten sind.<br />

SADIO MANÉ<br />

Der Ex-Salzburger und heutige<br />

Liverpool-Star spendet nicht nur<br />

45.000 Euro für den Kampf gegen<br />

das Virus in seiner Heimat Senegal,<br />

er ruft auch per Videobotschaft<br />

zur Einhaltung der notwendigen<br />

Maßnahmen auf.<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

97


Die Kletterszene ist in Aufruhr. Hurra,<br />

endlich olympisch, schreien einige<br />

wenige. Aber zu welchem Preis, fragt<br />

die Mehrheit und lässt keinen Zweifel,<br />

den gefundenen Kompromiss als maximal<br />

faul zu empfinden. „Also in meinem<br />

Umfeld kenne ich niemanden, der die Regelung<br />

positiv sieht“, sagt auch Jessica Pilz, Österreichs<br />

mit Abstand beste Kletterin. Genauer<br />

gesagt Österreichs beste Athletin in<br />

den Disziplinen Vorstieg und Bouldern, für<br />

das Speed-Klettern konnte sich die 23-Jährige<br />

bis vor Kurzem nicht wirklich erwärmen.<br />

„Seit zwei Jahren absolviere ich mit Blick auf<br />

die Spiele zehn Prozent meines Trainings an<br />

der Speed-Wand, um dort zumindest halbwegs<br />

konkurrenzfähig zu sein.“<br />

Denn: Bei Olympia, das um ein Jahr auf<br />

2021 verschoben wurde, wird es nur einen<br />

Medaillensatz für diejenigen geben, die in<br />

der Kombination aller drei Disziplinen am<br />

besten abschneiden. Das sei so, sagen Kritiker,<br />

als gäbe es im alpinen Skisport nur eine<br />

Medaille für denjenigen, der bei der Kombination<br />

aus Abfahrt, Super-G und Slalom am<br />

besten abschneidet. Undenkbar. <strong>SPORTaktiv</strong><br />

wollte es genau wissen und hat sich mit Jessica<br />

Pilz in der Innsbrucker Kletterhalle getroffen<br />

und sich von ihr in die Geheimnisse der<br />

drei Stile einweihen lassen.<br />

„Am besten wir legen mit dem Vorstieg<br />

los, dann sehen wir gleich, was du drauf<br />

hast“, baut Jessica gleich mal ordentlich<br />

Druck auf. Schließlich werden beim sogenannten<br />

Lead alle Faktoren, die das Klettern<br />

ausmachen, vereint. Man benötigt Technik,<br />

Ausdauer, Kraft und die Fähigkeit, eine Route<br />

lesen zu können. „Beim Wettkampf hat<br />

man sechs Minuten Zeit, die Route zu besichtigen,<br />

viele haben sogar ein Fernglas mit<br />

dabei.“ Hat Sinn, geht so eine Wand doch<br />

bis zu 15 Meter in die Höhe, was von unten<br />

betrachtet wesentlich unspektakulärer wirkt<br />

als von oben, wie sich bald herausstellt.<br />

Deswegen ist man beim Vorstieg – im Gegensatz<br />

zum Bouldern – auch immer mit<br />

Gurt und Seil gesichert, was bei latent vorhandener<br />

Höhenangst allerdings nur ein<br />

kleiner Trost ist. Am Anfang mache ich zudem<br />

den typischen Anfängerfehler, mich in<br />

erster Linie auf die Kraft meiner Arme zu<br />

verlassen, von der ich wiederum relativ<br />

schnell verlassen werde. „Lass die Arme zwischendurch<br />

gestreckt und schau, dass du<br />

mehr mit den Beinen machst. Und versuch<br />

so nah wie möglich an der Wand zu bleiben“,<br />

sagt Jessica, die plötzlich in gefühlt zehn<br />

Metern Höhe neben mir auftaucht. War sie<br />

vor ein paar Sekunden nicht noch unten?<br />

Egal. Aus dieser Position heraus manövriert<br />

sie mich durch die Route mit teils riesigen,<br />

teils winzig kleinen Griffen wie ein erfahrener<br />

Kapitän seinen Dampfer. „Linker<br />

Fuß hoch, rechts übergreifen, beim nächsten<br />

Griff kannst du schön hineingreifen und<br />

kurz durchschnaufen.“ Was meine Finger<br />

WER HOCH<br />

HINAUS WILL ...<br />

… KANN TIEF FALLEN, WIE EINE KLETTER-CHALLENGE GEGEN OLYMPIA-<br />

STARTERIN JESSICA PILZ ZEIGT. WIR TESTEN MIT ÖSTERREICHS VORZEIGE-<br />

KRAXLERIN, WIE SINNVOLL ES IST, BOULDERN, VORSTIEG UND SPEED<br />

ZU EINEM BEWERB ZU VERMENGEN. UND KOMMEN<br />

ZU EINEM EINDEUTIGEN ERGEBNIS.<br />

TEXT: MARKUS GEISLER FOTOS: THOMAS POLZER<br />

98 <strong>SPORTaktiv</strong>


HINWEIS Diese Geschichte ist vor dem umfassenden Ausbruch der Corona-<br />

Krise und somit vor der Einführung der Kontakt- und Abstandregeln entstanden.<br />

Auch die Olympia-Absage wurde nachher erst entschieden.!<br />

und vor allem die Unterarme auch bitter nötig<br />

haben. Und auch meine Zehen, denn<br />

Kletterschuhe sind auf diesem Niveau in<br />

etwa so komfortabel wie Skischuhe beim<br />

Tanzen. Man müsse sie mindestens zwei<br />

Nummern kleiner nehmen als bei Straßenschuhen,<br />

um den optimalen Halt zu haben,<br />

erklärt Jessica. Was auch erklärt, warum sie<br />

flugs ihre Schuhe abstreift, als wir die Vorstieg-Wand<br />

hinter uns lassen und Richtung<br />

Speed-Wand schlendern.<br />

Dass es sich beim Speed um eine gänzlich<br />

andere Sportart handelt, wird auch dem Laien<br />

auf den ersten Blick klar. Wie eine Ei-<br />

Da geht’s lang:<br />

Jessica Pilz weist dem<br />

überforderten Redakteur<br />

den Weg.<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

99


Starthilfe: Beim Bouldern sorgt Jessica dafür,<br />

dass der Kletterer bei nachlassenden Kräften<br />

überhaupt in die Wand kommt.<br />

JESSICA PILZ<br />

dechse sprintet Jessica die Wand hoch<br />

und bei einigen Griffen sieht es so aus, als<br />

würde sie diese nur hauchzart streifen.<br />

9,4 Sekunden ist hier ihre persönliche<br />

Bestzeit. Auf der einen Seite unfassbar<br />

schnell, andererseits doch mehr als zwei<br />

Sekunden über dem Weltrekord der Indonesierin<br />

Aries Susanti Rahayu. „Hier<br />

sind Athleten im Vorteil, die man normalerweise<br />

auf Leichtathletikbahnen findet,<br />

es geht um Explosivität und Schnellkraft“,<br />

sagt Pilz und kann ihre Abneigung<br />

dabei nicht ganz verhehlen. Ich dagegen<br />

freue mich, dass es direkt neben der Route<br />

eine Art Holzleiter gibt, auf der man<br />

relativ kommod in die Höhe kraxeln<br />

kann. Und von wo aus man erste Reihe<br />

fußfrei die flinken Bewegungen in der<br />

immer gleichen, weil weltweit genormten<br />

Route studieren kann.<br />

„Wenn ich nächste Woche bei einem<br />

reinen Speed-Bewerb im Weltcup starten<br />

müsste, würde ich irgendwo zwischen<br />

Platz 30 und 40 landen“, schätzt die Vorstieg-Weltmeisterin<br />

von 2018. Und rechnet<br />

vor, wie bei Olympia die Medaillen<br />

vergeben werden. Jede der 20 qualifizierten<br />

Damen klettert alle drei Disziplinen,<br />

die jeweiligen Platzierungen werden miteinander<br />

multipliziert. Zweite im Vorstieg,<br />

Fünfte im Bouldern und 18. beim<br />

Speed wären am Ende 180 Punkte<br />

(2x5x18). Die acht Sportlerinnen mit den<br />

wenigsten Zählern kommen ins Finale<br />

Die Niederösterreicherin aus<br />

Haag wurde im Alter von neun<br />

Jahren im Rahmen eines städtischen<br />

Ferienprogramms entdeckt,<br />

als ein Trainer dort ihr Klettertalent<br />

erkannte. Dreimal wurde<br />

sie im Jugendbereich Weltmeisterin<br />

im Vorstieg, ehe ihr 2018 bei<br />

der Heim-WM in Innsbruck der<br />

große Wurf gelang und sie den Titel<br />

im Erwachsenenbereich holte.<br />

„Ich hab im gleichen Jahr kurz<br />

vorher meinen ersten Weltcup<br />

gewonnen – das war nach zwei<br />

Verletzungen sogar noch emotionaler<br />

als die WM“, sagt die Heeressportlerin,<br />

die das Thema Olympia,<br />

wo Klettern erstmals vertreten<br />

ist, gar nicht zu hoch hängen<br />

wollte. „Sonst mache ich mich<br />

nur verrückt. Ich gehe in die Saison<br />

wie in jede andere.“ War<br />

wohl richtig, schließlich wurden<br />

die Spiele auf 2021 verschoben.<br />

und ermitteln in einem weiteren Wettkampf<br />

noch am gleichen Tag die Siegerin.<br />

„Da wird es auch darauf ankommen, wer<br />

am Ende noch genügend Power und<br />

Konzentration zur Verfügung hat“, glaubt<br />

die Niederösterreicherin, die seit vier Jahren<br />

in Innsbruck lebt. Als Ziel hätte sie<br />

sich die Finalteilnahme gesetzt, mehr<br />

Druck wollte sie sich im Vorfeld nicht<br />

auferlegen. Und gut zu wissen: Wer bei<br />

einer der drei Disziplinen Rang eins belegt,<br />

kann das Finale rein rechnerisch gar<br />

nicht verpassen.<br />

Langsam wird es Zeit, die Halle zu<br />

wechseln und sich der letzten Competition,<br />

dem Bouldern, zu widmen. Hier<br />

braucht es weder Gurt noch Seil, da man<br />

schlimmstenfalls aus einer Höhe von<br />

4,50 Metern auf die (gar nicht so weiche)<br />

Matte fällt, was einen glimpflichen Aufprall<br />

verspricht. Zumindest in der Theorie.<br />

Denn bei innewohnender Überschätzung<br />

rechnet der ungeübte Kletterer<br />

nicht damit, plötzlich aus der Wand zu<br />

fallen und landet doch unsanft auf dem<br />

Hosenboden. „Deswegen übt man als<br />

Anfänger immer als Erstes das Fallen“,<br />

sagt Jessica. Und sucht sich eine schwarze<br />

Route aus (damit wird in der Innsbrucker<br />

Halle wie beim Skifahren die höchste<br />

Schwierigkeitsstufe angezeigt), um sich<br />

mit atemberaubenden Moves, bei denen<br />

sie zum Teil kopfüber hängt, die Wand<br />

hochzuhangeln. Mir dagegen reicht die<br />

Fotos: Thomas Polzer (5x), GEPA Pictures<br />

100 <strong>SPORTaktiv</strong>


grüne Route mit dem Schwierigkeitsgrad 5b<br />

(geht theoretisch hoch bis 9a), um langsam, aber<br />

sicher meine Grenzen auszuloten.<br />

Wie beim Vorstieg geht es auch bei dieser Variante<br />

darum, in einer vorgegebenen Zeit so weit<br />

wie möglich nach oben zu kommen. Allerdings<br />

hat man hier vier Versuche statt nur einen und<br />

kann sich somit auch einen Ausrutscher erlauben.<br />

„Beim Bouldern steht die Maximalkraft im<br />

Vordergrund“, sagt Jessica. Und genau die ist bei<br />

mir mittlerweile auf eine Minimalvariante zusammengeschrumpft.<br />

Da hilft es auch nur bedingt,<br />

dass sie mir als Einstiegshilfe einen ordentlichen<br />

Schubser mitgibt, um zumindest mal<br />

in der Wand zu hängen und starten zu können.<br />

Erkenntnisse des Tages: Endlich kann ich<br />

nachvollziehen, warum Klettern derzeit eine der<br />

am meisten boomenden Sportarten ist. Tolles<br />

Ganzkörpertraining, spannende Pfadfinder-Sportart,<br />

angenehmes Ambiente. Und ich<br />

weiß, dass Klettern nicht gleich Klettern ist. Der<br />

Speed-Bewerb passt in diese Trilogie in etwa so<br />

gut wie ein Kletterschuh an einen Elefantenfuß.<br />

Aber bis zu den nächsten Olympischen Spielen<br />

nach Tokio sind ja noch vier Jahre Zeit, den<br />

Modus zu überdenken.<br />

Gut, dass es<br />

neben der Speed-<br />

Wand eine Leiter<br />

gibt, von der aus<br />

man dem Profi<br />

zuschauen kann.<br />

ÖSTERREICHS FIXE<br />

OLYMPIASTARTER<br />

Bis zur Verschiebung der Spiele auf 2021 haben diese 37<br />

AthletInnen Quotenplätze für Österreich geholt:<br />

OLYMPIA<br />

COUNTDOWN<br />

Kanu-Slalom (Wildwasser – 3 Fixtickets):<br />

Kajak-Einer, Frauen: Viktoria Wolffhardt, Canadier-<br />

Einer: Nadine Weratschnig, Kajak-Einer, Männer:<br />

Felix Oschmautz<br />

Leichtathletik (5 Fixtickets): Ivona Dadic, Verena<br />

Preiner (beide Siebenkampf), Lemawork Ketema,<br />

Peter Herzog (beide Marathon), Lukas Weiß haidinger<br />

(Diskus)<br />

Rad (6 Quotenplätze für Österreich): 3 Startplätze im<br />

Herren-Straßenrennen, dazu ein Platz im Zeitfahren<br />

(muss aber einer aus dem Straßentrio sein), 1 Platz<br />

im Frauen-Straßenrennen; 2 Plätze im Bahnradfahren,<br />

Madison (Andreas Graf/Andreas Müller)<br />

Reiten (4 Quotenplätze): Dressur-Team (3), Vielseitigkeit<br />

Einzel (1, Lea Siegl – interne Qualifikation steht<br />

noch aus)<br />

Rudern (1 Fixplatz): Frauen-Einer: Magdalena Lobnig<br />

Schießen (2 – interne Qualifikation läuft): Sylvia<br />

Steiner (10 m, Luftpistole), Martin Strempfl (10 m,<br />

Luftgewehr)<br />

Schwimmen (4 Fixtickets): Lena Grabowski (200 m,<br />

Rücken), Marlene Kahler (1500 m, 800 m, Freistil),<br />

Felix Auböck (800 m, Freistil), Christopher Rothbauer<br />

(200 m, Brust)<br />

Segeln (3 Boote/6 AthletInnen): Tanja Frank/Lorena<br />

Abicht (49er-FX), Thomas Zajac/Barbara Matz (Nacra<br />

17 Foiling), Benjamin Bildstein/David Hussl (49er)<br />

Sportklettern (2 Fixplätze): Jessica Pilz,<br />

Jakob Schubert<br />

Tischtennis (3 Quotenplätze): Frauen – Team<br />

Turnen (1 Fixplatz): Elisa Hämmerle (Frauen-<br />

Mehrkampf)<br />

Die Liste wird in der nächsten Ausgabe aktualisiert.<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

101


ATHLETE’S CORNER<br />

VERENA PREINER<br />

„ZICKENKRIEG?<br />

NICHT BEI UNS!“<br />

HIER SCHREIBEN DIE ATHLETEN: SIEBENKÄMPFERIN VERENA PREINER ÜBER IHR<br />

GRANDIOSES JAHR 2019, IHRE GEDANKEN ZUR VORBEREITUNG AUF DIE ABGESAGTEN<br />

OLYMPISCHEN SPIELE UND IHR VERHÄLTNIS ZU IHRER KONKURRENTIN IVONA DADIC.<br />

102 <strong>SPORTaktiv</strong>


HINWEIS Dieser Text ist vor dem umfassenden<br />

Ausbruch der Corona-Krise und somit vor der<br />

Entscheidung um die Olympia-Absage entstanden.!<br />

Fotos: imago images/ZUMA Press, GEPA pictures, privat<br />

Ich habe in meinem Leben ja schon<br />

viele Siebenkämpfe absolviert, aber<br />

so gut geschlafen wie zwischen dem<br />

ersten und zweiten Tag bei der WM<br />

in Doha habe ich noch nie. Oft hat<br />

man noch eine Menge Adrenalin im<br />

Körper, ist unruhig und macht sich Gedanken<br />

darüber, wo man in den ersten<br />

vier Disziplinen noch mehr hätte rausholen<br />

können. In dieser Nacht vom 2.<br />

auf den 3. Oktober 2019 war ich innerlich<br />

aber total ruhig. Ich hatte einen guten<br />

Wettkampftag hinter mir, lag auf<br />

Rang sechs – und hatte trotzdem nicht<br />

das Gefühl, noch ein ernstes Wörtchen<br />

um die Medaillen mitreden zu können.<br />

Also habe ich geschlafen wie ein Stein.<br />

Im Nachhinein auch für mich ein kurioser<br />

Gedanke.<br />

Am Ende wurde ich tatsächlich Dritte,<br />

was wohl daran lag, dass ich den<br />

Amerikanerinnen Erica Bougard und<br />

Kandell Williams gleich beim Weitsprung<br />

– ziemlich überraschend – ein<br />

paar entscheidende Punkte abnehmen<br />

konnte. Beim Speerwurf hatte ich dann<br />

zwar einen weichen Arm und auch<br />

ziemlich weiche Knie, beim abschließenden<br />

800-Meter-Lauf wusste ich aber,<br />

dass ich mir Bronze nicht mehr nehmen<br />

lassen würde. Auch wenn einem kurz<br />

der Gedanke kommt, dass man jetzt<br />

bloß keinen Blödsinn machen darf, auf<br />

die Linie treten und disqualifiziert werden<br />

zum Beispiel. Es ist für den Kopf<br />

schon ein Vorteil, wenn die eigene Lieblingsdisziplin<br />

beim Mehrkampf ganz<br />

zum Schluss kommt. Auch wenn die<br />

800 Meter immer wehtun – zu wissen,<br />

dass man dort zu den Besten gehört,<br />

gibt einem eine gewisse Sicherheit, ein<br />

gutes Gefühl.<br />

Die Medaille in Doha war der Höhepunkt<br />

eines Jahres, das wahrlich keines<br />

war wie jedes andere. Im Schnelldurchlauf:<br />

Vor der Hallen-EM ein Band im<br />

Knöchel gerissen, vor dem Meeting in<br />

Götzis umgeknickt und absagen müssen.<br />

Und trotzdem wusste ich, dass ich gut<br />

drauf bin, die Form passt. In Teneriffa,<br />

wo wir ganz spontan und kurzfristig<br />

anstelle von Götzis gemeldet haben,<br />

habe ich auf Anhieb das Olympialimit<br />

geschafft, was eine Menge Druck rausgenommen<br />

hat. Das war wichtig für das<br />

Meeting Ende Juni in Ratingen, als mir<br />

ES GEHÖRT SCHON VIEL<br />

DAZU, EINEN PERFEKTEN<br />

WETTKAMPF ABZULIE-<br />

FERN, NICHT ZULETZT<br />

DER FAKTOR GLÜCK.<br />

viele Dinge aufgingen und ich mit 6591<br />

Punkten einen österreichischen Rekord<br />

aufgestellt habe. Ungeplant, diese Marke<br />

hatte ich vorher nicht auf der Rechnung.<br />

Doch seit diesem Tag wusste ich: Ich<br />

bin eine von denen, die bei der WM um<br />

eine Medaille kämpfen können. Eine der<br />

sechs, sieben Kandidatinnen für Bronze,<br />

da die ersten beiden Plätze an Katarina<br />

Johnson-Thompson und Nafissatou<br />

Thiam ja mehr oder weniger schon vergeben<br />

waren.<br />

Ich bin der festen Überzeugung, dass<br />

wir in Österreich auch deswegen so gute<br />

Mehrkämpferinnen haben, weil wir gegenseitig<br />

von der internen Konkurrenz<br />

profitieren. Mit Ivona Dadic verbindet<br />

mich eine rein sportliche Rivalität,<br />

privat verstehen wir uns sehr gut. Wer<br />

hofft, bei uns einen Zickenkrieg auszumachen,<br />

liegt definitiv falsch. Wir<br />

haben uns auf Trainingslagern oder<br />

Wettkämpfen schon öfter ein Zimmer<br />

geteilt, und als mein Trainer Wolfgang<br />

Adler Ivi noch im Weitsprung trainiert<br />

hat, haben wir einander öfter Tipps gegeben,<br />

wie wir uns verbessern können.<br />

Und ganz ehrlich: Wenn Ivi so etwas<br />

passiert wie in Doha, wo sie sich beim<br />

ersten Wettkampf verletzt und aufgeben<br />

muss, leidet man auch als Gegnerin mit.<br />

Auch wenn während eines Siebenkampfes<br />

kaum Zeit bleibt, sich über andere<br />

Dinge Gedanken zu machen als über<br />

die nächste Disziplin, die es zu absolvieren<br />

gilt.<br />

Ich habe Ivona für Olympia in Tokio<br />

jedenfalls auf dem Zettel als eine<br />

der Athletinnen, die um die Medaillen<br />

kämpfen werden. Ich selbst will mir gar<br />

nicht zu viel Druck machen, es sind<br />

Konkurrentinnen,<br />

aber nur im<br />

Stadion: Verena<br />

Preiner<br />

und Ivona<br />

Dadic.<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

103


meine ersten Spiele, die Karten werden<br />

wieder neu gemischt. Aber natürlich<br />

macht es auch etwas mit einem, wenn<br />

man so ein Jahr erlebt wie ich 2019. Das<br />

Selbstbewusstsein steigt, ich weiß aus<br />

Erfahrung, dass ich auch bei Großereignissen<br />

ein Ausrufezeichen setzen kann.<br />

Verstecken werde ich mich jedenfalls<br />

nicht. Aber es gehört schon viel dazu,<br />

einen perfekten Wettkampf abzuliefern,<br />

nicht zuletzt der Faktor Glück. Wenn du<br />

beim Weitsprung Gegenwind hast und<br />

dir dann die entscheidenden Zentimeter<br />

fehlen, ist das einfach Pech und nicht zu<br />

ändern.<br />

Mein Plan für <strong>2020</strong> wäre gewesen,<br />

schon zehn Tage vor meinem Wettkampf<br />

nach Japan zu reisen, um mich<br />

zu akklimatisieren, mir das Stadion<br />

genau anzuschauen und mich an alles<br />

zu gewöhnen. Andere Sportler wollten<br />

viel kurzfristiger anreisen, um sich nicht<br />

groß umstellen zu müssen. Wie mir das<br />

bekommen würde, wollte ich eigentlich<br />

bei der Hallen-WM in China im März<br />

ausprobieren, doch die wurde bereits<br />

wegen des Coronavirus abgesagt. Die<br />

Vorfreude auf die Stadt und die Spiele<br />

war jedenfalls riesig. Auf dieses spezielle<br />

Flair im olympischen Dorf bin ich<br />

schon richtig gespannt, das wird sicher<br />

eine großartige Erfahrung – wenn auch<br />

erst ein Jahr später als geplant.<br />

Trotz weichem<br />

Arm beim<br />

Speerwerfen<br />

fixierte Preiner<br />

bei dieser Disziplin<br />

Bronze<br />

bei der WM in<br />

Doha.<br />

Nun habe ich mehr als ein Jahr Zeit,<br />

mich voll auf den Formaufbau Richtung<br />

Olympia zu konzentrieren. Bis jetzt ist<br />

es mir dank des ausgeklügelten Trainings<br />

von Wolfi Adler, mit dem ich seit mittlerweile<br />

neun Jahren zusammenarbeite,<br />

jedes Jahr gelungen, meine persönliche<br />

DU KANNST NICHT<br />

PERMANENT AUF 100<br />

PROZENT SEIN, OHNE<br />

ZU ERMÜDEN, MUSST<br />

ABER SIEBEN MAL<br />

VOLL DA SEIN.<br />

Bestleistung nach oben zu schrauben.<br />

Natürlich ist das auch für <strong>2020</strong><br />

beziehungsweise 2021 das Ziel. Das<br />

Geheimnis dahinter ist simpel: viel und<br />

harte kontinuierliche Arbeit gepaart mit<br />

ständigem Feilen an der Technik. Weil<br />

das aber jede Athletin auf Weltklasseniveau<br />

macht, versuchen wir auch, so<br />

gut es geht an Schrauben wie Ernährung<br />

und Psychologie zu drehen. Es gibt ja<br />

kaum eine Sportart, bei der das Zusammenspiel<br />

aus An- und Entspannung so<br />

komplex ist wie bei einem Mehrkampf.<br />

Du kannst nicht permanent auf 100<br />

Prozent sein, ohne zu ermüden, musst<br />

aber sieben Mal voll da sein, wenn es<br />

darauf ankommt.<br />

Gut, wenn man dann wenigstens in<br />

der Nacht dazwischen einen gesegneten<br />

Schlaf hat.<br />

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<strong>SPORTaktiv</strong> 105


JAMMERN<br />

WÄRE EXTREM<br />

UNFAIR<br />

KULT-STÜRMER STEFAN MAIERHOFER ÜBER TRAINING<br />

IN ZEITEN DER CORONAKRISE, SEINE PRIORITÄTENLISTE,<br />

DEN REIZ DER MISSION BEI DER WSG TIROL UND WARUM<br />

DER 37-JÄHRIGE NOCH ZWEI JAHRE AUF HÖCHSTEM<br />

NIVEAU MITMISCHEN WILL.<br />

VON MARKUS GEISLER<br />

Als wir Stefan Maierhofer zum<br />

Interview erreichen, hat er gerade<br />

seine morgendliche Laufrunde<br />

beendet. Mit dem coronabedingten<br />

Ende des Trainingsbetriebs<br />

bei der WSG Tirol fuhr der Stürmer<br />

in sein Elternhaus nach<br />

Niederösterreich, wo er derzeit eine<br />

Wohnung im Dachgeschoss bewohnt<br />

und sich streng an die vorgeschriebene<br />

Isolation hält. „Wissenschafter, Ärzte<br />

und Experten wissen jetzt genau, was<br />

am besten für uns alle ist. Ich kann nur<br />

an jeden dringend appellieren, sich deren<br />

Vorgaben zu fügen“, sagt er zum Beginn<br />

des Gespräches. Und lässt in den<br />

kommenden 30 Minuten keinen Zweifel<br />

daran, dass es in Zeiten wie diesen viel<br />

Wichtigeres als das reine sportliche Resultat<br />

gibt.<br />

Ganz Österreich ist im Ausnahmezustand,<br />

für Profisportler wie dich ist die<br />

Situation aber noch mal speziell, weil<br />

ihr auf körperliche Fitness angewiesen<br />

seid und nicht wisst, ob und wann<br />

die Saison weitergeht.<br />

Direkt vor meinem Haus sind Felder,<br />

dort bin ich gerade acht Kilometer locker<br />

laufen gegangen. Das gehört zu<br />

meinem persönlichen Heimprogramm.<br />

Vom Verein haben wir einen Plan bekommen,<br />

den wir absolvieren sollen. Ich<br />

fürchte, auf diese Art und Weise wird es<br />

noch einige Zeit gehen müssen.<br />

Wie groß ist die Gefahr, bei den fußballspezifischen<br />

Sachen abzubauen?<br />

Das ist ja mit Einzeltraining nicht kompensierbar.<br />

Ich hab in dem Punkt etwas Erfahrung<br />

aus der Zeit, als ich vereinslos war. Du<br />

kannst einen gewissen Grad an Fitness<br />

halten, das tägliche Training, wie wir es<br />

gewohnt sind, lässt sich natürlich nicht<br />

vollständig ersetzen. Das Arbeiten in der<br />

Gruppe, das Mobilisieren, die eineinhalb<br />

gemeinsamen Stunden auf dem<br />

Platz. Vor allem geht es jetzt darum,<br />

nicht allzu viel abzubauen.<br />

Du hast ergänzend zum Training immer<br />

wieder CrossFit gemacht.<br />

Das geht momentan natürlich auch<br />

nicht wirklich. Ich hab ein Tabata-Programm<br />

(Anm.: basiert auf kurzen, hefti-<br />

106 <strong>SPORTaktiv</strong>


In der<br />

Winterpause<br />

wechselte<br />

Maierhofer zur<br />

WSG Tirol (hier<br />

gegen Ex-Klub<br />

Rapid).<br />

Fotos: GEPA pictures<br />

gen Intervallen mit noch kürzeren Erholungspausen)<br />

für daheim zusammengestellt,<br />

das ziehe ich durch. 10, 15 Runden,<br />

dann habe ich einen ähnlichen<br />

Effekt. Leider habe ich hier keine<br />

Klimmzugstange, die geht mir ab, das<br />

ersetze ich durch Liegestütze am Boden<br />

oder andere Übungen. Das ist, ich weiß,<br />

Jammern auf hohem Niveau. Ich versuche<br />

die Situation, so gut es geht, zu<br />

meistern.<br />

Die Meisterschaft ist unterbrochen,<br />

keiner weiß, wie lange und ob es überhaupt<br />

weitergeht. Schwer für den Kopf?<br />

MIT EINZEL-<br />

TRAINING HABE ICH<br />

ERFAHRUNG AUS<br />

DER ZEIT, ALS ICH<br />

VEREINSLOS WAR.<br />

DU KANNST EINEN<br />

GEWISSEN GRAD<br />

HALTEN.<br />

Ganz ehrlich: Aufgrund meines Alters,<br />

meiner Karriere und in Relation zu dem,<br />

was ich schon erlebt habe, ist das meine<br />

geringste Sorge. Das Wichtigste jetzt ist<br />

die Gesundheit aller Menschen, aller<br />

Mitbürger. Das hat oberste Priorität.<br />

Andere, die gerade um ihre Existenz<br />

bangen, erleben in diesen Wochen eine<br />

richtig schwere Zeit. Wenn ich jetzt anfangen<br />

würde, in irgendeiner Form zu<br />

jammern, wäre das diesen Leuten gegenüber<br />

extrem unfair. Man darf nur eins<br />

nicht vergessen.<br />

Und zwar?<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

107


An den Profivereinen, ob in Österreich<br />

oder woanders, hängen auch richtig viele<br />

Arbeitsplätze. Da geht es längst nicht<br />

nur um den Fußballer selbst. Da geht es<br />

teils um Existenzen, in einer kleineren<br />

Liga wie Österreich vielleicht sogar mehr<br />

als in den großen Ländern. Dagegen<br />

sollte man das rein Sportliche derzeit relativieren.<br />

Finde ich gut, dass du das so sagst, zumal<br />

die WSG ja zuletzt einen Lauf hatte.<br />

Sieben Punkte aus den letzten drei<br />

Spielen, beim letzten Match gegen<br />

Hartberg hast du mit einem Tor und einem<br />

Assist deine Scorer-Maschine<br />

angeworfen.<br />

Rein aus sportlicher Sicht ist die Unterbrechung<br />

für uns natürlich bitter. Andererseits<br />

haben wir es geschafft, dass wir<br />

jetzt nicht mehr Letzter sind, das könnte<br />

ja auch entscheidend sein. Trotzdem ist<br />

meine große Hoffnung die, dass wir in<br />

ein paar Wochen den Betrieb fortsetzen<br />

und alles auf regulärem sportlichen Weg<br />

entscheiden können. Auch wenn dies<br />

aus heutiger Sicht schwer vorstellbar ist.<br />

Das liegt aber nicht in unserer Hand.<br />

Aber noch mal: Das ist alles nichts im<br />

Vergleich zu der Frage, wie jeder einzelne<br />

Mitbürger jetzt aus der Krise herauskommt.<br />

Was hat dich im Jänner an der Herausforderung<br />

gereizt, Wattens vor dem<br />

Abstieg zu retten?<br />

Kurz nachdem ich meinen Vertrag in<br />

Aarau aufgelöst habe, hat mich meine<br />

Berateragentur „Sportscon“ sofort mit<br />

Trainer Thomas Silberberger zusammengebracht.<br />

Dieser hat mir sofort aufgezeigt,<br />

dass ich als Typ, als Spieler, als Persönlichkeit<br />

und Motivator ein wichtiges<br />

Puzzlestück sein könnte, um den<br />

Klassen erhalt zu schaffen. Ich hatte das<br />

Gefühl, dass er und Sportdirektor Stefan<br />

Köck davon wirklich überzeugt waren.<br />

Das und die Aussicht, mit 37 Jahren<br />

noch einmal Bundesliga zu spielen, hat<br />

mich bewogen, diese spannende Herausforderung<br />

anzunehmen. Das haben mir<br />

ja viele Leute nicht mehr zugetraut.<br />

DIE ABSAGE DER<br />

EURO IST BITTER!<br />

AUCH FÜR MICH,<br />

ICH HABE MIR<br />

NOCH HOFFNUN-<br />

GEN AUF EINE<br />

EINBERUFUNG<br />

GEMACHT.<br />

Mal angenommen, die Saison wird zu<br />

Ende gespielt. Was spricht sportlich<br />

dafür, dass ihr den Klassenerhalt<br />

packt?<br />

Wir haben in den vier Spielen seit der<br />

Winterpause gezeigt, was in uns steckt.<br />

Im Gegensatz zum Herbst stehen jetzt<br />

Spieler am Platz, die die Lehren aus den<br />

ersten 18 Runden gezogen haben<br />

(lacht). Und die eine Menge Erfahrung<br />

haben, mit Zlatko Dedic bilde ich ja einen<br />

72-jährigen Sturm. Was mir auffällt:<br />

Durch die Erfolgserlebnisse steigt bei<br />

Spielern wie Michael Svoboda oder Lukas<br />

Grgic das Selbstvertrauen, das ihnen<br />

hilft, jetzt besser ihre Qualitäten abzurufen.<br />

Oder ein Florian Rieder, der im<br />

Herbst nicht sein ganzes Potenzial ausschöpfen<br />

konnte, jetzt aber in drei Spielen<br />

vier Assists abgeliefert hat. Gerade<br />

diese Spieler versuche ich zu pushen, sie<br />

dazu zu bringen, ihr volles Leistungsvermögen<br />

abzurufen.<br />

Dein Vertrag läuft bis Sommer. Und<br />

dann?<br />

Derzeit schwer zu sagen. Im Fall des<br />

Klassenerhalts verlängert sich der Vertrag<br />

automatisch. Ich kann mir gut vorstellen,<br />

noch ein oder vielleicht sogar zwei<br />

Saisonen im obersten Haus dranzuhängen.<br />

Außerdem hat mir der Klub die<br />

Möglichkeit gegeben, als Individualund<br />

Co-Trainer in Bereiche hineinzuschnuppern,<br />

die für die Zeit nach meiner<br />

Karriere extrem interessant sind.<br />

Spätestens 2022 möchte ich die UEFA-<br />

Pro-Lizenz erwerben, den A-Schein habe<br />

ich ja schon.<br />

Die Saison hätte in die EURO münden<br />

sollen, die wurde Mitte März um ein<br />

Jahr verschoben. Du bist selbst<br />

19- facher Nationalspieler: Wie sehr<br />

leidet ein Spieler, für den das Turnier<br />

womöglich eine Once-in-a-Lifetime-<br />

Geschichte gewesen wäre?<br />

Das ist schon extrem bitter! Auch für<br />

mich, ich hab mir natürlich auch noch<br />

Chancen ausgerechnet (lacht laut). So<br />

ein Turnier ist ein Highlight für alle,<br />

Spieler und Fans, das möchte jeder erleben.<br />

Jetzt müssen wir uns halt noch ein<br />

Jahr gedulden.<br />

108 <strong>SPORTaktiv</strong>


GLÜCK IST<br />

GRENZENLOS<br />

„Glücksspiel mit Verantwortung“ ist Leitgedanke für alle unsere wirtschaftlichen Aktivitäten. Die gesellschaftliche Verantwortung der<br />

Österreichischen Lotterien geht daher weit über den Spielerschutz hinaus. So sind wir der größte und wichtigste Sportsponsor des<br />

Landes. Seit Gründung der Lotterien vor über 30 Jahren hat sich die Sportförderung auf rund 2 Milliarden Euro kumuliert. Ohne unsere<br />

Sportförderung wären sowohl dem Spitzen- als auch dem Breitensport viel engere Grenzen gesetzt. Denn damit ermöglichen wir<br />

vielen Talenten auf allen Ebenen neue Möglichkeiten und Momente des Glücks.<br />

Weitere Infos unter www.sponsoring.lotterien.at.


HOLZ<br />

DIESEM<br />

AUS<br />

SIND CHAMPIONS<br />

GESCHNITZT<br />

ARMIN KUGLER IST ÖSTERREICHS TOP-MANN IN<br />

SACHEN HOLZSPORT. OB MIT FUCHSSCHWANZ,<br />

AXT ODER MOTORSÄGE, DER NIEDERÖSTERREI-<br />

CHER GEHÖRT ZU DEN BESTEN EUROPÄERN, WENN<br />

ES DARUM GEHT, AUS MASSIVEN STÄMMEN KLEIN-<br />

HOLZ ZU MACHEN. WAS SPORTLICH EINE<br />

HÖCHSTLEISTUNG IST. TEXT: MARKUS GEISLER<br />

Hands on the Wood – go!“ Die Säge<br />

dröhnt wie ein Formel-1-Motor, es<br />

riecht nach Benzin und frisch geschnittenem<br />

Holz, Rauchschwaden<br />

hängen in der Luft. Präzise wie ein<br />

Chirurg trennt Armin Kugler mit seiner<br />

knapp 30 Kilogramm schweren „Hot Saw“<br />

drei Scheiben von einem waagerechten<br />

Stamm ab, dicker als 15 Zentimeter dürfen<br />

diese insgesamt nicht sein – sonst gibt es<br />

null Punkte. „Das ist das Faszinierende am<br />

Holzsport“, sagt Österreichs anerkannt bester<br />

Forstarbeiter, nachdem er das ratternde<br />

Ungetüm abgelegt hat. „Es kommt dabei<br />

auf Kraft, Ausdauer, Technik, Balance, Nervenstärke<br />

und Präzision an. Wenn du bei<br />

einem davon scheiterst, hast du keine<br />

Chance.“<br />

Wobei: Scheitern kennt der 28-Jährige,<br />

sechsmaliger österreichischer Meister und<br />

fünffacher Europameister, nur vom Hören-<br />

Um so erfolgreich zu sein wie Armin Kugler, muss man beim Holzsport sowohl mit der<br />

Axt als auch mit der zwei Meter langen Zugsäge eine gute Figur machen.<br />

110 <strong>SPORTaktiv</strong>


Fotos: STIHL TIMBERSPORTS ®<br />

sagen. Kein Wunder also, dass er sich<br />

für die „Stihl Timbersports World Trophy“,<br />

die am 21. und 22. Mai auf dem<br />

Wiener Rathausplatz Station gemacht<br />

hätte (und coronabedingt abgesagt<br />

wurde), so einiges vorgenommen hat.<br />

„Ich hätte der beste Europäer sein wollen.“<br />

Na bumm! Dazu muss man wissen,<br />

dass die weltweit zwölf erfolgreichsten<br />

Holzsport-Nationen ihren jeweils<br />

besten Athleten zu diesem Wettkampf<br />

nach Österreich schicken. Vier<br />

kommen dabei aus Übersee (USA, Kanada,<br />

Australien, Neuseeland), acht<br />

vom alten Kontinent, wobei die letzten<br />

14 Sieger der seit 2005 ausgetragenen<br />

Serie allesamt aus Down Under<br />

stammten. Also von dort, wo das wettkampfmäßige<br />

Hantieren an Bäumen<br />

über eine mehr als 130 Jahre alte Tradition<br />

verfügt.<br />

Sechs Disziplinen gehören zum<br />

Holzsport, Anzahl und Modus variieren<br />

je nach Serie. Bei der größten ihrer<br />

Art, der Stihl Timbersports World Trophy,<br />

gibt es nur vier Wettkämpfe, dafür<br />

werden diese unmittelbar nacheinander<br />

und im K.o.-Duell ausgetragen. „Das<br />

bevorzugt ausdauerstarke Sportler, zu<br />

denen ich mich zählen würde“, sagt<br />

Kugler, der in der Szene als kaum mit<br />

Schwächen behafteter Allrounder gilt.<br />

Diese vier Disziplinen sind:<br />

Underhand Chop: Man steht auf einem<br />

Holzblock mit 32 Zentimeter<br />

Durchmesser und muss diesen von beiden<br />

Seiten mit der Axt durchschlagen.<br />

Stock Saw: Mit einer handelsüblichen<br />

Motorsäge müssen zwei Scheiben von<br />

einem Stamm mit 40 Zentimetern<br />

Durchmesser abgetrennt werden, der<br />

Athlet darf den Stamm aber insgesamt<br />

maximal um zehn Zentimeter kürzen.<br />

Single Buck: Mit einer zwei Meter<br />

langen Einmann-Handzugsäge muss<br />

von einem Stamm (46 Zentimeter<br />

Durchmesser) eine Scheibe abgesägt<br />

werden.<br />

<strong>SPORTaktiv</strong><br />

111


Standing Block Chop: Ein 30 Zentimeter<br />

dicker Block muss mit einer Axt<br />

von beiden Seiten durchschlagen werden.<br />

Wer für diesen Parcours insgesamt<br />

länger als eineinhalb Minuten braucht,<br />

kann sich den Sieg schon im Vorhinein<br />

abschminken. „Ich habe es einmal unter<br />

70 Sekunden geschafft, liege normalerweise<br />

zwischen 72 und 74 Sekunden“,<br />

erzählt Kugler, dem vor allem die Disziplinen<br />

mit Axt liegen. Unglaublich, mit<br />

welcher Genauigkeit er trotz ausladender<br />

Ausholbewegung die richtigen Stellen<br />

im Holz trifft. Und wer glaubt, dass<br />

Holz immer gleich Holz ist, irrt in diesem<br />

Falle gewaltig. Kugler: „Bei einem<br />

Wettkampf kommen die Stämme zwar<br />

alle aus derselben Lieferung, können von<br />

der Härte aber trotzdem unterschiedlich<br />

sein. Und von der Härte hängt zum Beispiel<br />

ab, in welchem Winkel du die Kerben<br />

am besten schlägst. Um ganz vorne<br />

zu sein, brauchst du auch Holzglück.“<br />

Es kann jedenfalls nicht schaden, vor<br />

dem Wettkampf dreimal aufs Holz zu<br />

klopfen.<br />

Bei den österreichischen Meisterschaften,<br />

die ebenfalls im Rahmen der Stihl<br />

Timbersports World Trophy ausgetragen<br />

hätten werden sollen, kommen noch<br />

zwei spektakuläre Disziplinen dazu.<br />

Zum einen das im Einstieg beschriebene<br />

Sägen mit der „Hot Saw“, die jeder Athlet<br />

nach seinen eigenen Vorstellungen<br />

zusammenbauen kann. Und Kuglers<br />

Lieblingsdisziplin, das sogenannte<br />

„Springboard“: Dabei werden Kerben in<br />

einen 2,80 Meter hohen Stamm gehauen,<br />

in die jeweils ein Brett eingeklemmt<br />

wird. Auf dieses stellt man sich, um den<br />

Stamm auf zwei Etappen zu erklimmen<br />

und am Ende einen Block herunterzuschlagen.<br />

„Für Ungeübte eine irrsinnig<br />

wackelige Angelegenheit“, sagt Kugler<br />

und man hat keinen Grund, an seinen<br />

Worten zu zweifeln.<br />

Das Talent, schneller als andere Holz<br />

zu zersägen und Bäume zu fällen, wurde<br />

dem Niederösterreicher dabei in die<br />

Wiege gelegt. Großvater und Vater hatten<br />

bereits einen Landwirtschafts- und<br />

Forstbetrieb, bereits im Kindergartenalter<br />

fing Armin damit an, mit Begeisterung<br />

und einer Bogensäge Scheite für<br />

das Brennholz abzusägen. „Das hat mich<br />

fasziniert, seit ich denken kann“, sagt<br />

der 1,96 Meter große und 115 Kilogramm<br />

schwere Athlet, der sich nicht<br />

selten 60 Stunden in der Woche mit<br />

Holzarbeiten beschäftigt. Sei es beruflich<br />

oder aus Trainingszwecken. „Oft arbeite<br />

ich mit Pulsuhr, um immer einen Trainingseffekt<br />

mitzunehmen“, sagt er. „Bei<br />

der Auswertung sieht man dann immer<br />

ganz genau, wann mir das Benzin ausgegangen<br />

ist.“<br />

Das soll ihm im Wettkampf natürlich<br />

nicht passieren. Ende März hat er sich<br />

für zwei Wochen nach Australien begeben,<br />

um sich in Wettkämpfen und<br />

Showturnieren mit den besten Sportlern<br />

aus Down Under zu messen. Ein zeitintensives<br />

und kostspieliges, vor allem aber<br />

auch gefährliches Hobby. Oder etwa<br />

nicht? Bei Letzterem winkt Kugler ab.<br />

„Ich kann mich nicht erinnern, dass es<br />

bei einem Wettkampf mal einen ernsthaft<br />

Verletzten gab“, sagt er. Und erzählt<br />

lachend die Geschichte, als er sich mit<br />

der Zugsäge im Alter von 16 Jahren mal<br />

ins Knie geschnitten hat. „Das lag aber<br />

nur daran, dass Mädchen dabei waren,<br />

die ich beeindrucken wollte.“<br />

Außerdem gehören Beinschutz, bis<br />

über die Zehen reichende Kettensocken<br />

und Schutzbrillen zur vorgeschriebenen<br />

Standardausrüstung. Und natürlich ein<br />

Gehörschutz, da die bis zu 80 PS starken<br />

Kettensägen Lautstärken von weit jenseits<br />

der 100 Dezibel erreichen. Nichts<br />

für zart besaitete Gemüter also. Auf<br />

Handschuhe verzichten die meisten<br />

Sportler übrigens, um die nötige Sensibilität<br />

für ihr Werkzeug nicht zu verlieren.<br />

Ja, auch auf Fingerspitzengefühl kommt<br />

es beim vielseitigen Holzsport an.<br />

112 <strong>SPORTaktiv</strong>


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ist freier<br />

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und Hobbysportler.<br />

Heute eine Bemerkung zu den Mehrkampfsportarten, die<br />

ich aus eigener Anschauung kenne: Meine Laufstrecke ist<br />

nämlich nicht nur zum Laufen da. Neben den Läufern,<br />

Spaziergängern, Hundeäußerern und Kinderwagenschiebern<br />

trifft man auch Nordic Walker, Skater und Radfahrer, wobei<br />

man einerseits auch Spezialdisziplinen findet, zum Beispiel das<br />

seit jeher beliebte freihändige Radfahren, Superspezialdisziplinen<br />

(freihändig Rad fahren und gleichzeitig telefonieren), Hypersuperspezialdisziplinen<br />

(freihändig Radfahren und gleichzeitig<br />

mit der einen Hand telefonieren, mit der anderen rauchen)<br />

sowie Megahypersuperspezialdisziplinen (parallel freihändig telefonierend<br />

rauchend Rad fahren).<br />

Andererseits sieht man Kombinierer, zum Beispiel die Kinderwagenschiebskater<br />

(mein Putzi ist mein Sportgerät) oder die<br />

Nordic Skater, die mit kräftigen Schlittschuhschritten und gewaltigen<br />

Langlaufstockeinsätzen wie die Höllenhunde am Asphalt<br />

daherkommen und beinahe die ganze Straße vereinnahmen.<br />

Nordic Kinderwagenskater gibt es zum Glück noch nicht. Dagegen<br />

werden die Hunde äußerlnden Radfahrer immer häufiger,<br />

die ihren Vierbeiner an die Leine genommen haben, neben sich<br />

herhecheln lassen und so ein wenig auf Trab, manchmal auch auf<br />

Galopp halten. Akrobat scheeeen – aber duuummm!<br />

Bei Frank Wedekind gibt es eine Ballade, in der eine junge<br />

Frau ihre Hündin Gassi führt. Plötzlich sieht die junge Frau<br />

einen Jüngling, die Hündin auf der anderen Straßenseite den<br />

jungen Hund Nero: „So wird von beiden Enden die Leine kräftig<br />

gespannt.“ Praktisch dasselbe passierte auf meiner Hausstrecke –<br />

und aus der Gegenrichtung kam im selben Moment ein Nordic<br />

Skater in Riesenschritten mit wildem Stockeinsatz daher. Zwar<br />

zog der Hund kräftig an der Leine und spannte sie: Der Radfahrer<br />

hatte aber insofern vorgebaut und stürzte nicht aus dem<br />

Sattel, weil die Leine sich in Sekundenbruchteilen ausrollen und<br />

um etliche Meter – die ganze Straßenbreite – verlängern ließ: Der<br />

Skater hatte aber nicht viel davon. In Höllentempo dahergebraust<br />

sah er sich aus dem Nichts heraus plötzlich einem Eröffnungsband<br />

gegenüber – und hatte keine Schere zum Eröffnen dabei.<br />

Wie der Nordic Skater, der Radfahrer und der Hund zwei<br />

Sekunden später ausgesehen haben, möchte ich hier nicht plastisch<br />

schildern. Nur so viel: Triathlons zählen zu den härtesten<br />

Sportarten der Welt.<br />

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