Kulturfenster Nr. 02|2020 - April 2020

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-70% – NE BOLZANO – 72. Jahrgang

Nr. 2 | APRIL | 2020

Zweimonatszeitschrift

KulturFenster

Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol

Wunsch nach Normalität

Regionale Vielfalt auf dem Teller

Corona wie ein Tsunami


• Geleitwort •

• Inhalt •

• Chorwesen

Auf dass bald wieder etwas

Normalität eintritt 3

SCV Programm 2020 4

Siebter Tiroler

Volksliedwettbewerb in Innsbruck 6

Vollversammlung Bezirk

Eisacktal- Wipptal: Danke sagen 7

Vollversammlung Bezirk

Burggrafenamt-Vinschgau:

Jugendliche für Chöre gewinnen 8

Aktive Chöre im Pustertal 9

Schloss Trauttmansdorff:

Tag der Chöre im September 9

Kirchenchor „Maria Königin“

in Prad am Stilfserjoch: Ehrungen 10

Kirchenchor und Orchester

in St. Christina (Gröden):

18 Jubilare geehrt 11

Titelbild: Tag der Chöre 2019 in Schloss Trauttmansdorff

Corona Virus wie ein Tsunami

Es mutet gespenstisch an, fast apokalyptisch.

Die Corona-Krise hat das öffentliche Leben in

weiten Teilen der Welt und auch in Südtirol

fast lahmgelegt. Davon betroffen sind auch

unsere großen Kulturverbände. Der Südtiroler

Chorverband, der Verband der Musikkapellen

und der Heimatpflegeverband haben

ihre für März angekündigten Jahresversammlungen

absagen müssen. Das hat es noch

nie in den letzten 70 Jahren gegeben. Neue

Termine sind noch nicht fixiert, weil niemand

weiß, wie lange die Krise anhält.

Gleichwohl wird Zuversicht signalisiert.

Der Bundesobmann des SCV Erich Deltedesco

wünscht sich, dass bald wieder etwas

Normalität eintritt und lädt die Chorleute

ein, die Fortbildungsveranstaltungen

in den Sommermonaten eifrig zu besuchen.

Sehr erfreut zeigte sich der Obmann

über die ausgezeichneten bis sehr guten

Erfolge der fünf Südtiroler Singgruppen, die

am 1. Februar in Innsbruck am 7. Tiroler

Volksliedwettbewerb teilgenommen hatten.

•Heimatpflege

Dankbar sein für die einfachen Dinge 12

Vielfältig und alternativ –

Nischenprodukte erfolgreich 13

„Ohne Landwirtschaft

keine Kulturlandschaft“ 16

Essen mit Respekt – Schafe geben

einem Tal neue Perspektiven 18

Bräuche zur Osterzeit – das Osterbrot 20

Heimatpflegeverband trifft

sich mit Landesrat Schuler 21

Coronavirus trifft

„Krone der Schöpfung“ 22

„Aktion Verzicht 2020“– HPV dabei 24

Im Gedenken an

Architekt Christoph Mayr Fingerle 25

Bezirksversammlung der

Vinschger Heimatpfleger 26

Arge Lebendige Tracht: der Kittelsack 27

60. Jahresversammlung der

Arge Volkstanz 28

Die Bezirksversammlungen des Chorverbandes,

des VSM und die Versammlung der

Vinschger Heimatpfleger konnten noch vor

dem Ausbruch der Krise abgewickelt werden.

Die Landesobfrau des Heimatpflegeverbandes

Claudia Plaikner plädiert in ihrem

Geleitwort angesichts der Krise für Vielfalt

gegen Einfalt. Sie fordert einen beherzten

Einsatz gegen den um sich greifenden Egoismus,

gegen die Ausbeutung der Natur und

gegen die kulturlose Beliebigkeit. Was wir konsequent

und energisch anstreben müssten,

seien ein respektvoller Umgang mit der Natur,

„eine identitätsstiftende Kulturarbeit“.

Der Obmann des VSM Pepi Fauster sieht

im Corona Virus einen Tsunami mit ungeheurer

Sprengkraft. Viele Veranstaltungen,

die mit viel Zeit, Leidenschaft und Aufwand

vorbereitet worden seien, hätten abgesagt

oder verschoben werden müssen. Aber die

Krise hätte auch ihr Gutes. ,,Sie eröffnet die

Chance zu neuer Kreativität im Umgang mit

Musik und in den zwischenmenschlichen

Beziehungen.“

Alfons Gruber

• Blasmusik

Zwölfter VSM-Landeswettbewerb

„Musik in kleinen Gruppen“ 30

Corona-Virus: wie ein völlig

unerwarteter Tsunami 34

JHV des VSM-Bezirkes Meran:

Motivation braucht gutes Umfeld 36

JHV des VSM-Bezirkes Bozen:

Wenn Musikanten zu Artisten werden 37

JHV des VSM-Bezirkes Bruneck:

umfangreich, bunt, qualitätsorientiert 38

JHV des VSM-Bezirkes Sterzing: Mangel

an Kapellmeistern und Stabführern 39

Jung(le)schlern musiziert 40

Mit Christian Laimer an

Dirigentenpult „herangeschnuppert“ 41

Die Jugendseite:

Die Algunder Jugendkapelle 42

Gratulation:

Hans Hilber und Pepi Ploner 60 43

„Proludium“: Jakob Augschöll und

die Faszination des Blasorchesters 44

Musikpanorama 46

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KulturFenster


Vorweg

Chorwesen

Auf dass bald wieder etwas

Normalität eintritt

Sehr geehrte Obleute, Chorleiterinnen und

Chorleiter, liebe Sängeriinnen! und Sänger

Ich hoffe, dass Sie die schwierige Situation

in den letzten Wochen gut überstanden

haben und dass in unseren Chören

und Singgemeinschaften bald wieder etwas

Normalität eintritt.

Viele Konzerte und Veranstaltungen, u.a.

auch die 71. ordentliche Vollversammlung

des Südtiroler Chorverbandes mussten abgesagt

bzw. auf einen späteren Zeitpunkt

verschoben werden. Nicht stattfinden

konnte auch der Workshop für Chorleiter/innen

mit Jan Scheerer und Martha

Basten Mitte März, er wird im September

nachgeholt. Die Aus- und Weiterbildung

ist dem Chorverband weiterhin ein zentrales

Anliegen.

Auch in diesem Jahr bieten wir wiederum

vielfältige und hochqualifizierte Schulung-

sangebote an, auf die ich Sie aufmerksam

machen möchte. Das Fortbildungsprogramm

2020 beinhaltet Angebote für alle

Altersbereiche und für unterschiedlichste

Zielgruppen. Besonders hinweisen möchte

ich auf den Beginn des Ausbildungslehrganges

für Chorleiterinnen und Chorleiter

an neun verschiedenen Musikschulen

Südtirols und an das Casting für den

Landeskinderchor und Landesjuniorchor.

Informationen dazu, sowie zu allen weiteren

Fortbildungsangeboten und die dazugehörigen

Anmeldeformulare sind unter

scv.bz.it abrufbar.

Ich bitte Sie, das wiederum reichhaltige

Schulungsprogramm in den eigenen Chören

und darüber hinaus bekanntzugeben

und zu bewerben und viele für eine Teilnahme

zu motivieren.

Erich Deltedesco

Obmann des Südtiroler Chorverbandes

Alle Informationen zu den Veranstaltungen und Schulungen des Südtiroler Chorverbands

auf www.scv.bz.it und auf Facebook!

Dominikanerplatz 7, I-39100 Bozen

Tel.: 0471 971833

E-Mail: info@scv.bz.it

www.scv.bz.it

facebook.com/SuedtirolerChorverband

Nr. 02 | April 2020 3


Programm

SCV-Programm 2020

Weiterbildung für Erwachsene

Sa. 23. Mai

Anmeldeschluss: 10. Mai

Singtag für Chorsänger/innen 50+ im Kolpinghaus Bozen

Teilnehmerkreis: Chorsängerinnen und Chorsänger 50+, die gerne singen

Kursleitung: Edgar Wolf

28. Juni – 5. Juli

Anmeldeschluss: 30. April

Alpenländische Sing- und Wanderwoche in Ulten

Teilnehmerkreis: Alle interessierten Sängerinnen und Sänger ab 18 Jahren

Kursleitung: Ernst Thoma

27. Juli – 2. August

Anmeldeschluss: 30. Juni

Chor- und Stimmbildungswoche in der Fürstenburg Burgeis

Teilnehmerkreis: Alle interessierten Sängerinnen und Sänger ab 18 Jahren

Kursleitung: Rainer Held

2. – 7. August

Anmeldeschluss: 31. Mai

ChorleiterInnenseminar in der Fachschule für Landwirtschaft Dietenheim

in Zusammenarbeit mit dem Verband der Kirchenchöre Südtirols

Teilnehmerkreis: Chorleiter/innen und Chorleiteranwärter/innen

Kursleitung: Nataliya Lukina

12. – 13. Sept.

Anmeldeschluss: 15. April

Chamber Choir of Europe in Zusammenarbeit mit dem südtirol festival meran

in der Musikschule und Pfarrkirche Meran

Teilnehmerkreis: alle Chorleiter/innen und Sänger/innen

Kursleitung: Morten Lauridsen, Nicol Matt

Fr. 2. Oktober

Anmeldeschluss: 27. Sept.

Seminar „Wie man Stimmen zum Klingen bringt!“

im Kolpinghaus Bozen

Teilnehmerkreis: Lehrer/innen, Chorleiter/innen

Kursleitung: Veronica Bertsch

Sa. 3. Oktober

Anmeldeschluss: 28. Sept.

Let‘s sing – let‘s swing – let‘s groove”

Populäre Chormusik für Frauen und Männer im Kolpinghaus Bozen

Teilnehmerkreis: ChorsängerInnen und ChorleiterInnen

Kursleitung: Veronica Bertsch

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KulturFenster


20030_Kinder-Juniorchor_A3.indd 1

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Chorwesen

Programm für Kinder und Jugendliche

28. Juni – 4. Juli

Anmeldeschluss: 30. April

5. – 11. Juli

Anmeldeschluss: 30. April

16. – 22. August

Anmeldeschluss: 31. Mai

„Sommer! Sonne! Sonnenschein!“ - Kindersingwoche

in der Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung „Frankenberg“ in Tisens

Teilnehmerkreis: 50 Kinder im Alter zwischen 9 und 14 Jahren

Kursleitung: Michael Feichter

„CATS“ - Musikalischer Workshop

im Haus der Familie in Lichtenstern/Ritten in Zusammenarbeit mit dem Haus der Familie

Teilnehmerkreis: 65 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 18 Jahren

Kursleitung: Christian Stefan Horvat

MUSICOOL – Buben machen Musical

im Vinzentinum Brixen

Teilnehmerkreis: 50 Buben im Alter zwischen 8 und 13 Jahren

Kursleitung: Andreas Wiedmer

22. – 29. August

Anmeldeschluss: 30. Juni

NEU NEU NEU

Chorleiterausbildung

an den Musikschulen

Lehrschulen:

MS Bozen (Gries, Altstadt, Jenesien)

MS Brixen (Vintl Mühlbach)

MS Bruneck

MS Klausen

MS Lana/Ulten/Nonsberg

MS Leiters (Leiters, Regglberg)

MS Meran/Passeier

MS Sterzing

MS Überetsch (Mittleres Etschtal)

Anmeldung bis innerhalb April 2020!

Genauere Informationen erhalten Sie bei

den jeweiligen Musikschulen

Musical Fever Plus im Priesterseminar Brixen

Teilnehmerkreis: Jugendliche von 16 bis 25 Jahren

Kursleitung: Stephen Lloyd

Komm,

sing mit!

Vormittag

9bis 12 Uhr

Nachmittag

14 bis 18 Uhr

Vormittag

9bis 12 Uhr

Nachmittag

14 bis 17 Uhr

Casting für

Landeskinderchor

und

Landesjuniorchor

Vorsingtermine

23. Mai 2020

Musikschule Bruneck

Paul-von-Sternbach-Straße, 3

39031 Bruneck

Musikschule Klausen

Seebegg, 38

39043 Klausen

6. Juni 2020

Musikschule Meran

XXX-April-Straße, 23

39012 Meran

Musikschule Bozen

Grieser Platz, 16/B

39100 Bozen

Anmeldeschluss

30. April 2020

Südtiroler Chorverband

Dominikanerplatz 7

39100 Bozen

Tel: 0471 971 833

info@scv.bz.it

www.scv.bz.it

Südtiroler

Chorverband

www.frigraf.it

Nr. 02 | April 2020 5


Das Thema

Das Volkslied lebt!

7. Tiroler Volksliedwettbewerb in Innsbruck

Puschtra Herbischtsinger

Sait bei Seit

Inso drei

Die Teldra Soatngsonggitschn

Singmäuse

„A Liadl lasst’s hearn“ war das Motto beim

7. Tiroler Volksliedwettbewerb in Innsbruck.

Am 1. Februar lud der Tiroler Volksmusikverein,

der Südtiroler Volksmusikkreis und

der Südtiroler Chorverband in den ORF Tirol

ein, um bei diesem Wertungssingen ihre

„liabschten“ Lieder zum Besten zu geben.

Singen begeistert jung und alt – das wurde

bei dieser Veranstaltung wieder einmal klar

unter Beweis gestellt.

Der jüngste Teilnehmer war 5 und der älteste

Sänger 86 Jahre alt. Die Gruppen kamen

aus allen Teilen Tirols, was sich sowohl

im Liedgut als auch im Dialekt der

vorgetragenen Lieder widerspiegelte. Beim

Wertungssingen tagsüber herrschte eine

freudig angespannte Stimmung und sowohl

die Juroren als auch das Publikum

fieberten mit, wenn sich die Gruppen auf

der Bühne bereitmachten, um zu zeigen,

was sie sich in vielen Probenstunden erarbeiten

konnten. Beim abschließenden

Festabend durften regional ausgewählte

Ensembles noch einmal vor großem Publikum

im ausverkauften Studio 3 ihre

Lieder präsentieren. Als Anerkennung für

die großartige Leistung erhielten alle teilnehmenden

Gruppen eine Urkunde. Das

Volkslied lebt – das zeigt diese außergewöhnlich

gut besuchte Veranstaltung einmal

mehr!

Zahlreiche Ehrengäste, wie z.B. Kulturlandesrätin

Beate Palfrader, der Innsbrucker

Bürgermeister Georg Willi, Landesmusikdirektor

Helmut Schmid, der Obmann

des Südtiroler Volksmusikkreises Gernot

Niederfriniger, Fachinspektor für Musikerziehung

Martin Waldauf und der Sprecher

des Tiroler Traditionsforums Franz Hitzl

waren von den Darbietungen begeistert!

Der Obmann des Tiroler Volksmusikvereins

und Wettbewerbsleiter Peter Magreiter

betonten gegenüber dem Südtiroler Chorverband:

„Für uns war es wieder eine große

Ehre, dieses Volksmusikfest in Innsbruck

mit eurer Hilfe ausrichten zu dürfen. Wir

bedanken uns recht herzlich für die wertvolle

Unterstützung!“

Aus Südtirol nahmen fünf Singgruppen

teil: die Gruppe InsoDrei aus Reischach

(Prädikat ausgezeichnet), die Puschtra

Herbischtsinger aus Sand in Taufers (Prädikat

ausgezeichnet), die Teldra Soatngsonggitschn

aus Luttach (Prädikat ausgezeichnet),

die Gesangsgruppe „Sait BEI

Seit“ aus Algund (Prädikat sehr gut) und

die „Singmäuse“ aus Bruneck (Prädikat

sehr gut).

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KulturFenster


Aus Verband & Bezirken

Chorwesen

Ein Moment Danke zu sagen

Vollversammlung des Bezirks Eisacktal-Wipptal

In den insgesamt 79 Mitgliedschören des

Bezirkes Eisacktal-Wipptal singen rund 2146

Sängerinnen und Sänger.

Zu den Mitgliedschören gehören 40 Kirchenchöre,

13 Jugendchöre, 10 gemischte

Chöre, 10 Männerchöre und 6 Frauenchöre.

Die Vollversammlung des Bezirks fand am

8. Februar im Vereinshaus von Telfes statt.

Nach einem gemeinsamen Abendessen

begrüßte die Telfer Singgemeinschaft unter

der Leitung von Ester Falkensteiner die

Anwesenden musikalisch. Obmann Gottfried

Gläserer bedankte sich beim „fleißigen

Chor“ mit Obfrau Klara Mair für die

kulinarische und musikalische Gestaltung

des Abends und überreichte ihnen ein Geschenk.

Als Ehrengäste konnte der Bezirksobmann

Dekan Christoph Schweigl, den

Bürgermeister der Gemeinde Ratschings

und Hausherr Sebastian Helfer, den Bezirksobmann

des VKS Benedikt Baldauf,

Verbandsobmann Erich Deltedesco, Ehrenobmann

Otto Schenk, Verbandschorleiterin

Renate Unterthiner und den neuen

Geschäftsführer des SCV Dietmar Thanei

begrüßen, ebenso die Kollegen im Bezirksvorstand.

Nach einer kurzen Stille im Gedenken

an die verstorbenen Sängerinnen

und Sänger erinnerte sich der Vorstand

an das abgelaufene Jahr: Höhepunkt war

das Chörefestival im September in Brixen

mit 400 Sängerinnen und Sängern, aber

auch das Gesamttiroler Wertungssingen im

November. „Neben den vielen kirchlichen

Einsätzen gab es in diesem Jahr auch wieder

unglaublich viele sehr schöne Konzerte

und Veranstaltungen im Bezirk“, betonte

Gläserer. Vorläufig seien für 2020 ein Schulungswochenende

für Chorleiterinnen und

Chorleiter, eine Bezirksfahrt nach Regensburg

am 26.-27. September und „Herbstgespräche“

für Chorfunktionäre geplant. „Auf

dem Weg nach Regensburg besuchen wir

Abendsberg, wir besichtigen den Hundertwasserturm

und machen eine Brauereibesichtigung

in der Brauerei Kuchlbauer.

Dann fahren wir weiter nach Regensburg

machen am Abend eine Führung

im beeindruckenden Dom von Regens-

Die Telfer Singgemeinschaft umrahmte die Versammlung musikalisch.

burg mit der größten hängenden Kirchen

Orgel der Welt. Stadtführung am Sonntag

und zurück“, sagte der Bezirksobmann.

Er dankte dem Chorverband mit Obmann

Erich Deltedesco und dem Bezirksvorstand

für die Zusammenarbeit: „Für das Chörefestival

war relativ viel Einsatz erforderlich!

Besonders danken möchte ich allen Vorstandsmitgliedern,

aber auch Ehrenobmann

und Chronist Otto Schenk. Nicht zuletzt gilt

mein Dank für die gute Zusammenarbeit

dem Bezirksvorstand im Verband der Kirchenchöre

und Obmann Benedikt Baldauf,

der sich sehr um die Eröffnungsfeier

des Chöre-Festivals im Dom bemüht hat.“

Bezirkschorleiter Armin Mitterer ging dann

auf die geplanten musikalischen Veranstaltungen

ein. Thomas Pardatscher, stellvertretender

Direktor im Amt für Kultur, informierte

anschließend über die aktuellen

Finanzierungsmöglichkeiten des Landes.

Die Versammlung schloss mit der Überreichung

der Erinnerungstafeln an das

Chörefestival 2019 und den Grußworten

der Ehrengäste, wobei sich auch der neue

SCV-Geschäftsführer Dietmar Thanei vorstellte.

Zum Schluss sangen alle gemeinsam

das Lied „Singen“ von Ernst Thoma.

Die Teilnehmer des Chöre-Festivals erhielten eine Erinnerungsurkunde.

Nr. 02 | April 2020 7


Aus Verband und Bezirken

Jugendliche für das Singen

im Chor gewinnen

Vollversammlung des Bezirks Burggrafenamt-Vinschgau

2289 Sängerinnen und Sänger singen in

98 Chören im Bezirk Burggrafenamt-Vinschgau:

Am 25. Jänner trafen sich die Obleute

und Chorliterinnen und Chorleiter bei

der Jahreshauptversammlung in der Turnhalle

von Staben. Obmann Karl Werner und

der Bezirksausschuss blickten gemeinsam

mit den Vertretern der Chöre auf das Jahr

zurück. „Mein Dank gilt vor allem den Chören

für ihre rege Tätigkeit und den Ehrenamtlichen

im Bezirk für ihren Einsatz!“,

betonte der Bezirksobmann. Sein besonderer

Dank galt dem Kirchenchor von Tabland-Staben

unter der Leitung von Urban

Rinner, der die Vollversammlung musikalisch

umrahmte und den Anwesenden im

Anschluss an die Versammlung

eine vorzügliche Gulaschsuppe

servierte.

Obmann Karl Werner erinnerte

an verschiedene Veranstaltungen

für die Chöre

im Bezirk: Höhepunkt war

das Kirchenkonzert in Meran

und Schlanders gewesen,

bei dem ein Bezirkschor

Werke von Haydn und Mendelssohn-Bartholdy

aufgeführt

hatte. Bezirkschorleiter

Josef Sagmeister spielte

einen Auszug aus der Aufführung

vor und betonte,

dass es ein besonderes Erlebnis

gewesen war. Rund

100 Sängerinnen und Sänger

aus dem Bezirk hatten

daran teilgenommen. Außerdem

gab es ein Chorleiterseminar

mit Manuel

Schuen auf Schloss Goldrain

sowie einen Informationsabend

für Obleute in Sinich

und Schlanders, der

sehr gut besucht war. Die Sängerwanderung

in den Gärten von Schloss Trauttmansdorff

musste wegen Schlechtwetter

abgesagt werden. Im Herbst soll diese

Wanderung am Tag der Chöre nachgeholt

werden. Außerdem ist eine Kulturfahrt

nach Innsbruck zu „Don Giovanni“ geplant.

Das nächste Bezirkskonzert wird es

in zwei Jahren wieder geben.

Besonderes Augenmerk will der Bezirk

auf die Förderung der Jugendlichen

legen. So betonte der Bezirkschorleiter,

dass es neben den acht Jugendchören,

die dem Chorverbandsbezirk angehören,

noch viele andere Jugendchöre gibt. Mit

ihnen wolle man den Kontakt aufnehmen

und ein gemeinsames Konzertprojekt planen

in der „langen Nacht der Kirchen“. So

sollen Jugendliche zusammengeführt und

neue Energien freigesetzt werden. In einer

Klausurtagung und in verschiedenen Kleinbezirktreffen

wird der Bezirksausschuss

Lösungen mit den Vertretern der Chöre

suchen. Die traditionelle Chorleiterschu-

lung des Bezirks hat bereits im Jänner auf

Schloss Goldrain stattgefunden. Auf die

Förderung des Gesangs bei Kindern und

Jugendlichen ging auch Verbandschorleiterin

Renate Unterthiner in einem Referat

ein, indem sie die vom Chorverband geplanten

Projekte vorstellte, die im Rahmen

der Jahreshauptversammlung am 7. März

der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Peter

Berger vom Südtiroler Chorverband und

Bürgermeister Andreas Heidegger dankten

den Chören und dem Bezirksausschuss

für ihren Einsatz und betonten den unersetzlichen

kulturellen Auftrag der Chöre

und den Wert des Singens für das eigene

Wohlbefinden.

Der Kirchenchor Tabland-Staben

unter der Leitung von Urban Rinner

umrahmte die Vollversammlung

musikalisch.

8

KulturFenster


Chorwesen

Aktive Chöre im Pustertal

Bezirk hielt seine Vollversammlung ab

Bezirksobmann Rudi Duregger

Der Bezirk Pustertal lud alle Mitgliedschöre

zur Jahreshauptversammlung am

25. Jänner 2020 nach Sand in Taufers

ein. Dabei wurde Rückblick gehalten und

für das laufende Jahr das Tätigkeitsprogramm

vorgestellt. Bezirksobmann Rudi

Duregger ist mit dem Chorleben im Pustertal

zufrieden.

Kulturfenster: Wie läuft es im Bezirk?

R. Duregger: Im Bezirk läuft es im Allgemeinen

sehr gut, da jeder Chor seinen

eigenen Ausschuss hat und autonom

vom Bezirk arbeitet und seine Veranstaltungen

hat. Manche Chöre haben Probleme,

Chorleiterinnen oder Chorleiter zu

finden. Manchmal können wir da ein bisschen

behilflich sein.

Zur Zeit sind 81 Chöre im Bezirk Pustertal

eingeschrieben mit ca 1.932 Mitgliedern.

KF: Worin bestand die Tätigkeit des Bezirks

im letzten Jahr?

R. Duregger: Da wir vor zwei Jahren ein

sehr großes Projekt aufgeführt haben mit

ca. 110 Sängerrinnen und Sängern, hatten

wir im letzten Jahr keine herausragende

Veranstaltung. Wir haben allerdings eine

zweitägige Chorreise nach Füssen und

Reute unternommen und dort ein Musical

besucht. Außerdem gab es ein Stimmbildungswochenende

mit Julia Aichner.

KF: Was ist für dieses Jahr geplant?

R. Duregger: Für heuer hätten wir wiederum

ein sehr großes Gemeinschaftsprojekt

geplant und zwar ein Requiem. Wir

hätten deshalb bereits im März mit den

ersten Proben angefangen, was aufgrund

der derzeitigen Situation nicht möglich war.

Zwei Aufführungstermine wären für Oktober

2020 geplant gewesen.

„Tag der Chöre“ im September

In den Gärten von Schloss Trauttmansdorff

Am Sonntag, 27. September 2020, findet in den Gärten von Schloss Trauttmansdorff in Meran der traditionelle Tag der Chöre statt.

Seit 2004 lädt der Südtiroler Chorverband zusammen mit den Gärten zum „Tag der Chöre“ ein. Verbandsobmann Erich Deltedesco

sagt: „Wir sind davon überzeugt, dass dieser Tag wieder ein einmaliges Klang- und Kulturerlebnis in einem passenden

Ambiente sein wird und eine besondere Plattform des Treffens und des Austauschs bietet.“ Zehn Chöre aller Gattungen aus allen

Bezirken des Südtiroler Chorverbandes können daran teilnehmen. Da die Veranstaltung 2019 witterungsbedingt abgesagt

werden musste, haben die im letzten Jahr gemeldeten Chöre Vorrang! Die Programmauswahl ist frei. Es werden verschiedene

Standorte innerhalb der Gärten bestimmt, an denen die Chöre singen (ca. 15 Minuten pro Standort), um dann zum nächsten

Standort weiter zu wandern. Der Tag der Chöre beginnt um 10.30 Uhr. Um 15.00 Uhr findet der gemeinsame Abschluss mit 1-2

gemeinsamen Abschlussliedern statt. Anmelden kann man sich bis spätestens Freitag, 26. Juni 2020 beim Südtiroler Chorverband.

Nr. 02 | April 2020 9


Stimmgabel

Seit 60 Jahren Chormitglied - Ehrungen

Kirchenchor „Maria Königin“ Prad am Stilfserjoch

Auf das Fest der hl. Drei Könige am 6. Jänner

hat der Kirchenchor „Maria Königin"

Prad seine Cäcilienfeier verlegt.

Beim feierlichen Festgottesdienst in der

Pfarrkirche, wurde die „Bauernmesse“

von Annette Thoma unter der Leitung von

Trudi Theiner Grass, begleitet von Oliver

Stilin an der Orgel und Gernot Niederfriniger

an der Harfe aufgeführt. Pfarrer

Florian Öttl sprach seinen Dank und Anerkennung

den Chormitgliedern für ihre

wertvolle Tätigkeit zur musikalischen Umrahmung

der Gottesdienste und anderer

kirchlichen Feiern aus.

Der Vereinsausschuss lud anschließend

zur Jahresversammlung mit nachfolgendem

traditionellem Cäcilienessen ein.

Obfrau Rita Brunner berichtete über die

Tätigkeit des vergangenen Jahres und in

der Vorschau wurde der Chorkalender

2020 besprochen.

Die Offenlegung der fi nanziellen Seite

fiel bescheiden aus. Sie dankte den Sängerinnen

und Sängern für ihren Einsatz

und Fleiß, besonders auch der Chorleiterin

Trudi Theiner Grass und dem Organisten

Oliver Stilin. Ein besonderer Höhepunkt

war während des Festessens die

Ehrung von sieben Chormitgliedern. Für

60 Jahre unermüdlichen Einsatz für die

Musik und beim Chor erhielt Erna Dellasega

eine Ehrenkunde und die Marienplakette.

Im Jahre 1959 kam sie zum Chor und

hat ihr Können als fleißige Alt-Sängerin bewiesen.

Für 40 Jahre Chormitgliedschaft

wurden Irma Wallnöfer, für 15 Jahre Erna

Dietrich, Hilde Karner, Marlene Veith, Erich

Saurer und Obfrau Rita Brunner ausgezeichnet.

Mögen sie noch lange viel Begeisterung

beim Singen mitbringen und

im Chor die Pfarrgemeinde erfreuen.

Bei der heurigen Jahresversammlung des

Pfarrchores Lana wurde der neue Ausschuss

gewählt. Dabei wurde Obmann Reinhard Ladurner

in seinem Amt bestätigt.

Das Jahr 2019 war für den Pfarrchor

Lana rege und arbeitsreich. Das wurde

jüngst auf der Jahreshauptversammlung

bestätigt, zu der auch Dekan P. P. Unterhofer

gekommen war. Chorleiterin Ingrid

Rieder und Obmann Reinhard Ladurner

können auf eine gut bestückte Sängerschar

zählen. 46 Sängerinnen und Sänger

gehören derzeit zur Chorgemeinschaft,

dazu das Pfarrorchester unter der Leitung

von Angelika Holzner. Als Organisten stehen

Heidi Nock und Josef Höhn zur Seite.

Im abgelaufenen Jahr gestaltete der Chor

Rückblick und Ausblick

Pfarrchor Lana wählt neuen Ausschuss

23 Messfeiern, einige mit Begleitung von

Bläsern der Bürgerkapelle Lana, einige mit

dem Pfarrorchester. Zudem sang der Chor

bei einer Beerdigung. Hinzu kam die Mitgestaltung

der Patrozinien von St. Peter

und Paul, St. Margarethen und St. Martin

am Lorenzerhof. Gemeinsam mit dem Kapuzinerchor

wurden die Feste Fronleichnam,

Maria Geburt und Allerheiligen musikalisch

umrahmt.

Ein Höhepunkt war die Uraufführung

der „Cäcilienmesse“ von Gottfried Veit, gemeinsam

mit der Bürgerkapelle und den

Chören von Lana. Auch Geselliges hatte im

Chorkalender Platz: das Törggelen, die Cäcilienfeier

im Deutschordenskonvent, das

Rorate-Frühstück sowie die monatlichen

Geburtstagsfeiern von Chormitgliedern.

Der neue Ausschuss mit Chorleiterin Ingrid Rieder (2.v. l.) und Obmann Reinhard

Ladurner (3. v. r.)

KulturFenster

Redaktion KulturFenster

Ihre Beiträge für das Chorwesen senden Sie bitte an: info@scv.bz.it (Südtiroler Chorverband)

Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe des KulturFensters ist Freitag 15. Mai 2020.

10

KulturFenster


Chorwesen

Ein Leben für den Chor –

18 Jubilare

Kirchenchor und Orchester in St. Christina in Gröden

Wie bei den meisten Vereinen, findet auch

in St. Chrstina die jährliche Generalversammlung

im Jänner statt.

Höhepunkt des Treffens sind wie immer

die Ehrungen langjähriger Sängerinnen

und Sänger. Heuer konnten besonders

viele Mitglieder aufgerufen werden. 18

Ehrungen wurden von der Obfrau Luzia

Senoner und von Herrn Pfarrer Hw. Raimund

Perathoner übergeben.

Für ihren 10-jährigen Einsatz beim Kirchenchor-

und Orchester wurden Renate

Senoner, Karl Runggaldier, Diego Perathoner,

Christian Hofer, und Andreas Tomasini

geehrt. Elisabeth Demetz wurde für

ihre 25-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet,

Christine Lobis, Susanne Comploj und

Eveline Senoner für ihre 40-Jährige.

Die „goldene“ Auszeichnung für 50

Jahre Chormitglieder erhielten Marlene

Senoner, Uliva Hofer, Günther Runggaldier,

Robert Insam und Pasquale Ploner.

Auch im Orchester konnten zwei Musiker

die Auszeichnung für ihre 65-jährige

Treue beim Verein entgegennehmen. Es

handelt sich um die Zwillinge Greti und

Hansi Malsiner.

Zuletzt gab es noch zwei besondere Ehrungen.

Emil Perathoner ist nunmehr seit

70 Jahren aktives Mitglied des Chores.

Der Kirchenchor St. Christina feierte seine Jubilare.

Als ehemaliger Solist und Ausschussmitglied

hat er viel für den Chor beigetragen

und durch seine Leidenschaft zur Musik

bereichert er immer noch den Chor. Emil

wurde zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt.

Ebenfalls die Ehrenmitgliedschaft

erhielt Willy Runggaldier. Er war 55 Jahre

beim Chor, darunter viele Jahre Solist, Ausschussmitglied

und ist Gründer des Jugendchores

St. Christina.

Allen Geehrten wurde eine Urkunde überreicht.

Die zwei Ehrenmitglieder konnten

sich zudem über eine gute Flasche Wein

freuen. Die Obfrau dankte den Jubilaren für

deren vorbildliches Wirken und allen anderen

Sängerinnen und Sänger und Musikerinnen

und Musiker sowie dem Ausschuss

für den Einsatz und den Fleiß beim Kirchenchor-

und Orchester. Der Abend wurde mit

einem guten Abendessen abgeschlossen.

Nr. 02 | April 2020 11


Vorweg

Dankbar sein für einfache und

selbstverständliche Dinge

Landesobfrau Claudia Plaikner

Wir werden im Moment von einem einzigen

Thema beherrscht: dem Coronavirus, das sich

zu einer richtigen Pandemie ausgewachsen

und unseren bisherigen Lebensstil, unser soziales,

kulturelles und wirtschaftliches Leben

über den Haufen geworfen hat.

Gelöschte Termine im Kalender, abgesagte

Konzerte, Theater- und Kinoveranstaltungen,

keine Vollversammlungen der Vereine

und Verbände, keine Besprechungen,

keine Messen und Andachten mehr, aber

auch geschlossene Aufstiegsanlagen und

Pisten, Sporthallen, Schwimmbäder, geschlossene

Hotels, Bars und Restaurants,

geschlossene Geschäfte; Umsatzeinbußen,

massive Abstürze an der Börse, Corona-„Flüchtlinge“

aus Norditalien in den

Zweitwohnungen; weiters Probleme mit

der Kinderbetreuung, Schule mit Fernunterricht,

überlastetes Gesundheitssystem

mit Sanitätspersonal im Dauereinsatz, eingeschränkte

Bewegungsfreiheit usw..

In den Medien folgt eine Hiobsbotschaft

nach der anderen: weitere Fälle von Coronaverdacht

und Erkrankungen, Tote. Die

öffentlichen Entscheidungsträger versuchen

auf der einen Seite, keine Panik aufkommen

zu lassen, und auf der anderen

rufen sie mit nie da gewesener Intensität

„Wie ein Gras“ im Lebensstrom bewegen

zum verantwortungsvollen Verhalten auf,

zu Hause zu bleiben, den eigenen Wohnort

nur für absolut dringende Erledigungen

zu verlassen, zu allen Menschen den Sicherheitsabstand

einzuhalten, sich häufig

die Hände zu waschen, Solidarität gegenüber

den besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen

wie den alten Menschen

zu zeigen usw..

Südtirol, Italien und viele Teile der Welt

im Ausnahmezustand! Plötzlich ist (fast)

nichts mehr, wie es bis vor kurzem war. Im

plötzlich sehr klein gewordenen Aktionsradius

sind wir plötzlich auf uns selbst geworfen,

haben plötzlich Zeit, müssen/brauchen/dürfen

nirgends mehr hin.

Was sagt uns das? Wie „überstehen“ wir

diese Zeit? Der österreichische Neurologe

und Psychiater Viktor Frankl sagt: „Äußere

Krisen bedeuten die große Chance, sich zu

besinnen.“ Trotz all der menschlichen Tragödien,

die durch einen Virusbefall ausgelöst

werden können, kann diese Zeit für uns

auch hilfreich sein: Vielleicht erkennen wir

endlich an, dass wir uns „wie ein Gras“ in

diesem Lebensstrom bewegen, dass wir

nicht alles selbst in der Hand haben. Diese

Zeit kann auch dazu dienen, darüber nachzudenken,

wie wir wirtschaften, ob Globalisierung

und freie Marktwirtschaft mit dem

einzigen Prinzip der Gewinnmaximierung

uns nicht an die Wand fahren lassen. Wir

können darüber nachdenken, warum wir

die Warnungen vor der Klimakatastrophe

nur zum Teil ernst nehmen, und wir sollten

überlegen, was wir wirklich brauchen. Ein

positiver Nebeneffekt der Coronazeit: Umweltbelastungen

nehmen ab, die Luft wird

besser; aber muss es die Coronakeule sein,

dass wir unser Verhalten überdenken? Oder

warten viele nur darauf, dass wieder „Normalzeit“

wird und man gleich fortfährt wie

vor der Epidemie?

Diese Krise birgt auch die Chance einer

Kehrtwende. Ich habe Hoffnung, dass sie

uns einiges lehrt, was wir nicht so schnell

vergessen werden: Dass wir dankbar sein

werden für so einfache und angeblich

selbstverständliche Dinge wie zur Arbeit

gehen zu dürfen, Begegnungen mit Freunden

und Verwandten zu haben, sich Freizeitaktivitäten

widmen zu können, funktionierende

Infrastrukturen zur Verfügung zu

haben, frei zu sein. Die wiedergewonnene

physische Freiheit möge sich aber mit der

geistigen Freiheit verbinden, auf dass wir

gestärkt und engagiert gegen das auftreten,

was unserer Gesellschaft, unserer Kultur

und Natur nicht gut tut: gegen Egoismus

und für eine Wir-Zukunft, gegen die Ausbeutung

der Natur und für einen nachhaltigen

und respektvollen Umgang mit den

Ressourcen, gegen die kulturlose Beliebigkeit

und für eine identitätsstiftende, echte

und bereichernde Kulturarbeit.

Auf den Seiten der Heimatpflege lesen

Sie diesmal einiges von Vielfalt, speziell im

Anbau von lokalen Nischenprodukten, von

findigen, engagierten Menschen, die alternative

Wege des Anbaus und der Vermarktung

gehen, die im Einklang mit der Natur

und in kleinen wirtschaftlichen Kreisläufen

lokale Produkte mit Respekt vor Mensch,

Tier und Heimatort herstellen und damit

auch die regionale Wertschöpfung und eine

gesunde Ernährung unterstützen. Vielfalt

gegen Einfalt – auch das ist ein Weg, um

Krisen besser zu bewältigen.

Claudia Plaikner

12

KulturFenster


Das Thema

Heimatpflege

Vielfältig und alternativ

Wie Nischenprodukte erfolgreich werden – Zwei Beispiele aus Südtirol

Werden Gäste gefragt, warum sie nach Südtirol

kommen, nennen sie gern die Vielfalt

der Sprachen, der Kulturen, der Landschaft.

Doch Vielfalt geht schnell verloren, wenn

man nicht auf sie aufpasst und sie unter

dem Vorwand der Wirtschaftlichkeit untergräbt.

Da braucht es dann hellhörige Menschen

mit Einsatz und Visionen, die sich

mit bunten Alternativen gegen die Monokultur

stellen.

Das gilt auch für Südtirols Landwirtschaft.

Seit Jahrzehnten wird sie von den

drei großen Hauptdarstellern – Obst, Wein

und Milch – beherrscht. Dabei gibt es auch

viele kleine Nebendarsteller wie Gemüse,

Beeren oder Fleisch, ohne die das „Stück

Südtirol“, um in der Theatersprache zu bleiben,

wahrscheinlich gar keinen Sinn ergeben

würde; es wäre nicht glaubwürdig und

hätte keinen so großen Erfolg.

Die Nischenproduzenten haben es oft

nicht leicht, aber gar einige schaffen es,

die Konsumenten vom Wert ihrer Produkte

zu überzeugen und somit das Land vielfältiger

zu machen.

Der Siegeszug des Spargels

Da wäre jetzt im Frühling das Beispiel des

Terlaner Spargels. Jeder kennt ihn oder hat

davon gehört. Dies, obwohl sich Terlan ursprünglich

als Weindorf einen Namen gemacht

hat. Doch da kam einem rührigen

Gastwirt vor 37 Jahren die Idee, eine alte

Tradition wieder aufleben zu lassen. Nach

dem Ersten Weltkrieg war es nämlich bei

den betuchten Bozner Bürgern Brauch

gewesen, in Terlan und seiner Umgebung,

Neben Obst und Wein bauen einige Bauern in Terlan auch Spargel an. Das Nischenprodukt

ist sehr gefragt, aber nur, weil es eben ein Nischenprodukt ist. (Foto: IDM/Blickle)

Nr. 02 | April 2020 13


Das Thema

Vielfalt macht stark: 600 bis 700 naturbelassene Obst- und Gemüsesorten sowie

Gewürzpflanzen wachsen auf dem Hof von Harald Gasser. (Foto: Privat)

marktung des Spargels übernommen hat.

Alexander Höller, Spargel- und Obstbauer,

hat vor einigen Jahren die Leitung

des Bereiches Spargel in der Kellerei Terlan

übernommen. Er sagt: „Es steckt auch

Passion dahinter.“ Denn Spargel anzubauen

bedarf Sorgfalt und Disziplin, und

die zweimonatige Erntezeit im Frühling ist

sehr arbeitsintensiv. „Aber wenn ich dann

sehe, wie sehr der Spargel in dieser Zeit

das Dorfbild prägt, wie sehr sich alle darauf

freuen und unsere Arbeit bestaunen,

dann ist das in meinen Augen ein unbezahlbarer

Wert“, sagt Höller aus persönlicher

Erfahrung. Es gibt auch Bauern, die

den Spargelanbau nach einigen Jahren

aufgeben, weil der Arbeitsaufwand sehr

hoch ist und das Spargelfeld nach spätestens

zehn Jahren ausgelaugt und daher

ein Fruchtwechsel notwendig ist. Andere

hingegen kommen neu dazu, widmen einen

kleinen Teil ihrer Obstanlage für einige

Jahre um. Und so bleibt die Anbaufläche

insgesamt recht konstant.

Der Spargel ist ein Nischenprodukt. „Genau

das ist aber der Grund, warum wir ihn

direkt vermarkten können“, sagt Alexander

Höller. Würde die Anbaufläche wesentlich vergrößert,

wäre man auf eine zusätzliche Mechanisierung,

einen Ausbau von Strukturen,

vor allem aber auf Export angewiesen. „Das

würde gegen unsere strengen Richtlinien

sprechen, in denen wir uns neben Qualität

vor allem die Frische auferlegen“, so Höller.

Das Nischenprodukt Spargel hat in den

vergangenen Jahren allerdings zahlreiche

Mitbewerber bekommen. Das Problem da-

wo damals kleine Mengen Spargel angebaut

wurden, zum Spargelessen zu gehen.

1983 initiierte der Gastwirt dann die erste

„Terlaner Spargelzeit“.

Allerdings war die Spargelernte schnell

zu klein, um die Nachfrage zu decken, was

den Gastwirt und einige Bauern dazu animierte,

neue Spargelfelder anzulegen, und

so wurde 1997 die Arbeitsgemeinschaft

Spargelbau gegründet. Heute wird auf etwa

neun bis zehn Hektar Fläche Spargel unter

der Schutzmarke „Margarete“ angebaut,

etwa 50.000 bis 60.000 Kilogramm werden

pro Saison geerntet und verkauft. Interessant:

Alle Terlaner „Margarete“-Spargelbauern

sind auch Obst- und Weinbauern.

Alle sind mittlerweile Mitglieder der örtlichen

Genossenschaftskellerei, die auch die Ver-

„Es steckt

auch Passion

dahinter.“

bei: Spargel kann längst von überall und

noch dazu viel günstiger importiert werden,

weil er beispielsweise in der Poebene

großflächig angebaut wird. „Wir können da

ausschließlich mit Qualität punkten“, ist

Alexander Höller überzeugt. Aber auch,

in dem sie einen Bezug zu ihrem Produkt

herstellen. Die Führungen durch die Spar-

Foto: IDM/Alex Filz

14

KulturFenster


Heimatpflege

gelfelder und Vermarktungsanlagen sind

auch nach vielen Jahren noch ein Renner.

Foto: SBO ©arminhuber

Das Paradies der Sorten

Das zweite Beispiel führt nach Barbian. Aus

gutem Gund: Wer in Südtirol von Vielfalt und

Nischenprodukten spricht, der kommt am

Aspinger-Hof nicht vorbei. Dort baut Harald

Gasser auf etwa 5000 Quadratmetern Fläche

600 bis 700 (!) verschiedene Obst- und

Gemüsesorten sowie Gewürzpflanzen an.

Erdbeerspinat, Tasoi, Johannislauch, Ananaskirsche

oder Rattenschwanz-Radieschen

– was bisweilen etwas eigenartig klingt,

schmeckt hervorragend und ist vor allem gesund.

Denn in Harald Gassers Gartenparadies

haben weder chemische noch natürliche

Wirkstoffe einen Zutritt, selbst die Hilfe

So manches Gemüse will von den Gaumen der Konsumenten erst entdeckt werden.

„Die Kleinstrukturiertheit

in Südtirol ist

prädestiniert für vielfältige

Landwirtschaft.“

nokultur. Die Pflanzen und Lebewesen wissen,

was sie zu tun haben, und sie kommunizieren

untereinander.“ Schädlinge greifen

laut dem Bauern lediglich die Schwächsten

unter den Pflanzen an – und weil es in seinem

Garten keine großen Mengen von jeder

Sorte und somit auch kein Fressparadies

für Käfer, Raupe & Co. gibt, sind die

Schäden marginal.

Harald Gasser ist ein Autodidakt, ein

Mensch mit Visionen und vor allem mit Erfahrung.

Denn all das, was er heute weiß,

hat der gelernte Sozialbetreuer Schritt für

Schritt mit eigenem Tun herausgefunden.

Seine Ernte liefert er ausschließlich an die

Gastronomie. Dennoch ist es ihm ein Anliegen,

dass auch private Kunden Zugang zu

diesen Köstlichkeiten haben und ein Gefühl

von Maschinen lehnt der Gemüsebauer ab.

Das Einzige, was in den Boden kommt, sind

seine Hände. Sie pflanzen, jäten und ernten.

Dicht aneinandergedrängt gedeihen die

unterschiedlichen Sorten – wohlgemerkt

ohne Pflanzenschutzmittel. Wie ist das möglich?

Harald Gasser hat dafür eine logische

Erklärung: „In der Natur gibt es keine Mofür

das Natürliche und Ursprüngliche bekommen.

Deshalb hat er mehrere Bauern

dazu motiviert, einen ähnlichen Weg einzuschlagen,

und gründete mit ihnen und einigen

Partnern den Verein „MANNAorganic“.

Im ehemaligen Dorfcafé in Waidbruck

können Vereinsmitglieder (sie zahlen einen

Beitrag von 5 Euro) seit 2019 über Herzblattsalat,

kugelrunde Karotten und Picknick-Gurken

staunen – und sie auch kaufen.

Demnächst soll ein zweiter Stützpunkt

in Bozen eröffnet werden. „Die Kleinstrukturiertheit

in Südtirol ist prädestiniert für vielfältige

Landwirtschaft“, ist Harald Gasser

überzeugt. Und er wünscht sich, dass diese

Überzeugung auf möglichst viele Südtiroler

überschwappt – Bauern und Konsumenten.

Edith Runer

Foto: SBO ©arminhuber

Nr. 02 | April 2020 15


„Ohne Landwirtschaft keine

Kulturlandschaft“

Landesbäuerin Antonia Egger Mair über lokale Produkte und ihren Wert

Unzählige Sorten Gemüse bieten die Supermärkte an. Dennoch ziehen es viele Konsumenten

vor, „direkt beim Bauern“ einzukaufen. Die Preise sind höher, die Auswahl

ist kleiner. Aber es zählen andere Argumente. „Das ist wichtig“, sagt Antonia

Egger Mair. Die Landesbäuerin baut auf dem Obermaurerhof in Jenesien

mit ihrem Ehemann Sepp Gemüse an und verkauft es auf Bauern- und Wochenmärkten.

Denn: „Ohne Landwirtschaft gibt es keine Kulturlandschaft.“

Kulturfenster: Sie sind Gemüsebäuerin

– eigentlich ungewöhnlich

in Südtirols Landwirtschaft,

die von Äpfeln, Wein und Milch

geprägt ist. Warum Gemüse?

Antonia Egger Mair: Auf dem Hof

meines Mannes hat der Gemüseanbau

Tradition. Der Hof ist eher

klein. Durch den Anbau von

Gemüse und den direkten

Verkauf an Händler in Bozen

und dann ab 1970

auf einem Standplatz am

Wochenmarkt konnte

die Familie ihr Einkommen

erwirtschaften. Die

Flächen mit Gemüseanbau

wurden in den

letzten Jahren stets

erweitert, und wir betreiben

jetzt mehrere

Standplätze. Wir haben

Freude

am Gemüseanbau

und probieren auch gerne Neues

aus. Bei Gemüse gibt es da viele Möglichkeiten.

Für Obst liegt unser Hof zu hoch.

KF: Was schätzen Ihre Kunden am heimischen

Gemüse? Warum kaufen sie bei

Ihnen und anderen lokalen Produzenten

ein und nicht – vielleicht günstiger – im

Supermarkt?

A. E. Mair: Die Kunden, welche heimisches

Gemüse einkaufen, machen dies bewusst.

Einmal, weil das Gemüse besser schmeckt,

aber auch, weil sie die heimische Landwirtschaft

schätzen und unterstützen wollen.

Ein weiterer Grund ist sicherlich das Gespräch

mit dem Produzenten. Diese Menschen

interessieren sich für die Geschichte

hinter dem Produkt, hinter dem Menschen,

der es verkauft. Viele haben einen bäuerlichen

Hintergrund und möchten in Kontakt

mit der bäuerlichen Welt bleiben. Andere

wiederum schätzen die Arbeit der Bäuerinnen

und Bauern und wollen diese mit

ihrem Einkauf unterstützen und sie haben

Vertrauen in unsere Produktion.

KF: Warum ist es wichtig, dass die Südtiroler

auch Südtiroler Produkte essen?

A. E. Mair: Südtiroler Produkte sind Qualitätsprodukte.

Sie sind nah und frisch …

warum sollten Südtiroler also nicht genau

diese Produkte essen? Es wird viel von Nachhaltigkeit

gesprochen, doch nur davon zu

sprechen ist zu wenig. Da ist es wichtig,

dass wir zuerst auf unsere landwirtschaftlichen

Produkte zurückgreifen, bevor wir ein

Produkt mit langen Transportwegen kaufen.

Zudem wird durch den Kauf Südtiroler

Produkte die gesamte heimische Wirtschaft

gestärkt.

16

KulturFenster


Heimatpflege

KF: Wie sehr beeinflussen die lokale Produktion

und der lokale Konsum Südtirols

Land(wirt)schaft?

A. E. Mair: Ohne Landwirtschaft gibt es

keine Kulturlandschaft, da brauchen wir

nur einen Blick in die Nachbargebiete werfen.

Dort sehen wir die Folgen. Wenn die

lokalen Produkte aus der Landwirtschaft

eine geringe Wertschöpfung erhalten, können

sich die Betriebe vor allem in den

Berggebieten nicht mehr halten. Und das

hat sehr große Auswirkungen, nicht nur

auf die Landwirtschaft und Landschaft,

sondern im zweiten Moment ganz klar auf

den Tourismus. Südtirol ist ein beliebtes

Urlaubsgebiet, gerade wegen seiner gepflegten

Kulturlandschaft, die durch die

tagtägliche Arbeit der Bäuerinnen und

Bauern so ist wie sie ist!

KF: Welche Rolle spielt das verstärkte Interesse

der Konsumenten an lokalen und

biologischen Produkten beim Bauernbund?

Unterstützt der Verband Bauern,

wenn sie neue Wege gehen?

A. E. Mair: Ich kann diese Frage nur als

Landesbäuerin – also in Vertretung der

Südtiroler Bäuerinnenorganisation - beantworten:

Für mich braucht es alle landwirtschaftlichen

Betriebe mit ihren verschiedenen

Produktionsweisen. Das macht

unsere Landwirtschaft vielfältig und für

den Konsumenten interessant. Es ist wichtig,

dass die Betriebe sich weiterentwickeln,

jeder so wie er kann und möchte.

Als Landesbäuerin stehe ich hinter allen

Betrieben und bin immer wieder überrascht,

wie mutig und innovativ manche

sind und welche neuen Wege sie gehen.

KF: Es gibt eine Reihe von Initiativen, die

den Konsum heimischer Produkte fördern,

etwa den Südtiroler Ernährungsrat oder

den Verein MANNAorganic. Gesundheit

und Umweltbewusstsein spielen hierbei

eine Rolle – aber inwieweit geht es auch

um den Begriff „heimisch“, sprich Heimat?

A. E. Mair: Ich freue mich über jede Initiative,

die heimische Produkte unterstützt.

Es ist wichtig, dass viele involviert

sind und auch das Thema Gesundheit

und Umweltbewusstsein vertieft wird. Je

mehr Personen darüber reden, desto wichtiger

wird das Ganze. Nur so kann langfristig

eine Bewusstseinsänderung im Konsumverhalten

erzielt werden. Für unsere

Bäuerinnen und Bauern spielt die Heimatverbundenheit

eine ganz große Rolle,

wenn es darum geht, ihren Hof weiter zu

bewirtschaften. Alle, besonderes jene in

benachteiligten Gebieten, sind sehr heimatverbunden.

Sonst hätten sie ihren Hof

längst schon aufgegeben und wären in urbanere

Gebiete gezogen. Das Heimatgefühl

spielt einfach eine große Rolle, denn

es verbindet die Bäuerinnen und Bauern

mit ihrem Grund und Boden. Dadurch sind

sie bereit, sich für ihre Höfe stark zu machen

und sie für ihre Nachkommen weiter

zu bewirtschaften – unabhängig wieviel

Einsatz damit verbunden ist.

KF: Bei der Südtiroler Bäuerinnenorganisation

spielen traditionsreiche Speisen

eine wichtige Rolle. Es gibt Back- oder

Kochkurse, auch Auftritte auf Veranstaltungen.

Wie groß ist das Interesse an diesen

Initiativen, und warum?

A. E. Mair: Unsere Bäuerinnen-Dienstleisterinnen

sind authentisch – das macht

sie so beliebt. Unter der Marke „Südtiroler

Bäuerinnen. Aus unserer Hand“ geben

sie nicht nur Wissen und Fertigkeiten

weiter, sondern auch Werte und Traditionen.

Dadurch lassen sie Kursteilnehmer,

Touristen wie Einheimische, an der bäuerlichen

Welt teilhaben. In der schnelllebigen

Zeit sind die Menschen auf der Suche

nach etwas Bodenständigem, nach

etwas Einfachem, nach dem Ursprünglichen.

Und das vermitteln die Bäuerinnen.

Eine große Rolle spielt hier auch

das Vertrauen. Auf die Bäuerinnen ist

Verlass, sie stehen zu dem, was sie tun,

und all das zusammen macht das Angebot

der Bäuerinnen so interessant. Sie geben

eben etwas aus ihrer Hand weiter –

das verbindet.

KF: Was müssten Südtirols Bäuerinnen

und Bauern, was die Südtiroler Politik

tun, um die heimische Produktion noch

stärker zu unterstützen?

A. E. Mair: Natürlich müssten sie stärker

in Kommunikation mit dem Verbraucher

gehen, doch neben der ganzen Arbeit

am Hof ist das schwierig. Deshalb ist

die Bäuerinnenorganisation bemüht, mit

ihren Dienstleisterinnen und Botschafterinnen

den Dialog zwischen Landwirtschaft

und Gesellschaft zu vertiefen. Auch

unsere Schulprojekte sind hier ein guter

Weg. Besonders Schüler lassen sich für

unsere Themen sensibilisieren und beeinflussen

zudem ihre Eltern, bewusst

und regional einzukaufen.

Aber natürlich ist die Südtiroler Politik

auch stark gefordert. Die Verwendung

regionaler Produkte muss in öffentlichen

Einrichtungen selbstverständlich sein, und

der Mehrwert hat seinen Preis. Ebenso

soll es für jedes Gasthaus, Restaurant

und Hotel eine besondere Auszeichnung

sein, wenn es heimische Produkte in der

Küche verwendet.

KF: Ihre Südtiroler Lieblingsspeise …?

Sauerkraut mit Erdäpflblattlen – natürlich

mit dem selbst eingeschnittenem Sauerkraut

und den Kartoffeln aus dem eigenen

Acker, außerdem Zwetschgenknödel

mit den originalen Bergzwetschgen.

KulturFenster

Redaktion KulturFenster

Ihre Beiträge für die Heimatpflege im KulturFenster senden Sie bitte an: florian@hpv.bz.it

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter folgender Nummer: +39 0471 973 693 (Heimatpflegeverband)

Nr. 02 | April 2020 17


Das Thema

Essen mit Respekt

Ein Schaf gibt einem Tal und seinen

Bewohnern neue Perspektiven

Beim Projekt „Regionalentwicklung rund ums Villnößer Brillenschaf“ geht es nicht nur

um Fleisch. Es geht vor allem um Respekt – gegenüber der Natur, gegenüber Menschen

und Tieren und gegenüber dem Heimattal. Oskar Messner ist der Kopf des Projektes, das

er mit einigen Mitstreitern und Partnern, vor allem aber mit Enthusiasmus und Ehrlichkeit

umsetzt. Der Koch und Restaurantinhaber erklärt im Interview, wie das Villnößer Brillenschaf

ein Tal in ein neues Licht gerückt hat.

Kulturfenster: Herr Messner, was ist das

Besondere am Villnößer Brillenschaf?

Oskar Messner: Rein äußerlich ist es die

schwarze Zeichnung rund um die Augen,

woher das Schaf auch den Namen hat.

Es ist eher kleinwüchsig, liefert hochwertiges,

feinfasriges und fettarmes Fleisch,

zudem Wolle von sehr guter Qualität. Das

Villnößer Brillenschaf gilt als älteste Südtiroler

Schafrasse.

Es ist im 18. Jahrhundert aus der Kreuzung

dreier Rassen entstanden. Vor einigen

Jahrzehnten drohte die Rasse auszusterben,

dann haben sich einige Villnößer

Bauern zusammengeschlossen, um Zucht

zu betreiben. Allerdings nur hobbymäßig,

weil sich weder Fleisch noch Wolle verkaufen

ließen.

KF: Und dann kamen Sie ins Spiel …

O. Messner: Vor 15 Jahren habe ich als

gelernter Koch den Gastbetrieb meiner

Eltern übernommen und von Anfang an

die Zusammenarbeit mit den Bauern vor

Ort gesucht. Ich empfand es als Luxus,

das Fleisch ihrer Tiere zu verwerten. Denn

denken wir einmal nach: 80 bis 90 Prozent

des in Südtirol angebotenen Lammfleisches

stammen aus Neuseeland. Dabei

grasen die hochwertigsten Lämmer

vor unserer Haustür.

KF: Sie haben den Bauern die Schafe abgekauft

und Ihren Gästen Lammfleischspezialitäten

angeboten?

O. Messner: Ja. Allerdings hatte ich zunächst

noch kein wirkliches Konzept, und

daher fehlte es an Kontinuität. Erst drei

Jahre später haben zwei Partner und ich

die Gesellschaft „Furchetta“ gegründet

(heute sind es vier Gesellschafter, Anm.

d. Red.), um dem Villnößer Brillenschaf

und seinen Züchtern neue Perspektiven

zu geben.

KF: Wie sollte das gelingen?

O. Messner: Indem es nicht nur in Gastbetrieben

angeboten, sondern beispielsweise

auch zu Salami, Schinken oder Ragout

verarbeitet und in den Dorfläden verkauft

wurde. Damit konnten wir den Bauern die

Abnahme der Tiere und einen gewissen

Preis garantieren. Diese ihrerseits mussten

natürlich „Hausaufgaben“ machen, das

heißt Qualitätskriterien erfüllen. Das alles

ins Rollen zu bringen war alles andere als

einfach. Und es ist bis heute nicht leicht,

denn wir wollen auf allen Ebenen ehrlich

unterwegs sein.

KF: Das heißt …?

O. Messner: … dass wir vom Prinzip der

kleinen Kreisläufe nicht abweichen wollen.

Bei manchen Produkten wie den Lammkaminwurzen

wird beispielsweise Rind beigegeben.

Das entsprechende Fleisch beziehen

wir vom Grauen Geisler Rind, das

in Villnöß gezüchtet wird.

KF: Wie steht es heute um das Brillenschaf

und seine Züchter?

O. Messner: Die Anzahl der Zuchtbauern,

die uns ihre Lämmer liefern, ist in Villnöß

von zehn auf 25 gestiegen, wobei wir mitt-

18

KulturFenster


Heimatpflege

lerweile auch Züchter außerhalb von Villnöß

haben. Die Zahl der Mutterschafe ist im

Tal von etwa 250 auf rund 700 gestiegen.

Für die Bauern, die einem Beruf nachgehen

müssen, ist die Brillenschafzucht ein

guter Nebenerwerb und vor allem eine

Alternative zur aufwendigeren Milchwirtschaft

geworden. Nicht zuletzt wird den

Bauern die Wolle bezahlt. Früher waren

sie es, die für die Entsorgung der Wolle

Geld bezahlen mussten.

KF: Was passiert mit der Wolle?

O. Messner: Sie wird zum Teil im Villnößer

Unternehmen Naturwoll weiterverarbeitet.

Daraus entstehen in Handarbeit u. a. Mützen,

Patschen und Jacken. Einige Frauen

aus dem Dorf sichern sich dadurch wiederum

einen kleinen Nebenerwerb. Und wir

arbeiten mit einem großen Südtiroler Unternehmen

zusammen, das uns das Vertrauen

schenkt und die Wolle in seine Produkte

einarbeitet.

KF: Haben Sie Ihr Ziel erreicht?

O. Messner: Wenn das Projekt zu mehr

Respekt vor Mensch, Tier und Landschaft

beitragen sollte, dann auf jeden Fall. Ich

denke, dass den Einheimischen und Besuchern

der Wert unserer Kulturlandschaft

und der Tradition bewusster geworden

ist. Außerdem hat sich das Brillenschaf

zu einem Werbeträger für unser Tal entwickelt.

Viele Menschen kommen eigens

ins Tal, um hier zu essen, um unsere Produkte

zu kaufen und um bei Führungen

zu erfahren, wie sie entstehen. Diese Wertschöpfung

darf man nicht unterschätzen.

KF: Solche Projekte stehen und fallen oft

mit ihren Gründern. Welche Zukunft haben

das Brillenschaf und seine Unterstützer?

O. Messner: Natürlich steckt eine Vision dahinter,

es braucht viel Einsatz, und der Erfolg

darf nicht nur in Geld gemessen werden.

Aber die Leute im Tal haben meiner

Meinung nach erkannt, wie wichtig das

Projekt ist. Und es gibt auch schon einen

nächsten Schritt, den wir demnächst gehen

wollen. Seit 2011 zählt das Brillenschaf

zu den sogenannten „Presidi Slow Food“.

Nun soll Villnöß auch zur Slow-Food-Travel-Region

werden. Die Voraussetzungen

für das Prädikat sind gegeben.

Nr. 02 | April 2020 19


Das Thema

Bräuche zur Osterzeit

Das Osterbrot – Freude nach der Zeit der Entbehrung

Das Osterbrot gehört zu den traditionellen

Speisen, die am Ostersonntag gemeinsam

mit Osterschinken und Geselchtem,

gekochten und gefärbten Eiern, einer

Krenwurzel, dem Butter-Osterlamm und

Krapfen zur Weihe in die Kirche getragen

werden.

Das aus Germteig bestehende Osterbrot

weist eine knackige Kruste und ein

weiches Inneres mit hervortretendem

Anisgeschmack auf. Das Osterbrot wird

in verschiedene Formen gebracht: Die gebräuchlichsten

sind der Kranz, der Zopf,

ein runder oder ovaler Laib, der mit verschiedenen,

teils auch christlichen Symbolen

wie dem Christogramm verziert wird.

Die geweihten Speisen (das „Geweichte“)

verzehrt man traditionell am

Ostersonntag zu Mittag.

Der Brauch der Speisenweihe wird

schon im 9. Jh. erwähnt. Während der

dem Osterfest vorausgehenden 40-tägigen

Fastenzeit durften früher keine

Eier und kein Fleisch von Warmblütlern

verzehrt werden. So war das „Geweihte“

auch Ausdruck der Oster- und

Lebensfreude nach der langen Zeit der

Entbehrung.

Das Osterbrotbacken hat einen

religiösen Hintergrund und eine lange

Tradition.

Der Kren soll an die Bitternis des Leidens

Jesu Christi oder auch an die bittere Zeit

der Sklaverei der Israeliten in Ägypten

erinnern und das Osterbrot an das un-

Osterbrote haben unterschiedliche

Formen und sind oft mit christlichen

Symbolen verziert.

gesäuerte Brot, das die Juden an ihrem

Pessach-Fest in Erinnerung an den Auszug

der Israeliten aus Ägypten essen.

Claudia Plaikner

KulturFenster

Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol

Redaktion KulturFenster

Redaktionsschluss für die nächste

Ausgabe des KulturFensters

ist Freitag, 15. Mai 2020.

Bitte Termin genau beachten!

20

KulturFenster


Informiert und Reflektiert

Heimatpflege

„Wie regelt man moderate

Entwicklung?“

Treffen des Heimatpflegeverbandes mit Landesrat Arnold Schuler

„Wie regelt man moderate Entwicklung?“:

Das war die zentrale Frage, die sich Landesrat

Arnold Schuler und Vertreter des

Heimatpflegeverbandes bei einem Treffen

stellten. Dabei war man sich einig, dass

es politische Leitplanken für eine nachhaltige

Entwicklung der Tourismuswirtschaft

braucht, um die einzigartige Natur- und Kulturlandschaft

Südtirols auch für die künftigen

Generationen zu erhalten.

Die Obfrau des Heimatpflegeverbandes,

Claudia Plaikner, appellierte

an den Landesrat,

die politische

Strategie des touristischen

Ausbaus zu

überdenken. Bereits

in der Gesetzgebungsphase

zum

neuen Raumordnungsgesetz

hatte

der Heimatpflegeverband

davor gewarnt,

dass die lange Übergangszeit

bis zum

Inkrafttreten des

neuen Gesetzes im

Juli 2020 Tür und Tor für Bodenspekulationen

öffnen würde. Die Entwicklung der

letzten Monate und Jahre zeige nun, dass

genau das eintritt: In ganz Südtirol sprießen

die Zonen für touristische Einrichtungen

aus dem Boden.

Wachstum im Tourismus hat

Grenzen

„Der wirtschaftliche Erfolg Südtirols birgt

leider auch in einigen Bereichen seine

Schattenseiten“, so Landesrat Arnold Schuler.

Das mache es – gerade auch im Tourismusbereich

– notwendig, „politische

Leitplanken“ zu schaffen, die eine moderate

Entwicklung zulassen, ohne die wirtschaftliche

Grundlage des Erfolges – die

einzigartige Natur- und Kulturlandschaft

– zu zerstören.

Genau diese „Leitplanken“ arbeitet das

Ressort für Landwirtschaft, Forstwirtschaft,

Tourismus und Bevölkerungsschutz unter

der Leitung von Landesrat Arnold Schuler

im Augenblick aus. Ziel ist es, ein Tourismusentwicklungskonzept

zu schaffen,

das allen Anforderungen gerecht wird und

das auch die gesetzlichen Schlupflöcher

schließt, die es in der alten Raumordnung

gibt und die zum Teil auch in das neue Gesetz

übertragen wurden.

Wachstum ja, aber nicht grenzenlos – das ist die Linie des Heimatpflegeverbandes:

Geschäftsführer Josef Oberhofer, Obfrau Claudia Plaikner, Landesrat Arnold

Schuler und Florian Trojer, Assistent des Geschäftsführers (v. l.).

Klare Absage an den Urlaub

auf der Alm

Eine Befürchtung konnte Landesrat Arnold

Schuler den Heimatpflegern nehmen.

Für die Landesregierung kommt die

Ausweisung von Gästezimmern auf Almen

nicht in Frage.

Vorschläge für neues

Tourismusentwicklungskonzept

Um die Ausarbeitung der neuen Kriterien

für den Tourismus zu unterstützen, übergab

Claudia Plaikner dem Landesrat einen

Katalog von Vorschlägen des Heimatpflegeverbandes,

der grob zusammengefasst

drei zentrale Maßnahmen enthält:

Die erste Maßnahme ist die Überarbeitung

der Einstufung der Gemeinden nach ihrem

touristischen Entwicklungsstand; angesichts

des Tourismusbooms der letzten

Jahre sind die bisherigen Kriterien nicht

mehr zeitgemäß.

Die zweite betrifft die Einhaltung der bestehenden

Regeln; zurzeit werden leider immer

wieder bestehende Richtlinien ausgehebelt;

Beispiele dafür gibt es viele: so in Feldthurns

oder Wengen (Gutachten der Landeskommissionen

werden ignoriert), Latsch,

St. Lorenzen usw. (Bannzonen, Ensemble-,

Denkmal und/oder

Landschaftsschutz werden

ignoriert), um nur einige

zu nennen. Daneben

werden auch immer

wieder neue Schlupflöcher

eingebaut, wie die

Zehn-Häuser-Regel (Beispiel

Wengen) im neuen

Raumordnungsgesetz

überdeutlich zeigt. Damit

wird das Prinzip der

Siedlungsgrenzen ausgehebelt

und der Zersiedelung

Tür und Tor

geöffnet.

Veredeln des Bestehenden statt

grenzenloses Wachstum

Der dritte und wichtigste Punkt ist aber,

das Kriterium der Aufnahmefähigkeit und

der Verträglichkeit zum zentralen Faktor in

der Tourismusentwicklung zu machen. Die

einzigartige Natur- und Kulturlandschaft

Südtirols ist nicht nur die Grundlage der

guten Lebensqualität in Südtirol, sondern

auch die Basis der Tourismuswirtschaft.

Sparsamer Bodenge- und Ressourcenverbrauch

sind die Voraussetzung dafür, dass

unser Land auch für die kommenden Generationen

lebenswert bleibt.

Das Ziel, darin war man sich am Ende

des Gespräches einig, „ist das Veredeln

des Bestehenden, nicht das grenzenlose

Wachstum.“

Nr. 02 | April 2020 21


Informiert und Reflektiert

Coronavirus trifft die

„Krone der Schöpfung“

von Claudia Plaikner

Erzwungen durch den Fast-Stillstand des öffentlichen

Lebens, losgelöst von Terminen

und Verpflichtungen, zurückgeführt in die

eigenen vier Wände, erfährt der Mensch

dieser Tage eindrücklich, was es bedeutet,

von einem aggressiven und bisher unbekannten

Virus allgegenwärtig bedroht

zu werden. Die Medien und sozialen Netzwerke

schwanken zwischen dem aufrichtigen

Versuch, allein die Faktenlage wiederzugeben

und Menschen eindringlich

zum richtigen Verhalten in dieser Krisenlage

zu bewegen, und der Panikmache mit

der Verbreitung von Hiobsbotschaften oder

Verschwörungstheorien.

Die Krise betrifft inzwischen mehr oder

weniger stark die ganze Welt, und es wird

an Pandemie-Szenarien wie die Spanische

Grippe am Ende des 1. Weltkrieges, die

SARS-Pandemie 2002/03 oder die Schweinegrippe

2009/10 erinnert.

Warum entstand diese Pandemie? Darüber

geben uns Virologen und Immunologen

wissenschaftlich gesicherte Auskunft.

Aber Krisen kündigen sich manchmal durch

verschiedene Vorzeichen an und werden

durch einen oft nicht genau definierbaren

Auslöser entfacht.

Auch Südtirol steht im Banne des Coronavirus,

und die plötzlich reich vorhandene

Zeit gibt wohl so manchem Menschen

auch hier die Möglichkeit, sein Leben bewusster

unter die Lupe zu nehmen, zu erkennen,

was ihm abgeht oder eben auch

nicht, was ihm wirklich wichtig ist oder jetzt

bei genauer Betrachtung nichtig und überflüssig

erscheint.

Wie oft hört man dieser Tage aus unterschiedlichstem

Munde: Es musste einmal

eine Bremse für unsere Hast, unser

überhitztes Wirtschaften, unsere Gier nach

Mehr kommen.

Wir Heimatpflegerinnen und Heimatpfleger

sprechen diese Entwicklungen und die

Grenze der Belastbarkeit schon seit Jahren

an und warnen vor der teilweise aggressiven

Wirtschaftsweise, auch in unserem

Land, vor dem grenzenlosen Wachstum in

verschiedenen Wirtschaftsbereichen mit

all den negativen Begleiterscheinungen

wie überbordendem Verkehr, überdurchschnittlichem

Verbrauch von Ressourcen,

überstrapazierter Landschaft. Aber auch

über die Maßlosigkeit im Beanspruchen

von Grund und Boden, über die Respektlosigkeit

im Umgang mit unseren tradierten

Kulturgütern, über das zunehmende Fehlen

von Solidarität gegenüber Menschen,

die nicht „mithalten“ können oder von außen

zu uns kommen, um vor Verfolgung,

wirtschaftlicher Not und Umweltkatastrophen

zu fliehen.

Die Coronakrise trifft, um es biblisch

auszudrücken, die „Krone der Schöpfung“,

also den Menschen, nicht die Natur,

nicht die Pflanzen und Tiere. Im Gegenteil:

Man erkennt, wie sehr die Natur

dieser Tage wieder aufatmet, nicht nur

weil sie – wie ein Wunder – jedes Frühjahr

neu erwacht; nein, weil plötzlich die

Luft wegen des stark reduzierten Verkehrs

wieder reiner ist, weil der Straßenlärm verschwunden

ist und man plötzlich die Vögel

ganz laut singen hört, weil am Himmel

die Kondensstreifen der Flugzeuge fehlen,

weil der Konsum bis auf das Notwendige

reduziert wird und nicht die Shoppingtour

mit der Familie auf dem Programm steht.

Plötzlich finden Familien zu Hause

wieder Zeit füreinander, sie reden, diskutieren,

spielen, musizieren miteinander.

Plötzlich finden Menschen wieder die Zeit,

ihren Hobbys zu frönen. Plötzlich erinnern

sich Menschen an andere, mit denen sie

Familien finden zu Hause wieder Zeit füreinander, sie reden, diskutieren, spielen, musizieren, basteln miteinander ...

22

KulturFenster


Heimatpflege

Die Natur, die Pflanzen und die Tiere bleiben von der Krise unbeeindruckt, wie das Wiedererwachen des Frühlings eindrucksvoll zeigt

schon so lange nicht mehr gesprochen haben

und setzen sich mit ihnen in Kontakt.

Plötzlich entsteht eine Solidargemeinschaft

im Kampf gegen das Virus. Plötzlich erkennen

viele, dass das Leben endlich ist

und man nicht für die nächsten fünf Generationen

schaffen und schuften muss.

Plötzlich merken wir, welche Menschen

uns wirklich abgehen, weil wir sie jetzt

physisch nicht treffen können. Und plötzlich

merken wir genau, wer und was uns

sprichwörtlich „gestohlen bleiben“ kann.

Jede Krise birgt auch eine Chance in

sich – diese Binsenweisheit bewahrheitet

sich auch jetzt. Einen aus der Not erforderlich

gewordenen Digitalisierungsschub

hat man innerhalb weniger Tage beispielsweise

im Bildungssystem erreicht. Eine

neue Wertschätzung zeigt sich gegenüber

Menschen, die im Gesundheitswesen

arbeiten und sich in dieser Zeit weit

über das normale Maß hinaus einsetzen

und für uns alle ein hohes Risiko eingehen.

Betriebe stellen spontan auf rar ge-

wordene Güter wie Desinfektionsmittel

und Mundschutzmasken um. Und nicht

zuletzt: Alle europäischen Länder werden

heuer aufgrund der Coronakrise ihre Klimaziele

erreichen.

Was wird sich nach Corona ändern? Wird

die Überwindung einer absehbaren schweren

Wirtschaftskrise auch politische Priorität

haben, nach dem Motto: so schnell

wie möglich wieder zurück auf das Niveau

vor der Coronakrise, und dabei sind alle

Mittel recht? Oder wird man ein Maßhalten

nicht als Mangel, sondern als Chance

für eine andauernde Systemänderung betrachten,

eine Art „Deglobalisierung“ mit

neuer Wertschätzung gegenüber der überschaubaren

Kleinstrukturiertheit von Betrieben

und einheimischen, regional und

gesund erzeugten Produkten? Wird die

menschliche Gemeinschaft sich Werten

wie Solidarität, Ehrlichkeit, Nachhaltigkeit

verpflichten?

Man erinnert sich dieser Tage gerne

eines einheimischen großen Vordenkers:

Alexander Langer, der einen Gegenentwurf

zum „citius-altius-fortius“ (schneller,

höher, stärker) durch ein „lentius-profundius-suavius“

(langsamer, tiefer, lieblicher)

für unsere Gesellschaft propagiert hat. Unsere

Sehnsucht nach der Zeit nach Corona

bietet die Gelegenheit, diesen Paradigmenwechsel

zu vollziehen. Die Zukunft

der Menschen und der Natur in unserem

Lande hängt vor allem vom verantwortlichen

Handeln von uns selbst ab. Nutzen

wir diese einmalige Chance!

Claudia Plaikner, Obfrau des

Heimatpflegeverbandes Südtirol

Olang, am Frühlingsanfang 2020

Bis Redaktionsschluss war noch nicht klar,

ob die Einschränkungen zur Eindämmung

des Coronavirus Mitte April aufgehoben

würden oder nicht. Wenn Sie diese Zeilen

lesen und sich bereits wieder frei bewegen

können, dann lohnt sich ein Rückblick

allemal.

... plötzlich finden Menschen wieder die Zeit, ihren Hobbys zu frönen.

Nr. 02 | April 2020 23


Aus Verband & Bezirken

„Aktion Verzicht 2020

for future“

Der Heimatpflegeverband war wieder dabei

Die „Aktion Verzicht“ hatte für die Fastenzeit

2020 ganz bewusst das Thema „for future“

gewählt. Die Akteure – 65 Vereine sowie

öffentliche und private Einrichtungen

– wollten damit unterstreichen, dass jeder

seinen Beitrag dafür leisten kann, dass die

Welt besser wird und zwar in jeder Hinsicht:

beim Klima- und Umweltschutz, aber auch

im sozialen Miteinander.

Um die Bevölkerung zum Mitmachen

zu animieren, wurde das Plakat wieder in

Kalenderform gestaltet: für jeden Tag ein

Türchen zum Öffnen mit einem Tipp zum

bewussten Verzicht auf etwas. Darüber hinaus

gab es verschiedene andere Initiativen

von Trägern und Mitträgern, die diese

in die „Aktion Verzicht for future“ mit einbrachten.

Die „Aktion Verzicht“ hat sich von Anfang

an das Ziel gesetzt, während der Fastenzeit

nicht nur auf Genussmittel zu verzichten,

sondern auch Haltungen und Einstellungen

zu hinterfragen. „Klima- und Umweltschutz,

aber auch ein gutes soziales Miteinander

haben viel mit uns, mit unserem Verhalten

zu tun. Mit dem Thema ,for future‘ wollen

wir bewusst dazu beitragen, während der

Fastenzeit und darüber hinaus manche Gewohnheit

kritisch zu beleuchten, sie uns

bewusster zu machen und nötigenfalls zu

ändern. Schließlich geht es um unser aller

Zukunft“, sagte Peter Koler, Direktor des

Forums Prävention. Dieses hatte die „Aktion

Verzicht“ im Jahr 2014 gemeinsam mit

der Caritas, dem Katholischen Familienverband,

dem deutschen und ladinischen Bildungsressort

und der Arbeitsgemeinschaft

der Jugenddienste gegründet. Ihnen haben

sich von Jahr zu Jahr mehr Institutionen,

Einrichtungen und Vereine angeschlossen,

darunter auch der Heimatpflegeverband.

Zudem wurde die Aktion heuer von der

jungen Initiative „Friday’s for future Southtyrol“

unterstützt.

Die Mitarbeiterin des

Heimatpflegeverbandes, Daniela

Donolato Wiedenhofer, mit dem „Aktion

Verzicht“-Kalender

24

KulturFenster


im Gedenken

Heimatpflege

„Kenner des regionalen

architektonisch-historischen Kulturerbes“

Architekt Christoph Mayr Fingerle verstorben – Ein persönlicher Nachruf

Ich habe Christoph vor etwa 35 Jahren

kennengelernt, als wir beide im Vorstand

des Heimatpflegeverbandes waren.

Damals schon fiel mir seine besondere

Haltung auf. Er entwickelte sich

dann zu einem sehr bedeutenden und

einflussreichen Architekturtheoretiker

und -vermittler, der die Kunst- und Architekturdiskussion

im Lande mit in

Gang setzte. Christoph hat neben verschiedenen

Ausstellungen und Vorträgen

auch den viel beachteten überregionalen

Architekturpreis „Neues

Bauen in den Alpen“ in Sexten initiiert

und organisiert, wo große Namen vertreten

waren. Wohl wegen seiner klaren,

kompromisslosen Standpunkte

zur Architektur hat er anfangs selbst

wenig gebaut, obwohl er einer der besten

und sensibelsten Architekten in

Südtirol war. Später dann hat er viele

bedeutende Bauten realisiert.

Christoph

Mayr Fingerle

(1951 – 2020)

Nachdem ich die von Christoph kuratierte

sehenswerte Ausstellung über das Architekturbüro

Amonn & Fingerle im Stadtmuseum

Bozen besichtigt hatte, schrieb ich

ihm meine Anerkennung. In dieser Ausstellung

werden nämlich sehr schöne gediegene

Bauten und Einrichtungen gezeigt,

die eine große Wertschätzung verdienen.

Man kann darin die Liebe zu den Details

und das richtige Zusammenspiel von Materialien

entdecken. Darum ist es wichtig,

solche Werte den Menschen, aber besonders

den Planern näherzubringen. Gerade

diese müssten sich wieder ihrer großen Verantwortung

bewusst werden, denn ein beträchtlicher

Teil des heute Gebauten ist völlig

unpassend: Durch ein Sammelsurium an

ortsfremden Baustilen, Formen und Materialien

werden ganze Orte verschandelt. Zudem

sind solche Gebäude nicht nachhaltig,

sondern meist von kurzer Dauer, weil man

sich den wechselnden modischen Trends

immer wieder anpassen muss, besonders

in der Tourismusarchitektur.

Kurz vor seinem plötzlichen Tod rief mich

Christoph an, um sich für die lobenden

Worte zu bedanken. Zugleich sprachen

wir dann über die überall grassierende

globalisierte Architektur im Lande und

über die anhaltende Zerstörung von historischer

Bausubstanz. Wir waren uns

einig, dass die Erhaltung und Neu- oder

Umnutzung von landschaftsprägenden,

historisch wertvollen Gebäuden überall

in Südtirol uns als Gesellschaft endlich

ein großes Anliegen werden muss, bevor

das meiste unwiederbringlich verschwindet.

Wir vereinbarten, etwas dagegen

zu unternehmen. Ich schlug auch

vor, Christoph neuerlich als Berater im

Heimatpflegeverband beizuziehen. Daraus

wird nun leider nichts mehr…

Christoph war ein hervorragender Kenner

des regionalen architektonisch-historischen

Kulturerbes, er war Ausstellungskurator

und Herausgeber von

Büchern. Zudem war er immer auch

ein politischer Mensch und mischte

sich in die Gestaltung seiner Stadt Bozen

ein. Für seine Projekte und Leistungen

erhielt er zahlreiche Preise und Anerkennungen.

Christoph war ein sehr angenehmer

und feinsinniger Mensch. Er ist nun

nicht mehr, und das schmerzt. Ich bin

sehr betroffen.

Albert Willeit

Nr. 02 | April 2020 25


Aus Verband und Bezirken

Im „Tun“ liegt der Erfolg

Bezirksversammlung der Vinschger Heimatpfleger

Die Vinschger Heimatpfleger blicken auf arbeitsreiche

Jahre zurück. Durch ihren ehrenamtlichen

und freiwilligen Einsatz konnte gar

einiges in die Tat umgesetzt werden. Nichtsdestotrotz

gibt es noch viel zu tun

Darüber war man sich am 29. Februar

bei der Bezirksversammlung der Vinschger

Heimatpfleger im Dachgeschoss des

Flurinsturms in Glurns einig. Der Veranstaltungsort

war nicht zufällig gewählt. Das

Gebäude gehört zu den ältesten noch erhaltenen

Gebäuden der Stadt Glurns. Zunächst

diente es als Gerichtssitz und wurde

später als Gefängnis umfunktioniert. 2018

wurde der Turm von der Familie Ortler erworben,

saniert und zu einem Gasthaus

umfunktioniert. Damit ist das Gebäude ein

Idealbeispiel der Bemühungen des Heimatpflegeverbandes,

historische Baukultur zu

erhalten und an aktuelle Erfordernisse behutsam

anzupassen.

Unendliche Geschichte

Skiverbindung

Langtaufers-Kaunertal

Ein Thema, das die Heimatpfleger im Vinschgau

im letzten Jahr besonders beschäftigt

hatte, war die unendliche Geschichte der

geplanten Skiverbindung Langtaufers-Kaunertal.

Höhepunkt der Aktionen des HPV

gegen dieses sinnlose Projekt und gleichzeitig

eine neue Dimension in der Lobbyarbeit

für ein unberührtes Lantauferer Tal war

eine Pressekonferenz im Dezember, bei der

erstmals Heimatpfleger, Umweltverbände,

Touristiker und Talbewohner gemeinsam

auftraten. Bei der Bezirksversammlung präzisierte

Obmann Franz Fliri nochmal den

Standpunkt der Vinschger Heimatpfleger:

„Wir stehen hinter einer sanften touristischen

Entwicklung des Langtauferer Tals

und wollen die dortige Natur- und Kulturlandschaft

erhalten.“

Biotop Obere Au in Glurns

Durch den aktiven Einsatz der Heimatpfleger

konnte in der Oberen Au ein Golfplatz

abgewendet werden. Heute ist auf dem

Areal der Gemeinde eine Naherholungszone

ausgewiesen, die von der Bevölkerung

intensiv genutzt wird. Weitere zentrale

Tätigkeitsfelder der Heimatpflege im letzten

Jahr waren die Bemühungen für eine

Unterschutzstellung des „Doktor-Hauses“

in Laas, die attraktive Gestaltung der Einfahrt

Schnalstal, das Ensemble Stockerhof

– Heiligenhof, der Schutz des Turnauna-

Schuttkegels und vieles mehr.

Ein Erfolg war die Sanierung der Psurengasse

in Tanas: Der Erhalt der kulturlandschaftlichen

und bäuerlichen Kleindenkmäler

ist der Heimatpflege ein zentrales

Anliegen. Nicht aus den Augen verlieren will

man außerdem die geplante Sanierung der

alten Mühle in Vallatsches in Stilfs.

„Auf der Grundlage der natürlichen, geschichtlichen

und kulturellen Schätze versuchen

wir Brücken zwischen der Vergangenheit

und der Zukunft zu bauen.“ Mit diesem

Satz fasste Obmann Franz Fliri die Bemühungen

des Heimatpflegebezirkes Vinschgau

abschließend zusammen.

Einsatz für nachhaltigen

Tourismus und eine sinnvolle

Raumordnung

Für den Heimatpflegeverband auf Landesebene

war der Einsatz für einen nachhaltigen

Tourismus und gegen die Ausweisung

neuer Toruismuszonen im Grünen im letzten

Jahr ein zentrales Thema. „Wir müssen

unser Land vor Fehlentwicklungen schützen,

auch im Sinne und Interesse des Tourismus

selbst“, so Obfrau Claudia Plaikner

in ihren Ausführungen. Für dieses Anliegen

setzten sich auch die Vinschger Heimatpfleger

ein, mit der Vorführung des Films „Andermatt“

zeigten sie im letzten Herbst wohin

der unbegrenzte Ausbau der touristischen

Infrastruktur unterstützt durch auswärtige

Großinvestoren führen kann.

Begeisterung rief der Diavortrag „70 Jahre Untergang einer Kulturlandschaft in

Graun und Reschen“ von Ludwig Schöpf bei den Anwesenden im Dachgeschoss des

Flurinsturms in Glurns hervor.

Zu diesem Themenfeld gehört auch die

Auseinandersetzung mit dem neuen Raumordnungsgesetz,

das ab Juli 2020 in Kraft

treten wird und den Heimatpflegeverband

in den letzten Jahren sehr beschäftigt hat

und wohl auch in nächster Zeit noch beschäftigen

wird.

70 Jahre Untergang einer

Kulturlandschaft in Graun

und Reschen

Begeisterung rief der Diavortrag von Ludwig

Schöpf aus Reschen bei den Anwesenden

hervor. Unter dem Titel „70 Jahre Untergang

einer Kulturlandschaft in Graun und

Reschen“ zeigt der pensionierte Lehrer nun

schon seit 35 Jahren im Auftrag des ehemaligen

Pfarrers Alfred Rieper einen beeindruckenden

Vortrag über den Stausee am

Reschen. Mit den beeindruckenden Bildern

und Erzählungen wird deutlich, wie

viel Leid und Ungerechtigkeit die Seestauung

über die Bevölkerung gebracht hat.

26

KulturFenster


Arge Lebendige Tracht

Heimatpflege

Mein Kittelsack

Was täte ich bloß ohne ihn!

Heute verlässt kaum eine Frau

ihr Zuhause ohne ihre geliebte

Handtasche. Ein Leben ohne

sie ist nicht mehr vorstellbar.

Sie bietet Stauraum für alles,

was man glaubt, unbedingt dabei

haben zu müssen. Doch wie

sieht es aus, wenn die Frau eine

Tracht trägt und eine Handtasche

gar nicht dazu passt, oder nicht

dazu getragen werden kann, wie

beispielsweise beim Ausrücken

mit Vereinen? Frau wäre nicht

Frau, wenn sie sich nicht zu helfen

gewusst hätte!

Die Zeiten ändern sich

Der Kittelsack gehört zu den so

genannten Gewandtaschen, die

sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts

bei der Frauenkleidung

durchgesetzt haben. In

die weiten Röcke der Frauen

konnte man diese abgerundeten

Taschen in Beutelform wunderbar

integrieren. So auch bei

der Tracht. Alles, was die Frau in

Tracht zum Kirchgang brauchte,

verstaute sie in ihrem Kittelsack:

Rosenkranz, Schneuztüchl

und vielleicht noch ein

paar Kreuzer. Heute ist das freilich

anders! Vom Handy über

den Haus- und Autoschlüssel,

Dokumente und Geldtasche,

Papiertaschentücher und oft

auch noch Zigarettenschachtel

– alles muss im Kittelsack

Platz haben.

Raffiniertes Versteck

Ein Trachtenrock, ob gezogen

oder plissiert, hat ein interessantes

Innenleben. Nur wir Frauen wissen,

dass es einen Kittelsack gibt… und

zwar einen ordentlichen! Rechts vom

Rockschlitz vorne in der Mitte wird er in

die zweite Faltentiefe eingearbeitet, so

In den Rock eingenähter Kittelsack

ungefähr 8 cm von der Taille

entfernt. Er sollte aus schwarzem,

festem Baumwollstoff sein,

muss er doch manchmal ganz

schön viel tragen. Egal ob leer

oder prall gefüllt – von außen

sieht man ihn nicht. Der „Beutel“

verliert sich in der Weite des

Rockes und wird zudem von

der Schürze gnädig zugedeckt.

Eigenartige Form

Es stellt sich immer wieder die

Frage, wie groß ein Kittelsack

sein soll. Nie groß genug! Auf jeden

Fall tief genug, damit nichts

herausfällt. Seine eigenartige

Form ist schwer zu beschreiben,

und nicht alle sehen gleich

aus, aber grundsätzlich sollte

er 25 bis 30 cm lang sein und

ungefähr 16 cm breit. Wichtig

ist ein genügend tiefer Eingriffsschlitz:

16 cm Länge haben sich

bewährt. Die zugeschnittenen

Teile werden an der Rundung

mit Französischer Naht zusammengenäht.

Die gerade Öffnung

in den aufgeschnittenen Rockschlitz

nähen und die Kanten

endeln. Nicht vergessen, dass

am oberen und unteren Ende

ein Riegel gehört, um ein Einreißen

zu vermeiden.

Pflege des Kittelsacks

Jede Trachtenträgerin sollte immer

wieder überlegen, ob sie

wirklich alles im Kittelsack mittragen

muss. Ganz wichtig ist

es auf jeden Fall, den Kittelsack

von Zeit zu Zeit umzudrehen

und den Staub auszubürsten.

Dies gilt vor allem vor dem Sommer, um

Mottenbefall zu vermeiden. Auch sollte

man kontrollieren, ob es keine Schadstellen

gibt.

Agnes Andergassen

Nr. 02 | April 2020 27


Arge Volkstanz

60 Jahre im Dienst

des Volkstanzes

60. Jahresvollversammlung der ARGE Volkstanz in

Südtirol am 1. Februar 2020 im Vinzentinum/Brixen

Die Teilnehmer der Vollversammlung mit den Ehrengästen in der ersten Reihe.

„Es ist heuer unser 60. Tätigkeitsjahr, auf

das wir zurückblicken. 60 Jahre im Dienst

des Volkstanzes. Dies gibt uns Anlass, diese

Feierstunde heute in Brixen zu begehen.“

Mit diesen Worten eröffnete die Erste Vorsitzende

der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz

in Südtirol, Monika Rottensteiner, die Jubiläumsvollversammlung

im Vinzentinum in

Brixen. Nach einer Messe, die von Pfarrer

Josef Knapp zelebriert und mit Musik und

einem Lichtertanz der Kinder- und Jugendvolkstanzgruppe

Pfalzen umrahmt wurde,

Die geehrten Brigitte von Verocai VTG Neumarkt und Norbert Kofler von der VTG

Schlanders mit den Gruppenleitern, der Ersten Vorsitzenden Monika Rottensteiner

und dem Zweiten Vorsitzenden Klaus Tappeiner.

begaben sich die Teilnehmer der Vollversammlung

in den Parzivalsaal.

Dort begrüßte Monika Rottensteiner alle

Tänzerinnen und Tänzer, welche zur Vollversammlung

gekommen waren, sowie die

zahlreichen Ehrengäste. Monika Rottensteiner

bedankte sich in erster Linie bei der

Gastgeberin, Paula Bacher, Stadträtin der

Gemeinde Brixen – für die herzliche Aufnahme

der Vollversammlung im Vinzentinum.

Namentlich begrüßte sie auch den

Landesrat Philipp Achammer, welcher in einer

kurzen Rede seine Glückwünsche zum

Jubiläum zum Ausdruck brachte und erklärte,

dass der Volkstanz einen wichtigen

Stellenwert in Südtirols Kultur hat. Besonders

umrahmt hat er seine Rede mit dem

Zitat „Gott achtet uns, wenn wir arbeiten,

aber Gott liebt uns, wenn wir tanzen“, mit

welchem er auch den Bezug zur feierlichen

Messe vor der Vollversammlung herstellte.

Auch die folgenden Ehrengäste wurden namentlich

von Monika Rottensteiner zur Vollversammlung

willkommen geheißen: Volker

Klotz – Abteilungsdirektor, Walther Egger

und Klaus Reichegger – ehemalige Erste

Vorsitzende, Hubert Kuppelwieser – ehemaliger

Zweiter Vorsitzender, Helga Hetzenauer

– Obfrau der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz

Tirol, Franz Hermeter – Obmann-Stellvertreter

Südtiroler Volksmusikkreis, Meinhard

Oberhauser – Verbandsobmann-Stellvertreter

vom Verband Südtiroler Musikkapellen,

Agnes Andergassen mit Ehemann – Vorsitzende

der Arbeitsgemeinschaft Lebendige

Tracht, Claudia Plaikner – Obfrau des Heimatpflegeverbandes

Südtirol, Landesbäuerin

Antonia Egger Mair sowie Heike Tschenett

von RAI Südtirol.

In ihrem Rückblick auf die vergangenen

60 Jahre stellte Monika Rottensteiner fest,

dass sich die Rahmenbedingungen in den

letzten Jahrzehnten stark verändert haben.

So besteht nun die Herausforderung darin,

die Volkstanzaktivitäten so zu gestalten,

dass sie der Zeit angepasst, aktuell

und interessant sind. Die Mundartdichterin

Anna Steinacher trug ein eigens geschriebenes

Gedicht vor, in welchem sie die letzten

60 Jahre Volkstanz in Südtirol Revue

passieren ließ. Auch die Kinder- und Jugendvolkstanzgruppe

brachten dies in einer

Tanzeinlage dar.

Im Rückblick auf das Tätigkeitsjahr 2019

berichtete Monika Rottensteiner, dass die

54 Mitgliedsgruppen mit ca. 1300 Volkstänzerinnen

und -tänzern insgesamt 1290

Proben besucht, 309 Auftritte getanzt und

126 „Offene Tanzen" organisiert haben.

Des weiteren organisierten die Gruppen 16

Tanzfeste und 26 andere Feste und haben

bei 147 Festen mitgewirkt.

Das Jahr 2019 wurde mit der Jahresvollversammlung

am 2. Februar 2019 in

Leifers eingeleitet, im April wurde die Sendung

über den Volkstanz in Südtirol „Vereine

vereinen“ ausgestrahlt, wofür Günther

Haller für RAI Südtirol bei der Jahresvollversammlung

einige Filmaufnahmen gemacht

hatte.

28

KulturFenster


Heimatpflege

Der Gesamttiroler Maitanz fand im Jahr

2019 in Hall in Tirol statt. Die Volkstanzgruppe

Burgstall hatte die Pausengestaltung

übernommen. Ein musikalisches Stelldichein

gab es beim Sänger- und Musikantenhoangart

auf Schloss Tirol in Zusammenarbeit

mit dem Südtiroler Volksmusikkreis

Bezirk Burggrafenamt

Auch im Jahr 2019 wurde der Waltherplatz

in Bozen für einen Sommerabend in

„Walzerplatz“ umbenannt. Volkstänzer aus

dem Bezirk Bozen gestalteten diese Veranstaltung

mit. Auch beim Landesalmtanz im

Juli auf dem Rittnerhorn kamen viele Tänzerinnen

und Tänzer aus ganz Südtirol. Die

Volkstanzgruppe Oberbozen übernahm anlässlich

ihres 30-Jahr-Jubiläums die Organisation.

Regen Gedankenaustausch und viel

Spaß gab es beim Treffen der Bezirksausschüsse

im Oktober in Brixen, welches mit

einem Törggeleabend einen gemütlichen

Ausklang fand.

Das Tanzjahr sollte wie jedes Jahr mit

dem Landeskathreintanz im Kursaal von

Meran ausklingen. Leider musste dieser

aufgrund des von Wetterchaos Mitte November

abgesagt werden. Der Winterlehrgang

im Haus der Familie in Lichtenstern

war mit 101 Teilnehmern auch in diesem

Jahr sehr gut besucht.

Monika Rottensteiner nahm auch Stellung

zur Netzarbeit. Sie ist Stellvertreterin

für den Volkstanz in Südtirol bei der „Allianz

der Kultur“, welche aus 24 Vereinen

und Verbänden aus dem Bereich Kultur

besteht. Ziel der „Allianz der Kultur“ ist es,

mit vereinter Kraft auf die wichtige Rolle von

Kultur aufmerksam zu machen und ihr in

der Gesellschaft den Stellenwert zu geben,

der ihr zusteht.

Einige Volkstanzgruppen feierten im vergangenen

Tanzjahr ein Jubiläum. Auf 50

Jahre konnten die Volkstanzgruppen Terlan

und Schenna zurückblicken. Das 40-Jahr-

Jubiläum des Referats Volksmusik wurde

mit einer Feierstunde im Haus der Familie in

Lichtenstern begangen. Zum 70-Jahr-Jubiläum

der ARGE Volkstanz Tirol kamen mehrere

Gratulanten zum Tanzfest nach Mils.

Im Rahmen der Jahresvollversammlung

wurden auch zwei besondere Ehrungen vorgenommen.

Norbert Kofler von der Volkstanzgruppe

Schlanders sowie Brigitte von

Verocai von der Volkstanzgruppe Neumarkt

wurden jeweils für 40 Jahre Mitgliedschaft

in der jeweiligen Volkstanzgruppe geehrt.

Anschnitt der

Jubiläumstorte

durch die

ehemaligen

und aktuellen

Vorsitzenden

der ARGE

Volkstanz in

Südtirol.

In der anschließenden Vorschau auf das

Jahr 2020 wies Klaus Tappeiner, Zweiter

Vorsitzender, auf die Termine 2020 (siehe

Hereinspaziert unten) hin.

Zum Schluss bedankte sich Monika bei

allen, die zur vielseitigen Volkstanztätigkeit

im Laufe des Jahres und zum Gelingen der

Vollversammlung beigetragen haben. Im

Hinblick die anstehenden Wahlen in den

Bezirken sowie im Landesvorstand bat Monika,

dass sich die Tänzerinnen und Tänzer

für Funktionen im Bezirk und auf Landesebene

zur Verfügung stellen.

Die Vollversammlung fand ihren gemütlichen

Ausklang bei Speis und Trank

im Speisesaal des Vinzentinums, wo bei

einem Gläschen Sekt und einem Stück Jubiläumstorte

auf das 60-Jahr-Jubiläum angestoßen

wurde.

Anna Julia Spitaler

Hereinspaziert

• Gesamttiroler Maitanz und 60-Jahr-Jubiläum der Volkstanzgruppe Kaltern Eppan am 23. Mai 2020 in Eppan.

• Hoangart auf Schloss Tirol am 24. Mai 2020 in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Volksmusikkreis Bezirk Burggrafenamt.

• Almtanz der ARGE Volkstanz in Südtirol auf dem Würzjoch am 19. Juli 2020.

• Tanzleiterausbildung Modul 1 am 5. September 2020 in der Lichtenburg/Nals.

• „Gsung, gspielt, gitonzt und drzehlt“ im Volkskundemuseum Dietenheim am 13. September 2020 in Zusammenarbeit mit dem

Südtiroler Volksmusikkreis Bezirk Pustertal.

• Modul 3 - Ausbildung Kinder- und Jugendtanzleiter in Pfalzen am 24. und 25. Oktober 2020.

• Landeskathreintanz am 14. November 2020 im Kursaal von Meran mit der Musikgruppe „Tanzig“. Die Pausengestaltung

übernimmt der Bezirk Überetsch/ Unterland.

• Winterlehrgang vom 26.Dezember 2020 bis 1.Jänner 2021 im Haus der Familie in Lichtenstern

Weitere Infos im Büro der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz, Tel.: 0471/970555 oder info@arge-volkstanz.org

Nr. 02 | April 2020 29


Das thema

12. VSM-Landeswettbewerb

„Musik in kleinen Gruppen“

Was im Kleinen funktioniert, kann dem Großen nur dienen

Die Teilnehmer mit ihren Urkunden nach der Siegerehrung

Am 15. Februar 2020 um 7:30 Uhr ist es

noch ruhig in der Musikschule Auer. Die

letzten Vorbereitungen werden getroffen,

um einen reibungslosen Ablauf des Landeswettbewerbs

„Musik in kleinen Gruppen“

zu gewährleisten.

Dann steht auch schon die erste Gruppe

aus dem Eisacktal im Anmelderaum und

holt sich Infos, Snackgutscheine und beste

Wünsche für den Auftritt ab. Im Laufe

des Tages werden es 33 Ensembles aus

ganz Südtirol sein, die zum Wettbewerb

antreten. Es sind alle Altersgruppen (9 bis

22½ Jahre) und 5 vereinseigene Ensembles

vertreten, verteilt auf 6 Schlagzeug-,

7 Blechbläser-, 17 Holzbläser- und 3 gemischte

Ensembles.

Die ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmer

haben ihren Auftritt schon hinter

sich, die nächsten warten schon gespannt

auf den ihrigen. Es geht fröhlich

zu in der Musikschule Auer und der gegenüberliegenden

Aula Magna der Oberschule

für Landwirtschaft - ein Kommen

und Gehen, elegant in schwarz gekleideter

Gruppen. Eigens für diesen Tag gedruckte

T-Shirts mit den Namen der Musikanten

werden stolz von den jüngeren

Teilnehmerinnen und Teilnehmerngetragen

und die vereinseigene Tracht von den

Größeren. Aus den Einspielräumen dringen

eifrige Töne und die Geräusche des

auf Hochtouren laufenden Kaffee- und

Getränkeautomaten mischen sich unter

die Motivationsrufe, die durch die

Gänge schallen: ,,Auf geht’s! - Vollgas! -

Iaz gebn mir alles!“ Viele der jungen Musikerinnen

und Musiker sind zum ersten

Mal dabei, für manche ist es schon fast

Routine. Aber allen merkt man die Freude

und den Spaß am gemeinsamen Musizieren

und Auftreten an.

Dass Musik für die Entwicklung von

Kindern sehr positiv ist und glücklich und

schlau macht, ist bekannt und in vielen wissenschaftlichen

Studien belegt worden. Musik

fördert kognitive Leistungen, das Einfühlungsvermögen,

die rationale Planung und

die emotionale und ganzheitliche Wahrnehmung.

Das ist, wie Neurologen sagen, ein

Mehrwert und nicht abwertend zu verstehen

gegenüber Sport- und Schachtraining.

Und so ganz nebenbei hat das Musikmachen

auch noch eine persönlichkeitsbildende

Wirkung: räumliche Fähigkeiten,

Gedächtnisleistungen, auditives Wahrnehmen,

gewissenhaftes Arbeiten, Ausdauer

und Disziplin, Sozialintegration und selbstsicheres

Verhalten werden trainiert.

Ein junges Klarinettentrio aus dem Pustertal

wird liebevoll und umsichtig von ihrem

Lehrer betreut. Sie treten in der Stufe

„J“ an (Altersdurchschnitt 11 Jahre) und

gehören somit zu den jüngeren Teilnehmern.

Die Aufregung steigt und ein Glas

Wasser hilft noch schnell, bevor es losgeht.

sechs Minuten später, nach dem Auftritt:

rote Wangen, strahlende Augen und man

hört im Vorbeigehen schon die ensembleinterne

Nachbesprechung: „I hon mi im

vierten Takt vozählt. Moansch, der von da

Jury hat des gheart?“ „In da zwoatn Zeile

wor i glab i viel zu laut!“ „I hon mi bei oando

Stelle vospielt, da hon i no nia folisch

gspielt…“ „Abo sischt wors ganz guit, oder?“

30

KulturFenster


Blasmusik

Die Jury bei der Arbeit

Den größeren, in den Stufen C und D (Altersdurchschnitt

16-22 Jahre) merkt man

die Aufregung fast nicht mehr an. Da werden

noch schnell das Outfit und die Frisur

gecheckt, das Instrument überprüft, Noten

sortiert … und los geht’s. Auch bei den

älteren Teilnehmerinnen und Teilnehmer

nach dem Auftritt: freudige, gelöste Gesichter,

aber auch enttäuschte, ärgerliche,

den Tränen nahe, kann man entdecken. Und

bei dem einen oder anderen stellt sich die

Frage: „Haben wir schon genug geprobt?“

„Hab ich meine Stimme oft genug trainiert?“

„War die Zusatzprobe am Wochenende und

in den Ferien ausreichend?“ „Hätte noch

ein weiteres Vorspiel gut getan?“

Um 15:30 Uhr wird es für mein Ensemble

ernst. Im Einspielraum konzentriertes

Aufwärmen, Intonation prüfen,

kurzes Anspielen, die anderen mental

spüren, positive Anweisungen. Jetzt alles

richtig machen, den drei jungen Musikern

den Eindruck vermitteln, alles im

Griff zu haben und selber keinen Anflug

von Nervosität zeigen – Ja! Lehrer sind

auch Menschen. Die Gruppe startet motiviert

und selbstbewusst den Auftritt.

Evelyn gelingt ein Lächeln zwischen den

Stücken und die drei ,,Vereinseigenen“

sind in der Salurner Musig-Tracht nicht

nur ein optischer, sondern auch ein musikalischer

Genuss. Beim Zuhören füllt

sich mein Lehrerherz mit Freude, Stolz

und Hochachtung für diese drei großartigen

jungen Musikanten, die mit 14, 15

Jahren schon imstande sind, eine so fabelhafte

musikalische Leistung zu erbringen.

Man spürt das gemeinsame und

unmittelbare Musikerleben - das ist oft

schwierig in Worte zu fassen.

Ein großer Dankt geht an:

Wettbewerb heißt sich vergleichen lassen,

bewerten lassen, sich darauf einlassen. Der

wirklich wichtige Teil passiert schon in den

Monaten vorher. Den Lernprozess und das

gemeinsame Musizieren kann einem keine

Wertung mehr nehmen. Die Jury kann nur

einen kurzen Ausschnitt des Weges beurteilen

und im Jurygespräch dann wertvolle

Tipps und Anregungen für die weitere musikalische

Zukunft mitgeben.

Wie wichtig das Spielen in der kleinen

Gruppe auch für die Musikkapellen ist, liegt

auf der Hand. Was im Kleinen funktioniert,

kann dem Großen nur dienen. Das Musizieren

in der Gruppe entspannt, ein Gefühl

sozialer Verbundenheit und Kommunikation

stellt sich ein und Merkmale wie Geschlecht,

Alter, sozialer Status, aber auch individuelle

Unterschiede wie Persönlichkeit und Intelligenz

sind für das gemeinsame Musizieren

kaum relevant. Wenn Menschen aufeinander

treffen, läuft es nicht immer glatt. Es gibt

Höhen und Tiefen, es gibt Schwierigkeiten,

aber auch Erfolgserlebnisse. Anstrengenden

Phasen folgen beschwingte Zeiten. Werte

wie Zuverlässigkeit, Fairness und die Fähigkeit

zur Integration werden verankert.

Am Abend dann der lang ersehnte Augenblick

der Urkundenverteilung und Bekanntgabe

der Bewertung. Die Tagessieger und

top bewerteten Ensembles und deren Leiter

strahlen, sind hochmotiviert und glücklich.

5 Gruppen dürfen Südtirol im Oktober

beim Bundeswettbewerb in Wels (Oberösterreich)

vertreten. Aber auch im Gespräch mit

einer ,,enttäuschten“ Gruppe spürt man,

dass sich langsam und still doch wieder ein

kleiner Keim zu regen beginnt und Freude,

Mut und Entschlossenheit wieder wachsen,

um es in zwei Jahren beim 13. VSM Landeswettbewerb

„Musik in kleinen Gruppen“

wieder zu wagen.

In Zeiten von übermäßigem Handy- und

Medienkonsum bekommt das gemeinsame

Musizieren in der kleinen wie in der großen

Gruppe einen ganz neuen, wichtigen Stellenwert.

Musik verbindet; Emotionen und Empathie,

Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse

kann man nicht im App-Store kaufen.

Deswegen wird es auch, solange es Menschen

gibt, immer selbst gemachte, selber

erlebte Musik geben. Wir können viel von

den jungen Menschen lernen und die Jungen

auch von uns Älteren. Wir können uns

gegenseitig Vorbild sein, füreinander da sein

und gemeinsam weiter machen.

Wir können stolz sein auf den musikalischen

Nachwuchs, die Musikkapellen - an

diesem Tag besonders auf jene Musikkapellen,

die sich um das vereinseigene Musizieren

bemühen - und die Musikschulen

in unserem Land. AlleTeilnehmerinnen und

Teilnehmer und Teilnehmer haben mit ihren

Beiträgen bewiesen, wie wunderbar, engagiert

und auf hohem Niveau sie Musik machen

können. „Musik ist die Sprache unserer

Seele, unseres Herzens und ist unsere

geistige Nahrung. Musik ist einer der höchsten

Werte unserer Gesellschaft“ (Mariss

Jansons 1943-2019)

Auf meine Frage, warum das Spielen in

der Musikkapelle so toll ist, antworten mir

Melanie und Michael, 14 und 15 Jahre,

beide aus Salurn: „Motivation und Herausforderung

hat man mehr in der Gruppe

als alleine. Und wegen der tollen Gemeinschaft

in der Musikkapelle. Die Musikkapelle

isch der Ort, wo i mein schönes Hobby

ausüben mecht.“ Von Michael kommt ein

Daumen hoch und ein verschmitztes, wissendes

Lächeln.

Ein intensiver Tag voller Musik, jugendlicher

Begeisterung und emotionaler Momente

geht zu Ende und alle Teilnehmerinnen

und Teilnehmerkönnen mit einer

Urkunde und einer Erfahrung reicher nach

Hause fahren - das junge Klarinettentrio vom

Vormittag z.B. mit hervorragenden 89,00

Punkten. Um 21:30 Uhr ist es wieder ruhig

in der Musikschule Auer…

Uta Praxmarer,

VSM-Jugendleiterstellvertreterin,

➤ alle Teilnehmer*innen, die Lehrer*innen und Leiter*innen und an die Eltern

➤ die Gemeinde Auer und die Direktorin der Musikschule Auer Alexandra

Pedrotti für die Bereitstellung der Räumlichkeiten

➤ den Hausmeister der Musikschule und Oberschule für Landwirtschaft

Sigmund Bonell

➤ die Mitarbeiter des VSM-Büros für die großartig erstklassige Arbeit vor,

während und nach dem Wettbewerb

➤ alle freiwilligen Helfer: Saalsprecher, Verköstigungsteam, Fotografen u.v.m.

Nr. 02 | April 2020 31


50:50 (93,50 Punkte) Amos Quartett (95,33 Punkte)

Brixia Sax (87,00 Punkte)

Clarinet juniors (89,00 Punkte)

Die Saxladies (93,33 Punkte)

Drumfire (81,67 Punkte)

Drumkids (77,67 Punkte)

Die Wolfis (80,83 Punkte)

EuphMer Quartett (84,50 Punkte)

GiGa Percussion (97,67 Punkte)

Jeremy (91,67 Punkte)

Flötenensemble der Musikschule Lana (85,00Punkte)

Vipialma (94,33 Punkte)

KlaFlax (84,00 Punkte)

Klari-die-netten (94,93 Punkte)

32

Klariole (90,93 Punkte)

KulturFenster

Mitans da la Val (83,33 Punkte)


Blasmusik

Melahorns (85,00 Punkte)

Le Jusoni (94,67 Punkte)

Vilanma (81,33 Punkte)

Pentakis mit Schlag (92,50 Punkte)

MischMasch 1.7 (81,67 Punkte)

Viera Holz (87,67 Punkte)

SiusiSax (86,00 Punkte)

TschaLaNa (80,00 Punkte)

Schlag 3 (89,33 Punkte)

Vahrner Youngbrasser (84,67 Punkte)

Sabiona Horns (94,50 Punkte)

Trio Scherzoso (92,00 Punkte)

Trumpet Tigers (92,17 Punkte)

The Drumming 4 (93,33 Punkte)

Trom4bones (96,17 Punkte)

4 flutes (83,00 Punkte)

Nr. 02 | April 2020 33


Aus Verband und Bezirken

Wert der Musik und der

Gemeinschaft noch besser spüren

Ein Essay von Pepi Fauster

Ende Februar überschlugen sich die Nachrichten!

Was zuerst nur ganz weit weg in

China passiert war, übertrug sich plötzlich

und ganz unerwartet auf Europa, speziell

auf Italien und auch auf unser Land Südtirol.

Experten, so auch unser Sanitätsbetrieb,

warnten bereits früh vor der großen

Ansteckungsgefahr dieser für einige Risikogruppen

gefährlichen Lungenerkrankung,

wenn sich Menschen auf engem Raum begegnen

würden, und gaben klare konkrete

Anweisungen.

Wir waren als VSM plötzlich mitten drinnen

vor Entscheidungen gestellt. Sollten

wir klaren Richtlinien vertrauen

oder einfach weitermachen?

Wir haben uns,

nach grundlegenden Absprachen

im Vorstand, dafür

entschieden, unseren

Verantwortlichen Glauben

zu schenken. Es geht um

unsere Gesundheit. Wir haben

uns die Entscheidung

nicht leicht gemacht. Nur

wenige Tage vor der Austragung

unseres mit Spannung

erwarteten Dirigenten-

Wettbewerbs „Con Brio“

beschlossen wir, diesen vorläufig

abzusagen und auf

den Herbst zu verschieben. Unsere Mitbewerber

und Freunde aus Tirol und Vorarlberg,

aber auch unsere Teilnehmerinnen

und Teilnehmer, ihre Angehörigen und wir

selbst sollten geschützt sein. Sicher bitter

für alle, die sich mit viel Einsatz darauf vorbereitet

hatten, aber die Gesundheit muss

Vorrang haben! Gar einige haben unsere

Entscheidung nicht mitgetragen und ihren

Unmut ausgedrückt.

Anfang März betrafen uns die staatlichen

Regelungen plötzlich alle. Am 4. März wurden

zum Schutz der Bevölkerung staatsweite

Maßnahmen getroffen, die niemand

von uns bisher so erlebt hatte und die wir

uns so ja auch niemals hätten vorstellen

können. Die gesundheitliche Gefährdung,

vor der gewarnt wurde, war plötzlich

im vollen Maße bei uns angekommen.

Die Jahreshauptversammlung des VSM,

Konzerte und Proben, bei denen wir mit

unseren Mitgliedern, Musikantinnen und

Musikanten, mit unserem Publikum, zusammentrafen

und zusammentreffen hätten

können und sollen, wurden plötzlich als

große Gefahrenquellen für die Ansteckung

gesehen. Zwei Tage vor dem geplanten

Auftritt musste auch der Obmann meiner

MK Reischach unser Frühjahrskonzert abblasen.

Wir hatten uns drei Monate lang

fleißig darauf vorbereitet, Programme gedruckt

und versandt, waren „fit“ und über

die Absage natürlich auch traurig. Ähnlich

wie uns erging es noch vielen anderen Musikkapellen.

Die Tätigkeit in unseren Musikkapellen

musste von einem Tag auf den

anderen total ausgesetzt werden.

Wie ist diese Situation unseren Verband

und unsere Musikkapellen betreffend einzustufen?

Ja, sie ist ungewohnt, alles andere

als erfreulich. Sie ist wie eine gewaltige

Sturmflut über uns hereingebrochen,

um mit einem Vergleich zu sprechen. Wir

haben viel investiert: Zeit, Einsatz, Freizeit,

Geld … Ist das nun alles fortgeschwemmt,

verloren, alles umsonst? Ja, das eine und

andere – z.B. ein Konzerttermin, ein vergebens

erstelltes Plakat, eine finanzielle Ausgabe

… ist weg. Aber Achtung! Niemand

ist wegen der Absagen erkrankt oder hat

deswegen sogar sein Leben verloren! Auch

nicht den Arbeitsplatz! Umsonst geprobt

haben wir wohl hoffentlich auch nicht! Verschiedenes

lässt sich nachholen.

Es ist zwar ein unfreiwilliges

Innehalten

Für mich ist dies, was unsere Tätigkeiten

betrifft, beim genaueren Betrachten doch

nicht so deprimierend wie anfangs

angenommen. Es ist zwar

ein unfreiwilliges Innehalten,

eine Pause, ein Ausgebremstsein

von jenen Tätigkeiten, die

wir sonst gemeinsam durchgeführt

hätten, wie Proben, Konzerte,

Auftritte, Ständchen, …

Aber eben – und glücklicherweise

– nur momentan, nicht

dauerhaft, nicht unumkehrbar

– also verkraftbar. Die geballte

Kraft der Musik und unserer

Blasmusik „wartet nur hinter

den Fenstern und Türen, bis

sie wieder freigelassen werden

darf. Sie ist wie ein junges, vitales

Pferd, das sehnsüchtig auf den Moment

lauert, wieder hinauszustürmen“.

Anders als ein junges Pferd können wir

34

KulturFenster


Blasmusik

Menschen durch unseren Verstand und

unser Einfühlungsvermögen das Warten

und das Daheimbleiben dafür nutzen, um

uns auf das Wesentliche zu besinnen, den

Wert der Musik und des gemeinsamen

Musizierens, aber auch zwischenmenschliche

Werte wieder neu zu entdecken, …

Es würde uns sicherlich sehr gut tun, wenn

wir oft etwas mehr Geduld hätten, noch

mehr das Schöne und Wertvolle am Musizieren

erkennen würden, dankbarer wären

für die Talente, die uns gut musizieren lassen,

mit schnell hinausgeschossener und

oft unüberlegter Kritik vorsichtiger umgehen

würden, bestimmte Aktivitäten genauer

hinterfragen und besser einschätzen

lernten, toleranter und solidarischer

mit den anderen umgingen, uns fragen

würden, ob Bestimmtes wirklich unbedingt

notwendig wäre, usw.

Als Musikantinnen und Musikanten haben

wir auch daheim viele schöne Möglichkeiten,

uns intensiv mit unserer Lieblingskunst

zu beschäftigen: Musik hören,

auch einmal solche, die wir sonst nicht so

gut kennen – fleißig üben und probieren

– selber musizieren, notieren, komponieren

- neue Zusammenspielmöglichkeiten

in unserer Familie ausloten – ein gutes

Buch über Musik lesen - …

Die großen kreativen Kräfte im Menschen

ermöglichen es, im derzeitigen Zustand

trotz allem Negativen nicht den Kopf

in den Sand zu stecken, sondern aktiv zu

sein, damit sich Positives herauskristallisiert!

Ich lade euch ein, die ganze Krise als

neue Chance für unsere gemeinsame Arbeit

zu sehen und freue mich über jede aufmunternde

und begeisternde neue Aktion.

Aus einem sehr schönen Text, der in den letzten Tagen auf WhatsApp zirkulierte und

dessen Autor mir unbekannt ist, bringe ich einige Auszüge, teils selbst umgestaltet.

Ich bin mir gewiss, dass alles wieder gut wird. Danke allen, die zur Überwindung der

Krise aktiv beitragen! Bleibt gesund und musiziert mit Begeisterung!

Frühling 2020

Es war der 16.März 2020,

die Straßen waren leer,

die Geschäfte, Büros und Bars geschlossen,

die Leute kamen nicht mehr raus …

Auch Angst machte sich breit.

Gibt es genügend Platz in unseren Krankenhäusern?

Schaffen Ärzte und Pfleger die schwierige Situation?

Können erkrankte Menschen geheilt werden?

Aber der Frühling wusste nichts.

Und die Blumen blühten wieder.

Und die Sonne schien.

Und die Schwalben kamen zurück.

Und der Himmel färbte sich rosa und blau …

Es wurde wieder das Vergnügen entdeckt,

zusammen zu essen, zu schreiben, zu lesen.

Man ließ der Fantasie freien Lauf.

Und aus Langeweile wurde Kreativität …

Manche lernten eine neue Sprache.

Manche entdeckten die Kunst.

Studenten büffelten für die nächste Prüfung.

Aus vielen Fenstern und auf den Balkonen

hörte man Musizieren …

…und dann kam der Tag der Befreiung.

Wir gingen auf die Straße.

Wir umarmten uns wieder, mit Tränen in den Augen.

Weil der Frühling es nicht wusste,

lehrte er uns allen die Kraft des Lebens...

Nr. 02 | April 2020 35


Aus Verband und Bezirken

Motivation braucht gutes Umfeld

Jahreshauptversammlung des VSM-Bezirks Meran in St. Leonhard

Alle Mitgliedskapellen des VSM-Bezirkes Meran waren zur Jahreshauptversammlung nach St. Leonhard in Passeier gekommen.

Zum ersten Mal hatte am 18. Jänner der neu

gewählte VSM-Bezirksvorstand unter der Leitung

von Bezirksobmann Andreas Augscheller

zur Jahreshauptversammlung geladen – und

die Kapellen des Bezirks waren der Einladung

vollzählig gefolgt. Die Versammlung

fand im Vereinshaus von St. Leonhard in

Passeier statt. Eingeladen hatte die Musikkapelle

Andreas Hofer St. Leonhard anlässlich

ihres 165-jährigen Bestehens.

Als Gastreferent hatte der Bezirksvorstand

den Mentaltrainer Raimund Frick eingeladen.

Er vermittelte den anwesenden Funktionären

in einem Kurzvortrag Tipps, wie sie

die Motivation der Musikantinnen und Musikanten

zum Probenbesuch und zum eigenständigen

Üben steigern könnten: „Motivation

kommt nicht von alleine, sondern

braucht ein gutes Umfeld. Ihr könnt dieses

schaffen, indem ihr eure Mitglieder beobachtet

und ihnen Tipps gebt, wo sie ansetzen

können.“ Es gehe darum, sich kleine

Gewohnheiten und Rituale anzueignen, die

sich mit dem Alltagsleben gut vereinbaren

lassen. Dabei sollten Funktionäre natürlich

mit gutem Beispiel vorangehen und selbst

vorleben, dass solche Rituale und Gewohnheiten

sinnvoll sind und etwas bringen.

Bezirksobmann Augscheller zog eine

sehr positive Bilanz seines ersten Jahres im

neuen Amt: „Ich bin stolz auf unsere Musikkapellen

und habe großen Respekt vor

der großen Vielfalt und Kreativität, mit der

sie Blasmusik leben.“ Außerdem hob Augscheller

die „stets angenehme Zusammenarbeit

mit den Vorstandskollegen“ hervor. Ein

Wermutstropfen bleibt auch ein Jahr nach

dem großen Wechsel im Bezirksvorstand

nach wie vor bestehen: Die Ämter des Bezirkskapellmeisters

und des Bezirksstabführers

sind nach wie vor nicht besetzt. Immerhin

konnten mit Markus Gufler (Fachgruppe

Kapellmeister) und Bernhard Christanell

(Medienreferent) zwei Musikanten aus dem

Bezirk zur Mitarbeit im Bezirksvorstand bewogen

werden. Beide wurden bei der Versammlung

in St. Leonhard offiziell als Vorstandsmitglieder

bestätigt.

Bezirksobmann Andreas Augscheller

konnte schon im ersten Amtsjahr auf viel

Positives in „seinem Bezirk“ verweisen.

Aktuelle Zahlen zu den Kapellen im Bezirk

legte Schriftführer Stefan Erb vor: In den

36 Kapellen sind derzeit 1.614 Musikantinnen

und Musikanten aktiv, die Mitglieder

sind im Durchschnitt 30,8 Jahre alt. Insgesamt

liegt der Frauenanteil bei 35,6 Prozent

– je jünger die Mitglieder sind, desto höher

wird dieser Anteil. Bei den Mitgliedern, die

jünger als 20 Jahre sind, liegt der Frauenanteil

bei 62,8 Prozent.

Die Jugendarbeit bildet auch auf Bezirksebene

einen großen Schwerpunkt. So gab es

eine Marschprobe für Jungmusikanten im

Mai, die traditionellen Bezirks-Jungbläsertage

in der Lichtenburg in Nals im August und

einen Jugendleiter-Stammtisch im Oktober.

Die Stabführer trafen sich einmal im März

mit Verbandsstabführer Klaus Fischnaller,

einmal im Mai zu einer Fortbildung und zu

einem Stammtisch im November.

Ein fester Bestandteil jeder Bezirksversammlung

sind auch die Berichte des Verbandsvorstandes:

Verbandsobmann Pepi

Fauster berichtete über den Stillstand bei

der Neuregelung des „Dritten Sektors“, Verbandskapellmeister

Meinhard Windisch von

der positiven Entwicklung bei der Ausbildung

von neuen Kapellmeisterinnen und Kapellmeistern.

Verbandsjugendleiter Hans Finatzer

berichtete von der umfangreichen Jugendarbeit

auf Landesebene und wünschte

sich mehr Zuhörer bei den Konzerten des

Südtiroler Jugendblasorchesters. Verbandsstabführer

Klaus Fischnaller kündigte ein

neues Probenkonzept für Marschierproben

an und verwies auf ein Jugendfestival

im April 2021, bei dem die Musik in Bewegung

eine zentrale Rolle spielen soll.

Abschließend bedankte sich der Gemeindereferent

Robert Tschöll für den Einsatz

der Musikkapellen in seiner Gemeinde und

im ganzen Bezirk. Bezirksobmann Andreas

Augscheller bedankte sich seinerseits bei der

Gemeindeverwaltung von St. Leonhard und

beim Holzbläserensemble der Musikkapelle

Andreas Hofer St. Leonhard für die musikalische

Gestaltung der Bezirksversammlung.

Bernhard Christanell

VSM- Bezirks-Medienreferent

36

KulturFenster


Blasmusik

Wenn Musikanten zu

Artisten werden

Jahreshauptversammlung des VSM-Bezirkes Bozen

„Wir hatten das ganze Jahr hindurch viel

Programm; dazu kam für die Musikantinnen

und Musikanten noch die rege Tätigkeit in

den Kapellen“, sagte Stefan Sinn, der Obmann

des Musikbezirks Bozen im Verband

Südtiroler Musikkapellen (VSM), bei der

68. Vollversammlung des VSM-Bezirkes

Bozen in Branzoll. Großer Höhepunkt war

die Verleihung des Förderpreises.

Mit einem musikalischen Gruß hieß die

Bläsergruppe der Musikkapelle Branzoll

die Vertreter der Kapellen im Kulturhaus

willkommen. Es war ein buntes Bild, das

in Branzoll

Gut besucht war die Jahreshauptversammlung des VSM-Bezirkes Bozen in Branzoll.

Die Bürgerkapelle Gries bekam für ihr Projekt

„Manege frei!“ den Förderpreis des Weingutes

„Ritterhof“ verliehen.

die vielen Musikantinnen und Musikanten

in ihren bunten Trachten abgaben.

Sehr umfangreich war die Tätigkeit, auf

die der Musikbezirk Bozen zurückblickte.

Auf großes Echo stießen die Konzerte des

Jugendblasorchesters Bozen (JuBoB) in

Auer und in Sarnthein. In Völs gab es den

Schnupperkurs Dirigieren, der auch heuer

wieder angeboten wird. „Schickt – in eurem

Interesse – fähige Leute, die sich eine Kapellmeisterausbildung

vorstellen können“,

sagte Bezirkskapellmeister Michael Vikoler.

In Auer wurde im vergangenen Jahr

ein Wertungsspiel ausgetragen.

Eine Neuauflage

des Frauenblasorchesters

gelang aufgrund

der zu geringen Anmeldungen

nicht mehr.

Die Jungmusiker-Leistungsabzeichen

wurden

in Eppan vergeben. Bezirksjugendleiter

Werner

Mair betonte, dass von

den 107 Teilnehmern 21

mit „ausgezeichnet“ abschlossen.

Für die nächste

Auflage sind einige

Änderungen geplant.

Wichtig sind der Bezirksleitung stets auch

die Stabführerkurse. „Das Niveau im Bezirk

ist gut; dies ist nur möglich, wenn fähige

Stabführer vorausgehen“, sagte Bezirksstabführer

Matthias Targa. Er verwies

auf das Bezirksmusikfest 2021 in Aldein,

wo auch ein Marschierwettbewerb geplant

ist. Marschiert werde auch beim Jugendfestival,

das ebenfalls 2021 stattfinden soll.

Spannender Höhepunkt der diesjährigen

Vollversammlung war die Vergabe des Förderpreises

„Weingut Ritterhof“. Zwei Kapellen

hatten sich mit besonderen Projekten

beworben: die Musikkapelle Oberbozen mit

„Rock im Bruch“ und die Bürgerkapelle

Gries. Unter dem Motto „Manage frei“ verband

sie Musik mit Artistik, und das Publikum

war begeistert. „Es ist gelungen,

junge Talente über das Musikalische hinaus

zu fördern“, sagte Obmann Roland

Furgler. Damit überzeugte die Kapelle die

Jury und gewann den mit 2000 Euro dotierten

Förderpreis.

„Viele Kapellen führen Projekte durch,

aber nur wenige beteiligen sich am Wettbewerb“,

bedauerte Ludwig Kaneppele,

der Geschäftsführer des Weinguts. Künftig

wird der Förderpreis nur noch alle 2

Jahre vergeben – dafür aber mit höherem

Preisgeld und mehr prämierten Plätzen.

Branzolls Vizebürgermeisterin Margot

Pizzini dankte den Musikantinnen und Musikanten

für ihren Beitrag, den sie für die

Allgemeinheit in den Dörfern und Städten

leisten. Dem Dank schloss sich Pfattens Vizebürgermeister

Elmar Oberhofer an. Pfatten

hat keine Musikkapelle, kann aber immer

wieder auf die Branzoller Musikanten zählen.

Der Bezirk Bozen ist der mitgliederstärkste

Bezirk im Verband Südtiroler Musikkapellen.

Er reicht von Gröden und dem

Schlerngebiet über den Ritten, dem Sarntal

und dem Tschögglberg, bis nach Andrian

im Westen und Salurn im Süden.

Die 56 Kapellen zählen insgesamt 2935

Mitglieder: 1762 davon sind Männer und

1173 Frauen. Dies entspricht einem Frauenanteil

von 40 Prozent. „Der Anteil der

Frauen steigt zusehends; das ist erfreulich.

Es braucht aber auch junge Männer, die

zu den Kapellen kommen“, sagte Bezirksobmann

Stefan Sinn. Der Verband freue

sich über jedes neue Mitglied. Das Durchschnittsalter

der Musikanten liegt aktuell

bei 39 Jahren, jenes der Musikantinnen

hingegen bei 25 Jahren.

Marion Künig, Medienreferentin

des VSM-Bezirkes Bozen

Nr. 02 | April 2020 37


Aus Verband und Bezirken

Umfangreich, bunt,

qualitätsorientiert

72. Jahreshauptversammlung des VSM-Bezirks Bruneck

In einer Gedenkminute wurde zur Beginn der Bezirksversammlung im Vereinshaus

von St. Georgen der im vergangenen Jahr verstorbenen Musikkameraden gedacht.

Am vergangenen 1. Februar hat der Vorstand

des VSM-Bezirks Bruneck zusammen mit den

Vertretern aller (!) 54 Kapellen des Pustertales

im Vereinshaus von St. Georgen Rückschau

auf ein arbeitsintensives und erfolgreiches

Jahr gehalten.

Dazu konnte Bezirksobmann Hans Hilber

als Ehrengäste den Landtagsabgeordneten

Manfred Vallazza, seines Zeichens selbst

Tubist der Musikkapelle Wengen, Bezirksehrenobmann

Helmuth Pescolderung, Bezirksehrenmitglied

Sepp Oberschmied sowie

die Vertreter des Verbandsvorstandes

begrüßen. Gemeinsam mit Bezirksschriftführer

Hannes Zingerle ließ Hilber das Tätigkeitsjahr

in Wort und Bild Revue passieren.

Die Aus- und Weiterbildungskurse als

Ergänzung zum Angebot auf Verbandsebene

waren dabei ebenso ein Schwerpunkt wie

Bezirksstabführer Franz Plangger,

Bezirkskapellmeister Georg Kirchler und

Bezirksjugendleiter Matthias Kirchler (v.l.)

die bereits 14. Bezirksjungbläsertage. Der

finanzielle Aufwand für dieses wohl wichtige

Standbein der Jugendarbeit im Bezirk sei

als besonders attraktives und viel beachtetes

Angebot allemal gerechtfertigt, betonte

Hilber. Auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit

konnte mit den 3 Osttiroler

Musikbezirken durch die regelmäßigen

Freundschaftstreffen seit 1981 und das im

Jahr 2014 initiierte Projekt des gemeinsamen

Blasorchesters 40+ weitergeführt und auch

unter den Musikkapellen gefestigt werden.

VSM-Verbandsobmann Pepi Fauster gratulierte

zu dieser „umfangreichen, bunten

und stets qualitätsorientierten“ Tätigkeit.

Einen besonderen Dank richtete Hilber

an die Bezirksgemeinschaft Pustertal, die

Gemeindeverwaltungen des Tales und die

örtlichen Bankinstitute für die notwendige

Unterstützung. Er dankte auch allen

Verantwortlichen im Bezirk und

im Verband für die vorbildliche Zusammenarbeit

und wertvolle Unterstützung:

„Zusammenkunft ist

ein Anfang, Zusammenhalt ist ein

Fortschritt, Zusammenarbeit ist

der Erfolg!“

In ihren Kurzreferaten gaben

der Bezirkskapellmeister, der Bezirksjugendleiter

und der Bezirksstabführer

Franz Plangger wichtige

Impulse für die zukünftige Arbeit.

Bezirkskapellmeister Georg Kirchler lud die

Kapellen ein, sich vermehrt für die Lehrproben

der Dirigierschüler zur Verfügung

zu stellen. Es sei ein Geben und Nehmen,

ein fruchtbares Miteinander, von dem beide

profitieren: „Vielleicht ist gerade einer dieser

Jugendlichen euer Kapellmeister oder

eure Kapellmeisterin von morgen.“

Bezirksjugendleiter Matthias Kirchler

hob hervor, dass sich die Jugendarbeit in

der Kapelle nicht nur auf die Jugendleiter

beschränke, sondern den gesamten Vereinsvorstand

und die Kapelle in die Pflicht

rufe. Gerade die geänderten gesellschaftlichen

Rahmenbedingungen erforderten

von allen Beteiligten Kompromissbereitschaft

und auch ein Umdenken, denn die

Idealvorstellung einer vollzähligen Musikprobe

sei überholt. Dabei mahne er zur

Vorsicht, Einzelfälle nicht zu pauschalisieren,

sondern jeden Fall einzeln im Vorstand

zu besprechen, zu analysieren und

auch Verständnis dafür zu zeigen: „Wir

müssen diese Situationen thematisieren,

im Ausschuss, mit den Jugendlichen und

mit der Kapelle.“

Bezirksstabführer Franz Plangger sieht

die Musik in Bewegung manchmal als

Stiefkind. Daher ermutigte er die Kapellen

zu mehr Leidenschaft für die Marschauftritte

und auch mehr Vorbereitungszeit dafür

zu investieren. Das Um und Auf dafür

sei ein gut ausgebildeter Stabführer, unterstrich

er und rührte dementsprechend die

Werbetrommel für die anstehenden Ausbildungskurse

und das neue Leistungsabzeichen

für Stabführer.

Seit Jahrzehnten wird das bekannte

„Kameradenlied“ zum Abschied von verstorbenen

Musikanten gespielt. Der Liedtext

bezieht sich allerdings auf einen im

Kampf gefallenen Soldaten und hat nichts

mit einem Musikantenleben zu tun. Daher

wurde in letzter Zeit unter den Musikkapellen

der Wunsch nach einer musikalischen

Alternative laut. Diesem Wunsch komme

der Verband Südtiroler Musikkapellen (VSM)

nun nach, bestätigte Verbandskapellmeister

Meinhard Windisch bei der Bezirksversammlung

in St. Georgen. Der Komponist

Hannes Kerschbaumer wurde beauftragt,

ein neues Abschiedslied zu komponieren:

„Wir werden niemanden vorschreiben, was

er wann zu spielen hat, aber mit diesem

neuen Lied bieten wir jenen, die danach

suchen, eine Alternative.“

Stephan Niederegger, Medienreferent

des VSM-Bezirks Bruneck

38

KulturFenster


Blasmusik

Jahreshauptversammlung des

VSM-Bezirkes Sterzing

Mangel an Kapellmeistern und Stabführern ist großes Problem

Am 25. Jänner 2020 konnte der im Juni

2019 neugewählte Ausschuss unter Obmann

Daniel Ungerank die 13 Kapellen des

VSM Bezirk Sterzing, die Vertreter des Verbandsvorstandes

und einige Ehrengäste,

unter anderem Bürgermeister Sebastian

Helfer und den Präsidenten der Bezirksgemeinschaft

Wipptal, Karl Polig, zur alljährlichen

Hauptversammlung im Vereinshaus

von Ridnaun begrüßen. Eine Bläsergruppe

der Knappenkapelle Ridnaun gestaltete die

musikalische Umrahmung der Versammlung.

Haupthemen der Versammlung waren

der Kapellmeister- und Stabführermangel.

Bezirkskapellmeister Klaus Sailer hatte

deshalb bereits einen Stabführerkurs organisiert,

und er stellte zudem verschiedene

Möglichkeiten der Kapellmeisterausbildung

vor.

Die Bezirksjugendleiterinnen berichteten

von ihren durchgeführten Projekten, wobei

der Schwerpunkt auf den Jungbläsertagen

lag. Auch mit der Musikschule wird inten-

Ein Blechbläserquartett der Knappenkapelle Ridnaun sorgte bei der Versammlung für

„den guten Ton“.

siv zusammengearbeitet, um die Wartelisten

für die Jungmusikanten abzubauen.

Bürgermeister Sebastian Helfer unterstrich

in seiner Grußbotschaft die Wichtigkeit

des Ehrenamtes, und Karl Polig sicherte

seinerseits die weitere Unterstützung

der Bezirksgemeinschaft zu. Die Vertreter

des Verbandes Südtiroler Musikkapellen

VSM informierten über die Tätigkeiten

im Verband.

Markus Teissl, Schriftführer

des VSM-Bezirkes Sterzing

Bei der Jahreshauptversammlung des VSM-Bezirkes Sterzing – (v.l.) Verbandsobmann Pepi Fauster, Bezirksobmann Daniel

Ungerank, Bezirkskapellmeister Klaus Sailer, Bezirkskassier Markus Leitner, Bezirksschriftführer Markus Teissl, Bezirksjugendleiterinnen

Magdalena Keim und Annelies Gschließer

KulturFenster

Redaktion KulturFenster

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it

Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe des KulturFensters ist Freitag 15. Mai 2020.

Nr. 02 | April 2020 39


Aus Verband und Bezirken

Jung(le)schlern – die ultimative

Faschings-Musikparty

Das Jugendblasorchester des Schlerngebietes musiziert mit DJ Franco Vallone

Als musikalisches „Dschungelcamp“ der besonderen Art präsentierte sich das Jugendblasorchester „Jungschlern“ am heurigen

Faschingssamstag. (Fotos: Life-Style-Agency)

Am 22. Februar 2020 war es soweit: Gemeinsam

mit dem Dirigenten Samuel Vieider

und DJ Franco Vallone (alias DJ NG) luden

die rund 65 begeisterten Jungmusikantinnen

und Jungmusikanten des Jugendblasorchesters

„Jungschlern“ in das Kulturhaus von

Völs zu einem Konzert ganz besonderer wie

auch innovativer Art ein.

Jungschlern ist ein erfolgreiches Gemeinschaftsprojekt,

das eine ganze Generation

musikbegeisterter Jugendlicher

aus dem Schlerngebiet zusammenführt.

Bereits von Beginn an liegt das Ziel des

Jugenblaschorchesters darin, jungen Musikerinnen

und Musikern aus den fünf

Musikkapellen Kastelruth, Seis, Völs am

Fühlte sich beim Jung(le)schlern

augenscheinlich wohl: DJ NG Franco

Vallone (Foto: Life-Style-Agency)

Schlern, Völser Aicha und Tiers die Möglichkeit

zu geben, symphonische Blasorchesterliteratur

zusammen mit Gleichgesinnten

auf musikalisch hohem Niveau

zu erleben.

Nach den positiven Erfahrungen mit

den Projekten der vergangenen Jahre und

dem regen Zuschauerinteresse hat „Jungschlern“

dem Publikum auch dieses Mal ein

ganzheitliches Musikerlebnis geboten. Am

Faschingssamstag standen „Jungschlern“

und DJNG mit „Jung(le)schlern“ gemeinsam

mit DJ NG auf der Bühne und ließen

den Konzertsaal erbeben. Stimmungsvolle

Hits der 1970er Jahre bis heute lösten bei

den rund 500 Zuhörern heftige Tanzlaune

aus. Beim gemeinsamen Auftritt von Orchester

und DJ erhielten mehrere junge

Solisten die Möglichkeit, auf großer Bühne

ihr musikalisches Können anhand

bekannter Melodien unter

Beweis zu stellen.

Der bunte und stimmungsvolle

Abend stand unter dem Motto

„Dschungel“. Eifrig wurden bereits Tage

vor dem großen Auftritt das gesamte Kulturhaus

in Völs dem Thema entsprechend

dekoriert sowie passende Kostüme gebastelt.

Letztlich standen nicht nur die Musikantinnen

und Musikanten verkleidet auf

der Bühne, sondern auch die Zuschauer

fieberten in den schönsten Verkleidungen

mit. Die besten Einzel- und Gruppenkostüme

wurden mit tollen Preisen prämiert.

Das Organisationsteam des Jugendorchesters

Jungschlern bedankt sich herzlich bei

Georg Thaler für das musikalische Coaching,

den zahlreichen Sponsoren

für die finanzielle Unterstützung,

sowie den vielen

stillen Helfern, ohne deren

Unterstützung und

Einsatz ein solches Projekt

nicht stattfinden

könnte. Das gesamte Orchester

freut sich auf

eine gelungene Veranstaltung

zurückblicken

zu können: Jung(le)

schlern - ein Projekt voller

geselliger und musikalischer

Höhepunkte.

Sabrina Vieider

40

KulturFenster


Ans Dirigentenpult

„herangeschnuppert“

02.06.2020; 06.06.2020; Blasmusik

11.-18.07.2020

Leistungsabzeichen 2020

Prüfungstermine

www.vsm.bz.it/2020/03/15/

leistungsabzeichen-pruefungstermine-2020

Christian Laimer vermittelt 17 jungen Musikantinnen

und Musikanten erste Versuche mit dem Taktstock

Auf großes Interesse stieß ein vom Verband

Südtiroler Musikkapellen (VSM)

organisierter Nachmittag in Algund, bei

dem junge Musikantinnen und Musikanten

erste Erfahrungen am Dirigentenpult sammeln

konnten.

Dem VSM ist die Aus- und Weiterbildung

von Kapellmeisterinnen und Kapellmeistern

ein großes Anliegen. Im Probelokal

der Algunder Musikkapelle fand

daher am 1. Februar ein „Schnupperdirigieren“

statt, bei dem Christian Laimer,

Kapellmeister der Algunder Musikkapelle

und Direktor der Musikschule Lana/Ulten/

Deutschnonsberg, 17 jungen Musikantinnen

und Musikanten erste Einblicke in

die Arbeit eines Kapellmeisters gewährte.

Der Großteil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer

kam aus dem Burggrafenamt, aber

auch aus den VSM-Bezirken Vinschgau,

Bozen und Brixen hatten junge motivierte

Musikantinnen und Musikanten den Weg

nach Algund auf sich genommen.

Nach einem theoretischen Teil, bei

dem es um das Lesen einer Partitur und

die Vorbereitung einer Probe ging, hatten

einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer

auch die Gelegenheit, direkt ans Dirigentenpult

zu treten. Als Übungskapelle

stellte sich die Algunder Jugendkapelle zur

Verfügung; die Kursteilnehmer mischten

sich mit ihren Instrumenten darunter und

spielten mit. Der Referent Christian Laimer

gab ihnen ein direktes Feedback und

wertvolle Hinweise für die Probenarbeit.

Sehr zufrieden mit dem Verlauf war

auch der Kursleiter Daniel Götsch, Bezirksjugendleiter

im VSM-Bezirk Meran:

„Wir hoffen jetzt natürlich, dass sich von

diesen Teilnehmern möglichst viele für die

Kapellmeister-Ausbildung an unseren Musikschulen

anmelden. Kapellmeister sind

nach wie vor sehr gefragt.“

Text und Fotos:

Bernhard Christanell

Von den „Trockenübungen“, bei denen vor allem die theoretischen Grundlagen im

Mittelpunkt standen …

… ging es im praktischen Teil des „Schnupperdirigierens“ mit der Algunder

Jugendkapelle darum, wie sich die Theorie in die Praxis umsetzen lässt.

Nr. 02 | April 2020 41


Die Jugendseite

Der Anfang war „märchenhaft“

Die Algunder Jugendkapelle

Beim Sommercamp in Pfelders gibt es immer jede Menge Musik und Spaß.

Die Algunder Jugendkapelle wurde 2004

aus der Taufe gehoben und befand sich

zunächst knapp zehn Jahre lang unter

der musikalischen Leitung von Wolfgang

Schrötter. Mit der Aufführung des Märchenmusicals

„Freude" im Sommer 2005

und des Musicals „Franziskus" im Sommer

2007 haben die Algunder Nachwuchsmusikanten

Jung und Alt begeistert.

In den nächsten Jahren folgten zahlreiche

Erfolge bei Wettbewerben. Besonders

erfolgreich verlief das Jahr 2009:

In diesem Jahr holte die Jugendkapelle

beim Landesjugendkapellen-Wettbewerb

in Mühlbach sowie beim Internationalen

Jugendkapellen-Wettbewerb in Schladming

den Tagessieg, beim Österreichischen

Bundeswettbewerb siegte sie in

ihrer Altersklasse. Zeitweise gab es mit

der „Schlumpfnmusig“, der Jugendkapelle

und der „Algunder U21“ sogar drei

Jugendformationen im Dorf.

2013 übernahm Alexandra Brunner die

Leitung, nach zwei Jahren gab sie diese

an Hannes Schrötter weiter. Seit September

2018 steht Bernhard Christanell am

Dirigentenpult.

Für die 20 Mitglieder und Dirigent

Bernhard Christanell stehen mehrere

Fixpunkte, wie die Teilnahme am

Kinderfasching, die Umrahmung der Kinderchristmette

oder Auftritte vor Konzerten

der Algunder Musikkapelle auf dem Jahresprogramm.

Weiters tritt die Jugendkapelle

bei anderen Festen oder Feiertagen

in Algund oder den umliegenden

Dörfern auf, sodass mehrere Auftritte gut

auf das ganze Jahr verteilt sind und meistens

einmal in der Woche zusammen

geprobt wird. Ein Höhepunkt ist das alljährliche

Sommercamp, bei dem die Mitglieder

einige Tage gemeinsam auf dem

Berg verbringen.

Neben dem Musizieren stehen natürlich

auch der Spaß und das Miteinander

im Mittelpunkt. Natürlich wäre solch ein

Projekt ohne die freiwillige Mithilfe von

mehreren Mitgliedern der Musikkapelle

nicht denkbar.

Darüber hinaus versucht der Vorstand

der Musikkapelle um Jugendleiter Hannes

Schrötter jährlich ein Projekt zu organisieren,

um neue Jungmusikanten zu gewinnen.

Erst im Februar führten zwei Ensembles

und ein Sprecher aus den Reihen

der Musikkapelle in der Algunder Grundschule

eine Bearbeitung von C. Saint-Säens'

„Karneval der Tiere" auf.

Die Algunder Jugendkapelle in Zahlen:

Anzahl der Mitglieder: 20

davon 11 weiblich, 9 männlich

Jüngste(r): 10 Jahre

Älteste(r): 16 Jahre

Durchschnittsalter: 12,85 Jahre

Besetzung: 3 Flöten, 6 Klarinetten, 1

Saxophon, 4 Trompeten, 2 Euphonien,

1 Posaune, 3 Schlagzeuger

Der Kapellmeister

Bernhard Christanell

Beruf: Journalist

Ich komme aus: Algund

Ich spiele selbst: Querflöte

Erste Blasmusikerinnerung: Im ersten

Jahr bei der Musikkapelle kam nach der

Sommerpause mein Stimmkollege zu mir

und hat gesagt: „Bernhard, das ist eine

Piccolo-Flöte, die spielst du jetzt!" Dabei

ist es bei der Musikkapelle vorwiegend

geblieben, und es macht mir immer

noch viel Spaß .

42

KulturFenster


Blasmusik

Beim Herbstfest

in Marling spielte

die Algunder

Jugendkapelle unter

der Leitung von

Bernhard Christanell

bereits ebenso auf …

… wie beim Algunder Christkindlmarkt

„Die Zwei“ von der Jugendkapelle stellen sich vor

Miriam

Mein Name: Miriam Wellenzohn

Alter: 10

Ich spiele: Saxophon

Ich lerne dieses Instrument, weil: ich einmal mein Instrument gehört habe. Da

wusste ich gleich, das war mein Instrument, das ich spielen wollte. Mir gefiel alles

an ihm: die Töne, der Sound … einfach alles, und dann fing ich an, dieses Instrument

zu lernen.

In meiner Freizeit höre ich gerne: viele verschiedene Musikarten.

Was gefällt dir besonders an der JuKa? Dass mal verschiedene Instrumente zusammenspielen.

3 Dinge, die du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest: Mein Instrument, meine

Familie + Freunde (und unbedingt ein Buch)

Wenn ich einen Wunsch frei hätte … würde ich mir das wünschen: Mit meiner Familie

eine Reise nach Afrika zu machen und einmal ganz allein mit meinen Freunden

ohne Eltern wegzufahren und dort auch zu übernachten.

Sarah

Mein Name: Sarah Wellenzohn

Alter: 10

Ich spiele: Klarinette

Ich lerne dieses Instrument, weil: es mir Spaß macht und mir gefällt es auch sehr,

immer wieder neue Stücke zu spielen.

In meiner Freizeit höre ich gerne: Radiolieder

Was gefällt dir besonders an der JuKa? Dass man seinen Spaß hat und man lernt auch

was dazu. Wir spielen auch immer verschiedene Lieder und das finde ich super!

3 Dinge, die du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest: Mein Instrument, meine

Freunde und meine Familie (Blatt und Stift habe ich immer bei der Hand)

Wenn ich einen Wunsch frei hätte … würde ich mir das wünschen: Eine Reise nach

Afrika.

Nr. 02 | April 2020 43


11.-25.07.2020

Jungbläserwochen

2020

www.vsm.bz.it/2020/03/15/

jugendkurswochen-2020

Zur Person

Herzliche Gratulation

zu zweimal 60!

Bezirksobmänner Hans Hilber und Pepi Ploner

feiern runden Geburtstag

„Die Feste soll man feiern, wie sie fallen“,

weiß man. Heuer ist die Veranstaltung von

großen Feiern vorerst einmal nicht so gut

möglich, im kleineren Rahmen der Familie

aber sicher. Diesen guten Wünschen wollen

auch wir vom VSM uns anschließen und

den beiden Jubilaren zu ihrem runden Geburtstag

herzlich gratulieren.

Pepi Ploner feierte seinen 60er am 15.März.

Neben seinem Beruf bei der Eisenbahn war

er in den letzten mehr als vier Jahrzehnten in

verschiedenen

Bereichen ehrenamtlich

tätig.

Besondere

Verdienste hat

er sich im Blasmusikwesen

erworben.

46 Jahre lang

ist er aktives Mitglied

der Musikkapelle

Lüsen und

leitet als Obmann

schon 27 Jahre lang

ihre Geschicke. Weitere

drei Jahre war

er im Ausschuss vertreten.

Er ist Mitglied

der Böhmischen, in

verschiedenen Bläsergruppen

und im

Posaunenquartett.

Zusätzlich zu diesen

Aufträgen ist er nun 22

Jahre lang Mitglied des

VSM-Bezirksauschusses

Brixen und steht ihm

schon 19 Jahre lang ehrenamtlich

als dessen

Obmann vor. Zugleich

sitzt er als Bezirksobmann

auch im Vorstand der Landesleitung

des VSM.

Hans Hilber beging seinen runden Geburtstag

am 19. März, dem Josefi-Tag.

Mit viel Fleiß und Einsatz stellte auch er

sich jahrzehntelang neben seinem Beruf

als Grundschullehrer und Schulleiter für

viele ehrenamtliche Tätigkeiten im Dorf und

darüber hinaus zur Verfügung. Nun kann

er als frisch gebackener Pensionist seine

Zeit noch besser einteilen und sich auch

zwischendurch mehr freie Zeit nehmen.

Sehr viel an persönlichem Ein-

Hans

Hilber

Pepi

Ploner

satz schenkte er seit vielen Jahren dem

Blasmusikwesen. Seit der Gründung der

Musikkapelle Stegen im Jahre 1983 spielt

er Tenorhorn und war, mit einer kleinen

Unterbrechung, bis 2017 insgesamt 28

Jahre lang deren Obmann. Seit 1987 ist

er Mitglied des Bezirksvorstandes der Musikkapellen

des Pustertales, zuerst als Bezirkskassier

und als Bezirksschriftführer.

Seit 2007 hat er das Amt des Obmannes

des Bezirkes Bruneck im

Verband Südtiroler Musikkapellen

inne und ist somit

Vorstandsmitglied im VSM.

Der Vorstand des VSM gratuliert

den beiden junggebliebenen

Bezirksobmännern

sehr herzlich zum

60.Geburtstag und bedankt

sich ganz aufrichtig

für die verdienstvollen

Tätigkeiten als Obmänner

im eigenen Bezirk

wie auch als rührige

Vorstandsmitglieder

im VSM und lobt den

enormen Einsatz für

die Mitgliedskapellen.

Möge daneben noch

etwas Zeit für die Familie

und die persönlichen

Hobbys bleiben!

Viel Glück und

Segen für die weiteren

Jahrzehnte

und ganz besonders

Gesundheit

und Freude an der

Musik wünscht im

Namen aller Musikkameraden

Pepi Fauster,

Verbandsobmann

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KulturFenster


Ars Nova

Blasmusik

„Proludium“ –

füreinander spielen

Jakob Augschöll und die Faszination der

unendlichen Klangbilder des Blasorchesters

im Rahmen der Komponistenwerkstatt mit

Thomas Doss im Meraner Kursaal uraufgeführt.

Seine musikalischen Ideen fi ndet er

bei Gesprächen mit Freunden, aber auch

beim Lesen oder Autofahren. Dabei suche

er oft die klangliche Herausforderung, die

melodische und rhythmische Struktur stehe

immer an zweiter Stelle: „Ich selbst definiere

mich über akkordische Wendungen

und die Klangstruktur, weshalb mich das

Blasorchester in seinen scheinbar unendlichen

Klangbildern unglaublich fasziniert.“

Bisher waren es meist Auftragskompositionen,

denn – wie er sagt – komponiere

er nur dann gut und schnell, wenn es ein

Stichdatum gibt. Dabei sei er vor allem gefordert,

ein Werk als Ganzes zu schreiben.

Er arbeitet sehr oft in Fragmenten, wobei

der Schluss auch manchmal schon lange

vor dem Anfang auf dem Notenpapier steht.

Er ist am 7. September

1998 geboren, hat 2017

die Leitung der Musikkapelle

Antholz/Niedertal

übernommen, dirigiert

seit 2019 die Musikkapelle

St. Lorenzen und ist somit

derzeit einer der jüngsten

Kapellmeister Südtirols.

Die Rede ist von Jakob

Augschöll aus Luttach.

Er studiert am Konservatorium

Bozen Horn und macht

seit einigen Jahren auch als Komponist auf

sich aufmerksam.

„Musik gibt einem viel mehr als nur

den Moment, in welchem man sie hört.“

Oft merke man dies aber erst, wenn man

sich intensiver damit beschäftigt, erklärt er.

Daher wolle er sich nicht mit dem instrumentalen

Musizieren begnügen, sondern

als Kapellmeister aktiv Musik gestalten und

als Komponist neue Musik schaffen: „Musik

kommt von Menschen für Menschen,

in ihr steckt (fast) immer der Charakter

oder eine Lebenserfahrung

des Komponisten.

Das ist es,

was gute Musik ausmacht“,

ist er überzeugt.

Für ihn verbinde

Musik immer

Menschen miteinander.

Ihn begeistert

das Miteinander in

einer Musikkapelle

oder in einem Blasorchester

- die konzentrierte Energie,

wenn alle im selben Moment das Gleiche

erleben, Musik machen.

Er ist überzeugter „Alleshörer“, von

Bruckner bis Queen, über Schönberg bis Lukas

Graham. Je vielfältiger die Musik ist, die

man hört, desto besser verstehe man ihre

Hintergründe und die Richtungen: „Auch

wenn einem ein Werk auf Anhieb gut oder

nicht gefällt, spätestens nach dem zwölften

Mal ist jedes Stück entweder interessant

oder eben uninteressant.“ Sein erstes

Werk für großes Blasorchester wurde 2017

PROLUDIUM

Jakob Augschöll

Proludium

Pro (für-einander) ludere (spielen)

Eine seiner jüngsten Kompositionen ist die

Ouvertüre „Proludium“. Diese ist ebenso als

Auftragskomposition im Herbst 2019 entstanden,

und zwar für das heurige 70-Jahr-

Jubiläum der Musikkapelle Hafling. In diesem

Werk geht es darum, miteinander ein

Stück zu proben und zu präsentieren. Dies

spiegelt sich in der abwechslungsreichen

Orchestrierung wider. Am Beginn steht eine

Fanfare in verschiedenen Dreiachteltakten

- angelehnt an die Reitermotivik, da Hafling

vor allem für die Haflingerpferde bekannt

ist. Es ist dies auch das einzig programmatische

Motiv des Stückes, das in

ein aufregendes Thema überleitet. Im darauf

folgenden zweiten, langsamen Teil

und im schwungvollen Schluss wird dieses

Thema immer wieder verarbeitet. Verschiedene

solistische Einwürfe und Soli der

einzelnen Register geben jedem Musiker

eine wichtige und unersetzbare Rolle. Einige

wenige Stellen geben dem ansonsten

heiteren Stück einen ernsteren Charakter,

vor allem durch die Tonartwechsel und das

drängende Motiv in den Pauken. Das „Proludium“

sollte ursprünglich im April 2020

uraufgeführt werden. Wegen der mittlerweile

bekannten Corona-Vorsorgemaßnahmen

muss die Erstaufführung auf den

Herbst oder sogar auf das Frühjahr 2021

verschoben werden.

Stephan Niederegger

Nr. 02 | April 2020 45


Musikpanorama

Vizebürgermeister Josef Pichler, Adolf Augscheller, Andreas Augscheller,

VSM-Obmannstellvertreter Christian Schwarz, Anton Augscheller (v.l.)

•Musikpanorama

Jahreshauptversammlung der Musikkapelle Walten

Rückblick auf ein aktives Jahr 2029 – Ehrung für Obmann Andreas Augscheller

Bei der Jahreshauptversammlung am

31. Jänner 2020 konnte die Musikkapelle

Walten auf ein sehr erfolgreiches

Jahr zurückblicken. Im Jahr 2019 hatte

die Musikkapelle Walten insgesamt 50

Ausrückungen. Neben den 10 Konzerten

umrahmte die Musikkapelle unter anderem

14-mal kirchliche Feiern und trat zu

6 Ausrückungen in Marschformation an.

Den Glanzpunkt des Jahres bildet jährlich

das gut besuchte Pfingstkonzert. Einen

wichtigen Bestandteil der Jahrestätigkeit

bilden die zahlreichen Voll-, Teil- und

Marschproben.

Bis zum Pfingstkonzert 2020 leitet Christian

Gamper die Musikkapelle als Kapellmeister;

danach wird Adolf Augscheller

wieder das Dirigentenamt übernehmen.

Die Musikkapelle Walten zählt zurzeit 48

aktive Mitglieder. Bemerkenswert sind

die insgesamt 9 Jungmusikanten, welche

gerade dabei sind, ein Instrument

zu erlernen.

Für die 40-jährige Treue zur Musikkapelle

Walten wurde beim diesjährigen

Kameradschaftsabend Obmann Andreas

Augscheller durch VSM-Obmannstellvertreter

Christian Schwarz mit dem Ehrenzeichen

in Gold des VSM geehrt. Er kam

mit 12 Jahren als Flügelhornist zur Musikkapelle

und ist zudem seit 29 Jahren

als Obmann im Amt.

In den Grußworten von Bürgermeister Konrad

Pfitscher, Vizebürgermeister Josef Pichler

und Kulturreferentin Elisabeth Ploner

Wohlfarter wurden die Leistungen der

Kapelle gelobt und dem Kapellmeister viel

Freude und gutes Gelingen gewünscht.

MK Walten

46

KulturFenster


Die Musikkapelle Auer wählt

neuen Ausschuss

Blasmusik

20.01. - 28.12.2020

VSM-Motiviert und fit?

Funktionärsausbildung

2020 (NFA)

www.vsm.bz.it

Thomas Rech ist Nachfolger von Obmann Manfred Abram

Der neue Ausschuss der MK Auer: (v. l.) Franz Kaufmann, Siegmund Bonell, Jasmine Oberrauch, Thomas Amplatz, Cindy

Oberrauch, Manfred Micheletti, Thomas Rech, Andreas Falser, Arnold Laimgruber (Kapellmeister), Florian Pircher, Werner Kröss,

Simon Kaufmann, Filipp Zwerger

Am 7. Februar hielt die Musikkapelle Auer

ihre alljährliche Jahreshauptversammlung

ab. Dabei wurde auf das vergangene Musikjahr

2019 zurückgeblickt und ein neuer

Vorstand gewählt.

Mit insgesamt 17 Auftritten der gesamten

Musikkapelle, 4 Auftritten der Jugendkapelle

und 9 Auftritten in kleinen Gruppen

sowie der Mitwirkung beim Altmauerfest und

der Ausrichtung des traditionellen Musikfestes,

war das Jahr 2019 ein sehr intensives

Musikjahr. Ein besonderes Highlight

in diesem Jahr war die Teilnahme beim

Konzertwertungsspiel des VSM im Mai, bei

dem die Musikkapelle Auer unter der Leitung

von Kapellmeister Arnold Leimgruber

mit 92,33 Punkten ein großartiges Ergebnis

erzielen konnte.

Im Anschluss an die Berichte der Ausschussmitglieder

standen die Neuwahlen

des Vorstands auf der Tagesordnung.

Nachdem Manfred Abram nach 12 Jahren

das Amt des Obmannes niederlegte,

wurde Thomas Rech als Nachfolger gewählt.

Als sein Stellvertreter wurde Werner

Kröss namhaft gemacht.

Während das Mandat für Jugendleiter Thomas

Amplatz, Zeugwart Siegmund Bonell

und Archivar Manfred Micheletti verlängert

wurde, kamen Cindy Oberrauch als Schriftführerin,

Filipp Zwerger als Kassier und Jasmine

Oberrauch als Medienreferentin neu in

ihr Amt. Andreas Falser, Franz Kaufmann,

Simon Kaufmann und Florian Pircher arbeiten

als Beiräte im neuen Ausschuss mit.

Im Rahmen der Vollversammlung wurde

den beiden Marketenderinnen Astrid Anhof

und Barbara Raich für ihre langjährige

Tätigkeit gedankt.

MK Auer – Jasmine Oberrauch

Ein Dankeschön für die langjährige Tätigkeit: (v. l.) Thomas Rech (der neue Obmann

der MK Auer), Barbara Raich, Astrid Anhof, Manfred Abram (ehemaliger Obmann).

Nr. 02 | April 2020 47


Danke

Danke an alle Rettungskräfte

Danke an alle Pflegekräfte

Danke an alle, die im Supermarkt arbeiten.

Danke an alle Polizisten

Danke an alle Ärzte

Danke an alle Menschen,

die durch ihre Arbeit dem Coronavirus ausgesetzt sind,

aber trotzdem weitermachen!

Ohne euch ginge es nicht!

Impressum

Mitteilungsblatt des Verbandes Südtiroler

Musikkapellen, des Südtiroler Chorverbandes

und des Heimapflegeverbandes Südtirol

Eigentümer und Herausgeber:

Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen

Ermächtigung Landesgericht Bozen

Nr. 27/1948

Schriftleiter und im Sinne des Pressegesetzes

verantwortlich:

Dr. Alfons Gruber

Als Pressereferenten für die Darstellung der

entsprechenden Verbandsarbeit zuständig:

VSM: Stephan Niederegger,

E-Mail: kulturfenster@vsm.bz.it

SCV: Paul Bertagnolli,

E-Mail: info@scv.bz.it

HPV: Florian Trojer,

E-Mail: florian@hpv.bz.it

Unverlangt eingesandte Bilder und Texte

werden nicht zurückerstattet.

Redaktion und Verwaltung:

Verband Südtiroler Musikkapellen,

I-39100 Bozen, Schlernstraße 1, Waltherhaus

Tel. 0471 976387 - Fax 0471 976347

E-Mail: info@vsm.bz.it

Einzahlungen sind zu richten an:

Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen,

Waltherhaus

Raiffeisen-Landesbank, BZ

IBAN: IT 60S03493 11600 0003000 11771

SWIFT-BIC: RZSBIT2B

Jahresbezugspreis: Euro 20

Gefördert von der Kulturabteilung

der Südtiroler Landesregierung.

Druck: Ferrari-Auer, Bozen

Das Blatt erscheint als Zweimonatszeitschrift,

und zwar jeweils am 15. Februar, April, Juni,

August, Oktober und Dezember.

Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen

Vormonats.

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