Brasilien_01-2009

gerhard.hochl

12.01.2009

bis

03.02.2009

BRASILIEN

© gerhard.hochl@gmx.at

Layout und Bilder von Gerhard Hochl

1


Die perfekte Zusammenstellung

der Reise

erfolgte durch Gusti

Glanzer von Amigo-Tour

in Graz.

Über Paris flogen wir

nach Rio de Janeiro.

Nach fast 20 Stunden

Reisezeit wurden wir

mit dem Taxi zum Hotel

ganz in der

Nähe der

berühmten

Copacabana

gebracht.

Die Fertigstellung der Statue war

für die Feier zur 100-jährigen

Unabhängigkeit von Portugal geplant.

Geldmangel verzögerte die

Fertigstellung um 6 Jahre.

Laufend umkreisen Hubschrauber

den Berg und der Besucherandrang

war so stark, dass ein

Foto ohne Menschenansammlung

kaum möglich war.

Die Spannweite der Arme beträgt

28m und das Gesamtgewicht

mehr als 1100 Tonnen. Das

Stahlbetonskelett ist mit Speckstein

überzogen. Die talkhältige

Außenhaut erfordert einen hohen

Pflegeaufwand und im inneren ist

das Bauwerk für das Wartungspersonal

bis zum Kopf begehbar.

Am nächsten Morgen holte uns die perfekt deutsch sprechende

Reiseführerin Katrin vom Hotel ab und begleitete uns zum ersten

Highlight.

Die Blickrichtung ist dem Zuckerhut

zugewandt und der Berg ist

vom Tijuca-Nationalpark umgeben.

Im 8m hohen Sockel ist auch eine

kleine Kapelle untergebracht. Sie

ist der „Lieben Frau von Aparecida“

geweiht und wird regelmäßig

von vielen Pilgern besucht.

Mit der Trem do Corcovado fuhren wir den 710m hohen Berg hinauf.

Über einige Stufen und zwei Rolltreppen erreichten wir die berühmte

Statue Cristo Redentor (Christus der Erlöser). Das 30m hohe Monument

wurde 1931 errichtet und 2006 zum Wahlfahrtsort ernannt.

2 3



Das Maracana Stadion war bei seiner Fertigstellung

im Jahr 1950 das größte Fußballstadion der Welt. Es

fasste 200 000 Zuschauer. Durch die Umwandlung der

Stehplätze in Sitzplätze und durch die Einhaltung der

FIFA Sicherheitsrichtlinien finden heute rund 75.000

sportbegeisterte Fußballfans Platz.

Der Zuckerhut ist knapp 400m hoch.

Die Hülle des Gneis-Gesteins ist im

Laufe der Jahrmillionen durch das

feucht-warme Klima abgeplattet und

glatt geworden. Der Name rührt von

der einem Zuckerhut ähnlichen Form.

Seit 1913 ist der Gipfel durch eine

zweistufige Seilbahn erschlossen.

Die Schuhnummer von Pele ist zwar nur Größe 42 und

auch seine Körpergröße mit 1,73m auch nicht überragend,

aber seine fußballerischen Leistungen sind

meiner Ansicht nach, bisher unerreicht. Bei vier Weltmeisterschaften

insgesamt 12 Tore zu schießen, in der

Brasilianischen Nationalmannschaft 77 Mal zu jubeln

und in 18 Jahren bei seinem Stammverein 619 Mal in

das gegnerische Tor zu treffen ist ein Denkmal wert.

Der Zuckerhut gilt neben der Christusstatue

als Wahrzeichen von Rio. Der

imposante Ausblick von der Aussichtsplattform

lässt die lange Wartezeit

bei den Stationen der Seilbahn sehr

schnell vergessen.

Übrigens ist die Erstbesteigung der

steilen Seite einer österreichischen

Seilschaft im Jahr 1972 gelungen.

Die anschließende Besichtigung der

Stadt beschränkte sich auf sichere

Stadtbezirke, wie das Maracana-Stadion

oder die neue Kathedrale.

Die neue Kathedrale von Rio wurde 1979 fertiggestellt.

Der ungewöhnliche Eindruck des Gotteshauses, dessen

Stil an die Maya Pyramiden in Mexiko erinnert, war

anfangs sehr umstritten. Der Innendurchmesser beträgt

96m und die „Catedral Metropolitana“ fasst 20.000 stehende

Gläubige. Die vier Fenster ragen über 60m in die

Höhe und vereinigen sich am Plafond zu einem gläsernen

Kreuz.

Im Untergeschoss wurde ein Museum für sakrale Kunst

eingerichtet. Taufbecken, Statuen und Bilder aus der portugiesischen

Kolonialzeit sind zu besichtigen.

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Am Abend hatten wir die Gelegenheit eine Samba Show zu sehen. Bunte Kostüme, professionelle Tänzer und Tänzerinnen,

hübsche heißblütige Körper machten den Abend zu einem besonderen Erlebnis.

Der Kampftanz „Capoeira“ wurde während der Kolonialzeit von den Sklaven praktiziert. Die beiden Darsteller zeigen

tolle Akrobatik gepaart mit traditionellen Figuren und begleitet von Musik und Liedern, die noch aus der Sklaverei stammen.

Richtige Kämpfe waren damals verboten, so wurden unter dem Deckmantel des Tanzes die Kräfte gemessen.

In der heutigen Form

entstand der Samba

um 1920. Bald darauf

wurden die ersten Samba-Schulen

gegründet

die bis heute einen Wettkampf

um die beste Darbietung

veranstalten.

Zurzeit gibt es 44 Schulen

in Rio, die bei den

Karnevalsumzügen teilnehmen.

Die Gewinner

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erhalten wertvolle Preise.

7



Iguazú-Wasserfälle

Nach etwas mehr als 2 Stunden Flugzeit landeten wir in Foz do Iguacu. Der Ort ist der Ausgangspunkt für die Besichtigung

der Wasserfälle. Über eine Länge von 2,7km reihen sich hunderte Kaskaden aneinander und im Zentrum

ergießt sich das Wasser im Teufels-Schlund mehr als 80m in die Tiefe.

Im Jahr 1939 wurde der Nationalpark Foz Iguacu gegründet, der sich über die Staatsgebiete Brasilien, Argentinien

und Paraguay erstreckt. Der größere Teil der Wasserfälle befindet sich in Argentinien. Eine kleine Eisenbahn führt

durch den Dschungel zu den spektakulärsten Plätzen und zu imposanten Aussichtspunkten.

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Die Endstation des Zuges ist

wenige Schritte vom tosenden

Teufels-Schlund entfernt.

Das Geräusch der stürzenden

Wassermassen,

die Feuchtigkeit

der Wassertropfen

im Gesicht und das

Farbenspiel des Regenbogens

bleiben

immer in lebendiger

Erinnerung.

Ein Tag voller Erlebnisse

und imposanter Eindrücke

endete erst spät

am Abend.

Wie bereits erwähnt entfällt das größere

Stück der Wasserfälle auf Argentinien.

Von der Brasilianischen

Seite bekommt man einen besseren

Gesamteindruck, während die

Besucher auf der Argentinischen

Seite näher an die Kaskaden herankommen.

Bei uns hatte der Teufelsschlund

(Garganta del Diablo) den

nachhaltigsten Eindruck hinterlassen.

Aus diesem Grund, sollte man

sich diesen Anblick bis zum Schluss

aufheben.

Über ein System von Holzstegen gelangt

man zu einem Kessel, in den

gewaltige Wassermassen 90 Meter

in die Tiefe hinabgeschleudert werden.

Man steht dicht über diesem

Abgrund - die Aussicht ist hypnotisierend

- das Donnern im Ohr - riesige

Regenbögen vor Augen - alles

durchnässender Dunst - ein urgewaltiges

Schauspiel.

Die brasilianische Seite der Wasserfälle

ist in ihrem Gesamtbild imposanter.

Man hat von hier einen

Blick auf den schäumenden unteren

Rio lguacu und hinauf zur herabstürzenden

800 Meter breiten Wasserfall-Front.

Der brasilianische Park

rundherum ist 1850 Quadratkilometer

groß.

Die beste Zeit, sich die Fälle anzusehen,

ist von August bis Jänner. Von

Mai bis Juli sind sie durch ihr Hochwasser

zwar gewaltiger, aber die Besucher

können sehr häufig die Holzstege

nicht benützen und kommen

nicht nahe genug zu den Fällen.

Das Urwaldgebiet rund

um die Fälle, insgesamt

250.000 Hektar, zählt

zu den schönsten tropischen

Regenwäldern,

und ist eine der größten

Waldreserven Südamerikas.

Der Parque Nacional

de lguacu wurde

bereits 1939 unter Naturschutz

gestellt.

Im Jahre 1986 wurde

das Gebiet von der

UNESCO - zusammen

mit dem Pantanal - zum

„Heritage of Mankind“

erklärt.

Das einzigartige Naturschauspiel

wird jährlich

von über 1,5 Millionen

Besuchern aus aller

Welt bewundert.

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Vor dem Besuch der Wasserfälle auf der brasilianischen

Seite bot sich ein privat geführter Vogelpark zur Besichtigung

an. In der Nähe des Hubschrauberlandeplatzes erstreckt

sich das Areal auf einer Fläche von 160.000 m² bis

an das Ufer des Iguacu.

Der Park beherbergt nicht nur

Vögel aus allen Regionen, sondern

auch Reptilien, Schmetterlinge

in einem eigenen

Schmetterlingspark, und einheimische

Säugetiere.

Bei dem in der freien Natur sehr

häufig auftretenden Nasenbär

ist Vorsicht geboten.

Die zutraulichen Tiere stürzen

sich ohne Scheu auf alles Essbare

oder was sie dafür halten.

Ihre

scharfen

Krallen

hinterlassen

unangenehme

Spuren.

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Nach der netten Verabschiedung beim E-Werk ging es noch

zu der zweistündigen Rafain-Churrascaria-Show mit all-youcan-eat-Buffet.

Es wurden neben einer Feuershow, Tango aus

Argentinien, traditionelle Lieder aus Mexiko, Musik aus den

Anden und Samba aus Brasilien dargeboten.

Während unseres 3 tägigen Aufenthaltes wurden wir von dem

ortsansässigen Reiseunternehmen PLUS ULTRA TURISMO

betreut. Der Sohn des deutschstämmigen Eigentümers brachte

uns diesen Abend zu einer Führung hinter die Kulissen des

Wasserkraftwerkes. Wir erfuhren, wie mit den schwankenden

Wasserständen des Itaipus, wie die Einheimischen den Fluss

nennen, Strom erzeugt wird. Die Anlage ist die Zweitgrößte

dieser Art auf unserer Erde. Im Museum erfuhren wird die

Geschichte des Bauwerkes und wie mit der Natur sorgsam

umgegangen wurde. Mit einer Höhe von 200m und einer Ausdehnung

von 8km ist der Staudamm riesig. Sieben Jahre lang

wurde gebaut und die Eröffnung war 1982. 30.000 Arbeiter

waren beschäftigt und die Baukosten betrugen 18 Milliarden

Dollar. Jede Sekunde fließen durchschnittlich sechs Millionen Liter Wasser durch die Turbinen. Die Jahresleistung

des Kraftwerkes liegt bei 103 Terawatt/h, das entspricht dem Stromverbrauch von ganz Österreich in 2 Jahren.

Abschließend gab es noch eine Rundfahrt mit dem Bus und eine Lasershow an der Staumauer.

Der Churrasco-Grill ist eine Brasilianische

Spezialität. Vor allem

Rindfleisch, aber auch Huhn, Lamm oder Ente werden mit offenem

Feuer zubereitet. Die langen Spieße werden regelmäßig

gedreht und das Fleisch wird direkt vom Spieß auf das

Teller des Gastes geschnitten.

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Über Sao Paulo flogen wir am 19.Jänner nach

Cuiaba im nördlichen Teil des Pantanals. Hier

begann unsere Tour durch das größte Binnenland-Feuchtgebiet

der Erde. Traudi war unsere

deutschsprachige Reiseführerin. Ihre Mutter

war vor langer Zeit aus Deutschland eingewandert.

Inklusive Chauffeur waren wir nur 4

Personen unterwegs, das war sehr angenehm

und Traudi konnte uns mit ihrem umfangreichen

Wissen verblüffen und begeistern.

Die Transpantaneira ist der Eingang in das

Pantanal. Eine aufgeschüttete Straße, die

145 Kilometer durch das Gebiet führt. Durch

unzählige Schlaglöcher und über größere und

kleinere Holzbrücken, die oftmals in einem

abenteuerlichen Zustand waren, ging es über

den staubigen „Highway“ zur ersten Pousada.

Der Río Paraguay hat auf seinem 600 Kilometer langen Weg durch die Tiefebene des Pantanal nur ein Gefälle von

30 Metern. Deshalb kann das Wasser, das aufgrund der Niederschläge im nördlichen Hochland über zahlreiche

Flüsse in das Becken abfließt, das Gebiet nur sehr langsam wieder Richtung Süden verlassen. So werden einmal im

Jahr, während der Regenzeit von November bis März, weite Teile der Tiefebene überschwemmt und zwei Drittel des

Gebietes stehen teilweise metertief unter Wasser. So entsteht ein komplexes System aus Savannen, riesigen überschwemmten

Wasserflächen, Trockenwäldern und dschungelartigen Dickichten entlang der Gewässer, ebenso wie

ein Mosaik aus Flüssen, Seen und seichten Lagunen, deren Ausdehnung und Größe vom jährlichen Wechselzyklus

von Regen- und Trockenzeit bestimmt werden. Während der Regenzeit zieht sich das Vieh – aber auch die wilden

Tiere – in die Trockenwälder und auf die Uferdämme der Flüsse zurück, die jeweils durch Sedimentablagerungen

entstanden und entstehen. (Wikipedia)

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Viele Vögel aus der Familie

der Reiher ernähren sich

hauptsächlich vom Fischfang.

Anschließend nutzen sie die

Sonnenstrahlen um das Gefieder

zu trocknen.

Hyazinth-Aras werden rund

einen Meter groß und bis zu

1,7kg schwer. Sie zählen zu

den größten Papageienarten

und leben sehr gesellig in

kleinen Familienverbänden.

Der Grünfischer gehört zur

Familie der Eisvögel und

kommt nur in Südamerika vor

und jagt von einem tiefstehenden

Ast aus Fische und

im Wasser lebende Insekten.

Eisvogel

Marmorreiher

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Die Mitarbeiter der einzelnen

Pousadas zeigen ihren

Gästen die Schönheiten

und die Tierwelt der zu

den Anwesen gehörenden

Naturreservate. Hoch zu

Ross, mit dem Boot oder

auch während einer Wanderung

taucht man in die

Ruhe der brasilianischen

Gelassenheit tief ein.

Pousadas sind hier im

Pantanal landwirtschaftliche

Betriebe, die zusätzlich

eine familiär geführte Beherbergung

mit Frühstück

und Abendbuffet betreiben,

meist inklusive Swimmingpool

und Clubräumen.

Die Piranha

sind die häufigsten

Fische

in den Gewässern

des Pantanal.

Sie kommen

praktisch

überall vor, wo

die Gewässer

tiefer sind.

Ein Fischotter machte uns den Fang streitig. Als dieser

satt war und davon schwamm, wurde von den

Boys auf dem Boot die gefangenen Fische auf kleine

Holzstücke gebunden und ins Wasser gelegt. Es dauerte

nur Minuten und die leichte Beute wurde von einem

Fischbussardpärchen aus dem Wasser gefischt

und in das Nest zu ihren Jungen gebracht.

Fischbussard

Wir blieben zwei Nächte im

Landgut Piuval und am dritten

Tag ging es ein Stück

der Transpantaneira entlang

und dann auf einer holprigen

Zufahrtsstraße zur Pousada

Canto do Arancuä.

Diese Lodge wurde erst wenige

Jahre vor unserer Anwesenheit

eröffnet und verfügt

über 22 großzügige Zimmer.

Wir konnten eine schöne Reittour

und einen traumhaften

Paddelboot-Ausflug machen.

Wir waren vom Wissen von

Traudi über die Tiere begeistert.

Alleine von den unterschiedlichen

Vogelstimmen

erkannte sie sofort die einzelnen

Arten und zeigte uns die

oft versteckten Exoten.

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Auf der Paddelroute am nächsten Morgen wurden wir mehr als Entschädigt.

Die zur Familie der Alligatoren gehörenden Jacare-Kaimane

auch Brillenkaiman genannt, bewohnen das Sumpf- und Überschwemmungsgebiet

in großer Anzahl. Tagsüber liegen sie faul an

den Uferböschungen in der Sonne und erst in der Dunkelheit werden

sie jagdaktiv. Das Verbreitungsgebiet der bis zu 2,5m langen Echse

reicht vom Pantanal über den Amazonas bis nach Mittelamerika.

Auf dem weitläufigen Gelände werden Rinder gezüchtet.

Ackerbau ist auf Grund des unterschiedlichen

Grundwasserspiegels der sich zweimal im Jahr sehr

stark ändert, nicht möglich.

Die Buschlandschaft ist von riesigen Termiten-Pyramiden

regelrecht durchwachsen. Campen in der freien

Natur ist daher nicht gerade zu empfehlen aber die Belästigung

durch Insekten hielt sich in Grenzen.

Bei der Abendwanderung trugen wir eine dicke Schicht

brasilianisches Anti-Gelsen-Fluid auf die bloßen Hautteile

auf und dann hatten wir Ruhe. Offensichtlich verscheuchten

24 wir aber auch die größeren Wildtiere.

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Bei den Webervögeln bauen die

leuchtend bunt gefärbten Männchen

die kunstvollen Hängenester

mit langen, zugfesten und

biegsamen Pflanzenfasern,

die um einen Zweig gewickelt

werden. Danach

werden die gesammelten

Grashalme verknüpft.

Während der Vogel den

Halm festhält, verknüpft er

das Ende des Halmes mit

seinem Schnabel.

Mit den Nestern, die vor der Balz

angelegt werden, versuchen die

Männchen die einfacher gefärbten

Weibchen zu gewinnen.

Wenn ein Nest von einem Weibchen

angenommen wird, sorgt es

für den inneren Ausbau.

Neugierige Kapuziner-Affen beobachten unsere kleine Karawane durch

den Regenwald, der sich im Bereich der Flussufer und Seen ausdehnt.

Bei den schwarzen Brüllaffen sind die Weibchen blond.

Über 400 Vogelarten sind im Gebiet des Pantanals verbreitet.

Einen Teil davon haben wir, dank unserer Begleiter zu

Gesicht bzw. vor die Kamera bekommen.

26 27



Am 23. Jänner flogen wir mit einer Zwischenlandung

in der Retorten-Hauptstadt Brasilia

nach Salvador de Bahia. Die eineinhalb Stunden

Verspätung bei der Ankunft darf man nicht

so tragisch sehen. Der Taxifahrer mit unserem

Namensschild nahm die Wartezeit auch

gelassen und brachte uns mit brasilianischem

Fahrstil lange nach Mitternacht in

unser Hotel.

Das Hotel liegt direkt an einem der zahlreichen Badestrände von Salvador,

daher war der Pool nicht gerade einladend. Die zentrale Lage

erlaubte es die Sehenswürdigkeiten zu Fuß bzw. mit dem öffentlichen

Bussen zu erreichen.

Der Saft des Zuckerrohrs wird frisch gepresst und mit

Eis verkauft. Wir konnten dem Genuss widerstehen.

Der Leuchtturm Farol da Barra ist der älteste Leuchtturm

Südamerikas. Vom dazugehörigen Fort aus wurde

die Einfahrt in die Meerenge Ponta de Santo Antonio

bewacht. Ein nautisches Museum mit Schiffsmodellen, Navigationsgeräten,

maritimen Bildern und einer antiken Waffensammlung ist im Inneren

des Gebäudes untergebracht.

Bei klarem Wetter kann der Sonnenuntergang mit dem schon etwas

kitschig wirkenden Versinken der Sonne im Meer von hier aus beobachtet

werden.

Salvador de Bahia ist mit ca. 2,6 Millionen Einwohnern die drittgrößte

Stadt Brasiliens. Bis 1763 war hier die Hauptstadt und noch heute

zeugt die Altstadt von der Architektur der portugiesischen Kolonialzeit.

Zum Unterschied zu den beiden größeren Städten Rio und Sao

Paulo gibt es hier noch eine ausgeprägte afrobrasilianische Kultur

und Religion. Die tropische Küste erlaubt eine ganzjährige Badesaison

und wirtschaftlich wird die Gegend durch eine Erdöl- und Zuckerraffinerie

28 sowie Baumwoll- Tabak- und Kakaoverarbeitung gestützt.

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Nach dem Sonnenuntergang machten wir zufällig

noch eine Runde durch die Altstadt und zu unserer

Begeisterung gab es an diesem Abend eine

Lasershow. Das Drehbuch dieser Darbietung erzählte

die Entstehung und die ältere Geschichte

von Salvador. Die ersten portugiesischen Seefahrer

landeten hier im Jahr 1501.

Vom ersten Stock dieses „Ateliers“

durfte ich die Lasershow

fotografieren. Das Bild kaufte ich

als Dankbarkeit. Es hat jetzt einen

Ehrenplatz in unserer Diele.

Die Portugiesen gründeten die

Stadt, befestigten den Hafen und

die Oberstadt - heutige Altstadt und

drängten die Einheimischen in das

Hinterland.

Pelourinho wird das Zentrum des UN-

ESCO Weltkulturerbes genannt. Hier

war auch der Ort an dem der Sklavenmarkt

abgehalten wurde. Heute

werden die mit Kopfsteinen gepflasterten

Plätze und engen Gassen von

kleinen Läden, Kirchen, Cafés und

barocken Hausfassaden gesäumt.

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Weltberühmt ist die Igreja de São Francisco, die

mit vergoldeten Holzschnitzereien verziert ist.

Der Baubeginn der Franziskanerkirche mit angeschlossenen

Kloster war 1686 und die endgültige

Fertigstellung erfolgte 1797. Teile der Kirche wurden

schon vor Fertigstellung geweiht und benützt.

Der gesamte Innenraum ist mit vergoldeten

Schnitzereien auf weißem Grund verziert. Diese

Technik ist typisch für portugiesische Kirchenausstattungen

und findet sich im Barock in vielen Kirchen

mit portugiesischem Einfluss. Der Stil wurde

Talha dourada genannt. Meines Wissens nach

gibt es das nirgends so prunkvoll wie hier.

Schätzungen haben ergeben, dass eine Tonne

Gold für die Vergoldung verwendet wurde.

Die Wallfahrtskirche

„Igreja de

Nosso Senhor do

Bonfim“ liegt in der

Unterstadt.

Auf der Decke im Nebenraum

der Kirche

sind Wachsnachbildungen von

geheilten Körperteilen als Votivgaben aufgehängt.

Rund um die Kirche kann man bei Straßenhändlern

47cm lange „Bänder von Senhor do Bonfin“ kaufen. Richtig geknotet sollen Wünsche in Erfüllung gehen.

Mit dem Elevador Lacerda,

einem Schnellaufzug fuhren

wir von der Oberstadt in die

Unterstadt in die Nähe des

Mercado Modelo.

Der Höhenunterschied von 72m wird in 30 Sekunden überwunden.

27 Personen passen in eine der vier Kabinen und der Preis betrug

0,15 Brasilianische Real, das sind umgerechnet etwa 4 Cent. Erinnerungen

an Lissabon wurden wach, aber dort war es teurer.

Orixas heißen die traditionellen afrikanischen

Heiligen-Statuen in dem künstlichen See.

Ein letzter Blick auf das Fort von Salvador und

dann ging es mit dem Flugzeug nach Fortaleza.

Eine gute Autostunde entfernt liegt der Ort Parajuru

mit der Austro-Brasilianischen Hotelanlage.

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Die Hotelanlage Paraiso do Sol ist ein österreichisches

Projekt direkt am Strand von Parajuru.

Es ist nicht nur ein Hotel mit 24 Chalets,

einer große Süßwasserpoolanlage für

Kinder und Erwachsene mit Meerblick, sondern

beherbergt auch eine Hotelfachschule

und eine Zirkusschule im Rahmen eines Sozialprojektes

für brasilianische Jugendliche.

Wie wir erfahren mussten, haben sich bald

nach unserem Besuch im Jahr 2009 Austro-Politiker

und Lobbyisten hier eingemischt,

eingekauft und großen Schaden angerichtet.

Bei Interesse folgenden link öffnen:

https://kurier.at/wirtschaft/villa-casa-grande-wirbel-um-hocheggers-sonnenparadies-in-brasilien/84.442.507

oder „hochegger brasilien“ googeln.

Das Hotel bot jeden Komfort, den wir in dieser ruhigen und von den Touristenströmen

verschonten Gegend finden konnten. Die Küche des Hotels

sorgte für Frühstückbuffet und Abendessen. Die Kellnerinnen und Kellner

sprachen zum Teil deutsch, da sie im Rahmen der Hotelfachschule eine Praxisausbildung

in einem Hotel in der Obersteiermark machen durften.

Eine Strandbar, fünf Gehminuten entfernt, sorgte für die Getränkeversorgung

tagsüber und im Ortskern von Parajuru fanden wir die brasilianische Niederlassung

des Grazer Reiseunternehmens „Amigo Tours“ von Gusti Glanzer.

Ebenfalls Teil des Sozialprojektes

war es, jungen Frauen das

Schneider-Handwerk zu lehren.

Mehrere Shops befanden sich im

Ort. Dort konnte man den Stoff

aussuchen, das Modell bestimmen

und schon am nächsten Tag

den Bikini am Strand ausführen.

Der Strand war, soweit das Auge reicht, oft menschenleer.

Wir genossen die Ruhe nach den vielen eindrucksvollen

und erlebnisreichen Wochen.

Aber schon nach wenigen Tagen rührte sich der Drang

nach neuen Abenteuern. Wir fuhren mit dem Linienbus ca.

20 km nach Süden und besuchten das ehemalige Hippiedorf

Canoa Quebrada.

Entdeckt wurde der damals bescheidene Ort von Hippietouristen

in den 70er Jahren. Das ausschweifende Leben

der damaligen Zeit hat sich in eine der bekanntesten Urlaubsziele

im Nordosten Brasiliens gewandelt. Die schönen

Sanddünen und farbigen Felsen, aber auch das Nachtleben

am „Broadway“ (Hauptstraße) trugen dazu bei.

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Wir konnten das abendliche Flair

nur erahnen, aber das Nachtleben in

Canoa Quebrada hat einen guten Ruf

und bietet für jeden etwas, angefangen

von Bars mit Live-Musik bis zu lebhaften

Tanzclubs.

Tagsüber spielt sich das brasilianische

„dolce far niente“ am Strand ab.

Es war ein Wochentag aber die Standbars waren voll. Dank dem

Kellner Julian ergatterten wir einen Tisch und waren von den Smoothies

und dem gegrillten Rinderlendchen mit Beilage sehr begeistert.

Der Fischadler diente vielleicht als Vorbild

für die Gleitschirme die die Thermik der

schroffen Küstenformation ausnützen.

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Hier wurde versucht durch Ausbildung die

Chancen junger Menschen zu verbessern.

Kinder, die die Möglichkeit haben, eine dieser

Einrichtungen zu besuchen, erhielten täglich

eine warme Mahlzeit, oft die einzige am Tag.

Am späten Nachmittag ging es mit dem Bus zurück nach Parajuru. Nach dem Abendessen gab es ein Sondervorstellung

durch die Zirkustruppe. Wir waren von den Darbietungen und dem Können der jungen Menschen begeistert.

Der Hotelkomplex, die Zirkusschule und die Hotelschule wurde 2004 von der Steirerin Gisela Wisniewski gegründet.

Die Seniorchefin des Appelhofs in Mürzsteg finanzierte das Projekt offiziell ausschließlich mit ihrem Privatvermögen.

Für den nächsten Tag war

wieder etwas Ruhe angesagt.

Wir entspannten uns

am Strand, um für den am

nächsten Morgen geplanten

Ausflug Richtung Norden

gerüstet zu sein. Pferd oder

Buggy war hier die Frage.

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Die Ausritte im Pantanal hatten uns

genügt und so entschlossen wir uns

für einige Pferdestärken mehr. Stefanie,

die Leiterin des Reisebüros Amigo

Tours organisierte den Ausflug.

Der Küstenstreifen ist ideal zu befahren,

da er komplett glatt ist. Nach einigen

Kilometern kamen wir zu einer

unwirklichen Landschaftsformation.

Die aus Sandstein geformte Steilküste

ragt bizarr bis zu 50m in die Höhe.

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Unser vorletzter Tag in Brasilien bescherte uns wieder

ein Highlight. Vor der Strandbar fand eine Segelregatta

der besonderen Art statt. Der Schiffstyp

heißt Jangada und das sind traditionelle, hochseetüchtige

Segelflöße, die hier an der Küste zum Fischfang

benutzt werden.

Für die Aufbewahrung der Verpflegung und der

Fischereigeräte sowie der Beute werden Körbe

und Netze benutzt, die an einem Pfosten auf dem

hinteren Abschnitt des Floßes aufgehängt werden.

Gleich anschließend befindet sich dort eine Art

Tisch und Bank für den Steuermann, der gleichzeitig

der Jangada-Kapitän ist.

Im vorderen Drittel befinden sich der Mast. Das

dreieckige Segel ist an seinem Vorliek mit Leinen

fest mit dem Mast verbunden und kann so aufgerollt

und zusammen mit dem Mast herausgenommen

werden. Das sehr lange Unterliek wird am

Schothorn mit einem Baum verbunden und gespannt.

Der Baum hat eine Gabelung, mit der er

mit den Mast verbunden ist.

Der im oberen Ende leicht gebogene Mast steht

selten senkrecht, je nach Kurs und Windrichtung

wird er in verschiedene Löcher des Mastfußes

eingesteckt und hält so das Segel in der jeweils

günstigsten Stellung zum Wind. Mit der Fahrrichtung

bzw. Windrichtung wird also die Segelstellung

festgelegt. Mittschiffs werden breite Bretter eingesteckt,

die etwa die Funktion von Kielschwertern

haben und die seitliche Abdrift vermindern.

Der Jangada-Kapitän, der „Mestre de Jangada“,

steuert das Floß mit einem großen Heckruder. Die

gleichbleibenden starken Winde in diesem Gebiet,

beschleunigen die ungefähr 3m langen, flachen

Schiffe bis auf 10 Knoten.

Die Wertung erfolgte in mehreren Klassen, je nach

Länge der Boote. Zum Teil vertraten die Crews ihre

Heimatstadt und wurden entsprechend angefeuert.

Die Regatta zog viele Zuseher aus der

Umgebung an und hatte einen richtigen

Volksfest-Karrakter mit Verkaufsständen

und sehr starken Lautsprecheranlagen.

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Am 03. Feber 2009 kamen wir wieder zu Hause

an. Der Flug ging von Fortaleza über Sao Paulo

und Paris nach Wien. Dann mit dem Zug nach

Graz. Die Rückreisezeit betrug 32 Stunden.

Aber nach diesen wunderbaren Erlebnissen

und den tollen Eindrücken machte uns die lange

Reisezeit nichts aus.

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