Rundfunk in Stuttgart 1934 - Mediaculture online

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und im "Studiokonzert" – donnerstags zur gleichen Zeit – sollten Musik vorstellen,

die in den dreißiger und in der ersten Hälfte der vierziger Jahre in Deutschland

nicht gehört werden konnte, zwei Sendeplätze zu sehr guter Sendezeit mit vielen

potentiellen Hörern; die Reihe "Studiokonzert" brachte Aufnahmen aus

öffentlichen Veranstaltungen, für die in der Programmzeitschrift eifrig geworben

wurde. Der Übereifer der Rundfunkoffiziere schadete aber offenbar dem

gutgemeinten Anliegen. So meinte der über jeden Verdacht erhabene Fritz

Eberhard: "Eine Stunde atonaler Musik scheint mir zu viel. Wenn man Verständnis

für neue Wege in der Tonkunst erziehen will, darf man erstens nicht bereits

durch den Titel einen weiten Kreis von Hörern abschrecken und darf zweitens

nicht durch ein zu viel ermüden" 66 . Oder wie Clara Menck schrieb: "Naturgemäß

kommt hier neben positivem Neuen auch Problematisches zum Vortrag, und

ebenso natürlich steht der deutsche Hörer manchen Äußerungen moderner Musik

verständnislos gegenüber " 67 . Bereits im Juni 1946 wurde das Angebot an

moderner Musik auf die Hälfte der ursprünglichen Sendezeit verkürzt und auf

den Freitagnachmittag verlegt.

"Stimme der Freiheit in der Musik" war eine Reihe, die nach etwa halbjährigem

Bestehen im Juli 1946 wieder aus dem Programm genommen wurde. Sie brachte

Ausschnitte aus Musikwerken wie die "Eroica" und die Oper "Fidelio" von

Beethoven, die von den Zielen und Idealen der Französischen Revolution beflügelt

waren, aber auch Liedgut aus den verschiedenen europäischen Ländern, deren

Texte Bezug zu Revolutionen und Befreiungsaktionen hatten wie z. B. polnische,

russische und rumänische Lieder.

In den verschiedenen Berichten amerikanischer Provenienz werden als

Sendungen, die dem "Reeducation"- Gedanken verpflichtet sind, auch "Perlen der

Literatur" und "Neue Bücher" erwähnt. Neben der Rezitation in Deutschland noch

unbekannter Literatur des Auslandes hatten die Besprechungen anfangs einen

stärkeren Akzent auf fremdsprachiger Literatur. Die lösten sich dann aber von

66 Programmkritik Dr. Fritz Eberhard vom 1. 4. 1946, wie Anm. 63.

67 Wie Anm. 62.

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