Rundfunk in Stuttgart 1934 - Mediaculture online

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Es mag auch an den besonderen Verbindungen des neuen Intendanten von Radio

Stuttgart Fritz Ermarth gelegen haben, der ja aus der badischen Residenzstadt

stammte, daß sich im Sommer 1947 die Überlegungen konkretisierten, in

Karlsruhe eine Sendestelle zu eröffnen. In Heinrich Wiedemann, verheiratet mit

der Tochter des letzten badischen Staatspräsidenten, fand sich ein Karlsruher

Journalist, dem im Herbst 1947 die Aufgabe übertragen werden konnte, eine

kleine Sendestelle aufzubauen. Im Gartenhaus des zerstörten Palais Bürklin an

der Kriegsstraße wurden Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, die

verhältnismäßig rasch auszubauen waren. Am 14. März 1948 109 konnte nach

einer Feierstunde die Sendestelle Karlsruhe ihren Betrieb aufnehmen, nachdem

bereits zehn Tage zuvor die erste Sendung nach dem Kriege aus diesem Studio

dem Programm von Radio Stuttgart beigesteuert worden war. Die vielfach

erwähnte Verwendung des ehemaligen Badezimmers im Gartenhaus – ohne

Badewanne jedoch – als Regieraum verdeutlicht jedoch, unter welch

bescheidenen, improvisierten Bedingungen der Rundfunk in der Nachkriegszeit

auskommen mußte.

So rasch die Verantwortlichen von Radio Stuttgart auch mit der Errichtung der

badischen Sendestellen auf die Probleme reagierten, die im übrigen schon in der

Zeit zwischen den beiden Weltkriegen vorhanden waren, zufrieden war man dort

offensichtlich nicht, wie sich wiederholende kritische Presseäußerungen in Baden

und Rechtfertigungen aus Stuttgart belegen. Zwar betrug der Anteil der

Sendestellen am Gesamtprogramm zwischen zehn und zwölf Prozent, waren

sogar manche "Morgenstunden" aus Heidelberg Sendungen in Kurpfälzisch, zwar

gab es immerhin zehn Sendungen "Aus der badischen Heimat" pro Jahr- doch im

Vergleich zu den über 40 Sendungen pro Jahr "Aus der schwäbischen Heimat"

erscheint dies allerdings wenig. Heinrich Wiedemann hat darauf hingewiesen, daß

gerade im Bereich der Dialektsendungen kein "badischer Albert Hofele" da

gewesen sei, einmal ganz abgesehen vom Fehlen einer einheitlichen Mundart in

109 SDR/HA, Historische Dokumentation 1945- 1986, Nr. 2363 (2) mit mehreren Dokumenten zur

Übergabefeier.

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