Nr. 21 - Mai / Juni 2009
Provence: Cassis, eine Frage des Gleichgewichts Bretagne: Halbinsel Quiberon Ardennen: Charleville-Mézières: Dichterleben und Marionettenkunst Atlantikküste: La Rochelle, die Schöne und ihre zwielichtige Vergangenheit Zentralmassiv: die Natur als Kunstraum Rezept: Carré d'agneau aux herbes
Provence: Cassis, eine Frage des Gleichgewichts
Bretagne: Halbinsel Quiberon
Ardennen: Charleville-Mézières: Dichterleben und Marionettenkunst
Atlantikküste: La Rochelle, die Schöne und ihre zwielichtige Vergangenheit
Zentralmassiv: die Natur als Kunstraum
Rezept: Carré d'agneau aux herbes
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Das erste deutschsprachige Frankreich-Magazin nr. <strong>21</strong> · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong><br />
Provence<br />
Mediterrane Lebensart in Cassis<br />
Bretagne<br />
Sonnenverwöhnte Halbinsel Quiberon<br />
Paris<br />
Romantische Inseln<br />
inmitten der Weltstadt<br />
Kunst<br />
Ungewöhnliches Rendezvous<br />
im Zentralmassiv<br />
Atlantik La Rochelle und das Erbe des Sklavenhandels<br />
Verkehr Frankreichs Flughäfen im <strong>21</strong>. Jahrhundert<br />
Genuss Was Barack Obama mit Dijon-Senf zu tun hat<br />
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Midi-Pyrenäen<br />
Ein herrliches Panorama<br />
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Grandiose Landschaften...<br />
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Pyrenäengipfel<br />
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Rocamadour<br />
Sensationelle Sehenswürdigkeiten...<br />
Lourdes<br />
Viadukt von<br />
Millau<br />
Moissac am<br />
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Toulouse<br />
Vielseitiges Können...<br />
Laguiole-Messer<br />
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Editorial<br />
Jahr mehr Neugierige anzieht.<br />
Eine schöne Erfolgsgeschichte.<br />
Liebe Leserin, lieber Leser,<br />
haben Sie bisher immer gelesen, dass Paris einst aus<br />
der kleinen Siedlung Lutetia auf der Ile de la Cité hervorgegangen<br />
sei? Diese These galt über Jahrzehnte als<br />
bewiesen. Doch nun fanden Archäologen heraus, dass<br />
meine Heimatstadt schon zu Beginn von den<br />
alten Römern als moderne Großstadt geplant<br />
war. Die Geschichte vom kleinen Dorf,<br />
das langsam eine Weltmetropole wurde,<br />
soll also gar nicht stimmen. Sie können sich<br />
vorstellen, dass diese Erkenntnis für Furore<br />
sorgte. Ein Spaziergang auf der Seine-Insel<br />
ist deshalb aber nicht weniger romantisch<br />
geworden, sondern gehört<br />
unverändert zu einem Erlebnis<br />
während eines Aufenthaltes in Paris,<br />
das man nicht verpassen sollte.<br />
Um Erkenntnis- bzw. Horizonterweiterung<br />
geht es diesen<br />
Sommer auch im Zentralmassiv.<br />
Dort findet schon zum<br />
dritten Mal ein Ereignis der ganz<br />
besonderen Art statt: Kunstinstallationen<br />
mit lokalem Bezug und<br />
internationalem Anspruch stehen im<br />
Spannungsfeld mit unberührter, wilder<br />
Natur. Die Einöde lebt, könnten böse<br />
Zungen nun vom Zentralmassiv behaupten.<br />
Fakt ist aber, dass die « Horizons » getaufte<br />
Veranstaltung moderne Kunst in ein ungewöhnliches<br />
Umfeld stellt, was jedes<br />
Lieben Sie die Provence genauso sehr wie ich?<br />
Leider verliert diese Region gerade in der Hochsaison<br />
durch den Ansturm der vielen Touristen vielerorts ihren<br />
ursprünglichen Charme. Aber es gibt auch noch einige<br />
Ecken, die weniger überlaufen sind. Cassis am Mittelmeer<br />
ist ein solcher Ort. Das Meer ist ohnehin sehr<br />
präsent in dieser Ausgabe. Denn auch La Rochelle und<br />
die Halbinsel Quiberon ziehen einen Teil ihrer Reize<br />
natürlich aus der Lage am Meer. Als Kontrastprogramm<br />
sei Charleville-Mézières in den<br />
Ardennen empfohlen. Die Stadt hat bei vielen<br />
Franzosen kein sehr vorteilhaftes Image,<br />
überrascht bei einem Besuch jedoch positiv.<br />
Vielleicht fahren Sie zur Abwechslung<br />
beim nächsten Mal nicht über Nordfrankreich<br />
bzw. Metz nach Paris,<br />
sondern via Charleville-Mézières?<br />
Wenn Sie dagegen lieber mit dem Flugzeug<br />
nach Frankreich reisen, wird Sie unser Bericht<br />
über die Zukunft der französischen Airports<br />
interessieren. Einen Teil Frankreichs, den<br />
man – Kreuzfahrten ausgenommen – nur<br />
mit dem Flugzeug erreichen kann, sind die<br />
Überseegebiete. Leider machen sie seit einigen<br />
Monaten eher negative Schlagzeilen. Aber auch<br />
hier gilt ein Spruch, den man neuerdings häufig<br />
hört: In der Krise liegt auch eine Chance. In diesem<br />
Sinne, viel Spaß bei der Lektüre dieser Ausgabe.<br />
Titelblatt: Cassis (Provence)<br />
Jean-Charles Albert<br />
Chefredakteur<br />
jc.albert@frankreicherleben.de<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 3
Inhalt<br />
Paris · 24<br />
Halbinsel Quiberon · 14<br />
Cassis · 34<br />
Charleville-<br />
Mézières · 42<br />
La Rochelle · 52<br />
Gustave Eiffel · 68<br />
Zentralmassiv · 58<br />
Lillet · 86<br />
4 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Frankreich heute<br />
14 · Quiberon<br />
52 · La Rochelle<br />
40 · Hotel<br />
42 · Charleville-Mézières<br />
24, 82 · Paris<br />
58 · Zentralmassiv<br />
Unterwegs in Frankreich<br />
34 · Cassis<br />
14 Halbinsel Quiberon<br />
Rauer Westen, sanfter Osten<br />
Von drei Seiten vom Atlantik umspült und dank eines<br />
Mikroklimas von der Sonne verwöhnt, ist die Halbinsel<br />
Quiberon ein Stück Bretagne wie im Bilderbuch.<br />
24 Paris<br />
Idyllische Inseln inmitten einer Weltstadt<br />
Die Ile de la Cité und die Ile Saint-Louis sind kleine<br />
Oasen der Ruhe. Egal ob für einen gemütlichen<br />
Spaziergang oder ein romantisches Picknick am<br />
Ufer, der Besuch der Seine-Inseln lohnt.<br />
34 Cassis<br />
Eine Frage des Gleichgewichts<br />
Östlich von Marseille gelegen, lockt das provenzalische<br />
Fischerdorf mit einem verträumten Hafen, einer pittoresken<br />
Altstadt und einer atemberaubenden Umgebung.<br />
40 Hotel<br />
The Regent Grand Hotel Bordeaux<br />
42 Charleville-Mézières<br />
Dichterleben und Marionettenkunst<br />
Mit den Museumsprojekten zu Arthur Rimbaud<br />
und dem Marionettenfestival <strong>2009</strong> zielt die Ardennenstadt<br />
auf internationale Aufmerksamkeit.<br />
52 La Rochelle<br />
Die Schöne und ihre zwielichtige Vergangenheit<br />
Kein Zweifel, die Hafenstadt am Atlantik ist schön und zu Recht<br />
bei Touristen beliebt. Sie trägt aber auch an einem unrühmlichen<br />
Erbe. Die Stadt war ein Drehpunkt des Sklavenhandels.<br />
58 Zentralmassiv<br />
Die Natur als Kunstraum<br />
Jeden Sommer strömen Künstler und Kunstliebhaber<br />
ins Massif du Sancy, um moderne Kunst in freier Natur<br />
zu inszenieren bzw. zu betrachten. Das ungewöhnliche<br />
Kunst-Event « Horizons <strong>2009</strong> » lädt ein.<br />
68 Gustave Eiffel<br />
Vom Mann, der keinen deutschen<br />
Namen tragen wollte.<br />
Der Erbauer des Eiffelturms stammt aus einer deutschen<br />
Familie. Wer war der Mann, dessen berühmtestes Bauwerk<br />
dieser Tage seinen 120. Geburtstag feiert?<br />
74 Überseegebiete<br />
Frankreichs DOM/TOM in der Krise<br />
Es fing in Guadeloupe an, schlug dann über nach Martinique<br />
und La Réunion: Monatelang machten Frankreichs<br />
Überseegebiete mit sozialen Unruhen Schlagzeilen.<br />
Demnächst soll ein runder Tisch nach Lösungen suchen.<br />
76 Flughäfen<br />
Welche Zukunftsperspektiven haben<br />
Frankreichs Flughäfen?<br />
Der Airport Paris-CDG setzt dazu an, die Nummer 1 in Europa<br />
zu werden, in Nantes und Brive-la-Gaillarde werden neue<br />
Flughäfen konstruiert, andere Städte bauen ihre Kapazitäten<br />
aus. Aber es gibt auch Sorgenkinder in der Branche.<br />
82 Der Bauch von Paris<br />
Ein Besuch beim Großmarkt der Hauptstadt<br />
Aus den legendären Les Halles im 1. Arrondissement von<br />
Paris ist vor den Toren der Stadt längst ein moderner, hocheffizienter<br />
Umschlagplatz für Lebensmittel geworden.<br />
Art de vivre<br />
86 Lillet<br />
Ein Aperitif für Kenner<br />
Zwei Brüder erfanden vor 140 Jahren einen likörhaltigen<br />
Aperitif, der mit seinem Zusatz exotischer<br />
Kräuterextrakte in der ganzen Welt beliebt ist. Und<br />
manchmal hilft dabei auch das Kino nach.<br />
88 Chantals Rezept<br />
Carré d’agneau aux herbes<br />
90 Genuss<br />
Scharfmacher, der echte Senf aus Dijon<br />
Früher eine Würzpaste für die Armen ist der Dijon-<br />
Senf heute eine Delikatesse, auf die nicht einmal<br />
der US-amerikanische Präsident verzichten will.<br />
3 Editorial<br />
6 On en parle<br />
12 Frankreichkalender<br />
51 Abonnement<br />
66 Kulturschock<br />
84 Kulturszene<br />
92 Frankreich praktisch<br />
93 Arte-Programm<br />
94 Leserbriefe<br />
94 Impressum<br />
95 Nachbestellungen<br />
98 Vorschau<br />
Frankreich erleben im Internet:<br />
www.frankreicherleben.de<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 5
On En Parle<br />
Neues Erscheinungsbild für Air France<br />
Es ist lange her, dass sich das Erscheinungsbild von Air France<br />
verändert hat. Nun ist es aber soweit. Die Heckflosse der Flugzeuge<br />
trägt zwar auch in Zukunft die Trikolore, die Streifen<br />
sind am unteren Ende nun aber angeschrägt. Die größte Modifizierung<br />
betrifft allerdings den Schriftzug der Airline: Der<br />
Name der Fluggesellschaft wird nun in einem Wort geschrieben,<br />
gefolgt von einem schrägen roten Balken. Aus Kostengründen<br />
werden die Flugzeuge sukzessive bei Wartungsarbeiten<br />
umlackiert. Neue Maschinen werden natürlich sofort mit<br />
dem neuen Design ausgeliefert.<br />
Stade de France<br />
als Exportschlager<br />
Seit der Fußballweltmeisterschaft 1998 in Frankreich ist das Stade<br />
de France in Saint-Denis – im nördlichen Ballungsraum von Paris –<br />
weltbekannt. Doch das Stadion glänzt nicht nur mit seiner beeindruckenden<br />
Architektur, sondern auch mit seinem wirtschaftlichen Erfolg,<br />
ermöglicht durch die Durchführung diverser Veranstaltungen.<br />
Nun wollen sich die Betreiber ihr Know-how auf dem internationalen<br />
Markt zunutze machen und sich auch um das Management anderer<br />
Stadien bemühen. Ein erster Erfolg ist bereits verbucht: ein Betreibervertrag<br />
für das neue Fußballstadion von Kapstadt, das gerade für<br />
die WM 2010 errichtet wird. Langfristig peilt man den Betrieb von<br />
fünf bis zehn Stadien weltweit an.<br />
Frankreich bewirbt sich<br />
für die Fußball-EM 2016<br />
Der französische Fußballverband hat seine Kandidatur für die EM 2016 bekannt<br />
gegeben. Allein – und nicht zusammen mit Italien, wie ursprünglich in Erwägung<br />
gezogen – will man dieses Sportevent nach Frankreich holen. Die Bewerbung sieht<br />
vor, zwölf Stadien zu nutzen, die zum Teil neu gebaut, zum Teil renoviert werden<br />
müssen. Das Budget beläuft sich auf rund 100 Millionen Euro. Die potentiellen<br />
französischen Austragungsstädte sollen bis Jahresende bestimmt werden. Die Entscheidung,<br />
in welchem Land die EM 2016 stattfindet, wird am 27. <strong>Mai</strong> 2010 fallen.<br />
6 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Frankreichs<br />
Goldbären sind<br />
Fruchterdbeeren<br />
Während das bekannteste Produkt<br />
von Haribo in Deutschland die<br />
Goldbären sind, lieben die Franzosen<br />
vor allem « La Fraise Tagada »,<br />
ein Fruchtgummi mit Erdbeergeschmack, das den Primavera<br />
Erdbeeren auf dem deutschen Heimatmarkt des<br />
Unternehmens ähnelt. Dieses Jahr feiert die Süßigkeit<br />
mit Kultstatus ihren 40. Geburtstag. Erfunden wurden<br />
die Fruchtbeeren einst nicht am Hauptsitz, sondern von<br />
der französischen Filiale. Vielleicht ist dies auch einer der<br />
Gründe, warum das Produkt nie den Sprung über den<br />
Rhein schaffte.<br />
Parc Astérix feiert 20. Geburtstag<br />
Der Parc Astérix, nordöstlich von Paris im Departement Oise gelegen,<br />
wird dieses Jahr 20 Jahre alt. Grund genug für die Betreiber,<br />
diesen Anlass mit besonderen Aktionen eine ganze Saison lang<br />
zusammen mit den Besuchern des Freizeitparks zu feiern. Über<br />
fehlenden Zuspruch kann sich die Einrichtung ohnehin nicht beklagen:<br />
1,8 Millionen Erwachsene und Kinder besuchten Asterix,<br />
Obelix & Co. im letzten Jahr – ein Zuwachs von elf Prozent im<br />
Vergleich zum Vorjahr. Dieses Jahr ist der Park jeden Tag bis zum<br />
31. August sowie an den Wochenenden bis Ende Oktober geöffnet.<br />
Kurze Freude für faule Schüler<br />
++ Nur eine Woche lang blieb eine neue Internetsei<br />
te, auf der Schüler ihre Hausaufgaben und Referate<br />
aus schreiben konnten, im Netz. Es genügte<br />
eine Be schreibung der Aufgabenstellung und für<br />
einen geringen Preis von fünf bis 30 Euro bekamen<br />
die faulen Schüler die fertigen Arbeiten per E-<strong>Mai</strong>l<br />
zurück. Die Empörung ließ aber nicht lange auf<br />
sich warten, so dass die Seite nach acht Tagen<br />
wieder abgeschaltet werden musste.<br />
Immer mehr schnelle Inter net anschlüsse<br />
++ Schon 17,7 Millionen Haushalte<br />
verfügen in Frankreich über einen schnellen<br />
Internetzugang, eine Steigerung von 14 Prozent<br />
im Vergleich zu der Situation von vor einem<br />
Jahr. Durch die starke Konkurrenz von Anbietern<br />
wurden die Angebote für die Internetnutzer<br />
immer interessanter, was einen Boom von<br />
Breitbandanschlüssen auslöste.<br />
Kampf gegen ungebetene Mithörer<br />
++ Es mag unglaublich klingen, aber die Orte,<br />
an denen die wichtigsten Entscheidungen für die<br />
Französische Republik getroffen werden, wie das<br />
Büro des Präsidenten, des Premierministers usw.,<br />
sind bis jetzt nicht speziell gegen nach richtendienstliche<br />
Methoden des Mithörens gesichert<br />
gewesen. Die französischen Behörden wollen<br />
nun endlich für mehr Vertraulichkeit sorgen,<br />
insbesondere durch den kurzfristigen Einbau von<br />
Störsendern.<br />
Airbus A380 für Air Austral ++<br />
Großes Flugzeug für kleine Airline: Der Homecarrier<br />
von La Réunion, Air Austral, hat die Absicht<br />
bekundet, zwei Airbusse A380 zu erwerben.<br />
Mit Ryanair nach Carcassonne ++<br />
Es kommt wieder Schwung in den Low-Cost-Verkehr<br />
zwischen Deutschland und Frankreich. Ab<br />
dem 5. <strong>Mai</strong> will die irische Billigfluggesellschaft<br />
Ryanair die Strecke Hahn-Carcassonne dreimal<br />
pro Woche bedienen.<br />
Rezeptfreie Medikamente im Auf <br />
wind ++ Selbstmedikation scheint in Frank reich<br />
immer beliebter zu werden. Während der all gemeine<br />
Medikamentenkonsum im letz ten Jahr um<br />
0,3 Prozent leicht fiel, stieg der Verkauf von nicht<br />
verschreibungspflichtigen Medikamenten um 2,7<br />
Prozent an.<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 7
On En Parle<br />
Wasserkaraffe als<br />
Krisengewinner<br />
Die Wasserkaraffe, die<br />
Rest aurants oder Bars auf<br />
Nach frage ihren Gästen<br />
kostenlos anbieten müssen,<br />
ist zum Ge winner der<br />
Wirt schafts krise<br />
ge wor den. Die<br />
Nach frage nach<br />
einer solchen Karaffe<br />
ist in der letzten Zeit in<br />
der Gastronomie um 15<br />
Prozent angestiegen, während<br />
die Bestellung von Mineralwasser<br />
und anderen Getränken zurückging.<br />
Kosenamen<br />
sind in Mode<br />
Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts<br />
TNS-Sofrès rufen zwar acht von zehn<br />
Franzosen ihren Lebenspartner regelmäßig beim<br />
Vornamen, sechs von zehn benutzen aber auch<br />
Kosenamen. Der meistbenutzte ist chéri, gefolgt<br />
von mon coeur, bébé und amour. Auch Tiernamen<br />
sind beliebt wie ma puce (dt. mein Floh), ma biche<br />
(dt. mein Reh), mon poussin (dt. mein Küken) oder<br />
mon canard (dt. meine Ente).<br />
L ouvre: Bemalte Rückwand<br />
auf da Vinci-Gemälde<br />
Ein Konservator des Louvre machte eine sensationelle Entdeckung:<br />
Beim Abhängen eines Werkes von Leonardo da Vinci<br />
spürte er auf der Rückwand des Gemäldes zwei Zeichnungen<br />
auf. Sie zeigen einen Pferdekopf sowie die Hälfte eines<br />
Schädels. Weitergehende Untersuchungen haben nicht nur die<br />
Existenz dieser beiden Zeichnungen bestätigt, sondern noch<br />
eine dritte zum Vorschein gebracht: ein Jesuskind mit einem<br />
Schaf. Der Fund ist sensationell, da Zeichnungen auf den<br />
Rückseiten von Gemälden nicht nur sehr selten vorkommen,<br />
sondern auf Werken von da Vinci sogar bisher völlig unbekannt<br />
waren. Weitere Recherchen werden momentan durchgeführt,<br />
um mehr über den Ursprung dieser Zeichnungen<br />
herauszufinden.<br />
Erste Bibliothek<br />
für Blinde und<br />
Sehbehinderte<br />
Mehr als 20.000 Werke in Blindenschrift,<br />
2.500 auf CD überspielte und 2.000 mit Großbuchstaben<br />
gedruckte Bücher: Im 7. Pariser<br />
Arrondissement wurde die erste Bibliothek für<br />
blinde und sehbehinderte Menschen eröffnet –<br />
pünktlich zum 200. Geburtstag des Erfinders<br />
der Blindenschrift, Louis Braille. Seine sterblichen<br />
Überreste ruhen seit 1952 im Pantheon<br />
von Paris.<br />
8 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
On En Parle<br />
Mehr Gleichstellung bei den Sozialisten<br />
Bei den politischen Parteien ist beim Thema Gleichberechtigung zwischen<br />
den Geschlechtern die Sozialistische Partei (PS) besser aufgestellt<br />
als die konservative Regierungspartei UMP. Denn nicht nur an der<br />
Spitze der PS steht eine Frau, auch 22 der 46 Führungsposten der Partei<br />
sind in Frauenhand. Bei der UMP gibt es dagegen nur zwei Frauen in<br />
dem neuen 14-köpfigen Führungsteam.<br />
Testbesuche bei Frankreichs Ärzten<br />
Generalüberholung<br />
des Pariser<br />
Musée de l’Homme<br />
Schon seit 1937 gibt es das Musée de<br />
l’Homme im Palais de Chaillot unweit<br />
des Eiffelturms. Seit seiner Eröffnung<br />
ist es der Ethnographie gewidmet. Doch<br />
in den letzten zehn Jahren gingen die<br />
Besucherzahlen um die Hälfte zurück.<br />
Eine konzeptionelle Neuausrichtung<br />
wurde also unausweichlich. Daher wird<br />
das Museum bis 2012 umgebaut. Die<br />
neue Ausstellung soll eine zeitgenössische<br />
Wahrnehmung der Menschheit<br />
ermöglichen und Themen wie die Urgeschichte,<br />
die menschliche Anatomie, die<br />
Erforschung des Gehirns oder künstliche<br />
Intelligenz in Form von Robotern<br />
stärker in den Vordergrund stellen. Die<br />
Kosten für diese Generalüberholung<br />
sind mit 52 Millionen Euro angesetzt.<br />
Franzosen, die in wirtschaftlich ungeordneten bzw. schwierigen Verhältnissen<br />
leben, haben oft nur eine medizinische Grundsicherung,<br />
die Couverture Maladie Universelle (CMU). Im Krankheitsfall<br />
sehen sie sich zunehmend Diskriminierungen ausgesetzt, da ihnen<br />
einige Ärzte eine Behandlung verweigern. Um diesem Trend entgegenzuwirken,<br />
hat das Parlament nun Testbesuche bei Ärzten legalisiert.<br />
So will man schwarzen Schafen aus dem Gesundheitswesen<br />
auf die Schliche kommen. Denn niemand soll wegen seines Status als<br />
CMU-Patient, noch aus anderen Gründen – wie zum Beispiel seiner<br />
ethnischen Herkunft – diskriminiert werden dürfen.<br />
Schönstes Buch der<br />
Welt f ür Frankreichs<br />
Nationalbibliothek<br />
« Michelangelo: La Dotta Mano » gilt als das schönste Buch der Welt.<br />
Ein Bildband, der 20,7 Kilo wiegt und nur 33-mal auf der Welt existiert.<br />
Er zeigt die wertvollsten Werke des Ausnahmekünstlers und wurde von<br />
dem gemeinnützigen Verlag Fondazione Marilena Ferrari herausgegeben.<br />
Nun erhielt es die französische Nationalbibliothek als Spende.<br />
10 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Weitere Luxustoilette<br />
für die Hauptstadt<br />
Die Betreiber der luxuriösen<br />
Design toilette « Point WC » auf den<br />
Champs-Elysées werden eine weitere<br />
öffentliche Toilette dieser Art<br />
in Paris eröffnen. Der Ort ist nicht<br />
weniger renommiert: Le Carrousel<br />
du Louvre.<br />
Egal ob Sie nach wohltuender Erholung<br />
oder aktivem Erlebnisurlaub suchen –<br />
machen Sie diesen Sommer Ferien mit<br />
p&v – Groupe Pierre & Vacances. Als<br />
Europas Nummer 1 für Feriendörfer und<br />
Apartments garantiert p&v seit über 40<br />
Jahren individuelle Urlaubserlebnisse in<br />
Frankreich, Italien und Spanien – mit über<br />
300 Feriendörfern, Residenzen und Hotels.<br />
Frauen verdienen<br />
weniger als Männer<br />
Nicolas Sarkozy machte die Gleichstellung von Männern<br />
und Frauen im Berufsleben zu einer seiner politischen<br />
Prioritäten. Doch es geht auf diesem Gebiet nicht<br />
wirklich voran. Noch immer sind die Gehälter weiblicher<br />
Angestellter in Unternehmen mit mehr als zehn<br />
Mitarbeitern um 27 Prozent geringer als die der Männer.<br />
Dabei haben sogar 46 Prozent der französischen Frauen<br />
gegenüber nur 41 Prozent der Männer das Abitur.<br />
Shopping mit<br />
gutem Gewissen<br />
Ein neuer Konzeptstore namens « Merci » hat in Paris (111, boulevard<br />
Beaumarchais, 3. Arrondissement) seine Tore geöffnet.<br />
Auf den ersten Blick ist dort alles so wie anderswo auch. Möbel,<br />
Dekorationsgegenstände, Modeartikel und weitere Produkte sind<br />
im Angebot. Doch im Gegensatz zu anderen Geschäften werden<br />
die erwirtschafteten Gewinne nach Abzug der Gehälter und Steuern<br />
komplett an humanitäre Projekte überwiesen. Die Gründer<br />
Marie-France und Bernard Cohen sind aber mitnichten kapitalismusfeindliche<br />
Idealisten. Sie sind die Erfinder der Modemarke<br />
Bonpoint, ein Luxuslabel für Kindermode, mit der sie gut Geld<br />
verdienten. Mit dem neuen Projekt möchten die beiden etwas von<br />
ihren eigenen Erfolgen an die Menschen zurückgeben. Der Shop<br />
wurde aber erst möglich, als vor kurzem ein gesetzliches Verbot<br />
fiel, wonach nur maximal fünf Prozent des Umsatzes eines Unternehmens<br />
gespendet werden durften.<br />
Aquitantien:<br />
Meava Residenz<br />
Bleu Marine<br />
1 Woche im Studio<br />
für bis zu 3 Personen<br />
ab 170 E<br />
Normandie<br />
Residenz Port Guillaume<br />
1 Woche im Studio für 2 P. ab 260 E<br />
Bretagne<br />
Feriendorf Port-Bourgenay<br />
1 Woche im Studio für bis zu 3 P. ab 310 E<br />
Elsass<br />
Residenz Le Clos d´Eguisheim<br />
1 Woche im Studio für bis zu 4 P. ab 410 E<br />
Ardèche<br />
Feriendorf Le Rouret en Ardèche<br />
1 Woche im Studio für 2 P. ab 350 E<br />
Côte d´Azur<br />
Club-Residenz Les Issambres<br />
1 Woche im Studio für 4 P. ab 300 E<br />
FERIENDÖRFER -<br />
mehr Spaß inklusive:<br />
Direkt am<br />
Strand<br />
• Kinder- und Jugend-Clubs<br />
• Sport- und Freizeitaktivitäten<br />
• Internationales Entertainment<br />
Information, Katalog, Reservierung:<br />
Tel: 01805 - 90 10 11*<br />
(*0,14 Euro/Min. vom dt. Festnetz)<br />
www.pv-holidays.de
Frankreichkalender<br />
Das antike Paris<br />
Paris, bis 31.01.2010<br />
Les Floralies<br />
Nantes, 08.05. – 19.05.<strong>2009</strong><br />
D-Day <strong>2009</strong><br />
Bayeux, 05.06. – 07.06.<strong>2009</strong><br />
Mit dreidimensionalen Darstellungen<br />
des lateinischen Forums, der antiken<br />
Therme und des ehemaligen Amphitheaters<br />
zeichnet eine Ausstellung in<br />
der Krypta von Notre-Dame ein Porträt<br />
des Paris aus den ersten Jahrhunderten<br />
nach Christus. Da die antiken<br />
Wurzeln der Hauptstadt nicht oft<br />
gewürdigt werden, ist die Ausstellung,<br />
die in Zusammenarbeit mit dem<br />
Pariser Musée Carnavalet konzipiert<br />
wurde, eine schöne Gelegenheit, sich<br />
der ersten Phase der Stadtgründung<br />
von Paris zu vergewissern. Die bemerkenswerte<br />
Schau ist didaktisch aufgebaut<br />
und lässt Lutetia, wie die Römer<br />
die Stadt einst nannten, eindrucksvoll<br />
wieder lebendig werden.<br />
Antike Krypta des Kirchplatzes<br />
Notre-Dame<br />
7, place du Parvis Notre-Dame<br />
75004 Paris<br />
Telefon: +33 (0)1 55 42 50 10<br />
www.carnavalet.paris.fr<br />
Di – So 10.00 – 18.00 Uhr<br />
An Feiertagen geschlossen<br />
4,00 Euro, ermäßigt 3,00 Euro<br />
« Die Macht der Blumen » – was für<br />
ein frühlingshaftes Thema! Lassen<br />
Sie sich in Nantes von den blühenden<br />
Schönheiten verführen. Schon seit 50<br />
Jahren versammeln die « Floralies »<br />
alle fünf Jahre die Blumenliebhaber<br />
Europas. Die acht Ausstellungshallen<br />
sind jeweils einem eigenen<br />
Thema gewidmet und präsentieren<br />
den Besuchern die verschiedensten<br />
Züchtungen und floralen Neuheiten.<br />
In der Ausstellung <strong>2009</strong> gibt es<br />
einige Innovationen, zum Beispiel<br />
die Wahl der besten französischen<br />
Blumenhändler. Dazu kommen drei<br />
Tanzveranstaltungen pro Tag und<br />
eine romantische Lichtshow bei Einbruch<br />
der Dämmerung.<br />
Expo Nantes Atlantique<br />
Parc de la Beaujoire<br />
44300 Nantes<br />
Telefon: +33 (0)2 40 52 08 11<br />
www.comites-des-floralies.com<br />
Täglich 9.30 – 23.00 Uhr<br />
20,00 Euro, ermäßigt 9,00 Euro<br />
ab 17.00 Uhr 18,00 Euro,<br />
ermäßigt 6,00 Euro<br />
Bayeux war die erste französische Stadt,<br />
die im Zweiten Weltkrieg durch die Alliierten<br />
befreit wurde. Anlässlich des 65.<br />
Jahresstages der Landung in der Normandie<br />
wird für dieses Jahr eine Reihe<br />
von Veranstaltungen vorbereitet. Neben<br />
dem alljährlichen Veteranentreffen gibt<br />
es einen öffentlichen Ball, ein riesiges<br />
Picknick und viele Konzerte. Für die<br />
Parade sind mehr als 250 originale Militärfahrzeuge<br />
des D-Days angekündigt.<br />
Außerdem hält sich hartnäckig das Gerücht,<br />
dass der amerikanische Präsident<br />
an den Feiern teilnehmen wird.<br />
Bayeux und Umgebung<br />
Office de Tourisme<br />
Pont Saint-Jean<br />
14400 Bayeux<br />
Telefon: +33 (0)2 31 51 28 28<br />
www.bayeux-bessin-tourism.com<br />
05.06.<strong>2009</strong>: Ab 23.00 Uhr Feuerwerke<br />
entlang der Küste<br />
06.06.<strong>2009</strong>: « Soirée de la Libération »,<br />
ab 19.00 Uhr Place de Gaulle<br />
07.06.<strong>2009</strong>: « Bayeux, 1ère ville libérée<br />
de France », ab 15.00 Uhr Historisches<br />
Zentrum der Stadt<br />
Kostenlos<br />
12 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Soulac 1900<br />
Soulac-sur-Mer, 06.06 – 07.06.<strong>2009</strong><br />
Maurice Denis und<br />
die Bretagne<br />
Pont-Aven & Ploézal,<br />
06.06. – 05.10.<strong>2009</strong><br />
Un siècle de<br />
paysages sublimés<br />
Céret, 20.06. – 31.10.<strong>2009</strong><br />
Erleben Sie für ein Wochenende die<br />
Belle Epoque! Seit fünf Jahren kehrt<br />
der kleine Badeort Soulac-sur-Mer am<br />
ersten <strong>Juni</strong>wochenende zu den Anfängen<br />
des 20. Jahrhunderts zurück. Sonnenschirmbewehrte<br />
Damen in langen<br />
Kleidern werden am Arm würdiger<br />
Herren, die klassische hohe Hüte tragen,<br />
durch die Stadt flanieren. Nein,<br />
das ist kein Drehort für den nächsten<br />
Kostümfilm und die verkleideten Leute<br />
sind keine Schauspieler. Jeder, der<br />
will, kann dabei mitmachen, den Badeort<br />
am Atlantik in die Belle Epoque<br />
zurück zu verwandeln. Kostüme und<br />
Accessoires können vor Ort gekauft<br />
oder geliehen werden. Auch sollte man<br />
die zahlreichen musikalischen Aufführungen<br />
und den Feinschmeckermarkt<br />
nicht verpassen.<br />
Zentrum von Soulac-sur-Mer<br />
Office de Tourisme<br />
68, rue de la Plage<br />
37780 Soulac-sur-Mer<br />
Telefon : +33 (0)5 56 09 86 61<br />
www.soulac1900.fr<br />
Kostenlos<br />
Zwei Ausstellungen im Museum von<br />
Pont-Aven und dem Manoir de la Roche<br />
Jagu werfen einen neuen Blick auf<br />
die Werke des bretonischen Künstlers<br />
Maurice Denis (1870 – 1943). Er gehört<br />
zu den größten Theoretikern und<br />
Malern der modernen Kunst. Schon<br />
als Kind hat ihn die wilde Natur der<br />
Bretagne tief beeindruckt, was sich<br />
in seinen späteren Bildern deutlich<br />
widerspiegelt. Der erste Teil der Ausstellung<br />
ist den Landschaften der südlichen<br />
Bretagne gewidmet, die eng mit<br />
Denis’ theoretischen Arbeiten verbunden<br />
sind (Museum von Pont-Aven).<br />
Der intimere zweite Teil (Roche Jagu)<br />
zeigt 100 Werke, die während der<br />
Aufenthalte des Malers an der Côte de<br />
Granit Rose entstanden.<br />
Musée des Beaux Arts de Pont-Aven<br />
Place de l’Hôtel de Ville<br />
29930 Pont-Aven<br />
Telefon: +33 (0)2 98 06 14 43<br />
Domaine départemental<br />
de la Roche Jagu<br />
22260 Ploézal<br />
Telefon: +33 (0)2 96 95 62 35<br />
Pont-Aven : 6,00 Euro, ermäßigt 4,00 Euro;<br />
Ploézal 4,00 Euro, ermäßigt 3,00 Euro<br />
Was verbindet das Werk von Pablo Picasso,<br />
Georges Braque, Francis Picabia,<br />
Max Jacob, Marc Chagall und Raoul<br />
Dufy mit den Bildern heutiger Maler<br />
aus der Umgebung von Céret? Ganz<br />
bestimmt die Leidenschaft für die<br />
schönen Landschaften um die südfranzösische<br />
Kleinstadt. Seit 100 Jahren übt<br />
die Stadt einen besonderen Reiz auf die<br />
unterschiedlichsten Maler aus. Die 250<br />
Werke der 50 Künstler, die in Céret nun<br />
ausgestellt werden, sind ein Beleg dafür.<br />
« Un siècle de paysage sublimés » unterstreicht<br />
die Bedeutung der zeitgenössischen<br />
Maler, die mit ihrer Kunst die<br />
Geschichte von Céret weiter schreiben.<br />
Und vielleicht erklärt die Ausstellung<br />
uns, was die besondere Empfänglichkeit<br />
der Maler für Céret ausmacht.<br />
Musée d’art moderne de Céret<br />
8, boulevard Maréchal Joffre<br />
66400 Céret<br />
Telefon: +33 (0)4 68 87 27 76<br />
www.musee-ceret.com<br />
Mo – So 10.00 – 19.00 Uhr<br />
Ab 1. Oktober Mo – So 10.00 – 18.00 Uhr<br />
8,00 Euro, ermäßigt 6,00 Euro<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 13
Unterwegs in Frankreich Halbinsel Quiberon<br />
Halbinsel Quiberon<br />
Wie ein schmales Band reicht die<br />
Halbinsel Quiberon auf halbem Wege<br />
zwischen Lorient und Vannes in den<br />
Atlantischen Ozean. Es ist ein Stück<br />
Bretagne wie aus dem Bilderbuch –<br />
mit einer felsigen und wilden Küste,<br />
schmucken Orten mit regionaltypischen<br />
Häusern aus Granitstein und Booten in<br />
geschützten Buchten. Die Anzahl der<br />
Sonnenstunden im Jahr kann dank<br />
eines vorteilhaften Mikroklimas mit der<br />
Mittelmeerküste fast mithalten. Eine<br />
Reisereportage aus einem Paradies<br />
an der bretonischen Südküste.<br />
14 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Rauer Westen, sanfter Osten<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 15
Unterwegs in Frankreich Halbinsel Quiberon<br />
16 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
S. 14/15: Blick auf die Côte Sauvage.<br />
Linke Seite oben: Wiesen prägen das Hinterland der Westküste. Von<br />
den einstigen Wäldern der Halbinsel ist kaum etwas übriggeblieben.<br />
Unten: Obwohl das Baden an der gesamten Côte Sauvage<br />
untersagt ist, missachten gerade Wellenreiter dieses Verbot.<br />
Oben: An einem schönen Sonnentag kann man sich kaum vorstellen,<br />
wie stürmisch es an der Côte Sauvage werden kann.<br />
Rechte Spalte von oben nach unten: Verlassenes Haus an der Pointe du Percho; kleine<br />
Strandbucht an der Westküste; an der Pointe du Conguel ganz im Süden der Halbinsel.<br />
S. 18/19: Château Turpault am Ortseingang von Quiberon – leider nicht zu kaufen.<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 17
Unterwegs in Frankreich Halbinsel Quiberon<br />
Schon seit Stunden sind Yannick, Olivier und Luik mit<br />
ihren Brettern auf dem Meer draußen. Immer wieder<br />
paddeln sie den Wellen entgegen, um dann seelenruhig<br />
auf den perfekten Moment für den nächsten Wellenritt in<br />
Richtung Küste zu warten. Ist dieser Augenblick gekommen,<br />
gleiten sie geradezu graziös über das Meer, bis sie schließlich<br />
kurz vor dem Strand abdrehen und sich ins Wasser fallen<br />
lassen. Ein faszinierendes Schauspiel. Ich könnte stundenlang<br />
dem Treiben an diesem wunderschönen frühsommerlichen<br />
Tag zuschauen. Neben den drei Jungs tummelt sich<br />
noch ein Dutzend weiterer Surfer in der Bucht, einem bekannten<br />
und beliebten Spot für Wellenreiter.<br />
Ansonsten gibt es hier wenig Trubel. Ein paar Sonnenhungrige<br />
haben es sich auf Strandlaken bequem gemacht<br />
und eine Frau tollt mit ihrem Hund im Wasser herum. Die<br />
Hauptsaison hat noch nicht begonnen, der Strand ist fast<br />
menschenleer. Nichts stört die Postkartenidylle. Wer schon<br />
immer nach einer Bretagne wie im Bilderbuch gesucht hat,<br />
wird hier an der Westküste der Halbinsel Quiberon sein<br />
Paradies finden. Zerklüftete Buchten mit goldfarbenen<br />
Stränden, vom Wind gezeichnete Wiesen oberhalb der<br />
Steilküste und ein türkisgrün schimmernder Ozean, dessen<br />
Wellen beständig gegen die Felsen klatschen. Es ist genau<br />
so, wie man sich die Bretagne vorstellt: wild und rau und<br />
dennoch irgendwie sanft – zumindest an einem schönen<br />
Sonnentag. Denn mögen die Wellen auch hoch sein und<br />
der Wind kräftig wehen, dank des Golfstroms sind große<br />
Temperaturschwankungen und extreme klimatische Bedingungen<br />
an der bretonischen Südküste unbekannt.<br />
Es fällt mir nicht leicht, mich von der kleinen Bucht zu<br />
trennen. Doch auch die restliche Côte Sauvage (dt. Wilde<br />
Küste), wie die Westküste der Halbinsel treffend heißt, will<br />
entdeckt werden. Ich mache mich zunächst auf den Weg an<br />
die Spitze der Pointe du Percho. Die ins Meer ragende Felszunge<br />
ist der nördliche Ausgangspunkt der Wilden Küste.<br />
Ein verlassenes und bis auf die Grundmauern verfallenes<br />
Haus ist stummer Zeuge der unwirtlichen Lebensbedingungen.<br />
18 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
An einem sonnigen Tag – mit über 2.000 Sonnenstunden<br />
pro Jahr kein seltenes Phänomen – mag man es kaum<br />
glauben, doch die weit in den Atlantik ragende Halbinsel<br />
Quiberon ist den Kräften der Natur vollkommen schutzlos<br />
ausgeliefert. Das Meer und der Wind können hier schalten<br />
und walten wie sie wollen, was dem Ort gerade an stürmischen<br />
Herbst- und Wintertagen eine ganz besondere Aura<br />
verleiht. Doch auch an einem friedlich wirkenden Tag sollte<br />
man die Natur nicht unterschätzen. Warnschilder weisen<br />
daraufhin, dass das Baden entlang der gesamten Côte Sauvage<br />
untersagt ist. Gefährliche Strömungen und Strudel<br />
könnten das Vergnügen im Meer schnell zu einem tödlichen<br />
Unterfangen werden lassen. Man sollte sich als Tourist nicht<br />
von dem türkisgrünen Wasser mit den schönen Wellen und<br />
den Surfern verleiten lassen. Schon manch ein Urlauber fand<br />
durch leichtsinniges Verhalten ein schreckliches Ende.<br />
Von der Pointe du Percho zieht sich ein leicht zu begehender<br />
Wanderweg oberhalb der Steilküste bis in den<br />
Süden der Halbinsel. Auch ich folge diesem Weg einige<br />
Kilometer. Die Szenerie ist einfach perfekt. Immer wieder<br />
fällt mein Blick auf den weiten Ozean. Die felsige Steilküste<br />
wird ab und zu durch kleine Buchten unterbrochen. Die<br />
Sonne hüllt alles in ein warmes Licht. Zum Glück ist die<br />
Westküste von jeglicher Urbanisierung verschont geblieben.<br />
So wird ein Ausflug entlang der Küste zu einem puren Naturerlebnis.<br />
Wenn man die spröde Landschaft auf sich wirken lässt,<br />
bekommt man schnell eine Vorstellung davon, warum das<br />
Leben auf diesem Fleckchen Erde nicht immer einfach gewesen<br />
sein kann. Insbesondere zu Zeiten, als die Menschen<br />
noch stärker von der Natur abhängig waren. Dabei ist die<br />
Halbinsel schon lange menschliches Siedlungsgebiet. Erste<br />
Spuren davon reichen bis zu 5.000 Jahre zurück. Im 5. Jahrhundert<br />
v. Chr. kamen dann die Veneter nach Quiberon,<br />
bevor sie von den Römern besiegt wurden. Im Mittelalter<br />
beheimatete die Halbinsel schließlich eines der wichtigsten<br />
Jagdreviere der bretonischen Herzöge. Die einst dichten<br />
Wälder wurden seit dem 18. Jahrhundert jedoch stark<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 19
Unterwegs in Frankreich Halbinsel Quiberon<br />
abgeholzt, so dass sie heute fast verschwunden sind. Wiesen,<br />
Felsen und Dünen prägen nun die Landschaft. Das<br />
Jahr 1882 läutete schließlich die Moderne ein: Mit dem<br />
Bau der Eisenbahn entstand eine bequeme Verbindung zum<br />
« Festland », was in Folge Touristen auf die Halbinsel lockte.<br />
Schon 1924 wurde die Gemeinde Quiberon im Süden<br />
der Halbinsel als Luftkurort ausgezeichnet.<br />
Dorthin will auch ich mich jetzt begeben. Theoretisch<br />
bräuchte ich dafür einfach nur dem Wanderweg entlang<br />
der Küste zu folgen. Doch mein Auto steht noch auf einem<br />
Parkplatz unweit der Pointe du Percho. Deshalb kehre ich<br />
wieder um und nähere mich im geruhsamen Tempo auf vier<br />
Rädern der Kapitale der Halbinsel über die Küstenstraße<br />
– nicht ohne unterwegs immer wieder kurz auf einem der<br />
zahlreichen Parkplätze anzuhalten und die Landschaft der<br />
Côte Sauvage in mich aufzusaugen.<br />
Am Ortseingang von Quiberon erhebt sich rechts der<br />
Straße das Château Turpault, ein malerisch auf einem<br />
Felsen gelegenes Herrenhaus mit großem Garten. Da es<br />
sich in Privatbesitz befindet, ist dem Besucher der Zugang<br />
verwehrt. Dafür lässt das Motiv das Herz aller Hobbyfotografen<br />
höher schlagen. Kaum eine Postkarte der Halbinsel,<br />
die nicht dieses Motiv zeigt. Der schlossartige Baustil mit<br />
diversen Türmchen, die fantastische Lage auf einer felsigen<br />
Landzunge mit dem rauen Atlantik im Hintergrund, alles<br />
ist einfach perfekt. Gebaut wurde das Haus Anfang des 20.<br />
Jahrhunderts von einem Herrn Turpault, dem Besitzer einer<br />
Spinnerei. Seit 1967 wird das Haus aber von der Familie Richard<br />
bewohnt. Zu gerne würde ich an die Tür klopfen und<br />
fragen, ob ich ihnen das Haus nicht abkaufen könnte – auch<br />
wenn ich die finanziellen Mittel dafür eigentlich gar nicht<br />
habe. Doch das wäre wahrscheinlich zwecklos, denn dies<br />
versuchte bereits der französische Rockstar Johnny Hallyday<br />
mit seiner Frau. Er bekam eine freundliche Absage von<br />
den Eigentümern. Die Familie weiß wohl genau, was für<br />
einen einmaligen Schatz sie ihr Eigen nennt.<br />
Es gehört zu den touristischen Stärken der Halbinsel<br />
Quiberon, mehrere Facetten eines perfekten Urlauberglücks<br />
auf wenigen Kilometern zu vereinen. Während die Côte<br />
Sauvage alle Naturliebhaber in ihren Bann zieht, erinnert<br />
das Treiben im Ort Quiberon in den Sommermonaten an<br />
den hektischen Trubel der Côte d’Azur. Man teilt also nicht<br />
nur die Anzahl der Sonnenstunden mit der berühmten<br />
Mittelmeerküste. Der Rummel trifft sicherlich nicht den<br />
Geschmack von jedermann, er ist aber auch ein Teil der<br />
touristischen Realität auf der Halbinsel.<br />
Das Herzstück bildet dabei der Boulevard Chanard,<br />
der die Grande Plage (dt. Großer Strand) säumt. Allerdings<br />
scheint der Strand in der Hochsaison kaum groß genug zu<br />
sein, um alle Gäste aufzunehmen. Es ist ein buntes Völkchen,<br />
das sich hier in den Sand legt: Familien mit Kleinkindern gehören<br />
genauso dazu wie Teenager, die sich mit vorsichtigen<br />
DER ERSTE SCHLITTEN,<br />
DER NICHT RUTSCHT.<br />
DER CITROËN C5. EXKLUSIV MIT INTELLIGENTEM SNOWMOTION-SYSTEM.<br />
Erleben Sie den CITROËN C5 jetzt mit neuem SnowMotion-System. Einer Innovation, die Ihnen bei allen Witterungsbedingungen optimale Traktion<br />
garantiert. Das HYDRACTIVE III+ Fahrwerk (je nach Version) passt sich dabei automatisch an die Straßenverhältnisse und Ihren Fahrstil an. Für optimale<br />
Durchzugskraft und Wirtschaftlichkeit sorgt sein neuer HDi 140 FAP Motor, der schon jetzt die strenge Euro 5-Norm erfüllt. Testen Sie diese und<br />
weitere Innovationen jetzt bei einer Probefahrt.
Flirtversuchen an das andere Geschlecht heranwagen. Am<br />
Boulevard selbst liegen die üblichen Bistros und Cafés, die<br />
man in solchen Badeorten gewöhnlich findet.<br />
Doch der Ort Quiberon hat nicht nur einen Strand, sondern<br />
gleich mehrere. Besonders lohnenswert sind die Strände<br />
ganz im Süden der Halbinsel an der Pointe du Conguel.<br />
Dorthin fahre ich nach einer kleinen Erholungspause in<br />
einem Café weiter. Die Straße passiert dabei das Institut<br />
de thalassothérapie. Denn die Halbinsel ist ebenfalls für<br />
ihre Thalassotherapiezentren berühmt. Schließlich gilt die<br />
Bretagne als die Wiege dieser heute in Frankreich äußerst<br />
populär gewordenen Kurform, bei der die heilsamen Kräfte<br />
des Meeres Beschwerden lindern oder auch einfach nur<br />
beim Entspannen helfen sollen. Für Badeorte wie Quiberon<br />
sind diese Zentren ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, helfen<br />
sie doch, die Hotelbetten außerhalb der Sommermonate zu<br />
belegen.<br />
Kurz vor der Pointe du Conguel endet die Straße<br />
schließlich an einem großen Parkplatz. Ich stelle mein<br />
Fahrzeug ab und spaziere zu der rund einen Kilometer entfernten<br />
Südspitze der Halbinsel. Hier finde ich ein wenig<br />
die Ruhe und Atmosphäre der Côte Sauvage wieder, wenn<br />
die Landschaft selbst auch weniger spektakulär ist. Der<br />
Strand ist bei FKK-Anhängern beliebt – hier im isolierten<br />
Süden wird das Nacktbaden akzeptiert. Von der Pointe du<br />
Conguel genieße ich schließlich ein 360-Grad-Panorama<br />
mit der kleinen Ile d’Houat und der großen Belle-Ile-en-<br />
Mer im Süden, der friedlichen Baie de Quiberon im Osten<br />
und dem offenen Meer im Westen. Erneut entdecke ich eine<br />
Bretagne, wie sie klischeehafter kaum sein könnte. Allerdings<br />
sollte man nicht zu windempfindlich sein, denn meist<br />
weht eine kräftige Brise über diese schmale Landzunge im<br />
äußersten Süden der Halbinsel.<br />
Nach einer erneuten kurzen Pause auf einem Felsen am<br />
Strand mache ich mich schließlich auf den Rückweg. Statt<br />
der malerischen Küstenstraße entlang der Côte Sauvage<br />
wähle ich nun eine Strecke entlang der Ostküste. Keine<br />
Frage, die Halbinsel Quiberon ist hier weniger aufregend<br />
als im Westen, dennoch nicht ohne Charme. Die kleinen<br />
Steinhäuser, der ständige Blick aufs Meer, die klare Luft<br />
und die sanften Farben lassen ein typisch bretonisches Lebensgefühl<br />
aufkommen. Unterwegs passiere ich den Port<br />
Haliguen, ein kleiner Hafen, den wegen seiner geschützten<br />
Lage schon die Veneter und Römer schätzten und den heute<br />
vor allem Freizeitkapitäne ansteuern; außerdem Saint-<br />
Julien, einen Vorort von Quiberon, an dessen Stränden es<br />
geruhsamer zugeht, sowie das Kap Beg Rohu, wo sich seit<br />
1966 die nationale Segelschule Frankreichs (Ecole nationale<br />
de voile) befindet, dank derer die Segelsportler des Landes<br />
immer wieder viele Medaillen bei Olympischen Spielen<br />
und anderen Wettkämpfen einheimsen. Schließlich Saint-<br />
Pierre-Quiberon, einem vor allem bei Familien beliebten<br />
www.citroen-c5.de<br />
CITROËN C5.<br />
Bestes Auto <strong>2009</strong><br />
in der Kategorie<br />
Mittelklasse, Import<br />
Kraftstoffverbrauch innerorts 7,5 l/100 km, außerorts 4,8 l/100 km, kombiniert 5,8 l/100 km.<br />
CO 2 -Emissionen kombiniert 153 g/km (RL 80/1268/EWG).
Unterwegs in Frankreich Halbinsel Quiberon<br />
Oben links: Strandsegler bei<br />
Penthièvres. Hier ist die Halbinsel<br />
nur einige hundert Meter breit.<br />
Oben rechts: Port Haliguen an der<br />
Ostküste. Die geschützte Lage wussten<br />
schon die Veneter und Römer zu schätzen.<br />
Rechts: Der kleine Fischerhafen<br />
von Portivy. Bei Ebbe liegen<br />
die Boote auf Grund.<br />
Badeort, liegt er doch auf der zum Osten hin geschützten<br />
Seite der Halbinsel.<br />
Bevor ich die Halbinsel aber wieder verlasse, unternehme<br />
ich noch einen Abstecher zurück zur Westküste – nach<br />
Portivy. Im Gegensatz zu den anderen Orten liegt das kleine<br />
Fischerdorf im Schatten der Besucherströme. Die Straße<br />
schlängelt sich durch den Ort mit seinen weißen Häusern<br />
mit dunklen Dächern, bis ich schließlich am kleinen Hafenbecken<br />
ankomme. Der Kontrast zum Boulevard Chanard<br />
von Quiberon könnte nicht größer sein: Ein paar Fischerboote<br />
dümpeln im stark tideabhängigen Hafen vor sich hin,<br />
die Dorfbewohner gehen in aller Ruhe ihrem Alltag nach<br />
und am Ufer laden zwei, drei Bistros zum Verweilen ein.<br />
Hier zeigt sich die Bretagne von einer ganz unaufgeregten,<br />
bodenständigen Gelassenheit – unspektakulär und dennoch<br />
einmalig schön. Ich entschließe mich, in einem der Bistros<br />
zu Abend zu essen und die Stimmung noch ein wenig auf<br />
mich wirken zu lassen.<br />
Doch irgendwann wird es Zeit, endgültig aufzubrechen.<br />
Zurück auf der Landstraße in Richtung « Festland » passiere<br />
ich – wie schon am Morgen – bei Penthièvre die schmalste<br />
Stelle der Halbinsel – ein nur wenige Meter breites mit Gras<br />
bewachsenes Sandband. Am Ufer haben Strandsegler ihr<br />
perfektes Refugium gefunden. Die Sonne steht bereits ganz<br />
im Westen und wird bald malerisch im Ozean untergehen.<br />
Erneut eine perfekte Postkartenidylle.<br />
22 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
N12/E50<br />
Brest<br />
Saint-Brieuc<br />
N164<br />
Die<br />
<br />
Halbinsel Quiberon erreicht man<br />
am besten über Rennes und Vannes.<br />
Die Anreise nach Rennes erfolgt aus<br />
dem süddeutschen Raum, Österreich<br />
und der deutschsprachigen Schweiz via<br />
Paris. Aus Nord- und Westdeutschland<br />
bietet sich alternativ die neue Autobahnverbindung<br />
entlang der Ärmelka<br />
nal küste an, auf der man auch den<br />
staugeplagten Pariser Großraum umfahren<br />
kann. Ab Vannes geht es über<br />
die Schnellstraße N165 nach Auray, wo<br />
man auf die D768 biegt, die bis auf die<br />
Halb insel führt. Gerade in den Sommermonaten<br />
Juli und August kann es auf<br />
der Zufahrtsstraße sehr voll werden<br />
und der Verkehr schnell ins Stocken<br />
geraten.<br />
Quiberon …<br />
… Berlin 1.565 km<br />
… Köln 995 km<br />
… Wien 1.745 km<br />
… Hamburg 1.415 km<br />
… München 1.345 km<br />
… Zürich 1.115 km<br />
Die nächsten Flughäfen sind in Lorient,<br />
Rennes und Nantes. Zu den drei Air ports<br />
gibt es jedoch keine direkten Flug verbindungen<br />
aus Deutschland, Österreich<br />
und der Schweiz. Air France bietet<br />
aus dem deutschsprachigen Raum<br />
Quimper<br />
N165/E60<br />
Lorient<br />
Quiberon<br />
aber Umsteigeverbindungen via Paris<br />
und Lyon an.<br />
Direkte Zugverbindungen aus dem<br />
deutsch sprachigen Raum bestehen<br />
nicht. Von Paris aus verkehren TGV-Züge<br />
nach Auray, von wo aus ganzjährig<br />
Busse nach Quiberon fahren. In den<br />
Som mer monaten Juli und August<br />
pendelt außerdem mehrmals täglich<br />
ein Regionalexpress (TER) zwischen<br />
Auray und Quiberon, der auf der Halbinsel<br />
an insgesamt fünf Bahnhöfen hält.<br />
D768<br />
Rennes<br />
N24<br />
Vannes<br />
N165/E60<br />
la Baule<br />
St. Nazaire<br />
Nantes<br />
A83<br />
www.quiberon.com<br />
Office de Tourisme<br />
14, rue de Verdun<br />
56170 Quiberon<br />
Telefon: +33 (0)2 97 30 58 22<br />
Auf den meist recht einsam gelegenen<br />
Park plätzen entlang der Côte Sauvage<br />
wer den leider immer wieder Fahrzeuge<br />
auf ge brochen. Möglichst keine Wertsachen<br />
im Auto lassen.<br />
A11/E60<br />
A8<br />
La R<br />
Lesetipps zu Ausflügen in der Umgebung<br />
Ausgabe <strong>Nr</strong>. 11<br />
Belle-Ile-en-Mer – Raues<br />
Eiland im Atlantik<br />
Südlich von der<br />
Halb in sel Qui beron<br />
ge le gen, ist<br />
Belle-Ile -en- Mer<br />
die größte der<br />
b re to n i schen<br />
Inseln. Vor<br />
allem ist sie auch die vielfältigste,<br />
bietet das Eiland doch zahlreiche<br />
natürliche Attraktionen wie kleine Häfen,<br />
schroffe Felsbuchten, feine Sandstrände,<br />
grüne Hügel und türkis far benes Wasser.<br />
Geradezu ideal für alle, die gerne zu Fuß<br />
oder mit dem Fahr rad unterwegs sind.<br />
Ausgabe <strong>Nr</strong>. 16<br />
Die wilde Schönheit der<br />
Halbinsel Rhuys<br />
Die Halbinsel<br />
Rhuys trennt<br />
den Golf von<br />
Morbihan an<br />
der breto nischen<br />
Süd küste<br />
vom At lan tik.<br />
Es ist ein Re fugium für Urlauber, aber<br />
auch für Zugvögel, die die seichten Gewässer<br />
der Region als Zwischenstation<br />
nutzen. Reizvolle Lichtverhältnisse und<br />
ab wechslungsreiche Landschaftsformen<br />
sind auch für Fotografen verlockend. Eine<br />
Reise in Bildern.<br />
Ausgabe <strong>Nr</strong>. 19<br />
Carnac – Die mys tische<br />
Aura von Hinkelsteinen<br />
Unweit der<br />
H a l b i n s e l<br />
Q u i b e r o n<br />
befindet sich<br />
eine der großartigsten<br />
Ansammlungen<br />
von Menhiren in ganz Europa. Der<br />
Umstand, dass die genaue Bedeutung<br />
dieser Steinreihen bis heute nicht<br />
abschließend geklärt werden konnte,<br />
verstärkt die Anziehungskraft dieser<br />
sonderbaren Sehenswürdigkeit. Sie lohnt<br />
auf jeden Fall einen Abstecher.<br />
Bor<br />
E<br />
Informationen zur Bestellung dieser und anderer Ausgaben finden Sie auf Seite 97.<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 23
Unterwegs in Frankreich Paris<br />
Ile de la Cité & Ile Saint-Louis<br />
Idyllische Inseln<br />
inmitten einer<br />
Weltstadt<br />
Ein Spaziergang über die Ile de la Cité und<br />
die Ile Saint-Louis führt nicht nur ins Herz der<br />
französischen Hauptstadt, sondern auch zu<br />
ihren Ursprüngen. Trotz ihrer zentralen Lage<br />
sind die beiden Inseln ein Hafen der Ruhe<br />
inmitten des Großstadtverkehrs. Ein idealer<br />
Ort für einen Stadtrundgang.<br />
Pariskenner wissen es: In der Seine-Metropole<br />
lässt man sein Fahrzeug am besten irgendwo stehen.<br />
Der Verkehr ist dicht und chaotisch, Parkplätze<br />
sind rar und teuer. Doch selbst wenn man sein<br />
Auto geparkt hat, ist es in Paris nicht leicht, den Verkehr<br />
zu vergessen. Autos sind allgegenwärtig, selbst<br />
wenn immer mehr Stadtviertel verkehrsberuhigt werden.<br />
Doch es gibt auch einige Oasen der Ruhe in der<br />
Weltstadt. Zwei befinden sich sogar mitten im Herzen<br />
der Metropole: die beiden Seine-Inseln. Denn obwohl<br />
sie sehr zentral liegen, befinden sie sich weitgehend<br />
abseits der Autoströme. Die Gassen sind zu eng für<br />
Durchgangsstraßen und der Fluss schottet sie zusätzlich<br />
von der restlichen Stadt ab. Gerade an einem warmen<br />
Sommerabend wird ein Bummel über die Ile de la<br />
Cité und die Ile Saint-Louis zu einem romantischen<br />
Erlebnis.<br />
24 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Blick auf die<br />
Ile Saint-Louis<br />
(Bildmitte) und die<br />
Ile de la Cité (rechts).<br />
Das Hochhaus<br />
im Hintergrund<br />
gehört zur Université<br />
Denis Diderot.<br />
Dies würde aber auch bedeuten, dass die<br />
Ile de la Cité nicht mehr « die » Keimzelle<br />
des heutigen Paris wäre, sondern nur ein<br />
Bestandteil eines größeren Masterplans. Die<br />
Römer sollen die Entwicklung der neuen<br />
Stadt entlang einer Nord-Süd-Achse vorgesehen<br />
haben, die über die Ile de la Cité führte<br />
und im Süden bis zum Pantheon ging – entlang<br />
dem heutigen Petit-Pont und der Rue<br />
Saint-Jacques. Eine Erkenntnis, die einer<br />
Revolution gleichkommt.<br />
Doch selbst wenn die Ile de la Cité nicht<br />
mehr der alleinige Geburtsort der französischen<br />
Hauptstadt sein sollte, ein ganz besonderer<br />
Ort bleibt sie – zusammen mit der<br />
Schwesterinsel Saint-Louis – allemal. Beide<br />
Inseln haben dabei jedoch ihren ganz eigenen<br />
Charakter. Während sich auf der Ile de<br />
la Cité viele bedeutende Gebäude befinden,<br />
etwa die Kathedrale Notre-Dame, der Palais<br />
de Justice, die Präfektur von Paris oder das<br />
Hôpital de l’Hôtel-Dieu, geht es auf der Ile<br />
Saint-Louis mit ihren Wohnhäusern und<br />
kleinen Läden viel beschaulicher zu.<br />
Ein König als Schwerenöter:<br />
Wie ein Park zu<br />
seinem Namen fand<br />
Archäologen in Aufruhr: Nicht ein Dorf,<br />
sondern ein römischer Masterplan<br />
bildete den Ursprung von Paris<br />
Bei einem solchen Spaziergang wandelt man zugleich auf<br />
historisch bedeutendem Boden, gilt die Ile de la Cité doch als<br />
Geburtsort von Paris. Allerdings haben neueste Forschungsergebnisse<br />
erstaunliche Erkenntnisse hervorgebracht. Lange<br />
Zeit gingen Archäologen und Historiker davon aus, dass sich<br />
die Stadt Paris aus der kleinen Siedlung Lutetia des Stammes<br />
der Parisii heraus entwickelte und sich anschließend kreisförmig<br />
um das Dorf herum vergrößerte. Doch diese allgemein<br />
anerkannte These gerät nun ins Wanken. Nach neuesten<br />
Erkenntnissen wurde Paris von den alten Römern im 1. Jahrhundert<br />
geplant, und zwar als große Stadt. Danach würde<br />
am Anfang also nicht ein kleines Dorf, sondern ein urbanes<br />
Großprojekt der Römer stehen.<br />
Ein guter Ausgangspunkt für einen<br />
Rundgang über die beiden Inseln ist die äußerste<br />
Westspitze der Ile de la Cité. Der Square du Vert<br />
Galant bietet zudem einen schönen Blick über die Seine in<br />
Richtung Westen. Von seiner Form her erinnert der kleine<br />
Park an den Bug eines Schiffes. In den Wintermonaten ist<br />
der Park oft vom Hochwasser der Seine überspült. In den<br />
Sommermonaten kommen die Pariser gerne zum Picknicken<br />
hierher. Auch Angler machen es sich an den Ufern<br />
bequem. Der Name geht auf Heinrich IV. zurück. Galant<br />
bedeutet Schwerenöter bzw. Liebhaber. Dem König wurde<br />
nachgesagt, ständig seine weibliche Umgebung betört<br />
haben zu wollen. Dabei mussten die Damen jedoch einiges<br />
aushalten, denn der Atem des Königs galt als äußerst<br />
unangenehm – Heinrich IV. liebte Knoblauch über alles.<br />
Bevor man sich wieder auf das Straßenniveau zurück<br />
begibt, sollte man unter dem Pont Neuf hindurchgehen.<br />
Die Brücke ist die älteste erhaltene der Stadt und war die<br />
erste, die ohne Häuser am Rand und mit Bürgersteigen<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 25
Unterwegs in Frankreich Paris<br />
für die Fußgänger errichtet wurde. Eine große Neuheit<br />
zur damaligen Zeit. Bei der Grundsteinlegung am 31.<br />
<strong>Mai</strong> 1578 sahen die Pariser einen weinenden Heinrich III.<br />
Der König war ganz in schwarz gekleidet, da er am Morgen<br />
einem Gedenkgottesdienst für zwei seiner Lieblingsgünstlinge<br />
beigewohnt hatte, die bei einem Duell tragisch<br />
ums Leben gekommen waren. Das Volk taufte die Brücke<br />
daraufhin Pont des Pleurs (dt. Brücke der Tränen). Doch<br />
nach der Fertigstellung der Flussüberquerung im Jahre<br />
1607, die sich wegen der Religionskriege lange verzögert<br />
hatte, bestimmte der dann herrschende Heinrich IV. den<br />
Namen Pont Neuf. Fast vier Jahrhunderte später, 1985,<br />
verhüllte Christo den Pont Neuf. Ab 1999 wurde die<br />
Brücke schließlich saniert, so dass sie nun wieder in ihrer<br />
ursprünglichen Schönheit erstrahlt.<br />
Eine Statue in der Statue:<br />
Die Rache eines Künstlers<br />
Die Statue von Heinrich IV., die in Verlängerung<br />
der Brücke vor dem Eingang zum Square du Vert Galant<br />
an der Place du Pont Neuf steht, birgt übrigens ein<br />
Geheimnis. Für ihre Herstellung hatte man eine Napoleon-Statue,<br />
die zuvor den Obelisken der Place Vendôme<br />
schmückte, eingeschmolzen. Da der Künstler aber überzeugter<br />
Bonapartist war, versteckte er eine kleine Statue<br />
von Napoleon im rechten Arm der neuen Statue. In den<br />
Bauch des Pferdes legte er zudem heinrichfeindliche<br />
Liedtexte.<br />
Wenn man von der Statue von Heinrich IV. aus in<br />
Richtung Osten geht, gelangt man auf einen der schönsten<br />
und ruhigsten Plätze von Paris, den viele Touristen<br />
übersehen: die Place Dauphine. Sein Bau geht ebenfalls<br />
auf Heinrich IV. zurück, der hier neben der Place des Vosges<br />
im Marais einen zweiten königlichen Platz schuf. Ursprünglich<br />
war der Platz an allen Seiten geschlossen. Erst<br />
1874 wurde die Ostseite abgerissen, wohinter bereits seit<br />
1854 der Justizpalast errichtet wurde. Heute säumen einige<br />
nette Restaurants die Place Dauphine, in denen gerne<br />
Anwälte verkehren. Der Palais de Justice liegt schließlich<br />
gleich um die Ecke.<br />
Eine Adresse für Rambos im Dienste<br />
des Volkes: 36 Quai des Orfèvres<br />
Wendet man sich anschließend der südlichen Uferstraße<br />
zu, dem Quai des Orfèvres, passiert man bei der<br />
Hausnummer 36 eine landesweit bekannte Adresse. Hier<br />
haben die berühmtesten Polizeieinheiten des Landes ihren<br />
Sitz: die « Crim » (Brigade Criminelle en charge des<br />
homicides, des enlèvements et des attentats), die sich um<br />
Tötungsdelikte, Entführungen und Attentate kümmert,<br />
die « Stups » (Brigade des Stupéfiants), die Drogendelikten<br />
nachgeht, und die Brigade Anti-Gang gegen die<br />
organisierte Kriminalität und andere Verbrechen. Einige<br />
Regisseure und Romanautoren ließen sich von dieser<br />
26 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Oben: Place Dauphine zwischen dem Square du Vert Galan und dem Justizpalast.<br />
Linke Seite von oben nach unten: Die äußerste Westspitze der Ile de la Cité, im Sommer ein beliebter Picknickplatz;<br />
Statue von Heinrich IV. an der Place du Pont Neuf; der Pont Neuf und seine Verzierungen; Square du Vert Galan.<br />
Unten: 36 Quai des Orfèvres, Dienstsitz mehrerer polizeilicher Spezialeinheiten; Place du Parvis Notre-Dame, immer belebt mit Touristen.<br />
legendären Adresse geradezu inspirieren, darunter auch<br />
Georges Simenon.<br />
Folgt man der Uferstraße, gelangt man kurz danach<br />
zur Präfektur. Die Pariser kommen vor allem hierher, um<br />
ihren Führerschein abzuholen; Fremde, um ihre Aufenthaltsgenehmigung<br />
zu beantragen oder verlängern zu lassen.<br />
Ältere Franzosen erinnern sich bei diesem Gebäude<br />
an den 15. August 1944, als hier ein Streik der Polizei<br />
begann. Zehn Tage später war Paris von den Nazis befreit.<br />
Eine Gedenktafel am Eingang an der Rue de la Cité erinnert<br />
heute an diese historischen Ereignisse.<br />
Die anschließende Place du Parvis Notre-Dame wird<br />
natürlich von der weltberühmten Kathedrale dominiert.<br />
Interessant ist aber auch das Gebäude an der Nordseite des<br />
Platzes. Es ist das älteste Krankenhaus der Stadt. Im 7. Jahrhundert<br />
baute man in ganz Frankreich sogenannte Hôtels-<br />
Dieu, in denen Pilger untergebracht wurden. Daraus entwickelten<br />
sich im Laufe der Geschichte Krankenhäuser. Der<br />
gute Ruf des Hôpital de l’Hôtel-Dieu in Paris verbreitete<br />
sich schnell über die Stadtgrenze hinaus. Unter Heinrich IV.<br />
versorgte man innerhalb dieser Mauern bis zu 1.300 Patienten,<br />
im 18. Jahrhundert bis zu 9.000. Das aktuelle Gebäude<br />
stammt aus der Zeit des Zweiten Kaiserreichs.<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 27
Unterwegs in Frankreich Paris<br />
Die Ostspitze der Ile de la Cité:<br />
Eine Krypta gegen das Vergessen<br />
Oben: Rückansicht der weltberühmten Kathedrale Notre-<br />
Dame. An der äußersten Spitze befindet sich der Square<br />
de l’Ile-de-France mit der Krypta. Unten: Pont Saint-Louis,<br />
im Sommer bevölkert mit Künstlern und Touristen.<br />
Nach dem obligatorischen Besuch von Notre-Dame<br />
sollte man seinen Spaziergang am Ufer fortsetzen.<br />
Zwischen dem Gotteshaus und der Seine erstreckt<br />
sich ein kleiner schöner Park, der Square Jean XXIII.<br />
Die Verlängerung – nach Überquerung des Quai de<br />
l’Archevéché – heißt Square de l’Ile-de-France. Sie bildet<br />
die östliche Spitze der Ile de la Cité. Von dort aus<br />
genießt man einen schönen Blick auf die Rückfront der<br />
Kirche. Außerdem befindet sich hier eine Gedenkstätte:<br />
eine unterirdische Krypta, die an die im Zweiten Weltkrieg<br />
deportierten Menschen erinnert. Diese am 12.<br />
April 1962 von Général de Gaulle eingeweihte Stätte<br />
ist ein Mahnmal wider das Vergessen. An den Wänden<br />
der Krypta finden sich Zitate von Louis Aragon, Robert<br />
Desnos, Paul Eulard, Jean-Paul Sartre und Antoine de<br />
Saint-Exupéry.<br />
Nun sind es nur noch wenige Schritte bis zum Pont<br />
Saint-Louis. Die verkehrsberuhigte und in den Sommermonaten<br />
von Kleinkünstlern und Touristen bevölkerte<br />
Brücke ist die einzige Verbindung zwischen den<br />
beiden Seine-Inseln. Die Ile Saint-Louis wirkt ganz<br />
anders als die Ile de la Cité. Hier stehen keine herrschaftlichen<br />
Bauten und es gibt keine grünen Parks. Die<br />
Uferstraßen und die enge Hauptstraße in der Inselmitte<br />
werden von einer Blockrandbebauung gesäumt. Die<br />
Fassaden der Häuser wirken sehr einheitlich, so dass<br />
28 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Interaktiv<br />
präsentieren,<br />
intuitiv<br />
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Unterwegs in Frankreich Paris<br />
ein harmonisches Gesamtbild entsteht. Während auf<br />
der Ile de la Cité diverse Institutionen ihren Sitz haben,<br />
gibt es auf der Ile Saint-Louis vor allem Wohnungen.<br />
Die Eglise Saint-Louis ist das einzige öffentliche Gebäude<br />
auf der Insel.<br />
Ile Saint-Louis:<br />
Eine Insel für Besser verdienende<br />
Um auf der Ile Saint-Louis zu leben, bedarf es allerdings<br />
eines dicken Portemonnaies. Schon ein Blick auf die<br />
Wohnungsanzeigen in den Schaufenstern der örtlichen<br />
Immobilienagenturen macht dies deutlich. Der Wert<br />
von Eigentumswohnungen geht schnell in die Millionen.<br />
Hier kostet ein simples Studio das Gleiche, was im Rest<br />
des Landes ein großes Loft wert wäre. Wenn einmal ein<br />
ganzes Haus zum Verkauf steht, wird der Preis erst gar<br />
nicht angezeigt. Nähere Informationen dazu verrät einem<br />
der Immobilienmakler lieber in einem persönlichen Gespräch,<br />
vorausgesetzt, man wirkt solvent genug.<br />
Doch trotz der hohen Preise konnte sich die Ile Saint-<br />
Louis eine recht authentische Atmosphäre bewahren.<br />
Zwar musste manche Bäckerei oder Fleischerei inzwischen<br />
Geschäften mit Produkten weichen, die bei Touristen beliebter<br />
sind, doch insgesamt kann man nicht von einem<br />
Ausverkauf der Seele der Insel sprechen. Umso weiter man<br />
in den Osten der Insel vordringt, desto weniger wird auch<br />
der Trubel. Hier wirkt Paris fast kleinstädtisch.<br />
Eine Zeitlang war die Ile Saint-Louis sogar in zwei<br />
Hälften aufgeteilt. Um 1360 hatte man einen Kanal gebaut,<br />
der sich auf der Höhe der heutigen Rue Poulletier<br />
befand und die Ile Saint-Louis zweiteilte. Im 17. Jahrhundert<br />
wurde dieser aber wieder zugeschüttet, um zusätzlichen<br />
Baugrund zu schaffen. Erst seit dieser Zeit heißt<br />
die Insel Saint-Louis. Davor lautete der Name Ile Notre-<br />
Dame.<br />
Sonnenwiese und Picknickplatz:<br />
Die Ufer der Ile Saint-Louis<br />
Hinter dem Pont Saint-Louis sollte man unbedingt zur<br />
Seine hinuntergehen. Von der fast auf Flussniveau liegenden<br />
Promenade ergibt sich ein wunderschöner Blick auf die<br />
Umgebung. Sonnenanbeter liegen tagsüber auf den Pflastersteinen.<br />
Abends trifft man sich hier mit Freunden zum<br />
Picknick – manchmal einfach nur mit einer Flasche Wein,<br />
manchmal luxuriös mit Decke und Picknickkorb. Geselligkeit<br />
wird groß geschrieben. Folgt man anschließend dem<br />
südlichen Ufer in Richtung Osten, taucht vor einem der<br />
Pont de la Tournelle ab. Auf dem Pylon der Brücke steht<br />
eine Statue von Sainte-Geneviève, der inoffiziellen Schutzheiligen<br />
der französischen Hauptstadt.<br />
Auf der anderen Uferseite sieht man das berühmte Restaurant<br />
« La Tour d’Argent ». Es ist eines der teuersten Etablissements<br />
des Landes. Als Gast genießt man bei einem<br />
Diner dafür einen traumhaften Ausblick auf Notre-Dame.<br />
30 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Ile Saint Louis – Paris<br />
Hôtels de charme<br />
Hôtel de LUTECE<br />
65 rue St Louis en l’ile<br />
+33 (0)1 43 26 23 52<br />
Geht man auf der Uferstraße weiter, die nun nicht mehr<br />
Quai d’Orléans, sondern Quai de Béthune heißt, erreicht<br />
man die Hausnummer 24. Hier lebte und starb Georges<br />
Pompidou. Der Zufall wollte es, dass François Mitterrand<br />
fast gegenüber auf dem anderen Ufer wohnte, und zwar etwas<br />
weiter westlich in der kleinen Rue de Bièvre.<br />
Arabische Superlative an der Seine:<br />
Ein Stadtpalais für 60 Millionen Euro<br />
Für den Rückweg bietet sich die nördliche Uferstraße<br />
an. Das Stadtpalais am Quai d’Anjou mit der Hausnummer<br />
1 sorgte kürzlich für viel Aufsehen. Es wurde von<br />
einem Sohn des Scheichs von Katar für rund 60 Millionen<br />
Euro erworben. Das unter Denkmalschutz stehende<br />
Gebäude ist ein schönes Beispiel für die Architektur des<br />
18. Jahrhunderts. Der neue Eigentümer gilt als ein großer<br />
Liebhaber Frankreichs und Bewunderer der Kunst. Zur<br />
Freude des Staates will er gut 20 Millionen Euro in die Renovierung<br />
und den Erhalt des Hauses stecken. Alles könnte<br />
also zum Besten stehen, gäbe es nicht den – angesichts des<br />
Oben: Diverse<br />
Boutiquen säumen<br />
die Rue Saint-<br />
Louis-en-l’Ile, die<br />
Magistrale der<br />
Ile Saint-Louis.<br />
Linke Seite von<br />
oben nach unten:<br />
An den Ufern der Ile<br />
Saint-Louis; Baustile<br />
aus verschiedenen<br />
Epochen vermischen<br />
sich auf der Ile de la<br />
Cité; Ausflugsboote<br />
passieren die Inseln<br />
fast im Minutentakt;<br />
das Dekor vieler<br />
Läden erinnert an<br />
eine andere Zeit.<br />
Unten: Stadtpalais<br />
am Quai d’Anjou,<br />
erworben von<br />
einem Sohn des<br />
Scheichs von Katar.<br />
59 rue St Louis en l’ile<br />
+33 (0)1 43 26 13 35<br />
Hôtel<br />
HENRI IV<br />
Rive Gauche<br />
Hôtel<br />
des<br />
Deux-Iles<br />
9-11 rue St Jacques<br />
+33 (0)1 43 33 20 20<br />
Ein gemütliches Refugium im<br />
Herzen des historischen Paris<br />
www.hoteldelutece.com<br />
www.hoteldesdeuxiles.com<br />
www.henri4hotel.com
Unterwegs in Frankreich Paris<br />
Kaufpreises durchaus legitimen – Wunsch des Hausherren,<br />
das Gebäude auch mit modernem Komfort auszustatten.<br />
Ein Ansinnen, das den Denkmalschützern zuwider ist.<br />
Die Stadtverwaltung von Paris weigert sich beispielsweise,<br />
eine Tiefgarage unter dem Garten zu genehmigen,<br />
für die eine Mauer aus dem 18. Jahrhundert durchbrochen<br />
werden müsste. Die ganze Affäre um die Umbaupläne<br />
des Stadtpalais füllen inzwischen Ordner mit über 4.000<br />
Seiten. Das Kulturministerium beobachtet jegliche Baumaßnahmen<br />
mit Argusaugen. Der neue Eigentümer hätte<br />
sich wahrscheinlich mehr Diskretion gewünscht, sah sich<br />
inzwischen aber sogar gezwungen, Journalisten durch das<br />
Anwesen zu führen, um sein Projekt zu erläutern. Allerdings<br />
beruhigt sich die ganze Affäre inzwischen langsam.<br />
Beide Seiten bemühen sich mittlerweile um einvernehmliche<br />
Lösungen. Der Prinz plant keine getönten Scheiben<br />
mehr und vielleicht nimmt er auch von seinen Plänen zum<br />
Bau eines Fahrstuhls zugunsten des Erhalts einer alten<br />
Steintreppe wieder Abstand.<br />
Berthillon:<br />
Das beste Eis der Stadt<br />
Oben: Der erste Innenhof der Hausnummer 51 der Rue Saint-<br />
Louis-en-l’Ile. Unten links: Eine Sonnenuhr im zweiten Innenhof.<br />
Unten rechts: Berthillon ist für sein leckeres Eis bekannt.<br />
Wenn man danach noch Lust auf einen Abstecher auf<br />
die Rue Saint-Louis-en-l’Ile, der Magistrale im Inselinneren,<br />
hat, sollte man nicht die Librairie Ulysse in der Hausnummer<br />
26 verpassen. Auf nur 27 Quadratmetern präsentiert<br />
der Buchladen mehr als 20.000 Reisebücher. In der<br />
Hausnummer 51 bietet sich die Möglichkeit, in zwei Innenhöfe<br />
eines der Gebäude zu gelangen. Ein Pol der Ruhe<br />
inmitten der Weltstadt. Den krönenden Abschluss dieses<br />
Spaziergangs bietet aber die berühmteste Eisdiele von Paris:<br />
Berthillon in der Hausnummer 29-31. Seit 1954 bietet<br />
der Laden diverse Eissorten einer anderswo unerreichten<br />
Qualität an. Gerade an warmen Tagen bilden sich lange<br />
Schlangen vor dem Geschäft. Es gibt keinen Pariser, der<br />
diese Eis nicht liebt.<br />
32 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Square du<br />
Vert Galant<br />
PONT NEUF<br />
PLACE<br />
DAUPHINE<br />
VOIE GEORGES POMPIDOU<br />
QUAI DE L’HORLOGE<br />
Hôtel<br />
de Ville<br />
RUE DE RIVOLI<br />
18 .<br />
17.<br />
19.<br />
8. 9. 10 .<br />
2.<br />
16 . 1. 3. 20.<br />
11.<br />
7. 4.<br />
6.<br />
15.<br />
5. 12 .<br />
14. 13 .<br />
ILE DE LA CITÉ<br />
QUAI DES ORFÈVRES<br />
BOULEVARD DU PALAIS<br />
QUAI DU MARCHÉ NEUF<br />
QUAI DE LA CORSE<br />
RUE DE LA CITÉ<br />
Hôpital<br />
Hôtel-Dieu<br />
PLACE DU PARVIS<br />
NOTRE DAME<br />
QUAI AUX FLEURS<br />
SEINE<br />
Notre<br />
Dame<br />
SQUARE<br />
JEAN XXIII<br />
PT. S. LOUIS<br />
QUAI DE BOURBON QUAI D’ANJOU<br />
SQUARE DE<br />
L'ILE DE<br />
FRANCE<br />
RUE SAINT LOUIS EN L’ILE<br />
QUAI D’O RLEANS QUAI DE BÉTHUNE<br />
ILE SAINT-LOUIS<br />
BOULEVARD SAINT-GERMAIN<br />
BOULEVARD HENRI IV<br />
Aus<br />
<br />
Norddeutschland erreicht man Paris am besten über die<br />
Route Aachen – Liège – Valenciennes. Aus Süddeutschland und<br />
Österreich bietet sich die Strecke über Saarbrücken/Straßburg –<br />
Metz – Reims an. Aus der Schweiz geht es über Dijon nach Paris.<br />
Lesetipp für einen<br />
Abstecher Unterwegs<br />
Paris …<br />
… Berlin 1.060 km<br />
… Köln 490 km<br />
… Wien 1.240 km<br />
… Hamburg 905 km<br />
… München 840 km<br />
… Zürich 660 km<br />
Zahlreiche Fluggesellschaften bieten (oft mehrmals täglich)<br />
Direktflüge von vielen Städten in Deutschland, Österreich<br />
und der Schweiz nach Paris an, darunter Lufthansa, Austrian,<br />
Swiss, Air France, Air Berlin, Niki und EasyJet. In Paris gibt es zwei<br />
internationale Flughäfen, CDG und Orly, die beide gut an den<br />
öffentlichen Nahverkehr angeschlossen sind. Die meisten<br />
Flüge aus dem deutschsprachigen Raum landen in CDG.<br />
Aus Köln fährt der Thalys, aus Frankfurt und Saarbrücken<br />
der ICE, aus München und Stuttgart der TGV und aus Zürich<br />
der Lyria in wenigen Stunden mehrmals täglich nach Paris<br />
(Gare du Nord bzw. Gare de l’Est). Außerdem bestehen<br />
Nachtzugverbindungen aus dem deutschsprachigen Raum<br />
an die Seine, etwa ab Berlin und Hamburg.<br />
www.parisinfo.com<br />
Ausgabe 17<br />
Ile de la Cité: Die Sainte-Chapelle in Schönheitskur<br />
Sie ist eines der Schmuck stücke der fran zö si schen Hauptstadt.<br />
Die Sainte-Chapelle (dt. heilige Ka pelle) ist vor<br />
allem wegen ihrer einzig artigen mittel alter lichen Buntglas<br />
fenster berühmt. 2008 be gann ein umfangreiches<br />
Rest aur ierungs vor haben, das bis 2013 dauern soll.<br />
Informationen zur Bestellung dieser<br />
und anderer Ausgaben finden Sie<br />
auf Seite 97.<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 33
Unterwegs in Frankreich Cassis<br />
34 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Cassis<br />
Eine Frage des Gleichgewichts<br />
Rund 20 Kilometer von Marseille entfernt befindet sich das<br />
Fischerdorf Cassis. Dank einer respektvollen Distanz zu den<br />
Ferienzentren der Côte d’Azur weiter im Osten konnte sich<br />
der Ort ein Gleichgewicht zwischen Ursprünglichkeit und<br />
touristischer Entwicklung bewahren. Vor der Haustür locken<br />
das blaue Mittelmeer, die weltberühmten Calanques und<br />
eine der höchsten Steilküsten Europas.<br />
Der Südosten Frankreichs ist<br />
eine Region der Superlative<br />
und der Klischees. Nirgendwo<br />
sonst im Land ist das Klima so mild,<br />
die Lebensqualität so hoch, das Leben<br />
aber auch so teuer. Schon beim Hören<br />
der Worte « Côte d’Azur » und « Provence<br />
» geraten viele Menschen auf der<br />
ganzen Welt ins Schwärmen. Kein<br />
Landstrich verkörpert das französische<br />
Savoir-vivre besser als diese Region.<br />
Viele Kommunen nutzen dieses positive<br />
Image natürlich gerne für ihre eigene<br />
touristische Entwicklung. Dabei<br />
wird manchmal nicht vor den schlimmsten<br />
Klischees haltgemacht, schließlich<br />
geht es um viel Geld. So verwundert es<br />
nicht, dass einige bereits den Ausverkauf<br />
der provenzalischen Seele beklagen.<br />
Denn die Côte d’Azur und die<br />
Provence kann man auch mit zubetonierten<br />
Küsten und einem zersiedelten<br />
Hinterland, mit Orten, durch die sich<br />
im Sommer die Autoschlangen quälen,<br />
und mit einer durch Werbetafeln verschandelten<br />
Landschaft assoziieren.<br />
Cassis hat der Versuchung, sein<br />
Glück durch schnelles Geld zu finden,<br />
bis heute jedoch relativ gut widerstanden.<br />
Natürlich strömen auch<br />
hierher viele Besucher – gerade in<br />
den Sommermonaten. Dies ist nicht<br />
erstaunlich, da es an Reizen nicht<br />
mangelt: mehr als 320 Sonnentage<br />
jährlich, eine einmalige Lage zwischen<br />
dem Cap Canaille und dem Massif des<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 35
Unterwegs in Frankreich Cassis<br />
Im Uhrzeigersinn: Cap Canaille vom Meer<br />
aus gesehen; Boulespieler unter Platanen;<br />
typisch provenzalische Häuserfassaden;<br />
Château de Cassis, heute ein Hotel.<br />
Rechte Seite: Blick vom Cap Canaille.<br />
S. 34/35: Der Hafen von Cassis mit dem<br />
Château oberhalb der Steilküste.<br />
Calanques, eine gut erhaltene Altstadt,<br />
ein kleiner pittoresker Hafen und<br />
renommierte Weingüter in der Umgebung.<br />
Doch bisher hält sich der Trubel<br />
in annehmbaren Grenzen.<br />
Ob dies immer so bleiben wird, ist<br />
abzuwarten. Schon jetzt merkt man<br />
einigen Boutiquen in der Altstadt an,<br />
dass sie es vor allem auf zahlungsfreudige<br />
Touristen abgesehen haben und<br />
Produkte anbieten, die mit einem authentischen<br />
provenzalischen Lebensgefühl<br />
nur noch wenig gemeinsam<br />
haben. Natürlich kann Cassis nicht<br />
in der Steinzeit verharren und ist der<br />
Wunsch der Bürger nach wirtschaftlichem<br />
Wohlstand durch den Tourismus<br />
legitim. Man muss nur hoffen, dass<br />
das heutige Gleichgewicht dabei nicht<br />
eines Tages aus den Fugen gerät.<br />
Wenn man in einem der Cafés am<br />
Hafen unter freiem Himmel Platz<br />
genommen hat, verfliegen solche<br />
Gedanken allerdings schnell wieder.<br />
Die Szenerie ist einfach zu schön für<br />
pessimistische Reflexionen. Obwohl<br />
die große Mittelmeermetropole Marseille<br />
nur wenige Kilometer entfernt<br />
liegt, fühlt man in Cassis nichts vom<br />
hektischen Großstadttreiben. In Cassis<br />
gehen die Uhren noch langsamer,<br />
das Lebensgefühl ist entspannt und<br />
geruhsam. Sicherlich einer der Gründe,<br />
warum auch viele Marsaillais gerne<br />
hierher kommen bzw. gleich ihren<br />
Zweitwohnsitz hier genommen haben.<br />
Bestärkt wird dieser idyllische<br />
Eindruck durch die einzigartige Lage<br />
in einer Bucht zwischen zwei landschaftlichen<br />
Höhepunkten: dem Cap<br />
Canaille im Osten, das sich bis Ciotat<br />
hinzieht und mit einer der höchsten<br />
Steilküsten des Kontinents – 394 Meter<br />
über dem Meeresspiegel erheben<br />
sich die Felswände – aufwartet, und<br />
dem Massif des Calanques im Westen,<br />
dessen fjordähnliche Buchten, Calanques<br />
genannt, Weltruhm genießen.<br />
Wer den Charme des Ortes verstehen<br />
will, sollte deshalb auch die Umgebung<br />
erkunden. Eine Fahrt zum Cap<br />
Canaille ist garantiert ein unvergessliches<br />
Erlebnis. Von der Küstenstraße<br />
zwischen Cassis und Ciotat eröffnet<br />
sich ein traumhafter Panoramablick<br />
auf die gesamte Bucht. Von hier oben<br />
sieht man auch, wie unverbaut die<br />
Umgebung von Cassis – anders als an<br />
vielen Stellen des Mittelmeeres – ist.<br />
Die natürliche Schönheit wurde bewahrt.<br />
Ausreichend viele Parkbuchten<br />
machen das Anhalten entlang der<br />
Strecke einfach. Wer gut zu Fuß ist,<br />
sollte den Wanderweg entlang der<br />
Steilküste nutzen. Auf rund 15 Kilometern<br />
schlängelt er sich an der Felskante<br />
entlang. Allerdings ist der Weg<br />
nur wenig gesichert, so dass er gerade<br />
für Menschen mit Höhenangst eine<br />
Herausforderung darstellt.<br />
Aber auch von « unten », vom Meer<br />
oder von Cassis aus, wirkt die Steilwand<br />
des Cap Canaille überwältigend.<br />
Besonders betörend ist dabei das Spiel<br />
der Farben, das die Felsen je nach<br />
Tageszeit in einem anderen Farbton<br />
leuchten lässt – in diversen Ockertönen<br />
während des Tages, rötlich in<br />
36 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
der Abenddämmerung vor dem Sonnenuntergang.<br />
Der Kontrast zu dem<br />
blauen Meer und den grünen Pinien<br />
inspirierte viele Maler und Fotografen.<br />
Denn Cassis ist auch ein Ort der<br />
Kunst. Der Verein « L’Art et la Manière<br />
» organisiert von April bis Oktober<br />
an einem Sonntag im Monat unter<br />
dem Namen « Place aux Peintres » eine<br />
Ausstellung mit Künstlern.<br />
Ein anderer Ausflug sollte unbedingt<br />
zu den Calanques westlich des<br />
kleinen Hafenstädtchens führen. Denn<br />
zwischen Cassis und Marseille erstrecken<br />
sich fjordähnliche Buchten, die teilweise<br />
nur vom Meer aus erreicht werden<br />
können. Das Wasser schimmert hier<br />
von dunkelblau bis türkisgrün. Sandige<br />
Strände locken Badelustige an. Beeindruckend<br />
sind auch die Felsformationen,<br />
die aus weißem Kalksandstein<br />
bestehen und über 120 Millionen Jahre<br />
lang von Wind und Wasser geformt<br />
wurden. Ein kleines Paradies.<br />
Es verwundert nicht, dass eine derartige<br />
Naturschönheit Neider anlockt.<br />
Denn obwohl die Calanques allgemein<br />
als die Calanques von Cassis bekannt<br />
sind, « beansprucht » auch Marseille<br />
einen Teil für sich. Aber zum Glück<br />
bleibt es bei einer freundschaftlichen<br />
« Auseinandersetzung », denn die Gegend<br />
ist groß genug, um beiden Kommunen<br />
bei der Tourismuswerbung zu<br />
helfen. Und als Besucher kann einem<br />
das ohnehin egal sein. Hier lassen sich<br />
problemlos mehrere Tage verbringen<br />
– entweder auf einem der vielen Wanderwege<br />
oder gemütlich am Strand in<br />
einer der Buchten.<br />
Zurück in Cassis bietet sich ein<br />
Bummel entlang des kleinen Hafens<br />
an. Noch immer fahren die Fischer<br />
von hier aus hinaus aufs Meer und<br />
trocknen am Ufer ihre Fischernetze.<br />
Besonders maritim geht es Ende <strong>Juni</strong><br />
zu, wenn während der Fête de la Mer<br />
et des Pêcheurs (dt. Fest des Meeres<br />
und der Fischer) Schiffstaufen stattfinden<br />
und überall die kulinarischen Errungenschaften<br />
der Region angeboten<br />
werden.<br />
Lohnend ist auch ein Rundgang<br />
durch die Altstadt mit ihren kleinen<br />
Gassen und vielen Läden. Durch die<br />
Enge der Straßen und dank der Platanen<br />
findet man dort in den heißen<br />
Sommermonaten ein wenig Schatten<br />
und Abkühlung. Und natürlich darf<br />
man das Château de Cassis nicht verpassen.<br />
Es thront oberhalb der Stadt<br />
und wurde auf den Resten einer Festung<br />
aus dem 8. Jahrhundert errichtet.<br />
Am Ende des 15. Jahrhunderts beherbergte<br />
die Burg um die 250 Menschen.<br />
Heute ist das Anwesen in Privatbesitz<br />
und dient als Hotel.<br />
Bei einem Stadtbummel kann es<br />
einem passieren, dass man auf eine<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 37
Bourges<br />
Unterwegs in Frankreich Cassis<br />
Bern<br />
71/E11<br />
A89/E70<br />
kleine Gruppe neugieriger Touristen<br />
trifft, die den Worten eines Mannes<br />
lauscht: Jean-Pierre Cassely. Er ist<br />
ein großer Kenner und Liebhaber der<br />
Region und hat diverse Bücher über<br />
Cassis und seine Umgebung verfasst.<br />
Doch seine größte Leidenschaft ist es,<br />
Fremde durch die Stadt zu führen und<br />
Montluçon<br />
dabei manche Anekdote aus der Stadt-<br />
A71/E11<br />
geschichte oder kleine Geheimnisse<br />
zu verraten. Wer mehr über den Ort<br />
erfahren möchte, sollte ruhig an einem<br />
der Stadtrundgänge teilnehmen. Aber<br />
A72/E70<br />
auch ohne Führung wird man sich der<br />
Schönheit<br />
Clermontdieses<br />
Fischerdorfes nicht<br />
Ferrand<br />
entziehen können. Hoffentlich noch<br />
viele Jahre A75/E11 lang.<br />
Chalon-sur-Seine<br />
A6/E15<br />
Lyon<br />
Lausanne<br />
Genève<br />
Annecy<br />
Chamébry<br />
le Mont-Dore<br />
St. Etienne<br />
Abendstimmung am Hafen<br />
von Cassis, der bis heute von<br />
Fischern frequentiert wird.<br />
Grenoble<br />
Valence<br />
x<br />
e<br />
A81/E80<br />
Narbonne<br />
Perpignan<br />
A9/E15<br />
Aus<br />
<br />
den meisten Regionen Deutschlands<br />
und der Schweiz erreicht man<br />
Cassis über die Rhône-Tal-Autobahn,<br />
aus Österreich und dem äußersten Südosten<br />
Deutschlands über Norditalien<br />
und die Côte d’Azur. Cassis hat eine<br />
eigene Ausfahrt an der Autobahn A50<br />
von Marseille nach Toulon. Schöner ist<br />
es jedoch, sich dem Ort über eine der<br />
beiden Küstenstraßen zu nähern: Aus<br />
dem Westen (Marseille) über die D559,<br />
aus dem Osten (La Ciotat) über die<br />
D141 entlang des Cap Canaille.<br />
A75/E11<br />
Cassis …<br />
Lodève<br />
… Berlin 1.540 km … Hamburg 1.530 km<br />
Montpellier<br />
… Köln 1.070 km … München 1.060 km<br />
… Wien 1.340 km<br />
… Zürich Aigues-Mortes 710 km<br />
Der nächste Bézier Flughafen ist in Marseille.<br />
Luft hansa bietet Nonstopverbindungen<br />
ab Frankfurt a.M. und München sowie<br />
am Wochenende im Sommer von<br />
Düsseldorf und Stuttgart in die Mittelmeer<br />
metropole an. Germanwings bedient<br />
die Strecke ab Köln/Bonn, EasyJet<br />
ab Basel/Mulhouse. Air France bindet<br />
Marseille via Paris an den deutschsprachigen<br />
Raum an.<br />
AP7/E15<br />
Collioure<br />
Port-Vendres<br />
Banyuls-sur-Mer<br />
38 · Frankreich erleben Cerbère · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong><br />
A9/E15<br />
Es gibt nach Cassis keine direkten Office de Tourisme<br />
Zug verbindungen aus dem deutsch-<br />
Quai des Moulins<br />
sprachigen Raum. Aus Paris verkehrt<br />
A7/E15<br />
der TGV in drei Stunden nach Marseille.<br />
Von dort fahren Vorortzüge (TER)<br />
nach Cassis. Interessant kann auch<br />
der Autozug aus Deutschland nach<br />
Avignon sein.<br />
13260 Cassis<br />
Telefon: +33 (0)4 42 01 67 82<br />
Place aus Peintres<br />
www.peindreacassis.com<br />
Stadtrundgänge mit Jean-Pierre<br />
www.ot-cassis.com<br />
Orange<br />
Cassely<br />
www.provence-insolite.com<br />
A9/E15<br />
Avignon<br />
Nîmes<br />
A51/E712<br />
A54/E805 Arles<br />
Cannes<br />
A1/E30<br />
Aix-en-Provence<br />
A8/E80<br />
A52<br />
A8/E80<br />
A55<br />
A57<br />
Marseille<br />
A50<br />
Saint-Tropez<br />
Toulon<br />
Cassis<br />
Nice
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ausschließlich für Belange verwendet, die in direktem Zusammenhang mit Kulinary stehen.
Unterwegs in Frankreich Hotel<br />
The Regent Grand Hotel Bordeaux<br />
Luxusherberge im Herzen der Weinmetropole<br />
Place de la Comédie, Bordeaux – dies ist keine Adresse<br />
wie jede andere. Hier befindet man sich an einem der<br />
renommiertesten Orte der Weinkapitale. In der Mitte<br />
gleitet die neue ultramoderne Straßenbahn über den zur<br />
Fußgängerzone umgewandelten Platz, zur Garonne hin erhebt<br />
sich das altehrwürdige Grand Théâtre mit seinen zwölf<br />
korinthischen Säulen und gegenüber steht das Grand Hotel<br />
der Stadt. So waren es die Bordelais jedenfalls seit Jahrzehnten<br />
gewohnt – bis zum Jahr 1990, in dem das alte Grand<br />
Hotel wegen Renovierungsmaßnahmen geschlossen wurde.<br />
Doch anstatt kurz danach wie geplant im neuen Glanz wiedereröffnet<br />
zu werden, fiel das Gebäude in einen über ein<br />
Jahrzehnt dauernden Dornröschenschlaf. Bordeaux hatte<br />
sein Grand Hotel verloren. Ein Umstand, der viele Bordelais<br />
mit Schmerz erfüllte.<br />
Umso größer war die Freude und Erwartungshaltung,<br />
als um die Jahrtausendwende eine Immobilienfondsgesellschaft<br />
aus der Region das Gebäude kaufte und kurz danach<br />
mit den Planungen für ein neues Grand Hotel im Herzen<br />
der Stadt begann. Doch die Bordelais mussten sich erneut in<br />
Geduld üben, denn der Eröffnungstermin wurde mehrmals<br />
nach hinten verschoben. Schließlich war es im Dezember<br />
2007 dann endlich soweit: Als The Regent Grand Hotel<br />
Bordeaux und nicht als Radisson SAS wie ursprünglich<br />
40 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
A10/E5<br />
Rennes<br />
N24<br />
Le Mans<br />
Orleans<br />
Vannes<br />
N165/E60<br />
A11/E501<br />
Angers<br />
A28/E502<br />
A10/E5-E60<br />
Chambord<br />
la Baule<br />
A11/E60<br />
A86/E60<br />
Tours<br />
Cheverny<br />
A71/E9<br />
St. Nazaire<br />
Nantes<br />
A83<br />
geplant – beide Marken gehören zur Rezidor Cholet Hotel Group,<br />
die das Haus betreibt – öffnete das neue Luxushotel seine<br />
Pforten. Endlich wurde eine Wunde im Herzen der Weinmetropole<br />
wieder geschlossen. Die Bordelais hatten ihr<br />
Grand Hotel zurück.<br />
Wenn auch die ersten Monate nicht ganz reibungslos<br />
verliefen und sogar bis heute, bald zwei Jahre nach der Eröffnung,<br />
noch immer nicht alles fertig ist – der Spa- und Wellnessbereich<br />
des Hotels wird nach letzten Informationen erst<br />
im Herbst <strong>2009</strong> eingeweiht –, hat sich das Warten durchaus<br />
gelohnt. Jedenfalls dann, wenn man Hotels, die den Charme<br />
ehrwürdiger Hotelpaläste verströmen, zu schätzen weiß.<br />
La Rochelle<br />
Denn obwohl das Haus und die Zimmer von Grund auf er-<br />
E5/A10<br />
neuert wurden, hat man als Gast nicht den Eindruck, in einem<br />
A83<br />
N11/E601<br />
A87<br />
Niort<br />
« neuen » Hotel zu logieren. Die Innenausstattung wurde vom<br />
bekannten französischen Designer E602/A837 Jacques Garcia gestaltet,<br />
der neoklassische mit modernen Designelementen mischte.<br />
Heraus kam ein Hotel, das mit viel Plüsch und üppiger Dekoration<br />
für einen edlen Gesamteindruck sorgt. Ein Hotel, das<br />
sich nicht hinter den großen Hotelpalästen der französischen<br />
Hauptstadt und anderswo in der Welt verstecken muss.<br />
Monts<br />
Chenonceau<br />
Einige der Zimmer bieten einen schönen Blick auf das<br />
Grand Théâtre. Wer Bouges-le-Château die notwendigen finanziellen Mittel<br />
für die 110 Quadratmeter große Suite Royale hat, darf sich<br />
A20/E9<br />
sogar über eine exklusive Dachterrasse mit Blick über die<br />
A71/E11<br />
Dächer von Bordeaux und einen Whirlpool freuen. Für<br />
A10/E5<br />
« Normalreisende » bleibt aber wohl eher die Wahl zwischen<br />
zwei Zimmertypen: Chambre Supérieure und Chambre<br />
Sarzay<br />
Deluxe. Poitiers Leider liegen viele Zimmer jedoch zu Innenhöfen,<br />
so dass sich der Ausblick auf die nächste Hauswand beschränkt.<br />
Ansonsten bietet The Regent Grand Hotel Bordeaux natürlich<br />
alle Annehmlichkeiten, die man von einem solchen<br />
Luxushotel erwarten darf. Angefangen vom kostenlosen<br />
WLAN-Zugang über Satellitenfernsehen bis zum Marmorbad.<br />
Eine Brasserie, eine Bar und ein Feinschmeckerrestaurant<br />
stehen für das leibliche Wohl der Gäste zur Verfügung.<br />
Und wer das Hotel gar nicht mehr verlassen möchte, kann<br />
in einer hoteleigenen<br />
Limoges<br />
« Fashion Avenue » shoppen gehen.<br />
Letzteres wäre aber schade, denn schließlich liegt auch das<br />
Goldene AngoulêmeDreieck, wie Bordeaux’ exklusives Einkaufsviertel<br />
heißt, gleich um die Ecke.<br />
A85<br />
Bourges<br />
Montlu<br />
Bordeaux<br />
E5/A10<br />
A89/E70<br />
Libourne<br />
The Regent Grand Hotel Bordeaux<br />
2-5, place de la Comédie<br />
33000 Bordeaux<br />
Telefon: +33 (0)5 57 30 44 44<br />
www.theregentbordeaux.com<br />
Arcachon<br />
E5-E70/A63<br />
A52/E72<br />
DZ ab 390 Euro, <strong>Juni</strong>orsuite ab 560 Euro, gelegentlich<br />
Sonderangebote, Preis für die Suite Royale auf Anfrage<br />
150 Zimmer, Feinschmeckerrestaurant, kostenloses WLAN<br />
Donostia-<br />
S. Sebastian<br />
Biarritz<br />
Bayonne<br />
Toulouse<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 41
Unterwegs in Frankreich Charleville–Mézières<br />
Charleville-Mézières<br />
Dichterleben und Marionettenkunst<br />
« Sie wollen nach Charleville-Mézières? Was<br />
wollen Sie denn da? » Solcherlei verwunderte<br />
Fragen schlugen mir entgegen, als ich Bekannten<br />
von meinen Reiseplänen berichtete.<br />
Man sagte mir, Charleville-Mézières sei eine<br />
graue Garnisonsstadt im Norden des Landes,<br />
die unter dem Strukturwandel und den Truppenverlagerungen<br />
leide. Ich hatte aber von<br />
einigen spannenden Sehenswürdigkeiten gehört,<br />
die ich gerne mit eigenen Augen sehen<br />
wollte, und machte mich auf den Weg in die<br />
Ardennen. Ich fand ein beeindruckendes Museumsprojekt<br />
über den Dichter Rimbaud und<br />
lernte einiges über das weltgrößte Festival der<br />
Marionettenkunst.<br />
Bei meiner Einfahrt in die Hauptstadt des Departements<br />
Ardennen gelange ich ganz von selbst auf den<br />
zentralen Platz der Stadt, die Place Ducale. Charleville<br />
ist im frühen 17. Jahrhundert auf dem Reißbrett entstanden<br />
und die Planer konzipierten die Place Ducale als<br />
dominierenden Platz der Stadt. Mit den Bauarbeiten war<br />
Clément Métezeau betraut, der Bruder des weitaus bekannteren<br />
Baumeisters Louis Métezeau, der in Paris die berühmte<br />
Place des Vosges erbaute. Manche fragen sich deshalb,<br />
ob es ein Zufall ist, dass die Place Ducale der Place des<br />
Vosges von Paris so ähnlich sieht – und wer sich da vielleicht<br />
von wem inspirieren ließ.<br />
Der rechteckige Platz ist rundherum von Bürgerhäusern<br />
umgeben, deren Fassaden zum Teil restauriert sind. Einige<br />
sind noch dunkel verfärbt und zeugen vom Autoverkehr, der<br />
sich früher einmal hier entlangquälte. Das ist aber vorbei,<br />
die Place Ducale ist nun zum größten Teil verkehrsberuhigt.<br />
An dem heißen Sommertag strebe ich eines der Cafés unter<br />
42 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
den kühlen Bogengängen rund um den Platz an, von wo aus<br />
sich das Treiben auf der Place Ducale in aller Ruhe betrachten<br />
lässt. Ich werde an den nächsten Tagen noch häufiger<br />
hierher kommen und den Charme des Platzes schätzen<br />
lernen. Charleville-Mézières ist keine Touristenstadt und<br />
die Place Ducale mit ihren Cafés und Bars wird von den<br />
Bewohnern in einer alltäglichen Selbstverständlichkeit genutzt,<br />
die an so vielen malerischen Orten von touristischer<br />
Folkore verdrängt worden ist.<br />
So prächtig die Place Ducale auch ist, Charleville-<br />
Mézières größte Attraktion ist doch der Dichter Arthur<br />
Rimbaud, dessen eindringliche Poesie für die französische<br />
Literatur von so großer Bedeutung ist. Er wurde hier 1854<br />
geboren, verlebte seine Kindheit in der Stadt und ist nach<br />
seinem frühen Tod auch hier beerdigt worden. Heute gibt es<br />
in Charleville-Mézières überall Hinweise auf den berühmten<br />
Sohn. Vor allem aber erweisen zwei Museumsprojekte<br />
Arthur Rimbaud die Referenz.<br />
Da ist zum einen das Musée Rimbaud in der alten<br />
Mühle an der Maas, nur wenige Schritte von der Place<br />
Ducale entfernt. Dort werden im Erdgeschoss persönliche<br />
Gegenstände, Fotos und Manuskripte des Dichters gezeigt.<br />
In den beiden oberen Etagen finden wechselnde Ausstellungen<br />
statt, die sich nicht nur auf die Person Rimbauds,<br />
sondern auch auf Themen seiner Dichtung beziehen. Das<br />
Musée Rimbaud ist mit seiner zentralen Lage zwar ziemlich<br />
repräsentativ, unterscheidet sich aber mit seiner Konzeption<br />
nicht von den vielen Museen an anderen Orten, die<br />
berühmten Personen gewidmet sind.<br />
Die wirkliche Rimbaud-Attraktion von Charleville-<br />
Mézières befindet sich ein paar Schritte weiter am Quai<br />
Rimbaud. Dort reiht sich in der Nummer 7 die <strong>Mai</strong>son des<br />
Ailleurs bescheiden in die Front der anderen Bürgerhäuser<br />
ein. Dabei ist die <strong>Mai</strong>son des Ailleurs eines jener visionären<br />
Museumsprojekte, für die die französische Kulturlandschaft<br />
so berühmt ist. Das Haus erzählt von den zahlreichen Reisen<br />
des Dichters, die für sein Leben und seine Poesie von<br />
grundsätzlicher Bedeutung waren. Darauf spielt auch der<br />
Name des Museums an: <strong>Mai</strong>son des Ailleurs – Das Haus<br />
des Anderswo.<br />
In dem dreigeschossigen Bürgerhaus aus dem frühen 19.<br />
Jahrhundert bewohnte Arthur Rimbaud mit seiner Mutter<br />
ein paar Zimmer der oberen Etage. Inzwischen ist das<br />
ganze Gebäude Rimbaud gewidmet. Das Besondere ist,<br />
dass im Hause konsequent auf gegenständliche Exponate<br />
verzichtet wird. Das Treppenhaus und die Räume sind leer.<br />
Gefüllt werden sollen sie von der Phantasie der Besucher.<br />
Jeder Raum ist einer Reise des Dichters gewidmet und lässt<br />
den Besucher über das Hören und Sehen die Atmosphäre<br />
verspüren, die zu den jeweiligen Stationen gehören: Charleville,<br />
Marseille, London, Brüssel, Aden, Harar.<br />
Im ersten Raum setze ich mich auf den wohl einzigen<br />
Gegenstand im gesamten Haus, eine Bank aus einem<br />
Zugabteil des 19. Jahrhunderts. Über Lichtinstallationen<br />
und Musik werde ich auf eine Reise geschickt. Das Wohin<br />
ist dabei nicht wichtig, denn der Raum ist schlicht dem<br />
Linke Seite: Schattige Cafés an der Place<br />
Ducale laden zum Verweilen ein.<br />
Ganz oben: Blick über die Maas auf die Alte<br />
Mühle, heute Sitz des Musée Rimbaud.<br />
Oben links: Die Statue des Stadtgründers Charles<br />
de Conzague auf der Place-de-l‘Hôtel de Ville.<br />
Oben rechts: Vorderansicht des Musée Rimbaud.<br />
Unten: Manche Häuser an der Place Ducale<br />
warten noch auf ihre Restaurierung.<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 43
Unterwegs in Frankreich Charleville–Mézières<br />
Oben: Das Ausstellungskonzept der <strong>Mai</strong>son des Ailleurs setzt ganz auf visuelle und akustische Effekte.<br />
Rechte Seite: Der Frankokanadier Michel A. Thérien als poète en résidence der <strong>Mai</strong>son des<br />
Ailleurs. Im Gartenhäuschen fertigte er u.a. auch Kaligraphien seiner Gedichte.<br />
« Non-lieu » gewidmet, dem « Nicht-Hier ». Es ist der Ort,<br />
der für das Fernweh steht und für die Sehnsucht, ganz<br />
woanders zu sein und dort das Glück zu finden. Stimmengewirr,<br />
das Rattern von Schienen und Fetzen exotischer<br />
Musik klingen durch den Raum. Auf der Wand spielen<br />
Lichtflecke miteinander Fangen und sehen aus wie gleißendes<br />
Sommerlicht.<br />
Ich verspüre den Impuls, aufzustehen und wie gewöhnlich<br />
den nächsten Ausstellungsraum zu betreten. Aber dieses<br />
Museum ist keine Ausstellung, durch die man wandeln<br />
kann, um sich in aller Ruhe die Exponate anzusehen. Hier<br />
ist man Teil des Konzepts. Die <strong>Mai</strong>son des Ailleurs beginnt<br />
ihre Erzählung erst, wenn man sich Zeit gibt, die Lichter,<br />
Töne und Farben auf sich wirken zu lassen. In manchen<br />
Zimmern werden aus dem Off Texte von Rimbaud eingespielt,<br />
in anderen herrscht vollkommene Stille. Dafür werden<br />
Schriftzeilen an die Wand geworfen und wechseln sich<br />
mit dramatischen Farbspielen ab. Die <strong>Mai</strong>son des Ailleurs<br />
ist ein leeres Gebäude und dennoch voll von Sinneseindrücken.<br />
Es bleibt einem nichts anderes übrig, als zu verharren<br />
und sich von den Impressionen von Raum zu Raum treiben<br />
zu lassen, so wie sich Rimbaud vielleicht auch von Reiseziel<br />
zu Reiseziel treiben ließ.<br />
Im Erdgeschoss gibt es eine kleine Bibliothek, deren<br />
Fenster auf einen winzigen, von hohen Mauern eingefassten<br />
Garten zeigen. Eine Angestellte ist freundlich zu Auskünften<br />
bereit. « Ja », sagt sie, « das Museumskonzept der <strong>Mai</strong>son<br />
des Ailleurs ist etwas Besonderes. Aber ich will Ihnen nicht<br />
44 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
verheimlichen, dass es für uns am Anfang auch gewöhnungsbedürftig<br />
war. » Sie lacht und deutet auf den Tresen,<br />
wo Informationsblätter in verschiedenen Sprachen ausliegen.<br />
« Sie verstehen schon, ein Museum ohne Exponate – das ist<br />
doch kein Museum. Das einzig Reelle, was ich den Leuten<br />
anbieten kann, ist das Informationsmaterial. » Und doch<br />
wissen die Besucher das Ausstellungskonzept zu schätzen.<br />
« Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie die Besucher<br />
am Anfang eher befremdet sind. Die meisten aber kommen<br />
nach dem Rundgang begeistert zurück und viele erzählen<br />
mir von ihren Eindrücken. Das ist eine schöne Erfahrung,<br />
die ich von meiner Arbeit vorher so nicht kannte. »<br />
Die würdige Dame deutet durch das offene Fenster auf<br />
einen Herrn, der im Garten einen Kaffee trinkt. « Das ist<br />
Michel Thérien, unser derzeitiger poète en résidence », gibt<br />
sie mir stolz zu verstehen. An der hinteren Gartenmauer<br />
befindet sich ein Häuschen, das für mehrere Wochen im<br />
Jahr Künstlern aus dem französischsprachigen Raum zur<br />
Verfügung gestellt wird. Sie werden zu Veranstaltungen<br />
eingeladen, die nicht nur, aber auch auf Rimbaud oder seine<br />
Dichtung Bezug nehmen.<br />
Das macht mich neugierig und ich bitte den Gast um<br />
ein Gespräch. Monsieur Thérin lächelt freundlich und<br />
schnell fangen wir an zu plaudern. « Es ist natürlich eine<br />
Ehre für mich, in der <strong>Mai</strong>son des Ailleurs zu Gast zu sein.<br />
Zwar ist mir die Dichtung Rimbauds ziemlich fern, aber<br />
von dem Gebäude geht eine Inspiration aus, der ich mich<br />
gar nicht verschließen kann », sagt er mir. Thérien ist eingeladen,<br />
in Charleville-Mézières Lesungen zu halten, und<br />
arbeitet an Gedichten, die er zu diesem Anlass präsentieren<br />
will. Er bittet mich zu sich in das Gartenhaus und liest mir<br />
daraus vor. Auch das ist die <strong>Mai</strong>son des Ailleurs – da treffen<br />
sich zwei Fremde und werden über das Thema Rimbaud für<br />
einen Augenblick zu Freunden. Zum Abschied schenkt mir<br />
Michel Thérien einen Vers, den er in bester Kaligraphie auf<br />
einen dicken Bogen Papiers zeichnet. « Ich finde », bemerkt<br />
er dazu, « dass das besonders gut zu Rimbaud und zu seiner<br />
Dichtung passt. »<br />
Dans toute chose<br />
si éphimère soit-elle<br />
nous cherchons toujours<br />
la pérennité des mots.<br />
In allen Dingen,<br />
Wie flüchtig sie auch sein mögen,<br />
Suchen wir doch immer<br />
Die Ewigkeit der Worte.<br />
Nicht nur die Stadt Charleville-Mézières beschäftigt<br />
sich mit Arthur Rimbaud, auch das Departement Ardennen<br />
hat sympathische Sehenswürdigkeiten zu Rimbaud zu<br />
bieten. Eine der sorgfältig ausgeschilderten Touristenstraßen<br />
im Departement ist die Route Rimbaud/Verlaine. Sie<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 45
Unterwegs in Frankreich Charleville–Mézières<br />
führt die Besucher an Schauplätze des Lebens von Arthur<br />
Rimbaud und seines Dichterkollegen Paul Verlaine. Die<br />
beiden verband eine der spektakulärsten Liebes- und Arbeitsbeziehungen<br />
des 19. Jahrhunderts. Die Werke, die sie<br />
dabei schufen, waren Inspiration und Vorbild für eine ganze<br />
Dichtergeneration.<br />
Der 16-jährige Arthur Rimbaud traf 1871 den um vieles<br />
älteren Dichter Paul Verlaine, den er schon lange aus der<br />
Ferne verehrte. Verlaine war zu dieser Zeit ein angesehener<br />
Mann der Pariser Gesellschaft, der Frau und Kinder hatte.<br />
Doch die Begegnung mit Rimbaud änderte sein ganzes Leben.<br />
Er verließ aus Liebe zu Rimbaud seine Familie, wofür<br />
er von der Pariser Gesellschaft geächtet wurde, und begab<br />
sich mit Rimbaud auf eine zweijährige Reise, die sie nach<br />
England und Belgien führte, die im Eigentlichen aber eine<br />
Höllenfahrt war, bei der heftige Streits von Phasen intensiven<br />
gemeinsamen Arbeitens abgelöst wurden.<br />
Nach zwei Jahren hatten sich die Dichter so sehr entzweit,<br />
dass es zum Äußersten kommt. Verlaine bekommt<br />
einen Tobsuchtsanfall und versucht, seinen Freund zu erschießen.<br />
Rimbaud kann flüchten, Verlaine wird von der<br />
Polizei gefasst und zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Die<br />
gleichermaßen selbstzerstörerische wie fruchtbare Episode<br />
der beiden Dichter nahm damit ihr Ende – und sie sahen<br />
einander nie wieder. Noch heute wird häufig mehr über<br />
das skandalbehaftete Liebesverhältnis gesprochen als über<br />
die unerhörte literarische Produktivität der beiden Dichter.<br />
Manch einer ist sogar der Meinung, dass die beiden in<br />
dieser Zeit so abhängig voneinander waren, dass sie zwar<br />
ohneeinander nicht schreiben konnten, miteinander aber<br />
dafür umso größere Werke zustande brachten.<br />
Wer sich heute auf die Spuren dieser beiden Dichter<br />
begeben möchte, muss nicht unbedingt ihre Dichtungen<br />
kennen. Denn die Route Rimbaud/Verlaine ist vor allem<br />
eine schöne Gelegenheit, die anmutige hügelige Landschaft<br />
des Departements Ardennen zu entdecken. Auf ruhigen<br />
Nebenstraßen führt die Route an bezaubernden ehemaligen<br />
Klöstern, uralten Gehöften und gut erhaltenen Kirchen<br />
vorbei.<br />
Mein Ziel auf der Route Rimbaud/Verlaine ist das<br />
Musée Verlaine in <strong>Juni</strong>ville. Verlaine und Rimbaud sahen<br />
sich zwar nach ihrer Trennung 1873 nie wieder, lebten aber<br />
zeitweise nur ein paar Dutzend Kilometer voneinander entfernt.<br />
Rimbaud wohnte manchmal bei seiner Mutter in dem<br />
kleinen Dorf Roche, während sich Verlaine von 1880 bis<br />
1882 in <strong>Juni</strong>ville niederließ, wo er einen Bauernhof erworben<br />
hatte. Er hatte sich im Gefängnis dem Glauben zugewandt,<br />
war aber auch mehr denn je dem Alkohol verfallen.<br />
In <strong>Juni</strong>ville verbrachte er seine Tage im Dorfgasthof Lion<br />
d’Or. Am Nachmittag schrieb er, am Abend soff er. Zwei<br />
Jahre ging das exzessive Leben so, bis Verlaine nach dem<br />
Bankrott seines Bauernhofs die Ardennen wieder Richtung<br />
Paris verließ.<br />
In <strong>Juni</strong>ville hat man dem Dichter, der erst ab den<br />
1890er-Jahren landesweite Anerkennung erfuhr, ein Museum<br />
gewidmet. Es ist ganz durch Privatinitiative aufgebaut<br />
46 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
worden und zeigt damit eine Parallele zum Leben Verlaines,<br />
der in seinem Leben oft von privaten Gönnern unterstützt<br />
wurde. Der alte Dorfgasthof ist eigentlich ein Museum<br />
über das Dorfleben im 19. Jahrhundert – mit der Besonderheit,<br />
dass alle Gegenstände von Verlaine benutzt worden<br />
sind. Die Räume sind in den Zustand versetzt worden, die<br />
der Gasthof zu Verlaines Jahren in <strong>Juni</strong>ville hatte, und man<br />
glaubt in der Wirtsstube fast, den Geruch von Branntwein<br />
und Ruß in der Nase zu haben.<br />
Das Museum wird von Marc Gaillot betreut, der mich<br />
herumführt und mich fragt: « Was wissen Sie von Verlaine? »<br />
Als ich « Nicht viel… » antworte, erlebe ich einen Vortrag,<br />
wie ich ihn in noch keinem Museum gehört habe. Mit Begeisterung<br />
erzählt Gaillot die Lebensgeschichte Verlaines,<br />
beschreibt sein Verhältnis zu Rimbaud, schimpft auf die<br />
Leute, die sich mehr für die Skandale als für die Dichtung<br />
der beiden interessieren und berichtet mit Eifer von den Jahren<br />
des Aufbaus des Museums. Als ich das Gebäude wieder<br />
verlasse, schwirrt mir der Kopf vom Crashkurs zur französischen<br />
Literaturgeschichte. Vor allem aber kann ich mich<br />
auf dem Rückweg nach Charleville-Mézières einer gewissen<br />
Ehrfurcht vor so viel Dichterverehrung nicht erwehren.<br />
In der Stadt habe ich eine Verabredung mit Alain Tourneux,<br />
dem Direktor der städtischen Museen von Charleville-Mézières.<br />
Ich will ihn zu den Rimbaud-Museen befragen,<br />
aber während ich in dem mit Papieren vollgestopften<br />
Büro im Musée de l’Ardenne sitze, komme ich kaum zu<br />
Wort. Monsieur Tourneux ist ein Mann mit Visionen, die<br />
<strong>Mai</strong>son des Ailleurs zeugt davon. Natürlich denkt er dabei<br />
grenzüberschreitend. In Zusammenarbeit mit deutschen,<br />
englischen und südfranzösischen Universitäten und Kultureinrichtungen<br />
ist er im Begriff, ein weiteres Aufsehen<br />
erregendes Projekt umzusetzen: den Parcours Rimbaud.<br />
An neun Orten, an denen sich Rimbaud aufgehalten<br />
hat, darunter London, Stuttgart, Marseille und das äthiopische<br />
Harar, werden Videokameras installiert, die miteinander<br />
über das Internet verbunden sind. Schaut ein Besucher<br />
auf den Bildschirm, sieht er, was am anderen Ort gerade<br />
geschieht – wird dabei aber auch selbst von einer Kamera<br />
gefilmt. Das « être d’ailleurs », das Anderswosein, das das<br />
Leben Rimbauds so sehr bestimmt hat, wird hier noch einmal<br />
aufgegriffen. « Wir sind erst am Anfang des Projektes<br />
und haben noch einige Probleme mit dem Internet und den<br />
Servern », gibt Tourneux zu, « aber der erste Teil funktioniert<br />
bereits! »<br />
Er führt mich zu einer Wand im Innenhof des an die<br />
Place Ducale grenzenden Musée de l’Ardenne, wo in eine<br />
Metalltafel die Silhouette Rimbauds eingelassen ist. Dahinter<br />
befindet sich ein Bildschirm. Ich schaue hinein und<br />
blicke geradewegs in den Garten der <strong>Mai</strong>son des Ailleurs<br />
am anderen Ende der Stadt. Da ist zwar weiter niemand zu<br />
sehen, aber die Idee ist, erklärt mir der Direktor begeistert,<br />
dass im Idealfall am anderen Ende der Leitung ebenfalls<br />
ein Besucher in die Kamera schaut. Später sollen sich die<br />
Leitungen abwechseln, und die Besucher der teilnehmenden<br />
Museen werden virtuell miteinander verbunden sein.<br />
Das Musée Verlaine<br />
in <strong>Juni</strong>ville ist der<br />
ehemalige Gasthof<br />
Lion d’Or, in dem Paul<br />
Verlaine dichtete<br />
und zechte.<br />
Linke Seite: Der Garten<br />
der <strong>Mai</strong>son des Allieurs<br />
wird vom Bildschirm<br />
des Musée de<br />
l‘Ardenne eingefangen<br />
– erste Station des<br />
« Parcours Rimbau ».<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 47
Unterwegs in Frankreich Charleville–Mézières<br />
Ein Projekt, das zeigt, wie bereitwillig sich manche Museen<br />
heute der modernen Technik öffnen. Es ist aber auch<br />
ein Beispiel für die Fähigkeit der französischen Kulturverwaltungen,<br />
eine gewisse Marke zu kreieren. Die Mischung<br />
traditioneller Museumskonzepte wie das Musée Rimbaud<br />
oder die Route Rimbaud/Verlaine mit der reflektierenden,<br />
modernen Ausstellungsweise der <strong>Mai</strong>son des Ailleurs und<br />
des Parcours Rimbaud lässt mir die « Marke » Rimbaud sehr<br />
sympathisch werden.<br />
Bevor sich der Direktor im Musée de l’Ardenne von mir<br />
verabschiedet, weist er auf noch eine ganz andere Attraktion<br />
von Charleville-Mézières hin. Denn die Ardennenstadt<br />
ist das Zentrum der französischen Marionettenkunst und<br />
nennt sich selbst die « Welthauptstadt des Marionettenspiels<br />
». Nirgendwo sonst sieht man so viele Geschäfte, die<br />
Marionetten verkaufen, nirgendwo sonst gibt es so viele<br />
Marionettenspieler und vor allem: Nirgendwo sonst ist eine<br />
ganze Stadt dem Marionettenspiel so verfallen wie die Bevölkerung<br />
von Charleville-Mézières.<br />
Ein Nationales Institut für Marionettenkunst muss<br />
natürlich hier seinen Sitz haben. Das 1981 gegründete<br />
staatliche Institut residiert in einem alten Gebäude auf<br />
der Place Winston Churchill, vor dem sich zu jeder vollen<br />
Stunde Touristen versammeln. An der Fassade des Marionetteninstituts<br />
zeigt eine zehn Meter große Puppenspieluhr<br />
dann die Mittelalter-Sage der « Quatre Fils Aymon » (dt.<br />
Sage von den Haimonskindern). Das Institut ist Wand an<br />
Wand zum Musée de l’Ardenne gebaut. Eine Glasscheibe<br />
ermöglicht es, vom Inneren des Musée de l’Ardenne aus in<br />
das Uhrwerk zu schauen und zu beobachten, wie die riesige<br />
Mechanik die Figuren bewegt, die die Besucher draußen an<br />
der Fassade bestaunen.<br />
Es ist hauptsächlich dem Marionettenspieler Jacques<br />
Félix zu verdanken, dass das Marionettenspiel in Charleville-Mézières<br />
heute so eine enorme Bedeutung hat. Als<br />
17-Jähriger hatte er sich bei einem lothringischen Marionettenspieler<br />
ausbilden lassen und spielte während der Jahre<br />
des Zweiten Weltkriegs in seiner Heimatstadt für die Kinde,<br />
die aus den großen Städten für die Ferien auf das Land<br />
geschickt wurden. In den Zeiten von Krieg und Leid wollte<br />
er bei den Kleinen Freude und Lachen verbreiten – und bei<br />
den Großen mit seinen Puppen Geschichten erzählen, die<br />
die deutschen Besatzer sonst nicht geduldet hätten. Er warb<br />
nach dem Krieg so emsig für das Marionettenspiel, das er<br />
immer auch als Theater für Erwachsene verteidigte, dass er<br />
schon 1948 einen Zuschuss der Stadt einstreichen konnte.<br />
1961 gelang es ihm und seinen Mitstreitern, das erste<br />
internationale Marionettenfestival in Charleville-Mézières<br />
zu veranstalten. Seitdem ist die Stadt aus der Marionettenszene<br />
nicht mehr wegzudenken. Seit bald 50 Jahren wird<br />
das Festival alle drei Jahre veranstaltet und wird von Mal zu<br />
Mal größer und bedeutender. Die Stadt mit ihren 50.000<br />
Einwohnern steht dann zehn Tage lang Kopf, 150.000<br />
Besucher werden – meist in Privatquartieren – beherbergt,<br />
und auf den Straßen reiht sich ein buntes Spektakel an das<br />
andere. Im Herbst <strong>2009</strong> findet das Festival das nächste Mal<br />
statt und es werden Puppenspielertruppen aus nicht weniger<br />
als 25 Ländern erwartet. Darunter eine Frauengruppe<br />
aus dem Iran, die ihre Kunst zum ersten Mal außer Landes<br />
zeigt.<br />
Als ich von der besonderen Marionettentradition in<br />
Charleville-Mézières hörte, dachte ich an die typischen<br />
Puppen, die an langen Fäden hängend vor schwarzen Vorhängen<br />
bewegt werden. Doch ich werde eines Besseren<br />
48 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Oben links: Julie und Antoine, Studenten der staatlichen Hochschule<br />
für Marionettenkunst, improvisieren ein Theaterstück.<br />
Großes Foto: Die iranische Gruppe Yase Taman wird zum<br />
Marionettenfestival <strong>2009</strong> zum ersten Mal in Frankreich auftreten.<br />
Foto links: Das Figurentheater Tübingen wird ebenfalls<br />
auf dem Marionettenfestival zu Gast sein.<br />
Linke Seite: Die « Grand Marionnette » des Institut International de<br />
la Marionnette spielt zu jeder vollen Stunde die mittelalterliche<br />
Haimonssage nach, die sich in den Ardennen zugetragen haben soll.<br />
belehrt. Marionettenaufführungen sind heute ein hochkreatives<br />
Spiel mit Formen und Figuren. Längst wird der<br />
Puppenspieler nicht mehr hinter den Vorhängen versteckt,<br />
sondern ist oft Teil des Stücks, wenn die Grenze zwischen<br />
Marionettenspiel und Schauspiel verschwimmt.<br />
Im Institut International de la Marionnette erfahre<br />
ich, dass sich in Charleville-Mézières die einzige staatliche<br />
Hochschule für Marionettenkunst des Landes, ja wenn<br />
nicht gar Europas, befindet. Sie wurde 1987 gegründet und<br />
ist eine ziemlich exklusive Veranstaltung: An ihr werden<br />
pro Ausbildungsgang nur 16 Studenten betreut. Die Schule<br />
ist in einem alten Gebäude aus dem 18. Jahrhundert untergebracht.<br />
Als ich vorbeischlendere, sehe ich durch die geöffneten<br />
Fenster, dass in der Werkstatt noch gearbeitet wird. Die<br />
Studenten geben bereitwillig Auskunft über ihre Arbeit.<br />
Die junge Studentin Julie erzählt mir, dass sie sich ein<br />
Jahr lang auf den Concours vorbereitet hat. « Die Aufnahmeprüfungen<br />
sind hart und dauern drei Tage », sagt sie.<br />
« Man muss eine Mappe mit Entwürfen einreichen und<br />
eine siebentägige Hospitanz absolvieren. » Wenn man<br />
dann angenommen ist, dauert das Studium drei Jahre, in<br />
denen die Studenten in der Herstellung von Marionetten,<br />
dem Marionettenspiel und der Regie unterrichtet werden.<br />
Die Abschlussprüfung ist natürlich ein selbstgeschriebenes<br />
Stück, mit selbstgefertigten Puppen. Julie und ihr<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 49
A6/E15<br />
Unterwegs in Frankreich Charleville–Mézières<br />
Kommilitone Antoine sind im ersten Jahr und beschäftigen<br />
sich gerade mit dem Material Schaumstoff. « Dieses<br />
Material erhöht die Beweglichkeit der Puppen und lässt<br />
uns ganz eigene Geschichten erzählen », erklären sie mir.<br />
Sie lassen sich nicht lange bitten und improvisieren für<br />
mich ein kurzes Stück, das mich gar nicht daran zweifeln<br />
lässt, dass in den beiden große Talente schlummern.<br />
Mit dem Besuch in der Hochschule für Marionettenkunst<br />
verabschiede ich mich von Charleville-Mézières. Ich<br />
fuhr in eine kleine nordfranzösische Garnisonsstadt, von<br />
der man mir erzählte, es lohne sich nicht, sie zu besuchen.<br />
Was ich gefunden habe, ist aber eine kleine Stadt, die ungewöhnliche<br />
Geschichten zu erzählen hat und die es auf<br />
beeindruckende Weise versteht, ihren kulturellen Reichtum<br />
zu pflegen und sehr lebendig zu erhalten. Da sage noch einmal<br />
einer, Charleville-Mézières sei keine Reise wert!<br />
Aus<br />
<br />
Norddeutschland erreicht man<br />
Charle ville-Mézières über Aachen und<br />
Belgien. Aus Süddeutschland, Österreich<br />
und der Schweiz erfolgt die Anreise<br />
am besten über die Autobahn<br />
A4 (Straßburg/Saarbrücken-Paris) bis<br />
Metz. Von dort über die A30 und A31<br />
nach Longwy und anschließend per<br />
Land straße entlang der französischbel<br />
gi schen Grenze nach Charleville-<br />
Mézières.<br />
Charleville-Mézières …<br />
… Berlin 890 km<br />
… Hamburg 730 km<br />
… Köln 330 km … München 715 km<br />
Calais Dunkerque<br />
… Wien 1.085 km … Zürich 560 km<br />
Die französischen Ardennen verfügen<br />
Boulogneüber keinen eigenen Flughafen. Roubaix Die<br />
nächsten aus dem deutschsprachigen<br />
Raum angeflogenen Flughäfen<br />
Lille<br />
sind in<br />
Paris, Brüssel und Luxemburg.<br />
Es gibt keine direkten Zugverbindungen<br />
aus dem deutschsprachigen Arras Raum in<br />
die französischen Ardennen. Ver bindungen<br />
über Luxemburg bzw. Belgien<br />
sind zeitraubend und bedürfen des<br />
mehrmaligen Amiens Umsteigens. Charlesville-<br />
Mézières ist aber ans französische TGV-<br />
Netz angeschlossen.<br />
www.charleville-mezieres.org<br />
A1/E15-E19<br />
Lesetipp für einen Abstecher Unterwegs<br />
Ausgabe 18<br />
Im sagenhaften Grün der Ardennen<br />
« Aktivurlaub in den Ardennen » – mit<br />
diesem Werbeslogan macht das kleine<br />
Departement im Norden Frankreichs<br />
seit längerem auf sich aufmerksam.<br />
Die Mittelgebirgslandschaft mit ihren<br />
Informationen zur Bestellung<br />
sanften Hügeln und grünen Bergketten<br />
dieser und anderer Ausgaben Antwerpen liegt eigentlich ein bisschen abseits der<br />
finden Sie auf Seite 97.<br />
üblichen Touristenströme.<br />
Gent<br />
Musée Paul Verlaine<br />
1, rue de pont Paquis Bruxel<br />
08310 <strong>Juni</strong>ville<br />
Telefon: +33 (0)3 24 39 68 00<br />
Zum 150. Geburtstag Rimbauds wurde<br />
2006 ein bemerkenswertes Kunst pro jekt<br />
im Internet lanciert. Auf www.rim baudarthur.fr<br />
Liege werden die User höchst virtuos<br />
durch die Lebens- und Schaffensstationen<br />
Das nächste Marionettenfestival findet<br />
des be rühm ten Dichters<br />
vom 18. bis 27. September Charlroi <strong>2009</strong> statt.<br />
www.festival-marionnette.com<br />
geführt.<br />
Charleville-Mézières<br />
A4/E25<br />
Luxembourg<br />
A34/E46<br />
A13/E5<br />
Musée Rimbaud & <strong>Mai</strong>son des Ailleurs<br />
Quai Arthur Rimbaud<br />
08000 Charleville-Mézières<br />
Telefon: +33 (0)3 24 32 44 65<br />
A16<br />
Musée de l’Ardenne<br />
31, place Ducale<br />
08000 Charleville-Mézières<br />
Telefon:<br />
PARIS<br />
+33 (0)3 24 32 44 60<br />
A4/E50<br />
A4/E50<br />
A26/E17<br />
Reims<br />
Châlons-en-<br />
Champagne<br />
A4/E50<br />
A31/E<strong>21</strong>-E23<br />
Metz<br />
A4<br />
Saarbrücken<br />
Nancy<br />
A11/E50<br />
50 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong><br />
A5/E54<br />
A26/E17
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Abo-Vertrieb: interabo Betreuungs-GmbH, Amtsgericht Hamburg HRB 35763, Geschäftsführer: Uwe Flashaar.
Unterwegs in Frankreich La Rochelle<br />
La Rochelle<br />
Eine der schönsten und beliebtesten<br />
Hafenstädte der französischen Atlantikküste<br />
ist La Rochelle. Schon immer richteten die<br />
Bürger der Stadt ihren Blick über das Meer<br />
hinaus. Es entstand eine Weltoffenheit, die<br />
man bis heute bei den Einheimischen spürt.<br />
Bei allem Glanz sollte jedoch nicht vergessen<br />
werden, dass sich der Wohlstand der<br />
Hafenstadt zu einem großen Teil auf einen<br />
grausamen Dreieckshandel mit Sklaven<br />
zwischen Europa, Afrika und Amerika gründet.<br />
Ein Thema, das lange Zeit verdrängt wurde,<br />
inzwischen aber recht offensiv von der<br />
Stadtverwaltung angegangen wird.<br />
La Rochelle ist ein ganz besonderer Ort. Nicht wie<br />
Paris, das mit seiner Größe und seinen Sehenswürdigkeiten<br />
der Superlative in die Welt hinausstrahlt.<br />
Auch nicht wie Biarritz oder Nizza, die als legendäre Seebäder<br />
den internationalen Jetset anziehen. Und auch nicht wie<br />
Bordeaux, das sich selbstverliebt an seiner eigenen Schönheit<br />
ergötzt. Nein, La Rochelle ist anders und dennoch nicht weniger<br />
besonders. Es ist wohlhabend, weltoffen und von einer<br />
kulturellen Agilität, die man an der französischen Atlantikküste<br />
nicht oft findet. Und die Hafenstadt ist vor allem<br />
schön. Man braucht dafür nur am alten Hafenbecken mit<br />
seinen bei Sonne weiß leuchtenden und bei Regen leicht<br />
morbide wirkenden Häuserfassaden entlang zu spazieren,<br />
um dem Charme der Stadt zu erliegen.<br />
Kein Wunder also, dass sich hier viele Pariser wohl fühlen.<br />
Sie fliehen nach dem Ende der Berufstätigkeit gerne<br />
nach La Rochelle, das mit dem TGV in weniger als drei<br />
Stunden erreicht werden kann, um hier ihren Wohnsitz<br />
zu nehmen. In der Stadt am Meer mit der überschaubaren<br />
Größe, dem milden Klima und dem attraktiven Kulturleben<br />
lässt es sich gut leben. Gerade die im Französischen als<br />
52 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Die Schöne und<br />
ihre zwielichtige<br />
Vergangenheit<br />
gauche caviar bezeichneten linken Eliten des Landes wissen<br />
diese Vorzüge zu schätzen. Denn La Rochelle pflegt keinen<br />
lauten und aufdringlichen Luxus wie die Côte d’Azur.<br />
Wohlstand ist hier allgegenwärtig und dennoch nur in dosierter<br />
Menge nach außen hin sichtbar.<br />
Zu der linksliberalen Grundhaltung der Stadt passt<br />
auch, dass jeden Sommer wieder die sozialistische Partei<br />
Frankreichs ihren großen Jahreskongress hier abhält. Schon<br />
die französische Bezeichnung dafür, université d’été du parti<br />
socialiste (dt. Sommeruniversität der Sozialistischen Partei),<br />
klingt verheißungsvoll, zumindest spannender als « Parteitag<br />
». Drei Tage lang geben sich dann die Größen der Partei<br />
die Klinke in die Hand und diskutieren mit der Basis über<br />
politische Projekte und Perspektiven – wenn auch wegen<br />
der Dauerkrise in der Partei seit der Machtübernahme von<br />
Nicolas Sarkozy in bescheidenerer Tonart.<br />
Doch die Schönheit und die hohe Lebensqualität der<br />
Stadt sind nicht nur in Paris bekannt. Auch viele ausländische<br />
Touristen kommen jedes Jahr nach La Rochelle. Sie<br />
schätzen die Altstadt und das malerische Hafenbecken genauso<br />
wie die Nähe zu schönen Stränden und den Inseln im<br />
Atlantik vor den Toren der Stadt. Sie besuchen<br />
gerne die örtlichen Museen oder das neue<br />
Aquarium, das seit seiner Eröffnung im Dezember<br />
2000 zu einer beliebten Sehenswürdigkeit wurde. Der<br />
moderne Bau liegt etwas abseits des alten Hafenbeckens<br />
und ist der Mittelpunkt eines neuen Stadtviertels mit zahlreichen<br />
Wohnungen am Wasser, das der Hafenstadt auch<br />
ein zeitgenössisches Gesicht verleiht.<br />
La Rochelle verkörpert irgendwie also die ideale Stadt,<br />
einen Ort, der eigentlich alles zu haben scheint. Doch wo<br />
viel Licht ist, gibt es meist auch Schatten. La Rochelle bildet<br />
zu dieser Regel keine Ausnahme. Denn das Gewissen<br />
der Hafenstadt hat einige sehr dunkle Flecken. Viele der<br />
schönen Fassaden, die heute die Häuser des malerischen<br />
Vieux Port säumen, stammen aus einer Zeit, die aus heutigem<br />
Verständnis nicht gerade als ruhmreich bezeichnet werden<br />
kann. Eine Epoche, in der die Rochelais, wie die Bewohner<br />
heißen, ein kleines Vermögen mit dem Handel von Sklaven<br />
anhäuften. Ein Kommerz, der von Europa nach Afrika, von<br />
Afrika nach Amerika und von Amerika wieder nach Europa<br />
führte. Von diesem Dreieckshandel profitierten vor allem<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 53
Unterwegs in Frankreich La Rochelle<br />
S. 52/53: Blick auf den Vieux<br />
Port von La Rochelle.<br />
Rechts: Gemälde vom Hafen<br />
von Edouard Pinel aus dem<br />
19. Jahrhundert (Musée<br />
du Nouveau Monde).<br />
Unten: Der Cours des Dames<br />
und Quai Duperré am Vieux<br />
Port. Zahlreiche Lokalitäten<br />
laden zum Verweilen ein.<br />
Rechte Seite: Der Tour Saint-<br />
Nicolas, Tour de la Chaîne und<br />
Tour de la Lanterne gehören<br />
zu den Wahrzeichen der Stadt.<br />
die Europäer. Und La Rochelle war eines der Hauptzentren<br />
dieses Handels.<br />
Schon im 16. Jahrhundert waren die Spanier auf diesem<br />
Gebiet aktiv. Es wird vermutet, dass auch aus La Rochelle<br />
das erste Handelsschiff im Jahre 1594 in Richtung Gabon<br />
aufbrach. Sicher ist aber auf jeden Fall, dass die erste belegte<br />
französische Expedition 1643 ihren Ausgang in La<br />
Rochelle nahm. Die Idee hinter diesem Handel war simpel:<br />
Mit Waren beladene Schiffe verließen Europa in Richtung<br />
Afrika. Dort wurden die mitgebrachten Produkte gegen<br />
Menschen eingetauscht. Diese wurden mit den Schiffen<br />
dann bei unwürdigen Zuständen, die viele nicht überlebten,<br />
über den Atlantik gebracht, um in Amerika als Sklaven<br />
verkauft bzw. erneut gegen Waren eingetauscht zu werden.<br />
Schließlich brauchten die Überseekolonien tüchtige Arbeitskräfte.<br />
Die Schiffe kehrten anschließend mit Zucker,<br />
Kaffee, Baumwolle, exotischen Hölzern und anderen Erzeugnissen<br />
aus der neuen Welt nach Europa zurück.<br />
Dieser Sklavenhandel wurde auf französischem Boden<br />
im Jahre 1670 durch ein Dekret von Colbert offiziell gemacht.<br />
Kurz danach, 1672, stieg auch Bordeaux in diesen<br />
lukrativen Handel ein. 1688 folgten Nantes und Saint-Malo.<br />
Doch der richtige « Durchbruch » kam erst 1716, als ein<br />
königliches Dekret einen freien Sklavenhandel garantierte.<br />
Zur Ehre von La Rochelle muss jedoch gesagt werden,<br />
dass der Hafen zwar ein wichtiger, aber nicht der größte<br />
Nutznießer des Dreieckshandels war. Dieser zweifelhafte<br />
Ruhm kommt der Rivalin im Norden, Nantes, zu, über deren<br />
Hafen rund 40 Prozent der Expeditionen durchgeführt<br />
wurden. Erst mit großem Abstand folgten Bordeaux, Le<br />
Havre und eben La Rochelle, die alle um den zweiten Platz<br />
wetteiferten, zusammen aber gerade einmal 30 Prozent der<br />
Expeditionen abwickelten.<br />
54 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
La Rochelle profitierte dabei von dem Umstand, dass<br />
sich die Stadt schon seit dem 16. Jahrhundert gute Handelsbeziehungen<br />
in die Karibik aufgebaut hatte. Aus diesem<br />
Grund steuerten die meisten Schiffe während des späteren<br />
Dreieckshandels vor allem die Insel Hispaniola an, die<br />
heute die Dominikanische Republik und Haiti beheimatet.<br />
Fast alle bedeutenden Familien von La Rochelle beteiligten<br />
sich damals an diesem Kommerz. Oftmals unterhielten sie<br />
auch eigene Plantagen in den Überseegebieten. Und fast<br />
alle herrschaftlichen Stadthäuser stammen aus dieser Epoche.<br />
Man verdiente gut mit diesem Geschäft zwischen drei<br />
Kontinenten. Aber auch andere mit diesem Handel in Zusammenhang<br />
stehende Branchen entwickelten sich prächtig,<br />
etwa der Schiffsbau oder die Zuckerraffinerien.<br />
Gleichwohl schienen Gewissensbisse kaum zu existieren.<br />
Selbst für die Kirche hatten Schwarze keine Seele.<br />
Man sah in diesen Menschen eine Ware wie jede andere.<br />
Außerdem bekam die heimische Bevölkerung im Alltag<br />
kaum etwas von den menschenunwürdigen Sklaventransporten<br />
mit, fanden sie doch zwischen Afrika und den Kolonien<br />
in der neuen Welt statt. Zuhause landeten vor allem<br />
begehrte Erzeugnisse aus der Karibik. Zumindest ließ sich<br />
das menschliche Elend dahinter gut verdrängen. Es ging<br />
vor allem um Profit.<br />
Die Konzentration auf Hispaniola wurde den Rochelais<br />
später jedoch zum « Verhängnis ». Denn mit der Gründung
Unterwegs in Frankreich La Rochelle<br />
Oben: Blick aufs neue Aquarium. Im Umfeld entstand in den letzten Jahren ein neuer Stadtteil. Unten links: Blick auf die Hafeneinfahrt<br />
vom Meer aus. Unten rechts: Die zentrale Lage von La Rochelle macht den Hafen heute bei Hobbykapitänen beliebt.<br />
der ersten schwarzen Republik im Westen der Insel im<br />
Jahre 1804, der Geburtsstunde des Staates Haiti, kam der<br />
Dreieckshandel von La Rochelle aus nach einigen Unterbrechungen<br />
und Störungen in den Jahren zuvor plötzlich<br />
und endgültig zum Erliegen, während Städte wie Bordeaux<br />
und Nantes den Kommerz noch bis in die Mitte des 19.<br />
Jahrhunderts fortsetzen konnten.<br />
Eher als die Nachbarstädte begann man in La Rochelle<br />
auch mit der Aufarbeitung dieses Kapitels der eigenen<br />
Geschichte. Nicht ohne Grund befindet sich das Musée du<br />
Nouveau Monde in einem alten Stadthaus einer bekannten<br />
Handelsfamilie. So lässt sich heute nicht nur der in dieser<br />
Zeit angehäufte Wohlstand besser erahnen, sondern es sorgen<br />
auch regelmäßige Ausstellungen dafür, dass die Geschichte<br />
an einem authentischen Ort nicht in Vergessenheit gerät.<br />
Wenn man heute durch die Straßen von La Rochelle<br />
schlendert und das maritime Lebensgefühl genießt, sollte<br />
man sich nicht für den Besuch der Stadt schämen. Natürlich<br />
ist die Zeit des Dreieckshandels nur eine Epoche<br />
in der langen Vergangenheit von La Rochelle, die neben<br />
Tiefen selbstverständlich auch Höhen kannte. Und es ist<br />
eine Zeit, die schon lange vergangen ist, für die heutige<br />
Generationen nicht verantwortlich sind. Es schadet aber<br />
nicht, auch an diesen dunklen Zeitabschnitt zu denken,<br />
um sich der Zerbrechlichkeit moderner Werte bewusst zu<br />
werden.<br />
Ansonsten werden die schmucken Gassen und Arkaden<br />
der Altstadt, die malerisch vor sich hin schaukelnden Segelboote<br />
im Hafenbecken und die vielen Sehenswürdigkeiten,<br />
wie die beiden markanten Türme Tour de la Chaîne und<br />
Tour Saint-Nicolas, zwischen denen früher nachts eine<br />
Kette gespannt wurde, um die Hafeneinfahrt zu versperren,<br />
schnell die Gedanken in die schöne Gegenwart befördern.<br />
Und La Rochelle hat dies mehr als verdient!<br />
56 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
N165/E60<br />
N24<br />
Lorient<br />
Vannes<br />
N165/E60<br />
A11/E501<br />
Aus<br />
<br />
den meisten deutschen Regionen<br />
sowie aus Österreich erreicht man La<br />
Rochelle am besten via Brüssel bzw.<br />
Metz, Paris und Tours. Aus der Schweiz<br />
sowie dem äußersten Südwesten<br />
Deutschlands sollte man Frankreich<br />
weiter südlich durchqueren. Von der<br />
Autobahn A10 (Paris-Bordeaux) führt<br />
eine Schnellstraße nach La Rochelle.<br />
La Rochelle …<br />
… Berlin 1.515 km<br />
… Köln 945 km<br />
… Wien 1.695 km<br />
… Hamburg 1.365 km<br />
… München 1.295 km<br />
… Zürich 975 km<br />
Zum Flughafen von La Rochelle gibt<br />
es aus dem deutschsprachigen Raum<br />
keine direkten Flugverbindungen. Er ist<br />
auch nicht ans Flugnetz von Air France<br />
angebunden. Die nächsten größeren<br />
Flughäfen sind in Bordeaux und Nantes,<br />
die beide mit Air France via Paris bzw.<br />
Lyon aus dem deutschsprachigen<br />
Raum angeflogen werden.<br />
Es bestehen keine direkten Bahnverbindungen<br />
aus dem deutsch-<br />
Quiberon<br />
sprachigen Raum nach La Rochelle.<br />
la Baule<br />
Aus Paris verkehren TGV-Züge in die<br />
Hafen stadt. Die Fahrzeit beträgt St. Nazaire weniger<br />
als drei Stunden.<br />
www.larochelle-tourisme.com<br />
Office de Tourisme<br />
2, quai Georges Simenon<br />
17000 La Rochelle<br />
Telefon: +33 (0)5 46 41 14 68<br />
Musée du Nouveau Monde<br />
10, rue Fleuriau<br />
17000 La Rochelle<br />
Telefon: +33 (0)5 46 41 46 50<br />
Aquarium<br />
Quai Louis Prunier<br />
17000 La Rochelle<br />
Telefon: +33 (0)5 46 34 00<br />
www.aquarium-larochelle.com<br />
Nantes<br />
A83<br />
Angers<br />
A11/E60<br />
A87<br />
Cholet<br />
A83<br />
N11/E601 Niort<br />
La Rochelle<br />
E5/A10<br />
E602/A837<br />
A86/E60<br />
Lesetipp zu einem Ausflug in der Umgebung<br />
Ausgabe <strong>Nr</strong>. 19<br />
Ile de Ré – Diskreter<br />
Luxus mit maritimem<br />
Flair<br />
Manche nennen<br />
die Ile de<br />
Ré das « Saint-<br />
Tropez der Atl<br />
a n t i k k ü s te ».<br />
Doch der<br />
Ver gleich beschreibt den Charme<br />
des kleinen Eilands vor der Küste von<br />
La Rochelle nur unzureichend. Zwar<br />
ist ein gewisser Wohlstand nicht zu<br />
übersehen und die Orte auf der Insel<br />
wirken sehr gediegen, doch Luxus<br />
wird auf der Ile de Ré nicht protzig<br />
zur Schau gestellt. Vielmehr konnte<br />
sich die Insel eine eher heimelige<br />
Atmosphäre bewahren. Hübsche<br />
Dörfer und viel Natur verzaubern die<br />
Besucher.<br />
Bordeaux<br />
E5/A10<br />
A89/E70<br />
Libourne<br />
Informationen zur Bestellung dieser und anderer Ausgaben finden Sie auf Seite 97.<br />
E5-E70/A63<br />
A52/E72<br />
Donostia-<br />
S. Sebastian<br />
Biarritz<br />
Bayonne<br />
Pau<br />
Ta
Unterwegs in Frankreich Zentralmassiv<br />
Zentralmassiv:<br />
die natur<br />
als kunstraum<br />
Zum dritten Mal wird in diesem Sommer das<br />
Massif du Sancy im Regionalpark der Vulkane<br />
der Auvergne westlich von Clermont-Ferrand<br />
zum Schauplatz moderner Kunst unter freiem<br />
Himmel. Horizons <strong>2009</strong> heißt das Ereignis, bei<br />
dem vom 1. Juli bis zum 20. September Neugierige<br />
die monumentalen Werke von elf<br />
Künstlern auf sich wirken lassen können.<br />
Ein altes französisches Sprichwort besagt: « Quand on<br />
n’a pas de pétrole, on a des idées » (dt. « Wenn man<br />
kein Öl hat, hat man Ideen »). Wenn man keine natürlichen<br />
Reichtümer besitzt, muss man nach diesem geflügelten<br />
Wort im Leben nicht zwangsläufig scheitern. Es<br />
reicht aus, einen guten Einfall im richtigen Moment zu haben.<br />
Wenn man inmitten der Vulkane der Auvergne lebt,<br />
Bürgermeister einer kleinen Kommune ist und eine touristische<br />
Entwicklung der Heimat gewünscht ist, bedarf es in<br />
der Tat eines innovativen Ansatzes. In der heutigen Zeit<br />
reicht es kaum aus, nur eine unberührte Natur und den authentischen<br />
Charme einer Gegend in den Vordergrund zu<br />
stellen. Zu viele Orte weltweit behaupten bereits von sich,<br />
die schönste Landschaft, die grünste Natur oder die interessantesten<br />
Museen zu besitzen. Man muss also einen anderen<br />
Einfall haben.<br />
Die Auvergne gilt seit jeher – ob zu Recht oder nicht –<br />
als eine isolierte Region, die man nur schwer mit dem Auto<br />
oder dem Zug erreichen kann. Doch selbst wenn dies heute<br />
58 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Ein Werk von der Horizons 2008:<br />
« Les empreintes du ciel » von Gilles<br />
Brusset. Mit 250 reflektierenden Platten<br />
soll ein Bezug zwischen Himmel<br />
und Erde hergestellt werden.<br />
dank eines Ausbaus der Infrastruktur nicht mehr wirklich<br />
stimmt, bleibt dem Landstrich aus touristischer Sicht trotzdem<br />
das Handicap, weit vom Meer entfernt und abseits der<br />
beliebtesten Touristengegenden Frankreichs zu liegen. Die<br />
Reichtümer mögen in der Auvergne vielleicht begrenzt sein,<br />
die Ideen sind es jedenfalls nicht.<br />
Die Bürgermeister von zehn Kommunen im Massif du<br />
Sancy westlich von Clermont-Ferrand (ab diesem Sommer<br />
sogar elf) haben deshalb zusammengesessen und überlegt,<br />
wie man die Naturschönheiten der Region so in Szene<br />
setzen könnte, dass neue Zielgruppen damit angesprochen<br />
würden. Heraus kam ein ungewöhnliches Projekt: Kunst<br />
in freier Natur, weit abseits der üblichen Zentren der modernen<br />
Kunstszene. Die Schönheit der Natur soll dabei<br />
im Einklang mit den Reizen der Exponate stehen, die von<br />
Künstlern aus der ganzen Welt für einen Sommer geschaffen<br />
werden. Felder, Wälder, Seen, Vulkane, Wasserfälle werden<br />
somit zum integralen Bestandteil kreativen Schaffens.<br />
Ein Ansatz, der durchaus als mutig anzusehen ist. Es<br />
war nicht unbedingt einfach, zumindest am Anfang, internationale<br />
Künstler von der Notwenigkeit zu überzeugen, in<br />
die Provinz zu reisen, um dort ihre Werke in freier Landschaft<br />
auszustellen. Genauso bedurfte es einiger Überzeugungsarbeit<br />
bei der heimischen Landbevölkerung, die eigenen<br />
Felder und Wälder Künstlern zur Verfügung zu stellen.<br />
Denn ein Großteil der Werke wird auf Privatgrundstücken<br />
ausgestellt.<br />
Nathalie Fort vom örtlichen Fremdenverkehrsamt<br />
erinnert sich noch gut an die Anfänge: « 2007, als wir die<br />
erste Ausgabe des Events planten, waren einige Mitbürger<br />
ganz und gar nicht von dem Vorhaben überzeugt. Für sie<br />
war die Natur an sich kostbar genug. Kunst würde nach<br />
ihrer Meinung diese pure Schönheit nur stören ». Doch die<br />
Organisatoren versuchten zu überzeugen. Mit Erfolg, wie<br />
Nathalie betont: « Es entwickelte sich alsbald ein Vertrauensverhältnis<br />
zwischen den Bewohnern und den Künstlern.<br />
Heute sind einige der skeptischsten Mitbürger die größten<br />
Botschafter des Events geworden. Die Menschen freuen<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 59
Unterwegs in Frankreich Zentralmassiv<br />
sich, dass man sich für ihre Heimat interessiert, sie genießen<br />
die neue Aufmerksamkeit ». In nur drei Jahren hat sich die<br />
Veranstaltung in den Herzen der Einheimischen verankert,<br />
sie ist zu ihrem « Baby » geworden.<br />
So auch für Suzanne, eine 87 Jahre alte Frau, die auf<br />
einer einsamen Farm lebt. Für sie ist Kunst etwas sehr Abstraktes:<br />
« Kunst? Ich wusste noch nicht einmal, was das<br />
sein soll. In meinem ganzen Leben war ich noch nie in einem<br />
Museum. Als man uns dann erzählte, dass Kunstwerke<br />
auf unseren Feldern aufgestellt werden würden, dachte<br />
ich nicht, dass das irgendjemanden interessieren könnte.<br />
Außerdem befürchtete ich, dass die Werke und der Trubel<br />
die Kühe stören könnten. » Zunächst dachte Suzanne<br />
außerdem, wie viele andere in der Gegend, dass Kunst automatisch<br />
Malerei bedeutet. Und wie sollte man Gemälde<br />
auf Feldern ohne Wände ausstellen wollen? Natürlich ein<br />
Irrtum. Dieses Jahr wollen sogar Suzannes Enkelkinder für<br />
eine Woche ins Zentralmassiv kommen.<br />
Die Werke der Horizons sind immer nur für einen<br />
Sommer gemacht. Die Vergänglichkeit ist Teil des Konzepts.<br />
Ein Komitee aus Volksvertretern und Künstlern<br />
bzw. Kunstexperten wählt die Werke, die zuvor auf der<br />
Basis fest definierter Kriterien eingereicht wurden, für die<br />
kommende Saison aus. Eingeladen werden ausschließlich<br />
Künstler, die eine solide Erfahrung in der internationalen<br />
oder zumindest nationalen Kunstszene nachweisen können.<br />
Ihre Projekte müssen zudem wenigstens drei Monate die<br />
klimatischen Verhältnisse des Massif du Sancy unbeschadet<br />
überstehen können, einen Zusammenhang mit der örtlichen<br />
Landschaft und Kultur aufweisen und aus natürlichen Ressourcen<br />
aus der Gegend oder aus recyclebaren Materialen<br />
bestehen.<br />
Kostenmäßig werden für diesen Sommer rund 160.000<br />
Euro veranschlagt (ohne Gehälter). Eine stolze Summe für<br />
ein paar kleine Kommunen in einer nicht gerade reichen<br />
Region. Die Unterstützung des Staates, der Region und<br />
des Departements beträgt zusammen gerade einmal 15.000<br />
Euro. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kunstwerke frei<br />
zugänglich sind, also keine Zusatzeinnahmen durch Eintrittsgelder<br />
erzielt werden können. Dennoch scheint sich<br />
das Engagement auszuzahlen. Jedes Jahr kommen mehr Besucher<br />
ins Zentralmassiv, die dieses Event nicht verpassen<br />
wollen. Diesen Sommer werden über 200.000 Neugierige<br />
erwartet, die natürlich Geld während ihres Aufenthaltes<br />
ausgeben und damit die lokale Wirtschaft unterstützen.<br />
Die elf Künstler der Horizons <strong>2009</strong> selbst erhalten jeweils<br />
8.000 Euro, womit sie sowohl die Kosten ihres Kunstwerks<br />
als auch die eigenen Ausgaben für die Anreise und<br />
Verpflegung tragen müssen. Sogar ihre Bildrechte an den<br />
Werken werden damit zu einem großen Teil abgegolten.<br />
Letzteres ist durchaus ungewöhnlich, da diese Rechte bei<br />
anderen Veranstaltungen normalerweise signifikante Zusatzeinnahmen<br />
für die Künstler abwerfen. Die Organisatoren<br />
möchten aber, dass die Werke einer möglichst breiten<br />
Masse bekannt gemacht werden. Und die Künstler spielen<br />
das Spiel mit.<br />
60 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
FRANZÖSISCH<br />
heute<br />
«relooké»<br />
Das Verbandsorgan der<br />
Vereinigung<br />
der Französischlehrerinnen<br />
und<br />
-lehrer e. V.<br />
jetzt im neuen Format<br />
1<br />
<strong>2009</strong><br />
Vereinigung der Französischlehrerinnen und -lehrer e. V.<br />
FRANZÖSISCH<br />
heute<br />
Rechte Seite: « Eaux vives et<br />
autres sons de cloches » von<br />
François Klein (Horizons 2008).<br />
Linke Seite: Ein weiteres Werk<br />
der Horizons 2008: « Still life<br />
with tree » der Deutschen<br />
Cornelia Konrads.<br />
40. Jahrgang<br />
43558<br />
ISSN 0342-2895<br />
Französischunterricht<br />
aus Lernersicht<br />
Die vorrangigen Ziele der VdF lauten:<br />
– zur Verbreitung der französischen<br />
Sprache und Kultur beizutragen,<br />
– den Unterricht der Nachbarsprache<br />
Französisch inhaltlich und<br />
didaktisch zu fördern.<br />
In den letzten Jahren war die VdF<br />
an der Fortbildung von ca. 5000<br />
Lehrer/innen für Französisch alleine<br />
oder mit unterschiedlichen Partnern<br />
beteiligt.<br />
In nahezu allen Bundesländern ist die<br />
VdF durch Landesverbände vertreten.<br />
Das 4 mal im Jahr erscheinende Heft<br />
französisch heute versteht sich als<br />
ein Forum für den Informations -<br />
fluss zwischen Theorie und Praxis<br />
des Französischunterrichts.<br />
www.fapf.de<br />
Adresse der Geschäftsstelle:<br />
VdF<br />
Am Haanes 15a · 35440 Linden<br />
Tel. 06403-963663
Unterwegs in Frankreich Zentralmassiv<br />
62 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Die elf Werke verteilen sich auf das Gebiet der elf beteiligten<br />
Kommunen. Die Entfernung zwischen den am<br />
weitesten auseinander liegenden Orten beträgt aber nicht<br />
mehr als eine Viertelstunde mit dem Auto. Um aber genug<br />
Zeit für jedes einzelne Kunstwerk zu haben, sollte man ruhig<br />
zwei bis drei Tage für den Besuch im Massif du Sancy<br />
einplanen. Kleine Gästehäuser oder Hotels stehen in ausreichendem<br />
Maße zur Verfügung. Wanderfreunden ist der<br />
« Chemin des crêtes » (ca. sechs Stunden) zu empfehlen, der<br />
zu den Kratern der Vulkane der Auvergne führt. Während<br />
der Horizons <strong>2009</strong> kann man unterwegs aber nicht nur<br />
die einmalige Landschaft genießen, sondern passiert auch<br />
einige der Kunstwerke. Ansonsten ist eine Besichtigung<br />
mit dem eigenen Fahrzeug das Einfachste. Ein kostenloser<br />
Plan, in dem die Ausstellungsstücke eingezeichnet sind,<br />
wird in den örtlichen Fremdenverkehrsämtern verteilt.<br />
Wer schon bei der ersten oder zweiten Ausgabe der Horizons<br />
dabei war, weiß, dass es gerade das Zusammenspiel<br />
zwischen Kunstwerk und Natur ist, das diese Ausstellung<br />
so außergewöhnlich macht. Zu den Höhepunkten im letzten<br />
Sommer gehörte ein Werk von Antoine Quenardel und<br />
Jean-Philipe Teyssier. Die beiden versahen sieben Strohrollen<br />
am Ortsausgang von Egliseneuve-d’Entraigues mit<br />
bemalten Planen, auf denen typische Aktivitäten aus der<br />
Region dargestellt waren. Nach der Ausstellung wurden die<br />
Planen zur Herstellung von Taschen weiterbenutzt, so dass<br />
der Umweltschutzgedanke der Veranstalter erfüllt wurde.<br />
Auch das Werk der deutschen Künstlerin Cornelia Konrads<br />
mit dem Titel « Still life with tree » sorgte im letzten<br />
Sommer für Aufsehen. Ein Haus schien dabei im Untergrund<br />
unterzugehen bzw. aus ihm hervorzukommen. Ein<br />
Baum wuchs symbolträchtig aus einem Fenster heraus. Die<br />
Künstlerin wollte damit an den vulkanischen Ursprung der<br />
Gegend erinnern. Das Dach des Hauses wurde zudem nach<br />
der traditionellen Bauweise des Zentralmassivs gedeckt.<br />
Das Werk erfüllte durch seinen lokalen Bezug perfekt die<br />
Auswahlkriterien der Ausstellung.<br />
In diesem Sommer sind viele Frauen unter den Künstlern,<br />
insgesamt beteiligt an sieben der elf Projekte, sowie<br />
Teilnehmer aus Russland, Israel, Spanien, Deutschland,<br />
den USA und natürlich Frankreich. Und auch <strong>2009</strong> setzen<br />
sich die Künstler wieder mit den geografischen Gegebenheiten<br />
des Massif du Sancy auseinander. Das Werk « Bouillonnement<br />
» spielt mit der Imagination des Betrachters: Aus<br />
einem Teich vor einem Wasserfall steigen große Seifenblasen<br />
aus Plastik empor, die abends sogar beleuchtet werden.<br />
« The Diamond of Sancy » ist ein übergroßer Diamant in<br />
einem Krater. Mit seinem Werk « Sédimentation » will ein<br />
Künstler die Besonderheiten der Landschaft mit Leinentüchern<br />
in verschiedenen Farben betonen.<br />
Das Team aus den USA ruft mit seinem Werk « Weaving<br />
the Landscape » die Tradition der Produktion von Spitze in<br />
der Region ins Gedächtnis. Ein überdimensioniertes Spitzendeckchen<br />
mit einem Durchmesser von über 15 Metern<br />
wird dafür auf dem Rücken eines Berges angebracht, nachdem<br />
es zuvor mit Hilfe der lokalen Schulen der Produktion<br />
Linke Seite von oben nach unten: Beim Werk « Bouillonnement »<br />
von Aurélie Barbey und Laura Ruccolo steigen Seifenblasen<br />
aus Plastik aus dem Teich vor einem Wasserfall empor, die<br />
abends beleuchtet werden. « Weaving the Landscape » des<br />
US-amerikanischen Team Greenmeme (Freya Bardell und<br />
Brian Howe) erinnert an die Tradition der Herstellung von<br />
Spitze im Zentralmassiv. Die Seebrücke von Tanya Preminger<br />
endet in einer Spirale. Ein übergroßer Diamant bildet das<br />
Werk « The Diamond of Sancy » von Maja Spasova.<br />
Rechte Seite oben: Die bemalten Strohballen der<br />
Künstler Antoine Quenardel und Jean-Philipe Teyssier<br />
sorgten im letzten Sommer für Aufsehen. Unten:<br />
« <strong>Mai</strong>ntenant » von Christian Hasucha (Horizons 2008).<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 63
Le Havre<br />
ans<br />
Unterwegs in Frankreich Zentralmassiv<br />
A29/E44<br />
von Spitze hergestellt wurde.<br />
A1/E15-E19<br />
A131<br />
Ungewöhnlich Rouenist auch das Exponat « House of Travel »<br />
A13/E5<br />
des Deutschen Alexander Callsen. Auf einem Feld bei<br />
Saint-Diéry erhebt sich ein zwischen sechs und zwölf Meter<br />
hoher Nachbau des « Haus des Reisens » vom Berliner Alexanderplatz.<br />
Das « Haus des Reisens » war Teil der urbanen<br />
Neugestaltung des berühmten Platzes nach dem Zweiten<br />
A28/E402<br />
A13/E5<br />
Weltkrieg und beherbergte bis zum Fall der Mauer den Sitz<br />
der wichtigsten Reiseagentur der DDR sowie das Büro der<br />
PARIS<br />
Interflug. Für den Hamburger Künstler, der in Berlin lebt,<br />
symbolisiert es die Moderne der DDR, die den Menschen<br />
heute so fremd geworden ist. Um diese Entfremdung zu<br />
verdeutlichen, platziert Callsen die Ikone der sozialistischen<br />
Architektur in die Berge A11/E50 des Massif du Sancy. Ein<br />
A5/E54<br />
inszenierter Bruch zwischen Betonarchitektur und Natur.<br />
A6/E15<br />
Die überwältigende Mehrheit der Besucher im Sommer<br />
Orleans<br />
A16<br />
A4/E50<br />
2008 gab bei Umfragen an, im A10/E5 nächsten Jahr wiederkommen<br />
zu wollen. Es ist deshalb nicht schwer vorherzusagen,<br />
dass auch die dritte Ausgabe der Horizons bestimmt ein Erfolg<br />
werden wird. Suzanne, Nathalie, die elf Bürgermeister<br />
der beteiligten Kommunen und viele andere in der Region<br />
wird es freuen. In der Tat, in der Auvergne gibt es vielleicht<br />
kein Öl, tolle Ideen aber allemal.<br />
Sens<br />
Auxerre<br />
A5/E54<br />
Troyes<br />
Reims<br />
A26/E17<br />
Charleville-<br />
Mézières<br />
Das Werk « House of Travel »<br />
von Alexander Callsen<br />
wird allen Berlinern sofort<br />
bekannt vorkommen. Es ist<br />
ein Nachbau des « Haus des<br />
Reisens » vom Alexanderplatz<br />
inmitten von Kuhwiesen.<br />
Châlons-en-<br />
Champagne<br />
A5/E17-E54<br />
A31/E17-E<strong>21</strong><br />
A28/E502<br />
A10/E5-E60<br />
Chambord<br />
Tours<br />
Monts<br />
A10/E5<br />
Poitiers<br />
Das Massif du Sancy Cheverny<br />
liegt westlich von A71/E9<br />
Clermont-Ferrand, wohin sich aus den<br />
A85<br />
Chenonceau meisten Regionen Deutschlands eine<br />
Anreise via Mulhouse, Beaune und Dijon<br />
bzw. aus Österreich, der Schweiz sowie<br />
dem äußersten Südosten Deutschlands<br />
Bouges-le-Château<br />
via Genf und Lyon anbietet. Von<br />
Clermont-Ferrand gelangt<br />
A20/E9<br />
man über<br />
die D942 und D27 bzw. D2089 und D983<br />
ins Massif du Sancy.<br />
Le Mont-Dore … Sarzay<br />
… Berlin 1.390 km … Hamburg 1.340 km<br />
… Köln 870 km … München 960 km<br />
… Wien 1.390 km … Zürich 650 km<br />
Vézelay<br />
französische TGV-Netz angebunden. Es<br />
bestehen aber gute Verbindungen mit<br />
dem Corail (vergleichbar dem IC). Im<br />
Massif du Sancy haben zwei Orte einen<br />
Bahnhof: La Bourboule und Le Mont-<br />
Dore. Bourges<br />
www.horizons-sancy.com<br />
A71/E11<br />
Office de Tourisme du Sancy<br />
6, avenue du Général Leclerc<br />
63240 Le Mont-Dore<br />
Telefon: +33 (0)4 73 65 35 51<br />
Montluçon<br />
A6/E15<br />
Avallon<br />
Die Horizons <strong>2009</strong> findet vom 1. Juli bis<br />
Dijon<br />
zum 20. September auf dem Gebiet<br />
A38<br />
der Kommunen Besse/SuperBesse, La<br />
Bourboule, Chambon-sur-Lac, Chastreix,<br />
Egliseneuve-d‘Entraigues, Le Mont-Dore,<br />
Murat-le-Quaire, Murol, Picherande,<br />
Saint-Diéry und Saint-Nectaire statt.<br />
Die Werke sind frei zugänglich. Chalon-sur-Seine Das<br />
Fremdenverkehrsamt bietet einen<br />
kostenlosen Plan mit der genauen Lage<br />
der jeweiligen Ausstellungsstücke an.<br />
oulême<br />
Der nächste Flughafen ist in Clermont-<br />
Ferrand. Aus dem deutschsprachigen<br />
Raum existieren allerdings keine<br />
Direktflüge in die Hauptstadt der<br />
Auvergne. Air France bietet Flüge<br />
aus Deutschland, Limoges Österreich und der<br />
Schweiz in die Stadt über die Drehkreuze<br />
in Paris und Lyon an.<br />
A89/E70<br />
A71/E11<br />
Clermont-<br />
Ferrand<br />
A75/E11<br />
A72/E70<br />
A6/E15<br />
Lyon<br />
Es existieren keine direkten Zugver bindungen<br />
aus dem deutschsprachigen<br />
Raum. Clermont-Ferrand ist nicht ans<br />
Massif du Sancy<br />
St. Etienne<br />
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Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 65
Kulturschock<br />
66 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Die Kunst der<br />
richtigen Begrüßung<br />
Arme Angela... Es mag merkwürdig klingen, aber dies<br />
war meine erste Reaktion, als ich damals im Fernsehen<br />
das erste offizielle Treffen von Angela Merkel und Nicolas<br />
Sarkozy im Hof des Elysée-Palastes in Paris verfolgte.<br />
Nicht, dass ich im Entferntesten geglaubt hätte, dass sich unser<br />
Präsident, der auf der staatstragendsten Freitreppe des Landes<br />
auf die deutsche Kanzlerin wartete, ihr gegenüber uncharmant<br />
verhalten könnte. Noch, dass er sich innerlich sagen könnte,<br />
dass er das Gala-Essen lieber mit jemand anderem verbringen<br />
würde. Nein, mein Mitleid hatte viel banalere Ursachen und<br />
bezog sich auf eine Alltäglichkeit der deutsch-französischen<br />
Beziehungen. Denn egal, ob Präsident und Kanzlerin oder einfach<br />
nur französischer und deutscher Bürger, die gleiche Frage<br />
stellt sich immer wieder: Wie begrüßt man aneinander, ohne<br />
einen Fauxpas zu begehen?<br />
Als Angela Merkels Limousine vor dem roten Teppich anhielt<br />
und sich die Autotür in einem Blitzlichtgewitter öffnete,<br />
dachte ich mir, dass sicher auch Deutschlands Staatsoberhaupt<br />
vor diesem Dilemma stehen müsste. Denn wenn sich Franzosen<br />
und Deutsche begegnen, gibt es am Anfang immer<br />
diesen Moment der Unsicherheit. Wie würde das Gegenüber<br />
den Kontakt wohl einleiten? Würde Sarkozy, wie sein Amtsvorgänger,<br />
Merkel mit einem höflichen Handkuss – wobei<br />
die Hand aber nicht wirklich mit dem Mund berührt werden<br />
darf – empfangen oder eher mit einem Küsschen rechts und<br />
links auf die Wange begrüßen, so wie es Franzosen mit guten<br />
Freunden üblicherweise machen? Oder würde er ihr gar nur<br />
die Hand reichen, was wohl in Deutschland gute Sitte wäre?<br />
Die Kunst der richtigen Begrüßung ist keine leichte.<br />
Wie oft ist es mir schon passiert, dass ich einem Deutschen<br />
gegenüberstand und nicht wusste, wie ich mich verhalten<br />
sollte. Die in Deutschland unter guten Freunden oft<br />
vorherrschende Umarmung gibt es in meiner Kultur nicht.<br />
Die ganze Angelegenheit ist weniger trivial, als man meinen<br />
mag. So geschah es häufig, dass mir gute französische Freunde<br />
in Deutschland ihre guten deutschen Freunde vorstellten,<br />
beispielsweise anlässlich eines gemeinsamen Abendessens.<br />
Als Franzose sind die guten Freunde guter Freunde zugleich<br />
gute eigene Freunde. In Frankreich würde ich sie also genauso<br />
begrüßen, wie meine eigenen guten Freunde.<br />
Anfangs ging ich deshalb unbefangen an diese Herausforderung<br />
heran und setzte zum obligatorischen Küsschengeben<br />
an. Doch ohne zu wissen, wie mir geschah, spürte ich dann<br />
plötzlich die Hand meines Gegenübers auf meinem Rücken.<br />
Was sollte das bedeuten? Schnell musste ich reagieren und<br />
meinen Kopf, der bereits auf die Wange meines Gegenübers<br />
zielte, geschickt wieder zur Seite hin bewegen. Schließlich<br />
wollte ich weder meine « neuen » Freunde in Verlegenheit bringen,<br />
noch mich gänzlich blamieren.<br />
Doch selbst dann war die Hürde noch nicht wirklich<br />
genommen. Denn wie umarmt man sein Gegenüber richtig?<br />
Schließlich wurde uns das nie beigebracht. Während diese<br />
Geste für Deutsche ganz natürlich erscheint, war sie für mich<br />
äußerst exotisch. Soll man seine Hand nur sachte auflegen<br />
oder soll man den Rücken leicht streicheln oder lieber leicht<br />
klopfen? Oder muss man sein Gegenüber sogar an die Brust<br />
drücken? Wie lange soll man in dieser Position überhaupt innehalten?<br />
Fragen über Fragen. Und selbst wenn ich inzwischen<br />
ein wenig mehr Übung darin habe, bleibt dieser Moment der<br />
Begrüßung unverändert ein schwieriger Augenblick für mich,<br />
in dem ich mich sehr verunsichert fühle.<br />
Deshalb tröstet es mich ein wenig, wenn mir meine deutschen<br />
Freunde ihrerseits von ihrer Verunsicherung in Frankreich<br />
erzählen. Denn selbst die Kunst des Küsschengebens ist<br />
nicht ganz banal. Zunächst verwundert es viele Deutsche, dass<br />
man nicht nur bei einem Treffen zu zweit oder zu dritt diese<br />
Begrüßungsart wählt, sondern auch bei größeren Gruppen. So<br />
kann es bei einer Einladung zu einer Party passieren, dass man<br />
am Anfang erst einmal zehn bis zwanzig Leute mit Küsschen<br />
begrüßen muss. Gleiches Szenario jeden Morgen am Arbeitsplatz,<br />
wo man zumindest den engeren Kollegen selbstverständlich<br />
auf diese Art und Weise einen guten Tag wünscht.<br />
Aber die schwierigste Hürde – gerade für Ausländer – ist die<br />
Frage nach der richtigen Anzahl der Küsschen. Sind es zwei,<br />
drei oder vier? Eine fehlende Synchronisation kann nämlich<br />
genauso zu peinlichen Situationen führen, wie eine missratene<br />
Umarmung.<br />
Es gibt diverse Thesen zu diesem Thema. Manche behaupten,<br />
dass man im hektischen Paris zwei Küsschen gibt, in der<br />
geruhsameren Provinz dagegen vier. In der Realität trifft man<br />
häufig jedoch auch drei Küsse an, egal ob Hauptstadt oder Provinz.<br />
Um ehrlich zu sein, es gibt keine wirkliche Regel. Alles<br />
hängt vom Moment ab, von den Vorlieben der Beteiligten, von<br />
der Atmosphäre. Nur Männer untereinander haben es einfach.<br />
Wenn sie weder verwandt, noch extrem eng befreundet sind,<br />
geben sie sich einfach die Hand. Wie einfach das Leben doch<br />
sein könnte...<br />
Angela und Nicolas haben sich übrigens mit Küsschen<br />
auf die Wange begrüßt. Allerdings weiß ich nicht mehr, wie<br />
viele es waren. Aber hat man diese Grundsatzfrage zwischen<br />
Deutschen und Franzosen erst einmal geklärt, wird jedes neue<br />
Treffen zu einem Kinderspiel.<br />
Die Zeichnung in der letzten Ausgabe war eine Reminiszenz an Edward Hopper. Und dieses Mal?<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 67
Frankreich heute Gustave Eiffel<br />
68 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
120 Jahre Eiffelturm:<br />
Wer war Gustave Eiffel?<br />
Zur Pariser Weltausstellung von 1889 wurde er am<br />
15. <strong>Mai</strong> als unbestrittene Hauptattraktion eröffnet:<br />
der Eiffelturm. Das Wahrzeichen von Paris feiert nun<br />
seinen 120. Geburtstag, was die Pariser Stadtverwaltung<br />
zum Anlass nimmt, mit einer Ausstellung dem Mann zu<br />
gedenken, dessen Name zwar weltberühmt, dessen<br />
Lebensweg den meisten aber unbekannt ist.<br />
Oft sind Jubiläen mehr oder weniger<br />
verpflichtende Anlässe,<br />
eines Ereignisses zu gedenken,<br />
nur weil der Kalender es gerade fordert.<br />
Selten sind sie Gelegenheit, etwas<br />
wirklich Neues zu erfahren. So hätte es<br />
auch anlässlich der Feierlichkeiten zum<br />
120. Geburtstag des Eiffelturms werden<br />
können. Ein Konzert, eine Lichtshow,<br />
ein Fototermin für die VIPs – das<br />
hätte es gewesen sein können. Die<br />
Stadtverwaltung von Paris, die den Betrieb<br />
des Eiffelturms längst an ein privates<br />
Unternehmen vergeben hat, jedoch<br />
immer noch Eigentümerin des<br />
Turmes ist, wollte aber mehr als einen<br />
feierlichen Abend.<br />
Sie widmet dem Bauwerk und vor<br />
allem seinem Erbauer deshalb eine große<br />
Ausstellung, in der man einen Mann<br />
kennenlernen kann, der mit seinem bemerkenswerten<br />
Erfindergeist nicht nur<br />
100 Brücken entworfen hat (darunter<br />
auch eine futuristische Unterwasserbrücke<br />
im Ärmelkanal!), sondern der auch<br />
für seine Versuche in der Erforschung<br />
der Aerodynamik berühmt ist. Gustave<br />
Eiffel entwickelte sogar schon vor 100<br />
Jahren ein erstes Jagdflugzeug und ist<br />
vielleicht ein den wirklichen physikalischen<br />
Gesetzen verhaftetes Gegenstück<br />
zu Jules Verne. Jemand, der die<br />
Gesellschaft der Zukunft imaginieren<br />
konnte.<br />
Die Ausstellung « Gustave<br />
Eiffel, le Magicien du fer » (dt.<br />
Gustave Eiffel, der Eisenzauberer)<br />
zeigt den Konstrukteur<br />
als einen Mann, der sein Leben<br />
lang die Grenzen des technisch<br />
Machbaren austestete. Gleichzeitig<br />
wird darauf verwiesen,<br />
wie sehr er ein Kind des konservativen<br />
Bürgertums war, dessen<br />
Gewohnheiten und gesellschaftliche<br />
Codes er durch seinen Lebensstil repräsentiere.<br />
Eiffel war ein Lebemann. Sein<br />
enormer Geschäftssinn brachte ihm<br />
schnell ein beträchtliches Vermögen<br />
ein, das ihm ein sorgenfreies Leben ermöglichte.<br />
In den 1890er-Jahren besaß<br />
er mehrere Häuser in bester Lage. Sein<br />
Hauptwohnsitz in der Pariser Rue Rabelais<br />
war ein prächtiges Gebäude, das<br />
für seine luxuriöse Möblierung bekannt<br />
war. Außerdem gehörten ihm die « Villa<br />
Salles » an der Côte d’Azur, die « Villa<br />
Claire » im schweizerischen Vevey und<br />
schließlich das « Château des Bruyères »<br />
in Sèvres, in der unmittelbaren Umgebung<br />
von Paris, das für ihn ein Ort der<br />
Stille und des Rückzugs bildete.<br />
Ich, Gustave Eiffel!<br />
Eiffel war ein eitler Mann. Im<br />
Laufe seines Lebens kreierte er einen<br />
wahren Kult um sich selbst, posierte<br />
für die Fotografen und schnitt tatsächlich<br />
alle von ihm in den Zeitungen erschienen<br />
Beiträge und Notizen aus, um<br />
sie fein säuberlich zu ordnen und zu<br />
archivieren. Kein einziger Brief, kein<br />
einziger Artikel über ihn, der nicht<br />
so behandelt wurde. Am deutlichsten<br />
wird die Selbstverliebtheit in seiner<br />
dreibändigen Biographie, die sein<br />
wissenschaftliches und industrielles<br />
Schaffen nach zeichnet. Er hat sie von<br />
eigener Hand verfasst und spricht darin<br />
von sich selbst durchgehend in der<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 69
Frankreich heute Gustave Eiffel<br />
dritten Person. In dem Kapitel über den<br />
Eiffelturm schreibt er beispielsweise:<br />
« Der Turm ist das Hauptwerk des<br />
Monsieur Eiffel und symbolisiert seine<br />
Stärke und seine große Fähigkeit,<br />
Schwierigkeiten zu überwinden. »<br />
Wer kann es aber Eiffel verdenken,<br />
sich an seinem Genie zu erfreuen? Der<br />
Mann war schlicht und einfach ein außergewöhnlicher<br />
Zeitgenosse. Das unterstrich<br />
auch der Pariser Bürgermeister<br />
Bertrand Delanoë bei der Ausstellungseröffnung:<br />
« Europa, Asien, Amerika<br />
und Afrika, sie alle tragen die Spuren<br />
des genialen Geistes von Gustave Eiffel.<br />
Ein Erfinder, der mit großen Kunstwerken<br />
dazu beigetragen hat, die Technikgeschichte<br />
der Welt neu zu schreiben. »<br />
Die erste Karriere<br />
als Konstrukteur und<br />
Geschäftsmann<br />
In der zweiten Hälfte des 19.<br />
Jahrhunderts entwarf Eiffel landauf,<br />
landab kühne Stahlgebäude: Brücken<br />
und Viadukte, Dachkonstruktionen<br />
für Kirchen und Wohnhäuser sowie<br />
für öffentliche Gebäude (zum Beispiel<br />
das Kaufhaus Le Bon Marché<br />
in Paris). Die Karriere begann mit<br />
dem ersten großen Auftrag, den er als<br />
Angestellter für ein belgisches Unternehmen<br />
1858 übernahm: den Bau<br />
der Eisenbahnbrücke von Bordeaux.<br />
Mit ihrer Länge von 500 Metern war<br />
sie eine der wichtigsten Konstruktionen<br />
des damaligen Frankreichs. Die<br />
große Herausforderung, die dieser<br />
Auftrag bedeutete, meisterte der erst<br />
26-jährigen Eiffel mit Bravour. Der<br />
gute Ruf, den er sich mit dem Bau<br />
erwarb, ließ weitere Großaufträge<br />
folgen.<br />
1866 eröffnete er sein eigenes<br />
Konstruktionsbüro in Levallois-<br />
Perret bei Paris und perfektionierte<br />
fortan die Bauingenieurskunst. Seine<br />
Methode, Brücken ohne Gerüst zu<br />
bauen und ihre zwei Teile bis zum<br />
Zusammenfügen in der Mitte frei<br />
schwebend zu errichten, war eine<br />
Premiere in der damaligen Zeit.<br />
Außerdem interessierte sich Gustave<br />
Eiffel schon damals für die Berech-<br />
Die Krönung einer Karriere:<br />
der Eiffelturm<br />
Die Idee, einen gigantischen Turm zu errichten, um den<br />
technischen Fortschritt zu feiern (und vielleicht auch, um<br />
sich seiner zu vergewissern), war schon seit 1830 in Amerika<br />
und Europa im Umlauf. Konkret wurde sie anlässlich<br />
der Pariser Weltausstellung von 1889. Gustave Eiffel war<br />
davon anfangs gar nicht überzeugt. Als ihm 1884 zwei seiner<br />
Ingenieure, Maurice Köchlin und Emile Nouguier, das<br />
Projekt vorstellten, winkte er ab. Erst als er die Entwürfe<br />
von Stephen Sauvestre sah, begann er sich für den Turm zu<br />
begeistern und enthusiastisch einzusetzen.<br />
Damals wurde für Paris das Projekt eines « Sonnenturms »<br />
geplant. Er sollte ein monumentales Glanzstück der Bauingenieurskunst<br />
sein sowie eine Art Kurort für Kranke, denn<br />
Ende des 19. Jahrhunderts ging man davon aus, dass Luft in<br />
einigen hundert Metern Höhe heilend wirke. Den Wettbewerb<br />
für dieses Vorhaben gewann Eiffel. Er überzeugte mit<br />
seinem Vorschlag, auf dem Marsfeld einen Turm zu errichten,<br />
der am Sockel eine Seitenlänge von 125 Metern haben<br />
würde und 300 Meter in die Höhe reichen sollte.<br />
Eiffels unternehmerisches Geschick schlug auch bei dem<br />
Turm voll durch. Er hatte sich die Konstruktionsweise auf<br />
seinen Namen patentieren lassen und finanzierte das Projekt<br />
fast vollständig aus eigenen Mitteln. Im Gegenzug erhielt er<br />
das Recht, den Turm 20 Jahre lang wirtschaftlich zu nutzen.<br />
Die Bauarbeiten begannen am 1. Januar 1887 und dauerten<br />
nur 26 Monate. Eine technologische Meisterleistung.<br />
Der heikelste Moment war die Verbindung der vier<br />
Grundpfeiler auf der ersten Etage. Hier musste millimetergenau<br />
gearbeitet werden, damit die Stabilität des Turms<br />
nicht gefährdet würde. Die Ingenieure stellten tausende<br />
Berechnungen an und ließen von jedem der 18.000 verschiedenen<br />
Bauteile eine Zeichnung anfertigen. Eiffels Fabrik in<br />
Levallois lieferte auf dieser Basis die Bauelemente. Am 31.<br />
März 1889, ganz so wie Eiffel es vorgesehen hatte, waren die<br />
Bauarbeiten abgeschlossen und der Konstrukteur ließ auf der<br />
Spitze die französische Fahne hissen. Während der sechs<br />
Monate der Weltausstellung besuchten 1.953.122 Menschen<br />
den Turm, was als ein unglaublicher Erfolg gefeiert wurde.<br />
70 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
nungen von Windeffekten und begründete<br />
mit seinen Untersuchungen<br />
die Aerodynamik.<br />
Im <strong>Mai</strong> 1875 beteiligte sich<br />
Eiffel an einer internationalen Ausschreibung<br />
für eine wichtige Eisenbahnbrücke<br />
über den Douro in Portugal.<br />
Er entwarf einen Bogen von<br />
160 Metern, der wieder ohne Baugerüst<br />
errichtet werden sollte. Die<br />
Technik war so innovativ, dass seine<br />
Firma in der Folge einen Großauftrag<br />
nach dem anderen bekam.<br />
Darunter die Eisenbahnbrücke von<br />
Cantal, deren Viadukt das Truyère-<br />
Tal in einer Höhe von 122 Metern<br />
überspannt.<br />
Der gute Ruf Eiffels machte ihn<br />
landesweit bekannt, so dass andere<br />
große Köpfe auf ihn aufmerksam<br />
wurden. 1879 bat ihn der Bildhauer<br />
Frédéric-Auguste Bartholdi, für die<br />
New Yorker Freiheitsstatue die Statik<br />
zu berechnen. Zur gleichen Zeit<br />
verfolgte der geschäftstüchtige Konstrukteur<br />
eine ganz andere – ziemlich<br />
lukrative – Idee. Er entwickelte<br />
transportable Brücken, die in ihre<br />
Einzelteile zerlegt und einfach von<br />
einem Ort zum anderen transportiert<br />
werden konnten. Der Erfolg in der<br />
ganzen Welt war riesig und bescherte<br />
Eiffel ein erstes hübsches Vermögen.<br />
Noch bis in die 1940er-Jahre wurden<br />
die transportablen Brücken à la Eiffel<br />
produziert.<br />
Der Panama-Skandal<br />
als Wendepunkt<br />
Im Jahr 1887, als die Arbeiten zum<br />
Eiffelturm schon gut vorangeschritten<br />
waren, unterzeichnete Eiffel den wichtigsten<br />
Vertrag in seinem Leben als<br />
Geschäftsmann – den Bau der Schleusen<br />
des Panama-Kanals. In seiner<br />
beharrlichen Art hatte er die Auftraggeber<br />
von seinem Konzept überzeugen<br />
können. Da die Passage auf einer<br />
Ebene nicht möglich war, wollte er<br />
zehn Schleusen bauen, um die Höhenunterschiede<br />
des Kanals überwinden<br />
zu können. Die Gesellschaft, die den<br />
Bau des Panama-Kanals betrieb, war<br />
finanziell schon angeschlagen, bot ihm<br />
Seite 68: Pariser Impressionen des<br />
Fotokünstlers Man Ray: « La Ville » (1936).<br />
Seite 69: Portrait Gustave Eiffels<br />
aus dem Jahre 1889.<br />
Linke Seite: Fotographie<br />
eines Blitzeinschlages in den Eiffelturm am 3. <strong>Juni</strong> 1902.<br />
Oben links und rechts: Futuristische Entwürfe für den Eiffelturm zur Weltausstellung 1900.<br />
Trotzdem gaben die Vorgaben für die Weltausstellung<br />
von 1900 den Architekten die Freiheit, bei ihren neuen Entwürfen<br />
den Eiffelturm umzugestalten oder gar abzureißen.<br />
Nicht wenige Vorschläge sahen genau das vor. Eines der<br />
verrücktesten Projekte darunter war sicherlich, den Turm<br />
als eine Art Aufhängung für eine gigantische Plattform zu<br />
benutzen, auf der in 300 Metern Höhe ein ganzes Dorf mit<br />
Straßen und Begrünung errichtet werden sollte. Selbst ein<br />
Wasserfall war vorgesehen, der sich von der Plattform in<br />
die Seine ergießen sollte.<br />
Letztlich rettete eine ganz praktische Überlegung den<br />
Eiffelturm vor dem Abriss: Man benötigte ihn, um auf<br />
seiner Spitze ein System für die kabellose Telegraphie zu<br />
installieren. Während des Ersten Weltkrieges war diese<br />
Technik von entscheidendem strategischen Vorteil: Dank<br />
der sicheren Kommunikation, die über den Telegraphen ermöglicht<br />
wurde, konnte General Gallieni 1914 die Marne-<br />
Gegenoffensive geheim koordinieren. Bis 1930 war der Eiffelturm<br />
das höchste Gebäude der Welt, bis es vom Chrysler<br />
Building in New York abgelöst wurde.<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 71
Frankreich heute Gustave Eiffel<br />
Eiffelturm oder Bonickausenturm?<br />
Die Geschichte ist so unglaublich, dass man sie für einen<br />
Witz halten muss. Es ist aber wahr: Beinahe hätte der Eiffelturm<br />
Bonickausenturm geheißen. Eiffel wurde nämlich nicht<br />
mit dem Namen Gustave Eiffel geboren. Am 15. Dezember<br />
1832 kam er in Dijon als Gustave Bonickausen zur Welt. Er<br />
entstammte einer deutschen Familie aus dem Rheinland.<br />
Der Nachname ist in Frankreich durch den Geburtsnamen<br />
vorgegeben und es ist – außer durch Heirat oder Adoption<br />
– fast unmöglich, ihn zu ändern. Nur ein langes behördliches<br />
Verfahren erlaubt es, einen anderen Nachnamen<br />
anzunehmen. Der Prozess ist sehr kompliziert und bedarf<br />
immer eines besonderen Anlasses. Gustave Bonickausen,<br />
dessen Familie sich schon länger Eiffel nannte, erklärte<br />
diese Absicht 1878 in einem Schreiben an den Justizminister.<br />
Darin bat er, seinen Namen offiziell in Gustave Eiffel<br />
ändern zu dürfen. Der neue Nachname erinnerte an die<br />
Ursprungsregion seiner Vorfahren, die Eifel. Hier der Text<br />
des Schreibens, dessen Original heute im Nationalarchiv<br />
aufbewahrt wird. 1880 gaben die Behörden seiner Bitte<br />
statt – neun Jahre vor dem Bau des Turmes, den alle Welt<br />
als Eiffelturm kennt.<br />
«<br />
Paris, 30. Oktober 1878<br />
(…) Mein glaubhaftes Interesse, das sich Ihnen, Herr Minister,<br />
sicherlich leicht erschließt, ist der Umstand, dass der Name<br />
Bonickausen einen deutschen Klang hat, der Zweifel an meiner<br />
Nationalität als Franzose aufkommen lassen kann, und dass<br />
dieser einfache Zweifel mir den größten persönlichen wie wirtschaftlichen<br />
Nachteil einbringt.<br />
Seit dem letzten Krieg sind die Gefühle der Antipathie gegen<br />
die Deutschen, die aus den schmerzhaften Ereignissen der Jahre<br />
1870 und 1871 herrühren, derart negativ, dass sie, wie Sie<br />
wissen, einen generellen Verdacht gegen Ausländer dieser Nationalität<br />
hervorrufen; so sehr, dass man zögert, einen Auftrag oder<br />
eine Bestellung bei einem Deutschen aufzugeben. Mehr noch,<br />
wir sind heute diesen unglücklichen Zeiten noch immer so nah,<br />
dass es eine Beleidigung ist, wenn man eine Person « Preuße »<br />
nennt. (…)<br />
Unter diesen Umständen, darin werden Sie mir zweifellos<br />
zustimmen, Herr Minister, ist es von besonderer Dringlichkeit<br />
für das Wohl meiner Familie, meine hier vorgetragene Bitte zu<br />
prüfen. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass der Unterschied zu<br />
den Sie täglich erreichenden Anträgen auf Namensänderung darin<br />
besteht, dass meine Bitte aus keinerlei Eitelkeit heraus gestellt<br />
wird (…), denn ich ersuche Sie nur, den einen Namen tragen zu<br />
dürfen, für den meine Familie seit Generationen bekannt ist. Ich<br />
bitte Sie um die Erlaubnis, einen Namen ablegen zu dürfen, der<br />
nicht mehr gebräuchlich ist, den jedermann ignoriert und den ich<br />
zu ändern bitte, um mich von Unannehmlichkeiten zu befreien,<br />
den die deutsche Herkunft dieses Namens für mich bedeutet. Ich<br />
spreche hier aus einem Gefühl, das Sie, glaube ich, gut nachempfinden<br />
können. Ich füge hinzu, dass keine dritte Person gegen<br />
meine Bitte etwas einzuwenden hat und dass niemand damit<br />
den geringsten Eigennutz verbindet.<br />
Aus diesen Gründen bitte ich in aller Form um die Erlaubnis,<br />
in meinem und meiner Kinder Nachnamen den Namen Bonickhausen<br />
zu löschen und in der Zukunft den folgenden Namen<br />
tragen zu dürfen: Eiffel.<br />
In der Hoffnung, dass Sie sich meinem Ersuchen mit Wohlwollen<br />
annehmen, bin ich mit aller Ehrerbietung, Herr Minister,<br />
Ihr achtungsvoller und sehr ergebener Diener<br />
G. Bonickausen genannt Eiffel.<br />
»<br />
Links: Ein großer Erfolg für Gustave<br />
Eiffel: Die spektakuläre Montage der<br />
Brücke über den Douro im Jahre 1875.<br />
Rechte Seite: Queransicht des ersten<br />
Windkanals, den Gustave Eiffel für<br />
seine Forschungen errichten ließ.<br />
Ausstellung<br />
« Gustave Eiffel, le Magicien du fer »<br />
06. <strong>Mai</strong> bis 31. August <strong>2009</strong><br />
Hôtel de Ville, Paris<br />
72 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
aber ein Honorar von 125 Millionen<br />
Francs. Das war 15-mal mehr, als er<br />
für den Bau des Eiffelturms erhalten<br />
hatte. Eiffel akzeptierte umgehend.<br />
Die Arbeiten wurden per Anteilszeichnung<br />
von Gläubigern finanziert,<br />
jedoch scheiterte das Konstrukt und<br />
führte zum « Skandal von Panama »,<br />
infolgedessen die Baugesellschaft<br />
Konkurs anmelden musste und viele<br />
kleine Sparer um ihr Erspartes gebracht<br />
wurden. Als man Unregelmäßigkeiten<br />
im Management feststellte, geriet auch<br />
Eiffel unter den Verdacht der Untreue,<br />
wurde aber später von allen Vorwürfen<br />
frei gesprochen. Wenn er die Kalkulation<br />
auch sehr zu seinen Gunsten<br />
aufgestellt hatte, funktionierten seine<br />
Schleusen doch einwandfrei. Das<br />
Panama-Abenteuer hinterließ deutliche<br />
Spuren und im Alter von 61 Jahren<br />
entschied sich Eiffel, seine Tätigkeit<br />
als Geschäftsmann ruhen zu lassen und<br />
sich fortan der Forschung zu widmen.<br />
Die zweite Karriere: der<br />
Wissenschaftler Eiffel<br />
Seit den 1890er-Jahren begann<br />
Gustave Eiffel eine rege Forschungstätigkeit<br />
und wendete sich vor allem dem<br />
Phänomen des Windes zu, mit dem<br />
er als Konstrukteur schon so häufig zu<br />
kämpfen hatte. Er stellte eine Reihe von<br />
Experimenten an und nutzte dabei seinen<br />
Eiffelturm. Auf der zweiten Etage<br />
installierte er einen « Fall-Apparat », um<br />
aus 115 Metern Höhe das Verhalten von<br />
Luftwiderstand und Fallgeschwindigkeit<br />
zu untersuchen. Die bahnbrechenden<br />
Erkenntnisse, die er aus diesen Experimenten<br />
zog, stellten die physikalischen<br />
Gewissheiten seiner Zeit auf den Kopf.<br />
Lange schon hatte ihn die Idee<br />
umgetrieben, Wind selbst zu erzeugen,<br />
um ihn untersuchen zu können.<br />
Dementsprechend ließ er auf dem<br />
Marsfeld von Paris eine Windmaschine<br />
errichten, die wohl der erste Windkanal<br />
der Geschichte war. Er testete in ihm<br />
verschiedene Flugzeugmodelle auf ihre<br />
aerodynamischen Eigenschaften hin.<br />
Er erkannte zum Beispiel, dass die<br />
Welle die beste Form ist, dem Wind zu<br />
widerstehen, und nicht, wie man bis dahin<br />
angenommen hatte, die Spitze. Er<br />
zeigte auch, dass der Windwiderstand<br />
bei um 37 Grad geneigten Flächen<br />
am geringsten ist. 1912 baute Eiffel in<br />
Auteuil eine Windmaschine, die eine<br />
Windgeschwindigkeit von bis zu 100<br />
Stundenkilometern erzeugen konnte.<br />
Als der Erste Weltkrieg ausbrach, untersuchte<br />
das Labor hauptsächlich die<br />
Windeigenschaften von Panzern. Dort<br />
konstruierte Eiffel auch den ersten<br />
Jagdflieger. Das Fluggerät ging aber nie<br />
in Produktion, weil der Prototyp mit<br />
der Unerfahrenheit seines ersten Testpiloten<br />
zerschellte.<br />
Am 27. Dezember 1923 starb Gustave<br />
Eiffel in Paris im Alter von 91<br />
Jahren. Bei seiner Beisetzung begleitete<br />
eine große Menschenmenge den Sarg<br />
zum Friedhof Levallois-Perret. Er wäre<br />
vermutlich sehr stolz darauf gewesen,<br />
dass sein Turm ihn um so viele Jahrzehnte<br />
überlebte und zum Wahrzeichen<br />
von Paris – und eigentlich ganz Frankreichs<br />
– geworden ist.<br />
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Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 73
Frankreich Heute Überseegebiete<br />
Überseegebiete<br />
in der Krise<br />
Die französischen Überseedepartements (DOM) und -territorien (TOM) wurden in den letzten<br />
Monaten von sozialen Unruhen erschüttert. Zahlreich gingen die Menschen dort auf die Straße<br />
und ein Generalstreik legte das öffentliche Leben lahm. Zwar hat sich die Situation inzwischen<br />
wieder beruhigt, doch ist der Reflex, einfach mehr Geld aus Paris zu überweisen, eine wirkliche<br />
Lösung der Probleme?<br />
La Gwadloup sé tan nou, la Gwadloup a pa ta yo (dt.<br />
Guadeloupe gehört uns, Guadeloupe gehört nicht<br />
Euch). Diesen Spruch sah man in letzter Zeit oft bei<br />
Demonstrationen auf der Karibikinsel. Angefangen hatte alles<br />
mit der Ausrufung eines Generalstreiks am 19. Januar<br />
durch ein « Kollektiv gegen das teure Leben », hinter dem<br />
sich die wichtigsten Gewerkschaften der Insel verbargen.<br />
Wenn es bei den Kundgebungen vor allem um einen Protest<br />
gegen die zu hohen Lebenshaltungskosten ging, schwang bei<br />
diesen Plakaten auch ein Aufruf zur Unabhängigkeit mit.<br />
Auf jeden Fall zeigen die Ereignisse der jüngsten Zeit, dass<br />
sich die französischen Überseegebiete allgemein in einer<br />
starken Krise befinden.<br />
Es wird höchste Zeit, dass dies das französische Mutterland<br />
erkennt. Mehr und mehr Politiker in Paris nehmen<br />
die Probleme der Überseegebiete aber inzwischen ernst.<br />
Und auch die französische Bevölkerung ist langsam für<br />
die Situation sensibilisiert, selbst wenn das französische<br />
Fernsehen in der Berichterstattung den Generalstreik und<br />
die Demonstrationen auf den Straßen am Anfang völlig zu<br />
ignorieren versuchte.<br />
Es wäre allerdings zu simpel, die letzten Monate nur<br />
mit einem konfliktgeladenen Verhältnis zwischen Mutterland<br />
und « Kolonien », als die sich die meisten DOM/TOM<br />
selbst gar nicht sehen, zu erklären. Im Mutter land merkt<br />
man aber, dass die Präsenz rund um den Erdball teuer<br />
werden kann, noch teurer als heute schon. Die 2,5 Millionen<br />
Franzosen, die in den Überseegebieten leben, fordern<br />
schließlich die Solidarität der ganzen Nation. Sie kämpfen<br />
dagegen, aufgrund der geografischen Distanz zu Bürgern<br />
zweiter Klasse zu werden. Sie wollen in der allgemeinen<br />
Weltwirtschaftskrise nicht vergessen werden.<br />
Besonders erschreckt hat viele aber, welche Ausmaße<br />
die sozialen Spannungen in Guadeloupe annehmen konnten.<br />
Das Departement war tagelang komplett lahmgelegt.<br />
Auslöser waren Proteste gegen einen zu hohen Benzinpreis.<br />
Barrieren blockierten infolge die Straßen, so dass bald kein<br />
Warenverkehr mehr möglich war. Dies führte zur Schließung<br />
von Geschäften, da sie keinen Nachschub mehr erhielten.<br />
Ebenso die Tankstellen. Die Einwohner mussten<br />
manchmal kilometerweit laufen, um ihrer Arbeit nachgehen<br />
zu können. Manche Betriebe stellten ihre Aktivitäten<br />
sogar ganz ein. Die Post lieferte keine Briefe mehr aus. Eine<br />
ganze Insel versank im Chaos.<br />
Acht lange Tage passierte gar nichts. Die französischen<br />
Medien nahmen von diesem Chaos noch nicht einmal rich-<br />
74 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
tig Notiz. Wie ist ein solches Schweigen zu erklären? Wenn<br />
nicht damit, dass es sich bei Guadeloupe um ein Departement<br />
in Übersee handelt. Man stelle sich vor, ein Departement<br />
im Mutterland würde tagelang blockiert. Es wäre<br />
wohl wenig wahrscheinlich, dass die Ordnungskräfte nicht<br />
eingegriffen oder die Politiker keine Maßnahmen zur Konfliktlösung<br />
eingeleitet hätten. Und mit Sicherheit hätten die<br />
Medien groß davon berichtet. Dies zeigt, mit welcher Ignoranz<br />
die Überseegebiete teilweise zu kämpfen haben.<br />
Es dauerte nicht lange und die Spannungen dehnten<br />
sich auf andere Überseedepartements aus, zuerst nach Martinique,<br />
dann nach La Réunion. Die Unruhen wurden zu<br />
einer Krise der DOM/TOM. Nach einigen konfliktreichen<br />
Wochen, während derer sich die Medien schließlich immer<br />
mehr des Themas annahmen, kam es zu einer scheinbaren<br />
« Lösung » des Problems: Der französische Staat erhöhte<br />
seine Zahlungen an die Überseegebiete. So, wie er es in<br />
früheren Jahren in ähnlichen Krisen immer getan hat. Die<br />
Gemüter wurden damit erst einmal beruhigt. Aber wie lange<br />
wird das anhalten? Liegen die Probleme nicht viel tiefer?<br />
<strong>2009</strong> werden jedenfalls 16,7 Milliarden Euro in die<br />
Überseegebiete fließen, bei einem Gesamthaushalt Frankreichs<br />
von 292<br />
Milliarden Euro,<br />
also etwas weniger<br />
als sechs Prozent.<br />
Keine kleine Summe,<br />
insbesondere<br />
wenn man bedenkt,<br />
dass nur<br />
rund vier Prozent<br />
der Franzosen in<br />
den DOM/TOM<br />
leben. Dennoch<br />
reicht das Geld für<br />
eine ausreichende<br />
w i r t scha f t l ic he<br />
Mayotte wird das 101. französische Departement<br />
Entwicklung der<br />
Ü b erseegebiete<br />
nicht aus. Was ist<br />
der Grund dafür? Wird das Geld nicht richtig eingesetzt?<br />
Oder ist die Wurzel der Probleme vielleicht gar nicht ökonomischer<br />
Art? Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo<br />
dazwischen.<br />
Unstrittig ist jedoch die wirtschaftliche Misere in den<br />
Überseedepartements. In Guadeloupe beträgt die Arbeitslosenquote<br />
über 22 Prozent, in Martinique um die <strong>21</strong> Prozent,<br />
in La Réunion über 24 Prozent, während sie für ganz<br />
Frankreich bei nur rund 8,5 Prozent liegt. Der Unterschied<br />
ist eindeutig. Und obwohl die Überseedepartements als<br />
gleichwertiger Bestandteil des Mutterlandes – kein Franzose<br />
würde die Bezeichnung « Kolonie » akzeptieren – gelten,<br />
sind sie in Zollfragen nicht gleichgestellt.<br />
Denn in fiskalischen Angelegenheiten sind sie nicht Teil<br />
des europäischen Gemeinschaftsgebiets, sondern « Ausland<br />
». Exportprodukte aus dem französischen Mutterland<br />
werden deshalb nicht selten empfindlich teuer. Bei Kosmetikartikeln<br />
wird zum Beispiel rund 30 Prozent des Warenwertes<br />
als Zoll erhoben. Die im Vergleich zum Mutterland<br />
in den Überseegebieten viel höheren Lebenshaltungskosten<br />
gewinnen noch zusätzlich an Brisanz, da die dortigen Einkommen<br />
nicht mithalten können.<br />
Das ökonomische Gefälle zeigt sich auch beim Bruttoinlandsprodukt<br />
pro Einwohner: 15.747 Euro für die<br />
DOM gegenüber 28.7<strong>21</strong> Euro für ganz Frankreich. Lange<br />
Zeit hat das Mutterland die Überseegebiete ermutigt, eine<br />
recht einseitige, auf dem Export (Zucker, Bananen, Rum<br />
etc.) aufbauende Wirtschaft zu entwickeln, was zu einer<br />
großen Abhängigkeit führte. Auch im Tourismus wird dies<br />
sichtbar. Ein Beispiel bieten dafür zwei Inseln im Indischen<br />
Ozean: Während das unabhängige Mauritius Touristen aus<br />
aller Welt empfängt, reisen ins benachbarte französische La<br />
Réunion fast nur Franzosen. Auf der anderen Seite darf aber<br />
nicht verschwiegen werden, dass der Lebensstandard in den<br />
Überseegebieten meist viel höher als in der unmittelbaren<br />
Nachbarschaft ist. Zudem ist die Infrastruktur besser.<br />
Doch die Spannungen der letzten Monate zeigen<br />
noch mehr als die wirtschaftlichen Probleme. Sie machen<br />
deutlich, dass die<br />
Dass man der Frage nach den französischen Überseegebieten<br />
vorurteilsfrei begegnen sollte und die Lage komplexer ist, als viele denken,<br />
zeigt ein anderes Beispiel. Am letzten Märzwochenende fand eine<br />
Volksabstimmung auf der Komoreninsel Mayotte, die im Indischen Ozean<br />
zwischen Madagaskar und Mosambik liegt und bisher unter dem Schutz<br />
Frankreichs steht, statt. Dabei sprachen sich 95,2 Prozent der Einwohner aus,<br />
ein französisches Überseedepartement zu werden und damit enger an<br />
Frankreich heranzurücken. Der Anschluss ist für 2011 vorgesehen. Damit wird<br />
es für die 186.000 Einwohner, die zu 95 Prozent Moslems sind, auch wichtige<br />
kulturelle Neuerungen geben: So wird die Polygamie abgeschafft und das<br />
gesetzliche Heiratsalter von 15 auf 18 Jahre angehoben.<br />
Beziehungen mit<br />
dem Mutterland<br />
und die Strukturen<br />
in den Überseegebieten<br />
ganz neu<br />
durchdacht werden<br />
müssen. Oft liegt<br />
die Macht in den<br />
DOM/TOM in<br />
den Händen weniger<br />
großer Familien.<br />
Ihre Vorfahren<br />
machten manchmal<br />
sogar Geld<br />
mit dem Sklavenhandel.<br />
Die Preise<br />
von Konsumgütern<br />
werden außerdem in vielen Fällen von einigen wenigen<br />
Konzernen bestimmt, da es an einem echten Wettbewerb<br />
auf den Inseln fehlt. Die Bevölkerung weiß das und fordert<br />
immer lautstärker Veränderungen. Auch das kam in den<br />
Unruhen der letzten Monate zum Ausdruck.<br />
Eine Neudefinition der Beziehungen zwischen dem<br />
Mutterland und den DOM/TOM wird jedoch schwierig<br />
werden. Schließlich erhalten die Überseegebiete viel Geld<br />
aus Paris. Doch Veränderungen sind wichtig, denn jegliche<br />
Erhöhung der Transferleistungen hatte bisher immer nur einen<br />
kurzfristigen Effekt. Nicolas Sarkozy will deshalb einen<br />
großen runden Tisch für die Überseegebiete einberufen, zu<br />
dem alle wichtigen Akteure eingeladen werden. Dann wird<br />
man sicherlich leidenschaftlich über die Zukunft diskutieren.<br />
Bleibt abzuwarten, ob alle Beteiligten die Chance auf<br />
nachhaltige Veränderungen wagen werden.<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 75
Frankreich Heute Flughäfen<br />
Welche Zukunftsperspektiven<br />
haben Frankreichs Flughäfen?<br />
Flughäfen sind ein wichtiger Mosaikstein in der Infrastruktur eines modernen Landes. Für abgelegene<br />
Regionen sind sie oft sogar eine notwendige Voraussetzung, um im internationalen<br />
Konkurrenzkampf überleben zu können. Der Luftverkehr gilt allgemein als Wachstumsbranche.<br />
Auch in Frankreich ist auf vielen Airports ein weiterer Ausbau der Kapazitäten geplant, manche<br />
Flughäfen kämpfen allerdings ums Überleben.<br />
Frankreich ist flächenmäßig eines der größten Länder<br />
Europas. Es erstaunt daher nicht, dass das Land über<br />
mehr als 460 Flugplätze verfügt. Zählt man die französischen<br />
Überseegebiete noch hinzu, kommt die Französische<br />
Republik sogar auf genau 486 Start- und Landeplätze<br />
weltweit. Diese Zahlen mögen die Vermutung nahelegen,<br />
dass der Luftverkehr in Frankreich eine sehr dynamische<br />
Branche ist. Dies ist grundsätzlich nicht falsch, doch sieht<br />
die Realität etwas differenzierter aus.<br />
Denn zunächst wird natürlich nur ein Bruchteil dieser<br />
Flugplätze im Linienverkehr angeflogen. Außerdem konzentriert<br />
sich dieser sehr einseitig auf die beiden Flughäfen<br />
von Paris und einige wenige Provinzstädte, insbesondere im<br />
Süden Frankreichs. Denn die Dominanz der französischen<br />
Hauptstadt ist so erdrückend, dass sich in der Nordhälfte<br />
des Landes kaum ein anderer Flughafen etablieren konnte.<br />
Selbst die im Großraum über eine Million Einwohner<br />
zählende Stadt Lille verfügt nur über einen kleinen Airport<br />
mit wenigen Inlandsverbindungen und kaum internationalen<br />
Zielen, der einer Stadt dieser Größe im europäischen<br />
Vergleich kaum würdig ist. Während in Deutschland die<br />
Flughäfen von Frankfurt am <strong>Mai</strong>n, München, Düsseldorf,<br />
Berlin-Tegel und Hamburg locker die 10-Millionen-<br />
Passagiergrenze überspringen und Stuttgart und Köln diese<br />
Schallmauer fast erreichen, schafft dies in Frankreich außerhalb<br />
von Paris gerade einmal der Flughafen von Nizza.<br />
76 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Paris: CDG auf dem Weg zur<br />
Nummer 1 in Europa<br />
Vor ein paar Jahren wurde heftig diskutiert, ob man<br />
im Umkreis von Paris einen dritten Flughafen bauen<br />
sollte. Inzwischen ist diese Idee erst einmal verworfen<br />
worden. Man setzt nun auf den weiteren Ausbau des<br />
Airports Paris-Charles de Gaulle nordöstlich der Kapitale.<br />
Die Flughafenbetreibergesellschaft hat dafür gerade<br />
ihren Investitionsplan für die Jahre <strong>2009</strong> bis 2013<br />
vorgestellt. Danach will sie 2,54 Milliarden Euro in die<br />
Infrastruktur stecken. Das Geld fließt unter anderem<br />
in den Bau eines neuen Satelliten, den Abschluss der<br />
Sanierung des Terminal 1, die Grundsanierung des<br />
Terminal 2B sowie die Zusammenführung der Terminals<br />
2A und 2C. Außerdem unterstützt man die<br />
Idee einer Schnellbahnverbindung (CDG Express) ins<br />
Zentrum von Paris (Gare de l’Est). Momentan wird<br />
die Realisierbarkeit überprüft. Eine Inbetriebnahme<br />
könnte 2015 erfolgen. Das Ziel ist klar: Eines Tages<br />
möchte Paris-CDG London-Heathrow als größten<br />
Flughafen Europas ablösen. Bis dahin muss man sich<br />
mit dem Titel des größten Airports Kontinentaleuropas<br />
begnügen.<br />
Viele Regionalflughäfen im Süden des Landes generieren<br />
einen Großteil ihrer Passagiere außerdem aus dem Verkehr<br />
von und nach Paris und sind nur mittelmäßig an andere europäische<br />
Metropolen und Drehkreuze angebunden. Eine<br />
einseitige Ausrichtung, die für eine langfristige Prosperität<br />
nicht ohne Gefahren ist. Einige kleine Airports befinden<br />
sich zudem in der totalen Abhängigkeit nur weniger Low-<br />
Cost-Airlines. Die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit<br />
vieler französischer Flughäfen ist also gerechtfertigt und<br />
wird regelmäßig gestellt.<br />
Rosige Zustände in Paris<br />
Für die beiden großen Pariser Flughäfen ist die Situation<br />
dagegen relativ einfach: 2008 vereinten sie auf sich allein 60<br />
Prozent der nationalen Passagiere. Außerdem existieren auf<br />
dem Flughafen Paris-Charles de Gaulle (CDG), dem größten<br />
Flughafen Kontinentaleuropas, noch etliche Wachstumsreserven,<br />
was einen klaren Wettbewerbsvorteil zu den großen<br />
europäischen Rivalen London-Heathrow und Frankfurt am<br />
<strong>Mai</strong>n darstellt, die selbst unter Kapazitätsengpässen leiden.<br />
Die staatliche Flughafengesellschaft Aéroport de Paris<br />
(ADP) kann sich zudem über eine Monopolstellung im direkten<br />
Umkreis der Hauptstadt freuen, die sogar gesetzlich<br />
abgesichert ist. Zwar hat sich in Beauvais in der Picardie ein<br />
Drehkreuz von einigen Billigfluggesellschaften entwickelt,<br />
aufgrund der Entfernung und der schlechten Erreichbarkeit<br />
stellt der kleine Flughafen aber kein wirklich ernst zu nehmendes<br />
Problem für ADP dar, auch wenn er in den letzten<br />
Jahren beeindruckende Wachstumszahlen verzeichnete. So<br />
ist es nicht erstaunlich, dass in Paris weiterhin kräftig in die<br />
Flughäfen investiert wird.<br />
Staatlich oder privat: Wo liegt<br />
die Zukunft in der Provinz?<br />
Acht weitere Flughäfen, Nizza, Lyon, Marseille, Toulouse,<br />
Basel/Mulhouse, Bordeaux, Nantes und Beauvais,<br />
wickeln weitere 26 Prozent des nationalen Flugaufkommens<br />
ab, so dass magere 14 Prozent für die restlichen Airports<br />
übrig bleiben. Doch wie kann man den mittelgroßen<br />
Flughäfen Entwicklungsmöglichkeiten und den kleinen<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 77
Frankreich Heute Flughäfen<br />
Airports einen Ausbau ihrer Aktivitäten erlauben? Dieser<br />
Frage ging bereits 2002 eine Expertengruppe der Vereinigung<br />
französischer Flughäfen nach. Ihr Ergebnis: Eine<br />
Reform der Trägerschaft und Verwaltung der Flughäfen sei<br />
notwendig.<br />
Im Jahre 2004 wurde deshalb ein Gesetz erlassen, das<br />
die kleineren Flughäfen in die « Unabhängigkeit » entließ.<br />
Außer den Pariser und den zwölf größten Regionalflughäfen<br />
wurde das Management in die Hände der lokalen<br />
Gebietskörperschaften gelegt, zunächst meist in die der<br />
örtlichen Industrie- und Handelskammern, die wiederum<br />
eine weitere Privatisierung vorantreiben dürfen. Eine neue<br />
Zukunft dank privatem Engagement wird also angestrebt.<br />
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass dieser einmal angestoßene<br />
Prozess in Zukunft noch weiter ausgebaut wird. Kann<br />
man aber wirklich von einer Zukunftsperspektive sprechen,<br />
wenn der Staat sich zuvor die Rosinen unter den Flughäfen<br />
herausgepickt hat?<br />
Der erbitterte Kampf um Passagiere<br />
Aber nicht nur der ungleiche Wettbewerb zwischen den<br />
großen und den kleinen Airports ist hart, auch der TGV<br />
mischt kräftig im Kampf um Passagiere mit. Da der französische<br />
Staat kontinuierlich auf den Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes<br />
gesetzt hat, ist die Bahn selbst auf längeren<br />
Strecken inzwischen der Verkehrsträger erster Wahl, sogar bei<br />
Geschäftsreisenden. Seitdem der TGV für die 800 Kilometer<br />
von Paris nach Marseille nur noch drei Stunden benötigt, lässt<br />
sich mit dem Flugzeug auf dieser Strecke eigentlich keine Zeit<br />
mehr einsparen, rechnet man die Anreise zum Flughafen und<br />
die erforderlichen Wartezeiten mit ein. 2008 konnte die Bahn<br />
deshalb auch einen Marktanteil von 73 Prozent für Reisen<br />
zwischen beiden Städten verbuchen, und dies mit wachsender<br />
Tendenz.<br />
Welche Überlebensstrategien gibt es dann aber überhaupt<br />
für die kleinen Airports? Sie haben meist nicht die Möglichkeit<br />
Toulouse: TGV-Anbindung anstatt neuem Flughafen?<br />
Schon lange wird in der Heimatstadt von Airbus darüber diskutiert, ob die<br />
Stadt einen neuen Flughafen braucht, da einem Ausbau der Kapazitäten am derzeitigen<br />
Standort enge Grenzen gesetzt sind. Man hatte sogar schon einige mögliche<br />
Standorte nordöstlich der Hauptstadt der Region Midi-Pyrénées ins Auge gefasst,<br />
nicht ohne Proteste bei den Anrainern hervorzurufen. 2007 verkündete der Verkehrsminister<br />
dann das Ende dieser Planungen. Es scheint, dass man jetzt eher auf<br />
den Bau einer TGV-Verbindung statt auf den Bau eines neuen Flughafens setzt,<br />
obwohl neue Stimmen inzwischen einen Standort im Süden der Stadt ins Gespräch<br />
bringen. Im kommenden September wird jedenfalls erst einmal eine Terminalerweiterung<br />
am jetzigen Flughafen eingeweiht, die Halle D. Damit erhöht sich die<br />
Jahreskapazität auf 8,5 Millionen Passagiere.<br />
78 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Nantes: Neuer Flughafen für den<br />
Nordwesten des Landes<br />
Seit 30 Jahren wird darüber diskutiert, nördlich von Nantes<br />
bei Notre-Dame-des-Landes einen neuen Flughafen zu bauen,<br />
der den jetzigen Airport der Hauptstadt der Pays de la Loire ersetzen<br />
soll. Manche träumen sogar von neuen interkontinentalen<br />
Verbindungen über den Atlantik. Eine Vision, die wohl eher<br />
unwahrscheinlich ist. Auf jeden Fall soll der Airport aber die<br />
Isolation der Bretagne reduzieren. Zunächst würde der Flughafen<br />
mit einer Tram ans Zentrum von Nantes angeschlossen,<br />
später könnten weitere Zugverbindungen in andere bretonische<br />
Städte hinzukommen. Zurzeit werden geotechnische Untersuchungen am Standort durchgeführt.<br />
Der Airport könnte, sollte es schließlich zum Bau kommen, 2015 fertig sein.<br />
wie Paris und zum Teil auch Lyon, dem zweiten Drehkreuz<br />
von Air France, auf einen internationalen Umsteigeverkehr zu<br />
setzen. Viele suchen deshalb ihr Glück im boomenden Low-<br />
Cost-Verkehr. Beauvais ist dafür geradezu ein Vorzeigemodell.<br />
Allerdings kein repräsentatives, denn die Nähe zu Paris gibt<br />
dem Flughafen ein ungewöhnlich attraktives Einzugsgebiet,<br />
über das andere kleine Airports kaum verfügen. Dennoch gibt<br />
es für viele Städte keine großen Alternativen. In Nîmes etwa<br />
war der Low-Cost-Verkehr die einzige Chance, den Flughafen<br />
überhaupt am Leben zu erhalten, nachdem Air France kurz<br />
nach der Eröffnung des neuen Terminals infolge der Inbetriebnahme<br />
der TGV-Strecke von Paris ans Mittelmeer ihre<br />
Verbindungen in die Stadt völlig einstellte.<br />
Doch die Strategie ist nicht ungefährlich. Denn meist<br />
macht sich ein Flughafen von ein, zwei Billigfluggesellschaften<br />
abhängig. Entscheidet sich eine Airline später zur Aufgabe<br />
des Standorts, ist die Zukunft des gesamten Airports bedroht.<br />
Auch sind die Märkte, aus denen die Passagiere kommen,<br />
nicht selten sehr einseitig. Viele kleine Flughäfen wie Carcassonne<br />
oder La Rochelle leben fast ausschließlich von Billigfliegern<br />
aus Großbritannien. Doch gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise<br />
und durch die Abwertung des Britischen Pfunds<br />
ist es fraglich, ob auch in Zukunft noch immer genauso viele<br />
Briten ihre Zweitwohnsitze in Frankreich behalten können.<br />
Ohne sie wird es aber auch weniger Nachfrage nach Flügen in<br />
die französische Provinz geben.<br />
Die grüne Herausforderung<br />
Eine weitere Herausforderung ist der Umweltschutz. Der<br />
französische Staat hat sich in einer « Accords du Grenelle de<br />
l’Environnement » genannten Vereinbarung verpflichtet, den<br />
durch Flugzeuge verursachten Schadstoffausstoß bis 2020 um die<br />
Hälfte zu verringern. Außerdem sollen sich die Umweltbilanzen<br />
Brive-la-Gaillarde: Neuer Airport fürs Périgord<br />
In Brive-la-Gaillarde will man am boomenden Low-<br />
Cost-Verkehr teilhaben und beschloss daher den Bau<br />
eines neuen Flughafens am Standort Souillac. Die Bauarbeiten<br />
sind bereits in vollem<br />
Gange. Die Eröffnung ist<br />
für 2010 vorgesehen. Als<br />
Kunden erwartet man vor<br />
allem Billigfluggesellschaften<br />
aus Großbritannien,<br />
ist das Périgord doch ein<br />
beliebter Zweitwohnsitz für<br />
die Insulaner.<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 79
Frankreich Heute Flughäfen<br />
der Flughäfen selbst und der am Luftverkehr beteiligten<br />
Firmen verbessern. Auch mit den lärmgeplagten Anrainern<br />
scheint der Staat endlich ein Mitgefühl zu entwickeln: So soll<br />
sich diese Belastung ebenfalls um die Hälfte reduzieren. Erreichen<br />
will man diese Ziele aber vor allem durch technologischen<br />
Fortschritt. Daher rührt auch die Unzufriedenheit vieler<br />
Umweltverbände, die darin vor allem Lippenbekenntnisse sehen.<br />
So oder so, der Flugverkehr wird sich in den kommenden<br />
Jahren diesen Herausforderungen stellen müssen. Dies wird<br />
nicht ohne Auswirkungen für die kleinen Airports bleiben, die<br />
meist nicht über die gleichen finanziellen Ressourcen wie die<br />
großen verfügen.<br />
In diesem Zusammenhang wird die bessere Vernetzung<br />
der verschiedenen Verkehrsträger noch mehr an Bedeutung<br />
gewinnen. Schon heute sind die Flughäfen Paris-CDG und<br />
Lyon direkt ans französische Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen.<br />
Weitere Airports mögen folgen. Da gleichzeitig<br />
das Hochgeschwindigkeitsnetz kontinuierlich ausgebaut wird,<br />
könnten Inlandsflüge zukünftig mehr und mehr durch den<br />
Zug ersetzt werden. Dies bedeutet für viele mittelgroße und<br />
kleine Flughäfen im Land aber auch, dass ihr oftmals mit<br />
Abstand wichtigstes Standbein, der Flugverkehr von und nach<br />
Paris, zunehmend wegbrechen könnte. Städte wie Nîmes und<br />
Béziers machten diese Erfahrung bereits bei der Eröffnung der<br />
neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke ans Mittelmeer.<br />
Gewinner und Verlierer<br />
Die Zukunftsperspektiven der französischen Flughäfen<br />
sind deshalb sehr unterschiedlich. Die beiden Airports der<br />
französischen Hauptstadt werden sich wohl kaum Sorgen<br />
machen müssen. Auf der Gewinnerseite stehen auch Flughäfen<br />
in Regionen mit finanzkräftigen Urlaubern wie Nizza<br />
oder einer dynamischen Wirtschaft wie in Lyon und Toulouse.<br />
Der Airport von Beauvais hat bewiesen, dass man<br />
auch im Low-Cost-Geschäft eine sichere Zukunftsperspektive<br />
aufbauen kann, wenn die Rahmenbedingungen,<br />
wie die Nähe zu einem wichtigen Einzugsgebiet, stimmen.<br />
Schwieriger sieht es in Regionen aus, in denen sich heute<br />
mehrere passagierschwache Flughäfen das Leben untereinander<br />
schwer machen. Dies gilt etwa für die Bretagne<br />
und die Normandie. Der politische Wille, interregionale<br />
Flughäfen in diesen Regionen aufzubauen (siehe unten),<br />
ist deshalb zu begrüßen. Ob sie jedoch von Erfolg gekrönt<br />
sein werden, muss erst noch abgewartet werden. Schwierig<br />
könnte es auch für einige Flughäfen werden, die in der<br />
Abhängigkeit von nur einer oder vielleicht zwei Billigfluggesellschaften<br />
sind. Der Boom dieses Sektors wird nicht<br />
ewig andauern. Konsolidierungsmaßnahmen der Airlines<br />
könnten manch ein Opfer auf Flughafenseite fordern. Die<br />
aktuelle Wirtschaftskrise lässt dies bereits erahnen.<br />
Deauville oder Caen: Ein Zentralflughafen für die Normandie<br />
Wegen der Nähe zu Paris konnte sich in der Normandie ein großer<br />
Flughafen nie richtig entwickeln. Obendrein verteilt sich der magere<br />
Verkehr auf fünf Standorte: Caen, Cherbourg, Deauville, Le Havre und<br />
Rouen. Deshalb einigten sich die beiden Regionen Haute-Normandie<br />
und Basse-Normandie auf die Förderung eines zentralen Flughafens<br />
der Region. Zurzeit kämpfen Caen und Deauville um diesen Titel. Für<br />
Deauville spricht die zentrale Lage; für Caen, dass es der Flughafen mit<br />
den aktuell höchsten Passagierzahlen in der Region ist.<br />
80 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Sprachtraining. Landeskunde. Vokabelhilfen.<br />
Frankreich erLesen.<br />
<br />
Artikel aus führenden französischsprachigen Zeitungen<br />
<br />
Ac T uALi TÉ<br />
<br />
l’accueil des détenus de<br />
Guantánamo<br />
Page 2<br />
Économie<br />
<br />
est née<br />
<br />
<br />
Pages 4–5<br />
<br />
<br />
vivait mieux que moi<br />
à mon âge»<br />
<br />
l’égalité des sexes<br />
Pages 6– 7<br />
ffff<br />
<br />
<br />
Quand les ados dorment<br />
trop peu<br />
<br />
Pages 8–9<br />
cuLTu R e<br />
<br />
devenu l’indien Winnetou<br />
des Allemands<br />
Page 10<br />
<br />
<br />
route pour la France<br />
Page 12<br />
<br />
Pages 6 et 7<br />
<br />
Pages 4, 5 et 12<br />
<br />
www.sprachzeitungen.de<br />
<br />
Le mouvement social, qui a<br />
poussé les Guadeloupéens et<br />
leurs voisins martiniquais à<br />
faire la grève générale contre la<br />
«vie chère», aura aussi encouragé<br />
les indépendantistes antillais<br />
à relever la tête. Pour certains<br />
militants de la séparation d’avec<br />
la France, c’est le moment venu<br />
pour faire entendre leur voix,<br />
après deux décennies de calme.<br />
1 Depuis son enfance, Luc<br />
Reinette n’a pas changé d’avis.<br />
Figure de l’indépendantisme<br />
guadeloupéen, l’ancien dirigeant<br />
de l’Alliance révolutionnaire caraïbe<br />
(ARC), aujourd’hui âgé de<br />
59 ans, croit toujours à un avenir<br />
détaché de la métropole.<br />
2 selon Luc Reinette, la crise<br />
sociale qui paralyse l’île depuis<br />
plus d’un mois a redonné vigueur<br />
à la revendication nationale. elie<br />
Domota, figure de proue du collectif<br />
LKP, n’est-il pas lui-même<br />
indépendantiste? Les états généraux<br />
et la visite annoncée du<br />
président de la République, nicolas<br />
sarkozy, en avril, seront à<br />
coup sûr une nouvelle occasion<br />
de mettre la question sur la table.<br />
Les formations indépendantistes<br />
et le parti communiste guadelou-<br />
<br />
<br />
<br />
Légende Le cheF-Lieu der Hauptort – le Français<br />
de métropole (f.) der Kontinentalfranzose –<br />
un département d’outre-mer ein französisches<br />
Überseedepartement<br />
0 – 2 Le retour h.: das Comeback – les indépendantistes<br />
h.: die Befürworter der unabhängigkeit<br />
von Frankreich – la grève générale contre la «vie<br />
chère» der Generalstreik gegen die hohen Lebenshaltungskosten<br />
(vgl. Rdlp 3/<strong>2009</strong>, s. 3) – détaché<br />
losgelöst – la métropole h.: das französische Mutterland<br />
– paralyser h.: lahmlegen – vigueur (f.)<br />
Kraft, energie – revendication (f.) Forderung –<br />
la figure de proue (f.) die Galionsfigur, (fig.) der<br />
führende Kopf – le collectif LKP (gewerkschaftliches<br />
streikkollektiv gegen die Ausbeutung durch<br />
die profiteure, vgl. Rdlp 3/<strong>2009</strong>, s. 3) – les états<br />
généraux gem.: die am 19. Februar von staatspräsident<br />
sarkozy einberufenen Generalstände der<br />
Überseegebiete – renoncer verzichten<br />
• Sprachzeitungen •<br />
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Carl Ed. Schünemann kg · Zweite Schlachtpforte 7 · 28195 Bremen<br />
die Ergänzung zur Sprachzeitung<br />
für Ihren Unterricht<br />
als Lehrkraft!<br />
<br />
Jour de marché ordinaire à Point-à-Pitre, le chef-lieu de la Guadeloupe.<br />
Depuis 1946, l’île antillaise forme un département d’outremer<br />
(DOM). Aujourd’hui, 51 % des Français de métropole seraient<br />
prêts à lui accorder l’indépendance. Même s’ils sont 68 % à penser que<br />
la Guadeloupe contribue au rayonnement international de la France.<br />
|Photo: Graphicos<br />
<br />
<br />
loupe sont très majoritairement<br />
attachés à la France avec plus de<br />
80 % d’opinions défavorables sur<br />
le sujet.<br />
2 paradoxalement, une nette<br />
majorité des Français de métropole<br />
(68 %) considèrent la Guadeloupe<br />
comme un atout pour la<br />
France, car elle contribue à son<br />
rayonnement international. ils<br />
péen viennent de rédiger un projet<br />
commun. Le message est clair.<br />
«Aucun d’entre nous n’a renoncé<br />
à l’indépendance nationale!»<br />
proclame Luc Reinette.<br />
3 À la Guadeloupe, cette revendication<br />
s’est manifestée plus<br />
violemment qu’à la Martinique,<br />
même si elle n’a jamais rassemblé<br />
la majorité de la population.<br />
elle est née chez les agriculteurs<br />
et les étudiants, dans une critique<br />
de la départementalisation.<br />
en 1946, une loi transforme les<br />
colonies de Guadeloupe, de<br />
Martinique, de la Réunion et de<br />
Guyane en départements français<br />
d’outre-mer. en 1963 est créé<br />
le premier parti ouvertement<br />
indépendantiste, le Groupe d’organisation<br />
nationale de la Guadeloupe<br />
(Gong). parallèlement,<br />
les militants de la séparation<br />
d’avec la France investissent les<br />
syndicats. Sous l’impulsion de<br />
Louis Théodore, l’union des travailleurs<br />
agricoles est fondée, en<br />
1970. Trois ans plus tard apparaît<br />
l’union générale des travailleurs<br />
de Guadeloupe, qui rejette le cadre<br />
de la République française.<br />
Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeexemplar.<br />
1 C’esT Le sondage qui dérange,<br />
en métropole comme aux Antilles.<br />
Alors que la grève générale<br />
en Guadeloupe ne semble pas<br />
prendre fin, le sondage Opinion<br />
Way à paraître samedi dans le<br />
Figaro Magazine donne une nouvelle<br />
dimension à ce conflit. À une<br />
majorité (51 %), les métro-<br />
Suite page 2<br />
3 Violemment gewalttätig, h.: heftig – la départementalisation<br />
gem.: die verwaltungstechnische<br />
Aufteilung der inseln in Überseedepartements<br />
– (l’île de) la Réunion (zu Frankreich<br />
gehörende insel im indischen ozean) – Guyane<br />
(Französisch-Guyana) – investir h.: belagern –<br />
syndicat (m.) Gewerkschaft – sous l’impulsion de<br />
unter Betreiben von – rejeter ablehnen – le cadre<br />
h.: der politische Rahmen<br />
Leserservice: Telefon +49(0)4 <strong>21</strong> . 369 03-76 · www.sprachzeitungen.de<br />
favorables à l’indépendance de<br />
la Guadeloupe. Les résultats sont<br />
encore plus nets auprès des électeurs<br />
de nicolas sarkozy au premier<br />
tour de l’élection présidentielle,<br />
qui se prononcent à 58 % en<br />
faveur de la sécession. preuve que<br />
le conflit a durablement frappé<br />
les esprits hexagonaux. À l’initants<br />
de la Guade-<br />
ne sont que 32 % à la percevoir<br />
comme un poids financier. plus<br />
généralement, les causes de ce<br />
conflit sont dues, pour 74 % des<br />
métropolitains contre 87 % des<br />
Guadeloupéens, aux inégalités et<br />
à la vie chère. À noter que l’héritage<br />
colonial et la ségrégation ne<br />
sont perçus comme cause essentielle<br />
que par 13 % des habitants<br />
de l’Hexagone. Les Antillais sont,<br />
eux, deux fois moins nombreux<br />
(5 %) à y voir les raisons de l’embrasement<br />
social actuel.<br />
26-2-<strong>2009</strong> © Le Figaro
Frankreich Heute Rungis<br />
Der Bauch von Paris - Ein Besuch im Großmarkt von Rungis<br />
Die französische Hauptstadt<br />
ist ein unersättlicher Schlund,<br />
der jeden Tag mit Tonnen<br />
von Lebensmitteln gestopft<br />
werden will. Die Waren, die<br />
Restaurants, Fleischer oder<br />
Lebensmittelhändler täglich<br />
ihren Kunden anbieten,<br />
kommen direkt aus Rungis,<br />
dem größten und umsatzstärksten<br />
Großmarkt Frankreichs.<br />
Ein paar Kilometer<br />
vor Paris werden auf einer<br />
Fläche von nicht weniger<br />
als 232 Hektar all die Lebensmittel<br />
umgeschlagen, die<br />
die Hauptstädter später auf<br />
ihren Tellern finden. Dieses<br />
Jahr feiert die Anlage ihr<br />
40-jähriges Bestehen.<br />
Um einen echten Eindruck von<br />
Rungis zu bekommen, muss<br />
man früh aufstehen. Sehr früh<br />
sogar, oder besser gar nicht erst ins Bett<br />
gehen. Während in der Hauptstadt noch<br />
alle schlafen, wird 15 Autominuten von<br />
Paris entfernt, in der Nähe zum Flughafen<br />
Orly, die Nacht zum Tag gemacht.<br />
Am sehr frühen Morgen erlebt Rungis<br />
dann den Gipfel der Betriebsamkeit.<br />
Man muss den Großmarkt von Rungis<br />
gesehen haben, um eine Vorstellung von<br />
seiner Größe zu bekommen. Eigentlich<br />
stehen hier Gemüse- und Obsthändler,<br />
Fleisch- und Fischstände einträchtig<br />
nebeneinander, wie auf jedem anderen<br />
Markt auch. Nur, dass eben alles riesige<br />
Ausmaße hat.<br />
Der Pariser Großmarkt war nicht<br />
immer schon in Rungis zentralisiert.<br />
Reges Markttreiben gibt es in Paris seit<br />
800 Jahren und lange befand sich der<br />
Großmarkt im legendären Viertel Les<br />
Halles im 1. Arrondissement. Der Umzug<br />
von dort nach Rungis wurde 1959<br />
per Dekret von General de Gaulle angeordnet.<br />
1964 begannen die Bauarbeiten<br />
vor den Toren der Stadt, bis am 29.<br />
Februar 1969 der Transfer des Marktes<br />
losging, den die Pariser heute noch den<br />
« Umzug des Jahrhunderts » nennen.<br />
Vier Tage wurden benötigt, um 20.000<br />
Menschen, 1.000 Unternehmen, 10.000<br />
Kubikmeter Ausstattungsmaterial,<br />
5.000 Tonnen Ware und 1.500 LKW<br />
nach Rungis zu bringen. Anfangs war<br />
sogar geplant, die französische Armee<br />
für den Transport zu aktivieren. Da der<br />
Umzug reibungslos verlief, konnte auf<br />
diese Hilfe aber verzichtet werden.<br />
Die heute unablässig zirkulierenden<br />
LKW in Rungis werden von 30.000<br />
Arbeitern in sogenannten Sektoren<br />
be- und entladen. Der eindrucksvollste<br />
unter ihnen ist wohl der Sektor « Meeresfrüchte<br />
», in dessen gekühlten Hallen<br />
die Arbeiter spezielle wärmende Kleidung<br />
tragen. Hier findet man so gut<br />
wie alle Arten Fische und Krustentiere.<br />
Viele von ihnen wurden erst ein paar<br />
82 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Stunden zuvor aus dem Atlantik gefischt<br />
und finden sich noch am gleichen Tag<br />
auf den Tellern der Pariser Restaurants<br />
wieder. Im Jahr 2008 wurde, vor allem<br />
zu Weihnachten, besonders viel Lachs<br />
verkauft. Von den 6.500 Tonnen Salzund<br />
Süßwasserfischen, die in Rungis<br />
im Dezember umgeschlagen wurden,<br />
zählte man allein 4.000 Tonnen Lachs.<br />
Barsch und der Kabeljau nahmen in der<br />
Hitparade der meistverkauften Fische<br />
die Plätze zwei und drei ein. Trotz der<br />
Wirtschaftskrise wurden auch mehr als<br />
70 Tonnen Hummer zu Weihnachten<br />
verkauft.<br />
In der Halle für Fleischprodukte<br />
sind die Auslagen überwältigend. Hier<br />
warten Tausende Viehhälften auf ihre<br />
Abnehmer. Über dem Ganzen liegt<br />
eine leicht morbide Stimmung, die<br />
beinahe etwas Poetisches hat: Das<br />
unablässige Kommen und Gehen der<br />
Fleischer, die die schweren Tierhälften<br />
auf den Schultern tragen, wirkt wie<br />
ein makabrer Tanz. Für einen noch<br />
etwas schläfrigen Besucher ein bizarres<br />
Schauspiel. Etwas weiter in den<br />
Hallen für Blumen und Pflanzen formen<br />
riesige Auslagen ein Blütenmeer.<br />
Dort erfährt man, dass die Franzosen<br />
für das Weihnachtsfest 2008 die<br />
Nordmanntanne mit den haltbaren<br />
Nadeln besonders goutierten. Mehr als<br />
370.000 wurden davon verkauft.<br />
Der Großmarkt von Rungis wird<br />
in erster Linie von Händlern und Gastronomen<br />
genutzt, und natürlich von<br />
den Personen aus dem Lebensmittel<br />
verarbeitenden Gewerbe. Sie alle haben<br />
eine Berechtigungskarte, um in Rungis<br />
einkaufen zu können. Es ist aber ein offenes<br />
Geheimnis, dass es immer wieder<br />
gewiefte Leute gibt, die sich Zutritt zu<br />
Rungis verschaffen, auch wenn sie von<br />
Berufs wegen nicht hinein dürften. Sie<br />
haben dann einen Freund, der in Rungis<br />
arbeitet, oder kennen nur den Freund<br />
eines Freundes etc. Besonders auffällig<br />
ist das vor manchen Feiertagen, am 1.<br />
<strong>Mai</strong> zum Beispiel.<br />
In Frankreich ist es am <strong>Mai</strong>feiertag<br />
allgemeine Tradition, sich gegenseitig<br />
<strong>Mai</strong>glöckchen zu schenken. Nur<br />
an diesem Tag hat jeder Franzose das<br />
Recht, ohne jede Genehmigung oder<br />
Gewerbeauflage auf der Straße Blumen<br />
zu verkaufen. In den Städten multipliziert<br />
sich deshalb am 1. <strong>Mai</strong> die Zahl<br />
der Blumenverkäufer und die glücklichsten<br />
unter ihnen ergattern einen der<br />
gut frequentierten Plätze vor Passagen<br />
oder Bäckereien, an denen sie hohe<br />
Umsätze erreichen können. Doch um<br />
die <strong>Mai</strong>glöckchen verkaufen zu können,<br />
müssen sie erst einmal an Ware<br />
kommen. So sind an den Tagen vor<br />
dem 1. <strong>Mai</strong> merkwürdigerweise sehr<br />
viel mehr « Händler » in den Hallen von<br />
Rungis unterwegs als sonst. Niemand<br />
stört sich aber daran, was dem sonst so<br />
perfekt durchorganisierten Ablauf im<br />
Marktgeschehen von Rungis eine sympathische<br />
Note verleiht.<br />
Mit seinem Umsatz von 7,6 Milliarden<br />
Euro ist Rungis ein weltweites<br />
Vorbild für die Organisation von<br />
Großmärkten. Dabei ist Rungis längst<br />
nicht mehr nur ein lokaler Großmarkt.<br />
Heute werden immer mehr internationale<br />
Abnehmer ins Visier genommen.<br />
65 Prozent der Verkäufe werden zwar<br />
noch innerhalb der Ile de France versendet<br />
und 25 Prozent gehen in die<br />
französischen Provinzen. Aber bereits<br />
zehn Prozent machen mittlerweile die<br />
Verkäufe ins Ausland aus.<br />
Außerdem hat Rungis mit einigem<br />
Erfolg ein weiteres Geschäftsfeld<br />
erschlossen. Man gründete das Beratungsunternehmen<br />
« Rungis Consultant<br />
», das für Kunden aus Fernost<br />
(zum Beispiel aus China und Vietnam)<br />
sowie weiteren asiatischen Ländern<br />
(Kasachstan und Indien) und auch aus<br />
Europa (Russland, Portugal) Knowhow<br />
zum Betrieb von Großmärkten<br />
zur Verfügung stellt. In London wurde<br />
sogar eine Außenstelle der Unternehmensberatung<br />
gegründet, die scherzhaft<br />
« Botschaft von Rungis » genannt<br />
wird. In China wird in diesem Jahr das<br />
Shangai Xijiao International Agricultural<br />
Products Trading Center eröffnet,<br />
das sich voll und ganz am Konzept von<br />
Rungis orientiert. Ständig besuchen<br />
auch Vertreter internationaler Institutionen<br />
Rungis und lassen sich über<br />
das Erfolgskonzept informieren. Die<br />
Weltbank gehört genauso dazu wie die<br />
Welternährungsorganisation und die<br />
Europäische Kommission.<br />
Im Inland ist die Expertise von<br />
Rungis ebenfalls gefragt, denn täglich<br />
werden vom « Service des Nouvelles du<br />
Marché » die Preise bekannt gegeben,<br />
die an den Verkaufsständen in Rungis<br />
verlangt wurden. In langen Listen<br />
wird genau dokumentiert, für welche<br />
Produkte welcher niedrigste und<br />
höchste Preis gegolten hat, welcher<br />
Durchschnittspreis sich daraus ergibt<br />
und welche Abweichungen auftreten.<br />
Diese Liste ist zwar keine offizielle<br />
Statistik, dient aber für die übrigen<br />
Märkte im Land oft als Referenz. Bei<br />
all diesen Entwicklungen kann man<br />
also konstatieren: Der Bauch von Paris<br />
hat längst auch eine Menge mit dem<br />
Kopf von Paris zu tun.<br />
Linke Seite: Blick in eine Markthalle von Rungis. Unten: Der Großmarkt bei seiner Eröffnung 1969.<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 83
Kulturszene<br />
Erik Satie:<br />
Avant-dernières pensées<br />
CD von harmonia mundi<br />
CDs<br />
Der Pianist Alexandre Tharaud macht Furore. Regelmäßig<br />
werden seine Aufnahmen von der Kritik gefeiert.<br />
So auch die neueste Einspielung, in der er Werke des<br />
französischen Komponisten Erik Satie präsentiert. Im<br />
Zentrum der CD 1 stehen die sechs Gnossiennes – wunderbar zarte Klavierstücke,<br />
die vom ersten Ton an eine reiche Gefühlswelt eröffnen. Darum<br />
gruppiert Tharaud leichte und humorvolle Klavierstücke. Von « Picadally »<br />
sagt Tharaud, dass es sich wohl um den ersten Ragtime aus französischer<br />
Feder handele. Die CD 2 gibt einen Überblick über Kabarett-Chansons<br />
und kleinere Gesangskompositionen von Satie, die von der Sängerin Juliette<br />
virtuos interpretiert werden. Ein wahrer Schatz ist das aufwendig gestaltete<br />
Begleitbuch zur CD.<br />
Madame aime<br />
CD von Warner<br />
14 legendäre französische Schauspielerinnen (darunter Emmanuelle Béart<br />
und Nathalie Baye) präsentieren in Zusammenarbeit mit der Frauenzeitschrift<br />
Figaro Madame 14 Liebeslieder – ein Muss für jeden Verehrer des französischen<br />
Chansons. Die Kompilation « Madame aime » (dt. « Frau liebt ») besticht<br />
durch ihre Originalität und die musikalische Qualität. Die Neueinspielungen<br />
von Hits wie «Les histoires d’A. » der Band Rita Misouko lohnen sich vor<br />
allem deshalb, weil die Interpretationen der gestandenen Schauspielerinnen<br />
den Chansons eine ganz eigene Note verleihen. Frauen werden dieses Album<br />
lieben – und ihre Männer bestimmt auch!<br />
Film<br />
Ricky<br />
Frankreich 2008, 90 min • Originaltitel: Ricky • Ein Film von Fançois Ozon<br />
mit Alexandra Lamy, Sergi Lopez, Mélusine Mayance, Arthur Peyret, André<br />
Wilms u.a. • Kinostart: 14. <strong>Mai</strong> <strong>2009</strong>, im Verleih von Concorde<br />
Eine ganz gewöhnliche Frau und ein ganz gewöhnlicher Mann<br />
verlieben sich ineinander – und bringen nicht nur ein Baby, sondern<br />
gleich ein Wunder hervor! Über das Wunder der Liebe, die<br />
Überwindung von Einsamkeit und die Entstehung einer Familie<br />
hat Frankreichs vielleicht aufregendster Regisseur ein fantastisches<br />
Märchen gedreht. In dem Film steht mit Alexandra Lamy einmal mehr eine starke<br />
Frauen- und Mutterfigur im Mittelpunkt, an deren Seite Sergi Lopez brilliert. Ein<br />
fulminanter Genremix, der mit dem unerwarteten Einsatz grandioser Spezialeffekte<br />
und einer nie gesehenen Mischung aus Realismus und Fantasy besticht: Ein Film,<br />
der Flügel verleiht!<br />
84 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Bücher<br />
François Gantheret:<br />
Das Gedächtnis des Wassers<br />
Roman, 180 Seiten, dtv<br />
Ein Kriminalfall vor der eindrucksvollen Kulisse der Savoyer Alpen und zugleich<br />
eine zarte Liebesgeschichte. 30 Jahre nach dem gewaltsamen Tod seiner<br />
Jugendliebe Claire kehrt Paul in seinen Heimatort zurück. Überraschend trifft<br />
er auf die Konzertpianistin Béatrice, die Claire erstaunlich ähnlich sieht. Er<br />
spürt, dass nicht nur sein und ihr Leben, sondern das Schicksal des ganzen<br />
Dorfes von dem nicht aufgeklärten Tod Claires bestimmt wird. Ein bezwingender<br />
Roman über Liebe, Täuschung, die Macht der Verdrängung sowie die<br />
Macht der Erinnerung.<br />
Simone Weil: Und dennoch Leben<br />
Autobiographie, 316 Seiten, Aufbau Verlag<br />
Sie ist eine der bekanntesten Politikerinnen Europas und verkörpert vor allem eines:<br />
das Streben nach Unabhängigkeit und Freiheit. Nach ihrer Deportation durch<br />
die Nazis und dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird die dreifache Mutter in den<br />
1970er-Jahren zur « Madame le Ministre » unter Premierminister Jacques Chirac.<br />
Ihr Kampf um die « Loi Veil », die Legalisierung der Abtreibung, geht in die Geschichtsbücher<br />
ein. Neben Helmut Kohl und François Mitterrand wird sie als erste<br />
Präsidentin des EU-Parlaments zur Galionsfigur der europäischen Einigung. Mit<br />
ihren Erinnerungen gewährt sie einen guten Einblick in das politische Frankreich<br />
der letzten Jahrzehnte. Faszinierend.<br />
Jean-Louis Cohen und Tim Benton:<br />
Le Corbusier: Le Grand<br />
Bildband, 624 Seiten, Phaidon<br />
Mit diesem Werk erscheint eine einzigartige visuelle Biographie eines<br />
der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Der riesige, neun<br />
Kilogramm schwere Band bietet anhand von mehr als 2.000, teilweise<br />
bisher unveröffentlichten Fotografien, Zeichnungen und Dokumenten<br />
einen einmaligen Einblick in Leben und Werk Le Corbusiers. Er legt<br />
offen, welche Ereignisse und Freundschaften (u.a. zu Josephine Baker,<br />
Fernand Léger oder Pablo Picasso) in seinem Leben eine Rolle gespielt haben. Der opulente Band ist<br />
ein einzigartiges Kompendium und ein Must-Have für jeden, der sich für Architektur und Design<br />
interessiert.<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 85
Art de Vivre Aperitif<br />
Lillet:<br />
Ein Aperitif für Kenner<br />
Um als echter Bewohner von Bordeaux<br />
zu gelten, genügt es, in den Lokalen<br />
Südwestfrankreichs einen Lillet zu bestellen.<br />
Das Getränk, das seit 1887 im nahen<br />
Podensac hergestellt wird, ist ein Aperitif<br />
auf Weinbasis, der mit Fruchtlikör, Zucker<br />
und Chinarindenextrakt versetzt ist. Eine<br />
köstliche Mischung von afrikanischen<br />
und südamerikanischen Pflanzen mit<br />
den Weinen aus Bordeaux.<br />
Was für eine kuriose Geschichte dieser Lillet doch<br />
hat! Wie viele lokale Spezialitäten hätte er durch<br />
die Marktmacht der großen Getränkekonzerne<br />
und die Angleichung der Geschmäcker aus den Regalen verschwinden<br />
können. Doch den Lillet gibt es seit über 100<br />
Jahren und er ist aus dem Südwesten Frankreichs nicht wegzudenken.<br />
Mehr noch, im November 2006 brachen Telefonleitung<br />
und Website des Herstellers unter einem unerwarteten<br />
Nachfrageschub zusammen.<br />
Wenige Tage zuvor war in Großbritannien und den USA<br />
der neueste James-Bond-Film in die Kinos gekommen: « Casino<br />
Royale ». Darin bestellt der britische Geheimagent wie<br />
gewöhnlich seinen Cocktail, der nach der literarischen Vorlage<br />
von Ian Flemming eigentlich folgendermaßen zusammengesetzt<br />
sein soll: drei Teile Gin, ein Teil Wodka, ein halbes<br />
Teil Lillet. Bis zu « Casino Royale » hatten die Regisseure<br />
das (von Flemming übrigens frei erfundene) Rezept ignoriert<br />
und den jeweiligen Barkeeper im Film anstatt Lillet einen<br />
anderen Aperitif verwenden lassen. In « Casino Royale » wird<br />
zum ersten Mal die Originalrezeptur beachtet, und der Lillet<br />
erscheint auf der Bildfläche. Das heißt in diesem Fall: auf der<br />
Kinoleinwand und somit im Blickfeld von Millionen potentieller<br />
Konsumenten auf der ganzen Welt.<br />
86 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Kurios dabei: Das alles war gar kein inszenierter<br />
Marketing-Gag. Zwar war der Lillet schon seit den<br />
1980er-Jahren in den USA beliebter als in Frankreich.<br />
Der Aperitif musste aber in den letzten Jahrzehnten<br />
einen deutlichen Umsatzrückgang verzeichnen. Mit<br />
« Casino Royale » kam der Lillet wieder groß in Mode<br />
und die kleine Firma aus Podensac war Dank des James-<br />
Bond-Filmes gerettet, ohne dies jedoch zuvor beeinflusst<br />
zu haben.<br />
Dass der Lillet in Bordeaux erfunden wurde, ist<br />
ganz und gar kein Zufall. Im 18. Jahrhundert war die<br />
aufstrebende Hafenstadt bedeutender Umschlagplatz für<br />
exotische Gewürze und Kräuter, die in Europa bis dato<br />
unbekannt waren. Rohrzucker von den Antillen, Curaçao-Orangen<br />
aus Haiti, Chinarinde aus Peru, Sternanis<br />
aus China, Bourbon-Vanille – all das waren Ingredienzien<br />
für neue, verführerische Getränke.<br />
Die Brüder Paul und Raymond Lillet, beide Ingenieure,<br />
gründeten 1872 ein kleines Unternehmen, in dem sie<br />
Liköre, Limonaden, Sirups und Fruchtgelees produzierten.<br />
Außerdem waren sie als Händler für Wein, Cognac,<br />
Armagnac, Absinth und anderes Hochprozentiges tätig.<br />
Für sie waren die aus Übersee eintreffenden exotischen<br />
Zutaten Grundlage für eine Erweiterung ihrer Produktpalette.<br />
Nicht zuletzt durch Mischungen mit ihren Vorräten<br />
an Weiß- und Rotweinen konnten sie sich einen<br />
immensen neuen Markt schaffen.<br />
Ab 1887 arbeiteten sie an dem Rezept für einen neuen<br />
Aperitif, den sie ab 1895 nach und nach in den Handel<br />
brachten. Zuerst trug er noch den Namen « Kina Lillet »,<br />
da der Lillet mit Extrakten von Chinarinde versehen ist,<br />
der vom südamerikanischen Kina-Kina-Baum stammt.<br />
Dessen chininhaltige Rinde war schon von den Ureinwohnern<br />
Perus als Medikament genutzt worden. Der Erfolg<br />
des neuen Aperitifs ließ nicht lange auf sich warten<br />
und das Getränk avancierte schnell zu einem typischen<br />
Produkt der Gironde. Die Reklame tat ihr Übriges und<br />
verband den Lillet geschickt mit dem hohen Ansehen der<br />
Weine der Region.<br />
Heute findet man den Lillet in wirklich jedem Lokal<br />
in Bordeaux und der Gironde, er wird aber genauso<br />
in den Cocktailbars auf der ganzen Welt geführt. Man<br />
trinkt ihn meist pur und gekühlt auf Eis. Die bekannteste<br />
Variante ist der weiße Lillet auf der Grundlage von<br />
Weißwein. Es ist immer ein Vin des Graves, einer der<br />
typischen lieblichen Weine aus den Bordeaux-Anbaugebieten.<br />
Er ist von schöner goldener Farbe und besticht<br />
durch ein Aroma von Orangen, Limetten, Minze und<br />
Honig. Der rote Lillet dagegen gewinnt seine rubinrote<br />
Farbe durch die Grundlage von Rotwein aus dem Côtes<br />
de Bourg und hat ein Aroma von Orangen, Vanille, Gewürzen<br />
und Beerenfrüchten.<br />
Aber ganz gleich, welcher Lillet serviert wird – man<br />
sollte ihn unbedingt auf Eis und mit einem Stück Zi tro ne<br />
genießen. Oder aber, wie der berühmte englische Geheimagent,<br />
als Zutat für einen belebenden Cocktail.<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 87
Art de vivre Chantals Rezept<br />
«Das Lammkotelett ist für mich eines<br />
der Gerichte, die den Beginn des Sommers<br />
ankündigen. Das Fleisch lässt an die<br />
saftigen Wiesen der Normandie denken<br />
und die Kräuter haben den typischen<br />
Duft der Provence. Diese delikate Kombination<br />
weckt die Sinne und lässt die<br />
Vorfreude auf die heiße Jahreszeit<br />
»<br />
umso<br />
größer werden. Bon appétit!<br />
Chantal, Kochexpertin von Frankreich<br />
erleben, beantwortet gerne Ihre Fragen:<br />
chantal@frankreicherleben.de<br />
Für 4 Personen<br />
Vorbereitungszeit: 30 min<br />
Garzeit: 45 min<br />
Carré d’agneau<br />
aux herbes<br />
88 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Zutaten<br />
8 Lammkoteletts, zu einem Bund gewickelt<br />
50 g Paniermehl<br />
50 g Parmesan<br />
70 g Walnusskerne<br />
4 Knoblauchzehen<br />
1 Strauß glatte Petersilie<br />
1 Strauß Estragon<br />
4 EL Olivenöl<br />
Salz und Pfeffer<br />
Für die Garnitur<br />
4 kleine (oder<br />
2 große, halbierte)<br />
grüne Paprikas<br />
5 Tomaten<br />
2 Knoblauchzehen<br />
2 EL Olivenöl<br />
Salz und Pfeffer<br />
Zubereitung<br />
•<br />
Die Tomaten waschen, entkernen und in Würfel<br />
schneiden. Salzen und pfeffern und fünf bis zehn<br />
Minuten mit zwei gehackten Knoblauchzehen in<br />
zwei Esslöffel Olivenöl andünsten. Die Tomatenmasse<br />
vom Herd nehmen und abkühlen lassen.<br />
• In der Küchenmaschine oder mit einem Pürierstab die<br />
Petersilie, den Estragon, die vier Knoblauchzehen, die<br />
Walnüsse, den Parmesan, das Paniermehl und vier Esslöffel<br />
des Olivenöls zu einer glatten Masse verarbeiten.<br />
• Die Lammkoteletts salzen und pfeffern. Die Kräuterfarce<br />
als dicke Schicht auf den Koteletts verteilen.<br />
Eine Kasserole oder eine feuerfeste Form mit einem<br />
Film Olivenöl bestreichen, die Koteletts darauf<br />
legen und im Backofen bei 230 Grad garen lassen.<br />
Für rosiges Fleisch beträgt die Garzeit 45 Minuten,<br />
für durchgegartes Fleisch 50 bis 55 Minuten.<br />
• Während der Garzeit der Koteletts die Paprikaschoten<br />
in gesalzenem Wasser zehn Minuten<br />
kochen lassen. Die Schoten danach mit den<br />
gedünsteten Tomatenwürfeln füllen und zehn<br />
Minuten bei 230 Grad im Ofen gratinieren.<br />
• Die Lammkoteletts aus dem Ofen nehmen und einige<br />
Minuten ruhen lassen. Die Koteletts vom Rücken<br />
lösen und mit den gefüllten Paprikas servieren.<br />
Weinempfehlung<br />
•<br />
Zu diesem Fleischgericht empfiehlt sich ein Rotwein aus<br />
der Côte de Provence oder ein Coteaux du Languedoc.<br />
Tipp<br />
•<br />
Damit die Koteletts besonders zart und saftig werden,<br />
sollten sie als Rückenstück zu einem Bund gewickelt<br />
werden. Der Fleischer kann dies dementsprechend<br />
vorbereiten. Es lässt sich aber auch ganz einfach selbst<br />
bewerkstelligen: Einen Lammrücken an der Ober- und<br />
Unterseite so aufschneiden, dass die Koteletts nicht<br />
ganz vom Rücken gelöst sind. Dann die Koteletts nach<br />
außen zu einem Bund aufdrehen (siehe Abbildung).<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 89
Art de vivre Genuss<br />
Scharfmacher<br />
Der echte Senf aus Dijon<br />
Senf ist eine Pflanze, die man auf allen<br />
Kontinenten findet. Aber Achtung:<br />
Es gibt solchen Senf und solchen.<br />
Nicht jeder schmeckt gleich, vor allem<br />
existieren große Qualitätsunterschiede<br />
zwischen den Marken. Manch scheinbares<br />
Originalprodukt entpuppt sich<br />
bei genauerer Betrachtung als eine<br />
billige Kopie. Man sollte seinen Senf<br />
also sorgfältig auswählen. Für Franzosen<br />
ist ohnehin nur der Senf aus Dijon ein<br />
echter Senf. Zu Recht?<br />
Besonders aufregend ist das Thema « Senf » nicht. Als es<br />
in der Redaktion zum ersten Mal auf den Tisch kam,<br />
fand sich niemand, der den Artikel schreiben wollte.<br />
Ganz anders bei den Reportagen zu Paris oder der Bretagne,<br />
die immer ihre Abnehmer finden. Aber beim Senf senkten bei<br />
der Redaktionskonferenz alle nur ihre Köpfe und kritzelten<br />
eifrig in den Notizblöcken. Es kam, wie es kommen musste:<br />
Der Chefredakteur vergab das Thema per Direktive… an<br />
mich. Manchmal bin ich wirklich vom Pech verfolgt. Okay,<br />
Senf… und wie weiter? Mir fiel zu diesem Thema nichts weiter<br />
ein. Aber ich krempelte meine Ärmel hoch und stürzte<br />
mich, etwas ungläubig noch, in die Arbeit. Vielleicht gibt es ja<br />
doch etwas Spannendes am Senf zu entdecken?<br />
Meine erste überraschende Erkenntnis: Senf kann etwas<br />
sehr Staatstragendes haben. Das mag erstaunen, aber es<br />
gibt durchaus Situationen, in denen Senf eine Schlüsselrolle<br />
zukommt. Vor allem dann, wenn derjenige, der nach Senf<br />
verlangt, niemand Geringeres als der Präsident der Vereinigten<br />
Staaten von Amerika ist. So geschehen an Bord der<br />
legendären Airforce One beim ersten Flug mit Barack Obama.<br />
Die Reise wurde von einem amerikanischen Fernsehteam<br />
gefilmt, das dabei auch die Szene einfing, als der neue<br />
Präsident nach Senf für seinen Hamburger verlangte.<br />
90 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Offensichtlich hatte man an alles gedacht, nur nicht<br />
daran. Sein Vorgänger wird Senf wohl nicht gemocht haben,<br />
jedenfalls befand sich kein einziges Senfglas an Bord,<br />
nicht einmal eines dieser kleinen Aluminiumtütchen für<br />
unterwegs. Der mächtigste Mann der Welt musste seinen<br />
Hamburger ohne Senf genießen. Nun gut, dieses Vorkommnis<br />
wird den Weltenlauf nicht beeinflusst haben, aber<br />
für den Moment dürfte der Präsident ziemlich « bedient gewesen<br />
sein ». Die entsprechende französische Redewendung<br />
« la moutarde me monte au nez » bezieht sich wortwörtlich<br />
auf diese Situation: « Ihm stieg der Senf in die Nase ». Oder<br />
eben gerade nicht.<br />
Was man den Franzosen neidlos lassen muss: Wenn es<br />
um ihre Kultur geht, machen sie aus jeder eigentlich bedeutungslosen<br />
Episode eine Geschichte mit Gewicht. Der<br />
Bürgermeister von Dijon nämlich, François Rebsamen, sah<br />
im Fernsehen die Bilder mit Obama und ergriff sofort die<br />
Initiative. Aufgrund des unerfüllten Senfbegehrens des<br />
amerikanischen Präsidenten schrieb Rebsamen einen Brief<br />
ans Weiße Haus, in dem er mitteilte, dass die Bürger von<br />
Dijon berührt und stolz wären, dass der Präsident eine so<br />
ausgeprägte Vorliebe für ein Produkt habe, für das Dijon in<br />
der ganzen Welt bekannt sei. Den Brief begleitete natürlich<br />
eine stattliche Lieferung von Dijon-Senf.<br />
Ich weiß nicht, ob es anderen auch so geht, aber seitdem<br />
ich von dieser Geschichte erfahren habe, betrachte<br />
ich das Senfglas bei mir zu Hause mit anderen Augen. Als<br />
ich mich davon überzeugt hatte, dass das Glas in meinem<br />
Kühlschrank auch wirklich den Schriftzug « Moutarde de<br />
Dijon » trug, war ich ein bisschen stolz darauf, auf der anderen<br />
Seite des Atlantiks den amerikanischen Präsidenten zu<br />
wissen, der das gleiche Produkt auf seinem Frühstückstisch<br />
stehen hat. Doch dann kamen mir Zweifel. Ist es wirklich<br />
der gleiche Senf? Dass das überhaupt nicht gesagt ist, musste<br />
ich bei meinen Recherchen zu diesem Thema mit Entsetzen<br />
feststellen.<br />
Eigentlich könnte alles ganz einfach sein, denn zunächst<br />
einmal ist Senf nichts weiter als ein Korn der Pflanze Sinapis<br />
campestris. Man hat ausgerechnet, dass ein Kilogramm<br />
von ihr 500.000 Senfkörner ergibt. Senfmangel braucht<br />
man bei solchen Zahlen also nicht zu befürchten. Genutzt<br />
wird die Pflanze nicht erst seit gestern. Schon die Chinesen,<br />
die alten Griechen und die Römer kannten die Würzpaste,<br />
die wir heute kurz als Senf bezeichnen. Sie war lange Zeit<br />
das scharfmachende Gewürz der Armen, denn Pfeffer war<br />
selten und teuer. Wollte man scharf essen, aß man Senf. So<br />
war das überall auf der Welt. So weit, so gut.<br />
In Frankreich wird Senf ebenfalls seit langem angebaut.<br />
Eine königliche Anordnung von 1390 belegt das. Schon<br />
damals war die Gegend um Dijon für ihren Senfanbau bekannt,<br />
denn der Boden ist für das Wachstum der Pflanze<br />
besonders gut geeignet. So wundert es auch nicht, dass in<br />
Dijon 1643 der offizielle Beruf des Essig- und Senfmachers<br />
eingeführt wurde. Im Jahre 1752 gelang es einem von ihnen,<br />
das traditionelle Rezept entscheidend zu verbessern.<br />
Er hatte die Idee, die Senfkörner vor dem Zermahlen in<br />
einem Saft aus grünen Weintrauben einzuweichen, was die<br />
Fermentierung der Senfkörner verbesserte und den Senf<br />
schärfer werden ließ.<br />
Inzwischen ist in Frankreich die Herstellung von Senf<br />
durch ein Gesetz von 1937 genau geregelt. Es bestimmt, wie<br />
der Verarbeitungsprozess durchgeführt werden muss, und<br />
nicht zuletzt ihm ist es zu verdanken, dass der Dijon-Senf<br />
den Ruf des « wahren Senfs » erhielt. Aber dummerweise<br />
ist der Gesetzestext an einer Stelle unpräzise. Er verlangt<br />
nämlich nicht, dass die Senfkörner auch wirklich aus der<br />
Umgebung von Dijon oder aus Burgund stammen müssen.<br />
Eine Appellation d’origine controllée, also die berühmte kontrollierte<br />
Herkunftskennung, gibt es für Senf nicht. Deshalb<br />
kann jeder auf der Welt, sei es in den USA, Russland,<br />
Deutschland oder China, einen Senf produzieren, der ganz<br />
offiziell den Namen « Dijon-Senf » trägt, der aber weder in<br />
Dijon produziert sein, noch aus Pflanzen der Region gewonnen<br />
werden muss. Dass der Geschmack dadurch sehr<br />
verschieden ausfallen kann, liegt auf der Hand.<br />
Das kümmert zwar die wenigsten Konsumenten, aber<br />
für die Stadt Dijon ist es ein Problem. Denn der Lebensmittelkonzern<br />
Amora-<strong>Mai</strong>lle, der in der ganzen Welt<br />
mit seinem « echten » Dijon-Senf wirbt, hat kürzlich die<br />
Schließung von drei Senffabriken in Burgund angekündigt,<br />
darunter auch die von Dijon. Die Senfhauptstadt der Welt<br />
liefe Gefahr, zur Senfwaise zu werden, gäbe es da nicht den<br />
einen letzten unabhängigen Hersteller, die Firma Fallot, die<br />
in Dijon die Jahrhunderte alte Senfmachertradition aufrechterhält.<br />
Noch zumindest.<br />
So sollte man also genau auf das Etikett schauen, wenn<br />
man einen Senf aus Dijon kaufen möchte. Da ich das nun<br />
alles weiß, hätte ich allen Grund zu fragen: Monsieur Obama,<br />
könnte es sein, dass Ihr Dijon-Senf vielleicht… aus<br />
Amerika stammt?<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 91
Frankreich praktisch<br />
Autobahngebühren<br />
Welche Spur ist beim Bezahlen die richtige<br />
Während in der Schweiz und Österreich Autobahngebühren<br />
erhoben werden, kennen die Deutschen dies<br />
nur von ihren Reisen ins Ausland, unter anderem nach<br />
Frankreich. Doch im Gegensatz zu den beiden Alpenländern<br />
erwirbt man in Frankreich keine Vignette,<br />
sondern zahlt eine entfernungsabhängige Gebühr. Ein<br />
Netz von Mautstellen überspannt das ganze Land.<br />
Wo sind die Mautstellen<br />
Die Mautstellen (Péages) befinden sich überwiegend<br />
am Anfang und am Ende mautpflichtiger Autobahnen<br />
sowie an den Ab- und Zufahrten. Nur auf wenigen<br />
Autobahnen, wie beispielsweise der A13 von<br />
Paris in die Normandie, bezahlt man die Gebühr<br />
abschnittsweise, passiert also diverse Mautstellen<br />
unterwegs.<br />
Welche Fahrzeugklassen gibt es<br />
Die Tarife sind nach Fahrzeugklassen gestaffelt.<br />
Insge samt gibt es fünf:<br />
Klasse 1: alle üblichen Pkw, einschließlich<br />
Großraumlimousinen, SUV und<br />
Pkw mit einfachen Anhänger<br />
Klasse 2: Pkw mit Wohnwagen, kleine Wohnmobile<br />
und kleine Transporter<br />
Klasse 3: kleine Lkw, Reisebusse, große<br />
Transporter und große Wohnmobile<br />
Klasse 4: Große Lkw und Reisbusse<br />
Klasse 5: Motorräder<br />
An den großen Maustellen gibt es meist drei oder<br />
vier Arten von Spuren:<br />
1. Spuren, die mit einem grünen Pfeil gekennzeichnet<br />
sind: Diese Schalter sind mit Personal<br />
besetzt. Man kann seine Autobahngebühr sowohl<br />
mit Bargeld als auch Kreditkarte bezahlen.<br />
2. Spuren, die mit einem « CB » für carte bancaire<br />
gekennzeichnet sind: Dahinter verbergen sich<br />
Automaten, die ausschließlich Kreditkarten<br />
akzeptieren. In den einen Schlitz schiebt man<br />
sein Ticket, in den zweiten seine Kreditkarte.<br />
Wenn man eine Quittung wünscht, muss man<br />
den Knopf « Reçu » drücken. Achtung: Es<br />
werden Visa und Mastercard, teilweise auch<br />
AMEX, aber keine EC-Karten akzeptiert!<br />
3. Spuren, die mit Münzen oder einem Euroschein<br />
gekennzeichnet sind: Dies sind Automaten, die<br />
ausschließlich Bargeld akzeptieren. Man wirft<br />
die passende Summe Münzen in einen Trichter.<br />
Diese Spuren findet man meist nur an kurzen<br />
Mautabschnitten. Die Mautsumme wird vorher<br />
auf Schildern angezeigt.<br />
4. Spuren, die mit einem « t » für télépéage gekennzeichnet<br />
sind: Diese Spuren sind für Vielfahrer<br />
reserviert, die in ihrem Fahrzeug einen kleinen<br />
Sender haben. Die Abbuchung der Autobahngebühren<br />
erfolgt automatisch.<br />
Wie hoch sind die Gebühren<br />
Die Höhe der Autobahngebühren ist entfernungsabhängig.<br />
Manche Autobahnen sind teurer als<br />
andere. Im Internet kann man die Mautgebühren<br />
der geplanten Reiseroute im Vorfeld ermitteln<br />
(www.autoroutes.fr).<br />
Sind alle Autobahnen mautpflichtig<br />
Nein, aber die meisten. Ausnahmen bilden Autobahnen<br />
im Großraum von großen und mittelgroßen<br />
Städten (zum Beispiel Paris, Lyon, Marseille, Toulouse),<br />
in Grenznähe (zum Beispiel Rheintal-Autobahn<br />
im Elsass) sowie einige wenige andere Strecken<br />
(zum Beispiel die A84 von Caen nach Rennes).<br />
92 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
Arte-Programm<br />
Montag, 04.05.<strong>2009</strong>, <strong>21</strong>.00 Uhr<br />
Vincent, François, Paul<br />
und die anderen<br />
Film von Claude Sautet, Frankreich/Italien 1974<br />
Seit vielen Jahren treffen sich die alten Freunde Vincent,<br />
Paul und François am Wochenende mitsamt ihren<br />
Familien in Pauls Landhaus. Mittlerweile sind die drei an<br />
der Schwelle zum 50. Lebensjahr angelangt – Zeit, eine<br />
erste große Lebensbilanz zu ziehen. Und die sieht nicht<br />
gut aus. So wird das traditionelle gemeinsame Wochenende<br />
zu einer bittersüßen, melancholisch-heiteren Abrechnung,<br />
aus der niemand ungeschoren davonkommt...<br />
Montag, 11.05.<strong>2009</strong>, <strong>21</strong>.00 Uhr<br />
Sie küssten und sie schlugen ihn<br />
Film von François Truffaut, Frankreich 1959<br />
Der 13-jährige Antoine wächst in lieblosen Verhältnissen<br />
bei Mutter und Stiefvater auf. Statt in die Schule<br />
zu gehen, streunt er lieber mit seinem Freund Rémy in<br />
Paris herum. Als er eines Tages beim Diebstahl einer<br />
Schreibmaschine erwischt wird, kommt er in eine Erziehungsanstalt.<br />
Der Kultfilm von François Truffaut begründete<br />
1959 die Nouvelle Vague. Im Anschluss (22.40<br />
Uhr) sendet ARTE eine Dokumentation zu dieser Stilrichtung<br />
im Kino.<br />
Sonntag, 17.05.<strong>2009</strong>, 20.15 Uhr<br />
Philippe Noiret,<br />
Grand Seigneur des Kinos<br />
Themenabend<br />
Philippe Noiret war einer der begabtesten und beliebtesten<br />
Schauspieler seiner Zeit. Als er im November<br />
2006 starb, ging eine Welle der Trauer durch Frankreich.<br />
Der Themenabend zeichnet in einem eindrucksvollen<br />
Porträt Noirets Laufbahn nach und beleuchtet die Wirkung<br />
des Künstlers über seinen Tod hinaus.<br />
Montag, 18.05.<strong>2009</strong>, <strong>21</strong>.00 Uhr<br />
Violette Nozière<br />
Film von Claude Chabrol, Frankreich/Kanada 1978<br />
Die Verfilmung eines spektakulären Kriminalfalles<br />
des Nouvelle-Vague-Regisseurs Claude Chabrol mit Isabelle<br />
Huppert. ARTE zeigt diesen Spielfilm innerhalb<br />
eines Programmschwerpunkts anlässlich des Filmfestivals<br />
in Cannes. Das diesjährige 62. Festival vom 13. bis 24.<br />
<strong>Mai</strong> <strong>2009</strong> beehrt Isabelle Huppert als Juryvorsitzende.<br />
Mehr Informationen zu den Sendungen finden Sie im Arte-Magazin oder unter: www.arte.tv<br />
Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong> · 93
Leserbriefe · Impressum<br />
Jedes Mal lese ich Ihre Zeitschrift<br />
mit Begeisterung und bin<br />
vom ersten Heft an Abonnent.<br />
Seit ich mit 18 Jahren den Führerschein<br />
machte, verbringe ich jedes<br />
Jahr Urlaube in Frankreich. Gerne<br />
übernachten wir dabei in kleineren<br />
Familienhotels, oft « Logis de<br />
France » angeschlossen. Vielleicht<br />
können Sie gelegentlich auch<br />
Chambre d’hôte in Ihrem Magazin<br />
vorstellen? Nun hätte ich noch eine<br />
Frage: In Frankreich gibt es immer<br />
mehr Tankstellen mit einem<br />
24-Stunden-Service. Allerdings<br />
kann man an diesen Tankstellen<br />
mangels Tankwart bzw. Kassierer<br />
nur mit Geldkarten bezahlen. Ich<br />
habe es schon mehrfach versucht,<br />
an solchen Zapfsäulen zu tanken,<br />
konnte aber mit meiner Kreditkarte<br />
noch nie die Zapfsäule dazu<br />
bringen, Sprit abzugeben. Kann<br />
man mit deutschen Kreditkarten<br />
an diesen Einrichtungen nicht<br />
tanken? Oder gibt es einen Trick<br />
bzw. mache ich etwas falsch?<br />
Dirk Sornberger, Dittweiler<br />
Redaktion: In der Tat, einige dieser<br />
Tank automaten akzeptieren keine<br />
deutschen Kreditkarten. Es gibt aber<br />
Trost: Preisgünstige Tankstellen an Supermärkten<br />
haben während der üblichen<br />
Öffnungszeiten oft auch Zapf säulen,<br />
wo die Bezahlung an einem Kassenhäuschen<br />
erfolgen kann. Dort funktionieren<br />
dann auch die deutschen<br />
Kredit karten.<br />
In den allgemeinen Informationen<br />
über Burgund haben Sie<br />
eine wichtige Zugverbindung vergessen.<br />
Es gibt im Département<br />
Saône-et-Loire die TGV-Station<br />
« Le Creusot - Montceau-les-<br />
Mines - Montchanin TGV », kurz<br />
Le Creusot TGV. Von diesem<br />
Bahnhof, ca. 25 Kilometer von<br />
Chalon-sur-Saône entfernt, fahren<br />
regelmäßig Züge nach Paris Gare<br />
de Lyon und Lyon, sowie einzelne<br />
Züge nach Marseille St. Charles<br />
und Lille Europe. Diese Anbindung<br />
nach Paris in 1h 20min ist<br />
äußerst effizient und für Urlauber<br />
interessant.<br />
Wolf Dammeier, Celle<br />
Seit Ihrer ersten Ausgabe<br />
finde ich immer wieder Ziele<br />
meiner vielen Frankreichreisen<br />
in Ihrem Magazin wieder und<br />
freue mich über die schönen Fotos<br />
und die guten Berichte, die mich<br />
an schöne Zeiten in Frankreich<br />
erinnern. 1999 war ich allein als<br />
Individualtouristin auf der Ile de<br />
la Reunion. Ich durfte dort eine<br />
tolle Gastfreundschaft und eine<br />
ungekannte Offenheit erleben. Es<br />
war superschön. Gerne würde ich<br />
erfahren, ob auch heute, zehn Jahre<br />
später, noch diese unvergleichliche<br />
Stimmung herrscht, oder ob<br />
der zunehmende Tourismus dem<br />
Gebiet und den Menschen die<br />
Unbekümmertheit genommen hat.<br />
Planen Sie vielleicht einmal einen<br />
Bericht über diese tolle Insel?<br />
Elvira Höhle, Isernhagen<br />
Redaktion: Für die Zukunft ist das nicht<br />
ausgeschlossen. Mit Guadeloupe<br />
hatten wir kürzlich zum ersten Mal<br />
ein Überseedepartement in unserem<br />
Reiseteil. Auch in dieser Ausgabe gibt<br />
es einen Bericht über die DOM/TOM.<br />
Hat Ihnen unser Magazin gefallen? Haben Sie Verbesserungsvorschläge<br />
oder Anregungen? Schreiben Sie uns. Wir sind gespannt auf Ihre Meinung!<br />
Per E-<strong>Mai</strong>l:<br />
Leserbriefe<br />
leserbriefe@frankreicherleben.de<br />
Per Brief: Frankreich erleben - Leserbriefe - Globus Medien GmbH -<br />
Erich-Weinert-Straße 22 · 10439 Berlin<br />
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Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe in gekürzter Fassung zu veröffentlichen.<br />
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Frankreich erleben ist das Ergebnis von Teamarbeit. Neben den Autoren<br />
und Fotografen tragen auch die Lektoren, Grafiker und alle anderen<br />
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Herausgeber: Markus Harnau<br />
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Ajc Presse · 57, rue Chantecrit · 33300 Bordeaux<br />
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94 · Frankreich erleben · <strong>Mai</strong> / <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong>
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Reisethemen,<br />
nach<br />
Regionen<br />
geordnet:<br />
7<br />
9<br />
8<br />
6<br />
5<br />
1<br />
10<br />
2<br />
12<br />
4<br />
3<br />
11<br />
13<br />
1 Paris und Umgebung <strong>Nr</strong>.<br />
14<br />
Paris: Das Grand Palais erwacht aus dem<br />
20<br />
Dornröschenschlaf<br />
An den Ufern der Seine – Für drei Euro mit dem 19<br />
Mietfahrrad entlang der Seine<br />
Les Palaces, rosige Zeiten für Pariser<br />
18<br />
Luxusherbergen<br />
Die Sainte-Chapelle in Schönheitskur 17<br />
Tuilerien - Paris träumt vom Wiederaufbau seines 17<br />
alten Stadtschlosses<br />
Kunst - Musée du Montparnasse 16<br />
Alle 20 Arrondissements 15<br />
Stadtentwicklung - Neue Hochhäuser für Paris? 14<br />
Cité de l’Immigration - Ein notwendiges Museum 13<br />
Vaux-le-Vicomte - Wenn Größenwahn zum<br />
12<br />
Verhägnis wird<br />
Barbizon - Nabel der französischen<br />
12<br />
Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts<br />
Fontainebleau - Kleines Paradies der Glückseligkeit 12<br />
Parc de Sceaux - Wenn der Park im Mittelpunkt steht 12<br />
Rambouillet - Ein Schloss für den Präsidenten 12<br />
Saint-Germain-en-Laye - Sinnbild eines elitären 12<br />
Lebensgefühls<br />
Parc de Saint-Cloud - Schlosspark ohne Schloss 12<br />
Auvers-sur-Oise - Van Goghs letzte Ruhestätte 12<br />
Chantilly - Schloss, Pferde, Schlagsahne 12<br />
Pierrefonds - Beschaulichkeit versus Monumentalität 12<br />
Kommunalpolitik - Paris erlebt eine<br />
12<br />
Fahrradrevolution<br />
Fondation Le Corbusier - Das Erbe eines<br />
12<br />
polarisierenden Architekten<br />
Gastronomie - Preiswert essen in Paris 12<br />
Paris La Défense - Paris‘ futuristisches Gesicht 10<br />
Paris 14e - Stadtspaziergang durch das 14.<br />
9<br />
Arrondissement<br />
Paris-CDG - Hinter den Kulissen des Pariser<br />
8<br />
Flughafens Charles-de-Gaulle<br />
Opéra National de Paris - Eine Bühne für das<br />
7<br />
Publikum<br />
Paris Rive Gauche - Zukünftiges 7<br />
Restaurant - Café Marly, Pariser Chic im Louvre 6<br />
Shoppingtour - Auf Einkaufstour durch Paris mit 6<br />
einem der legendärsten Autos Frankreichs, der Ente<br />
Palais-Royal - Die Renaissance des Shoppings 6<br />
Avenue Montaigne - Nächtlicher Bum mel über die 6<br />
Pariser Luxusmeile<br />
Kaufhäuser - Mythos Grands Magasins: vom<br />
6<br />
«Paradies der Damen» zum Konsumtempel<br />
<strong>Mai</strong>son de Balsac, Musée Gustave Moreau,<br />
5<br />
Fondation Cartier<br />
Mac/Val - Zeitgenössischer Kunst tempel in einem 3<br />
Vorort von Paris<br />
Gastronomie - Chez Antoine 1<br />
Pariser Bistros 1<br />
Die Gewächs häuser von Auteuil 1<br />
Interview - Anne Hidalgo 1<br />
Märkte - Jedem seinen Markt 1<br />
Stadtteile - Spaziergang durch eine sinnliche<br />
1<br />
Metropole<br />
Hotel<br />
Hôtel des Académies et des Arts, Paris 11<br />
Kube Rooms and Bars, Paris 2<br />
2 Nordfrankreich <strong>Nr</strong>.<br />
Côte d’Opale - Immer am Ärmelkanal entlang 14<br />
Centre Historique Minier - Die Geschichte des<br />
14<br />
Bergbaus erleben<br />
Amiens - Kleine Kapitale der Picardie 14<br />
Baie de Somme - Paradies für Menschen und Vögel 14<br />
Karneval in Dünkirchen - Eine ganze Stadt feiert mit 13<br />
urigem Humor<br />
La Piscine - Ein Schwimmbecken als Eintrittskarte in 10<br />
die Welt der Kunst<br />
Auf Lille 2004 folgt lille3000, die Verwandlung 6<br />
geht weiter<br />
Lille - Frankreichs flämische Metropole 2<br />
Hotel<br />
L‘Hermitage Gantois, Lille 5<br />
3 Elsass / Lothringen / Champagne <strong>Nr</strong>.<br />
Rosheim – Idylle am Fuß der Vogesen 19<br />
Ardennen - Im sagenhaften Grün der Ardennen 18<br />
Elsass - Goethes amour fou in Sesenheim 17<br />
Gedenkkult - Charles de Gaulle, wohin man schaut 17<br />
Le Chocolat, Schokoladenmuseum Straßburg 16<br />
Vittel - Vom Kurort zur Weltmarke 15<br />
Plombières-les-Bains - Thermale Freuden in den 12<br />
Vogesen<br />
Straßburg - Stadterneuerung als politisches<br />
11<br />
Leitmotiv<br />
Wein - Jean-Paul Schmitt, ein Winzer mit Charakter 10<br />
und charaktervollen Weinen<br />
Madeleines, die süße Verführung aus Commercy 10<br />
Metz - Im Osten etwas Neues 9<br />
Burgen - Auf den Spuren des Mittelalters 8<br />
Elsässische Weinstraße - Eine Weingegend zeigt 8<br />
sich volksnah<br />
Mulhouse - Europäische Hauptstadt der<br />
8<br />
Technikmuseen<br />
Dominikanerkloster Guebwiller - Wo Musik Grenzen 8<br />
überwindet<br />
Golf im Elsass - Geheimtipp unter Golfern 8<br />
Dorfleben - Eine Reise zu den fünf schönsten<br />
8<br />
Dörfern des Elsass<br />
Colmar - Der Zauber der Nacht 8<br />
Sainte-Marie-aux-Mines - Besuch einer Silbermine 8<br />
aus dem 16. Jahrhundert<br />
Bugatti in Molsheim - Die Wiederentdeckung einer 8<br />
automobilen Legende<br />
Straßburg - Wenn Fachwerkhäuser auf Glaspaläste 8<br />
treffen<br />
Skifahren in den Vogesen - Mittelgebirge hinter der 7<br />
Grenze<br />
Elsass - Hochburg der Weihnachtsmärkte 6<br />
Wein - Champagner, Lebensgenuss pur 5<br />
Stockweiher - der Wolf im Schafspelz 3<br />
Hotel<br />
Le Château-Fort, Sedan 16<br />
Le Prestige Impérial, Plombières-les-Bains 12<br />
Le Domaine du Lac, Guebwiller 9<br />
4 Burgund / Jura <strong>Nr</strong>.<br />
Burgund: Der Pilgerhügel von Vézelay 20<br />
Anis de Flavigny, der Erfolg kleiner weißer Bonbons 18<br />
Morvan - Einst vergessen, heute ein grüner Schatz 17<br />
Bibracte - Galliens Hauptstadt vom Staub befreit 17<br />
Guédelon - Die spinnen, die Burgunder! 17<br />
Wein - Montrachet, ein Wein der Extraklasse 17<br />
Skifahren im Jura - Landstrich der Geruhsamkeit 7<br />
Saline Royale - Salz des Lebens: die königliche 7<br />
Saline von Arc-et-Senans<br />
Burgund - Mit dem Hausboot auf dem Canal du 2<br />
Nivernais<br />
Wein - Chablis, weißes Gold des Burgund 1<br />
Jura - Hundeschlittenfahren im hohen Norden... 1<br />
des Jura<br />
5 Loire-Tal <strong>Nr</strong>.<br />
Loire-Schlösser: Skandale, Anekdoten, Petitessen 20<br />
Loir-Tal - Die Poesie der Natur 14<br />
Wein - AOC Touraine, der Siegeszug des Sauvignon 12<br />
Wein - Vouvray 9<br />
Gastronomie - Chez Miton, Chahaignes 3<br />
Wein - Jasnières du Loir 3<br />
Fahrradtouren - Mit dem Fahrrad entlang der Loire 3<br />
Höhlenwohnungen - Moderne Troglodyten am Loir 3<br />
Als Schlossherr im Jahr 2006... 3<br />
Die etwas anderen Schlösser 3<br />
Wein - Domaine de Beauséjour 3<br />
6 Normandie <strong>Nr</strong>.<br />
Honfleur: Hafenromantik und Künstlerflair 20<br />
Les Bains des Docks, Le Havres weißer Badetempel 18<br />
Mont-Saint-Michel - Übers Watt zum Klosterberg 16<br />
La Hague - Eine Reise ans Ende der Welt 16<br />
Pays d’Auge & Côte Fleurie - Natur und Luxus 16<br />
Spuren der Geschichte - Die Normandie unter<br />
16<br />
Wilhelm dem Eroberer<br />
Mont-Saint-Michel - Die spektakuläre Rettung des 10<br />
Klosterbergs<br />
Trouville-sur-Mer - Bäderarchitektur vom Feinsten 8<br />
Camembert-Herstellung 3<br />
Le Havre - Frankreichs neuestes Weltkulturerbe 3<br />
7 Bretagne <strong>Nr</strong>.<br />
Carnac – Die mystische Aura von Hinkelsteinen 19<br />
Halbinsel Rhuys - Die wilde Schönheit der Bretagne 16<br />
Belle-Ile-en-Mer - Raues Eiland im Atlantik 11<br />
Le Pays des Abers - Die Bretagne im Kleinformat mit 9<br />
Fjorden wie im hohen Norden<br />
Rennes - Geschichtsträchtig und weltoffen 9<br />
Nantes-Brest-Kanal - Und aus der Mitte entspringt 9<br />
ein Kanal<br />
Bretonische Lebensart - Mehr als nur Klischees? 9<br />
Lichouseries, zuckersüße Köstlichkeiten aus der 9<br />
Bretagne<br />
Bretagne - Thalassotherapie: die heilsamen Kräfte 2<br />
des Meeres<br />
Hotel<br />
Grand Hôtel Barrière, Dinard 6<br />
8 Nördliche Atlantikküste <strong>Nr</strong>.<br />
Ile de Ré – Diskreter Luxus mit maritimem Flair 19<br />
Saint-Nazaire - Der Blick nach vorne 11<br />
Nantes - Eine Stadt organisiert ihre kul turelle<br />
4<br />
Metamorphose<br />
Inseln - Ile de Noirmoutier und Ile d‘Yeu - das Leben 4<br />
vor der Küste<br />
Aquarium von La Rochelle 2<br />
Hotel<br />
Le Richelieu, Ile de Ré 19
9 Südliche Atlantikküste <strong>Nr</strong>.<br />
Cannelés, knackige Hülle mit weichem Kern 17<br />
Bassin d’Arcachon - Eine Bootsfahrt, die ist lustig... 16<br />
Bordelais - Eine kleine Revolution: die Winery 15<br />
Biarritz - Vom Fischerdorf zum legendären Seebad 14<br />
Pont de Pierre - Die schönste Annäherung an<br />
13<br />
Bordeaux<br />
Typisch Bordeaux - Wenn Kleinigkeiten zum<br />
13<br />
Markenzeichen werden<br />
Bordeaux-Saint-Michel - Bodenständig und populär 13<br />
Stadterneuerung Bordeaux - Wenn das <strong>21</strong>.<br />
13<br />
Jahrhundert auf das 18. Jahrhundert trifft<br />
Bordeaux Rive Droite - Ein Ufer auf Identitätssuche 13<br />
Ein Traumwochenende im Bordelais 5<br />
Cordouan - Das kleine Versailles im Atlantik 5<br />
Portraits - Salzbauern, Austernzüchter,<br />
4<br />
Kiwiproduzenten, die Berufe entlang der Küste<br />
Hossegor - Wo Architektur den legendären Ruf eines 4<br />
Seebades begründet<br />
La Leyre - « Wenn du die Region wirklich kennen 4<br />
lernen möchtest, interessiere dich für die Leyre...»<br />
Wein - Bordelais: Les Vignobles Peyvergès 2<br />
Bordeaux - Das Erwachen einer schlafenden<br />
1<br />
Schönheit<br />
Hotel<br />
Seeko’o Hotel, Bordeaux 13<br />
Les Sources de Caudalie, Bordelais 3<br />
10 Zentralfrankreich / Pyrenäen <strong>Nr</strong>.<br />
Corrèze: Die Gärten der Colette 20<br />
Dordogne-Tal - Frankreich wie im Bilderbuch 18<br />
Rouffignac - Die Höhle der 100 Mammuts 18<br />
Périgueux, Brantôme, Bergerac, Sarlat - Unterwegs 18<br />
in den Städten des Périgord<br />
Cordes-sur-Ciel - Am Ende einer langen Reise 17<br />
Albi - Die ziegelrote Stadt am Tarn 15<br />
Lascaux - Weltberühmte Felszeichnungen von 15<br />
Zerstörung bedroht<br />
Moissac - Ein Glanzlicht der europäischen<br />
13<br />
Kunstgeschichte<br />
Toulouse - Weltoffenheit und Lebenslust 12<br />
Erinnerungskultur - Versuch einer Zustandsbeschreibung<br />
11<br />
am Beispiel von Oradour-sur-Glane<br />
Roquefort, le roi des fromages 11<br />
Skifahren im Zentralmassiv - Land der erloschenen 7<br />
Vulkane<br />
Skifahren in den Pyrenäen - Bergkette zwischen 7<br />
zwei Meeren<br />
Land der Katharer - Von Foix nach Carcassonne 4<br />
Viadukt von Millau - Die Brücke über den Wolken 1<br />
Hotel<br />
Hôtel Garonne, Toulouse 10<br />
11 Alpen / Rhône-Tal <strong>Nr</strong>.<br />
Lyon - Fête des Lumières 2008 18<br />
Wein - Rhone-Tal, ein Weingebiet mit Vielfalt 16<br />
Briançon - Stade auf mehreren Etagen 15<br />
Annecy - Zwischen Urbanität und Alpenromantik 14<br />
Les 3 Vallées - Grenzenloses Wintersportvergnügen 13<br />
Barcelonnette - Einmal Mexiko und zurück 12<br />
Route des Grandes Alpes - Höhenrausch und<br />
11<br />
Fernsicht<br />
Grenoble - Frankreichs Alpenmetropole auf<br />
11<br />
Schönheitskur<br />
Evian, Thonon, Aix-les-Bains - Legendäre Kurbäder 11<br />
der Belle Epoque<br />
Yvoire - Mittelalterliches Flair am Genfer See 10<br />
Flusskreuzfahrt - Freizeitstress und Langsamkeit, 10<br />
Tagebuch einer Flusskreuzfahrt auf der Rhone<br />
Skifahren in den Südalpen - Dem Mittelmeer so nah 7<br />
Skifahren in den Nordalpen - Gebirge der Superlative 7<br />
Wein - Die Wahrheit über den Beaujolais Nouveau 7<br />
Lyon - Eine Stadt entdeckt die Magie des Lichts 3<br />
Hotel<br />
l’ermitage, Lyon 18<br />
Collège Hôtel, Lyon 14<br />
Hameau Albert 1er, Chamonix 7<br />
12 Languedoc-Roussillon <strong>Nr</strong>.<br />
Côte Vermeille: Die rote Küste 20<br />
Aigues-Mortes – Später Ruhm für die Stadt der 19<br />
«Toten Wasser»<br />
Flusskreuzfahrt - Freizeitstress und Langsamkeit, 10<br />
Tagebuch einer Flusskreuzfahrt auf der Rhone<br />
Cevennen - Das Rätsel der Höhle von Trabuc 7<br />
Musée du Désert - Auf den Spuren des eigenen 6<br />
Namens<br />
Narbonnaise - Ein Morgen mit Gérard beim<br />
4<br />
Aalfang...<br />
Bambouseraie - Die Poesie eines 150 Jah re alten 4<br />
Bambusgartens<br />
Hotel<br />
Château L’Hospitalet, Narbonne 20<br />
Domaine de Verchant, Montpellier 17<br />
13 Côte d’Azur / Provence <strong>Nr</strong>.<br />
Wein: Côtes du Ventoux: Ein Wein und sein Berg 19<br />
Aix-en-Provence - Auf den Spuren von Cézanne 18<br />
Marseille - Panier-Viertel, Marseille pur 16<br />
Mougins - Picassos letzter Wohnort 13<br />
Nizza - Kunst erobert die Stadt 11<br />
Die Provence wie im Film - Auf den Spuren von 10<br />
«Jean Florette» und «Manons Rache»<br />
Flusskreuzfahrt - Freizeitstress und Langsamkeit, 10<br />
Tagebuch einer Flusskreuzfahrt auf der Rhone<br />
Luberon - Eine Reise zu den Farben der Provence 10<br />
Massif de la Sainte-Baume - Auf dem Dach der 10<br />
Provence<br />
Camargue - Land zwischen Fluss und Meer 9<br />
Circuit du Var - Erste Formel-1-Fahrschule der Welt 6<br />
Marseille - 10 Gründe, die Hafenstadt zu mögen 5<br />
Calissons aus Aix-en-Provence 2<br />
Confiserie - Wo Blüten zu süßen Köstlichkeiten 2<br />
werden<br />
Villages perchés - Wo Dörfer auf Gipfeln thronen 2<br />
Saint-Tropez - Wo der Luxus zu Hause ist 2<br />
Hotel<br />
Dolce Frégate, Saint-Cyr-sur-Mer 15<br />
HI, Nizza 8<br />
Le Delos, Bandol 4<br />
14 Korsika <strong>Nr</strong>.<br />
Calvi - Perle im Nordwesten Korsikas 8<br />
Restaurant - A Pineta, Ajaccio 5<br />
Mit der Eisenbahn durch Korsikas Bergwelt 5<br />
Gorges de la Restonica, Korsikas alpine Seite 5<br />
Städtevergleich - Bastia versus Ajaccio 5<br />
Wenn Landstraßen zu Traumstraßen werden 5<br />
Hotel<br />
Casadelmar, Porto-Vecchio 1<br />
15 Überseegebiete (DOM/TOM) <strong>Nr</strong>.<br />
Guadeloupe – Ein Stück Frankreich in der Karibik 19<br />
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Atlantikküste<br />
Die schönsten Strände am Ozean<br />
Paris<br />
Insider-Tipps fürs Szeneviertel Marais<br />
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Nancy<br />
Auf Entdeckungstour in Lothringen<br />
Ausgabe <strong>Nr</strong>. 22 - Juli / August <strong>2009</strong> erscheint am 24. <strong>Juni</strong> <strong>2009</strong><br />
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