E Verkehrsbezogene Analyse und Perspektiven der Region 'Dresden'

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E Verkehrsbezogene Analyse und Perspektiven der Region 'Dresden'

ses vieler Salzstöcke besteht die Gefahr, daß der Salzgehalt des Trinkwassers ansteigt,

wie es für die Stadt Lüchow schon festgestellt wurde (Paasche 1971).

133

Der in den letzten Jahrzehnten eingesetzte Strukturwandel der Landwirtschaft in der

gesamten Bundesrepublik hat den Landkreis Lüchow-Dannenberg als landwirtschaftlich

geprägte Region stark beeinflußt. Von den 1960 existierenden 3.869

landwirtschaftlichen Betrieben über 2 ha bestanden 1992 noch 1.452. Aufgrund der

ursprünglich ungünstigen Hofstrukturen mit im Durchschnitt 15 ha LF besteht ein besonderer

Anpassungsdruck. Durch Zupacht haben die heute noch wirtschaftenden

Vollerwerbsbetriebe im Durchschnitt 60 ha LF. 57

2.3.2 Betriebsstrukturen in der Landwirtschaft nach der Wende

Die Betrachtung der Landwirtschaft in der Elbregion setzt ein Bewußtsein um die

tiefgreifenden Veränderungen dieses Wirtschaftszweiges auf dem Gebiet der neuen

Bundesländer voraus. Die Wiedervereinigung konfrontierte die Landwirtschaft dort

mit vollkommen neuen ökonomischen Rahmenbedingungen. Der Umstrukturierungsprozeß,

der daraufhin einsetzte, war gravierend und ist bis heute nicht abgeschlossen.

Mitten in diesen Anpassungsprozeß erfolgte mit der Umsetzung der EG-

Agrarreform Anfang 1993 eine weitere grundlegende Veränderung der administrativen

und ökonomischen Rahmenbedingungen. So wird künftig die staatliche Unterstützung

der Landwirtschaft nicht mehr wie bisher über den Preis und damit indirekt

produktionsmengenabhängig, sondern unabhängig vom einzelbetrieblichen Ertragsniveau

im wesentlichen flächenbezogen gewährt. Die Neugestaltung der EG-

Agrarpolitik wird die Umstrukturierungsprozesse in den neuen Bundesländern erheblich

beeinflussen (Werner/ Dabbert 1994).

2.3.2.1 Rechtsform der Betriebe

Ein Vergleich der landwirtschaftlichen Betriebsstruktur auf beiden Seiten der Elbe ist

aufgrund unterschiedlicher Rechtsformen schwierig. Während auf niedersächsischem

Gebiet Familienbetriebe im Haupt- und Nebenerwerb existieren, untergliedern

sich die Betriebe auf dem Gebiet der neuen Bundesländer in einzelbetriebliche

Unternehmen natürlicher Personen und Kapitalgesellschaften als juristische Personen.

Dies ist das Resultat aus den Umwandlungen ehemaliger LPG'en und anderen

Betrieben im Rahmen der Landwirtschaftsreform nach dem Landwirtschaftsanpassungsgesetz

(LAG) der Bundesregierung von 1990.

Einen Überblick über die Verteilung der Betriebe auf die jeweiligen Unternehmensformen

für die Landkreise der neuen Bundesländer gibt die nachfolgende Tabelle.

Demzufolge befindet sich die Hauptanzahl der Betriebe im einzelunternehmerischen

Haupt- und Nebenerwerb.

57 mündl. Mittig. Dr. Mansfeld, AfA Lüneburg; s.a. LWK Hannover (1993): Betroffenheitsanalyse Dannenberger Marsch


134

Tabelle 38: Relativer Anteil der landwirtschaftlichen Betriebe nach Rechtsform

Kreis Juristische Perso- Natürliche Pernen*

(%) sonen** (%)

LK Prignitz (B) 12,5 87,5

Landkreis Osterburg (S-A) 13,0 87,0

Osterburg/Elbwische***(S-A) 10,3 89,7

LK Ludwigslust (M-V) 23,0 77,0

* = e.G., GmbH u.a. B = Brandenburg

** = GbR, Haupterwerb, Nebenerwerb, Güter M-V = Mecklenburg-Vorpommern

*** = Agrarregion des LK Osterburg entlang der Elbe S-A = Sachsen-Anhalt

Entsprechende Daten für den Landkreis Hagenow liegen nicht vor.

Die obige Tabelle verdeutlicht zunächst, daß eine Umwandlung der landwirtschaftlichen

Betriebe in Einzelunternehmungen (natürliche Personen) stattgefunden hat.

Diese Entwicklung ist angesichts der derzeitigen agrarpolitsichen Situation und den

historischen Vorgaben auf dem Gebiet der Neuen Bundesländer auch kritisch zu

betrachten, da bei zu kleinen Betriebsgrößen und gleichzeitig hohen zu tätigenden

Investionskosten die Wirtschaftlichkeit in Frage steht.

2.3.2.2 Anzahl und Größe der Betriebe

Für die im Jahre 1993 im Rahmen der Anpassungshilfe geförderten landwirtschaftlichen

Betriebe Sachsen-Anhalts ergab sich für die damals erfaßten 307 (1993) bzw.

270 (1992) Betriebe des Landkreises Osterburg nachfolgendes Verhältnis von Einzelunternehmungen

zur landwirtschaftlichen Fläche 58 .

Tabelle 39: Anteil der Einzelunternehmungen (natürliche Personen) an der landwirtschaftlichen

Fläche (absolut/%)

Landkreis Betriebe

LF* (gesamt) ha Anteil EU** Anteil EU an LF

(gesamt)

ges. % ges. %

1

LK Osterburg 307 68.227,45 272 88,6 32.509,77 47,65

davon Elbwische^ 104 (ohne Güter) 24.396 93 89,4 11.250 46,1

*LF = Landwirtschaftliche Fläche "EU = Einzelunternehmung

1 Quelle: ALF Stendal, Landkreis Osterburg 1993

2 Quelle: Anpassungshilfe II/92, aus Peschke&Partner, 1992

Anhand dieses Beispieles für den Kreis Osterburg wird die spezielle Situation deutlich

(welche m.E. auf die gesamte Fläche der neuen Bundesländer übertragen werden

kann), daß 4/5 der landwirtschaftlichen Betriebe Einzelunternehmungen bzw.

natürliche Personen darstellen, sie jedoch lediglich knapp die Hälfte der landwirtschaftlichen

Fläche bearbeiten. Die durchschnittlichen Betriebsgrößen bei juristischen

Personen liegen demnach deutlich höher als diejenigen der natürlichen Personen

(siehe im Anhang Tabelle 58: Mittlere Betriebsgröße nach Rechtsform

der Betriebe (ha)). Damit ist die Position derjenigen Betriebe, welche eine einzelbetriebliche

Unternehmensform als natürliche Person anstreben (z.B. Wiedereinrichter)

im Rahmen des Umwandlungsprozesses der Landwirtschaft in den neuen Bundesländern

hinsichtlich der Konkurrenzfähigkeit auf dem deutschen und europäischen

Agrarmarkt zunächst problematisch. Bei Betrieben mit der Rechtsform einer juristischen

Person entstehen Größenordnungen, gegen die keine Wiedereinrichter an-

58 Institut für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus (1993): Umstrukturierung der Landwirtschaft in Sachsen-

Anhalt, Stand Herbst 1993; Landwirtschaftliche Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg


pachten kann. Solche Betriebe sind häufig konzernartig strukturiert und decken vorund

nachgelagerte Bereiche mit ab (Thomas 1994).

135

Andererseits sind direkte Nachfolgebetriebe ehemaliger LPG'n gegenüber anderen

Großbetrieben benachteiligt, weil sie mit ihren Altschulden und teilweise kleineren

Quoten für Milch und sonstige Marktordnungserzeugnisse belastet sind.®

Tabelle 40: Relativer Anteil landwirtschaftlicher Betriebe nach Größenklassen

Kreis (Bundesland) Anzahl landw. davon unter 10 Anzahl landw.

Betriebe unter ha (%) Betriebe über

50 ha (%) 1.000 ha (%)

LK Ludwigslust (M-V) 66,0 64,0 14,8

LK Hagenow (M-V) 73,3 59,5 10,4

LK Lüchow-Dan. (Ns) 66,2 53,5 k.A.*

LK Lüneburg (Ns) 64,4 55,5 k.A*

LK Perleb./Prign. (B) 69,6 62,2 k.A.*

* Die Agrarstatistiken von Niedersachsen und Brandenburg weisen als höchste Erfassungskategorie

der Betriebe "50 ha und mehr" aus.

(Quellen: siehe im Anhang Tabelle 55: Landwirtschaftliche Betriebe nach

Größenklassen der landwirtschaftlich genutzten Fläche)

Vergleichbare Daten für den Landkreis Osterburg geben für 1992 einen Anteil von

27,4% (74) der Betriebe zwischen 50-100 ha, 43,7% (118) der Betriebe mit mehr als

100 ha an der Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe an. Nebenerwerbsbetriebe

haben eine mittlere Betriebsgröße von 20,1 ha (Peschke & Partner 1992).

Diese Daten verdeutlichen, daß in den jeweiligen Kreisgebieten eine hohe Zahl an

Betriebe unter 50 ha existiert. Unter der Berücksichtigung, daß wiederum über die

Hälfte dieser Betriebe eine Betriebsgröße von weniger als 10 ha aufweisen, kann für

die dargestellten Kreisgebiete eine kleinräumige landwirtschaftliche Struktur angenommen

werden. In diesem Zusammenhang muß aber gleichzeitig berücksichtigt

werden, daß gerade an dieser Kategorie (unter 50 ha) die Nebenerwerbsbetriebe

einen hohen Anteil haben (s. Tabelle 57 im Anhang) und aufgrund der offiziellen

Landwirtschaftspolitik immer mehr Haupterwerbsbetriebe in nächster Zeit in den Nebenerwerb

abrutschen werden. Unter den derzeitigen Bedingungen werden diese

Betriebe langfristig kaum existenzfähig bleiben.

Die Daten weisen weiterhin die Elbanrainerkreise im Gebiet der Neuen Bundesländer

bzw. die Regionen des direkten Grenzstreifens als spezifische kleinräumig

landwirtschaftlich strukturierte Gebiete im Gegensatz zu der ansonsten größer dimensionierten

Landwirtschaft des jeweiligen Bundeslandes aus. 60

2.3.2.3 Beschäftigte in der Landwirtschaft

Über den Anteil der Beschäftigten in der Landwirtschaft kann an dieser Stelle ebensowenig

genaue Auskunft gegeben werden wie über den Grad der Arbeitslosigkeit in

diesem Wirtschaftssektor. Verfügbare statistische Daten beziehen sich durchgehend

auf den Anteil der Beschäftigten an der Gesamtzahl der sozialpflichtig Beschäftigten;

59 Die ZEIT vom 29.10.1993: Unerwünschte Konkurrenz, Landwirtschaft: Die ostdeutschen Agrarbetriebe könnten den westdeutschen

Kleinbauern überlegen sein. Doch sie werden von der Bonner Politik diskriminiert; Die ZEIT Nr. 44

60 vgl. Die Zeit, Nr. 44: Während es die Vollerwerbsbetriebe in den alten Bundesländern auf eine Durchschnittsgröße von 33 ha

bringen, kommen die mittlerweile rd. 6.000 Einzelbauern in den neuen Bundesländern im Schnitt auf eine Flächenausstattung

von ca. 134 ha. In den 1.250 landwirtschaftlichen Personengesellschaften beträgt die durchschnittliche Betrietegröße

420 ha, und die ca. 3.000 Kapitalgesellschaften verfügen über durchschnittlich 1.240 ha; a.a.O.


136

dabei sind allerdings die in der landwirtschaft tätigen selbständigen Personen nicht

mit erfaßt. Dasselbe gilt für die Arbeitslosenzahlen. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen,

daß Arbeitslose nicht nach der Herkunft der früheren Beschäftigung sondern

nach Berufsgruppen erfaßt werden. Somit kann bei der Anzahl der Arbeitslosen in

land- und forstwirtschaftlichen Berufen nicht davon ausgegangen werden, daß ihre

letzte Beschäftigung tatsächlich in der Landwirtschaft war. Umgekehrt sind ehemals

in der Landwirtschaft Beschäftigte anderer Berufe ihren jeweiligen Berufsgruppen

zugeordnet.

Um trotzdem einen Eindruck von der derzeitigen Beschäftigtensituation in der

Landwirtschaft zu vermitteln, werden an dieser Stelle Aussagen aus verschiedenen

Gutachten zur Landwirtschaft wiedergegeben. Sie beziehen sich auschließlich auf

die Kreisgebiete der neuen Bundesländer.

Für den Landkreis Osterburg kommt eine Studie (Peschke & Partner 1992) zu der

Voraussage, daß sich die Zahl der 7.900 vor der Wende in der Landwirtschaft tätigen

Personen für das Jahr 1992 auf 2.100 Arbeitskräfte reduzieren wird (Dies bedeutete

einen prozentualen Anteil von 5,0 an der Bevölkerung von 42.070 Menschen

am 31.12.1992.). Während vor der Wende 10,8 Arbeitskräfte auf 100 ha

landwirtschaftliche Fläche kamen, so errechnete sich der Arbeitskräftebestand für

1992 auf knapp 3 Arbeitskräfte je 100 ha.

Eine Studie zur Bewertung von Standortpotentialen im ländlichen Raum in Brandenburg

(Werner/ Dabbert 1992) stellt den Landkreis Perleberg (Prignitz) an erste Stelle

von allen Kreisen des Bundeslandes hinsichtlich ihrer Anzahl landwirtschaftlicher

Betriebe. Somit ergab sich für 1992 eine Zahl von 237 Betrieben mit einer Quote

aller in der Landwirtschaft beschäftigten Personen von 14,9% an der Gesamtbeschäftigungsquote.

Die Arbeitslosenquote im September 1992 betrug 17,1 %. Bei

einer Industrieflächenquote (Industriefläche / Siedlungsdichte) von 0,10%, einer

Gewerbeflächenquote (Gewerbefläche / Siedlungsdichte) von 0,04% und einer

Siedlungsdichte von 69 Personen/ km 2 liegt der Schluß nahe, daß ein großer Teil

der Arbeitslosen aus dem landwirtschaftlichen Sektor stammt.

Das statistische Jahrbuch 1993 von Mecklenburg-Vorpommern gibt für das Jahr

1991 eine Zahl derjenigen in der Landwirtschaft Beschäftigten von 3.022 Personen

im Landkreis Hagenow (4,3% des Bevölkerungsstandes am 31.12.1991) und 1.767

Personen im Landkreis Ludwigslust (3,0% des Bevölkerungsstandes am

31.12.1991) an. Laut Auskunft des Kreisbauernverbandes Ludwigslust lag die Zahl

der in der Landwirtschaft beschäftigten Personen in 1989 bei 5.800 und in 1992 bei

1.675. Dies stellt einen Rückgang derjenigen in der Landwirtschaft Beschäftigten

des Kreisgebietes um ca. 70 % dar.

Für den östlich der Elbe gelegenen Amtsbezirk Neuhaus, welcher nach einer Gebietsreform

mittlerweile Niedersachsen zugeordnet ist (30.6.1993), wurde eine Reduktion

des Beschäftigtenzahlen in der Landwirtschaft um 2/3 ermittelt. 61

6t mündl. Mittl. Herr van Haaren, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Bezirksstelle Uelzen, 31.3.1994


2.3.3 Betriebsformen

2.3.3.1 Anteil der Betriebsformen an der landwirtschaftlichen Produktion

Die Betriebsbereiche in der Landwirtschaft gliedern sich in die folgenden Betriebsformen:

• Marktfrucht

• Futterbau

• Veredelung

• Gemischtbetriebe

137

Ein Betrieb zählt zu einer bestimmten Betriebsform, z.B. Marktfrucht, wenn 50% und

mehr seines Standarddeckungsbeitrages aus der entsprechenden Produktionsrichtung,

z.B. Marktfrüchte wie Getreide oder Hackfrüchte stammen. Betriebe, die ihr

Einkommen zu über 50% aus der Rinderhaltung erzielen, gehören zum Futterbau.

Gemischtbetriebe erzielen ihr Einkommen in keiner Produktionsrichtung zu mehr als

49,5 %. Kennzeichen dieser Betriebe ist eine geringe Spezialisierung. Veredelungsbetriebe

erzielen über 50% ihres Betriebseinkommens ausschließlich aus dem Bereich

der Veredelung (Fleisch- und Milchproduktion).

Die Futterbaubetriebe der Dannenberger Marsch (45) erzielen ca. 50% ihrer Einkommen

aus der Milchproduktion. Der hohe Anteil von Marktfruchtbetrieben (29%)

innerhalb dieses sich durch einen hohen Grünlandanteil auszeichnenden Gebietes

(s.o.) deutet auf Grünlandumbruch und Zupacht von Ackerflächen außerhalb der direkten

Marschbetriebe hin. Alle Gemischtbetriebe halten Milchkühe, was aufgrund

des hohen Grünlandanteils nachvollziehbar ist. Die Bedeutung dieser Betriebsform

wird für die Region als sehr hoch eingeschätzt, da in dieser Betriebsform nur sehr

wenig Nebenerwerbsbetriebe zu finden sind. Die drei Veredelungsbetriebe erwirtschaften

ihr Haupteinkommen aus der Schweinehaltung. 62

Im Landkreis Osterburg befindet sich ein hoher Anteil der landwirtschaftlichen Betriebe

im Bereich der Veredelung (67%). Im Zusammenhang mit den Daten zum

Viehbestand (s.u.) kann festgestellt werden, daß der Schwerpunkt der Veredelungswirtschaft

bezogen auf das Kreisgebiet in der Schweinemast (s. im Anhang

Tabelle 62: Viehbestand) in Kombination mit einem relativ hohen Ackerlandanteil

(73,3 %, 1992) liegt.

Im Bereich der Elbwische (Wische=Wiese) verschiebt sich der Bereich der Veredelung

in Richtung Rinderhaltung. Hier liegt der Grünlandanteil bei ca. 40% in Kombination

mit einem hohen Anteil an Rindern, u.a. Milchkühe (s. im Anhang Tabelle 62:

Viehbestand) und einer geringen Anzahl an Schweinen.

Bekannt ist die Wische durch ihren traditionellen Obst- und Gemüseanbau. Allerdings

ist nach der Wende das flächendeckende Netz von Ankaufstellen und das

System der staatlichen Aufkaufpreise zusammengebrochen.

In den Landkreisen Hagenow und Ludwigslust liegt der Hauptanteil der Betriebe im

Bereich des Futterbaus (Ludwigslust: 72%; Hagenow 56%) mit einem entsprechend

hohen Anteil dieser Betriebsform an der landwirtschaftlichen Betriebsfläche

62 Landwirtschaftskammer Hannover (1993): Betroffenheitsanalyse Dannenberger Marsch, a.a.O. Die Betriebserkundung

umfaßte 105 Betriebe. 4 Betriebe verweigerten die Aussage, sodaß die jeweiligen Auswertungen (s. Tabellen im Anhang)

nur 101 Betriebe umfassen.


138

(Ludwigslust: 65,3%; Hagenow 60,2%; s. auch Tabellen im Anhang) Für den Landkreis

Prignitz liegen hierzu keine genauen Daten vor.

2.3.3.2 Anteil von Grünland und Ackerland an der landwirtschaftlichen

Nutzfläche

Für die niedersächsischen Elbanrainerkreise sowie für den Landkreis Osterburg ergibt

ein deutlich höherer Anteil der Ackerfläche im Vergleich zum Grünland. Ein Blick

auf die Dannenberger Marsch im Landkreis Lüchow-Dannenberg ergibt im Gegensatz

zum Verhältnis auf Kreisebene einen Grünland-Ackerlandanteil von jeweils fast

50:50%. Ein ähnlich umgekehrtes Verhältnis zeigt sich im Falle der Osterburger

Elbwische im Vergleich zum Kreis Osterburg. In der Wische besteht ein Verhältnis

Grünland-Ackerland von ca. 2/5 zu 3/5, während insgesamt der Landkreis einen

Grünlandanteil von 1/4 an der landwirtschaftlichen Nutzfläche besitzt.

Das Verhältnis im Landkreis Prignitz / Perleberg liegt bei 1/3 Grünland zu 2/3 Ackerland.

Allerdings weist der Bereich der Elbeniederung dieses Kreises demgegenüber

einen hohen Grünlandanteil auf. So umfaßt das Brandenburgische Elbtal ca. 55.000

ha mit einer landwirtschaftlichen Nutzflächen von ca. 30.000 ha, dessen Grünlandanteil

ca. 50% beträgt. Im engeren Elbetal befinden sich 60-70% Grünland, von

welchem ca 2/3 der Fläche im Rahmen von Extensivierungsprogrammen bewirtschaftet

werden, vorwiegend mit Mutterkuhhaltung (s.u.) 63 . Die regionalen Unterschiede

im Grünlandanteil liegen im allgemeinen zwischen 51 und 100%. Diese

Grünlandregionen werden charakterisiert als Regionen mit höheren Anteilen an natürlichen

Standorteinschränkungen oder Natur- und Landschaftsschutzansprüchen

(Werner/ Dabbert 1994). So stammen mehr als 75% des Futteraufkommens vom

Grünland, deren Lage sich meist in Biosphärenreservaten oder Naturparken befindet.

Die Flächen befinden sich überwiegend in extensiver Bewirtschaftung und steilen

meist große zusammenhängende Grünlandniederungen, teilweise überflutungsgefährdetes

Flußaue- oder Niedermoorgrünland oft in Vergesellschaftung mit leichten

Ackerböden dar.

In den mecklenburg-vorpommerschen Landkreisen Ludwigslust und Hagenow

schließlich stehen sich jeweils ca. 1/3 Grünlandanteil ca. 2/3 Ackerlandanteil an der

landwirtschaftlichen Nutzfläche gegenüber.

Tabelle 41: Relativer Anteil von Acker- und Grünland an der

landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Kreisgebiete

Kreise/Region Grünland (%) Ackerland (%)

LK Lüchow-Dannenberg 22,4 77,4

Dannenberger Marsch 40,8 59,2

LK Lüneburg 19,5 80

LK Prignitz 34,5 65,2

LK Osterburg 25,8 73,2

Osterburg/Wische 41,2 58,8

LK Ludwigslust 32,7 66,8

LK Hagenow 29,8 68,1

(Für die absoluten Daten: s. im Anhang Tabelle 59: Landwirtschaftliche Nutzflächen)

63 mündl. Mitteilung Herr Bahlke, Landwirtschaftsamt des Landkreises Prignitz, 7.4.1994


2.3.3.3 Viehhaltung

139

Die Ausnutzung des natürlichen Ertragspotentials sowie der Umfang und die Anteile

der Nutzungsmöglichkeiten des Grünlandes sind entscheidend von dem vorhandenen

bzw. möglichen Viehbesatz abhängig. In diesem Zusammenhang ist die regionale

Verteilung der Grünlandnutzung u.a. abhängig von der Milchquotenausstattung

pro ha Grünland.

Die Milchquotenausstattung des Landkreis Prignitz / Perleberg lag im Dezember

1992 zwischen 3.000 und 4.000 kg/ha Grünland. 64 Werner et al. (1994) (s.o.) kommen

in ihrer Studie zu dem Ergebnis, daß sich in Regionen mit einer Milchquotenausstattung

von unter 4.000 kg/ha Grünland eine extensive Bewirtschaftung auf über

3/4 der Grünlandfläche durchsetzen könnte. Maximal die Hälfte des Grünlandes wäre

über die Milchviehhaltung einschließlich Färsenaufzucht nutzbar.

Die Prignitzer Elbtalauenämter Bad Wilznack, Lenzen und Wittenberge vereinigen

ca. 35% des Rinderbestandes des Landkreises Prignitz auf ihre Amtsbezirke. Der

Anteil der Milchkühe an diesem Rinderbestand beträgt ca. 24,5%. Der Rest teilt sich

auf in Mast und Färsenaufzucht. Die Aufteilung des Rinderbesatzes auf betriebliche

Unternehmensformen gibt die nachfolgende Tabelle wieder.

Tabelle 42: Rinderbestände bezogen auf Betriebsformen für den Bereich

der folgenden Elbtalauenämter: 65

Elbtalauenämter Mutterkuhhaltung übrige Rinder

Bad Wilznack gesamt: 1.097

HE: 48

NE: 7

JP: 842

Lenzen gesamt: 2.938

HE: 987

NE: 68

JP: 1.883

Wittenberge gesamt: 149

HE: 149

gesamt: 4.637

HE: 667

NE: 270

JP: 3.700

gesamt: 7.182

HE: 1.181

NE: 187

JP: 5.814

gesamt: 96

HE: 65

NE: 31

HE = Haupterwerbsbetrieb

JP = Juristische Person (Rechtsform des Betriebes als e.G., GmbH oder GbR), i.a. als HE bewirtschaftet

NE = Nebenerwerbsbertieb

Insgesamt existieren im Elbtalauenbereich der Naturparkverwaltung mit dem Betriebszweig

Mutterkuhhaltung:

• Haupterwerbsbetriebe mit ca. 400 Stück

• Nebenerwerbsbetriebe mit ca. 200 Stück

• Betriebe Juristischer Personen mit ca. 1.000 Stück 66 .

Die Zahlen verdeutlichen, daß der Hauptanteil der Rinderhaltung, besonders der

Mutterkuhhaltung im Bereich der juristischen Personen zu finden ist. Neben der

64

65

66

Werner, Arnim et al. (1994): a.a.O.

mündl. Mittig.: Herr Bahlke, Landwirtschaftsamt Prignitz, Stand 3.94

mündl. Mittig. Herr Bahlke, LWA LK Prignitz: a.a.O.


140

Mutterkuhhaltung arbeiten die übrigen Betriebe der Rinderhaltung in der Jungbullenzucht

und der intensiven Milchproduktion 67 .

Im Elbebereich des Landkreises Ludwigslust existiert hauptsächlich Milchwirtschaft,

dies vor allem in den Großbetrieben. 68

Tabelle 43: Rinderbestände bezogen auf die Betriebsformen im

Landkreis Ludwigslust

Unternehmensform Milchkühe übrige Rinder

Familienbetrieb 1.672 1.345

Juristische Person 10.712 18.352

In Bezug auf den Viehbesatz pro Unternehmensform sind auch im Landkreis Osterburg

die juristischen Personen gegenüber den natürlichen Personen besser mit Vieh

ausgestattet (Peschke & Partner 1992), was bei der erheblich höheren Betriebsgröße

erstgenannter zu erwarten ist.

Von den in der Dannenberger Marsch untersuchten 101 Betriebe haben die 74 Betriebe

der Viehhaltung die Milchwirtschaft als Hauptproduktionsverfahren. Sie halten

insgesamt 1.644 Milchkühe und besitzen eine Milchquote von insgesamt 9.504.000

kg, wovon 561.000 kg gepachtet und 157.000 kg geleast sind. 24 Betriebe fallen in

die Betriebsgrößenklassen von 50.000 bis 100.000 kg, und 26 Betriebe in die Größenklasse

von 100.000 bis 200.000 kg. Nur 13 Betriebe haben eine Milchquote von

200.000 kg und nur 2 eine Quote über 300.000 kg.

Die durchschnittliche Quote von 4015 kg/ha Grünland könnte, gemäß der Einschätzung

von Werner et al. (1994) (a.a.O.) eine gute Voraussetzung für eine Extensivierung

in der Grünland- und Milchwirtschaft bieten. Allerdings setzt die hohe Rate der

gepachteten und geleasten Flächen dieser Möglichkeit auch Grenzen, denn solche

Flächen liegen meist nicht mehr im direkten Elbebereich und wurden ja gerade aus

dem Grunde zugepachtet, um die betriebliche Existenz zu wahren - meist über intensive

Bewirtschaftung.

Im gesamten niedersächsischen Bereich des Großschutzgebietes halten von den

337 landwirtschaftlichen Betrieben ca. 75% Milchkühe. Grundsätzlich haben sich die

Viehbestände in allen Kreisen des Untersuchungsgebietes der neuen Bundesländer

seit der Wende drastisch reduziert. Eine Aufstellung der Rinderzahlen für den Landkreis

Ludwigslust mag diese Entwicklung skizzieren.

Tabelle 44: Entwicklung Rinderbestand im Landkreis Ludwigslust

(1989-1992)*

Rinderbestand 1989 1992

Milchkühe 20.400 13.009

Mutterkühe 180 3.110

übrige Rinder (Haupts. Bullenmast)

48.000 22.700

* Quelle: mündl. Mittig. Herr Eggert, Kreisbauernverband Ludwigslust, 7.4.1994

Die deutliche Zunahme der Mutterkuhhaltung verdeutlicht die zunehmende Tendenz

bzw. Umstellung auf Extensivierung in der Grünlandwirtschaft. Für den Landkreis

Osterburg stellt sich eine entsprechende Entwicklung folgendermaßen dar:

67 mündl. Mittig. Bahlke, LWA LK Prignitz

68 mündl. Mittig. Herr Eggert, Kreisbauernverband Ludwigslust, 7.4.1994


Tabelle 45: Entwicklung des Rinderbestandes im Landkreis

Osterburg 1989-1992

Rinderbestand 1989 1992

Rinder gesamt 64.517 35.215

davon Milchkühe 24.560 17.077

davon übrige Rinder 39.957 18.138

Quelle: nach Peschke & Partner (1992)

Damit ist bis 1992 der Rinderbestand insgesamt in diesem Landkreis auf ca. 55%

und der Milchkuhbestand auf ca. 70% gesunken.

2.3.4 Weiterverarbeitung

In diesem Kapitel wird eine Darstellung der Weiterverarbeitung für Getreide aus

zwei Gründen nicht erfolgen :

a) Der Anteil an Getreidebau in der Landwirtschaft ist in den betreffenden Landkreisen

nicht besonders hoch im Vergleich zu den anderen Betriebszweigen.

141

b) In Kapitel 2 wurde der Schwerpunkt stark auf eben die Betriebszweige Grünlandwirtschaft

und Viehhaltung, Obst- und Gemüseanbau gelegt. Dies geschah

aufgrund der Vorgabe der naturräumlichen Potentiale der Region mit der entsprechenden

landwirtschaftlichen Nutzung der Flächen sowie aus Gründen einer

Eingrenzung der inhaltlichen und strukturellen Analyse im Rahmen der Untersuchung.

Die Beispiele aus den anderen Produktionszweigen mögen allerdings die verallgemeinerbare

Tendenz zur Zentralisierung in der Weiterverarbeitung und den damit

verbundenen Auflagen an die Primärproduktion verdeutlichen.

1. Beispiel: Osterburg und umliegende Region

Im Kreis Osterburg sind die meisten Verarbeitungskapazitäten wie z.B. die Zuckerfabrik

Goldbeck, der Schlachthof Stendal oder die Konservenfabrik Seehausen ausgefallen.

Die in Osterburg ansässige Molkereigenossenschaft e.G. hat sich früh nach der

Wende der Uelzena Milchwerke e.G. in Uelzen angeschlossen. Letzterer gehören

auch die Genossenschaften in Lüchow und Gartow an. Die nicht in der Osterburger

Molkerei verarbeitete Milch wurde in 1992 noch direkt ab Hof zur Molkerei nach Uelzen

geliefert. Mit Erreichen seiner vollen Arbeitskapazität der Altmark-Käserei Uelzena

GmbH Bismark (Probebetrieb) seit 1993 wird die zur Käseherstellung geplante

Milchmenge hier angeliefert. In der Osterburger Molkerei wird der Käsebetrieb eingestellt.

Ein weiterer wichtiger milchverarbeitender Betrieb sind die "Milchwerke Mittelelbe"

GmbH Stendal, welche durch ein westdeutsches Unternehmen privatisiert und modernisiert

wurde. Die Verarbeitungskapazität liegt bei 300.0001 Milch/Jahr.

Die Schlachthöfe in Stendal und Salzwedel wurden aufgrund zu hoher Kosten geschlossen;

die Schlachthöfe in Perleberg, Magdeburg, Burg und Dessau mußten

diesem Beispiel folgen, da sie nicht dem technischen und hygienischen Standard

der EG-Verordnungen entsprachen. Neue Schlacht- und Zerlegebetriebe werden im

Rahmen von Fördermaßnahmen zum Aufbau einer modernen Verarbeitungsindustrie

(Schlachthof-Strukturplan) in den Neuen Ländern gebaut oder sind

in Planung. Durch diese Neuplanungen werden Schlachtkapazitäten geschaffen, die


142

es kleinen regionalen Schlachthöfen schwer machen wettbewerbsfähig zu bleiben.

Andererseits bedeuten solche Großstrukturen aufgrund des großen Einzugsgebietes

weite Wege für die Schlachttiere und Landwirte. Gleichzeitig bedeuten die hohen

Schlachtkapazitäten die Gefahr, daß bei den stark geschrumpften Tierbeständen im

Osten die Betriebe nicht ausgelastet werden oder noch bestehende ältere Betriebe

(auch in Westdeutschland) geschlossen werden 69 . Solche Bedingungen können

eine regionale Vermarktung von Qualitätsfleisch erschweren.

Tabelle 46: Übersicht über die nächstgelegenen Schlachtstätten für den Landkreis

Osterburg

Unternehmen/

Schlachtstätte

Entfernung

von Osterburg

(km)

Tierart* Bemerkungen

NFZ** Perleberg 40 S Neubau***

Magdeburg 85 alter Schlachthof geschlossen;

als Standort nach Schlachthofstrukturplan

vorgesehen

Moksel Dessau 140 R+S Neubau***

Vogler Steine/Lüchow 70 S Bindung an NFZ**

NFZ** Lüneburg 130 R

NFZ** Braunschweig 130 R+S

Vosding Laatzen 190 R+S

Stendal als Standort nach Schlachthofstrukturplan

vorgesehen; Betriebsgesellschaft

1993 gegründet

*: R = Rinder, S = Schweine **: Nordfleisch-Zentrale

***: Neubauten im Rahmen des Schlachthof Strukturplanes

Quelle: Peschke & Partner (1992); eigene Ergänzungen IÖW

Der Anbau von Obst und Gemüse hat u.a. in der Wische des Landkreises Osterburg

Tradition. Hier befindet sich z.B. das älteste Spargelanbaugebiet Deutschlands.

1927 wurde in Osterburg die erste deutsche Erzeugergenossenschaft für Spargel

gegründet, die etwa 80 % der Ernte nach Hamburg absetzte. Nach der Wende ist

ein System von staatlichen Ankaufpreisen für Obst und Gemüse und ein Netz von

Ankaufstellen für eine breite individuelle Obst- und Gemüseproduktion zusammengebrochen.

Damit ging der Marktanteil der Kleinerzeuger stark zurück zugunsten

ausländischer und westdeutscher Produkte.

Derzeit ist die Wischeobst GmbH größte Produzentin von Obst und Gemüse (in

1992 mit 450 ha Apfel, 20 ha Johannisbeeren, 20 ha Sauerkirschen, 110 ha Gemüse).

1993 waren 70 ha Frischgemüse geplant. Würde ein Abnehmer gefunden werden,

könnten zudem 80-100 ha Industriegemüse erzeugt werden. Die bisherigen

Abnehmer haben die Konservierung eingestellt; die ortsansässige Konservenfabrik

SEEKO hat ab 1990 auf die Herstellung tischfertiger Gerichte umgestellt.

Derzeit ist in Wittenberge eine Fertiggerichteproduktionsfirma im Bau, welche Produkte

aus der Region verarbeiten will, allerdings in aufgearbeiteter Form. Dies können

die landwirtschaftlichen Betriebe allerdings oft nicht leisten. Bei Kartoffeln wäre

eine Aufarbeitung wohl noch möglich, beim Gemüse nicht mehr.

Zur Wischeobst GmbH gehört eine eigene moderne Fruchtsaftproduktion, in welcher

u.a. klare und naturtrübe Apfelsäfte aus selbst angebauten Apfelbaumbeständen

69 vergleiche F. Thomas (Protokoll einer Gesprächsrunde): Entwicklung von Schlachthofstrukturen und Verlagerung von Produktionsstandorten,

in: Agrarbündnis 1994


143

hergestellt werden. In Seehausen hat sich bei Beteiligung der Wischeobst GmbH die

Erzeugerorganisation und Absatzgesellschaft mbH Obst und Gemüse "Altmark" zur

Vermarktung von Frisch- und Industriegemüse gegründet. Das Gemüse wird auf den

Großmärkten Hannover, Berlin und Hamburg vermarktet. Möglicherweise ist ein Zusammenwirken

mit der Obst- und Gemüsevermarktung Sachsen-Anhalt GmbH in

Löberitz angestrebt, welche eine dezentrale Organisationsstruktur der Erfassung auf

Grundlage regionaler Erzeugergemeinschaften aufbauen will Peschke & Partner

1992).

2. Beispiel: Ludwigslust und umliegende Region

Im Landkreis Ludwigslust existieren keine Molkereien. Die Milchlieferungen erfolgen

hauptsächlich nach Schwerin (115 Mio kg/ Jahr) und nach Karstädt (Brandenburg).

Ein Zweigwerk von Danone befindet sich in Hagenow. In Udahl bei Grevesmühlen

ist eine neue Molkerei ("größte Europas") - möglicherweise von Hansano - geplant.

70

Die Landfleisch GmbH, der Zusammenschluß von landwirtschaftlichen Betrieben zu

einer Gesellschaft, hat bis 1993 bis zu 40001/ Jahr selbst geschlachtet. Der Betrieb

ist derzeit eingestellt; es ist nicht genau bekannt, wie es weitergeht. Zentrale

Schlachthöfe sind u.a. geplant in Neustrelitz, Teterow und Anklam, also in größerer

Entfernung zu dieser Region

In Hagenow befindet sich ein Kartoffelveredelungswerk mit einer jährlichen Kapazität

von 5000 t/Jahr. Ein Kartoffelschälbetrieb existiert in Göhlen.

Die Eidekonservenfabrik in Parchim mit einer jährlichen Verarbeitungskapazität in

1992 von 10.000 t/Jahr ist in Konkursgefahr. 71

3. Beispiel: Perleberg und umliegende Region

Im Landkreis Perleberg besteht derzeit noch eine alteingesessene Molkereigenossenschaft

in Karstädt. Hier findet allerdings keine weitere Veredelung mehr statt,

wiewohl generell die Zukunft dieses Unternehmens ungewiß ist, da es durch Preisüberbietungen

größerer Molkereikonzerne auskonkurriert wird.

In Dallmin existiert eine Stärkefabrik unter belgischer Leitung. Hier erfolgt eine Verarbeitung

von ca. 250.000 t Kartoffeln/ Jahr. Diese hohe Kapazität kann aus der

Region nicht abgedeckt, weswegen dort zusätzlich eine Verarbeitung von Kartoffeln

aus dem niedersächsischen Raum erfolgt. Derzeit kaufen niedersächsische Bauern

Anteile der Stärkefabrik. Gleichzeitig wird der Einsatz von Quoten in der Stärkeproduktion

diskutiert.

Die Ölmühle in Wittenberg ist geschlossen. Im Gespräch war zunächst eine neue

Ölmühle am alten Standort; allerdings steht eine politische Leitlinie noch aus.

Fast wäre eine Geflügelschlachthof in die Region gekommen; jetzt hat er allerdings

seinen Standort in der Nähe der Autobahn. 72

Grundsätzlich ist die Landwirtschaft des Untersuchungsgebietes im Bereich der

neuen Bundesländer angesichts der Absatzschwierigkeiten und mangelnden Kapazitätsauslastung

der neuen, unter zentraler Regie meist westdeutscher Konzerne

stehenden vergrößerten Weiterverarbeitungsbetriebe in der Situation, sich auf den

70

71

72

mündl. Mittig. Herr Steffen, Nationalparkamt Mecklenburg-Vorpommern, Außenstelle Elbetal, 31.3.1994

mündl. Mittig. Herr Eggert, Kreisbauernverband Ludwigslust, 7.4.1994

mündl. Mittig. Landwirtschaftsamt Perleberg, 7.4.1994


144

pazitätsauslastung der neuen, unter zentraler Regie meist westdeutscher Konzerne

stehenden vergrößerten Weiterverarbeitungsbetriebe in der Situation, sich auf den

übersättigten Märkten durchsetzen zu müssen. Letztlich können allerdings nur die

Anbieter erfolgreich werden, die sich mit ihrer Produktion strategische Wettbewerbsvorteile

sichern. Solche Vorteile bestehen in hoher Qualität und gesundheitlicher

Unbedenklichkeit der Lebensmittel und dies auch bei Angebot großer einheitlicher

Partien, wie sie die großen landwirtschaftlichen Betriebe produzieren. Für die

Anbieter von Fleisch und Milchprodukte bedeutet das, Qualität durch definierte Produktionstechniken

und organisatorische Maßnahmen gezielt zu erzeugen. Die Gewährleistung

hoher Prozeßqualität setzt den vertikalen Verbund von den Erzeugern

bis zum Vermarkter und Handel voraus.

2.3.5 Situation des ökologischen Landbaus in der Untersuchungsregion

Die Umweltvorteile des ökologischen Landbaus sind zwar deutlich, aber sein Anteil

an der Landwirtschaft in Deutschland ist noch sehr gering, obwohl in den letzten

Jahren ein deutliches Wachstum zu verzeichnen war. Abhängig von den zugrunde

gelegten Kriterien werden 0,7% (Mitgliedsbetriebe der AGÖL 73 ) bis 1,5%

(Anbaumethoden entsprechend der EG-VO 2092/91 über den ökologischen Landbau)

der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet. Im Rahmen der Datenrecherche

wurden die einzelnen Anbauverbände der AGÖL angeschrieben und

um Informationen zu folgenden Fragestellungen gebeten:

• Anzahl, Größe und Art (Betriebsform) der in den jeweiligen Anbauverbänden organisierten

landwirtschaftlichen Betriebe in den Elbanrainerkreisen des betreffenden

Bundeslandes,

• Informationen über eventuell existierende regionale Vermarktungs- und Weiterverarbeitungsstrukturen.

• Das Datenmaterial ist aus mehreren Gründen lückenhaft bzw. gibt nicht immer

den derzeitigen und mit anderen Bundesländern vergleichbaren Stand wieder:

• In offiziellen Berichten (z. B. Bundesagrarberichte, Landesagrarberichte) sind nur

unzureichende Daten zum ökologischen Landbau zu finden. 74

• Der Rücklauf der Anfragen war recht gering, was sicherlich damit zusammenhängt,

daß sich die Recherche immer direkt auf die Elbanrainerkreise des Untersuchungsgebietes

beschränkten und dort nicht immer Betriebe mit ökologischem

Landbau vertreten waren. Außerdem wird die Verwaltung der Verbandsgeschäfte

auf regionaler/ kommunaler Ebene oft in ehrenmatlicher Tätigkeit neben der eigenen

Hofbewirtschaftung durchgeführt, so daß Anfragen auch aus personellen

Engpässen oft nicht beantwortet werden können. Trotzdem müßte bei einer

nachfolgenden Recherche an dieser Stelle noch einmal verstärkt bei den einzelnen

Anbauverbänden nachgefragt werden.

73 ArbeitsGemeinschaft Ökologischer Landbau (Mitgliedsverbände: demeter, Bioland, Biokreis e.V., Naturland, ANOG, ECO

VIN, Gäa, ökosiegel)

74 Der Agrarbericht der Bundesregierung umfaßt nur Flächen von Betrieben, welche Mitglieder in der Arbeitsgemeinschaft

Ökologischer Landbau (AGÖL) sind. Die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe ohne AGÖL-Mitgliedschaft, welche

erheblich angewachsen sind, werden nicht mit erfaßt. Aus mehreren Gründen wird somit der Umfang des ökologischen

Landbaus im Bericht der Bundesregierung unterbewertet. Gleichzeitig erfolgt keine Ausweisung der Zahl der Betriebe, welche

bereits die Anerkennung als Ökolandbaubetrieb haben und denen, die sich in der Umstellungsphase befinden. Die

grundsätzlich unterschiedlichen Einkommensverhältnisse aufgrund verschiedener Abschreibungsverluste kommen nicht

zum Tragen, (s. hierzu: Uli Zerger (1994): Ökologischer Landbau im Agrarbericht der Bundesregierung; Anmerkungen, Kritik

und Anregungen; in: Agrarbündnis e.V: .Landwirtschaft 1994 - Der kritische Agrarbericht (S. 209-213))


a) Ökologischer Anbau

145

Die nachfolgenden Informationen zur Situation der ökologisch produzierenden

landwirtschaftlichen Betriebe umfassen den Stand derjenigen Betriebe, welche Mitglied

sind in einem der in der AGÖL organisierten Anbauverbände. Sie geben somit

noch nicht die Gesamtzahl aller Ökolandbau-Betriebe wieder. Sofern zusätzliche

Daten recherchiert werden konnten, werden sie in die Darstellung mit aufgenommen.

Tabelle 47: Mitgliedsbetriebe und Flächen der in der AGÖL zusammengeschlossenen

Verbände in den betreffenden Bundesländern der

Untersuchungsregion (Stand: 1.1.1994)

Bundesland Zahl der Be- bewirtschaftete in % von der Gesamtzahl

triebe

Fläche in ha

Betriebe Fläche

Mecklenburg-

Vorpommern

42 6.452 0,95 0,49

Brandenburg 97 13.360 1,58 1,04

Sachsen-Anhalt 42 6.149 1,09 0,58

Niedersachsen 400 15.890 0,45 0,59

Gesamt neue Bundesländer

256 36.495 0,95 0,69

Gesamt alte Bundesländer

4.685 125.234 0,78 1,06

Gesamt Bundesgebiet 4.941 161.729 0,79 0,95

Quelle: AGÖL (1994): Jahresbericht 1993

Die nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Zahl der Betriebe der jeweiligen

Anbauverbände in den untersuchten Kreisgebieten. Diese Übersicht ist allerdings

unvollständig, da sich nicht jeder Anbauverband auf unsere Anfrage geäußert

hat.


146

Tabelle 48: Zahl der in Anbauverbänden organisierten Betriebe und deren landwirtschaftliche

Nutzflächen den Kreisgebieten

Landkreis/ LK Hagenow LK Ludwigs- LK Prignitz LK Oster- LK Lüchow - LK Lüneburg

Anbauverb.

lustburg

Dannenbg.

Naturland* 1 (Ackerbau,

596 ha)

Bioland** 9

demeter** 2

Neuland** 1 1

Arbeits-

2 (Milch und 1 (Nähe

gemein

Getreide, Stendal,

schaft für

120 ha bzw. Obst und

biologisch-

Milch, Kar- Gemüse, 37

dynamitoffeln,Ge-

ha

schenLandtreide,Gebau*müse, 115

ha)

Biopark* 49 (8.393 1 (im Be-

ha; darunter reich des

8 jurist. Naturpark

Pers., 41 Elbtalaue,

Wieder- Gemeinde

einrichterlnn

en)

Lenzen)

Gäa 1 (300ha,

s.u.)

* Stand 1994

" Stand 1991

Mit Stand vom 30.11.1993 werden in der Broschüre "Ökohöfe in der Mark Brandenburg",

herausgegeben von der Grünen Liga Landesverband Brandenburg e.V. 75 zusätzlich

zu den o.g. Höfen in der Tabelle für die Region Prignitz noch 3 weitere Höfe

genannt (100 ha, Getreide, Kartoffeln, Schafsmilch, Schafkäse, Honig, Hofkäserei im

Bau; 0,5 ha als e.V. Gemüse-, Kräuter-, Blumenanbau; 300 ha Getreide, Gemüse,

Fleisch, Wurst, Initiierung einer Erzeugergemeinschaft für ökologische Betriebe in

der Prignitz mit u.a. Getreidereinigung und -aufbereitung)

Mit Stand vom Juni 1994 vereinigt der Verein "Biobauern im Wendland e.V." unter

seinem eigenen Warenzeichen "Wendland-Kooperative" ca. 18 Betriebe. Seit Oktober

1991 existiert daneben die "Wendland-Kooperative GmbH", welche für 13 Betriebe

der o.g. 18 die Vermarktung der landwirtschaftlichen Produkte betreibt. Diejenigen

Landwirte, die nicht in der GmbH vertreten sind, haben bereits stabile direkte

Vermarktungswege (z.B. Endverbraucherinnen oder Marktstände). 76

b) Vermarktung

Anbauverbände und Vermarktungsinitiativen, die uns Informationen zur Verfügung

gestellt haben, sehen die Vermarktungsfrage gegenwärtig als zentrales Problem im

ökologischen Landbau. So wäre die Weiterentwicklung der regionalen Vermarktungsstrukturen

sowie der Gewinn von weiteren Verbraucherinnen für ökologisch erzeugte

Produkte eine Voraussetzung für eine sinnvolle Ausweitung des Anbaus. 77

75 Grüne Liga Landesverband Brandenburg e.V. (1983): Ökohöfe in der Mark Brandenburg; Grüne Liga, Hegelaliee 6-10,

14467 Potsdam

76 mündl. Mittig. Wendland-Kooperative, Lüchow vom 9.6.1994

77 schriftl. Mittig. der Arbeitsgemeinschaft für biologisch-dynamischen Landbau, Versuchs- und Beratungsring Berlin-

Brandenburg e.V. vom 12.4.1994; mündl. Mittig. Herr Schwäre, Frau Wiegold, BÖL Vermarktungsprojekt zur Erarbeitung


147

Dies scheint allerdings regional durchaus unterschiedlich zu sein, denn teilweise

bestehen auch Vermarktungsstrukturen und -angebote, die mangels Betriebe derzeit

nur ungenügend bedient werden können. 78 Ein weiteres Problem besteht in der Anforderung

auf Vorverarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte, bevor sie in den

Handel oder die Gastronomie kommen, was derzeit aufgrund fehlender Strukturen

nicht genügend angeboten werden kann.

Es bestehen allerdings bereits verschiedenste Ansätze zur Organisation von Weiterverarbeitung

und Vermarktung von Produkten aus biologischem Anbau in der

Untersuchungsregion. Ihre Darstellung erfolgt an dieser Stelle beispielhaft; sicherlich

existieren weitere Initiativen bzw. befinden sich derzeit in Gründung.

Ein Beispiel für eine Initiative auf Verbandsebene sind die seit den 90er Jahren bestehenden

Marktgemeinschaften des Anbauverbandes Naturland, die regional bezogen

die Erzeugnisse der Mitglieder über die Direktvermarktung und Eigeninitiative

hinaus an den Naturkosthandel und -Verarbeitung vermarktet. Hier liegen die

Schwerpunkte in:

• Erfassung von zahlreichen Einzelpartien zu größeren, nach einheitlichen Kriterien

sortierten Gesamtmengen,

• Koordinierung des Vertragsanbaus für größere Verarbeiter und Vermarkter,

• Steuerung des Anbaus in Zusammenarbeit mit der Fachberatung des Verbandes,

• Vermittlung von Kontakten zwischen Verarbeitern und Vermarktern,

• Vermittlung von Futterware und Saatgut und anderen Serviceleistungen an die

Landwirte.

Als regionale Initiative haben sich in Brandenburg Biobauern, Händler, Verarbeiterlnnen

und Verbraucherinnen zum "Märkischen Wirtschaftsverbund" zusammengeschlossen

und die Aktion "FairHandeln" gestartet. Ziele sind u.a. :

der Aufbau eines regionalen, überschaubaren Marktes für Produkte, die nach den

Richtlinien der Anbauverbände demeter, Bioland und Gäa produziert werden,

• Verbesserung und Erweiterung der Produktpalette für ein attraktives Angebot,

• Förderung der Kooperation zwischen Erzeugerinnen, Verarbeitung, Handel und

Verbraucherinnen.

In der Westprignitz in der Nähe von Havelberg entsteht auf Initiative eines Bio-

Landwirtes eine Erzeugergemeinschaft für ökologische Betriebe in der Prignitz, die

u.a. mit einer Getreidereinigung und -aufbereitung ausgestattet werden soll. Ein anderer

Hof in der Prignitz ist dabei, eine Hofkäserei einzurichten.

In der Region Lüchow-Dannenberg existiert neben der Wendland-Kooperative seit 4

Jahren die Milch-Kooperative Wendland GmbH. Hier sind derzeit 7 Biolandbetriebe

Mitglied, die pro Jahr 1,5 Mio. Liter anliefern. Die Verarbeitung der Milch läuft in Kooperation

mit der Molkerei in Lüchow. Im Auftrag der Milch-Kooperative sammelt die

Molkerei die Milch getrennt von der konventionellen Milch ein und verarbeitet sie

u.a. weiter zu Crème fraiche, Sahne und Quark aus kontrolliert biologischem Anbau.

und Umsetzung von Konzepten zur Vermarktung ökologisch erzeugter landwirtschaftlicher Produkte aus den neuen Bundesländern,

Oranienburg-Eden vom 31.3.1994

78 schriftl. Mittig. Naturland Nordrhein-Westfalen Landesverband für naturgemäßen Landbau (hier für Sachsen-Anhalt) vom

6.4.1994, mündl. Mittig. BÖL Vermarktungsprojekt vom 31.3.1994


148

Für die Vermarktung ist die Wendland-Kooperative zuständig. Die Hauptabnehmer

der Milch und Milchprodukte sind die Wendland-Kooperative und ein Großabnehmer

in Hamburg. Der größte Teil der Milch wird im ökologischen Bereich vermarktet; der

Rest kommt auf den konventionellen Markt. 79

2.3.6 Ansatzpunkte für eine extensive und umweltgerechte Landwirtschaft im

Rahmen der EG-Agrarpolitik in der Untersuchungsregion

Im Rahmen der EG-Agrarreform wurden sogenannte flankierende Maßnahmen erlassen,

die es u.a. ermöglichen, eine extensivere (in Bezug auf Stoffeinsatz) Landwirtschaft

zu fördern. Die Fördermöglichkeiten und Kriterien werden in der

"Verordnung (EWG) Nr. 2078/92 des Rates vom 30. Juni 1992 für umweltgerechte

und den natürlichen Lebensraum schützende landwirtschaftliche Produktionsverfahren"

geregelt. Die einzelnen Staaten und ihre Länder/Provinzen sind gehalten, diese

Regelungen in Länderprogramme zu übernehmen, an denen sich jeder landwirtschaftliche

Betrieb beteiligen kann. Die EG übernimmt 50% der Fördermittel (in besonders

benachteiligten Gebieten 75%; hierzu zählen die Bundesländer Brandenburg,

Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen). Die

Programme müssen hierfür der EG zur Prüfung vorgelegt werden. Folgende Maßnahmen

können über die Verordnung durch die EG teilgefördert werden:

• Produktionsverfahren, die die umweltschädlichen Auswirkungen der Landwirtschaft

verringern

• Extensivierung von Pflanzen- und Tierproduktion (auch Umwandlung von Ackerflächen

in extensives Grünland)

• Aufrechterhaltung der Landwirtschaft auf Flächen, die brach zu fallen drohen

• Pflege von brachgefallenen Flächen aus Gründen des Umwelt- und Naturschutzes

• 20-jährige Stillegung von Flächen, die aus Gründen des Umwelt- und naturschutzes

nicht weiter bewirtschaftet werden sollten

• Qualifizierung von Landwirten in umweltfreundlichen Produktionsverfahren

In Deutschland ist die Umsetzung der Verordnung über zwei Wege erfolgt bzw.

möglich:

1. Förderung über die Gemeinschaftsaufgabe (GA) "Verbesserung der Agrarstruktur

und des Küstenschutzes":

• extensiver Ackerbau

• extensive Grünlandnutzung

• ökologische Anbauverfahren (ob diese Maßnahme über die GA gefördert wird, ist

vom Bund noch nicht entgültig entschieden)

• Umwandlung von Ackerflächen in extensives Grünland. Der Förderungsschlüssel

ist hierfür 50% (75%) EG, 30% (15%) Bund und 20% (10%) Bundesland

(Angaben in Klammern gelten für die neuen Bundesländer).

79 mündl. Mittig. Milch-Kooperative GmbH Lüchow vom 30.5.1994


2. Förderung über Programme der einzelnen Bundesländer

149

Für Maßnahmen der VO 2078/92, die nicht über die GA gefördert werden, können

die einzelnen Bundesländer gebietsspezifische Programme erarbeiten, die ebenfalls

bei entsprechender Prüfung von der EG kofinanziert werden (50% bzw. 75%). Im

August 1993 waren folgende Programme der im Untersuchungsgebiet liegenden

Bundesländer bei der EG angemeldet 80 :

• Brandenburg: "Kulturlandschaftsprogramm des Landes Brandenburg"

• Mecklenburg-Vorpommern: Entwurf bisher ohne Namen; es gibt ein Grünland-

Extensivierungs-Programm

• Niedersachsen: "Programme zur Förderung umweltverträglicher Produktionsverfahren

- Gesamtkonzept zur Umsetzung der VO (EWG) 2078/92 in Niedersachsen"

• Sachsen: "Umweltgerechte Landwirtschaft im Freistaat Sachsen"

• Sachsen-Anhalt: "Gesamtkonzept zur Umsetzung der flankierenden Maßnahmen

der EG-Agrarreform in Sachsen-Anhalt"

Die Landesprogramme bündeln zum Teil schon bestehende Programme der Länder

zur Förderung spezieller Naturschutzanforderungen, wie Streuobstwiesen, Feuchtwiesenprograme,

Biotop- und Naturschutzprograme, etc. Die Förderbeträge sind im

allgemeinen gestaffelt nach einer Grundförderung für eine allgemeine Extensivierung

der Produktion und einer Zusatzförderung für spezielle Bewirtschaftung aus

Naturschutzgründen. Mit der Bündelung bereits bestehender Programme gehen die

entsprechenden finanziellen Mittel nicht immer mit einer Addition zusätzlicher EG-

Mittel einher. Zum Teil ist die beantragte Geldmenge für die Umsetzung der EG-

Verordnung nur unwesentlich höher als die frühere Summe aller Naturschutzprogramme

des jeweiligen Bundeslandes.

Da die Förderprogramme nur einen Einkommensverlust ausgleichen sollen, stellen

sie noch keinen finanziellen Anreiz zur Extensivierung dar. Dieses wird von Naturschutzseite

kritisiert (Weins 1994). Insbesondere trifft dies für den ökologischen

Landbau zu. Die Fördersätze sind in Niedersachsen mit 300,- DM/ha für Acker- und

Grünland und 1.400,- DM/ ha für Dauerkulturen niedrig angesetzt. Im ausgelaufenen

Extensivierungsprogramm zur Umstellung auf den ökologischen Landbau wurden

510,- DM/ha Ackerland, 360,- DM/ha sonstiger landwirtschaftlicher Fläche und

1.416,- DM/ ha Dauerkulturen gezahlt. Die Reduzierung der Prämien wird damit begründet,

daß der Anreiz gebremst werden soll, weil das Angebot an biologisch erzeugten

Produkten die Nachfrage übersteigt 81 . Bei insgesamt sinkenden Erzeugerpreisen

werden auch die Fördersätze tendenziell sinken, da sie nur die Verluste gegenüber

den üblichen Marktpreisen ausgleichen sollen. Zudem sind Subventionen

und Fördermittel immer von der Haushaltslage und politischen Entscheidungen abhängig.

Schon jetzt fällt der geringe Förderrahmen im Zusammenhang mit der EG-

VO 2078/92 auf. So ist für die extensive Grünlandnutzung in Niedersachsen ein Finanzrahmen

von 6,5 Mllionen DM pro Jahr vorgesehen (ebenda). Bei einer Ge-

80 Weins, Christof: Die ökologischen Begleitmaßnahmen der Landwirtschaft; in: Agrarbündnis e.V.: Landwirtschaft 94 - Der

kritische Agrarbericht (S. 209-213)

81 Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (1993): Gesamtkonzept zur Umsetzung der EG-

VO 2078/92 in Niedersachsen, Entwurf vom 29.10.1993


150

samtgrünlandfläche von 955.156 ha können 21.000 ha oder 2,2 % der Grünlandfläche

mit 300,- DM/ ha bei Extensivierung gefördert werden. Diese Fläche entspricht

in der Größenordnung dem Grünlandanteil im niedersächsischen Bereich des geplanten

Großschutzgebietes Elbtalaue (Gesamtfläche Niedersachsens im Großschutzgebiet:

52.670 ha; Grünlandanteil ca. 35 %: 18.434 ha). Da die Fördermittel

für Gesamt-Niedersachsen zur Verfügung stehen sollen, werden sie nur zum Teil in

das Untersuchungsgebiet fließen. Die Fördermittel für den ökologischen Landbau

entsprechen 9.600 ha (= 0,3% der landwirtschaftlichen Nutzfläche) und für das

Grünlandschutzprogramm des niedersächsischen Ministeriums für Umwelt und den

Vertragsnaturschutz zusammen ca. 30.000 ha (=1,1 % der landwirtschaftlichen

Nutzfläche oder 3,1 % des Grünlandes). Diese Zahlenbeispiele zeigen eindrücklich,

daß nur ein geringer Anteil der Landwirtschaftsfläche über die derzeit zur Verfügung

stehenden bzw. geplanten Fördermittel extensiviert wird.

Weiterhin ist zu bemängeln, daß die EG-Verordnung nur für Marktfrüchte und Tiere

gilt, für die Marktordnungen bestehen. Intensive Schweine- oder Geflügelmast kann

also z.B. nicht über Fördermittel extensiviert werden. Auch investive Maßnahmen,

die zu einer umweltgerechten Landwirtschaft beitragen können (z.B. Umstellung auf

artgerechte und umweltschonende Tierhaltung), sind nicht förderfähig. Im Sinne einer

Stärkung des ökologischen Landbaus und der regionalen Einbindung der Landwirtschaft

ist auch die Verbesserung der Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen

zu fördern. Diese Maßnahmen berücksichtigt die VO 2078/92 nicht. Sie ist somit nur

eine Starthilfe, die noch keine langfristige betriebsökonomische Umstellungsperspektive

bietet 82 . Aufgrund der begrenzten Laufzeit der Förderprogramme von nur

fünf Jahren, ist die ökonomische Basis der Betriebe insbesondere nach der Förderdauer

gefährdet, da sie dann ihre Mehrkosten voll über höhere Erzeugerpreise dekken

müssen. Wenn aber die Verbrauchernachfrage nicht im ausreichenden Maße

steigt, wie es zur Zeit schon der Fall ist, sinken durch das große Angebot die Preise.

Eine gezielte Förderung der Vermarktung ökologisch angebauter Produkte wäre also

dringend notwendig. Die EG-VO 2078/92 und ihre Umsetzung auf Länderebene

stellt hierfür keine finanziellen Mittel bereit.

Diese Lücke zwischen dem Anreiz zur Umstellung auf Ökologische Landwirtschaft

durch die EG-VO 2078/92 und dem Absatz ökologisch produzierter Lebensmittel auf

einem z. Zt. begrenzten Markt kann durch regionale Vermarktungsinitiativen aufgefangen

werden. Die Gefahr, daß sonst im ökologischen Landbau ein ähnlicher Rationalisierungsdruck

mit der Tendenz zu Großstrukturen einsetzt wie in der konventionellen

Landwirtschaft ist sonst sehr groß. Dadurch wären besonders kleinere Höfe

in benachteiligten Lagen, wie z.B. in großen Teilen des Untersuchungsgebietes, in

ihrer Existenz gefährdet.

Insgesamt erweckt das Programm auf den ersten Blick den Eindruck, daß von der

EG-Ebene aus die landwirtschaftliche Produktion generell in eine für die Umwelt

verträgliche Richtung geschoben würde. Die Frage nach dem Finanzierungsmodus

macht allerdings deutlich, daß nicht über landwirtschaftliche Produktion und Versorgung

mit ökologisch hergestellten Produkten geredet wird, sondern über Ausnahmefälle.

Das Problem der Weiterverarbeitung und Vermarktung findet in dem EG-

Programm keine Berücksichtigung und wird damit zur Makulatur.

50

Andrea Fink-Keßler: Förderung umweltgerechter Landwirtschaft - Möglichkeiten und Grenzen der "Verordnung (EG) Nr.

2078/92 des Rates für umweltgerechte und natürlichen Lebensraum schützende landwirtschaftliche Produktionsverfahrerf'Agrarbündnis

e.V: Landwirtschaft 1994- Der kritische Agrarbericht


2.4 Zusammenfassung: Stärken-Schwächen-Profil zur Bewertung des landwirtschaftlichen

Potentials in der Untersuchungsregion

151

Als Zusammenfassung der oben ausführlich dargestellten Ergebnisse dient das

nachfolgende Stärken-Schwächen-Profil, welche sich in allgemeiner Form orientiert

an den Faktoren:

• Naturräumliche Gegebenheiten,

• Agrarpol ¡tische Ausgangsbedingungen,

• Agrarstrukturen Gegebenheiten,

• Arbeitsmarktpolitische Gegebenheiten,

• Betriebsformen und landwirtschaftliche Nutzfläche,

• Angegliederte Industriezweige.

Das Profil ist gleichzeitig die Ausgangsmatrix für anschließende konzeptionelle

Überlegungen.

Tabelle 49: Stärken-Schwächen-Profil zur Bewertung des landwirtschaftlichen Potentials

in der Region "Elbtalaue"

Faktoren Stärken Schwächen

NaturräumlicheGegebenheiten

Agrarpolitische

Ausgangsbedingungen

z.T. große zusammenhängende

Grünlandniederungen

eingestreut z.T. fruchtbare Akkerböden

Sedimentanreicherung durch

periodische Überschwemmungen

der Uferregionen

kleinstrukturierte Landschaft mit

hohem Wert für floristische und

faunistische Artenvielfalt

Extensivierungsprogramme des Bundes

und der Länder

EG-Förderprogramm für eine umweltgerechte

Landwirtschaft (VO EG NR.

2078/92)

zeitweilig erschwerte Nutzungsbedingungen

durch Überschwemmungen

und Qualmwässer

sandige Böden mit geringem

Wasserhaltevermögen und geringem

Nährstoffgehalt

historisch bedingte unterschiedliche

Agrarstrukturen westlich und östlich der

Elbe

allmählicher Verlust vieler neueingerichteter

Klein -und Mittelbetriebe und

verschuldeter ehemaliger LPG'en auf

dem Gebiet der neuen Bundesländer

durch die "Anpassung" an die westdeutsche

bzw. EG-Agrarpolitik

Vermarktung und Weiterverarbeitung

von Produkten aus kontrolliert biologischem

Anbau werden in den Extensivierungsprogrammen

des Bundes und

der EG nicht berücksichtigt


152

Faktoren

Fortsetzung Tabelle 49

Stärken Schwächen

Agrarstrukturelle Steigende Zahl einzelunter-

mangelnde Konkurrenzfähigkeit der

Gegebenheiten nehmerischer landwirtschaftlicher Be- neueingerichteten Einzelbetriebe getriebe

durch LPG-Umwandlungen genüber den Kapitalgesellschaften

Gründungen von Gruppenbetrieben (geringere Betriebsfläche, Produktions-

wiedereinrichtender Landwirte, Genoskapital und Produktionsfaktoren)

senschaften und Kapitalgesellschaften mangelnde Förderung von Großbetrie-

als Potential für neue Formen landwirtschaftlicher

Betriebe

Existenz von Kristallisationspunkten für

einen verstärkten ökologischen Landbau

z.B. Wendland-Kooperative, Milch-

KooperativeWendland, Lpg'en mit bereits

vor der Wende praktizierten Extensivierungsmaßnahmen

Verstärkte Ansätze zur Produktion im

biologischen Landbau auf dem Gebiet

der neuen Bundesländer

Organisation der biologisch wirtschaftenden

Betriebe auf den Kreisgebieten

der neuen Bundesländer in bestehenden

Anbauverbänden und unabhängigen

Initiativen (z.B. Biopark, Märkischer

Wirtschaftsverband)

ben (juristische Personen) hinsichtlich

ihrer spezifischen arbeitsorganisatorischen

Form

hoher Anteil von Nebenerwerbsbetrieben

bei den Einzelbetrieben

in den Kreisen der neuen Bundesländer

(hoher Konkurrenzdruck aufgrund

marktwirtschaftlicher Bedingungen)

Arbeitsmarkt politi

sehe Gegebenheiten

Betriebsformen

und landwirtschaftlicheNutzfläche

Angegliederte

Industriezweige

insgesamt wenig monostrukturierte

Betriebe (Haupteinkommen vorwiegend

aus der Milchwirtschaft)

hohe Grünlandanteile an der landwirtschaftlichen

Nutzfläche im Bereich der

Elbtalaue

hoher Anteil von Flächen, die bereits

aufgrund von Programmen extensiv

bewirtschaftet werden

Erleichterung von Extensivierungsbestrebungen

in der Milchwirtschaft

durch bereits bestehende niedri-

ge Milchleistung

derzeit noch bestehende Weiterverarbeitungsbetriebe

in der Region

im konventionellen wie auch im ökologischen

Bereich

kontinuierlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit

im landwirtschaftlichen Bereich

Besonders hoher Anteil weiblicher Personen

an der Arbeitslosenzahl in der

Landwirtschaft

kontinuierlicher Rückgang der Viehbestände

auf dem Gebiet der neuen Bundesländer

hoher Anteil von zusätzlich zugepachteten

und geleasten Flächen

außerhalb der Elbregionen bei den

Landwirten auf niedersächsischem

Gebiet

hohe Pachtquoten mit kurzen Laufzeiten

auf dem Gebiet der neuen Bundesländer

Übernahme vieler Betriebe der Weiterverarbeitung

auf dem Gebiet der neuen

Bundesländer von westdeutschen Konzernen

Neubau großdimensionierter Weiterverarbeitungsstätten

auf dem Gebiet

der neuen Bundesländer, deren Kapazität

von der regionalen Produktion nicht

ausgefüllt werden

Schließung zahlreicher kleinerer Weiterverarbeitungsanlagen

aufgrund hoher

technischer und hygienischer Auflagen

aus EG-Verordnungen


2.5 Entwicklungsperspektiven in der Landwirtschaft

153

Im folgenden soll das in Kapitel C-2 skizzierte Leitbild konkretisiert werden. Bestehende

Anknüpfungspunkte und Entwicklungspotentiale werden aufgezeigt und für

einige Produktbeispiele modellhaft ausgeführt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der

vertikalen Integration der Produktlinien in der Region. Hierdurch können regionale

Beschäftigungseffekte entstehen, die über den landwirtschaftlichen Primärsektor

hinausgehen und so zu einer ökologischen und ökonomischen Perspektive beitragen

können.

Die konzeptionellen Vorschläge können im Untersuchungsrahmen nur exemplarisch

entwickelt werden. Die Umsetzung hängt neben den ökonomischen Rahmenbedingungen,

die aufgrund der Datenlage und des begrenzten Untersuchungszeitraumes

nicht auf einzelbetrieblicher Basis dargestellt werden konnten, in besonderer Weise

von den vor Ort existierenden Akteuren ab. Entscheidend ist, das sich anbietende

Entwicklungsmöglichkeiten genutzt werden und in einem Kommunikationsprozeß

alle Beteiligten innovativ zusammenarbeiten, um die Chance für eine Modellregion

Elbtalaue auszuschöpfen.

2.5.1 Zum Verhältnis von Naturschutz und Landwirtschaft

Die Interessensansprüche an die Region im Zusammenhang mit ihrer Bewirtschaftung

sind vielfältiger, oft gegensätzlicher Natur. Im Zusammenhang mit den Problemen

des Natur- und Umweltschutzes sind allgemein die Felder Recht, Verwaltung,

regionale Vorgaben, wirtschaftliche Nutzung und praktischer Naturschutz zu nennen.

Hier existieren verschiedene Konfliktpotentiale innerhalb einer Region.

Die Auswirkungen der derzeitigen Agrarpolitik (Hofaufgabe, Flächenfreisetzungen,

u.a.) drängen Landkreise und Kommunen zum Handeln. Innerhalb der Verwaltungen

bestehen allerdings sich gegenseitig beeinflussende Interessen an Freiflächen. Die

Umweltämter und Naturschutzbehörden sehen die Möglichkeit, den Anteil geschützter

Flächen zu steigern, während Planungsämter und Wirtschaftsförderung Flächenreserven

für Gewerbeansiedlungen und Infrastrukturmaßnahmen bereithalten wollen.

Die Eigentumsverhältnisse spielen in beiden Fällen eine untergeordnete Rolle.

Landwirtschaft als solche erhält in den Kommunen oft nur dort Unterstützung, wo sie

den Zielen der Stadt dient, nämlich im Naturschutz- und Naherholungsbereich. Hier

wird dann auch das Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft und Landschaftspflege

offensichtlich. Letztere ist nicht auf Produktion bezogen sondern auf die Umsetzung

von Landschaftsplänen, u.ä. So wird in vielen Programmen von Kommunen und

Kreisen eine Förderung der Landwirtschaft immer in Kombination mit einer

"ökologisch ausgerichteten Dienstleistung" gewährleistet (Thomas 1993). Die Versorgung

mit landwirtschaftlichen Produkten aus der Region und der Erhalt von Arbeitsplätzen

in der Landwirtschaft stehen bei kommunalen und regionalen Aktivitäten

meist hinten an.

Positive kommunale Handlungsansätze im Hinblick auf eine auf Qualitätsproduktion

ausgerichtete Landwirtschaft müßten neben Aktivitäten der Naturschutzverwaltungen

dann auch aus dem Bereich der Wirtschaftsförderung kommen. Voraussetzung

dafür wäre die Anerkennung der Landwirtschaft als eigenständiger Wirtschaftsfaktor

in der Kommune und der Grundsatz zur Förderung einer Versorgung der besiedelten

Bereiche u.a auch aus der regionalen landwirtschaftlichen Produktion. Positive Beispiele

in dieser Hinsicht finden sich bereits in der Praxis. So wurde beispielsweise

im Landkreis Wetterau nördlich von Frankfurt der Verein für eigenständige Regiona-


154

lentwicklung (VER) vom Landkreis beauftragt, neue Initiativen in der Region zu aktivieren

und zu beraten. Ziele sind die Verbesserung der Wirtschaftskraft, die Schaffung

von Arbeitsplätzen in der Region und die Stärkung des regionalen Bewußtseins

(Thomas 1993). Vom Kreis wird hauptsächlich nur der VER finanziert. Über dessen

Organisations-, Koordinations- und Beratungsarbeit ist es wiederum vielen Betrieben

möglich, vorhandene Landesmittel in Anspruch zu nehmen.

Auch im Bereich der Elbtalaue wären solche kommunalen Aktivitäten möglich; die

Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Lenzen (GWL) bspw. bietet hierfür viele Ansätze.

Weiter unten werden einige Handlungsfelder als Ansatzpunkte für die regionale

landwirtschaftliche Entwicklung näher beschrieben. Die Konzentration liegt

hierbei auf den Bereichen Rindfleisch, Milch und Gemüse, Kartoffeln, Obst.

Ein weiteres Konfliktfeld besteht zwischen Landwirtschaft und Naturschutz hinsichtlich

der Landschaftsnutzung. Der Naturschutz ist meist um die Identifizierung und

Erhaltung typischer historisch entwickelter Nutzungsformen und den Schutz von

Kulturlandschaften bemüht. Der Begriff "Kulturlandschaft" findet allerdings immer

noch viel zu wenig Berücksichtigung in der naturschutzpolitischen Diskussion, weshalb

nach wie vor auf Begriffe und Einstufungen wie "Landschaftsschutzgebiet",

"Naturschutzgebiet", "Nationalparke" u.a. mit ihren unterschiedlichen rechtlichen

Auflagen und Bestimmungen zurückgegriffen wird. Wenn die spezifischen kulturräumlichen

Gegebenheiten Ausgangspunkte jeglicher naturschutzpolitischer und

damit u.a. auch regionalentwicklungspolitischer Diskussionen wären, dann erübrigt

sich auch weitgehend das o.g. naturschutzrechtliche Begriffsinstrumentarium. Der

bisher nur in den neuen Bundesländern rechtlich eingeführte Begriff

"Biosphärenreservat" soll den Menschen und seine die Kulturlandschaft prägende

Wirtschaftsweise ausdrücklich als Schutzziel mitberücksichtigen. Hier ist also eine

sinnvolle Erweiterung erfolgt. Das bedeutet aber gleichzeitig, daß die sich wandelnde

Schutzideologie (Natur-Kultur) zwangsläufig in Konflikt gerät mit den etablierten

ordnungsrechtlichen Instrumentarien im Naturschutzrecht (s.o.). Letztere sind wenig

wirkungsvoll im Hinblick auf die zukünftige Weiterentwicklung der gesamten Region,

da sie statt eines dynamischen Prozesses in der Entwicklung eher auf die Überwachung

eines Status Quo abzielen und wenig Spielraum für Entwicklungen zulassen

(reaktive - proaktive Naturschutzpolitik). Gleichzeitig gerät diese Vorgehensweise

zunehmend an ihre Organisations- und Effektivitätsgrenzen, u.a. durch:

• rechtliche Defizite (z.B. werden "Bioshärenreservat" oder "ökologische Landwirtschaft"

als proaktive Naturschutzinstrumente im Bundesnaturschutzgesetz nicht

berücksichtigt),

• Vollzugsdefizite im Rahmen der Überwachungspflicht der Umweltverwaltungen

(Kapazitäten),

• unzureichende "Ausgleichsmaßnahmen", da Ausgleichszahlungen keine direkte

Wertschöpfung, sondern lediglich die Umverteilung von mehr oder weniger vorhandenen

finanziellen Mitteln aus anderen Ressorts beinhalten (s. u.a. Umsetzung

der VO EG 2078/92 zur umweltverträglichen Landwirtschaft in einzelnen

Bundesländern),

• mangelnde Einsicht und gegenseitiges Verständnis der jeweiligen Interessensgruppen

in der Region.

Im Prinzip werden letztlich nicht bestimmte Leistungen belohnt, sondern Nicht-

Leistungen ausgeglichen (siehe z. B. Flächenstillegung).


Im Gegensatz dazu sollte ein "landschaftsökologisches Qualitätsmanagement" auf 2

Ebenen erfolgen:

Abbildung 15: Landschaftsökologisches Qualitätsmanagement

Ebene Aufgaben

Naturraum Identifizierung und Bewertung von Anforderungen an das

Naturraumpotential im Zusammenhang mit Nutzungsansprüchen

Landschaftsnutzung Identifizierung, Moderation und Abstimmung der Nutzungsinteressen

der einzelnen Akteursgruppen hinsichtlich landschaftsökologischer

Nutzungspotentiale im Sinne einer

nachhaltigen Bewirtschaftung

Welche Konsequenzen können nun aus diesen Annahmen für die Region des Großschutzgebietes

"Elbtalaue" abgeleitet werden?

155

Ausgangsvoraussetzungen für die Akzeptanz und das Gelingen eines Großschutzgebietes

sind neben der positiven Entwicklung des Naturraums gleichzeitig die Stärkung

wirtschaftlicher Perspektiven in der Region.

Neben einer naturraumverträglichen Form des Tourismus, welcher im Gegensatz zu

den naturraumunverträglichen, "schneller" gewinnbringenden touristischen Projekten,

wie z.B. Aquaparke auf eine langfristige Entwicklung setzt, muß eine Wertschöpfung

aus den wirtschaftlichen Potentialen der Region selbst ermöglicht werden.

Hier sind als Möglichkeiten die Unterstützung einer extensiven landwirtschaftlichen

Entwicklung sowie eines ökologisch ausgerichteten Handwerks zu nennen.

Extensivierung der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft hat im gesamten Elbegebiet standortbedingte Nachteile und kann

deshalb schwer mit der derzeitigen Entwicklung im EG-Agrarbereich mithalten (s.o.),

da eine intensive Landwirtschaft aufgrund der leichten Böden und der häufigen

Überschwemmungen schnell an ihre Grenzen stößt. Gleichzeitig stellt sie aus ökologischen

Gründen keine sinnvolle Perspektive für die Region dar. Als Alternative im

Sinne einer nachhaltigen Wirtschaftsweise bietet sich der ökologischen Landbau an.

Hierbei wird der gesamte Betrieb im Hinblick auf den Produktionsmitteleinsatz extensiviert

im Gegensatz zu einzelflächenbezogenen Extensivierungen durch Naturschutz-

und EG-Programme. Ausgleichszahlungen für naturschutzgerechte Landwirtschaft

- als Übergangslösung im Hinblick auf eine ökologische Landwirtschaft

eine gute Überbrückungshilfe, aber mit langfristig begrenzten Entwicklungschancen

(s.o.) - bzw. Landschaftspflege sollten auf besonders schützenswerte Kernzonen

beschränkt bleiben, da ansonsten wegen der Reglementierungen (statisches

Schutzziel, s.o.) am Nachhaltigkeitsprinzip orientierte Entwicklungsmöglichkeiten

behindert werden. Dort, wo eine landwirtschaftliche Nutzung durch naturräumliche

Gegebenheiten nicht oder nur schwer möglich ist (Aue-, Überschwemmungsbereiche),

kann die Landschaftspflege im Zusammenhang mit einer Abstimmung über die

zukünftige Gestaltung des Gebietes sinnvolle Möglichkeiten bieten. Im Hinblick auf

zahlreiche Bestrebungen in Richtung einer extensiven Landwirtschaft in der Untersuchungsregion

sollte grundsätzlich die ökologische Bewirtschaftung den Aktivitäten

der Landschaftspflege vorgezogen werden. Eine Extensivierung bei gleichbleibend


156

hoher Arbeitsleistung und entsprechender Vergütung über veränderte Produktpreise

bedeutet neben der Stärkung des Berufsbildes der Landwirtschaft auch die Stärkung

eines regionalen Wirtschaftszweiges und der regionalen Wertschöpfung.

Planungen zur Extensivierung der Landwirtschaft unter Naturschutzgesichtspunkten

treffen häufig auf geringe Akzeptanz bei Landwirten. Hierfür sind verschiedene

Gründe verantwortlich:

• Die Planungen der Behörden werden häufig erst zu einem späten Stadium der

Öffentlichkeit vorgestellt, so daß die Landwirte sich häufig nicht beteiligt fühlen.

• Über Schutz- und Entwicklungsziele wird sich zwischen Naturschutzbehörden und

-verbänden und den Landwirten häufig nicht verständigt.

• Durch Schutzgebiete sollen häufig historisch statische Landschaftsbilder erhalten

werden, die die Vielschichtigkeit der Beeinträchtigungen und Nutzungsinteressen

nicht reflektieren.

• Landwirten fehlt die Erfahrung in extensiver oder naturgemäßer Bewirtschaftung

(z.B. von Feuchtwiesen), so daß Unsicherheit zur Ablehnung der Naturschutzbestrebungen

führt.

• Die landwirtschaftliche Beratung durch Kammern und Beratungsringe ist auf die

konventionelle Landwirtschaft ausgerichtet. Im Bereich des ökologischen Landbaus

oder partieller Extensivierungsmöglichkeiten kann die Landwirtschaft von

solchen Einrichtungen derzeit wenig Unterstützung erwarten.

• Biobauern wurden lange Zeit als "Spinner" angesehen, so daß neben dem wirtschaftlichen

auch ein enormer sozialer Druck der Umstellungsbereitschaft entgegen

stand. Mit zunehmender Anzahl von Betrieben im ökologischen Landbau

steigt mittlerweile auch die gesellschaftliche Akzeptanz.

• Unflexible Bewirtschaftungsvorschriften aber auch mangelnde Kenntnis bei den

Landwirten von Auswirkungen bestimmter Bewirtschaftungsweisen oder Nutzungsterminen

auf den Naturhaushalt mindern das Verständnis für bestimmte

Vorschriften.

Demgegenüber steht häufig die Ansicht von Seiten des amtlichen und ehrenamtlichen

Naturschutzes, daß die konventionelle Landwirtschaft einer der Hauptfaktoren

für die Naturzerstörung darstellt, ohne dabei weitere Hintergründe zu berücksichtigen:

• Häufig werden historisch entstandene Kulturlandschaften als schützenswert eingestuft,

die nicht nur durch intensive Bewirtschaftung, sondern auch durch

"Nichtbewirtschaftung" instabil werden. Bei geänderter Nutzung sollte demgegenüber

genau untersucht werden, ob diese neue Nutzungsform ökologisch unverträglich

ist bzw. ob hierdurch mittelfristig eine andere, ebenso wertvolle Kulturlandschaft

entsteht.

• Landschaftspflege entspricht eigentlich nicht dem Selbstverständnis von Landwirtschaft,

welche sich als Produzentin von Nahrungsmitteln auszeichnet.

• Die Bedingungen des Agrarmarktes erfordern Rationalisierungsmaßnahmen von

der Landwirtschaft, denen sie sich nur schwer entziehen kann.

• Landwirte müssen bei ihren Entscheidungen immer zunächst die Wirtschaftlichkeit

der Bewirtschaftungsmaßnahmen berücksichtigen.


157

• Der Arbeitskräftebesatz der Höfe ist erheblich zurückgegangen. Im allgemeinen

werden sie als Familienbetriebe (in den alten Bundesländern) geführt, so daß

personalintensive alte Bewirtschaftungsformen häufig unterbleiben müssen.

In einem großflächigen Gebiet wie dem geplanten Großschutzgebiet ist ein Erfolg für

landwirtschaftliche Extensivierung nur möglich, wenn sich alle Interessensgruppen

aktiv an dem Gelingen beteiligen. Dies setzt zum einen

• eine Verständigung über ähnliche Ziele (z.B extensive Nutzung im Zusammenhang

mit (Kultur-) Landschaftsschutz) verbunden mit

• einer gemeinsame Sprache (z.B. Verständigung über die Flächennutzung, sinnvolle

Finanzierung, Unterstützung des Absatzes von landwirtschaftlichen Produkten

in der Region) voraus.

Aus diesem Grunde sind Diskussions- und Kooperationsstrukturen zwischen Landwirtschaft

und Naturschutz zu fördern, die zu gegenseitigem Verständnis und Interessenausgleich

führen können. Im Zusammenhang mit Weiterverarbeitung und

Vermarktung der landwirtschaftlichen Produkte sind weitere Akteursgruppen in diesen

Prozeß mit einzubeziehen.

Langfristiges Ziel sollte die ökologische-extensive Landwirtschaft sein. Bei der beabsichtigten

großflächigen extensiven Nutzung ist der ökologischen Landbau ein

sinnvoller Weg, um keine zu starke Trennung von intensiv genutzten Produktionsflächen

und extensiv gepflegten Schutzgebieten zu bekommen. In Kernzonen werden

neben der ökologischen Bewirtschaftung zusätzliche Naturschutzziele zu berücksichtigen

sein, die eine Nutzungseinschränkung darstellen können. Hier sind auf

jeden Fall Ausgleichszahlungen gerechtfertigt.

Das Ziel einer Ökologisierung der Landwirtschaft kann nur schrittweise erreicht werden.

Einerseits müssen Erfahrungen mit der neuen Bewirtschaftungsform erworben

werden. Andererseits werden sich Vermarktungsstrukturen für ökologisch produzierte

Produkte erst langsam entwickeln.

Maßnahmen, bei denen Naturschutz und Landwirtschaft kooperieren können, sind:

• Gesprächskreise zum Erfahrungsaustausch, um das Verständnis und die Sensibilität

für Naturschutzbelange zu steigern, Erfahrungen über extensive und ökologische

Bewirtschaftung auszutauschen und Unsicherheiten abzubauen.

• Beobachtung der Flächen, um Entwicklungstendenzen zu erkennen und Nutzungsauflagen

gegebenfalls flexibel handhaben zu können. Hierbei ist ein enger

Kontakt mit den Naturschutzverwaltungen vor Ort notwendig. Ökologisch sinnvolle

Entscheidungen sind häufig nur vor Ort möglich (z.B. flexible Mahdtermine bzw.

gestaffelte Mahd der Flächen in Abhängigkeit z.B. von Brutentwicklung und Blütezeit).

• Informationsveranstaltungen, in deren Rahmen bspw. über Erfahrungen in anderen

Regionen oder Gebieten berichtet werden kann und Fragen der Vermarktung

von Produkten aus kontrolliert biologischem Anbau erörtert werden können.

• Kontaktherstellung zu Großverbrauchern (Kantinen, Anstaltsküchen, Gastronomie,

Menüservice): Auf diese Weise kann die Nachfrage nach Produkten aus

kontrolliert biologischem Anbau gesteigert und ein Absatz vermittelt werden (s.

bspw. Ökobörse in Berlin). Durch direkte Gespräche zwischen Erzeugern und Kü-


158

chenleitungen können gegenseitige Ansprüche und Vorstellungen am besten abgeglichen

werden.

• Gegenseitige Betriebsbesichtigungen zwischen landwirtschaftlichen Betrieben

und Großküchen: Hierbei besteht die Möglichkeit, wechselseitig Betriebsabläufe

und eventuell bestehende Probleme kennenzulernen.

• Kontaktherstellung zu Verarbeitungsbetrieben, um die z.Teil notwendige Vorverarbeitung

ökologischer Produkte (z.B. für Großküchen) organisieren zu können.

• Zusammenschluß zu Liefergemeinschaften, um größere Mengen und eine breitere

Sortimentspalette anbieten zu können.

• Aufbau eigener Verarbeitungskapazitäten, falls dies betriebswirtschaftlich sinnvoll

erscheint

• Gründung von Erzeugergemeinschaften mit eigenem Warenzeichen.

Diese umfangreiche Palette ist natürlich nur begrenzt von den Landwirten zusätzlich

bzw. von den Naturschutzverbänden ehrenamtlich zu erbringen. Bestehende oder

geplante Strukturen im offiziellen Naturschutz des Großschutzgebietes bzw. Biospärenreservates

könnten hier aber Betätigungsfelder finden. Einige Aufgaben könnten

auch von Kommunen aufgegriffen werden, z. B. durch die Wirtschaftsförderung oder

durch die Ausrichtung kommunaler Kantinen (Schule, Kindergärten, Behörden,

Krankenhäuser, Heime) auf Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau.

Wie sehen aber die Chancen für eine Umsetzung dieser Vorschläge aus?

Auf dem Gebiet der neuen Bundesländer konnten in Gesprächen mit Behörden und

Verbänden allgemein eine große Aufgeschlossenheit für neue Wege in der Landwirtschaft

und dem Naturschutz festgestellt werden. Möglicherweise steht dies im

Zusammenhang mit der Umbruchsituation dort und der Notwendigkeit, sich auf Experimente

und Initiativen einzulassen.

Im Bereich der alten Bundesländer wird oft noch der Eindruck einer Konservierung

alter Strukturen und Besitzstände vermittelt, was in der derzeitigen Situation an seine

Grenzen stößt. Allerdings bestehen auch neue Strukturen im ökologischen Landbau,

auf die aufgebaut werden könnte, wie z.B. die Wendland-Kooperative, die

Milch-Kooperative Lüchow im Zusammenhang mit der Molkerei Lüchow, Direktvermarktungswege,

Kombinationen von Landwirtschaft mit touristischen und kulturellen

Einrichtungen.

2.5.2 Der ökologische Landbau

Der betriebswirtschaftliche Vergleich von Betrieben aus ökologischem Landbau mit

konventionell wirtschaftenden Betrieben zeigt, daß die im Durchschnitt geringeren

Naturalerträge aufgrund geringerer Betriebsmittelintensität (Mineraldünger und

Pflanzenschutzmittel) durch höhere Erzeugerpreise ausgeglichen werden. Nach dem

Agrarbericht 1994 83 weisen Betriebe des ökologischen Landbaus ein annährend

gleiches Durchschnittseinkommen auf, wie der Durchscnitt der Haupterwerbsbetriebe.

In dem Bericht wird auch ein Vergleich mit einer Gruppe konventionell wirtschaftender

Betriebe, die in Bezug auf Faktorausstattung, Standortbedingungen, Viehbesatz

und Betriebssystem vergleichbar sind, vorgenommen. Gegenüber dieser Grup-

83 Deutscher Bundestag - Drucksache 12/6750 vom 3.2.1994: Agrar- und Ernährunspolitischer Bericht der Bundesregierung


pe lag das Betriebseirikommen der ökologisch wirtschaftenden Betriebe 1992/ 93 um

8 % höher (vgl. auch Tabelle ).

159

Die einzelbetrieblichen Ergebnisse unterliegen jedoch einer großen Spannbreite, da

die Erzeugerpreise stark schwanken (bei Getreide beispielsweise zwischen 50 und

150 DM/ dt 84 ). Dieses liegt u.a. darin begründet, daß nicht alle Erzeugnisse als

ökologisch erzeugte Produkte vermarktet werden können. So konnte 1990 nur 20 %

der kontrolliert biologisch erzeugten Milch als Biomilch mit einem entsprechend höheren

Erzeugerpreis vermarktet werden. Der Rest wurde mit konventioneller Milch

gemeinsam eingesammelt und erzielte entsprechend niedrige Preise 85 . Gegenüber

dem Durchschnitt der Wirtschaftsjahre 1989/ 90 - 1991/ 92 konnte sich die Einkommenslage

der Betriebe des ökologischen Landbaus nicht verbessern, was u.a. auf

die leicht rückläufige Tendenz der Erzeugerpreise durch das steigende Angebot zurückzuführen

ist. Es zeigt sich die Notwendigkeit einer Förderung der Verarbeitungsund

Vermarktungskapazitäten, damit alle ökologisch wirtschaftenden Betriebe ihre

Erzeugnisse zu (den höheren Produktionskosten entsprechend) höheren Preisen

absetzen können. Durch den allgemeinen Rückgang der betrieblichen Einkommen in

der Landwirtschaft können Betriebe des ökologischen Landbaus aber auch bei

gleichbleibenden Rahmenbedingungen in den nächsten Jahren ein höheres Betriebseinkommen

als konventionell wirtschaftende Betriebe erzielen 86 . Durch die

bestehenden Mittel zur Förderung extensiver und umweltgerechter Landwirtschaft

auf Bundes- und EG-Ebene besteht allerdings die Gefahr, daß bei vielen Betrieben

zwar ein Anreiz zur Umstellung auf den ökologischen Landbau geschaffen, der Absatz

der Produkte aber nicht gesichert würde. Zur Erlangung befriedigender betriebswirtschaftlicher

Ergebnisse sind dann Rationalisierungsschritte notwendig, die

große Betriebe begünstigten. Der in der konventionellen Landwirtschaft zu beobachtende

Strukturwandel würde somit den ökologischen Landbau ebenfalls betreffen.

Zwei Argumente, die häufig gegen die Möglichkeit eines flächendeckenden ökologischen

Landbaus werden, sind die geringeren Erträge, die die Ernährung nicht sichern

würden und zu hohe Produktpreise, die von vielen Verbrauchern nicht gezahlt

werden könnten. Untersuchungen von BECHMANN et. al. (1993) 87 zeigen, daß bei

Vollumstellung auf ökologischen Landbau eine physiologisch ausgeglichene Ernährung

gewährleistet wäre, das Nahrungsangebot sich aber verändern würde (die

pflanzliche Produktion wäre die Ernährungsbasis, während die Erzeugung von

Schweinen und Geflügel reduziert werden müßte). Unter der Annahme, daß die Verbraucherpreise

und die Einkünfte in der Landwirtschaft unverändert bleiben, wären

nach diesen Berechnungen 10,2 Mrd. DM als Einkommensaugleich für Mindererträge

notwendig. Dieses Finanzvolumen könnte durch Umverteilung derzeitiger Agrarsubventionen

(hauptsächlich aus dem Bereich der Stützung der Marktordnungspreise)

bereitgestellt werden. Die Autorinnen gehen bei ihren überschlägigen Berechnungen

von einer Schwankungsbreite von ca. 2 Mrd. DM aus.

84 ebenda

85 Umweltstiftung WWF - Projekt Wümmewiesen (Hrsg.): Leitfaden zur Extensivierung der (Grün-)Landwirtschaft, 1992,

Verlag Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft - Bauernbfatt e.V., Rheda-Wiedenbrück

86 Deutscher Bundestag - Agrarbericht 1994: a.a.O.

87 Bechmann, A., Meier-Schaidnagel, R., Rohling, I (1993): Landwirtschaft 2000 - Die Zukunft gehört dem ökologischen Landbau.

Szenarien für die Umstellungskosten der Landwirtschaft in Deutschland


160

Die politische Bereitschaft zur Orientierung der Agrarsubventionen an ökologischen

Kriterien ist allerdings derzeit als gering einzuschätzen 88 . Der ökologische Landbau

wird in den letzten Jahren auch in Verordnungen und Förderprogrammen definiert

und als förderungsfähig eingestuft. Beispiele hierfür sind das Extensivierungsprogramm

von 1988, die EG-VO 2092/91 zum ökologischen Landbau und die EG-VO

2078/92 zur umweltgerechten Landwirtschaft. Der Finanzrahmen ist allerdings bisher

im Vergleich zum Gesamtagraretat auf Bundes- und EG-Ebene gering. Dieses

verdeutlicht auch der Begriff flankierende Maßnahmen für die EG-VO 2078/92. Im

regionalen Bezug besteht somit für die Förderung des ökologischen Landbaus nur

die Möglichkeit, über die Sicherung des Absatzes von kontrolliert biologisch erzeugten

Produkten zu höheren Preisen (aufgrund der höheren Qualität) die Mindererträge

der Landwirte auszugleichen. Wichtig ist dabei, daß das höhere Preisniveau

sich auf den Erzeugerpreis niederschlägt und nicht in der Verarbeitungs- und

Handelskette hängen bleibt. Die derzeit bestehenden Fördermittel zur Extensivierung

der Landwirtschaft und gegebenenfalls zusätzliche Mittel des Vertragsnaturschutzes

können dabei zur Unterstützung genutzt werden.

2.5.2.1 Voraussetzungen für den ökologischen Landbau in der Region

Bei der Betrachtung der gegenwärtigen landwirtschaftlichen Struktur in Deutschland

lassen sich drei Betriebskategorien unterscheiden:

a) der traditionelle bäuerliche Familienbetrieb, meist eingebettet in eine ländliche

dörfliche Struktur,

b) Betriebsneugründungen im ökologischen Anbau, z.T gemeinschaftlich bewirtschaftet,

c) Umwandlungen kollektiver und staatlicher Betriebe in privatwirtschaftliche Einzelunternehmen

bzw. Personengesellschaften und juristische Personen, vorwiegend

in Ostdeutschland (Gengenbach 1994).

Im Hinblick auf die EG-Agrarmarktpolitik und die Wiedervereinigung steht das Leitbild

des "bäuerlichen (Familien-)Betriebes", welches gerade auch die Agraropposition

und einige Umweltverbände lange Zeit vertraten, erneut zur Disposition. Standen

vor Jahren die betrieblichen Produktionsstrukturen (Rationalisierung, Spezialisierung)

im Zentrum der Diskussion, so dreht sich die derzeitige Auseinandersetzung

um die Formen der betrieblichen Organisation und Leitung. Somit beeinflußt die

Ambivalenz zwischen traditionellen Gegebenheiten, ökonomischen Vorgaben durch

EG und Welthandelsabkommen und modernen ökologischen Notwendigkeiten bzw.

gesellschaftlichen Entwicklungen die landwirtschaftliche Sozial- und Betriebsstruktur

nachhaltig. Obgleich die Möglichkeiten zukünftiger Optionen für den Landbau vielfältiger

Art sein können, sollen die nachfolgenden konzeptionellen Ansätze bezüglich

struktureller Entwicklungsperspektiven in der Untersuchungsregion von folgenden

Leitfragen ausgehen:

a) Welche Art des Landbaus und der Lebensmittelproduktion ist unter Umweltschutz-

und Gesundheitgesichtspunkten notwendig bzw. gewünscht?

88 Die Frage, ob Subventionen für einen ökologischen Umbau der (Land-)Wirtschaft die richtigen Mittel sind oder ob nicht die

konventionell erzeugten Lebensmittel mit den durch sie erzeugten Umweltkosten belegt werden müßten, soll hier nicht erörtert

werden.


161

b) In welcher Form kann ein solcher Landbau umgesetzt werden? Hier sind vor allem

Fragen nach Kapital, Bodennutzung und bäuerlichen Lebens- und Arbeitsgemeinschaften

von Bedeutung.

c) Wie kann ein Verhältnis zu Konsumentinnen aufgebaut werden, welches geprägt

ist vom Interesse der Kundinnen als "aktive Bio-Förderer", im Gegensatz zur lediglichen

"Nutzung des Besseren"?

Kleinstrukturierte Landwirtschaft in der unmittelbaren Elbeniederung

Die landwirtschaftliche Struktur in der Elbeniederung des Untersuchungsgebietes ist

überwiegend kleinbäuerlich in Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe strukturiert, entweder

in alter Familientradition auf Seiten der alten Bundesländer oder als Wiedereinrichtungsbetriebe

im Bereich der neuen Bundesländer. Dies gilt sowohl für den

Bereich des konventionellen als des ökologischen Landbaus.

Viele Betriebe im konventionellen Landbau in der Region haben Flächen außerhalb

der Marsch- und Grünlandbereiche dazugekauft, -gepachtet oder geleast (vgl. Kapitel

C-1.3.3) und liefern ihre Produkte hauptsächlich an Weiterverarbeitungskonzerne

und Großabnehmer. Die ökologisch produzierenden Höfe, z.B. in der Wendland-

Kooperative oder des Märkischen Wirtschaftsverbundes verarbeiten und vermarkten

z.T. im Verbund und in Kombination mit einem Verkauf an Endverbraucherinnen,

Naturkosthandel und in Kooperation mit einem "ökologischen Zweig" in der konventionellen

Weiterverarbeitung (s. Milch-Kooperative und Molkerei Lüchow). Es bestehen

weiterhin zahlreiche Initiativen für eine direkte Weiterverarbeitung bestimmter

Produkte auf einzelnen Höfen oder Hofgemeinschaften.

Hier wird ein wichtiger Unterschied zwischen den Strukturen der konventionellen

und der ökologischem Landwirtschaft deutlich, in dem gleichzeitig eine zukünftige

Chance für die Ausweitung und Stärkung einer ökologischen Anbaumethode bestehen

kann: Unternehmen im ökologischen Landbau haben im Vergleich zu konventionellen

Betrieben nicht mehr nur die Funktion der Primärproduktion mit gleichzeitiger

Isolation aller nachfolgenden Weiterverarbeitungs- und Vermarktungsschritte,

sondern sind eingebettet in ein Netzwerk bestehend aus Erzeugerinnen, Weiterverarbeitung,

Handel und Kundinnen.

Was bedeutet diese These für die zukünftigen Entwicklungsperspektiven der regionalen

Landwirtschaft im Hinblick auf die eingangs gestellten Fragen nach

• Art und Produktionsform des Landbaus,

• organisatorische Umsetzung neuer, den ökologischen und sozialen Interessen

angepaßte Betriebsform,

• Interesse und Akzeptanz der Konsumentinnen?

Unter Berücksichtigung bereits bestehender Initiativen zur wirtschaftlichen Förderung

der landwirtschaftlichen Produktion (Wendland-Kooperative, Märkischer Wirtschaftsverbund,

Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Lenzen) können nachfolgende

Anforderungen an eine Förderung kleinstrukturierter ökologischer landwirtschaftlicher

Produktion in der Region formuliert werden:

• Die in vergangener Zeit vielfach schon praktizierte extensive (Grün-)Landnutzung

in der Untersuchungsregion begünstigt eine Umstellung auf ökologischen Landbau

bzw. motiviert zur Extensivierung von Flächen, welche sich derzeit noch in

der konventionellen Nutzung befinden.


162

• Um langfristig eine stabile und breite Produktionsbasis im ökologischen Landbau

zu garantieren, müssen Kooperationen und Rationalisierungen im Betriebsmitteleinsatz

angestrebt werden, die über geschlossene Familienbetriebe hinausgehen.

Hier können auch neue Betriebsformen oder -gemeinschaften aus umgewandelten

LPG'en wichtige Ansätze zur Arbeits- und Produktionsmittelaufteilung

bieten (horizontale Integration, s. auch unten).

• Kombinationen verschiedener Produktionszweige, wie sie bereits in Lenzen im

Rahmen von Schafzucht in Kombination mit einem Färbergarten und einer Filzerei

versucht werden, sollten unter Anerkennung einer Vernetzung regionaler Wirtschaftsverbunde

und Wertschöpfung unterstützt und ausgeweitet werden

(vertikale Integration).

• Zur Gewinnung von Interesse und Akzeptanz für Produkte aus ökologischem

Landbau müssen Konsumentinnen in Vorgänge und Grundsätze der Herstellung

landwirtschaftlicher Produkte und deren Weiterverarbeitung miteinbezogen werden.

Dies geschieht bereits über Anschauung und Information (Angebote zur

Mithilfe, Ab-Hof-Verkauf, Verkaufsauto, Gästezimmer, Tage der offenen Tür ,

Hoffeste, Besichtigungen...®®).

• Im Rahmen der Weiterverarbeitung bestehen bereits Initiativen auf einzelnen

Höfen oder Hofgemeinschaften zur Verarbeitung bestimmter Produkte. Gleichzeitig

besteht allerdings auch die Notwendigkeit, innerhalb der Region neue Geschäftsbeziehungen

zu Bäckereien, Molkereien und Metzgern aufzubauen. Hier

müssen Wege zum Informationsaustausch bspw. über Warenqualität und flexiblen

An- und Abtransport der landwirtschaftlichen Produkte gefunden werden. Ein

direkter Kontakt von weiterverarbeitenden Kleinbetrieben zu Erzeugern ist sicherlich

wünschenswert, denn durch diese persönliche Basis können Qualität und

Service eher gewährleistet werden, wodurch ein Wettbewerbsvorteil gegenüber

überregionalen Großhändlern erzielt werden kann. Denn laut Aussagen einer

Bäckereibesitzerin gestalten sich Kommunikation, Anforderungen an den betrieblichen

Ablauf der Bäckerei und Festlegung auf eine bestimmte durchrationalisierte

Produktpalette mit dem Großlieferanten z.T. sehr unflexibel und unbefriedigend. 90

Auch spezielle Bedürfnisse von Kundinnen können kaum berücksichtigt werden.

Eine andere Möglichkeit für eine Schnittstelle zwischen Erzeugerinnen und Weiterverabeitung

können Erzeugergemeinschaften als eigens für die Koordination

gegründete GmbH oder ein Verein darstellen.

Großstrukturen in der Landwirtschaft auf dem Gebiet der neuen Bundesländer

Bereits 1990 wurde für die Betriebsstruktur im Rahmen der Agrarentwickiung in der

ehemaligen DDR prognostiziert: "Neben bäuerlichen Familienwirtschaften könnte es

auch Agrargenossenschaften geben. Damit wird es quasi einen Wettbewerb zwischen

zwei agrarpolitischen Leitbildern geben. Es bleibt nur zu hoffen, daß dieser

Wettbewerb kein unlauterer Wettbewerb wird, daß sowohl den bäuerlichen Familienbetrieben

als auch den eingetragenen Agrargenossenschaften gleiche Chancen

eingeräumt werden und die Rahmenbedingungen für die Entwicklung beider Betriebsformen

paritätisch gestaltet werden." (Steding 1991)

89 s. bspw. Grüne Liga Landesverband Brandenburg e.V.: Broschüre "Ökohöfe in der Mark Brandenburg"; Gahr-Kreppold,

Theresa (1994): Der Familienbetrieb aus Sicht der Landwirtin; in : Ökologie&Landbau 89, S. 24- 26

90 Mündliche Mitteilung einer Bäckereibesitzerin in Lübtheen, April 1994


163

Auch im Bereich der Elbtalaue und der umliegenden Region existieren landwirtschaftliche

Großbetriebe in der Form von juristischen Personen, welche z.T. erhebliche

Anteile an der landwirtschaftlichen Fläche besitzen (s. auch C-1.33) Die Ansatzpunkte

hinsichtlich einer ökologischen Produktion für kleinstrukturierte einzelbetriebliche

Landwirtschaft wurden bereits oben diskutiert. Aber auch größere genossenschaftlich

o.ä. organisierte Betriebe können Anknüpfungspunkte liefern für eine

ökologische landwirtschaftliche Produktion. Neben den vergleichsweise großen Betriebsflächen

sind es vor allem folgende betrieblichen Organisationsstrukturen, welche

eine Umstellung auf ökologischen Landbau interessant erscheinen lassen:

• Größere Betriebs- bzw. Hofflächen können Möglichkeiten bieten, ausgewogenere

Fruchtfolgen zu praktizieren.

• Durch die Kombination verschiedener Produktionszweige kann eine innerbetriebliche

Kreislaufwirtschaft leichter praktiziert werden, als bei kleinen, weniger flexiblen

Betrieben.

• Maschinenparks können gemeinschaftlich und im Austausch mit Einzelbetrieben

genutzt werden.

• Aufgrund größerer Hofflächen, vielgestaltiger Produktion und höherem Kapitaleinsatz

können Weiterverarbeitungsanlagen aufgebaut und gemeinschaftlich betrieben

werden.

• Die Arbeitsgemeinschaft auf dem Hof kann vielfältige öffentliche und soziale Aufgaben

wahrnehmen, was Familienbetriebe vielfach nicht leisten können (z.B.

Hofladen, Informationsveranstaltungen, Führungen...).

• Aufgrund eingeteilter Arbeitsbereiche und -Zeiten können berechtigte Ansprüche

auf Freizeit, Urlaub und Verdienst in einem sozialverträglichen Maße bzw. in Anlehnung

an individuelle Bedürfnisse organisiert werden.

• Im Rahmen einer gemeinschaftlichen, genossenschaftlichen o.ä. Arbeitsgemeinschaft

bleibt Raum für Erwachsene und auch für die Kinder als mögliche nachfolgende

Betriebsgeneration, Interessen und Neigungen nachzugehen und sich individuell

zu entwickeln. In diesem Sinne wäre es wichtig, "die wirtschaftlichen und

sozialen Bedingungen so zu gestalten, daß die eigene Persönlichkeitsentwicklung

nicht zu kurz kommt und der ökologische Betrieb bereits selbst als Lernchance

begriffen werden kann." (Gahr-Krepold 1994)

Auch die Landschaftsschäden, die in der Vergangenheit gerade durch die Errichtung

der Großstrukturen in der ehemaligen DDR verursacht wurden (große Feldschläge,

Monokulturen, Erosionen, etc.), könten durch eine öklogische Bewirtschaftung der

Großbetriebe vermindert werden, da landschaftsökologische Pflegearbeiten im

Rahmen der Flächenbewirtschaftung eine große Rolle spielen. Die Gefahr besteht

allerdings, das die ausgeräumte Agrarlandschaft von Nachfolgebetrieben als Freibrief

für eine rein unter ökonomischen Gesichtspunkten betriebene durchrationalisierte

Landbewirtschaftung genutzt wird, statt sie als Erblast zu verstehen und durch

landschaftspflegerische Maßnahmen eine Revitalisierung der Landschaft zu bewirken.


164

2.5.2.2 Betriebswirtschaftliche Situation und Arbeitsplatzpotentiale im ökologischen

Landbau

Durch den Zusammenbruch der alten landwirtschaftlichen Strukturen in der ehemaligen

DDR und durch das Höfesterben auf dem Gebiet der alten Bundesländer wird

ein hohes Potential an Arbeitskräften freigesetzt mit relativ wenig Perspektiven für

die Zukunft. Die Situation der Arbeitslosigkeit in der Landwirtschaft für die Untersuchungsregion

im Bereich der neuen Bundesländer wurde in der Analyse ansatzweise

dargestellt. Demnach ist die Zahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten dort

drastisch gefallen. Dies hat vielfältige Gründe und hängt sicherlich nicht nur allein

mit der Umwandlung ehemaliger LPG'en zusammen, sondern auch mit dem Aufbrechen

der z.T. stark bürokratisierten Strukturen der Produktionsgenossenschaften

und Kooperationsbetriebe aus der Zeit der DDR. Zugleich werden den LPG'en früher

zugeordnete Aufgaben (handwerkliche Dienste, kulturelle Angebote und sonstige

Dienstleistungen) heute anders organisiert oder zur Zeit gar nicht abgedeckt.

Der ökologische Landbau könnte in Verbindung mit der Förderung einer regionalen

Versorgungsstruktur positive Arbeitseffekte in der insgesamt strukturschwachen

Elbtalregion hervorrufen. Der erhöhte Arbeitskräftebedarf resultiert nicht nur aus der

arbeitsintensiven Produktion der landwirtschaftlichen Güter. Ein weiterer Grund für

den höheren Arbeitskräftebesatz in ökologischen Betrieben ist der größere Anteil an

Weiterverarbeitung und Direktvermarktung auf dem Hof. Damit wird es den Betrieben

möglich, etwas von den Verdienst- und Handelsspannen für sich zu erwirtschaften.

Die Betriebsgewinne bzw. Einkommenserträge liegen denn auch gemäß dem

Agrarbericht bei ökologisch produzierenden Betrieben höher als bei konventionellen

- trotz höherer Unternehmensaufwendungen.

Tabelle 50: Vergleich Betriebsmitteleinsatz und Gewinnspanne von Betrieben aus

ökologischem und konventionellem Landbau

Gliederung ökologischer konventioneller

Landbau Landbau

Faktorausstattung

Arbeitskräfte (AK/ Betrieb) 1,75 1,56

Arbeitskräftebesatz (AK/100 ha LF) 4,99 4,47

dar.: regelm. beschäft. Personal (%) 82,6 80,1

Flächenausstattung (ha LF/ AK) 20,03 22,36

Investitionen Bruttoinvestitionen (DM/ Betrieb) 33.896 26.056

Bruttoinvestitionen (DM/ ha LF) 969 747

Nettoinvestitionen (DM/ ha LF) 197 69

Aufwand Saat- und Pflanzgut (DM/ ha LF) 152 73

Düngemittel 37 176

Pflanzenschutz 3 80

Viehzukäufe 152 125

Futtermittel 167 327

Löhne, Gehälter, Sozialabgaben 246 63

Einkommen Gewinn (DM/ Unternehmen) 43.444 40.115

Gewinn (DM/ ha LF) 1.242 1.150

Gewinn (DM/ FAK*) 31.414 27.272

Arbeitsertrag Unternehmerin 20.746 16.967

* FAK=Familienarbeitskraft

Quelle: Agrarbericht 1994 der Bundesregierung für das Betriebsjahr 1992/93


165

Die vergleichende Statistik der Betriebsdaten für ökologisch und konventionell wirtschaftende

Betreibe des Geschäftsjahres 1992/ 93 zeigt auf, daß die ökologische

Betriebsführung durchaus auch ökonomische Perspektiven für die Höfe bietet. Dabei

fallen vor allem folgende Unterschiede im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft

auf:

• die geringen Investitionskosten bei den Betriebsmitteln im ökologischen Landbau;

• höhere Ausgaben für Löhne und Gehälter im ökologischen Landbau;

höhere Arbeitskräftezahlen/ Betrieb und Arbeitskräftebesatz/ 100 ha LF im ökologischen

Landbau.

Arbeitsplatzpotentiale im Umfeld des ökologischen Landbaus bestünden vor allem

im nachgelagerten Bereich:

• Verarbeitung (Bäckereien, Mühlen, Metzgereien, Milch- und Gemüseverarbeitung),

• Vermarktung im Direktverkauf, Genossenschaften, Erzeugergemeinschaften, Naturkostgroßhandel,

Einzelhandel,

• Aus- und Weiterbildung, Beratung der Konsumentinnen, Kontrolle der Lebensmittel.

Positive Arbeitseffekte werden dann möglich, wenn Angebot und Nachfrage nach

Produkten aus ökologischem Landbau, die im allgemeinen Handel nicht verkauft

werden, zukünftig steigen. Im Handel würden sich Tätigkeitsfelder ausdehnen, da

• Kundenbetreuung und -beratung intensiver werden,

• Naturkostgeschäfte als Fachgeschäfte bestehen bleiben,

• Direktvermarktung einen großen Anteil behält,

Regionalvermarktung in Zusammenarbeit mit regionaler Weiterverarbeitung angestrebt

wird. 91

2.5.3 Regionale Vernetzung und Vermarktung von Qualitätsprodukten

Der Anteil der Bioprodukte am Nahrungsmittelabsatz liegt derzeit bei ein bis zwei

Prozent. Zwischen fünf und zehn Prozent der Bevölkerung sind regelmäßige Kunden

des Naturkosthandels. Das Absatz- und Käuferpotential wird aber nach einer Vielzahl

von Marktstudien deutlich höher eingeschätzt GIB 1994). Da das Marktsegment

- auch in den verschiedenen Untersuchungen - nicht klar abgegrenzt ist, sind genauere

Aussagen nicht möglich. Der Anteil der Vollwertköstlerlnnen, die möglichst

naturbelassene und gesunde Nahrung bevorzugen wird auf 30 % geschätzt (WWF

1992). 91 % der Befragten aus der Food-Branche gingen in einer Befragung 1990 im

Bereich gesunde und umweltbewußte Ernährung von einem Wachstum aus (GIB

1994). Eine Verbraucherinnenbefragung in den neuen Bundesländern zu den Erzeugnissen

des ökologischen Landbaus kommt im Gegensatz zu dieser Einschätzung

zu dem Ergebnis, daß dort nur 13 % der 1.200 Befragten Haushalte über den

91 s. auch Reents, Hans-Jürgen (1994): Chancen für zukunftsorientierte Arbeitsplätze durch ökologische Landwirtschaft; in:

Ökologie«, Landbau 89, S. 42-«


166

ökologischen Landbau informiert sind. Hier läßt sich als Schlußfolgerung ableiten,

daß das Informationsdefizit zum ökologischen Landbau und seiner Erzeugnisse

durch eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit abgebaut werden muß.

Die prognostizierten Potentiale erschließen sich nicht von selbst. Bei Ausdehnung

des ökologischen Landbaus, besonders wenn er schwerpunktmäßig in einer Region

erfolgt, ist also das parallele Wachsen der Absatzmöglichkeiten für die wirtschaftliche

Situation der Betriebe entscheidend. Sonst kann ein Verdrängungsprozeß einsetzen,

der kleinere Höfe und Betriebe mit schlechteren Standort- und Strukturbedingungen,

die bisher oft im ökologischen Landbau eine Nische gefunden haben,

auch in diesem Bereich keine Existenzmöglichkeiten läßt.

Bei der Vermarktung ist von Seiten der Landwirtschaft wichtig, daß der höhere Preis,

den Konsumenten für Produkte aus dem ökologischen Landbau bereit sind zu zahlen,

auch tatsächlich den Erzeugern zugute kommt. Untersuchungen zeigen, daß der

höhere Preis für Produkte aus ökologischem Landbau nicht auf große Preisunterschiede

im Landwirtschaftsbereich zurückzuführen ist, sondern die wesentlichen

Aufschläge erst bei den nachgeordneten Verarbeitungs- und Handelsschritten erfolgen.

Zum Teil erklärt sich dieses durch höhere Verarbeitungs-, Verpackungs- und

Transportkosten. Andererseits bestehen bei Bioprodukten größere Handelsspannen,

wie eine dänische Untersuchung zeigt, die den Preis für ökologisch und konventionell

produziertes Weizenmehl aufschlüsselt. Während die Aufschläge für konventionell

erzeugtes Mehl 3-4% betragen, ergab sich für Mehl aus kontrolliert biologischem

Anbau eine Handelsspanne von 25% (Grennpeace 1992).

Die Preisentwicklung ist für die einzelnen Produkte sehr unterschiedlich und stark

von den Absatzmöglichkeiten des jeweiligen Betriebes abhängig, so daß verallgemeinerbare

Aussagen schwer möglich sind. Von der Tendenz her ist der Getreidepreis

langfristig sinkend, nachdem er bis zum Wirtschaftsjahr 1988/ 89 anstieg

(Zerger 1993). Hier wird u.a. der Preisdruck durch ein zunehmendes Angebot - auch

aus dem Ausland - deutlich. Andererseits zeigt das Beispiel der Münchener Großbäckerei

"Hofpfisterei", daß der Absatz von Brotgetreide aus kontrolliert biologischem

Anbau in erheblichem Maße steigerbar ist. Kartoffeln werden oft direkt vermarktet,

wodurch sich hier eine andere Situation ergibt. Der Preis liegt etwa doppelt

so hoch wie im konventionellen Bereich. Die Steigerung der Absatzmöglichkeiten ist

regional sehr unterschiedlich. Die Wendland-Kooperative in Lüchow sieht bei ihren

gegenwärtigen Absatzstrukturen einen Grenzwert für Kartoffeln erreicht. Milch kann

oft nur zum konventionellen Auszahlungspreis abgesetzt werden, da entweder die

getrennte Einsamlung oder die Weiterverarbeitung in der Region nicht möglich ist.

Für Fleischprodukte ist ebenfalls entscheidend, ob sie bei Schlachtereien oder

Metzgereien abgesetzt werden können, die einen entsprechend höheren Preis zahlen.

Da die Vermarktung von Bio-Fleisch über den Naturkosthandel nicht organisiert

ist, ist hier viel Eigeninitiative gefordert. Der Gemüseanbau ist sehr stark saisongeprägt,

so daß bei insgesamt positiv zu bewertenden Absatzmöglichkeiten saisonale

Überangebote auftreten können. In der Region gilt dieses besonders für Spargel,

sowohl aus kontrolliert biologischem wie aus konventionellem AnbaiF.

Die Erzeugerpreise sind dann hoch, wenn regionale Absatzmöglichkeiten bestehen.

Sie sind umso stabiler, je direkter die Ware an den Endverbraucher verkauft werden

kann. Dieser Vermarktungsweg stellt allerdings nur eine Vermarktungsnische da.

Nicht alle Verbraucherinnen können sich auf die besonderen Bedingungen der Di-

92 Mündliche Mitteilung der Wendland-Kooperative GmbH bzw. Herr Eggert, Kreisbauernverband Ludwigslust e.V.


167

rektvermarktung, Hofläden oder Hausbelieferung einstellen. Auch der Naturkosthandel

ist nicht beliebig expandierbar. Die künftige Gestaltung der Absatzwege hat also

entscheidenden Einfluß auf die Steigerung der Marktanteile. "Möglicherweise wird

mit der vertikalen Integration am Markt in Zukunft die Erzeugung und Vermarktung

von Lebensmitteln vom Feld bis zur Ladenkasse vertraglich geregelt. Die entscheidende

Frage für die Landwirte ist in diesem Zusammenhang, ob sie nur am Ende

einer solchen Vertragskette stehen und nur noch ja oder nein sagen können, oder

ob sie sich in Erzeugergemeinschaften zusammenschließen, um mit ihrem eigenen

Markenprodukt den Markt zu durchdringen. Mit ihrem eigenen Markenprodukt sind

sie am Markt nicht so leicht austauschbar und haben eine sehr viel bessere Position

wie einzelne Erzeuger von austauschbaren Produkten. Diese Gedanken sind sehr

stark von der Marketinggesellschaft für niedersächsiche Agrarprodukte verbreitet

worden" (Thimm 1989).

Neue Absatzwege zu erschließen bedeutet aber oft andere Anforderungen an die

Landwirte und die Verarbeitung der Erzeugnisse. Nur im Einzelfall werden direkt ab

Hof Produkte angeboten, die die Abnehmerinnen nachfragen. Im allgemeinen sollen

die Lebensmittel vorverarbeitet sein. Haushalte wollen kein ungemahlenes Getreide,

Großküchen keine ungeschälten Kartoffeln, der Handel keine lose Milch und Restaurants

keine Schlachttiere. Auch wenn vorverarbeitete Lebensmittel gegen einige

Prinzipien der Vollwertküche sprechen (Verarbeitung der Lebensmittel unmittelbar

vor dem Verzehr), sollte man bei der Erschließung neuer Absatzwege die Kundenlnnenwünsche

berücksichtigen. Eine Verhaltensänderung der Verbraucherinnen kann

höchstens langfristig über Information und Aufklärung erfolgen. Dieses ist dann

möglich, wenn ein Kontakt über die Ware zustande kommt. Als Zwischenglied zwischen

den Landwirten und den Verbraucherinnen werden also Unternehmen benötigt,

die aus den Produkten des ökologischen Landbaus marktfähige Ware machen.

2.5.3.1 Handlungsfeld Rindfleisch

Die Elbtalaue weist standortbedingt einen hohen Anteil Dauer-Grünland (Wiesen,

Mähweiden und Weiden) auf, auch wenn viele fakultativen Grünlandstandorte besonders

nach entsprechenden Meliorationsmaßnahmen bereits zu Ackerflächen

umgebrochen wurden. Das Verhältnis Acker- zu Grünland beträgt im elbnahen Bereich

der Kreise östlich und westlich der Elbe ca. 50:50, während es in den gesamten

landwirtschaftlichen Flächen der Kreisgebiete im Durchschnitt bei ca. 70:30 liegt.

Hieraus ergibt sich traditionell eine große Bedeutung der Viehhaltung in dieser Region,

da mit den Wiesen und Weiden eine gute Futtergrundlage geboten ist.

Heute ist neben der Weidehaltung während der Vegetationsperiode zunehmend

Gras- und Maissilage die Futtergrundlage im Winter. Demgegenüber tritt die Heugewinnung

deutlich zurück. Dieses ist zum einen witterungsbedingt, da zur Heuernte

eine längere Schönwetterperiode notwendig ist als bei der Silage. Zum anderen haben

sich die Ansprüche an die Qualität des Futters verändert. Die Steigerung der

täglichen Milchleistung einer Kuh und das Bestreben bei der Fleischproduktion die

Mastzeiten zu verkürzen sind nur bei hoher Energiekonzentration und keinem zu

hohem Rohfasergehalt des Futters zu erreichen. Insbesondere die heute üblicherweise

in der Landwirtschaft verwendeten Züchtungen sind sehr anspruchsvoll. Diese

Ansprüche sind aber neben (importiertem) Kraftfutter besonders mit Maissilage als

Futtergrunglage eher zu erreichen als mit Heu. Bei der Grassilage ist man bestrebt,

möglichst junges Gras zu ernten, um eine ähnlich hohe Qualität wie bei Mais zu er-


168

reichen. Dieses führt zu einer intensiveren Grünlandnutzung mit folgenden Entwicklungen:

• stärkere Düngung des Grünlandes mit Mineraldünger zur Ertragssteigerung

(dieses führt zu einer Veränderung und Verarmung der Pflanzengesellschaften),

• frühzeitigere Nutzung (Grasschnitt oder Beweidung) und häufigere Nutzungsintervalle

(4-5 Schnitte auf intensivem Grünland),

• Drainage, um Fläche noch früher bewirtschaften zu können (bei längerer Trokkenheit

im Sommer kann dann Bewässerung notwendig werden),

• Umbruch von Grünland, daß durch die Entwässerung auch als Ackerfläche nutzbar

ist, um weitere Anbauflächen für Futtermais zur Verfügung zu haben (in Überschwemmungsgebieten

und Hanglagen kann es hierdurch zu verstärkter Bodenersion

kommen).

Die früher weitverbreitete vielfältige Viehhaltung mit Rindern, Schafen, Ziegen, Pferden

und Schweinen ermöglichte eine differenzierte Nutzung des Grünlandes entsprechend

seiner Nutzungsmöglichkeiten und Pflanzenzusammensetzung. Die verschiedenen

Tierarten hatten unterschiedliche Ansprüche an Futter und Pflege. Der

Bauer konnte die Wiesen und Weiden ihrem Potential entsprechend bewirtschaften

und ein differenziertes Nutzungsmosaik entstand. Heute sind Rinder und Schweine

die dominierenden Arten in der intensiven Viehhaltung. Die Bewirtschaftung der

Wiesen und Weiden wird dem Rationalisierungsdruck angepaßt. Ertragsarme Flächen

fallen ganz aus der Nutzung heraus und verbuschen (oder müssen durch

Landschaftspflege erhalten werden), während die übrigen Flächen intensiver genutzt

werden. Entsprechend sind die Grünlandnutzungen vereinheitlicht.

Unter extensiven Bedingungen geworbenes Futter muß aber nicht grundsätzlich von

schlechterer Qualität sein, wenn auch die Erträge geringer sind. Während zur Ertragsentwicklung

bei zunehmender Intensivierung der Grünlandwirtschaft viele Untersuchungen

erfolgten, gibt es bisher über die Auswirkungen der Extensivierung nur

wenige wissenschaftliche Ergebnisse. Zusätzlich treten hier die Standortunterschiede

wesentlich deutlicher zutage, so daß die Übertragbarkeit auf andere Gebiete

nicht ohne weiteres möglich ist. Die Landwirtschaftskammern Weser-Ems 93 und

Hannover 94 haben Untersuchungen zu Ertragsausfällen unter Naturschutzauflagen

durchgeführt. Die Versuche in den "Borgfelder Wümmewiesen" ergaben einen 40prozentigen

Ertragsrückgang bei der "Naturschutznutzung" (keine Dünugng, späte

erste Mahd) (WWF 1992). Bei den Versuchen der LWK Hannover konnten in der

Naturschutzvariante gleiche Trockenmasseerträge im Jahresdurchschnitt erzielt

werden, wie bei eineer mittelintensiven Nutzung (drei Schnitte, erste Mahd 15.6.,

100 kg Stickstoff/ ha pro Jahr) (ebenda). Unter extensiven Bedingungen scheint es

also große Ertragsschwankungen zugeben, wobei die Versuche auch zeigen, daß

eine genau abgestimmte Nutzung die optimale Ertragsentwicklung stärker beeinflußt

als bei intensiven Nutzungsformen. Hier sind also weitere Untersuchungen und Erfahrungen

notwendig.

Ein weiteres wichtiges Kriterium neben dem Ertrag ist die Futterqualität, die für die

Futterverwertbarkeit durch das Vieh ausschlaggebend ist. Eiweißgehalt und Rohfa-

93 "Versuch zur Ermittlung landwirtschaftlicher Nutzungsausfälle durch Naturschutzauflagen" im Naturschutzgebiet

"Borgfelder Wümmewiesen" bei Bremen von 1985 -1989

94 Landschaftspflegeversuche der Landwirtschaftskammer Hannover 1965 -1987; durchgeführt von v. Borstel (KTBL: Auswirkungen

von Naturschutzauflagen auf die Grünlandbewirtschaftung; Arbeitspapier 131, Darmstadt, 1988)


169

seranteil sind hierfür Meßwerte. Die Verdauungsleistung der Tiere ist aber in diesem

Zusammenhang ebenfalls ein wichtiger Faktor. Rinder und Schafe sind von Natur

aus durch ihren Wiederkäuermagen gut für die extensive Weidewirtschaft geeignet.

Die heutigen Hochleistungsrinder sind allerdings viel stärker auf energiereiches

Futter angewiesen, als die alten Haustierrassen, die auch (älteres) rohfaserreiches

Gras noch gut verwerten können. Wenn die Verdauungsphysiologie der Tiere von

Jugend an gefördert würde, könnte sie durchaus schlechtere Futterqualitäten gut

verwerten (WWF 1992). Die Nutzung alter standortangepaßter Rinderrassen oder

der sogenannten Robustrassen ausländischer Abstammung sind also für die extensive

Grünlandwirtschaft besonders geeignet. In Norddeutschland gibt es allerdings

kaum noch alte Züchtungen, da sie unter den intensiven Bewirtschaftungsbedingungen

von Einkreuzungen mit Fleckvieh und Schwarzbunten verdrängt wurden.

In anderen Regionen gibt es noch typische Rinderrassen, die auf ihre Eignung

zu prüfen wären: Altes "Oldenburger"-Rind, Vogelsberger Rind, Vogesenrind,

Murnau-Werdenfels, Limpurger, Hinterwälder, Rheinisches Glanrind. Hinzu kommen

die Robustrassen ausländischer Abstammung: Galloway, Highland-Cattle, Shorthorn,

Aberdeen-Angus (als Einkreuzung mit Fleckvieh oder Schwarzbuinten auch

Deutsch-Angus), Fjäll-Rind, Welsh-Black. Hier sollten wegen der Gefahr der Krankheitseinschleppung

(Stichwort: BSE) nur Tiere aus deutschen Züchtungen verwendet

werden. Der hohe Preis für Zuchttiere erschwert den Aufbau großer Herden dieser

Rassen.

Das Leitbild einer umweltgerechten Landwirtschaft muß die natürlichen Bedingungen

und Standortansprüche einerseits und die ökonomischen Anforderungen der

Landwirtschaft integrieren. Der Erhalt des Grünlandes bei gleichzeitig zumindest in

Teilbereichen zu extensivierender Nutzung muß eine Futtergrundlage für die Viehhaltung

schaffen, und die Produkte Milch und Tiere bzw. Fleisch müssen gewinnbringend

zu vermarkten sein.

Die Rindermast hat einige Vorteile gegenüber der Milchviehhaltung auf extensivem

Grünland, auch wenn sie unter heutigen Marktbedingungen häufig ebenfalls intensiv

betrieben wird. Bei dem reduzierten Flächenbesatz (1,4 GVE/ ha 95 auf Naturschutzflächen

gegenüber 2 GVE/ ha und mehr auf Intensivflächen) ist durch die geringere

Betreuungsintensität der Arbeitsmehraufwand relativ geringer als bei der

Milchviehhaltung. Auch die Nutzung von weniger hochwertigem Gras ist eher möglich.

Besonders günstig ist hier die Mutterkuhhaltung zu bewerten. Bullenmast stellt

höhere Ansprüche an die Futterqualität.

In der Untersuchungsregion gibt es viele Betriebe mit Viehhaltung, so daß gute Voraussetzungen

(vorhandene Gebäude und Erfahrungen) für eine extensive Rindermast

bestehen. Da diese Betriebe meist als Gemischtbetriebe klassifiziert sind, ist

die Futtergrundlage vielfältig. Auch unter dem Gesichtspunkt des ökologischen

Landbaus ist eine extensive Viehhaltung günstig. Die Viehhaltung, besonders Rinderhaltung,

ist integraler Bestandteil der Hofbewirtschaftung. Das Weidevieh düngt

die Grünlandflächen und der anfallende Wirtschaftsdünger (Stallmist und Gülle)

steht zur Düngung der Ackerflächen zur Verfügung

Die Förderung der extensiven Viehhaltung muß allerdings durch Aktivitäten auf den

Sektoren der regionalen Verarbeitung und Vermarktung begleitet werden. Nur wenn

Preise über dem Marktdurchschnitt erzielt werden, kann der Mehraufwand durch die

extensive Arbeitsweise ausgeglichen werden. Mit einer flächendeckenden umweltge-

95 Großvieheinheiten pro Hektar; 1 GVE = 500 kg Lebendgewicht


170

gerechten Landwirtschaft im Großschutzgebiet Elbtalaue ist die Möglichkeit der

Qualitätsproduktion gegeben, die die Voraussetzung für gezielte regionale Verarbeitung

und Vermarktung ist. Zur Förderung des Absatzes regionaler Qualitätsprodukte

aus ökologischem Landbau bieten sich folgende Maßnahmen an:

Gründung einer Erzeugergemeinschaft für "Qualitätsfleisch aus dem Elbetal"

Die unter extensiven und artgerechten Bedingungen gehaltenen Rinder lassen sich

nur zu einem höheren Preis vermarkten, wenn zum einen eine hohe Qualität

(geringer Fettgehalt, Zartheit, geringer Bratenverlust) gewährleistet ist und zum anderen

diese Qualität für den Verbraucher durch Kennzeichnung und Marketing erkennbar

ist. Gegenüber der Fleischgüte haben die Haltungsbedingungen bisher kein

so hohes Gewicht bei der Kaufentscheidung. Krankheitsprobleme (BSE, Schweinepest,

etc.) und Skandale (unwürdige Tiertransporte), die hauptsächlich durch Massentierhaltung

und entsprechende Fütterungs- und Verarbeitungsbedingungen verursacht

werden, lassen aber die Sensibilität der Bevölkerung für artgerechte Tierhaltung

steigen.

Eine regionale Erzeugergemeinschafte mit einem Markenzeichen für Qalitätsfleisch

aus artgerechter Tierhaltung 96 ist für die Vermarktung ein gutes Instrument. Der finanzielle

und organisatorische Aufwand ist so eher zu leisten als bei einzelbetrieblichen

Aktivitäten. In den landwirtschaftlichen Betriebsablauf lassen sich Anforderungen

der Kundenlnnen oft schwer integrieren. Erzeugergemeinschaften können ein

vielfältiges und über das Jahr konstantes Angebot gewährleisten. Damit sind sie

auch für Großabnehmer, wie Großküchen, Gastronomie und Lebensmittelhandel

interessanter, als für Einzelbetriebe, da sie regelmäßig beliefert werden wollen.

Gleichzeitig kann eine Erzeugergemeinschaft eine stärkere Verhandlungsposition

aufbauen, als dies bei einzelbetrieblicher Vermarktung möglich wäre. Gleiches gilt

für das Verhältnis zu Verarbeitungsbetrieben.

Direktvermarktung ab Hof

Die Direktvermarktung von Obst und Gemüse ab Hof ist für viele Betriebe des ökologischen

Landbaus ein lohnendes Standbein. Ein Fleisch- und Wurstangebot kann

das Angebot abrunden. Untersuchungen zeigen, daß viele Kunden des Naturkosthandels

und von Hofläden zwar wenig Fleisch konsumieren, allerdings wäre für ein

qualitativ hochwertiges Fleischangebot aus artgerechter Tierhaltung eine Nachfrage

durchaus vorhanden. Günstige Bedingungen für eine Direktvermarktung haben

stadtnahe Höfe, so daß in der bevölkerungsarmen Elberegion hier nur einige Höfe

eine Nische finden können. Aufgrund der Hygienevorschriften für den Fleischverkauf

ist ein Kundenlnnenstamm von Vorteil, der eigene Vorratsmöglichkeiten hat und

größere Partien (1/8, 1/4, 1/2) in zerlegtem Zustand abnimmt.

Zusammenarbeit mit Metzgereien oder Schlachthöfen in der Region

Der direkte Verkauf von Schlachtvieh an Metzgereien bringt im allgemeinen höhere

Erlöse als der Verkauf an Schlachthöfe, da hier ein Handelsschritt ausgelassen wird.

Für Qualitätsfleisch können Metzgereien einen höheren Preis erzielen, besonders

96 Beispiele für entsprechende Markenzeichen sind Neuland (mit einem eigenem Netz von Metzgereien) und die Erzeugergemeinschaft

Eichhof aus Osnabrück (deren Mastbedingungen allerdings nur teilweise extensiven oder ökologischen Kriterien

entsprechen)


wenn sie einen festen Kundenlnnenstamm haben und ein festes Qualitätssortiment

anbieten.

171

Metzgereien können auch mit der Schlachtung beauftragt werden, während der Hof

ganz oder teilweise den Verkauf der Wurst und des Fleisches übernimmt. Hier sind

die Hygienevorschriften für die Landwirtschaftsbetriebe leichter zu erfüllen.

Denkbar wäre ebenfalls die getrennte Schlachtung und Zerlegung von extensiv gehaltenen

Rindern in den Schlachthöfen der Region. Die Landwirte könnten dann die

Vermarktung ihres eigenen Schlachtviehs selbst übernehmen, oder das Fleisch

würde als besondere Handelsqualität verkauft.

Vermarktung über die regionale Gastronomie

Die Außerhausverpflegung hat mittlerweile einen hohen Stellenwert und ist weiter im

Wachsen begriffen. Somit hat sie auch für die Vermarktung von Quatitätsfleisch eine

hohe Bedeutung. Derzeit werden häufig Gerichte mit Produkten aus kontrolliert biologischem

Anbau mit vegetarischen Gerichten gleichgesetzt, wodurch nur eine begrenzte

Konsumentenlnnenschicht angesprochen wird. Durch die Kombination mit

Gemüse aus kontrolliert biologischem Anabu und Fleisch aus artgerechter Tierhaltung

können also positive Absatzeffekte erreicht werden. Das Angebot regionaler

Produkte, möglicherweise in Kombination mit Aktionswochen in Kantinen und Restaurants

könnte gleichzeitig das Interesse für regionale Produkte im Zusammenhang

mit Naturschutz und Landwirtschaft bei den Bewohnern und Gästen steigern.

Kooperation mit dem Lebensmittelhandel

Ebenso wie in Zusammenarbeit mit Metzgereien ist dieses mit Lebensmittelgeschäften

möglich, die das Qualitätsfleisch aus der Region in ihr Sortiment mit aufnehmen.

Auf Erzeugerseite ist hierfür die Gründung einer Erzeugergemeinschaft (s.o.) von

Vorteil, die die Schlachtung organisiert und somit den Geschäften zerlegte Fleischpartien

anbieten kann.

2.5.3.2 Handlungsfeld Milch

Für den Weg einer regionalen Verarbeitung und Vermarktung von Milch und Molkereiprodukten

liefern die Milch-Kooperative GmbH in Lüchow im Wendland und die

Molkereigenossenschaft Lüchow ein gutes Beispiel. Hier bestehen bereits Erfahrungen

in der Verarbeitung und Vermarktung von Milch aus ökologischer Landwirtschaft.

Milch kann oft nur zum konventionellen Auszahlungspreis abgesetzt werden, da

entweder die getrennte Einsammlung oder die Weiterverarbeitung in der Region

nicht möglich ist. Der von vielen Experten als gerechtfertigt angesehene Mehrpreis

von 15-20 Pfennigen pro Liter für Biomilch kann dann nicht erzielt werden. Die Mitgliedsbetriebe

der Milch-Kooperative erhalten für den als Biomilch vermarkteten

Anteil 20 Pfennig über dem Auszahlungspreis für konventionelle Milch. Für die

Restmenge,wird allerdings nur der konventionelle Milchauszahlungspreis gezahlt. 97

Die Zusammenarbeit der Milch-Kooperative mit der Molkerei Lüchow zeigt, daß es

Möglichkeiten gibt, beiden Seiten - Erzeugern und Weiterverarbeitung - gerecht zu

werden. Da die Landwirte Mitglieder der Milch-Kooperative sind, kommt ihnen der

Gewinn in Form eines höheren Milchabnahmepreises direkt zugute und bleibt nur zu

einem kleinen Teil in der Zwischenkette hängen. Daß die Molkerei nur im Auftrage

97 mündl. Mittig. der Wendland-Kooperative


172

arbeitet und die Investitionskosten ebenso wie das Vermarktungsrisiko von der

Milch-Kooperative getragen werden, zeigt allerdings auch, daß die bestehenden

Verarbeitungsbetriebe sehr zögerlich auf dem Markt für Produkte aus ökologischer

Landwirtschaft aktiv werden.

Direktvermarktungsinitiativen bieten sich für die Milchwirtschaft analog zum Handlungsfeld

Fleisch im Direktverkauf ab Hof, über Hofläden, Erzeuger-Verbraucher-

Gemeinschaften und in der regionalen Gastronomie. Aufgrund der Hygienevorschriften

erfordert dieses aber besondere Anforderungen bei der Gewinung und Lagerung

der Milch (Kühlung, Milchkammer), die wegen der hohen Investionskosten oft von

den Betrieben nicht zu erfüllen sind.

Im Bereich der Weiterverarbeitung bestehen z.T. hofeigene Initiativen oder Zusammenschlüsse

von Hofgemeinschaften. So existieren einzelne Hofkäsereien (z.B. auf

einem Hof in der Prignitz) und Initiativen zur direkten Milchabfüllung am Betrieb. In

der östlichen Elbregion noch ansässige Käsereien könnten durch die Umstellung auf

ökologische Produkte Marktnischen erobern.

Wichtig für die Absatzsteigerung von Milchprodukten aus kontrolliert biologischem

Anbau ist ein großes und frisches Angebot, vergleichbar dem konventionellen Sortiment.

Durch die Ausdehnung der Biomilchproduktion in der Elbregion wäre die

hierfür benötigte Milchmenge vorhanden. Die Erzeugung von Vorzugsmilch 98 könte

eine weitere Strategie im Sinne der Qulitätsproduktion sein.

2.5.3.3 Handlungsfeld Gemüse - Kartoffeln - Obst

Im Produktbereich Obst, Gemüse und Kartoffeln haben viele Betriebe bereits Erfahrungen

mit der Direktvermarktung. Besonders bei Kartoffeln werden über diesen

Weg große Mengen vermarktet. Damit ist dieser Bereich weitgehend ausgereizt.

Absatzsteigerungen können hauptsächlich über die Abnahme durch den Handel und

Großverbraucher erreicht werden.

Eine Erzeugergemeinschaft als organisatorisches Dach bietet sich auch hier an.

So kann eine breite und frische Produktpalette aus der Region angeboten werden.

Für die Abnehmerinnen besteht nur ein Ansprechpartner, was ihren Betriebserfordernissen

entgegen kommt. Mit der Erzeugergemeinschaft besteht eine professionelle

Struktur für die Aufnahme der Bestellungen und für die Organisation der Belieferung.

Auf regionale Initiativen, wie die Wendlandinitiative kann aufgebaut werden.

Erfahrungen aus anderen Vermarktungsinitiativen zeigen, daß Großverbraucher

häufig vorverarbeitete Produkte (geschälte Kartoffeln, geputztes und gewaschenes

Gemüse) verlangen. Gründe hierfür sind die Personalkostenreduzierung und die

interne Betriebsorganisation 99 . Hierauf muß eingegangen werden, indem Verarbeitungsbetriebe

(z.B. Kartoffelschälbetriebe) für die getrennte Verarbeitung von biologischem

Gemüse gewonnen werden oder die Erzeugergemeinschaft oder einzelne

Betriebe selbst die Verarbeitung übernehmen. Auf den Höfen fehlt hierfür aber häufig

die Zeit und die Investionen in Maschinen sind hoch. Auch der Bereich der Konservierung

von Obst und Gemüse bietet Ansätze für eine Verarbeitung von Produkten

aus ökologischem Landbau.

98 Als Vorzugsmilch wird Rohmilch (unbehandelt) bezeichnet, die qualitativ hochwertig ist, keine für den Menschen ansteckenden

Erreger enthällt, unter besonderen Anforderungen gewonnen und gelagert wird und auch die mit ihr in Kontakt stehenden

Menschen dürfen keine Krankheitserreger haben. Diese Bedingungen werden regelmäßig amtsärztlich untersucht.

99 Stiftung für die Natur Ravensberg (1994): Direktvermarktung biologischer Produkte an Großverbraucher; 32278 Kirchlengern


Über die Erzeugergemeinschaft könnten weiterhin Lebensmittelgeschäfte beliefert

oder eigene Läden eröffnet werden, die z.B. durch einen Pächter geführt werden,

der sich zur Abnahme der regionalen Produkte verpflichtet ( Franchising-System).

173

Als flußangepaßte Nutzungsvariante der Elbe wäre ein "Marktschiff" denkbar, daß

von der Erzeugergemeinschaft betrieben wird und wöchentlich frisches Gemüse und

Obst in Hafenstädte wie Hamburg und Magdeburg bringt. Der Verkauf erfolgt direkt

vom Schiff. Hierdurch könnte der Bekanntheitsgrad eines regionalen Markenzeichens

über die Region hinaus gesteigert werden.

2.5.3.4 Handlungsfeld Ökologie im Handwerk

Ökologische Vorbildbetriebe des Handwerks können wie die Herstellung regionaltypischer

landwirtschaftlicher Produkte eine Gewinn im Hinblick auf ein natur- und

umweltgerechtes Wirtschaften bedeuten. Ein ökologisches Bewußtsein im Handwerk

in Kombination mit den Bereichen Landwirtschaft und Dorferneuerung (s. auch

die speziellen Landesprogramme zu diesem Thema) könnten die vorhandenen naturräumlichen,

siedlungshistorischen (z.B. Erhaltung intakter Ortsbilder bzw. Anpassung

von Neubauten an die örtlichen Bedingungen) bzw. kulturellen Gegebenheiten

stärken und eine Richtung weisen für eine nachhaltige zukünftige Entwicklung der

Region.

2.6 Zusammenfassung der Entwicklungsperspektiven

Die Ausweisung eines Großschutzgebietes mit einer abgestuften Schutzkonzeption

(Kernzonen, Pufferzonen, Randbereiche) erfordert von der Landwirtschaft eine Orientierung

an den entsprechenden naturräumlichen Gegebenheiten und den abgestimmten

Schutzzielen. Wünschenswert aus ökonomischer Sicht erscheint dabei,

daß die Schutzzielfestlegung so gestaltet wird, daß ein möglichst großer Flächenanteil

in der landwirtschaftlichen Nutzung verbleibt und reine Landschaftspflege - wenn

überhaupt - nur auf die höchste Schutzkategorie beschränkt bleibt. Auch aus ökologischer

Sicht ist eine landwirtschaftliche Nutzung innerhalb des Untersuchungsgebietes

anzustreben, um die seit Jahrhunderten kontinuierlich gewachsene einzigartige

Form der Kulturlandschaft zu erhalten.

Der ökologische Landbau erfüllt unserer Einschätzung nach die ökonomischen und

ökologischen Anforderungen am besten, indem er eine regenerative Nutzung der

Naturraumpotentiale mit der Produktion von qualitativ hochwertigen und gesunden

Lebensmittels verbindet. Konkrete Elemente einer derartigen Strategie sind in den

unten aufgeführten Maßnahmefeldern dargestellt. Mit einem derartigen Ansatz

könnten auch einige der bestehenden Konflikte zwischen Naturschutz und Landwirtschaft

entschärft werden. Unmittelbar ist zunächst eine Verständigung über folgende

Fragen notwendig:

• Umwandlung von Ackerflächen in Grünland im Kerngebiet,

• Sicherung der Milchquoten für die neu gewonnenen Grünlandflächen,

• Höhe und Umfang der Ausgleichsmaßnahmen.

Eine enge institutionelle Kooperation zwischen Landwirtschaft und Naturschutz zur

Verwirklichung dieses Ansatzes ist notwendig (Abbildung 16). Diese Kooperation

darf sich jedoch nicht allein auf eine Verständigung über die Landschaftsnutzung

beschränken, sondern sollte auf die ökonomische Stärkung des ökologischen Landbaus

ausgerichtet sein. In diesem Zusammenhang sollte auch die traditionelle Tren-


174

nung zwischen Landwirtschaftsförderung und allgemeiner Wirtschaftsförderung

überwunden werden. Die kommunale/regionale Wirtschaftsförderung ist insbesondere

aufgefordert, die nachgeordneten Wirtschaftsbereiche der Verarbeitung und

Vermarktung entsprechend den Anforderungen an den Vertrieb von ökologisch produzierten

Nahrungsmitteln zu fördern.

Der regionale Absatz von landwirtschaftlichen Qualitätsprodukten stößt dann auf

gute Bedingungen, wenn sich sowohl Privathaushalte als auch örtliche Großabnehmer,

wie Kantinen, Großküchen, Gastronomiebetriebe im Sinne einer nachhaltigen

Wirtschaftsweise auf die Verarbeitung von ökologischen Produkten umstellen. Auf

diese Weise ergeben sich bspw. aus der konsequent ökologischen Betriebsführung

im Fremdenverkehrsbereich mit einem hohen Anteil regionaler Produkte am Speisensortiment

Synergieeffekte mit dem ökologischen Landbau, die insgesamt die regionale

Wertschöpfung erhöhen. Maßnahmen im einzelbetrieblichen Bereich sollten

also die anderen Akteursgruppen aktiv mit einbeziehen.

Abbildung 16: Handlungsfeld Naturschutzpolitik

Potentiale / Stärken Maßnahmen / Förderungsmöglichkeiten

• Verbindung von Naturschutzzieien,landwirtschaftlicher

Produktion

und Weiterverarbeitung

der Produkte

Verständigung über Naturschutzziele

(Leitbilder) für

landwirtschaftlich nicht ge-

nutzte Flächen

• Fördermittel von EG,

Bund und Ländern zur

Extensivierung oder umweltgerechtenBewirtschaftung

• Flexible Handhabung von

Schutzauflagen

• Stärkung der Kooperation zwischen Landwirtschaft und Naturschutz,

z.B. durch Zusammenarbeit bei der Vermarktung und die

Erarbeitung von Bewirtschaftungskonzepten in Kern-Schutzzonen

• Förderung der Umstellung auf ökologischen Landbau in schon

jetzt extensiv bewirtschafteten Bereichen

• Vermeidung der Trennung in intensiv genutzte landwirtschaftliche

Flächen und extensiv gepflegte Schutzgebiete

Kombination der Landbewirtschaftung mit landschaftspflegerischen

Tätigkeiten dort, wo landwirtschaftliche Nutzung nur

schwer möglich ist (Aue, Überschwemmungsbereiche)

• Ausgleichszahlungen zur Berücksichtigung von Naturschutzzielen

in den Kernzonen des Schutzgebietes

• Bereitstellung von Fördermitteln aus der Flächen-Extensivierung

und dem Vertragsnaturschutz als flankierende Maßnahmen für die

Umstellung auf ökologischen Landbau

• Betriebsstrukturelle Verbesserungen bei ökologischer Produktionsweise

(insbesondere in geschützten Gebieten), z.B. durch Vergabe

von Milch- oder Mutterkuhquoten oder Investitionshilfen zur

Erlangung einer ausgeglichenen Betriebsstruktur

• Einsatz von Monitoring-Untersuchungen auf landwirtschaftlichen

Flächen zur Erkennung von floristischen und faunistischen Entwicklungstendenzen

und flexibler Handhabung von Nutzungsauflagen

(enge Zusammenarbeit mit Naturschutzverwaltungen)


Abbildung 17: Handlungsfeld Regionale Strukturpolitik / Wirtschaftsförderung

Potentiale / Stärken Maßnahmen / Förderungsmöglichkeiten

• Große Bedeutung der Rinderhaltung

(Mast, Mutterund

Milchkuhhaltung), z.T.

unter extensiven Bedingungen

• Bestehende regionale

Weiterverarbeitungs- und

Vermarktungsstrukturen

im ökologischen wie konventionellen

Bereich

(Molkereien, Käsereien,

Mühlen, Bäckereien,

Metzgereien, Gemüseverarbeitung,Schlachthöfe).

Regionale Wertschöpfungskette

• Förderung der bereits stark in der Region vertretenenProduktionszweige

(Rindermast, Mutter- und Milchkuhhaltug) für den ökologischen

Landbau

Regionale Schlachthöfe erhalten oder aufbauen entsprechend

tiergerechter Bedingungen

• Förderung der Betriebe bei notwendigen Modernisierungsmaßnahmen

und insbesondere bei der Umstellung auf die Verarbeitung

und Herstellung von regionalen Qualitätsprodukten oder Erzeugnissen

aus ökologischem Anbau.

• Unterstützung bei der Entwicklung und Vermarktung von regionalen

Qualitätsprodukten zur Erschließung von Marktnischen

175

• Stärkung der regionalen Wirtschaft durch die Förderung eines

ineinandergreifenden Produktions-, Verarbeitungs- und Dienstleistungsnetzes

(Landwirtschaft - Handwerk - Handel - touristische

und nichtouristische Dienstleister)

• Schaffung neuer Arbeitsbereiche (Arbeitsplätze) bei einer Stärkung

des ökologischen Landbaus durch höheren Arbeitskräfteeinsatz

in Produktion, Weiterverarbeitung, Handel, Vermarktung,

Qualitätskontrolle und Kundinnenberatung

• Orientierung der kommunalen Wirtschaftsförderung an ökologischen

und regionalen Kriterien

• Gründung bzw. Beauftragung von Institutionen der Regionalentwicklung

zur:

* Erarbeitung von Konzepten zur Stärkung regionaler wirtschaftlicher

Potentiale

* Aktivierung und Beratung von Initiativen in der Region

* Moderation von Kontaktaufnahme, Kooperation und Informationsaustausch

zwischen Betrieben der landwirtschaftlichen Produktion,

Weiterverarbeitung, Vermarktung und den Konsumentinnen


176

Abbildung 18: Handlungsfeld Einzelbetriebe / Vermarktungsstruktur

Potentiale / Stärken Maßnahmen / Förderungsmöglichkeiten

• Existenz von sowohl einzelbetrtieblichen

als auch

großbetrieblichen Strukturen

• Einzelbetriebe, die ökologische

Landwirtschaft betreiben

und teilweise in

Vermarktungsgemeinschaften

zusamengeschlossen sind

• Großbetriebe mit Ansätzen

für vielfältige Produktionszweige

und nachgegliedertenWeiterverarbeitungsschritten

• Größere Anzahl von Höfen

mit Direktvermarktung

und Urlaubsangeboten

• Unterstützung der gleichberechtigten spezifischen Entwicklung

von regional kleinstrukturierter Landwirtschaft und Großbetrieben

• Gemeinschaftliche Anschaffung von Maschinen und Betrieb von

Weiterverarbeitungsanlagen

• Gründung von Erzeuger- oder Liefergemeinschaften

• Aufbau neuer Geschäftsbeziehungen zu regionalen Weiterverarbeitungsbetrieben

• Einbindung der Konsumentinnen in Vorgänge und Grundsätze

über Herstellung und Weiterverarbeitung von Produkten aus regionalem

ökologischen Landbau (z.B durch Erzeuger-

Verbraucher-Gemeinschaften)

• Gründung von Vereinen, Agenturen o.ä., welche eine Schnittstelle

bilden zwischen Erzeugerinnen und Weiterverarbeitung und

(Groß-) Verbrauchern:

* Belieferung von Großabnehmern (Kantinen, Gemeinschaftsverpflegung

und Gastronomie)

* Aufbau eines eigenen Vermarktungsnetzes (Hofläden, Marktstände,

Lieferservice) und Kooperation mit bestehende Geschäften

(Bäckereien, Metzgereien, Lebensmittelhandel)

• Umstellung auf ökologischen Landbau und damit großflächige

Anwendung ausgewogener Fruchtfolgen

• Kombination verschiedener Produktionszweige im Zusammenhang

mit einer innerbetrieblichen Kreislaufwirtschaft

• eigener Aufbau von Weiterverarbeitungsanlagen durch größere

Hofflächen

• Wahrnehmung öffentlicher und sozialer Aufgaben durch größere

Hofgemeinschaften

• Wahrnehmung individueller Freiräume durch Aufteilung der Hofarbeit

innerhalb der Gemeinschaft

• Entwicklung von spezifischen touristischen Angeboten im landwirtschaftlichen

Bereich:

* Zusammenarbeit von mehreren Betrieben bei Hofläden oder

Freizeitangeboten, die den Urlaubern auch die Produktionsbedingungen

des ökologischen Landbaus verdeutlichen.

* Konzeptionelle Zusammenarbeit mit den Fremdenverkehrsbetrieben

3. Analyse und Entwicklungsperspektiven des touristischen Angebots

3.1 Ziele, Bergriffsklärungen und Aufbau

Ziel der folgenden Ausführungen ist es, ein Grundgerüst zur Abschätzung der gegenwärtigen

ökonomischen Bedeutung des Fremdenverkehrs darzulegen und Ansatzpunkte

aufzuzeigen, wie der Ausbau des Tourismus als ein Baustein einer ökologischen

Regionalentwicklung im Gebiet des geplanten Großschutzgebietes Elbtalaue

vorangetrieben werden kann.


177

Die Begriffe Fremdenverkehr und Tourismus werden im Rahmen dieser Arbeit als

Synonyme für den gleichen, im folgenden definierten Sachverhalt verstanden. Unter

Fremdenverkehr bzw. Tourismus werden generell Ortsveränderungen einer Person

verstanden, die Freizeit- und Erholungszwecken dienen. Ebenfalls dem Tourismus

zugeordnet werden Geschäftsreisen, Tagungsbesuche und ähnlich motivierte Anlässe.

Von Fremdenverkehr spricht man auch dann, wenn eine Region vornehmlich

das Ziel von Tagesbesuchern ist. Zu unterscheiden ist dann zwischen Übernachtungs-

und Tagestourismus. 100 Nicht hinzu gezählt werden hingegen Ortsveränderungen,

die im Zusammenhang mit einem Dauerarbeitsplatz oder Einkaufsfahrten

stehen. Berufspendler- und Einkaufsfahrten sind damit definitorisch ausgeschlossen.

Den Ausführungen liegen folgende Annahmen zugrunde:

• Im Tourismus erzielbare Einkommen sind dann besonders interessant, wenn diese

in der Region bleiben und dort zur Sicherung von Arbeitsplätzen beitragen.

• Touristische Entwicklung sollte nicht als "Rettungsanker" , sondern als Baustein

einer regionalwirtschaftlichen Förderung verstanden werden. Eine Monostrukturierung

der Region hätte nämlich ebenfalls negative naturräumliche Wirkungen,

wie auch aus der tourismusreformerischen Diskussion bekannt ist, die unter dem

Schlagwort des "sanften Tourismus" geführt wird.

• Der Einfluß einer Region auf die Nachfrage ist begrenzt. Gerade "sanfter" Tourismus

erfordert in erster Linie eine Beeinflussung der lokalen Angebotsstruktur,

die sich an den bekannten Erkenntnissen zu den Bedürfnissen der sogenannten

"Ökotouristen" ausrichten müsste. Die Erzeugung einer umweltbewußten touristischen

Nachfragestruktur ist ein komplexer Prozeß, der nicht alleine von den Regionen

gesteuert werden kann. Regionen können andererseits durch eine umweltbewußte

touristische Angebotsplanung zum "Trendsetter" werden und vorhandene

Tendenzen auf der Nachfrageseite verstärken

• Ein an den Kriterien der Umwelt- und Sozialverträglichkeit orientiertes touristisches

Angebot sollte sämtliche Komponenten einer Leistung berücksichtigen. Im

einzelnen sind hier zu nennen: Beherbergung, Gastronomie, Verkehr, touristische

Infrastruktur, Ortsgestaltung/ Siedlungsstruktur, Landschaftsqualitäten, Service/

Marketing. Sämtliche Bereiche sind in ihrer Quantität und Qualität zu erfassen

und im Hinblick auf die angestrebten Ziele der regionalen Entwicklung zu bewerten.

Um die oben genannten Zielsetzungen zu überprüfen, gehen wir wie folgt vor

In Kapitel D1 wurde zunächst der Raum in seiner Größe beschrieben, der gegenwärtigen

Stand der naturschutzfachlichen Rahmenplanung dargestellt und erste Hypothesen

im Hinblick auf die sozio-ökonomische Situation des Raumes entwickelt.

An dieser Stelle befassen wir uns mit den konzeptionellen Grundlagen eines

"sanften Tourismus" und stellen am Beispiel der gegenwärtig verfügbaren Erkenntnisse

zu den Wirkungen "harter" und "sanfter" touristischer Angebotsplanung dar,

welche regionalökonomischen Auswirkungen diese beiden Entwicklungspfade allgemein

aufweisen. Darauf aufbauend werden die folgenden Fragen behandelt:

100 vgl. hierzu DWIF: Strukturanalyse des touristischen Arbeitsmarktes, München 1991, S. 4ff


178

• Wie stellt sich die gegenwärtige Nachfragestruktur im Umfeld des Großschutzgebietes

Elbtalaue dar?

• Von welchem Nachfragepotential ist, gerade im Hinblick auf sanften Tourismus,

auszugehen?

• Welche regionalökonomische Bedeutung (bezogen auf die Anzahl der Arbeitsplätze)

hat der Tourismus in dem Gebiet bereits heute, womit ist zukünftig zu

rechnen?

• Wie müßte die touristische Angebotsplanung ausgerichtet werden, damit zusätzliche

Nachfragepotentiale erschlossen werden?

Ein Fazit aus den konzeptionellen und empirisch gestützten Überlegungen zu den

regionalökonomischen Chancen des Tourismus im geplanten Großschutzgebiet

Elbtalaue schließt diesen Teil ab und stellt die wichtigsten Vorschläge übersichtsartig

dar.

3.2 Tourismusentwicklung als ein Baustein einer ökologische Regionalentwicklung

- konzeptionelle Überlegungen

Der Tourismus ist insbesondere in den neuen Bundesländern der einzig ernstzunehmende

Hoffnungsschimmer für eine (kurzfristig wirksame) wirtschaftliche Belebung,

wobei auch dieser (im Gegensatz zu den Niedersächsischen Teilgebiet) aufgrund

der besonderen historischen Bedingung (Stichwort Sperrgebietsverordnung)

quasi "aus dem Stand heraus" entwickelt werden muß.

3.2.1 Zur Diskussion um die Ausweisung von Großschutzgebieten

Biosphärenreservate sind großräumige Gebiete, die aufgrund des 1970 ins Leben

gerufenen UNESCO-Programmes "Der Mensch und die Biosphäre" (MAB) von der

UNESCO offiziell als Bestandteil eines internationalen Biosphärenreservat-Netzes

anerkannt worden sind und eine größere internationale Bedeutung haben. Biosphärenreservate

übernehmen nach Kaether (1994) folgende Funktionen:

• Erhalt der historisch gewachsenen Kulturlandschaften,

• Bewahrung genetischer Ressourcen,

• Teilaufgaben einer international vernetzten langfristigen Umweltbeobachtung.

Im Gegensatz zu Nationalparken seien in Biosphärenreservaten explizit auch wirtschaftliche

Nutzungen möglich bzw. notwendig 101 . Bürget (1993) bezeichnet es als

Ziel von Biosphärenreservaten, die Natur zu schützen sowie Kulturlandschaft zu

pflegen und zu entwickeln. "Durch Forschung in Biosphärenreservaten sollen neue

Wege für ein partnerschaftliches Zusammenleben von Mensch und Natur entwickelt,

erprobt und beispielhaft umgesetzt werden."

Die Vorteile, die eine Region durch die Ausweisung eines Großschutzgebietes gewinnen

könnte, lassen sich (soweit dieses möglich ist) wie folgt benennen:

- nicht monetarisierbare Vorteile

101 Kaether weist jedoch auch daraufhin, daß bei der Nationalparkausweisung -beispielsweise Bayerischer Wald- wirtschaftliche

Gründe - Belebung des Fremdenverkehrs - eine wichtige Rolle gespielt haben. Dadurch seien die eigentlichen Schutziele

und die Prioritäten der Zielsetzung: 1. Natur schützen, 2. Bildung bieten, 3. Erholungsmöglichkeiten schaffen, gefährdet

worden. Deshalb gehe man jetzt dazu über, den Nationalparken die Funktion von "Naturentwicklungslandschaften" zuzuweisen,

und die wirtschaftliche Nutzung nur auf bestimmte Erschließungszonen innerhalb des Nationalparks zu beschränken.


179

Hierzu zählen: Schutz von Wassereinzugsgebieten, Erhalt der genetischen Vielfalt

und eines reichhaltigen Nahrungsmittelangebotes für die im Gebiet lebenden Tiere

und Pflanzen und damit auch Erhalt der charakteristischen, für den Tourismus attraktiven

Landschaft sowie Tier- und Pflanzenwelt. 102

- direkt monetarisierbare Vorteile

Hierzu zählen vor allen Dingen jene Vorteile, die für die Landwirtschaft und den

Tourismus erwachsen. Gleichzeitig ist festzustellen, daß es bislang nur wenige Untersuchungen

gibt, die diese Vorteile beziffern könnten, da es hier vielfältige methodische

Probleme gibt. So lassen sich beispielsweise die Effekte der Ausweisung der

Nationalpark niedersächsisches und schleswigholsteinisches Wattenmeer schon

alleine deshalb nicht beziffern, weil es sich hier um ein bereits traditionell touristisch

genutztes Gebiet handelt. Nach Kaether gibt es bislang nur eine wirtschaftswissenschaftliche

Arbeit, die sich mit den ökonomischen Auswirkungen eines Großschutzgebietskonzeptes

befaßt. Es handele sich um eine Arbeit von Prof. Kleinhenz

(1982), der anhand einer empirisch ausgerichteten Untersuchung bei Nachfragern

und Anbietern touristischer Leistungen im Gebiet des Nationalparks Bayerischer

Wald versuchte, die Effekte zu beziffern. Danach ergäben sich folgende Effekte einer

Schutzgebietsausweisung:

• Erhöhung des Bekanntheitsgrades der Region und Verstärkung eines positiven

Images. So war beispielsweise für 5,3 % aller Urlauber die Nationalparkausweisung

entscheidener Grund für die Reisezielentscheidung, für weitere 26,2

% war dies ein mitentscheidender Faktor, so daß insgesamt 30 % der touristischen

Nachfrage auf diesen Imagefaktor zurückzuführen waren.

• Für die Anbieter touristischer Leistungen ist die Nationalparkausweisung eine

kostenlose Gemeinschaftswerbung, die dazu beitragen kann, daß die Übernachtungszahlen

und die Kapazitätsauslastung steigt.

• Für bestimmte Wirtschaftszweige ist der durch den Nationalpark bewirkte Besucherzuwachs

von geradezu existentieller Bedeutung (im Bayerischen Wald betrifft

dies inbesondere die Glasindustrie, so daß auch die nicht fremdenverkehrsabhängigen,

konsumnahen Industrien und Handwerke vom Tourismus in

einem Großschutzgebiet profitieren können).

Andererseits zeigen die Ergebnisse auch, daß die regionalwirtschaftlichen Ergebnisse

der Großschutzgebietsausweisung nicht überschätzt werden dürfen.

- Möglichkeiten der Gewinnung zusätzlicher Finanzierungsquellen

Als einer der zentralen Vorteile für die regionalökonomische Entwicklung wurde in

den Gesprächen und in der Literatur hervorgehoben, daß in Großschutzgebieten

eine potentiell größere Anzahl von Förderprogrammen zur Verfügung steht. Da es

Ziel eines Großschutzgebietes ist, eine integrierte Entwicklung ("Partnerschaft von

Mensch und Natur") zu ermöglichen, kann auf die Mittel verschiedenener Bereiche

zurückgegriffen und können diese Mittel gebündelt werden. Zu nennen sind hier vor

allen Dingen die Mittel des Europäischen Strukturfonds (EFRE; EAGFL; ESF), und

spezifische EU-Programme, wie das Instrument der Gemeinschaftsinitiativen und

102 Im Gebiet des geplanten Großschutzgebietes Elbtalaue gilt dies insbesondere für den Erhalt der Überwinterungsmöglichkeit

der Gänse sowie die Brutgebiete der Störche, die bereits zu einem "Markenzeichen" für die Region geworden sind (so z. B.

für die "Wendlandkooperative", einer Direktvermarktungsgesellschaft für die ökologisch erzeugten Lebensmittel der Region)


180

Umweltfinanzierungsinstrumente, zu denen LIFE, LEADER u.a.m. gehören. Auf

Bundes- und Länderebene sind eine Vielzahl von Fördermaßnahmen im Rahmen

der Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW-

Mittel), Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes

(GAK-Mittel), sowie Mittel nach dem AFG (ABM-Mittel, LKZ sowie § 249h-

Mittel) zu nennen.

Die Mittelvergabe und die Ausgestaltung der aus den genannten Förderprogrammen

resultierenden bundesländerspezifischen Programme differiert erheblich. Es wäre

die Aufgabe eines separaten Gutachtens, die unterschiedlichen Fördervoraussetzungen

zu analysieren und in ihren Konsequenzen zu beurteilen. Nach den

Ergebnissen der Expertenbefragung könne man beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern,

Dorferneuerungsmittel mit Fremdenverkehrsförderungsmitteln kombinieren,

unabhängig davon, ob ein Dorf bereits als Ganzes in die Dorferneuerung

einbezogen wurde. In Brandenburg existiere diese Möglichkeit jedoch nicht.

Hinzu kommt, daß die Möglichkeit auf mehr Mittel zurückgreifen zu können lediglich

eine notwendige, nicht jedoch hinreichende Voraussetzung für die integrierte ländliche

Entwicklung ist. Ebenso wichtig ist, daß bestimmte Mittelverwendungen Auflagen

unterworfen werden, um auszuschließen, daß z.B. Strukturförderungsmittel für

naturzerstörende Maßnahmen in Anspruch genommen werden. So wird in der Zeitschrift

"Elbtalaue" davon berichtet, daß die Gemeinde Gorleben den Bau eines

Sportboothafens in einem bisher unbebauten, naturräumlich sehr wertvollen Teil des

Gorlebener Hakens plant, und hierfür EG-Strukturförderungsfördermittel im Wert von

40 % der geplanten Investitionskosten in Anspruch nehmen kann. 103

Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß die Diskussion um die Ausweisung von

Großschutzgebieten als ein positives Element regionaler Entwicklung noch am Anfang

steht. Auch wenn die Wirkung auf die Wertschöpfung in einzelnen Wirtschaftsbereichen

noch eine Vielzahl ungeklärter Fragen aufwirft, so sind mit der Ausweisung

eines Großschutzgebietes für den Tourismus in der Summe positive Effekte zu

erwarten.

3.2.2 Fremdenverkehr im Spannungsfeld von Ökonomie und Ökologie

Fremdenverkehrspolitik auf der Ebene der Regionen und Gemeinden wird in der

Mehrzahl aller Fälle als Wirtschaftsförderungsaufgabe verstanden. Insbesondere in

strukturschwachen Regionen wie den Neuen Bundesländern wird Fremdenverkehrsförderung

als ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der sozioökonomischen

Lage der einheimischen Bevölkerung gesehen. Die Wertschöpfungsbeiträge

sowie die Arbeitsplatz- und kommunalen Einnahmeeffekte sind wichtige

Kennziffern, an denen die positiven wirtschaftlichen Beiträge des Tourismus festgemacht

werden. Desweiteren wird es durch Fremdenverkehrsförderung ermöglicht,

Infrastrukturen (beispielsweise Schwimmbäder, Verbesserung des ÖPNV) aufzubauen,

die gleichzeitig auch die materielle Lebensqualität der Einheimischen deutlich

verbessern. Insbesondere in strukturschwachen, dünnbsiedelten Regionen ist

die touristische Nachfrage der entscheidende Faktor, um eine hinreichende Auslastung

zu erreichen und ein wirtschaftliches Betreiberkonzept zu ermöglichen.

Eine allein auf diese ökonomischen Effekte abzielende Fremdenverkehrsförderung

hat jedoch in der Vergangenheit die ökonomischen und ökologischen Folgewirkun-

103 "Sportboothafen gefährdet Elbe-Biber, in: Zeitschrift "Elbtaiaue aktuell", Nr.1/1994, S. 9


gen des touristischen Wachstum vernachlässigt. Solche Folgewirkungen sind beispielsweise:

181


182

• Naturzerstörung durch touristische Nutzung,

• Verbauung und "Möblierung" der Landschaft,

• Anstieg der Bodenpreise und Mieten,

• Preisanstieg für Dienstleistungen und im Handel,

• Entstehung einer Fremdenverkehrs-"Monokultur".

Neben diesen unmittelbaren Effekten können jedoch auch langfristige soziale und

ökologische Fehlentwicklungen eingeleitet werden, wie z.B.

• Artenrückgang und und Schädigung ökosystemarer Grundfunktionen,

• Erschöpfung und/oder Überlastung der natürlichen Ressourcen (z.B. Erschöpfung

der Wasserreserven, Gewässer- und Luftverschmutzung, Lärmbelastung insbesondere

durch Auto-Verkehr sowie vermehrtes Abfallaufkommen)

• Defizite im Arbeitsplatzangebot (hoher Anteil saisonaler Arbeitsplätze),

• Verdrängung der ortsansässigen Bevölkerung durch steigende Mieten,

• Aufgabe landwirtschaftlicher Tätigkeiten und dadurch bedingt Verfall von Kulturlandschaft.

Gänzlich ungeklärt (für die hier betrachtete Region jedoch bislang von weniger großer

Bedeutung) ist der Umgang mit dem Phänomen der zeitlich-räumlichen Überlastung

durch touristische Aktivitäten. Das Kernproblem der durch Tourismus bewirkten

Umweltbelastungen liegt u.E. in der Frage, wie man mit den "Mengenproblemen"

(zu viele Menschen wollen sich zur selben Zeit am selben Ort erholen) umgehen

kann.

3.2.3 Wirtschaftliche Chancen einer "sanften" touristischen Angebotsplanung

Über die wirtschaftlichen Chancen eines "sanften" touristischen Entwicklungspfades

ist bislang weniger bekannt, als über die eines "harten" touristischen Entwicklungspfades.

Dies ist nicht verwunderlich, gibt es doch keine großräumig angelegten Modellbeispiele.

Gleichzeitig steigt die Kritik am "harten" Entwicklungspfad, wie zahlreiche

Untersuchungen des (nicht mehr existierenden Studienkreises für Tourismus)

bis Anfang der 90er Jahre zeigen. Diese Kritik führt jedoch nicht notwendigerweise

zur Abkehr von den "harten" massentouristischen Zielen.

Aus der Vielzahl von Studien, die sich mit den Nachfrageentwicklungstendenzen auf

dem Reisemarkt auseinandersetzten, lassen sich keine eindeutigen Schlußfolgerungen

ziehen, die es erlauben würden die wirtschaftlichen Chancen einer "sanft"

touristischen Angebotsplanung zu beurteilen. 104 Vielmehr deuten die Umfrageergebnisse

darauf hin, daß die touristischen Nachfrager zwar eine intakte Natur erwarten,

vielfach jedoch nicht wissen was darunter zu verstehen ist (Problembereich:

104 vgl. insbesondere Studienkreis für Tourismus (Stft), Reiseanalyse 1989 und folgende Jahrgänge, Starnberg; ADAC: Mehr

wissen - Mehr handeln, Bausteine für eine umweltverträgliche Tourimusentwicklung, München, 1991 ;Kirstges, T., Sanfter

Tourismus - Chancen und Probleme der Realisierung eines ökologieorientierten und sozialverträglichen Tourismus durch

deutsche Reiseveranstalter, München 1992; Opaschowski, H.W., Ökologie von Freizeit und Tourismus, Opladen, 1991;

Wöhlert,K. Umweltbewußtsein und Umweltverhalten: "Sanftes" Tourismuspotential - Eine empirische Studie Materialien zum

Tourismusmarketing 3, Teil 2,Lüneburg, 1992; Robinet, K. u.a.: Auswirkungen eines wachsenden Umweltbewußtseins in

Politik und bei den Verbrauchern auf das unternehmerische Verhalten der touristischen Anbieter, Ergebnisbericht zum

gleichnamigen unveröffentlichten Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums, August 1993


183

Informationsdefizit); noch alleine Natur zum ausschlaggebenden Argument für die

Zielortwahl wird (Problembereich: Vielschichtigkeit der Motive). Vielmehr ist davon

auszugehen, daß eine - wie auch immer definierte - intakte Natur zu den Basiseigenschaften

des "Produktes" Tourismus gehört.

Wenn nachfrageseitig kaum Möglichkeiten zur Beurteilung der ökonomischen Chancen

einer sanft touristischen Angebotsplanung bestehen, bietet sich ein anderer

Weg an: Hierbei handelt es sich um die Erfassung der Erfahrungen jener touristischen

Anbieter, die (nach bestimmten Kriterien gewichtet) bereits als umweltbewußt

bezeichnet werden können.

Dieser Weg beschritt eine für das Bundeswirtschaftsministerium 1993 erarbeitete

Studie. Sie hat - bei allen methodischen Unsicherheiten - Anzeichen dafür zusammentragen

können, daß sich für die Gruppe der Beherbergungsbetriebe, die für eine

umweltbewußte Betriebsführung im Rahmen von Wettbewerben ausgezeichnet

wurden, eine umweltbewußte Betriebsführung auch einzelwirtschaftlich auszahlt.

Die Anzahl der in den alten Bundesländern bekannten Betriebe des Gastgewerbes

mit einer umweltbewußten Betriebsführung, lag Anfang 1993 bei annähernd 300 (ca

1 % aller Beherbungsbetriebe), von denen 157 im Frühjahr 1993 zu ihren Motiven

und Erfahrungen befragt wurden. Dabei ergaben sich u.a. folgenden Ergebnisse

(Robinet 1993):

• Die umweltbewußte Betriebsführung hat sich für die Betriebe (bezogen auf die

Anzahl aller befragten Betriebe) wie folgt ausgewirkt:

• 43,3 Prozent kostenneutral,

• 33,1 Prozent kostensenkend und

• lediglich 19,1 Prozent kostensteigernd.

• Von insgesamt 30 Betrieben, die Kostensteigerung angaben, konnten 46 Prozent

sie über die Preise weitergeben.

• Umweltbewußt wirtschaftende Betriebe haben in ihrer Mehrzahl eine überdurchschnittliche

Kapazitätsauslastung bei durchschnittlichem Preisniveau zu verzeichnen.

• In mehr als 80 Prozent der Betriebe werden die Gästereaktionen auf umweltorientierte

Unternehmensführung als positiv gekennzeichnet. Die Gästereaktionen

werden jedoch im Regelfall nicht aus "harten Fakten" wie beispielsweise sinkende

Energie-und Wasserverbräuche abgeleitet, sondern anhand von Gesprächen. Sie

sind aus Sicht der Betriebe das wichtigste Instrument, um die Reaktionen ihrer

Gäste zu messen.

• Bei rund einem Viertel aller Betriebe hat sich der Energie- und Wasserverbrauch

verringert.

• Daß der Anteil der Stammgäste wächst, wird von 33,5 Prozent aller Betriebe ursächlich

mit ihrer umweltbewußten Betriebsführung in Verbindung gebracht.

Auch auf der Ebene der in die Untersuchung einbezogenen westdeutschen Gemeinden

und Regionen, die mit Umweltinitiativen positiv aufgefallen sind (u.a. Hindelang,

Freudenstadt, Uhldingen/Bodensee, Altmühltal) wurde von positiven Reaktionen

auf die Umweltschutzorientierung berichtet, wobei folgende Beobachtungen

besonders hervorgehoben wurden:


184

• Der Anteil der Stammgäste steigt.

• Die Nachfrage nach naturkundlichen Führungen steigt.

• Die Landwirte, die ökologisch wirtschaften und ihre Produkte direkt vermarkten,

haben einen guten bis sehr guten Absatz zu verzeichnen.

• Das vorhandenen ÖPNV-Angebote ist besser ausgelastet.

• Die Nachfrage nach Leihfahrrädern steigt.

Hinzuweisen ist auch auf die Erfahrung der "Gemeinschaft autofreier Schweizer

Tourismusorte" (GAST), die in den neun ihr angeschlossenen Kommunen, den Autoverkehr

aus den Ortskernen verbannte und in den Jahren zwischen 1984 und

1989 einen Gästezuwachs von sechs Prozent zu verzeichnen hatte. Dies war doppelt

so hoch wie im Durchschnitt der Schweiz. 105

Auch weist beispielsweise BTE/ Futour 106 darauf hin, daß sich durch ein ökologisches

Regional- und Tourismusentwicklungskonzept die regionale Wertschöpfung,

z.B. durch Einsatz regional erzeugter Produkte in der Gastronomie deutlich steigern

läßt. Beispiele aus dem Biosphärenreservat Rhön würden belegen, daß sich der

Wareneinsatz regionaler Produkte von 5 % auf bis zu 60 % steigern läßt.

3.2.4 Vergleich der Wirkungen "harter" und "sanfter" touristischer Entwicklungspfade

Der Großschutzgebietscharakter einer Region wie die Elbtalaue und touristische

Freizeitgroßprojekte schließen sich aus - die Zielvorstellungen sind nicht miteinander

kompatibel. Dennoch zeichnet sich gegenwärtig eine Welle von Planungen für

neue touristische Großprojekte ab und hier inbesondere für solche Anlagen, die das

erfolgreiche niederländische Modell der Firma "Center-Parcs" kopieren wollen. Hierbei

handelt es sich um auf Kurzurlaub angelegte Bungalowsiedlungen mit bis zu

3000 Betten, in deren Zentrum sich ein sogenanntes "subtropisches Spaßbad", als

Mischung aus "Einkaufspassage und Gewächshaus" 107 , befindet.

Aufgrund der mit solchen Großprojekten verbundenen negativen ökologischen und

sozio-kulturellen Auswirkungen, sollen diese hier als "harte" touristische Angebotsplanung

bezeichnet werden.

Auch für die hier betrachtete Region (das Großschutzgebiet Elbtalaue) sind uns

zwei Planungen bekannt geworden, für die eine Planungsanzeige bei der zuständigen

Raumordnungsbehörde abgegeben wurde (Akquapark Lenzen/ Brandenburg),

bzw. die sich auf der Diskussionsebene (in Vielank/ Mecklenburg) befinden. Insbesondere

über den geplanten "Aquapark Lenzen", einem Projekt mit 800 Bungalows/

3000 Betten, ist bereits auf kommunaler Ebene viel diskutiert worden, wobei diese

Planung nach Auskunft von Verwaltungsbeamten auf große Zustimmung in der Bevölkerung

und der Stadtverordnetenversammlung gestoßen sei.

105 zit. nach Kanschik, Nitschke: Die Entwicklung von Fremdenverkehr und Tourismus im Konflikt zwischen ökonomischen und

ökologischen Zielen, Gutachten für den Deutschen Bundestag, Berlin, August 1993, S. 52

106 BTE/ Futour: Großschutzgebiet Elbtalaue mit integriertem Nationalpark, Bestands- und Konfliktlösungsanalyse Tourismus,

Gutachten im Auftrag des Nds. Wirtschaftsministeriums, Zwischenbericht Hannover/ München, 1994, S. 27

107 vgl. Strasdas, Wolfgang: Ferienzentren auf Kosten der Natur?, Faltblatt des BUND, Bonn, 1. Auflage, 1 .März 1993


185

Die Vielzahl von Planungen, die insbesondere in den neuen Bundesländern angesiedelt

werden (insgesamt seien bereits bundesweit 50 Großprojekte -Stand März

1993- bekannt geworden) hat Anlaß zu einer intensiven Fachdiskussion gegeben.

Sie ist zusammenfassend wiedergegeben in einer Schriftenreihe des ILS (Milke u.a.

1993). Zusammen mit den vor Ort geführten Gesprächen ergibt sich nachfolgende

Übersicht. Hierbei handelt es sich um eine Gegenüberstellung ökologisch-ökonomischer

Wirkungen des "harten" und "sanften" Entwicklungspfades, in die folgende

Beurteilungskriterien eingegangen sind:

• Arbeitsplätze in der Entstehungsphase,

• Arbeitsplätze im Betrieb,

• indirekte Arbeitsplatzeffekte,

• Qualität der Arbeitsplätze,

• Steuereinnahmen,

• Planungsrisiko,

• Realisierungsrisiko,

• Betriebsrisiko,

• Imageeffekte,

• ökologische Auswirkungen,

• sozio-kulturelle Effekte,

• Zeitfaktor/ Realisierungszeitraum.

Aus der nachfolgenden Übersicht (Abbildung 19) geht hervor, daß entgegen der

vielfach geäußerten Hoffnungen, die Struktureffekte von Großprojekten geringer

sind, als die der oben definierten "sanften" touristischen Angebotsplanung, die durch

orts- und regionaltypische Unterkunftsmöglichkeiten und vergleichsweise geringere

Umweltwirkungen gekennzeichnet ist.

Hauptnachteil einer "sanften" touristischen Angebotsplanung ist jedoch im Zeitfaktor

zu suchen. Unter den ungünstigen Rahmenbedingungen - wie sie in Kapitel D stichwortartig

beschrieben wurden - erfordert der "sanfte" Weg einen sehr viel "längeren

Atem". Angesichts der prekären sozio-ökonomischen Situation in der sich viele Gemeinden

auf dem Gebiet der neuen Bundesländer befinden, ist davon auszugehen,

daß die Unterstützung für den "sanften" Weg geringer ausfällt, wenn gleichzeitig

eine Möglichkeit besteht, kurzfristig Projekte zu realisieren, auch wenn man durchaus

die Nachteile solcher Projekte sieht.

Unabhängig davon, ob die Planungen im Raum überhaupt auf einer realistischen

Basis stehen (zumindest für den ins Auge gefaßten Standort Vielank am Rande eines

Truppenübungsplatzes kann dies bezweifelt werden 108 ) ist an dieser Stelle

darauf hinzuweisen, daß "sanfte" touristische Angebotsplanung, die sich auf lokale

Ressourcen stützen will, in starkem Maße auf innovative Konzepte der Wirtschafts-

ice In diesem Zusammenhang ist darauf zu verweisen, daß die Großprojektplanung durch Steuervergünstigungen

(Sonderabschreibungen für das Gebiet der neuen Bundesländer) begünstigt wird. Dies kann dazu führen, daß an sich unrentable

Projekte an ungeeigneten Standorten durch (unseriöse) Bauträger errichtet werden, die sich wenige Jahre später als

unvermietbar erweisen. Mit der dadurch bewirkten Urbanen Überformung müssen die Gemeinden dann leben, weil ihnen

häufig die finanziellen Mittel für den Abriß fehlen.


186

förderung angewiesen ist. Es reicht nämlich im Regelfall nicht aus, lediglich Fördermittelberatung

bereitzustellen, sondern es ist eine gezielte Beratung und Aktivierung

der Bevölkerung erforderlich, will man die Chancen wahrnehmen, die der Tourismus

in einem Raum bietet. In diesem Zusammenhang ist darauf zu verweisen,

daß in anderen Regionen der fünf neuen Bundesländer gegenwärtig fünf Modellprojekte

"Einkommenssicherung durch Dorferneuerung" laufen, in denen eine

"Rundumberatung" bis hin zur Begleitung der Antragsteller zu Banken und Behörden

geleistet wird 109 . Würden solche Projekte nicht nur Pilotstandard, sondern Element

der Wirtschaftsförderung, könnte sich möglicherweise der Zeitbedarf zum Aufbau

"sanfter" touristischer Strukturen verkürzen.

Abbildung 19: Vergleich der Wirkungen unterschiedlicher Entwicklungspfade für

die touristische Erschließung in einer Region

Beurteilungskriterium

Arbeitsplätze in der

Erstellungsphase

Arbeitsplätze im

Betrieb und

Betten pro Vollzeitarbeitsplatz

indirekte Arbeitsplatz-

Effekte

(Z.B.Einkäufe,

Restaurantbesuche)

Qualität der Arbeitsplätze

"harter" Entwicklungspfad 1 ) "sanfter" Entwicklungspfad 2 )

Rodung der Gelände, Erstellung der

Bungalows (Fertigbauten), Erstellung

des "Herzstücks" (Spaßbad) erfolgt mit

Hilfe auswärtiger Spezialfirmen, ortsansässige

Bauindustrie/ das Bauhandwerk

ist im Regelfall nicht auf

diese Anforderungen eingerichtet

12,7

bei 3000 Betten an einem Standort

= 236 VZA

bei innenorientiertem Konzept nur geringe

Zusatzeinnahmen für örtliche

Gastronomie, Einzelhandel, Landwirtschaft;

Einkauf der benötigten Waren

erfolgt zentral, Berücksichtigung lokaler

Angebote eher unwahrscheinlich, da

Serienprodukte gefragt werden

Managementaufgaben werden von

auswärtigen Arbeitskräften durchgeführt,

für die lokale Bevölkerung bleiben

häufig nur unqualifizierte Tätigkeiten,

vielfach wird die Sozialversicherungsgrenze

nicht überschritten

(weniger als 10 Stunden pro Woche),

Sonn-und Feiertagsarbeit, Reinigungsarbeiten

Restaurierung, Umbau, Erstellung

neuer Beherbergungskapazitäten

kommt im Regelfall zu einem nicht

unerheblichen Teil der ortsansässigen

Bauindustrie/ Bauhandwerk

zugute - positiver Beitrag zur Regionalentwicklung

5,4

bei 3000 Betten an dispersen

Standorten =555 VZA

Der Wertschöpfungsmultiplikator

dieser Form des Tourismus wird mit

1,7 beziffert. Damit trägt der Tourismus

zur Stabilisierung der ökonomischen

Situation des örtlichen

Einzelhandels, der Gastronomie und

des Handwerks bei; die Wertschöpfungsquote

könnte sogar noch gesteigert

werden, wenn es gelingt,

dauerhafte regionale Liefer-

Leistungsverflechtungen zu etablieren;

so daß (bei 3000 Betten) durch

diesen Weg rechnerisch ca. 800 bis

1000 (Vollzeit-) Arbeitsplätze langfristig

entstehen könnten (ohne

konjunkturelle Effekte, die während

der Bauphase entstehen)

Familienbetriebe, Mangementaufgaben

durch einheimische Fachkräfte;

jedoch ebenso häufig unqualifizierte

und sozial nicht abgesicherte

Tätigkeiten wie beim "harten Weg"

1) Erschließung über Urbane Ferienzentren der 2. Generation, innenorientierte Konzepte, mit großen Bungalowsiedlungen, Restaurants

und Läden innerhalb der Anlage, mit einem "Spaßbad" als Zentrum der Anlage

2) Orts-und regionaltypische touristische Entwicklung, gekennzeichnet durch mittelgroße Hotels und Pensionen, Ferienwohnungen

in bestehenden Einrichtungen und unter Einbezug von Maßnahmen der Dorferneuerung Fortsetzung -> b.w.

109 Mündliche Mitteilung Fremdenverkehrsverband West-Mecklenburg, Frau Ohlhöft, April 1994


Fortsetzung: Abbildung 19

Steuereinnahmen Große Teile der Gewerbesteuern können

durch erhöhte Abschreibungen

kompensiert werden, nur Teile der

Grunderwerbssteuern und der Grundsteuern

verbleiben im Kreis; lediglich

Fremdenverkehrsabgaben (z.B. 1

DM/pro Übernachtung) verbleiben

vollständig bei der Gemeinde (bei

1 Mio. Übernachtungen ergibt dies DM

1 Mio/a)

Anteile an der Einkommenssteuer hängen

von der Art der Arbeitsplätze ab,

Teilzeit- und sozialversicherungsfreie

Beschäftigungsverhältnisse erbringen

nur geringe Einkommenssteueranteile

Planungsrisiko hoch, vielfältige Prüfaufgaben durch

Verwaltung, Genehmigungsaufwand

sehr hoch

Realisierungsrisiko in Abhängigkeit vom Betreiberkonzept;

ist die Finanzierung nicht gesichert,

kann es dazu kommen, daß die Arbeiten

noch in der Erstellungsphase abgebrochen

wenden - Investitionsruinen

können entstehen

Betriebsrisiko hohe Anfangsinvestitionen erfordern

kontinuierlich hohe Auslastung; kann

dieses nicht gewährleistet werden,

besteht die Gefahr des Entstehens von

Investitionsruinen, mit denen die Ge-

meinde alleine gelassen wird

Imageeffekte nicht eindeutig abschätzbar, da unterschiedliche

Zielgruppen angesprochen

werden, können sowohl positiv sein

(das Angebot schafft sich seine Nachfrage),

als auch negativ sein

(vorhandene Stammgäste fühlen sich

durch Zusatzbelastung [beispielsweise

ökologische Auswirkungen

sozio-kulturelle

Effekte

Verkehr] gestört)

Störwirkungen abhängig von der

Standortwahl, auf jeden Fall:

- hohe Wasserverbrauchsintensität

- hohes Abwasseraufkommen

- hohe Energieintensität

- hohe Verkehrsintensität

- hohe Abfallintensität

jedoch technische Maßnahmen des

Umweltschutzes leichter zu realisieren,

da auflagenorientierte Steuerung bei

nur wenigen Akteuren zu realisieren ist.

Veränderung des traditionellen Ortsund

Landschaftsbildes durch urbane

Überformung; an den jeweiligen Standorten

von Großprojekten aufgrund der

damit einhergehenden Verkehrsbelastungen

Minderung der Wohnqualität;

in der Planungsphase häufig Spaltung

der Bevölkerung in Gegner/Befürworter

die Steuermehreinnahmen dürften

auf Dauer angelegt höher sein, die

Erhebung von Fremdenverkehrsabgaben

auf lokale Widerstände

stoßen. Im Hinblick auf die Art der

Arbeitsplätze, gelten ähnliche Einschränkungen

wie bei Großprojekten

eher abschätzbar, geringerer Genehmigungsaufwand

für eher "kleinteilige" Vorhaben ist

das Realisierungsrisiko geringer

einzuschätzen, da es eher möglich

ist, ggfs. Nachfolger zu finden

187

Besitzerwechsel wird bei wirtschaftlichen

Schwierigkeiten des bisherigen

Betreibers leichter zu realisieren

sein, für die Gemeinde ist das Risiko

geringer

nicht abschätzbar, nicht zuletzt auch

abhängig vom Zielgruppenkonzept

und der Art der gewählen Vermarktung

der Region

Störwirkungen abhängig von der

Standortwahl, vergleichsweise geringere

Mengeneffekte in bezug auf

die Umweltbelastungen

technische Maßnahmen des Umweltschutzes

eher schwierig umzusetzen,

da eine Vielzahl von Akteuren

zu berücksichtigen ist

landschaftsangepaßte Architektur

eher möglich, positive Ausstrahlung

auf Dorferneuerungsmaßnahmen,

vegleichsweise geringere, mit Tourismus

einhergehende, Verkehrsbelastungen,

Auseinandersetzungen

auf der kommunalen Ebene dürften

weniger spannungsreich ausfallen


188

Fortsetzung Abbi dung 19

Zeitfaktor/

Realisierungszeitra

um

Quelle: Darstellung des IÖW1994

lange Genehmigungsverfahren, jedoch

dann schnelle Realisierung, kurzfristig

sichtbare Erfolge der Wirtschaftsförderungspolitik

Die Realisierung der positiven regionalwirtschaftlichen

Effekte dieser

Art von Erschließung erfordert einen

"langen Atem"; benötigt längere

Zeiträume , ist in starkem Maße auf

die Investitions- und Risikobereitschaft

der lokalen Akteure angewiesen

3.3 Zur Ausgangssituation für den Tourismus im geplanten Großschutzgebiet

Elbtalaue

3.3.1 Entwicklung und Struktur der touristischen Nachfrage

Die Entwicklung und Struktur der touristischen Nachfrage läßt sich quantitativ nur für

den niedersächsischen Teil des Gebietes der Elbtalaue darstellen, da für die Gebiete

in den neuen Bundesländern eine diesbezügliche Erhebung erst für den Sommer

1994 geplant ist. Es ist jedoch von der Annahme auszugehen, daß sich die Struktur

der (künftigen) Nachfrage in dem Teil der Elbtalaue, der den neuen Bundesländern

zuzuordnen ist, nicht grundsätzlich von der im niedersächsischen Teilgebiet unterscheidet.

Entsprechend lassen sich folgende Aussagen zur Entwicklung und Struktur

der Nachfrage nach touristischen Leistungen im Gebiet des geplanten Großschutzgebiets

Elbtalaue treffen:

• Die Anzahl der Übernachtungen stieg zwischen 1985 und 1989 beständig an und

hat infolge der Grenzöffnung 1990-92 noch einmal einen Schub erfahren, ging jedoch

1992 um 5 % gegenüber dem Vorjahr zurück; nach offiziellen Angaben

(ohne "Schwarzvermietungen") belief sich die Anzahl der Übernachtungen 1992

auf ca. 600.000 für das niedersächsische Teilgebiet (BTE/ Futour 1994, 15 f) Andere

Angaben sprechen von einer Verdoppelung der Übernachtungen im Zeitraum

1975-1990 (Droß/ Drüche 1993).

• Räumlich konzentriert sich der Tourismus auf die Orte Gartow (30 %) und Hitzakker

(40 %), die zusammen annähernd 70 % der Übernachtungen bei einem Bettenanteil

von knapp 61 % zu verzeichnen haben.

• Überdurchschnittlich gut (gemessen an der Kapazitätsauslastung) war 1992 die

Entwicklung in Lüchow (143,9 Tage), während sie in Dannenberg am schlechtesten

war (vgl. Tabelle)

• Die durchschnittliche Verbleibdauer liegt bei 3,5 Tagen; dies spricht dafür, daß

die Region bevorzugt von Kurzurlaubern aufgesucht wird.

In Bezug auf die Nachfragestruktur werden folgende Aussagen getroffen:

• ein großer Teil der Gäste reist aus Hamburg und Berlin an,

• das Ruhrgebiet ist nach Hamburg und Berlin das drittwichtigste Herkunftsgebiet

der Gäste,

der Anteil an Gästen aus Süddeutschland ist dagegen bisher sehr gering,

• die Region wird v.a. für Wochenend-, Kurz- und Langzeiturlaube aufgesucht,

weniger für Tagesausflüge,


• viele Berliner und Hamburger besitzen in der Region Zweitwohnsitze oder belegen

Dauercampingplätze,

• im Gegensatz zum angeblichen Klischee der Region als "Billigreisegebiet" gehören

viele Gäste den mittleren und höheren Einkommensklassen an,

• weniger Familien mit Kindern, sondern eher erfolgreiche Angestellte und Freiberufler

sowie Rentner bilden die Hauptgästegruppen." (BTE/ Futour, 1994, S. 16)

Tabelle 51: Touristische Kennwerte im niedersächsischen Teilgebiet des Großschutzgebietes

Elbtalaue (Stand 1992)

Gemeinde Einwohner Anzahl

Betten

Camping-

Stellplätze

Gäste Übernachtungen

Betten-

Auslastung

in Tagen

189

Fremdenverkehrsintensität

Gartow 4.028 1.467 150 27.430 177.019 105,6 4394,7

Lüchow 18.361 676 k.A. 16.426 97.225 143,9 529,5

Dannenberg 13.724 721 100 20.722 80.213 81,7 584,5

Hitzacker 7.160 1.293 260 86.587 228.393 128,2 3189,8

Bleckede 8.562 343 164 14.935 61.382 131,4 716,9

Scharnebeck 11.270 k.A. k.A. k.A. k.A. k.A. k.A.

Neuhaus 6.250 39 0 k.A. k.A. k,A. k.A.

Quelle: BTE/Futour, 1994, S. 16

3.3.2 Nachfragepotentiale

Diese Entwicklung und Struktur der Nachfrage dürfte nicht zufällig sein. Folgende

Einflußfaktoren werden in der Literatur genannt:

• Innerdeutsche Grenze

• Image und Bekanntheitsgrad

• Erreichbarkeit

Die innerdeutsche Grenze zog auf westlicher Seite einen "Grenztourismus" nach

sich, während auf der östlichen Seite das Grenzgebiet Sperrgebiet war. Darüber

hinaus war die Region auf westlicher Seite eines der "Naherholungsgebiete" der

West-Berliner.

Die Auswirkungen der Grenzöffnung auf die Region lassen sich gegenwärtig noch

nicht endgültig abschätzen. Aus niedersächsischer Sicht zeichnen sich dem Bericht

von BTE zufolge folgende positive/ negative Entwicklungsmöglichkeiten ab:

• Positiv zu bewerten sei eine Vergrößerung des Ausflugsangebotes (z.B. Lenzener

Wische, Festung Dömitz, Burg Lenzen).

• Gleichzeitig entstehen auf ostelbischer Seite neue touristische Infrastrukturen,

wodurch sich die Konkurrenzsituation verschärft.

• Die Auswahlmöglichkeiten für die Naherholung der Berliner und Hamburger sind

größer geworden, und dies dürfte sich mittel- bis langfristig negativ auf die Nachfrageentwicklung

auswirken.

• Die innerdeutsche Grenze hat insbesondere für Tagesausflügler einen "Reiz"

ausgeübt ("einmal über die Elbe gucken"); dieser "Reiz" ist nun entfallen.


190

Im Hinblick auf die Frage des Images ist unbestritten, daß die Elbtalaue einen hohen

naturräumlichen Wert aufweist. Kontrovers diskutiert wird die Frage der touristischen

Eignung der Region (Image, Vermarktbarkeit). Hierzu werden im Zwischenbericht

von BTE/ Futour folgende Positionen präsentiert:

• "Aus 'norddeutscher Sicht' ist die wendländische Elbe als traditionelles Radfahr-,

Jugendgruppen-, und Kurzreisegebiet mit einer Reihe von positiven Images besetzt:

Die Elbtalaue ist als naturnahe Landschaft und durch die durch Gorleben

entstandene alternative Kulturszene bekannt.

• Aus der 'Entfernung' heraus wird dies etwas anders gesehen und mit einer gewissen

Berechtigung gefragt, wodurch sich die ländliche Region niedersächsisches

Elbufer eigentlich von anderen attraktiven ländlichen Regionen, z.B. der Nuthe-

Nieplitz-Niederung (Brandenburg), der Region Spreewald etc. unterscheidet. Der

geringe Anteil süddeutscher Gäste bestätigt den geringen Bekanntheitsgrad der

Region als attraktives Urlaubsgebiet außerhalb Norddeutschlands." (BTE/ Futour,

1994, S. 18)

Diese Kontroverse ist insoweit aufschlußreich, als damit auch die Grundfrage der

Positionierung der Region auf dem touristischen Markt angesprochen wird. Die

Grundfrage ist nämlich, welche Zielgruppen die touristischen Entscheidungsträger in

der Region mit ihrem touristischen Angebot gegenwärtig und künftig ansprechen

können, was sie dafür tun müßten, und mit welchen wirtschaftlichen Erfolgen sie

dann rechnen könnten.

Im Hinblick auf die Zielgruppen werden große Hoffnungen auf das Potential der

"Öko-Touristen" bzw. der umweltbewußten Reisenden gelegt. Ihre Anzahl wird je

nach methodischer Ausrichtung entsprechender Marktforschungsstudien auf 5-25 %

aller bundesdeutschen Reisenden geschätzt, ohne daß jedoch Näheres über ihre

Herkunft und Zielortwahl bekannt ist. 110 Mißt man dieses Potential an den vorhandenen

"sanft touristischen" Angeboten, die es als Gesamtkonzept noch kaum gibt,

liegt die Vermutung nahe, daß es ein noch nicht ausgeschöpftes Nachfragepotential

gibt. Andererseits besteht das Problem im Tourismus vor allen Dingen in der "Zahl".

"Ein Naturfreund auf dem Krottenkopf - welch schöne Vorstellung! Eine Gruppe von

zehn Naturfreunden am Piz Palü - warum nicht? Ein Haufen von 300 Naturfreunden

auf dem Weg zum Scheinberg (Ammengauer Alpen) - eine Katastrophe." 111

Dies bedeutet, daß insbesondere bei der Angebotsplanung für den Tourismus die

Zusammenhänge zwischen der Zahl der Touristen, Naturraumbelastung und sozialer

Verträglichkeit beachtet werden müssen. Gelingt es bei der Angebotsplanung,

die Anforderungen an die Umweltverträglichkeit zu beachten und sie in ein stimmiges

Marketingkonzept umzusetzen, dürfte das Gebiet der Elbtalaue durchaus Chancen

haben, am Nachfragepotential für Öko-Tourismus zu profitieren.

Dabei kann sich eine zielgruppengerechte Angebotsplanung für der Gebiet der Elbtalaue

auf folgende allgemeine Nachfrageentwicklungstendenzen stützen:

• Berliner und Hamburger haben die höchste Kurzreiseintensität aufzuweisen; die

geographische Mittellage der Region zwischen Hamburg und Berlin wird deshalb

zu Recht in den regionalen Tourismuskonzeptionen der Gebietskörperschaften

110 Zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den in Umfragen erhobenen Nachfragepotentialen vgl. Robinet, K. 1993, a.a.O.,

S. 40 ff.

111 Ruhesamen, 1992, S. 45, zit. nach Hopfenbeck/Zimmer, 1993, S. 52


(z.B. Lübtheen, Lenzen, Hagenow) als Standortvorteil hervorgehoben

(Opaschowski 1993).

191

• Die Reisenden werden zunehmend sensibler im Hinblick auf negative Auswirkungen

der Motorisierung; die relative (Auto-) Verkehrsarmut im Gebiet der Elbtalaue

ist deshalb als Stärke zu bewerten, auf die die Region aufbauen kann. Partielle

Engpässe - z.B. Elbuferstr. auf niedersächsischem Gebiet, keine Verkehrsberuhigung

der Innenstädte (Dannenberg, Hitzacker, Lenzen, Dömitz) sind jedoch abzumildern.

112

• Generell gibt es einen Trend zum "Erlebniskonsum", das emotionale Erlebnis wird

auch im Konsum gesucht. "Nur wandern", "Nur Radfahren" wird von vielen Touristen

als "langweilig" begriffen. Unabhängig davon, wie man diesen Trend bewertet:

Gerade naturorientierte Urlaubskonzeptionen und -angebote sollten sich dieser

Herausforderung stellen (beispielsweise durch "Naturerlebnisräume", in denen

um Verständnis für Naturschutzmaßnahmen geworben wird.)

• Der Urlaubsmarkt fächert sich immer stärker auf.

Diese Tendenz läßt sich nach Opaschowski (1993) an den sogenannten

"Reisepionieren" beobachten und ist Ergebnis einer zunehmenden Individualisierung.

Reisepioniere seien "Wegbereiter eines neuen Reisestils", die ihre eigenen

Vorstellungen von Reisen und Urlaubserleben entwickeln, und die vorläufig noch in

der Minderheit sind 113 . Bei den herausgestellten "Reisepioniertypen" sollen diejenogen

Gruppen besonders hervorgehoben werden, die sich gut für eine "sanfte" touristische,

zielgruppengerechten Fremdenverkehrskonzeption der Elbtalaue eignen:

• Kurzurlauber (immer häufiger, dafür kürzer); Großstädter mit Hochschulbildung,

kurz: die Gutverdienenden, die Reiseziele der kurzen und guten Wege bevorzugen

und Erlebnisse beim Einkaufsbummel oder beim Essen landestypischer

Spezialitäten suchen.

• "Ökotouristen" (immer auf der Suche "nach intakter Natur, sauberer Landschaft

und Feriengebieten mit kontrollierter Umweltqualität"); Ökotouristen sind nicht unbedingt

umweltbewußt, sondern ökotouristisch (Kanada, Australien als bevorzugte

Ziele). Es handelt sich um junge, berufstätige und gut verdienende Großstädter

mit Hochschulbildung.

• "Intervaller" (nicht jedes Jahr, "mal verreisen, mal zu Hause bleiben"); Hierzu gehören

vor allen Dingen Familien mit Kindern, die es sich aus finanziellen Gründen

nicht leisten können, jedes Jahr Urlaub zu machen. Ihre Anzahl nimmt in den

letzten Jahren zu 114 , und diese Gruppe stelle auch die genügsamste Urlaubsgruppe

dar: "Sie geben sich schon zufrieden, wenn sie ein Zimmer mit einer

schönen Aussicht haben und es für die Kinder einen Spielplatz in der Nähe gibt,

wenn sie sowohl fernsehen als auch wandern können".

112 BAT-Freizeitforschungsinstitut, Urlaub 90/91

113 vgl. auch Opaschowski, a.a.O., 1993, S. 160 ff.

114 Opaschowski betont, daß die durchschnittlichen Kosten einer 2-Wochen Reise bei DM 1300/pro Person liegen; ein vier

Personen-Arbeitnehmerhaushalt mit mittlerem Einkommen könne jedoch It. statistischem Bundesamt (1991) im Jahr nur DM

2044,- für den gesamten Familienurlaub ausgeben. Hieraus folge, daß für die Durchschnittsverdiener die jährliche Urlaubsreise

zu teuer geworden sei, und sie sich eigentlich nur alle zwei bis drei Jahre eine Urlaubsreise leisten können.

(Opaschoski, 1993, a.a.O. S.40). Dieser Befund steht nicht im Widerspruch zu den allgemeinen Tendenzen auf dem

Reisemarkt, denen zufolge der Reisemarkt zu den Wachstumsmärkten gehört, weist jedoch auf eine zunehmende soziale

Spaltung der Gesellschaft hin.


192

• "Nomaderi" (kurzer Aufenthalt an einem Ort und Weitereise); über ihre Herkunft,

ihren Familienstand und ihr Alter wird nichts ausgesagt, jedoch seien diese "die

eigentlich umwelt-und sozialverträglichen" Touristen; man "begnüge sich mit dem

Notwendigen, bescheide sich mit einer Kochgelegenheit, ist glücklich über vorhandene

Fahrradwege. Man ist durch das Lesen von Reiseführern gut über Land

und Leute informiert und sucht den direkten Kontakt zu den Einheimischen". Sie

würden sich am wohlsten in Skandinavien und in der Türkei fühlen.

3.3.3 Regionalwirtschaftliche Aspekte der Tourismusentwicklung - Modellberechnungen

Je nach methodischer Vorgehensweise wird der Anteil des Tourismus am Bruttosozialprodukt

der Bundesrepublik Deutschland auf zwischen 4,5 und 3 Prozent geschätzt.

Auf der Ebene der Gemeinden und Regionen können die touristischen Umsätze

10 bis 20 % der Wirtschaftskraft ausmachen. Eine weitere wichtige Kennziffer

stellt die Anzahl der Arbeitsplätze dar.

Zur Ermittlung der wirtschaftlichen Bedeutung im Gebiet des Elbetals bedarf es einer

Vielzahl von Informationen, die jedoch in der Regel lediglich auf der Ebene der

Landkreise und dies auch nur für die Landkreise in den alten Bundesländern zur

Verfügung stehen. Um dennoch Aussagen zur gegenwärtigen und möglichen künftigen

Bedeutung des Tourismus im Gebiet des Elebtals zu treffen, wurden auf der

Basis der Daten für den Landkreis Lüchow-Dannenberg Modellberechnungen angestellt.

Sie verfolgen den Zweck, Anhaltspunkte dahingehend zu geben, welche

Größenordnung der Tourismus im Gebiet der Elbetal vor allen Dingen auf dem Gebiet

der neuen Bundesländern einnehmen könnte. Diese Modellrechnungen orientieren

sich an den in einschlägigen Gutachten ermittelten Kennziffern und Berechnungsweisen

und gliedern sich in folgende Arbeitschritte 115 •

• Ermittlung und Berechnung des Nettoumsatzes,

• Berechnung der Wertschöpfung und des Einkommensbeitrags aus übernachtendem

Fremdenverkehr und Ausflugsverkehr, 116

• Berechnung des fremdenverkehrsabhängigen Einkommens bezogen auf die Gesamtwirtschaft

in einem Raum, 117

• Berechnung der potentiellen Arbeitsmarkteffekte. 118

Zur Interpretation der im folgenden präsentierten Berechnungen, die sich auf die

dem Landkreis Lüchow-Dannenberg zuzuordnenden Gemeinden Gartow, Lüchow,

Dannenberg und Hitzacker beziehen, ist anzumerken:

115 Zu verweisen ist hier insbesondere auf die Arbeiten des Deutschen Wirtschaftswisenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr

an der Unversität München (DWIF), u.a. Koch, A: (1985): Die Ausgaben für den Fremdenverkehr in der BRD sowie

Schriftreihe des DWIF, Heft 39 (1987): Die ökonomische Bedeutung des Ausflugs- und Geschäftsreiseverkehr und DWIF,

1989: Wirtschaftsfaktor Tourismus, erschienen beim Deutschen Reisebüro Verband, Frankfurt/Main,

116 Den Nettoumsatz multipliziert man mit der angenommenen Wertschöpfung (42 %) und dem Einkommensmultiplikator (1,7)

dividiert diese Summe durch die Anzahl der Einwohner eines Landkreises bzw. Region und erhält so den Einkommensbeitrag

aus übernachtendem Fremdenverkehr und Ausflugsverkehr.

117 Die im zweiten Arbeitschritt ermittelte Summe setzt man ins Verhältnis zum durchschnittlichen BIP/pro Einwohner und erhält

so den Anteil des fremdenverkehrsbedingten Einkommens an der Gesamtwirtschaft im Landkreis.

118 Zur Berechung der potentiell voll finanzierbaren Vollarbeitsplätze benötigt man Angaben zum Jahreseinkommen je Erwerbstätigen.

Den rechnerisch ermittelten Einkommensbeitrag aus dem Fremdenverkehr dividiert man nun durch das Jahreseinkommen

pro Beschäftigten und erhält somit die Anzahl der Arbeitsplätze. Diese setzt man ins Verhältnis zur Anzahl der SVpflichtig

Beschäftigten in einer Region, inkl. der Teilzeitbeschäftigten und erhält so den Arbeitsmarktanteil des Tourismus.


• Abgebildet werden die Struktureffekte des Tourismus

193

• Nicht abgebildet werden die vorübergehend auftretenden Effekte, die bei der Erstellung

einer touristischen Infrastruktur auftreten. Sie dürften in erster Linie der

Bauindustrie zugute kommen, während die Struktureffekte dem Gastgewerbe

(Beherbungsbetriebe und Gaststätten), in Teilen dem Handel, dem Handwerk

(Instandhaltung) und der Landwirtschaft (Vermarktung, Urlaub auf dem Bauernhof)

zugute kommen

• Bei vielen in die Berechnung eingegangenen Werten handelt es sich um begründete

Schätzwerte, da aktuellere Daten nicht zur Verfügung standen. Wir gehen

davon aus, daß wir eine vorsichtige Modeiiirechnung vorgelegt haben, da

"Schwarzvermietungen", die in Teilen im Bereich von Ferienwohnungen und Privatzimmern

auf bis zu 30 % geschätzt werden, nicht einbezogen wurden. Da andererseits

letztgenannte Unterkunftsarten aufgrund der niedrigeren Unterkunftspreise

ein geringeres Ausgabenniveau pro Person aufzuweisen haben,

dürften sich die Nichtberücksichtigung der "Schwarzvermietung" ausgleichen.

• Im Hinblick auf die ermittelte Anzahl von potentiell ausgelasteten Vollzeitarbeitsplätzen

ist zu berücksichtigen, daß die Anzahl der Teilzeitbeschäftigten

und die durch Nebenerwerb gesicherten Einkommen im Tourismus besonders

hoch sind, so daß diese Werte eher zu niedrig als zu hoch angesetzt sind.

Unter Berücksichtigung dieser einschränkenden Anmerkungen, haben wir für das

hier betrachtete Gebiet einen Einkommensanteil von 3,2 % und eine Anzahl der

theoretisch aus dem Tourismus finanzierten Arbeitsplätze in Höhe von rd 1.400 ermittelt.

Bezogen auf die Anzahl der SV-pflichtig Beschäftigten im Landkreis Lüchow-

Dannenberg (nach Arbeitsortprinzip) liegt der Anteil bei rund 11 %. Damit stellt der

Tourismus bereits heute einen gewichtigen Faktor im niedersächsischen Teil des

Elbetals dar.

Tabelle 52: Anzahl der Einwohner und Wirtschaftskraft der Landkreise im Gebiet

des Großschutzgebietes Elbtalaue

Anzahl der Ein- BIP/ pro Jahresein- Anzahl der Erwohner

Einwohner kommen je werbstätigen

31.12.1993 Beschäftigen 119

LK Lüchow- 50236 24140120 44573 121 12700

Dannenberg

LK Lüneburg 142655 29800 50.062 43442

LK-Prignitz 71255 122 o. A. o. A. 21933

LK- Hagenow 69066 o. A. o. A. 18764

LK- Ludwigslust 53322 o. A. o. A. 17045

LK Osterburg 420700 o. a. o. A. 0. A.

Quellen: Statistische Berichte und Fachserien der Statistischen Landesämter in den Bundesländern Mecklenburg-

Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Niedersachsen, Angaben zur Zahl der SV-pflichtig Beschäftigten jeweils

nach dem Arbeitsortprinzip, jeweils die aktuellsten im Frühjahr 94 verfügbaren Daten und eigene Berechnungen des IÖW

119 Zuordnung nach Arbeitsortprinzip

120 Gesamte Bruttowertschöpfung in 19901,1 Mrd DM; für die Berechung des BIP/EW (=BWS/EW) wird ein Inflator von 5%

für die Jahre 1991-1992 zugrundegelegt und die durch Multiolikation ermittelte Summe durch die Anzahl der Einwohner

(Spalte 2) geteilt.

121 Schätzung unter Zugrundelegung eines Inflators (5% 1990-1991, 2,5 % 1992) p.a. bezogen auf den Ausgangswert des

Jahres 1989, dem letzten statistisch verfügbaren Jahren im Wert von DM 39443/pro Beschäftigten

122 31.12.1992


194

Tabelle 53: Touristische Kennziffern für das Gebiet der Elbtalaue

Ort/Region Anzahl Betten Anzahl

Übernachtungen

LK Lüchow-

Dannenberg 1)

LK Lüneburg 2) 556 61382 (nur

LK Ludwiglust 3) 126

(Großprojekt

mit 3000 Betten

in Diskussion ;

konkrete Planung

für die

Errichtung eines

Hotels (bis

100 Betten) in

Jahresdurchschnittliche

Kapazitätsau

s-lastung

Anzahl

Tagesgäst

e

Campingstellplätze

Übernachtungen

4157 582850 38,4% 7) 100.000 510 150-

200.000

11)

44,0% 7) k.A. 82 25- 35.000

Bleckede)

11)

17476 70-80 % 8) 83.000

(1993)

geplant

60.000

/p.a.

(Festung

Dömitz)

355 70-

140.000

11)

Dömitz)

LK Hagenow 4) 74 10.800 9) 40% 9) k.A. -

LK Prignitz 5) 268

11493 11,7% 10) k.A. k.A. 6797

+ Elbtalklinik

226 Betten

(Großprojekt

"Akqua-Park"

mit 800 Bungalows

und 3000

Betten geplant

79488

LK Osterburg 6) 80 10.000 9) 40 % 9)

Quellen: BTE/Futour, 3/1994 S. 4 und S. 15;Ortsprospekte und Zimmernachweise in den einzelnen Regionen, Ergebnisse mündlicher

Befragungen und eigener Berechnungen

I) mit den Orten: Gartow, Lüchow,Dannenberg und Hitzacker

2} mit den Orten: Bleckede, Neuhaus, Scharnebeck

3) mit den Orten: Dömitz/Rüterberg/Neu-Kaliß/Altjabel/Heiddorf und Vielank

4) mit den Orten: Amt Vellahn, Amt Boizenburg Land, Boizenburg Stadt, Amt Lübtheen

5) mit den Orten: Stadt Wittenberge, Amt Lenzen, Bad-Wilsnack

6) mit den Orten: Seehausen und Werben

7) Rechnerischer Wert ermittelt aus Anzahl Betten * 365, dividiert durch Anzahl Übernachtungen

8) Gespräch Frau Ohlhöft, Fremdenverkehrsverband West- Mecklenburg, siehe auch Anmerkung 10)

9) Schätzungen auf Grundlagen eigener Berechungen und der Gespräche

10) Nach Angaben der Fremdenverkehrsverantwortlichen in der Region liegt die Auslastung jedoch real bei 70 -80 %. Sie wird im

wesentlichen durch den Geschäftsreiseverkehr bestimmt. Hauptnachfragegruppen sind Monteure und Bauarbeiter. Die Differenz

zwischen rechnerischer Auslastung und angegebener Auslastung kommt u.E. dadurch zustande, daß gerade bei Privatvermietern,

die das Angebot in den neuen Bundesländern prägen, ein "Schwarzvermietungsanteil" von bis zu 40 % zugrunde gelegt

werden muß.

II) Schätzungen auf der Basis 2-4 Belegungen pro Stellplatz * 100 Belegungstage/a


Tabelle 54: Abschätzung der wirtschaftlichen Effekte des Tourismus im Gebiet des

Lüchow-Dannenberger Teils des Gebiets des Elbetals

Anzahl Übernachtungen 582850

Ausgaben pro Übernachtungsgast/Tag DM133,-

Umsatz aus Übernachtungstourismus DM77.519.050,-

Anzahl Tagesgäste 100 000

Ausgaben pro Tagesgast DM33,70

Umsatz aus Tagestourismus DM3.370.000,-

Anzahl Campingübernachtungen 150-200.000

Ausgaben pro Camper/Tag DM45,23

Umsatz aus Campingtourismus DM6.784.500,-

Umsatz aus Übemachtungs- und Tagestourismus

= Nettoumsatz

Einkommensbeitrag bei einer Wertschöpfungsquote

von 42 %

Wertschöpfung multipliziert mit dem Einkommensmultiplikator

(1,7)

durchschnittlicher Einkommensbeitrag je Einwohner

(43.273 EW in den zum Elbetal gehörenden

Gemeinden)

Anteil der FV-abhängigen Einkommen am Jahreseinkommen/je

Beschäftigten (DM 44.573)

Anzahl der fremdenverkehrsabhängigen Vollzeitarbeitsplätze

(gesamte Wertschöpfung: Jahreseinkommen

je Beschäftigten)

DM87.673.550

DM36.882.891

DM62.598.915

DM 1.446,-/EW/a

3,2 %

1.404 Vollzeitarbeitsplätze

Quelle: Modellrechnungen nach Angaben des DWIF (1985,1987) und BTE 1989 sowie BTE/ Futour 1994, eigene

Erhebungen, Schätzungen und Berechnungen

195

1400 Arbeitsplätze gegenwärtig auf niedersächsischem Gebiet, bzw. ein Anteil von

11 % bezogen auf die Anzahl der SV-pflichtigen Beschäftigten im LK Lüchow-

Dannenberg zeigen u.E., daß einerseits der Tourismus zu einem wichtigen Standbein

der regionalwirtschaftlichen Entwicklung geworden ist, andererseits jedoch die

regionalwirtschaftlichen Effekte nicht überschätzt werden dürfen. Der Tourismus

kann immer nur ein Baustein sein und sollte (nicht zuletzt auch aus Umwelt- und

Naturschutzgründen) nicht zum dominierenden Wirtschaftszweig werden. Bei den

errechneten Werten für den LK Lüchow-Dannenberg ist zu bedenken, daß der 1992

erreichte Stand Ergebnis einer beinahe 30-jährigen Entwicklungsgeschichte ländlichen

Strukturwandels ist, der mit erheblichen öffentlichen Fördermitteln vorangetrieben

wurde.

3.3.4 Struktur des touristischen Angebotes

Bei der Beschreibung der Struktur des touristischen Angebotes gilt es zwischen dem

niedersächsischen Teilgebiet (inkl. Amt Neuhaus) und den ostelbischen Teilgebieten

(ohne Amt Neuhaus) zu unterscheiden.

3.3.4.1 Niedersächsisches Teilgebiet

Für das niedersächsische Teilgebiet wurde von BTE/ Futour folgendes Stärken-

Schwächen-Profil ausgewiesen:


196

Abbildung 20: Stärken und Schwächen des touristischen Angebotes

Gastronomie und Beherberung

touristische Infrastruktur

Stärken Schwächen

hochwertige gastronomische Angebote

mit gutem Preis-

Leistungsverhältnis,

breites Angebot an Übernach-

tungsmöglichkeiten

gute Erschließung der Landschaft

durch Wander-, Reit- und Radwege

Service Fülle an Informationsmaterial und

Veranstaltungen für kultur- und

naturinteressierte Gäste

Kultur viele siedlungshistorische Denkmäler

sind gut erhalten

mehrere Kulturveranstaltungen mit

überregionaler Bedeutung

Verkehr keine Beeinträchtigungen durch

Hauptverkehrsachsen

Ortsbild attraktive Ortskerne

guterhaltene Rundlinge

Landschaftsbild abwechslungsreiche Landschaft

einmalige Flußlandschaft

Quelle: BTE/ Futour, 1994, S. 9

3.3.4.2 Osteibisches Teilgebiet

teilweise teure Standardküche

Gaststättensterben in kleineren Gemeinden

teilweise "biedere" Einrichtung der

Gaststätten und Gästezimmer

Streulage der Angebote macht Nutzung

unattraktiv

Übersicht über herausragende Veranstaltungen

geht verloren

kaum Angebote für Kinderbetreuung

Veranstaltungen der "alternativen"

Kultur werden nur wenig gefördert

Kulturprogramm ist nicht langfristig

gesichert

schlechte Erreichbarkeit über Straße

(ÖPNV, Pkw) und über Schiene

Beeinträchtigungen durch Durchgangsverkehr

und städtebauliche

"Sünden"

in wenigen Teilbereichen monotone

Forste und ausgeräumte Agrarlandschaften

Das folgende Stärken-Schwächen-Profil beruht auf den Gesprächen mit Fremdenverkehrsverantwortlichen

und den Ortsbereisungen im April und Mai 1994.

Grundsätzlich ist davon auszugehen, daß aufgrund der besonderen historischen

Bedingungen ein touristisches Angebot so gut wie nicht existent ist. Ausnahmen bilden

das Gebiet um Bad Wilsnack (Elbtalklinik - Kurtourismus); der Rudower See mit

seinem Campingplatz und die Festung Dömitz als Ziel von Tagesbesuchern. Die

touristisch nutzbaren Angebote - insbesondere Beherbergungskapazitäten - befinden

sich gegenwärtig vorwiegend auf dem niedersächsischen Teilgebiet.

Beherbergung

In den ostelbisch gelegenen Gebieten liegt das Bettenangebot gegenwärtig bei ca.

12 % des niedersächsischen Bettenangebotes (insgesamt 548 Betten gegenüber

4713 Betten). Die Kapazitätsauslastung wird von den Fremdenverkehrsverantwortlichen

mit bis zu 80 % angegeben, was in erster Linie damit begründet

wird, daß der Geschäftsreiseverkehr (z.B. Monteure) die Nachfragestruktur dominiert.

Dieser Nachfrageüberhang führt zu einem äußerst ungünstigen Preis-

Leistungsangebot. Während auf niedersächsischer Seite eine Übernachtung pro

Person im Durchschnitt bei ca. 40,- bis 50,- DM/ Nacht in Hotels und Pensionen

liegt, muß auf der gegenüberliegenden Seite der Elbe mit einem durchschnittlichen

Preisniveau von DM 60,-/ Person u. Nacht gerechnet werden. Der Komfort ist jedoch

im Regelfall nicht vergleichbar mit dem auf westlicher Seite.


197

Neu entstehende Beherbergungskapazitäten im Bereich Hotelunterkunft (in den

letzten vier Jahren entstanden ca. 150 Betten durch Neubauten; bzw. stehen kurz

vor der Realisierung) müssen aufgrund der Finanzierungskonditionen (hoher Anteil

an Fremdkapital) zu einem Preis von ca. DM 80 -100,-/ Person u. Nacht angeboten

werden.

Damit gerät die Region jedoch in eine Preiszone, die als überdurchschnittlich gekennzeichnet

werden muß. Da andererseits durch ökologisch ausgerichtete Angebote

insbesondere gut bis überdurchschnittlich verdienende Reisende angesprochen

werden, besteht die Chance, durch ein stimmiges regionales und betriebliches Umweltmanagement

im Gebiet des geplanten Großschutzgebietes hier auch ein wirtschaftlich

tragfähiges Konzept des "sanften Tourismus" zu entwickeln und umzusetzen.

Eine Chance besteht auch, sich im Bereich des Campingtourismus zu profilieren.

Campingplätze werden häufig von Familien und jungen Menschen frequentiert. Beispiele

aus dem Ausland (Schweden) zeigen, daß es möglich ist, gerade diesen - für

die Region anvisierten - Zielgruppen herausragende Angebote auch für Schlechtwettertage

zu machen. Der Trend, demzufolge in den alten Bundesländern immer

mehr Campingplätze als Anlagen für Dauercamper angelegt werden und Zeltgäste

und Durchreisende kaum Platz finden, könnte eine Chance für die neuen Bundesländer

darstellen, sich gerade auf diesem Gebiet positiv abzuheben, indem ansprechend

gestaltete Schlechtwetter-Aufenthaltsangebote unterbreitet werden

(Zielgruppe "Nomaden" und "Intervaller").

Hierzu ist es erforderlich, vorhandene Campingplätze aufzuwerten. Kleinere naturnahe

Zelt- und Rastplätze sind entlang der Wasserwege (z.B. Elbe-Müritz-Kanal,

Rudowersee) unter Beachtung der Erkenntnisse eines umweltverträglichen Campingplatzbetriebes

anzulegen. Insbesondere sind Entsorgungsanlagen für die teilweise

hochgiftigen Toilettenabwässer aus Wohnmobilen und Campingwagen bereitzustellen.

Gegenwärtig nur schlecht beurteilen läßt sich die Frage, inwieweit "Urlaub auf dem

Bauernhof als Familienurlaubsform - als zusätzliches Standbein für landwirtschaftliche

Betriebe - eine Realisierungschance in den östlichen Teilgebieten

hat. Dazu sind die Ausgangsbedingungen zu unterschiedlich (LPG-Struktur, "Agrarfabriken"

im Osten, siehe Teil Landwirtschaft). Nur eine kleinräumig angelegte Analyse

könnte hier die Angebotspotentiale aufzeigen. Dies war im Rahmen des Gutachtens

nicht möglich. Die Verknüpfung zwischen Tourismus und Landwirtschaft

dürfte möglicherweise eher darin zu sehen sein, daß die landwirtschaftlichen Betriebe

ihre Produkte verstärkt an die gastronomischen Einrichtungen der Region vermarkten

und über diesen Weg die regionale Wertschöpfung erhöht wird (siehe auch

nachfolgende Ausführungen).

Gastronomie

In den alten Bundesländern gibt es einen Trend zum "gesunden/ vollwertigen" Essen.

Touristen suchen vor allen Dingen das "Besondere", das "regionaltypische Angebot".

Das gastronomische Angebot zeichnet sich jedoch durch eine gewisse

"Phantasielosigkeit" ("viel Fleisch, wenig Frisches") aus. Es handelt sich vielfach um

Standardangebote. Der Bezug zur Elbe fehlt völlig, obwohl sich viele Lokale mit

"Elbtalblick", "Elbeblick" etc. bezeichnen. Vielfach sind die Lokale noch nicht hinreichend

modernisiert. Andererseits darf auch nicht verschwiegen werden, daß die


198

Anforderungen, die der Tourismus stellt, vielfach nicht kompatibel sind mit dem finanziellen

Leistungsvermögen der Betriebsinhaber/innen. Viele der Betriebsinhaber/innen

bedienen nicht nur Touristen, sondern - sofern es sich um eine Dorfgaststätte

handelt - müssen sich auch auf die Einheimischen einstellen. Tourismus ist

ein Saisongeschäft; die Dorfschänke ist jedoch nicht selten Dorftreffpunkt. Frische

Lebensmittel zu einem vertretbaren Preis lassen sich nicht vorrätig halten, wenn die

Nachfrage eher gering ist. Dieser Zielkonflikt läßt sich nicht einfach aufheben, hier

muß in Gesprächen nach Lösungen mit den Gastronom/innen gesucht werden (z.B.

Gemeinschaftseinkauf u. Vorratshaltung).

Insgesamt gilt es, das gastronomische Angebot entsprechend den Anforderungen

einer umweltbewußten und marktgerechten Betriebsführung (mit den bereits genannten

Anforderungen an Energiesparmaßnahmen, Abfallvermeidung, Wasserverbrauch-

und Abwasserbelastungs-Minderung) auszurichten. Geeignete Instrumente

sind hier Betriebsberatungen, Wettbewerbe und Qualifizierungsmaßnahmen. Darüber

hinaus ist an einen Gesprächskreis "umweltbewußte Gastronomie im Elbetal"

zu denken. Als Initiatoren können die Fremdenverkehrsverbände, sowie die regionalen

Gliederungen der Standesvertretungen (DEHOGA, Bauernverband) auftreten.

Auch eine externe Projektgruppe (Stichwort "Regionalentwicklung über humankapitalintensive

Förderungsmaßnahmen") kommt als Initiator für solche Konzeptionen in

Frage.

Touristische Infrastruktur

Unter touristischen Infrastrukturen sind eine Vielzahl unterschiedlicher ortsfester

Einrichtungen zu verstehen:

• Wander-, Reit- u. Radwege

• Häfen, Bootsanlegestellen, Rastplätze

• Hallenbäder

• Tennisplätze

• Mountainbikebahnen u.a.m.

In Hinblick auf solche Infrastrukturen läßt sich die Region auf der östlichen Seite

bislang weitgehend als "weißer Fleck" bezeichnen. In den letzten vier Jahren wurde

jedoch insbesondere das Wegenetz ausgebaut, wurden Fahrrad- und Wasserwanderwegekarten

herausgegeben. Kritisch ist allerdings zu bemerken, daß jede Region/

Gebietskörperschaft für sich plant und kaum Informationen über die Aktivitäten

der Nachbargemeinden vorliegen. Die unzureichende "Vernetzung" der Region ist

verglichen mit den Nachfrage-Entwicklungstendenzen (Stichwort "Reisepioniere,

Nomaden") jedoch nicht hilfreich, weil sich beispielsweise Radfernwanderer Regionen

und nicht nur einzelne Orte als Ziel aussuchen.

Unzureichende Vernetzung weist auch die Planung für den Wassersport auf. Es

liegt eine "unverbindliche Rahmenrichtlinie möglicher Standorte wassersportlicher

Einrichtungen unter Berücksichtigung des Naturschutzes im Elbetal zwischen Quitzöbel

und Sassendorf' als Untersuchungsergebnis des Arbeitskreises 'Wassersport/

Naturschutz" im Elbetal aus dem Jahre 1991 vor. Diese hat jedoch keine Rechtswirkung.


199

Aktuell besonders umstritten und in der genannten Rahmenrichtlinie als strittig ausgewiesen

ist der Standort Gorleben. Hier plant die Gemeinde Gorleben (nach Informationen

der BUND-Kreisgruppe Lüchow-Dannenberg) mit finanzieller Unterstützung

aus dem Strukturfond der EG die Anlage eines Sportboothafens, obgleich Lenzen

oder Dömitz besser geeignete Standorte wären.

Das Gebiet der Elbtalaue weist von seinen naturräumlichen Voraussetzungen darauf

hin, daß es sich eher für den Sommerurlaub eignet. Saisonverlängernde Maßnahmen

wie der Bau wetterunabhängiger Einrichtungen wie Hallenbäder/ Sporthallen/

Sauna etc. dürften vorläufig aus finanziellen Gründen nicht auf der Prioritätenliste

der Gebietskörperschaften stehen. Andererseits ist festzustellen, daß Hinweise auf

benachbarte Einrichtungen, wie z.B. Wendland-Therme (Gartow) in den Prospekten

fehlen. Auch ist besonders kritisch einzuwenden, daß die vorhandenen Einrichtungen

nicht an das ÖPNV-Netz, angeschlossen sind.

Eine Möglichkeit, wetterunabhängige Einrichtungen wie Hallenbäder/ Sauna in den

ostelbischen Teilgebieten zu schaffen, besteht darin, in Verhandlungen mit potentiellen

Investoren darauf einzuwirken, daß solche Einrichtungen bei Hotelneubauten

und -ausbauten für die Allgemeinheit gegen Eintrittsgelder geöffnet werden. Dies

dürfte auch die ökologisch günstigere Lösung sein.

Altgemeine Infrastruktur

Die allgemeinen Infrastrukturdefizite auf dem Gebiet der neuen Bundesländer sind

bekannt. Für den Tourismus jedoch besonders problematisch stellt sich das (auch in

den fünf Jahren deutscher Einheit noch nicht bewältigte) Fehlen von Telefonleitungen

dar. In weiteren regionalpolitischen Überlegungen ist dem Aspekt des Anschlusses

der Region an die moderne Informations- und Kommunikations-Technik

auch im Hinblick auf neuartige touristische Dienstleistungen ein besonderer Augenmerk

zu schenken. Beispielsweise zeichnen sich auf dem niedersächsischen Teilgebiet

Kapazitätsüberhänge bei den Beherbergungsangeboten ab, während es auf

dem Gebiet der neuen Bundesländer ausgesprochene Angebotsengpässe gibt. Wer

jedoch z.B. nach einem Tagesbesuch der Festung in Dömitz steht und eine Unterkunft

sucht, erfährt nicht ohne weiteres, daß auf der anderen Elbseite in Dannenberg

noch Unterkunftskapazitäten bereitstehen. Über ein elektronisches benutzerfreundliches

Abfragesystem (beispielsweise installiert in Eingangsbereichen von

Banken/ Sparkassen) ließe sich dieses Problem jedoch lösen. Wichtig sind solche

Einrichtungen auch deshalb, weil die durch Werbung/ Marketing induzierte Nachfrage

u.U. zeitlich nicht Schritt hält mit dem Aufbau entsprechender Beherbergungskapazitäten

in den östlich gelegenen Teilgebieten des Großschutzgebietes.

Verkehr (ÖPNV)

Touristen werden zunehmend sensibel für durch die Motorisierung bewirkte Lärmund

Luftbeeinträchtigung. Bislang zeichnet sich das Großschutzgebiet noch durch

eine relative Verkehrsarmut aus, was im wesentlichen darin begründet liegt, daß ein

Anschluß an das Bundesautobahnnetz fehlt. Ein Anschluß an das IC-Netz besteht

zwar über Stendal sowie Wittenberge. Insgesamt zeichnet sich die Region jedoch

durch den Standortnachteil schlechte Erreichbarkeit aus. Der Öffentliche Personenverkehr

muß als außerordentlich schlecht - auch im Vergleich zu anderen ländlichen

Räumen (z.B. Nordfriesland) - gekennzeichnet werden. Willkürlich herausgegriffene


200

Beispiele zeigen auch die schlechte innere Erschließung der Region mit öffentlichen

Verkehrsmitteln:

• Beispielsweise kommt der letzte Zug aus Lüneburg um 18.35 Uhr in Dannenberg

an. Der Bahnhof liegt jedoch, wie viele Bahnhöfe der Strecke Lüneburg-

Dannenberg, außerhalb des Ortes. Ein Anschluß mit dem Bus in den Ort ist häufig

nicht gegeben.

• Um von Dömitz nach Dannenberg zu kommen, benötigt man in der Regel ein Taxi,

da die Busse nur außerordentlich selten fahren und auch hier keine Abstimmung

mit dem Zugfahrplan der Strecke Ludwigslust-Dömitz (2-Stunden-Takt) besteht.

• Wer am Samstag beispielsweise von Dannenberg mit öffentlichen Verkehrsmitteln

die Wendland-Therme in Gartow besuchen möchte, kommt wohl gegen 13.00

hin - nicht jedoch mit dem Bus am selben Tag wieder zurück!

• Ein Ausflugsverkehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln (z.B. Dömitz-Rühstedt)

scheitert bereits an den fehlenden Verbindungen, ganz zu schweigen von Möglichkeiten

der Fahrradmitnahme.

Wenn bedacht wird, daß in Großstädten wie Hamburg ca. 37 % aller Haushalte ohne

PKW leben und gleichzeitig die Ballungsräume Hamburg und Berlin die wichtigsten

Herkunftsgebiete für Kurzreisende im Gebiet der Elbtalaue sind, läßt sich ein

Eindruck vermitteln, welches Nachfragepotential ein sanftes Tourismuskonzept, welches

auch auf die Bedürfnisse autoloser Urlaubsgäste zugeschnitten wird, erschließen

könnte. In diesem Zusammenhang ist auch darauf zu verweisen, daß die

Schließung von Streckenlücken - z.B. Uelzen-Salzwedel - und die Verlängerung der

Strecke Dannenberg-Dömitz-Ludwigslust erhebliche Vorteile mit sich brächte.

Ortsbifd/ Siedlungsstrukturen

Wie überall in den neuen Bundesländern wurde die Orts- und Stadtteilgestaltung

erheblich vernachlässigt, während sich gleichzeitig dörfliche Strukturen erhalten haben,

die Seltenheitswert besitzen. Charakteristisch sind beispielsweise

• Rundlinge

• Wurtendörfer

• Marschhufendörfer

• Elbdeichdörfer

Im Zuge von Dorferneuerungsmaßnahmen bietet es sich an, Unterkunftskapazitäten

im Zuge der Erneuerung und des Erhalts regionaltypischer Bausubstanz zu sichern.

Fördernd für solche Verknüpfungen von Sanierungs- und Aufbaumaßnahmen könnte

beispielsweise die Kombination von Dorferneuerungs- und Fremdenverkehrs-

Fördermitteln wirken. 123 Gleichzeitig könnten hiermit Grundsteine für eine regionaltypische

Qualifizierung gelegt werden (Sanierung von Altbausubstanz, für die bislang

polnische Bauarbeiter einen Wettbewerbsvorteil aufweisen).

123 Eine Untersuchung geeigneter Fördermöglichkeiten war im Rahmen dieser Untersuchung nicht möglich; auch lassen sich

keine allgemeinen Aussagen zum Investitionsautwand treffen. Der Investitionsaufwand dürfte vom Zustand der Gebäude und

von der Verfügbarkeit der Gebäude und Grundstücke (Stichwort: ungeklärte Eigentumsverhältnisse) abhängig sein.


201

Der Erhalt der für die Region typischen Ortsbild- und Siedlungsstrukturen kann in

einem später zu realisierenden Schritt einen wichtigen Baustein für "Paketangebote"

bilden. So könnte man daran denken, Fahrrad- und Reitwandertouren von Rundlingsdorf

zu Rundlingsdorf anzubieten und in den Dörfern originelle Unterkunftsangebote

bereitstellen (Vorbild: "Heuhotels" in Niedersachsen - so im Elbetal:

"Übernachten in Rundlingsdörfern").

Landschaftsbild

Sowohl auf westlicher wie auch auf östlicher Seite ist dieser Angebotsfaktor die herausragende

Stärke. Jedoch zeigen entsprechende Überlegungen, daß mit "Natur

pur" allein noch kein Nachfragepotential erschlossen werden kann.

"Ziel des Tourismus im Elbtalgebiet müßte es sein, die Natur in der jetzigen Form als

Kulturlandschaft den künftigen Generationen als Betriebskapital zu hinterlassen"

(Hopfenbeck/ Zimmer 1993, 92). Hierzu bedarf es vor allen Dingen auch der Anwendung

geeigneter raumordnender- und landschaftsplanerischer Instrumente und

eine gebietskörperschaft- und bundesländerübergreifende Planung, sowie des

Schaffens von Instrumenten des Interessenausgleichs. Eine Großschutzgebietsausweisung

(als System unterschiedlicher Schutzgebietstypen, wie sie in Punkt D-1-

1 beschrieben wurden) ist hier ein geeigneter Schritt, um dem Ziel eines nachhaltigen

Tourismus entgegenzukommen.

KulturI Erlebnisangebote

Unter Kultur sind unterschiedliche Sachverhalte zu verstehen, ein einheitlicher Kulturbegriff

existiert bislang nicht. In einer Arbeit über den Landkreis Lüchow-

Dannenberg^ wird zwischen folgenden Kulturformen unterschieden:

• Traditionelle Kultur (Vereinswesen, Schützenvereine, Musik- u. Trachtengruppen,

Heimatpflegevereine, Rundlingsverein),

• Neue ländliche Kultur (Künstlerszene),

• Außerschulisches Bildungswesen (Tagungshäuser, Heimvolkshochschule),

• Neue Partizipationsformen,

• Neue Formen der Erfüllung von Verkehrsbedürfnissen (Mitfahrinitiative: "Steig zu

- komm mit!"),

• Zusammenschluß von Landwirten zu Erzeugergemeinschaften (Wendlandkooperative,

Erzeugerinnen-Verbraucher-Genossenschaften),

• Frauenhäuser, Frauenbewegung (neue Frauenbewegung),

• Landfrauenbewegung.

Insbesondere die für einen peripheren Landkreis herausragenden künstlerischen

Angebote - hinzuweisen ist beispielsweise auf die von einem sogenannten

"alternativen" Trägerkreis getragene "Aktion Wunde(r)punkte" - hat im Landkreis

Lüchow-Dannenberg zunächst lokale Ablehnung hervorgerufen, wird jedoch zunehmend

als ein den Tourismus förderndes Element angesehen.

124 Vgl. Droste, Michael, Drücker, Ansgar, a.a.O., S. 175 ff.


202

Unter dem Gesichtspunkt, touristische Angebotskulturen zu beschreiben, werden

insbesondere solche Angebote hervorgehoben, die überregionale Ausstrahlung

besitzen. Zu nennen sind hier beispielsweise:

• Prignitzer Sommer - eine Serie von Konzertveranstaltungen an unterschiedlichen

Orten,

• Konzerte auf der Plattenburg (Amtsbezirk Bad Wilsnack),

• Künstlertreffen.

Abgerundet werden solche Angebote durch Führungskonzepte und "Themenradeln",

wobei hier insbesondere die westelbischen Fremdenverkehrs-Gemeinden aktiv sind.

Auf den ostelbisch gelegenen Teilgebieten des Großschutzgebietes gibt es hingegen

noch große Defizite.

Auffällig ist, daß das die Region eigentlich polarisierende Thema (die unterschiedliche

Entwicklung und die unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen für die Regionalentwicklung

und den Tourismus) ausgespart bleibt. Während sich beispielsweise

aus dem Widerstand gegen die geplante Wiederaufbereitungsanlage Gorleben

eine sog. "alternative Kulturszene" entwickelt hat (Workshops, Aktion Wunde(r)punkte,

Ausstellungen im freien Landschaftsraum), die insbesondere die Touristen

aus den Großstädten anspricht, findet sich eine entsprechende kreative Auseinandersetzung

mit den durch die Grenzöffnung bewirkten Strukturveränderungen

nicht. Stattdessen wird in den Prospekten auf eine "Urlaubsidylle" - Radfahren,

Wasserwandern, Reiten - verwiesen, die sich aufgrund fehlender Basiskomponenten

im touristischen Angebot kurzfristig nicht umsetzen läßt.

Eine Ausnahme bildet allenfalls die sogenannte "Dorfrepublik Rüterberg"; ca. 15 km

nördlich von Dömitz gelegen, in der man in der Dorfgaststätte und durch Besuch

beim Dorfchronisten Herrn Rasenberger Wissenwertes erfährt, welches zum Verständnis

dieses Raumes erheblich beitragen kann. 125 Zu überlegen ist, wie man

die herausragende Besonderheit des Großschutzgebietes - seine ehemalige

Grenzlage und die hieraus resultierende sozio-kulturelle Spannung zwischen Ostund

West - zum Ausgangspunkt eines kulturpolitischen Konzeptes macht, welches

insbesondere kulturell-politisch interessierte Großstädter ansprechen soll.

Image/ Marketing

Das geplante Großschutzgebiet Elbtalaue ist bislang, sozio-ökonomisch betrachtet

eine Fiktion. Es handelt sich auch in der Wahrnehmung der politisch-administrativen

Instanzen nicht um einen einheitlichen Raum . Andererseits suchen Touristen [und

hier insbesondere die von Opaschowski so bezeichneten Reisepioniergruppe

"Nomaden" (vgl D-4.3.3)] sich Regionen und nicht Orte als Reiseziel aus. Man fährt

beispielsweise in den Naturpark Altmühltal oder macht eine Donau-

Radwanderertour und fährt nicht nach Eichstätt. Hieraus ist zu schließen, daß es

eines einheitlichen "Markennamens" bedarf, um die Region auf dem Tourismusmarkt

bekannt zu machen. Des weiteren ist aus der Reisemarktforschung bekannt, daß die

Reisezielwahl häufig weniger abhängig ist von den tatsächlich vorhandenen Quali-

125 An dieser Stelle sei auch noch einmal Herrn Rasenberger gedankt, der sich an einem Sonntagnachmittag die Zeit nahm, uns

die Geschichte dieses ehemaligen "Gefängnisses mit Passierschein" näher zu bringen und uns damit auch Einblicke in die

sozio-ökonomische Situation des ehemaligen Sperrgebietes ermöglichte, die ohne dieses Erlebnis sicherlich nicht so einfach

erschlossen worden wären.


203

tätsmerkmalen einer Region als vielmehr von dem Image, das eine Region genießt.

Für neu auf dem Tourismusmarkt zu positionierenden Gebieten gilt es deshalb zunächst

einmal Images aufzubauen. 126

Im Hinblick auf die "Produktentwicklung" liegen bereits einige Vorstellungen in der

Region selber, bezogen auf einzelne Teilräume, vor. Zu nennen sind hier: das Marketingkonzept

des Landkreises Lüchow-Dannenberg, das durch das Land Brandenburg

prämierte Modellprojekt "Zwischen Elbfähre und Hünengrab (Amt Lenzen), das

Konzept "das grüne Band" (Kultur- und Fremdenverkehrsverein Bad Wilsnack), das

Tourismuskonzept für die Landkreise Ludwigslust und Hagenow der Wirtschaftsförderungsgesellschaft

Borken sowie Leitlinien zur touristischen Entwicklung der Stadt

Lübtheen.

Wie unschwer zu erkennen beziehen sich die Konzepte jeweils auf einen Teilraum.

Ein Gesamtkonzept besteht bislang ebenso wenig, wie eine bundesländerübergreifende

Planung und Abstimmung, die mit den naturschutzfachlichen Vorstellungen

zum geplanten Großschutzgebiet Elbtalaue abgeglichen wäre. Dies schlägt sich

selbstverständlich auch in den Werbematerialien nieder, die jeweils nur für den Teilraum

vorliegen. Beworben wird das Gebiet unter folgenden "Markenzeichen":

• Naturpark Elbufer-Drawehn/ Niedersachsen mit Amt Neuhaus),

• Westprignitz ("Da wo die Havel in die Elbe fließt")/ Brandenburg,

• Landkreis Osterburg/ Altmark (Die Altmark - mittendrin, Landschaft und Geschichte

entdecken)/ Sachsen-Anhalt,

• Mecklenburgs Westen - ursprüngliche Vielfalt (Schweriner Land, West-

Mecklenburg)/ Mecklenburg-Vorpommern.

Das Image mit dem sich die Region mit ihren vier Teilräumen auf dem Tourismarkt

positionieren will, ist das eines naturbelassenen und kulturell vielfältigen Raumes .

Dies entspricht auch dem Potential des Raumes mit dem Flußraum Elbe und den

vielen regionaltypischen Dörfern und Kleinstädten sowie einem auf westlicher Seite

gut ausgebauten Wegenetz für Radfahren und Reiten.

Was jedoch fehlt ist ein Gesamtüberblick über den Raum, mit dem sich insbesondere

Gäste aus den süddeutschen Regionen oder gar Ausländerinnen einen Eindruck

von der Vielfältigkeit verschaffen könnten. Zu überlegen wäre deshalb, ob es gelingen

kann einen einheitlichen Slogan zu generieren, unter dem Gebietskörperschaften

ihr Gebiet bewerben. Dies setzt jedoch voraus, daß ein Prozeß in Gang gesetzt

wird, der es erlaubt eine gemeinsame Sichtweise im Hinblick auf die Ausgangslage

und die angestrebten Ziele sowie die dazu gehörigen Maßnahmen zu entwickeln.

Diesen Prozeß wollen wir als "Binnenmarketing" bezeichnen. Ein geeignetes Instrument,

um den Prozeß des Binnenmarketing zu befördern, ist das einer bundesländer-

und kreisgrenzenüberschreitenden Regionalkonferenz, aus der sich Arbeitskreise

entwickeln könnten, die die Verantwortung für die Umsetzung der gemeinsam

entwickelten regionalwirtschaftlichen Vorstellungen übernehmen.

123 Zur Bedeutung von Images vgl. auch Wellhoener, Barbara: Das Image von Reisezielen - eine Studie zum Schwerpunktthema

der Reiseanalyse 1990 des Studienkreises für Tourismus, Starnberg 1992


204

3.4 Ausblick - Perspektiven für den Tourismus im Bereich des geplanten

Großschutzgebietes und erste Maßnahmenvorschläge

Es hat sich gezeigt, daß im geplanten Großschutzgebiet Elbtalaue zwei unterschiedlich

strukturierte Ausgangssituationen vorfindbar sind, die es möglicherweise

erschweren, eine einheitliche, dem Naturraum angepaßte Nutzungsstrategie zu

entwickeln. Darüber hinaus wurde deutlich, daß die durch Tourismus erzielbaren

Effekte, sich - ohne nachhaltige Naturraumbeeinträchtigungen - auf annähernd 10

bis 12 % aller Arbeitsplätze im Raum belaufen können. Damit nimmt der Tourismus

einen wichtigen, wenngleich nicht dominierenden Stellenwert im Untersuchungsgebiet

ein.

Die Entwicklung eines leistungsfähigen und dem Naturraum angepaßten Tourismus

dürfte nach unserer Einschätzung, durch die Ausweisung eines Großschutzgebietes

Elbtalaue positiv beeinflußt werden. Die Ausweisung eines Großschutzgebietes

setzt jedoch voraus, daß Eingriffe in den Wasserhaushalt durch wasserbauliche

Maßnahmen ebenso unterlassen werden, wie die Etablierung flächen-,

(autoverkehrs-) und energieintensiver Freizeitgroßprojekte. Darüber haben hinaus

haben die empirisch gestützten Überlegungen gezeigt, daß ein dem Naturraum angepaßter

Tourismus - ein sogenannter "sanfter Tourismus" - auch höhere Struktureffekte

aufweisen dürfte, als ein auf Großprojekten basierender Tourismus.

Als ein zentrales Problem erweist sich jedoch der Engpaßfaktor privates Kapital.

Hier wäre über alternative Formen der Finanzierung (Öko-Bank) Mittel zu beschaffen.

Auch im Rahmen einer Großschutzgebietsausweisung kommen eine Vielzahl

von Förderprogrammen für die Regionalentwicklung in Frage, bei denen zu überprüfen

wäre, wie sie am besten für die Region gebündelt werden können. Darüber hinaus

ist darauf zu verweisen, daß es im Regelfall nicht alleine ausreicht, Förderprogramme

zur Überwindung von Finanzierungsengpässen bereitzustellen, sondern es

vielmehr auch erforderlich sein dürfte, den potentiellen lokalen Investoren eine konkrete

- personalintensive - Beratung zukommen zu lassen.

Eine Analyse der wesentlichen allgemeinen Nachfrageentwicklungstendenzen zeigt,

daß die umweltbewußten Touristen ein nicht zu unterschätzendes Nachfragepotential

für das Großschutzgebiet darstellen. Um dieses Potential zu erschließen, bedarf

es jedoch einer abgestimmten regionalen Strategie bestehend aus verschiedenen

Bausteinen und unter Einbezug unterschiedlicher Akteure.

Die Bausteine lassen sich entlang der "Produktlinie" Tourismus identifizieren und

analysieren. Im einzelnen wurden hier betrachtet: Beherbergung, Gastronomie, Verkehr,

Freizeitinfrastrukturen, Natur- und Kulturraumpotential sowie Image/ Marketing.

Jeder dieser Bereiche wird im Sinne eines Stärken/ Schwächen-Profils beschrieben

und es werden Vorschläge entwickelt, die zusammenfassend in den

nachfolgenden Übersichten wiedergegeben sind.


Abbildung 21:1. Maßnahmenbereich "Vermittlung von Unterkünften"

Ziele Problembeschreibung Umsetzungsschritte

Erhöhung der Kapazitätsauslastung

Transparenz des Angebotes

einfache und problemlose

Zugänglichkeit von Informationen

Kapazitätsüberhänge im

niedersächsischen Teilgebiet

bestehendes Angebotsdefizit

(qualitativ und

quantitativ) in den östlichen

Teilgebieten

mögliche Kapazitätseng

pässe bei gesteigerter

Marketingaktivität

Informationsdefizite bei

spontanen Übernachtungswünschen

205

elektronisches Reservierungssystem,

daß vor Ort

möglichst Tag und Nacht

arbeitet

länderübergreifende Bündelung

der Informationen

Verbesserung der Außendarstellung

Abbildung 22: 2. Maßnahmenbereich "Erhöhung der Unterkunftskapazitäten im

östlichen Teilgebiet"

Ziele Problembeschreibung Umsetzungsschritte

Erhalt dörflicher Strukturen

Ausbau geht vor Neubau

Bevorzugung einheimischer

Investoren

keine Großprojekte (wie

etwa das Akquazentrum in

Lenzen etc.)

keine Zersiedlung

das "Besondere" der

Siedlungsformen als

"Kapital" erhalten

Spezialkenntnisse der Altbausanierung

erwerben,

die später überregional

"vermarktet" werden können

Dauerbelegung durch Geschäftsreisende

fehlende Konkurrenz

ungünstiges Preis-

Leistungs-Verhältnis

mangelnde Beherbergungskapazität

Förderung von Dachgeschoßausbau

bzw.

Ausbau von Nebengebäuden

Förderung der Investitionbereitschaft

gezielte Beratung

(Erschließung neuer

Marktpotentiale, Fördermittelakquise,

Werbung,

Unterkunftsausstattung)

angepaßte gemeindeübergreifendeBauleitplanungen,

Abstimmung

der Raumordnungsplanungen

Akquisition von Dorferneuerungsmittelnkombiniert

mit GA - Mitteln

"Fremdenverkehr"


Abbildung 23: 3. Maßnahmenbereich "umweltbewußte Betriebsführung"

Ziele Problembeschreibung Umsetzungsschritte

Energie sparen

veränderter Wasserverbrauch

und dadurch geringeresAbwasseraufkommen

Abfallvermeidung

qualitative Verbesserung

der vorhandenen und neu

entstehenden Kapazitäten

umweltgerechte Standortwahl

Förderung der Anreise mit

ÖPNV und des Radfahrens

mit umweltbewußter Betriebsführung

lassen sich

nur in bestimmten MarktsegmentenWettbewerbsvorteile

(Imageeffekte)

erzielen

umweltbewußte Betriebsführung

führt nicht automatisch

zu Kostenentlastungen

und ist mit

zeitlichem Mehraufwand

verbunden

Auslobung von Wettbewerben

als Innovationsanreiz

und werbewirksame

Auszeichnung von

Betrieben

Informationsbereitstellung -

zielgruppenorientiertes

Marketing

Beratung und Information

über die ökonomischen

und ökologischen Vorteile

einer umweltbewußten Betriebsführung

Checkliste

"umweltbewußte Betriebsführung"

Einsatz von Dorferneuerungsmitteln

Abbildung 24: 4. Maßnahmenbereich "umweltverträgliche Campingplätze"

Ziele Problembeschreibung Umsetzungsschritte

keine Zersiedlung

geregelte Entsorgung der

hochgiftigen Abwässer

aus Wohnmobil- und

Camping-Toiletten

Integration der Plätze in

die Natur/ Landschaft

Aufwertung bestehender

Campingplätze

Schaffung neuer umweltverträglicherCampingplätze

zu hohe Belegung durch

Dauercamper in den westlichen

Bundesländern,

dadurch Chance in diesem

Gebiet besonders attraktive

Plätze für die Reisepioniergruppe

"Nomaden" zu schaffen

allgemein zu geringe Attraktivität

der bestehenden

Plätze

planungsrechtliche Instrumente

entwickeln

Schlechtwetter- Aufenthaltsräume

konzipieren

und anbieten

Kochgelegenheiten anbieten

Ansiedlung kleiner naturnaher

Zelt- und Rastplätze

entlang der Wasserwege

Anbindung an das öffentliche

Verkehrsnetz gewährleisten


Abbildung 25: 5. Maßnahmenbereich "Gastronomie"

Ziele Problembeschreibung Umsetzungsschritte

Verarbeitung regionaler

Lebensmittel

Förderung des Absatzes

ökologisch produzierter

Nahrungsmittel

gezielte Kooperation mit

touristischen Anbietern

Ausrichtung des Angebots

auf die touristischen Zielgruppen

eine gewisse "Phantasielosigkeit"

im derzeitigen

Angebot

zuviel Fleisch, zu wenig

"Frisches"

Widerspruch Angebot und

Nachfrage: Der Trend zur

"gesunden, vollwertigen

Kost" gilt insbesondere für

die Zielgruppen, für die

sich das Gebiet profilieren

will.

begrenzte lokale Kaufkraft

Abbildung 26: 6. Maßnahmenbereich "Verkehr"

Fortbildungsveranstaltunge

n

neutrale Beratung der

Gaststätten- und Restaurantinhaber

Förderung der Kommunikation

zwischen landwirtschaftlichenDirektvermarktern

und Abnehmern

aus dem Gaststättengewerbe

- evtl. Bereitstellung eines

Koordinators

Förderung der Kooperation

der Gastronomiebetriebe

Ziele Problembeschreibung Umsetzungsschritte

An- und Abreise mit öffentlichen

Verkehrsmitteln

Bewegung im Feriengebiet

mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Förderung des Fahrradfahrens

mangelnde Information

über die Erreichbarkeit mit

öffentlichen Verkehrsmitteln

unzureichende innere Erschliessung

mit öffentlichen

Verkehrsmitteln

Lücken im Bahnnetz z.B.

Uelzen-Salzwedel oder

Dannenberg -Dömitz-

Ludwiglust

kein ausreichenden Fahrradroutenkonzept

unzusammenhängende

und zu wenige Radwege

Überlastung der Elbuferstr.

Verbesserung der Information

über vorhandene

öffentliche Verkehrsmittel

Schließung von Streckenlücken

im Bahnnetz

Erhöhung der Taktfrequenzen

im ÖPNV

Bereitstellung von Fördermitteln

für die Erarbeitung

von Info-Materialien

und Verkehrskonzepten.

Erarbeitung einer die Ländergrenzenüberschreitenden

Radwegekonzeptionen

Fahrradmitnahmemöglichkeiten

in öffentlichen Verkehrsmitteln


208

Abbildung 27: 7. Maßnahmenbereich "Aufbau einer 'sanften' Freizeitinfrastruktur"

Ziele Problembeschreibung Umsetzungsschritte

Schaffung von Wassersportgelegenheiten

Bereitstellung von Hallenbädern

Qualifikations- und Ausbildungsverbesserung

der

Fremdenführerinnen

Bootsanlegestellen

mangelndes Angebot

mangelnde Attraktivität in

der Vor- und Nachsaison

mangelnde Information

über das vorhandene Angebot

unverbindliche Rahmenrichtlinie

für mögliche

Standorte wassersportlicher

Einrichtungen unter

Berücksichtigung des Naturschutzes

hat keine

Rechtswirkung

Getrennte und widersprüchlicheRegionalplanungen

Hinweise in Prospekten auf

wetterunabhängige

Schwimmgelegenheiten

Hausschwimmbäder in

Hotelneubauten der Allgemeinheit

öffnen

(Verhandlungsbedarf)

Hinweise auf bestehende

Einrichtungen geben und

Anbindung dieser Einrichtungen

an den ÖPNV

Zusammenarbeit mit Vereinen

auf Ortsebene

aktive einheitliche Informationsstrategienentwickeln

Fördermittel für umweltverträgliche

Lösungen bereitstellen

Personenfähren, Fahrradwege,

Naturlehrpfade,

Wanderwege

Abbildung 28: 8. Maßnahmenbereich "gemeinsame Außendarstellung"

Ziele Problembeschreibung Umsetzungsschritte

abgestimmte transparente

Informationspraxis

Zielgruppenorientierung

hin zu einer ökologischen

Beispielregion

Erhöhung des Erlebniswertes

Vermarktung der charakteristischenSiedlungsformen

(Rundlinge, Elbdeich-

, Wurten- und Marschhufendörfer

Werbekostenersparnis

und gesteigerte Werbungseffektivität

mangelnde Information

über Erreichbarkeit der

Region mit öffentlichen

Verkehrsmitteln

uneinheitliche Werbung

(bislang vier verschiedene

Raumbezüge in der Vermarktung)

keine Konzentration auf

bestimmte Zielgruppen

Errichtung eines Besucherleitsystems

(einheitliche

Kartierung, Beschilderung

und Führungskonzeption)

Förderung eines gemeinsamenzielgruppenorientierten

Marketings

Regionalkonferenz - Verständigung

zwischen allen

beteiligten Trägern

Ausschreibung der Entwicklung

eines Werbekonzeptes

für die Gesamtregion

Einbeziehung der Erreichbarkeit

der Region mit Bus

Bahn und Fahrrad in die

Außendarstellung


E Verkehrsbezogene Analyse und Perspektiven

der Region 'Dresden'

1. Größe, Abgrenzung und charakteristische Merkmale der Region

'Dresden'

Die Region 'Dresden' liegt im südöstlichen Randbereich Deutschlands am Schnittpunkt

wichtiger Straßen und Schienenstrecken und stellt das kulturelle und wirtschaftliche

Zentrum Sachsens dar. Die Region bildet als Schnittstelle der Fernverbindungen

Hamburg-Prag und Paris-Warschau in großräumiger Perspektive die

Brücke zum (süd-) osteuropäischen Ausland. Es handelt sich bei dem Untersuchungsraum

im vorliegenden Fall um das Stadtgebiet der sächsischen Landeshauptstadt

Dresden sowie der angrenzenden Gemeinden Radeberg, Radebeui,

Freital, Heidenau, Pirna, Meißen und Coswig. Die Region hatte in dieser Abgrenzung

im Jahr 1990 eine flächenmäßige Ausdehnung von 346 qkm und eine Bevölkerungszahl

von 698.575 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Vor allem das Stadtgebiet Dresdens sowie sein elbaufwärts angrenzendes Umland

("Sächsische Schweiz") stellen ein außergewöhnliches, traditionsreiches kulturlandschaftliches

Ensemble dar. Die naturräumlich-topographische Ausgangssituation

wird durch die Flußlandschaft der Elbe und die angrenzenden Höhenzüge des Elbsandsteins

geprägt, die sowohl aus landschaftsökologischer Sicht wie auch für Tourismus

und Naherholung von überragender Bedeutung sind. In gesellschaftlichökonomischer

Hinsicht ist die (für die Großstädte der ehemaligen DDR eher untypische)

reichhaltige Mischung aus Handwerk und Produktion, Wissenschaft und Forschung

sowie kulturellen Beständen Charaktermerkmal der Region.

209


210

Abbildung 29: Lage und Einordnung der Region 'Dresden'

j Autobahn

E=3 Eisenbahn

Quelle: AG Ludwlg-Bölkow-Systemtechnik u.a. 1992

Charakteristische Merkmale der Region sind im wesentlichen:

• die naturräumliche Situation des Elbtals

KflNiaSTEIN

der Landschaftsraum in der Umgebung Dresdens (Sächsische Schweiz, Moritzburger

Teichgebiet, Lößnitzhöhen u.a.)

• das knotenpunktförmig auf die Stadt Dresden zulaufen Verkehrsnetz,

• die politisch-administrative Funktion Dresdens als Landeshauptstadt,

• die Funktion der Kernstadt als wirtschaftliches Zentrum,

• die Funktion der Kernstadt als kulturelles und soziales Zentrum.

Im Gegensatz zu anderen Großstädten der ehemaligen DDR ist Dresden von mehreren

Mittelzentren umgeben, deren Einzugsbereich in engen Verflechtungsbeziehungen

zum Oberzentrum Dresden steht. Im Hinblick auf die weitere Entwicklung der

Stadtregion wird eine sinnvolle Arbeitsteilung zwischen Kernbereich und Peripherie

angestrebt; diese scheint allerdings durch die sürmische Gewerbeentwicklung in

den Außenbereichen während der ersten Jahre nach der Wende in Frage gestellt.

Noch zu Zeiten der DDR verlief die Bevölkerungsentwicklung von Kernstadt und


Umland extrem gegenläufig (vgl. IÖR 1993). Die Stadtstruktur Dresdens selbst ist

gekennzeichnet durch verdichtete Bebauung aus der Gründerzeit in den Kernbereichen,

teilweise großflächige und monostrukturierte Stadterweiterungen aus der Zeit

des sozialistischen Städtebaus sowie eine verstärkte Hinwendung zur städtebaulichen

Rekonstruktion und Zentrenorientierung in den letzten Jahren.

Abbildung 30: Zentrenstruktur der Region 'Dresden'

A

Quelle: AG Ludwig-Bölkow-Systemtechnik u.a. 1992

. Planungsziele der Stadtentwicklungsplanung sind:

• Fortführung der begonnenen Maßnahmen in Stadtumbau und Stadterweiterung,

• Weiterentwicklung der polyzentralen, durchmischten Siedlungsstruktur,

• Ausweisung von Gewerbegebieten entlang der Verkehrsachsen insbesondere

des Schienen- und Stadtbahnnetzes.

2. Das Konfliktfeld Verkehr und Umwelt

211

Die Bedeutung des Verkehrssektors als Umweltbelaster ist in den vergangenen Jahren

sowohl absolut wie auch im Vergleich zu Industrie, Kraftwerken und Haushalten

spürbar gestiegen. Dies wurde aktuell am Beispiel des sogenannten Sommersmogs


212

sehr kontrovers diskutiert, der Belastung der unteren Atmosphärenschicht mit troposphärischem

Ozon. Hauptursache hierfür wie für einen großen Teil der Schadstoffbelastungen

der Luft sind die Abgasemissionen der Straßenfahrzeuge; der Anteil

des Verkehrs an den NOx-Emissionen in Deutschland liegt bei ca. 70%, in den

Städten und ihren Kernräumen liegt dieser Anteil noch höher. Auch die Belastung

mit Kohlenmonoxid, organischen Kohlenwasserstoffen und anderen Schadsubstanzen

geht zu einem großen Teil auf den Verkehr zurück. Der Straßenverkehr gilt außerdem

als wichtigste Quelle der Lärmbelastung in Städten und Gemeinden (vgl.

SRU 1994).

Weitere relevante Umweltbelastungen im Zuge des Verkehrsanstiegs sind insbesondere

der Raumbedarf der Verkehrsanlagen sowie die indirekten Auswirkungen

auf Natur und Umwelt (den Menschen eingeschlossen), die von den Verkehrsinfrastrukturen

ausgehen. Der Flächen verbrauch für Verkehrswege ist in den vergangenen

Jahren kontinuierlich gestiegen, der Anteil naturnaher, unzerschnittener Räume

mit einer Größe von mehr als 100 km2 ist weiter rückläufig (vgl. BFANL, Raumordnungsbericht

1993). Neben den Auswirkungen des Fahrbetriebs auf die den Fahrweg

unmittelbar angrenzenden Flächen (Seitenstreifenaltlast) trägt vor allem die

Zerschneidungswirkung von Straßen (und geringfügiger: Schienen) zu ökologischen

Schäden bei.

Die wachsenden Umweltbelastungen des Verkehrs sind auch Indiz dafür, daß die

Industriegesellschaft ihre wachsenden Mobilitätsanforderungen nicht mehr im Griff

hat; es steht insofern stellvertretend für eine Vielzahl ökonomisch-technischer, sozialer

und ökologischer Probleme der industriellen Lebensweise und ihrer Mobilitätszwänge.

Die sektoralen Ansätze der Umwelt- und Verkehrspolitik haben hier bisher

noch keine Entlastung realisieren können. Schon seit Anfang der 80er Jahre werden,

vor allem im Zusammenhang mit dem heute weitgehend verdrängten Waldsterben,

Lösungsansätze zur Reduzierung verkehrsbedingter Umweltbelastungen diskutiert.

Die Emissionsminderungsziele der Bundesregierung im Verkehrssektor wurden

jedoch bei weitem nicht erreicht, die NOx-Belastung wird in den nächsten Jahren

weiter steigen, bevor erst gegen 2005 eine Abschwächung erwartet wird (Ifeu

1992). Erst knapp die Hälfte des bundesdeutschen Pkw-Gesamtbestands sind mit 3-

Wege-Katalysatoren ausgestattet. Die Emissionsminderung bei Pkw wird außerdem

durch wachsende Anteile des Lkw-Verkehrs kompensiert, der bei einem 10prozentigen

Anteil an den Fahrleistungen bereits für ca. 40% der Stickoxidemissionen

des Verkehrs verantwortlich ist. Bei Energieverbrauch und C02-Emissionen ist

die Erwartung noch weitaus pessimistischer: hier wird mit anhaltendem Wachstum

bzw. langfristig Stagnation auf hohem Niveau gerechnet (BfLR 1993). Ursache

hierfür sind die Festigkeit der Rahmenbedingungen des Verkehrs (vor allem ausdifferenzierte,

transportintensive Raum- und Siedlungsstrukturen und eine wachsende

Arbeitsteiligkeit der Wirtschaft), die extreme Schere in der Preisentwicklung von privatem

und öffentlichem Verkehr, zunehmend anspruchsvollere Konsum- und Mobilitätsmuster

vieler (nicht aller) Menschen sowie eine weiterhin dem Prinzip der Bedarfsdeckung

folgende Verkehrs- und Infrastrukturpolitik. Dies stützt insgesamt den

Status-Quo des Verkehrswachstums: in einem verkehrsabhängigen Umfeld bleiben

alle potentiellen Alternativen strukturell begrenzt.

Wachsende Zielkonflikte zwischen ökologischen und ökonomischen Interessen, die

hohen Folgekosten und die geringe Effizienz des Verkehrssystems geben verstärkt

Anlaß zur Suche nach Auswegen. Dabei lassen sich kurzfristig wirksame Maßnahmen

im Bereich der Ordnungs- und Verkehrspolitik - wie sie etwa zur Wiederherstel-


lurig der Straßenverkehrsordnung, zum Abbau von Belastungsspitzen und zur Förderung

von Verkehrsalternativen notwendig sind - mit einer gewissen Erfolgsaussicht

umsetzen. Ob die im Zusammenhang mit einer Verschärfung der Luftreinhaltepolitik

in den Städten anvisierten Restriktionen für den Kfz-Verkehr (BlmSchG) Besserung

versprechen, bleibt abzuwarten. Die Vermittlung grundlegender Einschnitte

in die Verkehrsbudgets von Haushalten und Unternehmen weist derzeit noch zentrale

Defizite auf: Politische Unentschlossenheit, das Schielen nach der

"Volksmeinung" (Tempolimit), konzeptionelle Lücken z.B. mit Blick auf ökonomische

Zwänge sowie die Trägheit des individuellen Handelns kommen hinzu.

Technische Innovationen können zwar wichtige Beiträge zur Umweltentlastung bringen,

wie die Beispiele Japan oder USA z.T. gezeigt haben. Dies setzt aber die frühzeitige

Entwicklung konsistenter Leitbilder und konfliktfähiger politischer Strategien

voraus. Wenn an dieser Stelle mit Priorität strukturelle Lösungsansätze diskutiert

werden, so geschieht dies in Kenntnis der begrenzten Wirkung technischer Minderungsmaßnahmen,

vor allem dann, wenn sie in ein allgemeines Szenario des Verkehrs-

und Wirtschaftswachstums eingebettet sind und weiterhin wachsende Mobilität

versprechen. Im übrigen führt Kompensation durch Mengenwachstum immer

häufiger zu einer begrenzten Problemlösungskompetenz; dies gilt bekanntlich auch

für andere Handlungsfelder der Umweltpolitik. Ordnungspolitische, technische und

fiskalische Lösungen für einen umweltverträglicheren Verkehr müssen auf lange

Sicht durch weitergehende Ansätze zur Neugestaltung der Raum- und Siedlungsstrukturen

und zur Förderung eines verkehrsarmen Wirtschaftens ergänzt werden.

Vor diesem Hintergrund werden in der vorliegenden Untersuchung mögliche verkehrliche

und verkehrswirtschaftliche Entwicklungspfade für die Region 'Dresden

und Umland' diskutiert. Parallel zum Anstieg der privaten Motorisierung hat die Umweltbelastung

in der Region 'Dresden und Umgebung' - dies gilt vor allem für den

Verkehrssektor - deutlich zugenommen. Neben der durch die Raumheizung bedingten

S02-Belastung der Luft sind die Lärm- und Schadstoffemissionen des Straßenverkehrs

heute die Hauptquellen der Umweltbelastung. Auch hier sind Kompensationen

größeren Umfangs absehbar (Entlastung bei Industrie-, Kraftwerks- und

Raumheizungsemissionen, Zuwächse im Verkehr). Die Deposition der Verkehrsemissionen

im Straßenraum trägt außerdem zu direkter Schadwirkung und unmittelbarer

Belästigung der Bevölkerung bei. Folglich hat sich auch die Wahrnehmung der

Verkehrssituation und ihrer Belastungen, die im Zuge des Jahres 1991 durch Befragungen

erhoben worden ist, erheblich in Richtung 'unzuträglich' bzw. 'chaotisch'

verschoben (IVSÖ der HfV). Hiervon sind insbesondere betroffen innerhalb der

Stadt Dresden die Nord-Süd-Verbindung, die Teplitzer Str., die Otto-Buchwitz-Str.,

im Umland außerdem die Straßenzüge entlang der Bundesstraßen 172 und 170.

Die Exposition des Stadtraumes in der Elbtallage kann die Schadstoffbelastung der

Luft in ungünstigen Witterungssituationen verstärken, da in solchen Fällen der vertikale

Luftmassenaustausch eingeschränkt ist und eine weitere Frischluftzufuhr nur

über die quer verlaufenden Frischluftschneisen möglich ist. Diese sind daher bei der

weiteren Bebauungsplanung als Tabuzonen zu behandeln und als Elemente eines

vernetzten Systems offener Grünzüge weiterzuentwickeln. Auch in den umliegenden

Gemeinden verschärft sich die Umwelt- und Verkehrsbelastung im Zuge der Motorisierungsentwicklung,

was sich neben der allgemeinen Belastung der Lebensqualität

auch in einer Beeinträchtigung des hohen Potentials für Tourismus und Fremdenverkehr

niederschlägt. Obwohl beispielsweise die Sächsische Schweiz im Straßen-

213


214

verkehr gut erreichbar ist, verschärfen sich diesbezügliche Probleme in der Umlandregion.

Geeignete Alternativen zum Pkw im Freizeitverkehr wurden bisher noch

nicht systematisch entwickelt.

3. Entwicklungsperspektiven der Verkehrsträger, Bedeutung der

Verkehrswirtschafti 27

3.1 Einordnung der Verkehrsentwicklung in den gesellschaftlichen Wandel

Wie kaum an einem anderen gesellschaftlichen Handlungsfeld wurden deutschdeutsche

Teilung und Vereinigung am Beispiel des Verkehrswesens deutlich. Innerhalb

nur weniger Jahre erfolgte in der ehemaligen DDR eine Anpassung des stark

regulierten und reglementierten Verkehrsmarktes an das moderne, mit zunehmenden

Anteilen privatwirtschaftliche Verkehrswesen der Bundesrepublik. Wichtigste

Kennziffer dieses Anpassungsprozesses ist der Anstieg der privaten Motorisierung

(s.u.). Die Zahl der Haushalte mit Pkw-Besitz stieg in Dresden zwischen den Jahren

1987, 1990 und 1991 von 42% über 68% auf über 71% (Angaben nach SrV, Institut

für Verkehrssoziologie und -Ökologie der Hochschule für Verkehrswesen). Der öffentliche

Verkehr kann seine Verkehrsanteile nach einem Rückgang Anfang der 90er

Jahre heute knapp behaupten, während erhebliche Verlagerungen zwischen Fußgängerverkehr

und Pkw-Verkehr stattfinden. Im Güterverkehr ist neben dem wirtschaftsstrukturell

bedingten Rückgang der Gesamtnachfrage der Bedeutungswandel

zwischen Strasse und Schiene signifikant.

3.2 Die Bedeutung der Eisenbahn

Fernverkehre

Durch die Stadt Dresden verläuft eine der bedeutendsten und leistungsfähigsten

Eisenbahnverbindungen im ostdeutschen Raum. Sie verbindet diese Region mit

dem südeuropäischen Raum auf der Relation Dresden-Prag-Budapest-

Bukarest/Sofia. Die West-Ost-Verbindung war bisher vorwiegend von nationaler

Bedeutung, wird jedoch künftig verstärkt auch internationale Verkehre abwickeln.

Diese Achse verläuft durch Dresden über Görlitz und weiter nach Polen und zur

ehemaligen Sowjetunion.

Das städtische Eisenbahnnetz ist insofern auch durch Fernverkehrsverbindungen

geprägt, als die Fremdenverkehrsströme die Stadt Dresden teilweise über die

Schiene erreichen. Dresden ist im gesamten internationalen Personenverkehr auf

den obengenannten Strecken Ausgangs- bzw. Endpunkt von Personenverkehrsströmen.

Die Mitbenutzung der Fernbahngleise durch den Regional- und Nahverkehr

stellt ein wichtiges Element des Ausbaus der Bahn in der Region Dresden

dar, ebenso die Auflösung der Engpaßsituation am Dresdner Hbf (Erweiterung

der Gleisanlagen für die verschiedenen Sparten).

127 Die folgende Darstellung orientiert sich im wesentlichen an folgenden Arbeiten: Arbeitsgruppe Ludwig-Bölkow-Systemtechnik

Ottobrunn, Global Challenges Network (mit Planungsgruppe 504) Manchen, Transport and Communications Assessment

Center Dresden: Umweltorientierte Verkehrsstrategien für den Ballungsraum "Dresden/Oberes Elbtal, Phase I, Dezember

1992; Hochschule für Verkehrswesen "Friedrich List", Forschungsgruppe "Umwelt und Verkehr": Umweltorientierte Strategien

für Transport, Kommunikation und Tourismus in Euorpa", Dresden 1992; DaimlerBenz Forschungsinstitut Berlin: Verkehrsumfeld

und Verkehrsstrukturen in der DDR, Berlin 1990.


SV-Bahn-System (Stadt- und Vorortbahn)

Der parallel zu den Fernlinien verlaufende S-Bahn- und Vorortbahnverkehr ist für

die städtischen Verkehrsbeziehungen, die Verbindung zum Umland und für den

Pendlerverkehr von großer Bedeutung. Das SV-Bahn-Netz ist teils deckungsgleich

mit dem überlasteten Gleisnetz des Fernverkehrs, teils befindet es sich im

Parallelverlauf. Daraus resultieren eine Reihe von Behinderungen für den SV-

Bahn-Verkehr, die nur bei gesonderter Einordnung eines SV-Bahn-Gleisnetzes

abgebaut und zu Vorteilen für den innerstädtischen Eisenbahnverkehr gestaltet

werden können. Alternative Konzepte sehen die nachträgliche Einordnung einer

das Stadtgebiet weitreichend erfassenden Stadtbahn vor, die in großen Abschnitten

als U-Bahn konzipiert ist.

Die Taktzeiten der Sv-Bahn betragen in der Spitzenzeit 30 min, auf der Relation

Dresden-Pirna 15 min. Der Zugverkehr wird im wesentlichen mit Doppelstockwagen

(DR-Bauart) durchgeführt. Bisher erfüllt die SV-Bahn noch nicht alle Qualitätsmerkmale

nach DB-S-Bahn-Standard. Es fehlen vor allem:

• ein durchgäniges und abgestimmtes Taktsystem auf allen Linien,

• unabhängiger Zugbetrieb auf eigenen Gleiskörpern,

• ein integriertes Tarif- und Informationssystem,

• die Einbindung der regionalen Verkehre in einen Verkehrsverbund.

Die bisherigen Planungen sehen einen Ausbau und eine Modernisierung der SV-

Bahn vor, die folgende Maßnahmen enthält:

• Erhöhung der Haltestellenanzahl, dadurch bessere Verbindung der SV-Bahn mit

den flächenerschließenden Verkehren (Straßenbahn, Bus),

• Schaffung eigener Gleiskörper/Trassen für den Personenverkehr auf der Relation

Pirna-Coswig einschließlich des sechsgleisigen Ausbaus des Streckenabschnitts

Dresden Hbf - Dresden-Neustadt,

• Elektrifizierung des Nordteils des SV-Bahn-Netzes im Zusammenhang mit der

Elektrifizierung des Fernbahnsabschnitts Dresden-Görlitz,

• Anbindung des Flughafens Dresden-Klotzsche an die SV-Bahn.

In organisatorischer Hinsicht sind insbesondere die Zusammenführung der zahlreichen,

nach der Wende entstandenen privaten und öffentlichen Verkehrsanbieter zu

einer regionalen Verkehrsgesellschaft bzw. einem regionalen Verkehrsverbund

sinnvoll, damit die Abstimmung von Investitionen, Fahrplan- und Tarifsystem in Angriff

genommen werden kann. Politische Aktivitäten zur Gründung eines Verkehrsverbundes

laufen bereits.

Neben den alltäglichen Berufs-, Ausbildungs- und Besorgungsverkehren sollte die

SV-Bahn bzw. die Nebenstrecken der Eisenbahn in der Region verstärkt für touristische

Zwecke genutzt und erschlossen werden. Dies betrifft insbesondere Streckenteile

in Richtung Sächsische Schweiz (Bad Schandau-Sebnitz) sowie in Richtung

Erzgebirge (Dresden-Altenberg, Freital-Kipsdorf).

215


216

3.3 Straßenbahn, Bus und Bergbahnen

Die Flächenwirksamkeit des städtischen Straßenbahnbetriebes ist ein weiteres markantes

Zeichen der Verkehrsentwicklung in Dresden. Der Sraßenbahnbetrieb ist

nach dem Leipziger Betrieb der zweitgrößte Sachsens und gehört nach Netzlänge

und Fahrzeugzahl zu den größten Betrieben der Bundesrepublik. Das Gleisnetz

umfaßte 1992 ca. eine Länge von 150 km und hat heute noch ca. 130 km unter Betrieb.

Die Straßenbahn ist das wichtigste öffentliche Verkehrsmittel in der Stadt

Dresden, ihre Flächenerschließung ist einer der großen Standortvorteile des Verkehrssystems;

große Teile des Stadtgebietes liegen im 300 m-Radius um die Haltestellen.

Die Straßenbahn hat aber in der Vergangenheit ebenso wie der Busbetrieb extrem

unter der mangelnden Wartung und Instandhaltung gelitten, obwohl der Verschleiß

der Anlagen extrem hoch gewesen ist. Für die nächste Zukunft sind Netzausbau und

die Modernisierung der Fahrwege geplant, da der Anteil eigener Bahnkörper bei nur

ca. 26 % liegt; es überwiegt die zweigleisige Streckenführung im Straßenraum

(Mittellage). Behinderungen zwischen dem motorisierten Individualverkehr (MIV),

dem Straßengüterverkehr, dem Busverkehr und dem Straßenbahnverkehr sind auf

ca. 50 % innerstädtischer Verkehrstrassen vorhanden, auf denen Straßenbahnlinien

verlaufen. Der Betriebszustand der Gleisanlagen führte zu Langsamfahrtstreckenanteilen

von bis zu 35 %, die teils erhebliche Auswirkungen auf die Durchlaßfähigkeit

und Geschwindigkeit des übrigen Straßenverkehrs ausüben, an deren Abbau jedoch

intensiv gearbeitet wird. Bereits bis 1996 sollen ca. 60% des Streckennetzes auf

eigenem Gleiskörper geführt werden, Netzergänzungen in Höhe von ca. 18 km sind

ebenfalls geplant, u.a. im Stadtkern sowie im radialen und tangentialen Netz.

Die wichtigsten Maßnahmen im Straßenbahnnetz sind:

• Schaffung eigener Gleiskörper

• Zweigleisiger Ausbau eingleisiger Streckenabschnitte

• Bevorrechtigung im Verkehrsfluß gegenüber dem MIV

• Verbesserung des Tarif- und Fahrplansystems

• Einbindung in einen Verkehrsverbund

• Schaffung leistungsfähiger Betriebshöfe.

Die Stadt Dresden verfügt weiterhin über ein flächendeckendes Busliniennetz. Dieses

umfaßte 1992 in seiner Gesamtausdehnung ca. 275 km. In sinnvoller Aufteilung

auf die Fläche erbringt das Bussystem in der Stadt Dresden vorrangig Zubringerdienste

zur Straßenbahn, zum SV-Bahn-Netz sowie Verkehrsleistungen zwischen

Stadtnebenzentren und dem Stadtzentrum sowie zwischen Wohn- und Arbeitsort.

Erschwerend wirkte sich zurückliegend die hohe Verschleißquote im Bussektor und

die in der Vergangenheit mangelnde Wartungs- und Instandhaltungskapazität aus.

In die Flächendeckung städtischer Buslinien greifen teils die Überland-

Linienverkehre ein, die bedingt für innerstädtische Verbindungen genutzt werden.

Die dem zugrunde liegende flächenhafte Arbeitsteilung hat sich günstig auf die Nutzer

des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ausgewirkt. Die für den mit Bussen

betriebenen ÖPNV wichtige Bevorrechtigung dieser Fahrzeuge im öffentlichen

Fahrverkehr hat keine entscheidende Durchsetzung gefunden. Somit erlebt der

ÖPNV keine Aufwertung gegenüber dem MIV. Die im Bussektor vertretbare Fahrplandichte

hat zu hohen Nutzerquoten geführt. Der modal split gibt darüber Aus-


kunft: Bislang wurden ca. 43 % der Fahrten mit dem ÖPNV (nicht nach Bus/Bahn

untergliedert) durchgeführt. Festzustellen ist, daß dieser Anteil rückläufig ist.

Dresden verfügt, konzentriert an einem Standort in Dresden-Ost, über zwei Bergbahnen

(Standseilbahn/Schwebebahn). Diese Bahnen sind Teil des öffentlichen

Personennahverkehrs und erbringen Personenbeförderungsleistungen zwischen

den auf Elbniveau gelegenen Stadtgebieten und den höher gelagerten Wohngebieten

Dresden/Weisser Hirsch und Dresden-Loschwitz.

Die Bahnen vermindern in dieser Region den motorisierten Straßenverkehr, werden

umweltfreundlich betrieben und besitzen zudem infolge ihrer Bauweise und ihrer

Einordnung in die Landschaft am Elbtal auch einen besonderen touristischen Wert.

Gemeinsam mit der Personenschiffahrt auf der Elbe bestehen hier weitere originäre

Alternativen zum herkömmlichen ÖPNV und zum motorisierten Individualverkehr.

3.4 Straßenanbindung und Straßenverkehrsnetz

Die Eigenschaft der Region Dresden als Knotenpunkt des Verkehrsnetzes trifft auch

für ihre Anbindung an wichtige Straßenverbindungen zu. Dazu gehören auf Seiten

des Autobahnnetzes insbesondere die

• A4 Dresden - Bautzen

• Dresden - Chemnitz - Erfurt - Eisenach

• Dresden - Chemnitz - Plauen - Hof

• A 13 Dresden - Berlin / Cottbus / Frankfurt/Oder

• A 14 Dresden - Leipzig - Halle.

Die südliche Verbindung in Richtung Tschechische Republik ist zur Zeit noch nicht

in gleicher Qualität gegeben und läßt erhebliche Fernverkehre auf wichtigen Bundesstraßen

sowohl die Stadt Dresden queren als auch wertvolle Naturräume passieren

(z. B. E 55 Dresden - Grenze CR/Zinnwald). Mit dem geplanten Neubau der

Autobahnverbindung zwischen Dresden und Prag werden innerstädtische Verkehrssituationen

bedingt entlastet, jedoch stadttypische Verkehrsverhältnisse in das

südliche Umland verlagert. Besonders erschwerend für die Verkehrsabwicklung sind

der qualitativ ungenügende Straßenzustand und der Zustand der Brücken im Verlauf

von Straßenverkehrswegen.

Im Bereich der Bundesstraßen sind folgende Abschnitte von besonderer Bedeutung

bzw. stark befahren;

• B 6 Dresden - Bautzen

• Dresden - Meißen

• B 170Dresden - Zinnwald

• B 172 Dresden - Pirna

Das historisch gewachsene Straßenverkehrsnetz der Stadt Dresden weist den Vorzug

der ringförmigen Umschließung des Stadtzentrums mit sternförmig auf den Ring

hinführenden Trassen auf. Diese "gewachsene Begrenzung" des Stadtzentrums ist

als Voraussetzung für künftige Verkehrsverringerung innerhalb dieses Stadtringes

zu betrachten. Dies würde jedoch voraussetzen, daß die Ringverkehre nicht durch

Ausbau in "Ringautobahn-Verkehre" umgewandelt werden.

217


218

Abbildung 31: Innerstädtisches Hauptstraßennetz Dresdens

Quelle: AG Ludwig-Bölkow-Systemtechnik u.a. 1992

1992 umfaßte das Straßenverkehrsnetz der Stadt Dresden ca. 1100 km, davon sind

ca. 250 km Hauptnetzstraßen. Ca. 10 % des Hauptvekehrsstraßennetzes verfügen

über zwei- oder mehrspurige Richtungsfahrbahnen mit standardgerechtem Ausbau

(Anteil steigend), auf ca. 35 % der Hauptstraßen liegen Fahrbahnen eingeengt neben

dem Gleisbereich (Anteil rückläufig), mehr als die Hälfte des Hauptnetzes sind

vierspurige Straßen mit Straßenbahngleisen im Fahrbahnquerschnitt oder zweispurige

Straßen. Vom Straßenzustand gehen erhebliche Störungen des Verkehrsablaufs

aus. Der öffentliche Verkehr wird stark beeinträchtigt, eine Vielzahl von negativen

Umwelteinflüssen entsteht. Hinzu kommen Spitzenbelegungen an den Knotenpunkten

in teilweisen Größenordnungen von 6000 PKW/h und mehr.

Von der Kapzität her ist das Straßennetz einschließlich der Elbquerungen jedoch im

Prinzip ausreichend, allerdings sind die technischen Mängel teilweise gravierend.

Durch die Bündelung und die Führung vieler Ost-West-Verkehrsströme durch den

Stadtkern wird die Innenstadt in unvertretbar hohem Maße vomn Verkehr belastet,

der jedoch zu überwiegenden Anteilen lokaler Verkehr ist. Die Straßenräume selbst

wurden nach dem Krieg überdimensioniert ausgebaut und sind städtebaulich wenig

attraktiv.


Abbildung 32: Touristische Zielgebiete und Verkehrssituation in der Region

=

Wald

Moritzburg

ViLif

Pill«

.Dresdner Heide

t ** V V^

m J

S BroBsedllU^"»'»!

% Os

Quelle: AG Ludwig-Bölkow-Systemtechnik u.a. 1992

3.5 Schiffahrtsweg Elbe

'¿•SZinnwald'

'Weesenstein

Barenburg'

KÖNIQSTEIN/

Stolpe»

Sächsische

, Hohnstein '

BAD SCHANDAU'

Blz

219

I + I Touristische Zentren

Y//X- Touristische Zielgebiete

Kritische Verkehrsstraßen

Zum internationalen Schiffsgüterverkehr auf der Elbe wurde bereits an anderer

Stelle ausführlich eingegangen. Die städtische Relation auf dem Schiffahrtsweg Elbe

ist vom Personen- und Ausflugsverkehr geprägt. Die Hauptanlegestelle ist direkt

im Zentrumsbereich gelegen und trägt dazu bei, den Schiffsverkehr Stadt- und nutzerwirksam

zu entwickeln. Im Bereich der Personenschiffahrt ist Dresden Ausgangsund

Endpunkt des Schiffsverkehrs. Hinzu kommen Schiffseigener, die in der Personenschiffahrt

die Stadt Dresden linienmäßig berühren. Die Fahrgastschiffahrt stellt

im Raum Dresden einen besonderen Anziehungspunkt dar. Es handelt sich hierbei

vorrangig um den Ausflugsverkehr. Im Stadtgebiet befindet sich außerdem der Binnenhafen

Oberelbe. Sein jährlicher Güterumschlag ist rückläufig. Die Hafenkapazität

übersteigt den gegenwärtigen Bedarf an Güterumschlag erheblich. Gleichfalls im

Stadtgebiet, in Dresden-Laubegast, befindet sich eine Schiffswerft mit einem bisherigen

Aufgabenspektrum, das die in Dresden beheimatete Flotte übersteigt.


220

Mit dem Schiffahrtsweg Elbe ist der für einige Stadtgebiete bedeutsame Fährverkehr

verbunden. An ausgewählten Orten im Stadtgebiet werden Personenfähren sowie

eine Autofähre betrieben. Der Fährverkehr schafft deutliche Wegezeitverkürzungen

und Verminderungen des motorisierten Individualverkehrs. Der Fährverkehr erhält in

Dresden seine besondere Berechtigung daraus, daß in Relation zur Längenausdehnung

der Stadt von ca. 20 km im Elbeverlauf nur 7 Brücken zur Verfügung stehen

(einschließlich der Brücke im Verlauf der A 4/A 7). Größere Entfernungen wie zwischen

der Albertbrücke und der Brücke in Dresden-Blasewitz ("Blaues Wunder")

sowie im weiteren südlichen Elbeverlauf, wo keine Brücke in stadtnaher Region zur

Verfügung steht, erfordern bisher den Fährverkehr. 1992 wurden jährlich ca. 2000

Personen/Tag im Fährverkehr befördert. Rückläufige Tendenzen sind in der sich

allgemein verändernden Verkehrsnachfrage zu suchen.

3.6 Flughafen

Der Flughafen Dresden-Klotzsche erlebt seit der Wende eine deutliche Aufwertung.

Die bisher jahreszeitlich differierende Anzahl von ausschließlich internationalen

Fluglinien erfährt eine wesentliche Ergänzung durch Inlandsflüge und weitere internationale

Fluglinien, die teils auch mit kleineren Verkehrsflugzeugen bedient werden.

Galt der Flughafen Dresden-Klotzsche in der Vergangenheit oft als Ausweichflughafen

für Berlin-Schönefeld, so ist er heute durch einen eigenen Stellenwert in

innerdeutschen Flugverkehr in Anspruch genommen.

Mit der Zunahme des Flugbetriebes hat sich die Umweltsituation im Gebiet Dresden-

Klotzsche zugespitzt. Die Lärmsituation hat sich wesentlich erweitert, die Zeitspanne

zwischen Starts und Landungen verringert sich parallel zur Verdichtung des Flugbetriebes.

Der Flughafen Dresen-Klotzsche verfügt über eine 2,5 km lange Start- und

Landebahn, die auch den Flugbetrieb mit Großraummaschinen gestattet. Der Flughafen

schafft eine wichtige Anbindung Dresdens an europäische Metropolen und

gestattet, bei zeitgünstigen Flugverkehren im innerdeutschen Raum, die wirtschaftlichen,

politischen und kulturellen Aktivitäten in der Stadt Dresden und in seinem

Umland (einschließlich seiner Wirkung auf das Land Sachsen) entscheidend zu beleben.

Die Anbindung des Flughafens an die Stadt ist gegenwärtig mit dem Flughafen-Cityliner

und künftig mit den am Bedarf orientierten kleineren Fahrzeugen gewährleistet

(Buslinie).

3.7 Individualverkehr (Fußgängerverkehr, Radverkehr, motorisierter Verkehr)

Das Stadtzentrum Dresdens wird durch eine Ringverkehrsanlage begrenzt. Dies

ermöglicht grundsätzlich das fußläufige Erreichen der in diesem Gebiet gelegenen

Zielorte. In der zurückliegenden Zeit wurden begünstigende Voraussetzungen für

den Fußgängerverkehr geschaffen. Dazu gehören die Fußgängerverbindung von

Dresden-Hbf zum Albertplatz, vom Postplatz zum Großen Garten u. a. m. Die Belegung

durch Fußgänger auf der Relation Dresden-Hbf-Altmarkt (im Zuge der Verbindung

Dresden-Hbf-Albertplatz) betrug 1992 in der Frühspitze ca. 1000 Personen/h in

Richtung Hauptbahnhof und 3.800 Personen/h in Richtung Attmarkt. Nachmittags lag

die Belegung bei 3.300 Personen/h bzw. 2.500 Personen/h.

Der im Zuge dieser Gestaltung begonnene Ausbau eines Behindertenwegenetzes

wirkt sich weit über diesen Personenkreis hinaus vorteilhaft aus, weil er nutzerfreundlich

auf alle Fußgänger wirkt. Die Gestaltung von Fußgängerbereichen, die

den Autoverkehr zur Ausnahme machen, konnte in anderen Regionen der Stadt

nicht fortgesetzt werden. Unzureichend gestaltete sich zurückliegend die Situation


ei ampelgeregelten Fußgängerüberwegen. Die geringe Zahl der zur Verfügung

stehenden Anlagen stand im Widerspruch zu den Bedürfnissen der Fußgänger nach

höherer Verkehrssicherheit. In kurzer Zeit konnten wesentliche Verkehrsknotenpunkte

und Straßenquerungen mit Lichtsignalanlagen versehen werden.

Der Radverkehr hatte 1992 einen Anteil von ca. 10 % am Gesamtfahrtenaufkommen

in der Stadt Dresden. Ein gesondertes Radwegenetz steht nur im Umfang von ca.

100 km bzw. weiteren 55 km in kombinierter Geh- und Radbahn zur Verfügung. Es

sind überwiegend Einzelradwegstrecken vorhanden, die teils durch Kombination mit

Fußwegen und Versehrtenwegenetzen eine Erweiterung und schrittweise, aber

noch immer weit lückenhafte Netzbildung erfuhren. Die Anbindungen des Radverkehrs

an den öffentlichen Verkehr sind nur unzureichend ausgebildet (geringe Abstell-,

keine Unterbringungs-, begrenzte Mitnahmemöglichkeiten, begrenzte tarifliche

Vorteile usw.). Insgesamt trägt die Stadt Dresden noch alle Merkmale einer wenn

nicht fahrradfeindlichen, so doch zumindest wenig fahrradfreundlichen Stadt.

Der motorisierte Individualverkehr hat in den zurückliegenden Jahren seit der Wende

eine sprunghafte Entwicklung genommen. Diese "Zulassungsexplosion" hat zu

einem Motorisierungsgrad von ca. 350 PKW/1000 Einwohner im Jahr 1992 geführt

(1989 noch ca. 215 PKW/1000 Einwohner). Das markante Merkmal der damit verbundenen

städtischen Verkehrsprozesse ist der noch hohe Anteil an Zweitakt-

Fahrzeugen der Typen Wartburg und Trabant (ca. 30 % am gesamten städtischen

Privatfahrzeugpark, mit gleichwohl abnehmeder Tendenz). Die auf diese Weise verursachten

Emissionen prägen die lufthygienische Situation maßgeblich.

Der sprunghafte Anstieg zugelassener 4-Takt-Fahrzeuge könnte nur dann einen

Beitrag zur - relativen - Entspannung der Belastungssituation leisten, wenn der Anteil

von Fahrzeugen mit "geregeltem 3-Wege-Katalysator" überdurchschnittlich hoch

liegt. Bisher sind aber nur ca. 35 % der Neuzulassungen mit geregeltem Kat ausgestattet,

was u.a. an dem hohem Anteil an Gebrauchtwagen aus Altbeständen liegt.

Daher ist auch hier mit einer weiteren Wachstumsentwicklung der NOx-Emissionen

im Bereich des MIV zu rechnen.

Außerdem trägt das Wachstum des Pkw-Bestands unabhängig von der Emissionssituation

aufgrund der nach wie vor begrenzten Kapazitäten der Straßenverkehrsanlagen

zu konfliktreichen Verkehrssituationen bei. Bereits in den Jahren vor der

Wende hat sich der PKW-Verkehr bei einem Motorisierungsgrad von ca. 215

PKW/1000 Einwohner von den überfüllten Hauptverkehrsstraßen auf das untergeordnete

Straßennetz verlagert. Die Aufnahmekapazität und Durchlaßfähigkeit dieses

Nebenstraßennetzes ist jedoch relativ gering, die Fahrbahnbeschaffenheit ist unzureichend,

und es ist von den Verkehrsabläufen her nicht auf ein entsprechend hohes

Vekehrsaufkommen ausgelegt. Der parallele Zusammenbruch des Haupt- und des

Nebenstraßennetzes ist daher abzusehen bzw. teilweise Realität.

Die weitere Entwicklung des MIV wird beeinflußt durch:

• die anhaltende Tendenz zur privanten Motorisierung eines großen Teils der

Haushalte,

• die hinzukommende Tendenz zur Beschaffung von Zweitwagen,

• die Zunahme der Motorleistung der beschafften Pkw.

Zu vergleichbar problematischen Auswirkungen trägt der Anstieg des Stellflächenbedarfs

bei. Mit steigenden Verkehrsanteilen des MIV steigt der Bedarf an Stellflä-

221


222

chen für Privat-PKW. Über das verträgliche Maß hinaus wird der öffentliche Straßenraum

als Stellplatz genutzt. Fußwege, Parkanlagen, Grünflächen, Spielplätze

werden zu Abstellflächen der PKW. Teilweise ist ein Auseinanderfall zwischen

Stellplatzbedarf und Stellplatzangebot um mehr als 50 % zu verzeichnen. Die Stadt

Dresden verfügt über keine Parkhäuser und nur über ungenügende P+R-Systeme.

Weiterhin sind Parkplatzangebote im Stadtzentrum (Altmarkt/Kulturpalast/Neustädter

Markt/Pirnaischer Platz u. a.) vorhanden, von denen ihrerseits erhebliche verkehrserzeugende

Wirkungen ausgehen. Es dominiert im Stadtgebiet das ebenerdige

Abstellen der Kfz. Nach Schätzungen werden damit 5 % der Fläche der Stadt Dresden

beansprucht. Wichtige zentralörtliche Funktionen der Stadt Dresden sind ohne

ein angemessenes Konzept zur Regelung und Bewirtschaftung der naturgemäß

knappen Parkraumreserven nicht denkbar.

4. Ansätze zur Integration räumlicher und verkehrlicher Entwicklungsziele

Die Verkehrsregion "Dresden / Oberes Elbtal" zeigt ein zunehmend zersplittertes

Bild, das auf heterogene Raumbezüge und zunehmende funktionale Verlagerungen

zurückgeht, die sich nicht erst seit der Wende ergeben haben. In den letzten Jahren

treten sie jedoch mit verstärkter Dynamik auf. Neben den Kernfunktionen der Stadt

und ihrem notwendigen Verkehr wird das städtische Verkehrsgeschehen von hohen

Anteilen des Transitverkehrs (einscl. Güterverkehr) überlagert; hinzu kommt der

Pendlerverkehr aus den angrenzenden Gemeinden (Wohnstandorten) sowie der

Freizeitverkehr. Für diese verschiedenen Verkehrsfunktionen und -arten sind jeweils

spezifische Konzepte zu entwickeln, die zu einer Stadt- umweltgerechteren Situation

insgesamt beitragen.

Aus der Sicht einer ökologisch orientierten Regionalentwicklung erscheinen uns die

nachfolgend genannten Punkte von besonderer Bedeutung, die in den Gestaltungsszenarien

am Beispiel dieser Region weiter ausgeführt werden sollen:

• Siedlungsstruktur und Flächennutzung als Ausgangspunkt einer verkehrsarmen

Entwicklung

Regionale Wirtschaftskreisläufe zur Verminderung des Personen- und Güterverkehrs

• Innovationen für die Verkehrswirtschaft, Erhöhung der lokalen Problemlösungskompetenzen


223

F DIE PERSPEKTIVEN ÖKOLOGISCHER

REGIONALENTWICKLUNG BEI UNTERSCHIEDLICHEN

RAHMENBEDINGUNGEN

1. Zur Anwendung der Szenariomethode

Die Methode der Szenariotechnik ermöglicht es, sich zukünftige Situationen szenisch

auszumalen und Entwicklungen unter Berücksichtigung unterschiedlichster

Faktoren zusammenhängend darzustellen. So können Entscheidungsalternativen

verdeutlicht und damit ein gewisses Maß an Orientierung erreicht werden. Der hier

verwendete Szenarioansatz beruht auf konzeptionellen Überlegungen, die im Rahmen

des Projektes 'Blickwende in der Technologiepolitik' erarbeitet wurden (vgl. v.

Gleich u.a. 1992, S. 343 ff.).

Vor dem Hintergrund der Aufgabenstellung dieses Gutachtens ist es sinnvoll, die

Szenarien auf zwei Ebenen anzusiedeln. Einerseits werden in zwei Rahmenszenarien

denkbare Varianten der Güterverkehrsentwicklung unter besonderer Berücksichtigung

des Elbeausbaus als Wasserstraße beschrieben. Diese Rahmenbedingungen

sind durch regionale Politik zwar nicht veränderbar, gleichwohl beeinflussen

sie in grundsätzlicher Weise die Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten in den

untersuchten Regionen. Die regionalen Gestaltungsmöglichkeiten und Chancen und

Risiken ihrer Realiserung bis zum Jahre 2010 unter verschiedenen Rahmenbedingungen

darzustellen sind zentrales Element der regionalen Gestaltungsszenarien.

Die Gestaltungsszenarien werden für die beiden Untersuchungsregionen getrennt

entwickelt und dargestellt. Es soll ein Bild divergierender Möglichkeiten entstehen,

zu denen sich die Menschen in der Region eine Meinung bilden können. Die Szenarien

sind ein wichtiges kommunikatives Element zur Veranschaulichung komplexer

Zusammenhänge und sollen Entscheidungsträgern und Bürgern Handlungsalternativen

aufzeigen.

Da die Analyseschwerpunkte für die beiden Teilregionen verschieden sind, ergeben

sich auch unterschiedliche Schwerpunkte hinsichtlich der Handlungsfelder. Insgesamt

ergibt sich folgende methodische und thematische Konstruktion:

• Rahmenszenario I: Ausbau der Elbe 'um jeden Preis'vor dem Hintergrund einer

eigendynamischen Güterverkehrsentwicklung

• Gestaltungsszenario I.A ' Region Elbtalaue': Chancen und Risiken einer ökologischen

Regionalentwicklung

• Gestaltungsszenario I.B 'Region Dresden': 'Chancen und Risiken einer ökologischen

Verkehrs- und Raumentwicklung'

• Rahmenszenario II: Flußangepaßte Binnenschiffahrt auf der Elbe vor dem Hintergrund

einer ansatzweisen Neuordnung des Güterverkehrs

• Gestaltungsszenario ILA 'Region Elbtalaue': Chancen und Risiken einer ökologischen

Regionalentwicklung

• Gestaltungsszenario II.B 'Region Dresden': Chancen und Risiken einer ökologischen

Verkehrs- und Raumentwicklung


224

2. Polarisierte Entwicklung

2.1 Rahmenszenario I: Ausbau der Elbe 'um jeden Preis'vor dem Hintergrund

einer eigendynamischen Güterverkehrsentwicklung

Die Güterverkehrsentwicklung hatte bereits seit Mitte der 90er Jahre im Zuge der

deutschen Vereinigung und der Integration der mittelosteuropäischen Staaten in die

Europäische Union einen stümischen Verlauf genommen. Hauptverantwortlich hierfür

war nach dem Auslaufen der vereinigungsbedingten wirtschaftlichen Konjunktur

in Deutschland das ökonomische Wachstum in Europa (vor allem in den jüngeren

Mitgliedstaaten Portugal, Griechenland, aber auch in Polen, der Tschechischen Republik,

Ungarn und Rumänien), die Verlagerung zahlreicher Produktionsfunktionen

(grundstoff- und arbeitsintensive Massenfertigung) nach Mittel- und Osteuropa sowie

der deregulierte Verkehrsmarkt, der in erheblichem Umfang zusätzliche Frachtraumkapazitäten

nach Deutschland brachte.

Diese Entwicklung hatte sehr unterschiedliche Konsequenzen für die einzelnen Verkehrsträger.

Mit wenigen Ausnahmen auf nationalen und internationalen Märkten

verloren die Massenverkehrsträger Schiene und Binnenschiff große Marktanteile und

lagen im Jahr 2002 bereits bei einem Anteil von weniger als 10% (Schiene) bzw.

15% des Güteraufkommens. Über 70% des Güteraufkommens wurden im Straßengüterverkehr

transportiert, wobei nicht nur der Anteil internationaler bzw. grenzüberschreitender

Transporte stetig wuchs, sondern auch ausländische Firmen einen bedeutenden

Anteil an der Verkehrswirtschaft erlangt hatten. Auf regionaler Ebene

hatte die Schiene allein Wachstumsraten im Bereich der Abfalltransporte, ebenso im

Bauschuttbereich, wo es in beiden Fällen gelungen war, regionale (geringwertige)

Wertschöpfungsketten zu stabilisieren.

Insgesamt ergab sich durch diese Entwicklung eine spürbare Zunahme der Umweltbelastung

durch den Verkehr. Zum einen wurde die Pkw-Flotte in Ostdeutschland

sowie den angrenzenden osteuropäischen Standards immer noch bevorzugt mit Gebrauchtwagen

aus den westdeutschen Beständen aufgefüllt, die geringeren Emissionsminderungsstandards

genügten. Weit mehr als die Hälfte der verkehrsbedingten

Umweltbelastung ging jedoch zulasten der Lkw, deren Anteil an den Fahrleistungen

im Straßenverkehr schon auf über 15 % angestiegen war. Punktuelle Belastungen

wurden außerdem durch das starke Wachstum des Luftverkehrs erzeugt, dessen

Ausbau wesentlich schneller voranging als die Wiederherrichtung der Straßen- und

Schieneninfrastruktur.

Das Binnenschiff konnte auch auf der Elbe nur partiell am Zuwachs der Güterverkehrsnachfrage

partizipieren. Standortvorteile ergaben sich zum einen durch die

Weiterleitung von Seehafenhinterlandverkehren aus Hamburg in Richtung Sachsen,

zum anderen durch die Bedienung von integrierten Transportketten derjenigen Verlader,

die ihren Standort im Einzugsbereich der Elbe gewählt hatten und von ihren

Transportbeziehungen her große Affinitäten zur Elbschiffahrt aufwiesen, so unter

anderem die Distributionszentren zweier großer Versandhäuser. Im kombinierten

Verkehr war das Binnenschiff den kürzeren Transportzeiten der Schiene unterlegen.

Um ein weiteres Abflachen der Marktanteile zu verhindern, wurde trotzdem auf einen

offensiven Ausbau der Elbe gesetzt.


Elbeausbau

225

Die bereits 1991 begonnenen stromregelnden Maßnahmen wurden ab 1995 systematisch

auf allen Elbabschnitten durchgeführt, die Seichtstellen aufwiesen. Ziel dieser

Maßnahmen war es, an mindestens 345 Tagen im Jahr mehr als 1,60 m Fahrinnentiefe

und 50 m Fahrinnenbreite zu gewährleisten.

Nach Vollendung der Unterhaltungsarbeiten an bereits vorhandenen Strombauwerken

am Ufer und im Flußbett, wurden im Jahre 1995 zahlreiche neue Buhnen gebaut

und Kopf- und Sohlschwellen im Flußbett ergänzt. Damit wurde an einigen Stellen

die Fließgeschwindig erheblich beschleunigt, was wiederum zu einer verstärkten

Sohlenerosion und einer Vertiefung der Fahrrinne von bis zu 20 cm.

Schwerpunkt dieser stromregelnden Maßnahmen waren die Seichtstellen bei Torgau

und Magdeburg. Aufgrund dieser Maßnahmen traten in den regulierten Flußabschnitten

eine veränderte Wasserstandshydraulik (Hebungen und Senkungen des

Wasserspiegels) auf.

Für die besonders kritische Stromstrecke im Stadtgebiet von Magdeburg (drei Felsschwellen

mir Stromschnellen, Teilung in zwei Arme) wurde ab 1996 aufgrund einer

Empfehlung der Bundesanstalt für Wasserbau mit dem Bau einer Staustufe begonnen,

die 1997 bereits fertigestellt wurde. Der Aufstau erfolgte nur bei Niedrigwasser,

was aber fast jedes Jahr dazu führte, daß der freie Durchfluß der Elbe oft mehrere

Monate unterbunden war.

Entwicklung der Binnenschiffahrt

Die durch die Baumaßnahmen erreichten Tauchtiefen verbesserten die Bedingungen

für eine wirtschaftliche Binnenschiffahrt nur in geringem Maße. Erwartungen auf einen

Boom der Elbeschiffahrt, die im Vorfeld der Baumaßnahmen immer wieder von

Seiten der Binnenschiffahrtsverbände geweckt wurden, konnten sich nicht erfüllen.

Aufgrund der Konkurrenz zu anderen Verkehrsträgern, insbesondere dem LKW aber

auch einer modernisierten Güterbahn, gelang es der Elbeschiffahrt nicht, in nennenswertem

Umfang neue Märkte zu erschließen. Gleichzeitig ging der Transport

traditioneller Massengüter (Kohle, Kies, Stahl) weiter zurück. Einzig der Schiffsverkehr

zwischen Hamburg und der tschechischen Republik konnte Zunahmen verzeichnen.

Deutsche Binnenschiffer sind auf dieser Route jedoch kaum vertreten.

2.2 Gestaltungsszenario I.A' Region Elbtalaue': Chancen und Risiken einer

ökologischen Regionalentwicklung

Ökologische Folgen der Ausbaumaßnahmen

Durch die Staustufe bei Magedeburg wurde der flußtypische Geschiebetrieb unterbrochen.

Es kam zu einer Rückhaltung des Materials oberhalb des Wehres und infolge

geringer Geschiebefrachten zu einer Eintiefung der Flußsohle. Diese wiederum

veränderte den Grundwasserhaushalt der Auenwälder unterhalb von Magdeburg.

Der Aufstau der Elbe führte insgesamt zu einer Nivellierung der Wasserstandsdynamik.

Der natürliche Wechsel zwischen Überschwemmungsperioden und Niedrigwasser

wurde erheblich gestört. Das insbesondere für den Fortbestand der Aue

wichtige Trockenfallen auch der niedrig liegenden Bereiche entfiel und Dauernässe

stellte sich ein. Unter diesen Bedingungen konnten sich die landschaftstypischen

Lebensgemeinschaften der Aue nicht erhalten. Beinträchtig wurden in Folge dessen

auch die Nahrungsgrundlagen der bedeutsamen Rastvogelvorkommen.


226

Im Jahre 2000, also bereits 4 Jahre nach Vollendung der Ausbaumaßnahmen, wurde

deutlich, daß das Landschafts- und Naturpotential der Region 'Elbtalaue' wesentlich

beeinträchtigt war.

Folgen der Ausbaumaßnahmen für die regionale Entwicklung

Angesichts der Forcierung der Ausbaumaßnahmen und der absehbaren ökologischen

Folgen wurde die Orientierung auf eine ökologische Gesamtentwicklung der

Region aufgeben. Vereinzelt wurden zwar Ansätze einer umweltschonenden und

extensiven Landwirtschaft fortgesetzt, die Maßnahmen zum Elbeausbau bestärkten

jedoch insgesamt die Kräfte, die auf eine traditionelle Intensiv-Landwirtschaft im

Rahmen der EG-Marktordnung setzten. Besonders drastisch war der Umschwung im

Fremdenverkehrsgewerbe. Die begonnene Ausrichtung auf umweltschonende Formen

der Urlaubsgestaltung in Kooperation mit der Naturparkverwaltung wurde als

zunehmendes Risiko angesehen. Bereits seit 1995 verfolgte man eine Doppelstrategie:

Zum einen versuchte man über einige Großprojekte, wie den Akquapark Lenzen

und den Sportboothafen Gorleben freizeitaktive Kurzurlauber zu gewinnen, zum war

man bei den Langzeiturlaubem bemüht die Zielgruppe der Ruhe und Naturnähe suchenden

Klientel anzusprechen. Insbesondere in den Sommermonaten führte dies

zu erheblichen Reibungen zwischen den einzelnen Urlaubergruppen.

Nachdem die Ausbaumaßnahmen an der Elbe vollendet waren und sich erste negative

Auswirkungen in Flora und Fauna der Elbtallandschaft zeigten, blieben die durch

die unklare Angebotsstruktur bereits verunsicherten naturorientierten Urlauber nach

und nach aus. Mit dem Ausfall dieses Marktpotentials waren für das Hotel- und

Gastgewerbe erhebliche Einbußen verbunden. Der Auslastungsgrad für die bereitgestellten

Kapazitäten verschlechterte sich erheblich, da sich die Umsätze nun auf

die traditionellen saisonalen Spitzen und die "Schön-Wetter-Kurzurlauber" konzentrierten.

Auch viele 'sanfte' Infrastruktureinrichtungen, wie Fahrradwege, Naturlehrpade,

Abenteuerspielplätze, für deren Aufbau die Gemeinden erhebliche finanzielle

Anstregungen unternommen hatten, wurden immer weniger frequentiert. Die hiermit

verbundene personelle Betreuung durch Einrichtungen der öffentlichen Hand und

private Vereine wurde nach und nach eingestellt.

Die Orientierung auf die klassischen Marktsegmente in den Bereichen Landwirtschaft

und Tourismus war mit erheblichen ökonomischen Risiken verbunden. Der Verzicht

auf eine qualitative Ausrichtung dieser Bereiche führte dazu, daß die Wettbewerbssituathn

in großem Maße durch quantitative und funktionale Leistungsmerkmale bestimmt

wurden. Da diese Leistungsmerkmale bundesweit von zahlreichen anderen

Anbietern auch angeboten wurden, verstärkte sich der Konkurrenzdruck erheblich.

Unter diesen Wettbewerbsbedingungen setzte ab 1996 ein Konzentrationprozeß sowohf

in der Landwirtschaft als auch im Fremdenverkehrsgewerbe ein. Viele kleine

und familienorientierte Betriebe gaben auf. Um im Preiswettbewerb mithalten zu können,

wurde in den größeren Betrieben in erheblichem Umfang personengebundene

Leistungen zurückgeschraubt. Aufgrund dessen gingen ab 1998 in diesem Bereichen

auch wieder zahlreiche Arbeitsplätze verloren, die Arbeitsplatzperspektiven verschlechterten

sich insgesamt. Der Prozeß der Abwanderung insbesonderer junger

Arbeitskräfte, der bis Mitte der neunziger Jahre gestoppt schien, setzte sich weiter

fort.

Die Ausrichtung der regionalen Landwirtschaft und des Tourismus auf klassische

Marktsegmente hatte zunehmend negative Rückwirkungen auf die Umweltsituation.

Durch die Intensivlandwirtschaft wurde insbesondere in Folge von Stoffeinträgen der

Wasserhaushalt der Region erheblich belastet. Die Verdichtung der Nutzungsiriter-


227

valle führte zu einer Beeinträchtigung von Ruhezeiten und Rückzugsräumen der Tiere.

Dieser Effekt wurde noch durch eine erhebliche Zunahme des motorisierten Urlauberverkehrs

und das rücksichtslose Verhalten der 'erlebnisorientierten' Besucher

verstärkt.

Die ökologischen Folgen des Elbeausbaus und einer klassischen, rein wachtumsorientierten

Regionalentwicklung verstärkten sich gegenseitig, mit dem Effekt, daß die

einmalige Auenlandschaft existenziell gefährdet war. Der Aufbau eines bundesländerübergreifenden

Schutzgebietssystems wurde abgebrochen. Damit entgingen der

Region zahlreiche Förderungsmöglichkeiten durch EU, Bund und Länder. Angesichts

dieser Entwicklungen zogen sich die Naturschutzverbände aus der Regionalentwicklung

zurück und konzentrierten sich auf die Durchsetzung der restriktiven Vorgaben

des Natur- und Landschaftsschutzes.

2.3 Gestaltungsszenario I.B 'Region Dresden' Chancen und Risiken einer

einer ökologischen Verkehrs- und Raumentwicklung

In den ersten vier Jahren nach der Wende hatten sich Bürgerschaft und Stadtverwaltung

in Dresden das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Verkehrsverhältnisse vor dem Hintergrund

der Erfahrungen Westdeutschlands neu zu ordnen, von vornherein eine

umweltverträgliche Entwicklung anzusteuern und "Fehler der Vergangenheit" nicht zu

wiederholen. Dazu sollten gerade auch die vor Ort vorhandenen Kompetenzen zur

Entwicklung von Verkehrslösungen ('im Geiste Friedrich-LJsts') und die Tradition der

Region als wichtiger Schnittpunkt des Eisenbahnnetzes genutzt werden.

Unter dem Druck einer im Vergleich zu anderen Großräumen der neuen Bundesländer

sehr positiven wirtschaftlichen Entwicklung erschien das Risiko jedoch zu groß,

den absehbaren ökonomischen Aufschwung durch Engpässe in der Verkehrsinfrastruktur

zu gefährden. Der ökologische Ansatz in der kommunalen und regionalen

Verkehrspolitik ("städtebaulich orientierte Verkehrsentwicklungsplanung") wurde

zwar offiziell nicht aufgegeben, doch wurden die in der Öffentlichkeit stark umstrittenen

Maßnahmen (Bewirtschaftung des Parkraums, Einführung einer Nahverkehrsabgabe

zugunsten des Ausbaus der Straßenbahn, Stop der Autobahn Dresden-

Prag) zunächst fallengelassen. Auf diese Weise konnten der Baubeginn der Untertunnelung

des 26er Rings, der Baubeginn der Autobahn sowie in der Region der Bau

der Ortsumfahrung Dippoldiswalde sichergestellt werden. Auch die Errichtung eines

telematischen Verkehrsleitsystems wurde für diesen Fall in Aussicht gestellt, das aus

dem Sonderfonds "Transeuropäische Netze" der EU in Form eines zu 75% rückzahlbaren

Kredits finanziert werden sollte.

Mit dieser Entwicklung war aber gleichzeitig eine erhebliche Zunahme von Konflikten

festzustellen, denn weder wurden die funktionalen Engpässe des Verkehrssystems

in der Stadt beseitigt noch verbesserten sich Unfallproblematik, Immissionssituation

und Lebensqualität. Daraus resultierte eine spürbare gesellschaftliche Polarisierung

bezüglich der Verkehrsentwicklung, die ihren sichtbaren Ausdruck in der Zunahme

von Demonstrationen, spontanen Straßenbesetzungen und -blockaden durch nichtorganisierte

Jugendliche und Rentner sowie einschlägige Interessengruppen fand.

Die Verkehrspolizei wird zunehmend in die Regelung gesellschaftspolitischer Konflikte

um den Verkehr einbezogen.

Das zentrale Problem aus Sicht einer ökologisch orientierten Regionalentwicklung

bestand in der zunehmenden raumstrukturellen Polarisierung der Stadtregion.

Raum-funktionale Ausdifferenzierung, gespaltene Raumentwicklung zwischen dem


228

Brachfallen von Kernbereichen und der wachsenden Neuausweisung in Außenbereichen

sowie die sehr unterschiedliche Entwicklung der einzelnen (Neben-) Zentren

waren die wichtigsten Merkmale dieser Polarisierung. Während die Revitalisierung

der Innenstadt bescheidene, aber sichtbare Fortschritte machte, wurden mehr als

drei Viertel der neuen Verkaufsflächen für den Handel außerhalb der Stadt Dresden

angesiedelt Im gewerblichen Bereich wurde vom ursprünglichen Ziel der bevorzugten

Wiedereinrichtung und Ausweisung von Nutzflächen entlang des Schienennetzes

aufgrund der zahlreichen Altlasten Abstand genommen. Die Planung neuer Gewerbe-

und Sondergebietsflächen erfolgte mit Priorität im Norden der Stadtregion, wo

sich bereits der Flughafen Dresden-Klotzsche als Magnet für arrondierte gewerbliche

Nutzungen erwiesen hatte. Außerdem wurde an einigen Stellen bereits die Elbtalaue

als einziger topographisch "freier" Korridor Dresdens ins Umland für Bebauungsplanungen

in Anspruch genommen.

Als Folge dieser zunehmenden Fragmentierung (Zersplitterung) der Raumstruktur

hatte die Verkehrsbelastung auf regionaler und städtischer Ebene erheblich zugenommen.

Stadteinwärts war die Belastung des Straßennetzes im Berufspendlerverkehr

in dem Maße gestiegen, wie sich der ursprüngliche Bedeutungsgewinn der

Kemstadt als Wohnstandort gegenüber den Umlandgemeinden (noch vor Wendezeiten)

zugunsten einer verstärkten Außenorientierung gewandelt hatte. In umgekehrter

Richtung erzeugte der Funktionsverlust von Kernstadt und Nebenzentren gegenüber

den neuen Baugebieten im Außenbereich einen stetig wachsenden Verkehrsstrom

der Freizeit- und Einkaufsverkehre an die Peripherie der Kemstadt. Die Antwort der

städtischen Verkehrsplanung bestand im wesentlichen darin, die angemessenen Infrastrukturen

bereitzustellen, wobei dabei durchaus auf eine ausgewogene Relation

zwischen öffentlichem Verkehr und Pkw-Verkehr geachtet wurde. Auf eine ringsförmig

zu schließende Innenstadtumfahrung konnte in Dresden jedoch nicht verzichtet

werden.

Die Verkehrswirtschaft hatte mit Vorrang Flächen am Rande des Stadtzentrums belegt,

die aber nur noch teilweise mit Schienenanschluß ausgestattet waren. Die neuen

logistischen Anforderungen der Verlader waren jedoch ohnehin auf eine Leistungsqualität

ausgerichtet, die vom Schienenverkehr nicht oder nur stark begrenzt

erfüllt werden konnte. Außerdem waren die ortsansässigen Speditionen gegenüber

einigen großen osteuropäischen Nachfragern bei der Vergabe von Fahrplantrassen

der Bahn in einen strukturellen Nachteil geraten (vesäumte Bildung von Anbieterkonsortien),

so daß die Möglichkeiten für ein verstärktes Ausweichen auf die Bahn auch

strukturell begrenzt waren. Da die Fernverkehre bei der Trassenvergabe einen höheren

Preis als die Nahverkehre erzielten, wurde der aufkommensträchtige Nahverkehr

(Ziel- und Quellverkehr der Region Oberes Elbtal, teilweise auch Binnenvekehr) gegenüber

dem Femverkehr hier weiter benachteiligt.

3. Ausgewogene Entwicklung

3.1 Rahmenszenario II: Flußangepaßte Binnenschiffahrt auf der Elbe vor

dem Hintergrund einer ansatzweisen Neuordung des Güterverkehrs

Ziele und Elemente der Neuordnung

Als übergeordnetes Leitbild einer ökologisch orientierten Verkehrsentwicklung wurde

eine ökologisch raumordnerische Perspektive gewählt. Ausschlaggebend hierfür war

die Absicht, daß der Verkehrssektor auch entsprechende Entlastungsbeiträge für


229

übergeordnete Entwicklungsziele besteuern sollte. Vor diesem Hintergrund bestanden

die folgenden Anforderungen an den Verkehrssektor:

• Integration der Verkehrsfunktion (auch der Binnenschiffahrt) in andere räumliche

Entwicklungsziele,

• Ausgleich der lokalen/regionalen und überregionalen Nutzungsansprüche und

• Integration und (ökologische) Optimierung der verschiedenen Verkehrsträger im

Rahmen eines funktionalen Gesamtsystems.

Dieser Ansatz konnte zunächst nur auf der Basis einer Reduzierung der Gesamttransportmengen

sinnvoll dargestellt werden, da die Transportvolumina Anfang

der 90er Jahre viel zu hoch waren. Als Leitlinie wurde ein jährliches Reduktionsziel

von 2,5% Minderung der Verkehrsleistung angestrebt. Darüber hinaus ging es vorrangig

um die Frage, wir die Interessen des Transitverkehrs gegenüber den in den

Elbanrainer-Regionen angesiedelten ökonomischen und ökologischen Ansprüchen

angemessen berücksichtigt werden konnten.

Flußangepaßte Binnenschiffahrt

Nach Jahren der Vorbereitung durch verschiedene Forschungsprojekte des Bundes

wurde 1996 durch die Bundesregierung ein Technologieförderprogramm 'Flußangepaßte

Binnenschiffe' aufgelegt und mit Mitteln aus der Wirtschaftsstrukturförderung

kombiniert. Ziel dieses Programmpakets war es, zum einen in relativ kurzer Zeit einen

neuen Schiffstyp bauen zu lassen und dessen wirtschaftliche und technische

Leistungsfähigkeit unter Realbedingungen zu überprüfen. Zum anderen sollten

hiermit die noch vorhandenen Binnenschiffahrtswerften in den ostdeutschen Bundesländern

gestärkt werden. Die parallele Freigabe von Investitionszuschüssen wurde

an die Auflage gebunden, entsprechende Aufträge an die ostdeutschen Werften zu

erteilen.

Die technischen Entwicklungsaufgaben konnten in relativ kurzer Zeit gelöst werden.

Die bisherige Bauform der Leichter konnte beibehalten werden, sie wurden nur mit

geringerem Baugewicht und kürzeren Abmessungen erstellt. Für den Einsatz bei geringen

Tauchtiefen wurde ein neues Schubboot entwickelt. (Schubboote haben einen

festen bzw. nahezu gleichbleibenden Tiefgang, während der des Güterschiffes erheblichen

Schwankungen ausgesetzt ist.) Das technische Problem bestand darin,

Schubboote so zu konzipieren, daß sie bei nur 15m Länge und einem Tiefgang von

nur einem Meter ihre volle Leistungskraft entwickelten (Normalerweise führt die Verkürzung

eines Schubers zu einer Erhöhung des Tiefgangs).

Die Entwicklung von Schubkombination mußte neben den geringen Tauchtiefen auf

der Elbe desweiteren beachten, daß das Hebewerk Rothensee nur eine nutzbare

Länge von 85 Metern aufweist. Von daher bestand die Vorgabe, Leichter mit einer

Länge von ca. 70 Metern und 11,40 Breite mit ca. 15 Meter langen Schubboten zu

kombinieren.

Nach dem ersten Bau derartiger Schubkombinationen stellte sich folgende Praxis

ein: Bis zum Hebewerk Rothensee wurde mit zwei kleinen Leichtem gefahren, dort

wurden die beiden Leichter getrennt abgeschleust, um danach die Fahrt mit beiden

Leichtern wieder fortzusetzen. Nach dem Ausbau des Mittellandkanals war die Elbe

auch mit einem Doppelverband befahrbar, was die Wirtschaftlichkeit erheblich erhöhte.

Hier kamen auch die in der Duisburger Versuchsanstalt für Binnenschiffbau (VBD)

entwickelten Gelenkkupplungen zum Einsatz, die den Schilfsverband praktisch zu

einem Motorgüterschiff verbinden.


230

Die wirtschaftliche Lage der Binnenschiffahrt als Innovationshemmnis

Trotz der Entwicklung eines leistungsfähigen Prototyps eines flußangepaßten

Schubverbandes führte dies in den neunziger Jahren nicht zu einer massenhaften

Umrüstung der bisherigen Flottenbestände. Hauptgrund hierfür war die insgesamt

schlechte wirtschaftliche Lage der deutschen Binnenschiffahrt. Das durch den Bundestag

1994 verabschiedete Tarifaufhebungsgesetz führte zur Aufhebung der bisherigen

Tarifsysteme in Deutschland, obwohl in den Niederlanden, Belgien und Frankreich

die sog. Tour-de-Role-Systeme fortbestanden, die es ertaubten, neben den

festen Frachten auch Ladungszuteilungen zu bekommen. Den Flotten der westeuropäischen

Nachbarstaaten wurde aufgrund des Wegfalls der Kabotagevorbehalte ab

1995 ein freier Zutritt zu den deutschen Binnenschiffahrtsmärkten ermöglicht.

Schließlich nahm bis Mitte der neunziger Jahre der Wettbewerb osteuropäischer

Flotten zu, die vielfach deutsche Umwelt- und Sozialstandards unterliefen. Festgestellte

Verstöße wurden in der Regel nicht wirkungsvoll sanktioniert. Hinzu kam

noch die Konkurrenz mit anderen Verkehrsträgern (Bahn und Lkw), die ihre logistisches

Leistungsangebot erheblich verbesserten. Diese Entwicklung führte insgesamt

zu weiteren Überkapazitäten und zu einer systematischen Erlösverschlechterung bei

der deutschen Binnenschiffahrt, was die Bereitschaft zu unternehmerischen Risiken

in Form von Investitionen erheblich beeinträchtigte.

Moderate Anpassung der Elbe an die Anfordernisse der Schiffahrt

Von den ursprünglichen Plänen zur Anpassung der Elbe an die Standardnormen der

Binnenschiffahrt wurde angesichts der technischen Alternativen im Schiffsbau Abstand

genommen. Insbesondere wurden die Staustufenplanungen bei Magdeburg

nicht weiterverfolgt; stattdessen wurden 1996 zur Verbesserung der Verhältnisse am

Domfelsen konventionelle flußbauliche Maßnahmen präferiert (Sohl- und Kopfschwellenverbau

kombiniert mit einem Felsabtrag). Die Strombaumaßnahmen

(Instandsetzung von Buhnen), wie sie bereits im Bundesverkehrswegeplan des Jahres

1992 vorgesehen waren, wurden abgeschlossen. Durch die Beschleunigung der

Fließgeschwindiskeit kam es an verschiedenen Stellen zu einer Vertiefung der Sohle.

Als Folge hiervon wurden einige angrenzenden Feuchtgebieten aufgrund von

Grundwasserabsenkungen trockengelegt. Um diese negativen ökologischen Auswirkungen

zu stoppen, wurden zusätzliche Mittel für besondere flußbauliche Maßnahmen

zur Stabilisierung des Flußbettes (Bau von Sohlenschwellen, Zugabe von Kies)

bereitgestellt.

3.2 Gestaltungsszenario II.A 'Region Elbtalaue': Chancen und Risiken einer

ökologischen Regionalentwicklung

Naturschutzfachliche Rahmenplanung

Entsprechend eines früheren Beschlusses der Elbe-Anliegerländer wurden die Vorarbeiten

und Fachplanungen zur Ausweisung eines länderübergreifenden Großschutzgebietes

mit integriertem Nationalpark (Nationalparkverfahren) zügig abgeschlossen

und ab 1995 realisiert. Der integrierte Nationalpark entstand auf den Flächen

der Länder Niedersachsen und Brandenburg und wurde von einer länderübergreifenden

Arbeitsgemeinschaft nach gleichen Maßstäben entwickelt. Parallel hierzu

wurde die Schutzkategorie Biosphärenreservat beantragt. Das vom Naturschutzbund

Deutschland (NABU) erarbeitete Zonierungskonzept wurde sowohl in Brandenburg

als auch in Niedersachsen umgesetzt. Dieses Konzept sieht eine Kernzone und eine

Pufferzone vor. Die Kernzone besteht im wesentlichen aus den noch regelmäßig


231

Oberfluteten Auenflächen und den Bereichen, die bisher bereits unter Naturschutz

standen. Kernzone und Pufferzone bilden zusammen den Nationalpark, der Einschluß

der dazwischen liegenden Nutzungsbereiche ergibt insgesamt das Biosphärenreservat.

Angesichts des engen Ineinandergreifens von Schutz- und Nutzungsinteressen im

Rahmen der naturschutzfachlichen Gesamtplanung, wurde seitens der Naturschutzverbände

frühzeitig signalisiert, daß man das Großschutzgebiet nicht im Gegensatz

zu ökonomischen Entwicklungszielen sähe, sondern als zentrales Element einer

ökonomisch-ökologischen Regionalentwicklung auffasse. Nach anfänglichen Bedenken

seitens der Landwirte im Kreis Lüchow-Dannenberg gelang es 1995, eine erste

Regionalkonferenz der Elbanrainerkreise unter zum Thema 'Das Großschutzgebiet

Elbtalaue als eine Chance für Landwirtschaft und Tourismus' einzuberufen. Auf dieser

Konferenz wurden konkrete Möglichkeiten einer umweltschonenden Landwirtschaft,

eines 'sanften Tourismus' und einer verbesserten Verkehrsanbindung mit

umweltfreundlichen Verkehrsmitteln vorgestellt. Beschlossen wurde die Gründung

einer regionalen Entwicklungsgesellschaft, die folgende Maßnahmen konzeptionell

vorbereiten und die hierfür notwendigen Finanzierungsquellen erschließen sollte:

• Förderung von regionalen Lieferverflechtungen und ökologischen Vorreiterunternehmen,

• Gründung einer Beratungsagentur für ökologische Innovation und Qualifikation,

• Sicherung einer kontinuierlichen Information durch die lokalen und regionalen

Medien,

• Stärkung traditioneller Elbverbindungen, um weiter Marktpotentiale für Landwirtschaft

und Tourismus zu aktivieren,

• Entwicklung eines regionalen Markenzeichens für touristische und landwirtschaftliche

Produkte,

• gemeinsames Regional-Marketing von Landwirtschaft und Tourismus

Desweiteren wurden verschiedene Modellprojekte initiiert, von denen man sich Ausstrahlungs-

und Multiplikatoreffekte auf andere Bereiche versprach. In der Abschlußerklärung

der Konferenz wurden zwei Grundgedanken noch einmals besonders

herausgestellt "Die eingeleitete länderübergreifend Regionalentwicklung in der Elbtalaue

solle erstens dazu beitragen, die nach wie vor drastischen Unterschiede in

den Einkommens- und Lebensverhältnissen links und rechts der Elbe abzubauen

und zweitens sollen mit der Erschließung ökologischer Marktpotentiale vor allem in

den Bereichen Landwirtschaft und Tourismus neue Arbeitsplätze geschaffen werden."

Die Beschlüsse der Regionalkonferenz fanden mehrheitliche Zustimmung in den

Gemeinden und bei der Bevölkerung. Allgemein wurde der vorgezeichnete Weg als

eine Chance begriffen, diesem strukturschwachen Raum unter maßgeblicher Beteiligung

der ortsansässigen Wirtschaftsakteure neue Impulse zu verleihen.

Ökologische Entwicklung der Landwirtschaft

Die Beschlüsse der Regionalkonferenz stießen im landwirtschaftlichen Bereich zunächst

auf ein sehr unterschiedliches Echo. In der kleinstruktrierten, familienorientierten

Landwirtschaft des Kreises Lüchow-Dannenberg wurden die ökonomischen

Chancen des ökologischen Landbaus zunächst als gering eingeschätzt. Aufgrund


232

alten Konflikte mit dem Naturschutz, stieß die Idee einer gemeinsamen Entwicklungsstrategie

basierend der Ausweisung des Großschutzgebietes auf viele Vorbehalte,

in denen immer die Angst mitschwang, ein Stück Eigenständigkeit zu verlieren.

Die bereits ökologisch-produzierenden Höfe hatten sich schon in der Vorbereitung

der Regionalkonferenz erheblich engagierten. Damit reproduzierten sich die alten

politischen 'Lager 1 , die auch bei anderen politischen Anlässen immer wieder zu Polarisierungen

führten. Ganz anders stellte sich die Situation in der Landwirtschaft der

Ostgemeinden dar. Auf dem Gebiet der neuen Bundesländer war die Landwirtschaft

nach wie vor durch Großstrukturen und großflächige Anbaumethoden geprägt. Aufgrund

des abrupten Sprungs in die EU-subventionierten Märkte mit ihren Überangeboten

und erheblicher Modernisierungsdefizite sowie großer Personalüberhänge

standen hier viele der ehemaligen LPGs, die inzwischen privatisiert wurden, vor großen

wirtschaftlichen und sozialen Problemen. Vor diesem Hintergrund war für viele

Bethebe der Vertragsnaturschutz eine wichtige Möglichkeit, die ökonomische Situation

zu verbessern. Die gemachten Erfahrungen in den Jahren 1992 bis 1994 waren im

wesentlichen positiv und so bestand bei den Ostbetrieben der Landwirtschaft eine

sehr viel größere Bereitschaft, sich im Rahmen der geplanten Schutzgebietsausweisungen

zu arrangieren. Dies schlug sich auch in einer aktiven Beteiligung bei der

Vorbereitung der Regionalkonferenz nieder. Der Beschluß der Regionalkonferenz, im

landwirtschaftlichen Bereich eine regionale Vernetzung und Vermarktung von Qualitätsprodukten

in Angriff zu nehmen, wurde damit nur von einem Teil der Landwirte

getragen.

In Folge der Regionalkonferenz wurden die Umstellungsaktivitäten zunächst auf zwei

Bereiche konzentriert:

Erstens. Auf der Basis der vorhandenen betrieblichen Infrastrukturen und Kenntnisse

begannen einige Betriebe mit der extensiven und artgerechten Aufzucht von Rindern.

Die Rinderzucht war dabei in den 'Gemischtbetrieb' der Höfe integriert: Die

Futtergrundlage wurde durch den eigenen Hof erwirtschaftet, das Weidevieh düngt

die Grünlandflächen und der anfallende Wirtschaftsdünger (Stallmist und Gülle)

stand zur Düngung der Ackerflächen zur Verfügung. Schnell stellte sich heraus, daß

die extensive Viehhaltung kein ökonomischer Selbstläufer war, sondern durch die

aktive Erschließung von Verarbeitungs- und Vermarktungspotentialen begleitet werden

mußte. Hierzu wurden seitens der Landwirte mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung

verschiedene Instrumente entwickelt. Als wesentlichster Schritt stellte sich

die Gründung einer Erzeugergemeinschaft 'Qualitätsfleisch aus der Region Elbtalaue'

heraus. In Verbindung mit der Öffentlichkeitsarbeit für den Naturpark erlangte

diese in den umliegenden Städten einen hohen Bekannheitsgrad. Ihr gelang es in

relativ kurzer Zeit, einen festen Kundenstamm aus gehobener Gastronomie und Lebensmittelfachhandel

aufzubauen. Für die Erschließung des kleineren regionalen

Marktes wurden regelmäßig die Metzgereien und regionaler Gastronomie über

Schlachttermine und Ordermöglichkeiten informiert.

Zweitens: Die Erfahrungen mit der Verarbeitung und Vermarktung von Milch aus

ökologischer Landwirtschaft im Kreis-Lüchow-Dannenberg ermutigte auch 3 Betriebe

in Brandenburg zu einer entsprechenden Umstellung. Aufgrund der bereits bestehenden

Weiterverarbeitungsstrukturen konnte das ökonomische Risiko der Umstellung

gemindert werden.

Für die Umstellungen wurden insgeamt aus folgenden Förderprogrammen Mittel beantragt

und bewilligt:


233

1. Gemeinschaftsaufgabe (GA) "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes"

für folgende Maßnahmen. Förderung der extensiven Grünlandnutzung

und ökologischer Anbauverfahren. Umwandlung von Ackerflächen in extensives

Grünland. Der Förderungsschlüssel betrug hierfür 50% (75%) EG, 30% (15%)

Bund und 20% (10%) Bundesland (Angaben in Klammern gelten für die neuen

Bundesländer).

2. Programme der einzelnen Bundesländer: Für Maßnahmen der VO 2078/92, die

nicht über die GA gefördert werden, erarbeitet die Elbanrainer-Länder ein gebietsspezifisches

Förder-Programm für die "Region Elbtalaue". Ab 1996 wurden diese

Förderungen nach entsprechender Prüfung von der EU kofinanziert (50% bzw.

75%).

Die eingeleitete Entwicklung hatte auch erhebliche Ausstrahungskraft in andere Bereiche:

• durch die Direktvermarktung ab Hof und ein erweitertes Programm Ferien auf

dem Bauernhof wurden die Bevökerung und die Urlauber mit den Arbeits- und

Lebensbedingungen in der lanwirtschaft vertraut gemacht und lernten insbesondere

die Praxis einer naturnahen Bewirtschaftung kennen.

• durch die Erschließung regionaler Absatzwege erhöhte sich insgesamt die Wertschöpfung

in der Region. Gleichzeitig wurden durch die ökologische Qualität der

regionalen Produkte das Gesamtimage der Region verbessert.

'Sanfter' Tourismus

Die touristische Ausgangssituation stellte sich 1995 für die Ost- und Westgemeinden

der Region recht unterschiedlich dar. In den Westgemeinden mußten aufgrund der

deutschen Vereinigung vielfältig gewordeneren Möglichkeiten des Hamburger und

Berliner Stammpublikums zur Naherholung Kapazitätseinbußen hingenommen werden.

Ein weiteres Problem waren die erheblichen Kapazitätslücken außerhalb der

saisonalen Spitzen (verlängerte Wochenenden, Sommerferien). In den Ost-

Gemeinden stellte sich eine grundsätzlich andere Problematik. Bis auf das touristisch

relativ gut erschlossene Bad Wilsnack waren die Beherbergungskapazitäten und der

Ausbaustand der Freizeitinfrastruktur unzureichend. Sowohl im Westen als auch im

Osten der Region drohten jedwede Investitionen an Kapitalmangel zu scheitern.

Mit der Ausweisung als Großschutzgebiet eröffneten sich der Region neue Möglichkeiten,

Fördermittel im Rahmen der Regional- und Strukturförderung zu beantragen.

Die Bundesländer Niedersachsen und Brandenburg gingen als erste dazu über, die

Vergabe von finanziellen Mitteln von der Einlösung ökologisch ausgerichter Anforderungen

abhängig zu machen, die sich in Übereinstimmung mit dem regionalen Entwicklungskonzept

befanden. Damit konnte ein wesentlicher Engpaß faktor für die angestrebten

Umstellungen beseitigt werden.

Herausragend waren vor allem folgende Maßnahmen zur Verbesserung und Vermittlung

des Angebots:

• West-Gemeinden: Aufbau eines elektronischen Reservierungssystems in Zusammenarbeit

mit den örtlichen Kreditinstituten

• Ost-Gemeinden: Förderung von Investitionen zum Bau von Einliegerwohnungen

und zur Erhöhung der Qualitätsstandards des Angebots

• Erstellung einer Checkliste 'Umweltbewußte Betriebsführung', Auszeichnung von

Betrieben durch den Fremdenverkehrsverein


234

• Verbesserung des gastronomischen Angebots, Aufnahme regionale Spezialitäten

in die Speisekarten

• Förderung der Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte aus

der Region

• Erstellung eines regionalen Marketingkonzeptes, 'Natur erleben, Natur bewahren

- Urlaub in den Elbtalauen'

• Bundesweite Marketingaktion in Kooperation mit den Naturschutzverbänden

Diese Aktivitäten der touristischen Anbieter und der Fremdenverkehrsvereine wurden

durch die Gemeinden vielfältig unterstützt. Das touristische Angebot wurde durch

den Ausbau einer umweltschonenden Freizeitinfrastruktur abgerundet. Die Fahrradinfrastruktur

wurde erheblich ausgebaut, durch die Kombination von Elbfährbetrieb,

öffentlichem Nahverkehr und Fahrradverkehr wurde die Attraktivität der umweltschonenden

Verkehrsmittel erheblich gesteigert, die Informationen zur Erreichbarkeit der

Region mit öffentlichen Verkehrsmitteln wurde verbessert.

Im Zuge der genannten Maßnahmen gelang es bis zum Jahre 2005 ca. 50 % des

touristischen Produkt- und Dienstleistungsangebote auf ökologisch Kriterien auszurichten

und damit das Konffiktpotential mit dem Naturschutz wesentlich zu entschärfen.

Mit der Ausweisung des Großschutzgebietes 'Elbtalaue' war eine touristische

Entwicklung der Region eingeleitet worden, die Viele nicht für möglich gehalten hatten.

Die touristischen Betriebe hatten sich ein neues Stammpublikum erschlossen

(Familien mit jüngeren Kindern, Naturfreunde, Radwanderer, Wanderer), die auch

das ganze Jahr über die Region besuchten und damit zu einer guten Auslastung der

Kapazitäten beitrugen. Die verbesserte Ertössituation des Hotel- und Gaststättengewerbes

schlug sich positiv auf die Anzahl und Qualität der Arbeitsplätze nieder.

Durch die Erhöhung der Bettenkapazitäten um ca. 1500 entstanden insgesamt ungefähr

500 neue Dauerarbeitsplätze. Die qualitativ orientierte touristische Entwicklung

trug darüber hinaus in erheblichem Maße zur Stabilisierung der ökonomischen Situation

des örtlichen Einzelhandels, der Gastronomie und des Handwerks bei. Die Wertschöpfungsrate

konnte insbesondere dort gesteigert werden, wo es gelang, dauerhafte

regionale Ueferverflechtungen aufzubauen.

3.3 Gestaltungsszenario II.B 'Region Dresden': Chancen und Risiken einer

ökologischen Verkehrs- und Raumentwicklung

Als Leitbild einer ökologischen Verkehrs- und Raumentwicklung hatten sich die verantwortlichen

Handlungsträger eine zweistufige Strategie zum Ziel gesetzt: zum einen

sollten die Rahmenbedingungen der Verkehrsentwicklung insbesondere auf den

Ebenen der räumlichen Planung und der ökonomischen Entwicklung dahingehend

beeinflußt werden, daß die Verkehrsnachfrage in der Region systematisch reduziert

werden konnte. Zum anderen bestand die Aufgabe, durch ein geschicktes kommunikatives

Management die Regelung der verbleibenden Verkehrsnachfrage möglichst

efftzient, bedürfnisgerecht und umweltschonend zu organisieren. Dies wurde beispielhaft

am lokalen und regionalen Güterverkehr erprobt.

Auf der ersten Stufe wurden zwei Schwerpunkte bearbeitet. Als erster Schritt wurde -

dem Prinzip "Dichte" folgend - ein integriertes Modell einer regionalen Flächen- und

Verkehrsentwicklung entworfen, mit dem die verkehrserzeugenden Wirkungen eines

unkontrollierten Flächenverbrauchs eingedämmt werden sollten. Maßnahmen dieses

Programms waren die Orientierung in der Wohnbauflächenausweisung an vorgege-


235

benen, in der Kernstadt realisierten Dichtwerten (GFZ) sowie die bevorzugte Ausweisung

von Wohnbauflächen entlang der Korridore des öffentlichen Verkehrs, so beispielsweise

in der Stadt Radeberg sowie den Randgemeinden der Dresdner Heide.

Dadurch konnten kompakte Bauflächen mit einem hohen spezifischen Nutzungsgrad

realisiert werden, außerdem wurden autolose Wohnformen strukturell begünstigt,

nachdem auch die rechtlichen Voraussetzungen hierfür geschaffen waren (Änderung

der Landesbauordnung) und die Verkehrsbetriebe von Beginn an in die Flächennutzungsplanung

einbezogen worden waren. Ein entsprechendes Projekt nach dem

1993 ins Leben gerufenen sogenannten "Bremer Modell" konnte jedoch aufgrund

juristischer Probleme (Belegungsbindung für Mieter ohne Pkw) noch nicht starten.

Die restriktiven Maßnahmen gegen den Flächenverbrauch konnten nur gegen den

heftigen Widerstand einiger einflußreicher Investorengruppen durchgesetzt werden,

die ihrerseits Planungen nach dem geringsten Realisierungswiderstand favorisiert

hatten. Veränderte gesetzliche Grundlagen, vor allem die 1998 novellierte Baunutzungsverordnung

(BauNVO) sowie die Einführung von Preisen als lokales und regionales

Steuerungsinstrument ermöglichten den beschleunigten Zugriff der Stadt

Dresden auf Flächenreserven sowie die Abschöpfung planungsbedingter Wertsteigerungen

zugunsten der öffentlichen Hand. Dadurch wurde die "kompakte Stadt" zumindest

in Ansätzen möglich. Immer mehr setzte sich die Erkenntnis durch, daß eine

Steuerung der Verkehrsentwicklung primär über eine Steuerung der Flächennutzung

und nicht über einen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zu erfolgen hatte.

Als zweiter Schritt wurde - dem Prinzip "Mischung" folgend - auf die Stärkung regionaler

Wirtschaftskreisläufe und eine Ankopplung der kompakten Siedlungsentwicklung

an eine regional stärker eigenständige Ökonomie verfolgt. Dies wurde exemplarisch

in der Nahrungsmittelversorgung versucht. Dazu konnten sowohl einige landwirtschaftliche

Erzeuger und Genossenschaften in der Region gewonnen werden als

auch zwei Lebensmitteleinzelhandelsketten, die mit zahlreichen Standorten in der

Stadtregion vertreten waren. Federführend auf Seiten der Landeshauptstadt war die

Wirtschaftsförderung, die hier im Verbund mit der Stadtentwicklungsplanung agierte.

Im Kombination mit einer Strategie der Stärkung der Nebenzentren im Stadtgebiet

als Distributionsstandorte wurde eine regionale Beschaffungsoption verfolgt, die dazu

beitrug, daß die Güterfernverkehr in der Güterabteilung Nahrungs- und Futtermittel

sowie bei veredelten (Fertig-) Produkten um ca. 40% zurückging. Gleichzeitig wurde

ein Beitrag zur Stärkung der Wertschöpfung im Primärsektor geleistet. Freie Initiativen

übernahmen die Distribution der Lebensmittel in denjenigen Vierteln, die aufgrund

ihrer zu geringen Einwohnerdichte kein ausreichendes Potential für kommerzielle

Einrichtungen (Läden) boten.

Regionale Entwicklungsperspektiven der Verkehrswirtschaft

Neue Ansatzpunkte im Verkehrsmanagement wurden mit Priorität zur Verbesserung

der Standortbedingungen der lokalen Verkehrswirtschaft angegangen. Dabei stellten

sich für die Dresdner Wirtschaftsförderung zwei grundlegende Innovationsziele:

• erstens die Verbesserung der Transportabwicklung durch logistische Konzepte,

wobei die örtlichen Verkehrs- und Logistikdienstleister in die Problemlösung einbezogen

werden sollten (Entwicklung örtlich angepaßter, maßgeschneiderter Problemlösungen);

• zweitens die Anpassung des Güter- und Wirtschaftsverkehrs an städtische Strukturen

und die Reduzierung der vom Schwerverkehr ausgehenden Belastungen


236

(Herstellung des Systemcharakters, Mobilisierung von Synergie-Effekten, bessere

Nutzung des vorhandenen Verkehrsraumes).

Im ersten Bereich ging es vor allem um neue Angebotskonzepte, insbesondere hinsichtlich

der Neuordnung der Güterverteilung in der Stadt bzw. in die Stadt und einer

verbesserten Verknüpfung von Nah- und Fernverkehr. Dabei spielt die Kooperation

lokaler und regionaler Akteure eine herausragende Rolle. Die Verbesserung der

Standortbedingungen für die örtliche Verkehrswirtschaft wurde auch als Beitrag zur

Stärkung der lokalen und regionalen Wirtschaftsstruktur gesehen.

Das zweite Ziel war auf die Anpassung des Güter- und Wirtschaftsverkehrs an städtische

Strukturen und auf die Reduzierung der vom Schwerverkehr ausgehenden

Belastungen gerichtet Die für die Unternehmen unmittelbar kostenwirksame Optimierung

des Logistiksystems (Routenkoordination, Auslastungsplanung, Fahrtenreduzierung

etc.) hatte sich verstärkt in Form von gesamtwirtschaftlichen Effekten ausgewirkt.

Diese regionale Güterverkehrspotitik konnte in gemeinsamer Aktion von Planung,

Wirtschaftsförderung und Unternehmen nur gelingen, weil der Staat über die

EU-weite Einführung einer Schwerverkehrsabgabe und die stufenweise Anhebung

der Treibstoffsteuern finanzielle Anreize zur Einsparung von Transporten gegeben

hatte, die eine Beteiligung an solchen Modellen auch für die Unternehmen interessant

erscheinen ließen. Gleichzeitig wurden die Zulassungsvorschriften und -normen

für den internationalen Güterverkehr verschärft, so daß harmonisierte Wettbewerbsbedingungen

für eine faire ordnungspolitische Flankierung sorgten.

Bausteine der Innovationspolitik

Neue Angebotskonzepte der Verkehrswirtschaft, die sich auf den spezifischen Bedarf

örtlich tragender Branchen bzw. führender Unternehmen richteten, waren der wichtigste

Baustein dieser Innovationsstrategie. Aus ökologischer Sicht waren dabei vor

allem jene Leistungen und Kooperationen von Interesse, die eine Effizienzsteigerung

(Bsp. verbesserte Auslastung von Fahrzeugen) bzw. Reduzierung des Straßengüterverkehrs

mit sich bringen. Neue Transportketten für aufkommensstarke 'Leitgüter 1 in

den Regionen erhöhen die Verträglichkeit und Abstimmung zwischen Warenfluß und

Stadtgestalt, Umwelt und Lebensqualität. Dazu gehören auch stärkere Kooperationen

mit der Bahn.

Ein weiteres Innovationsbeispiel war die Standortpolitik des Verkehrsgewerbes, das

sich zunehmend auf Restriktionen für den Straßenverkehr in dem Dresdner Innenstadtzentrum

einstellen mußte. Mit den Standorten des ehemaligen Rangierbahnhofs

Dresden-Friedrichstadt, des früheren Reichsbahnausbesserungswerkes, des Dresdner

Binnenhafens und eines an der Autobahn gelegenen Autohofes wurde ein vernetztes,

dezentrales Güterverkehrszentrum eingerichtet, das die Verbindung an die

nationalen Korridore des Schienengüterverkehrs bzw. kombinierten Verkehrs herstellte

und die für das Stadtzentrum bestimmten Lieferungen neu zusammenstellte.

Solche Angebotsinnovationen wurden mittelfristig auch als möglicher Angebotsbaustein

in die Leistungspalette der kommunalen/regionalen Verkehrsunternehmen integriert,

vor allem in jenen Betriebssparten, die eine hohe Affinität zum ÖPNV aufweisen

und an vorhandene Qualifikationen und Strukturen in den ÖV-Betrieben anknüpfen.

Die Dresdner Straßenbahn erhielt wieder Beiwagen zur Güter- und Kleingepäckbeförderung.

Technische Innovationen waren insbesondere im Bereich neuer Umschlagtechniken

entwickelt worden. Kleinteilige Behälterkonzepte hatten dazu beitragen, die Systemschwächen

der Bahn als klassischen gebrochenen Verkehr zu reduzieren und durch


237

rationellen Umschlag die Schnittstelle Schiene/Straße entsprechend den Zeitvorgaben

der Versender attraktiv zu machen; dabei wurden gezielt auch Verbundlösungen

mit örtlichen Anbietern gesucht (Bsp. Metallgewerbe), um einen hohen Wertschöpfungsanteil

und Synergieeffekte in der Region zu halten. Nichtmotorisierte Lastentransporter,

Behälter- und Fördersysteme sowie mobile, standortunabhängige Umschlagsysteme

(Road-Railer u.ä.) konnten zur Ausdifferenzierung und räumlichen

Streuung des logistischen Angebotes genutzt werden.

Stadtverträglichere Fahrzeuge, insbesondere kleine Lieferwagen für die Bedienung

städtebaulich sensibler Lagen mit Nutzungsmischungen, nichtmotorisiertem Personenverkehr

etc., gehörten ebenfalls in dieses Programm. Seit im benachbarten Bundesland

Thüringen der "Hotzenblitz" auch als Kleinlaster in Serie gegangen ist, hat

der Wettbewerb der Fahrzeughersteller eine große Modellvielfalt und breite Angebotspalette

hervorgebracht. Die Wirtschaftsförderung konnte durch Beratungsleistungen

die Fahrzeugbeschaffung in den Unternehmen fördern, gleiches galt für die

Akquisition von Fördermitteln, Modellvorhaben u.ä..

Neue Kommunikations- und Kooperationsformen

Neue Kommunikations- und Kooperationsformen wurden vor allem im Bereich der

sogenannten 'public-private-partnership', also der Zusammenarbeit von Kommune

und Unternehmung angestrebt; hierbei hatte die Wirtschaftsförderung eine Schnittstetlenfunktion

zwischen den unterschiedlichen Akteuren und Interessen eingenommen.

Dabei ging es jedoch nicht nur um Interessenvertretung, sondern auch um

Konfliktmanagement und Ausgleich verschiedener Nutzungsansprüche. Kooperationen

unter den Unternehmen konnten dazu beitragen, die Verkehrsabläufe verbessern.

Mit den zunehmenden Verkehrsmengen und -problemen stiegen trotzdem die Nutzungskonflikte

und politischen Meinungsverschiedenheiten in de Region. Da die gewohnten

Formen der Regulation der verschiedenen Nutzungsansprüche als nicht

mehr zeitgemäß empfunden wurden, griffen die Wirtschaftsförderer zum Instrument

der Güterverkehrsrunde, eines interdispziplinäre Austauschs zwischen privaten und

öffentlichen Akteuren des Güterverkehrs. Auch wenn die Erfahrungen mit anderen

'public-private-partnership'-Konzepten wenig erfolgversprechend waren, so war der

"Runde Tisch" für den Güterverkehr bei seinen Adressaten doch gut aufgenommen

worden.

City-Logistik

Kooperationsaufgaben stellten sich auch hinsichtlich der Entflechtung innerörtlicher

Verkehrsbeziehungen. Gebietsbezogene logistische Angebote (z.B. City-Logistik), die

auf die Harmonisierung von Güterströmen und die Reduzierung von Fahrtenzahl, -

häufigkeit und Transportleistung zielen, waren Ende der 90er Jahre in allen großen

Städten außerordentlich populär, auch wenn ihre reale Wirkung sich in Grenzen hielt.

Unter 'City-Logistik' wurde dabei die Ordnung der auf die Innenstadt bezogenen

Transportströme verstanden, insbesondere hinsichtlich des Übergangs von einer

räumlich gestreuten Verteilung bestimmter Einzelgüter zu einer räumlich gleichgerichteten

Verteilung mehrerer, für bestimmte Empfänger oder Empfangsräume zusammengestellter

Lieferungen. Zu diesen Transporten gehörte allerdings nicht nur

der Güterverkehr mit Lkw, sondern auch der auf wirtschaftliche Tätigkeiten bezogene

Dienstleistungsverkehr (z.B. Kurierfahrten), zunehmend auch haushaltsorientierte

Dienstleistungsfahrten (Bsp. Pizza-Taxi). Logistische Problemlösungen waren zunächst

überwiegend auf die Ausschöpfung innerbetrieblicher Rationalisierungspoten-


238

tiale ausgerichtet Sie hatten aufgrund der Möglichkeiten der neuen Informationsund

Steuerungstechnologien zur Neustrukturierung der Transportketten in den Unternehmen

und zur Entwicklung komplexer Systeme der Beschaffungs-, Produktionsund

Distributionslogistik geführt.

Logistische Dienstleistungszentren, Frachtraum-/Transportbörsen

Um logistisches Know-how und entsprechenden Service auch für unterkapitalisierte

kleine und mittlere Unternehmen bereitstellen zu können, wurden zunehmend logistische

Dienstleistungen nachgefragt. Gerade für Unternehmen ohne eigenen Fuhrpark

bzw. logistische Infrastrukturen waren diese Angebote sehr interessant. Als

Bestandteil bzw. kleinräumige Ergänzung des fernverkehrsorientierten Güterverkehrszentren

wurde die Vermittlung von Frachtraum im Rahmen sogenannter Laderaum-

bzw. Frachtraumbörsen organisiert. Erweitert zu sogenannten logistische

Dienstleistungszentren konnten diese Börsen auch als Satellit größerer GVZ wie des

Hauptstandortes in Dresden (ehem. DR-AW) oder des GVZ Erfurt fungieren und waren

- als flächensparende Verbundlösungen - auch städtebaulich besser integrierbar.


G Empfehlungen für die Umsetzung eines regionalen

Entwicklungskonzeptes

239

Die Ausgangsbasis und die politischen Möglichkeiten für ökologisch orientierte regionale

Entwicklungskonzepte sind in den beiden untersuchten Teilregionen sehr

unterschiedlich. Bei der Region 'Elbtalaue' handelt es sich um einen ländlich geprägten,

strukturschwachen Raum mit geringer wirtschaftlicher Dynamik mit Schwerpunkten

auf der Landwirtschaft und dem Tourismus. Dagegen entwickelt sich die Region

'Dresden' zu einer dynamischen Stadtregion mit vielfältigen wirtschaftlichen Aktivitäten.

Vor diesem Hintergrund haben die Naturkapitalausstattung und darauf aufbauende

naturschutzfachliche Planungen unterschiedlichen Stellenwert für die ökonomische

Entwicklung. Während in der Untersuchungsregion I. Elbtalaue dieses zu

einem wichtigende und tragenden Faktor der Regionalentwicklung werden kann,

kann dies für die Unersuchungsregion II. Dresden nur für einen Teil der ökonomischen

Aktivitäten gelten. Vor diesem Hintergrund empfehlen wir, die Anstrengungen

zur Umsetzung eines ökologisch-ökonomischen Entwicklungskonzeptes

auf die Region Elbtalaue zu konzentrieren. Von daher befaßt sich die nachfolgende

Ausgestaltung von Handlungsfeldern und -instrumenten mit den Bedingungen

und Möglichkeiten in dieser Region.

Die folgenden Empfehlungen werden auf Basis der Ergebnisse des vorliegenden

Gutachtens unterbreitet. In diese Empfehlungen sind aber auch die zahlreichen Anregungen,

Impulse und Denkanstöße eingeflossen, die wir von unseren Interviewpartnern

und den anregenden Diskussionen auf dem Elbe-Symposium der Michael

Otto Stiftung in Dessau erhalten haben (Michael Otto Stiftung 1994). Ebenso fließen

Erfahrungen und Kenntnisse ein, die das IÖW insbesondere im Rahmen der regionalisierten

Strukturpolitik Nordrhein-Westfalens gewinnen konnte (vgl. MWMT 1992,

Lucas 1993). Der Katalog von empfehlenden Maßnahmen bezieht sich ausdrücklich

nur auf mögliche Instrumente des regionalen Entwicklungsprozesses. Dabei stehen

stehen folgende Handlungsfelder im Mittelpunkt:

• Grundorientierung eines regionalen Entwicklungskonzeptes

• Öffentlichkeitsarbeit

• ökologisch orientierte Wirtschaftsförderung

1. Grundorientierungen für ein regionales Entwicklungskonzeptes

Die wichtigsten endogenen Potentiale (regionale Stärken) für die wirtschaftliche

Entwicklung der Region sind die dort lebenden Menschen mit ihren Qualifikationen

und ihrer Einsatzbereitschaft, die Unternehmen mit ihrem technischen, kaufmännischen

und organisatorischen Know-How und die Einrichtungen des Naturschutzes,

mit ihren konkreten Kenntnissen in Pflege und Erhalt des natürlichen Potentials.

Positive regionalwirtschaftliche Impulse können von einer engeren Vernetzung des

Tourismus, der Landwirtschaft und des Handwerks sowohl untereinander als auch

innerhalb der Sektoren ausgehen.

In diesen Wirtschaftsbereichen wird derzeit mit unterschiedlichen Zielvorstellungen

gearbeitet und gehandelt. Der regionale Bezug ist sowohl in ökonomischer als auch


240

in ökologischer Hinsicht - auf das Natur- und Landschaftspotential - wenig verankert.

Die Ausweisung eines Großschutzgebietes mit integriertem Nationalpark eröffnet

der Region besondere Entwicklungschancen, die jedoch bisher kaum in regionalem

Zusammenhang diskutiert und bewertet wurden.

Vor diesem Hintergund empfehlen wir die Einberufung einer Regionalkonferenz.

Die jeweiligen Wirtschaftsminister der Elbanrainerländer sollten hier als Schirmherren

fungieren. Die Zuständigkeit der Wirtschaftsminister ist aus fachlicher Sicht notwendig,

da Konzepte der Regionalentwicklung ein wesentliches Element einer regionalisierten

Strukturpoltik darstellen. Diesbezügliche Erfahrungen der Bundesländer

Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sollten beachtet werden (vgl. für NRW:

MWMT 1992 und für Niedersachsen: Danielzyk 1994). 128 Unterhalb der Ebene der

Regionalkonferenzen können Fachforen in den Bereichen Landwirtschaft, Tourismus

und Verkehr dazu beitragen, insbesondere die Kommunikation und Kooperation

zwischen den Unternehmen und den Vertretern der Naturschutzverbände zu verbessern.

2. Öffentlichkeitsarbeit

In den von uns durchgeführten Interviews mit Wirtschaftsakteuren ist deutlich geworden,

daß der Leitgedanke einer ökologisch-ökonomischen Wirtschaftsentwicklung

und die daraus resultierenden Chancen für einzelne Unternehmen und

Branchen noch unzureichend bekannt ist. Dies ist insofern nicht verwunderlich, als

es sich hierbei zum einen um einen relativ neuen Ansatz handelt, zum anderen aber

die Naturschutzverbände als mögliche Protagonisten einer solchen Position kaum

Erfahrungen besitzen. Die Öffentlichkeitsarbeit der Umweltverbände orientiert sich

bisher eher an klassischen Schutzzielen. Sie ist hinsichtlich der Wirtschaftsakteure

wenig zielgruppenorientiert und spricht eher allgemein die kritische Öffentlichkeit an.

Es wird zu überlegen sein, ob die Inhalte einer ökonomisch-ökologischen Regionalentwicklung

mit den gleichen Werbemitteln präsentiert werden sollte, wie z.B. das

Großschutzgebiet Elbtalaue. Es wird empfohlen, zur Lösung dieses Problems eine

qualifizierte Werbe- oder Kommunikationsagentur zu Rate zu ziehen. Ein Handikap

für die Verankerung einer Integration von ökonomischen und ökologischen Zielsetzungen

dürften im Bereich Landwirtschaft die recht einseitigen Auffassungen einiger

Interessenvertreter sein. Hier sollte überlegt werden, ob nicht in Kooperation mit den

verschiedenen Landwirtschaftsministerien und qualifizierten Landwirtschaftsberatern

Informationsveranstaltungen durchgeführt werden, in denen insbesondere über Fördermöglichkeiten

des ökologischen Landbaus informiert wird.

Sogenannte Vorreiterunternehmen sollten in die Öffentlichkeitsarbeit unbedingt einbezogen

werden, um aus ihren Erfahrungen mit ökologischer Betriebsführung und

ökologischen Produkten und Dienstleistungen lernen zu können.

Die konsequente Pflege von Kontakten zu den regionalen Medienvertretern sollte

einen besonders hohen Stellenwert erhalten. Anzustreben ist eine regelmäßige Rubrik

in den Tageszeitungen, in der über den Fortgang des regionalen Entwicklungs-

Grundgedanken dieser Art von Regionalförderung ist es, einen konsensueaen Prozeß der regionalen Akteure über die

zukünftige Entwicklung der Regionen einzuleiten. Auf der Grundlage eines gemeinsam getragenen Leitbildes und einvernehmlichen

Schwerpunktsetzungen entstanden dann sog. regionale Entwicklungskonzepte. Die förderwürdigkeit einzelner

Projekte wurde in der Folge erhöht, wenn ein Projekt sich auf das Gesamtkonzept bezog und auf einem Konsens der regionalen

Akteure baruhte.


241

konzeptes zu berichtet wird. Denkbar ist auch eine Zeitungsbeilage, die von den

verschiedenen Zeitungen in der Region übernommen und verteilt werden könnte.

Wichtig wäre es auch, ein Medium zu schaffen, daß nicht auf einzelne Landkreise

der Region beschränkt ist.

Erfolgreiche Wirtschaftsunternehmen zeichnen sich häufig dadurch aus, daß sie

über die interne und externe Kommunikation das Zugehörigkeitsgefühl zur Firma

stärken, eine "Corporate Identity" schaffen. Übertragen auf die Regionalentwicklung

wirft dies die Frage auf, ob wichtige Akteure und im Idealfall große Teile der Bevölkerung

überhaupt einen Bezug zur Region herstellen und - darauf aufbauend -sich

eine Basis für ein 'Wir-Gefühl' entwickeln kann. Die schwierigen wirtschaftlichen

Aufgaben, insbesondere in den ostdeutschen Gemeinden, werden ohne eine gewisse

Aufbruchstimmung nicht zu bewerkstelligen sein. Die Öffentlichkeitsarbeit zu einem

regionalen Entwicklungskonzept wird dies nicht alleine initiieren können - damit

wäre sie auch überfordert - allerdings sollte sie jede sich bietende Gelegenheit nutzen,

um Menschen und Unternehmen auf dem eingeschlagenen Weg einer ökologischen

Regionalentwicklung zu ermutigen. Eine gemeinsame Außendarstellung unter

Berücksichtigung historischer Bezüge, ein regionales Produktmarketing in der

Landwirtschaft und im Tourismus sowie die Regionalkonferenz und die Fachforen

sind auch wichtige Instrumente für die Stärkung einer regionale Identität.

3. Ökologisch orientierte Wirtschaftsförderung

Ökologische Wirtschaftsförderung ist eine Querschnittsaufgabe, die in die verschiedenen

Aufgabengebiete der Wirtschaftsförderung zu integrieren ist. Einige wichtige

Bausteine einer ökologischen Wirtschaftsförderung sind in nachfolgender Übersicht

dargestellt:

BAUSTEINE EINER ÖKOLOGISCHEN

WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG

• Förderung von integrierten und vorsorgenden Umwelttechniken

• Wissenstransfer: Ökotechniken und Ökomärkte

• Initierung und Koordination ökologischer Qualifikationsangebote

• Ökologische Arbeitsfelder im 2. Arbeitsmarkt

• Aufbau eines ökologischen Netzwerkes:

projektbezogen

problembezogen

produktbezogen


242

Ein ökologisches Standortprofil der Region Elbtalaue kann sich nur in dem Maße

entwickeln, wie Unternehmen und öffentliche Hand bereit sind, den Aspekten eines

integrierten und vorsorgenden Umweltschutzes einen hohen Stellenwert einzuräumen.

Die Marktfähigkeit ökologischer Produkte und Dienstleistungen ist in hohem

Maße an die 'ökologische Glaubwürdigkeit' der Anbieter gebunden. Von daher verbietet

sich ein oberflächliches Marketing, welches lediglich versucht, auf der „Öko-

Welle" mitzuschwimmen. Auch aus wettbewerbstheoretischen Überlegungen ist es

für die Wirtschaftsförderung angebracht, sich intensiver mit der Entwicklung in den

ökologischen Marktsegmenten zu befassen. Allgemein besteht die Aufgabe der

Wirtschaftsförderung darin , neue umwelttechnische Entwicklungen zu fördern oder

neue Ideen zu vermitteln (z.B. durch Förderung von Demonstrationsvorhaben). Derartige

Prozesse basieren auf guten Informationen, einer unkomplizierten Verständigung

mit den wichtigsten Partnern des regionalen Entwicklungsprozesses (s. nachstehende

Übersicht) und regionalen Fühlungsvorteilen zu den Unternehmen.

PARTNER DES REGIONALEN UND ÖRTLICHEN KONSENSES

• Industrie und Handelskammern, Handwerkskammern, Landwirtschaftskammer,

Fremdenverkehrsverbände, Kreishandwerkerschaft

• Stadt- und Kreisverwaltungen, kommunale Eigenbetriebe

• Arbeitsämter

• Arbeitgeberverbände, einzelne Unternehmen

• DGB/DAG

• Umweltverbände, Bürgerinitiativen

• regionale Medien

PARTNER DES ÜBERREGIONALEN KONSENSES

• diverse Fachministerien der Elbanrainerländer

• Wirtschaftsförderungsgesellschaften der Länder

• ökologisch-orientierte Unternehmensverbände und Banken

• Verbraucherverbände

Ein gutes Wirtschaftsklima auf der Basis gegenseitigem Vertrauens und die differenzierten

Kenntnisse der Probleme vor Ort sind entscheidende Faktoren, auf denen

letzlich Wettbewerbsvorteile gründen. Die Bedingungen hierfür können durch den

zusätzlichen Aufbau regionaler, themenzentrierter Netzwerke, die von Fall zu Fall

projektbezogen, problembezogen oder produktbezogen eingerichtet werden können,

noch verbessert werden. Durch derartige Netzwerke können wiederum Synergieeffekte

entstehen, die die weitere Entwicklung der Region befruchten.


MÖGLICHE SYNERGIEEFFEKTE

• Vermarktung des vorhandenen Wissens für neue Anwendungen

• ("zweites Bein")

• Kooperation mit Wissenschaft und/oder anderen Unternehmen

• ("Verbundprojekte")

• Erfahrungsaustausch bei Existenzgründungen

243

• Umsetzung des "Umweltwissens" in neue Projekte und

benachbarte Märkte

Im Rahmen dieser Aufgabenstellungen empfehlen wir den Aufbau einer regionalen

Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Transfer- Beratungs- und Förderleistungen

müssen auf der Ebene der Region koordiniert und zielgruppenspezifisch gebündelt

werden. Das Nebeneinander von unterschiedlichen Strategien der Kreise, welches

eher von gegenseitiger Konkurrenz geprägt ist, sollte überwunden werden.

Wichtig erscheint uns in diesem Zusammenhang auch die Aufhebung des traditionellen

Nebeneinanders von landwirtschaftlicher Beratung und allgemeiner

Wirtschaftsförderungsberatung. Die Wirtschaftsförderung sollte insgesamt als

Transferstelle fungieren, die die Leistungen anderer Einrichtungen vermittelt. Hierzu

ist eine gute Verankerung in den regionalen und überegionalen Institutionen wichtig.

Die Wirtschaftsförderung sollte regelmäßig die unternehmensseitigen Partner der

Regionalentwicklung für die Konsensbildung in wichtigen Fragen an einen Tisch

bringen.

Mit dem folgenden Maßnahmenpaket sind sowohl die Wirtschaftsförderung der Kreise

aber auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaften der Länder angesprochen.

Ein wesentlicher Schwerpunkt einer ökologisch orientierten Wirtschaftsförderung in

der Untersuchungsregion muß künftig die Beratung über öffentliche Finanzierungshilfen

sein, die für Ausgleichsmaßnahmen, Umstellung auf ökologische Betriebsführung

und Verbundprojekte zur Verfügung gestellt werden. Dabei muß die Wirtschaftsförderung

gezielt und regelmäßig auf das Angebot öffentlicher Finanzierungshilfen

hinweisen. In den Bereichen Landwirtschaft und Tourismus sollte dies in

enger Abstimmung mit der Landwirtschaftskammer und den Fremdenverkehrsvereinen

geschehen. Besonders hilfreich wäre ein jährlich erstellter Finanzierungsratgeber,

der in übersichtlicher und verständlicher Form die verschiedenen Förderprogramme

enthält, den Antragsweg und die Stellen benennt, die bei der Antragstellung

behilflich sein können. Die Erstellung einer solchen Broschüre ist aber nur vertretbar,

wenn gleichzeitig sichergestellt ist, daß eine gezielte und effiziente Streuung

erfolgt.

Die neuen unternehmerischen Aufgaben im Rahmen einer ökologischen Regionalentwicklung

sind vielfältig und nicht ohne Risiko. Es sollte von daher überlegt wer-


244

den, in der Region Elbtalaue einen Spezialisten für Umstellungsberatung und Umstellungsfinanzierung

einzustellen. Fragen der Inanspruchnahme öffentlicher Mittel,

des Marketing, der Erschließung neuer Marktpotentiale und sinnvoller Verbundlösungen

in der Region sollten durch diese Person geklärt werden.

Die Wirtschaftsförderung sollte in Kooperation mit der Naturparkverwaltung versuchen,

Personen und Persönlichkeiten aus Lehre; Forschung, Industrie und Verwaltung,

die den eingeschlagenen Weg einer regionalen Verbindung von Ökonomie

und Ökologie im Grundsatz unterstützen, zu regelmäßigen Fachforen und einem

Erfahrungsaustausch in die Regionen einzuladen. Daraus können sich interessante

Lern- und Synergieeffekte für alle Beteiligten ergeben.


H Tabellenanhang

245

Tabelle 55: Landwirtschaftliche Betriebe nach Größenklassen der landwirtschaftlich

genutzten Fläche


246

Tabelle 56: Sozio-ökonomische Gliederung der landwirtschaftlichen Betriebe am

Beispiel des Untersuchungsgebietes in Mecklenburg-Vorpommern

Betriebe mit Stand ardeinkommen von... bis... DM

Kreis Betriebe unter bis bis bis bis bis und

(Land)/ insge- 5.000 20.000 100.000 500.000 1.000.00 1.500.00 mehr

Merkmal samt 0 0

M.-V.

aesamt: 3.176 1.252 459 464 278 241 208 274

Betrieb/ 1.297.32 8.239 12.138 30.400 70.797 191.749 277.576 706.427

abs. 7 3.482 6.961 22.404 53.293 145.031 214.957 565.277

LF/ha 1.011.40 4.657 5.114 7.935 17.219 45.613 60.197 139.012

AL/ha 2 414 1.043 3.913 12.576 47.552 62.065 159.258

DG/ha 279.744 3.085 3.395 16.649 103.251 157.059 260.199 466.276

MK/abs 286.821

S/abs 1.009.91

4

LK

Ludwias- 135 53 26 22 9 5 4 16

lust 53.978 400 2.894 1.569 2.184 4.388 4.188 38.353

Betrieb/ 36.054 186 1.020 725 1.488 3.256 3.415 25.965

abs. 17.634 212 1.872 841 679 1.129 774 12.129

LF/ha 14.796 35 45 286 525 1.210 1.327 11.368

AL/ha 49.833 67 257 934 2.839 793 16.988 27.955

DG/ha

MK/abs

S/abs

LKHaqenow:

335 171 63 26 18 26 21 10

Betrieb/ 80.215 1.140 1.899 1.690 5.134 21.493 29.821 19.037

abs. 54.637 555 1.084 999 3.467 15.050 9.562 14.206

LF/ha 23.889 562 806 689 1.666 6.192 7.298 4.413

AL/ha 21.894 71 126 316 1.679 6.618 10.189 5.786

DG/ha 50.984 241 77 197 13.264 15.909 11.107

MK/abs

S/abs

M.-V. = Mecklenburg-Vorpommern

Betrieb/abs. = Gesamtzahl Betriebe

LF/ha = landwirtschaftliche Fläche in ha

AL/ha = Ackerland in ha

Quelle: Statistische Berichte Mecklenburg-Vorpommern 1993, Stand 5.1991

DG/ha = Dauergrünland in ha

MK/abs = Gesamtzahl Milchkühe

S/abs = Gesamtzahl Schweine


Tabelle 57: Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe nach Rechtsform

Kreis Juristische Personen

e.G. GmbH

u.a.

Natürliche Personen

GbR HE NE

Güter

absolut Quelle

LK Prignitz 14 45 53 112 Statistisches. Jahrbuch

Brandenburg, 1993,

Stand 12.92

LK Osterburg

23 12 26 103 102 4 270 Peschke & Partner, 1992

Osterburg / 7 4 12 41 40 3 107 Peschke & Partner, 1992

Wische*

LK Ludwigslust

Dannenber

ger Marsch

10 35 63 88 196 mdl. Mittig. Kreisbauernverband

Ludwigslust,

4.1994, Stand 3.94

81 20 101 Landwirtschaftskammer

Hannover 1993, Stand

.92

* Agrarregion im Landkreis Osterburg entlang der Elbe GbR = Gesellschaft bürgerlichen Rechts

GmbH = Gesellschaft mit beschränkter Haftung HE = Haupterwerbsbetrieb

e.G. = eingetragene Genossenschaft NE = Nebenerwerbsbetrieb

Tabelle 58: Mittlere Betriebsgröße nach Rechtsform der Betriebe (ha)

Kreis e.G. GmbH GbR HE NE Güter Durchschn.

Quelle

LK Oster- 1.247,4 743,2 414,8 143,5 20,1 1.346,2 261,5 Peschke &

burg

Partner,

1992

OB/Wische

1.239,9 1,116,8 433,5 125,1 23,0 1.588,0 272,5 s.o.

LK Lud- 1.500,8 3.003,7 keine 1.31,84 17,16 keine An- 266,38 s.o.

wigslust

8

Angabe

n

gaben

Erläuterungen siehe

Tabelle 59: Landwirtschaftliche Nutzflächen

Kreise Betriebsfläche

abs./ha

davon LF (ohne

Forstwirtschaft) in

ha

absolut %

Anteile an LF

Grünland Ackerland

absolut % absolut

%

Quelle

LK Lüchow-

Dannenberg

103.010 60.809 59 13.593 22,4 47.054 77,4 Stat. Ber. NS, 1992

Dannen-

k.A. 5.800 k.A. 2.367 40,8 3.434 59,2 LWK HA, 1993, Stand

berger

Marsch

1992

LK Lüneburg 87.236 52.010 59,6 10.118 19,5 41.586 80 s.o.

LK Prignitz 103.319 71.621 69,3 24.715 34,5 46.671 65,2 LA f. DV u.StatBB,

1994, Stand 1993

LK Oster- 106.540 57.576 54,0 14.837 25,8 42.212 73,3 Stat. JB S.-A. 1993,

burg

Stand 1992

Osterburg / 42.000 31.800 76 13.100 41,2 18.700 58,8 Peschke & Partner,

Wische

1992

LK Ludwigs- k.A, 53.978 k.A. 17.634 66,8 36.054 32,7 Stat. Ber. M.-V. 1993,

lust

Stand 5.1991

LK Hagenow 80.215 23.889 68,1 54.637 29,8 s.o.

247


248

Wirtschaftliche Betriebsfläche: Diese Flächen umfassen neben den ausgewiesenen

Nutzungsarten auch die Gebäude- und Hofflächen, Wirtschaftswege, Gräben,

Parkanlagen und alle sonstigen, nicht gesondert genannten Flächen. Dadurch, daß

die Wirtschaftsflächen den jeweiligen Kreisen zugeordnet sind, können Abweichungen

zu den Territorialflächen der Kreise auftreten.

Landwirtschaftliche Fläche (LF): Hierzu sind die Flächen zu rechnen, die zur Erzeugung

landwirtschaftlicher Produkte bestimmt sind. Darunter fallen die Flächen

der folgenden Nutzungsarten: Ackerland, Dauergünland, Gartenland, Obstanlagen,

Baumschulen, Korbweidenanlagen, Pappelanlagen und Weihnachtsbaumkulturen

außerhalb des Waldes sowie vorübergehend stillgelegte Flächen.

Ackerland: Hierzu gehören die Flächen der landwirtschaftlichen Feldfrüchte einschließlich

Grasanbau (zum Abmähen oder Abweiden) sowie Gemüse, Erdbeeren,

Blumen und sonstige Gartengewächse im feldmäßigen Anbau und im Erwerbsgartenabu,

auch unter Glas; ferner Ackerflächen mit Obstbäumen, bei denen das Obst

nur die Nebennutzung, Ackerfrüchte aber die Hauptnutzung darstellen, einschließlich

Brachflächen, für die eine Entschädigung gezahlt wird sowie sonstige Brache.

Dauergrünland: Grünlandflächen, die zur Futtergewinnung - ohne Unterbrechung

durch andere Kulturen - bestimmt sind; auch Grünlandflächen mit Obstbäumen als

Nebennutzung und Gras- oder Heugewinnung als Hauptnutzung. Nicht zum Dauergünland

rechnen die Wiesen und Weiden mit Obstbäumen, bei denen das Obst die

Hauptnutzung darstellt, sowie der Grasbau auf dem Ackerlan und die Dauergrünlandfläche,

die aus sozialen, wirtschaftlichen oder anderen Gründen nicht mehr genutzt

werden (Sozialbrache).

Tabelle 60: Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe (absolut) nach ausgewählten Betriebsformen

Land / Kreis LW Betriebe

(abs)

LK Ludwigslust

(M-V)

LK Hagenow

(M.-V.)

LK Osterburg

(S.-A.)

davon

Marktfruch

t

M.-V. = Mecklenburg-Vorpommern S.-A. = Sachsen-Anhalt

davon

Futterbau

davon

Veredelung

davon

Gemischtbetriebe

118 25 85 5 3

318 113 178 9 10

279 59 3 165 30

Quellen: Statistische Berichte Mecklenburg-Vorpommern 1993, Stand 5.1992

Peschke & Partner 1992

Tabelle 61 : Betriebsfläche (absolut) nach ausgewählten Betriebsformen

(Mecklenburg-Vorpommern)

Land / Kreis Betriebsfläch

e (abs.) / ha

Mecklenburg-

Vorpommern

(abs)

davon

Marktfrucht /

ha

davon

Futterbau / ha

davon

Veredelung /

ha

davon

Gemischtbetri

ebe / ha

1.288.448 756.580 351.474 5.733 171.429

LK Ludwigslust 53.417 12.882 34.886 1.117 4.532

LK Hagenow 79.506 20.765 47.853 23 10.250


Tabelle 62: Viehbestand

Kreis Rinder

Schweine

Quelle

absolut davon Milchkühe absolut dav. Zuchtsauen

LK Lüchow-

34.660 10.101 99.565 12.442 Stat. Ber. NS,

Dannenberg

1992

LK Lüneburg 25.822 7.548 50.440 5.555 s.o.

LK Prignitz

49.516 16.465 63.417 10.963 Stat. JB Brandenburg

1993,

davon in den

Stand 12.92

Elbtalauenämt

5.740

1.113

2.879

790 mdl. Mittig.

ern:

11.200

2.938

2.138

148 Herr Bahlke,

Bd. Wilznack

245

149

7

1 LWALK

Lenzen

Prignitz, Perle-

Wittenberge

berg, Stand

3.94

LK Osterbung 38.809 16.011 53.420 k.A. Stat. JB S.-A.

1993, Stand

1992

Osterburg/Wis

13.656 5.606 3.967 1.173 Peschke &

che

Partner, 1992.

LK Ludwigslust 32.078 12.384 36.556

5.485 mdl. Mittl.

(38.069/Stand (11.703) (55.496) (13.426) Kreisbauemver

12.92)

band Ludwigslust,

7.4.1994,

Stand 1992

(Stat. Ber. M.-

V., 1993;

Stand 12.92)

LK Hagenow 45.462 17.976 60.802 16.178 Stat. Ber. M.-

V., 1993,

Stand 12.92

Tabelle 63: Viehbestände und Viehhalter im Dezember 1992 nach Bestands- und

Betriebsgrößen (Rinder gesamt) in Mecklenburg-Vorpommern

Land/Kreis Betriebe mit Rinderhaltung

Anzahl der Halter/Anzahl der Tiere

absolut 1-2 3-4 5-9 10-14 15-19 20-29

M.-V. 5910/592264 2252/ 3497 1024/3563 790/5060 269/3109 169/2833 160/3794

LK Ludwigslust 284/38069 100/ 164 53/ 186 47/ 302 7/ 81 7/ 117 8/195

LK Hagenow 533/45462 159/ 257 110/ 382 107/ 703 30/ 349 12/ 204 15/ 352

Land/ Kreis Betriebe mit Rinderhaltung (Fori tsetzung)

30-39 40-49 50-59 60-99 100 - 299 300/mehr

M.-V. 95/3215 71/3129 55/2962 172/13504 332/59617 521/487981

LK Ludwigslust 4/ 138 6/ 255 828/ 8/1059 33/ 34744

LK Hagenow 71 233 6/ 273 3/ 159 16/ 1254 28/4566 40/ 36730

•Quelle: Statistische Berichte Mecklenburg-Vorpommern 1993, Stand 12.1992

249


250

Tabelle 64: Viehbestände und Viehhalter 12.1992 nach Bestands- und Betriebsgrößen

(Milchkühe) in Mecklenburg-Vorpommern

Land/Kreis Betriebe mit Milchkuhhaltung

Anzahl der Halter/Anzahl derTiere

absolut 1-2 3-4 5-9 10-14 15-19 20-29

M.-V. 1769/221856 493/650 99 / 337 388/630 60/697 41/687 63/1441

LK Ludwigslust 80/ 11703 16/ 21 7/ 23 4/ 21 47/

LK Hageriow 199/ 17976 66/ 95 21/ 70 8/ 45 81/ 4/ 71 6/137

Land/Kreis Betriebe mit Milchkuhhaltung (Fortsetzung) |

30-39 40-49 50-59 60-99 100-199 200/mehr

M.-V. 44/ 1476 47/2078 66/ 3588 153/11712 202/29209 405/169351

LK Ludwigslust 119/ 237/ 11/ 824 9/ 1193 19/ 9218

LK Hageriow 4/ 138 5/ 217 7/ 373 17/ 1289 21/ 3025 32/ 12435

'Quelle: Statistische Berichte Mecklenburg-Vorpommern 1993, Stand 12.1992

Tabelle 65: Viehbestände und Viehhalter 12.1992 nach Bestands- und Betriebsgrößen

(Ammen- und Mutterkühe) in Mecklenburg-Vorpommern

Land/Kreis Halter mit... Ammen- und Mutterkühen

Anzahl der Halter/Anzahl der Tiere

absolut 1-2 3-4 5-9 10-14 15-19 20-29

M.-V. 721/31686 235/315 115/385 98/619 43/472 21/341 31/730

LK Ludwigslust 44/2641 12/18 5/16 3/17 67 4/85

LK Hagenow 72/607 26/32 21/70 12/80 6/63

(Fortsetzung)

Land/Kreis Halter mit... Ammen- und Mutterkühen

Anzahl der Halter/Anzahl der Tiere

30-39 40-49 50-59 60-99 100 u.m.

M.-V. 23/756 16/702 13/712 40/3101 86/3553

LK Ludwigslust 181 5/357 6/1900

LK Hagenow 129 233

'Quelle: Statistische Berichte Mecklenburg-Vorpommern 1993, Stand 12.1992

Tabelle 66: Milcherzeugung (ausgewählte Kreise)

Räumliche Erhebungs- Milcher- davon an Mol- Jahresmilch-

Einheit zeitpunkt zeugung kereien und leistung/Kuh in

Händler (%) kg

Niedersachsen 3.12.1992 5.343.556 90,1 6.056

LK Lüchow/- 3.12.1992 62.802 88,2 5.713

Dannenberg

LK Lüneburg 3.12.1992 45.564 88,5 5.847

Sachsen-Anhalt 1992/93 k.A. k.A. 5.087

LK Osterburg 1989 113.000 k.A. 4.628

LK Prignitz 1992 78.180 k.A. 4.833

Mecklenburg- Monatsdurch- 105.000 95 4271

Vorpommern schnitt 1991/1-

94 89.000 97 4490


J LISTE DER BEFRAGTEN EXPERTEN

Landwirtschaftsamt des Landkreises Prignitz, Berliner Str. 490, 19348 Perleberg,

Herr Scherfke (Amtsleiter) und Herr Bahlke (Sachbearbeiter)

Gespräch geführt am 7.4.1994 von Bettina Knothe

Amt für Agrarstruktur und Neuordnung Stendal (AfA-Stl),

Herr Dr. Tilbehr, Herr Kricheldorfer, Herr Kaufmann, Akazienweg, 39576 Stendal,

Gespräch geführt am 5.4.1994 von Enno Thormählen

Landwirtschaftskammer Hannover, Bezirksstelle Uelzen, Wilhelm Sehdorf-Str. 1-3,

29525 Uelzen,

Herr van Haaren (Abt. Umwelt und Regionalentwicklung),

Gespräch geführt am 31.3.1994 von Enno Thormählen

251

Kreis Lüchow-Dannenberg, Naturschutzbehörde, Königsberger Str. 10, 29439

Lüchow,

Herr Meier,

Gespräch geführt am 5.4.1994 von Bettina Knothe

Kreis Osterburg, Umweltamt, Ernst-Thälmann-Str. 1, 39606 Osterburg,

Herr Diebel

Gespräch geführt am 5.4.1994 von Bettina Knothe

Landesamt für Großschutzgebiete des Landes Brandenburg, Naturparkamt Lenzen,

Am Bahndamm 11, Lenzen

Herr Dr. Neuschulz und Herr Pester

Gespräch geführt am 8.4.1994 von Bettina Knothe, Rainer Lucas, Enno Thormählen

Nationalparkamt Mecklenburg-Vorpommern, Außenstelle Naturpark Elbetal, Dorfstraße

33, Tripkau,

Herr Steffen

Gespräch geführt am 31.3.1994 von Enno Thormählen

Gemeinde Amt NeuhausAm Markt, 19273 Neuhaus,

Herr Rohloff (Gemeindedirektor),


252

Gespräch geführt am 7.4.1994 von Karin Robinet und Enno Thormählen

Kreisbauernverband Ludwigslust e.V. Am Schloßgarten 1,19288 Ludwigslust,

Herr Eggert,

Gespräch geführt am 7.4.1994 von Enno Thormählen

Beratungsring Ökologischer Landbau e.V., BÖL-Vermarktungsprojekt zur Erarbeitung

und Umsetzung von Konzepten zur Vermarktung ökologisch erzeugter landwirtschaftlicher

Produkte aus den neuen BundesländernBÖL - Außenstelle für MarketingStruveweg

1, 16515 Oranienburg-Eden

Herr Schwarz und Frau Wigold

Gespräch geführt am 31.3.1994 von Bettina Knothe

Aktion Fischotterschutz e.V., Projekt zur Revitalisierung der Ise - Otterzentrum,

29386 Hankensbüttel

Dr. Oskar Kölsch, Peter Niebuhr, Karsten Borggräfe

Gespräch geführt am 14.4.1994 von Bettina Knothe und Enno Thormählen

Heimatverein Museum Dömitz

19030 Dömitz

Herr Jürgen Scharneweber

Gespräch geführt von Karin Robinet

Fremdenverkehrs- und Kulturverein Prignitz e.V.

Im Birkengrund

19336 Bad Wilsnack

Herr Neumann und Frau Mann

Gespräch geführt von Karin Robinet

Fremdenverkehrsregionalverband Schweriner Land/West Mecklenburg

Alexandrinerplatz 5-7

19288 Ludwigslust

Frau Ohlhöft

Gespräch geführt von Karin Robinet

Amtsverwaltung Lübtheen

Salzstraße 17

19249 Lübtheen

Ltd. Verwaltungsbeamtin Frau Kaßburg

Gespräch geführt von Karin Robinet

Informationsstelle Naturschutz

Marschtorstraße 4-6

29456 Hitzacker

Gespräch geführt von Karin Robinet

Nationalparkamt Mecklenburg-Vorpommern

Naturpark Elbetal

Hauptstraße 33

Tripkau


Frau Dr. Königstedt und Herr Steffen

Gespräch geführt von Karin Robinet

Stadtverwaltung Wittenberge

19322 Wittenberge

Kulturamt Frau Stövesandt

Gespräch geführt von Karin Robinet

Amt Lenzen

19309 Lenzen

Herr Ziegler und Frau Schütt

Gespräch geführt von Karin Robinet


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Thimm, C. (1989): Ökologischer Landbau heute - Natur und Markt; in: Barsinghäuser Berichte, Heft

15, Barsinghausen

Thomas, F. (1993): Agrarpolitik von unten: Landkreise, Gemeinden und Städte werden aktiv; in:

Agrarbündnis e.V.: Landwirtschaft 1993, Der kritische Agrarbericht, Rheda-Wiedenbrück

Thomas, F. (1994): Wandel der Landwirtschaft in den neuen Bundesländer; in: Kritischer Agrarbericht

1994; Agrarbündnis Bonn, ABL Bauemblatt Verlags-GmbH, Rheda-Wiedenbrück

UBA (1993): Umweltdaten kurz gefaßt, Berlin

Umweltstiftung WWF - Projekt Wümmewiesen (Hg.) (1992): Leitfaden zur Extensivierung der (Grün-)

Landwirtschaft, Rheda-Wiedenbrück

Vogtmann, H. (1985): Ökologischer Landbau - Landwirtschaft mit Zukunft, Stuttgart

Voigt, U. 1993: Verkehrspolitische Handlungsoptionen aus ökologischer Sicht. In: Frank, H. J. &

Walter, N. (Hg.): Strategien gegen den Verkehrsinfarkt, Stuttgart.

Voitl, H., Guggenberger, E., Willi, J. (1980): Das große Buch vom biologischen Land- und Gartenbau;

Wien

Wasser- und Schiffahrtsdirektion Ost (1993): Jahresbericht 1992, Berlin

Wasser- und Schiffahrtsdirektion Ost (1993): Jahresbericht 1993, Berlin

Weins, Ch. (1994): Die ökologischen Begleitmaßnahmen der Landwirtschaft; in: Agrarbündnis e.V.:

Landwirtschaft 94 - Der kritische Agrarbericht S. 209-213

Wellhoener, B. (1992): Das Image von Reisezielen - eine Studie zum Schwerpunktthema der Reiseanalyse

1990 des Studienkreises für Tourismus, Starnberg


262

Werner, A.; Dabbert St. (1994): Bewertung von Standortpotentialen im ländlichen Raum des Landes

Brandenburg; ZALF-Bericht Nr. 4/1; Zentrum für Agrarlandschafts- und Landnutzungsformen

e.V., Münchebeig

Wiegandt, C.-C. (1994): Ökologische Regionalkonzepte. Eine mögliche Entwicklungsstrategie für die

neuen Länder, Seiten 287 ff in BfLR (1994): Zwischen Deindustrialisierung und Aufbau neuer

Strukturen. Zum wirtschaftlichen Transformationsprozeß in den neuen Ländern; Heft

4.1994

Wissmann, M. (1994): Binnenschiffahrt als Alternative in einem integrierten Güterverkehrskonzept, in:

Verkehrsnachrichten 12/93 -1/94, S. 4-6

Wöhlert, K. (1992): Umweltbewußtsein und Umweltverhalten: "Sanftes" Tourismuspotential - Eine

empirische Studie, (Materialien zum Tourismusmarketing 3, Teil 2), Lüneburg

Zerger, U. (1993): Betriebs-Wirtschaft im ökologischen Landbau, in: Agrarbündnis e.V.: Landwirtschaft

1993 - Der kritische Agrarbericht, Rheda-Wiedenbrück

Zukunftsinstitut Verkehr - Verkehrsentwicklungs Gmbh Berlin, IWW, Institut für angewandte Verkehrsund

Tourismusforschung Heilbronn (1991): Prognose der regionalen Strukturdaten für die

ostdeutschen Bundesländer. Berlin, Karlsruhe, Heilbronn

Datenquellen des Statistischen Bundesamtes und der Statistischen

Landesämter

Statistisches Bundesamt (1992): Finanzen und Steuern, Reihe 10.1 Realsteuervergleich, Fachserie

14, Wiesbaden

Statistische Jahrbücher:

Statistisches Jahrbuch 1992 für die Bundesrepublik Deutschland

Statistisches Jahrbuch 1993 für die Bundesrepublik Deutschland

Statistisches Jahrbuch 1993 des Landes Sachsen-Anhalt

Statistisches Taschenbuch Niedersachsen 1992

Statistisches Jahrbuch Sachsen, 1993

Statistisches Jahrbuch Brandenburg 1993

Statistisches Jahrbuch Mecklenburg-Vorpommern 1993

Quellen des Statistischen Landesamtes Mecklenburg-Vorpommern:

Jahreswirtschaftsbericht Mecklenburg-Vorpommern 1993

Zahlenspiegel Mecklenburg-Vorpommern, Beiträge zum Stat. Monatsheft 1994

Statistische Berichte:

• Wanderungsströme der Kreisfreien Städte und Landkreise des Landes M.-V. im Jahr 1992,

Kennnziffer A III 2-j /92

• Wanderungsströme der Kreisfreien Städte und Landkreise des Landes M-V im Jahr 1991, Kennziffer:

A III 2-j /91

• Wanderungsströme der Kreisfreien Städte und Landkreise des Landes M.-V. im Jahr 1990,

Kennziffer A III 2.j/90

• Bevölkerung nach Alter und Geschlecht in M.-V. 1992, Kennziffer A I 3 -j /92

• Bevölkerung des Landes M.-V. nach Alter und Geschlecht am 31.12.1991 Kennziffer: Al 3-j /91


• Bevölkerung des Landes M.-V. nach Alter und Geschlecht am 31.12.1990, Kennziffer: AI 3.j /90

• Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am 30. Juni 1992 in M.-V., Kennziffer A VI 5 -hj 1/92

Datenauszüge:

• Bevölkerung M.-V.'s am 30.06.1992 nach Kreisen

263

• Arbeitslose und Arbeitslosenquote 1990,1991 und 1992, angegebene Quelle: Landesarbeitsamt

Nord, Kiel

• Neuordnung M.-V.'s gemäß Landkreisneuordnungsgesetz vom 1. Juli 1993

Quellen des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt:

Statistische Berichte:

• Bergbau, Verarbeitendes Gewerbe, Jahresergebnisse 1992, Kennziffer E 11

• Ausbaugwerbe, Ergebnisse im Jahr 1992, Kennziffer E II11

• Bauhauptgewerbe, Ergebnisse im Jahr 1992, Kennziffer E I11

• (versch. Jahrgänge): Statistiken des Verarbeitenden Gewerbes und des Baugewerbes; Produktion

ausgewählter Erzeugnisse

Datenauszüge:

• Erwerbstätige insgesamt nach Kreisen und Wirtschaftsbereichen ( Regionalisierung der als vorläufige

Ergebnisse bestätigten Ländereckwerte - Stand 04.02.1993)

• Veränderung der Arbeitslosenzahlen nach Kreisen

• Bevölkerung am 31.12.1991 nach Kreisen

Quellen des Statistischen Landesamtes Brandenburg:

Statistische Berichte:

• Erwerbstätigenrechnung 1992, Kennziffer AVI 6 -j /92

• Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer im Land Brandenburg, 30. Juni 1992,

Kennziffer: A VI 5- hj 1 /92

• Beschäftigte und Umsatz der Betriebe und Unternehmen des Landes Brandenburg , Dezember

1992, Kennziffer E 11/4-m 12 /92

Datenauszüge:

• Gesamt- und Außenwanderung 1992 nach Verwaltungsbezirken

• Bevölkerung am 31.12.1992 nach Kreisen

• Bevölkerung am 31.12.1991 nach Kreisen

• Bevölkerung am 31.12.1990 nach Kreisen

• Arbeitslose nach Arbeitsamtsbezirken im Dezember 1991,1992 und 1993

• Altersstruktur der Bevölkerung nach einzelnen Jahren für die Kreise Perleberg, Bad Liebenwerda

• Bevölkerungsdichte am 31.12.1992

Quellen des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen:

Statistische Berichte:

• Bevölkerungsstand des Freistaates Sachsen nach Alter und Geschlecht, Stand 31.12.1992,

Kennziffer: A I 3-j /92

Weitere Auszüge:


264

• Erwerbstätige im Freistaat Sachsen 1991 nach Wirtschaftsbereichen -vorläufige Jahresdurchschnittsangaben

am Arbeitsort-

• Arbeitslosenquote im Dezember 1993 nach Kreisen

• Bevölkerung am 30.06.1992 nach Kreisen und Regierungsbezirken

Quellen des Statistischen Landesamtes Niedersachsen:

- Regionalentwicklungen, Ausgabe 1993, Kennziffer z 2- j /93

- Kreisfreie Städte und Landkreise in Zahlen 1992, Kennzifferz 1-j /92.


Publikationen des Instituts für ökologische

Wirtschaftsforschung

Das IÖW veröffentlicht die Ergebnisse seiner Forschungstätigkeit in einer Schriftenreihe, in Diskussionspapieren

sowie in Broschüren und Büchern. Des Weiteren ist das IÖW Mitherausgeber der Fachzeitschrift

„Ökologisches Wirtschaften“, die allvierteljährlich im oekom-Verlag erscheint, und veröffentlicht

den IÖW-Newsletter, der regelmäßig per Email über Neuigkeiten aus dem Institut informiert.

Schriftenreihe/Diskussionspapiere

Seit 1985, als das IÖW mit seiner ersten Schriftenreihe „Auswege aus dem

industriellen Wachstumsdilemma“ suchte, veröffentlicht das Institut im Eigenverlag

seine Forschungstätigkeit in Schriftenreihen. Sie sind direkt beim IÖW zu

bestellen und auch online als PDF-Dateien verfügbar. Neben den Schriftenreihen

veröffentlicht das IÖW seine Forschungsergebnisse in Diskussionspapieren

– 1990 wurde im ersten Papier „Die volkswirtschaftliche Theorie der Firma“

diskutiert. Auch die Diskussionspapiere können direkt über das IÖW bezogen

werden. Informationen unter www.ioew.de/schriftenreihe_diskussionspapiere.

Fachzeitschrift „Ökologisches Wirtschaften“

Ausgabe 2/2010

IÖW-Newsletter

Das IÖW gibt gemeinsam mit der Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung

(VÖW) das Journal „Ökologisches Wirtschaften“ heraus, das in vier

Ausgaben pro Jahr im oekom-Verlag erscheint. Das interdisziplinäre Magazin

stellt neue Forschungsansätze in Beziehung zu praktischen Erfahrungen aus

Politik und Wirtschaft. Im Spannungsfeld von Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft

stellt die Zeitschrift neue Ideen für ein zukunftsfähiges, nachhaltiges

Wirtschaften vor. Zusätzlich bietet „Ökologisches Wirtschaften online“ als Open

Access Portal Zugang zu allen Fachartikeln seit der Gründung der Zeitschrift

1986. In diesem reichen Wissensfundus können Sie über 1.000 Artikeln durchsuchen

und herunterladen. Die Ausgaben der letzten zwei Jahre stehen exklusiv

für Abonnent/innen zur Verfügung. Abonnement unter: www.oekom.de.

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