Rundfunk in Stuttgart 1934 - Mediaculture online

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Wandel der Konzeption. Aus den Elementen, die durch die

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"Umerziehungs"- Vorstellungen Amerikaner ins Programm geflossenen waren,

wurden in modifizierter Weise Bestandteile eines politisch engagierten, den

Bedürfnissen einer offenen demokratischen Gesellschaft angemessenen

Programms 118 . Hier besaßen die Deutschen ja praktisch kaum eigene

Erfahrungen: In der Weimarer Republik war dem Rundfunk politische Neutralität

verordnet worden, im Dritten Reich wurde er als Sprachrohr der

nationalsozialistischen Propaganda mißbraucht. Meinungspluralismus und seine

Umsetzung in einem Rundfunkprogramm mußten erst noch eingeübt werden.

Wandlungen unterlag dabei die aktive, negativ bestimmte Auseinandersetzung

mit dem Nationalsozialismus. Nach dem Ende der Übertragungen vom

Nürnberger Prozeß gab es weiterhin Berichterstattung über nachfolgende

Kriegsverbrecherprozesse und spektakuläre Spruchkammerverfahren gegen

prominente Sympathisanten und Helfer des NS-Systems. Größeres Aufsehen

erregten dabei das Spruchkammerverfahren gegen den ehemaligen

Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht und die Auseinandersetzung zwischen

dem Ministerpräsidenten Dr. Reinhold Maier und dem Kommissar für die

politische Säuberung in Württemberg- Baden Franz Karl Maier. Dieser hatte unter

Hinweis auf die Zustimmung Reinhold Maiers als Reichstagsabgeordneter 1933

zum Ermächtigungsgesetz den jetzigen Ministerpräsidenten als "belastet"

einstufen wollen. Beide Verfahren mit allen Kontroversen, die die Öffentlichkeit

aufwühlten, wurden von Radio Stuttgart mit ausführlichen Sendungen begleitet.

Die Möglichkeiten der Auslandsberichterstattung – einem weiteren wichtigen

Anliegen der Amerikaner – blieben noch längere Zeit sehr eingeengt. Auch die

Mitarbeiter von Radio Stuttgart unterlagen der generellen Einschränkung,

Auslandsreisen zu unternehmen. Zudem war vor Mitte 1947 eine

Berichterstattung durch deutsche Korrespondenten im Ausland gar nicht erlaubt:

Kontakte zu Journalisten "draußen", auch zu Emigranten, trugen aber dazu bei,

Beiträge von Vertretern vor Ort zu erhalten. Radio Stuttgart entsandte erstmals im

118 Mettler, Demokratisierung, S. 99.

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