Witten - Stadtmagazin

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Jürgen Ernst Kroll, 59 Jahre, seit

1979 Pastor in der Martin-Luther-

KG, Witten

Sie wissen sicher, dass Sie aus Wasser

bestehen?

Aus ganz viel Wasser, etwa 3/4 Ihres

Körpers ist schlichtes H 2 O.

Natürlich super angeordnet und nicht

so hin- und herwogend wie der Pazifische

Ozean.

Gut eingebettet in die großartigste

Verpackung der Welt.

Ihre Haut, ein Geniestreich Gottes.

Mich beeindruckt sie mit ihrer ungeheuren

Fähigkeit zur Dehnung.

Was bringen Menschen alles in dieser

Verpackung unter …

Kein Ingenieur der Welt hätte bei der

Erfindung der Haut so viele Reserven

eingebaut.

Hätte der Schöpfer nicht so weit vorgedacht,

wäre mancher schon geplatzt.

Aber nicht vor Lachen.

Wir bestehen also zum größten Teil

aus Wasser.

Und wir sind somit auch ein Wasserkraftwerk

der besonderen Art.

Jede Anstrengung hat mit dem Einsatz

von Wasser zu tun.

Wenn Sie Menschen ins Gesicht sehen,

bemerken Sie drei Wasserspeier.

Die Stirn, die Augen und den Mund.

Die Stirn speit gerne, wenn wir an unsere

körperlichen Grenzen gehen.

Wann weinen

Männer?

Text Jürgen Kroll

Die Sommertemperatur oder momentane

Anstrengung stehen uns sozusagen

Tropfen für Tropfen ins Gesicht

geschrieben.

Die Bibel sagt, dass Gott den Menschen

verdonnerte, sein Brot im

Schweiße seines Angesichtes zu verdienen.

Warum?

Weil er im Paradies durch den Wohlstand

verdummte und auf die falschen

Gedanken gekommen ist.

Es folgte der Rausschmiss und damit

die Grundlage zur Erforschung von

Deos!

Den zweiten Speier kennen alle, die

schon mal einen erregten Wortschwall

samt Begleiterscheinungen erlebten.

Wenn du da von Angesicht zu Angesicht

stehst, dann wehe deiner Krawatte.

Irgendwie ist das erniedrigend, wenn

man so angespuckt wird.

Feuchte Aussprache, als Erregungshöhepunkt

– super!

Der dritte Austrittsweg ist für innere

Bewegungen der Seele reserviert.

Mein Besucher war 73 Jahr alt.

Seine Frau war verstorben und wir besprachen

die Beerdigung.

Er erzählte mir, dass er und seine

Frau den Nachbarn früher immer gemeinsam

geholfen hätten.

Dann musste er seine Frau pflegen

und die ganze Hilfe der Nachbarn alleine

übernehmen.

Er saß vor mir und war einfach alle,

ausgepowert, fertig.

Am Ende unseres Gespräches fragte

ich ihn:

»Hat Ihnen eigentlich schon mal jemand

gesagt, dass Sie wichtig sind?

Für Ihre Frau, die Nachbarn usw.«

Urplötzlich weinte dieser gestandene

Mann ohne Hemmungen los.

Nach einer Weile fing

er sich und sagte

mir:

Kirche aktuell

»Das hat mir in meinem ganzen Leben

noch niemand gesagt.«

Das fand ich dann aber so richtig zum

Heulen.

Wie viele Sätze, die gebraucht werden,

werden einfach nicht gesagt, vergessen,

vielleicht sogar vorenthalten.

Ich glaube, dass Männer weinen, wenn

sie am Ende sind.

Wenn ihnen etwas begegnet, was sie

nicht im Griff haben.

Wenn Männer weinen, dann gibt es etwas

in dieser Welt zu verbessern.

Aber wie?

Das ist die quälende Frage, die Männern

das H 2 O aus den Augen drückt.

Die weisen Alten sagten früher: Tränen

reinigen die Seele!

Ich denke, dass diese Tränen ein Zeichen

sind.

Wie die weiße Fahne bei Kapitulationen.

Der weinende Mann kapiert, dass es

Zeit für eine Wende in einem nicht zu

gewinnenden Kampf ist.

Kapitulation der eignen Ideen, um

Platz zu schaffen für die hilfreichen

Ideen Gottes.

Wir bestehen zum größten Teil aus

Wasser.

Ein wichtiger Teil dieser Lebenssubstanz

verlässt uns durch die Augen.

Kenner behaupten, es sei eine Badewanne

voll im Leben.

www.mlkg.de

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