Rundfunk in Stuttgart 1934 - Mediaculture online

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Rundfunk in Stuttgart 1934 - Mediaculture online

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einem Luftschutzbunker: Es handelte sich vor allem um einen Drahtfunksender

und zugehörige Ausrüstungsgegenstände 11 .

Das Interesse der Amerikaner an einem schnellen Wiederaufbau der zerstörten

Rundfunkeinrichtungen belegt der Vorschlag des Chef- Ingenieurs Major Biltz, die

seit der Abschaltung und Zerstörung des Senders Mühlacker "tote"

Mittelwellenfrequenz 523 Meter bzw. 574 kHz des Reichssenders Stuttgart

möglichst schnell wieder mit einem Programm zu belegen. Angesichts der

vorhandenen Zerstörungen werde die Reparatur einige Zeit in Anspruch nehmen,

deshalb sollte wenigstens Stuttgart und sein Umland mit einem Ein- Kilowatt-

Sender versorgt werden, vermutete er doch, daß die Nazis in der letzten

Durchsage das Auditorium auf andere Reichssender- Frequenzen verwiesen

hätten und es immer schwerer werde, die Hörerschaft wieder "einzufangen". Es

müsse befürchtet werden, daß deren Desintegration von Tag zu Tag wachse.

Außerdem sei es nicht sinnvoll, daß man der Bevölkerung durch Ausrufer mit

Glocken in den Städten und Dörfern – gemeint waren die damals in vielen Orten

noch tätigen Büttel – die Proklamationen und Anordnungen der Militärregierung

nahebringen müsse. Diese Ausrufer seien angesichts des Lärms der

durchrollenden Panzer sowieso kaum zu verstehen, abgesehen davon, daß viele

Leute ihre Häuser aus Furcht gar nicht verließen. Andererseits stünden die

Radioapparate ungenutzt in den Wohnungen 12 . Allerdings wurde der Vorschlag

von Biltz, einen kleinen Sender zu installieren, nicht realisiert, sondern mit

Hochdruck an der Wiederherstellung der zerstörten Anlage des ehemaligen

Großrundfunksenders Mühlacker gearbeitet.

Bei den Arbeiten auf dem Sendergelände setzten amerikanische

Rundfunkspezialisten – bald unter Mithilfe deutscher Techniker nicht nur den

Sender wieder instand, sie bauten auch mit Material der drei am besten

erhaltenen Stahlmasten der ehemaligen Kurzwellenanlage eine Behelfsantenne

auf. Es waren Kabelverbindungen zu legen, insbesondere war das

11 OMGUS/WB – ICD/ISD, 24. 4. 1945, 12/85- 1/50.

12 OMGUS/WB – ICD/ISD, 11. 4. 1945, 12/85- 1/50.

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