Rundfunk in Stuttgart 1934 - Mediaculture online

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allesverderbenden Anwendung kamen. Schon unter der dahingegangen Republik

Weimarer Prägung bestand die Demokratie in Rundfunkdingen in der Hauptsache

aus dem Rotstift des Zensors. Ängstlich hat man sich gehütet, auch nur ein Wort

über den Äther zu lassen, daß den maßgebenden Kräften nicht in den Kram

paßte. ( ... ) Wie für vieles andere, so muß der positiv eingestellte Teil des

deutschen Volkes der Militärregierung seinen Dank aussprechen für diese

praktische Demonstration dessen, was Demokratie wirklich ist" 55 .

Neben diese ersten und sehr plakativen Versuche der "Umerziehung" traten mit

Beginn des Nürnberger Kriegsverbrecher- Prozesses im November 1945 die

täglichen Übertragungen aus Nürnberg. Es muß offen bleiben, inwieweit diese

Berichte bei der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus eher

Widerstand und Ablehnung als Aufklärung und Zustimmung bewirkt haben. Die

Schilderungen des Prozeßverlaufs waren vielfach ohne das notwendige

Einfühlungsvermögen in das Empfinden eines besiegten Volkes gestaltet, das im

wesentlichen mit der Bewältigung seines schwierigen Alltags beschäftigt war.

Einer der deutschen Programmberater kritisierte in einem Memorandum vom 8.

Oktober 1945 die Machart des "Echo des Tages". Es werde zu viel offensichtliche

Propaganda gemacht und auch die ausgewählten Bekanntmachungen

interessierten immer nur einen bestimmten Personenkreis. Dadurch gehe viel Zeit

für wirklich wichtige Mitteilungen und Ansprachen verloren. Er forderte die

Amerikaner zu einer Gestaltung der Sendung auf, die sich bei den Nachrichten

und bei der politischen Kommentierung an deutschen Gewohnheiten orientiere 56 .

Im ersten Halbjahr 1946 blieb das "Echo des Tages" die aktuelle Wortsendung, in

der Kommentare, politische Berichte, aktuelle, auch nicht- politische

Informationen aus Stadt und Land, Ansprachen von Militärs und Politikern ihren

Platz hatten. Die Gestaltung der Sendereihe litt allerdings darunter, daß erst Ende

1945 ein behelfsmäßiger Übertragungswagen, ein umgebautes Taxi, das

abhängig war von der Stromversorgung durch das öffentliche Netz, zur

55 Programmnachweise Hörfunk vom 7. 8. 1945.

56 Nachlaß Eberhard, 12 – ED 117/ Bd. 89 sowie Programmvorschläge vom 23. 10. 1945, ebd. Bd.

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