Rundfunk in Stuttgart 1934 - Mediaculture online

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anging, so muß man berücksichtigen, daß zudem Stuttgart in der Nachkriegszeit

nicht im Zentrum der Kultur- Aktivitäten stand. Verbindungen über die Grenzen

der Besatzungszonen hinweg blieben nach wie vor schwierig. Auch das

erschwerte die Möglichkeiten, speziell für den Hörfunk geschriebene dramatische

Texte aus der ohnehin noch spärlichen literarischen Produktion zu beschaffen.

Hin und wieder wurden deshalb Originalhörspiele von anderen Sendern

übernommen.

Beim literarischen Hörspiel von Radio Stuttgart standen bis 1949 die Adaptionen

aus Schauspiel und Novellenprosa im Vordergrund entsprechend der

Ankündigung in einem Bericht für die amerikanischen Rundfunkoffiziere, daß

man in den Bemühungen fortfahren werde, "den Hörern die bedeutendsten Werke

der klassischen sowie der neueren und neuesten Bühnenliteratur des In- und

Auslandes in Funkbearbeitung" vermitteln werde. Besondere Schwerpunkte sind

bei der Auswahl der Vorlagen über die Jahre hinweg nicht auszumachen.

Originalhörspiele blieben jedoch die Ausnahme. Der Vergleich zwischen Wolfgang

Borcherts "Draußen vor der Tür" und der Behandlung eines ähnlichen Themas in

Hans Sattlers, des Radio Stuttgart eng verbundenen Autoren und Dramaturgen,

Hörspiel "Der Weg aus dem Dunkeln" (1948), offenbart den Unterschied zwischen

literarischem Niveau, das damals im Hörspiel selten erreicht wurde, und

radiophoner "Gebrauchsware", die an die Grenze der Trivialität streift.

Gerechterweise muß betont werden: Das Hörspiel dieser Zeit darf kaum mit dem

Anspruch, eine eigenständige Kunstform zu sein, beurteilt werden; es war

vielmehr oft ein um den Anteil der optischen Anschauung verringerter Theater-

und Kinoersatz. Seit 1947 ist diese Funktion deutlich erkennbar an dem größer

werdenden Anteil unterhaltender Hörspiele: Komödien, Liebes- und

Kriminalgeschichten machten nun fast die Hälfte des Angebots aus. Ein Beleg für

den Theater- und Kinoersatz ist auch die Tatsache, daß das Hörspiel der späten

vierziger Jahre sich anhört wie die Tonspur eines Ufa- Films. Wie stark das Vorbild

des Films insbesondere für die unterhaltenden Hörspielbeiträge prägend gewesen

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