DISPLAY Magazin Nr.117 / Mai 2020

display.magazin

Es ist das Schweizer Magazin für Schwule und aufgeschlossene Heteros: DISPLAY. Monat für Monat spannt das Gay-Premium-Magazin den Bogen von anspruchsvollen Reportagen über Interviews zu trendy Fotografie, Lifestyle- und People-Themen – professionell umgesetzt mit Intelligenz und Witz. Das Must-have für alle Gays in der Schweiz ist ein Lifestyle-Magazin, ein Newsmag und eine Illustrierte in Einem.

117

Mai 2020

Das Schweizer

Lifestyle-Magazin

für Gays

und Friends.

ESC? JETZT

ERST RECHT!

DISPLAY

ZELEBRIERT DEN

SONG CONTEST

QUEERE PODCASTS

DIE COMMUNITY

HAT WAS ZU SAGEN

RAPPER DAIF

QUEERE RHYMES

GEGEN

HOMOPHOBIE

SWATCH

Coole Uhren für Typen mit Stil

TANZ DER

HORMONE

MÄNNER IN DER

ANDROPAUSE

CHF 9.50


EDITORIAL

DER NEUE OPEL GRANDLAND

HYBRID4

IMPRESSUM

FAHRSPASS ODER

VERNUNFT? BEIDES.

LEASING

CHF 399.– / MT

Verlag

DISPLAY MEDIA AG

Eichstrasse 27

8045 Zürich

Telefon 044 - 313 15 05

Website

www.display-magazin.ch

Verleger/Geschäftsführer

Alexander P. Huser

Chefredaktor

Beat A. Stephan

Chef Layout/Grafik

Stefan Staudacher

Autoren

Marcel Friedli, Mirco Droz, Stefan Böker, Tobias

Winterberg, Tim Wiesendanger, Maurice Müller,

Daniel Diriwächter, Constantin Jacob,

Mathias Steger, Johannes Sieber, Dieter Osswald,

Steffen Rüth, Alf Heller

Fotos

Raphael Hadad, Kassem Belkalem, Olivier Sauter,

Tobias Güttinger, Gonzalo Garcia, Renato Richina.

Illustrationen: Stefan Staudacher

Online-Manager

Website, Instagram, Youtube: Paddy Käser

Druck

Vogt-Schild Druck AG, 4552 Derendingen

Marketing/Sales

Alexander P. Huser

Anzeigen

Telefon 044 313 15 05

inserate@display-magazin.ch

Tarife: www.display-magazin.ch

Aboservice

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Jahresabo: Fr. 80.–

Einzelpreis: Fr. 9.50

Ausgabe Juni 2020

Anzeigenschluss: 18. Mai 2020

Erscheinungsdatum: 28. Mai 2020

Mai 2020

Danke, es geht gut!

Wie geht es dir? Dieser Tage stelle

ich die Frage noch viel häufiger

als sonst. Und die Frage ist ehrlich

gemeint. Es interessiert mich, wie's um

die Gesundheit meiner Freunde steht. Ich

frage mich, wie wohl der Single, der mit seiner

Familie keinen Kontakt mehr hat, mit

dem Lockdown zurechtkommt, und was

wohl der lustige Beizer jetzt macht, bei dem

wir so schöne Stunden verbracht haben.

Auch ich selber werde häufiger als früher

nach meinem Befinden gefragt. Und ich darf

sagen, dass es mir gut geht. Ich kann problemlos

Home Office machen, ohne das quälende

Gefühl zu haben, irgendwo da draussen

etwas zu verpassen.

DISPLAY steht dir in dieser Zeit zur Seite

und gibt Tipps, wie du dich geistig fit halten

kannst. Wir geben Hinweise auf Bücher, Filme

und CDs und wir weisen auf die spannende

Netflix-Produktion über Sigmund Freud

hin. Wir verraten, wie du deinen Alltag zuhause

versüssen kannst und wir stellen dir

die interessantesten queeren Podcasts vor.

Fast alle unserer Termine sind gestrichen,

Konzerte, Theater sind abgesagt. Doch

das heisst nicht, dass wir nicht träumen dürfen.

Wir stellen dir die Trauminsel La Réunion

vor und entführen dich in deiner Phantasie

in den indischen Ozean. – Der Traum von

den Badeferien in fernen Landen ist wohl geplatzt.

Doch auch in der Schweiz machst du

in sexy Beachwear eine gute Figur. DISPLAY

zeigt dir die heissesten Teile von Addicted.

Auch wenn der Kinostart des neuen

Bond-Abenteuers verschoben ist, setzen wir

die Bond-Kollektion und weitere Swatch-

Uhren im noblen Stil des Agenten 007 in

Szene. – Und hey, das schwule Hochamt namens

ESC findet auch nicht statt! Doch DAS

lassen wir uns nicht nehmen. DISPLAY feiert

mit dir den Song Contest. Jetzt erst recht!

Gerade in Zeiten des Lockdowns bieten

wir dir also eine Riesenvielfalt an Themen:

Lies auch unsere Story über die Andropause,

das heisst die Wechseljahre des Mannes,

über queeren Hip-Hop, über schwule

Schweizer Influencer und erfahre, wie du

dein Selbstwertgefühl steigern kannst...

DISPLAY im Mai: Das ganze bunte Leben!

Ich wünsche dir gute Gesundheit.

Beat A. Stephan

beat.stephan@display-magazin.ch

Bild Raphael Hadad

Cover Raphael Hadad

A

B

C

D

E

F

G

A

Leasingbeispiel: Grandland X Hybrid4 Excellence, 1.6 Direct Injection Turbo mit Elektromotor (Automatik), 5-Türer,

1598 cm 3 , 300 PS. Listenpreis CHF 49’900.–, minus Leasingbonus CHF 2’525.– = Barzahlungspreis CHF 47’375.– /

monatliche Rate CHF 399.–. (Sonderzahlung CHF 12’475.–) Abbildung: Grandland X Hybrid4 Excellence, 1.6 Direct

Injection Turbo mit Elektromotor (Automatik), 5-Türer, 1598 cm 3 , 300 PS. Listenpreis CHF 49’900.–, plus Premium

Farbe CHF 1370.–, Schwarzes Dach und Motorhaube CHF 990.–, minus Leasingbonus CHF 2’525.– = Barzahlungspreis

CHF 49’735.– / monatliche Rate CHF 420.–. (Sonderzahlung CHF 13’065.–) 28–39 g/km CO 2 -Ausstoss, 6–9 g/km CO 2 -Wert

und Emissionen aus der Treibstoff- und/oder der Strombereitstellung, Ø-Verbrauch 1,2–1,7 l/100 km, Energieeffizienzklasse

A. Laufzeit 48 Monate, Fahrleistung 10’000 km p.a., effektiver Jahreszins 2.99 %, Vollkasko nicht inbegriffen,

Opel Finance SA schliesst keine Leasingverträge ab, falls dies zur Überschuldung des Konsumenten führen kann.

Ø CO 2 aller verkauften Neuwagen in CH = 115 g/km. Gültig bis am 30. Juni 2020 und nur bei teilnehmenden Opel Partnern.

Näher ran: Ein ungewöhnlicher Bildausschnitt

für ein Cover. Doch er passt zu unserer

Philosophie. DISPLAY schaut genau hin.

Zudem sieht Yannick ungeheuer cool aus im

Jacket von Burger, und die Krönung seines

Looks ist die Dark Forest von Swatch.

Swatch hat übrigens eine Bond-Kollektion

entworfen, die wir ebenfalls zeigen.

Als Nachfolger von Daniel Craig drängt sich

Yannick doch ganz klar auf.

Der Nachdruck ist nur mit Genehmigung des Verlags

erlaubt. Für unaufgefordert eingesandte Manuskripte

und Fotos übernimmt der Verlag keine Haftung.

Der Verlag ist nicht verantwortlich für den Inhalt

von Anzeigen.

Bild NBC News

Kopf des Monats

Dr. Anthony Fauci

Anthony Fauci hat sich bei Donald

Trump und seinen Fans so richtig

unbeliebt gemacht. Vor allem, weil

er es wagte, dem Präsidenten zu widersprechen,

wenn der das Corona-

Virus wieder einmal verhamloste

und kompletten Unsinn verbreitete.

Der 79-Jährige ist ein äusserst erfahrener

Virologe: Seit 36 Jahren

leitet er das National Institute of

Allergy and Infectious Diseases.

Fauci ist HIV-Aktivisten in guter Erinnerung.

Schon 1981 erkannte er

die Gefahr der AIDS-Epidemie. Und

gegen den Willen des homophoben

Präsidenten Ronald Reagan trieb er

die Forschung am HI-Virus voran. Er

beschleunigte die langwierige Frei-

gabe von Medikamenten – und rettete

damit Hunderttausende.

DISPLAY | MAI | 3


INHALT

SWEET HOME,

ESC, NEWS,

HÖREN

& FASHION

6

Sweet home | So sorgst du

für Abwechslung zuhause.

8 Tipps für Lockdowner.

9

38

Gesellschaft | Hilfe, ich

bin nicht gut genug!

DISPLAY erklärt, wo diese

Gedanken herkommen

und wie wir unser Selbstwertgefühl

stärken können.

43

Kochen | Zum Muttertag

ein Home Delivery mit Herz.

44

TV, SOUND,

CD/DVD/BUCH,

PSYCHOLOGIE

& REISEN

50

TV | Keiner hat die

Sexualität schärfer

beschrieben als Sigmund

Freud. Eine Netflix-Serie

zeigt die Abgründe des

Vaters der Psycho analyse.

Regisseur Marvin Kren

im DISPLAY-Interview.

52

ESC | Der ESC ist abgesagt?

Papperlapapp! DISPLAY

führt ihn trotzdem durch –

zumindest virtuell.

14

Hören | DISPLAY stellt dir

die zehn interessantesten

Gay-Podcasts vor. Hör

zu und lass dich in eine

kunterbunte Welt entführen.

24

News | Klaus Wowereit,

Timothée Chalamet,

Joe Biden, Michel Rudin...

18

Fashion | James Bond am Handgelenk

DISPLAY setzt die

007-Spezialkollektion

und andere aktuelle Modelle

von SWATCH in Szene.

RATGEBER,

GESUNDHEIT

& GESELL-

SCHAFT

33

Ratgeber | Erbschaftsplanung

für Alleinstehende.

26

Lifestyle | Wie

sehen sich Schweizer

Influencer selbst?

DISPLAY fragte

Brian, Elay, Marco

und Gossipa.

34

Gesundheit | Die

Andropause und

wie Mann dieser

Lebensphase Herr

werden kann, das

weiss Ralf König.

Beach | Viggo

Sorensen ist das neue

Gesicht – und

der neue Körper – für

Swimwear von Addicted.

Sound | Rapper DAIF ist

ein Bad Boy. Doch jetzt

überrascht der 28-Jährige

mit Lovesongs. Und er tritt

gegen die Homo phobie

in der Hip-Hop-Szene an.

56

Reisen | La Réunion –

Die paradiesische Insel im

indischen Ozean.

60

CD/DVD/Buch | Monsterbuch

zu gewinnen! DISPLAY

verlost die Adidas-Bibel.

Dazu fünf Seiten Lektüre,

Musik und Filme.

66

Psychologie | Kein Sex

wegen Corona – was nun?

DISPLAY | MAI | 5


SWEET HOME

TIPPS

4. 5.

Wie wäre es mit einem Film abend

mit LGBT-Klassikern?

Zuhause herumsitzen, die Wohnung putzen

und sich langweilen – das kann ja nicht alles sein!

So sorgst du für Abwechslung.

8Ein Listicle von Mirco Droz

1.

6 | DISPLAY | MAI

Bestelle dir ein interessantes

Buch oder ein cooles Magazin

auf Print Matters!

In Maurice Müllers printmatters.ch findest

du Magazine, Bücher, Bilder – aber auch Postkarten,

die du an Freunde versenden kannst.

printmatters.ch

FÜR LOCK-

DOWNER

3.

Sitzt du mit deinem Partner

zuhause und suchst nach neuen

Inspirationen im Schlafzimmer?

Egal ob Toys, Underwear oder Bücher – beim Gay-Shop

deines Vertrauens findest du Ideen, die eure Herzen

höher schlagen lassen. Empfehlenswerte Adressen:

erotikfactory.ch und gay-mega-store.ch

2.

Neue Kochideen

gesucht?

Stelle dir deine Kochbox auf

HelloFresh zusammen. Egal

ob für zwei oder vier Personen,

als Abo oder einmalige

Bestellung.

Jede Woche erhältst du eine

neue Auswahl an frischen

und gesunden Mahlzeiten.

hellofresh.ch

Pride – eine herzerfrischende Komödie

über britische Bergarbeiter und schwule

und lesbische Aktivisten aus London, die

zusammenfinden, um sich gegenseitig zu

unterstützen. Pride findest du auf Amazon,

Google Play und im iTunes-Store.

Oder natürlich Old School auf DVD.

Call me by Your Name – ein Sommertraum,

in dem der 17-jährige Elio eine Affäre

mit dem 24-jährigen amerikanischen

Doktoranden Oliver beginnt. Die Lovestory

mit dem grossartigen Timothée

Chalamet findest du unter anderem auf

Netflix, YouTube oder DVD.

7.

Wie

Bleib in Kontakt

mit Freunden

Das kannst du am besten über die

App Houseparty, die auch für deinen

Laptop oder Computer kompatibel

ist. Acht Personen können gleichzeitig

oder einzeln miteinander chatten

oder online Spiele spielen.

houseparty.com

Brokeback Mountain – Zwei junge Cowboys

verlieben sich ineinander, doch die

starren Moralvorstellungen in der US-

Provinz lassen keinen Raum für Männer

liebende Männer. Hat ihre Liebe eine

Chance? Den Film mit einem herausragenden

Heath Ledger findest du auf

Amazon, iTunes oder Google Play zum

Mieten oder Kaufen.

Boy’s Don’t Cry – die bewegende wahre

Geschichte des jungen Transmanns

Brandon Teena findest du auf Youtube,

itunes oder Google Play in verschiedenen

Sprachen, zum Mieten oder Kaufen. Oder

natürlich traditionell auf DVD.

Oder benötigst

du mehr Zeit für dich?

Gönne dir eine Auszeit und bestelle dir bei

Lush Badekugeln. Wasser einlassen, Kugel

rein und geniessen! So tust du deinem Körper

etwas Gutes und kannst dich selbst verwöhnen.

Man gönnt sich ja sonst nichts.

lush.ch

6.

Mit Tom Daley macht Fitness

zuhause viel mehr Spass!

Der Turmspringer Tom Daley gewann mit 15 Jahren

an den Schwimmweltmeisterschaften in Rom

das 10-Meter-Turmspringen und ging damit als

jüngster Weltmeister in die Geschichte ein. Auf seinem

Instagram- oder YouTube-Account lädt der

cute Brite und schwule Vater regelmässig Workout-Videos

hoch, denen du nacheifern kannst.

instagram.com/tomdaley

8.

wäre es

mit Stadt,

Land, Gay?

Dieses Spiel ist die schwule Version von

Stadt, Land, Fluss. Ein Spiel, in dem dein

Allgemeinwissen getestet wird. Das kannst

du wunderbar auch bei Physical Distancing

spielen, beispielsweise mit Houseparty.

Die Vorlage kannst du auf der DISPLAY-

Website herunterladen.

display-magazin.ch/stadtlandgay

DISPLAY | MAI | 7


ESC

Wir lassen

dich nicht

allein.

Text Tom Glanzmann, douzepoints.ch

JETZT ERST RECHT!

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Bestelle ein Jahresabo, und du bekommst eine Hotelcard

im Wert von CHF 99.- geschenkt. Mit dieser Karte hast du das praktische

Halbtax-Abo für Hotels. Das heisst, du erhältst in Hunderten Top-Häusern

50 Prozent Rabatt. 044 313 15 05 oder display-magazin.ch/abo

www.display-magazin.ch

Der ESC ist abgesagt? Papperlapapp!

DISPLAY führt ihn trotzdem durch – zumindest

virtuell. Schnapp dir dein DISPLAY-Magazin

und dein Handy, fläz dich aufs Sofa, schau dir die

Empfehlungen unserer Freunde von douzepoints.ch

an und vergleiche sie mit den Videos der

vorgestellten Acts. Der Traum geht weiter...

Hier kannst du die Videos schauen:

eurovision.tv

Infos: douzepoints.ch

DISPLAY | MAI | 9


ESC

Zum 65. Eurovision Song Contest

gibt es eine Premiere: Er

findet nicht statt. Das hat es seit

der ersten Austragung 1956 in Lugano

noch nie gegeben. Dabei hat doch

alles so gut begonnen: am 30. August

2019 war der Austragungsort Rotterdam

bestimmt, im Oktober stand der

Slogan «Open up» fest. Die Krone

setzte am 4. März 2020 die Schweizer

Delegation dem Ganzen auf: Sie stellte

einen Song von Gjon’s Tears vor,

der sich grosse Chancen auf einen

Sieg ausrechnen durfte.

Beinahe hätten wir die Koffer

schon gepackt und uns die Basics auf

Holländisch beigebracht. Doch dann

mussten die Verantwortlichen einen

schweren Entscheid treffen. Am

18. März 2020 wurde der Stecker gezogen.

Natürlich zu Recht. So bleibt

uns nur ein Blick auf das, was uns im

Mai fehlen wird.

Bild Simo e Cecchetti

Zum Beispiel der italienische Sänger

Diodato. In einem Interview mit Gay.it

erklärte er, dass er es nicht offen sagen

würde, wenn er schwul wäre.

Und: «Ob heterosexueller oder

schwuler Künstler, das spielt keine

Rolle». Recht hat er. Und hübsch ist er

auf jeden Fall.

Jeangu Macrooy aus den

Niederlanden. Dass das

Gastgeberland zum Motto

«Open up» auch noch einen offen

schwulen Sänger aus Surinam schickt,

kann als starkes Zeichen gewertet

werden. Cool: Bereits jetzt ist bekannt,

dass der 27-Jährige auch 2021

für die Niederlande an den Start gehen

wird.

Spekulationen,

wer auch noch gay

sein könnte ...

Der Typ,

der offen out

ist ...

Bild ESC kompakt.de

Bild Anne Marie Kok

Wie wär‘s mit Vasil

aus Nordmazedonien?

Also wir würden

die Hand ins Feuer legen, dass er es

ist. Zwar tanzt er in seinem Video zu

seinem Song «YOU» innig mit einer

Frau, sein Instagram-Account (vasilg)

spricht jedoch eine andere Sprache.

Bärenliebhaber kommen dort voll auf

ihre Kosten.

Die Typen, an

denen wir uns nicht

satt sehen können ...

Dann noch: Blas Canto.

Spanisch und mit einem

verführerischen Schlafzimmerblick.

Der Sänger ist nicht gay,

mahnt aber zu weniger Vorurteilen.

Unsere Gesellschaft müsse aufgeschlossener

sein. Finden wir auch!

Oder Tom Leeb aus Frankreich.

Er könnte auch

ebenso gut «Monsieur

France» sein. Bei der Präsentation seines

Songs stand er auf dem Eiffelturm,

sein längeres Haar perfekt geföhnt,

Scheinwerfer strahlten in den

Himmel ... die Welt war in Ordnung.

Etwa Uku Suviste.

Sein Markenzeichen:

Blaue Augen. Etwa

so blau wie die Ostsee,

an die sein Heimatland Estland

stösst. Mit seinem Song «What Love

IS» erklärt er uns zwar einiges über

die Liebe, dennoch ist sein Aussehen

um Längen besser als der Song.

Und schliesslich:

Sandro Nicolas,

der Zypern mit seinem

Song «Running» repräsentieren

wollte. Aufgewachsen in Deutschland,

Sohn eines amerikanischen Vaters

und einer griechischen Mutter.

Wenn der 23-Jährige lacht, dann wirft

das den einen oder den anderen um.

Sondersendungen zum ESC

Ein kleiner Trost für Fans, die sich das ESC-Finaldatum

schon lange in der Agenda reserviert hatten:

Als Ersatz für den gestrichenen Eurovision Song

Contest produziert die European Broadcasting

Union EBU eine Ersatzsendung, in der die 41 Beiträge

ausser Konkurrenz gewürdigt werden.

Bild Julien Carbuccia

Bild RTVE

Das Schweizer Fernsehen SRF wird die Show am

Finaltag, 16. Mai, ausstrahlen.

Auch ProSieben wird eine Ersatzsendung produzieren:

ESC-Veteran Stefan Raab präsentiert ebenfalls

am 16. Mai den sogenannten Free European

Song Contest.

Bild Michael Kyprianou Bild unknowm

10 | DISPLAY | MAI


ESC

Bild Lena Ahlström

Die besten Lieder

Destiny, Malta:

«All Of My Love»

Sie hat den ESC bereits

gewonnen – zumindest

den Junior Eurovision

Song Contest 2015. Heute

ist Destiny 17 und ihre

Stimme um einiges reifer. Der Song

aus Pop, Soul und Gospel ist perfekt

auf sie zugeschnitten. Mit ihrer Ausstrahlung

hätte sie uns umgehauen.

The Mamas,

Schweden:

«Move»

3 Mal pure

Energie! Das

bringen die drei Mamas aus Schweden.

Letztes Jahr als Backgroundsängerinnen

bei John Lundvik dabei,

stehen sie nun im Rampenlicht. Und

wie! Ihr Song (Pop, Gospel, Soul) steht

demjenigen aus dem Vorjahr in nichts

nach und wird uns mit seinem positiven

Groove noch das eine oder

andere Mal über die ESC-Absage hinwegtrösten.

Ben Dolic, Deutschland:

«Violent Thing»

An dem deutschen

Song hätten wir auch

etwas Schweizer Anteil

gehabt: Der Slowene

Ben Dolic lebte

nämlich eine Zeitlang in Zuchwil SO.

Der Zweite bei «The Voice Of Germany»

singt mit «Violent Thing» ausgerechnet

einen Song, der 2018 und

2019 im Schweizer Vorentscheid dabei

war und somit frech als Schweizer

«Abfall» bezeichnet werden könnte.

Bild Albert Camilleri

Bild Mummi Lu

Bild Christian Charisius

Bild Rana Yehezkel

Daði og Gagnamagnið,

Island: «Think About

Things»

Sie passen in Zeiten

der Klimajugend und

auch zu Pandemie-Zeiten:

Die geschniegelten

fünf in ihren grünen Outfits. Performance

und Sound erinnern an eine

Schuldisco. Warum ist es denn so

tragisch, dass dieser Song nicht zu

hören sein wird? Weil man die Isländer

einfach von Beginn an mag! Oder

spätestens dann, wenn die langen

Haare von Daði vergnügt mit der

Windmaschine mittanzen.

Alicja, Polen: «Empires»

Die Siegerin von «The Voice

of Poland» ist erst 17. Stimmlich

mischt sie aber bei den

ganz Grossen mit. Ihr Song ist zwar

nicht ganz über alle Zweifel erhaben,

hätte aber sicher einige Reiche erobert

... pardon: das Finale erreicht.

Eden Alene, Israel: «Feker Libi»

«Meine Liebe» ist die Übersetzung

dieses Songs aus Israel. Dabei singt

Eden Alene nicht nur auf Hebräisch.

Englisch, Arabisch, Amharisch und

eine erfundene afrikanische Sprache

machen den Song zu einem bunten

Mix. Er kommt vom selben Songwriter,

der «Toy» von Netta komponierte.

The Roop, Litauen: «On Fire»

Higher. Fire. Desire. So reimt sich dieses

Lied in einzelnen Zeilen. Richtig

schräg ist der Song, fast schon kindisch.

Und trotzdem: Bei den Wetten

ganz oben. Bei den Fans ganz oben.

Auch wir finden ihn «obenuse».

Bild David Ziemba

Bild Zep Dämen

Der Abschied

von Jon Ola Sand

Hooverphonic, Belgien:

«Release Me»

Das «Ich-komme-geradeaus-einer-toxischen-Beziehung»-Lied

hätte beim

Publikum Punkte einheimsen können.

Oder war es gar eine Botschaft an

DAS Virus? «All die Lügen und all der

Schmerz, nur du kannst das verschwinden

lassen. Ja, befreie mich

von diesem traurigen und verlustreichen

Spiel ...»

Er ist seit zehn Jahren

Mister Eurovision: Jon

Ola Sand. Wie haben wir

ihn geliebt, wenn er eben

dieses «Take it away»

zum Besten gab. Rotterdam

sollte sein letztes

Jahr sein. Damit fehlt nun die würdige

Verabschiedung des Mannes, der den

ESC mitprägte.

Goodbye, and thank you Jon Ola!

Bild SRF/ Lukas Mäder

Montaigne, Australien:

«Don't Break Me»

Rein haartechnisch ist

die Wahl von Montaigne

wohl allen Schweizern in

die Knochen gefahren, erinnern diese

doch an die Schweizer ESC-Vertretung

Rykka, die vor allem der blaugrauen

Haare wegen in Erinnerung

blieb. ABER: Nicht nur das Video ist

sehens-, auch der Song ist hörenswert.

Wir hätten uns schon auf den

ersten Sieg Australiens gefreut.

Bild Jess Gleeson

Der Schweizer Song:

«Répondez-moi» von

Gjon’s Tears

Bis auf Rang 2 schaffte

er es in den Wetten! Der

Song wurde geliebt.

Der Freiburger heisst

mit bürgerlichem Namen

Gjon Muharremaj.

Er hat einen kosovo-albanischen

Hintergrund.

Seinem Grossvater hat

er es zu verdanken, dass er ins Musikgeschäft

eingestiegen ist. Als Neunjähriger

rührte er ihn mit der Interpretation von Elvis

Presleys «Can’t Help Falling In Love» zu Tränen.

Daraus entstand der Künstlername:

Gjon’s Tears. In der TV-Sendung «Die grössten

Talente Albaniens» belegte der damals

Zwölfjährige den dritten Platz. Ein Jahr später

erreichte er bei «Die grössten Schweizer

Talente» das Halbfinale – ebenso 2019 in

«The Voice France». Und nun wäre er für die

Schweiz mit «Répondez-moi» nach Rotterdam

gefahren. Das Thema des Songs ist für

Gjon’s Tears sehr persönlich, und gleichzeitig

ist es universell. Dazu Gjon’s Tears: Jeder

fragt sich doch, warum wir genau hier sind,

woher wir kommen, wohin wir gehen.

Der Song wird den ESC nie gewinnen können.

Die Chancen für Gjon sind jedoch intakt:

Bereits steht fest, dass er die Schweiz

auch 2021 vertritt. Mit einem neuen Song.

Fansite: Von der Schweiz

für die Schweiz!

2019 in Tel Aviv war ihre ESC-Welt noch heil: Karin, Alain, Alessandro, Meret

und Tom von douzepoints.ch (von links).

Seit 2014 gibt es douzepoints.ch, die grösste Schweizer

Fansite zum Eurovision Song Contest. Erst zu dritt, dann

zu zweit und jetzt zu fünft berichten Karin, Alain, Alessandro,

Meret und Tom über alles rund um den ESC.

Alle News auf douzepoints.ch

12 | DISPLAY | MAI


HÖREN

ANDERSRUM.

DER PODCAST

Queere Podcasts

DIE COMMUNITY HAT

WAS ZU SAGEN

DISPLAY stellt dir die zehn interessantesten Gay-Podcasts vor.

Hör zu und lass dich in eine kunterbunte Welt entführen!

Mikros, Meinungen, Menschen: Wer

etwas zu sagen hat, soll es kundtun! Mit

dieser Prämisse wurde im Jahr 2004 die

Geburtsstunde des Phänomens Podcast

eingeläutet.

Schätzungen zufolge stehen heute Hörern

weltweit mehr als 900‘000 Podcasts auf

Streamingportalen wie iTunes oder Spo-

Eine Auswahl von Constantin Jacob

tify zur Verfügung. Sie lassen thematisch

keine Wünsche und Vorlieben offen.

Unter dieser enormen Zahl die relevanten

LGBTQ-Podcasts zu finden, gleicht der

sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im

Heuhaufen. Wir haben uns durchgehört

und die zehn hörenswertesten Podcasts

der Community zusammengestellt.

Bild deagreez

SCHWANZ

& EHRLICH

Worum geht es? Unzensiert, ehrlich und

mit klaren Worten sprechen die drei

Freunde Lars, Micha und Mirko jede Woche

über schwulen Sex und dessen Tücken.

Mit ihrer direkten Art und unverblümten

Einblicken in die eigenen Bettgeschichten

treiben sie dem einen oder anderen Hörer

vielleicht die Schamesröte ins Gesicht

– aber sie sprechen eigentlich nur offen die

Dinge aus, die jeden Schwulen von Zeit zu

Zeit beschäftigen.

Empfohlen für alle, die… mit entwaffnender

Offenheit und expliziten Details kein

Problem haben.

Unbedingt reinhören in: Episode

«Datingfails!»

Erscheint: jeden Sonntag

Bild QueerUp Radio

Bild PTO Media

Worum geht es? Er ist schwul. Sie ist

lesbisch. Trotzdem sind Kai und Viola ziemlich

beste Freunde. Oder genau deshalb?

Eine von vielen Fragen, die im wöchentlichen

Podcast aus zwei Perspektiven

und mit wechselnden Gästen besprochen

werden.

Ob Hamsterkäufe in der Corona-Krise,

Blümchen mit Fusspilz oder philosophische

Fragen über Fruchtfliegen: Kai und

Viola liefern sich zu jedem Thema einen

charmant-witzigen Schlagabtausch.

Empfohlen für alle, die… zwei guten

Freunden einfach beim Sinnieren über die

Welt lauschen wollen.

Unbedingt reinhören in: Episode

«Lesbisches Töpfern und schwuler

Marionettenbau»

Erscheint: wöchentlich

QUEERUP

RADIO

Worum geht es? Unter dem Dach des

Schweizer Radiosenders «QueerUp Radio»

findet die Community in acht verschiedenen

Podcasts zusammen. Ob gay, lesbisch,

trans* oder einfach queer: Wichtige

Themen wie Diskriminierung, Vereinsarbeit

oder die Brücke zur Heterowelt

behandeln die Zürcher und Berner

Moderatorenteams kompetent und

informativ. Sendungen wie «Out & Proud»,

«Du bist du» oder «Wir und die Anderen»

fokussieren vornehmlich auf die Schweiz.

Empfohlen für alle, die… einen umfassenden

Überblick über die Schweizer

LGBTQ-Community erhalten wollen.

Unbedingt reinhören in: Episode «my life

+ my music» mit Mr. Leather Switzerland

in Que(e)rbeet.

Erscheint: je nach Format alle

zwei Wochen respektive wöchentlich

STADT.LAND.

SCHWUL.

Worum geht es? Vom Land in die

Grossstadt: Die beiden Wahlberliner Flo

und Patrick haben die beschauliche Ruhe

gegen die pulsierende Metropole eingetauscht

und berichten in ihrem Podcast

über persönliche Erfahrungen, aktuelle

Themen und über alles, was das queere

Leben hergibt. Für besondere Folgen und

Gespräche verlassen die beiden Freunde

auch schon mal das heimische Studio und

berichten aus New York von der DragCon

oder sprechen in der Schweiz mit

Experten über das Thema Chemsex.

Empfohlen für alle, die… «das Herz auf

der Zunge wie das Gemächt im Jockstrap»

tragen. Ganz wie Flo und Patrick.

Unbedingt reinhören in: Episode

«Chemsex»

Erscheint: wöchentlich

Bild Andersrum

Bild Kiko Dionisio

14 | DISPLAY | MAI

DISPLAY | MAI | 15


HÖREN

HÖREN

SPUTNIK

PRIDE

A GAY AND

A NONGAY

ZURICH

PRIDE

Bild Jordan Matter Bild MDR Sputnik / Julia Nestlen

MAKING GAY

HISTORY

Worum geht es? Dick Leitsch? Hal Call?

Tom Cassidy? Wer die Namen wichtiger

Aktivisten für LGTBQ-Rechte noch nie

gehört hat, muss sich keinen Vorwurf

machen. Die Historie der Gay Rights-

Bewegung hält viele Persönlichkeiten

bereit, die in der Geschichte – zu Unrecht

– untergegangen sind. Der amerikanische

Autor und Host Eric Marcus erinnert

mit beeindruckenden Archivaufnahmen an

die vergessenen Namen, die ihr Leben

für Gleichberechtigung und Akzeptanz im

vergangenen Jahrhundert opferten.

Empfohlen für alle, die… sich für

Geschichte interessieren und die tiefen

Einblicke in die bewegte Vergangenheit

der LGBTQ-Community nicht scheuen.

Unbedingt reinhören in: Episode

«Vito Russo»

Erscheint: wöchentlich

Worum geht es? Mit SPUTNIK Pride

schickte der Radiosender MDR vor knapp

einem Jahr seinen eigenen queeren

Podcast in die Welt. Seither quatscht

Moderator Kai regelmässig mit Kennern

der Szene und spannenden Persönlichkeiten

über die queere Kultur, bei der auch

die Zuhörer zu Wort kommen. Mal voller

Witz, mal sehr ernst – aber dank Kai immer

sympathisch!

Empfohlen für alle, die… auf einen

unterhaltsamen Mix aus Aufklärung,

Infotainment und Charme stehen.

Unbedingt reinhören in: Episode «Undercover

beim Homoheiler»

Erscheint: jeden 2. Donnerstag im Monat

BUSEN-

FREUNDIN –

DER PODCAST

Worum geht es? Neben schwanz & ehrlich

zählt «Busenfreundin» Ricarda zu den

bekanntesten LGBTQ-Podcasts. Er ist über

die Grenzen der Community hinaus

bekannt. Themen wie das Social Media-

Phänomen TikTok, psychischer Druck

durch das Verstecken eigener Neigungen

oder queerer Content im Science-Fiction-

Genre machen klar, dass der Comedy-

Podcast auf die Kombination von Haltung

und Unterhaltung setzt. Frei nach dem

Motto «Es ist nicht alles gay, was glänzt!»

trifft Humor auf ernste Themen – und das

alles mit einer Prise Selbstironie.

Empfohlen für alle, die… Queer-Sein aus

einer 360°-Sicht betrachten wollen.

Unbedingt reinhören in: Episode «Geil im

Jogger» mit Jochen Schropp

Erscheint: wöchentlich

HOLLYWOOD

TRAMP

Worum geht es? Auf seinem Blog

kommentiert DJ Berry regelmässig alles,

was die Community interessiert. Mit seiner

Mischung aus persönlichem Blick und

Magazin zählt er zu den erfolgreichsten

Bloggern seiner Art. Seit Februar 2020

produziert der gebürtige Iraner zusätzlich

seinen eigenen Podcast, in dem er

Szene-Ikonen, Promis oder Experten ans

Mikrofon holt. So bunt und abwechslungsreich,

wie man es vom «Hollywood Tramp»

gewohnt ist.

Empfohlen für alle, die… zum Blog des

ehemaligen DJs schon immer die

passende Stimme hören wollten.

Unbedingt reinhören in: Episode

«Straight Acting – Je unschwuler, umso

cooler?»

Erscheint: wöchentlich

Bild Busenfreundin / Tonkraft

Bild Hollywood Tramp

Bild Corinne Cumming

Worum geht es? Hier ist der Name

Programm: Dan ist hetero, James ist

schwul. In ihrem wöchentlichen

Podcast betrachten die britischen

Comedians und Freunde alles,

was die Insel mit ihren Eigenheiten

zu offenbaren hat. Die undurchschaubaren

Regeln der Dating-Kultur,

Homophobie oder Shawn Mendes:

Dass Heteros und Gays miteinander

über alles reden können und dabei

jeder für sich neue Erkenntnisse

gewinnen kann, beweisen die Briten

mit viel Humor.

Empfohlen für alle, die… kurze,

knackige Podcasts lieben und den

«Union Jack» im Herzen tragen.

Unbedingt reinhören in: Episode

«Friends forever?»

Erscheint: jeden Mittwoch

Worum geht es? Frisch und neu: Seit Februar

2020 trifft Zurich Pride-Moderator Alexander

Wenger queere Menschen aus der Schweiz, die

mit ihren persönlichen Geschichten ungewöhnliche

und spannende Wege gegangen sind. Echt,

mitten aus dem Leben und mit viel Herz widmet

sich der Podcast jeder Story und überträgt

die ursprüngliche Idee der Pride in den Stream:

Unter dem Regenbogen sind alle willkommen!

Empfohlen für alle, die… das Gefühl der Pride

nicht nur einmal im Jahr erleben wollen.

Unbedingt reinhören in: Episode «Ich bin pan»

Erscheint: wöchentlich

Bild Zurich Pride/ANina-Maria Glahè

16 | DISPLAY | MAI

DISPLAY | MAI | 17


FASHION

SWATCH: Dr. No 1962

Kollektion: James Bond

Gehäuse: Kunststoff

Bandmaterial: Silikon

James Bond am Handgelenk – mit

der siebenteiligen Spezialkollektion

von SWATCH. DISPLAY setzt diese

und andere aktuelle Modelle von

SWATCH im elegant-coolen Stil

des Top-Agenten in Szene.

SWATCH: Dark Forest

Kollektion: Chrono Plastic

Gehäuse: Kunststoff

Bandmaterial: Bimaterial

Jacke: BURGER

Hose: HUGO BOSS

Ganzer Look von PKZ MEN

18 | DISPLAY | MAI


FASHION

Der neue Bond «No Time to Die»

kommt erst am 12. November ins

Kino. Um die Wartezeit zu versüssen,

können sich die Fans des britischen

Agenten jetzt eine SWATCH der neuen

Bond-Serie anschaffen - damit sie

die Stunden verfolgen können, bis

Daniel Craig zum wohl letzten Mal

aus dem wohlverdienten Ruhestand

zurückkehrt und sich auf die Jagd

nach Bösewichten macht.

SWATCH: BLACK CORD

Kollektion: Chrono Plastic

Gehäuse: Kunststoff

Bandmaterial: Bimaterial

SWATCH: Moonraker 1979

Kollektion: James Bond

Gehäuse: Kunststoff

Bandmaterial: Silikon

SWATCH: On Her Majesty’s

Secret Service 1969

Kollektion: James Bond

Gehäuse: Kunststoff

Bandmaterial: Silikon

Anzugjacke & Hose: BOSS

Polo: BURGER

Ganzer Look von PKZ MEN

SWATCH IM DIENST

IHRER MAJESTÄT

Originalplakate und Eröffnungssequenzen

der Bond-Filme «007 jagt Dr. No» (1962),

«Im Geheimdienst Ihrer Majestät» (1969),

«Moonraker – Streng geheim» (1979), «Lizenz

zum Töten» (1989), «Die Welt ist nicht genug»

(1999) und «Casino Royale» (2006) lieferten

die Inspiration für eine Capsule-Kollektion

von sechs Designs. Nun setzt Swatch seine

Mission mit einer Uhr in limitierter Auflage

für den Film «Keine Zeit zu Sterben» fort.

Hemd: THIERFELDER

Anzug: HUGO BOSS

von PKZ MEN

Gurt: BURBERRY

DISPLAY | MAI | 21


FASHION

T-Shirt: BOSS

von PKZ MEN

SWATCH: BB NEON

Kollektion: Swatch Big Bold

Gehäuse: Kunststoff

Bandmaterial: Silikon

SWATCH: Q

Kollektion: James Bond

Gehäuse: Edelstahl

Bandmaterial: Leder

IMPRESSUM

Fotografie Raphael Hadad

Art Director

Model

Hair/Make-up

Assistenz

Location

Redaktion

Layout

@raphaelhadad

Edgar Balseca

@edgarbalsecaalmagor

Yannick

von One Time Management

onetimemanagement.com

Emma by Ghel.ch

@emmareney.w

Leandra & Joelle

Europaallee Zürich

Beat A. Stephan

Stefan Staudacher

DISPLAY | MAI | 23


NEWS

NEWS

Rage:

Aus nach

22 Jahren

SCHLIEREN | Die Wagistrasse in Schlieren

war zwei Jahrzehnte lang die Anlaufstelle

für Liebhaber von Fetisch-Partys. Jetzt

schliesst der Club die Tore. : «Wir haben in

22 Jahren unser Lebenswerk verwirklicht

im Rage und sind im Laufe der Zeit eine

Familie geworden», schreiben Andy und

Beat, «ob Gäste oder Mitarbeiter, ihr seid

uns ans Herz gewachsen. Seid stark in dieser

schwierigen Zeit.»

Die Corona-Krise hat die Szene erschüttert.

Clubs und Bars bangen um ihre Zukunft,

die Street Parade oder die Pride

mussten abgesagt werden. Auch die White

Party konnte im Mai nicht stattfinden.

Die Organisatoren hoffen nun, die Party

Anfang September nachholen zu können.

Wobei das noch sehr ungewiss ist.

Klaus Wowereit

trauert um seinen

Partner

Call Me by

Your Name

Timothée Chalamet

wieder dabei

HOLLYWOOD | Wie geht es weiter mit Elio und Oliver?

Hat ihre Liebe eine Zukunft? Das fragten wir uns bang,

nachdem wir die Oscar-prämierte Lovestory «Call Me by

Your Name» nach dem Roman von André Aciman gesehen

hatten. Jetzt erhält der Film rund um die Liebe zweier

junger Männer in Italien eine Fortsetzung. Und zu unserer

Begeisterung sind die beiden Liebenden, Armie

Hammer und Timothée Chalamet, wieder mit von der

Partie. Timothée Chalamet ist mittlerweile ein gefeierter

Star. Er wird sogar in einem Buch angehimmelt:

Das Buch zum

Chalamet-Hype

Chalamania. 50 reasons your internet

boyfriend Timothée Chalamet is perfection.

Von Billie Oliver. Diesen Liebesbrief

an den lockigen Herzensbrecher

gibt’s beispielsweise bei Print Matters!

Info: printmatters.ch

«Homo-Heilung»

generell verbieten

Rudin folgt auf Fischer

LUZERN | Der grünliberale

Nationalrat Roland Fischer

tritt als Präsident der kantonalen

GLP zurück. Seine

Nachfolge übernehmen die

43-jährige Riccarda Schaller

und der 34-jährige Michel

Rudin im Co-Präsidium.

Rudin ist als Community-Aktivist

bekannt. Der gebürtige

Berner ist Co-Präsident von

Pink Cross.

BERLIN | Die deutsche Bundesregierung

will Konversionstherapien für Minderjährige

verbieten. Auch für Volljährige, die

durch ihr Umfeld zu einer Konversionsbehandlung

gezwungen werden, soll das

Verbot gelten. Zudem soll nicht mehr öffentlich

für solche «Behandlungen» geworben

werden dürfen.

«Homo-Heilungen» sind schädlich und gefährlich.

Die Opfer werden häufig depressiv,

manche nehmen sich sogar das Leben,

weil ihnen suggeriert wird, sie seien minderwertig

und krank – bloss weil sie anders

fühlen als die Mehrheit.

Ärzten und Psychotherapeuten geht der

Vorschlag zu wenig weit. Sie fordern, dass

auch bei Erwachsenen solche Pseudotherapien

komplett verboten sein sollten.

In der Schweiz machte im letzten Jahr der

Fall des Psychiaters Lukas Kiener Schlagzeilen,

der einen jungen Mann von seiner

Homosexualität «befreien» wollte. Die

Therapie liess er von der Krankenkasse

bezahlen – ein Skandal!

BERLIN | Seit fast 30 Jahren waren Berlins ehemaliger

Oberster Bürgermeister Klaus Wowereit und Jörn

Kubicki ein Paar. Jetzt ist Kubicki, der an einer Lungenkrankheit

litt, an den Folgen einer Corona-Infektion

verstorben. Der Neurochirurg wurde 54 Jahre alt.

Klaus Wowereit hatte 2001 mit seinem Coming-out

«Ich bin schwul und das ist auch gut so» international

für Aufsehen gesorgt. In der Folge zeigten sich die

beiden auch an offiziellen Anlässen häufig.

Jörn Kubicki war äusserst warmherzig, liebenswürdig

und bescheiden. Sein Hinschied bewegte viele Menschen.

Wir sprechen Klaus Wowereit unser aufrichtiges

Beileid aus.

Landmann will

härtere Strafen

für Hassdelikte

ZÜRICH | Valentin Landmann kennt als Anwalt keine

Tabus. Er verteidigt auch Hells Angels und allerlei

Milieu-Figuren. Jetzt fordert der Zürcher SVP-

Kantonsrat schärfere Strafen bei Hate Crimes.

Dazu zählen beispielsweise Verbrechen wegen des

Glaubens, der sexuellen Orientierung oder der

Hautfarbe. Die Gewalttat gegen ein schwules

Freundespaar in der Silvesternacht im Niederdorf

beispielsweise könnte dadurch härter bestraft

werden. Heute können die Täter nur wegen einer

«normalen» Körperverletzung belangt werden.

Eine Gesetzesänderung nach US-Vorbild müsste

im eidgenössischen Parlament beantragt werden.

Joe Biden wäre

für die Community

ein Gewinn

WASHINGTON | Joe Biden wäre ein

LGBTI-freundlicher US-Präsident. Mit Barak

Obama zusammen führte er das Diskriminierungsverbot

von Trans-Menschen

im öffentlichen Arbeitsumfeld ein und er

schaffte die «Don’t Ask Don’t Tell»-Doktrin

ab. Die Ehe für alle unterstützte Biden

schon früh. 2012 sagte er den legendären

Satz: «Ich bin absolut im Reinen mit der

Tatsache, dass Männer, die Männer heiraten,

Frauen, die Frauen heiraten, und

heterosexuelle Männer und Frauen, die

heiraten, die genau gleichen Rechte haben,

alle Bürgerrechte, alle bürgerlichen

Im Zeichen des

Regenbogens: Pride-

Buttons für Biden.

Freiheiten. Und ehrlich gesagt sehe ich

darüber hinaus keinen grossen Unterschied.

Liebe ist Liebe.»

Was für ein Unterschied zu den homophoben

Positionen von Donald Trump und

Mike Pence!

Diskriminierungs-

Schutz ab 1. Juli

BERN | Die vom Volk klar angenommene Erweiterung

der Anti-Diskriminierungs-Strafnorm tritt

am 1. Juli in Kraft. Dies beschloss der Bundesrat.

Danach macht sich strafbar, wer Menschen aufgrund

ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert.

Wegen Corona:

Cruising lahmt,

Porno boomt

BERLIN | Das Datingportal gay.de befragte seine

Kunden, inwiefern die Covid-19-Pandemie ihr

Sexleben verändert habe. Das Resultat: 54 Prozent

der Befragten gaben an, dass sie ihr Sexleben

reduziert hätten. 46 Prozent behaupteten,

sie könnten keinen Unterschied zu vorher

feststellen. Die Umfrage, an der sich 1327

Schwule und Bisexuelle beteiligten, fand vom

19. bis 23. März statt. Die Zahl der Sex-Abstinenten

dürfte sich seither vergrössert haben.

Bei der auf gay.de durchgeführten Umfrage gaben

73 Prozent an, in Zeiten der Corona-Krise

vermehrt auf Pornos umzusteigen.

Und falls es trotz allem zum «Nahkampf» kommen

sollte, noch ein Tipp: Pariser sollten nicht

mit Desinfektionsmittel behandelt werden, da

sonst die Oberfläche porös werden kann.

24 | DISPLAY | MAI

DISPLAY | MAI | 25


LIFESTYLE

INFLUENCER:

Alles nur Schall

und Rauch?

Wie sehen sich eigentlich die Influencer selbst?

DISPLAY fragte vier Schweizer Internet-Persönlichkeiten,

die es nicht nötig haben, Treppengeländer abzulecken,

um Likes zu generieren.

Text Beat A. Stephan

Sie haben zahllose Follower und nutzen

ihren Einfluss, um sich für Projekte

zu engagieren oder Produkte

zu promoten: Influencer. Ihre Fans bewundern

sie, viele andere halten sie für

masslos überschätzt. Doch wie sehen sie

sich eigentlich selber? DISPLAY fragte

zwei Old-School- und zwei jüngere Internet-Persönlichkeiten

danach, wie sie sich

selber einschätzen: Elay und Brian,

Marco und Gossipa. Die Fragen stammen

von Christian Waefler †.

Experte für Beauty

und Fashion:

Brian

Der androgyne Berner hat auf

Instagram rund 180'000 Follower.

Er postet unter den Namen

havarie und Briann.

DISPLAY: Brian, wie präsentierst

du dich?

Brian: Ich würde mich als ruhige, pragmatische

und gleichzeitig chaotische Person

beschreiben.

Woher kommt dein Name?

Brian ist mein richtiger Vorname, jedoch

ist Havarie (Nachname) mein Künstlername.

Der Name Havarie kam aus einer

Zeit, in der ich das Gefühl hatte, dass vieles

in meinem Leben gerade havariert.

In welchem Sinn bist du ein Influencer?

Ich selber betitle mich nicht als Influencer.

Visuelle Sachen haben mich von klein auf

interessiert und mit den Sozialen Medien

ergab sich einfach eine Plattform für mich.

Wie hast du angefangen?

Ich habe mit Musical.ly-Videos angefangen

(heute heisst die Plattform TikTok),

die ich täglich auf Instagram gepostet

habe. Diese Zeit war nicht einfach, da sich

jeder darüber lustig gemacht hat. Heute

bin ich froh, habe ich einfach weiterhin

das verfolgt, was mir Spass macht.

Hast du Konkurrenz?

Ganz am Anfang hat es mich frustriert,

dass es Personen gibt, die Erfolg haben,

obwohl sie nicht viel machen, einfach

weil sie hübsch aussehen. Mit der Zeit

habe ich jedoch realisiert, dass dies Zeitverschwendung

ist und ich diese Energie

lieber in Arbeit statt in Neid investiere.

Für welche Marken arbeitest du?

Ich arbeite mit unterschiedlichen Marken

zusammen, hauptsächlich in den Bereichen

Beauty und Fashion.

Folgst du dem Auftritt anderer

Influencer?

Ganz und gar nicht, wobei ich mir

eventuell selber ins Bein schiesse.

Gleichzeitig bin ich froh, dass ich so

bleibe, wie ich bin.

Welches ist dein Traum im Leben?

Ich möchte beruflich unabhängig

sein und weiterhin etwas machen,

das mir Freude bereitet.

Wie bist du dazu gekommen, Influencer

zu werden?

Ich hatte nie die Vorstellung, eine grössere

Reichweite zu haben. Manchmal frage ich

mich selber, weshalb Menschen sich eigentlich

für mich interessieren.

Welche Talente muss man haben?

Selbstvertrauen, Mut und Spass.

«Da jeder Mensch

andere Werte und

Interessen hat,

unterscheiden wir

uns automatisch»

Für welches Produkt würdest du nie

Werbung machen?

Für Pelze, Schlankheitspillen und für Tabakwaren.

Bist du extravertiert?

Wenn es um mein Äusseres geht, bin ich

extravertiert. Wenn es jedoch um Socialising

geht, kriege ich oft kein Wort raus.

Welches ist dein Lebensmotto?

Say YES!, sag ja zu neuen Sachen. ||

Wie wird man Influencer?

Es klingt vielleicht blöd, jedoch durch tägliches

Posten – und dies über eine sehr

lange Zeitspanne.

26 | DISPLAY | MAI


LIFESTYLE

Künstler

und Fotograf:

Elay

Der 22-jährige Zürcher

Kunststudent hat auf Instagram

37'400 Abonnenten. Er postet

unter elaynealmoses coole, künstlerische

Filme und Fotos und

setzt sich für soziale Projekte ein.

DISPLAY: Elay, was hat es mit deinem

Namen auf sich?

Elay: Mein Instagram-Name ist mein

richtiger Name. Die zwei Letzteren sind

meine beiden mittleren Namen. Früher

hasste ich meinen Namen, niemand konnte

ihn aussprechen, alle machten sich lustig

darüber. Aber heute mag ich ihn sehr.

In welchem Sinn bist du ein Influencer?

Für mich ist jeder ein Influencer, der seine

Socials dafür nutzt, Menschen zu beeinflussen.

Ob deine Stimme hundert oder

tausend Leute erreicht, ist nicht wichtig,

man braucht nur eine Person, um eine

Kettenreaktion hervorzurufen, also sollte

man seine Stimme auf den sozialen Medien

nicht unterschätzen und sie vor allem

auch vermehrt für gute Zwecke einsetzen.

Wie unterscheidest du dich von

anderen Influencern?

Im Gegensatz zu ziemlich allen, bin ich

schon seit vielen, vielen Jahren auf Social

Media mit dabei, bevor man damit noch

Geld verdienen konnte

oder es die Bezeichnung

des Influencers gab. Ich

habe mit 15 angefangen

und bin nun also seit 7

Jahren im 'Game'.

Bei vielen Influencern

steht das Geld und das

Materialistische im Vordergrund.

Viel zu

reisen, Produkte geschenkt

zu bekommen

und der ganze

Zirkus halt. Ich hatte

dagegen nie die

Absicht 'fame' auf

social media zu sein,

ich bin mehr hineingerutscht

und

habe Gefallen daran

gefunden.

Was mich faszinierte,

war das sofortige Feedback.

Ich muss nicht täglich

hübsche Bilder von mir posten.

Ich habe mehr Freude

daran, meine Fotografien

und Filme zu posten und

Leute zu inspirieren.

Wie hast du angefangen?

Ich habe mit 15 angefangen,

auf Tumblr eigene Fotos

und Gedichte hochzuladen. Irgendwie

brauchte ich diesen safe space, um meine

Gefühle rauszulassen und Inspiration zu

finden. Lustigerweise war das Internet

dann dieser safe space. Obwohl das Internet

gefährlich sein kann, gerade wenn

man jünger ist. Nach und nach wurden

meine Gedichte mehr und mehr repostet

und irgendwann kam auch die Neugierde

auf, wer dahinter stecken könnte, also fing

der «Tumult» um meine Person eigentlich

auch dann an. Ich habe das nie wirklich

gesucht, aber schnell gemerkt, wie positiv

man das Ganze nutzen kann. Es ist schmeichelhaft,

wenn sich Leute für einen interessieren

– aber auch beängstigend.

Wie kommst du mit der Konkurrenz klar?

Ich sehe niemanden als Konkurrenz. Es ist

unglaublich ungesund, seine Augen auf

andere zu richten, man verliert sich selber

aus dem Blick und kommt in den Teufelskreis

von Selbstzweifeln und anderem.

Das Wichtigste ist, einfach sein eigenes

Ding durchzuziehen.

«Es geht mehr

darum, seine

Stimme wahrzunehmen

und

sie auch

zu nutzen»

Für welche Marken

arbeitest du?

Im Moment habe ich gerade

fast alle Angebote abgelehnt,

da mir entweder die

Marken nicht entsprechen

oder ich zu wenig kreativen

Freiraum bei der Umsetzung

des Contents

habe. Ich stehe nicht mehr

so dafür, einfach irgendwelche

Produkte in die

Kamera zu halten. Früher

habe ich das sehr gerne

gemacht, aber ich bin älter

geworden und suche nun

auch nach mehr Herausforderung

und Kreativität.

Ich sehe einfach, dass es

viele Influencer gibt, die

einfach jeden Job annehmen

und alles Mögliche in

die Kamera halten, ohne

sich mit den Werten der

Marke zu beschäftigen. Ich

finde es nicht authentisch,

auf seinem Profil 100 Marken

zu bewerben.

Welche Eigenschaften

muss man als Influencer

haben?

Man muss sich selber sein.

Man darf nicht alles allzu ernst sehen und

sollte vor allem Spass an dem haben, was

man macht.

Bist du extravertiert?

Nein, im Gegenteil, für einen Influencer

bin ich sehr introvertiert! Lerne ich neue

Leute kennen, bin ich sehr ruhig und zurückhaltend.

Es ist ein komisches Gefühl,

neue Leute kennenzulernen, die dich

schon von Instagram kennen. Die Leute

haben dann oft ein Bild von dir, das kann

manchmal schwer sein. Ich habe schon

viel versucht, um mich aus meiner Blase

zu locken, wie alleine nach Bali zu gehen

oder Skydiven – alles Dinge, die ausserhalb

meiner Comfort Zone liegen. Damit

wollte ich mir etwas beweisen.

Welches ist dein Lebensmotto?

Mein Lebensmotto ändert sich jeden Tag

nach der Verfassung, in der ich gerade bin.

Aber vielleicht ist auch das mein Lebensmotto:

Nimm jeden Tag aufs Neue und

mach das Beste daraus! ||

Klatschtante im

Dienst der guten

Sache: Die Social

Media Princess

der Schweiz heisst

GOSSIPA

Auf Instagram hat sie unter

gossipqueen 3762 Abonnenten.

Gossipa ist sehr aktiv auf

Facebook.

In der Szene wimmelt es nur so von

Influencer(innen). Meist Teenies, die oft

Geld mit ihren Clips verdienen. Daneben

gibt es immer noch die Old-School-Influencer,

die nicht nur online präsent sind.

Wie zum Beispiel Gossipa, die sich poetisch

«Social Media Princess» nennt.

DISPLAY: Gossipa, woher kommt

eigentlich dein Name?

Gossipa: Ich war früher in der Boulevardbranche

tätig und für Klatsch und Tratsch

zuständig, also für «Gossip».

In welchem Sinn bist du eine

Influencerin?

Ich bezeichne mich nicht als Influencerin,

sondern als Social Media Princess. Jedes

Mal, wenn ich mit meinen Posts etwas bewegen

kann, bin ich happy. Und wenn ich

etwas «absetze», dann deshalb, weil ich

Bock darauf habe oder eine Kooperation

mit einer Firma und im Auftrag handle.

Wenn man die Rankings betrachtet, bin

ich in der Stadt Zürich eine der dominierenden

Influencerinnen der Szene. Ich liebe

Social Media und es macht mega Spass!

Welches sind deine wichtigsten

Anliegen als Social Media Princess?

Wenn ich mich zum Beispiel in der Community

für ernsthafte Dinge wie Abstimmungen,

Wahlen oder Hate Crimes engagiere

oder für sexuelle Präventionsarbeit,

ist es für mich ein Privileg, meine Follower

aufzuklären. In meinem Job als Social

Media Princess bin ich ja effektiv eine

Meinungsbildnerin.

Wie unterscheidest du dich von den

Teenies, die da als Influencer tätig sind?

Ich bekomme im Gegensatz

zu den Kids kein Geld von irgendeiner

Partei und dementsprechend

mache ich es,

weil ich es wichtig finde. Ich

habe einen anderen Ansatz

als viele Influencer-Teenies. Die

bekommen Produkte nach Hause

geschickt und posten dies dann!

Was nicht heisst, das diese sehr viel

Kohle kassieren. Wenn mir Firmen

Produkte schicken, dann wäge ich

gut ab, ob ich sie feature oder nicht.

Denn von Gratisprodukten zahle

ich meine Miete ja nicht. Hingegen,

wenn es um Präventionsmassnahmen geht

und ich Kondome nach

Hause geschickt bekomme,

feature ich diese gern.

Wenn ich zum Beispiel

«Ich liebe

Social Media

und es macht

einfach Spass»

Leute zu Safer Sex auffordere

oder vor STI warne,

also vor sexuell übertragbaren

Krankheiten, finde

ich dies wichtig und engagiere

mich gern gratis.

Wie wird man denn

Influencer?

Vor allem muss man eine

starke Affinität und eine

grosse Liebe zu Medien

haben, das Auge für guten Video- und

Foto-Content und die Lust, mit den richtigen

Taggings zu arbeiten.

Hast du Konkurrenten?

Nein, ich habe eher Mitstreiter. Wir

Dragqueens sind ja unter anderem auch

da, um die Leute zu unterhalten – ich sehe

das nicht als Konkurrenz.

Welches sind deine Kunden?

Vor kurzem habe ich einen Make-up-

Event moderiert – zu meinen Kunden gehören

Banken, aber auch gemeinnützige

Institutionen.

Folgst du anderen Influencern?

Ja sicher, um mitzubekommen, was trendy

ist. Es stellt sich die Frage, ist es jetzt zum

Beispiel ein Icebucket-Challenge, ein

Planking oder die Dolly Parton-Challenge.

Das sind alles Dinge, die wichtig

sind, um dabei zu sein.

Wie fällt man auf?

Wenn du auffallen willst,

musst du zum Beispiel

etwas nachahmen, was

jemand schon gemacht

hat und es ein wenig übertreiben,

oder personalisieren,

um zu wirksam zu

polarisieren. Und nicht

vergessen, einen passenden

Claim dazu zu stellen.

Wie sieht dein Tagesablauf

aus?

Ein Tagesablauf kann so

aussehen: Wenn ich ein

Shooting habe, dann beginnt

es mit einer guten

Rasur, danach heisst es

Nägel lackieren, dann

geht es weiter zu einer

Gesichtsbehandlung, danach

folgt das Make-up –

und als «Krönung» des Ganzen die todschicke

Perücke.

Hast du ein Vorbild ?

Die Drag Queens von RuPaul sind für

mich vorbildlich – und zwar in Bezug

auf ihre Kostüminspiration, auf ihr

Make-up, ihre Frisur und überhaupt ihren

ganzen Style. ||

DISPLAY | MAI | 29


LIFESTYLE

Der etwas andere

Influencer:

Sportlich und auf

vielen Kanälen zu

sehen

Marco

Tornese

Auch Marco Switzerland

beeinflusst viele Leute, online

oder durch persönliche

Präsenz. DISPLAY fragte den

Ex-Mister Gay, wie er Menschen

beeinflusst. Auf Instagram

hat marco_switzerland

23'700 Abonnenten.

DISPLAY: Marco, wie zeigst du dich?

Marco: Ich präsentiere mich in jeder Situation

anders. Für einige bin ich Banker,

Trainer im Pole-Fitness, Reality-TV-Darsteller,

Influencer. Und für meine Freunde

bin ich einfach Marco.

Woher kommt dein Name?

Für den Namen Marco Switzerland habe

ich mich entschieden, als ich oft im Ausland

war. Ich wurde oft vorgestellt als 'this

is Marco from Switzerland'.

In welchem Sinn bist du ein Influencer?

Influencer finde ich keinen schönen Namen,

aber es ist schön, andere Menschen

zu inspirieren.

Wie unterscheidest du dich von

anderen Internet-Persönlichkeiten?

Ich habe kein bestimmtes Gebiet, das ich

bediene, sondern ich bin vielseitig. Bei mir

ist es ein Mix zwischen Sexyness, Kunst,

Fitness und Events.

Wie wird man Influencer?

Wichtig ist, dass man ein Ziel hat und hart

daran arbeitet. Nutze deine Kontakte. Wer

von deinen Freunden hat Erfolg und kann

dir helfen? Gemeinsame Arbeit und Networking

helfen. Markiere auch

Blogs auf deinen Fotos, die daran interessiert

sein könnten. Einige Blogs

haben Hundertausende von Followern,

und wenn davon einer dein

Foto weiter postet und dich verlinkt,

bekommst du schnell neue Follower.

Für welche Marken arbeitest du

im Moment?

Ich hatte unlängst eine Zusammenarbeit

für die Love Life-Kampagne,

Samsung darf ich bewerben, verschiedene

neue Fashion-Brands unterstütze

ich und Coiffeur Ghel lässt

mich gut aussehen. Ich bekomme

immer wieder Anfragen von Hotels

und Party-Veranstaltern.

Welche Eigenschaften muss man

haben als Influencer?

Wichtig ist, dass jemand authentisch

ist und für mich persönlich ist

Freundlichkeit sehr wichtig.

Welches ist dein Traum im Leben,

den du erreichen willst?

Die meisten meiner Träume habe ich bereits

verwirklicht. Ich denke, das ist auch

ein Grund, weshalb ich so ein ausgeglichener

Mensch bin.

Wie bist du dazu gekommen,

Influencer zu werden?

Das entstand durch die zunehmende Bekanntheit.

Es war nie ein Plan von mir,

aber ich wollte immer schon viele Leute

«Ich habe mir

nie Gedanken

oder Sorgen

um die Konkurrenz

gemacht»

erreichen und unterhalten. Für mich sind

'Likes' wie ein Applaus, und das gibt mir

die Bestätigung für meine Arbeit.

Wofür würdest du nie Werbung

machen?

Ich bin kein Politiker. Ich wurde schon angefragt

für politische Statements, jedoch

überlasse ich das gerne den Spezialisten.

Wie siehst du deine Zukunft?

Ich möchte gerne in Zürich bleiben und

konzentriere mich auf meine Arbeit und

meine neue Liebe.

Welches ist dein Lebensmotto?

Meide negative Menschen – die haben für

jede Lösung ein Problem. ||

Interesse in diesem

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TIP TOP BAR

Die Schlager Bar

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30 | DISPLAY | MAI


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lassen wir uns die Kreativität nicht nehmen!

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das schlimmste Muttertagsmenu war, das du jemals gekocht hast.

Erbschaftsplanung

für alleinstehende Personen

Wenn man weder einen

eingetragenen Partner noch

Kinder hinterlässt, erben

häufig entfernte Verwandte,

zu denen man wenig

Kontakt hatte. Das lässt

sich vermeiden, wenn man

rechtzeitig die nötigen

Vorkehrungen trifft.

Hinterlässt jemand nach seinem

Tod weder einen Ehepartner

noch Nachkommen, kommen

gemäss den Regeln der gesetzlichen Erbteilung

die Eltern zum Zug. Sind die Eltern

schon gestorben, treten an ihre Stelle die

eigenen Brüder und Schwestern, dann die

Nichten und Neffen. Sind keine Erben des

sogenannten elterlichen Stammes vorhanden,

fällt der Nachlass an den Stamm der

Grosseltern. Dazu gehören neben den

Grosseltern der Onkel oder die Tante, die

Cousinen oder Cousins und so weiter. Sind

auch keine solchen Erben vorhanden, erbt

schliesslich der Staat. Der Nachlass wird

in so einem Fall meistens zwischen der

Wohngemeinde des Erblassers und dem

Kanton aufgeteilt.

LETZTWILLIGE VERFÜGUNG | Wenn

Alleinstehende nicht regeln, was nach

dem Tod mit ihrem Vermögen geschehen

soll, profitieren dereinst also unter Umständen

Personen, zu denen sie keine oder

nur lose Beziehungen hatten. Doch die gesetzliche

Erbfolge lässt sich mit einer letztwilligen

Verfügung ändern. In einem Testament

kann der Erblasser seine Erben

bestimmen. Alleinstehende, die weder

Nachkommen noch Eltern hinterlassen,

müssen keine Pflichtteilsrechte beachten.

Sie können völlig frei entscheiden, wer ihr

Vermögen nach ihrem Tod erhalten soll.

Die folgenden vier Punkte sind besonders

wichtig für Alleinstehende, die ihr Erbe

regeln möchten:

1. VORSORGEGUTHABEN ZUWEISEN

Pensionskassen- und Freizügigkeitsguthaben

sowie Guthaben aus der Säule 3a fallen

nicht in das Nachlassvermögen. Erkundigen

Sie sich bei Ihrer Vorsorgestiftung,

wie dieses Geld unter den Begünstigten

aufgeteilt wird und welchen Einfluss Sie

darauf nehmen können.

«Viele Testamente

sind zu wenig

klar formuliert»

2. SPENDEN ODER STIFTEN

Besonders viele Menschen ohne nahe Verwandte

wünschen sich, dass ihr Vermögen

einem guten Zweck zugute kommt. Dieses

Ziel kann man mit einer letztwilligen Verfügung

erreichen. Eine eigene gemeinnützige

Stiftung ist nur sinnvoll, wenn man

ein bedeutendes Vermögen hinterlässt.

3. TESTAMENT PRÜFEN LASSEN

Viele Testamente sind zu wenig klar formuliert.

Die Formulierung «Mein Nachlass

soll an karitative Institutionen gehen»

zum Beispiel lässt viele Fragen offen: Welche

Institutionen wollte der Erblasser

RATGEBER

konkret berücksichtigen? Wie viel will er

jeder Institution zuteilen? Handelt es sich

um eine Erbeinsetzung oder um ein Vermächtnis?

Ein Vermächtnisnehmer hat

andere Rechte als ein Erbe.

Im schlimmsten Fall ist das Testament

ungültig, wenn es unklar formuliert ist.

Lassen Sie Ihr Testament deshalb von einer

Fachperson überprüfen.

4. WILLENSVOLLSTRECKUNG

PRÜFEN

Ein Todesfall löst in der Familie nicht nur

tiefe Trauer aus. Nicht selten weckt die

Aussicht auf eine Erbschaft finanzielle Begehrlichkeiten

bei einzelnen potenziellen

Erben. Besonders wenn es um viel Geld

geht, kann es deshalb ratsam sein, einen

fachkundigen und neutralen Willensvollstrecker

einzusetzen, der das Testament

durchsetzt, bei Streit unter den Erben vermittelt

und für eine rasche und kostengünstige

Erbteilung sorgt.

MEHR INFOS ZU DIESEM THEMA?

Melde dich unter 044 207 27 27 oder

LGBT@vzch.com beim LGBT-Team

vom VZ VermögensZentrum. Beim VZ

können sich Schwule und Lesben

von einem spezialisierten Team beraten

lassen. Weitere Infos findet ihr unter

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DISPLAY | MAI | 33

Bild deinadieu.ch


GESUNDHEIT

DER

HORMONISCHE

MANN

Die Lust flaut ab, die

Müdigkeit nimmt zu, die

Muckis werden weniger:

Das kommt dir bekannt vor?

Dann bist du in der

Andropause – in den Wechseljahren!

Wie Mann dieser

Lebensphase Herr

werden kann.

Text Marcel Friedli Illustrationen Ralf König

«In manchen Fällen», liest Konrad

seinem auf dem Sofa liegenden

Freund Paul vor, «geht mit der Andropause

die Verringerung des Hodenvolumens

einher.» Diese Info bringt Paul so auf

die Palme, dass er auffährt und loslegt: «Da

schrumpfen irgendeinem Joghurtbauern im

Kaukasus die Hoden und schon droht kollektiver

Hodenschwund!»

Eine Szene aus dem Comic «Herbst in der

Hose», in dem Ralf König die Wechseljahre

des Mannes thematisiert. An der Reaktion

von Paul zeigt sich eines der möglichen Anzeichen

für die Andropause, die Wechseljahre

der Männer, die frühestens ab 35 einsetzen

(siehe Box Seite 36): Das Nervenkostüm ist

dünn, Männer sind tendenziell nervös und

gereizt. Auch mit der Erektion klappt es nicht

immer wie gewünscht, die Lust auf

Sex sinkt. Mann schwitzt mehr. Die

Muskulatur und die Kräfte nehmen

ab, die Müdigkeit nimmt ebenso zu,

wie der Bauchspeck wächst. Knochen

und Gelenke schmerzen. Und

Männer hängen dann vermehrt

trüben Gedanken nach, die sie nicht

selten am Schlafen hindern.

Diese Symptome machen Männern

bewusst, dass der Zahn der

Zeit auch an ihnen nagt. «Ein Luxusproblem,

über das Altern zu jammern»,

ist sich Ralf König bewusst.

«Trotzdem: Das Thema wird unter

Männern weggehüstelt. Ich wollte

thematisieren, wie viel Angst das

macht. Ganz ohne Trostsprüche.»

Ralf König: thematisieren, wie viel Angst

die Andropause vielen Männern macht.

«Diese Symptome

machen Männern

bewusst, dass der

Zahn der Zeit auch

an ihnen nagt»

TESTOSTERONBOLZEN | Unsere Wechseljahre

haben mit den Hormonen zu tun:

Der Körper des Mannes produziert weniger

Testosteron. Dieses Hormon werde oft falsch

assoziiert, sagt Christine Rosa Thanner vom

Zentrum für Vitalität und Hormon-Power.

«Oft liest oder hört man im abwertenden Sinn

von testosterongesteuerten Männern, von

Testosteronbolzen. Damit ist meist ein Mann

gemeint, der zum Beispiel ausrastet, sich unfair

oder aggressiv verhält.»

Ursache sei jedoch nicht das Testosteron –

sondern fast immer Adrenalin sowie ein Mangel

an Progesteron, dem Gegenhormon. «Testosteron

ist meist nur als Libido- oder

Muskelhormon bekannt», erklärt Christine

Rosa Thanner. «Es hat jedoch – sehr viel

wichtigere – weitere Funktionen: zum Beispiel

für Prostata, Herz, Gehirn. Auch steht es

in engem Zusammenhang mit der Psyche, mit

Mut, Selbstbewusstsein, Energie, Durchhaltevermögen,

guter Stimmung und Fairness.»

Die Veränderungen in der Andropause

betreffen nicht allein das Testosteron, wie

Christine Rosa Thanner ergänzt. So variiere

zum Beispiel auch das Hormon Progesteron

oder das Cortisol, das in engem Zusammenhang

mit der Regulierung von Stress steht

34 | DISPLAY | MAI

DISPLAY | MAI | 35


GESUNDHEIT

GESUNDHEIT

JAHRE DES WECHSELS

Als Andropause bezeichnet man den

Lebensabschnitt des Mannes zwischen

frühestens 35 (eher: 45) und 65,

der von nachlassender Hormonproduktion

gekennzeichnet ist. Ab etwa

Mitte dreissig nimmt das männliche

Sexualhormon Testosteron pro Jahr

um rund ein Prozent ab.

Am bekanntesten sind die Wechseljahre

des Mannes unter dem Begriff

Andro pause. Sie haben weitere

Namen wie Klimakterium virile, Aging

Male Syndrom, Testosteron-Mangel-

Syndrom TMS.

Naturheilmittel wie Kürbiskerne oder

die Brennnessel können die Symptome

(siehe Haupttext) lindern: Als Tee

getrunken, beugt sie der Vergrösserung

der Prostata vor und hält den

Stoffwechsel aktiv. Bei Schlafstörungen

und Stimmungsschwankungen

wirkt Johanniskraut lindernd. Zu erholsamer

Nachtruhe können Melisse,

Hopfen und Baldrian beitragen.

wieder kommt, die Muskeln anschwellen

und sich die Müdigkeit verabschiedet.

Doch dies ist nicht ganz harmlos.

«Eine Hormonbehandlung mit Testosteron»,

betont Sandra Fatio, Leitende Ärztin

Endokrinologie am Spitalzentrum

Biel, «ist nur bei einer Erkrankung der

Hypophyse im Gehirn oder der Hoden

angezeigt. Und nur dann, wenn der Hormongehalt

in Bezug aufs Alter deutlich zu

niedrig ist.» Um sicher zu sein, seien

mehrere Analysen nötig. Und: Solche

Hormonersatz-Therapien können zu

Brustschmerzen führen und erhöhen das

Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

sowie Prostatakrebs.

GUTE ERFAHRUNGEN | Nichts von solchen

Nebenwirkungen hat Ludwig Lingg

zu spüren bekommen – obwohl er über ein

paar Jahre phasenweise Hormone zu sich

genommen hat, darunter auch Testosteron

und Progesteron. «Bioidentische Hormone,

also Hormone, die mit jenen des Körpers

identisch sind», betont er. «Künstliche

Hormone kommen nicht infrage.»

Ludwig Lingg hatte Schmerzen in der

Prostata, litt an Migräne-Attacken und

erlitt einen Hörsturz. Bei einem Hormon-

Coaching wurde sein Speichel untersucht;

so konnten seine Hormonwerte ermittelt

werden. Gemäss dieser Analyse erhielt er

eine hormonhaltige Salbe, die er sich in

die Armbeugen einrieb. «Nur solange wie

nötig. Das wurde regelmässig überprüft,

um eine Überdosierung zu verhindern.»

Mit den Hormonen allein war es jedoch

nicht getan: Lingg passte seine Ernährung

den Empfehlungen an und baute

regelmässige Bewegung sowie Entspannung

in seinen Alltag ein.

Diese ganzheitliche, natürliche und

sorgsam begleitete Behandlung sei für ihn

der stimmige Weg gewesen. «Es geht mir

wieder bestens – dafür bin ich so was von

dankbar!» ||

DAS BUCH ZU ANDROPAUSE

Ralf König, Herbst in der Hose, Rowohlt.

Im gleichen Verlag erscheint bald ein Buch, das

die Corona-Krise clever und witzig behandelt!

(siehe Box rechts). «Die Symptome und

Beschwerden der Andropause hängen

meist mit den körpereigenen Hormonen

zusammen. Sie steuern, beeinflussen alles:

Zellen, Organe, körperliche Funktionen,

Psyche, Gehirnfunktionen – auch bei

Männern.»

LIFESTYLE ANPASSEN | Um die Symptome

der männlichen Wechseljahre zu lindern,

reicht es meist, den Lebensstil anzupassen:

sich gesund ernähren, nicht oder

zurückhaltend rauchen, sich beim Alkohol

mässigen. Und ein Leben führen, in

dem man nicht dauernd unter Druck steht

und sich Zeiten des Erholens gönnt.

Einige Pflanzen können die Symptome

der Wechseljahrbeschwerden abschwächen

(siehe Box oben). Ergänzend dazu

hilft Bewegung: Sie tut nicht nur dem

Körper gut und lüftet den Kopf – sondern

trägt dazu bei, den Hormonhaushalt zu

harmonisieren. Christine Rosa Thanner:

«Angesagt ist jene Bewegungsform, die

zum Mann passt: zu seinen Vorlieben, seiner

individuellen Situation und seinen

Hormonwerten. Das können auch Kraftübungen

mit dem eigenen Körpergewicht

sein oder Übungen im Wald.»

«Einige Pflanzen

können die Symptome der

Wechseljahrbeschwerden

abschwächen»

HORMONE ZUFÜHREN? | Die Versuchung

ist gross, sich Testosteron zuzuführen

– in der Hoffnung, den mühsamen

Beschwerden, welche die Wechseljahre

mit sich bringen, zu entkommen. Zumal

man ab und zu hört, dass die Lust dann

HORMON-LEXIKON

Testosteron (siehe Haupttext) ist nur

eines der wichtigen körpereigenen

Hormone für Männer. Zentral sind auch:

Progesteron: für Schlaf, Gelassenheit,

Prostata, Gehirn, Energie; gegen

Kopfschmerzen und Depressionen.

DHEA: fürs Immunsystem und

allgemein die Energie; gegen Krankheiten,

Burn-out, Allergien.

Cortisol: fürs Immunsystem, Schlaf,

Libido, Energie; gegen Stress,

Entzündungen und Kopfschmerzen.

Estriol: für Gelenkknorpel, Schleimhäute,

Prostata.

Estradiol: für Libido, Prostata, Schlaf;

gegen Kopfschmerzen, Haut- und

Haarprobleme.

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DISPLAY | MAI | 37


GESELLSCHAFT

HILFE,

ICH BIN NICHT

GUT GENUG!

Professor Udo

Rauchfleisch

ist klinischer

Psychologe und

Psychotherapeut.

Krankmachende Ansprüche:

Der Zwang, allen Erwartungen

gerecht zu werden und perfekt

zu sein, macht viele Queers

kaputt.

Ich fühle mich ausgegrenzt,

nicht akzeptiert oder bin

nicht hübsch genug.

Das sind Gedanken, die

viele von uns im Alltag

quälen. Dr. Udo Rauchfleisch,

Professor für klinische

Psychologie an der Uni Basel,

erklärt, wo diese Gedanken

herkommen, wie Selbstliebe

entsteht – und wie wir unser

Selbstwertgefühl stärken

können.

Text Mirco Droz

Vor meinem Coming-out war ich

unsicher und konnte nicht zu

mir stehen. Gegenüber Freunden

und Familie zeigte ich mich nicht so,

wie ich mich tatsächlich fühlte, obwohl

ich wusste, dass meine Gefühle anders

waren als die der meisten Gleichaltrigen.

So machte ich mich im Internet schlau

und fand die Plattform Purplemoon – eine

mittlerweile leider geschlossene Internetplattform

für junge, queere Menschen.

Dabei fand ich zu meiner grossen Erleichterung

andere Homosexuelle: Hey, ich bin

ja nicht allein und völlig normal! Schliesslich

outete ich mich bei Freunden und

Familie – und stiess zum Glück auf ein akzeptierendes

und liebendes Umfeld.

BEDINGUNGSLOSE LIEBE | Die Selbstliebe

entsteht im besten Fall bereits im

frühen Kindeshalter. Das Kind erlebt,

dass es um seiner selbst willen geliebt

wird. Es muss dafür keine Bedingungen

erfüllen und wird einfach so wie es ist anerkannt,

gefördert und akzeptiert. Über

Jahre führt dies dann dazu, dass ein Kind

ein stabiles Selbstwertgefühl entwickelt.

ERPRESSERISCHE LIEBE | Ein instabiles

Selbstwertgefühl entsteht, wenn Kinder

eben gerade dies nicht erleben: dass sie

um ihrer selbst willen akzeptiert und geliebt

werden. Die Zuneigung ist dann eben

nicht bedingungslos, sie ist an Erwartungen

geknüpft, wie beispielsweise «brav

sein» oder «gute Noten schreiben». Wenn

Menschen immer solche Ablehnungen erleben,

schwächt dies ihr Selbstwertgefühl.

Diese Unsicherheit verfestigt sich im weiteren

Verlauf des Lebens.

Auch die Erfahrungen im Erwachsenenleben

sind relevant. Wenn jemand andauernd

aneckt und nicht integriert wird,

trägt das ebenfalls zu einem schwäche-

Bild 1STunningART

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DISPLAY | MAI | 39


GESELLSCHAFT

GESELLSCHAFT

Liebe und Lust, Freude und Frust:

Zeig deine Emotionen, zeig, wer

du wirklich bist und befreie dich

von der Last, dein wahres Selbst

zu verleumden.

6 TIPPS, DAMIT ES

DIR BESSER GEHT

ren Selbstwertgefühl bei. Deshalb ist es

wichtig, dass man auch im Erwachsenenalter

Bestätigung erfährt – unabhängig

von Leistung und Benehmen.

SAFE SPACE COMMUNITY | In einem

Umfeld aufzuwachsen, in dem Homosexualität

verurteilt wird, bringt nicht nur

junge queere Menschen oft zum Verzweifeln.

Man fühlt sich ausgeschlossen und

allein. Deshalb ist es wichtig, sich ein Umfeld

zu suchen, in dem man sich wohl und

akzeptiert fühlt. Für queere Menschen

gibt es Organisationen und Vereine, in denen

sie sich aufgehoben fühlen können

und ein Family- und Community-Gefühl

erleben.

Beispiele solcher Vereinigungen sind

die Milchjugend oder auch die queeren

HA-Gruppen in Basel, Bern und Zürich

(habs, hab, haz).

ROLE MODELS AUS DEM UMFELD | In

diesen Gruppen kann man sich auch Vorbilder

suchen. Diese persönlichen Vorbilder

sind noch wichtiger als eine prominente

Person, die sich als homosexuell

outet – sei das nun ein Sportler wie Curdin

Orlik oder ein TV-Moderator wie

Sven Epiney. «Vorbilder im näheren Umfeld

entsprechen eher der eigenen Realität

als die einer berühmten Person und haben

so oftmals die grössere Wirkung», so Udo

Rauchfleisch.

«Durch die Zugehörigkeit

zu einer sexuellen,

ethnischen oder

religiösen Minderheit

entsteht oft eine

Unsicherheit»

Curdin Orlik: Als offen schwuler Schwinger ein

Role Model. Noch wichtiger als Promis sind

jedoch Vorbilder aus dem Kollegenkreis.

Sven Epiney: Er ging vor laufender Kamera vor

seinem Michi auf die Knie. Damit leistete er

einen Beitrag an die Sichtbarkeit der Gays.

DAS COMING-OUT STÄRKT DAS

SELBSTWERTGEFÜHL | Das Verheimlichen

der sexuellen Orientierung und die

Zugehörigkeit zu einer sexuellen Minderheit

können sich zu einer enormen psychischen

Belastung entwickeln. Diese Art

von Stress ist schwer zu ertragen.

Wegen der Zugehörigkeit zu einer sexuellen,

ethnischen oder religiösen Minderheit

entsteht oft eine Unsicherheit. Und

dadurch, dass eine Person wichtige Infor-

mationen über sich selbst der Öffentlichkeit

gegenüber zurückhält, entsteht ein

Verheimlichungsstress. Das ist ein Zustand,

der noch in vielen Bereichen wie

beispielsweise im Spitzensport eine traurige

Realität ist. Auf offen schwule aktive

Champions-League-Helden warten wir

wohl noch länger vergebens.

Ein Coming-out zeigt eine Grundakzeptanz

und signalisiert den Mitmenschen,

dass es okay ist, zu sich zu stehen.

«Je mehr Menschen sich mit ihrer gleichgeschlechtlichen

Orientierung zeigen,

desto stärker ist ihre Vorbildfunktion für

Kinder und Jugendliche», so Rauchfleisch.

DIE DIGITALE WELT | Durch die Digitalisierung

ist heute ein Coming-out nicht

unbedingt viel leichter geworden als früher.

Nach wie vor ist gemäss Professor

Rauchfleisch die Zahl von LGBT-Menschen,

die unter Depressionen, Angst, Abhängigkeiten

und Suizidgedanken leiden,

wesentlich höher als unter heterosexuellen

Jugendlichen.

Social-Media-Plattformen verleiten zu

einem lockereren Umgang mit sich selbst.

Man kann freier über seine sexuelle Orientierung

sprechen. Doch teilweise ist

man anonym oder sucht sich nur Personen

mit gleichen Interessen und entfernt sich

somit noch weiter vom realen Umfeld. Einem

Umfeld, das unter Umständen viel

weniger wohlwollend ist als die Freunde in

der eigenen virtuellen Blase. Udo Rauchfleisch

ergänzt: «Mit Gleichgesinnten zu

chatten ist etwas anderes, als mit Eltern

oder Freunden zu reden. Der Coming-out-

Prozess in der realen Umgebung verzögert

sich dadurch unter Umständen sogar.»

Mit Menschen zu chatten, welche die

gleichen Interessen teilen, kann Hemmschwellen

abbauen und Fragen klären. Jedoch

sollte man sich nicht komplett von

seiner gewohnten Umgebung distanzieren

und darauf achten, dass man nicht gänzlich

in die digitale Welt abdriftet. ||

Verliebt ins eigene Antlitz: Narziss

(Gemälde von Caravaggio, 1598/99).

Selbstliebe vs. Narzissmus

• Selbstliebe, also «sich selbst lieben»,

ist das Annehmen der eigenen

Persönlichkeit. Es geht darum, zu

akzeptieren, wer man ist und wie man

ist. Selbstliebe bedeutet, sich selbst

zu vertrauen, sich selbst zu achten

und den eigenen Wert schätzen zu

wissen.

• Narzissmus hingegen ist das Kreisen

um sich selbst. Es ist ein krankhaftes

Bestreben, sich selbst die Anerkennung

zukommen zu lassen,

an der man selbst zutiefst zweifelt.

Was kann man tun, damit man sich im Alltag besser fühlt? Tipps von Professor

Udo Rauchfleisch, die das Selbstwertgefühl verbessern können.

1. SELBSTREFLEKTION

Eine Methode ist, sich Zeit für sich zu

nehmen und nach innen zu horchen. Kritisch

den eigenen Gedanken begegnen,

um so die inneren Kritiker zu entlarven,

die dich permanent niedermachen. Danach

hinterfragen, warum sich gewisse

negative Glaubenssätze verfestigt haben

und sich dann auch bewusst werden,

dass diese nicht der Realität entsprechen.

2. EIN SOZIALES LEBEN PFLEGEN

Es ist wichtig, ein soziales Leben zu führen.

Nach der Zwangsisolation in Folge

des Lockdowns geht es darum, sich nicht

länger in den eigenen vier Wänden einzuschliessen.

Mit den Mitmenschen interagieren,

Aktivitäten unternehmen, die das

Zusammengehörigkeitsgefühl stärken.

Nicht nur mit Homosexuellen, aber auch

nicht nur mit Heterosexuellen, mit Gleichaltrigen

sowie mit Älteren – eine gute Mischung

ist hier gefragt.

3. ERFOLGE FEIERN

Vergangene sowie derzeitige Erfolge

schriftlich festhalten. Sich über diese klar

werden, sie wertschätzen und sich selbst

auch dafür loben, dass man das geschafft

hat. Und dann schliesslich auch die Bestätigung

von aussen holen. Diese ist genauso

wichtig wie die Selbstbestätigung.

4. WENIGER VERGLEICHEN

Sich mit anderen zu vergleichen, ist völlig

normal. Jedoch sollte dies auch in einem

realistischen Mass geschehen. Wenn

man sich ausschliesslich mit den Allerbesten

vergleicht, schneidet man immer

schlecht ab. Dies schwächt das Selbstwertgefühl

und schadet.

Dabei ist aber zu beachten, dass man

sich anderseits auch keinesfalls an Misserfolgen

von anderen erfreuen sollte.

5. SELBSTAKZEPTANZ

Oft sind wir unsere allerhärtesten Kritiker

und bei anderen werden mildere Urteile

gefällt. Deshalb sollte man mit sich selbst

weniger streng sein und nachsichtiger

handeln. Wer meint es denn gut, wenn

nicht wir mit uns selbst?

6. SICH MEHR ZUTRAUEN

Jemand, der sich wenig zutraut oder verängstigt

ist, wird auch eher von anderen

als ein potenzielles Opfer wahrgenommen.

Für Udo Rauchfleisch ist klar, dass

Peiniger so auch keine Angst vor einer

Reaktion haben müssen. Hingegen wird

eine selbstsichere Person sich so etwas

nicht bieten lassen. Schliesslich strahlst

du das aus, was du über dich selbst

denkst.

40 | DISPLAY | MAI

DISPLAY | MAI | 41


GESELLSCHAFT

KOCHEN

«HABE

DEN MUT,

Zum Muttertag

Home Delivery mit Herz

DICH

SELBST

ZU SEIN»

Moderator, Medientrainer,

Autor und Fotograf Patrick

Rohr über Selbstzweifel,

Selbstvertrauen und den

Charme des Unperfekten.

Interview Mirco Droz

DISPLAY: Welcher Moment in deiner

Karriere hat dich am meisten gefordert?

Patrick Rohr: Als ich mit 31 Jahren die

«Arena» als Redaktionsleiter und Moderator

übernommen habe, dachte ich, dass ich

einem Bild entsprechen müsse, damit ich

ernst genommen werde. Nach den ersten

Sendungen gab es negative Kritik. Ich fragte

mich, warum. Nach intensiver Analyse

habe ich erkannt, dass ich mich zu sehr

darauf konzentriert hatte, was wohl von

mir erwartet wird. So konnte ich die Fesseln

ablegen und wieder ich selbst sein.

Was hast du daraus gelernt?

In dem Moment, in dem man den Mut hat,

zu sich selbst zu stehen, beginnt es zu

funktionieren!

lich und löst beim Gegenüber irritierte Reaktionen

aus, was einem bestätigt, dass

man nicht in Ordnung ist, so wie man ist.

Wie können wir mehr von diesen

«Sich-selbst-Sein-Momenten» kreieren?

Wenn wir beispielsweise am Flussufer sitzen

und den Sonnenuntergang bestaunen,

sind wir ganz bei uns selbst. Eigentlich

«Zu seinen Schwächen

zu stehen wirkt

natürlich, menschlich

und sympathisch»

sollten wir versuchen, dieses Gefühl immer

wieder zu verinnerlichen, um mehr

solche Flow-Momente zu kreieren.

Was heisst für dich Selbstwert?

Der Kern des Selbstwerts ist das Wissen,

dass ich selbst okay bin, so wie ich bin.

Hast du einen Tipp, wie man ein selbstbestimmteres

Leben führen kann?

Indem wir uns in andere Menschen versetzen.

Wenn wir jemandem zuhören, der

ein Referat hält, machen wir uns da viele

Gedanken, wie diese Person auf uns

wirkt? Nein! Warum denken wir denn,

Was für einen Ratschlag gibst du

deinen Kunden mit?

Viele Kunden sind unsicher beim Auftreten.

Sie stellen sich Fragen wie «Was soll

ich mit den Händen machen oder wie soll

ich stehen?» Sie konzentrieren sich zu sehr

darauf, was andere wohl von ihnen denken

könnten. Von dem Moment, ab dem man

beginnt, sich Gedanken darüber zu machen,

fängt man bereits an sich selbst zu

zweifeln. Damit verhält man sich unnatürdie

anderen würden dies tun, wenn sie uns

zuschauen? Mit sich selbst ist man oft viel

strenger als mit anderen. Dabei sollte man

weit nachsichtiger mit sich selbst sein.

Muss man nicht immer perfekt sein?

Nein. Als ich beim Schweizer Fernsehen

vor der Kamera stand, hatte ich einmal ein

komplettes Blackout. Ich wusste nicht

mehr, was ich tun, sagen und machen sollte.

Also gestand ich den Zuschauern, dass

ich nicht mehr weiter wusste. Erst nach

einem Blick auf die Notizen fiel es mir

wieder ein. Im Nachhinein bekam ich

viele positive Rückmeldungen, dass den

Zusehern meine Ehrlichkeit gefallen habe.

Zu seinen Schwächen zu stehen, wirkt natürlich,

menschlich und sympathisch.

Du fotografierst oft: Inwiefern spielt

der Selbstwert auf Fotos eine Rolle?

Was ich bei der Arbeit bemerkt habe, ist,

dass Menschen, die sich selber akzeptieren

und lieben, auch vor der Kamera die

beste Wirkung haben.

Und was hältst du von Influencern?

Bei Influencern bekomme ich Komplexe!

Es ist ja ihr Job, an ihrer Selbstoptimierung

zu arbeiten. In meinem Beruf komme ich

nicht dazu. Deshalb versuche ich mich gar

nicht mit Influencern zu vergleichen. ||

Bild Debora Zeyrek

Ende des 19. Jahrhunderts

entstand im indischen

Mumbai ein Zustellservice

für Mittagessen.

Der Dienst liefert hausgemachtes

Essen in Dabbas –

mehrteiligen Metallbehältern

– an den Arbeitsplatz.

Jeden Tag werden

rund 200’000 Essen

von Dabbawallas, den

Liefermännern, in

Mumbai ausgeliefert.

Text und Bild

Mark Frederick Chapman

Zurzeit ist die Heimlieferung von Essen

hochaktuell. Vor allem ältere Menschen

sind dankbar dafür. Vielleicht

kannst du deine Mutter am Muttertag nicht

persönlich treffen? Dann bring ihr doch dieses

kleine Menu vorbei.

Mein Dabba hat vier Teile, und ich habe ein

kleines Menu vorbereitet. Beschreiben werde

ich nur den Hauptgang, ein indisches Matar

Paneer. Den Salat, Reis und den Fruchtsalat

kannst du nach deinem Gusto zubereiten.

Matar Paneer ist ein vegetarisches nordindisches

Gericht, das aus Erbsen und Paneer –

Vierteilige Dabba

oder auch Tiffin-Box

genannt.

einem Frischkäse – und einer würzigen Tomatensauce

besteht. Das Rezept, das ich hier präsentiere,

ist eine stark vereinfachte Version.

ZUBEREITUNG | Zwiebeln, Knoblauch und

frischen Ingwer fein hacken. Den Paneer in 2 cm

grosse Würfel schneiden.

Erhitze eine Pfanne, füge 2 Esslöffel Öl hinzu

und brate die Zwiebeln, den Knoblauch und

den Ingwer, bis sie weich sind.

Füge die Gewürzpulver hinzu – roter Chili,

Kreuzkümmel, Koriander, Kurkuma und gehackter

grüner Chili – und rühre um, bis die Gewürze

zu duften beginnen.

Dann die Pelati-Tomaten hinzugeben und alles

10 bis 15 Minuten kochen lassen, bis der

grösste Teil der Flüssigkeit verdunstet ist und

sich das Öl zu trennen beginnt.

Jetzt kommen die gefrorenen Erbsen dazu

– für ein paar Minuten mitköcheln. Füge zu diesem

Zeitpunkt ein wenig Wasser bei, um die

Sauce wieder etwas flüssiger zu machen. Mit

Salz abschmecken.

MATAR PANEER

ZUTATEN

2 EL Öl

2 Zwiebeln

2 Knoblauchzehen

1 Stück Ingwer, gleiche

Menge wie der Knoblauch

400 g gehackte Pelati-Tomaten

1 TL rotes Chilipulver

½ TL Kreuzkümmelpulver

1 TL Korianderpulver

½ TL Kurkumapulver

1 grüner Chili

1 Tasse gefrorene Erbsen

500 g Paneer-Frischkäse,

gibt es im Supermarkt

½ TL Garam Masala

1 Bund frischer Koriander

Salz zum Würzen

Für 4 Personen

Zubereitungszeit: 30 Minuten

Zum Schluss die Paneer-Würfel und etwas

frisch gehackten Koriander dazugeben. Bei

schwacher Hitze weitere 4 Minuten kochen lassen.

Zum Schluss einen halben Teelöffel Garam

Masala-Gewürzmischung hinzufügen.

SERVIEREN | Den Matar Paneer in eine Schale

schöpfen, mit frischem Koriander bestreuen.

Die einzelnen Behälter füllen und verschliessen.

Das Essen kann natürlich auch in verschliessbaren

Plastikbehältern oder anderen

Lunchboxes geliefert werden. ||

42 | DISPLAY | MAI

DISPLAY | MAI | 43


FASHION

BEACH

VIGGO

SORENSEN

Der Bel-Ami-Star ist das neue Gesicht – und

der neue Körper – für Swimwear von Addicted. Heisse

Fashion dieser Marke findest du bei erotikfactory.ch

Text Mike Bahr

In der Regel arbeiten Darsteller von

Adult Movies hinter den Kulissen,

wenn ihre Tage als Model gezählt

sind. Viggo Sorensen ging den umgekehrten

Weg. Der semiprofessionelle

Breakdancer war zuerst ein Jahr lang als

Kameramann für Bel Ami im Hintergrund,

bevor er sich entschied, vor die

Kamera zu treten.

«Ich hatte nicht einmal darüber nachgedacht,

Akteur zu werden», gibt er zu,

«aber ich war eigentlich immer schon gewillt,

ein Leben zu führen, das anders ist

als alles, was meine Freunde tun.»

Der ehrgeizige Mann hat vieles, was er

erleben möchte, solange er noch jung ist,

einschliesslich das Modeling. Jetzt hat

Viggo einen grossen Schritt in seiner Karriere

getan. Er ist das Gesicht – und vor

allem auch der Körper – der neuen Kollektion

«Secret» von Addicted Swimwear.

Wir sprachen mit dem tschechischen Model

und Star von Bel Ami.

DISPLAY: Viggo, die neue Kampagne

heisst «Secret». Was ist dein tiefstes,

dunkelstes Geheimnis?

Viggo Sorensen: Ich bin extrem schüchtern!

Ernsthaft! Ich habe immer Angst,

mich einem Mann zu nähern, mit dem ich

gerne ausgehen würde. Ausserdem stelle

ich mich häufig etwas dumm an und vetraue

oft den falschen Leuten.

Erzählst du uns von deiner Kindheit?

Ich bin in einer kleinen Stadt in der Tschechischen

Republik aufgewachsen, in der

ich eigentlich noch lebe. Ich war ein glückliches

Kind mit meinen zwei Brüdern. Wir

spielten mit unseren Pokemon-Karten und

mein höchstes Glück war es, mit meinem

Opa Motorrad zu fahren. Wir lebten in einer

kleinen Wohnung, bis ich fünf Jahre

alt war. Für meine Mutter war das hart,

denn ich war immer voller Energie und

schwierig zu bändigen.

Damit sie sich nicht den ganzen Tag mit

mir rumschlagen musste, meldete sie mich

in jungen Jahren für den Sport an. Sie

schickte mich zum Training, um mich zu

beruhigen! Jedes Mal, wenn ich vom Training

nach Hause gekommen bin, bin ich

prompt vor Müdigkeit sofort eingeschlafen

– dies natürlich zur grossen Freude

meiner Mutter.

Wer war dein erster Schwarm?

Als ich aufwuchs, war ich mir solcher Dinge

gar nicht bewusst. Ich habe mit meinem

Sexualleben erst spät begonnen.

Bilder AddictedUSA.com

44 | DISPLAY | MAI


BEACH

Bist du jetzt mit jemandem zusammen?

Nein.

Nicht? Hat denn der Job als Pornostar

dein Dating-Leben beeinträchtigt?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe mich nicht

mehr verabredet, seit ich angefangen habe,

in Filmen zu arbeiten.

Vielleicht bist du ja zu wählerisch!

Was suchst du in einem Typen?

Eine starke Persönlichkeit und die Fähigkeit,

andere zum Lachen zu bringen, ein

grosses Engagement, und zwar privat und

für die Gesellschaft – und ja, ein guter

Body reizt mich schon, auch wenn er nicht

das Wichtigste ist.

Geniesst du deinen Ruhm?

Schon. Der beste Teil des Erwachsenenfilms

ist das Reisen, das Ausprobieren

neuer Dinge, das Kennenlernen interessanter

Leute und sicher auch das Geld.

46 | DISPLAY | MAI


BEACH

Und was ist für dich das Schlimmste an

deinem Beruf?

Das Schlimmste ist, wenn die Chemie

zwischen den Jungs einfach nicht stimmt.

Dann dauert alles elend lange und es kann

sehr, sehr anstrengend werden.

Wer ist dein bester Kumpel im Job?

Ich fühle mich Sven Basquiat am nächsten.

Wir teilen ähnliche Interessen.

Hast du irgendwelche Tattoos?

Keine – und ich werde wahrscheinlich nie

welche bekommen.

Beyoncé, Billie Eilish, Barbra Streisand...

wer ist die wahre Königin?

Ehrlich gesagt kenne ich nur Beyoncé. Die

anderen beiden könnten für mich auch

spanische Dörfer sein.

Wem würdest du nie auf Instagram

oder Twitter folgen?

Definitiv Donald Trump.

Wie würde der Film deines Lebens

heissen, und wer würde dich spielen?

Der Geschichtenerfinder, weil ich nicht

darauf warte, dass in meinem Leben etwas

passiert. Ich bin der Designer meines

Schicksals, ich erzähle die Story. Matthew

McConaughey würde mich spielen.

Was bringt dich zum Lächeln?

Gutes Essen, eine schöne Aussicht auf die

freie Natur, ein sternenklarer Nachthimmel

und lustige Menschen.

Und was macht dich wütend?

Dummheit und Unaufrichtigkeit.

Wer sind deine Helden?

Ich habe keine bestimmten Helden in meinem

Leben. Ich sehe zu Menschen auf, die

hart arbeiten, um ihre Ziele zu erreichen

und ein interessantes, glückliches Leben

zu führen. Wenn ich aus Männern in der

Erotikbranche wählen würde, die ich bewundere,

wären das Paul Cassidy, Sven

Basquiat und Alam Wernik.

Und was soll dereinst auf deinem Grabstein

stehen?

Er hat intensiv gelebt und jede Sekunde

davon geliebt. ||

Shopping: erotikfactory.ch

48 | DISPLAY | MAI

DISPLAY | APRIL | 49


TV

Der Analytiker

des Sex

Keiner hat die Sexualität

schärfer beschrieben als

Sigmund Freud. Eine Netflix-

Serie zeigt das Leben

des kokainsüchtigen Vaters

der Psychoanalyse.

Beim Dreh gab’s Probleme

mit erregten Statisten.

DISPLAY fragte Regisseur

Marvin Kren, was da abging.

Interview Dieter Osswald

DISPLAY: Marvin Kren, was würde

Freud zur Serie «Freud» sagen?

Marvin Kren: Freud würde mich mit einem

nassen Handtuch durch den Zweiten

Wiener Bezirk jagen! (Lacht)

Wie wahrhaftig sind Sie denn bei der

Darstellung des jungen Nervenarztes?

Wir haben versucht, den jungen Freud getreu

zu schildern: Wen hat er geliebt, wie

war die Beziehung zu seiner Mutter, was

hat es bedeutet, in dieser Zeit ein junger

jüdischer Arzt zu sein? Freud war erpicht

auf die Kontrolle seiner eigenen Biografie

und hat viele Schriften aus seiner Frühzeit

zerstört. Auf die Phase der Hypnose war er

gar nicht stolz. Die mangelnde historische

Überlieferung aus dieser Zeit gab uns die

Freiheit, eine Genre-Erzählung aus Mystery,

Thriller, Crime und Horror zu machen.

Sie wollten sich zur Vorbereitung

selbst hypnotisieren lassen, brachen

das Experiment jedoch erschrocken

ab. Was war passiert?

In Filmen sieht man Hypnose meist mit

dem abgedroschenen Bild von einem Pendel.

Um eine andere Art der Darstellung

Starker Raucher: Freud (Robert Finstler) mit

einem Maskenbildner bei den Dreharbeiten.

zu finden, wollte ich selbst erfahren, wie

sich Hypnose anfühlt. Meine Skepsis

schlug schnell um. Die Wirkung war

enorm, ich war völlig willenlos. Diese Erfahrung

fand ich erschreckend und brach

das Experiment ab. Aber es war wichtig zu

wissen, welch mächtiges Instrument

Freud da in seinen Händen hatte.

Ihre Serie hat ja bisweilen gleichfalls

einen hypnotischen Sog...

Wir haben versucht, eine intensive Serie

zu machen, die ans Eingemachte geht.

Und die einen dort berührt, wo eine Serie

einen zuvor noch nicht berührt hat. Deswegen

sind die Reaktionen auch sehr konträr.

Zum einen gibt es grosses Lob, zum

anderen reagieren manche Zuschauer aggressiv

auf «Freud», weil einige brutale

Szenen sie erschüttert haben.

«Ich wollte auch

eine Liebe zwischen

zwei Soldaten zeigen»

Und wie erschüttert war Netflix vom

Drehbuch? Freigegeben ist die Serie ab

16 Jahren!

Netflix ist da cool und mutig. Solche gewagten

Stoffe werden als passend für die

Zielgruppe gesehen. Beim ORF war man

etwas besorgter, aber sagte: Das muss ein

öffentlich-rechtlicher Sender auch können.

Man hat mir viel Freiheit gelassen.

«Freud» war wie eine Carte blanche, weil

mein Krimi «4 Blocks» so erfolgreich war.

Was halten Sie vom Vergleich mit

«Babylon Berlin»?

«Babylon Wien» ist häufig zu hören, das ist

naheliegend. Ich wollte eine Serie machen

Bild Jan Hromadko

Bild Jan Hromadko

über jene Zeit, in der die grossen Denker

und Künstler Wiens gross geworden sind.

Es war die Dämmerung der Donau-Monarchie.

Eine junge Generation musste mit

pervertierten Moralvorstellungen aufwachsen.

Wobei der Keim von Demokratie

und Freiheit bereits vorhanden war. Aber

was da so spriessen wollte, wurde unterdrückt.

Ein perfekter Nährboden für

Symptome wie Hysterie oder Neurosen.

Zu den pervertierten Moralvorstellungen

zählt auch das Verstecken der Homosexualität,

das Sie kurz darstellen.

«FREUD»-REGISSEUR

MARVIN KREN

Mit dem Horrorfilm «Rammbock»

gab der Österreicher Marvin Kren,

40, vor zehn Jahren sein Langfilm-

Debüt. Sein zweites Gruselstück,

«Blutgletscher», bekam drei österreichische

Filmpreise und lief auf

dem Max Ophüls Festival. Nach

einigen «Tatort»-Folgen, brachte

der Clan-Krimi «4 Blocks» vor drei

Jahren den grossen Durchbruch.

Mit der achtteiligen Serie «Freud»

präsentiert Kren nun einen Thriller

um den jungen Nervenarzt, der einer

Mordserie in Wien auf die Spur kommen

will. Eine Szene mit nackten

Herren bei einem Ritual musste unterbrochen

werden, weil einer der

Statisten etwas zu erregt war, verriet

Regisseur Kren dem DISPLAY-

Mitarbeiter Dieter Osswald.

Am Dreh: Markus Nestroy, Regisseur Marvin Kren und Robert Finster als Sigmund Freud.

Ich wollte eine Liebe zwischen zwei Soldaten

zeigen, die ihre Zuneigung und Leidenschaft

im starren Korsett der K und K-

Armee niemals ausleben können. Darin

steckt eine unglaubliche Tragik, die mir

sehr wichtig war zu erzählen.

Was hat es mit den nackten Männern

auf sich, die sich mit Blut beschmieren?

Ich wollte schon immer ein okkultes Ritual

verfilmen und kann mir gut vorstellen,

dass man dabei nackig ist. Ein lustiges

Detail war, dass ich im Nachhinein erst

erfahren habe, dass einige der Komparsen

Pornodarsteller waren. Einen von ihnen

«Einen Statisten hat die

Szene besonders angeturnt,

so dass man es

auch an anderen Körperteilen

sehen konnte»

hat die heisse Szene offenbar derart angeturnt,

dass man es auch an anderen Körperteilen

überdeutlich sehen konnte. Da

mussten wir dann pausieren, um alles etwas

zu beruhigen. (Lacht)

Manche sehen Ihren Freud als eine Art

Superheld. Sehen Sie das ähnlich?

Von weitem könnte man unsere Show als

coolen Comic beschreiben. Insofern wäre

der Antiheld ein moderner Superheld.

Tatsächlich ist das jedoch nicht der Fall.

Unser Freud ist zu menschlich, als dass er

ein Superheld sein könnte.

Wenn einem beim gejagten Kaiser

im nächtlichen Labyrinth «Shining»

einfällt, ist das kaum Zufall?

Auf der Suche nach dem geeigneten Showdown

von Vater und Sohn, entdeckten wir

beim Blick aus dem Schloss diesen Irrgarten.

Welches bessere Motiv könnte es geben?

Das Labyrinth ist die perfekte Metapher

für das Unbewusste!

In all Ihren Filmen tritt mit Brigitte Kren

Ihre Mutter auf, diesmal als Haushälterin

Leonore. Was würde Freud dazu sagen?

Vermutlich würde er Ödipus-Komplex sagen!

(Lacht) Meine Mutter und ich haben

eine starke Bindung miteinander. Es ist

auch ein Dankeschön dafür, dass sie mir

diesen Beruf näher gebracht hat. ||

50 | DISPLAY | MAI


SOUND

Kreativer Clan

in der Ostschweiz:

Severin, DAIF

und Jessica Jurassica

(von links).

Rapper DAIF ist ein Bad Boy. Seinen

Drogenkonsum hat er nie verheimlicht.

Doch jetzt überrascht der 28-Jährige

mit Lovesongs, und er tritt gegen die

Homophobie in der Hip-Hop-Szene an.

Text und Bilder Stefan Böker

FRAUENFELD IST GAR NICHT SO

SCHEISSE | Auf dem Perron rempelt

mich ein Typ mit Halstattoo an,

das altehrwürdige Schloss schaut missbilligend

auf uns herab und der Weg zu

DAIFs Proberaum führt über kleine

Brückchen und die rauschende Murg zu

einem Lokal, in dem wegen Covid-19 so

gut wie nichts los ist, genau wie auf dem

Bahnhofvorplatz. Die Frauenfelder*innen

sind halt solidarisch – kein Wunder, wenn

der Stadtpräsident in seiner Krisenansprache

kluge Sachen sagt wie: «Die Situation

ist vor allem für die schwierig, deren Einkommen

ganz wegfällt. Darum ist es wichtig,

dass wir einander Sorge tragen und

uns gegenseitig unter die Arme greifen.»

«Chum mr vögled eusi

Ängst weg»

DAIF-Song «Bitte Baby»

Im Keller verhallt diese tröstliche Message

nicht ungehört. Wer von Musik, Kunst

oder Literatur lebt, hat es im Moment

schwer. DAIF hängt seine Hoffnung an das

neue Release: Der Frauenfelder trägt einen

Stapel rosa Grusskarten unter dem Arm, so

sieht die EP «Bitte Baby» aus. Per QR-Code

geht's zur Musik, und wer bestellt, bekommt

eine Widmung samt Passwort hineingeschrieben.

Weil es passt – ein Song heisst

«Liebe in den Zeiten der Medienkrise» – ist

auch ein Foto von Jessica Jurassicas Tamedia-

Tattoo mit drauf. Das Logo hat sich die Ex-

Bloggerin stechen lassen, nachdem sie,

gleich nach ihrem ersten Beitrag, für den

darin enthaltenen Diss gegen Tamedia-Präsident

Pietro Supino gefeuert wurde.

VOLL GEIL | Im Proberaum streift sie die

Hose nach unten und zeigt das Original

auf ihrem Oberschenkel. «Wow, du hast

das ja echt gemacht. Lovely!», meint Severin

anerkennend, Bandkollege und alter

Freund von DAIF. Er ist hier gestrandet,

um an neuen Aufnahmen zu basteln.

Vier Shows bei Screenings des neuen

Dokumentarfilms «Dieter Meiers Rinderfarm»

sind ihm und Jessica geplatzt. Dazu

kommen jede Menge Auftritte. «Wir müssen

jetzt mit unseren Einkommensmöglichkeiten

jonglieren», erklärt DAIF seinen

Plan: eine Kollaboration mit Jessica

Jurassica. Sich drei Wochen auf eine Hof-

WG in einem Thurgauer Dorf zurück-

Rhymes gegen Homophobie

DAIF hat eine EP ausschliesslich

mit Liebesliedern veröffentlicht.

Auf «Bitte, Baby» singt er über

Liebe zu Männern und Frauen und

thematisiert Beziehungen ebenso

progressiv wie in früheren Tracks

seinen Drogenkonsum.

In der heteronormativen Schweizer

Hip-Hop-Szene macht ihn das

zum Aussenseiter – was ihm angesichts

seines Punk-Backgrounds

egaler nicht sein könnte.

Denn mit homophoben Rappern

will er sich nicht gemein machen.

Infos: daifdaifdaif.ai

Sextoys, Prosecco

und Vaporizer

Jessica Jurassica und DAIF werden

gesponsert von Untamed.

Love, dem ersten queerfeministischen

Sexshop der Schweiz, und

von Rich Secco. Für den Dokumentarfilm

«Dieter Meiers Rinderfarm»

gab es Unterstützung

von Storz&Bickel Vaporizers.

DISPLAY | MAI | 53


SOUND

Do-it-Yourself-Musiker mit Punk-Wurzeln:

Queer-Rapper DAIF.

ziehen und kreativ sein. «Wir machen ein

Trance-Album und üben ein noisiges Liveprogramm

ein. Das wollten wir sowieso.

Nun ziehen wir es eben vor.»

David Nägeli, so sein richtiger Name,

ist seit Jahren Teil der kleinen Frauenfelder

DIY-Szene. Er ist hier aufgewachsen, mit

Severin spielt er seit der Pubertät in Bands.

«Meine Oma liest meine

Tweets, you know»

Den Proberaum haben sie seit mehr als

zehn Jahren. «Je nach Phase verbringe ich

die Hälfte meiner wachen Zeit hier unten»,

sagt er. Das Kulturlokal KAFF, das Festival

Out in the Green Garden, das Label AuGeil

Records und etliche Bands sind über die

Stadtgrenzen hinaus bekannt. «Aber eigentlich

ist es egal, wo du wohnst, wir sind

ja eh ständig im Internet oder fahren rum».

CLOUDRAP | Das macht er jetzt als DAIF

seit zwei Jahren. Severin meint, das hätten

viele Freunde anfangs nicht verstanden.

Was heisst anfangs, sogar bis heute haben

sich viele darüber lustig gemacht. «Er ist

trotzdem eine Inspirationsfigur geworden.

Er hat's durchgezogen, hat einen hohen

Output, und ich feiere ihn gerade deswegen»,

sagt Severin.

DAIF gesteht, er fühle sich wohl in

Frauenfeld und dass er in der Gitarrenszene

zuhause sei. «Indie, Rock, Metal,

Garage, das ist alles ein Kuchen. Und

Hip-Hop, obwohl mega huge, spielt sich

getrennt davon ab. In der Hip-Hop-Szene

bekomme ich spärliche Aufmerksamkeit,

wie jetzt mit dem neuen Video beim Magazin

Lyrics, dafür von den Leser*innen

eher Hate.»

Der schmächtige Typ mit rotem Fünf-

Tage-Bart, Trainingsanzug und lackierten

Fingernägeln sitzt mit übergeschlagenen

Beinen da, kratzt sich verlegen an der

Backe und grinst. «Aber die Inhalte crashen

halt schon hart.» Er rollt einen Joint.

Homophobie im Schweizer

Hip-Hop

Valentin Oberholzer schreibt im Hip-

Hop-Magazin «Lyrics», dass Homophobie

im Schweizer Hip-Hop salonfähig

sei. «Wer schwul ist, hat im Rap

keinen Platz. Der Mann ist der Starke.

Frauen gehören halbnackt in den Videohintergrund

oder singend in die

Hook», so die Einschätzung des Redakteurs.

Im Ausland erfreue sich Queer-Rap

dafür grosser Beliebtheit, mit Inhalten,

die Rap-Fans eigentlich ansprechen

müssten: die eigenen Struggles. «Sich

ein Leben lang verstecken, Angst vor

dem Outing und den darauffolgenden

Reaktionen, Selbstzweifel, Hass aus

verschiedensten Ecken, nicht sich

selbst sein können» – all das würden

die Rapperinnen und Rapper ansprechen

und so bei einem Publikum, das

von traditionellem Rap nicht beachtet

wird, Gehör finden. «Sie provozieren,

lassen Frust raus, fordern etablierte

Rollenbilder heraus, geben Schwächeren

eine Stimme, kämpfen für Akzeptanz»,

schreibt Oberholzer.

Genau das seien doch die Urgedanken,

aus denen Hip-Hop entstanden

ist. «Ersetze 'schwul' mit 'schwarz'

oder 'arm' und wir sind wieder auf Feld

eins im Rap-Game.»

In der Schweiz sei das Genre noch

nicht angekommen, obwohl Künstler

wie Dawill, Cobee, DAIF oder Babylon

Music etablierte Rollenbilder und Hypermaskulinität

in Frage stellen, ihre

Fingernägel lackieren oder Röcke anziehen.

«In dieser Weise ist Queer-

Rap», sagt Oberholzer, «purer Hip-

Hop, der realer nicht sein könnte».

VOM DROGEN- ZUM LIEBESRAPPER |

«Keti hilft gege Depressione» hat er früher

gesungen und verlangt: «Gib mir Molly &

Speed», genuschelte Texte über das Dagegensein

und Nichtdazugehören, «chum

nöd klar mit de Liebi, chum nöd klar mit

em Tod, chum nöd klar mitm Suufe, chum

nöd klar mitm Job», seine Lyrics handelten

von Filmriss, Drogenziehen auf dem WC,

Ladendiebstahl und Notaufnahme. Aidsboy84

war anfangs sein Producername,

nach einer Person aus einer Szene, in der

die Ansteckung mit sexuellen Krankheiten

ein Fetish war. «I bi dope, i bi holy, I'll

die young». Im Grunde der kaputteste

Rapper der Schweiz.

«Chasch irgendöppis sege

und mi afach nu hebe»

DAIF-Rap «Nu Hebe»

DAS KLASSISCHE VENTIL | Wie hat

das sein Umfeld aufgenommen? «Natürlich

machen die sich Sorgen. Wichtig ist,

darüber zu reden, eine Sprache zu finden

für den Rausch. Ausserdem ist es Pop, es

ist Abstraktion, ich bin ja nicht immer

high und verzweifelt, aber wenn, dann

schreibe ich darüber. Diese Zeilen live zu

singen, hat mich von der emotionalen Last

befreit und mir bei meinen Drogenproblemen

geholfen. Aber das musste ich meiner

Familie erst mal begreiflich machen. Meine

Oma liest meine Tweets, you know?»

Drogen sind ein Tabu. «Und ich finde es

gut, dass meine Familie und ich es geschafft

haben, darüber zu reden.»

«Viele Liebeslieder

gefallen mir sehr gut,

aber inhaltlich sind sie

dann doch heteronormativer

Scheiss»

Die neue EP enthält nur Ficksongs und

Lieder über Liebe – ohne einen einzigen

Satz, der von Besitz spricht, ohne eine einzige

Zeile, die Exklusivität fordert, und

ohne ein einziges Wort, das auf das Geschlecht

der geliebten Person hinweist.

«Ich habe viele Liebeslieder gehört, mir

gefallen auch viele sehr gut, aber inhaltlich

sind sie dann doch meist eher dumm,

so heteronormativer Scheiss eben. Ich

habe mir Mühe gegeben, das anders zu

machen», sagt DAIF.

DAIF ist polytoxikoman: «Wichtig ist es, eine

Sprache zu finden für den Rausch.»

«Ich kann mit

homophoben Menschen

nicht reden»

WARUM BUMSEN UND LIEBE? | «Weil

romantische Liebesbeziehungen die Basis

für Gleichstellung sind, die Basis, um das

Patriarchat oder dumme traditionelle

Muster zu überwinden», ist sich der

28-Jährige sicher. «Ohne Emanzipation in

der Liebe, in Beziehungen und in der Sexualität

ist es nicht möglich, andere Gesellschaftsebenen

zu emanzipieren. Wer

in einer Beziehung übergriffig ist, macho,

possessiv, der kann auch an anderen Orten

nicht fair sein.»

Privat versucht DAIF als bisexueller

Mann seit anderthalb Jahren eine offene

Beziehung mit einer Frau zu leben, schläft

also auch mit Männern. «Auch ich bin

überfordert von weiteren Verliebtheitsgefühlen

in einer Beziehung. Und dann ist

da immer die Angst, den Partner zu verletzen.

Aber dann sprechen wir darüber

und dann geht es. Egal ob bei Drogen oder

bei der Liebe: Wir müssen eine Sprache

dafür entwickeln.»

Obwohl sich musikalisch Gemeinsamkeiten

auftun zu weiteren Schweizer

Künstlern, etwa Babylon Music (deren

Zusammenarbeit mit Red Bull DAIF allerdings

kritisiert), zu den Berner Yangboy$

(«aktuell mein Favorit») oder Cobee,

bleibt der Frauenfelder Aussenseiter. «Im

Schweizer Hip-Hop hat es einfach nur

Heterodudes», mokiert sich Jessica, und

erzählt vom Freestyle-Battle im Dachstock

der Reitschule, bei dem es nur

schwerlich gelang, Rapper von sexistischen

und homophoben Lines abzubringen.

«Am Ende landen dann alle bei

Schwanzwitzen, das ist fast schon süss.»

«Zwei Punks gege

d Schwiiz vögled eus so

wiit weg bis mr drü Täg

Jetlag hei»

«Sharif Don't Like It»

Severin spielt neueste Solo-Aufnahmen

von ihm vor, alles sehr wavig und

roh, am Ende läuft ein Cover von «Bite It

You Scum». Auch voll geil.

«Ich kann mit homophoben Menschen

nicht reden», stellt DAIF klar. «Da werd

ich hässig.» Darum kann er sich auch

nicht mit der Hip-Hop-Szene identifizieren.

Die Hoffnung besteht, dass sich dort

irgendwann etwas ändert. «Vielleicht

kann ich sogar dazu beitragen», sagt er.

«Aber mein Impact ist nicht so gross. Die

Hip-Hop-Szene ist viel zu festgefressen

und Queer-Rap findet fast nicht statt.»

DER GEMEINSAME NENNER | Da sitzen

wir, hören Musik des Shock-Rockers

GG Allin, und alle stimmen zu, wenn Severin

sagt: «Zu Punk gibt es mehr Bindeglieder,

bei uns allen. Weil es diesen DIY-

Spirit hat, weil wir alles selbst machen.

Der politische Anspruch ist das Band, da

sind wir beheimatet, und daraus erwächst

der Respekt, egal ob es jetzt Metal ist,

Stoner Rock, Trap oder Literatur.» ||

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REISEN

INSELJUWEL

LA RÉUNION

Ein junger Wanderer

blickt auf Marla im

Mafata-Tal. Dorthin

führt keine Strasse.

Das Herz von

La Réunion kannst

du nur wandernd

entdecken.

Die Abenteuerinsel im indischen Ozean.

Die Mitbringsel aus La Réunion lindern unser Fernweh:

Der Rhum Arrangé, die berühmte Bourbon-Vanille

und wohlriechende Parfumessenzen ersetzen uns die reale

Reise. Ihr Duft weckt unsere Erinnerungen an die

Trauminsel im indischen Ozean, die ideal ist für Entdecker,

Sportbegeisterte und Strandliebhaber.

Text Balthazar Schwager

Bilder Raphael Hadad

Der grosse Vorteil von La Réunion

liegt darin, dass die Insel ein

französisches «Département

d'Outre-Mer» ist, die gesetzliche Situation

entspricht der in Frankreich.

TOLERANZ UND RESPEKT I Im Gegensatz

zu anderen Reisezielen in dieser Region,

wie den Komoren und Madagaskar,

gibt es auf der Insel kaum Diskrimierung

von Homosexuellen. Die Einwohner beweisen

Toleranz gegenüber der Community.

Aber anders als klassische schwule

Party-Reiseziele verspricht die Insel einen

ruhigen Zufluchtsort.

Ohne etwas von ihrer Kultur, Sprache

oder Religion aufzugeben, leben hier die

Nachfahren von Indern, Afrikanern, Europäern

und Chinesen tolerant und in gegenseitigem

Respekt miteinander. Es entstehen

immer mehr auch gemischte Paare

zwischen einheimischen Kreolen und

Franzosen vom Kontinent. Auf der Insel

wird Gastfreundschaft gleich dreifach zelebriert:

in der Weise der Kreolen, in der

Tradition der Franzosen und auch in der

feinen englischen Art.

TROPISCHE VEGETATION I Es gibt hier

viel Abwechslung auf engem Raum. Wasserfälle,

Schluchten, herrliche Strände

und moderne Städte sind alle innert kurzer

Zeit erreichbar. So kann die ganze Insel

von einem Ort aus erkundet werden.

Wandernd entdecken wir die tropische

Vulkaninsel. Uns fasziniert der Kontrast

zwischen der üppigen tropischen Vegetation

und den zu bizarren Formen erstarrten

Lavamassen beim 2632 Meter hohen Piton

de la Fournaise.

Dieser Vulkan ist der Star des Eilands.

Er brodelt unverwandt, und im Schnitt

kommt es alle neun Monate zu einem Ausbruch,

was ihn zu einem der aktivsten

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REISEN

REISEN

Vulkane der Welt macht. Dennoch ist er nicht

gefährlich und stellt für die Besucher eine Attraktion

dar. Sie wollen sich das Spektakel

«volcan la pété», «der Vulkan furzt», nicht engehen

lassen.

Der vor Hunderttausenden von Jahren

entstandene Berg gehört seit 2010 zum Weltnaturerbe

der Unesco. Er teilt sich diese Ehre

mit einem anderen Vulkan auf La Réunion,

dem Piton des Neiges, sowie mit einigen Talbecken

und natürlichen Schutzwällen der Insel,

die alle dem Nationalpark Parc National

de La Réunion angehören.

Die drei Talkessel rund um den Piton des

Neiges sind wie ein Kleeblatt angeordnet – jeder

hat seinen ganz eigenen Charakter.

Bild Jürgen Pfeiffer

TOLERANZ UND RESPEKT I Der Talkessel

Mafate ist nur zu Fuss zu erreichen – hier findest

du wildromantische Wandermöglichkeiten

mit Übernachtungsmöglichkeiten in Gites

fernab der Zivilisation.

Vom Talkessel Salazie mit seiner üppigen

Vegetation und hohen Felswänden kannst du

einen der schönsten Wasserfälle der Insel, den

Voile de la Mariée, bewundern. Und vom Talkessel

Cilaos, in dem du dich im Mineralwasser

erholen kannst, kannst du den Aufstieg

zum 3071 Meter hohen Piton des Neiges, dem

«Dach des Indischen Ozeans», beschreiten.

Nach dem Aufstieg geht's runter an die

Küsten. Da überwältigt uns das betörende

Blau des unendlichen Meeres. Wir freuen uns

auf die magische Begegnung mit Walen und

Delfinen und die herrliche Flora und Fauna

unter Wasser.

Infos: insel-la-reunion.com

2

1

1 | La Réunion

bietet lange Strände

mit schwarzem oder

weissem Sand und eine

vor Haien geschützte

Lagune.

2 | Das Wasser des

Rivière Langevin stürzt

im Wasserfall

Cascade Grand-Galet in

ein natürliches Bassin.

Die atemberaubende

Szenerie kannst du von

einer Aussichtsplattform

aus beobachten.

3 | Der traumhafte

Pfad entlang der

Canalisation des

Orangers ist einer der

Lieblingswege von

Wanderern, um Mafate

zu erreichen.

4 | Abenteuer,

Anstrengung, Aussicht,

Gänsehaut – die Wanderung

zum Krater des

aktiven Vulkans Piton

de la Fournaise ist ein

Highlight.

5 | Gespenstisch ist die

Mondlandschaft

La Plaine des Sables.

Diese Sandwüste muss

man durchqueren, um

zum Gipfel des Piton

de la Fournaise

zu gelangen.

3

GRANDE ANSE | PALM HOTEL & SPA

Das Hotel befindet sich oberhalb einer

Klippe und bietet eine schöne Aussicht

über die Küste mit Badestrand. Der

ideale Ausgangspunkt für die Wanderung

auf den Vulkan Piton de la Fournaise.

SAINT-PHILIPPE | ESCALE BLEUE

In Saint-Philippe kannst du die Geschichte

der Vanillepflanze kennenlernen, eine

Plantage besuchen und die begehrten

Pflanzen in natura bewundern, zum

Beispiel im «Atelier Vanille Escale Bleue».

4 5

Bezaubernde Orte auf La Réunion

SAINTE-ANNE | DIANA DEA LODGE

Diese aussergewöhnliche Lodge liegt in

einem Naturreservat und legt viel Wert

auf Nachhaltigkeit. Der offene Baustil

ermöglicht einen unvergleichlich schönen

Ausblick auf den indischen Ozean.

LA SALINE-LES-BAINS | L'Orangine

Das Gourmetrestaurant gehört zum Hotel

Lux Saint Gilles. Das Lokal im kreolischen

Stil bietet neben einer Terrasse mit Blick

auf den exotischen Garten eine Einführung

in die kreolische Küche.

CIRQUE DE MAFATE | HIKING

Authentische, abgelegene Dörfer, nur mit

Solarenergie versorgt, entdeckt der

Trekker, der sich darauf einlässt, den

weiten Weg zu beschreiten. Aber es lohnt

sich auf jeden Fall! Die Trümpfe der

Gegend: eine beeindruckende Natur, Ruhe,

Authentizität und gemütliche Gites.

NACH DEM LOCKDOWN:

FLUG AB ZÜRICH MIT SWISS

NACH JOHANNESBURG UND

DANN NACH ST. DENIS MIT

AIR AUSTRAL

ODER MIT EDELWEISS NACH

MAURITIUS UND DANN NACH

ST. DENIS MIT AIR AUSTRAL

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CD, DVD, BUCH

DVD-TIPP

ZUM WIEDERSEHEN:

EINE REIFE LIEBE IN NEW YORK

In den Zeiten von Physical Distancing empfehlen

wir dir ein Wiedersehen mit dem herzerwärmenden

Film «Liebe geht seltsame Wege»:

Der Musiklehrer George und der Maler Ben sind

seit bald 40 Jahren ein Paar. Endlich dürfen sie

heiraten, und sie tun es auch. Doch Georges

Arbeitgeber, einer katholischen Schule, passt

die nun offizielle schwule Beziehung der beiden

nicht. Sie schmeissen George raus.

Nun müssen sich die beiden getrennte Unterkünfte

suchen, bis sie in New York eine billige,

für sie bezahlbare Wohnung gefunden haben.

George landet bei einem Dauerparty feiernden

Polizisten-Paar, während Ben einer befreundeten

Familie auf den Keks geht...

• «Love is Strange» erzählt eine berührende

lebenslange Lovestory in hellen, weichen Farben.

Hervorragend die renommierten Charakterdarsteller

Alfred Molina und John Lithgow,

die das harmonische Paar überzeugend verkörpern.

Liebe geht seltsame Wege (Love is Strange).

Liebesfilm von Ira Sachs. USA 2014.

Sony Pictures Home Entertainment.

CD-TIPP

MARK ED:

AMBITIONIERT

Mark Ed ist in den Songs seines Albums

«Hier und Jetzt» mal verliebt wie in seinem

französischen Lied «Tu m’as promis» und

mal empört wie in seinem Song «Marschieren»,

in dem er gegen Ausgrenzung und

Hass protestiert. Der deutsche Wahlzürcher

besingt nicht nur die enttäuschte

Liebe, wie in seinem Titel «Hurts so Good»,

sondern auch das Sich-Ausklinken aus der

hektischen digitalen Welt. Er fordert dazu

auf, das «Hier und Jetzt» zu geniessen.

Was passt besser zur heutigen Zeit?

markedmusic.net: Hier und Jetzt.

BUCH-TIPP

100 JAHRE

KULTSCHUH

Für viele von uns ist die Sneaker-Kollektion

ein Heiligtum. Und ein Name leuchtet besonders

hell am Sportschuh-Himmel: ADIDAS.

Der Schuh, den Stars wie Madonna, Run DMC

oder Lionel Messi tragen.

Jetzt ist bei Taschen ein Megabuch zur

100-jährigen Geschichte des Brands erschienen.

Das fünf Kilo schwere Teil zeigt auf

mehr als 600 Seiten die Entwicklung vom

einfachen Leder-Laufschuh zum Hightech-

Treter. Abgebildet werden auch einzigartige

MEGABUCH ZU GEWINNEN

DISPLAY

VERLOST

DIE ADIDAS-

BIBEL!

Und so machst du bei der

Verlosung mit: Geh auf die

DISPLAY-Website, füll in der

Rubrik Benefit den

Talon aus und schreib

kurz, warum gerade

du alles über Adidas-

Sneaker wissen willst.

CD, DVD, BUCH

Originale aus dem Adidas-Archiv, mit denen

berühmte Athleten Erfolge feierten, sowie

Modelle von namhaften Designern wie Stella

McCartney und Yohji Yamamoto.

• Neben den Kulttretern der Eighties finden

sich in dem Monumentalwerk sogar Curlingschuhe

– sowie, ja klar, die Adiletten...

Christian Habermeier, Sebastian Jäger: The

ADIDAS Archive. The Footwear Collection.

Hardcover, 5,08 Kilo, 644 Seiten, 100 Euro.

taschen.com

BUCH-TIPP

STERBEWUNSCH

ALS COMING-OUT

Der Vater, zeitlebens ein Sportler, der seinen

Körper als Maschine und Labor verstand,

verliert die Fähigkeit zu gehen – die Folge

einer Nervenkrankheit. Da wagt er ein Coming-out:

Der Vater äussert seinen Wunsch,

mit der Hilfe von Exit sein Leben zu beenden,

bevor er unbeweglich und hilflos wird – sein

Sohn Boris widerspricht ihm nicht.

Aus dem Zwiegespräch mit seinem Vater

entwickelt Boris Nikitin eine allgemeine Betrachtung

über das Sterben und knüpft an

sein eigenes Coming-out vor 20 Jahren an.

• Der Basler Autor

und Regisseur Boris

Nikitin hat eine kluge,

kleine Betrach-

über die todbringende ALS-Erkrankung seines

In «Versuch über das Sterben» vereint Boris

Nikitin zwei aktuelle Themen auf erstaunliche

Weise. Der Basler Autor und Regisseur schreibt

Vaters und verbindet dieses berührende Zwiegespräch

mit radikalen Gedanken darüber, was

es bedeutet, ein Coming-out zu vollziehen.

tung über den Tod und die Bedeutung von

«Sehr fein, sehr differenziert und überlegt.»

(Andreas Klaeui, Schweizer Rundfunk)

Coming-outs geschrieben.

«Dieses Anti-Theater hat genau das, was vielen

Produktionen fehlt: Dringlichkeit und Mut.»

(Mathias Balzer, bz)

Wer etwas Unausgesprochenes bekanntgibt,

sei es nun in Sachen Sexualität, Glaube, Todeswunsch

oder politischer Überzeugung,

wagt ein Coming-out, so sein Statement.

Boris Nikitin: Versuch über das Sterben.

Edition Frida. editionfrida.ch

NEUER

SCHWEIZER

VERLAG

CD-TIPP

LAUV: GSPÜRIG

In seinem neuen Album «How I’m Feeling»

singt Lauv, wie’s der Titel sagt, über seine

Gefühle. Und das tut der 26-Jährige hervorragend.

Die Feelings des Amis mit lettischen

Wurzeln waren bereits ein grosses

Thema, als unser Liebling Troye Sivan ihn

als seinen «neuen Freund» bezeichnete.

Doch das bezog sich wohl eher auf den

Song «I’m so tired», den die beiden gemeinsam

singen, als auf ein Beziehungs-Techtelmechtel.

Segs wie’s well: Lauv hat keine

Lust, Fragen nach seiner Sexualität zu

beantworten. Und das ist ja auch voll ok.

Es kann ja nicht jeder Cutie schwul sein.

LAUV: How I’m Feeling.

Mit Troye Sivan und anderen. Awal.

BUCH-TIPP

EIN SELBSTLOSER RETTER UND HELFER

Emil Oprecht, man muss es so sagen, war ein

Held. Mutig trat er den Dikatoren Europas, den

deutschen Nazis und ihren Schweizer Anhängern

entgegen und half den von ihnen Verfolgten

– bedingungslos.

Der schwule, sozial engagierte Freigeist gewährte

mit seiner Frau Emmie verfolgten

Künstlern, Intellektuellen, Autoren und

Schauspielern Hilfe und Unterkunft bei sich zu

Hause und besorgte ihnen Visa und Pässe.

Emil Oprecht gründete Verlage und eröffnete

Buchhandlungen, in denen er die Literatur verbreitete,

welche die Nazis auf Scheiterhaufen

verbrannt hatten. Zu den mehr als 100 ExilautorInnen

gehörten Else Lasker-Schüler,

Heinrich und Golo Mann oder Max Horkheimer.

Mit der Gründung der Neuen Schauspiel AG

wurde Oprecht zum Retter der Pfauen-Bühne,

auf der in der Folge viele grossartige, von den

Nazis verfolgte Künstler auftreten konnten.

Der ehemalige sozialistische Jungbursche

und Wandervogel führte mit seiner Frau

Emmie eine harmonische «Kameradschafts-

Ehe». Die beiden waren ein Powerpaar, obwohl

oder vielleicht gerade weil sie zwar ihr Leben,

aber nicht das Bett teilten.

Emil Oprechts Partner war der «Kreis»-Travestiekünstler

und Architekturstudent Bertie

Wolf, Emmie Oprecht war mit der legendären

Schauspielerin Therese Giehse liiert.

Der Autor Christoph

Derungs hebt

hervor, dass gerade

die bürgerliche

Ehe die Garantie

geboten habe, dass

die beiden ihr homosexuelles Leben in jener

Zeit der Ächtung und des Tabus leben konnten.

• Eine detailreiche, höchst interessante Arbeit

über einen der wichtigsten Vertreter unserer

Community und seinen couragierten Kampf

für die Humanität in Zeiten des Hasses.

Christoph Emanuel Dejung: Emil Oprecht,

Verleger der Exilautoren. Biographie.

Verlag rüffer & rub.

60 | DISPLAY | MAI

DISPLAY | MAI | 61


FOTOBUCH

GEWINNE

BOYS!

BOYS!

BOYS!

Bild Lucas Murnaghan

BOYS

IN IHRER GANZEN

VIELFALT

Und so machst du bei

der Verlosung mit:

Gehe auf die DISPLAY-Website,

fülle in der Rubrik «Benefit»

den Talon aus – und schon

bist du dabei.

Boys! Boys! Boys! So heisst ein neuer Fotoband

von teNeues – und der Name erklärt

schon alles. Die Bilder zeigen gleichermassen

übermütig verspielte Jungs wie ruhige

Träumer.

Das Werk vereint zeitgenössische Queerund

Gay-Fotografien, die sich dem Thema

Erotik auf originelle Weise nähern.

Die vielfältigen Bilder voller Kraft und Intensität

beschränken sich nicht nur darauf,

perfekte Körper erotisch abzubilden. Viele

dieser Kunstwerke sind extrem realistisch,

jenseits von Photoshop-Perfektion. Provokant

harte Aufnahmen wechseln sich ab

mit ausgesprochenen Hymnen an die Zerbrechlichkeit

des Mannes – und seine unstillbare

Sehnsucht nach Zärtlichkeit.

Bild AdeY

Bild Stephane Gizard

Boys! Boys! Boys!

Herausgegeben von Ghislain Pascal.

224 Seiten, 130 Farb- und Schwarz-

Weiss-Fotografien.

52 Franken.

Erscheint bei teNeues & MENDO

teneues.com | mendo.nl

Bild Greg Gorman

DISPLAY | MAI | 63


CD, DVD, BUCH

CD, DVD, BUCH

BUCH-TIPP

DAS BUNTE SCHWULE

UNIVERSUM

DVD-TIPP

SEX, DROGEN

UND LEIDENSCHAFT

Zu den Highlights der Kurzfilmsammlung

«Lieb mich! Gay Shorts Volume 7». gehört

das Spiel des französischen Shooting Stars

Félix Maritaud, der in einer struben Story

rund um eine Chemsex-Orgie subtil agiert.

Ohnehin geht es in den Kurzfilmen öfters

um Sex. Ein Junge prostituiert sich in der

Sauna, ein anderer braucht den Wettermann

(nein, es ist nicht Bucheli!) als Wichsvorlage,

und in einem Fall führt der

BUCH-TIPP

NEUE ABENTEUER VON ANDY,

ROBERT UND NILS

Andy und Robert sind bald zehn Jahre

zusammen. Die Beziehung ist unspektakulär

geworden, sie bietet Geborgenheit,

aber keine grosse Leidenschaft

mehr. Andy schämt sich für

sein Bäuchlein, während sein Freund

Robert immer noch topfit ist.

Andys bester Freund Nils will nichts

anbrennen lassen im Single-Leben,

obwohl es auch für ihn, der bald 40

wird, schwierig wird mit dem Aufriss.

Die Altersguillotine ist grausam...

Als Nils dann in der Show des Reality-

Soap-Stars Mathias Stern mitspielt

und ihn sogar in der Wohnung von

Andy und Nils heiraten soll, läuft alles

aus dem Ruder. Denn da ist ja noch ein

Wunsch, den Geliebten zu beeindrucken,

sogar zu einer fatalen Gewalttat.

• Wer sich Kurzfilme anschauen will, muss

damit leben, dass sie oft abrupt enden,

ohne dass man es sich versieht. Liebhaber

konventionell von A bis Z erzählter Geschichten

fühlen sich da schnell einmal im

Stich gelassen. So eine Art Coitus Interruptus

halt.

Lieb mich! Gay Shorts Volume 7. Pro-Fun.

schwuler Scheich

mit einer Vorliebe

für wilde Orgien,

der Andys streng

religiös erzogenen

Cousin verwirrt,

ein bildschöner Bodyguard

und ein

wählerischer Alligator...

• «Fühlt sich an wie Liebe» ist flott geschrieben,

höchst amüsant und gar

nicht doof. Schön, wie die Verlogenheit

der sogenannten Reality Soaps

demaskiert wird. Beste Unterhaltung!

Andreas Bertram: Fühlt sich an wie

Liebe und ist echt kompliziert.

Querverlag.

Auch in seinem neuen

Buch schildert Jan

Ranft die ganze bunte

Welt der Gay Community.

Seine Kurz- und

Kürzestgeschichten

erzählen von Transmenschen

und Klemmschwestern,

von der

Situation der kriminalisierten

175er, von der

Sinnlosigkeit des Krieges, von Romantik, der

Sehnsucht nach Liebe, Coming-out und Einsamkeit,

von Petplay oder von polyamoren Beziehungen...

Seine 69 neuen Geschichten sind

wie das Leben: Manchmal süss und zuweilen

auch ganz schön bitter.

• Jan Ranft schafft es, mit wenigen Worten

spannende, anrührende und oft witzige Geschichten

zu erzählen, die meist in einer schönen

Pointe enden. Ein amüsantes Buch voller

Wärme und Empathie. Sehr empfehlenswert!

Jan Ranft: Zitronenjoghurt mit Buttermilch.

69 böse, komische und wunderbare Geschichten

aus der Schwulenwelt. Tredition.

BUCH-TIPP

KREATIVE

TABUBRECHER

Für den Dichterkönig Thomas

Mann, der seine eigenen

homoerotischen Neigungen

kaschierte, müssen

seine lesbische Tochter Erika

Mann und ihr schwuler Bruder Klaus Mann eine

Provokation gewesen sein. Denn die beiden lebten

ihre Homosexualität im Gegensatz zum gestrengen

Vater offen aus. Zusammen mit Pamela Wedekind,

Mopsa Sternheim und Annemarie Schwarzenbach bildeten

die beiden ein kreatives Team.

• Ein neues Buch beleuchtet die fruchtbare erotisch

aufgeladene Freundschaft der fünf Freunde in den

Zwanziger- und frühen Dreissigerjahren, einer Zeit

massivster Umbrüche in der darstellenden Kunst, in

der Literatur – und leider auch, angesichts des aufkommenden

Nationalismus – in der Politik.

Armin Strohmeyr: Dichterkinder. Liebe, Verrat und

Drama – Der Kreis um Klaus und Erika Mann. Piper.

DVD-TIPP

ZERRISSEN ZWISCHEN

PFLICHT UND GEWISSEN

Sommer 1944, der Krieg ist für die Deutschen

so gut wie verloren. Da wird der junge Wehrmachtssoldat

Walter Proska – hervorragend

dargestellt von Jannis Niewöhner – noch

einberufen. Er landet auf verlorenem Posten

bei einem Häufchen deutscher Soldaten.

Sie wurden von den eigenen Truppen längst

im Stich gelassen. Doch das will der sadistische

Unteroffizier Willi Stehauf nicht wahrhaben.

Seine Befehle bleiben menschenverachtend,

gar tödlich.

Als die Rote Armee anrückt, muss sich Walter

entscheiden, ob er zu den Russen überläuft

oder nicht. Später, als Beamter in der

DDR, entscheidet Walter schliesslich über

Phi ist 12 und singt im

Knabenchor. Als der

Chorleiter in einem

Sommercamp übergriffig

wird, schweigt

er. Denn obwohl Phi eigentlich ein Opfer ist,

schämt er sich. Und er kann nicht verhindern,

dass weitere Jungs missbraucht werden, darunter

auch sein bester Freund. Noch Jahre

später hat Phi das Trauma stets im Kopf.

• Auch wenn du vielleicht schon einige Bücher

über Missbrauch gelesen hast, solltest

das Schicksal der Ex-Nazis, die natürlich allesamt

nur unschuldige Opfer, nicht Täter,

gewesen sein wollen.

• Eindrücklich, wie Shooting Star Jannis Niewöhner,

bekannt aus der Hesse-Verfilmung

«Narziss und Goldmund», den Wandel vom

pflichtversessenen Soldaten zum über Schicksale

entscheidenden Beamten aufzeigt, den bis

zum Schluss das Gewissen quält.

Der Überläufer. Kriegsdrama

von Oscar-Preisträger Florian Gallenberger.

Mit Jannis Niewöhner und Ulrich Tukur.

Nach dem Bestsellerroman

von Siegfried Lenz. Pandastorm.

BUCH-TIPP

MISSBRAUCH IM SOMMERCAMP

du dieses lesen. Denn selten wurde das diffizile

Verhältnis zwischen Tätern und Opfern

subtiler und eindringlicher beschrieben als

in Alexander Chees erschütterndem – und

gleichzeitig schmerzhaft schönem – Coming-of-Age-Roman

«Edinburgh».

Alexander Chee: Edinburgh. Albino.

Viele Titel findest du unter

www.gay-mega-store.ch

CD-TIPP

THE WEEKND:

DARK R’N’B

Manchmal glaubt man Michael Jackson zu

hören, wenn die Stimme von The Weeknd in

höchste Höhen steigt. Auf seinem neuen

Album taucht der 30-Jährige tief in die

Nacht ein – mit dunklen, zuweilen psychedelischen

Klängen.

• Der Supersong «Blinding Lights» gibt einen

Vorgeschmack auf das Album. Zu

Recht stand er viele Wochen an der Spitze

der Schweizer Charts.

The Weeknd: After Hours.

XO und Republic Records.

BUCH-TIPP

LIEBE AUF

DEM

PRÜFSTAND

Der Schweizer Matt

Grey setzt die Liebesgeschichte

der Gymnasiasten

Konstantin

und Jeffrey fort. Die

beiden sind seit einem Jahr ein Paar. Doch

natürlich kann ihr Glück nicht ungetrübt sein.

Der Bruch kommt, als Konstantin für ein halbes

Jahr ein US-College besucht. Der alleingelassene

Jeffrey verknallt sich in Mike, der

ihn trösten will. Doch Mike ist auch nicht das

Gelbe vom Ei... In den USA lernt derweil auch

Koni einen heissen Typen kennen. Ob das wohl

gut weitergeht mit Konstantin und Jeffrey?

Matt Grey: American Boy und sein Prinz –

Auf zu neuen Ufern. Himmelstürmer.

64 | DISPLAY | MAI

DISPLAY | MAI | 65


PSYCHOLOGIE

KEIN SEX

WEGEN CORONA – WAS NUN?

Hallo Tim

Seit fünf Jahren haben wir keinen Sex

mehr miteinander. Wir verstehen uns ansonsten

blendend und leben eine offene

Beziehung. Nun verdursten wir beide

fast, denn Sex mit anderen Typen geht ja

gar nicht mehr. Hast du eine Idee, was

wir tun können?

Kevin (30) und Mark (34)

Hallo Kevin und Mark

Angesichts aller Kranken und Verstorbenen

infolge Corona könnte man eure Sorge

als Luxusproblem abtun. Doch dies wäre

Unfug. Befriedigender Sex ist für viele

ganz essentiell, macht Spass und hält auch

seelisch fit.

EINE LUSTVOLLE MASSAGE | Gebt

eurer Paarsexualität doch die Chance für

ein Revival! Hierzu müsst ihr sie aber in

euch neu entdecken. Dies geht am besten

so, dass ihr sie in eine lustvolle Massage

einbaut, die folgendermassen ablaufen

könnte:

Ihr richtet euch einen Raum schön ein

(angenehmes Licht, vielleicht eine Kerze

oder einen Duft, wohlige Temperatur) und

sorgt dafür, dass ihr für mindestens anderthalb

Stunden nicht gestört werdet

(Handys aus!). Es darf selbstverständlich

auch länger sein.

Nun legt sich A nackt auf den Bauch. B

beginnt A, vom Nacken ausgehend, gefühlvoll

am ganzen Körper zu massieren.

Massageöl ist dabei eine Wohltat. Verändere

den Druck bei der Massage, also mal

weicher, mal härter. Und benütze dazu

mal die Finger, mal die ganze Hand und

auch mal den Unterarm.

A gibt mit Tönen oder auch mit Worten

laufend Rückmeldung an B, wie sich seine

Massage gerade anfühlt. So kann und soll

sich B stets optimal an die Bedürfnisse von

A anpassen.

«Wer massiert

wird, weist seinen

Masseur an, wie er

es machen soll»

Nach etwa einer Viertelstunde wechselt

ihr die Rollen, A massiert nun B. Danach

wechselt ihr wiederum. Nun zweimal

eine Viertelstunde in Rückenlage. Die

Regeln dabei bleiben dieselben: wer massiert

wird, weist seinen Masseur an, wie er

es machen soll.

Bezieht den Penis und den Po mit ein,

wenn ihr mögt. Es darf durchaus erregend

sein. Aber bitte: ohne Stress, eine Erektion

zu bekommen. Keinen Ständer zu kriegen

bedeutet nicht, dass es nicht schön ist.

Dann tauscht miteinander aus, wie ihr

es erlebt habt. Was mochtet ihr besonders

gern und was weniger? Falls ihr mögt,

könnt ihr gerne auch mit Körperlichkeit

oder mit Sex im engeren Sinne weiterfahren.

Was auch immer, wie auch immer.

Aber behaltet unbedingt die Regel bei, einander

wissen zu lassen, worauf ihr Lust

habt und wie genau es euch am meisten

Spass bereitet.

VIELLEICHT GIBT’S JA EIN EROTIK-

REVIVAL? | Vielleicht findet ihr so über

die Massage hinaus auch grundsätzlich

wieder sexuell zueinander. Möglicherweise

aber auch nicht. Dann habt ihr einander

zumindest eine tolle Massage geschenkt.

Und auch diese lässt sich beliebig oft wiederholen.

UND FÜR ALLE SINGLES: Zum Glück

gibt’s auch in Coronazeiten Kopfkino,

Pornos, Cam-Sex und lustvolle Toys. Sich

phantasievoll selber zu befriedigen, kann

auch sehr geil sein…!

Herzlich, Tim

Tim Wiesendanger,

Dr. phil.

Psychotherapeut FSP

und Buchautor.

Praxisgemeinschaft

Oberstrass Zürich.

tim-kurt-wiesendanger.ch

Tim Wiesendanger steht dir für Fragen

gerne zur Verfügung. Sende deine

Fragen mit dem Betreff DISPLAY an:

info@tim-kurt-wiesendanger.ch

Tim beantwortet deine Fragen anonym.

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Uns kannst du alles fragen. drgay.ch

66 | DISPLAY | MAI


frankly.ch

Influence

mal deine

Zukunft.

Mach mehr aus deiner

privaten Vorsorge.

Du hast es in der Hand.

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