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Musik ist unsere Nr. 1<br />

www.gema.de<br />

Das Magazin der GEMA · Ausgabe August 2010<br />

Entscheidend<br />

Mitgliederversammlung<br />

in Berlin mit Vergabe<br />

des Fred-Jay-Preises<br />

Fair und gerecht<br />

Urheber und<br />

Sportler diskutieren<br />

über Fairplay<br />

MGV 2010<br />

Neue Regelungen<br />

zur Verteilung<br />

nach KG-Urteil<br />

Pflichtmitteilungen<br />

Abänderung des<br />

Berechtigungsvertrags<br />

Doro<br />

Pesch


Dr. Harald Heker,<br />

Vorstandsvorsitzender<br />

der GEMA<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

Liebe Leserinnen,<br />

liebe Leser,<br />

d<br />

ie für alle Mitglieder wichtigste GEMA-Veranstaltung des Jahres, die Mitgliederversammlung<br />

vom 28. bis 30. Juni in Berlin, ist natürlich eines der Schwerpunktthemen<br />

dieser Ausgabe unseres Mitgliedermagazins virtuos.<br />

Am ersten Tag der Veranstaltung fand im dritten Jahr in Folge – und damit fast schon<br />

traditionellerweise – das Mitgliederfest der GEMA statt. Rund 700 Teilnehmer waren<br />

der Einladung in die Berliner Kulturbrauerei gefolgt und feierten an diesem lauen<br />

Sommerabend eine Premiere: die erstmalige Verleihung des renommierten Fred-<br />

Jay-Preises in diesem Rahmen. Alles Wissenswerte über den Preisträger und das<br />

Fest, das bis in die frühen Morgenstunden dauerte, finden Sie in unserem Bericht<br />

auf Seite 18.<br />

Nach diesem entspannenden Zusammensein standen ab dem kommenden Morgen<br />

wieder die Sachthemen im Vordergrund: Die einzelnen Punkte der umfangreichen<br />

Tagesordnung wurden im Rahmen der Versammlung intensiv diskutiert. Die Ergebnisse<br />

der engagiert geführten Diskussionen haben wir in unserem ausführlichen<br />

Bericht ab Seite 22 für Sie zusammengestellt.<br />

Zudem gab es in den letzten Wochen eine Reihe von für die GEMA-Mitglieder<br />

wichtigen Informationen aus dem politischen Bereich. Auch hierüber berichten<br />

wir wiederum aktuell in dieser Ausgabe.<br />

Ich wünsche Ihnen eine interessante und unterhaltsame Lektüre.<br />

Ihr<br />

Dr. Harald Heker<br />

Editorial<br />

03


26<br />

Ob mit Schlager oder<br />

Filmmusik: Franz<br />

Grothe zieht Musikliebhaber<br />

heute noch<br />

in seinen Bann.<br />

28<br />

Aufbruch in eine neue<br />

Zeit: Die GEMA ist<br />

aktiv im Web 2.0<br />

unterwegs.<br />

28<br />

MoMEnt Mal<br />

16<br />

Drei Tage lang ging es hoch her:<br />

Die GEMA-Mitglieder trafen sich<br />

in Berlin, wo sie diskutierten,<br />

entschieden, ehrten und feierten.<br />

06 DAS FOTO DER AUSGABE:<br />

Ein bisschen Freude – zum 75. Geburtstag von<br />

Robert Jung.<br />

aktuEllEs<br />

08 PURE EUPHORIE:<br />

Unvergessliche Momente der Fußball-WM und<br />

die virtuelle Welt der GEMA.<br />

09 BUnDESvERDIEnSTkREUz vERlIEHEn:<br />

Höchste Ehren für Prof. Dr. Rolf Budde<br />

und Hartmut Westphal.<br />

09 TAG DER MUSIk:<br />

Auftakt zur Kampagne „Ohne Musik keine<br />

Bildung“.<br />

09 zwEI kOMPOnISTEn FüR DIE vIllA MASSIMO:<br />

Die neuen Stipendiaten der Deutschen<br />

Akademie in Rom.<br />

hintErgrund<br />

10 FAIR UnD GEREcHT:<br />

Fairplay in Musik und Sport.<br />

intErn<br />

16 AkTIv MITGESTAlTEn:<br />

Entscheidungen und Ehrungen bei der<br />

Mitgliederversammlung in Berlin.<br />

18 FRED-JAy-PREIS UnD MITGlIEDERFEST:<br />

Erstmals wurde der Fred-Jay-Preis beim<br />

Mitgliederfest verliehen.<br />

24 DIE MEnScHEn BEI DER GEMA:<br />

Unsere Direktion Sendung und Online.<br />

26 „In DER nAcHT IST DER MEnScH nIcHT GERn<br />

AllEInE“:<br />

Die GEMA bei einer Franz-Grothe-Revue.<br />

28 GEMAdialog – MIT DER GEMA<br />

InS nETz GEGAnGEn:<br />

Die GEMA geht mit Social Media und Web 2.0<br />

den Schritt in die Zukunft.<br />

30 EInE UnEnDlIcHE GEScHIcHTE:<br />

Die GEMA Nachrichten von 1950 und 1960.<br />

pflichtMittEilungEn<br />

20 zAHlUnGSPlAn:<br />

Zahlungstermine für das Geschäftsjahr 2009.<br />

20 DIE „ScHäTzUnGSkOMMISSIOn<br />

DER BEARBEITER“:<br />

Eine Übersicht über die wichtige Kommission.<br />

21 AUSScHüTTUnGSDATEn:<br />

A-AR und A-VR 2. Quartal 2010.<br />

22 MITGlIEDERvERSAMMlUnG 2010:<br />

Beschlüsse im Zusammenhang mit<br />

dem Urteil des Kammergerichts Berlin.<br />

23 wERTUnGSMITTEl DRASTIScH<br />

zURückGEGAnGEn<br />

23 änDERUnG DES BEREcHTIGUnGSvERTRAGS<br />

nachwuchs<br />

32 DER ERSTE GROSSE AUFTRITT:<br />

Das GEMA-Nachwuchs-Förderprojekt in NRW<br />

gibt jungen Nachwuchstalenten eine Chance.<br />

33 wIDER DAS MUSIk-MOBBInG:<br />

Komponist Nikolai Badinski über musikalische<br />

Erziehung und Nachwuchsförderung.<br />

politik<br />

04 virtuos Ausgabe August 2010<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

10<br />

Wie fair geht es beim<br />

Sport zu – und wie<br />

gerecht in der<br />

Musik? virtuos<br />

sprach unter<br />

anderem mit<br />

34 3-PUnkTE-wURF? BERlInER REDE zUM AUFTAkT<br />

vOn kORB 3:<br />

Was kommt mit der dritten<br />

Urheberrechtsnovelle?<br />

35 nAcHRIcHTEn AUS BRüSSEl:<br />

Digitale Agenda der EU-Kommission.<br />

VEranstaltungEn<br />

36 c/O POP 2010:<br />

Die Zukunft gehört den Mutigen.<br />

36 BERlIn MUSIc wEEk:<br />

Popkomm, All2gethernow und Berlin Festival.<br />

37 URHEBER ScHüTzEn:<br />

Die DMV-Jahrestagung – die GEMA informiert<br />

über Veränderungen bei Online-Lizenzen.<br />

38 DEUTScHER SATEllIT:<br />

Die Menschen hinter Lenas Erfolg beim<br />

Eurovision Song Contest.<br />

pErsönlich<br />

39 MUSIk, DIE BlEIBT:<br />

Klaus Doldinger erhält den Bayerischen<br />

Fernsehpreis und den ECHO Jazz.<br />

40 HERzlIcHEn GlückwUnScH:<br />

virtuos gratuliert Irma Holder, Peter Ehlebracht,<br />

Jack White und weiteren Geburtstagskindern.<br />

42 „wIE EInST IM MAI“:<br />

Zum Todestag von Walter Kollo.<br />

inhalt<br />

Themen & Töne<br />

Das Deutsche Musikarchiv<br />

zieht nach Leipzig – in einen<br />

ebenso funktionellen wie<br />

spektakulären Anbau an die<br />

Deutsche Nationalbibliothek.<br />

Revolverheld. 46<br />

38<br />

Wochenlang hielt Lena<br />

die Republik auf Trab.<br />

Doch wer steckt hinter<br />

ihrem Erfolg?<br />

trEnds<br />

44 MISSIOn FüR DIE SInnE:<br />

Elektronische Musik fasziniert – mit neuen<br />

Instrumenten.<br />

44 (T)RAUMlAnDScHAFT:<br />

Das Deutsche Musikarchiv zieht nach Leipzig.<br />

rEsonanz<br />

48 lESERBRIEFE<br />

50 MUSIkDETEkTIvE AM wERk:<br />

Das Richard-Strauss-Quellenverzeichnis.<br />

gEMa-wissEn<br />

52 DAS EInMAlEInS DER GEMA:<br />

Die Verteilung, Teil III:<br />

Die Sparten U, M und die Netto-<br />

Einzelverrechnung.<br />

schlussakkord<br />

58 wUSSTEn SIE EIGEnTlIcH, DASS …?:<br />

… es für Sommerhits eine richtige Formel gibt?<br />

58 vORScHAU, IMPRESSUM, BIlDnAcHwEIS<br />

44<br />

Klavier, Geige, Gitarre<br />

waren gestern. virtuos<br />

stellt die neuesten<br />

Trends bei Musikinstrumenten<br />

vor.<br />

05


06 virtuos Ausgabe August 2010<br />

MoMEnt Mal<br />

Das Foto der Ausgabe<br />

Ein bisschEn<br />

frEudE<br />

zuM<br />

75. gEburtstag<br />

Von robErt Jung<br />

Moment mal, diesen<br />

fassungslosen Blick kennen<br />

wir doch? Am 12. März 2010<br />

konnte Lena Meyer-Landrut<br />

nach dem Finale von<br />

„Unser Star für Oslo“ kaum<br />

glauben, dass sie Deutschland<br />

beim Eurovision Song<br />

Contest vertreten wird.<br />

28 Jahre früher, am 20. März<br />

1982, war auch Nicole mehr<br />

als gerührt, weil sie nach<br />

Harrogate fahren durfte.<br />

Produzent Robert Jung<br />

schloss die 17-Jährige<br />

herzlich in die Arme,<br />

Textdichter Bernd<br />

Meinunger (l.) und<br />

Komponist Ralph Siegel<br />

nahmen Moderatorin<br />

Carolin Reiber nach dem<br />

gewonnenen Vorentscheid<br />

in ihre Mitte. Robert Jung<br />

hatte Nicole entdeckt –<br />

die erste deutsche<br />

Gewinnerin des Eurovision<br />

Song Contest. Am<br />

11. September wird der<br />

Produzent, Komponist und<br />

Textdichter 75 Jahre alt.<br />

virtuos gratuliert und sagt<br />

danke – für wunderschöne<br />

Augenblicke und für<br />

unvergessliche Lieder<br />

wie La Pastorella, Aus<br />

Böhmen kommt die<br />

Musik, Flieg nicht so<br />

hoch, mein kleiner Freund,<br />

Rot sind die Rosen und viele<br />

mehr.<br />

Wer bei Lena hinter den<br />

Kulissen an ihrem Erfolg<br />

mitgewirkt hat, lesen Sie<br />

auf Seite 38.<br />

virtuos Ausgabe August 2010 07


Pure Euphorie<br />

Die FuSSball-WM iSt zu enDe unD unabhängig<br />

von geFühlten oDer Wirklichen Siegern bleiben<br />

unvergeSSliche MoMente, bilDer unD Die erinnerung<br />

an groSSartige eMotionen SoWie Die unabDingbar<br />

Mit Der WM 2010 verbunDene MuSik.<br />

TEXT: bm<br />

Sport<br />

und Musik bilden in vielen Bereichen<br />

eine wichtige Symbiose: Wir hören eine bestimmte<br />

Melodie und unser Gehirn verbindet<br />

sie innerhalb von Bruchteilen von Sekunden<br />

mit dem jeweiligen Sportereignis. Anlass genug<br />

für die virtuos-Redaktion, einen Blick hinter<br />

die Kulissen zu werfen und sich mit Menschen<br />

zu unterhalten, die sich in diesem Bereich<br />

kreativ engagieren. Das Ergebnis sind spannende<br />

Unterhaltungen zwischen Sportlern<br />

von diversen „Spielfeldern“ und musikalischen<br />

Urhebern verschiedener Genres in unserer<br />

Titelgeschichte.<br />

Zurück von der Sporteuphorie in die virtuelle<br />

Welt und hier direkt zum Thema Social Media: In<br />

den beiden letzten Ausgaben von virtuos haben<br />

wir auf die Aktivitäten der GEMA im Bereich<br />

Twitter, MySpace und den neuen GEMA Blog hingewiesen.<br />

Erfreulich viele Interessierte nutzen<br />

diese Form des direkten Austauschs mit der<br />

GEMA und folgen uns auf GEMAdialog bei Twitter,<br />

sind „Freunde“ der GEMA bei MySpace oder<br />

schreiben uns ihre – auch durchaus kritische –<br />

Meinung zu aktuellen Themen auf blog.gema.de.<br />

Zeit für die virtuos-Redaktion, die Social-<br />

Media-Aktivitäten der GEMA einmal ausführlich<br />

darzustellen und zu erläutern, warum wir<br />

diesen Bereich für Mitglieder, Medienvertreter,<br />

Kunden und alle anderen Interessierten seit<br />

November 2009 systematisch auf- und ausbauen.<br />

Ebenso wie die Website www.gema.de,<br />

die nach dem Relaunch Ende 2010 mit völlig<br />

08<br />

neuen Funktionen und einer deutlich verbesserten<br />

Nutzerführung starten wird.<br />

Für diejenigen, die über aktuelle Themen<br />

zeitnah informiert werden möchten, liefert unser<br />

monatlich erscheinender (kostenfreier)<br />

E-Mail-Newsletter die wichtigsten Neuigkeiten<br />

zu relevanten Themen, Projekten und Aktionen.<br />

Anmelden können Sie sich formlos und schnell<br />

unter: www.gema.de/newsletter.<br />

Ich wünsche Ihnen eine spannende und<br />

informative Lektüre und – wir können es nicht<br />

oft genug wiederholen – Ihre Meinung zählt:<br />

Schreiben Sie uns, was Ihnen an virtuos gefällt<br />

oder missfällt, was Sie in unserem Magazin<br />

noch vermissen und<br />

was Sie liebgewonnen<br />

haben. Wir freuen uns<br />

auf Ihr Feedback!<br />

Bettina Müller,<br />

Chefredaktion<br />

nah am mitgliEd<br />

Sie haben Fragen oder Anregungen?<br />

Dann schreiben Sie uns an<br />

E-Mail: virtuos@gema.de<br />

roBin GiBB als<br />

CisaC-Präsident<br />

WiederGeWäHlt<br />

Robin Gibb wurde erneut<br />

zum Präsidenten der<br />

CISAC, des internationalen<br />

Dachverbandes der<br />

Verwertungsgesellschaften,<br />

gewählt, der<br />

weltweit drei Millionen<br />

Urheber und Verleger<br />

vertritt. Bei der Hauptversammlung<br />

wurde die<br />

Verlängerung des<br />

Vorsitzes von Gibb um<br />

weitere drei Jahre<br />

einstimmig beschlossen.<br />

Vizepräsident wurde<br />

der französische Künstler<br />

und Maler Hervé di<br />

Rosa, der damit Alfonso<br />

Cuarón ablöst.<br />

Gibb sagte, er beabsichtige,<br />

„ein Managementsystem<br />

für Rechte<br />

zu entwickeln, das auch<br />

im digitalen Zeitalter<br />

bestehen kann“.<br />

anzEigEn<br />

in virtuos<br />

Spricht virtuos Ihre<br />

Zielgruppe an? Dann<br />

nutzen Sie es als<br />

Werbemedium: mehr<br />

Infos unter info@<br />

publishing-group.de<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

09<br />

Bundesverdienstkreuz für<br />

Prof. dr. rolf Budde und Hartmut WestPHal<br />

Große Ehre für GEMA-Ehrenmitglied Hartmut Westphal und GEMA-<br />

Aufsichtsratsmitglied Prof. Dr. Rolf Budde: Innerhalb weniger Tage verlieh<br />

Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz sowohl dem Komponisten<br />

Hartmut Westphal als auch dem Verleger Prof. Dr. Rolf Budde in Berlin das<br />

Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik<br />

Deutschland. Begründung für diese Ehrungen: Beide haben sich besonders<br />

um den Kulturstaat Deutschland bemüht.<br />

taG der musik: 600.000 teilneHmer<br />

und startsCHuss für BildunGs-kamPaGne<br />

Fünf Tage, 1.500 Veranstaltungen, 600.000 Menschen: Vom 17. bis 21. Juni 2010<br />

feierten Musikbegeisterte im gesamten Bundesgebiet den Tag der Musik als<br />

Beispiel für die musikalische Vielfalt. Bei der Zentralveranstaltung im Konzerthaus<br />

Berlin am 19. Juni 2010 gab es ein ganz besonderes Konzert: Bei der „Flashband“,<br />

dem musikalischen Flashmob, kamen spontan 250 Menschen zum Konzerthaus<br />

und musizierten gemeinsam auf der Freitreppe.<br />

Der Tag der Musik, vom<br />

Deutschen Musikrat<br />

initiiert, war auch<br />

Auftakt zur Kampagne<br />

„Ohne Musik keine<br />

Bildung“: Unter www.<br />

ohne-musik-keinebildung.de<br />

kann jeder<br />

seine Stimme dafür<br />

abgeben, dass musikalische<br />

Bildung für Kinder<br />

und Jugendliche<br />

unterstützt wird.<br />

aktuEllEs<br />

Namen & Nachrichten<br />

Bundesverdienstkreuz für Hartmut Westphal (l.) und Prof. Dr. Rolf Budde (rechtes Bild, Mitte)<br />

mit Kulturstaatssekretär André Schmitz, r., und Frank Smeddinck, Ministerialdirigent und<br />

Leiter der Landesvertretung Sachsen-Anhalt<br />

zWei<br />

komPonisten<br />

für die villa<br />

massimo<br />

Auf nach Rom: Die<br />

neuen Stipendiaten der<br />

Deutschen Akademie<br />

Rom Villa Massimo und<br />

der Deutschen Akademie<br />

Rom Casa Baldi<br />

stehen fest. Über eine<br />

der bedeutendsten<br />

Auszeichnungen für<br />

deutsche Künstler im<br />

Ausland freuen sich<br />

auch die Komponisten<br />

Sven-Ingo Koch und<br />

Marc Sabat. Sie werden<br />

2011 zusammen mit<br />

acht weiteren Auserwählten<br />

aus den<br />

Bereichen Architektur,<br />

bildende Kunst und<br />

Literatur die Zeit in der<br />

traditionsreichen<br />

römischen Einrichtung<br />

verbringen.<br />

Spontaneität macht<br />

Spaß: 250 Menschen<br />

musizierten<br />

gemeinsam auf der<br />

Freitreppe des Berliner<br />

Konzerthauses.<br />

++++ Wahl-Ticker: evers, klempnoW ++++ JöRG EVERS, AUFSICHTSRATSVOR-<br />

SITZEnDER DER GEMA, wURDE AUF DER MITGlIEDERVERSAMMlUnG DES DKV In SEInEM<br />

AMT AlS PRäSIDEnT BESTäTIGT. ++++ KARl-HEInZ KlEMPnOw, AUFSICHTSRAT DER GEMA,<br />

wURDE ZUM PRäSIDEnTEn DER GEnERAlVERSAMMlUnG DES BIEM wIEDERGEwäHlT.<br />

AlS VIZEPRäSIDEnT wURDE KOnRAD BOEHMER BESTäTIGT. ++++<br />

ausgEwähltE<br />

tErminE 2010<br />

6.-12. September<br />

Berlin Music Week<br />

Unter dem Dach der<br />

1. Berlin Music Week<br />

findet die Popkomm<br />

ihre neue Heimat. Auch<br />

die GEMA ist dabei.<br />

Mehr dazu auf S. 36.<br />

www.berlin-musicweek.de<br />

7. September<br />

News Music Award<br />

Acht ARD-Radioprogramme<br />

verleihen zur<br />

Popkomm einen<br />

Musikpreis – den New<br />

Music Award.<br />

www.you-fm.de<br />

15.-17. Oktober<br />

Donaueschinger<br />

Musiktage<br />

Die „Pflichtveran-<br />

staltung“ für Neue<br />

Musik. www.swr.de/<br />

donaueschingen<br />

15.-17. Oktober<br />

My Music<br />

Friedrichshafen 2010<br />

Die internationale<br />

Musikexpo kehrt an<br />

den Bodensee zurück.<br />

www.mymusic-messe.de<br />

19. und 20. November<br />

Potsdamer<br />

Chansonfestival<br />

Bis zum 30. August<br />

können sich deutschsprachige<br />

Künstler<br />

noch bewerben.<br />

www.potsdamer-<br />

chansonfestival.de<br />

09


10<br />

hintErgrund<br />

Fairplay in Musik und Sport10<br />

„Wavin’ Flag“, „Waka, Waka“,<br />

„’54, ’74, ’90, 2010“ … – eine groSSe<br />

SportveranStaltung ohne MuSik,<br />

training ohne MotivierenDe rhythMen?<br />

unDenkbar. Doch Wie viele geMeinSaMkeiten<br />

gibt eS Wirklich? virtuos Sprach<br />

Mit rockSängerin Doro peSch, FuSSball-<br />

SchieDSrichterin bibiana SteinhauS,<br />

DeM olyMpia-zWeiten richarD aDJei<br />

unD Der banD revolverhelD über FairneSS,<br />

gerechtigkeit, urheberSchutz unD<br />

anerkennung.<br />

TEXT: WILLI ANDRESEN<br />

FOTOS: MICHAEL PETERSOHN, THELKA EHLING,<br />

ANDREAS SANDER, JöRG GERKE<br />

Was ist gerecht? Was ist fair? In der<br />

Musik wie im Sport sind diese beiden Fragen<br />

von grundsätzlicher Bedeutung. Der griechische<br />

Philosoph Aristoteles definierte die Gerechtigkeit<br />

als jenen „Grundwert des menschlichen Zusammenlebens,<br />

der an das Verhältnis des Einzelnen wie<br />

der Gemeinschaft in ihren verschiedenen Formen<br />

die Forderung stellt, jedem zukommen zu lassen,<br />

was ihm gebührt“.<br />

Überträgt man diese Worte auf die Musikszene,<br />

wird schnell klar: Heute bekommt nicht jeder, was<br />

ihm gebührt. Im sportlichen Wettkampf hingegen<br />

bilden Fairplay und Fairness zentrale Werte und<br />

Tugenden, die klar überwacht werden. Trotzdem<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika riesig.<br />

Und auch das zweite sportliche Großereignis dieses<br />

Sommers, die Tour de France, steht seit vielen<br />

Jahren unter dem schlechten Stern des Dopings.<br />

Dass alle Sportler die gleichen Chancen haben,<br />

dafür sorgen in den meisten Sportarten strenge<br />

Regeln – und die Schiedsrichter. „Grundsätzlich ist<br />

es so, dass die Schiedsrichter darauf achten, dass<br />

die Menschen möglichst fair im Sport miteinander<br />

umgehen. Wenn wir das erreichen können, dann<br />

ist das der Idealzustand“, sagt Bibiana Steinhaus,<br />

derzeit einzige Schiedsrichterin in der Bundesliga.<br />

Die 31-Jährige weiß, dass Fairness zunächst eine<br />

ethische Haltung ist, die von Respekt zeugt. Ein<br />

Charakterzug also.<br />

Fair und gErEcht<br />

Die Hamburger Band Revolverheld hat weniger<br />

Vertrauen in den Charakter der Musiknutzer – und<br />

fordert klare Regeln: „Im Sport ist über die Jahre<br />

eine Regelkultur entwickelt worden und es sind<br />

Kontrollinstanzen entstanden. Daran fehlt es in der<br />

„ iM Sport iSt über Die<br />

Jahre eine regelkultur<br />

entWickelt WorDen unD<br />

eS SinD kontrollinStanzen<br />

entStanDen, an Denen eS<br />

in Der MuSik Fehlt “<br />

rEVolVErhEld<br />

brot statt spiElE<br />

Musik“, meint Kristoffer Hünecke, 32, Komponist,<br />

Gitarrist und Sänger bei Revolverheld. Die Hambur-<br />

Revolverheld stört, dass die Menschen<br />

ger Band schrieb zur Fußball-Europameisterschaft<br />

für das Brot im Laden bezahlen – für<br />

2008 für den DFB das offizielle Fanlied „Helden<br />

die Musik aus dem Netz aber nicht.<br />

2008“ und gilt gemeinhin als „fußballaffin“. „Es<br />

muss zum Beispiel darüber nachgedacht werden,<br />

waren die Diskussionen um Fairplay bei der was für gravierende Folgen die Gründung eines �<br />

11


Portals wie YouTube für uns Urheber hat. Neue<br />

Portale sprießen tagtäglich aus dem Boden. Ich<br />

würde mir wünschen, dass für das Internet noch<br />

mehr Regeln aufgestellt werden, die das geistige<br />

Eigentum schützen.“<br />

„ MuSik unD Sport<br />

SinD beiDeS ein<br />

haiFiSch-buSineSS “<br />

doro pEsch<br />

Geschieht dies nicht, sind die Folgen ver-<br />

heerend: Aktuell ziehen sich laut der Brennerstudie<br />

2010, die vom GfK Panel Services Deutschland für<br />

den Bundesverband Musikindustrie erstellt wurde,<br />

4,5 Millionen Bundesbürger rechtswidrig Musik,<br />

Filme, Computerspiele und (Hör-) Bücher aus dem<br />

Netz. Mit 31 Prozent brennt fast jeder dritte Deutsche<br />

Musik, so dass 2009 insgesamt 278 Millionen<br />

Musik-CDs gebrannt wurden. Auf eine gekaufte<br />

CD kommen somit immer noch zwei gebrannte<br />

Silberlinge. 2009 holten sich 2,9 Millionen Downloader<br />

ihre Songs von den unterschiedlichen Internetportalen.<br />

Dabei wurden 258 Millionen illegale<br />

Musikdownloads getätigt. Der Umfang des kostenlosen<br />

Abgreifens von Entertainment-Produkten<br />

dokumentiert, dass es für viele Urheber in unserer<br />

Gesellschaft weder gerecht noch fair zugeht.<br />

Johannes Strate, Sänger bei Revolverheld, führt<br />

ein einfaches Beispiel an: „Die große Ungerechtigkeit<br />

gegenüber der Musik besteht darin, dass die<br />

Menschen für greifbares Eigentum wie Brot im<br />

Laden bezahlen, aber für das geistige Eigentum –<br />

sprich die Songs der Musiker – nicht“, sagt der<br />

30-Jährige. Auch Rockröhre Doro Pesch hat nach<br />

30 Jahren im Geschäft gelernt, ihren Mitmenschen<br />

nicht sofort zu vertrauen: „Man hofft, dass es fair<br />

zugeht, aber man muss sich immer durchboxen.“<br />

Gerade in den Anfängen ihrer Karriere war die<br />

Sängerin, Komponistin und Textdichterin oft umgeben<br />

von Menschen, die es angeblich gut meinten.<br />

„Später musste ich feststellen, dass diese Leute nur<br />

um einen herum waren, um richtig Kohle zu scheffeln.<br />

Ich habe viel Vertrauen in Menschen gehabt,<br />

wenn es manchmal besser gewesen wäre, einen Anwalt<br />

einzuschalten.“<br />

Aber können sich Musiker und Sportler<br />

wenigsten untereinander vertrauen? Wie steht es<br />

um die Solidarität? Doro Pesch winkt ab: „Ich<br />

glaube, in der Musik und im Sport geht es gleich<br />

hart zu. Beides ist so eine Art Haifisch-Business.“<br />

Richard Adjei sieht das anders, der ehemalige Football-Profi<br />

weiß um die stärkende Kraft der Solidarität<br />

und des Teamgeistes. „Im Football gibt es Teamgeist<br />

und Einzelkampf — man ist Einzelkämpfer auf<br />

seiner Position, aber ohne das Team geht es nicht.“<br />

Der 27-Jährige begann seine Karriere beim ehe-<br />

maligen Düsseldorfer Football-Verein RheinFire,<br />

für den Doro Pesch eine Hymne schrieb. Inzwischen<br />

ist Richard Adjei als Anschieber im Zweierbob<br />

erfolgreich und feierte bei den Olympischen<br />

Spielen 2010 in Vancouver mit einer Silbermedaille<br />

seinen bisher größten sportlichen Erfolg.<br />

Dass es im Sport dennoch manchmal rau<br />

zugeht, bestreitet Richard Adjei allerdings nicht.<br />

„Querelen regelt man auf dem Feld, auch mal in<br />

nicht ganz fairen Aktionen“, sagt der gebürtige<br />

Düsseldorfer, der im April 2010 als Mitglied der<br />

Handballmannschaft des TSV Kaldenkirchen seine<br />

dritte Sportkarriere startete. „Manchmal haut man<br />

sich weg. Aber nach dem Spiel geht’s wieder fair zu.“<br />

nicht ohnE<br />

Musik<br />

Bibiana Steinhaus<br />

muss hart trainieren,<br />

damit sie fit für die<br />

Spiele ist. Am liebsten<br />

läuft sie mit Musik im<br />

Ohr – die aus ihrer<br />

eigenen CD-Sammlung<br />

stammt.<br />

„ Querelen regelt Man auF DeM FelD, auch<br />

Mal in nicht ganz Fairen aktionen. aber<br />

nach DeM Spiel geht'S WieDer Fair zu “<br />

richard adJEi<br />

rEVolVErhEld<br />

Die fünf Hamburger Jungs<br />

mögen Fußball – nicht erst<br />

seitdem sie den EM-Hit<br />

„Helden 2008“ für den<br />

DFB sangen.<br />

bibiana<br />

stEinhaus<br />

Die Hannoveranerin ist<br />

die bekannteste Schiedsrichterin<br />

Deutschlands.<br />

Sie pfeift für den DFB und<br />

die FIFA Spiele in der<br />

Champions League, im<br />

Europapokal und in der<br />

Bundesliga.<br />

richard adJEi<br />

Nach einer erfolgreichen<br />

Karriere im Profi-Football<br />

krönte der 27-Jähige<br />

seine Karriere bei den<br />

Olympischen Spielen in<br />

Vancouver: Dort holte er<br />

im Zweierbob eine<br />

Silbermedaille.<br />

EinE „MaschinE“<br />

Vom Footballer zum<br />

Olympia-Zweiten im<br />

Zweierbob: Richard<br />

Adjei sieht sich als<br />

„Maschine“ – die ganz<br />

sicher kein Doping<br />

braucht.<br />

12 virtuos Ausgabe August 2010<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

„ urheber haben eS in unSerer Schnelllebigen<br />

zeit allgeMein SchWerer alS Sportler “<br />

bibiana stEinhaus<br />

Doro Pesch unterstreicht in Sachen Gerechtigkeit<br />

vor allem die Vorbildrolle, die Urheber genauso<br />

wie Sportler haben. „Fairness und Fairplay stehen<br />

bei mir an oberster Stelle. Man kann Vorbild für die<br />

Fans sein, aber auch für andere Musiker. Es ist<br />

schön zu sehen, dass die Sportler sich bemühen,<br />

immer an ihre Grenzen zu gehen. Das motiviert<br />

mich als Musiker, es den Sportlern gleich zu tun“,<br />

sagt die 46-Jährige, die eng mit der ehemaligen<br />

Boxweltmeisterin Regina Halmich befreundet ist.<br />

Auch Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus<br />

appelliert an die verantwortungsvolle Rolle aller<br />

Personen des öffentlichen Lebens, sich für Fairness<br />

und Gerechtigkeit einzusetzen. „Ich glaube, dass<br />

alle Menschen, die im öffentlichen Leben stehen,<br />

dafür sorgen können, dass wir alle ein wenig fairer<br />

miteinander umgehen.“<br />

Diese Vorbildrolle geht laut Bibiana Steinhaus<br />

weit über den Sport und Musikbranche hinaus:<br />

„Diese Menschen sollten Vorbildcharakter haben –<br />

gerade für Jugendliche. Da steht jeder in der Verantwortung.<br />

Hier etwas auf andere abzuschieben, das<br />

kann es nicht sein.“ Wenn es um Musik geht, ist<br />

die Hannoveranerin selbst Vorbild: Die Songs auf<br />

ihrem MP3-Spieler stammen aus der eigenen<br />

Plattensammlung, illegale Downloads kommen<br />

nicht infrage.<br />

Die 31 Jahre alte Polizeibeamtin wurde 2010<br />

zum vierten Mal in Folge zur „Schiedsrichterin des<br />

Jahres“ gewählt und war häufig in der Bundesliga<br />

und auch international im Einsatz. Sie liebt Sport<br />

und Musik, trainiert immer mit Musik und hat ein<br />

Autogramm von Revolverheld in ihrem Büro hängen.<br />

Und sie weiß, wie wichtig Anerkennung und<br />

Wertschätzung sind – im Sport und in der Musikwelt:<br />

„Es ist wichtig, dass die Spieler mit ihren Empfindungen<br />

ernst genommen werden. Aber ich<br />

glaube, dass Urheber es allgemein schwerer haben<br />

in unserer schnelllebigen Zeit, die entsprechende<br />

Würdigung für ihre Arbeit zu erfahren. Hiervon sind<br />

alle Kreativen betroffen.“<br />

Kristoffer Hünecke von Revolverheld weiß<br />

genau, wovon Bibiana Steinhaus spricht. Er betont,<br />

dass die Leistung im Sport oftmals sehr viel höher<br />

geschätzt wird als in der Musik: „Wenn einer gut<br />

Fußball spielt, dann wird er gefeiert und kriegt ein<br />

Wahnsinnsgehalt. Und das ist für alle okay. Auf der<br />

anderen Seite werden 15,99 Euro für eine CD als<br />

unverschämt empfunden. Aber auch in der Musik<br />

sollte Leistung endlich wieder anerkannt werden.“<br />

Eine wichtige Aufgabe schreibt Kristoffer<br />

Hünecke dabei auch der Politik zu: „Politiker beschäftigen<br />

sich nur ungern mit Popmusik. Man hat<br />

gerade als Popmusiker das Gefühl, dass unsere �<br />

13


Probleme sehr stiefmütterlich behandelt werden.<br />

Weshalb auch nicht mehr Mittel zur Verfügung<br />

gestellt werden. Es gibt viel Nachholbedarf für<br />

beide Seiten, und man muss sich einfach mal an<br />

einen Tisch setzen.“<br />

Unterstützung erfährt Kristoffer Hünecke von<br />

seinem Bandkollegen Johannes Strate, der auf<br />

Regelungen in anderen europäischen Ländern<br />

verweist: „In Frankreich sind Gesetze erlassen worden.<br />

Dort werden Leute, die illegal downloaden,<br />

ganz anders zur Rechenschaft gezogen.“ Außerdem<br />

gebe es in Skandinavien viele finanzielle Töpfe<br />

für Musiker, um Tourneen oder Übungsräume zu<br />

finanzieren. „So ist die skandinavische Musik seit<br />

Jahren ein hervorragender Exportartikel. So etwas<br />

fehlt hier in Deutschland. Das Sinfonie-Orchester<br />

in allen Ehren, aber Popbands sollten genauso<br />

unterstützt werden. Es gibt hier ein Ungleich-<br />

gewicht zwischen den Musikrichtungen, doch das<br />

kulturelle Angebot eines Landes sollte alle Musikrichtungen<br />

beinhalten.“<br />

Sich die gewünschte Aufmerksamkeit und<br />

den Erfolg auf illegale Weise zu holen, etwa durch<br />

medizinische Hilfsmittel, ist im Sport verpönt.<br />

„ich Mag boxEn“<br />

Doro Pesch lässt sich<br />

gerne vom Sport<br />

begeistern. Sie arbeitet<br />

eng mit Boxerin Regina<br />

Halmich zusammen<br />

und schrieb eine<br />

Hymne für die ehemaligeFootball-Mannschaft<br />

RheinFire.<br />

doro pEsch<br />

Die Düsseldorferin<br />

gründete Anfang der<br />

80er-Jahre die Metalband<br />

Warlock, mit der sie große<br />

Erfolge feierte. Seit 1988 ist<br />

Doro Pesch solo unterwegs.<br />

„ iM MuSikbuSineSS<br />

MuSS Man Sich iMMer<br />

Durchboxen “ doro pEsch<br />

„Richy“ Adjei lehnt Doping als Pfad zum Erfolg<br />

ab und warnt nicht nur vor schwerwiegenden<br />

gesundheitlichen Folgeschäden. Fairplay zeuge<br />

auch von Verantwortungsgefühl und Rechts-<br />

bewusstsein. Und in der Musikszene? Sampling zum<br />

Beispiel lässt sich niemals ganz verhindern. Denn<br />

zwischen Sport- und Musikwelt besteht ein entscheidender<br />

Unterschied: Die Fans können<br />

keinem Sportler dessen Talent und „Kunstfertigkeit“<br />

entwenden – einem Urheber dessen geistiges Eigentum<br />

schon. Muskeln und Kondition können nicht<br />

aus dem Internet auf den eigenen Computer runtergeladen<br />

werden, musikalische Ideen und ganze<br />

Songs hingegen sehr wohl. Und das massenweise.<br />

Mangelt es also der Musikbranche viel mehr an<br />

Fairness und Gerechtigkeit als der Welt des Sports?<br />

Die, wenn auch sinkenden, Zahlen über das illegale<br />

Downloaden zeugen immer noch von wenig<br />

Respekt gegenüber den Musikschaffenden. Jedem<br />

sollte aber zukommen, was ihm gebührt, wie<br />

Aristoteles schon vor mehr als 2000 Jahren forderte.<br />

Dabei steht die Musikbranche vor allem vor einer<br />

Herausforderung: Sie muss sich den sich ständig<br />

ändernden Rahmenbedingungen des digitalen<br />

Zeitalters schnell und flexibel stellen. Auch<br />

der Sport stellt sich diesen Aufgaben: Doping-<br />

fahnder brauchen zum Beispiel immerwährend<br />

neue Tests, damit sie die neuesten Mittel aufspüren.<br />

Nur durch klare ethische Regeln, strafrechtliche<br />

Verordnungen und modernste Methoden<br />

kann also Fairplay, ein „ehrliches Spiel“ und eine<br />

dem „Gebot der Fairness entsprechende Spielweise<br />

im Wettkampf“ garantiert werden. Vielleicht ist der<br />

Sport der Musik dabei um eine Nasenlänge voraus.<br />

Doch für beide Branchen gilt: Fairplay kommt nicht<br />

von ungefähr.<br />

14 virtuos Ausgabe August 2010<br />

BAND-IN-A-BOX 2010<br />

Der Klassiker im neuen Gewand. Kaum ein anderes<br />

Programm für PC oder MAC bietet so viele musikalische<br />

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aktiv<br />

mitgEstaltEn<br />

bei Der MitglieDerverSaMMlung WurDe DiSkutiert<br />

unD entSchieDen – aber auch geFeiert. virtuos<br />

berichtet über Die entScheiDungen, ehrungen<br />

unD Feierlichkeiten in berlin.<br />

TEXT: mp<br />

FOTOS: DANNY KURZ, AKHODI/FOTOLIA<br />

Turnusgemäß fand die Mitgliederversammlung<br />

in diesem Jahr wieder in Berlin statt und rund 700<br />

GEMA-Mitglieder waren der Einladung zur Teilnahme<br />

an Diskussionen und richtungweisenden<br />

Abstimmungen gefolgt.<br />

Auch wenn 2010 keine Wahlen anstanden, so<br />

gab die Tagesordnung für die dreitägigen Beratungen<br />

doch genug Inhalt für intensive Gespräche<br />

und wichtige Entscheidungsfindungen her.<br />

Die Auswirkungen des Urteils des Kammergerichts<br />

Berlin zur Verteilung im Bereich der Fernsehwerbemusik<br />

hatte dabei oberste Priorität und<br />

nahm in den Beratungen der einzelnen Berufsgruppen<br />

genauso wie in der Hauptversammlung<br />

am Schlusstag den wichtigsten Platz ein. Die<br />

Beschlüsse aus §27 und §28 der Tagesordnung<br />

haben wir für Sie ausführlich auf den Seiten 22 und<br />

23 nochmals dargestellt.<br />

Die vorgenommenen Änderungen im Berechtigungsvertrag,<br />

die satzungsgemäß nur von der<br />

Mitgliederversammlung vorgenommen werden<br />

können (siehe S. 23) gehörten aber natürlich auch<br />

wieder zu den Entscheidungen der MGV.<br />

16<br />

Bei so bedeutenden Entscheidungen und<br />

Diskussionen durfte bei der wichtigsten GEMA-<br />

Versammlung des Jahres aber auch das Beisammensein<br />

der Mitglieder nicht zu kurz kommen.<br />

Beliebter Treffpunkt hierfür war das Mitgliederfest,<br />

veranstaltet im Frannz-Klub der Kulturbrauerei<br />

am Prenzlauer Berg – mit Clubräumen<br />

und einem schattigen Biergarten genau der<br />

richtige Rahmen für eine lange Sommernacht<br />

unter Freunden und Geschäftskollegen.<br />

Zudem gab es eine besondere Premiere zu<br />

feiern: Zum ersten Mal wurde der renommierte<br />

Fred-Jay-Preis im Rahmen des<br />

Mitgliederfests verliehen. Frank Ramond<br />

freute sich verdientermaßen über die<br />

Auszeichnung im Kreise seiner Kollegen<br />

(siehe S. 18).<br />

Wenn Sie die GEMA-Mitgliederversammlung<br />

2010 verpasst haben, dann<br />

gibt es in knapp einem Jahr wieder die<br />

Chance, aktiv mit zu gestalten und mit<br />

zu feiern: Vom 20. bis 22. Juni findet in<br />

München die „MGV 2011“ statt.<br />

mitGlieder-<br />

versammlunG<br />

Berlin, 30. Juni 2010:<br />

mitGliedereHrunGen<br />

Ordentliche Mitglieder<br />

Komponisten<br />

Prof. Christian Bruhn<br />

Johnny Herbert Feigl<br />

ladislav Geisler<br />

Siegmund Goldhammer<br />

wolfgang Goldhuber<br />

Prof. David Hildinger<br />

Heinz Kretzschmar<br />

Prof. Franz lehrndorfer<br />

winfried lüssenhop<br />

Horst Mühlbradt<br />

Freddy Quinn<br />

Prof. Erhard Ragwitz<br />

Coco Schumann<br />

Dr. Karl Heinz Schwab<br />

Carlos H. Veerhoff<br />

Hans wolf-Kraus<br />

Textdichter<br />

wolfgang Borchard-Jacoby<br />

Dieter lietz<br />

Heinz Meiser<br />

Verleger<br />

Robert Mellin Musikverlag KG<br />

(Ralph Siegel)<br />

Peermusic (Germany) GmbH<br />

(Prof. Klaus-Michael Karnstedt)<br />

Edition Eryk Sowa<br />

(Jolanda Sowa)<br />

Außerordentliche und<br />

angeschlossene Mitglieder<br />

Komponisten<br />

Heiko Fenn<br />

Alfons Forstpointer<br />

Siggi Gerhard<br />

Dieter Janik<br />

Kurt Kotterer<br />

Dr. Hans-Jürgen Papenfuss<br />

Manfred Rosenberg<br />

Herbert Schier<br />

Volkmar Schmidt<br />

lothar Seyfarth<br />

Textdichter<br />

Manfred Blechschmidt<br />

Dieter Hildebrandt<br />

Hans Krause<br />

Egon Rubisch<br />

Kurt Zimmermann<br />

Verleger<br />

Peer-Southern Productions<br />

GmbH<br />

(Prof. Klaus-Michael Karnstedt)<br />

intErn<br />

17<br />

Mitgliederversammlung<br />

EinigE dElEgiErtE dEr bErufsgruppE VErlEgEr<br />

v.l.: Stefan Braun (MCDP), Rosita Kürbis (Komplize Musikverlag), Thomas Lischik (Fox Musikverlag), Magdalena Obara (Mute<br />

Song international limited), Stephan Benn (Kommunikation und Musik), Hans-Ulrich Pohl (Musekater Musikverlag), Thomas<br />

Ritter (Elbmusikverlag), Enno Heymann (Enorm Music GmbH & Co KG), Lars Witzel (PKM)<br />

unsErE fotos zEigEn nur EinE<br />

auswahl dEr dElEgiErtEn.<br />

allE dElEgiErtEn findEn siE untEr:<br />

www.gema.de/der-verein-gema/<br />

organisation/delegierte/<br />

acht dEr dElEgiErtEn<br />

dEr bErufsgruppE<br />

tExtdichtEr<br />

vorne: Heiner Tietze,<br />

hinten v.l.: Matthias<br />

Alban Köhler, Sven Collatz,<br />

Karla Fromm, Curt Weiner,<br />

Helmut Krüger, Karen<br />

Kassulat, Jürgen Draeger<br />

diEsE dElEgiErtEn rEpräsEntiErEn<br />

diE bErufsgruppE dEr koMponistEn<br />

Foto oben, v.l.: Norbert Stammberger, Dr. Dorothea Hofmann,<br />

Hans-Jürgen Robrecht, Knut Purwin, Dr. Franz-Hubert<br />

Timmermann, Markus Lehmann-Horn<br />

Foto links, v.l.: Petra Roschinski, Matthias Hornschuh, Gudrun<br />

Steineck, Thilo Krigar, Helga Müller, Dr. Wolfgang Jachtmann<br />

virtuos Ausgabe August 2010 virtuos Ausgabe August 2010<br />

17


intErn<br />

Fred-Jay-Preis und Mitgliederfest<br />

Fred-JaY-Preis<br />

heiMgekehrt nach berlin unD in Den<br />

kreiS Der urheber.<br />

TEXT: mp<br />

FOTOS: JOCHEN ZICK<br />

Der Fred-Jay-Preis war in diesem<br />

Jahr Neubeginn und Abschied zugleich:<br />

Erstmals wurde er im Rahmen des Mitgliederfests<br />

verliehen, aber leider auch zum<br />

ersten Mal ohne seine Stifterin Mary Jay-<br />

Jacobson. Im Gedenken an sie wurde die<br />

Verleihung zu einem stimmungsvollen<br />

und fröhlichen Abend mit einem gefeierten<br />

Preisträger Frank Ramond.<br />

„Dieser großartige Preis gilt den Musikurhebern“,<br />

brachte der GEMA-Aufsichtsratsvorsitzende<br />

Jörg Evers bei seiner<br />

Begrüßung die Philosophie des Fred-Jay-<br />

Preises auf den Punkt. Zum 22. Mal wurde<br />

er in diesem Jahr verliehen, doch vieles<br />

war neu.<br />

Zum ersten Mal wurde die mit 15.000<br />

Euro dotierte Auszeichnung im Rahmen<br />

des GEMA-Mitgliederfests überreicht.<br />

Eine Neuerung, die sich gleich bei der Premiere<br />

bewährte: Der Frannz-Club in der<br />

Berliner Kulturbrauerei war bis auf den<br />

letzten Platz besetzt und das Publikum<br />

drängte sich, um auch von außen noch etwas<br />

von Laudatio und Preisträgerkonzert<br />

zu erleben.<br />

Der neue Rahmen für den traditionsreichen<br />

Preis war ein Wunsch der Stifterin<br />

Mary Jay-Jacobson, die sich noch aktiv an<br />

der Wahl des Preisträgers beteiligt hatte.<br />

Im März 2010 war sie in New York ver-<br />

storben (virtuos berichtete). In ehrenvoller<br />

Erinnerung, aber dabei auch mit zahlreichen<br />

Anekdoten aus der Geschichte des<br />

18<br />

mitgliederfest<br />

Preises wurde Mary Jay-Jacobson gedacht.<br />

Dr. Harald Heker, Vorstandsvorsitzender<br />

der GEMA und Vorstand der GEMA-<br />

Stiftung: „Zum ersten Mal wurde er 1989<br />

verliehen, und im Laufe der Jahre ist er zu<br />

einem stattlichen und renommierten Preis<br />

geworden, was vor allem dem unermüdlichen<br />

Engagement der Stifterin Mary Jay-<br />

Jacobson zu verdanken ist. Sie hatte sich<br />

ausdrücklich gewünscht, dass der Fred-<br />

Jay-Preis künftig im Rahmen des Mitgliederfestes<br />

der GEMA verliehen wird. Und<br />

dass die Jury des Deutschen Musik-<br />

autorenpreises ab 2011 auch den Ge-<br />

winner des Fred-Jay-Preises mitbestimmt.<br />

Diesen Bitten sind die GEMA und die<br />

GEMA-Stiftung selbstverständlich gern<br />

gefolgt.“<br />

ein SoMMerabenD voll<br />

von WieDerSehenSFreuDe,<br />

MuSik unD WM-Jubel. DaS<br />

MitglieDerFeSt 2010 kann<br />

Man getroSt alS eineS<br />

bezeichnen: einen<br />

groSSen erFolg.<br />

TEXT: mp<br />

FOTOS: JOCHEN ZICK, AKHODI/FOTOLIA<br />

Dr. Michael Jacobson (r. oben) würdigte seine verstorbene Mutter Mary Jay-Jacobson liebevoll und durchaus auch mit einem<br />

Augenzwinkern. Ina Müller hielt die Laudatio auf Frank Ramond (links), Dr. Harald Heker überreichte das Preisgeld.<br />

Der Ehrengast der Verleihung kam aus<br />

New York: Michael Jacobson, Sohn von<br />

Fred Jay und Mary Jay-Jacobson war nach<br />

20 Jahren zum ersten Mal wieder in seiner<br />

alten Heimat Berlin und freute sich besonders,<br />

dass sozusagen mit ihm auch der<br />

Fred-Jay-Preis nach Berlin zurückgekehrt<br />

war. Vom Publikum gab es lang anhaltenden<br />

Applaus für seine Grußworte, die<br />

von vielen auch als Beginn eines neuen<br />

Kapitels in der Geschichte des Fred-Jay-<br />

Preises angesehen wurden.<br />

Vor allem aber neu war natürlich der<br />

Preisträger, Textdichter Frank Ramond, der<br />

als innovativer Textautor ausgezeichnet<br />

18 virtuos Ausgabe August 2010<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

Der Frannz-Club mit seinen weitläufigen Räumlichkeiten<br />

und dem stimmungsvollen Biergarten war bestens gefüllt, als am<br />

ersten Abend der Mitgliederversammlung die GEMA-Mitglieder<br />

in bester Feierlaune zur Berliner Kulturbrauerei kamen.<br />

Ob man ein vertrautes Gespräch mit einem Geschäfts<strong>partner</strong><br />

oder Kollegen führen oder alte Freunde wiedersehen<br />

wollte – das Mitgliederfest bot dafür einen gemütlichen Rahmen.<br />

Auch Live-Musik-Liebhaber kamen ganz auf ihre Kosten: zum<br />

einen durch das Trio Fred Nopper (Piano), Sven Kalis (Drums)<br />

und Gerd Lübke (Trompete), die im (zum Glück klimatisierten)<br />

Clubraum aufspielten und unter anderem ihre Kollegen Klaus<br />

Ladislav Geisler, Klaus<br />

Doldinger, Manfred Schoof<br />

(linkes Foto, v.l.) und<br />

Christian Wilckens (r.)<br />

improvisierten im Club,<br />

außerdem genossen die Gäste<br />

die Stimmung im Biergarten.<br />

wurde. Eine unterhaltsame Laudatio von<br />

Ina Müller, die ihm wie u. a. auch Annett<br />

Louisan, Barbara Schöneberger oder Roger<br />

Cicero ihre größten Erfolge zu verdanken<br />

hat, unterhielt das Publikum ebenso wie<br />

das anschließende Kurzkonzert von Frank<br />

Ramond & Band mit einigen Hits aus<br />

seinem eigenen Album, das er im vergangenen<br />

Jahr veröffentlicht hatte.<br />

Zuvor hatte Ramond noch für ein weiteres<br />

Novum gesorgt: Das Preisgeld spendete<br />

er an die GEMA-Stiftung. Es soll der Förderung<br />

junger Textdichter-Kollegen zugutekommen.<br />

Dafür gab es viel Respekt von<br />

den Kollegen bei der anschließenden Feier.<br />

„Dieser großartige Preis gilt den<br />

Musikurhebern“, sagte der GEMA-<br />

Aufsichtsratsvorsitzende Jörg Evers<br />

bei seiner Begrüßung.<br />

Doldinger, Manfred Schoof und Christian Wilckens zu spontanen<br />

Improvisationen animierten. Zum anderen sorgte Gitarrist<br />

Bobo unter Biergarten-Bäumen derweil für die musikalische<br />

Untermalung des Sommerabends. Nicht zuletzt wurde auch an<br />

die Fußball-Fans gedacht. Das WM-Achtelfinalspiel des Abends<br />

sorgte vor der Großbildleinwand für das ein oder andere Sportgespräch<br />

unter Musikern.<br />

Bei der diesjährigen Mitgliederversammlung fand das Mitgliederfest<br />

zum dritten Mal statt – und ist schon Tradition geworden.<br />

Deswegen hieß es am Ende der Sommernacht auch: Bis<br />

zum nächsten Jahr bei einem genauso stimmungsvollen Abend!<br />

19


zahlungsplan<br />

Die zahlungSterMine Für DaS geSchäFtSJahr 2009<br />

SinD FolgenDe:<br />

(beSchluSS DeS auFSichtSratS voM 6. / 7. Mai 2009)<br />

Zahlungstermin Sparten Abrechnungszeitraum<br />

1. Oktober 2010 R (Großes Recht)<br />

FS (Großes Recht) 2009<br />

WEB,WEB VR 2. Halbjahr 2009<br />

MOD, MOD VR 2. Halbjahr 2009<br />

VOD,VOD VR 2. Halbjahr 2009<br />

Wertungsverfahren E 2009<br />

Wertungsverfahren U 2009<br />

Schätzungsverfahren 2009<br />

PHO VR Überhang<br />

2. Halbjahr 2009<br />

1.Vierteljahr 2010 ZL*<br />

A AR **<br />

A VR **<br />

die „schätzungskommission der Bearbeiter“<br />

TEXT: WERNER THEISEN<br />

Nicht alle GEMA-Mitglieder wissen, was die Schätzungskommission<br />

der Bearbeiter bewirkt, wozu sie da ist und für wen<br />

sie wichtig ist. Deshalb möchten wir an dieser Stelle eine zwar<br />

kurze, aber trotzdem möglichst umfassende Übersicht über die<br />

für Arrangeure so wichtige Kommission geben.<br />

Fünf Kollegen wurden in diese Kommission gewählt:<br />

Raimund Erbe, Joachim Schmeisser, Werner Theisen, Prof.<br />

Wieland Reismann und Prof. Bernd Wefelmeier. Das lang-<br />

jährige Mitglied (und bis 2009 Vorsitzender der Kommission)<br />

Jo Plée musste leider zur GEMA-Mitgliederversammlung 2009<br />

seine Wiederwahl aus gesundheitlichen Gründen ablehnen.<br />

Jedes GEMA-Mitglied (auch angeschlossen oder außer-<br />

ordentlich), das Spezialarrangements für Rundfunk-, Fernseh-,<br />

oder Tonträger-Aufnahmen erstellt, kann diese Arrangements<br />

bei der Kommission anmelden. Nach einem speziellen Punktesystem<br />

werden die angemeldeten Arrangements bewertet und<br />

mit der Septemberausschüttung zusammen mit der Wertung<br />

vergütet. Dies ist besonders deshalb wichtig, weil Spezialarrangements<br />

im Verteilungsplan der GEMA keine Berücksichtigung<br />

finden, oft aber der Erfolg eines Titels zum Großteil auf das<br />

Arrangement zurückzuführen ist. Die Anmeldung hat immer<br />

bis zum 15. März für das vergangene Jahr zu erfolgen und die<br />

inDex zuM zahlungSplan<br />

* ZL: Zentrale Lizenzierung für Lizenznehmer<br />

mit vierteljährlicher Abrechnung<br />

** Die Erträge aus dem Ausland (beide Rechte)<br />

werden nach Eingang laufend zum<br />

1. eines jeden Quartals ausgeschüttet.<br />

Informationen zu den Abrechnungen mit<br />

Länderangaben finden Sie auch auf der<br />

GEMA-Homepage<br />

www.gema.de/auslandsabrechnungen.<br />

Nachverrechnungen erfolgen jährlich zum<br />

1. November für U (einschl VK),<br />

UD, M<br />

1. Januar für E, ED, EM,<br />

BM, Ki<br />

Die Nachverrechnungen erfolgen aufgrund von<br />

Reklamationen gemäß Abschnitt IX, Ziffer 5 der<br />

Ausführungsbestimmungen zum Verteilungsplan A.<br />

Sie erfolgen wegen der maschinellen Abrechnung jeweils<br />

ausschließlich zu diesen Stichtagen. Dies ist auch<br />

deshalb notwendig, da in der Sparte U bei einer<br />

Nachverrechnung jeweils die Bildung neuer<br />

Matrixkennzahlen erfolgt.<br />

erforderlichen Unterlagen schickt die<br />

GEMA (Abt. Wertung) jedem Mitglied auf<br />

Anfrage zu. Einmal dabei, erhält das Mitglied<br />

die Unterlagen in den Folgejahren<br />

automatisch bis 15. Dezember zugeschickt.<br />

In virtuos erscheint in der Regel in der Novemberausgabe<br />

nochmals ein Hinweis auf dieses Verfahren,<br />

damit niemand uninformiert auf die<br />

Teilnahmemöglichkeit am Schätzungsverfahren<br />

verzichten muss.<br />

Noch ein Hinweis zum Begriff „Spezialbearbeitung“:<br />

Hierunter versteht man die Bearbeitung eines<br />

Titels, der im Original bereits als Druckbearbeitung oder<br />

Manuskript (meist Klavier/Gesang) vorliegt, für eine spezielle<br />

Band, Orchester, Chor oder Solisten. In der Regel wird dieses<br />

Arrangement nur für diese bestimmte Aufnahme verwendet<br />

und ist öffentlich nicht zugänglich.<br />

Haben Sie, verehrtes Mitglied, derartige Arrangements<br />

erstellt, melden Sie sich unbedingt bei Ihrer GEMA, Abteilung<br />

Wertung, Bayreuther Straße 37 in 10787 Berlin und fordern Sie<br />

die Unterlagen an.<br />

20 virtuos Ausgabe August 2010<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

ausschüttungsdaten abrechnung ausland<br />

a-ar 2. Quartal 2010 –<br />

auSSchüttung per 01.07.2010<br />

BELGIEN 2008<br />

2008 FILM/TV<br />

2009 CONCERTS<br />

BRASILIEN 2007 - 2008<br />

2007 - 2008 FILM/TV<br />

CHINA 2007<br />

FRANKREICH 2008<br />

2008 FILM/TV<br />

HONGKONG 2007 - 2008<br />

2008 FILM/TV<br />

IRLAND 2006 - 2008 FILM/TV<br />

KANADA 2008<br />

KOLUMBIEN 2003 - 2007<br />

PERU 2004 - 2007<br />

SCHWEIZ 2008 FILM/TV<br />

SERBIEN 2006 - 2008<br />

SLOWAKEI 2002 - 2006 FILM<br />

2007 FILM/TV<br />

SLOWENIEN 2006 - 2008<br />

SÜDAFRIKA 2006 - 2009<br />

TÜRKEI 2003 - 2008<br />

2003 - 2005 FILM/TV<br />

UNGARN 2007 FILM/TV<br />

DIV. WEITERVERR. ÜBER SABAM<br />

DIV. WEITERVERR. ÜBER SABAM (SOZA)<br />

pflichtMittEilungEn<br />

Zahlen und mehr<br />

a-vr 2. Quartal 2010 –<br />

auSSchüttung per 01.07.2010<br />

AUSTRALIEN PHONO 2.HJ 2004 - 2005<br />

BELGIEN PHONO 2006 - 2008 + NV<br />

FILM 2008<br />

PRIVATE VERVIELF. 2006 - 2007<br />

FRANKREICH R/TV 2008 + NV<br />

PHONO/ONLINE 2008 + NV<br />

GROSSBRIT. BT: A: 1/09<br />

DMD: A: 1/09<br />

MUSIC QUIZ GAMES: A: 10/08, 1/09<br />

ONLINE: A: 7/08, 10/08, 1/09<br />

PHONO: A: 7/08, 10/08, 1/09<br />

R/TV: A: 1/09<br />

RINGTONES: A: 10/08, 1/09<br />

WEB MM LIBRARY: A: 1/09<br />

WEITERVERR. A: 1/09<br />

PHONO/ONLINE 2008-2009 NV<br />

ITALIEN PHONO 2007 NV<br />

RADIO 2007 NV<br />

NEUSEELAND PHONO 2.HJ 2004 - 2005 + NV<br />

NIEDERLANDE BT 2005<br />

R/TV 2001-2003 NV<br />

öSTERREICH BT 1.HJ 2009<br />

I-TUNES 2.HJ 2008<br />

ONLINE 1.HJ 2009<br />

PHONO 1.HJ 2009<br />

PRIVAT R/TV 2008<br />

R/TV 2007 NV<br />

SPEZIALPRODUKTE 1.HJ 2009<br />

WERBEFENSTER 2008<br />

ZL 1.HJ 2009<br />

ZL 1999-2007 NV/RV<br />

3SAT 2008<br />

POLEN ONLINE 2009<br />

SCHWEIZ PHONO 2000-2007 NV<br />

SERBIEN PHONO 4/05 - 3/07<br />

RINGTONES 2007-2008<br />

SKANDINAVIEN BT 2007 - 1.HJ 2009<br />

ONLINE 2007 - 2009 + NV<br />

PHONO 2007 - 1.HJ 2009 + NV<br />

R/TV 2007 - 1.HJ 2009<br />

PHONO/BT 2005 - 2006 NV<br />

SPANIEN PHONO 2007-2008 NV<br />

PRIV. VERVIELF. 2006-2007 NV<br />

RADIO 2007-2008 NV<br />

USA PHONO/TV/ONLINE bis 2.HJ 2008,<br />

PHONO/DVD 2005-2007<br />

21


ordentliche mitgliederversammlung 2010 – Beschlüsse im zusammenhang<br />

mit dem urteil des kammergerichts Berlin vom 8. Juli 2009<br />

(verteilung Fernsehwerbemusik)<br />

Im Zusammenhang mit dem Urteil des Kammergerichts Berlin<br />

(KG) vom 8. Juli 2009 (Az. 2 U 4/05 Kart) hat die Mit-<br />

gliederversammlung (MGV) Regelungen für eine sach- und<br />

kostengerechte Aufarbeitung fehlerhafter Verteilungen beschlossen.<br />

Neu geregelt wurden ferner die Koeffizienten für<br />

Fernsehwerbemusik (2,4) und dargestellte Musik (7), die Berücksichtigung<br />

von Fremdproduktionen (einschließlich Werbung)<br />

und Sendereigenwerbung bei der Verteilung im mechanischen<br />

Recht sowie die anteilige Berücksichtigung von<br />

Rundfunkwerbeaufkommen in der Wertung U.<br />

In seinem Urteil hatte das KG einen von der ordentlichen<br />

MGV 2003 gefassten Beschluss für nichtig erklärt, wonach der<br />

Koeffizient 3, der bis dahin bei der Verteilung für alle Formen der<br />

Fernsehwerbung galt, nur für „Werbespots (Wirtschaftswerbung)“<br />

beibehalten und der Koeffizient für „Musik in sonstigen<br />

Werbefilmen“ auf den Wert 1 abgesenkt wurde (siehe hierzu auch<br />

virtuos Ausgabe März 2010, Seite 31). Aufgrund des Urteils vom<br />

8. Juli 2009 war bis auf Weiteres wieder alle Fernsehwerbemusik<br />

mit dem Koeffizienten 3 abzurechnen, was die GEMA bei der<br />

aktuellen Rundfunkabrechnung für das Geschäftsjahr 2009 auch<br />

berücksichtigt hat.<br />

Als Reaktion auf das Urteil hat die MGV 2010 zwei umfangreiche<br />

Beschlüsse verabschiedet. Der erste betrifft die Auf-<br />

arbeitung der Vergangenheit, der zweite regelt die Verteilung im<br />

Rundfunkbereich, insbesondere für Werbemusiken, neu.<br />

1. Aufarbeitung der Vergangenheit<br />

In der Vergangenheit ist die Verteilung der GEMA insoweit<br />

fehlerhaft erfolgt, als sie auf der Anwendung der nichtigen<br />

Koeffizientenregelung für Fernsehwerbemusiken beruhte.<br />

Hieraus resultieren Zahlungsansprüche auf zwei Ebenen:<br />

Zum einen haben die Berechtigten, die von der Absenkung des<br />

Koeffizienten für „sonstige Werbemusik“ nachteilig betroffen<br />

sind, Ausgleichsansprüche gegenüber der GEMA. Zum anderen<br />

hat die GEMA ihrerseits Rückforderungsansprüche gegen alle<br />

Berechtigten mit Rundfunkaufkommen, denn diese haben<br />

zu hohe Ausschüttungen erhalten, da der einheitliche Minutenwert<br />

im Rundfunkbereich aufgrund der nichtigen Koeffizientenregelung<br />

zu hoch berechnet wurde.<br />

Die MGV hat vor diesem Hintergrund – zunächst befristet<br />

bis einschließlich Geschäftsjahr 2015 – die in Antrag 27 der<br />

Tagesordnung zusammengefassten Änderungen des GEMA-<br />

Regelwerks beschlossen. Diese vom Deutschen Patent- und<br />

Markenamt geprüften Regelungen ermöglichen es der GEMA, in<br />

der aktuellen Situation sowie bei etwa künftig auftretenden<br />

vergleichbaren Fällen sach- und kostengerechte Alternativen zu<br />

einer mit immensem Kosten- und Verwaltungsaufwand<br />

verbundenen Rückabwicklung und Neuvornahme der fehlerhaften<br />

Verteilung zu ergreifen. Fehler bei der individuellen<br />

Abrechnung an einzelne Berechtigte sind nicht erfasst und<br />

weiterhin nach den bestehenden Reklamationsvorschriften zu<br />

behandeln.<br />

Gemäß der Neuregelung prüfen Aufsichtsrat und Vorstand<br />

der GEMA zunächst gemeinsam, ob eine vollständige Rückabwicklung<br />

und Neuvornahme der fehlerhaften Verteilung mit<br />

wirtschaftlich verhältnismäßigem Aufwand möglich ist.<br />

Ist dies nicht der Fall, können sie auf einen abschließend<br />

geregelten Katalog von Maßnahmen zurückgreifen. Hierbei sind<br />

das Interesse an einer möglichst vollständigen Erfüllung der<br />

jeweiligen Zahlungsansprüche und das wirtschaftliche Gebot<br />

der Verhältnismäßigkeit abzuwägen. Der Gleichbehandlungsgrundsatz<br />

ist zu beachten sowie auf Härtefälle angemessen<br />

Rücksicht zu nehmen.<br />

Unter Anwendung dieser Grundsätze haben Aufsichtsrat<br />

und Vorstand der GEMA im Anschluss an die MGV einvernehmlich<br />

folgende Maßnahmen zur Aufarbeitung der Folgen des<br />

KG-Urteils vom 8. Juli 2009 beschlossen:<br />

• Auf eine vollständige Rückabwicklung und Neuvornahme<br />

der Rundfunkabrechnungen sowie der Wertungsverfahren und<br />

der Alterssicherung innerhalb der Grenzen der Verjährung wird<br />

verzichtet.<br />

• Bei der Berechnung der Höhe der Ansprüche der Berechtigten,<br />

die durch die Absenkung des Koeffizienten für „sonstige<br />

Werbemusik“ benachteiligt worden sind, werden modifizierte<br />

Minutenwerte für das Senderecht und das mechanische<br />

Recht zugrunde gelegt. Diese basieren auf der<br />

Gesamtzahl der Minuten, die sich bei Anwendung des<br />

Koeffizienten 3 für alle Fernsehwerbemusiken für die<br />

jeweiligen Geschäftsjahre ergeben hätte. Manuelle<br />

Nachverrechnungen werden bei der Berechnung nur<br />

pauschaliert berücksichtigt.<br />

• Soweit die Ansprüche der benachteiligten Berechtigten<br />

nicht durch Rückstellungen befriedigt werden können,<br />

werden die laufenden und künftigen Einnahmen der<br />

GEMA zu diesem Zweck wie folgt belastet:<br />

• Hinsichtlich der Ansprüche, die sich aus einer zu<br />

niedrigen Berücksichtigung bei der Verteilung in den<br />

Sparten FS und T FS bzw. FS-VR ergeben, wird der einheitliche<br />

Minutenwert für das Senderecht bzw. für das mechanische<br />

Recht belastet, und zwar gleichmäßig für die<br />

Geschäftsjahre 2009-2013.<br />

• Hinsichtlich der Ansprüche, die sich aus einer zu niedrigen<br />

Berücksichtigung in der Wertung und der Alterssicherung ergeben,<br />

werden die Zuweisungen und Auszahlungen für die<br />

Geschäftsjahre 2010-2014 jeweils gleichmäßig belastet.<br />

• Auf Rückforderungsansprüche der GEMA gegen die Berechtigten,<br />

die durch die fehlerhafte Verteilung begünstigt worden<br />

sind, wird verzichtet.<br />

Die Umsetzung dieser Maßnahmen wird kurzfristig eingeleitet.<br />

22 virtuos Ausgabe August 2010<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

pflichtMittEilungEn<br />

Zahlen und mehr<br />

2. Neuregelung der Verteilung<br />

Um die Berücksichtigung von Werbemusiken bei der Verteilung<br />

auf eine neue tragfähige Grundlage zu stellen, hat die<br />

MGV mit einigen Modifikationen die in Antrag 28 der Tagesordnung<br />

zusammengefassten Neuregelungen beschlossen.<br />

• Fernsehwerbemusik wird künftig einheitlich mit Koeffizient<br />

2,4 abgerechnet. Zugleich wird der Koeffizient für dargestellte<br />

Musik von 3,5 auf 7 erhöht.<br />

• Im Rahmen einer neu gebildeten Sparte T FS-VR werden<br />

künftig auch im Fernsehen gesendete Fremdproduktionen<br />

(einschließlich Werbung) bei der Verrechnung des auf die mechanischen<br />

Rechte entfallenden Drittels der Rundfunkeinnahmen<br />

berücksichtigt. Da die GEMA das Filmherstellungsrecht<br />

für Fremdproduktionen (einschließlich Werbung) nicht<br />

an die Sender vergibt, hat die MGV beschlossen, dass die<br />

Verrechnung in der Sparte T FS-VR nach Anwendung der jeweiligen<br />

Koeffizienten zu einem Zehntel erfolgen soll. Aus demselben<br />

Grund wird Musik in Sendereigenwerbung in der<br />

Sparte FS-VR künftig ebenfalls zu einem Zehntel verrechnet:<br />

Wie durch die in der außerordentlichen<br />

MGV am 12. März 2010 beschlossene Neufassung<br />

von § 1 k) des Berechtigungsvertrages<br />

klargestellt worden ist, nimmt die<br />

GEMA auch für Sendereigenwerbung<br />

kein Filmherstellungsrecht wahr, so<br />

dass dieses – ebenso wie bei anderen<br />

Fernsehwerbemusiken – von den<br />

Berechtigten selbst wahrzunehmen<br />

ist.<br />

• Das Verteilungsaufkommen,<br />

das die Berechtigten mit Hörfunk-<br />

und Fernsehwerbemusiken<br />

in den Sparten R, FS<br />

und T FS erzielen, wird in<br />

der Wertung U künftig einheitlich<br />

mit der Hälfte des<br />

Anteils berücksichtigt, der bei<br />

der Berechnung der Wertung<br />

hinsichtlich des sonstigen Aufkommens<br />

in den genannten Sparten<br />

zugrunde gelegt wird.<br />

Die vorstehenden Neuregelungen<br />

sind zunächst auf das Geschäftsjahr<br />

2010 (Wertung: Geschäftsjahr 2011)<br />

befristet. Daneben wurde die Koeffizientenregelung<br />

in Abschnitt<br />

XIV Ziffer 3 der Ausführungsbestimmungen<br />

zum Verteilungsplan<br />

A wie in Antrag 28<br />

vorgesehen redaktionell<br />

überarbeitet.<br />

wertungsmittel drastisch<br />

zurückgegangen<br />

TEXT: ENJOTT SCHNEIDER<br />

Im Geschäftsjahr 2009 hat die GEMA – wie der Vorstandsvorsitzende<br />

Dr. Harald Heker in seinem Rechenschaftsbericht<br />

auf der Mitgliederversammlung betonte – zwar noch einen<br />

leichten Ertragszuwachs erreicht, dieser ist jedoch im Wesentlichen<br />

auf Erträge in den Inkassobereichen zurückzuführen.<br />

Diese Erträge kommen den GEMA-Mitgliedern nicht zugute.<br />

Ein deutlicher Rückgang hingegen war bei den für soziale<br />

und kulturelle Zwecke zur Verfügung stehenden Mittel zu verzeichnen,<br />

die ca. 30 % unter den sehr guten Vorjahreswerten<br />

lagen. Die Mittel werden aus dem 10 %-Abzug im Aufführungsrecht,<br />

Kommissions- und Zinserträgen sowie sonstigen Quellen<br />

gespeist. Insbesondere gingen die Zinserträge wegen der<br />

Finanzkrise stark zurück. Diese Rückgänge von 30 % im Bereich<br />

der Wertungsmittel werden die GEMA-Mitglieder unmittelbar<br />

bei den Ausschüttungen zum 30.09.2010 zu spüren bekommen.<br />

In den Wertungsausschüssen E und U wurde versucht, die<br />

Härteausgleichszahlungen stabil zu halten. Leider war nicht<br />

zu verhindern, dass auch in den Zuweisungen aus dem<br />

Ausgleichsfonds für zeitgenössische Musik sowie in den all-<br />

gemein ausgeschütteten Wertungsbeträgen jedes einzelne<br />

Mitglied der Wertungsmittelrückgang um etwa 30 % schmerzlich<br />

betreffen wird.<br />

änderung des<br />

Berechtigungsvertrages<br />

Liebe Mitglieder,<br />

wir möchten Sie darüber informieren, dass die ordentliche<br />

Mitgliederversammlung am 29./30. Juni 2010 die Streichung<br />

von § 1 i) (2) des Berechtigungsvertrages beschlossen hat. Diese<br />

Regelung betraf die Vergabe des Filmherstellungsrechts an<br />

Wochenschau-Hersteller durch die GEMA. Wochenschauen<br />

waren früher dazu bestimmt, dem Publikum im Kino die wichtigsten<br />

Ereignisse der vergangenen Woche in einer Zusammenfassung<br />

zu zeigen. Da Wochenschauen heutzutage nicht mehr<br />

hergestellt werden, hat die Regelung keine praktische Be-<br />

deutung mehr und ihre Streichung somit rein redaktionellen<br />

Charakter. Die Nummerierung der folgenden Absätze in § 1 i)<br />

des Berechtigungsvertrages verschiebt sich entsprechend.<br />

23


intErn<br />

Die Menschen bei der GEMA<br />

unsErE dirEktion<br />

sEndung und onlinE<br />

von FernSehen biS poDcaSt, von<br />

ruFtonMeloDie biS kabelnetz: Die<br />

Direktion SenDung unD online<br />

küMMert Sich uM Die lizenzierung.<br />

FOTOS: PETRA SCHNEIDER-SCHMELZER, TONY GRESEK<br />

Musik<br />

liegt in der Luft … ob in Sendungen im Fernsehen, im<br />

Radio oder im Internet – Musik ist einfach überall zu finden. Damit<br />

bei diesen Sendungen die Urheber auch entsprechend vergütet<br />

werden können, sind alle Sendungen – egal ob im Fernsehen, im<br />

Radio oder im großen Bereich des Internets – zu lizenzieren.<br />

Darum kümmert sich die Direktion Sendung und Online der<br />

GEMA-Generaldirektion in München. Insgesamt 17 Kollegen<br />

stehen deshalb im ständigen Kontakt mit den Lizenznehmern.<br />

dr. urBan PaPPi<br />

Direktor der Direktion Sendung<br />

und Online,<br />

Geschäftsleitung PAECOL<br />

ulrikE sEgnEr<br />

Direktionsassistenz und Projektmanagement<br />

Telefon: 089 - 48 00 3 - 261<br />

E-Mail: usegner@gema.de<br />

24 virtuos Ausgabe August 2010<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

simonE schEiFFElE<br />

Fachreferentin Fernsehen und Radio,<br />

Abteilung Lizenzierung<br />

dr. kathrin kohl<br />

Leiterin der Abteilung Lizenzierung<br />

katharina Bialas<br />

Lizenzmanagerin für den Bereich<br />

Online, Abteilung Lizenzierung<br />

nathaliE michElFEit<br />

hElgE langhoFF<br />

Lizenzmanager / Jurist im<br />

Bereich Kabelweitersendung,<br />

Abteilung Lizenzierung<br />

Leiterin der Abteilung<br />

Administration und Abrechnung<br />

25


26<br />

intErn<br />

Franz-Grothe-Revue<br />

„In der nacht Ist der Mensch<br />

nIcht gern alleIne“...<br />

… unter DieSeM Motto Waren Die Mitarbeiterinnen unD<br />

Mitarbeiter Der geMa auS berlin aM 29. Mai 2010 zu einer<br />

Franz-grothe-revue in Den „heiMathaFen neukölln“ eingelaDen.<br />

TEXT: JÜRGEN BRANDHORST<br />

FOTO: JOCHEN ZICK<br />

Der Komponist und Dirigent Franz Grothe Am<br />

ist der unvergessene Schöpfer von unzähligen<br />

wunderbaren Schlager- und Filmmusikmelodien. Er<br />

hat sich auch in der GEMA ganz maßgeblich<br />

engagiert – zuletzt war er von 1972 bis zu seinem Tod<br />

im Jahr 1982 Aufsichtsratsvorsitzender der GEMA.<br />

Franz Grothe hat schon zu seinen Lebzeiten die<br />

Franz-Grothe-Stiftung gegründet, deren Ziel es u.a.<br />

ist, hochbegabte Komponisten und Interpreten zu<br />

unterstützen, Hilfe für in Not geratene Musiker zu gewähren<br />

und – nicht zuletzt – das Andenken an den<br />

Gründer und damit auch sein klingendes Vermächtnis<br />

zu pflegen und zu bewahren. Näheres dazu im<br />

Internet unter: www.franzgrothe-stiftung.de<br />

Eines der Projekte, das die Franz-Grothe-<br />

Stiftung fördert, ist die Grothe-Revue „In der Nacht ist<br />

der Mensch nicht gern alleine“ – und aufgrund der<br />

engen Verbindung von Franz Grothe zur GEMA lag es<br />

nahe, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der<br />

GEMA aus Berlin zu einer Aufführung einzuladen.<br />

Diese Einladung fand eine schöne Resonanz,<br />

denn 72 Kolleginnen und Kollegen kamen zusammen<br />

mit ihren Familien und Freunden an diesem<br />

Abend in den Heimathafen Neukölln, um die Musik<br />

von Franz Grothe zu erleben.<br />

Im Mittelpunkt der Revue stand der Hauptdarsteller<br />

des Abends, der Sänger und Geiger Paul Holzmann<br />

zusammen mit der Violinistin Lisa Hansen. In<br />

stilsicheren und musikalisch perfekten Arrangements<br />

wurden die beiden durch die „Begleitkapelle“,<br />

auch bekannt als „Casanova Society Orchestra“<br />

unterstützt. Die exzellenten Musiker<br />

wollten und konnten mehr als nur begleiten und<br />

mischten sich z.B. mit einem jodelnden Gesangstrio,<br />

Comedian-Harmonists-Einlagen und chorischen<br />

und solistischen Auftritten munter in das<br />

Programm ein. So wurde das Publikum immer<br />

wieder vom vielseitigen Können dieser Vollblutmusiker<br />

überrascht.<br />

Für die abwechslungsreiche Inszenierung,<br />

die amüsant und pointenreich von einem Stück<br />

zum anderen führte, sorgte Thomas Huder, der<br />

auch Regisseur der Palastrevue und Trompeter<br />

des Palastorchesters ist.<br />

Ende des Abends war klar: Die Musik von<br />

Franz Grothe begeistert noch heute, insbesondere,<br />

wenn sie derart gekonnt gespielt und gesungen wird.<br />

26 virtuos Ausgabe August 2010


gEMadialog –<br />

Mit dEr gEMa ins nEtz gEgangEn<br />

Social MeDia unD Web 2.0 – DieSe begriFFe Stehen Für Die oFtMalS<br />

beSchWorene „Digitale revolution“ unD vieleS Mehr.<br />

GEMAdialog –<br />

Mit dEr GEMA ins nEtz GEGAnGEn<br />

TEXT: bm<br />

Websites und Online-Zeitungen zählen<br />

längst zum Web 1.0 – und somit bereits zu den<br />

„klassischen“ Medien. Im Web 2.0 hingegen kann<br />

jeder selbst zum Absender von Nachrichten sowie<br />

anderer Botschaften werden und so seine Meinung zu<br />

beliebigen Themen veröffentlichen: „User generated<br />

content“ ist das Stichwort, wenn es um Portale wie<br />

Twitter, YouTube, Facebook und Co. geht. Mehr als 300<br />

Millionen Menschen weltweit nutzen Social Media<br />

(Quelle: Social Media Marketing, O’Reilly Verlag, 2010).<br />

Die GEMA ist eine der ersten Institutionen, die<br />

diese Auswirkungen mit voller Wucht zu spüren<br />

bekam. Die Themen YouTube und Online-Petition<br />

wurden im Frühjahr und Sommer 2009 zuerst im<br />

Social-Media-Bereich intensiv diskutiert und fanden<br />

von dort Eingang in die klassischen Online- und<br />

Printmedien.<br />

Anlass genug für die GEMA-Kommunikation, sich<br />

mit dem Thema Social Media nicht nur intensiv zu<br />

beschäftigen, sondern auch selbst aktiv zu werden.<br />

http://twitter.com/GEMAdialog<br />

zeichenerklärung<br />

koMMunikation<br />

dEr gEMa<br />

Mit dEn usErn<br />

koMMunikation<br />

dEr usEr<br />

Mit dEr gEMa<br />

bildErgalEriE<br />

VidEos und<br />

strEaMs<br />

koMMEntar-<br />

MöglichkEit<br />

und<br />

diskussionsforEn<br />

twitter.com/geMadialog – aktueller geht eS nicht<br />

Auf Twitter, der weltweit erfolgreichsten Plattform für Echtzeit-Kommunikation,<br />

begannen die Web 2.0-Aktivitäten der GEMA im Dezember 2009 – mit Erfolg. Mehr als<br />

300 sogenannte „Follower“ informieren sich via www.twitter.com/GEMAdialog über die<br />

aktuellsten Neuigkeiten rund um die GEMA (Stand: 20. Juli 2010). Das Netzwerk für die<br />

Kurzmeldungen aus 140 Zeichen ist immens: Potenziell erreicht ein Tweet der GEMA<br />

rund 170.000 Twitter-User, denn durch die „Follower der Follower“ vergrößert sich die<br />

Reichweite automatisch. Dass GEMAdialog auf Twitter ein voller Erfolg ist, beweisen die<br />

vielen „Retweets“, Weiterleitungen der von GEMAdialog veröffentlichten Mitteilungen<br />

durch die Follower, und genauso die direkten Tweets mit Fragen und Nachrichten<br />

an GEMAdialog. So ist GEMAdialog innerhalb kurzer Zeit zum wichtigen Kommunikationsinstrument<br />

für Mitglieder und Interessierte genauso wie für Journalisten geworden.<br />

28 virtuos Ausgabe August 2010<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

WWW.geMa.De – balD ganz neu!<br />

Der Klassiker unter den Kommunikationsplattformen im Internet<br />

ist eine Website. Die GEMA hat natürlich bereits seit vielen Jahren ihre<br />

„ständige Vertretung im Netz“. Mitglieder, Kunden, Journalisten und<br />

alle, die sich für die GEMA interessieren, finden auf www.gema.de<br />

Wissenswertes: von Formularen bis hin zu Tarif-Informationen oder<br />

der PLZ-Suche nach der zuständigen Bezirksdirektion (für Kunden-<br />

anfragen). Die große Musikrecherche-Datenbank ist ebenfalls ein häufig<br />

genutztes Service-Angebot.<br />

Da im Internet die Zeit noch schneller vergeht als „offline“, ist auch<br />

für die GEMA-Website nach dem letzten Relaunch 2007 nun wieder eine<br />

Verjüngungskur angesagt: Bis Ende 2010 wird die komplett überarbeitete<br />

Seite an den Start gehen – mit einem deutlich erweiterten Service-<br />

angebot für Mitglieder und Kunden und sowie der Einbindung der<br />

Web 2.0 Tools.<br />

MySpace.coM/geMadialog –<br />

Der klaSSiker Für MuSiker<br />

Die Plattform für Musikschaffende im Netz ist seit Jahren MySpace,<br />

einer der Klassiker im Bereich Social Media.<br />

Daher findet sich hier auch „GEMAdialog“. Seit April 2010 hat die<br />

Seite schon rund 100 „Freunde“ gefunden, fast alles Musikschaffende<br />

aus dem In- und Ausland. Der besondere Service von MySpace: Neben<br />

den Informationen rund um die GEMA, Neuigkeiten, Bildern und Videos<br />

kann man über diesen Zugang auch verfolgen, was GEMAdialog<br />

gerade twittert, hat Einblick auf den GEMA-Blog und somit immer alle<br />

Social Media Aktivitäten der GEMA im Blick.<br />

intErn<br />

Web 2.0<br />

www.gema.de http://blog.gema.de<br />

www.myspace.com/GEMAdialog<br />

29<br />

blog.geMa.De –<br />

Die plattForM Für hintergrünDe<br />

unD DiSkuSSionen<br />

Pünktlich zum Deutschen Musikautorenpreis<br />

dieses Jahres startete die GEMA nicht nur<br />

mit der Website www.musikautorenpreis.de,<br />

sondern auch mit einer eigenen Blog-Site.<br />

Blog ist die Kurzform des englischen Wortes<br />

Weblog und bedeutet soviel wie Internet-Journal,<br />

Internet-Tagebuch. Die „GEMA Blogger“<br />

des Kommunikationsteams berichten direkt<br />

von Veranstaltungen der GEMA, schreiben über<br />

Hintergründe zu Themen, die Mitglieder aber<br />

auch andere Interessierte nicht nur informieren,<br />

sondern auch zum Diskutieren einladen. Videostreams<br />

und Bilder von Veranstaltungen sowie<br />

Konferenzen ergänzen das Angebot. Jeder<br />

Beitrag kann selbstverständlich auch kommentiert<br />

werden.<br />

Die zahlreichen Kommentare zeugen vom<br />

Erfolg des Blogs – bis zu 4.500 Seitenaufrufe pro<br />

Tag belegen dies auch in Zahlen.<br />

Zu erreichen ist der GEMA Blog über<br />

die Adresse http://blog.gema.de. Für alle<br />

Neulinge in der Blog-Welt: Blog-Links in der<br />

Regel nur ohne „www“!<br />

auF EinEn Blick<br />

http://twitter.com/GEMAdialog<br />

http://blog.gema.de<br />

www.gema.de<br />

www.myspace.com/gemadialog<br />

29


Eine<br />

unendliche<br />

Geschichte<br />

Dicke blaue einbänDe, vergilbte Seiten Mit alten<br />

FotoS unD SpannenDen geSchichten: Wir haben<br />

in Den auSgaben von 1950 unD 1960 Der geMa<br />

nachrichten geblättert unD intereSSanteS –<br />

unD ManchMal aMüSanteS – geFunDen.<br />

TEXT: MAJA VON PRITTWITZ<br />

FOTO: CAROLIN LUDWIGS<br />

von DJS, Schallplatten unD<br />

SenDeplätzen<br />

(auSgabe Juli 1960)<br />

DJs, die ihre eigenen Sendeplätze<br />

im Radio haben und dort ihre Schallplatten<br />

auflegen, gibt es heute nicht<br />

mehr viele. Im Hier und Jetzt bestimmen<br />

meist die Moderatoren das zu sendende<br />

Repertoire. In den 50er-Jahren<br />

sah das ganz anders aus. Damals trugen<br />

DJs maßgeblich zum Erfolg des Radiosenders<br />

bei. In einer Tagung der Disk<br />

Jockey Association (DJA) in Minneapolis<br />

im August 1960 wurde sogar ein Moral-<br />

kodex verabschiedet, wie sich Schallplatten-Jockeys<br />

zu verhalten haben.<br />

Dieser besagt unter anderem, dass es<br />

die Hauptaufgabe eines Diskjockeys ist,<br />

dem Rundfunkgewerbe Ehre zu machen<br />

und ihm den Beifall des Publikums zu<br />

verschaffen. Eine unvoreingenommene<br />

Bewertung der zu sendenden Schallplatten<br />

sei dabei das A und O.<br />

Eigentlich doch eine nette Sache …<br />

oder nicht?<br />

30 virtuos Ausgabe August 2010<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

intErn<br />

GEMA Nachrichten<br />

„Wir haben Doch keine zeit“<br />

(auSgabe DezeMber 1950)<br />

Ein Problem, dass es früher genauso gab wie heute: Die gute alte Zeit,<br />

von der man ja bekanntlich nie viel hat. Dass die GEMA vor sechzig Jahren<br />

einen Aufruf an die Verleger startete, sie mögen ihr doch bitte dabei helfen,<br />

Zeit zu sparen, ist verständlich. Damals wurde noch über Briefe kommuniziert,<br />

die Schreibmaschine ersetzte den heutigen PC und überhaupt ging<br />

alles viel, viel langsamer vonstatten. Aber heute, in Zeiten elektronischer<br />

Datenverarbeitung, in Zeiten der Internet-Flatrate, des Handys etc. müsste<br />

doch eigentlich das Problem Zeitmangel aus der Welt geschafft sein. Ist es<br />

aber nicht und wird es wahrscheinlich auch niemals sein – auch wenn man<br />

sich vielleicht irgendwann in der Zukunft binnen Sekunden von Deutschland<br />

nach Amerika beamen kann.<br />

31<br />

auSzug auS DeM „geMa-lexikon“<br />

(auSgabe Juli 1960)<br />

Noch vor 50 Jahren bestand anscheinend<br />

kein Konsens darüber, was ein Musikverleger ist.<br />

Die englische Autorengesellschaft (Performing<br />

Right Society) startete sogar eine Untersuchung,<br />

um den Begriff „Musikverlag“ genau zu definieren.<br />

Ist nun ein Musikverlag ein Unternehmen,<br />

das Musik veröffentlicht, oder darf sich auch ein<br />

Unternehmen, welches lediglich das Copyright<br />

von Musik innehat, Musikverlag nennen? Ein<br />

halbes Jahrhundert ist vergangen, heute sind wir<br />

uns einig: Laut Brockhaus ist ein Musikverlag „ein<br />

Verlag, der Musikalien und Musikschrifttum produziert<br />

und vertreibt, Aufführungsmaterial verleiht<br />

und Rechte (Urheberrecht) verwaltet.“<br />

31


Jungen nachWuchStalenten eine chance geben, ganz groSS<br />

rauSzukoMMen unD DaMit kulturFörDerung zu betreiben –<br />

DieSe iDee Steht hinter DeM geMa-nachWuchSFörDerproJekt in nrW.<br />

TEXT: MAJA VON PRITTWITZ<br />

FOTOS: ULF SCHRADER, PETER OTWOROWSKI<br />

Aller Anfang ist schwer – so auch für Nachwuchskünstler<br />

in der Musikbranche. Um jungen Urhebern zu helfen, den<br />

nächsten Schritt auf der Karriereleiter zu gehen und sich einen<br />

Namen zu machen, hat die GEMA Nordrhein-Westfalen in<br />

Zusammenarbeit mit dem Landesmusikrat e.V. das Nachwuchsförderprojekt<br />

NRW ins Leben gerufen. „Wir möchten mit diesem<br />

Pilotprojekt jungen, engagierten Musikern die Möglichkeit<br />

geben, regelmäßig aufzutreten und ihr Repertoire zu spielen“,<br />

so Marc-André Höper von der GEMA-Bezirksdirektion NRW.<br />

Kajo Jacob, Nico Gastreich und Hans Klüting vom<br />

Förderverein Die.Jazz<br />

nachwuchs<br />

GEMA-Nachwuchs-<br />

förderprojekt NRW<br />

dEr ErstE<br />

grossE<br />

auFtritt<br />

Zahlreiche Betriebe in Nordrhein-Westfalen haben sich für<br />

das Nachwuchsförderprojekt beworben, ausgewählt wurden für<br />

die Startphase 30 von ihnen. Diese werden nun ein Jahr lang<br />

jungen Rock-, Pop- und Jazzkünstlern die Möglichkeit geben, bei<br />

ihnen aufzutreten. Belohnt werden die Betriebe für ihr Engagement<br />

mit vergünstigten GEMA-Tarifen.<br />

Eine der von der GEMA und dem Landesmusikrat für das<br />

Projekt ausgewählten Bühnen ist der Dortmunder „Storckshof“.<br />

Inhaber Kajo Jacob ist Mitglied und Financier des Fördervereins<br />

für traditionellen Jazz „Die.Jazz“. Von September bis Mai organisiert<br />

er im Storckshof jeden Dienstag einen traditionellen Jazzabend,<br />

an dem unterschiedliche Nachwuchs-Bands auftreten.<br />

„Unser Saal ist jede Woche proppevoll. Manchmal spielen bei<br />

uns sogar Künstler aus Holland“, so der 58-jährige Gastronom.<br />

Schon seit 1986 finden im Storckshof wöchentlich Jazz-Konzerte<br />

statt. Im Rahmen des Nachwuchsförderprojekts NRW werden<br />

nun vermehrt „Frischlinge“ der Musikbranche auftreten. „Das<br />

Projekt ist eine tolle Sache. Junge Musiker sollten viel mehr<br />

gefördert werden. Wir freuen uns immer, wenn eine junge Band<br />

bei uns auftritt und ordentlich Stimmung macht.“<br />

Seit Anfang 2010 läuft das Nachwuchsförderprojekt NRW.<br />

Die Organisatoren, der Direktor der GEMA-Bezirksdirektion<br />

NRW Erich Wulff und Direktionsassistent Marc-André Höper,<br />

sind zufrieden: „Wir arbeiten derzeit schon an der Weiterentwicklung<br />

des Konzepts. Es ist angedacht, dass die Veranstalter<br />

unterein-ander die Künstler ‚tauschen‘ und ein richtiges Netzwerk<br />

entsteht“, sagt Marc-André Höper. „Wenn es so positiv weitergeht,<br />

werden wir das Projekt in jedem Fall weiter ausdehnen.“<br />

Mehr Informationen zum Förderprojekt finden Sie auch<br />

im Internet unter www.gema.de/nachwuchs<br />

32 virtuos Ausgabe August 2010<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

Wider das<br />

Musik-Mobbing<br />

DaS So Wichtige theMa Der MuSikaliSchen erziehung unD nachWuchS-<br />

FörDerung zieht Sich Wie ein roter FaDen Durch virtuos. heute niMMt<br />

nikolai baDinSki Mit SeineM gaStkoMMentar Den FaDen auF. Der koMponiSt<br />

iSt MitglieD Der europäiSchen akaDeMie Der künSte, WiSSenSchaFten unD<br />

literatur in pariS. Sein leiDenSchaFtlicheS unD Sehr perSönlicheS „pläDoyer<br />

Für Die erziehung Durch unD zur MuSik“ erSchien – in auSFührlicher<br />

FaSSung – bereitS in Der nMz, auSgabe 6/2010, unD erFuhr Dort Sehr<br />

viel reSonanz. Der ungekürzte beitrag iSt zuDeM iM archiv DeS<br />

geMa-neWSletterS abruFbar.<br />

TEXT: NIKOLAI BADINSKI<br />

Seitdem ich mich erinnere, wird Musik-<br />

unterricht in der Schule als etwas beinahe<br />

Überflüssiges betrachtet. Dadurch wird<br />

die musikalische Ausbildung der jungen<br />

Menschen in den Hinterhof verdrängt<br />

oder ganz vom Hof gejagt.<br />

Dass sich diese Tendenzen in der Bildungspolitik<br />

aktuell verstärkt manifestieren,<br />

ist zu bedauern; dieses Armutszeugnis<br />

für Politiker, Bildungsfunktionäre und<br />

unsere Gesellschaft insgesamt führt zu<br />

katastrophalen Erscheinungen in der gesellschaftlichen<br />

Entwicklung.<br />

In den letzten Jahrzehnten wurde in<br />

mehreren Wissenschaftszweigen nachgewiesen,<br />

dass eine Beschäftigung der<br />

Kinder und Jugendlichen mit Musik ihre<br />

Intelligenz und soziales Verhalten enorm<br />

fördert. Trotz aufschlussreicher Erfahrungen<br />

seit Jahrhunderten berücksichtigt<br />

man solche elementaren Wahrheiten<br />

kaum, lernt man nichts daraus. Eher umgekehrt<br />

– es wird immer schlimmer. Man<br />

beklagt steigende Jugendkriminalität und<br />

Verwahrlosung. Man sucht verzweifelt<br />

nach Auswegen aus der Misere in unserer<br />

Gesellschaft. Wie so oft wird nicht an<br />

den richtigen Stellen gesucht. Es werden<br />

für Reparaturen verheerender Schäden<br />

im Gesellschaftsleben Unsummen von<br />

Gelder ausgegeben, anstatt die Schäden<br />

präventiv zu vermeiden. Man neigt dazu,<br />

Symptome zu kurieren, anstatt gegen die<br />

Ursachen vorzugehen.<br />

Nicht nur in der schulischen Ausbildung<br />

wird die Musik hinausgedrängt. Die<br />

staatliche Förderung für die Musikschulen<br />

wird permanent gekürzt, obwohl die<br />

Zahl der Lernwilligen erfreulicherweise<br />

steigt. Es ist kaum vorstellbar, dass ein<br />

Mensch in der einen Hand ein Musik-<br />

instrument hat und in der anderen eine<br />

Waffe hält.<br />

Man muss – und vor allem die Politiker<br />

und die anderen in der Gesellschaft<br />

Verantwortung Tragende – begreifen:<br />

Wenn von der Bedeutung der Musik gesprochen<br />

wird, geht es nicht nur um Ästhetik.<br />

Das Erlernen eines Instruments<br />

bringt mit sich eine Strukturierung im Alltag.<br />

Es lehrt Disziplin, Willensstärkung,<br />

Verantwortung und viele andere menschliche<br />

Qualitäten, einschließlich sozialer<br />

Kompetenzen. Durch Musik und<br />

Musikausüben kann man Toleranz lernen<br />

und sie praktizieren. In einem Klang-<br />

körper musizieren Menschen aus verschiedenen<br />

Kulturkreisen friedlich miteinander.<br />

Durch die im Dienst der Musik<br />

erweckte Zusammenarbeit entwickeln sie<br />

Interesse für- und aneinander.<br />

Ein Gedanke noch: Mit dem Verständnis<br />

des Begriffes „Kunst“ wird in der<br />

öffentlichkeit der Musik großes Unrecht<br />

getan. Kunst ist ein Oberbegriff und<br />

umfasst alle Künste, die Musik selbst-<br />

redend auch. In der Praxis wird das Wort<br />

„Kunst“ aber von den visuellen Künsten<br />

nachwuchs<br />

Plädoyer für Musikerziehung<br />

überlagert. Dabei geht es hier nicht um<br />

Begriffspielerei. Für viele bedeutet Kunstförderung<br />

leider, sich einseitig nur für<br />

visuelle Künste einzusetzen. Musikalische<br />

Aktivitäten fehlen ganz oder werden als<br />

ein Stiefkind behandelt.<br />

In diesem Zusammenhang kann man<br />

breite Abhandlungen über unsere vorwiegend<br />

visuell und materiell orientierte<br />

Gesellschaft schreiben. Bei den visuellen<br />

Künsten kann man „bunt“ und „eventträchtig“<br />

etwas präsentieren, man kann es<br />

kaufen, verkaufen, Profit machen, als<br />

Geldanlage benutzen. Mit der immateriellen<br />

Musik geht so etwas nicht so leicht. Sie<br />

hat subtilere Wirkung…<br />

Es mutet beinahe absurd an, im Land<br />

der Komponisten und der Musik Letztere<br />

verteidigen zu müssen. Bei der „Verteidigung<br />

der Musik“ – sie benötigt das eigentlich<br />

nicht – und ihres gebührenden Platzes<br />

im Gesellschaftsleben geht es um mehr.<br />

Die Gesellschaft sollte die Musik verteidigen,<br />

denn es geht um die Gesellschaft<br />

selbst! Immerhin: Die engagierten Reaktionen<br />

und Aktivitäten sehr vieler<br />

Menschen in der letzten Zeit gegen Überlegungen<br />

und Wünsche einiger Politiker<br />

für geringere musische Erziehung der<br />

Jugend lassen hoffen.<br />

33


3-punktE-wurf?<br />

BErlinEr rEdE zuM AuftAkt von korB 3<br />

bunDeSJuStizMiniSterin Sabine leutheuSSer-Schnarrenberger Sprach über<br />

Die reForM DeS urheberrechtS unD alle hörten genau zu – WaS koMMt Mit<br />

Der 3. urheberrechtSnovelle (korb 3) unD Wann koMMt eS? virtuos hat Sich<br />

Die reDe angehört – unD StiMMen Dazu eingeFangen.<br />

TEXT: mp<br />

FOTOS: FOTOLIA/DOMINIK DIESING, GEMA,<br />

BUNDESVERBAND MUSIKINDUSTRIE E.V.,<br />

VUT, DEUTSCHER KULTURRAT<br />

B<br />

erlin, 14. Juni 2010, Berlin-Brandenburgische<br />

Akademie der Wissenschaften. Bundesjustiz-<br />

ministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger<br />

beginnt ihre zukunftsweisende „Berliner Rede zur<br />

Reform des Urheberrechts“ mit einem Rückblick:<br />

„Meine Damen und Herren, lassen Sie mich<br />

eingangs meiner Rede Altbundespräsident Roman<br />

Herzog zitieren: [...] ,Erbärmlich ein Eigentumsbegriff,<br />

der sich nur auf Sachgüter, Produktionsmittel<br />

und Wertpapiere bezieht und die Leistungen des<br />

menschlichen Geistes ausklammert! Erbärmlich<br />

eine Gesellschaft, die sich einen solchen Eigentumsbegriff<br />

leisten wollte!‘“<br />

So mancher Zuhörer atmete auf: Die Rede der<br />

Justizministerin, die der Auftakt zum sogenannten<br />

„Korb 3“ war, begann gut für die Belange der Urheber.<br />

Der Rückblick war aber schnell vorbei und die<br />

Ministerin blickte in die Zukunft und auf das, was<br />

Korb 3 (er)füllen muss: „Die entscheidende Frage ist:<br />

Wie kann dieser Schutz des geistigen Eigentums als<br />

Voraussetzung für kulturelle Vielfalt, Kreativität und<br />

wissenschaftliche Leistungen ausgestaltet werden?<br />

Eines ist doch klar: Wir können nicht einfach die<br />

Mechanismen der analogen Welt eins zu eins auf die<br />

digitale Welt übertragen.“<br />

Konkrete Lösungen für neue Mechanismen<br />

präsentierte die Ministerin nicht – aber machte klar,<br />

was sie nicht will: Eine Kulturflatrate oder auch<br />

Internetsperren nach dem Drei-Stufen-Modell aus<br />

Frankreich. Deutlich wurde sie hingegen beim Blick<br />

auf die Provider und ihr Zutun für den Schutz<br />

geistigen Eigentums im Internet: „Dazu gehört für<br />

mich, dass wir jedenfalls in der Diskussion um die<br />

Fortentwicklung der Providerhaftung klar Position<br />

im Interesse der Urheber beziehen.“<br />

Im Gegensatz zu den grenzenlosen Räumen des<br />

Internets sei das Territorium der Europäischen Union<br />

geradezu überschaubar – was aber nicht bedeutet,<br />

dass es nicht auch hier notwendige Neuerungen<br />

geben müsse: „Es gibt aber einen Bereich, der noch<br />

nicht europäisch geregelt ist und wo wir dringend<br />

gleiche ‚Spielregeln‘ in Europa brauchen, nämlich<br />

bei den Regeln für Verwertungsgesellschaften [...]<br />

wir sollten allgemein europäische verbindliche Vorgaben<br />

für Verwertungsgesellschaften festlegen, zum<br />

Beispiel zur Transparenz, Aufsicht und den außergerichtlichen<br />

Streitschlichtungsmechanismen.“<br />

Beifall gab es am 14. Juni 2010 in Berlin nach der<br />

Rede von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.<br />

Nun muss sich zeigen, was der Rede folgt – und<br />

wann die hochgesteckten Ziele im politischen Alltag<br />

angepackt werden.<br />

Dagmar Sikorski, Präsidentin des DMV:<br />

„Mit der Forderung nach Regeln, die die kulturelle<br />

Vielfalt sichern, und den geplanten EU-Vorgaben<br />

für Verwertungsgesellschaften spricht uns<br />

Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger<br />

aus der Musikverleger-Seele.“<br />

34 virtuos Ausgabe August 2010<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

stimmEn zur<br />

„BErlinEr rEdE zur rEForm dEs<br />

urhEBErrEchts“<br />

Dr. Harald Heker,<br />

Vorstandsvorsitzender der<br />

GEMA: „Wir befürworten diesen<br />

Ansatz seit langem und hoffen,<br />

dass damit möglichst bald die<br />

richtigen Entscheidungen im<br />

Interesse der Urheber<br />

getroffen werden.“<br />

politik<br />

Reform des Urheberrechts<br />

Mark Chung,<br />

Vorsitzender des VUT:<br />

„Die Rede verdeutlichte, [...]<br />

dass sich die Ministerin mit<br />

der Komplexität des Themas<br />

Urheberrecht in der digitalen<br />

Welt intensiver als viele ihrer<br />

Kollegen auseinandersetzt<br />

und gewillt ist, zu Lösungen beizutragen.“<br />

Prof. Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes<br />

Musikindustrie e. V.: „Die Justizministerin hat ein klares<br />

Bekenntnis für ein starkes Urheberrecht für Kreative und<br />

Produzenten abgegeben und der Gratiskultur im Internet<br />

eine Absage erteilt.“<br />

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats:<br />

„Sie machte unmissverständlich und richtigerweise deutlich,<br />

dass das Urheberrecht attraktive Geschäftsmodelle nicht ersetzen<br />

kann und dass die Verwerter künstlerischer Leistungen auf-<br />

gerufen sind, solche Modelle für die digitale Welt zu entwickeln.<br />

Unklar blieb allerdings, was das Bundesjustizministerium im<br />

Urheberrecht machen will. Hier wurde auf die anstehenden<br />

Anhörungen zu Teilaspekten der Urheberrechtsreform (Korb 3)<br />

verwiesen. Es wäre schön gewesen, wenn die Ministerin die Katze ein<br />

bisschen mehr aus dem Sack gelassen hätte.“<br />

NAchrichTeN<br />

aus BrüssEl<br />

Digitale agenDa Der eukoMMiSSion<br />

– pläne Für online-MuSikbereich<br />

unD Mehr<br />

TEXT: mp<br />

A<br />

m 15. Mai stellte die Europäische Kommission<br />

eine digitale Agenda zur Förderung von Wirtschaftswachstum<br />

und Wohlstand in Europa vor: „Wir müssen<br />

die Interessen der europäischen Bürger und<br />

Unternehmen in den Vordergrund der digitalen Revolution<br />

stellen“, begründete Neelie Kroes, die für<br />

die digitale Agenda zuständige Vizepräsidentin der<br />

Kommission, den Aktionsplan.<br />

Dieser beinhaltet sieben vorrangige Aktions-<br />

bereiche, die alle eng mit dem Thema Internet und<br />

digitales Zeitalter verbunden sind:<br />

- Schaffung eines digitalen Binnenmarkts<br />

- Größere Kompatibilität<br />

- Steigerung von Vertrauen und Sicherheit<br />

im Internet<br />

- Viel schnellere Internetverbindungen<br />

- Mehr Investitionen in die Forschung<br />

und Entwicklung<br />

- Verbesserung der digitalen Kompetenzen<br />

- Integration sowie Einsatz der Informations- und<br />

Kommunikationstechnologien zur Bewältigung<br />

gesellschaftlicher Herausforderungen wie<br />

Klimawandel und Bevölkerungsalterung<br />

Für die Einrichtung eines europaweiten Angebots<br />

im beispielhaft genannten Online-Musik-<br />

bereich fordert die Kommission eine Erleichterung<br />

der grenzüberschreitenden Online-Lizenzierung.<br />

Hierzu müsse die Verwaltung und Transparenz der<br />

kollektiven Rechtewahrnehmung verbessert und an<br />

den technischen Fortschritt angepasst werden, so<br />

Kroes. Die Agenda beinhaltet dafür folgende<br />

Punkte:<br />

- Als geeignetes Rechtsinstrument hierfür schlägt<br />

Kroes ähnlich wie ihr Amtskollege, Binnenmarktkommissar<br />

Michael Banier, eine Richtlinie für die<br />

kollektive Rechtewahrnehmung vor. Allerdings<br />

zielt ihre Richtline v.a. auf den Online-Bereich ab.<br />

- Zusätzlich eine Richtlinie über verwaiste Werke<br />

bis 2010<br />

Des Weiteren fordert die Kommission Lösungen<br />

für eine grenzübergreifende europaweite<br />

Lizenzierung im audiovisuellen Sektor. Solche<br />

Lösungen sollten allerdings die Vertragsfreiheit der<br />

Rechteinhaber wahren, so Neelie Kroes: „Die Rechte-<br />

inhaber würden somit nicht gezwungen, Lizenzen<br />

für ganz Europa zu erteilen, sondern könnten ihre<br />

Lizenzen auf bestimmte Gebiete beschränken und<br />

die Höhe der Lizenzgebühren vertraglich festsetzen.“<br />

35


c/o pop 2010:<br />

Die Zukunft<br />

gehört Den<br />

Mutigen<br />

TEXT: mp<br />

FOTOS: TOBIAS VOLLMER<br />

brückEnschlag<br />

In Köln diskutierten erneut höchst erfolgreich<br />

Popkultur und Kreativwirtschaft<br />

Neuer Termin, erweitertes Konzept – noch mehr<br />

Erfolg: Die c/o pop 2010 überzeugte die Teilnehmer<br />

auf ganzer Linie. cologne on pop – oder kurz einfach<br />

c/o pop – ein Sommermärchen! Mit der 7. Ausgabe<br />

des Kölner Festivals und der erstmals ausgerichteten<br />

C’n’B – Creative Business Convention – gelang<br />

der c/o pop der Brückenschlag zwischen Popkultur<br />

und Kreativwirtschaft, den die Organisatoren jedes<br />

Jahr aufs Neue anstreben.<br />

Und damit haben sich der neue Termin Ende<br />

Juni und die erstmals abgehaltene C’n’B gleich bewährt<br />

– Hochsommer und harter Konkurrenz durch<br />

die Fußball-WM zum Trotz. Mehr als 30.000 Besucher<br />

kamen allein zu den Konzerten des Festivals,<br />

das traditionell zur c/o pop gehört.<br />

Besonders hervorgehoben wurde von allen<br />

Fachbesuchern die C’n’B mit ihren über 150 Referenten,<br />

rund 45 Einzelveranstaltungen und 40 Kooperationen<br />

– 1.400 Teilnehmer aus allen Bereichen<br />

der Musikbranche und Kreativwirtschaft verfolgten<br />

den Gedankenaustausch und die Plattform für die<br />

Entwicklung neuer Geschäftsmodelle – von Musik<br />

und Games sowie Film und TV über Mode und Design<br />

hin zu Architektur und Kunst. Das C’n’B-Motto<br />

„Die Zukunft gehört den Mutigen“ wurde während<br />

zwei Tagen lebendig!<br />

Sie haben die c/o pop in diesem Jahr verpasst?<br />

Dann holen Sie sich etwas c/o pop-Stimmung mit<br />

„TV c/o pop“ auf Ihren Computer: Auf www.co-pop.de<br />

führt der Weg direkt in den eigenen TV-Kanal.<br />

VEranstaltungEn<br />

c/o pop, Berlin Music Week<br />

TEXT: mp<br />

FOTOS: VINCENT<br />

SCHWENK/<br />

DANIELA FRITZSCH<br />

Vom<br />

6. bis 12. September steht Berlin ganz im<br />

Zeichen der Musik – während der Berlin Music<br />

Week. Und was ist mit der Popkomm, fragen Sie<br />

sich? Die sollte doch auch dann stattfinden?<br />

Tut sie auch: Denn die Berlin Music Week vereint<br />

unter sich auf dem Areal des Flughafens<br />

Berlin Music Week:<br />

popkoMM,<br />

all2gethernoW unD<br />

Berlin festival<br />

heBen geMeinsaM aB!<br />

Tempelhof die Popkomm als internationalen Marktplatz<br />

(„Mehr Musik, mehr Programm“), die all2-<br />

gethernow als Kongress („neues Format für neue<br />

Zeiten“) und das Berlin Festival, das am 10. und 11.<br />

September auf dem Flughafengelände das größte<br />

Open-Air-Areal des Landes mit 70 Bands öffnet.<br />

Die Reise nach Berlin lohnt sich auf jeden Fall –<br />

Tickets und genaue Programminformationen gibt<br />

es unter www.berlin-music-week.de. Die GEMA ist<br />

in dieser Woche natürlich auch mit dabei.<br />

JEdE MEngE platz<br />

Statt Flugzeugen landen immer mehr Veranstaltungen<br />

auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof.<br />

Der neueste Gast: die Berlin Music Week.<br />

36 virtuos Ausgabe August 2010<br />

urheber<br />

schützen<br />

DMv-JahreStagung:<br />

geMa inForMiert über<br />

veränDerungen bei<br />

online-lizenzen.<br />

TEXT: ANGELA PIETZSCH<br />

FOTO: DMV/CAROLINE SEIDEL<br />

Der Deutsche Musikverleger-Verband<br />

(DMV) wird weiterhin Überzeugungsarbeit<br />

bei Politikern und anderen<br />

Entscheidungsträgern leisten. Kürzungen<br />

bei Bund, Ländern und Kommunen<br />

dürften nicht auf dem Rücken der Kultur<br />

ausgetragen werden, forderte Dagmar<br />

Sikorski, Präsidentin des DMV, auf der<br />

Jahrestagung des DMV am 8. Juni. Sikorski<br />

lobte sowohl Bundesjustizministerin Sabine<br />

Leutheusser-Schnarrenberger als auch<br />

Kulturstaatsminister Bernd Neumann, die<br />

sich beide für den Schutz der Urheber einsetzten.<br />

Eines der wichtigsten Themen<br />

für den DMV sei darüber hinaus der Vorschlag<br />

für eine EU-Richtlinie der Generaldirektion<br />

Binnenmarkt, mit der das<br />

Wahrnehmungsrecht innerhalb der EU<br />

harmonisiert werden soll.<br />

Die GEMA berichtete auf der Jahrestagung<br />

des DMV über Veränderungen im<br />

Online-Lizenzbereich im Zuge der sogenannten<br />

Option 3: Früher konnte die<br />

GEMA für Deutschland das Weltrepertoire<br />

der Musik wahrnehmen. Heute können sowohl<br />

Verlage als auch Schwestergesellschaften<br />

ihr Repertoire auf paneuropäischer<br />

Ebene und damit auch in<br />

Deutschland selbst wahrnehmen. „Die dadurch<br />

bedingte Repertoire-Trennung innerhalb<br />

Deutschlands erfolgt dabei nicht<br />

auf Werk-, sondern auf Werkteil-Ebene,<br />

was eine entsprechend neuartige Lizenzierung<br />

durch uns erfordert“, sagte GEMA-<br />

Direktor Dr. Urban Pappi.<br />

In Zukunft wird die GEMA die Lizenznehmer<br />

im Online-Bereich in drei Kundengruppen<br />

einteilen: Kleinkunden, mittelgroße<br />

Kunden und Großkunden, bei denen<br />

eine Repertoirebündelung meist nicht<br />

mehr möglich ist. Das neue Abrechnungssystem<br />

LION ermöglicht eine entsprechend<br />

anteilsbezogene Lizenzierung und<br />

Verteilung bereits jetzt – in Bezug auf positiv<br />

definiertes Repertoire.<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

übErzEugungsarbEit lEistEn<br />

Motivierte Gesichter auf der Jahrestagung des DMV: (v.l.) Karl-Heinz Klempnow<br />

(Ehrenmitglied des DMV), Dagmar Sikorski (DMV-Präsidentin), Kilian Steiner<br />

(GEMA-Justitiar) und Dr. Urban Pappi (Direktor Sendung und Online bei der GEMA)<br />

Die aktuelle Tarifsituation im Onlinebereich<br />

sorgte ebenfalls für Gesprächsbedarf.<br />

Dr. Urban Pappi sagte, dass die Tarife<br />

VR OD 4 für Video-on-Demand und VR OD<br />

5 für Music-on-Demand über dem europäischen<br />

Durchschnitt lägen, Nutzer nähmen<br />

sie kaum an. „Als Lösung kommt zum<br />

einen ein Vergleich mit dem Verband Bit-<br />

Kom, eine einseitige Anpassung der Tarife<br />

oder die Weiterführung des Verfahrens in<br />

Frage“, sagte Dr. Urban Pappi. Eine<br />

Schiedsstelle hatte im Mai einen Einigungsvorschlag<br />

mit BitKom verkündet. Dr.<br />

Urban Pappi: „Die GEMA wird nach intensiven<br />

Gesprächen mit der Nutzerseite eine<br />

Entscheidung über die weitere Vorgehensweise<br />

treffen.“<br />

Andreas Thiele, Stellvertreter des Direktors<br />

Vervielfältigungsrechte und Ausland,<br />

berichtete hingegen von erfreulichen<br />

VEranstaltungEn<br />

Jahrestagung des DMV<br />

Entwicklungen bei der Mitgliederausschüttung<br />

in den Onlinesparten. Er nannte<br />

zwei Gründe: Zum einen konnte der<br />

Gesamtausschüttungsbetrag in der Sparte<br />

MOD erheblich gesteigert werden. Zum<br />

anderen hat die GEMA einen großen<br />

Schritt in Richtung werkbezogener und<br />

wertgenauer Verteilung getan. Dank der<br />

Umstellung des Lizenzierungs- und Abrechnungsprozesses<br />

im Onlinebereich auf<br />

neue IT-Systeme können mittlerweile auch<br />

geringe Umsätze wertgenau an die Mitglieder<br />

ausgeschüttet werden. Die neuen<br />

Systeme ermöglichen es der GEMA außerdem,<br />

dem Wunsch der Mitglieder nach detaillierten<br />

Informationen zu den abgerechneten<br />

Online-Nutzungen nachzukommen.<br />

Diese sollen ab Anfang kommenden Jahres<br />

zur elektronischen Übermittlung zur Verfügung<br />

stehen.<br />

37


VEranstaltungEn<br />

Eurovision Song Contest<br />

Während Stefan Raab (rechtes Foto) und<br />

Lena feierten ...<br />

... traten die Urheber John Gordon und<br />

Julie Frost eher verhalten auf.<br />

38<br />

Oslo, 30. Mai 2010, kurz nach ein Uhr morgens. Unter erfuhren<br />

ohrenbetäubendem Jubel hält die Gewinnerin des 55. Eurovision<br />

Song Contests Einzug ins Pressezentrum, wo sie von Journalisten<br />

und Fans sehnsüchtig erwartet wird. Lena Meyer-Landrut hat<br />

nach 28 langen Jahren den Sieg wieder nach Deutschland geholt.<br />

Während das Team die Pressevertreter einer Sektdusche<br />

unterzieht, wirken die eigentlichen Sieger des Wettbewerbs<br />

angesichts des Medienrummels sichtlich perplex: Nie hätten<br />

Julie Frost und John Gordon damit gerechnet, als Urheber<br />

von „Satellite“ selbst im Mittelpunkt des Interesses zu stehen.<br />

Dabei wurde der Eurovision Song Contest einst als Kompositionswettbewerb<br />

ins Leben gerufen, um „durch die internationale<br />

Konfrontation den Wetteifer der Autoren und Komponisten<br />

anzuspornen“, wie die Statuten von 1955 bezeugen. Bis heute<br />

werden Komponist und Textdichter durch Namenseinblendung<br />

gewürdigt. Und erhalten im Fall eines Siegs den „Grand Prix“,<br />

früher eine goldene Plakette mit dem Sternenlogo der Eurovision,<br />

heute ein Kristallobjekt in Form eines Mikrofons. Doch<br />

diese Tatsache scheint mittlerweile in Vergessenheit geraten zu<br />

sein: Julie Frost, die „Satellite“ 2008 im heimischen Atlanta auf<br />

der Gitarre komponiert hat, muss ihre Trophäe für die Fotografen<br />

immer wieder an Lena ausleihen.<br />

Die Amerikanerin kann selbst nur schwer begreifen, warum<br />

sie und Gordon den Preis erhalten. Denn nachdem der Däne<br />

Akkorden und Melodie von „Satellite“ den nötigen Feinschliff<br />

gegeben hatte, wurde das gemeinsame musikalische Baby<br />

bei Iceberg Publishing und EMI zur Adoption freigegeben. So<br />

DeuTScher<br />

SATeLLiT<br />

Wochenlang Wirbelte lena Durch Die<br />

MeDien. Doch ohne Julie FroSt unD John<br />

gorDon hätte Sie Den euroviSion Song<br />

conteSt vielleicht nie geWonnen.<br />

TEXT: IRVING WOLTHER<br />

FOTOS: INDREK GALETIN (EBU)<br />

beide erst nach dem Finale von „Unser Star für Oslo“,<br />

dass ihre Komposition überhaupt eingereicht worden war.<br />

Auf das endgültige Arrangement hatten sie ebenso wenig<br />

Einfluss wie auf das Audiomastering oder den Bühnenauftritt.<br />

Die Interpretin ihres Liedes lernten sie erst wenige Stunden<br />

vor dem Song Contest im Shuttlebus kennen. Entsprechend verloren<br />

wirkten beide auf dem Podium neben Lena und ihrem<br />

Mentor Stefan Raab.<br />

Mittlerweile haben die beiden Autoren die Tragweite „ihres“<br />

Siegs allerdings realisiert. Doch während John Gordon keine<br />

Ambitionen für eine erneute Teilnahme am Eurovision Song<br />

Contest hegt, scheint Julie Frost Lust auf mehr zu haben: „Es ist<br />

ein unvergessliches Erlebnis, wenn so viele Menschen aus so vielen<br />

Ländern deine Komposition mitsingen“, gesteht sie. „Ich<br />

würde wahnsinnig gerne noch einmal an diesem verrückten<br />

Event teilnehmen. Auch wenn Oslo sicherlich nicht zu toppen<br />

sein wird.“<br />

lEna für iMMEr<br />

Das Finale des Eurovision Song Contests 2011 in Deutschland<br />

wird am Samstag, 14. Mai, ausgetragen. Die Halbfinals sind für<br />

den 10. und 12. Mai angesetzt, teilte der NDR mit. In welcher<br />

Stadt der Wettbewerb stattfindet, steht noch nicht fest.<br />

Interessiert sind unter anderem Berlin, Hamburg, Hannover<br />

und Köln. Es ist im Gespräch, dass Lena Meyer-Landrut 2011<br />

versuchen soll, ihren Titel zu verteidigen.<br />

38 virtuos Ausgabe August 2010<br />

pErsönlich<br />

Ehrungen für Klaus Doldinger<br />

Musik, die bleibt<br />

klauS DolDinger erhält Den ehrenpreiS DeS bayeriSchen FernSehpreiSeS Für<br />

Sein lebenSWerk SoWie Den echo Jazz alS inStruMentaliSt DeS JahreS national.<br />

TEXT: ANGELA PIETZSCH<br />

FOTOS: BVMI / MARKUS NASS, BAYERISCHE STAATSKANZLEI<br />

D<br />

rei balinesische Fahnen wehen im<br />

kühlen frühsommerlichen Wind, asiatische<br />

Steinskulpturen bewachen das Haus im<br />

oberbayerischen Stil. Idyllisch liegt es in einer<br />

hügeligen Landschaft, knapp hinter<br />

der Grenze des Landkreises München.<br />

Biegt man auf dem Weg zum Haus links ab,<br />

kommt man zum Studio von Klaus<br />

Doldinger. Die Ruhe seines Wohn- und<br />

Arbeitsortes hat er in sich aufgesogen:<br />

„Ach, Lebenswerk klingt doch nach einsamem<br />

Handwerker. Es waren viele Leute<br />

beteiligt“, sagt der Komponist und winkt ab.<br />

„Außerdem steht immer das Momentane<br />

im Vordergrund – und die nähere Zukunft.“<br />

Klaus Doldinger hat am 21. Mai den<br />

Ehrenpreis des Bayerischen Fernsehpreises<br />

für sein „kontinuierliches und qualitätsvolles<br />

Schaffen“ als Musiker und<br />

Komponist erhalten. „Seine Musik verschmilzt<br />

geradezu mit dem bewegten Bild<br />

und weckt die Emotionen“, heißt es in der<br />

Begründung der Jury. Dass er beim Komponieren<br />

für Film, Fernsehen und Werbung<br />

seinen künstlerischen Anspruch verleugnen<br />

müsste, hat der 74-Jährige nie<br />

befürchtet: „Musik muss bestimmte Kriterien<br />

erfüllen. Mich hat es immer gereizt,<br />

dass ich mit dieser Musik immer auch den<br />

Normalbürger erreichen kann. Und ich<br />

habe nie etwas abgeliefert, von dem ich<br />

nicht überzeugt war.“ Dass es mit der ganz<br />

großen Karriere klappt, konnte der junge<br />

Klaus Doldinger lange nicht glauben: „Ich<br />

gehöre zur Nachkriegsgeneration. Dass<br />

man sich als Jazz-Musiker seinen Lebensunterhalt<br />

verdienen kann, lag jenseits aller<br />

Vorstellungskraft.“ Erst, als die ersten Tantiemen<br />

von der GEMA für seine Arbeit als<br />

Autor flossen, wurde dem gebürtigen Berliner<br />

langsam klar, wohin die Reise gehen<br />

könnte.<br />

In den vergangenen rund 50 Jahren<br />

traf er auf dieser Reise Siggi Loch, der ihn<br />

1962 als seinen ersten Schallplatten-<br />

künstler unter Vertrag nahm, spielte er mit<br />

Jazz-Größen wie Kenny Clarke, stürmte er<br />

mit seiner Band „Passport“ die US-Charts.<br />

Viele seiner bekanntesten Werke waren<br />

„glückliche Momente, ein richtiger Einfall<br />

zur richtigen Zeit“: die Musik zu „Das<br />

Boot“, „Tatort“, „Die unendliche Geschichte“<br />

– „da haben wir nicht lange gebastelt,<br />

das blieb alles so“.<br />

In all den Jahren hat Klaus Doldinger<br />

rund 2.000 Werke komponiert. „Manchmal<br />

muss ich selbst ein bisschen überlegen,<br />

wenn ich ein Stück im Radio höre“, sagt er<br />

und lacht auf. „Viele Sachen entdecke ich<br />

auch wieder – und bin positiv überrascht.“<br />

Das ging auch den Machern des Kinofilms<br />

„Ocean’s Thirteen“ so: Sie fragten an, ob sie<br />

den Song „Soul Town“ seiner Band „Motherhood“<br />

für den Soundtrack nutzen durften<br />

– den es niemals auf CD gegeben hatte.<br />

„Da hatte wohl noch jemand die Platte im<br />

Schrank stehen“, vermutet Klaus Doldinger.<br />

Trotz aller Erfolge beim Komponieren,<br />

auf der Bühne zu stehen, ist für Klaus Doldinger<br />

immer noch eine Herzensangelegenheit.<br />

Kein Wunder, dass er am 5. Mai<br />

den erstmals verliehenen ECHO Jazz als<br />

„Instrumentalist des Jahres national Saxophon“<br />

bekommen hat. Übt er denn immer<br />

noch täglich? „Das mache ich nach<br />

Gefühl“, antwortet er. „Ich möchte einen<br />

Zustand erreichen, in dem ich jederzeit<br />

spielbereit bin.“ In der Praxis heißt das:<br />

jeden Tag Klavier, jeden Tag Saxofon. Im<br />

Skiurlaub übt er dann auch gerne in der<br />

Künstlergarderobe im Keller des Hotels.<br />

Ob am Computer beim Layouten von<br />

ganzen Songs, beim Spielen mit den alten<br />

Kollegen von „Passport“ oder im Schneideraum<br />

für die nächste Filmproduktion, das<br />

Ergebnis hat Klaus Doldinger stets vor<br />

Augen: „Was ich möchte, ist ein merk-<br />

fähiges Klangbild, eine merkfähige Melodie.<br />

Musik, die bleibt.“ Um dieses Ziel zu<br />

erreichen, braucht es Glück. Genauso wie<br />

zu einer Karriere wie seiner. „Doch dann<br />

bleibt immer noch die Frage: Ist es Glück<br />

oder Fügung?“, sagt Klaus Doldinger und<br />

schaut weise lächelnd in die Ferne. Vielleicht<br />

kennen ja die asiatischen Steinfiguren<br />

im Garten die Antwort.<br />

Uwe Ochsenknecht präsentiert den ECHO JAZZ Gewinner Klaus Doldinger, der für sein Lebenswerk auch den Blauen Panther bekam.<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

39


herzlichen<br />

glückwunsch!<br />

FOTOS: STILETTO ENTERTAINMENT, CLAUS BARTHOLOME, ARIOLA/SONYMUSIC, PRIVAT (INSTERBURG & CO., KARL DALL, JACK WHITE)<br />

Nicht der Mensch hat am meisten gelebt, welcher die höchsten<br />

Jahre zählt, sondern der, welcher sein Leben am meisten<br />

empfunden hat“, hat Jean-Jacques Rousseau gesagt. Hervorragende<br />

Chancen auf ein intensiv empfundenes Leben hat jeder,<br />

Irma holder<br />

85 jahre<br />

der seine Zeit der Musik und der Textdichtung widmet. Wir<br />

wünschen unseren Geburtstagskindern noch viele starke, positive<br />

Emotionen! Und alles, alles Gute!<br />

irma holder hat für mich wunderbare texte<br />

geschrieben. allen voran natürlich „Der gekaufte<br />

Drachen“. ich habe mit ihr zwar nicht so viele Sachen<br />

gemacht wie mit anderen autoren. aber sie hat<br />

immer mit größter Sorgfalt gearbeitet. Dabei sind<br />

irrsinnig schöne aussagen in liedern wie „ist das<br />

nichts?“ entstanden. eigentlich habe ich irma<br />

holder persönlich ja gar nie richtig kennengelernt,<br />

aber die zusammenarbeit mit ihr war<br />

für mich ganz, ganz wichtig. Sie hat eine<br />

große bedeutung in meinem leben.<br />

udo Jürgens<br />

andrEa bErg<br />

Sängerin<br />

karl Dall gratuliert zum 70.! Das hätte keiner von uns gedacht. Wir wollten nie alt werden<br />

– haben uns über ältere leute sogar lustig gemacht, zum beispiel mit „liebe oma, musst<br />

nicht weinen“ – oder die Weihnachtslyrik: „Das Weihnachtsfest steht vor der tür, oh lass’ es<br />

fröhlich rein – für manches alte Mütterlein wird es das letzte sein!“. alles über „vierzig“<br />

war damals verdammt alt für uns. tja, jetzt hat es uns selbst erwischt! Du wirst 70<br />

(in Worten siebzig). ich folge dir immer, so ein knappes halbes Jahr später. ich jage<br />

dich förmlich vor mir her! Doch erinnerst du dich noch? Die musikalischen anfänge<br />

in der backstube in berlin-halensee? Die ersten auftritte in den kleinen kneipen und<br />

kellertheatern. Die große zeit mit inSterburg & co. War das eine zeit! Was haben<br />

wir zusammen für einen Spaß gehabt!<br />

udo JürgEns<br />

Komponist und<br />

Sänger<br />

liebe irma!<br />

ich danke dir von ganzem herzen für die<br />

liebe, Sehnsucht, träume, leidenschaft und<br />

hoffnung, die du mir und den Menschen<br />

vermittelst. Du gibst der Seele die richtigen<br />

Worte und machst sie lebendig!<br />

Sei behütet,<br />

Deine andrea<br />

karl dall<br />

Sänger und Komiker<br />

40 virtuos Ausgabe August 2010<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

lieber Jack,<br />

wir haben uns erst gestern als junge<br />

Musiker getroffen und jetzt feiern wir<br />

Deinen 70. geburtstag. Du hast der<br />

natur ein Schnippchen geschlagen. Du<br />

bist so jung, begeisterungsfähig, kreativ<br />

und erfolgreich wie immer. Wenn man<br />

Dich im Studio erlebt, dann können sich<br />

viele Jüngere an Dir ein beispiel nehmen.<br />

Danke, dass wir<br />

zusammenarbeiten<br />

können<br />

und danke<br />

für Deine<br />

Freundschaft.<br />

bleib so, wie<br />

Du bist!<br />

Deine ireen<br />

irEEn shEEr<br />

Sängerin<br />

to my friend and genius colleague Jack –<br />

happy birthday and all My love.<br />

barry Manilow<br />

instErburg & co.<br />

Peter Ehlebracht, Karl<br />

Dall, Ingo Insterburg<br />

und Jürgen Barz (v.l.)<br />

brachten Deutschland<br />

in den 70er-Jahren zum<br />

Lachen.<br />

jack WhIte<br />

70 jahre<br />

gEburtstagE<br />

Eine runde Sache<br />

barry Manilow<br />

Sänger<br />

Peter ehlebracht<br />

70 jahre<br />

DIE GEMA GRATUlIERT<br />

IHREn „RUnDEn“<br />

GEBURTSTAGSkInDERn<br />

90 JAHRE<br />

HANS-HELMUT HUNGER<br />

HEINZ MATSCHURAT<br />

HEINRICH WIECHMANN<br />

85 JAHRE<br />

HERBERT BAUMANN<br />

PAUL BISTE<br />

HERMANN IMPERTRO<br />

TEDDY H. LEYH<br />

LUDWIG SEBUS<br />

ERICH STASIK<br />

HELLMUT WORMSBAECHER<br />

ROLF ZIMMERMANN<br />

80 JAHRE<br />

ALOIS ICKSTADT<br />

JUERGEN PETER-BERLIN<br />

RICHARD STRAUSS-KOENIG<br />

HEINZ WERNER<br />

ZIMMERMANN<br />

75 JAHRE<br />

MATTHIAS DICK<br />

BERNHARD ETZEL<br />

KLAUS FISCHBACH<br />

OTTO GROLL<br />

KLAUS JACOB<br />

UWE JOHST<br />

ROBERT JUNG<br />

DIETMAR HORST KINDLER<br />

JOHN BARRY MASON<br />

ARvO PäRT<br />

PETER SCHIRMANN<br />

SIEGFRIED SCHULTE<br />

70 JAHRE<br />

FERI GILLMING<br />

MONIKA JACOBS<br />

GERHARD LAARTZ<br />

BURKHARD LASCH<br />

SIEGFRIED SCHWAB<br />

65 JAHRE<br />

HORST KOENIGSTEIN<br />

NORBERT BERGER<br />

ANDREAS BRAUER<br />

WOLFGANG FABER<br />

ULRICH HUNDT<br />

ANTONIO MESSINA<br />

HEINZ<br />

MUEHLBAUER-GROPE<br />

WILFRIED PEETZ<br />

41


pErsönlich<br />

Zum Todestag von<br />

Walter Kollo<br />

wann und wo<br />

Walter Kollo (M.) mit Herman<br />

Haller (l.) und Willi Wolff 1927 bei<br />

der Revue „Wann und Wo“ im<br />

Admiralspalast Berlin<br />

drEi altE schachtEln<br />

Die Operette „Drei alte Schachteln“<br />

mit Musik von Walter Kollo wurde<br />

1917 mit Claire Waldoff, Grete<br />

Freund und Elli Neubeck in den<br />

Hauptrollen uraufgeführt.<br />

V<br />

„Wie<br />

eiNsT iM<br />

Mai“<br />

zuM 70. toDeStag<br />

von Walter kollo<br />

* 28. Januar 1878<br />

in neiDenburg, oStpreuSSen<br />

† 30. SepteMber 1940<br />

in berlin<br />

TEXT: MARGUERITE KOLLO<br />

FOTOS: PRIVAT, SCHOTT VERLAG<br />

irtuos gedenkt einem großen Komponisten<br />

und engagierten Mitbegründer der GEMA: Walter<br />

Kollo, geboren als Elimar Walter Kollodzieyski,<br />

zählte im Jahre 1915 zu den Gründern der Musikautorengesellschaft<br />

und prägte sie in den ersten<br />

Jahren ihres Bestehens maßgeblich – als Mitglied<br />

des ersten Aufsichtsrats, aber auch weit über<br />

diese Funktion hinaus. Der Operettenkomponist<br />

setzte sich stets mit großem persönlichen Engagement<br />

für die Belange der Urheber ein.<br />

So ebnete er Wege für die kommenden Generationen<br />

der GEMA – und vererbte sein Engagement<br />

auch seinen Nachkommen.<br />

Mit Walter Kollo verlor die Musikwelt einen<br />

der Väter der Berliner Operette und einen<br />

Komponisten ungemein lebendiger Melodien, die<br />

sich bis heute – also nach 100 Jahren – einer besonderen<br />

Lebendigkeit und Popularität erfreuen.<br />

wEnn wiEdEr diE<br />

rosEn blühn<br />

Originalabschrift der ersten<br />

Komposition von „Capellmeister“<br />

Walter Kollodzieyski<br />

Ein tag iM grünEn<br />

Felix Kahlmann (vorne links), Willi<br />

Kollo (vorne rechts), Walter und<br />

Marie Kollo (l.) sowie Franz und<br />

Harriet Arnold (r. ) beim Besuch<br />

eines Gartenlokals in Berlin-<br />

Grunewald, ca. 1925<br />

willi kollo<br />

„Willi Kollo – Als ich jung<br />

war in Berlin“ musikalisch-literarische<br />

Erinnerungen<br />

ISBN 978-3-7957-0194-9 -<br />

ED 20484 - Verlag Schott<br />

Music<br />

Als Hörbuch, gesprochen von<br />

Marguerite und René Kollo, inkl. diverser<br />

historischer Tonaufnahmen, erscheint<br />

im September 2010 bei duo-phonrecords<br />

– ISBN 978-3-9371-271-87/3 CDs<br />

www.kollo.com<br />

42 virtuos Ausgabe August 2010<br />

„Die Deutsche<br />

Stiftung<br />

Musikleben bringt<br />

junge Musiker<br />

und private<br />

Förderer<br />

zusammen.<br />

Ich bin dankbar,<br />

dass ich nun einen<br />

Paten habe.“<br />

Alina Pogostkina<br />

KÖNNER brauchen GÖNNER<br />

Erfolg beruht auf Begabung, etwas Glück und<br />

sehr viel Disziplin – in der Wirtschaft ebenso wie in der<br />

klassischen Musik. Auf ihrem Karriereweg<br />

brauchen junge Künstler aber auch gezielte finanzielle<br />

Förderung. Sei es für den Flug zu einem Konzert in Asien,<br />

einen Meisterkurs in Salzburg oder die Studiomiete für die<br />

Debüt-CD. Leisten Sie mit einer Patenschaft einen<br />

direkten Beitrag dazu, dass ein von Ihnen ausgewählter<br />

„Rising Star“ seinen Traum verwirklicht!<br />

Gern beraten wir auch Sie über Möglichkeiten Ihres<br />

persönlichen Engagements!<br />

Deutsche Stiftung Musikleben<br />

Schirmherr: Bundespräsident Horst Köhler<br />

Stubbenhuk 7, 20459 Hamburg<br />

Fon +49 (40) 37 03 53 90<br />

Fax +49 (40) 37 03 58 43<br />

www.deutsche-stiftung-musikleben.de<br />

Foto: Felix Broede


MiSSion<br />

TEXT: KRISTINA BALBACH<br />

FOTOS: MARK LEHMANN, XAVIER SIVECAS, H-PI INSTRUMENTS<br />

Was wäre, wenn alle Maler dieser<br />

Welt nur zwölf Farben zur Verfügung<br />

hätten? Sie dürften weder tönen noch<br />

schattieren noch mischen. Dieses Bild<br />

bemüht Aaron Andrew Hunt immer<br />

wieder gerne – und verzieht dabei leidvoll<br />

das Gesicht. Für den Komponisten und<br />

Instrumentenentwickler aus dem US-<br />

Bundesstaat Indiana ist die in der westlichen<br />

Musikkultur gesetzte temperierte<br />

Stimmung mit zwölf Tönen pro Oktave<br />

ein enges Korsett. Eine musikalische<br />

Tradition, die ausbremst. Das wollte<br />

Aaron Andrew Hunt im Jahr 2001 nicht<br />

länger einsehen – und entwarf sein erstes<br />

mikrotonales Keyboard, das „Tonal<br />

Plexus“. Seit diesem Prototyp hat der<br />

Musiker seine Boards stetig weiterentwickelt.<br />

Heute sind die verschiedenen<br />

Modelle des „Tonal Plexus“ kombinierbar<br />

mit Synthesizer-Hardware und können<br />

an Notebooks angeschlossen werden.<br />

Einer, der die Vielfalt des mikrotonalen<br />

Keyboards zu schätzen weiß, ist<br />

Instrumentenkenner Markus Dieck, einer<br />

der technischen Koordinatoren bei der<br />

GEMA. Er beschäftigt sich seit seiner<br />

Jugend intensiv mit elektronischer<br />

Musik. Und mit deren Entwicklung: „Ende<br />

der 1980er-Jahre waren mit dem Synthesizer<br />

sämtliche klanglichen Möglichkeiten<br />

ausprobiert und somit ausgeschöpft“,<br />

sagt er. „Heute geht es mit mikrotonalen<br />

Keyboards um neue Harmonien. Ein<br />

spannendes Feld!“ Es sind die vermeintlich<br />

„falschen Töne“, die den 43-Jährigen<br />

faszinieren. Die Zwischentöne. In 18<br />

Schritten von Halbton zu Halbton – Kombinationsmöglichkeiten,<br />

die in anderen<br />

Kulturen, wie zum Beispiel der indischen<br />

mit der Verwendung von Vierteltönen,<br />

Standard sind.<br />

Wegbereiter für solch klangliche<br />

und tonale Experimente waren findige<br />

Entwickler. Zum Beispiel der russische<br />

44<br />

Physikprofessor Lev Sergejewitsch Termen<br />

(1896 – 1993), der sich später Leon<br />

Theremin nannte. Er präsentierte 1920<br />

sein Theremin, ein Instrument, das berührungsfrei<br />

Töne erzeugt und als äußerst<br />

schwer spielbar gilt. Der Musiker<br />

bewegt seine Hände in bestimmten Abständen<br />

zu zwei Antennen und verändert<br />

dabei elektromagnetische Felder. Dadurch<br />

werden Schwingkreise gesteuert,<br />

die Klänge erzeugen. „Revolutionär“, bescheinigt<br />

Instrumentenkenner Markus<br />

Dieck. Genau das Richtige also für Bands,<br />

die neuartig, die anders klingen wollten.<br />

So erregten die Beach Boys Ende der<br />

1960er-Jahre in ihrem Hit „Good Vibrations“<br />

mit einem sirenenartigen Heulton<br />

Aufmerksamkeit und die Rockgiganten<br />

Led Zeppelin verzerrten ihren berühmten<br />

Song „Whole Lotta Love“.<br />

wEnn Musik aus<br />

dEr luft koMMt<br />

Carolina Eyck erzeugt mit ihrem Theremin<br />

über Ätherwellen Klänge. Meistens<br />

mit den Händen. Aber sie liebt den<br />

Gedanken an die Freiheit, dasselbe auch<br />

mit den Füßen tun zu können.<br />

Das Theremin, eines der ersten elektronischen<br />

Instrumente, hat diesen Trend<br />

mit in die Gegenwart genommen. Großen<br />

Anteil daran hat Carolina Eyck. Die<br />

22-jährige Berlinerin gilt neben der Großnichte<br />

Theremins, Lydia Kavina, und Barbara<br />

Buchholz als die Virtuosin der neuen<br />

Theremin-Generation. Mit sieben Jahren<br />

spielte sie erstmals auf der sogenannten<br />

Ätherwellengeige. Heute gibt Carolina<br />

Eyck Konzerte rund um die Welt und<br />

schreibt an ihrem zweiten Lehrbuch über<br />

„Die Kunst des Thereminspiels“. „Sinusförmig,<br />

sägezahnartig“ – der jungen<br />

Künstlerin fallen viele Begriffe ein, um<br />

den Klang ihres Instruments aus dem<br />

Hause Bob Moog zu beschreiben. Einmal<br />

mehr ist es die Vielzahl an Möglichkeiten,<br />

die lockt: „Ich kann alle Register spielen –<br />

von starken Bässen bis hin zu hohen<br />

Tönen“, schwärmt Carolina Eyck. Im<br />

Gegensatz zu einem Synthesizer sei<br />

jede kleinste Nuance selbst zu formen.<br />

Ein weiterer Vorteil: „Nichts ist vorgeschrieben.<br />

Ich könnte auch mit dem Kopf<br />

spielen oder mit den Füßen.“ Zweifelsohne<br />

ein Erlebnis. Für Carolina Eyck wie für<br />

ihr Publikum. Immer wieder ist die Musikerin<br />

gefragter Gast in Fernsehshows.<br />

Elektronische Musik als „Event“, das<br />

kennt auch Günter Geiger. Zusammen<br />

mit Martin Kaltenbrunner, Professor für<br />

Interface Culture an der Kunstuniversität<br />

Linz, und zwei spanischen Kollegen hat<br />

der Entwickler digitaler Instrumente bei<br />

einem Projekt an der Universität Pompeu<br />

Fabra in Barcelona den „Reactable“ erfunden.<br />

Ein elektronisches Musikinstrument<br />

mit intuitiver Oberfläche. Das Prinzip:<br />

Mit beweglichen Plexiglasobjekten<br />

bestimmen die Spieler Ton und Rhythmus.<br />

Die Objekte leuchten, Schallwellen<br />

und Rhythmus werden in Farben sichtbar.<br />

Für diese Idee wurde das Team aus<br />

Wissenschaftlern, Musikern und Designern<br />

unter anderem mit dem Prix Ars<br />

Electronica Golden Nica ausgezeichnet.<br />

Als der erste DJ mit einem „Reactable“-<br />

Auftritt auf der Videoplattform YouTube<br />

gezeigt wurde, nahm der Erfolg seinen<br />

Lauf. Bald war die isländische Künstlerin<br />

Björk am Telefon und erkundigte sich<br />

unbEgrEnztE<br />

harMoniE Von „falschen<br />

Tönen“ will der Vater des<br />

„Tonal Plexus“, Aaron<br />

Andrew Hunt, nichts<br />

wissen. Er schätzt und<br />

nutzt die Vielzahl an<br />

Tonstufen.<br />

trEnds<br />

Instrumente<br />

für die Sinne<br />

Mikrotonale keyboarDS Stellen DaS „WohlteMperierte gehör“ auF Die<br />

probe unD rhythMuS zeigt Sich alS Farbe auF plexiglaS: elektroniSche<br />

MuSik FaSziniert. ebenSo Wie Die iDee, Die barriere zWiSchen MenSch<br />

unD MaSchine zu brechen.<br />

virtuos Ausgabe August 2010 virtuos Ausgabe August 2010<br />

ElEktronischE Musik ist glEich<br />

struktur<br />

Die Erfinder des „Reactable“ setzen auf<br />

Improvisation und Interaktion.<br />

nach einem Exemplar. Heute vermarktet<br />

das Team zwei Versionen des interaktiven<br />

DJ-Pults.<br />

„Für uns zeigt sich elektronische<br />

Musik in Strukturen. Und diese machen<br />

wir sichtbar“, erklärt Günter Geiger das<br />

Prinzip. Die Plexiglasblöcke machen zudem<br />

interaktives Musizieren möglich.<br />

Für die Zukunft hat Martin Kalten-<br />

brunner viele Ideen, wie der „Reactable“<br />

weiterentwickelt werden kann. Sein<br />

Plan: die Barrieren zwischen Mensch<br />

und Maschine brechen.<br />

Markus Dieck hat ähnliche Visionen.<br />

Er sieht einen Menschen mit<br />

Helm. Dieser stellt sich Töne vor, die per<br />

Hirnstrommessung über Sensoren auf<br />

den Computer übertragen werden. Aber<br />

das ist Zukunftsmusik. Noch.<br />

45<br />

faktEn<br />

zu elektronischen<br />

Musikinstrumenten<br />

von damals bis heute<br />

(ohne Anspruch auf<br />

Vollständigkeit):<br />

1919/20 Theremin<br />

(Leon Theremin)<br />

1930 Trautonium<br />

(Friedrich Trautwein)<br />

ab 1951 Studio für<br />

elektronische Musik<br />

(WDR Köln)<br />

ca. 1953 Mellotron<br />

(Harry Chamberlin)<br />

1964 Synthesizer<br />

(Robert Moog) –<br />

zunächst nur monophon<br />

1976 erster polyphoner<br />

Synthesizer<br />

(z.B. Yamaha CS 80)<br />

1979 Sampler<br />

(Fairlight CMI)<br />

1981/83 MIDI Protokoll<br />

(Dave Smith)<br />

ab 2000: PlugIns in<br />

Studiosoftware ersetzen<br />

vielfach akustische<br />

Instrumente, Homekeyboards<br />

und Stagepianos<br />

erhalten einen zunehmend<br />

besseren und realistischeren<br />

Sound<br />

nEuartigE<br />

bEdiEnkonzEptE:<br />

- Die Berührungslosen:<br />

Theremin,<br />

AirSynth und AirFX<br />

(beide Alesis),<br />

LaserHarp, z.B. bei Jean-<br />

Michel Jarre<br />

- Die Intuitiven:<br />

Kaoss Pad (Korg),<br />

Tenori-On (Yamaha),<br />

Reactable,<br />

Tonal Plexus von H-Pi<br />

(allerdings mit „Klaviatur“)<br />

wEitErE infos:<br />

www.h-pi.com<br />

www.carolina-eyck.de<br />

www.reactable.com<br />

45


(t)raumlandschaft<br />

iM DezeMber zieht DaS DeutSche MuSikarchiv, in DeM SäMtliche<br />

noten Der geMa-MitglieDer geSaMMelt WerDen, von berlin nach<br />

leipzig. virtuos WirFt einen erSten blick auF DaS neue zuhauSe.<br />

TEXT: ANGELA PIETZSCH<br />

vISUAlISIERUnG/FOTO: JAN FORNER, KLAUS-D. SONNTAG<br />

W<br />

as ist eigentlich ein Haus? Ein Haus bedeckt, schützt,<br />

umhüllt. Dass es vier Wände und ein Giebeldach haben muss,<br />

steht nirgendwo geschrieben. Architektin Gabriele Glöckler gab<br />

dem neuen Haus für das Deutsche Musikarchiv deshalb genau<br />

das, was es braucht: eine Hülle, einen Umschlag – und viel Raum<br />

für Inhalt.<br />

Der Inhalt, das sind die Medienträger, die der Neubau archivieren<br />

soll. Schließlich ist es die Aufgabe des Deutschen Musikarchivs,<br />

sämtliche Veröffentlichungen, die deutsche Musik-<br />

verleger und Tonträgerhersteller an das Deutsche Musikarchiv<br />

abliefern, zu sammeln. Bislang lagerten die Archivbestände in<br />

einer Villa im Berliner Stadtteil Lichterfelde, die langsam an ihre<br />

Grenzen stößt. „Unser momentanes Zuhause ist ein ehemaliges<br />

Herrenhaus. Es war nie als Archiv gedacht“, sagt Dr. Ingo Kolasa,<br />

Leiter des Deutschen Musikarchivs. „Wir haben 1,5 Millionen<br />

Bestandseinheiten und nur noch ausreichend Platz für ein Jahr.“<br />

Die Lösung? Ein Neubau muss her. Und zwar dort, wo das<br />

Deutsche Musikarchiv eigentlich zuhause ist: Es ist eine Abteilung<br />

der Deutschen Nationalbibliothek (siehe Kasten), die ihre Standorte<br />

in Leipzig und Frankfurt am Main hat. In Sachsen wollte man<br />

das Deutsche Buch- und Schriftmuseum in einem Neubau unterbringen<br />

– und entschied sich, das Deutsche Musikarchiv dort mit<br />

anzusiedeln.<br />

Der sogenannte vierte Erweiterungsbau der Deutschen<br />

Nationalbibliothek Leipzig bietet Platz für beide Institutionen –<br />

inklusive Lesesälen, Ausstellungs- und Lagerflächen.<br />

Die Herausforderung an die Architektin?<br />

Den gigantischen Altbau aus dem<br />

Jahr 1916 sowie die Büchertürme aus den<br />

späten 70er-Jahren harmonisch mit dem<br />

Neubau zu verbinden.<br />

„Der Erweiterungsbau ist eine Reaktion<br />

auf die zwei bestehenden Gebäude“,<br />

sagt Gabriele Glöckler. Der Altbau<br />

sei typisch für seine<br />

Zeit: „Man sieht nicht,<br />

was sich darin verbirgt.“<br />

Die Büchertürme seien<br />

genau das Gegenteil: „Sie<br />

sehen nach Silo aus, nach einer<br />

Verwahrstelle von vielem Gleichen.“<br />

Eine weitere Aufgabe kam<br />

hinzu: Das neue Gebäude sollte für die<br />

öffentlichkeit attraktiv sein, Besucher anlocken.<br />

„Ich musste die Grenze zwischen<br />

Stadt und Haus auflösen“, sagt die Stutt-<br />

garterin, „und aus öffentlichem Raum eine<br />

urbane Raumlandschaft gestalten.“<br />

Dabei war ihr von Anfang an klar, dass sie die beiden bestehenden<br />

Gebäude nicht antasten wollte. Und das, obwohl die<br />

Büchertürme bei der Leipziger Bevölkerung höchst umstritten<br />

waren. „Beide Gebäude haben ihren Platz in der Zeit“, sagt<br />

Gabriele Glöckler. Deshalb gab sie den Büchertürmen eine neue –<br />

auch klimatechnisch sinnvolle – Verkleidung und erfand lieber<br />

etwas Neues hinzu. Und zwar kein Haus im herkömmlichen Sinn,<br />

sondern eine „urbane Landschaft, die umhüllt, die laut genug ist,<br />

aber sich trotzdem nicht vordrängt“.<br />

Gabriele Glöcklers Konzept: der Inhalt bietet Platz für<br />

die Medienträger, die Hülle ist der starre Teil, der die<br />

Klimatechnik beinhaltet, der Umschlag ist ein<br />

lockeres Tuch, das alles verbindet. Der alte Grundsatz<br />

„Funktion kreiert Form“ bewahrheitet sich, denn<br />

die Funktion liegt bei einem Gebäude für eine Archiv-<br />

bibliothek in einem hohen technischen Anspruch an<br />

lagertechnische und klimatische Bedingungen.<br />

Die Architektin nennt Beispiele: „Sämtliche<br />

Magazinflächen sind nach Süden hin geschlossen,<br />

jede Etage hat dort eine eigene Klimatisierung, jede<br />

Tür hat eine Schleuse und gekühlt beziehungsweise<br />

geheizt wird über die hauseigene Geothermieanlage.“<br />

In ihrer Kreativität lässt sich Gabriele Glöckler von<br />

solchen Herausforderungen nicht beinträchtigen:<br />

„Den Stil eines Hauses macht es aus, Funktion zu<br />

betrachten, aber nicht überzubewerten,<br />

so dass die sinnliche Form verloren<br />

geht.“<br />

46 virtuos Ausgabe August 2010<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

47 trEnds<br />

Neubau für das Deutsche Musikarchiv<br />

nEuEs schaffEn<br />

Architektin Gabriele Glöckler<br />

fügt den Büchertürmen und<br />

dem Altbau einen harmonischen<br />

Neubau hinzu<br />

Die Form, deren Farbgebung außen von den Tonwellen der<br />

Goldberg-Variationen inspiriert wurde, soll eine eigene Referenz<br />

zur Zeitgeschichte sein und vor allem Besucher anziehen. Auch<br />

die GEMA erhofft sich vom Umzug nach Leipzig, „dass die Aufmerksamkeit<br />

der Bevölkerung steigt“, sagt Dr. Jacob de Ruiter,<br />

Direktor der Abteilung Dokumentation und Vertreter der GEMA<br />

im Beirat des Deutschen Musikarchivs.<br />

„Das neue Gebäude ist ein unglaublich toller architektonischer<br />

Wurf“, sagt Dr. Jacob de Ruiter. „In der öffentlichen Wahrnehmung<br />

gelten Bibliotheken als verstaubt. Dieses Gebäude strahlt etwas anderes<br />

aus: Hier kann man auf modernste Art auf Wissen, Informationen<br />

und Kulturgüter zugreifen.“<br />

Auch der Leiter des Deutschen<br />

Musikarchivs, Dr. Ingo Kolasa,<br />

glaubt, dass sich seine Institution<br />

mit dem Umzug und dem<br />

neuen Gebäude öffentlich breiter<br />

aufstellt. „In Berlin haben vor allem<br />

Mitarbeiter der Rundfunkanstalten,<br />

Musikstudenten, Zeitungen, Fernsehsender<br />

sowie die Industrie unsere<br />

Dienste genutzt.“ In Leipzig wird es<br />

einen eigenen Lesesaal mit Abhörplätzen,<br />

einer Surround-Abhörkabine,<br />

einem Tonstudio sowie einer Ausstellung<br />

mit historischen Tonträgern<br />

und Abspielgeräten geben. Und dabei<br />

sieht das neue Deutsche Musikarchiv<br />

auch noch gut aus, findet Dr. Ingo<br />

Kolasa: „Bibliotheksgebäude gelingen<br />

selten. Doch durch den Anbau wird<br />

der gesamte Komplex<br />

harmonisiert. Mir persönlich<br />

gefällt’s!“<br />

diE dEutschE<br />

nationalBiBliothEk<br />

Die Deutsche Nationalbibliothek<br />

sammelt als zentrale<br />

Archivbibliothek lückenlos<br />

alle deutschen und deutsch-<br />

sprachigen Publikationen<br />

ab 1913 sowie Auslandsveröffentlichungen<br />

mit Bezug zu<br />

Deutschland. Gegründet wurde<br />

sie 1912 als Deutsche Bücherei<br />

in Leipzig (Foto oben), 1947 entstand<br />

die Deutsche Bibliothek<br />

in Frankfurt am Main, 1970 das<br />

Deutsche Musikarchiv in Berlin,<br />

dem die GEMA im Juli 2000 ihr<br />

Archiv mit rund 210.000 Noten<br />

übergab. 1990 wurden diese<br />

Einrichtungen als Die Deutsche<br />

Bibliothek vereinigt, 2006<br />

erhielten sie den Auftrag, auch<br />

Internetveröffentlichungen zu<br />

sammeln – und einen neuen<br />

Namen: Deutsche Nationalbibliothek.<br />

47


schreib<br />

Mal<br />

wieder!<br />

Sie haben eine iDee, Wie Wir virtuos verbeSSern<br />

könnten? Sie haben lob oDer kritik? Dann<br />

Schreiben Sie unS, Wir Freuen unS!<br />

beSchriFtung DeS rückenS<br />

virtuos entwickelt sich immer mehr weg<br />

von einem pflichterfüllenden Mitgliederrundbrief<br />

hin zu einer Fachzeitschrift für<br />

musikschaffende GEMA-Mitglieder. Herzlichen<br />

Glückwunsch dazu!<br />

Monat für Monat verfolge ich mit Freude<br />

viele kleine redaktionelle Verbesserungen.<br />

Damit ist es selbstverständlich, dass virtuos<br />

bei mir im Bücherregal einen eigenen Platz<br />

erhält und nunmehr gesammelt wird.<br />

Da fällt mir gleich ein kleiner Beitrag zur<br />

Qualitätssicherung ein: Wäre eine Beschriftung<br />

des Rückens machbar, damit<br />

man gezielt auf zurückliegende Beiträge<br />

zugreifen kann, welche auch länger von<br />

Interesse sein werden?<br />

Viele Grüße und weiterhin frohes und<br />

kreatives Schaffen<br />

Ralf Schmacker<br />

Anmerk. d. Redaktion:<br />

Wir freuen uns sehr über Ihr Lob und Ihre<br />

Anregung. Leider ist eine Beschriftung des<br />

Rückens nicht möglich, weil der Seitenumfang<br />

einer virtuos dafür zu gering ist.<br />

Eine Beschriftung wäre kaum lesbar.<br />

rEsonanz<br />

Leserbriefe<br />

Faire beteiligung<br />

Als Kinderliedermacher vor allem fürs<br />

Kindergartenalter kann ich das Anliegen<br />

von Frau Heller nur teilen (Leserbrief<br />

aus virtuos Mai/2010). Neue Kinderlieder<br />

vor allem für jüngere Kinder werden in<br />

den Medien kaum ausgewertet, und für<br />

Kindergärten und Schulen – wo die Lieder<br />

ausgiebig genutzt werden – gibt es allenfalls<br />

Pauschalverträge der GEMA. Ich<br />

wünsche mir ebenfalls seit langem, dass<br />

hier Möglichkeiten einer fairen Beteiligung<br />

von Kindermusikern an den Ausschüttungen<br />

entstehen.<br />

Viele Grüße,<br />

Stephen Janetzko<br />

ihrE<br />

mEinung zählt<br />

Sie möchten uns Ihre Meinung sagen?<br />

Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften –<br />

gerne auch zu einzelnen Artikeln. Bitte<br />

senden Sie Ihre Briefe, Faxe oder E-Mails an:<br />

GEMA-Kommunikation, GEMA-General-<br />

direktion, Rosenheimer Str. 11,<br />

81667 München, Fax: 089 - 4 80 03 - 424,<br />

E-Mail: virtuos@gema.de<br />

Die Redaktion behält sich vor,<br />

Leserbriefe zu kürzen.<br />

verStorbene MitglieDer<br />

Das neue Magazin virtuos finde ich klasse,<br />

sehr informativ, sehr interessante Beiträge.<br />

Aber, eine Rubrik vermisse ich in allen<br />

GEMA-Mitteilungen: Geburtstage – schön<br />

und gut. Aber, was ist mit der Rubrik „Verstorbene<br />

Mitglieder“? Die gab es regelmäßig<br />

in den GEMA-Nachrichten, warum<br />

lässt man das jetzt einfach wegfallen? Oft<br />

erfährt man vom Tod einzelner Mitglieder<br />

(bis auf einige prominente Personen), die<br />

man gekannt hat, nur auf Umwegen oder<br />

nie, das ist aber nicht der Sinn einer<br />

Gemeinschaft und das ist die GEMA. Und<br />

ich finde, dass diese Meldungen nicht<br />

unter den Tisch gekehrt werden sollen,<br />

sondern einen würdigen Platz einnehmen<br />

müssen.<br />

Mit besten Grüßen<br />

Georg Dill<br />

Anmerk. d. Redaktion:<br />

Sie haben Recht, in virtuos verzichten wir<br />

auf die Rubrik „Verstorbene Mitglieder“.<br />

Wir haben uns dafür entschieden, der verstorbenen<br />

Mitglieder im Geschäftsbericht,<br />

auf unserer Webseite sowie auf der Mitgliederversammlung<br />

zu gedenken.<br />

kritiSche theMen<br />

Seit geraumer Zeit bekomme ich von<br />

Ihnen die GEMA-Zeitung virtuos zugesandt.<br />

Neben Informativem gewinnt man<br />

jedoch beim Lesen zunehmend den Eindruck,<br />

dass sich mit und in diesem Medium<br />

eine Institution selbst feiert. Dagegen<br />

wäre nichts einzuwenden, wenn sich auf<br />

der anderen Seite auch Kritisches oder<br />

Selbstkritisches zu GEMA-Themen finden<br />

ließe. Aber Fehlanzeige.<br />

Dabei gäbe es durchaus auch in der GEMA<br />

eine Menge Verbesserungswürdiges. Sehr<br />

zu beklagen sind zum Beispiel die extrem<br />

langen Bearbeitungsfristen von Reklamationen<br />

bei fehlerhaften oder unvollständigen<br />

Abrechnungen. Hier gibt es Bearbeitungszeiten<br />

von bis zu zwei Jahren! So<br />

lange Bearbeitungszeiten kenne ich von<br />

keinem anderen Unternehmen, Verein<br />

oder sonstiger Organisation. (Nebenbei<br />

gefragt: Was passiert eigentlich mit<br />

den Zinsen des Geldes, das dann erst mit<br />

zweijähriger Verspätung ausgezahlt wird?<br />

Der Berechtigte erhält die wohl nicht.)<br />

Ebenfalls enorme Wartezeiten gibt es bei<br />

der Werkeinstufung. Auch hier wird die<br />

Geduld extrem strapaziert.<br />

Wie wäre es mit einer Umverteilung der<br />

Mittel zugunsten des Personalbestandes<br />

der Abteilung Abrechnung? Dafür würde<br />

ich auch gern auf die Hälfte der Seitenzahl<br />

des Hochglanzmagazins verzichten.<br />

Nichts für ungut.<br />

Mit besten Grüßen,<br />

Caterina Westphal<br />

MuSik anbieten<br />

Die Mai-Ausgabe von virtuos hat mir gut<br />

gefallen, insbesondere die Informationen<br />

über andere Musiker. Seit Jahren bin ich<br />

Mitglied und Komponist, finde aber keine<br />

Links, wo ich meine Musik „anbieten“<br />

könnte. Das fehlt mir noch. Ansonsten,<br />

weiter so, und alles Gute.<br />

Beste Grüße aus Rheinfelden,<br />

Axel C. Ludwig<br />

Anmerk. d. Redaktion:<br />

Vielen Dank für Ihre Idee. Wir arbeiten<br />

derzeit an einer neuen Rubik. Wir möchten<br />

unseren Lesern ermöglichen, in Kleinanzeigen<br />

nach Instrumenten, Noten, Musikern<br />

oder Ähnlichem zu suchen. Mehr<br />

zu den Kleinanzeigen erfahren Sie in einer<br />

der nächsten Ausgaben von virtuos.<br />

48 virtuos Ausgabe August 2010<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

Urlaub in Sylter Bestlage<br />

Das Besondere ist selten<br />

Genießen Sie Ihren Aufenthalt auf Sylt an einem ganz besonderen Ort. Die<br />

300-qm-Villa in Keitum liegt direkt am Wattenmeer. Unter dem heimeligen<br />

Reetdach erwarten Sie gediegener Luxus und eine Atmosphäre der Extra-<br />

klasse: offener Kamin, Bibliothek, Klavier, Telefonanlage, Telefax, PC mit Drucker,<br />

W-LAN, mehrere Flachbild-Fernsehgeräte, DVD-Player, Musikanlage mit CD<br />

für verschiedene Wohnräume, eine perfekt ausgestattete und eingerichtete<br />

Küche, Tresor für Ihre Wertsachen, eine Sauna- und Wellnesslandschaft mit<br />

Whirlpool, Solarium, Ruheliegen und Duschtempel. Zwei Pkw-Stellplätze vor<br />

dem Haus stehen Ihnen ebenso zur Verfügung wie Fahrräder. Der wunderbar<br />

eingewachsene und perfekt gepflegte Garten lädt zum Sonnenbaden, zum<br />

Kuscheln im Strandkorb oder zum Relaxen ein. Weitere Informationen unter<br />

www.kliffside.de<br />

Mieten Sie das exklusive Nichtraucher-<br />

Anwesen für bis zu 8 Personen ab einer<br />

Mietdauer von 7 Tagen exklusiv über das<br />

Büro Helga Wedell, Telefon 04651 - 33 33 3,<br />

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Für Claudia Heine war es ein bisschen wie Weih- diesen<br />

nachten, als sie kürzlich im Richard-Strauss-Institut<br />

(RSI) in Garmisch-Partenkirchen Besuch empfing.<br />

Ein Sammler stand vor der Tür. Im Gepäck eine<br />

Überraschung zur Einsicht: ein bisher unbekanntes<br />

Original-Skizzenbuch der Strauss-Oper „Die Liebe<br />

der Danae“ aus den späten 1930er-Jahren. „Das ist<br />

wie Detektivarbeit“, schwärmt Claudia Heine.<br />

Seit Oktober vergangenen Jahres koordiniert<br />

die 30-jährige promovierte Musikwissenschaftlerin<br />

gemeinsam mit ihrem Kollegen und Richard-<br />

Strauss-Experten Adrian Kech (31) das Richard-<br />

Strauss-Quellenverzeichnis (RSQV). Das Projekt<br />

wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft<br />

(DFG) gefördert. Ziel ist es, innerhalb von drei<br />

Jahren sämtliche weltweit erreichbaren Quellen zu<br />

Richard Strauss’ Werk zu erschließen und in einer<br />

Datenbank zu dokumentieren.<br />

Ein ehrgeiziges Vorhaben, zumal die Quellenforschung<br />

zu Richard Strauss noch in den Anfängen<br />

steht. Das bedeutet für das Zweierteam Vollzeit-<br />

Recherche – nach handschriftlichem Notenmaterial<br />

und Abschriften, nach Korrekturfahnen, Druckoder<br />

Stichvorlagen, Briefen und Postkarten. Derzeit<br />

werten die beiden Musikwissenschaftler Verzeichnisse<br />

und Ausstellungskataloge aus, stehen mit<br />

Antiquariaten, Bibliotheken und Stiftungen in<br />

Kontakt. In wenigen Wochen auch weltweit.<br />

„Eine richtig spannende Aufgabe“, findet<br />

Claudia Heine, die schon häufig mit Quellenmaterial<br />

gearbeitet hat. Besonders von den Recherchen in<br />

Italien und den USA erhofft sich das Team einige<br />

Überraschungen, denn: Richard Strauss war oft in<br />

50<br />

richard<br />

strauss BEi<br />

dEr arBEit:<br />

Das Notenmaterial<br />

des<br />

Komponisten<br />

könnte laut<br />

Experten über<br />

die ganze Welt<br />

verstreut sein.<br />

TEXT: KRISTINA BALBACH<br />

FOTOS: RICHARD STRAUSS INSTITUT, GARMISCH-PARTENKIRCHEN, MATTTILDA<br />

rEsonanz<br />

Das Richard-Strauss-Quellenverzeichnis<br />

Musikdetektive am Werk<br />

clauDia heine unD aDrian kech haben ein ehrgeizigeS ziel:<br />

innerhalb von Drei Jahren Wollen Sie SäMtliche Quellen<br />

zuM Werk DeS koMponiSten richarD StrauSS erSchlieSSen.<br />

DaS ergebniS Soll eine uMFaSSenDe online-Datenbank Sein.<br />

Ländern, um zu dirigieren. Ab und an, so erzählen<br />

sich Strausskenner, habe der Komponist zum<br />

Dank an Gastgeber eine Partiturseite verschenkt.<br />

Eine solche als digitale Abbildung werden künftige<br />

Forschergenerationen und Musikinteressierte<br />

über das Internet-Fachportal allerdings nicht be-<br />

wundern können. Das noch geltende Urheberrecht<br />

verbietet das. Für Claudia Heine und Adrian Kech<br />

sind Scans nicht wichtig. Es ist die Information,<br />

die für ein reichhaltiges Werk- und Quellen-<br />

verzeichnis zählt. Und reichhaltig verspricht es<br />

zu werden: Das Forscherteam rechnet mit bis zu<br />

2.500 Einzelquellen.<br />

Auf Richard Strauss’ Spuren: die beiden<br />

Musikwissenschaftler Claudia Heine<br />

und Adrian Kech<br />

QuEllEn<br />

gEsucht!<br />

Das Team des Richard-<br />

Strauss-Quellenverzeichnis<br />

bittet um Mithilfe:<br />

Alle Personen, die<br />

Quellen zum Werk des<br />

Komponisten besitzen<br />

oder Kenntnis über den<br />

Verbleib solcher Quellen<br />

haben, werden gebeten,<br />

sich zu melden. Die<br />

Veröffentlichung der<br />

Quellendaten bedeutet<br />

nicht, dass der Name des<br />

Quellenbesitzers genannt<br />

werden muss. Auf<br />

Wunsch bleibt die<br />

Anonymität gewahrt. In<br />

den meisten Fällen<br />

genügt die Einsicht in die<br />

Dokumente.<br />

Wenden Sie sich per<br />

E-Mail an:<br />

quellen-rsi@gapa.de<br />

www.richard-straussinstitut.de<br />

üBEr das rsi<br />

Das Richard-Strauss-<br />

Institut (RSI) in Garmisch-<br />

Partenkirchen gibt es seit<br />

1999, dem 50. Todestag des<br />

Komponisten (1864-1949).<br />

Träger ist der Markt<br />

Garmisch-Partenkirchen.<br />

Gefördert wird das Institut<br />

vom Bayerischen Wissenschaftsministerium.<br />

Als<br />

internationales Zentrum<br />

der Strausspflege und<br />

-forschung arbeitet das<br />

RSI mit Musikhochschulen,<br />

Opernhäusern und anderen<br />

Institutionen zusammen.<br />

Auch finden Konzerte und<br />

Ausstellungen statt.<br />

virtuos Ausgabe August 2010


Die Verteilung<br />

Teil III: Die Sparten U,<br />

M und die Netto-<br />

einzelverrechnung<br />

TEXT: JÜRGEN BRANDHORST<br />

In dieser Ausgabe von virtuos werden die Abrechnung in den<br />

Sparten U und M sowie verschiedene Beispiele für die Nettoeinzelverrechnung<br />

erläutert.<br />

1.<br />

Wie errechnet Sich Meine auSSchüttung Für nutzungen<br />

Meiner Werke in Der Sparte u?<br />

In der Sparte U (Live-Veranstaltungen von Unterhaltungs-<br />

und Tanzmusik) ist die Höhe der Ausschüttung für die Aufführung<br />

eines bestimmten Musikwerkes von den folgenden<br />

vier Faktoren abhängig:<br />

- den Anteilen des Berechtigten am betreffenden Werk<br />

- der Punktbewertung des betreffenden Werkes<br />

- dem Punktwert im jeweiligen Geschäftsjahr<br />

- der sogenannten PRO-Abrechnungsbasis des betreffenden<br />

Werkes im jeweiligen Geschäftsjahr<br />

Als Formel zur Berechnung des Ausschüttungsbetrags pro<br />

Werk für einen bestimmten Berechtigten im betreffenden<br />

Geschäftsjahr gilt somit:<br />

Ausschüttung Werk = Anteile x Punktbewertung x<br />

Punktwert x PRO-Abrechnungsbasis<br />

In der Sparte U wird – ebenso wie in der Sparte E – eine<br />

„kollektive Verrechnung“ anhand eines einheitlichen Punktwertes<br />

durchgeführt. Auch in der Sparte U erfolgt die Abrechnung<br />

der Werke somit unabhängig von der Höhe des Inkassos<br />

der Veranstaltungen, in denen sie aufgeführt werden. Der<br />

52<br />

direkte Bezug zum Veranstaltungsinkasso in Form einer<br />

Nettoeinzelverrechnung kann aber unter bestimmten Be-<br />

dingungen hergestellt werden. Dies wird in den Ausführungen<br />

zu Abschnitt XIII der Ausführungsbestimmungen zum Verteilungsplan<br />

für das Aufführungs- und Senderecht näher<br />

erläutert.<br />

tabEllE i zeigt typische Beispiele für die Anteile der Berechtigten<br />

an einem bestimmten Werk. Diese werden in Zwölfteln<br />

berechnet. Da diese Anteilsbestimmungen in der Sparte U<br />

und der Sparte E identisch sind, gilt das in der vorigen Ausgabe<br />

von virtuos zur Sparte E Ausgeführte hier gleichermaßen:<br />

Beteiligt werden grundsätzlich der Komponist, der Text-<br />

dichter, der Bearbeiter und der Verleger eines Werkes. Der Bearbeiter<br />

eines geschützten Werkes hat freilich nur dann Anspruch<br />

auf Beteiligung, wenn seine Bearbeitung von den<br />

Rechteinhabern am bearbeiteten Werk genehmigt wurde und<br />

bei der GEMA angemeldet ist. Bei Bearbeitungen geschützter<br />

Werke ist der Anteil des Bearbeiters außerdem abhängig von<br />

der Punktbewertung des Werkes; die Beteiligungsverhältnisse<br />

sind unterschiedlich für Werke mit 12 Punkten und für Werke<br />

ab 24 Punkten.<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

Tabelle i:<br />

anteile der berechtigten in der Sparte u<br />

Am werk Beteiligte Anteile<br />

komponist 12/12<br />

komponist 8/12<br />

Textdichter 4/12<br />

komponist 8/12<br />

verleger 4/12<br />

komponist 5/12<br />

Textdichter 3/12<br />

verleger 4/12<br />

… bei Bearbeitungen Anteile<br />

urheberrechtlich freier werke<br />

komponist = urheberrechtlich frei 9/12 (Ausfall)<br />

Bearbeiter 3/12<br />

komponist = urheberrechtlich frei 4/12 (Ausfall)<br />

Textdichter = urheberrechtlich frei 4/12 (Ausfall)<br />

Bearbeiter 4/12<br />

komponist = urheberrechtlich frei 5/12 (Ausfall)<br />

Bearbeiter 3/12<br />

verleger 4/12<br />

komponist = urheberrechtlich frei 3/12 (Ausfall)<br />

Textdichter = urheberrechtlich frei 3/12 (Ausfall)<br />

Bearbeiter 3/12<br />

verleger 3/12<br />

…beiBearbeitungen anteilefür Werke anteile für Werke<br />

urheberrechtlich mit Bewertung mit Bewertung<br />

geschützter werke = 12 punkte ab 24 punkten<br />

komponist 11/12 10/12<br />

Bearbeiter 1/12 2/12<br />

komponist 7/12 6/12<br />

Bearbeiter 1/12 2/12<br />

verleger 4/12 4/12<br />

komponist 4/12 4/12<br />

Bearbeiter 1/12 2/12<br />

Textdichter 3/12 3/12<br />

verleger 4/12 3/12<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

gEMa-wissEn<br />

Das Einmaleins der GEMA<br />

Der sogenannte Ausfall, d.h. freie Anteile bei der<br />

Bearbeitung urheberrechtlich freier werke, wird durch<br />

zuschläge zur verteilungssumme mit verteilt.<br />

Diese zuschläge werden nur an die angeschlossenen<br />

und außerordentlichen Mitglieder ausgeschüttet.<br />

Der Ausfallzuschlag beträgt aktuell für die Abrechnung<br />

des Geschäftsjahres 2009 zum 01.04.2010 in der Sparte U:<br />

3,02 %.<br />

Die ordentlichen Mitglieder stellen den für sie verbliebenen<br />

Teil am Ausfall für die von der Mitgliederversammlung<br />

für die verschiedenen wertungsverfahren beschlossene<br />

Regelung zur verfügung und finanzieren damit z.B. ihre<br />

Alterssicherung.<br />

In tabEllE ii sind die unterschiedlichen Punktbewertungen<br />

zu sehen, die für Unterhaltungsmusikwerke gemäß Abschnitt<br />

XI der Ausführungsbestimmungen zum Verteilungsplan für<br />

das Aufführungs- und Senderecht zur Anwendung kommen.<br />

Anhand der dazugehörigen EDV-Schlüssel können die Mitglieder<br />

in ihren sogenannten „Einzelaufstellungen“ die Einstufung<br />

eines Werkes kontrollieren. In der Sparte U werden –<br />

wie in der Sparte E – Punktwerte zwischen 12 und 2.400<br />

Punkten vergeben. Die Kriterien für die unterschiedliche Einstufung<br />

und damit die Höhe der Punktbewertung gemäß<br />

Abschnitt XI sind zunächst die stilistischen Merkmale der<br />

Werke – und zudem bei Werken gemäß Abschnitt XI Ziffer 2,<br />

6 oder 7 auch die Spieldauer und bei der Einstufung gemäß<br />

Abschnitt XI Ziffer 6 und 7 zusätzlich auch die Besetzung des<br />

jeweiligen Musikstücks.<br />

In Abschnitt XI Ziffer 1 werden u.a. Tanz-, Pop-, Jazz- und Rockmusik<br />

und andere vokale, instrumentale und elektronisch<br />

erzeugte Unterhaltungsmusik mit 12 U-Punkten abgerechnet.<br />

In Abschnitt XI Ziffer 2 werden u.a. Konzertstücke mit und<br />

ohne Text genannt. Als Konzertstücke stuft der Werkausschuss<br />

in ständiger Praxis Werke ein, die sich auszeichnen z.B.<br />

durch besondere innovative musikalisch-kompositorische<br />

Gestaltung, außergewöhnliche Form oder Besetzung, ausgedehnte<br />

Spieldauer beziehungsweise hohe spieltechnische Anforderungen<br />

an die Interpreten. Konzertstücke gemäß Abschnitt<br />

XI Ziffer 2 müssen sich insoweit durch besondere<br />

kompositorische künstlerische Qualitäten sowie durch Konzertcharakter<br />

ausweisen. Sie heben sich damit ab von Unterhaltungsmusikwerken<br />

wie beispielsweise Popmusik oder<br />

Tanzmusik gemäß Abschnitt XI Ziffer 1. In Abschnitt XI Ziffer 2<br />

ist auch zeitgenössischer Jazz von künstlerischer Bedeutung<br />

und mit Konzertcharakter einzustufen – ausgenommen sind<br />

sogenannte Standards.<br />

Konzertwerke für Orchester bzw. Big Band-, große Fusionund<br />

Jazzbesetzungen mit einer Besetzung ab zehn selbständig<br />

geführten Stimmen können in Abschnitt XI Ziffer 6 eingestuft<br />

werden, soweit sie nicht in Ziffer 1 einzuordnen sind. �<br />

53


Tabelle ii: verrechnungsschlüssel für unterhaltungsmusikwerke<br />

gemäß abschnitt xi der<br />

ausführungsbestimmungen zum verteilungsplan<br />

für das aufführungs- und Senderecht<br />

ziffer/Inhalt U-Punkte EDv-Schlüssel<br />

1 Tanz-, Pop-, Jazz- und Rockmusik mit oder ohne Text,<br />

Märsche und andere vokale, instrumentale<br />

und elektronisch erzeugte Unterhaltungsmusik<br />

12 001<br />

2 - konzertstücke mit und ohne Text;<br />

- Suitensätze (bei mehreren Sätzen insgesamt höchstens<br />

60 Punkte);<br />

- konzertlieder sowie Musiknummern mit und ohne Text,<br />

die von Anfang an zu musikalischen Bühnen- oder Filmwerken<br />

gehörten, wenn sie in einer gesonderten Ausgabe<br />

im zuständigen vertragsgebiet für großes Orchester<br />

erschienen sind und der werkausschuss eine<br />

entsprechende Bewertung vorgenommen hat;<br />

- werke, die für ein oder mehrere Solo-Instrumente mit<br />

Orchesterbegleitung komponiert und in dieser<br />

Besetzung erschienen sind;<br />

- vokalmusik mit oder ohne Instrumente, soweit sie nicht<br />

unter Abschnitt X einzustufen ist;<br />

- zeitgenössischer Jazz von künstlerischer Bedeutung und<br />

mit konzertcharakter, ausgenommen sogenannte<br />

Standards. Im Falle von zweifeln am Jazzcharakter eines<br />

werkes entscheidet der werkausschuss nach vorlage eines<br />

Belegexemplars über die zugehörigkeit;<br />

- bis zu 10 Minuten 24 002<br />

- über 10 Minuten bis zu 20 Minuten 36 007<br />

- über 20 Minuten 48 008<br />

6 konzertwerke für Orchester bzw. Bigband-, große Fusionund<br />

Jazzbesetzungen ab zehn selbstständig geführten<br />

Stimmen (ausgenommen Potpourris gemischten Inhalts)<br />

- bis zu 2 Minuten 24 621<br />

- über 2 Minuten bis zu 4 Minuten 36 622<br />

- über 4 Minuten bis zu 10 Minuten 60 623<br />

- über 10 Minuten bis zu 15 Minuten 120 624<br />

- über 15 Minuten bis zu 20 Minuten 180 625<br />

- über 20 Minuten bis zu 30 Minuten 360 626<br />

- über 30 Minuten 480 627<br />

ziffer/Inhalt E-Punkte EDv-Schlüssel<br />

7 Unterhaltungsmusikwerke von besonderem künstlerischen<br />

wert, die vom werkausschuss als solche anerkannt<br />

worden sind. Die Einstufung durch den werkausschuss<br />

erfolgt auf Antrag, mit dem die Partitur und eine Erklärung<br />

des komponisten vorzulegen sind, dass das werk von ihm<br />

allein komponiert worden ist und die Partitur von ihm<br />

selbst stammt. weitere voraussetzung für die Einstufung<br />

ist, dass die Aufführung an die in der Partitur festgelegte<br />

Besetzung gebunden ist. Die Punktbewertung erfolgt nach<br />

U und richtet sich aufgrund der Besetzung und Spieldauer<br />

nach dem Punkteschema in Abschnitt X bis höchstens<br />

2.400 Punkte.<br />

54<br />

Unterhaltungsmusikwerke von besonderem künstlerischem<br />

Wert im Sinne von Abschnitt XI Ziffer 7 setzen – wie die vom<br />

Werkausschuss dafür entwickelten Kriterien aussagen –<br />

voraus: außergewöhnliche Inspiration der Thematik und<br />

deren kompositorischer Durchführung, handwerklich souveräne<br />

Instrumentation, einen harmonischen und rhythmischen<br />

Einfallsreichtum sowie eine individuelle kompositorische<br />

Handschrift. Diese Kriterien müssen sich zu einem über-<br />

zeugenden Werk zusammenfügen.<br />

Einstufungen, die über Abschnitt XI Ziffer 1 hinausgehen,<br />

erfolgen auf Antrag. Ein solcher Antrag kann an den<br />

GEMA-Musikdienst<br />

Generaldirektion München<br />

Rosenheimer Str. 11<br />

81667 München<br />

gerichtet werden. In Zweifelsfällen entscheidet der GEMA-<br />

Werkausschuss. Einstufungen gemäß Abschnitt XI Ziffer 7<br />

sind ohnehin dem Werkausschuss vorbehalten. Die Ziffern<br />

drei bis fünf wurden in der Tabelle II nicht etwa vergessen,<br />

sondern werden aktuell nach entsprechenden Beschlüssen<br />

der Mitgliederversammlung nicht mehr angewendet.<br />

Der Punktwert in der Sparte U im Geschäftsjahr 2009 für die<br />

Abrechnung zum 01.04.2010 wurde mit EUR 0,4153 berechnet<br />

(Geschäftsjahr 2008 in der Abrechnung zum 01.09.2009:<br />

EUR 0,4195). Der Punktwert eines Geschäftsjahres, d.h. der<br />

Betrag für einen einzelnen Bewertungspunkt im Rahmen der<br />

oben beschriebenen Punktbewertung, wird errechnet durch<br />

Division der in der Sparte U für das jeweilige Geschäfts-<br />

jahr zur Verfügung stehenden Verteilungssumme durch die<br />

Gesamtpunktzahl der U-Punkte, die aus den innerhalb eines<br />

Geschäftsjahres eingehenden Programmen unter Berücksichtigung<br />

des Verteilungsplans ermittelt wird.<br />

Die PRO-Abrechnungsbasis ergibt sich aus der Multiplikation<br />

der Summe der aufgrund der eingereichten Programme in<br />

einem Geschäftsjahr abzurechnenden Aufführungen einer<br />

bestimmten Werkfassung mit dem sogenannten PRO-Faktor:<br />

PRO-Abrechnungsbasis = Summe der Aufführungen<br />

im Geschäftsjahr x PRO-Faktor<br />

Was hat es mit dem PRO-Faktor in dieser Formel auf sich? Seit<br />

dem Geschäftsjahr 1998 wird mit Hilfe des statistischen Hochrechnungsverfahrens<br />

PRO anhand der durch Programme<br />

belegten Aufführungen die Gesamtzahl der Aufführungen<br />

pro Werk ermittelt. Dies ist erforderlich, da in der Sparte U z.B.<br />

aktuell im Geschäftsjahr 2009 nur zu einem Drittel der tatsächlich<br />

von der GEMA lizenzierten Veranstaltungen auch ein<br />

Programm vorlag. Das PRO-Verfahren ermöglicht es, neben<br />

der Aufführungszahl, die sich aus den mit Programmen belegten<br />

Veranstaltungen ergibt, auch Angaben über Zeiten und<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

Orte zu berücksichtigen. Dabei werden jeweils die zwölf<br />

Monate des Jahres und zwölf Regionen zugrunde gelegt, sodass<br />

sich eine statistische Erfassung von maximal 144 Matrixfeldern<br />

ergibt. Die zwölf Regionen werden jährlich neu unmittelbar<br />

vor der Abrechung gebildet, indem sie durch ein Computerprogramm<br />

nach dem Zufallsprinzip und unter notarieller<br />

Aufsicht aus den in Deutschland existierenden 95 zweistelligen<br />

Postleitzahlgebieten ausgewählt werden. Dabei sind nur<br />

solche zufälligen Zuordnungen zulässig, die Regionen mit<br />

ungefähr gleicher Bevölkerungszahl ergeben. Bis zum<br />

Geschäftsjahr 2008 erfolgte die Ermittlung der für die Bildung<br />

des PRO-Faktors relevanten Anzahl der Aufführungsorte<br />

übrigens auf der Grundlage der sogenannten zwölf GEMA-<br />

Bezirke.<br />

Einfach gesagt: Wenn in einem bestimmten Monat und in<br />

einer bestimmten Region Aufführungen einer bestimmten<br />

Werkfassung erfolgen, so führt das zur Erfassung in einem<br />

Matrixfeld der PRO-Matrix, die insgesamt 144 Felder enthält<br />

(zwölf Monate x zwölf Regionen). Die Gesamtzahl der<br />

gefüllten Matrixfelder wird als MKZ (Matrixkennzahl)<br />

bezeichnet. Sie gibt somit an, in wie vielen Monaten und<br />

Regionen die abgerechnete Werkfassung programmmäßig<br />

erfasst wurde, und ist für jede Werkfassung auch in der<br />

Einzelaufstellung der Mitglieder ausgewiesen. Die mehrfache<br />

Aufführung einer Werkfassung in einem Monat in einer<br />

Region kann demnach die Matrixkennzahl nicht erhöhen.<br />

Der PRO-Faktor für eine bestimmte Werkfassung wird auf<br />

der Grundlage der Matrixkennzahl aufgrund folgender Formel<br />

ermittelt:<br />

PRO-Faktor = MKZ x C x (1-P) + P.<br />

Zur Erläuterung dieser Formel:<br />

Der Normierungsfaktor (C) wird eingefügt, da die Multi-<br />

plikation der Anzahl der Aufführungen einer Werkfassung<br />

mit ihrer jeweiligen Matrix-Kennzahl die Anzahl der Auf-<br />

führungen im Rahmen des PRO-Verfahrens rechnerisch erhöhen<br />

würde. Damit sich diese rechnerische Erhöhung nicht<br />

auf die Höhe des Punktwertes auswirkt, muss für jede Werkfassung<br />

die Anzahl der Aufführungen unter PRO durch die<br />

durchschnittliche MKZ im Geschäftsjahr geteilt werden. Der<br />

Faktor C ist aktuell für das Geschäftsjahr 2009 = 0,0140, da die<br />

durchschnittliche Matrix-Kennzahl 71,4806 betrug.<br />

Der Programmanteil (P) gibt den Anteil der durch Programme<br />

belegten Veranstaltungen an. Die jeweiligen aktuellen<br />

Jahreswerte für die Faktoren C und P sind jeweils in den<br />

Einzelaufstellungen angegeben:<br />

Faktor C (2009) = 1/71,4806 = 0,0140<br />

Faktor P (2009) = 1/3 = 0,3333<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

gEMa-wissEn<br />

Das Einmaleins der GEMA<br />

Hier einige Beispiele für die Berechnung des PRO-Faktors:<br />

MKZ Berechnung des PRO-Faktors<br />

im Geschäftsjahr 2009<br />

10 10 x 0,0140 x (1- 0,3333)+ 0,3333 = 0,4266<br />

71 71 x 0,0140 x (1- 0,3333)+ 0,3333 = 0,9960<br />

144 144 x 0,0140 x (1- 0,3333)+ 0,3333 = 1,6774<br />

Bei der Errechnung der PRO-Abrechnungsbasis wird dann<br />

kaufmännisch auf- und abgerundet. Bei einer PRO-Abrechnungsbasis<br />

kleiner „1“ wird allerdings in jedem Fall aufgerundet,<br />

sodass einzelne Werkaufführungen keinesfalls durch<br />

PRO gekürzt werden.<br />

2.<br />

Wie errechnet Sich Meine<br />

auSSchüttung in Der<br />

Sparte M?<br />

In der Sparte M werden Aufführungen von Tonträgern<br />

mittels mechanischer und elektronischer Vorrichtungen (mit<br />

Ausnahme von E-Musik und Diskotheken) verrechnet. Das<br />

weite Feld dieser Nutzungen reicht bekanntlich z.B. von Einzelhandelsgeschäften<br />

und Friseursalons über Gaststätten und<br />

Hotels bis hin zu Arztpraxen und Fitnessstudios. Die Sparte M<br />

wird als Zuschlag zur Sparte U verrechnet. Aufgrund der<br />

betreffenden Bestimmung des Urheberrechtswahrnehmungsgesetzes<br />

müssen die Musiknutzer in diesem Bereich keine<br />

Programme einreichen – und wären in der Praxis sicher damit<br />

auch überfordert. Daher findet in dieser Sparte eine analoge<br />

Verrechnung statt.<br />

Zur Berechnung des Ausschüttungsbetrags pro Werk für<br />

einen bestimmten Berechtigten im betreffenden Geschäftsjahr<br />

gilt somit dieselbe Formel, wie sie oben für die Sparte U<br />

erläutert wurde. Der Punktwert in der Sparte M im Geschäftsjahr<br />

2009 für die Abrechnung zum 01.04.2010 beträgt EUR<br />

0,3231 (Geschäftsjahr 2008 in der Abrechnung zum 01.09.2009:<br />

EUR 0,3918).<br />

Von der Mitgliederversammlung wurden im Jahr 2009<br />

einige Änderungen in Zusammenhang mit der Sparte M<br />

beschlossen: Die Verteilungssumme, die aus Aufführungen<br />

von Tonträgern mittels mechanischer und elektronischer<br />

Vorrichtungen (außer E und DK) zur Verfügung steht, wird<br />

ab dem Geschäftsjahr 2009 zu 60 % in der Sparte R und zu<br />

40 % in der Sparte M verrechnet. Zuvor wurden 40 % dieser<br />

Summe in R und 60 % in M verteilt. Zudem ist die Abrechnung<br />

von mehr als 50 (nach PRO gewichteten) Aufführungen für ein<br />

Werk in der Sparte M nur möglich, wenn im gleichen oder im<br />

vorhergehenden Geschäftsjahr in der Sparte R oder in der<br />

Sparte FS für dieses Werk mindestens zwei gemäß Abschnitt V<br />

Ziffer 3 gewichtete Minuten abgerechnet worden sind.<br />

�<br />

55


3.<br />

Für die Nettoeinzelverrechnung gemäß Abschnitt XIII<br />

der Ausführungsbestimmungen zum Verteilungsplan für das<br />

Aufführungs- und Senderecht können drei Bereiche unterschieden<br />

werden:<br />

A. Die Nettoeinzelverrechnung für bestimmte Fälle gemäß<br />

Abschnitt XIII A<br />

B. Nettoeinzelverrechnung bei Veranstaltungen im Bereich<br />

der U-Musik mit Bruttoeinnahmen (Inkasso) ab<br />

EUR 750,– pro Veranstaltung<br />

C. Nettoeinzelverrechnung auf Antrag im Bereich der<br />

U-Musik gemäß Abschnitt XIII B<br />

Zu A:<br />

Die Nettoeinzelverrechnung für bestimmte Fälle gemäß<br />

Abschnitt XIII A<br />

In Abschnitt XIII A Ziffer 1 bis 11 der Ausführungs-<br />

bestimmungen zum Verteilungsplan für das Aufführungs- und<br />

Senderecht werden die Fälle der Nettoeinzelverrechnung aufgezählt,<br />

die sich z.B. auf bestimmte Werkeigenschaften oder<br />

bestimmte Merkmale von Werknutzungen beziehen, nämlich:<br />

1. Bühnenmusik (Kleines Recht) und Bühnen-Aufführungen<br />

von vorbestehenden Werken des Kleinen Rechts<br />

2. Hörspielmusik (Kleines Recht); Musik zu vorgetragenem<br />

Text gemäß § 19 Absatz 1 UrhG 1<br />

3. Musik in Wirtschaftsfilmen und Telefonwarteschleifen<br />

4. Verteilungssparten des Verteilungsplans C für den<br />

Nutzungsbereich Online (Ausnahmen siehe<br />

Verteilungsplan C § 1 Ziffer 1 Absatz 2)<br />

5. Werke ganz oder überwiegend improvisatorischen<br />

Charakters und Musik, die nicht auf andere Weise<br />

einzuordnen ist<br />

6. Werkaufführungen in an die GEMA abgerechneten öffentlichen<br />

Veranstaltungen mit eingeschränktem Konzertcharakter,<br />

wie z. B. Proben, Generalproben, offenes<br />

Singen oder offenes Musizieren<br />

7. Werkaufführungen in Hochschulen, Schulen und<br />

anderen Bildungsanstalten während der üblichen<br />

Vorlesungs- und Unterrichtszeit, in Krankenhäusern<br />

und anderen Einrichtungen der Gesundheitspflege<br />

sowie in Altenheimen oder anderen sozialen<br />

Einrichtungen (ausgenommen hochschul- oder<br />

schuleigene Veranstaltungen und solche<br />

innerhalb eines Pauschalvertrages)<br />

56<br />

unter Welchen<br />

beDingungen erFolgt eine<br />

nettoeinzelverrechnung<br />

geMäSS abSchnitt xiii?<br />

8. Werkaufführungen im Freien, auf öffentlich zugänglichen,<br />

auch überdachten Plätzen (z.B. Bahnhofshallen,<br />

Eingangshallen, dem öffentlichen Publikumsverkehr<br />

zugänglichen Galerien und Passagen, Fußgängerzonen,<br />

Malls u. ä.) für die dort anzutreffenden Passanten<br />

9. Werke in sogenannten Happenings, Hauskonzerten oder<br />

ähnlichen Veranstaltungen<br />

10. Werke, die nur aus einer Spielanweisung bestehen<br />

11. Werkaufführungen, die bei einer Gesamtwürdigung<br />

aller Aufführungsumstände ohne eine allgemeine<br />

Marktnachfrage stattfinden<br />

Zu B:<br />

Nettoeinzelverrechnung bei Veranstaltungen im Bereich der<br />

U-Musik mit Bruttoeinnahmen ab EUR 750,– pro Veranstaltung<br />

Im Bereich der U-Musik erfolgt gemäß Abschnitt XIII A<br />

der Ausführungsbestimmungen zum Verteilungsplan für<br />

das Aufführungs- und Senderecht automatisch eine Nettoeinzelverrechnung<br />

(Direktverrechnung) bei Konzert-<br />

veranstaltungen mit Bruttoeinnahmen (Inkasso) ab EUR 750,–<br />

pro Veranstaltung. Unterscheidet das vom Veranstalter<br />

eingereichte Programm zwischen Vor- und Hauptgruppen<br />

bzw. Vor- und Hauptprogramm, so erfolgt die Direktverrechnung<br />

nur für die Werke der Hauptgruppen bzw. des Hauptprogramms.<br />

Zu C:<br />

Nettoeinzelverrechnung auf Antrag im Bereich der U-Musik<br />

gemäß Abschnitt XIII B<br />

Auf Antrag erfolgt Nettoeinzelverrechnung (Direktverrechnung)<br />

für die Werke in Veranstaltungen im Bereich der U-Musik,<br />

in denen fast ausschließlich (zumindest 80 %) Werke eines<br />

Urhebers bzw. einer Urhebergemeinschaft im Sinne der §§ 8<br />

und 9 UrhG (Autorenteam) aufgeführt werden. Näheres dazu<br />

regelt Abschnitt XIII B. Ziffer 1 bis 5 der Ausführungsbestimmungen<br />

zum Verteilungsplan für das Aufführungs- und<br />

Senderecht.<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

In Zusammenhang mit dem sogenannten PRO-Verfahren<br />

sind hartnäckig einige Irrtümer und Gerüchte im Umlauf, die<br />

trotz aller Informationen der GEMA offenbar nur schwer auszuräumen<br />

sind. So wird immer wieder behauptet:<br />

» Das PRO-Verfahren sei das Abrechnungsverfahren<br />

in der Sparte U.<br />

Das PRO-Verfahren ist kein Abrechnungsverfahren, sondern<br />

dient der Ermittlung von Aufführungszahlen von Werken<br />

mittels statistischer Methoden. Die Abrechnung in der Sparte<br />

U erfolgt als kollektive Verrechnung anhand eines einheitlichen<br />

Punktwertes.<br />

» Aufgrund des PRO-Verfahrens würden weit verbreitete<br />

Werke bis zu 144-fach höhere Ausschüttungen erhalten.<br />

Hier wird offenbar die maximal erreichbare Matrixkennzahl<br />

von 144 verwechselt mit dem (bei Matrixkennzahl = 144<br />

erreichbaren) höchstmöglichen PRO-Faktor. Die Anwendung<br />

des PRO-Verfahrens führte für das Geschäftsjahr 2009 zu einer<br />

Gewichtung von programmbelegten Aufführungen mit höchstens<br />

dem Faktor 1,6774 (bei Matrixkennzahl = 144).<br />

» Aufgrund des PRO-Verfahrens hätten die Ausschüttungen<br />

für die Aufführung eines Werkes keinen Bezug zum Inkasso<br />

der GEMA für die betreffende Veranstaltung. Häufig käme es<br />

aufgrund des PRO-Verfahrens zu extremen Ungerechtigkeiten,<br />

da an die „kleinen“ Urheber oft nur 10 % des vom Veranstalter<br />

gezahlten Veranstaltungsinkasso ausgeschüttet<br />

würden, während die „großen“ Mitglieder regelmäßig mehr<br />

als 50 % erhielten.<br />

Wenn in der Sparte U kein Bezug zwischen dem Inkasso<br />

für eine bestimmte Veranstaltung und dem Ausschüttungsbetrag<br />

für ein dort aufgeführtes Werk besteht, so hat dies seine<br />

Ursache nicht im PRO-Verfahren, sondern in der „kollektiven<br />

Verrechnung“ anhand eines einheitlichen Punktwertes. Da<br />

Werke der „kleinen Urheber“ in der Regel eher in kleineren<br />

Veranstaltungsräumen mit relativ niedrigem Inkasso auf-<br />

geführt werden, findet im Rahmen der kollektiven Ver-<br />

rechnung zumeist eine Förderung dieser Urheber statt. Das<br />

PRO-Verfahren dagegen dient nicht der Förderung oder<br />

Benachteiligung bestimmter Berechtigter, sondern der<br />

Ermittlung von Aufführungszahlen von Werken mittels<br />

statistischer Methoden.<br />

gEMa-wissEn<br />

Das Einmaleins der GEMA<br />

verbreitete FehlinForMationen in zuSaMMenhang<br />

Mit DeM pro-verFahren<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

Die GEMA konnte – aufgrund von eigenen Recherchen;<br />

aber auch nach Prüfung von Hinweisen aus Mitglieder-<br />

kreisen – bislang keine konkreten Fälle entdecken, in denen<br />

Urheber im Rahmen der kollektiven Verrechnung nur 10 %<br />

des für ihre Werke erzielten Lizenzaufkommens von der<br />

GEMA vergütet bekommen haben. Wenn Rechenbeispiele<br />

veröffentlich werden, anhand derer diese Behauptung belegt<br />

werden soll, so sind diese regelmäßig fiktiv und somit nicht<br />

repräsentativ.<br />

» Das BGH-Urteil zum PRO-Verfahren sei immer noch nicht<br />

umgesetzt worden.<br />

Nach wie vor ist die Behauptung zu hören, der BGH habe<br />

die GEMA dazu aufgefordert, das PRO-Verfahren in der Mitgliederversammlung<br />

zur Abstimmung zu stellen, und die<br />

GEMA habe dieses Urteil immer noch nicht umgesetzt.<br />

Dies trifft nicht zu. Der BGH hat in seinem Urteil vom<br />

19.05.2005 [Az.: I ZR 299/02, GRUR 2005, S. 757, 760 – PRO-<br />

Verfahren] entschieden, dass das PRO-Verfahren materiell<br />

rechtmäßig ist. Der BGH hat dabei insbesondere auch be-<br />

stätigt, dass das PRO-Verfahren im Vergleich zum vorher<br />

angewandten linearen Hochrechnungsverfahren, das bei<br />

der Verteilung zu einer ungerechfertigten Begünstigung<br />

bestimmter Berechtigter führen konnte, eine erhebliche<br />

Verbesserung darstellt. Die Frage, ob für die Einführung<br />

des PRO-Verfahrens ein Beschluss der Mitgliederversammlung<br />

erforderlich gewesen wäre, hat der BGH an das aus seiner<br />

Sicht zuständige DPMA verwiesen. Das DPMA hat diese Frage<br />

daraufhin verbindlich geklärt und festgestellt, dass das<br />

PRO-Verfahren nicht zu den Grundsätzen der Verteilung<br />

gehört, die gemäß § 7 Satz 3 UrhWG in der Satzung der GEMA<br />

verankert werden müssen und daher einer Beschlussfassung<br />

durch die Mitgliederversammlung bedürfen. Somit hat weder<br />

der BGH noch das DPMA die GEMA dazu verpflichtet, einen<br />

nachträglichen Beschluss der Mitgliederversammlung<br />

zur Einführung des PRO-Verfahrens herbeizuführen. Viel-<br />

mehr hat das DPMA ausdrücklich festgestellt, dass ein<br />

Beschluss der Mitgliederversammlung zur Einführung des<br />

PRO-Verfahrens nicht erforderlich sei.<br />

57


virtuos 4/2010<br />

erscheint am<br />

19. November 2010<br />

thEmEn<br />

gEsPrächsstoFF<br />

Messen, Foren, Festivals,<br />

Panels: Im Sommer wurde<br />

viel diskutiert. virtuos fasst<br />

die wichtigsten Gesprächsrunden<br />

und deren<br />

Ergebnisse zusammen.<br />

down<br />

undEr<br />

Sie sind Jahrtausende alt<br />

und aus Australien nicht<br />

wegzudenken. Doch mit<br />

Walter Strasser ist es<br />

ausgerechnet ein Münchner,<br />

der Didgeridoos baut, die<br />

zur Weltspitze gehören.<br />

diE sPannung<br />

stEigt<br />

virtuos lüftet das<br />

Geheimnis des Jahres:<br />

die Bestsellerlisten aus<br />

dem Jahr 2009.<br />

58<br />

schlussakkord<br />

wussten Sie eigentlich, dass …<br />

... es für den perfekten Sommerhit eine richtige<br />

Formel gibt? Entwickelt hat sie Rupert Till, Professor<br />

für Musiktechnologie an der University of<br />

Huddersfield, Großbritannien. In seinen „Catchiness-Quotienten“<br />

fließen Variablen ein wie<br />

die Anzahl der Akkorde (Faustregel: drei) und<br />

die Spanne zwischen dem tiefsten und dem<br />

höchsten Ton des Refrains (am besten höchstens<br />

16 Halbtonschritte). Darüber hinaus –<br />

wen wundert’s? – spielen auch höchst außermusikalische<br />

Faktoren eine Rolle: etwa die<br />

Attraktivität des Sängers, außerdem die Zeit, die<br />

Hotel-Animatoren für das Beibringen der Tänze<br />

verwenden, und die Durchschnittstemperatur<br />

des britischen Sommers. Je tiefer, desto größer<br />

der Hunger nach Sommerhits. Weit vor Erschei-<br />

Herausgeber:<br />

Dr. Harald Heker, Vorstandsvorsitzender<br />

der Gesellschaft<br />

für musikalische<br />

Aufführungs- und<br />

mechanische Vervielfältigungsrechte<br />

(GEMA) Berlin<br />

und München<br />

Redaktion:<br />

bm Bettina Müller<br />

(Chefredaktion, V.i.S.d.P.)<br />

ip Isabel Palmtag<br />

(stv. Chefredaktion)<br />

mp Maria Pinzger<br />

Redaktionelle Mitarbeit:<br />

Willi Andresen, Nikolai<br />

Badinski, Kristina Balbach,<br />

Olaf Butterbrod,<br />

Dr. Jürgen Brandhorst,<br />

Markus Lipp, Angela<br />

Pietzsch, Maja von<br />

Prittwitz, Enjott Schneider,<br />

Werner Theisen<br />

GEMA<br />

Redaktion virtuos:<br />

Rosenheimer Straße 11<br />

81667 München<br />

Tel.: 089 - 4 80 03 - 421<br />

Fax: 089 - 4 80 03 - 424<br />

E-Mail: virtuos@gema.de<br />

www.gema.de<br />

Mit Unterstützung von:<br />

<strong>heller</strong> & <strong>partner</strong><br />

communication GmbH<br />

Telefon 0 700 - 43 55 37 33<br />

www.<strong>heller</strong>-<strong>partner</strong>.de<br />

Leitung:<br />

Angela Pietzsch,<br />

Olaf Butterbrod<br />

Art Director:<br />

Andreas Steybe<br />

Anzeigenverkauf:<br />

Publishing Group GmbH<br />

Possartstraße 14<br />

81679 München<br />

Fax: 089 - 4 57 10 - 495<br />

E-Mail<br />

info@publishing-group.de<br />

nen der Till’schen Studie hatten Mungo Jerry<br />

1970 anscheinend intuitiv alles richtig gemacht:<br />

Ihr Song „In the Summertime“ verkaufte sich bis<br />

heute 30 Millionen Mal und gilt als der bis dato<br />

erfolgreichste Sommerhit überhaupt. Die Sommerhit-Welle<br />

trat Eddie Cochran 1958 mit seinem<br />

„Summertime Blues“ los – wobei es auch<br />

wesentlich ältere Erfolgsbeispiele gibt: Man<br />

denke nur an den Evergreen „Geh aus, mein<br />

Herz, und suche Freud“. Gedichtet wurde er<br />

1656 vom Sakropop-Urvater Paul Gerhardt,<br />

August Harder schrieb ein gutes Jahrhundert<br />

später die Musik dazu. „There ain’t no cure for<br />

the summertime blues“? Von wegen – die Medizin<br />

ist der Sommerhit, jedes Jahr neu. Also: fleißig<br />

schreiben und produzieren!<br />

Bildnachweis:<br />

S. 1 Frank Dursthoff; S. 3, 35 (H. Heker), S. 8 (B. Müller,<br />

R. Gibb), S. 9 (H. Westphal), alle GEMA; S. 4, 28 apple<br />

(iPhone); S. 4, 16, 17 Danny Kurz (MGV); S. 4, 26 Jochen Zick;<br />

S. 4 Michael Mann (Revolverheld); S. 5, 47 Klaus D. Sonntag<br />

(Deutsche Nationalbibliothek); S. 5 Universal Music 2010<br />

(Lena); S. 5, 45 Xavier Sivecas (Reactable); S. 6 privat; S. 8<br />

Pelé Sports (Fußballer); S. 9 Budde Musikverlag (R.Budde);<br />

Deutscher Musikrat (Berliner Konzerthaus); S. 11 Thekla<br />

Ehling; S. 12 Andreas Sander; S. 13 Jörg Gerke; S. 16, 17<br />

Akhodi/fotolia (Berlin Hintergrund); S. 18, 19 Jochen Zick<br />

(alle); S. 20, 21, 22, 23 Cornelius/fotolia; S. 24, 25 Tony Gresek<br />

(alle), Petra Schneider-Schmelzer (U. Segner); S. 28, 29<br />

Matthias Enter/fotolia (Icons), twitter (Logo), myspace<br />

(Logo); S. 30, 31 Carolin Ludwigs; S. 32 Peter Otworowski<br />

(Gruppe), Ulf Schrader (Bühne); S. 34 Dominik Diesing/<br />

fotolia (Reichstag), Thomas Rosenthal (D. Sikorski); S. 35 VUT<br />

(M. Chung), Bundesverband Musikindustrie e. V. (D. Gorny),<br />

Deutscher Kulturrat (O. Zimmermann); S. 36 Tobias Vollmer<br />

(c/o pop), Vincent Schwenk/Daniela Fritzsch (Flughafen);<br />

S. 37 DMV; S. 38 Indrek Galetin, EBU; S. 39 BVMI/Markus Nass<br />

(U. Ochsenknecht, K. Doldinger), Bayerische Staatskanzlei;<br />

S. 40 Dominik Beckmann (U. Jürgens), Sascha Kramer<br />

(A. Berg), privat (K. Dall); S. 41 privat (J. White), Claus<br />

Bartholome (I. Sheer), Stiletto Entertainment (B. Manilow),<br />

privat (Insterburg & Co.); S. 42 privat (W. Kollo), Schott<br />

Verlag (Buch); S. 44 Mark Lehmann (C. Eyck); S. 45 H-Pi<br />

Instruments (Tonal Plexus); S. 46 Jan Forner (Visualisierung);<br />

S. 50 matttilda/fotolia (Noten), Richard Strauss Institut,<br />

Garmisch-Partenkirchen; S. 58 James Thew/fotolia (Party)<br />

© by Verwertungsgesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, 2010<br />

virtuos Ausgabe August 2010<br />

Modell R3208 ©<br />

Das kleine Schwarze. Für Ihre Augen.<br />

Sonnenbrillen in Ihrer Sehstärke.<br />

Besser sehen.

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