Rundfunk in Stuttgart 1934 - Mediaculture online

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"Der Arbeit eines jeden amerikanischen Rundfunkmannes wird in erster Linie der

Wunsch zugrunde liegen, im deutschen Radio das Prinzip der Redefreiheit

wirksam werden zu lassen. Weiterhin wird er bestrebt sein, das Radio als

Eigentum der Allgemeinheit zum Wohl dieser Allgemeinheit aufzubauen. Die

Verwaltung darf nicht durch irgendeine Agentur, durch irgendeine wirtschaftliche

Clique erfolgen, die bereit ist, das Ganze einer staatlichen Kontrolle zu

überantworten. Ich nehme an, die Deutschen sind sich inzwischen klar darüber,

in welchem Maß Verbrechen von einem staatlich gelenkten Rundfunksystem

sowohl inspiriert als auch sanktioniert werden können. In den Vereinigten

Staaten existieren heute ungefähr 1000 Rundfunkstationen, die alle in privaten

Händen sind. Sie haben vollkommene Freiheit an der Verwaltung ihrer Stadt, an

der Regierung ihres Staates und der Nation Kritik zu üben. Es steht ihnen frei, auf

jeden Mißbrauch des öffentlichen Vertrauens hinzuweisen, irgendwelche

Unregelmäßigkeiten oder kleinliche Schikanen zu brandmarken, kurzum, die

Aufmerksamkeit auf jeden Mißstand zu lenken, wie er leicht innerhalb der

komplizierten Strukturen unserer modernen Gesellschaft auftreten kann" 47 .

Die Erinnerungen der damaligen deutschen Mitarbeiter lassen zumindest für die

erste Zeit auf einen recht distanzierten Umgang der Besatzer mit den Deutschen

schließen, auf ein Verhältnis, das weitgehend von Befehl und Gehorsam geprägt

war. Man darf sicher nicht die Zustände im Hamburger Funkhaus idealisieren, von

dort wird von einer frühen kooperativen Zusammenarbeit zwischen englischen

Rundfunkoffizieren und deutschen Mitarbeitern berichtet. Zweifellos war das

Klima in den Funkhäusern der amerikanischen Zone noch längere Zeit frostiger

und zurückhaltender als in Hamburg 48 .

Negativ wurde die Überwachung durch die Amerikaner natürlich vor allem bei der

Vorzensur aller Manuskripte wirksam. Eine Verfügung bei Radio Stuttgart vom 20.

Oktober 1945 forderte, alle Manuskripte seien vom "Chief of radio section"

abzuzeichnen, in seiner Abwesenheit aber sei das einstimmige Votum der

wichtigsten Offiziere erforderlich. Am 12. Dezember 1945 gab "Kip" Chevalier die

Anweisung, alle Manuskripte hätten am Abend des Tages vor der Sendung

vorzuliegen 49 . Auch Musiklaufpläne wurden vom zuständigen Offizier daraufhin

überprüft, daß sie keine Marschmusik oder andere dem Geist der Umerziehung

47 "Radio- Spiegel", Nr. 9/1946, S. 4 f.

48 Zum Verhältnis von Briten und Deutschen im NWDR s. Michael Tracey, Das unerreichbare

Vorbild. Ein Versuch über Hugh Greene und die Neugründung des Rundfunks in

Westdeutschland nach 1945 (= Annalen des Westdeutschen Rundfunks, Bd. 5), Köln 1982;

Wolfgang Jacobmeyer, Politischer Kommentar und Rundfunkpolitik. Zur Geschichte des

Nordwestdeutschen Rundfunks 1945- 1951, Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, 21, 1973,

S.358- 387.

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