Rundfunk in Stuttgart 1934 - Mediaculture online

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Anteil regelmäßiger Hörer aber 22 Prozent Ablehnung, d.h. am wenigsten

geschätzt, hatte die Kammermusik einen noch schwereren Stand. Mit 8 Prozent

regelmäßigem Einschalten aber 24 Prozent Ablehnung ("am wenigsten geschätzt")

bildete der Jazz das "Schlußlicht". Hohe Einschaltquoten und auch entsprechende

Zustimmung ("am meisten geschätzt") können dagegen alle

Unterhaltungssendungen vorweisen.

Hinter diesen aufschlußreichen statistischen Zahlen über die Nutzung und

Bewertung des Programmangebots von Radio Stuttgart kommt natürlich das

täglich und stündlich gesendete Programm in allen seinen Einzelheiten nicht so

recht zum Vorschein. Eine detaillierte und umfassendere Kenntnis dieses

Angebots gäbe Aufschluß darüber, inwieweit das Radioprogramm ein Spiegel der

Zeitströmungen war; besonders nachdem die amerikanischen

Umerziehungsabsichten an Einfluß verloren hatten und der pädagogische

Anstrich, der von einer gewissen Willkür getragen war, nicht mehr so prägend

wirken konnte. Aber auch die deutschen Programmverantwortlichen ließen sich

bei der Planung und Präsentation im Detail nicht nur von den Wünschen ihrer

Zuhörer leiten. Sie hatten gewisse Vorstellungen von dem, was über das Radio in

den kommunikativen Umlauf zu setzen sei und somit vielleicht nicht ohne Einfluß

auf die Zeitgenossen bleiben sollte. Andererseits waren auch ihre Entscheidungen

von kaum bewußten Vorlieben und der "Auslieferung an den Zeitgeist" geprägt,

weiterhin von Programmkonventionen des damals seit fast 25 Jahren

bestehenden Mediums; aber es galt auch, die technischen und finanziellen

Möglichkeiten zu bedenken, die nicht nur die Inhalte bestimmten sondern auch

die Form und die Machart, in der diese dem Publikum vermittelt wurden.

Angesichts des Fehlens genauer und spezifischer Programmanalysen können hier

nur einige eher oberflächliche Eindrücke beschrieben werden.

Es wäre z. B. sehr interessant, Tendenzen und Schwerpunkte bei der

Ausstrahlung sogenannter ernster Musik zu untersuchen. Welche Anteile hatten

die verschiedenen Epochen der Musikgeschichte bei den Konzert- und

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