Wolfram Schmidt-Plantación

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Mit dem Titel „Bilder des Monats“ wollen wir nicht nur die Leere der Corona-Krise überstehen, sondern auch in Zukunft, zwischen den einzelnen Ausstellungen, die Leere des Kunstraums verdecken.
Neuer Kunstverein Regensburg e.V., Schwanenplatz, 93049 Regensnburg

Spurenbilder, ganz anderer Art sind die Fotografien der Reihe „Plantación“. Sie entstanden in einer Bananenplantage auf der kanarischen Insel „La Palma“.
Bei der Ernte werden die Stauden mit Macheten zerlegt und die Abfälle bleiben einfach auf dem Boden liegen, wo sie einen großen braunen Teppich bilden. Auch hier begab sich Wolfram Schmidt auf Spurensuche, fand unendlich viele verschiedene Strukturen.
Teilweise meint man, Gesichter oder Masken zu erkennen, was oftmals dem Bildausschnitt oder der
Nähe zum Motiv geschuldet ist und somit das Erbe der Subjektiven Fotografie in sich trägt! Das Abfallmaterial wird für den Fotografen zu einem Füllhorn an Motiven und so entstanden in dieser Reihe denn auch gut 200 Aufnahmen!

Etwas, an dem die meisten Menschen achtlos vorübergehen würden, aufzuspüren, und als Motiv für ein Foto wertzuschätzen, dieser Umstand zieht sich leitmotivisch durch Wolfram Schmidts Werk.
„Plantación“ und Musterkennung eint, bei aller Unterschiedlichkeit, etwas collageartiges! Dies ist sicher als eine Art künstlerisches Leitmotiv bei ihm anzusehen.
Rede von Dr. Reiner Meyer, Leiter Städtische Galerie, Leerer Beutel zur Eröffnung der Ausstellung Spurenbilder - Plantación


© Wolfram Schmidt

Köstlergasse 1

93049 Regensburg

www.wsfoto.de


Rede von Dr. Reiner Meyer, Leiter Städtische Galerie, Leerer Beutel

zur Eröffnung der Ausstellung Spurenbilder - Plantación und Musterkennung

von Wolfram Schmidt in der Goldberg-Klinik in Kelheim, 6.7.2017, 18 Uhr

Die Ausstellung „Spurenbilder“, meine sehr verehrten Damen und Herren, zeigt mit der „Plantación“ und der

„Musterkennung“ zwei höchst unterschiedliche Werkgruppen des Fotografen Wolfram Schmidt, die damit zugleich

auch seine künstlerische Spannbreite dokumentieren.

Wenden wir uns zunächst der „Musterkennung“ zu. Dazu sagt Wolfram Schmidt selber folgendes: „Ein an sich schon

abstraktes Naturbild ist der Startpunkt einer Bildreise in immer tiefere abstraktere Schichten des Bildes.

Von festgelegten Bildzwischenstationen und Bildausschnitten starte ich in neue Tiefen. Die Unschärfe der Bilder verliert

sich ab einer gewissen Tiefe und neue Muster sind zu erkennen.

Neue Linien und Flächen kristallisieren sich durch Veränderung von Tonwerten, Veränderung der Farbe, Intensität und

Sättigung der Farbe heraus. Das gleichzeitige Verändern der Parameter lässt die Bildmöglichkeiten ins Unermessliche

steigen. Welches Bild behalte ich, welches verwerfe ich? Grafik? Malerei? Kampf der Struktur gegen die Fläche. Der

Betrachter nimmt am Entstehungsprozess, sowie an der Rückführung der abstrakten Muster in das ursprüngliche Bild

teil.“

Das Ausgangsbild ist für Wolfram Schmidt also das Naturbild, oder vielleicht besser Natur-Abbild, zum Beispiel

Gräser der Gestrüpp, in denen respektive, in dem ein gewisses Maß an Chaos herrscht. Der Künstler erkennt im Laufe

des Prozesses der Bildbearbeitung am Computer nach und nach eine Ordnung in besagtem Chaos. Mit Hilfe von

Vektoren greift er Zwischenräume heraus, vergrößert diese und legt sie in einer neuen Ebene über das Ursprungsbild.

Diese Vorgehensweise wiederholt er bis zu drei Mal, so dass teilweise fünfteilige Arbeiten, aber auch Einzelbilder

entstehen. Wolfram Schmidt konstatiert, wie wir gerade ebenfalls gehört haben, dass die Bildmöglichkeiten bei dieser

Arbeitsweise ins Unermessliche steigen können.

Es besteht also die reale Gefahr, dass man sich in digitaler Spielerei verliert, aber nicht, wenn man, wie Schmidt,

klare bildnerische Ziele verfolgt. Diese Ziele sind Verständnis von Struktur, Erkennung von Ordnung und Rückführung

auf Elementares in der Natur! Bei seinen Arbeiten aus der Reihe Musterkennung bleibt das Ursprungsbild im

Hintergrund erkennbar, jedoch nimmt der Künstler es bewusst zurück in Kontur und Farbigkeit, um nicht ein Zuviel an

Bildinformation zu erzeugen, das die Betrachterinnen und Betrachter nicht mehr verarbeiten könnten.

Erst diese Reduktion ermöglicht ein Entwickeln der anderen Schichten in dem Werk, in der Art und Weise, es lesbar,

also rezipierbar zu halten.

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In der Fülle der Möglichkeiten, was ja noch stark untertrieben ist, ist genau dies die kreative Leistung von Wolfram

Schmidt, der zurecht betont, dass seine Arbeit am Computer eben nicht nur ein Herumklicken ist, bei dem schon

irgendetwas Brauchbares herausspringen wird, sondern vielmehr einen bewussten künstlerischen Akt darstellt.

Die technische Entwicklung und vor allem die damit einhergehende Digitalisierung haben eben auch in der Fotografie

zu völlig neuen Möglichkeiten geführt. Möglichkeiten, von denen frühere Generationen von „Lichtzeichnern“ oder

„Lichtschreibern“ nicht den Hauch einer Vorstellung haben konnten.


Auch nicht die Vertreter der sogenannten Subjektiven Fotografie, die ab 1950 für Furore sorgten und zu deren

Hauptprotagonisten auch Wolfram Schmidts großes Vorbild, Otto Steinert, zählt.

Diese Fotografen riefen erneut ins Bewusstsein, dass fotografische Bilder auch freie, autonome Kunstwerke sein

können, jenseits des reinen, dokumentarischen Charakters. Otto Steinert gilt als kreativer und theoretischer Kopf der

Gruppe. Eigentlich studierter Mediziner und als Fotograf Autodidakt, war er die wichtigste Persönlichkeit in diesem

kreativen Prozess. Er versuchte der Strömung der Subjektiven Fotografie einen theoretischen Unterbau zu geben und

ermittelte seinen Schülern die Einflussmöglichkeiten, die der Fotograf bei der Bildgenerierung zur Verfügung hatte:

Wahl des Motivs bzw. des Ausschnitts, Wahl der Perspektive, der Schärfe, der Belichtungszeit und natürlich die Reihe

an experimentellen Techniken, die bereits in den 1920er Jahren erprobt worden waren, wie Fotogramm (das Auflegen

von lichtundurchdringlichen Gegenständen auf lichtempfindliches Papier und anschließender Belichtung) oder die

Solarisation, also die Verfremdung durch starke Überbelichtung.

Steinert unterschied zwischen vier Vollendungsstufen des fotografischen Schaffens

1. Reproduktive Fotografie

2. Darstellende fotografische Abbildung

3. Darstellende fotografische Gestaltung

4. Absolute fotografische Gestaltung

In der ersten, also der „Reproduktiven Fotografie“ geht es um die bloße fotografische Beschreibung oder Wiedergabe,

beispielsweise in Technik und Wissenschaft.

Bei der zweiten, der „Darstellenden fotografischen Abbildung“, wird die persönliche Sicht des Fotografen schon relevanter

schließlich nimmt das fotografierende Subjekt die Motive wahr und erachtet sie als abbildenswert. Steinert

schätzte vor allem die letzten beiden Stufen, die für ihn auch eine Hierarchie darstellten. Hier vollzieht sich die Emanzipation

vom Gegenstand und die Fotografie verliert ihren zweckdienlichen Charakter, wie zum Beispiel in der Werbefotografie.

Während in Stufe drei, also der „Darstellenden fotografischen Gestaltung“, der Gegenstand noch weitgehend erkennbar

gehalten wird, obwohl er NICHT mehr um seiner selbst willen aufgenommen wurde, ist es bei Stufe vier so, dass

der Fotograf keine Kompromisse mehr macht – der Gegenstand, der fotografiert wird, wird nun zur reinen Form, es

ist die Absolute fotografische Gestaltung. Es ist dann keine Abstraktion mehr von irgendwas, sondern von Grund auf

ungegenständlich (oder vielleicht besser gesagt, von ungegenständlicher Wirkung).

Das Bild hat in Stufe vier ganz und gar einen ästhetischen Eigenwert. Steinert sprach auch von einer vermenschlichten

Fotografie. Er schuf Aufnahmen, sogenannte Luminogramme, bei denen eine Lichtquelle durch gleichzeitige Bewegung

des Apparates und des Fotografen bei Langzeitbelichtung, Lichtspuren erzeugte, die an informelle Malerei, zum Beispiel

eines K.R.H. Sonderborg erinnerten.

Hier wurde also das Wort Fotografie, also mit Licht schreiben oder zeichnen ganz und gar wörtlich genommen.

Bei Steinert sind die Lichter der Laternen in höchstem Maß in freie grafische Linien aufgelöst.

Soweit der kleine Exkurs in die Geschichte der Fotografie ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.


Man kann sagen, dass die Erfindung und die Bildfindung auf dem Sektor der Fotografie sich seit der Digitalisierung

in reine Bildfindung gewandelt hat. Darauf und nur darauf kann sich auch Wolfram Schmidt heutzutage konzentrieren

und Struktur, Ordnung und Elementares aufspüren.

Spurenbilder, ganz anderer Art sind die Fotografien der Reihe „Plantación“. Sie entstanden in einer Bananenplantage

auf der kanarischen Insel „La Palma“.

Bei der Ernte werden die Stauden mit Macheten zerlegt und die Abfälle bleiben einfach auf dem Boden liegen, wo sie

einen großen braunen Teppich bilden. Auch hier begab sich Wolfram Schmidt auf Spurensuche, fand unendlich viele

verschiedene Strukturen.Teilweise meint man, Gesichter oder Masken zu erkennen, was oftmals dem Bildausschnitt

oder der Nähe zum Motiv geschuldet ist und somit das Erbe der Subjektiven Fotografie in sich trägt!

Das Abfallmaterial wird für den Fotografen zu einem Füllhorn an Motiven und so entstanden in dieser Reihe denn

auch gut 200 Aufnahmen!

Etwas, an dem die meisten Menschen achtlos vorübergehen würden, aufzuspüren, und als Motiv für ein Foto

wertzuschätzen, dieser Umstand zieht sich leitmotivisch durch Wolfram Schmidts Werk.

„Plantación“ und Musterkennung eint, bei aller Unterschiedlichkeit, etwas collageartiges! Dies ist sicher als eine Art

künstlerisches Leitmotiv bei ihm anzusehen, der bei dem Collagisten und Fotografen,

Karlheinz Bauer, in die Lehre ging und nachhaltig von diesem geprägt wurde.

Neben dem Collagehaften erkennt man in der Musterkennung auch Malerisches, das auch ebenso in Handarbeit

am Computer entsteht. Es sind oftmals Arbeiten im „All over“, also Kompositionen, die mit ihren Strukturen die

gesamte Bildfläche ausfüllen und sich über die Bildränder hinaus weiterdenken und – lesen lassen. Auch dies ist eine

Gestaltungsweise, wie wir sie aus der vollkommenen Abstraktion in der Malerei kennen. Im Übrigen können wir in der

Reihe „Plantación“ quasi dasselbe konstatieren!

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