Rundfunk in Stuttgart 1934 - Mediaculture online

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eingebaut. Von Ende Juli 1945 an wurden auch regelmäßig Gottesdienste der

verschiedenen religiösen Bekenntnisse übertragen. Dem ging eine Besprechung

voraus, die am 12. Juli auf Einladung des Leiters von Radio Stuttgart, Captain

William Burke Miller, mit Vertretern der christlichen Kirchen stattfand. Diese

Sendungen sollten allwöchentlich ausgestrahlt und hinsichtlich der

Programmgestaltung von den Kirchen betreut werden. Die Amerikaner erwarteten

eine an der Gewissensfreiheit ausgerichtete religiöse Erbauung, die sich jeder

politischen Tendenzen zu enthalten habe. Am 14. Juli trugen die Kirchenvertreter

auch dem Militärgouverneur von Württemberg- Baden, Oberst William Dawson,

ihre Vorstellungen und Wünsche vor. Dieser beauftragte seinerseits die Kirchen

mit der "Durchführung von kirchlichen Radiosendungen". Vereinbart wurde, daß

am Sonntag, dem 29. Juli 1945, diese Sendungen mit einleitenden Worten des

Militärgouverneurs und des evangelischen Landesbischofs von Württemberg, Dr.

Theophil Wurm, aufgenommen werden sollten 25 .

Da Oberst Dawson selbst Methodist war, legte er Wert auf eine Beteiligung der

Freikirchen an den Übertragungen der Feierstunden, die von den Kirchen

gestaltetet wurden. Bis zum Juni 1947 hatten die Freikirchen deshalb auch

regelmäßig einen eigenen Programmplatz am Sonntagvormittag, auf den seit

Dezember 1945 die Gottesdienste verlegt worden waren. Dieser frühe Beginn von

Übertragungen religiöser Feiern, der mit der Praxis der Rundfunkstationen

anderer Besatzungsmächte übereinstimmt, darf nicht darüber hinwegtäuschen,

daß die Amerikaner den Kirchen nur wenig Spielraum im Bereich religiöser

Rundfunkprogramme einzuräumen gedachten. Weder gestanden sie den

Bekenntnissen im Vergleich zu den Franzosen und den Engländern besonders viel

Sendezeit zu, noch beteiligten sie die Kirchen verantwortlich bei den religiösen

Informationssendungen, die allerdings erst 1947 ins Programm kamen.

Vermutlich wollten die Amerikaner unter keinen Umständen zulassen, daß die

beiden großen Kirchen diese Sendungen dominieren oder den Rundfunk

25 Astrid Czerny, Nationalsozialismus und Nachkriegzeit im Spiegel der evangelischen

Morgenfeiern von Radio Stuttgart (1945- 1949), Magisterarbeit Tübingen 1988, S. 17 ff.

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