Offene Kirche Elisabethen - Die Kirche für alle

offenekircheelisabethen

Die Offene Kirche Elisabethen in Basel ist die Kirche für alle. Alle Menschen guten Glaubens, die Lebenssinn suchen, jede Lebensweise und Orientierung, dürfen ankommen und zuhause sein. Die ist ein Bericht über unsee Are im 2019.

Wir sind

OKE 2019

Die Kirche für alle


Editorial

3

Inhaltsverzeichnis

Editorial3

Tagebucheinträge der Leitung 4

Support Elisabethen 12

Jubiläum 2019 16

Rückspiegel: Die OKE in den Medien 18

Nadia Bolz-Weber in der OKE 20

Interview mit alt Bundesrätin Micheline Calmy-Rey 24

Ilias: Sorge für Basels Seele 26

Gespräche für alle: der BiG-Jahrgang 2019 28

Härzwärts – Segnungsfeier am Valentinstag 40

Bike-Segen: Wo die wilden Kerlinnen rollen 42

DA-SEIN & FRAU-SEIN im Umbruch 44

Koordinationsstelle Freiwillige für Flüchtlinge 46

Unser Fest «Gastfreundschaft ohne Grenzen» 48

Stadtgebete50

Frauenstreik-Jahr52

Frauenkleider-Tauschbörse53

Politisches Frauen-Nachtgebet 54

Orange the World 55

Das «Kòpfladäärnli» leuchtet kein zweites Mal 56

Geschenktauschaktion59

mimiko für alle 60

Der Basler Stadtsegen 61

Finanzen62

Der Vorstand und das Mitarbeitenden-Team 64

Förderverein66

Informationen67

Was für ein Jahr! Wir sind erschöpft, aber zufrieden.

Das Jubiläum hat uns an die Kraftgrenze gebracht, obwohl’s

im Ergebnis wunderbar war. Unser «Hallelu-JO»

während der Jubiläumswoche war erneut bis auf den letzten

Platz besetzt und unsere Gastpredigerin Nadia Bolz-Weber

zeigte, wofür die OKE steht: begeisternde, Gott und den

Menschen nahe, biblische, atemberaubende Theologie. Und

das Dinner mit Tanja Grandits’ Essen, wo der Geflüchtete

und die Bundesrätin, die Armutsbetroffene und die Stadtpräsidentin,

der 10-Jährige und die 85-Jährige an den gleichen

Tischen sassen, das Gleiche assen und tranken (beim

10-Jährigen natürlich keinen Wein ;-)) und es niemanden

kümmerte und es alle freute. Ein kleiner Vorgeschmack auf

das Reich Gottes, sagen wir leicht unbescheiden. Micheline

Calmy Reys Rede dokumentieren wir auch ganz. Und die

Buchpräsentationen: das unserer Heilerinnen und je eines

von uns beiden. Und die theologische Tagung «frisch und

weise». Und dann der Tanz an der Jubiläumsdisco.

Auch die Arbeit in den sozialen Projekten hat sich verändert.

Die Koordinationsstelle Freiwillige für Flüchtlinge

(KoFfF) wurde aus Synergiegründen von den Auftraggebenden

dem Roten Kreuz zur Weiterführung übergeben

und das DA-SEIN muss neu auch operativ von uns beiden

geleitet werden. Wir mussten so auch zwei Mitarbeiterinnen

ziehen lassen und haben nun, im DA-SEIN, bei uns

Mehrarbeit ohne mehr Geld. Aber was soll’s: Die Arbeit

ist wichtig und wir machen sie.

Und dann wäre da noch das andere Thema, das uns seit

Langem bekannt ist, das uns aber seit dem November

dieses Jahres überschattet hat, wortwörtlich: unser Turm,

dessen Renovation und die Kosten dafür. Was Sie oder

ihr vielleicht noch nicht wusstet dazu, lesen Sie, lest ihr

auch hier im Heft. Und da kommt dann auch wieder das

Schöne, das wunderbar Überraschende: Die Welle an

Sympathie und Solidarität, unter dem Motto «Ich stand

zur Elisabethe» (eine dialektale Formulierung, die uns

einige Baseldytsch-PuristInnen fast nicht verzeihen

wollten ;-)).

MONIKA UND FRANK MIT DEM OFFIZIELLEN SLOGAN DER

SUPPORTFOTOS, DIE UNS NACH LANCIERUNG DER

KAMPAGNE ZU HUNDERTEN ERREICHTEN UND DIE DARUM

ÜBER DIESEN JAHRESBERICHT «VERSTREUT» WURDEN.

Liebe Lesende

Liebe FreundInnen

Und immer noch: Es macht Freude, an diesem Ort mit all

diesen Menschen zugunsten der Stadt und der Region zu

arbeiten, arbeiten zu dürfen. Unsere «Kirchgemeinde» umfasst

dann potenziell über 300000 Menschen. Und es liegt

Segen auf dieser Arbeit und wir tun sie betend. Das erwähnen

wir besonders gern, da es sich gerade rund um die

«Turmgeschichte» immer wieder zeigt, dass einige meinen

oder behaupten, unsere Kirche sei keine Kirche mehr. War

sie aber immer, ist sie und wird sie immer bleiben! Und die

Merian-Burkhardts haben kein Blutgeld für die Elisabethenkirche

verwendet, denn sie hatten keines. Auch so ein Gerücht,

das wir munter und resilient dementieren. Und das

wir trotzdem immer wieder hören.

In diesem Sinn: eine gute, spannende, unterhaltsame, frohe

und inspirierende Lektüre dieses Heftes, das uns – ceterum

censemus – auch viel Arbeit und doch viel Freude machte.

Herzlich: Ihre und Ihr/eure und euer

Monika Hungerbühler und Frank Lorenz

Redaktion

Gestaltung

Litho

Druck

Auflage

Fotos

Offene Kirche Elisabethen

Schärrer + Bachmann graphic design

Sturm AG, Muttenz

Gremper AG, Basel/Pratteln

4400 Exemplare

Bildrechte bei den Fotograf*innen

Offene Kirche Elisabethen – 2019



Tagebucheinträge der Leitung

Tagebucheinträge der Leitung

4

5

«Woran ich mich erinnere»

Tagebucheinträge der Leitung

17.01.2019

Frank: Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus:

Die Renovation der Kirche braucht verlässliche Daten. Die

Spezialfirma HMQ macht per Drohne fotogram metrische

Aufnahmen von unserer alten Dame.

19.01.2019 Öffentliche Orgelführung

mit Musik

F: Unser neuer Hausorganist, Matthias Wamser (Jg. 1968),

hat das Szepter übernommen. Das merkt man, wenn der

ausgebildete Kirchenmusiker und Kirchenchorleiter die

Orgelempore erklimmt und die Tasten und Pfeiffen erklärt

und dabei ins Schwärmen gerät. Susanne Böke Kern hat

nach insgesamt 14 Jahren einen grossartigen Nachfolger

be kommen.

2.02.2019 Das Licht in mir –

KerzenLichtFeier zu Maria Lichtmess

Monika: Thema ist der Wohlgeruch Gottes (Elsa Tamez).

Sylvia Laumen vom Katharina-Werk Basel und ich gehen

mit dem Weihrauchfass in der Kirche um die versammelten

Frauen herum. Es riecht gut. Ich geniesse den Moment.

14.02.2019 Härzwärts

F: Diese Segensfeier für allerlei Liebende ist in anderen

Schweizer Städten bereits ein grosser Erfolg. Nun also auch

bei uns. Aus dem Stand kamen zu diesem Anlass 40 Paare

und liessen sich segnen. Und unser Nachbar Andreas

EIN MITARBEITER DER FIRMA OMH, DIE MIT EINER DROHNE DIE

KIRCHE DREIDIMENSIONAL VERMESSEN.

DER NEUE HAUSORGANIST MATTHIAS WAMSER ÜBERNIMMT MIT

FREUDE DEN PLATZ DER BISHERIGEN, SUSANNE BÖKE KERN.

Bertschmann vom «Au Bouquet» spendete jedem Paar eine

Rose. Auch unser wunderbarer theologischer Praktikant

Alexander war dabei mit seiner Freundin. Schön, solche

jungen TheologInnen begleiten zu dürfen. Bei solchen

wachen, sensiblen und v.a. geistlichen jungen Menschen

hab ich wieder viel Hoffnung für die Zukunft unserer

Kirche(n).

16.02.2019 Winterfest mit Geflüchteten

und Hiesigen

M: Sibel Arslan sitzt nach ihrem feurigen Grusswort noch

lange am Tisch mit geflüchteten Menschen. Sie diskutieren

miteinander. Sibel ermutigt sie, die deutsche Sprache immer

noch besser zu lernen. Alle um sie herum nicken.

21.02.–3.03.2019 Kopfladäärnli – e heerlig

scheene Faasnachtsoobe •

F: Es war ein wunderbares Erlebnis, eine so professionelle

Crew unter einem so freundlichen, integren und liebenswerten

Menschen wie Renato Salvi als Mieter zu haben.

Ab Seite 56 mehr dazu! Schade, dass vieles dazu geführt

hat, dass Renato von einer zweiten Auflage absehen musste.

Die über 3000 Zuschauenden waren sicher nicht der

Grund.

28.02.2019 Scheidung von F.

M: Die Flüchtlingsfamilie mit drei kleinen Kindern kam

vor zwei Jahren nach Basel. Ihr Mann schlug sie massiv. Sie

holte die Polizei und musste ins Krankenhaus. Freiwillige

des Projekts FRAU-SEIN haben sie gestützt und begleitet.

Heute geht sie wieder aufrecht. Ich bin froh und stolz.

März und Oktober 2019

F: Ich bin im WK, mit zwei Bataillonen der MechBr 1.

Auch hier begleitet mich Alexander. Auch hier zeigt er sein

geistliches und staatsbürgerliches Engagement. Ein formidabler

junger Mann. Die Begegnungen mit den Frauen und

Männern im Militärdienst sind «Offene Kirche» in Uniform:

Genauso vielfältig, wie die zivile Offene Kirche, thematisch

und menschlich. Aber: Diese Menschen haben sich

mehrheitlich von der Kirche verabschiedet. Sie würde ich

nie in der OKE treffen. Aber in Uniform – von gleich zu

gleich – funktioniert das Gespräch über Leben, Visionen,

eine säkulare oder explizite Form des Glaubens nicht nur,

nein, es ist sogar ein gefragtes Gut. Und die Reden zu Beginn

und Ende der WK sind mehr als nur Folklore und

civil religion. Als ich sagte «Betet, freie SchweizerInnen», in

Anspielung auf unsere Nationalhymne, waren die alten

Stabsoffiziere und die jungen muslimischen Soldaten gemeinsam

betroffen und berührt. Einige mit Tränen in den

Augen. Und zwar nicht vor Lachen oder Fremdschämen,

sondern weil sie angesprochen wurden auf Werte und Haltungen,

die ihnen viel bedeuten, die aber – auch wieder! –

sonst (höchstens nur von ganz Rechten!) nicht angesprochen

werden, die aber immer noch Bedeutung haben.

Und die Arbeit als Careteamleiter wäre noch zu erwähnen

... Leider ein ebenso gefragtes Gut, bei den häufigen Unfällen

in diesem Jahr.

5.03.2019

M: Ich mache einen Input zum internationalen Frauentag

am 8. März. Die Frauen sind still, sie hören zu, fragen nach.

Sie sind gemeint, ihre Kraft ist angesprochen. Wir lächeln

einander zu.

März 2019 Tramhaltestelle Kirschgarten

kommt vor die Elisabethen

F: Ich treffe mich mit dem Bauleiter der BVB und Andi

Hindemann, dem Münsterbaumeister, um zu beratschlagen,

OFFENE KIRCHE IN UNIFORM: MÄNNER UND (WENIGE) FRAUEN

ERFAHREN (GEISTLICHEN UND MENSCHLICHEN) MEHRWERT AM

WALDRAND, IM RAHMEN EINER SOGENANNTEN «ASG-THEORIE».

wie die BVB ihre Tramhaltestelle vor die Kirche basteln

kann und unsere KundInnen und NutzerInnen trotzdem

gut und ungestört zufahren können. Im Ergebnis haben wir

jetzt direkt vor der Kirche eine Tramhaltestelle, und zwar

für gut zwei Jahre, bis das neue Kunstmuseumsparking

fertig ist.

März, Juli, Oktober, November 2019

Trauerfeiern, Taufen, Trauungen

F: Menschen, die nichts mehr von der Kirche erwarten,

aber den Ort kennen und suchen, die mich vielleicht bereits

in einer solchen Feier erlebt haben, werden begleitet in

ihrer Freude und ihrem Leid und merken, sie finden hier

ein Zu hause. Feiern mit teilweise 500 und mehr Menschen

in der Kirche werden zu Feiern des Lebens, mit Predigt

und Gebeten, Tänzen und einer Dragperformance (ja, auch

das!) und Apéros, wo Umarmungen und Tränen zwischen

Erinnerungsfotos und Weingläsern getauscht werden. Das

ist Offene Kirche!

10.03.2019 Gäll, de kennsch mi nit?

Gottesdienstliche Feier am Sonntag vor dem

Morgenstreich

M: Jubiläum und Abschied: der 20. Fasnachtsgottesdienst,

die letzte von Jürg Jösslin gestaltete Feier.

Marinette Oeggerli, Christoph Nidecker, Haiggi Leimbacher,

Hansjürg Minder und Jürg Jösslin ziehen am Schluss

der Feier durch eine klatschende Fasnachtsgemeinde aus

der Kirche aus. Grosse Anerkennung, grosser Dank. Ein

sehr bewegender Moment.

15.03.2019

M: Mitra-Prototyp basteln im Sitzungszimmer für den

Frauenstreik am 14. Juni mit zwei Kolleginnen. Eine sehr

lustige und lustvolle Sache mit rosa Karton, Pailletten,

Spitzen und Heissleim.

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Tagebucheinträge der Leitung

Tagebucheinträge der Leitung

6

7

EINE INTERKULTURELLE GRUPPE VON FRAUEN AM FRAUENSTREIKTAG;

DIE CHRISTLICH- STÄMMIGEN TRAGEN SELBST GEMACHTE MITREN, UM IHRE GLEICHRANGIGKEIT

MIT DEN WÜRDENTRÄGERN ZU BEKUNDEN.

22./22.03.2019 Ilias!

F: In der Nacht des 22. auf den 23. März erreichten mich

einige Telefonate, die mich sehr wach machten: Die Familie

des getöteten Schulbubens, die albanische Community und

die Stadt brauchten mich. Siehe weiter hinten im Heft.

6.–12.04.2019 Das Haus des Körpers neu

bewohnen – Fastenkurs

M: Wir waren zu neunt, die wieder und wie seit Jahren in

der Fastenzeit fasten, d.h. vorgängig den Darm entleeren

und dann eine Woche nur Bouillon, Tee, Wasser und verdünnten

Gemüse- oder Obstsaft trinken. Das Schönste

sind die gemeinsamen Momente der Stille in der Kapelle

und der Austausch untereinander. Eine wunderbare Bereicherung

im Hinblick auf die Karwoche und Ostern, den

Beginn neuen Lebens.

28.04.–4.05.2019 25-Jahre-OKE-Jubiläum

M: Eine stressige, aber wunderbare Woche. Wir waren

nachher alle «uff de Wegge», aber sehr zufrieden!

Siehe weiter hinten!

4.05.2019 Geburtstags-Ü30-Party – Benefizkonzert

F: Für einmal nur geniessen: tanzen, bis die Socke kocht...

;-)

12.05.2019 Biker-BACA-Segen: Segnungsfeier

für Biker

F: Es werden jedes Jahr mehr BikerInnen, die mit ihren

schweren Maschinen auf den Platz neben die Kirche

donnern.

14.05.2019 Lesung: «Wo bleibt die Rechtsgleichheit?»,

Dora Rittmeyer-Iselin

M: Eine wahre Entdeckung: Dora Rittmeyer-Iselin. Ich

kannte diese engagierte und streitbare Baslerin, die sich u.a.

für jüdische Flüchtlingskinder eingesetzt hatte, bisher

nicht. Das Buch von Marianne Jehle «Wo bleibt die Rechtsgleichheit?»

habe ich in einem Zug gelesen. Dass neben der

Einführung von Marianne Jehle auch Roswita Schilling die

Lesung der Texte von Rittmeyer-Iselin gestaltet und Maya

Graf eine Grussbotschaft von AllianceF überbracht hat,

war sehr schön und eindrücklich!

13.02./22.05.2019 Öffentliche Führung

durch Kirche und Krypta

F: Ein tolles Team, der André Salvisberg und ich. Wobei

man sich ja nicht selber loben soll. Aber merken kann man

es, wenn’s stimmt: Wir nennen uns scherzhaft «Waldorf und

Stettler» der Elisabethenkirche, da wir als eingespieltes «altes

Ehepaar» uns ergänzen, gegenseitig ins Wort fallen und

auch immer wieder frozzeln. Die meisten Leute finden’s

gut, einige unangemessen. Was soll’s: Jedem Menschen

rechtgetan ist eine Kunst...

14.06.2019 Frauenstreik/Frauen-Kirchenstreik

M: Ein Tag, den ich nicht vergessen werde! Treffen in der

Tituskirche zum Morgengebet, gemeinsamer Marsch zum

Zwinglihaus, wo es ein Zmittag gibt, danach Pilgerinnensegen

in der Heiliggeistkirche und dann Fahrt zum Garten

neben der OKE. An jeder Station reihen sich mehr Frauen

ein, bis der Garten neben dem Pfarrhaus voller Frauen ist.

Gemeinsam gehen wir mit Mitras, Plakaten, Transparenten...

zum Theaterplatz. Auch unsere Flüchtlingsfrauen

und einige Männer sind an der Kundgebung!

21.06.2019 Feierabendmahl – Agapefeier

M: Das erste Mal feiere ich mit Sarah Biotti das Feier-

AbendMahl. Sie ist die Leiterin der Spezialseelsorgenden

in der röm.kath. Kirche BS und Diakoniebeauftragte. Sie

wohnt seit eineinhalb Jahren auf dem Land. Wir sprechen

über unsere Liebe zur Natur und vor allem zum Garten.

Ich bin beeindruckt über ihre Worte: «Ich habe gelernt, der

Natur etwas zurückzugeben, wenn ich von ihr nehme. Ich

singe etwas, ich lege Nüsse oder Körner dahin, wo ich eine

Wurzel ausgegraben habe...»

27.06.2019 Bibel teilen in 7 Schritten

M: Seit 20 Jahren biete ich das so genannte Bibel teilen an.

Eine offene Gruppe von 6–12 Personen liest einen Abschnitt

aus der Bibel, lässt ihn still wirken, wiederholt

wichtige Worte und diskutiert dann: Was «schmeckt mir»

an diesem Text, was missfällt mir, was verstehe ich nicht,

was sehe ich plötzlich neu, was ist mir nie aufgefallen...?

EIN GLÜCKSFALL: DIANA KRASNODEMBSKA UND MARCIN

WARSZAWSKI KAMEN, HALFEN UND BLIEBEN.

Vor den Sommerferien und vor Weihnachten feiern wir.

Alle bringen etwas mit und wir teilen Brot, Wein, Käse und

anderes. Wir stellen uns in die Tradition der Christ*innen,

die miteinander Mahl gehalten und sich an Jesus erinnert

haben.

Juli Sommerreinigung

F: Für unsere Sommerreinigung steigen der Allrounder

Marcin Warszawski und seine Frau Diana Krasnodembska

ein. Einfach so. Ohne Fragen. Weil jemand anders überraschend

gegangen ist. Zwar sind Marcin und Diana seit

Langem im Putz- und Aushilfsbereich für uns tätig. Aber

noch nie und in diesem Umfang. Am Anfang holpert es –

und tut das noch immer hie und da –, aber unsere gemeinsame

«bumpy road», eine holprige Strasse (wie das der

feinsinnige Urban aus unserem Vermietungstechnikteam

treffend nennt), wird immer befahrbarer, Hindernisse werden

ausgeräumt und Löcher geflickt. Inzwischen gehören

Marcin und Diana «zur Familie» und machen vieles möglich,

was lange und immer wieder vergessen wurde, nicht

erledigt wurde oder schlicht «nicht geschah». Wow!

Juli 2019 Ausstellung «Verschaffe mir Recht»

im Juli! (22.07.2019 Vernissage)

F: Es ist eine Schande, kriminell und unchristlich im höchsten

Mass, wie mit LGBTQI-Menschen durch die Kirchen

verfahren wird, dort, wo wir es wenig sehen, in den Ländern

des Südens. Die Ausstellung hat diese Situation in den

Fokus gerückt. Mir wurde richtiggehend übel, wenn ich die

Geschichten las.

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Tagebucheinträge der Leitung

Tagebucheinträge der Leitung

8

9

24.08.2019 Freiwilligenausflug Wallbach,

Müllmuseum

F: Christl hat das wieder wunderbar organisiert, etwas Besonderes

und etwas, das zu uns passt: das Müllmuseum

unter der rührigen Leitung und Kuration des uralten,

weisen, liebevollen Herrn Thomann. Er hat vor 50 Jahren

ein paar traurig blickende Teddys von der Müllhalde gerettet

und das war der Anfang seines Museums. Danach

genossen wir ein reichhaltiges Zvieri und inspirierten uns

gegenseitig mit unseren Geschichten aus dem zurückliegenden

Jahr.

30./31.08.2019 Fangnetzmontage

F: Um den Kragen des Turms unseres altehrwürdigen

Hauses wird ein Netz montiert, das allfällig herabfallende

Mauerteile auffangen soll. Nicht, dass etwas bereits herabgefallen

wäre, aber einfach als Sicherheit. Ja, grosse Ereignisse

werfen nicht nur Schatten voraus. PS: Schon 1867,

drei Jahre nach der Einweihung, waren mehrere Zierelemente

wie Fialen und Kreuzblumen auf den Kirchplatz

hinuntergestürzt. Gerade der beim Bau verwendete Luzerner

Sandstein erwies sich als verhängnisvoll; er war nur

beschränkt witterungsbeständig und musste bereits 30

Jahre später grossenteils ersetzt werden.

Im September

TEAMFOTO DER FREIWILLIGEN VOR DEM MUSEUM WALLBACH

F und M: Traurig: Die Projektmanagerin Ils van Loveren

hat ihre letzten Arbeitstage, nachdem sie bereits das ganze

erste Semester an den Folgen eines Berufsunfalls litt. Wir

mussten – aufgrund der Mittelkürzung – die Stelle abbauen

und als Leitung selber ins operative Tagesgeschäft. Die Zivis

unterstützten uns dabei nach Kräften und natürlich die

Freiwilligen. Das DA-SEIN muss noch mehr auf ihre Kraft

bauen. Und: Sie sind da! Ein Kernteam aus vier Personen,

in dem auch ein Geflüchteter mittut, unterstützt Monika

in der Leitung. Wie schön!

28.09.2019 Gastfreundschaft ohne Grenzen

– Flüchtlingsfest

M: Das war so toll, dass wir im Jahresbericht einen Extra-

Beitrag gemacht haben, gell Frank?

20.–23.10.2019 Internationale Citykirchenkonferenz

in Hamburg

F: Monika und ich freuen uns sehr, den Kolleginnen und

Kollegen der internationalen Citykirchen wieder zu begegnen

und uns inspirieren zu lassen von ihren Aktivitäten.

Zwar sind wir die einzige wirtschaftlich und institutionell

selbstständige Citykirche, aber in der Arbeit mit vielen verwandt,

verbunden und ähnlich engagiert. Wie immer eine

grosse Freude: «Unseren» Gründerpfarrer, Hansruedi Felix,

wiederzutreffen, der inzwischen in St.Gallen wirkt.

BaZ, BZ und andere Medien

F: Sonderseiten! Die Zeitungen stürzten sich drauf: Unser

renovationsbedürftiges Haus und die finanziellen Folgen

daraus. Unsere Mutterkirche, die ERK BS, agierte in der

ersten Phase kommunikativ nicht sehr geschickt: Man

sprach über das Gebäude, aber verunsicherte die Nutzer

und stellte unsere Arbeit infrage, obwohl diese gar nicht

CITYKIRCHENKONFERENZ: GRUPPENBILD MIT MONIKA, FRANK

UND FELIX (RECHTS OBEN AN DER SCHEIBE, DOPPELT IN DER

SPIEGELUNG)

gemeint war und ist: «Wir brauchen diese Kirche nicht»,

sagte man an der Rittergasse. Die Regierung weigert sich

bis anhin, etwas Wesentliches an die Renovation zu zahlen.

«Die Kirche» habe ja Geld, meinen sie mit Verweis auf die

Erträge der Bau- und Vermögensverwaltung. Monika, ich

und die vielen Freiwilligen sind nun gefordert und erleben

Erstaunliches: Hunderte von Menschen nehmen teil an

unserer Support-Fotoaktion «Ich stand zur Elisabethe».

Näheres hinten im Blatt!

4.11.2019 Längere Präsenzdienst-Sitzung

M: Es ist so eindrücklich, den gemeinsamen Haushalt der

Offenen Kirche Elisabethen mit den Freiwilligen des Präsenzdienstes

zu stemmen. Was könnten wir bei den Abläufen

verbessern? Worauf wollen wir wieder vermehrt

achten? Wer ist bereit, eine Sonderaufgabe zu übernehmen?

Der Grundtenor ist sehr gut, dafür sind Frank und ich sehr

dankbar!

5.11.2019 Abgeordnetenversammlung (AV)

des Schweizerischen Evangelischen

Kirchenbundes (SEK)

F: Die AV des SEK hat sich für die Öffnung der Ehe für

gleichgeschlechtliche Partnerschaften entschieden.

Mit vier wunderbaren KollegInnen (Michi Wiesmann,

Sybille Fohrer, Renato Pfeffer und Nadja Boeck) durfte

ich am Manifest «DIE LIEBE HAT DEN LANGEN

ATEM» (445 Unterzeichnende, die sich mit ihrem Namen

hinter die Erklärung gestellt haben!) mitformulieren und

-arbeiten und erleben, wie weit und visionär und liebevoll

die Schweizer ProtestantInnen sind. Danke auch an Godi

Locher und Sabine Brändlin vom Rat des SEK, der ab

2020 «Evangelische Kirche Schweiz» heisst.

Happy birthday, church!

6.11.2019 Interreligiöses Gespräch

zu Schöpfung und Ökologie

M: Die Kapelle ist voll. Der Weg dahin immer etwas mühsam.

Trotzdem kommen die Leute. Dieses Jahr stellen wir

eine Reihe von Kerzen auf als Wegweiser. Sibylle Ehrhart

vom Forum für Zeitfragen führt das interreligiöse feministisch-theologische

Gespräch mit Amira Hafner-Al Jabaji,

Valérie Rhein und Doris Strahm über die Haltung gegenüber

der Schöpfung im Judentum, im Islam und im Christentum.

Ich habe alles vorbereitet. Ich bin beeindruckt,

weiss vieles nicht und lausche dem angeregten Gespräch.

Ein wichtiger Hinweis dazu: «Unsere Erde – Gottes Erde?

Eine interreligiöse Betrachtung zu Schöpfung und Ökologie

aus der Sicht von Judentum, Christentum und Islam»

– noch vor dem Auftreten von Greta Thunberg im Herbst

2018 erschienen!

November–Dezember Übergabe KoFfF

an das Rote Kreuz Basel

F: Die «Koordinationsstelle Freiwillige für Flüchtlinge»

(KoFfF) wurde bei uns entwickelt und mit dem Kanton

und der CMS aus der Taufe gehoben. Seit Oktober 2015

leistete die KoFfF – mit inzwischen drei Projektmanager-

Innen – unter meiner Leitung vorbildliche und richtungsweisende

Abeit im Aufgabenfeld zwischen Freiwilligen,

Geflüchteten und Sozialarbeitenden. Nun wird die KoFfF

an das Rote Kreuz übergeben. Erste Meetings, strategisch,

technisch und Ende Dezember dann endgültig. Natürlich

mussten wir auch hier eine Entlassung aussprechen: Regine

Fricker. Dass es damit eine Mittfünzigerin traf, hat mich als

Altersgenosse von Regine besonders betroffen gemacht.

Und wie oben schon ein kleines Wunder: Sie fand eine Anschlussstelle

in einem verwandten Feld auch wieder bei

einer kirchlichen Organisation, dem HEKS, der Flüchtlingsrechtsberatung.

Toll!

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Tagebucheinträge der Leitung

Tagebucheinträge der Leitung

10

11

POLITISCHES FRAUEN-NACHTGEBET ANLÄSSLICH DER SITUATION DER FRAUEN IN ROJAVA,

EINER SELBSTVERWALTETEN KURDISCHEN REGION IN NORDOSTSYRIEN, DIE VON DER TÜRKISCHEN

ARMEE BOMBADIERT WIRD.

20.11.2019 Politisches Frauen-Nachtgebet

M: Die Gewerkschafterin Franziska Stier, die ich vom

Frauenstreik her kenne, ist auf mich zugekommen: «Monika,

es ist alles so grässlich in Rojava. Jetzt müsst ihr von

der Kirche etwas tun!» Wir haben etwas getan und zu einem

politischen Frauen-Nachtgebet eingeladen. Sibel Arslan

und Mustafa Atici und viele andere Menschen haben

zugehört, waren berührt, haben gebetet und eine Kerze

entzündet. Mit Monika Widmer, Pfarrerin in der Titusgemeinde,

so einen Anlass gestalten zu dürfen, ist einfach

nur schön!

25.11.2019 Orange the World – 16 Tage gegen

Gewalt an Frauen

M: Ich vermisse es schmerzlich, dass unser Turmhelm in

der Nacht nicht mehr erleuchtet ist. Für eine Woche wird

der Turm nun – zwar von aussen – orange beleuchtet wie

viele Tausend andere prominente Gebäude der Welt als

Protest gegen Gewalt an Frauen. Mit einer Fotografin

steige ich in den ersten Stock des Pfarrhauses, von wo sie

einen guten Blick auf die Kirche erhascht.

6.12.2019 St. Nikolaus kommt in die Kirche

F: Auch der Santiglaus und der Schmutzli «stehen zur

Elisabethen». Und natürlich fast alle, die an den drei Besuchen

von «Santa» (wie die Expats sagen, obwohl das ja

der «Weihnachtsmann» ist) zu uns kamen.

15.12.2019 Öffentlicher Gottesdienst

der Lesbischen und Schwulen Basiskirche

F: Immer wieder denken wir nach: Besondere Gottesdienste

für LGBTI-Menschen – braucht’s das noch? Die Feiern

sind jeweils mit 10 bis 30 Menschen eher mässig besucht.

Aber jedes Mal, wenn ein schwuler Mann oder eine lesbische

Frau oder eine Transperson zum ersten Mal einen

kirchlichen Raum (lokal und übertragen verstanden) betritt

und dabei wahrnimmt, willkommen zu sein – rückhaltlos,

defizitfrei, vollkommen, an Seele und Leib –, und dann

etwas begreift über die Wirklichkeit der Liebe Gottes, dann,

ja dann ist es jeden Aufwand wert, jede Vorbereitung. Denn:

Wie sagten meine jüdischen Lehrer während des Studiums

doch so richtig: «Wer einen rettet, rettet die ganze Welt.»

18.12.2019 22. Geschenktauschaktion 2019

M: Das geordnete Wuseln der ca. 170 Kinder, die mit ihren

roten, gelben, grünen und blauen Zeichen um den Hals

geduldig warten bis sie dran sind. Ein Spielbügeleisen,

ein Bär, ein Puzzle, ein Auto, ein Spiel... bekommen ein

neues Zuhause und neue Liebe. Die Kinder teilen mit

armen Kindern, denn letztere müssen im Vorfeld keine

Spielsachen bringen, damit sie den einen Bon erhalten, der

sie berechtigt, etwas Neues zu bekommen. Ich freue mich

jedes Jahr auf diesen Anlass, weil er mich rührt und vollkommen

überzeugt.

22.12.2019 Interview Telebasel

F und M: Monika und ich wünschen «Frohe Weihnacht» mit

Gedanken zu unserer Kirche, zu unserer Arbeit, zu unseren

Sorgen und unserem Glauben. Danke, Karin Müller und

der Telebasel-Crew für das zauberhafte Interview:

https://telebasel.ch/2019/12/20/weihnachts-talk-einekirche-ohne-glockengelaeut-ist-traurig/?channel=105100

24.12.2019 17.00 Uhr Hörnliweihnacht

23.00 Uhr Weihnachts-Nacht

F: Über 500 Leute an der Hörnliweihnacht. Ich wurde angefragt,

diese alte Tradition durch meine Predigt weiterzuführen.

Der neue Co-Leiter, Dani Muff, ist mir altbekannt.

Hühnerhautmoment: Als ich sage, es brauche die

OKE mitten in der Stadt, brandet Applaus auf.

Wieder und wieder und wieder: einfach schön. Die Jungs

von den Alumni haben sich selbst übertroffen mit der

Weihnachtsmesse von Franz Biebl. Und der Dirigent Lukas

Loss wird nächstes Jahr, am 12. Februar, die Goldberg-

Variationen spielen. Freude!

31.12.2019 Der Marxist und die Nonne

– eine musikalische Lesung zu Otto F. und

Silja Walter

F: Ich musste einen Marxisten lesen. Fiel mir nicht leicht,

aber ich fand rein, merkte Nähe und Distanz zu Monikas

Silja. Dass es schon das vierte Mal war, dass wir an Silvester

unser eigenes Projekt machen, jeweils einen Mann

und eine Frau in deren geistlich-literarisch-poetischen

Schaffen in den Mittelpunkt zu rücken, das beeindruckt

mich schon. Und auch wieder dabei: Olivier Picon, der es

auch dieses Mal wieder schaffte, einige Stücke zu den beiden

Walther-Geschwister-Texten zu komponieren, irgendwo

zwischen Jazz und zeitgenössischer Musikalität: Ein

grossartiger Musiker, nicht nur bei den Silvesterprojekten.

Und zum Schluss dann dieser Hühnerhautmoment: Ein

Endfünfziger steht mit Tränen der Rührung vor uns. Er sei

der älteste Sohn von Otto und fand beide «Inpersonationen»

von seinem Vater und seiner Tante unglaublich treffend und

Olis Musik sei genau jene, für die sein Vater jeweils ans

Jazzfestival nach Willisau gepilgert sei. Schöner kann das

OKE-Jahr nicht enden.

PROVISORISCHE TRAMHALTESTELLE DIREKT VOR DER KIRCHE

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Ich stand zur Elisabethe

12

Support Elisabethen:

Wie alles kam, was nötig wurde, und auch

geschah und was noch passieren muss.

ANFANG NOVEMBER GEWITTERTE ES IN DEN BASLER LOKALBLÄTTERN UND WIR STAUNTEN:

DER KIRCHENRATSPRÄSIDENT DER REFORMIERTEN KIRCHE BASEL-STADT UND FREUND DER

OFFENEN KIRCHE ELISABETHEN, LUKAS KUNDERT, MACHTE EINEN STREIT ZWISCHEN DER

EVANGELISCH- REFORMIERTEN KIRCHE (ERK) BS UND DER FINANZ- UND KIRCHENDIREKTION

ÖFFENTLICH.

Der Staat sieht offenbar die 500000 Fanken, den Beitrag,

den die ERK an die seit Langem nötige und geplante Renovation

des Turmes der Elisabethen entrichten kann, als

zu gering an und will daher auch nicht über seinen Beitrag

weiter verhandeln. Erst wenn die ERK rund 4 Millionen

Franken bringe, könne man weiterreden.

Die Fakten

BZ·WOCHENQUIZ

Hilfe, unsere Iürche zerfällt!

Wie gut kennen Sie die

gefährdete Elisabethen

und die Geschichten

dahinter?

von Alain Gfeller - bz • 15.11.2019 um 17:27 Uhr

Die Elisabethenkirche (links) thront neben dem

Münster über der Innenstadt. Beinahe hätte sie aber

schon einmal einem Parkhaus weichen müssen.

© GEORGIOS KEFALAS

Die Elisabethenkirche über dem Basler Theaterplatz

zerfällt. Die bedeutendste neugotische Kirche der

Schweiz ist in so schlechtem Zustand, dass seit einigen

Monaten sogar die Glocken der Kirche nicht mehr

läuten. Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Wie gut

kennen Sie die beliebte Stadtkirche? Sonst lohnt es

sich ja nicht, diese zu sanieren.

Die Elisabethenkirche zerfällt - aber wie gut steht es um Ihr

Wissen zu unseren Basler Kirchen?

Start

Artikel zum Thema

SANIERUNSPLANUNG

Niemand will die

Elisabethenkirche retten:

Wahrend sie zerfällt,

streiten sich Regierung und

Kirche ums Geld 7.11.2019

SOZIALES

ENGAGEMENT

Schauspielerin Helen

Mirren liest Gute-Nacht­

Geschichten vor 9.12.2019

DOPPELSPITZEN

Co-Präsidium bei der SP?

Blick in die Geschichte

verheisst nichts

Gutes 14.11.2019

ANZEIGE

Aufwachen und gewinnen

Gewinne eines von 5

neuen Samsung S10+

BZ·WOCHENQUIZ

Was?! «Nilpferd tötet

Zebra»? Beweisen Sie, wie

gut Sie unsere legendären

Zolli-Geschichten

kennen 13.9.2019

ANZEIGE

Giulia und Stelvio

Jetzt mit autonomen

Fahrassistenzsystemen

der Stufe 2.

Der Staat glaubt der ERK ihre Finanzschwäche nicht, wie

der Regierungsrat auf eine parlamentarische Interpellation

der LDP-Grossrätin Christine Alioth Anfang Dezember

schreibt:

«Die finanzielle Lage der ERK ist dem Regierungsrat (RR)

bekannt. Neben den Jahresrechnungen der ERK, die in den

vergangenen Jahren defizitär waren, gilt es in einer konsolidierten

Sicht allerdings auch, die Ergebnisse der Bau- und

Vermögensverwaltung der ERK (BVV) zu berücksichtigen.

Die BVV verfügt gemäss der jüngsten publizierten Jahresrechnung

über bedeutende finanzielle Reserven und schreibt

Gewinne.

Die Christoph Merian Stiftung (CMS) hat bereits im Jahr

2015 das Pfarrhaus der Elisabethenkirche von der ERK für

einen Betrag von 2,5 Millionen Franken erworben, um auf

diese Weise in Absprache mit der ERK einen Beitrag an die

Sa nierung der Elisabethenkirche zu leisten. Sie hat ebenfalls

2015 weitere 431000 Franken für die kirchliche und die

soziale Nutzung des Pfarrhauses gesprochen. Im Jahr 2019

hat die CMS die ERK nochmals unterstützt und einen zusätzlichen

Beitrag in der Höhe von 2 Millionen Franken an

die Sanierung der Elisabethenkirche gesprochen.

Der Regierungsrat kann sich vorstellen, an die Sanierung der

Elisabethenkirche einen Beitrag in einer ähnlichen Grössenordnung

wie die CMS zu sprechen, und hat dies der ERK

auch kommuniziert. Zudem kann ein Unterstützungsgesuch

beim Bund eingereicht werden.»

Die BVV der ERK soll’s also richten und einen Teil ihrer

Gewinne in die Turmrenovation stecken. Da sagten die

ERK, Lukas Kundert und der Pressesprecher Matthias

Zehnder: «Wir stecken unser Geld nicht in Steine, sondern

in Menschen.» Will heissen: Die jährlichen Gewinne der

BVV werden seit Langem in den laufenden Haushalt der

ERK geschüttet und garantieren die Arbeit der ERK trotz

sinkender Mitgliederzahlen und Steuereinnahmen. Der RR

kann sich höchstens eine Beteiligung in Höhe der CMS

vorstellen, wobei offenbleibt, ob die Höhe 2 Millionen bedeutet

oder 2 plus 2,5 Millionen (der Kaufpreis für das

Pfarrhaus). So oder so: Die Kostenschätzung des Münsterbaumeisters

Andreas Hindemann für die Renovierung des

Turmes lautet auf 13 bis 14 Millionen und dieser Betrag

wird derzeit weit verfehlt.

Das Gewitter

Obwohl niemand in der ganzen Diskussion über unsere

Arbeit sprach, wurden wir von der Diskussion kalt erwischt:

Wenn man lesen muss «Wir brauchen diese Kirche nicht»

und sogar über «kontrollierten Einsturz» als Ultima Ratio

gesprochen wird, dann verstehen wir die vielen besorgten

Stimmen aus der Öffentlichkeit und in den sozialen Medien.

Und natürlich wurden alte Diskussionen neu belebt, alte

urbane Wandermärchen wurden wieder geraunt, so falsch

sie sein mögen, es gibt sie. Zu denen gehörte:

· Die Elisabethenkirche ist ein Ablassbau des Basler Daig,

finanziert mit Blutgeld und aus Scham oder zur Wiedergutmachung

der ethischen Schuld daran, wie das Geld

erworben wurde: aus Sklavenhandel.

· Die Elisabethenkirche ist «keine Kirche mehr» oder keine

«richtige Kirche mehr».

Beides ist so falsch wie unausrottbar. Glücklicherweise

wurden alle Argumente in der Diskussion auf den sozialen

Medien, die irgendwie ein Spiegel der Öffentlichkeit sind,

von Nutzenden widerlegt. Hierzu lest bitte die Screenshots

aus unseren Facebook-Profilen.

Ich stand zur Elisabethe

Schwieriger war die Reaktion der Menschen, die unsere

Kirche ausmachen, die unsere Kirche besuchen und auch

mieten. Einige dieser rund 100000 Menschen jährlich

kamen auf uns zu mit einer Mischung aus Sorge, Angst,

Verwunderung und Mitgefühl.

· Sorge darüber, dass der Zugang oder Aufenthalt nicht

mehr sicher sei oder dass bestehende Mietverträge durch

uns nicht eingehalten werden könnten, da die Kirche ja

wohl schliessen müsse.

· Angst darüber, dass ihnen wichtige Angebote nun nicht

mehr stattfinden würden, ja sogar dass unsere Arbeit

wohl bald zu Ende gehen werde.

· Verwunderung darüber, dass eine solche Institution wie

die OKE infrage gestellt würde in einer reichen Stadt wie

Basel.

· Mitgefühl und die Frage: Was können wir tun, um euch

zu helfen?

Die ersten drei Anliegen konnten wir mit unseren Mitarbeitenden

und Freiwilligen auffangen und entgegennehmen

und auch gut klären. Die Frage, wie man/frau uns

helfen könne, hat uns auf eine Idee gebracht. Wir boten

an, dass – wenn man/frau/kind sich mit unserer Arbeit

identifiziere – ein Selfie mit dem Slogan «Ich stand zur

Elisabethe» gemacht und uns gemailt werden könne, an

support@oke-bs.ch. Und dann waren wir überwältigt von

den vielen Reaktionen, die auch in diesem Blatt zu sehen

sind. Wir haben die vielen Supportfotos in einen Polaroidrahmen

gebastelt, um ihre Spontaneität und Aktualität

auch grafisch hervorzuheben und diese Föteli über dieses

Heft verteilt, darüber gestreut, beglänzt, unseren Bericht

damit verziert und verschönt. Wir wissen: Das muss der

Anfang sein für weitere Aktionen und für einen Meinungsbildungs-

und Entscheidungsprozess in unserer Stadt, der

dazu führt, dass die Offene Kirche Elisabethen auch noch

ihr 50. Jubiläum in diesem wunderschönen Haus feiern

kann, in unserer «alten Dame».

Ein Konsens

Am 3. Dezember hat Radio SRF 2 in seiner «Kontexte»-

Reihe ein Gespräch gesendet, an dem sich u.a. Andreas

Courvoisier, ein Basler Stadtplaner, und die Thurgauer

Denkmalpflegerin Eva Schäfer über «Schöne Kirchen –

leere Kassen» beteiligt haben. Dort hiess es sinngemäss:

«Gerade die Elisabethen, wo kleine Anlässe stattfinden,

wo gesellschaftliche Anlässe stattfinden, dort, wo sich

Gross und Klein, Jung und Alt einfinden, Krethi und Plethi,

alle! Und dann steht sie noch wirklich in der City – eine

Citykirche – und damit hat sie für Touristen und für Einheimische

diese grosse, breite Bedeutung für diese Stadt.

Ihre Renovation muss gerade in Basel gelingen. Eine Kirche

wie diese, die so stark in der Stadt verankert ist, und in

einer Stadt, die so reich ist und so viel private Wohltäter

hat, da muss ein Konsens zu erreichen sein.»

Der Konsens stockt derzeit auf Ebene der Regierungen von

Kirche und Kanton. Nicht aber «unten», bei den Menschen,

die den politischen Entscheidungsprozess tragen. Monika

und Frank wurden von der SP BS eingeladen, ihre Sicht

13

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Ich stand zur Elisabethe

Ich stand zur Elisabethe

14

15

der Dinge einer Fachkommission vorzutragen, die der

Partei dann eine Lösung für die Frage vorlegen kann,

wie man mit der Elisabethen im Besonderen, aber im

Wesentlichen mit den historischen Kirchenbauten in

Basel allgemein umzugehen gedenke. Eines der Ergebnisse

dieses SP-OKE-Gespräches war das folgende:

Das Gespräch über Kirchengebäude in Basel sollte an

einem runden Tisch zwischen Kirchen, Kantonen und

der Öffentlichkeit interdisziplinär, am besten sogar interkonfessionell,

geführt werden. Das könnte ein nächster

Schritt sein, um eine Gesamtschau, ein Kirchgebäudekonzept,

zu erreichen, um damit auch die Elisabethen zu

renovieren, also zu retten.

Einige Thesen für die Zukunft

von Kirchen(gebäuden)

Kirchengebäude und inhaltliche Kirchenarbeit in einer

westmitteleuropäischen, postmodernen, postaufklärerischen,

demokratischen Gesellschaft beziehungsweise

Tradition – im Unterschied zu evangelikalen oder nach

US-amerikanischer Manier geprägten Megachurches oder

Freikirchen – haben zwei oder höchstens drei Bedeutungen:

1. Eine museale, kunsthistorische beziehungsweise stadtbildprägende

Bedeutung

2. Eine zivilgesellschaftliche integrierende, insbesondere

mit Sozialarbeit in Verbindung gebrachte Bedeutung, die

am ehesten ihrer früheren inhaltlichen Bedeutung entspricht

3. Eine neue, noch offene, dritte Bedeutung, nämlich die

des Experimentierorts für eine künftige Religiosität, die

über die traditionellen und hergebrachten Religionen

und Konfessionen hinausgeht und am ehesten postkonfessionell

genannt werden kann

Bei Letzterem müsste gesprochen werden über eine neue,

anders und neu organisierte Religiosität und «Kirchlichkeit»,

wobei «Kirchlichkeit» in ihrer expliziten Bezugnahme

auf den christlichen Begriff eher nicht mehr passend ist.

1. Menschen in den Städten, die einstmals der jüdischchristlichen

Mehrheitsreligion angehörten, sind noch

immer ansprechbar auf Geistlichkeit und Spiritualität,

ja sogar auf die Kirche ansprechbar, wenn diese ihnen

einen expliziten, wahrnehmbaren und mit ihrem Alltag

verbindbaren Mehrwert vermitteln und generieren kann.

2. Kirchengebäude und sakrale Architektur haben einen

hohen städtebaulichen Wert. Bei der raumplanerischen

Gestaltung einer Stadt spielt die spirituelle Dimension

eine wesentliche Rolle. Spirituelle Orte wie Kirchen und

Kirchenvorplätze haben einen wesentlichen Einfluss auf

die Lebensqualität der Bewohner einer Stadt oder eines

Quartiers. Das muss bei Planung und Renovierung der

Städte berücksichtigt werden.

3. Nur jene bestehenden Kirchen werden baulich überleben,

die ihren geistlichen, zivilgesellschaftlichen und sozialen

Mehrwert den StadtnutzerInnen aufzeigen können.

Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt

An den Grossen Rat 19.5513.02

FD/P195513

Basel, 4. Dezember 2019

Regierungsratsbeschluss vom 3. Dezember 2019

Interpellation Nr. 126 Catherine Alioth betreffend «Sanierung Elisabethenkirche»

(Eingereicht vor der Grossratssitzung vom 13. November 2019)

„Den Medien war schon vor längerer Zeit zu entnehmen, dass die Elisabethenkirche baufällig ist.

Das Gebäude kann nicht mehr uneingeschränkt genutzt werden. Die Evangelisch-reformierte Kirche

als Eigentümerin nutzt die Kirche seit längerer Zeit nicht. Die Räumlichkeiten dienen der Organisation

"Offene Kirche Elisabethen" für ihr vielfältiges Angebot.

Offenbar besteht keine Einigkeit hinsichtlich der Renovationsarbeiten und insbesondere der Übernahme

der Kosten der dringenden Sanierung. Es scheint mit Blick auf die finanziellen Möglichkeiten

der Evangelisch-reformierten Kirche BaseI-Stadt nicht möglich, dass diese Institution einen wesentlichen

Beitrag zur Sanierung wird beisteuern können.

Es besteht Handlungsbedarf, auch weil vom Bauwerk eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgehen

könnte. Abreissen kann man dieses Bauwerk nicht. Die Eigentümerin ist nicht in der Lage, die Sanierung

zu finanzieren, auch nicht teilweise. Die Organisation, welche auf der Basis der letztwilligen

Verfügung des Bauherrn existiert, scheint sich nicht verantwortlich zu fühlen. Der Kanton fordert -

gemäss einem Zeitungsbericht – eine Summe von der Evangelisch-reformierten Kirche, welche deren

Möglichkeiten bei weitem übersteigt.

Der Kanton, welcher dieses Bauwerk unter Schutz gestellt hat, muss ein Interesse am Weiterbestand

haben. Die Christoph Merian Stiftung, deren Stifter das Bauwerk errichten liess und dessen Grab

sich in der Kirche befindet, steht in einer moralischen Verpflichtung, Mittel für den Unterhalt beizusteuern.

In diesem Zusammenhang bitte ich den Regierungsrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:

1. Erachtet es der Regierungsrat als notwendig, dass die Elisabethenkirche umfassend baulich

saniert wird?

2. Geht vom aktuellen Zustand des Bauwerks eine Gefahr für Besucherinnen und Besucher der

Kirche oder für Passantinnen und Passanten aus?

3. Besteht seitens des Regierungsrats Bereitschaft, das Bauwerk zu erhalten?

4. Kann der Regierungsrat nachempfinden, dass die Evangelisch-reformierte Kirche die spärlichen

ihr verbleibenden Mittel für soziale und seelsorgerische Aufgaben und nicht für den Erhalt

eines nicht benutzten Bauwerks einsetzen möchte?

5. Ist der Regierungsrat bereit, in Zusammenarbeit mit der Christoph Merlan Stiftung ein Gesamtkonzept

zur Sanierung auszuarbeiten?

6. Ist der Regierungsrat bereit, die Kosten für die Sanierungsarbeiten zusammen mit der Christoph

Merlan Stiftung vollumfänglich zu übernehmen?

7. Was gedenkt der Regierungsrat zu tun, falls die bisherige Eigentümerschaft mit Blick auf die

gegebene Situation ihr Eigentumsrecht aufgibt?

Catherine Alioth“

Den Mitgliedern des Grossen Rates des Kantons Basel-Stadt zugestellt am 6. Dezember 2019. Seite 1/3

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Jubiläum

Jubiläum

16

17

Jubiläum 2019

UNSER JUBILÄUM, UNSER 25. GEBURTSTAG, FAND IN DER WOCHE RUND UM DIE 25. WIEDERKEHR

DES GRÜNDUNGSTAG DER OKE AM 31. APRIL 1994, STATT. ES WAR KONZIPIERT ALS THEO-

LOGISCHES NACHDENKEN, ORT DER TEILNAHME, TEILHABE UND TEILGABE, UND FORMTE SICH IN

· einer theologischen Tagung (am 26., 27. und 28. April),

· einem Festgottesdienst, der urbanen Jodelmesse Hallelu-JO

am 28. April,

· der Buchpräsentation der drei Büchlein des Heilerinnen-

Teams und der beiden Leitenden der OKE,

· dem grossen Jubiläumsdinner «Gerechtigkeit schmeckt» mit

der Spitzenköchin Tanja Grandits und der alt Bundesrätin

Micheline Calmy-Rey am Geburtstag selbst, und schloss

mit dem

· Frühlingsjubiläumsfest der Flüchtlingsprojekte DA-SEIN

und FRAU-SEIN und

· einer Ü30-Party unseres Party-Partners Felix Bielser, zu

der alle Geflüchteten, alle Freiwilligen und alle Mitarbeitenden

gratis Eintritt hatten und dies auch weidlich nutzen.

Die einzelnen Programmpunkte: Sterne

Die Hauptreferentin der theologischen Tagung unter dem

Titel «frisch und weise» war die US amerikanische lutherische

Pfarrerrin Nadja Bolz-Weber. Ihre Predigt am Festgottesdienst

drucken wir in diesem Heft ab. Ihre anderen

Redebeiträge gibt es auf https://www.offenekirche.ch/de/

jubilaeum.html.

Beim Jubiläumsdinner wählen wir einen anderen Weg:

Wir dokumentieren zwar die Rede von alt Bundesrätin

Micheline Calmy-Rey, für den Rest jedoch sollen Bilder

sprechen. Bereits im Vorwort bemerkten wir voller Demut

und Freude, dass das Dinner uns wie ein Vorgeschmack auf

das Reich Gottes erschien. Damit meinen wir nicht die

perfekte, vegetarische Spitzenküche von Tanja Grandits

und ihrem Team, sondern die Menschen, die mitassen,

mittranken und mitfeierten. Hier sassen Arme und Reiche,

B GESANG IM DA-SEIN. C GESANG IN DER KIRCHE

Alte und Junge, immer schon hier Lebende, neu und ganz

neu Hinzugekommene gemeinsam und einträchtig am Tisch

und lebten und feierten, als wäre es schon immer so gewesen

und wäre auch so gemeint.

Die drei Büchlein der Heilerinnen, von Frank Lorenz und

Monika Hungerbühler, der beiden Leitenden der OKE,

wurden am 29. April präsentiert. Vom Heilerinnen-Büchlein

ist im Moment keines mehr greifbar, von den beiden

theologischen Büchlein noch wenige Exemplare.

Am Wochenende schliesslich fand die Jubiläumswoche einen

grossartigen Schluss im Frühlingsfest der Flüchtlingsprojekte

und in der Jubiläumsparty. Letztere war übrigens der

einzige Anlass, zu dem unser grosses Mitarbeitenden- und

Freiwilligen-Team nichts beitragen musste, sondern nur

einfach mal geniessen konnte.

Das tut uns von Herzen leid und lehrt uns einiges. Im

Wesentlichen Demut. Natürlich bleibt auch die Freude

über Erreichtes, über die Gipfel, die wir erklommen haben.

Jedoch werden kommende Events weniger umfangreich

und genauer organisiert sein.

Der Medienspiegel zeigt jedoch, dass und wie wir wahrgenommen

werden: Als – immer noch – Pionierkirche,

die richtungs- und stilprägend ist für die Arbeit anderer

kirchlichen Institutionen in Stadt, Region, Land und

Sprachraum. Unweigerlich personalisieren Medien heute

die Menschen, die eigentlich Themen setzen und Inhalte

vertreten, wie der Medienspiegel zeigt. Aber das lässt sich

fast nicht vermeiden heutzutage. Auch darum dokumentieren

wir die Medienreaktionen in Print und Audio-Video

mit einigen Screenshots.

Fazit: Berggipfel und Täler

Die Jubiläumswoche hat uns, das müssen wir freimütig

zugeben, an den Rand unsere Kräfte gebracht. Für einige

aus unserem Team war es sogar zu viel. Noch Monate nachher

trugen Einzelne Überstunden und Überforderungen

mit sich. Wir haben das Jubiläum evaluiert und sind zum

Schluss gekommen, dass wir wirklich nach den Sternen

gegriffen haben, dabei zwar manchen Berggipfel erreicht,

aber auch einige Täler durchschritten haben und auch den

einen oder die andere auf dem Weg zurück lassen mussten.

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



► () Audio l!'

Jubiläum

Jubiläum

18

19

Medienspiegel:

Unser Jubiläum in den Medien

Es rauschte durch den Blätterwald und knisterte über den Äther:

Unser Jubiläum. Und wir waren froh drüber: Wir waren, sind und bleiben im Gespräch

– in Basel und in der Deutschschweiz.

, BLICl

l

RADIO EüJ

SENDUNGEN SENDUNGSPORTRÄT

< VORHERIGE SENDUNG

25 Jahre ökumenisch: Offene Kirche

Elisabethen in Basel

NÄCHSTE SENDUNG >

0 Download

Sendetermine ..,

Sonntag, 28. April 2019, 8:08 Uhr

Wie ein Kirchenexperiment zur Institution wurde: Die Pionierkirche in

der City Basels ist noch immer Vorbild und sehr anders

PLAY SRF.

Radio

Startseite Live Sendungen T Themen

SRF / SEBASTIEN THIBAULT

Die erste City-Kirche der Schweiz feiert ihren 25. Geburtstag

Als vor 25 Jahren in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel Disco-Klänge ertönten, waren

nicht alle begeistert. Das war eine kleine Revolution. längst aber hat sich die Offene Kirche

etabliert. Discos, öffentliche Diskussionsrunden und Gottesdienste für Lesben und Schwule

sind heute Markenzeichen der City-Kirche.

Kathrin Ueltschi

https://www.srf.ch/sendungen/blickpunkt-religion/25-jahreoekumenisch-offene-kirche-elisabethen-in-basel

00:00 / 30:20

Samstag, 21. Dezember 2019

Menschen

«Der Papst ist ein typischer Macho»

Theologin Monika Hungerbühler plaudert aus dem Nähkästchen: über ihr Dilemma als feministische Katholikin, Reformen und das Fluchen.

Interview: Mélanie Honegger

Worüber sprechen wir?

Monika Hungerbühler: Über Konkurrenz.

Das ist ein heikles Gebiet.

Als Frau erlebt man in der

römisch-katholischen Kirche

sicher Konkurrenzsituationen.

VoreinemJahrhabenSiemit

300anderenTheologenund

TheologinneneinenBriefzur

umfassendenGleichwertigkeitinderkatholischenKirche

verfasst,inderSiedie«krankenStrukturen»anprangern.

Wasistseitherpassiert?

Ich hatte diesen Juni mit vier Kollegen

ein Gespräch mit Bischof

Felix, dem Generalvikar und

dem Medienbeauftragten des

Ordinariats. Ich muss sagen, wir

waren etwas enttäuscht. Wir waren

uns nicht sicher, ob die

Gegenseite wirklich verstanden

hat, worum es uns geht. Aber es

ist auch eine Idee entstanden.

Wir sind daran, ein Weiterbildungsmodul

zu Gleichwertigkeit

zu entwickeln. Es geht um praktische

Dinge, auch, wie man sich

als Frau fühlt und was man tun

kann, wenn man danebensteht,

nicht gehört oder nicht ernst genommen

wird.

EineSituation, die Sie selbst

auch kennen?

Hier in der Offenen Kirche Elisabethen

sind wir absolut gleichberechtigt,

da spielt Konkurrenz

keine Rolle. In der römisch-katholischen

Kirche gibt es das

aber schon. Es ist ein hierarchisches

System, in dem die Ent-

Wünscht sich eine «fruchtbare Konkurrenz»: Theologin Monika Hungerbühler in ihrem Büro. Bild: Roland Schmid (Basel, 19.12.2019)

Wie gehen Sie damit um?

Ich habe mich zur Kämpferin

entwickelt. Als katholische

Theologin stecke ich in einem

33

Sternstunde Religion, 05.05.2079, 10:00 Uhr

Nadia Bolz-Weber: Sexuelle Reformation jetzt!

Die US-Bestsellerautorin Nadia Bolz-Weber ist lutherische Pastorin. Die Evangelien hat sie mit Tattoos auf ihrem

Körper verewigt. Sie pflegt eine direkte Sprache und hat eine Kirche für Ausgestossene begründet. Für das Jubiläum

der Basler "Offenen Kirche Elisabethen" kam sie in die Schweiz. Mit Dlivia Röllin spricht sie über Sünde,

Sex und Tabus.

Mehr anzeigen v

0 11697 .. 7 (9 Später schauen < Teilen

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019

ununterbrochenen Dilemma.

Ich hatte immer gute Stellen,

konnte viel Schönes tun. Trotzdem

ist da eine strukturelle Ungerechtigkeit,

die einfach bleibt.

Aber irgendwie müssen Sie

rig fühlen?

typischer lateinamerikanischer

Macho wie Millionen andere

auch. Das braucht viel Schnauf,

Wut und Mut, alles miteinander.

«Ich habe mir

auch schon

überlegt, zu

Mit Ihrer Haltung ecken Sie

wohl immer wieder an.

Ja. Gewisse Leute finden das

furchtbar. Die denken dann,

jetzt kommt die wieder mit

ihrem ewig gleichen Mantra. Ich

habe zum Glück die Menschen

gern und kann mit vielen immer

wieder im Gespräch sein. Auch

mit solchen, die ganz andere

Positionen haben. Aber es

stimmt schon, für viele bin ich

rotes Tuch.

nachvollziehen?

Ja, das kann ich gut nachvollziehen.

Das ist ja das Schlimme.

Weil wir uns schon jahrzehntelang

kennen, gemeinsam unterwegs

sind. Sie hat es mir auch im

Vorfeld gesagt, wir hatten uns

das versprochen. Ich musste

weinen. Ein Teil von mir ist mit

ihr ausgetreten.

Sie selbst wollten nie

austreten?

r Gedan-

Ich würde die Ämterfrage reformieren

und versuchen, das ganze

Konstrukt synodal aufzubauen,

damit nicht ein Mensch,

sondern eine Gruppierung entscheidet.

Dort müssten alle Zugang

haben, Männer, Frauen,

Transgender, Homosexuelle.

Einfach alle – unabhängig davon,

wie man lebt und wen man liebt.

Ist es denn denkbar, dass

Frauen in Basel bald ein Amt

in der römisch-katholischen

Kirche innehaben können?

In Basel sagt Bischof Felix Gmür:

Wir sind verbunden mit der

Weltkirche, deswegen geht das

nicht. Andererseits hat der Papst

auch formuliert, dass man regionale

Lösungen anstreben soll.

Mir gefällt das Bild, dass das Bistum

Basel die Abteilung Forschung

und Entwicklung sein

könnte und man hier etwas ausprobieren

könnte. Der Bischof

wird diesbezüglich auch beackert.

Auf Ihre Frage hin: Ja, es

ist zu hoffen.

Quasi ein Forschungsprojekt.

Ja, eine Projektphase. Um zu sehen:

Wie nehmen das die Leute

an? Strukturell ist man in der reformierten

und in der christkatholischen

Kirche viel weiter.

Trotzdem sind Sie Katholikin.

Warum?

Ich bin halt da reingeboren. Das

ist quasi mein Stallgeruch. Ich

habe mir schon überlegt zu konvertieren.

Ich habe unter anderem

in Deutschland studiert und

wäre gerne Lutheranerin geworden.

Aber in der Schweiz habe

ich gemerkt, wie klein hier die

lutherische Kirche ist. Konver-



Jubiläum

Jubiläum

20

21

«Wir brauchen eine

sexuelle Reformation»

WAS HAT KIRCHE MIT DER SEXUALITÄT DER MENSCHEN ZU TUN? ERSTMAL NICHTS UND DOCH

WIEDER ALLES. EINE GROSSE FRAGE JEDENFALLS, AUF DIE ES KEINE EINFACHEN ANTWORTEN

GIBT, ABER EINE, DER NADIA BOLZ-WEBER BEREIT IST, SICH ZU STELLEN.

SIE TAT DAS AN UNSERER JUBILÄUMS-TAGUNG «FRISCH UND WEISE» VOM 26. BIS 28. APRIL.

Bolz-Weber ist 51 und liebt ihr – nicht nur aktuell sehr

hektisches – Leben. Sie managt ihre kleine Familie und ihre

Buchprojekte und ihre Vortragstouren. Man sieht ihr die

Lust und den Kampf an, nicht nur an den grossflächigen

Tätowierungen, die ihren Körper zieren. Über diese mag

sie übrigens gar nicht mehr sprechen, zu oft wurde sie darauf

reduziert; obwohl sie zu ihrem Markenzeichen geworden

sind, wie sie jüngst dem Kirchenboten erzählte: «Wenn

Sie so direkt fragen: Auf meinem Arm ist Maria Magdalena,

die Apostelin der Apostel, weil erste Zeugin der Auferstehung

und höchstwahrscheinlich die erste Verkünderin

des Evangeliums, die erste Zeugin der Erlösungsgeschichte

von Jesus. Und dann auf dem anderen Arm Lazarus, der

von den Toten auferweckt wurde. Ich liebe meinen Körper,

wie er ist und möchte keines meiner Tattoos missen.» Sie

lacht und macht klar, dass, wenn man sie auf ihre Tattoos

anspricht, es um etwas anderes gehen sollte, das ihr im

Moment sehr wichtig ist: Menschen seien in ihrem Körper

und in ihrer Biografie zu oft klein gemacht worden, auch

und besonders durch Kirchen. Damit müsse endlich Schluss

sein.

Bolz Weber wird jetzt sehr deutlich: «Das Wört Sünde und

der Begriff Sünder wurde lange und oft missbraucht, um

Menschen einzuschüchtern und zu kontrollieren. Stattdessen

sind wir doch alle komplizierte Wesen mit guten und

bösen Anteilen, fähig zu Gutem und Bösem. Wir sind eben

immer ‹simul iustus et peccator›, gleichzeitig und zu 100%

richtig, gerecht und sündhaft also falsch. Davon zu sprechen,

wir seien der Sünde verfallen, aus der wir uns nicht

retten können, das ist fast immer gleichbedeutend damit,

Menschen ihre Selbstachtung auszureden.» Der Begriff

«Sünder» beschreibe doch zuerst einfach mal die menschliche

Fähigkeit, so richtig daneben zu hauen. Sie wird plötzlich

sehr ernst: «Wir sollten die Scham rausnehmen aus

dieser unserer Disposition, daneben zu hauen. Es gibt keinen

Grund, da Scham zu empfinden.» Für sie führt diese

Argumentation in die Irre, auf die dunkle Seite: «Jedes Mal,

wenn wir diese Seiten verleugnen, und stattdessen jene

fröhliche, glänzende, erfolgreiche Seite, der alles möglich

ist, betonen, dann ist das, als würden die dunklen Seiten im

Fitnesscenter unserer Seele Gewichte stemmen, um immer

stärker zu werden.» Und dann folgt eine Breitseite gegen

die theologische Unterfütterung dieser missbräuchlichen

Nutzung menschlicher Schwäche: «Sünde ist ein wichtiges

Konzept, aber wurde zu lange missbraucht, um Menschen

zu kontrollieren. Es ist jetzt an der Zeit, das neu zu fassen.»

Bolz-Weber ist lutherische Pfarrerin aus Denver, Mutter

und Ehefrau, ehemalige Alkoholikerin und Gemeindegründerin,

leidenschaftlich in Jesus verliebt und kämpferisch mit

ihm verbunden, und ihre Argumente stammen aus erster

Hand: Aus Geschichten, die Gemeindemitglieder in ihrer

ehemaligen Gemeinde erzählen, und aus dem Text der Bibel

selbst. In ihrem neuen Buch, Schamlos: Als Sexualreformerin

wirft sie einen kühnen Blick darauf, wie konservative

christliche Normen rund um die Sexualität die Gläubigen

in jedem Aspekt ihres Lebens beeinflussen.

Sie sagt, dass die Entscheidung, ihr jüngstes Buch «Shameless.

A sexual reformation» zu schreiben, zutiefst persönlich

war, denn sie entstand daraus, «jenen Teil meines Lebens

als geschiedene, sexuelle, erwachsene Frau und auch als

Pfarrerin zu reflektieren.» Sie sagt: «Was Menschen in der

Blüte ihres Leben als sexuell lebende Menschen erfahren,

ist etwas, was der Kirche egal zu sein scheint – die Kirche

kümmert sich nur darum, dass sie die bösen, die unartigen

Dinge nicht tun. (...) So begann ich damit, meinen Gemeindemitglieder

drei Fragen zu stellen: Welche Botschaften

hast du von der Kirche über Sex und den Körper und das

Geschlecht erhalten? Und wie hat sich diese Botschaft auf

NADJA BOLZ-WEBER BEI IHRER BELEBENDEN PREDIGT WÄHREND UNSERES JUBILÄUMS-HALLELU-JO

dich ausgewirkt? Und wie hast du dann dein Erwachsenenleben

geführt? Und ich nahm, was ich hörte, und was in

meinem eigenen Leben und meiner Seele war, und daraus

entstand dieses Buch.»

Auch dem Kirchenboten gegenüber sagte Bolz-Weber zu

diesem Thema jüngst: «Die Lehren der Kirche(n) über Körperlichkeit

und Sexualität haben eine Menge Schmerzen

verursacht in den Leben vieler Menschen. Martin Luther

hat das gleiche zu seiner Zeit festgestellt: Die Lehren und

das Leben der Kirchen bewirkten damals viel Schmerz im

Leben der Menschen, für die er sich verantwortlich fühlte.

Und er entschied sich, zu den Menschen zu stehen, denen

er Seelsorger war, statt zu den Lehren der Kirche. So traute

er sich, die Lehren zu hinterfragen, die Menschen verletzten.

Ich bin eine der vielen Menschen, die das genau so

tun. Wir sagen: Wenn die Lehren der Kirche(n) so viel Leid

zufügen, dann müssen wir diese Lehren neu denken. Wir

dürfen nie loyaler gegenüber den Lehren der Kirche(n)

sein oder gegenüber Auslegungen von Bibelstellen sein, als

wir es gegenüber den Menschen sind.»

Der Offenen Kirche Elisabethen, an deren Tagung «frisch

und weise» sie am 26. und 27.4. reden wird und am 28.4.

in der Jodelmesse Hallelu-JO die Predigt halten wird, sagte

sie weiter: «Ich bin nicht Christin, weil Christen und Kirche

und Christentum grossartig sind. Ich bin Christin, weil ich

Jesus und Christus brauche, zu dem wir uns alle retten

sollen: Du hast Worte ewigen Lebens. Wir Christen haben

aber unser Bestes getan, diese befreienden Worte zu verschweigen,

und doch sind sie noch da. Die Kirche Jesu

Christi hat die päpstliche Korruption, die Kreuzzüge, das

Sektierertum, hetzende Fernsehprediger und lustige, unterhaltsame

Eventkirche überlebt. Und uns wird sie auch überleben.

Die Kraft des Todes und der Auferstehung Jesu wird

nicht durch die Unfähigkeit der Kirche zunichte gemacht,

der Verheissung des Lebens, des Lebens im Überfluss, gerecht

zu werden.

Weil Gottes Fähigkeit, Dinge richtig zu machen, immer

stärker und grösser ist als unsere Fähigkeit, Dinge falsch

zu machen. Im Ernst: Wenn ich mehr an die Kirche glauben

würde als an Gottes Fähigkeit, unseren Schrott und Müll

zu erlösen, wäre ich schon längst raus.

Aber hier bin ich. Ich bin Christin weil Jesus mich suchte

und fand, als ich eine Fremde war, ein verlorenes Schaf,

das gefunden wurde. Er erettete mich, mit seinem teuren

Blut, vor aller Gefahr. Das glaube ich. Darum bin ich

Christin.»

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Jubiläum

Jubiläum

22

23

DIE JUBILÄUMSPREDIGT VON NADJA:

«ÜBER DAS DOWN-SYNDROM VON LAZARUS UND DIE FREIHEIT SEINER SCHWESTER MARIA»

Vor einigen Monaten habe ich auf Twitter gepostet, dass

ich Frauen zu einer Art «Schwertern in das Pflugscharen»-

Projekt einlade – ich habe sie eingeladen, mir ihren Reinheitsring

zu verschicken; das sind Ringe, die konservative,

christliche Eltern in den USA ihren Töchtern, teilweise

bereits ab 11 Jahren geben, um damit zu zeigen, dass

diese Mädchen und jungen Frauen bis zu ihrer Hochzeitsnacht

keinen Sex haben werden. Jedenfalls habe ich

die erwachsenen Frauen, denen man ihre Sexualität damit

«abgeschaltet» hatte, gebeten, diese für ein Kunstprojekt

einzusenden: Damit wir sie in eine Skulptur in

Gestalt einer Vagina verschmelzen konnten.

Es war ein lang gehegter Traum von mir, und der Tag war

gekommen, die Idee in die Welt zu tragen; Just an diesem

Tag reagierte, eine Stunde nach meiner Ankündigung des

Projekts, ein Mann: «Ist das wirklich der beste Weg, um

Frauen zu stärken? Sollten die Ringe nicht verkauft und

das Geld zur Unterstützung von Frauenprojekten genutzt

werden?»

In unserem heutigen Evangelium tut Lazarus’ Schwester

Maria etwas Schönes, riskiert etwas Extravagantes, bietet

etwas in seiner Schönheit Verheerendes und als Antwort

kommentiert Judas: «Das ist doch eigentlich problematisch

– ich meine, wäre es nicht besser, wenn diese edle

Salbe verkauft und der Erlös an die Armen gegeben würde»,

was mich denken lässt, dass der Mann Judas «Twitter»

geliebt hätte, ja sogar dafür geschaffen wäre.

Wie auch immer: Vor ein paar Jahren hörte ich meinen

Freund Doug Gay eine Predigt über Maria, Martha und

Lazarus halten, die für immer änderte, wie ich die Lazarus-Geschichte

lese: Er hatte sich über etwas gewundert,

was ich noch nie zuvor bemerkt hatte; nämlich, warum

Lazarus nie etwas sagt.

Ich meine, Lazarus bekommt sehr viel Aufmerksamkeit:

Es wird so viel über ihn geschrieben und doch sagt er kein

Wort. Nicht, wenn er aus seinem eigenen Grab stolpert

und nicht auf dieser makabren kleinen Dinnerparty. Also

fragte sich mein Freund Doug, ob Lararus vielleicht nicht

sprechen konnte; er fragte sich weiter, ob vielleicht die

eine Person, die Jesus liebte – jedenfalls die einzige, von

der wir wissen, dass Jesus um sie weinte, die so wertvoll

für Jesus war, dass er sie nicht dem Tod überlassen wollte

– dass vielleicht diese eine Person stumm war. Mein

Freund Doug fragte noch weiter: Was, wenn der kleine

Bruder von Maria und Martha gar ein Down-Syndrom

gehabt hätte?

Ich glaube, ich habe für eine Minute aufgehört zu atmen,

als ich das hörte.

Der Grund, warum mir der Atem stockte, als Doug das

in seiner Predigt sagte, war, ungeachtet der Tatsache ob

es wirklich so ist oder nicht, es für mich völlig klar war, bei

allem, was ich über Jesus weiss.

Es scheint mir wahr zu sein, denn Jesus ging herum, als ob

er die gesellschaftlichen Regeln definitiv nicht verstanden

hätte, als ob es ihm egal war, wer wichtig und wer unwichtig

schien.

Ich bin Christin, denn – ob es nun stimmt oder nicht – mein

christlicher Glaube sagt mir, dass dies das Wahrhaftigste

ist, was ich je gehört habe.

Es scheint wahr zu sein, weil Jesus liebte, was auch immer

die Erwartungen dieser Welt an ihn waren. Es scheint wahr

zu sein, weil Jesus immer wieder sagte, dass die Dinge, die

wir für so wichtig halten, selten echt wichtig sind: Dinge wie

Groll zu hegen und Urteile zu fällen, Reichtum zu horten

und die Besten zu sein. Dinge wie Status und Umgangsformen

und auch, was die Leute auf Twitter sagen.

Es scheint mir wahr, denn Jesus war ein Sieger über den

Tod; den Tod durch gesellschaftliche Isolation, den Tod

durch Herrschaft, den Tod durch das (römische) Reich.

Als Jesus Lazarus aus seinem Grab rief, war es, als ob Jesus,

bevor er den Tod für immer besiegt, er ihn erstmal nur ein

wenig in Verlegenheit bringen wollte, eine erste Ohrfeige

geben wollte.

Ich denke also, dass seine Schwester, die Prophetin Maria

von Bethanien, das tat, was sie auf dieser Dinnerparty tat,

weil sie das verstanden hatte. Und weil sie das verstanden

hatte, war sie eine freie Frau.

Die Tatsache, dass sie ihr Haar offen trug, signalisiert mir,

dass die Dinge, um die sie sich früher Sorgen machte, für

sie plötzlich nicht mehr wichtig waren. Wenn es heute geschrieben

worden wäre, würden wir vielleicht lesen: Maria

entledigte sich ihrer Shapeweare, ihres Korsetts, mit dem

sie ihre Figur kontrollierte. Es geht nicht mehr nur um ihre

offenen Haare: Maria wurde verwandelt und doch immer

noch sie selbst. Sie war frei.

Frei von der Sorge, was andere Leute über sie denken; frei

von Sorge um sich selbst; Frei von Selbsthass; frei von ihren

alten Vorstellungen über sich selbst; frei von gesellschaftlichen

Erwartungen und ihrem Aussehen und der Sorge,

was die Dinge kosten; frei von der Sorge um Röllchen um

die Hüften und frei von Männern, die ihr das vorschrieben.

Sie war eine freie Frau.

Und deshalb bin ich Christin, weil es beim Christsein um

Freiheit geht, die Art von Freiheit, die von Gott kommt und

die Dinge zerstört, die wir für so wichtig halten; die Art von

Freiheit, die dadurch entsteht, dass mir etwas weggenommen

wird, von dem ich dachte, dass ich nicht mehr ohne leben

könnte und dann trotzdem ohne leben kann; die Art von

Freiheit, die nicht davon kommt, das zu bekommen, was

ich will, sondern davon, das zu bekommen, was ich nicht

wusste, dass ich es brauche. Diese Freiheit kann nicht

verdient werden. Sie kann nur aus der Gnade kommen.

Und der Grund, warum ich von der Gnade besessen bin,

ist, dass sich alles andere in dieser bankrotten Welt so

anfühlt, als ginge es um «Wert sein», Groll zu hegen und

Urteile zu fällen, Reichtum zu horten und an erster Stelle

zu stehen.

Alles andere, was mir im Leben angeboten wurde, sei es

von Social Media oder der Wellnessbranche oder der Uni,

fühlt sich an, als würde es darum gehen, sich einfach

mehr zu bemühen. Aber ich habe mich mehr bemüht und

es macht mich nicht frei – es macht mich nur müde.

Vielleicht versprichst du auch jeden Morgen, dich noch

mehr zu anzustrengen. Vielleicht beginnt ihr auch jeden

Tag mit einem Selbstgespräch wie ich: Heute werde ich

nicht zwanghaft essen, nicht meine Kinder anschreien, kein

Geld ausgeben, das ich nicht habe, für Dinge, die ich nicht

brauche. Heute werde ich, im Gegensatz zu gestern, nicht

mit meinem verheirateten Arbeitskollegen flirten oder auf

die Facebooksite meines Exfreundes schauen. Heute werde

ich mich endlich für mich selbst einsetzen. Heute werde ich

keine Computerspiele spielen. Heute werde ich wirklich

nach einem Job suchen. Heute werde ich mit Sicherheit mit

der Keto-Diät beginnen. Heute fange ich an zu meditieren

und werde Veganer und beginne mit dem Training für einen

Marathon und beginne nochmal eine Ausbildung und

werde endlich meine Wohnung aufräumen.

Aber wieder werden wir das nicht schaffen. Wir können das

nicht mehr kontrollieren, das wäre aufrichtig. Wir sind

süchtig nach Menschen und Lob, Besitz und Macht.

Und wir setzen unsere Hoffnung so einfach auf Gift, als

wäre es Medizin.

Und plötzlich kommt Jesus vorbei und sagt: Hört auf damit,

euch den Tod, den ihr Leben nennt, schönzureden. Er

zeigt uns den Unterschied zwischen Fake News und den

wirklich guten Nachrichten der Bibel. Jesus kommt und

sagt zu meinem inneren Judas – zu der Besserwisser-Judas-

Stimme in meinem Kopf, die mich immer wieder in die

gleichen Selbstgespräche verbannt:

Halt’s Maul!

Maria hat Jesus mit Blick auf seinen kommenden Tod gesalbt,

weil sie frei war. Sie war frei, weil sie den Unterschied

zwischen Fake News und guten Nachrichten kannte. Sie

war frei, weil sie wusste, dass Gräber Wahrheit sind, aber

keine Wirklichkeit.

Das ist unsere Aussicht, die Verheissung des christlichen

Glaubens: Gräber in all ihren Formen sind Wahrheit, aber

sie sind nicht die Wirklichkeit.

Ich bin Christin, weil das Evangelium von Jesus Christus

mich auf eine Weise rettet, wie mein Stolz mich nicht retten

kann. In gewisser Weise kann mich das Selbstbewusstsein

und die Selbsterhaltung und -verbesserung nicht retten,

genausowenig wie Erfolg.

Ich bin Christin, weil all die leeren Dinge mich am meisten

faszinieren. Sammle sie nicht an! Jedenfalls nicht so, wie

sie das zu verlangen scheinen. Maria wusste das.

Maria hatte gesehen, wie ihr Messias Leben aus dem Tod

hervorgebracht hatte und als sie es sah, es berührte, es

gerochen hatte, hatte sie keine andere Wahl, als danach

zu leben. Als sie Jesus’ Füsse salbte und sie mit ihrem

offenen Haar abwischte, war das kein Akt der Unanständigkeit,

wie die Zuschauer dachten, es war kein Akt der

mega-hyper Jüngerschaft, wie wir vielleicht denken, es

war ein ZEUGNIS.

Denn Auferstehung war für sie nicht nur eine schöne Geschichte

... eine Sache, die man laut vortragen muss um sie

dann wieder wegzulegen. Auferstehung, besser gesagt die

wilde Fähigkeit Gottes, Leichen aus dem Grab zu holen,

Babys aus unfruchtbaren Schössen zu holen, Wasser aus

dem Felsen fliessen zu lassen und Leben aus dem Tod zu

machen: Das sind Dinge, die du lebst, nicht nur überlegst.

Wir leben das hier. Wir glauben das nicht nur.

Das ist der Zweck davon, dass wir uns gegenseitig Zeugnis

ablegen. Das ist der Zweck, dass wir uns gegenseitig

erzählen, was Gott in unserem Leben getan hat. Wir erinnern

uns, was Gott getan hat, nicht, damit wir stellvertretend

in der Geschichte leben oder irgendwie Denkmäler

für vergangene Grosstaten bauen können. Wir erinnern

uns nicht aus Nostalgie daran, was Gott getan hat.

Wir erinnern uns, was Gott getan hat, damit wir, wenn

wir Gott in der Gegenwart sehen, erkennen, wie Gott

aussieht.

So sieht Gott in Echtzeit aus, liebe Freundinnen und

Freunde. Dieser Raum, diese Kirche, diese Worte, diese

Menschen, ihr Atem, ihr Zeugnis, dieses Brot und dieser

Wein: Das ist Gott! Danke sei IHM/IHR! Amen!

Pfrn. Nadia Bolz-Weber, Predigt während des Jubiläums-

Gottesdienstes der Offene Kirche Elisabethen, 28.4.2019

(Übersetzung Pfr. Frank Lorenz)

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Jubiläum

Jubiläum

24

25

«Der Wohlstand muss

bei allen ankommen»

Sind Sie noch immer Vollblutpolitikerin. Was beschäftigt

Sie derzeit? Wir erleben heute tiefgreifende Veränderungen

auf globaler Ebene. Faktoren oder Ereignisse, die

ausserhalb unserer Einflusssphäre gründen, beeinflussen

immer häufiger unser tägliches Leben entscheidend. Denken

Sie an Klimaszenarien, diese reden eine unmissverständliche

Sprache. Denken Sie an die Finanzwelt: In der Eurozone

und in den USA hat die Schuldenkrise gezeigt, wie

verletzbar die Wirtschaftsstrukturen der Industrieländer

sind.

Und die Schweiz? Auch in unserem Land geht die Schere

zwischen Arm und Reich weiter auseinander: Eine neue

Wirtschaft ersetzt die alte und schafft Gewinner und Verlierer.

Wir müssen alle versuchen, das Phänomen der Globalisierung

der Wirtschaft und der Gesellschaft zu bremsen

oder sogar ganz zu stoppen.

Was steckt hinter dieser Entwicklung? Eine moralische

Krise, eine Gleichgültigkeit vieler Menschen gegenüber der

Politik. Die Leute sind enttäuscht vom Staat und von der

Demokratie. Auch ich bin besorgt über die Entwicklung

unserer Aussenpolitik.

Wieso? Die Schweiz hat sich als praktisch einziges europä

isches Land geweigert, eine Erklärung des UNO-Menschenrechtsrat

zu unterstützen, die Saudi-Arabien scharf

verurteilt wegen der Ermordung des Journalisten Jamal

Khashoggi. Unser Land hat sich in der Generalversammlung

der Vereinten Nationen bei der Abstimmung über eine

Resolution zur Unterstützung des Vertrags über das Verbot

von Atomwaffen der Stimme enthalten und sich so auf die

Seite von Atommächten wie Frankreich, USA und Russland

geschlagen.

Bedeutet dies einen Bruch mit der Vergangenheit?

Die humanitäre Tradition der Schweiz und das Einstehen

unseres Landes für die Menschenrechte werden in Bern in

Frage gestellt. Das darf nicht sein. Die moralische Position

der Schweiz, ihre Glaubwürdigkeit und somit ihre Fähigkeit,

Einfluss auszuüben, könnte Schaden nehmen, falls die

Politik diesen Weg weiter beschreitet.

Wie könnte der andere, zukunftsweisende Weg aussehen?

Wir haben heute die entsprechenden Technologien,

das Wissen und die finanziellen Mittel, um uns den globalen

Herausforderungen zu stellen und um eine nachhaltige

Entwicklung zu fördern. Wir müssen aber sicherstellen,

dass jeder und jede von den Verbesserungen profitiert, denn

alle Herausforderungen, denen wir uns gegenübersehen,

hängen voneinander ab und haben einen gemeinsamen

Ursprung. Der Wohlstand muss bei allen ankommen. Die

Entwicklungen sind global und haben gleichzeitig Auswirkungen

auf unser tägliches Leben. Darum ist Gerechtigkeit

mehr als eine moralische, philosophische oder ethische

Frage. Sie muss konkret werden. Gerechtigkeit ist der

Grundstein moderner Gesellschaften.

ANLÄSSLICH UNSERES JUBLIÄUMSDINNERS SPRACH ALT BUNDESRÄTIN MICHELINE CALMY-

REY ÜBER DIE KIRCHE DER ZUKUNFT, DIE GEFAHREN DER GLOBALISIERUNG UND DIE

GERECHTIGKEIT ALS GRUNDSTEIN DER DEMOKRATIE. WIR HATTEN SIE U.A. FÜR DEN KIRCHEN-

BOTEN INTERVIEWT.

Frau Calmy-Rey, was führt Sie zu uns? Als ich angefragt

wurde, heute hier zu sprechen, erinnerte ich mich,

dass ich diese Kirche von früher her bereits kannte. Und da

meine Schwester im Kanton Jura wohnt, bin ich immer

wieder in der Region. Dann habe ich recherchiert: den

Medien habe ich entnommen, dass die Offene Kirche Elisabethen

die Kirche ist «für alle, die nicht mehr zur Kirche

gehen». Kirche sein, ohne konfessionellen Zwang, ohne

Bekenntniszwang, offen für alle, ohne Ansehen der Biografie,

des Glaubens, des Geschlechts, offen für alle, die einen

Gott suchen, und für alle, die noch gar nicht wissen, ob sie

das wollen, aber sich einfach mal auf den Weg machen: Das

scheint mir ein Modell für die Zukunft zu sein. Ich rede

heute Abend unter den Chorfenstern dieser Kirche, die das

Leben Jesu darstellen, unter denen viele Menschen Heimat

und Schutz finden. In solch einer Kirche fühle auch ich

mich sehr wohl. So habe ich gerne zugesagt.

Sehen Sie, was Sie erinnerten und recherchiert haben,

erfüllt? Ja, hier wird das Engagement für Menschen, die

am Rande stehen, grossgeschrieben. Menschen, die sonst

keine Fürsprecher haben, erhalten hier mit Lebensmittelpaketen

Nahrung für den Körper und mit Handauflegen,

Seelsorge und Gebet Nahrung für die Seele. Auch das

spricht mich sehr an.

GEBURTSTAGSWUNSCH

Meine Damen und Herren,

Zu ihrem heutigen 25. Geburtstag gratuliere ich der OKE

von Herzen. Ich wünsche ihr weitere 25 Jahre mit Erfolg

in ihren drei Arbeitsbereichen Spiritualität, Kulturelles

und Soziales. Möge die OKE weiterhin ihren bedürftigen

Gästen Gutes tun und ihren zahlenden Gästen Gutes

ermöglichen. Der heutige Abend, unter dem Titel «Gerechtigkeit

schmeckt», ist ein sehr gutes Beispiel dafür,

wie die OKE dies versteht: Ein hervorragendes Essen von

einer der besten Köchinnen der Schweiz und ihrem Team

zubereitet, wird Gästen serviert, von denen niemand

weiss, ob sie zahlend oder eingeladen sind.

Die OKE nimmt ihr kluges wirtschaftliches und geistliches

Vorgehen sowohl aus der Idee ihres Gründungspfarrers

Hans-Ruedi Felix, der auch heute hier ist, aber auch ein

wenig aus den Persönlichkeiten des Stifterpaares,

Christoph und Magaretha Merian-Burckhardt. Die Merian-

Burckhardts stammten aus dem Stadtpatriziat von Basel,

d.h. sie waren wohlhabend. Sie verstanden ihren Besitz

aber immer auch als Auftrag, damit Gutes zu tun.

So verbilligten sie einige Mal den Brotpreis, während eines

kriegsbedingten Preisanstieges. Die beiden Merian-

Burckhardts konnten also Ökonomie und Ethik sehr gut

zusammen denken.

Zum Schluss möchte ich mich bedanken bei den beiden

Leitenden der OKE, Frank Lorenz und Monika

Hungerbühler, die mich heute Abend eingeladen haben.

Es ist mir eine Freude, hier zu sein, zu Ihnen zu sprechen,

und ich werde den weiteren Verlauf des Abends, besonders

des köstlichen Essens sehr genießen.

Allen Gästen heute hier wünsche ich einen ebenso gelungenen

Abend, wie ich ihn haben werde. Allen Spendern und

Sponsoren lege ich die OKE erneut ans Herz: Es ist eine

lohnenswerte Sache, die OKE zu unterstützen. Sie tun

Gutes und das wiederum tut Ihnen gut. Spenden Sie für

diesen Abend und für die verschiedenen Projekte der OKE.

Und als Ehrenamtliche, Vorständinnen und Vorstände,

Patronatskomiteemitglieder, Euch allen: Stellen Sie Ihre

Zeit weiterhin in den Dienst eines so lohnenswerten Projektes,

das schon lange zu den festen und guten Institutionen

dieser Stadt und dieser Region gehören. Vielen Dank!

Micheline Calmy-Rey, April 2019

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Ilias

Ilias

26

Ilias: Sorge für Basels Seele

– Kirche für alle anderen

ALS IN DER NACHT VOM FREITAG, 22., AUF SAMSTAG, 23. MÄRZ, MEIN TELEFON NCHT STILLSTAND,

WUSSTE ICH, DASS ETWAS SCHWERES PASSIERT WAR UND DASS DIE STADT MICH BRAUCHTE.

Die Telefonanrufe kamen von überallher, meine Nummer

wurde wohl weitergereicht. Alle betrafen den am Donnerstag

getöten Schulbuben und hatten die Trauer zum Inhalt

und den Wunsch zum Ziel, am Samstag möge ein Trauermarsch

und eine Trauerfeier vor dem Schulhaus des Buben

stattfinden, die der Familie Trost geben, der Trauer und

Wut der albanischen Community in Basel entsprächen und

doch nicht ausarteten in Schuldzuweisungen oder Schlimmeres.

Noch in dieser Nacht musste ich mir überlegen, was wohl

angemessen sein könnte, dem Schmerz einer Familie aus

einem anderen Kulturkreis und einer Community, die zum

ersten Mal nicht nur in sportlichem oder diffamierendem

Kontext im Zentrum des öffentlichen Basler

Interesses stand. Der Morgen begann sehr

früh, zweistündig sollten die Sitzungen des

Krisenstabes sein. Dazwischen Gespräche mit

dem Initiator des Trauermarsches, der nicht

mit der Familie des Getöteten zu tun hatte,

und natürlich mit der hiesigen Community

und muslimischen Gemeinschaft. Für diesen

Einsatz holte ich mir auch noch KollegInnen

aus der kirchlichen Notfallseelsorge zu Hilfe

und bot sie auf, während des Trauermarsches

und der Feier präsent zu sein und in der

Menge zu spüren, was Einzelne brauchen

konnten.

Es formte sich die Idee eines Trauermarsches

und einer Kundgebung vor dem Gotthelfschulhaus,

wo der Getötete die Primar besuchte.

Alles war möglich, Eskalation war

zu befürchten

Als wir alle dann gegen 13.30 Uhr am Nachmittag

am Schützenmattpark ankamen, wo

die Trauerkundgebung gegen 14 Uhr starten

sollte, war ich sprachlos über die

schiere Menge an Menschen aller Altersgruppen

aus der Community der ganzen

Nordwestschweiz, die gar nicht mehr aufhören

wollte zu wachsen: Familien mit

vielen Kindern, alte Frauen in traditioneller

Kleidung, Fussballmannschaften mit

albanischen Adlershirts, hip-modische

Pärchen. Bei den beiden Letztgenannten wurde mir auch

etwas flau im Magen, denn ihre Trauer konnte jederzeit

auch in Wut umschlagen. Einige der Hochglanzpärchen

trugen denn auch selbst fabrizierte Schilder, die dem Ereignis

in keiner Weise gerecht wurden und mehr über ihre

eigene Befindlichkeit in dem ihnen offenbar immer noch

fremden Land Schweiz sagten: «Kein Vergeben – Kein Vergessen!»

«Wann hört das Morden an unseren Kindern auf?»

Ich begrüsste die engste Familie, angeführt vom Grossonkel

des Getöteten, der zur gleichen Zeit, islamischem Ritus

folgend, im Kosovo beigesetzt wurde: Der alte Mann war

freundlich und gefasst, stützte seine Frau und setzte sich

mit mir an die Spitze des Zuges. Immer wieder moderierte

MONTAG, 25. MÄRZ 2019 www.bzbasel.ch

BASEL-STADT, BASELLAND, SCHWARZBUBENLAND

Ein Flashmob der Menschlichl{eit

Trauermarsch Über tausend

Menschen gedachten an1

San1stag des Siebenjährigen,

der vergangene Woche auf

den1 Schulweg getötet wurde.

VON CLAUDIA HOTTIGER

Der Schützenmattpark platzt aus allen

Nähten, und doch herrscht eine surreale

Ruhe. Über tausend Menschen haben

sich an diesem sonnigen Samstagnachmittag

hier eingefunden, um mit

einem Trauermarsch des siebenjährigen

Ilias zu gedenken. Er wurde am

vergangenen Donnerstag von einer

75-jährigen Frau niedergestochen.

Zum Trauermarsch hatte der Aargauer

Emi Salahi aufgerufen, selbst Vater einer

zehnjährigen Tochter. Der Tod des

«Wir alle sind llias und llias

ist Basel.»

Frank Lorenz Offene Kirche Elisabethen

jungen hatte ihn erschüttert. Seinem

Aufruf folgten Tausende vor allem aus

der albanischen und muslimischen

Community. «Wie sicher ist mein

Schulweg?», heisst es auf einem Transparent,

das ein kleiner junge in die Höhe

hält. Andere tragen T-Shirts mit

dem Foto des Verstorbenen. Viele haben

Blumen mitgebracht.

Anteilnahme der Regierung

Kurz nach 14 Uhr setzt sich der Trauermarsch

in Bewegung, angeführt von

Familienangehörigen des Opfers. Auch

Regierungspräsidentin Elisabeth

Ackermann und Bildungsdirektor Conradin

Cramer sind vor Ort und zeigen

sich sichtlich gerührt. Aus jeder Seitenstrasse

strömen immer mehr Menschen

hinzu. Vom Schützenmattpark

führt der Trauermarsch zum St. Gal-

www.basellandschaftlichezeitung.ch 15

Frank Lorenz begleitete die Familie und leitete die Trauerfeier vor dem Gotthelfschulhaus. ROLAND SCHMID

)er-Ring, wo die schreckliche Tat begangen

worden war. Hier hält der

Trauerzug inne, genau da, wo der kleine

Ilias niedergestochen wurde, welcher

zeitgleich zum Trauermarsch in

seiner Heimat Kosovo beerdigt wurde.

Die Menschen legen Blumen und

Plüschtiere nieder, sie zünden Kerzen

an. An diesem Ort wird der Marsch

noch leiser. Viele weinen oder schauen

schweigend zu Boden, Menschen halten

sich schützend in den Armen.

Langsam verschiebt sich der Zug in

Richtung Gotthelf-Schulhaus, wo der

junge zur Schule gegangen war. «Wir

sind alle traurig und finden keine Worte

für das, was passiert ist», sagt Theologe

Frank Lorenz, der den Trauermarsch

gemeinsam mit Vertretern der

Familie und den Regierungsmitgliedern

anführte. Er ergreift als Erster das Mikrofon:

Er sei gerührt über diesen

«Flashmob der Menschlichkeit». «Wir

wollen uns durch die verrückte Tat eines

einzelnen Menschen nicht auseinanderdividieren

lassen. Heute sind wir

alle Ilias und Ilias ist Basel», sagt er und

grosser Applaus brandete auf.

«Warten auf Gerechtigkeit»

Dann richtet auch der Grossonkel

des verstorbenen jungen seine Worte

an die Menge. Immer wieder muss er

leer schlucken und seine Tränen wegwischen.

Mit zitternder Stimme sagt er

zuerst auf Deutsch und dann auf Albanisch:

«Wir beten und hoffen, dass so

etwas nicht mehr passiert. Wir warten

auf Gerechtigkeit und diese wird schon

kommen.»

Nicht nur ein junge sei von der

schrecklichen Tat betroffen, sondern

die ganze Stadt, Region und sogar drüber

hinaus, sagt ein Vorstandsmitglied

der Basler Muslim-Kommission ins Mikrofon.

Auch er ist den Tränen nahe.

«Wir sind fassungslos. Indem wir Anteil

nehmen, können wir hoffen, dass

es das Leid der Angehörigen lindert.»

Er schliesst mit den Worten: «Möge die

Seele des Kleinen im Paradies ruhen.»

er mit mir die Versuche weg, den Zug zu instrumentalisieren,

und musste manchmal all seine Autorität einsetzen

dafür.

Tausende vor dem Gotthelfschulhaus

Dann ein erster Stopp am Tatort, der mit Blumen, Spielzeug

und Kerzen übersät war. Ich hatte erst in der Nacht

vorher gelernt, dass Kerzen in der albanischen Kultur kein

Trauer-, sondern ein Festzeichen, mithin also unpassend

seien. Doch die Regeln moderner, öffentlicher Trauer setzten

diese Tradition ausser Kraft. So half ich den beiden

alten Leuten, über die Trauerzeichen hinwegzusteigen und

einen Moment im Schweigen zu verharren. Langsam trafen

wir vor dem nahe liegenden Gotthelfschulhaus ein. Und

der Platz füllte sich mit – wie ich den Eindruck hatte – noch

mehr Menschen, als bereits auf dem Zug dabei waren. Es

mussten weit über tausend sein. Der (albanischstämmige)

Schulhausabwart ermöglichte in der Wartezeit, die ich

durchsetzte, damit alle zur Kundgebung dazukommen

konnten, was die Stadtbasler Haustechnik in der «Kürze der

Zeit» nicht schaffte: Ein Mikrofon, einen Lautsprecher und

ein Podest stellte er auf, damit wir zu den Menschen so

sprechen konnten. Es sprachen dann besagter Grossonkel

auf Deutsch und Albanisch, ein albanischer Vertreter der

Basler Muslim Kommission (BMK) und am Anfang und

zum Schluss: ich. Ich nannte die Menschen einen «Flashmob

der Menschlichkeit» und sagte «Wir lassen uns durch

diese verrückte Tat nicht auseinanderbringen. Heute sind

wir alle Ilias und Ilias ist Basel.»

Die anwesenden Regierungsvertretenden Cramer und

Ackermann wollten, das wusste ich vorher, nichts sagen.

Dafür aber – erneut – die Versuche von Einzelnen, die Trauer

zu instrumentalisieren: Eine wollte gar ein 20-minütiges

Gedicht auf Albanisch verlesen, was wir in keiner Weise

hätten einbetten können. Wieder konnten der Grossonkel

und der albanische Vertreter der BMK dies auffangen und

wegmoderieren. Als wir die Feier auflösen konnten, waren

alle sichtlich erleichtert, auch der Organisator aus Aarau,

Emir Salihi.

Alles war mir ein Lehrstück über Chancen und Risiken

öffentlicher Trauer an den emotionalen Bruchlinien zwischen

einer Mehrheits- und einer Minderheitskultur. Ich

merkte, dass ich meinen Intuitionen vertrauen kann, dass

ich einfach da und dabei sein muss und dass der Ewige

mir in den Momenten der Not die richtigen Worte eingibt.

Und ich merkte wieder die Kraft des Gebets: Ich betete

nämlich die ganze Zeit. Wie gesagt: Es hätte jederzeit

kippen können.

Resumée: Ilias war Stadtsorge und zeigt ein neues,

mögliches Ziel für die OKE

Ich habe diesen Einsatz später an Weiterbildungen mit

anderen Careteammitgliedern als Modellfall benutzt. Diejenigen

Caregivers, die ich mit diesem Einsatz trainieren

wollte, sagten, es gehe deutlich über eine üblichen Careeinsatz

hinaus, einige deklarierten ihre Überfordertheit, andere

lehnten eine solche Aufgabe schlicht ab. Tatsächlich war

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019

, .....

:, .

..

• Schweiz

. or-

minuten Zürich Bern Basel Zentralschweiz Ostschweiz

Trauermarsch für getöteten lllas 23. März 2019 15:53; Akt: 24.03.201913:24 .J.

<

Mehrere Tausend Menschen haben sich in Basel versammelt, um

vom 7-jährigen Ilias M.* Abschied zu nehmen. Die Familie war

dankbar und gerührt von der Anteilnahme.

Am Marsch für den getöteten Buben nahmen auch offizielle Vertreter der Regierung teil.

«Heute sind wir alle Ilias - und Ilias ist Basel», sagte der

reformierte Basler Pfarrer Frank Lorenz zur trauernden Menge.

Tausende folgten am Samstag dem Aufruf des Aargauers Emi

Salahi, der «instinktiv», wie er erklärte, auf Facebook den

Trauermarsch angestossen hatte. «Ich bin froh, dass so viele

Leute gekommen sind und wir alle zusammen unsere Solidarität

bekunden können», sagte Salahi sichtlich gerührt.

dieser Einsatz Ilias mehr als nur ein Careeinsatz, er war

offene Kirche ohne Kirche, für Basel. Er war Seelsorge an

der Seele Basels. Diese ist wohl in viele Teile fraktioniert,

deren Zentripetalkräfte immer noch stärker sind als ihre

Zentrifugalkräfte.

Zu den Fliehkräften gehören wohl die unterschiedlichen

Kulturen und Menschenbilder, die rein funktionale Bestimmung

der Menschen, die Unbewusstheit, dass ein mate

rialistischer Säkularimus auch eine Religion ist, deren

Resilienz sich erst noch bestätigen muss. Die uns einigenden

Kräfte sind lebensdienliche und nicht urteilende

Religion, die sich dem Rechtssaat unterordnet, Rituale,

die uns alle verbinden (neben FCB-Meisterfeiern und der

Fasnacht und dem schwindenden 1. August) und tragen,

überzeugende Persönlichkeiten, die Basel seinen Menschen

zu erklären vermögen, und zivilgesellschaftliche Player, die

gesunde Religion nicht mit Fundamentalismen in einen

Topf werfen und schlicht verwalten, sondern ihre Kraft

nutzen.

Ein solcher Einsatz für mich als Leiter der Offenen Kirche

Basel zeigt ein mögliches weiteres Ziel für eine Stadtpastoration:

an den kulturellen Bruchlinien Grenzgänger und

Brückenbauer sein, Worte finden in sehr öffentlichen Situationen,

Rituale erarbeiten und (mit)leiten, wenn die traditionellen

kirchlichen sich ausschliessen oder explizit nicht

erwünscht sind und doch das Vertrauen besteht, dass wir

von der Offenen Kirche fähig sind, dieses Wagnis einzugehen,

diese Aufgabe zu bewältigen und Trost und Frieden

zu bringen, wo es dringend nötig ist.

27



Basel im Gespräch

Basel im Gespräch

28

29

Gespräche für alle:

der BiG-Jahrgang 2019

das offizielle Abstimmungsergebnis am 18. Mai: Die BiG-Stimmenden sagten

ein Nein voraus, wenn auch deutlicher als das offiziell sehr knappe Nein.

Dies war übrigens schon beim BiG 15 zur Mieterschutzinitiative so: Die Probeabstimmung

bei uns ergab eine grosse Mehrheit für die vier zur Abstimmung

gestandenen Gesetzestexte.

In jedem Fall ein Ergebnis, das unsere Arbeit zu bestätigen scheint:

· Eine Redaktion aus Menschen, die sich in Basel auskennen: Lukas Ott, der

Stadtentwickler, Matthias Zehnder, der Medienprofi und Pressesprecher der

Reformierten, Oliver Mayer, Kommunikationsprofi und – bis Ende 2018 – der

Chefredaktor der BZ Basel, David Sieber, dessen Nachfolger zwar in die Redaktion

gebeten wurde, aber leider nicht kam.

· Wir scheinen den Puls der Stadt richtig zu fühlen: In unseren Panels und

Runden sitzen die wichtigen ExponentInnen und Opinionleaders aus Basel

und darüber hinaus.

· Und es kommen offenbar auch die «richtigen» Besuchenden an die Diskussion, die sowohl

selbst stimmen gehen als auch ihr Umfeld zur Abstimmung und zu ihrer Meinung

bewegen können. Es kommen Menschen zum Mitdiskutieren ins «Publikum», die Meinung

machen und sie vertreten.

· Dies führt dazu, dass auch die Probeabstimmungen (die seit Ende 2019 auch digital –

mit dem Tool mentimeter.com – durchgeführt werden, in Ergänzung jedoch auch per

Handaufheben) jeweils ein Abstimmungsergebnis bisher immer richtig, mindestens der

Tendenz nach, vorherempfunden haben.

Die anderen BiGs thematisierten:

· BiG 20 im Juni, die damals erst rund sieben Monate junge «Klimajugendbewegung», v.a.

aber ihre Anliegen im Bereich globaler Klimaschutz

· BiG 19 im März, anlässlich des gerade erschienenen Buchs «Klartext Integration» des

deutsch-israelischen Psychologen Ahmad Mansour das gleichnamige Anliegen als Gespräch

unter Menschen, ausser Mansour, PolitikerInnen mit Migrationshintergrund

Im September kurz von den Nationalratswahlen, organsierten wir (intern BiG 22 genannt)

zusammen mit der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft beider Basel (CJA) und der

Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) im Gemeindesaal der IGB zwei Panels mit den

Nationalratskandidierenden beider Halbkantone und fühlten ihnen auf den Zahn zu einem

Thema, das – pars pro toto – stellvertretend für den Zustand unserer Demokratie steht:

Wie hältst du’s mit deinen jüdischen MitbürgerInnen? Und die Linke kam dabei besonders

ins Schwitzen.

HOHES PUBLIKUMSINTERESSE UND VISUALISIERUNG AUF DER GROSSLEINWAND BEIM GESPRÄCH ÜBER DIE SPITALFUSION

AM PULS DER STADT UND DER ABSTIMMUNGSERGEBNISSE

Auch 2019 waren genügend Themen im Raum, die in Basel heiss diskutiert wurden

und daher ein BiG «erforderten». Der «Staatsvertrag beider Basel über ein Universitätsspital

Nordwest AG» zwischen unseren beiden Halbkantonen, auf der Strasse

schlicht «Spitalfusion» genannt, beherrschte das ausgehende 2018 und kam am 10.

Februar zur Abstimmung. Bei uns wurde es am 29. Januar diskutiert, damit auch

brieflich Stimmende das BiG als Entscheidungshilfe mitnehmen konnten. Zeitlich

in ähnlicher Abfolge war das letzte BiG im Jahr 2019 mit der Nummer 23: Am

10.September trafen die drei Kandidatinnen für das Amt der Basler Finanz- und

Kirchendirektorin aufeinander und mussten Red und Antwort stehen. Die Wahl am

20. Oktober ging – wie die Abstimmung zur Spitalfusion – übrigens entsprechend

den Abstimmungen aus, die wir auch im BiG durchführten.

Im BiG 21 zur Abstimmung über das Ozeanium-Projekt des Zolli trafen Gegner und

Befürworter aufeinander und wiederum lag die BiG-Abstimmung richtig in Bezug auf

SPITALFUSION? JA ODER NEIN? – BiG vom 29. Januar 2019

Die Kantonsspitäler-Fusion wäre eine schweizweite Premiere

gewesen. Sie hätte Leistungen über die Kantonsgrenzen

bündeln und effizienter machen sollen. Mittelfristiges

Sparziel waren 70 Millionen Franken; 400 Stellen standen

auf der offiziellen Streichliste.

Die Fusion des Universitätsspitals Basel (USB) und des

Kantonsspitals Baselland (KSBL) wurde am Abstimmungstag,

dem 10.2., im Stadtkanton mit 27805 gegen 21890

Stimmen abgelehnt und im Landkanton mit 45983 gegen

23032 Stimmen angenommen. Der Neinanteil im Stadtkanton

lag bei 55,95 Prozent; im Landkanton erreichten

die Jastimmen 66,63 Prozent. Die Stimmbeteiligung lag bei

48,84 Prozent in Basel-Stadt und 37,58 Prozent im Baselbiet.

Die Fusion hätte den Abriss des maroden Bruderholzspitals

in Binningen BL gebracht. Dort war statt des Akutspitals

ein Tagesklinik-Neubau für ambulante Standard-Orthopädieeingriffe

sowie Rehabilitation geplant – rund 150

Betten sollten wegfallen.

Das KSBL mit drei Standorten war selbst vor sechs Jahren

zwecks Sparen zusammengelegt worden. 2017 hatte das

KSBL 450 Millionen Franken Jahresumsatz und 2800

Vollstellen – das USB hat 1,1 Milliarden Umsatz und 5500

Vollstellen.

Bei uns im BiG 18 am 29.1. diskutierten Anita Fetz, Stadtbasler

Ständerätin, Lukas Engelberger, Stadtbasler Regierungsrat

und Vorsteher des Gesundheitsdepartements,

Olivier Kungler, Generalsekretär der Volkswirtschafts- und

Gesundheitsdirektion Baselland, und Kaspar Sutter, Stadtbasler

Grossrat und Gesundheitspolitiker.

Die sehr technische, der Natur des Themas geschuldete

Diskussion hatte nur wenige für die Zeit nach der Abstim-

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Basel im Gespräch

Basel im Gespräch

30

31

mung wissenswerte Aspekte. Darum verzichten wir auf die Einzelheiten der Diskussion,

die sehr engagiert, um nicht zu sagen emotional geführt wurde und quer zu den typischen

politischen Lagern. Eher sichtbar war der Stadt-Land-Graben, dessen wechselseitige Animositäten

und natürlich die grosse Sorge um das Geld, wieder einmal von Basler Seite

Richtung Landkanton. Vielleicht auch eine Retourkutsche des wuchtigen Neins des Baselbiets

zur Kantonsfusion im Jahr 2014, wo das Ergebnis umgekehrt war und die Fronten

etwas ähnlich verliefen.

«INTEGRATION HEISST DAS WIR-GEFÜHL DER DEMOKRATIE FÖRDERN» – BiG vom 26. März 2019

Am 26. März diskutierten bei der 18. Ausgabe von «Basel

im Gespräch» (BiG) Menschen mit Migrationshintergrund

das Thema «Integration»: die Nationalrätin und Ärztin

Yvette Estermann, die Nationalrätin und Juristin Sibel Arslan,

der Transportunternehmer und Präsident des Prattler

Einwohnerrates Hasan Kanber und der deutsch-israelische

Psychologe und Integrationsexperte Ahmad Mansour.

Sibel Arslan: Die Integrationsdiskussionen führen wir oft

nur einseitig, in Richtung der MigrantInnen. Ich würde

lieber eine Partizipationsdebatte führen. Das schliesst Beidseitigkeit

ein. Partizipation fordert Toleranz füreinander,

doch man hüte sich vor falscher Toleranz. Ein Kopftuch

für Kinder muss von der Freiheit der Religion her beurteilt

werden und nicht als Zwang gesehen werden. Schwimmen

für Knaben und Mädchen ist Pflicht. Die Menschenrechte

sind universell gültig. Sie bauen auf Regeln, die ein gutes

Zusammenleben ermöglichen. Wir können nicht nur sagen,

dass sie sich integrieren müssen, sondern das muss beidseitig

funktionieren. Wir sollten Menschen mit Migrationshintergrund

einbinden.

Stossend ist: Wir fragen die Leute noch immer, woher sie

kommen. Das ist doch unwichtig. In der Türkei zieht man

in ein Quartier und trifft sich im Kaffee beim ersten Mal.

Da beginnt die Integration. Es ist wichtig, die Möglichkeiten

aufzuzeigen, die Menschen abzuholen. Den Menschen

eine Chance geben und die Migration selber als Chance für

uns zu begreifen.

Ahmad Mansour: Ich kam mit 28 nach Deutschland. In

Parallelgesellschaften zu gehen, wo meine Werte geteilt

werden, wäre sehr einfach gewesen für mich. Ich merkte,

dass die verschiedenen Lebensformen ganz schnell hingenommen

werden. Aber so kann kein gesellschaftliches

Leben stattfinden, wenn wir alles immer wieder neu verhandeln

müssen. Es gibt Grundwerte, die gelten für alle.

Und die sind nicht verhandelbar. Wer so redet, wird jedoch

ganz schnell mit Vorwürfen der Fremdenfeindlichkeit konfrontiert.

Vielerorts werde ich als islamfeindlich betitelt.

Aber ich bin selber Muslim. Was soll das? Ich bin Bürger

dieses Landes (Deutschland) und ich möchte, dass man

mir auf Augenhöhe begegnet, genauso wie ich möchte, dass

wir den Migranten auf Augenhöhe begegnen. Ich treffe

tagtäglich Flüchtlinge. Und ich nehme sie ernst. Ich habe

alle Arten von Menschen getroffen. Dankbare, engagierte,

gut Deutsch sprechende. Ich gehe nicht zu den Leuten und

sage nicht «ihr armen Opfer», ich nehme sie ernst. Und wo

es harzt, da muss eine klare Sprache gesprochen werden.

Das Problem patriarchaler Strukturen gibt’s überall. Es

gibt patriarchale Strukturen, die religiös bedingt sind oder

kulturell bedingt sind. In jeder Religionsgemeinschaft muss

das benannt werden. Zum Antisemitismus findet sich überall.

Ich bestehe aber darauf, über islamischen Antisemitismus

zu reden, weil die Bekämpfungsmöglickeit anders ist.

Ich war jüngst bei einer Tagung von deutschen Integrationsbeauftragten

eingeladen: Ich war irritiert, zu sehen, dass

diese Leute die Probleme teilweise gar nicht sehen. Was

heisst denn Integration? Das ist doch mehr als Arbeit und

Sprach erwerb minus Kriminalität. Integration ist Ankommen

in der Gesellschaft. Warum soll ich das jemandem

anbieten, der seine Werte im Patriarchat, im Islamismus etc.

hat, der die hiesige Werteordnung umstossen möchte? Wenn

jemand so viel zurückgelassen hat, um hierherzukommen,

soll er die neue Werteordnung annehmen. Das ist die Bringschuld.

Das funktioniert nur, wenn er emotionale Zugangspunkte

hat. Wenn jemand, der oder die Integrationsarbeit

leisten möchte und von nur ein paar Islamisten spricht,

hat er/sie die Arbeit nicht verstanden. Mich schockiert die

Na ivität der meisten deutschen sog. «Integrationsbeauftragten»:

Dinge wie Gleichberechtigung werden relativiert.

Ich frage mich, ob einer von denen je mit einem Migranten

gesprochen hat. Wenn ich dann aber mit den Menschen

rede, die ihre Ängste äussern, dann kommen erstaunliche

Dinge zutage: Immigranten haben zum Teil Angst vor der

Entfremdung ihrer eigener Kinder durch die Integration.

Bei Integration geht es um Werte wie Gleichberechtigung,

Antisemitismus, Freiheit der Frau, etc. Die Werte hier sind

oftmals anders als die Werte dort. Und dann heisst es irgendwann

zu entscheiden: Schenken wir den Flüchtlingen

einfach nur Teddys bei Ankunft oder sagen wir ihnen auch,

AHMAD MANSOUR (3. V.L. STEHEND) WAR WIEDER EINMAL GAST BEI «BIG».

was hier gilt? Sie sind herzlich willkommen, aber sie haben

auch Pflichten.

Warum kommen die Migranten und Flüchtlinge nach Europa?

Für Freiheit, Wohlstand, bessere Gesundheit. Warum

hat Europa das erreicht? Wegen der Aufklärung. Da waren

Menschen, die nicht einfach Ja sagten. Wohlstand und

Freiheit gibt es nur als Paket mit aufklärerischen Werten.

Wir müssen heute Integrationsarbeit so professionalisieren,

dass einerseits die Mehrheitsgesellschaft sich öffnet, und

andererseits bei den Migranten hiesige Wertehaltung einfordern,

Werte transparent kommunizieren und Werteverweigerer

sanktionieren. Ein Wir-Gefühl für Demokratie vor

allem bei neu Dazugekommenen stützen, sonst polarisiert

sich diese Gesellschaft. Das ist gefährlich.

Yvette Estermann: Ich bin 1993 in die Schweiz gekommen.

Und einen Mann zu haben, war förderlich für meine Integration.

Diese ist jedoch nie abgeschlossen. Zuerst kam

die Sprache, aber das emotionale Ankommen war schwer.

Im Tessin wäre es vielleicht etwas einfacher gewesen. Die

Schwester meines Mannes hat mir sehr geholfen, sie hat

mir gezeigt, wie man Rösti macht. Sich integrieren muss

man wollen. In der Politik, im Gespräch mit der Bevölkerung,

begegne ich inzwischen Einheimischen, die manchmal

nicht mehr den Mut haben, sich zu wehren, wenn sie

mit etwas nicht einverstanden sind. Viele Schweizer sind zu

mir gekommen und haben das gesagt. Wenn man das aber

laut sagt, werden wir als Rassisten hingestellt. Ohne Regeln

können wir aber nicht zusammenleben. Ich kenne Fälle, wo

man Straftaten unter den Tisch gekehrt hat, aus Angst vor

dem Rassismusvorwurf.

Ich finde es wichtig, die Leute zu fragen, woher man kommt.

Wenn man mich fragt, bin ich stolz auf meine slawischen

Wurzeln. Wichtig ist, was man jetzt macht für die Nachbarschaft

und die Gesellschaft. Wir machen die Zukunft

unseres Landes gemeinsam. Für jene, die hier arbeiten

wollen, müssen wir offen sein. Aber auch Probleme sollen

wir ansprechen können. Wir können nicht unsere Gesetze

allen Kulturen und Religionen anpassen. Zu unseren Gesetzen

müssen wir stehen.

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Basel im Gespräch

Basel im Gespräch

32

33

Hassan Kanber: Mir war, seitdem ich ein Jugendlicher war

und hier aufwuchs, der Austausch mit der Nachbarschaft

wichtig. Ich begann, mit den anderen Buben Fussball zu

spielen. Danach wurde ich zu den anderen Buben eingeladen.

Als 20-Jähriger kam ich in den Fussballverband und

baute meinerseits Organisationsstrukturen mit auf. Das

war für mich ein Ankommen im Integrationsprozess.

Ich kann Herrn Mansour nicht zu 100% beipflichten. Eine

gefasste Wertegesellschaft steht oftmals im Widerspruch

zum gelebten Leben. Meine Eltern waren jahrelang Hauswart

im Nebenamt. In diesem Haus im Kleinbasel wohnten

um die 20 Nationen. Auch dort gab es Regeln und alltägliches

Zusammenleben. Beides! Man muss sehen, dass es

auch in den Herkunftsländern der Migranten Regeln gibt.

Emotional ankommen hat viel mit der Vorbereitung zu tun.

Wichtig ist, dass Migranten in unserer Gesellschaft Platz

haben. Die Technologisierung ist sehr wichtig. Heute ist

man mobil und kann immer wieder ins Herkunftsland. Ein

Unding: Flüchtlinge können erst spät nach der Ankunft

arbeiten. Hier gilt es anzusetzen. Die SP fördert erst seit

sieben Jahren Migranten in der eigenen Partei. Über Kultur

und Sport kann man Integration leben.

KLIMABEWEGUNG: «MACHEN IST WOLLEN, NUR KRASSER!» – BiG vom 25. Juni 2019

Am 25. Juni diskutierten fünf Männer aus drei Altersgruppen

das Klima, ausgehend von der auch in Basel stärker

werdenden Klimajugendbewegung.

Jurek Fuchs, Gymnasiast und Klimajugendbewegter: Es

brauchte uns von der «Klimajugendbewegung», damit das

Thema auf die politischen Agenden kam. Weil wir jung und

zahlreich sind und nicht in die Schule gingen, wurde der

Protest bekannt. Es war dann nicht auf eine Stadt beschränkt.

SchülerInnen in vielen Ländern folgten. Politiker

sehen uns als zukünftige Wählergeneration. Dadurch setzten

wir das Thema in den Fokus. Hinter uns stehen neben

150 SchülerInnen auch viele Erwachsene. Uns Schülern

ging es mit dem Klimanotstand darum, eine Grundlage zu

haben, um Politiker in ihrem Handeln darauf zu behaften.

Problematisch sind die Behauptungen der Parteien, dass

sie den Klimawandel ernst nehmen. Aber welche handeln

danach? Uns geht es darum, was die Parteien erreicht haben,

nicht darum, was sie versprechen. 2050 ist für uns zu

spät. Es ist heute schon heiss und das wird nur noch steigen.

2050 ist zu weit in der Ferne. Erwachsene in Politik

und Wirtschaft schieben das Problem vor sich her. 2030 ist

in elf Jahren, was ein Ziel ist, das Druck macht. Politik und

Konzerne sind in der Verantwortung. Es wird produziert,

ohne zu denken, was daraus geschieht. Weil ich in CEOs

kein Vertrauen habe, muss man die Konzerne dazu bringen.

Es ist keine Option, dass die Politik uns sagt, sorry, wir

haben nicht und können nicht. Da müssen wir sie darauf

behaften können. Wir können und werden auch zivilen Ungehorsam

üben. Der richtet sich nicht gegen Lebewesen.

Da geht es um Besetzen, Blockieren und Hinstehen.

Aus Sicht der Klimastreikbewegung sage ich: Wir brauchen

Menschen, die etwas unternehmen, gemäss unserem Motto:

«Machen ist Wollen, nur krasser!» Und das trifft zu. Es ist

die eine Sache, zu sagen, wir wollen klimaneutral werden,

und eine andere Sache, das auch durchzusetzen. Darum

messen wir euch alle daran, was ihr macht, nicht daran, was

ihr sagt. Aktuell sieht es so aus, als würde die Schweiz die

Pariser Klimaziele nicht erreichen, und das ist nicht wirklich

versucht worden. Darum werden wir so lange weitermachen,

bis hier etwas erreicht wird. Menschen, die auf die

Strasse gehen, haben eine Macht. In England haben AktivistInnen

London für acht Tage «zugemacht», die wichtigsten

Kreuzungen blockiert. Erst das hat zur Ausrufung des

Klimanotstands geführt. Weil so etwas funktioniert, werden

wir genau so weitermachen.

Axel Schubert, Stadtplaner und Klimabewegter: Wir Erwachsenen

unterstützen die Forderungen der Jugendbewegung.

Es ist eine recht heterogene Bewegung. Von Schülern

bis Rentnern protestieren viele Leute. Im Februar fanden

wir uns zusammen und stellten fest, dass es auch eine Erwachsenenbewegung

ist. Wir organisieren uns derzeit in

Arbeitsgruppen. Wir lernen viel von den Schülern durch

die Diskussion. Achtsames Zuhören u.a. lernen wir von

den Jugendlichen. Das ist bereichernd. Der Klimanotstand

ist primär ein Lippenbekenntnis. Der Klimanotstand muss

primär mal noch ins Bewusstsein gelangen. Die Dringlichkeit

ist, genau hinzuschauen. Im Ergebnis lautet die

For derung der Schülerinnen Netto-Null um 2030 – da

steckt Dringlichkeit drin, die ich in Erlassen vom Regierungsrat

vermisse. 10% der Weltbevölkerung sind für 49%

des Ausstosses verantwortlich und haben davon profitiert.

Da kommt die Klimagerechtigkeit ins Spiel. Wenn wir eine

gerechtere, friedfertigere Welt wollen, dann täte uns ein

Systemwandel gut.

Eine Bewegung lässt sich die Regeln nicht auferlegen. Wir

haben eine bisher ungesehene menschliche Krise. Hier den

bisherigen Rechtsrahmen zu setzen, ist schwierig. Dass hie

und da etwas dann deutlicher artikuliert wird, ist nicht

aussergewöhnlich. Wo wir hier einen Systemwandel fordern,

erfordert das aussergewöhnliche Massnahmen.

Die Anreizstrukturen stehen auf dem Kopf. Wir akzeptieren,

dass Biofrüchte teurer sind als konventionell angebaute,

klimaschädlichere Erzeugnisse.

Wir brauchen einen neuen Narrativ von Genügsamkeit und

JUREK FUCHS VON DER KLIMAJUGENDBEWEGUNG ERKLÄRT DEN ERWACHSENEN SEINE ANLIEGEN

UND EIN WENIG AUCH DIE WELT.

anderem Reichtum: Nachbarschaften etablieren, andere

Beziehungsverhältnisse aufbauen, andere Konsumenten-/

Produzentenverhältnisse, allgemein mehr Nähe schaffen,

mit der man sich in neuem Vertrauen in die Gesellschaft

eingeben kann, Gemeinschaften neu erleben kann, Solidarprinzipien

erfühlen kann, da gibt es einige Modelle, an

denen man gut anknüpfen kann. Ich glaube, wir brauchen

eine Politik der Genügsamkeit. Genügsamkeit zu pro pagieren,

genügt jedoch nicht. Es braucht eine Suffizienzpolitik.

Gian-Kasper Plattner, Klimaforscher: Das Pariser Klimaabkommen fordert, was die Jugendklimabewegung

auch fordert. Das hat die Schweiz auch ratifiziert. Es ist eine Tatsache, dass wir

Klimaforscher grössere Mühe haben, auf das Thema aufmerksam zu machen. Die Wissenschaft

unterstützt die Klimajugendbewegung und deren Ziele. Die globale Emission von Treibhausgasen

seit der Industrialisierung erwärmt den Planeten. Um die Erwärmung von 2°C zu halten,

müssen wir jetzt schon auf Netto-Null runterfahren. Der Mensch ist hauptverantwortlich für

die Erwärmung. Verhindern von Ausstoss von CO 2 ist viel günstiger, als das nachher wieder

ab zubauen.

Wir müssen einfach CO 2 -Emissionen reduzieren, und zwar rasch und dramatisch, und da

sprechen wir von Dimensionen, die grösser sind, als wenn die gesamte Wirtschaft während einer

Energiekrise zusammenbrechen würde. Das kann nicht so leicht und schleichend passieren. Das

wird dramatische Massnahmen brauchen, sei es im Energiesystem, sei es im Verkehr, einfach

überall. Und die Gerechtigkeitsfrage, die dabei gestellt wird, betrifft nicht nur die Schweiz,

das macht die Klimaverhandlungen auf internationaler Ebene so schwierig. Genau die Fragen

so zialer Gerechtigkeit, Nord-Süd-Gefälle, Länder, die noch nie etwas beigetragen haben zu den

aktuellen Problemen, kommen plötzlich aufs Tapet. Darum spricht die UNO von der geteilten

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Basel im Gespräch

Basel im Gespräch

34

35

OZEANIUM – BiG vom 18. Mai 2019

In elf Tagen, am 18. Mai, weiss der Zolli, ob er das Ozeanium

bauen darf – oder ob ihm das Stimmvolk die Zusage

verweigert. Das Thema bewegt die Menschen so stark, wie

es schon lange keine Vorlage mehr tat. Es scheint wie im

Fussballstadion: Jeder hat seine Meinung zum umstrittenen

Grossaquarium.

Moderator und OKE-Leiter Frank Lorenz liess das Publikum

am Dienstagabend vor und nach der Podiumsdiskussion

zum Ozeanium abstimmen. Zweimal sprach sich

die Mehrheit gegen das 100-Millionen-Projekt aus. Will

heissen: Offensichtlich konnten Vera Weber, Präsidentin

und CEO der Fondation Franz Weber, sowie der grüne alt

Grossratspräsident und Biologe Markus Ritter mit ihren

Argumenten mehr punkten als ihre Gegenparts – der Ozeanium-Architekt

Roger Boltshauser aus Zürich und Fabian

Schmidt, Kurator im Zoo Basel. Sofern die Abstimmung bei

der Talk-Serie «Basel im Gespräch» in der Offenen Kirche

Elisabethen (OKE) als repräsentativ gewertet werden kann,

gibt’s am 19. Mai an der Urne ein knappes Nein.

Tierschützerin Weber hielt in der Kirche ihre gewohnt

feurigen Reden. «Kinder lernen vor der Haustüre. Kinder

lernen in der Schule. Kinder lernen von uns Naturschutzorganisationen.

Es braucht deshalb kein Ozeanium, um die

Leute für den Meeresschutz zu begeistern und zu sensibilisieren»,

legte sie los.

Sogleich kam sie auf die Klimastreiks zu sprechen. «Die

Jugend von heute geht auf die Strasse. Diese Generation

will Taten sehen und keinen Prestigebau auf der Heuwaage

mit Fischen hinter den Scheiben.»

Alt Grossratspräsident Ritter trug seine Argumente gegen

die Unterwasserwelt weniger ausdrucksstark und klar vor.

In einer langen Abhandlung schilderte er die Geschichte des

Birsigs und des Zolli, rief das vom Volk 2003 abgelehnte

Multiplex-Kino in Erinnerung und forderte Grünflächen

statt Fischschau.

Später kam der ehemalige Politiker dann allerdings in Fahrt

und holte sich prompt lauten Zwischenapplaus. «Basel war

immer dort stark, wo es massvoll und originell geblieben

ist. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir eine Kleinstadt

sind, und es so bleiben.»

Mit dem Neubau der Messehallen oder dem Musical-Theater

habe es genug Projekte gegeben, «bei denen es uns in

den Kopf gestiegen ist», so Ritter. «Basel ist nicht geeignet

für die ganz grossen Sachen. Lieber bleiben wir bescheiden.»

FRANK LORENZ MUSSTE ALS MODERATOR DIE BEIDEN SEITEN BEI DER OZEANIUM-DISKUSSION AUSEINANDERHALTEN.

und differenzierten Verantwortung: Länder, die grössere

Möglichkeiten haben, sollen auch entsprechend viel dazu

beitragen, sei es finanziell, sei es mit der Entwicklung und

Förderung und Verteilung von Technologien. Da sind wir

heute Abend leider nicht dazugekommen, von der Rolle der

Schweiz und ihrer grossen Städte zu sprechen, die Hot spots

sind von Technologie und Wirtschaft. Und wir werden

das nicht gegen die Wirtschaft schaffen, Klimaschutzmassnahmen

zu ergreifen, sondern nur mit ihr. Wir müssen die

Wirtschaft dazu bringen, dass sie erkennt, das lohnt sich

für uns. Wir müssen heute investieren, um unsere Produktion

und unsere Produktionsformen für die nächste Zeit zu

sichern und im internationalen Wettbewerb zu bestehen.

Matthias Nabholz, Leiter Amt für Umwelt und Energie BS:

In Südamerika, auf 4000 Meter über Meer, konnte mir

jeder Bauer sagen, was der Klimawandel ist. Der Bauer dort

hat den Klimawandel bereits vor zehn Jahren gespürt. Er

hat jedoch wohl nie mehr CO 2 produziert, als er umgesetzt

hat. Im Zeitrahmen 2050 haben wir uns das «Netto-Null»-

Ziel gesetzt. Den ersten Schritt haben wir gemacht. Wir

wollen keine fossilen Brennstoffheizungen erneuern. Auf

allen Seiten gab es Widerstände. Seit der Klimabewegung

wurden plötzlich Vorstösse überwiesen von allen Seiten.

Ziele ohne konkrete Forderungen festzulegen, bringt

nichts. Nun liegen Vorschläge bei der Exekutive und dann

gehts zurück an die Legislative. Dann werden wir sehen,

wie viel von der Bewegung bleibt.

Wir haben ja nicht nur ein Klimawandelproblem, sondern

auch ein Ressourcenproblem, wir haben Biodiversitätsprobleme,

ein Artensterben, das hängt alles miteinander

zusammen: Wir müssen lernen, umzudenken, wir können

nicht mehr einfach nur noch mehr und mehr verlangen, wie

wir das gelernt haben, wir müssen auf die Natur schauen,

wie die das macht – die gibt es länger als uns und wird es

noch länger geben: Wir müssen lernen, in Kreisläufen zu

denken, sodass wir wieder in Gleichgewichten leben können,

um die Ressourcen, die wir brauchen, nicht nur zu

verbrennen, sondern sie wiederzuverwenden, damit diese

eine Erde, die wir haben, für alle reicht, und alle genug

haben. Dieses Umdenken ergibt ein ganz anderes Wirtschaften.

Damit können wir durchaus auch Wohlstand

generieren, sogar mehr als wir jetzt haben, mehr Lebensfreude

auch, ein anderer Reichtum.

Keine Sandtigerhaie in Basel vorgesehen

Auf der Seite der Befürworter versuchten Architekt Boltshauser und Zolli-Kurator

Schmidt, die Behauptungen der Gegnerschaft sachlich und unaufgeregt zu widerlegen.

Gegen aussen markierten sie Gelassenheit, in ihnen drin – da bin ich überzeugt – dürften

aber mehrere Vulkane gleichzeitig ausgebrochen sein.

Konfrontiert mit einer unlängst in den Medien aufgetauchten Artenliste, wonach der

Zolli trotz anderslautenden Aussagen grosse Sandtigerhaie nach Basel holen wolle, hielt

Schmidt fest: «Diese Liste ist völlig unverbindlich und wurde lediglich als Anhaltspunkt

für die Architekten verwendet. Was Sandtigerhaie betrifft, wüsste ich nicht, woher ich

diese überhaupt bekommen sollte.»

Bei den Sandbankenhaien sei die Situation hingegen eine andere. «Hier gibt es in Europa

mehrere erfolgreiche Zuchten.»

Schmidt betonte, dass der Zolli nur jene Fische im Ozeanium halten werde, bei denen der

Tierschutz garantiert sei. «Tiere, die in Freiheit lange Strecken zurücklegen oder sensibel

auf Wände reagieren, wird es bei uns nicht geben. Das ist gar keine Frage.»

Boltshauser unterstrich derweil mehrfach, dass auch er Mitglied der grünen Partei sei und

sich ebenso wie die Ozeanium-Kritiker für den Umwelt- und Meeresschutz engagiere.

«Wir wollen eigentlich alle dasselbe. Was aber leider auf der Strecke bleibt, sind die Relationen.»

Der Architekt zitierte in diesem Zusammenhang den Zoo-Zürich-Direktor Alex Rübel,

der unlängst gegenüber der «Zeit» festgehalten hatte: «Für das Ozeanium holt man dafür

so viele Fische aus dem Meer wie in der Stadt Basel an einem Mittag auf den Tellern der

Restaurants landen.»

Weber hielt den Zolli-Verantwortlichen vor, der Bevölkerung den «Anschein einer Lösung»

vorzugaukeln und damit «die richtige Lösung» zu verhindern: den Meeresschutz vor Ort

in die Tat umzusetzen.

Schmidt konnte damit nichts anfangen. «Wir können nicht das ganze Elend der Welt bekämpfen.

Aber ich möchte mir nicht vorstellen, wie es um den Tierschutz bestellt wäre,

wenn es keine Zoos und Umweltschutzorganisationen gäbe.»

Ein Thema war an dem Abend auch die Finanzierung des Ozeaniums. Der Befürchtung,

dass sich der Steuerzahler zwanzig Jahre nach der Eröffnung des Grossaquariums mit

einer Investitionsruine konfrontiert sieht, trat Schmidt entschieden entgegen.

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Basel im Gespräch

Basel im Gespräch

36

37

«Alle Ozeanien sind gewinnbringend. Ich kenne nur eines,

das in Konkurs gegangen ist: jenes in Berlin Unter den

Linden im Jahr 1910.»

Vera Weber unterstrich an der Podiumsdiskussion die Bedeutung

der Abstimmung. Stimme Basel nein, wäre dies

«ein riesiges Zeichen» für den Meeresschutz. Boltshauser

hingegen hielt fest, dass sich mit dem Ozeanium die Chance

biete, die Menschen «täglich zu sensibilisieren».

Bemerkenswert, aber typisch für die Ozeanium-Debatte:

Nicht ein einziges Mal wurde in der Offenen Kirche Elisabethen

über die Investition von 100 Millionen Franken

gesprochen, die mit diesem Projekt vorgesehen sind – nicht

vom Staat, sondern von Mäzenen und anderen privaten

Spendern. Und nie kam man auf die Arbeitsplätze zu

sprechen, die dadurch entstehen würden.

Basel ist zu reich, um sich mit solchen Details abzugeben.

«BASEL UND DIE JUDEN» – Podium von September 2019

Am Podium der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft (CJA) in der Israelischen

Gemeinde Basel (IGB) kam manch ein Politiker aus den beiden Basel ins Schwitzen.

Die Linke tat derweil Busse.

Nein, die Prime-News-Visitenkarte reicht nicht: Die beiden Security-Männer beim Eingang

wollen genau wissen, wer reinkommt. Also zücken ich und meine Begleiter unsere

Identitätskarten. Ein strenger Blick, dann dürfen wir rein in den Saal der Israelischen

Gemeinde Basel (IGB) an der Leimenstrasse, gleich neben der Synagoge. Hier fand am

Donnerstagabend ein Podium statt, bei dem sich die Nationalratskandidaten aus den

beiden Basel den Fragen und Anliegen der jüdischen Gemeinde stellten. Wir sind offensichtlich

nicht auf der No-Entry-Liste. Eine solche gibt es nämlich an diesem Abend.

Einschlägige Vertreter der rechtsextremen Szene hatten im Vorfeld der Podiumsdiskussion

in den sozialen Medien rumgepöbelt und vage Drohungen ausgestossen.

Nun steht Journalist und Theologe Frank Lorenz, der das Podium comoderiert, mit einer

Liste im Innenhof vor dem Gemeindesaal und stellt sicher, dass sich keiner dieser

(Glatz-)Köpfe Zutritt verschafft. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite steht zudem

ein Kastenwagen der Basler Polizei. Business as usual, muss man leider sagen. Juden

und jüdische Institutionen sind dieser Tage einer zunehmenden Bedrohung ausgesetzt,

nicht nur in Basel. Linksextreme, Rechtsextreme, muslimische Fanatiker und wirre Verschwörungstheoretiker:

Sie alle beschwören ein jahrhundertealtes Feindbild, machen

die Jüdinnen und Juden zu Zielscheiben verbaler und physischer Gewalt.

jüdische Gemeinde zu «unserer Kultur dazugehört», wie

Brigitte Gysin es formuliert. Bemerkenswert: Auch Felix

Wehrli (SVP) gibt sich als Verfechter des «Eruv» – und das

als Vertreter einer Partei, die nichtchristliche Praktiken im

öffentliche Raum ansonsten vehement bekämpft. Man denke

etwa an das Burkaverbot.

Mediale Prügel für die SP

Richtig spannend wird es erst bei der Frage nach den staatlichen

Beiträgen an die Sicherheitskosten der IGB: Das

Thema war im vergangenen Jahr ein heisses Eisen im

Grossen Rat. Insbesondere die Ratslinke verbrannte sich

mit ihrer ablehnenden Haltung die Finger und musste medial

Prügel einstecken. Frank Lorenz und sein Moderationskollege,

SRF-Journalist Peter Bollag, wollen es an diesem

Abend genau wissen: Wie haben die Kandidaten in dieser

Frage im Grossen Rat abgestimmt? Manch einer kommt

nun ins Schwitzen und versucht, sich herauszuschwadronieren,

was Politikern selten gelingt. Bei Felix Wehrli etwa,

der sich bei der Abstimmung im Parlament enthalten hat,

wird nicht klar, wie er nun zu dieser Frage steht.

Klare Worte findet dafür SP-Grossrat Christian von Wartburg:

Ja, er und seine Fraktion hätten damals dagegen gestimmt.

«Wir hatten rechtsstaatliche Bedenken und wollten

zuerst eine gesetzliche Grundlage für eine solche Unterstützung

schaffen», führt er aus. Manchmal sei man sich

aber nicht bewusst, welche Signale man aussendet. «Dieses

Signal hat mir sehr leidgetan und ich kann verstehen, dass

man die SP dafür kritisiert hat.» Er glaube aber nach wie

vor, dass eine gesetzliche Grundlage der richtige Weg sei.

Patricia von Falkenstein (LDP), die das entsprechende

Budgetpostulat im Grossen Rat einbrachte, wirft ein, dass

sie die Diskussion «bedenklich» fand. Der «Gipfel der Unverschämtheit»

sei der Vorschlag des Bundes gewesen, dass

die Juden mittels einer Stiftung selbst für ihre Sicherheit

bezahlen sollen. «Gohts no?!», entfährt es von Falkenstein

in einer Diskussion, die ansonsten auf Wunsch mancher

Zuschauer auf Hochdeutsch geführt wird.

Fragen an die Baselbieter hauen niemanden

vom Hocker

Zur Sprache kommen im Übrigen staatliche Beiträge an

eine jüdische Schule sowie die Ursachen des neuen alten

Antisemitismus. «Woher kommt der Abschaum in den Facebook-Kommentaren?»,

lautet die drastische Formulierung

von Moderator Frank Lorenz. Darauf müssen alle erst mal

leer schlucken. Dann kippt die Diskussion wieder ins Ungefähre:

Extremismus gebe es überall und zu allen Zeiten,

heisst es. Die sozialen Medien und der «Populismus» seien

schuld. Von Wartburg räsoniert über «die schwierige Antisemitismusdiskussion».

Keiner will sich so richtig festlegen – ausser Thomas Kessler,

IM GEMEINDESAAL DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE MUSSTEN DIE KANDIDIERENDEN DER PARTEIEN, DIE BASEL IM NATIONALRAT

VERTRETEN WOLLEN, FARBE BEKENNEN: WIE HÄLTST DU’S MIT «DEN JUDEN»?

«Die jüdische Gemeinde gehört zu unserer Kultur»

Im vergangenen Herbst etwa wurde eine jüdische Metzgerei in Basel wiederholt von

Vandalen heimgesucht. Die Aktion verunsicherte die jüdische Gemeinschaft in Basel.

Erinnerungen an die dunkelste Epoche des 20. Jahrhunderts kamen auf. Würde es bei

den Sachbeschädigungen bleiben? Auch wenn sich später herausstellte, dass die Tat

nicht rassistisch motiviert war – das Unbehagen blieb.

Womit wir beim Thema des Abends wären: Die Christlich-Jüdische Arbeitsgemeinschaft

beider Basel (CJA) bat 15 Politiker aus Stadt und Land auf das Podium, um

sie auf deren Positionen zur jüdischen Gemeinde abzuklopfen.

Den Anfang machen die Städter. Die erste Frage ist harmlos: Wer hat persönliche

Beziehungen zum Judentum? Jeder darf sein Sätzli aufsagen. SVP-Grossrat Felix

Wehrli und FDP-Kandidat Thomas Kessler plaudern von familiären Beziehungen

und Daniel Albietz (CVP) bekennt, dass er im Glauben von der Überlegenheit der

Christen erzogen wurde, später aber den Kontakt zum Judentum gefunden habe. Es

fallen Sätze wie: «Religiöse Toleranz ist wichtig» und «Jeder sollte seinen Glauben leben

dürfen».

Auch bei der Frage des «Eruv» bekunden die Podiumsteilnehmer Einigkeit. Vereinfacht

gesagt geht es dabei um gewisse infrastrukturelle Anpassungen des öffentlichen Raums,

damit gläubige Juden auch am Sabbat einer Tätigkeit nachgehen können. Das kann etwa

ein Zaun sein – real oder symbolisch –, der ein jüdisches Wohngebiet umgibt. Die Nationalratskandidaten

von links bis rechts befürworten eine solche Massnahme. Der Tenor

ist klar: Religion muss im öffentlichen Raum in Basel stattfinden können, zumal die

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Basel im Gespräch

Basel im Gespräch

38

39

der gegen Linke, gegen Rechte und gegen Verschwörungstheoretiker

austeilt und dabei auch auf die «Judenfeindlichkeit

der eingewanderten Araber» in der Schweiz und

Europa zu sprechen kommt. «Diese Leute wurden in ihrer

Jugend mit grotesken Feindbildern indoktriniert, die sie

nicht so einfach ablegen können oder wollen.»

Nach knapp 80 Minuten treten die Städter von der Bühne

ab und die Kollegen von ennet der Hülftenschanz nehmen

ihre Stühle ein. Zu diesem Zeitpunkt hat geschätzt die

Hälfte der Zuschauer den Saal schon wieder verlassen.

Man mag es ihnen nicht verübeln: Zwar wohnen auch im

Baselbiet Menschen jüdischen Glaubens, aber eine eigentliche

Gemeinde gibt es nicht.

Entsprach die Diskussion um jüdische Anliegen in der Stadt

einer realen Situation, so bewegt sie sich im Falle der Landschaft

nun im Bereich des Hypothetischen. Würde man

eine jüdische Schule im Baselbiet mit Staatsgeldern unterstützen,

sofern es denn eine gäbe?

Diese Frage haut niemanden vom Hocker, nicht die Podiumsteilnehmer

und schon gar nicht die Zuschauer, die

sich lieber schon mal am Apéro genüsslich tun.

Allein, auch bei den Baselbietern ist eine breit abgestützte

Sympathie für jüdische Sorgen und Anliegen herauszuhören.

Insbesondere FDP-Landrat Marc Schinzel outet sich

als feuriger Fürsprecher der jüdischen Sache im Baselbiet

und in der Schweiz.

«Jüdische Kultur ist Schweizer Kultur, das muss uns auch

etwas wert sein», sagt er mit Hinblick auf die Schulfrage.

Die Moderatoren kürzen den zweiten Teil derweil ab. Nach

knapp zweieinhalb Stunden ist das Podium vorbei.

Das Fazit: Das Judentum gehört zur Schweiz, muss und

darf sich hier entfalten können und muss vom Staat

geschützt werden, wenn sich seine Mitglieder einer Bedrohungslage

ausgesetzt sehen.

Oliver Sterchi

KANDIDATINNENTRIO AUF DEM HEISSEN STUHL DER KIRCHE – BiG vom 10. Sept. 2019

In der Offenen Kirche Elisabethen (OKE) sind am Dienstagabend

jene drei Frauen aufeinandergetroffen, die gerne

SP-Finanzdirektorin Eva Herzog im Amt beerben möchten.

Wer das Wahlpodium der Veranstaltungsreihe «Basel im Gespräch»

besuchte, dürfte zufrieden nach Hause gegangen

sein: Tanja Soland (SP), Katja Christ (Grünliberale) und

Nadine Gautschi (FDP) waren stark gefordert und gaben

vieles von sich preis.

OKE-Leiter und Moderator Frank Lorenz machte es den

Damen auch nicht leicht. Zunächst hatten sie in Sekundenschnelle

auf Kurzfragen zu antworten. «Am meisten dankbar

bin ich für...», «Zuletzt zu Tränen gerührt war ich...»,

«Die ‹BaZ› finde ich ...».

Dann wechselte Lorenz im Gespräch plötzlich ins Englische,

um alsbald auch noch auf Französisch umzuschalten.

Fazit: Soland sprach konsequent Deutsch, Christ brillierte

in Englisch und scheiterte in Französisch, während

Gautschi in beiden Sprachen fast wie eine Musterschülerin

glänzte.

Debatte um Klumpenrisiko Life Sciences

Ob jemand einwandfrei eine Fremdsprache beherrscht,

kann für die Qualifikation ins Regierungsamt allerdings

nicht ausschlaggebend sein. Der Gesamteindruck muss

stimmen, weshalb sich Lorenz mit dem Abfragen von vielen

Aspekten darum bemühte, ein facettenreiches Bild der

Kandidatinnen zu erhalten. So diskutierte die Runde beispielsweise

über die Steuerbelastung für die Unternehmen

und das Klumpenrisiko Life Sciences. Soland betonte, dass

die Abhängigkeit zur Pharma geringer sei als in früheren

Jahren. «Zwei Drittel der Steuereinnahmen stammen von

natürlichen Personen. Deshalb geht die Bevölkerung für

mich vor», hielt die Sozialdemokratin fest. Christ und

Gautschi vertraten in etwa dieselben Positionen – «wir

müssen attraktive Rahmenbedingungen schaffen» – wobei

sich die FDP-Frau skeptisch zeigte, was die Zukunft anbelangt.

«Dass der Novartis Campus öffentlich zugänglich

wird, ist kein gutes Zeichen. Das Unternehmen macht sich

leichter auf dem Platz Basel», meinte sie warnend.

Verschiedene Konzepte zu Immobilien Basel-Stadt

und Wohnen

Die heftigsten Wortgefechte lieferte sich das Trio beim

Thema Wohnen. Es handelt sich bekanntlich um das Steckenpferd

von Tanja Soland. Sie warf Gautschi vor, an dem

Abend nicht zu den Positionen zu stehen, die sie ursprünglich

vertreten hatte: «Den Investoren wollen Sie viel Freiheit

geben, um Rendite zu erwirtschaften. Und auch bei Immobilien

Basel-Stadt drängen die Bürgerlichen stets auf hohe

Gewinne.» Für die linke Regierungskandidatin ein falscher

Ansatz. Die zum Staatseigentum gehörenden Immobilien

Basel-Stadt müssten statt Renditeoptimierung betreiben

etwas für die Bevölkerung tun – also beispielsweise neue

Mietzinsmodelle entwickeln, um günstigeren Wohnraum zu

schaffen. Christ konnte damit nichts anfangen: «Wenn Immobilien

Basel-Stadt keine Rendite macht, dann sinkt das

Finanzvermögen, was wiederum bedeutet, dass der Kanton

weniger Geld ausschütten kann.» Die Grünliberale plädierte

für einen Systemwechsel von der Objektfinanzierung zur

Subjektfinanzierung: «Wir sollten den Menschen, die es

wirklich nötig haben, das nötige Geld geben, damit sie ihre

Mieten bezahlen können.» FDP-Regierungsratskandidatin

Gautschi hinterfragte Solands Konzept: «Wie wollen Sie

denn die Rente der Staatsangestellten bezahlen, wenn Sie

mit dem Geld keine Rendite mehr erwirtschaften wollen?

Das geht doch nicht!» Soland entgegnete, ihr schwebten

neuartige Ansätze vor – die schwierige Situation auf dem

Immobilienmarkt zeige, dass ein Umdenken notwendig sei.

Ins Spiel brachte sie eine Stärkung der AHV, ohne jedoch

konkret zu werden.

DIE DREI KANDIDATINNEN FÜR DIE REGIERUNGSRATSNACHWAHL STANDEN RED UND ANTWORT.

Staatspersonal trug Wunschliste vor

Zur Sprache kamen an dem Abend auch die Bedürfnisse

des Staatspersonals. Als Interessenvertreter der Kantonsangestellten

zählte Andreas Reyes auf, welche Verbesserungen

er sich von der neuen Chefin wünschen würde.

«Es ist schade, dass wir nicht mehr Wertschätzung für unsere

Arbeit erfahren. Diese wird in der öffentlichen Debatte

oft geschmälert. Ausserdem müssen wir darüber reden,

wie die Konkurrenzfähigkeit zur Privatwirtschaft aufrechterhalten

wird – zum Beispiel über mehr Fringe Benefits

(Zusatzleistungen; Anm. d. Red.).» Ob und wie sie sich für

diese Anliegen einsetzen wollten, fragte Reyes. Dass bei

dieser Antwort jedes Wort auf die Goldwaage gelegt werden

musste – die Staatsangestellten sind eine wählerstarke

Macht im Kanton –, liegt auf der Hand. Christ blieb unverbindlich:

Selbst einst auf der Gemeindeverwaltung Riehen

tätig, wisse sie «sehr genau», wie sich die teilweise Geringschätzung

der Arbeit anfühle. Was die Aufstiegschancen

und Löhne bei gewissen Stellen anbelange, müsse «über die

Bücher» gegangen werden. Nadine Gautschi stellte sich auf

den Standpunkt, dass die Bedeutung der sicheren Stelle,

die man beim Staat habe, nicht unterschätzt werden dürfe.

«Mein Mann arbeitet bei UBS und weiss nicht, ob es seinen

Job nächstes Jahr noch gibt.» Für Soland war indes klar:

«Die geringe Wertschätzung ist ein Problem, auch wegen

der medialen Angriffe. Das gibt es in der Privatwirtschaft

nicht. Und so sicher sind die Jobs beim Staat auch nicht

mehr, zudem verschlechtern sich die Bedingungen bei der

Pensionskasse.» Die SP-Kandidatin zeigte Verständnis für

die Forderungen der Kantonsangestellten. Ein guter Lohn

sei zentral – «es läuft halt einfach übers Geld». Von Fringe

Benefits halte sie jedoch nicht viel, weil es hier rasch zu

Ungerechtigkeiten komme.

Persönlicher Bezug zum Glauben

Befragt nach ihrem Glauben – die Finanzdirektorin ist

schliesslich für die Kirchen verantwortlich –, gab Soland an,

keiner Gemeinschaft anzugehören. Aus Begegnungen mit

Menschen, die sich aus religiöser Überzeugung für Arme

einsetzten, wisse sie jedoch um dessen Bedeutung. Die in

Basel bestehende enge Verzahnung zwischen Kirche und

Staat begrüsse sie: «Dadurch haben wir Religionsfrieden.»

Gautschi engagiert sich in der katholischen Kirche und

sprach von Heimatgefühlen. «Ein Gottesdienst fühlt sich

für mich an wie ein Training, bei dem die inneren Muskeln

trainiert werden.» Die Landeskirchen seien wichtig, weil sie

sich stark für Bedürftige einsetzten. Würde sie gewählt, sei

es ihr Ziel, ihnen «freie Hand» zu lassen. Christ räumte ein,

«nicht so oft» die reformierte Kirche in ihrem Wohnort

Riehen zu besuchen. Handlungsbedarf sehe sie keinen:

Im Kanton Basel-Stadt herrsche ein gesundes Verhältnis

zwischen Kirche und Staat.

Christian Keller

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Härzwärts

Härzwärts

40

41

«HÄRZWÄRTS»:

Eine Segnungsfeier

für Paare am Valentinstag

ES IST UNGLÜCK, SAGT DIE BERECHNUNG. ES IST NICHTS ALS SCHMERZ, SAGT DIE ANGST.

ES IST AUSSICHTSLOS, SAGT DIE EINSICHT. ES IST, WAS ES IST, SAGT DIE LIEBE. ES IST

LÄCHERLICH, SAGT DER STOLZ. ES IST LEICHTSINNIG, SAGT DIE VORSICHT. ES IST UNMÖGLICH,

SAGT DIE ERFAHRUNG. ES IST, WAS ES IST, SAGT DIE LIEBE.

Erich Fried formulierte treffend und weise. Mit Blick auf die aktuelle Diskussion um

gleichgeschlechtlich Liebende wäre noch hinzuzufügen: Es ist Sünde, sagen die Eiferer.

Es ist, was es ist, sagt die Liebe.

Darum adaptierten wir ein Format unter einem Titel, der bereits in anderen Deutschschweizer

Städten richtig und wichtig war und bleibt: «Härzwärts» für alle Liebende.

Wir segneten Liebende, allerlei Liebende, und definierten – mit der breiten und weiten

Grund intention der Bibel, gegen sieben seltsame Verse der Bibel – die Würde jeder Liebe

zwischen Erwachsenen, die einander nicht schädigen, sondern nutzen, fördern und füreinander

sorgen, die niemand anderen schädigen, sondern sie bestensfalls herausfordern,

ihre eigene Liebesfähigkeit zu hinterfragen. Die Liebe ist ewig ist die Liebe und macht

Menschen auch ewig. Denn wer nicht liebt, bei dem oder der hat Gott Mühe, ihn oder sie

ewig zu machen. Nur wer liebt, kann ewig werden.

Liebe braucht Momente der Feierlichkeit. Sie braucht ihre Feste jenseits des Alltags.

Darum feierten wir am Valentinstag 2019 gemeinsam mit unserem Blumenpartner und

Nachbarn «Au Bouquet» um 17.30 Uhr die Segnungsfeier für allerlei Liebende «Härzwärts».

Andi Bertschmann vom «Au Bouquet» schenkte allen Paaren eine Rose und die Paare

konnten bei ihm einander Blumen kaufen. Und unser Hausfotograf Oliver Hochstrasser

machte für alle Paare ein wunderschönes Foto.

Weil bei dieser «ersten Ausgabe» auch jemand mitfeierte, die gerade eine Partnerschaft

beendete und um einen Segen bat, erstrecken wir 2020 unsere Einladung auch auf jene,

die nach einer Liebe verletzt sind, wund und heilungsbedürftig. Sabrina und Frank, die

beiden Segnenden, sind auch Liebende und lebenserfahren. Sie wissen um den Schmerz,

den das Schwert Liebe mit einem Schnitt bewirken kann. Wir segnen, denn wir können

nicht anders!

EINIGE PAARE, DIE GESEGNET WURDEN.

DER HEILIGE VALENTIN UND «SEIN» FESTTAG

Erst seit den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts

wurde der Tag bei uns bekannt. Und nicht wenige

kritische Geister sagen, das eigentliche Fest fände in den

Kassen der Floristenbranche statt. Inzwischen hat das

Fest – nolens volens – jedoch eine breite Bekanntheit bei

(eher) jüngeren Paaren.

Was viele trotz allem nicht wissen: Der Valentinstag hat

– tatsächlich – tiefe religiöse Wurzeln, die, wie so häufig,

noch aus vorchristlicher Zeit datieren. Aus der altrömischen

Religion stammt der Brauch des Lupercus-Festes

am 14. Februar. Bei diesem Reinigungs- und Fruchtbarkeitsfest

wurden junge Männer und Frauen einander

zugelost und führten fortan für ein Jahr eine Art verlobungsähnliches

Verhältnis.

«Getauft» (und in christlichem Sinne «geordnet») wurde

dieses beim einfachen Volk sehr beliebte Fest, indem es

unter den Schutz des Märtyrers Valentin gestellt wurde:

Dieser soll im dritten Jahrhundert n.Chr. gegen den

Willen des (noch nicht christlichen) Kaisers Paare getraut

haben, die sich in Liebe (und nicht aus Losglück)

zugetan waren. Der Kaiser favorisierte das vorchristliche

Ritual, da es aus jungen Männern unabhängige Soldaten

statt – wie im neuen Glauben – liebevolle Ehemänner

und Familienväter machte. Valentin verlor sein Leben

und die Kirche gewann einen Schutzpatron für die partnerschaftliche,

selbstbestimmte Liebe.

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Bike-Segen

Bike-Segen

42

43

Bike-Segen: Wo die wilden

Kerl(Inn)(e)(n) rollen

IM ERSTEN MOMENT IST DER DONNER DER MOTOREN BEÄNGSTIGEND. TOURISTEN RECKEN

DIE HÄLSE UND SCHAUEN UNGLÄUBIG, STEHEN ABER DANN BALD FOTOGRAFIEREND

UND SCHNELL ZUTRAULICH UND, MIT DER ROCKRÖHRE VON MANU HARTMANN SWINGEND,

LÄCHELND, NEBEN DEN SCHWEREN MASCHINEN, DEN MÄNNERN UND FRAUEN IN LEDER

UND JEANS, MIT TATTOOS UND KUTTEN, DIE SICH UND MICH MIT HEFTIGEN UMARMUNGEN

UND HANDSCHLÄGEN GRÜSSEN UND ZIEMLICH LAUT SIND.

Ursprünglich war das mal als kleine, inoffizielle Stärkungsfeier

geplant, für das «Rheinkniechapter» des Bikerclubs

«Bikers against Child abuse». Damals, 2014, kam ihr Roa d-

captain Glatze/Didi (der bei Ausfahrten für die Reise route

und die Sicherheit zuständig ist) auf mich zu und fragte,

ob ich den noch kleinen Club für seine Arbeit bestätigten

und jedeN einzelneN mit seiner/ihrer Maschine segnen

könne. Wir entwickelten den Biker-Segen als Open-Air-

Feier im Frühsommer, wo auch andere BikerInnen zu Beginn

der Saison ihre Fahrt im kommenden Jahr segnen

lassen können. Von Anfang an dabei war immer Blueslady

Manu Hartmann, die mit ihren Begleitmusikern jeweils die

Stimmung hochzog, stützte und runtertemperierte. Von

Rock und Blues bis Country war vieles dabei, dass die Männer

und Frauen auf ihren fliegenden Kisten zum Johlen und

Pfeiffen brachte, was in Bikerkreisen ein grosses Lob ist.

Gottesdienst auf der Rampe

Ich stehe dann jeweils an der Rollstuhlrampe am Seiteneingang der

Kirche und Manu mit Musikern neben mir, im geöffneten Seiteneingang.

Eine improvisierte Kanzel. Die BikerInnen stellen ihre Maschinen

inzwischen in zwei Reihen hintereinander auf und füllen damit jeweils

unseren gesamten Parkplatz. Ich bete Psalmen, bete frei und versuche,

den Tagestext des Sonntags ihnen irgendwie so zu sagen, dass sie etwas

damit anfangen können und v.a. sie für ihr Leben einen Mehrwert

bekommen. Besonders freut mich Säckel, der inzwischen Präsi ist und

mit seiner Freundin beim ersten Mal, damals noch als Postulate, mit

ihrem Trike gar nicht weit genug von dem ihm – als «im Osten» aufgewachsenen

Kirchenanalphabeten – verdächtigen Ringelpietz stehen

konnte. Inzwischen steht er mit den anderen und wird von mir als mein

«Lieblings agnostiker» unter seinem Zujubeln begrüsst.

Er ist für mich darum so wichtig, weil er für die grosse Menge derer

steht, die mit «Kirche» eigentlich nichts mehr am Hut haben, nie hatten

und auch nie wollten, und sich langsam anfuttern liessen, Zutrauen entwickelten

in den Menschen und die Botschaft, die sie nie manipulierte,

nie entmündigte und immer verlässlich, ehrlich und tief war. Welche

metaphysische Füllung die einzelnen Menschen hinter dem ergänzten,

was ich ihnen anbot, ist mir letztlich egal. Ich weiss es ja auch nicht bei

den Kirchenbesuchenden, die sich aufgrund ihres Mittuns bei unseren

Ritualen (Kreuzschlagen, mitbeten etc.) als ChristInnen zeigen. Hier gilt

für mich die Weihnachtsbotschaft der Engel: «Friede allen Menschen

guten Willens». Und ich habe nicht den Eindruck, ich verkaufe die Gnade

zu billig, wie ich es schon wieder hier und dort rufen und reklamieren höre.

Segen auf dem Platz für Mensch und Maschine

Und die Segnungen von Menschen und Maschinen jagen mir regelmässig

einen Schauer den Rücken runter. JedeN bitte ich darum, seine/ihre

Situa tion zu erklären bzw. ein Gebetsanliegen zu formulieren. Und dann

geht’s richtig ab: Familienprobleme und -freuden, Beziehungen, Missbrauch,

Jobangst oder gar -verlust, Verletzungen und Freuden, Krisen und

Schmerzen. Einer kniet regelmässig und hebt dem Segen seine Kutte entgegen:

Ritter der Strasse!

B.A.C.A. und die Kinder

Und natürlich – und damit komme ich wieder zum Ausgangspunkt dieses

Artikels – die Kinder und Jugendlichen, die die «B.A.C.A» betreuen: Missbrauchte

junge Menschen, denen Übergriffe geschehen sind, physisch oder

psychisch und die nun bei B.A.C.A. eine Heimat haben. Sie werden,

nachdem sie von Behörden oder Ähnlichem zum Club gebracht wurden,

aufgenommen, erhalten einen Roadname, eine Kutte und einen Teddy (je

nach Alter) und v.a. bekommen sie physische und psychische Präsenz in

schwierigen Situationen. Dann donnern die eingangs erwähnten Bikes auch

mal in einem Wohnquartier, die schweren Jungs und Mädels stehen locker

vor dem Haus des Kindes oder des Jugendlichen. Oder fahren sie zu

Gerichtsverhandlungen oder wohin sie auch wollen. Nie – das ist Grundregel

von B.A.C.A. – werden die BikerInnen handgreiflich, was bei solch

beeindruckender Präsenz jedoch auch noch nie nötig war.

Ich habe hier – mal wieder – die Diskussion auf meiner FB-Präsenz angehängt,

die zeigt, welche Missverständnisse ja Angriffe, diese Arbeit bewirken

kann, wenn auch nur von einer Person, aber die steht ja immer stellvertretend

auf Social Media. Aber auch um zu zeigen, wie viel Verständnis und

Zustimmung diese Feier bringt. Und das ist es längst wert!

Der nächste Bike-Segen ist am 7. Juni 2020, 10.30 Uhr, neben der Kirche.

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Projekt FRAU-SEIN/DA-SEIN

Projekt FRAU-SEIN/DA-SEIN

44

45

DA-SEIN & FRAU-SEIN

Ein Jahr des Umbruchs

TANZEN VERBINDET MENSCHEN UNTERSCHIEDLICHER KULTUREN

DAS JAHR 2019 WAR EIN JAHR DES UMBRUCHS. DAS PROJEKT GING INS FÜNFTE JAHR MIT

DER ZWEITEN PROJEKTMANAGERIN: NACH NICOLE SCHWARZ, DER FRAU DER ERSTEN STUNDE,

FOLGTE ILS VAN LOOVEREN, DIE NACH DER VERTRETUNG VON NICOLE SCHWARZ IM PROJEKT

DA-SEIN (NEUNMONATIGE ABWESENHEIT AUFGRUND VON A.O. FERIEN) AB APRIL DAS PROJEKT

JUNG-SEIN BIS UND MIT ENDE 2018 GEMANAGT HAT.

Da Nicole Schwarz das Management nach drei Jahren auf Ende 2017 weitergab und

wir Ils Van Looveren als Managerin für beide Projekte gewinnen konnten, war eine

Fortführung des Projekts DA-SEIN gewährleistet. Nach den zahlenmässig sehr

intensiven Jahren 2015 bis 2017 folgte in den Jahren 2018 bis 2019 eine Reduktion

der Zahl der Geflüchteten nach Europa und in die Schweiz. Dies schlug sich auch

in der Zahl der Besucher*innen nieder. Die Zahl der Gäste pendelte sich im Jahr 2019

bei ca. 25–30 pro Tag ein. Das Projekt verwandelte sich mehr und mehr dank intensivem

Einsatz der Freiwilligen von einem Willkommensprojekt zu einem sozialen

Integrationsprojekt.

Leider mussten wir uns Ende September von der Projektmanagerin Ils Van Looveren

verabschieden. Die finanzielle Lage des Projekts liess und lässt es nicht mehr zu, dass

wir uns diese Stelle leisten können. Ziel ist es, das Projekt DA-SEIN mit vermehrtem

Einsatz der Leitung und den Freiwilligen des Projekts aufrechtzuerhalten.

Wir sind sehr zuversichtlich, dass dies

gelingen wird.

Zivis

Ab 2016 übernahm ein Zivi die Tagesverantwortung im

Projekt DA-SEIN. Später kam ein zweiter Zivi fürs Projekt

JUNG-SEIN dazu (ab April 2017) und für kurze Zeit war

sogar ein dritter Zivi in den Projekten engagiert. 2019 waren

folgende Zivis bei uns: 13.8.18–5.2.19 Marvin Silva

Kühne, 2.7.18–22.2.19 Damian Derungs; 20.8.–17.5. Sven

Schuman; 21.1.–19.7.19 Jonas Gutmans; 6.5.–1.11.19

Simon Hasler; 12.8.–31.1.20 Subeer Ismail. Bis und mit

30. Oktober waren für das Projekt DA-SEIN sowie die Koordinationsstelle

Freiwillige für Flüchtlinge (KoFfF) zwei

Zivis im Einsatz. Ab dem 1.11.2019 nur noch ein Zivi.

Programm

Wie in den Jahren davor gab es im Projekt viele Inputs (und

auch mehrere Erzählcafés) zu: 50-Jahr-Jubiläum der Allgemeinen

Menschenrechte, Aids-Hilfe Schweiz, Erste Hilfe,

Arbeitsintegration, Ramadan und Fastenbrechen, Auffahrt

und Pfingsten, Frauenstreik, Mentale Gesundheit (Mach

dich stark vom Gesundheitsdepartement), Totengedenken

an Allerheiligen, sexuelle Gesundheit bei Frauen, sexuelle

Gesundheit bei Männern usw.

Im Projekt selbst konnten wir auch im Jahr 2019 einige

Projekte und Persönlichkeiten begrüssen: junge Erwachsene,

die mit unseren Gästen mit Ton plastizierten, Freiwillige,

die unsere Gäste mitnahmen zum Joggen, Madlen

Portmann von 4seasons, die uns zeigte, wie man über

dem Feuer kocht, eine Gruppe von Angestellten der Firma

Fossil, die in regelmässigem Abstand Spielnachmittage im

DA-SEIN organisieren, die sehr beliebt sind, eine Lehrerin

und eine Klasse von K5 und auch die liberale Politikerin

Patrizia von Falkenstein, die sich über das Projekt kundig

gemacht hat und mit Geflüchteten Ping-Pong gespielt hat.

Ausflüge und drei Jahreszeitenfeste

Auf dem Programm der Projekte FRAU-SEIN und DA-

SEIN standen u.a. die Museumsnacht, die Basler Fasnacht,

Ausflüge auf die Chrischona, ans Dreiländereck und zum

Siloturm Hafenareal Basel, ans «Em Bebby sym Jazz», zum

Jugendkulturfestival, zum Lauf gegen Grenzen, in den

Zolli, ins Kunstmuseum und in andere Museen.

Am 16. Februar 2019 fand das Fest in der Kirche statt,

wo uns die Nationalrätin der Grünen Sibel Arslan ein

Grusswort überbrachte. Es gab zahlreiche Spielmöglichkeiten

in der Kirche, feines Essen und die Möglichkeit

zum Tanzen zu Worldmusik. Am 4. Mai im Rahmen des

25-jährigen Jubiläums feierten wir zuerst im Pfarrhaus

und anschliessend in der Kirche ein schönes Fest beim

Tanzen an der Jubiläumsdisco. Am 28. September fand

neben der Kirche das Food-Festival GASTFREUND-

SCHAFT OHNE GRENZEN statt, gemeinsam mit dem

Hotel Radisson und vielen zugewandten Orten des Hotels

aus Österreich, Italien und der Schweiz. Die Geflüchteten

hatten die einmalige Gelegenheit, in der Hotelküche die

Speisen aus ihren Heimatländern zu kochen und den Interessierten

und Mitfeiernden zu servieren. Das Grusswort

von Samira Marti, SP-Nationalrätin BL, die nach der

Klimademo in Bern direkt vom Bahnhof SBB zur Kirche

kam, rundete das Fest würdig ab.

Plastifizieren/Arbeiten mit Ton mit Matyas Borek,

Miara Denicola, Maila und Melissa Mendoza Suarez

am 13.12.2019

3,5 Jahre Ausbildung bis Juni 2020, 1-mal mtl. frei am

Freitag. Kleines Projekt ist schön. Kontakt mit der Erde.

Raum geben, etwas entstehen lassen, was man noch nicht

kennt. Angebot im Projekt kommt von Herzen. Ich-Raum

schenken. Am liebsten regelmässig, allen Menschen tut

Ton- Arbeit gut. Beziehung zum Material ist wichtig.

Würdigung von Projektmanagerin Ils Van Looveren

Ils wurde ab Januar 2016 von den Geflüchteten und den

Freiwilligen ins Herz geschlossen. Mit grossem Elan und

Enthusiasmus managte sie zunächst das Projekt JUNG-

SEIN und anschliessend beide Projekte, JUNG-SEIN und

DA-SEIN. Ils leitete die Zivis an und hatte den grossen

«Haushalt» DA-SEIN in allen Belangen im Griff. Ils Van

Looveren ist es zu verdanken, dass zwei grosse Tanzprojekte

mit Tänzer*innen – unter ihnen viele Geflüchtete aus

dem Projekt DA-SEIN – durchgeführt werden konnten:

Public Affairs 2016 und Figures Anfang 2020. Die Zusammenarbeit

mit der Choreografin Mirjam Gurtner und

dem Tanzprojektleiter Pascal Moor waren sehr erspriesslich.

Aus finanziellen Gründen war die Leitung der Offenen

Kirche Elisabethen gezwungen, Ils Van Looveren auf

Ende September zu kündigen. Wir bedauern diesen Schritt

aus serordentlich. Mit dem Projektmanagement von Ils Van

Looveren hat das Projekt, nachdem es von Nicole Schwarz

aus der Taufe gehoben und professionell aufgegleist worden

war, sein Profil erhalten. Seit Ende 2019 nimmt das Projekt

ohne Management eine neue Kurve. Wir sind zuversichtlich,

dass es den Geflüchteten weiterhin zugute kommt.

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Projekt Ko FfF

Projekt Ko FfF

46

47

der römisch-katholischen Kirche (Sarah Biotti, RKK) organisiert.

Am 16. Mai hatten wir dazu unter dem Thema

«Grenzen» eingeladen. Am 22. November hat die KoFfF,

auf Wunsch der Organisationen, einen Besuch im neuen

Bundesasylzentrum (BAZ) organisiert. Der Leiter des

BAZ, Roger Lang, hat das neue Asylverfahren, welches seit

1. März 2019 in Kraft ist, vorgestellt. Am 15. Juni am regionalen

Flüchtlingstag sowie am 14. September am Lauf

gegen Grenzen war die KoFfF zusammen mit den Flüchtlingsprojekten

der OKE, DA-SEIN und FRAU-SEIN, an

Stand aktionen beteiligt.

Drei Zivildienstleistende haben bei den KoFfF-Aufgaben

über das ganze Jahr mitgearbeitet. Es waren dies: Damian

Derungs (bis Februar), Jonas Gutmans (bis Juli) und Subeer

Ismail (bis Dezember).

Abschied von der KoFfF und Danksagung

Nach fast zwei Jahren als Projektmanagerin bei der KoFfF

verabschiede ich mich von Ihnen/euch. Die Arbeit hat mir

viel Freude bereitet, habe ich doch immer wieder erlebt,

wie sich zwei Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen

aufeinander einlassen möchten und von einander

lernen können und wollen. Nun sage ich Auf Wiedersehen

und möchte herzlichst allen Freiwilligen für ihr grosses

Engagement für Geflüchtete sowie den Sozialarbeitenden

der Sozialhilfe Basel für die gute Zusammenarbeit und Ihr

Vertrauen danken.

Regine Fricker, Projektmanagerin der KoFfF bis 31.12.2019,

mit dem Zivildienstleistenden Subeer Ismail

DAS LETZTE TEAM DER KOFFF: PROJEKTMANAGERIN REGINE FRICKER UND ZIVI SUBEER ISMAIL

Koordinationsstelle Freiwillige

für Flüchtlinge (KoFfF)

DIE KERNAUFGABEN DER KOFFF BLIEBEN 2019 UNVERÄNDERT: DAS ZUSAMMEN-

FÜHREN VON FREIWILLIGEN UND GEFLÜCHTETEN UND DIE VERNETZUNGSARBEIT

AUF DEM ASYLPLATZ BASEL.

Über das ganze Jahr haben sich 46 neue Freiwillige bei der

KoFfF registriert. Insgesamt enthält die KoFfF-Datenbank

321 Freiwillige. Davon sind 125 in einem Engagement aktiv,

35 sind verfügbar und 161 sind inaktiv. Da die Nachfrage

an Begleitungen respektive die Anfragen durch die Sozialhilfe

sehr hoch waren, konnten wir die neuen Freiwilligen

sehr rasch vermitteln und in ein Engagement bringen. Es

kamen 81 neue Tandems zustande. Davon war vorwiegend

Deutschkonversation durch die Geflüchteten erwünscht

(total 62 Tandems). Bei den anderen Begleitungen handelte

es sich um Untestützung bei der Wohnungssuche, Nachhilfe

für SchülerInnen, Lehrstellensuche, Kinderbetreuung

oder administrative Hilfen.

Wir haben den Freiwilligen fünf Weiterbildungen, in Zusammenarbeit

mit der GGG Benevol und dem Roten Kreuz

Basel, angeboten. Im August hatte die Projektmanagerin

Regine Fricker die Möglichkeit, das Projekt in der Abteilungssitzung

Migration der Sozialhilfe Basel-Stadt den

Sozialarbeitenden nochmals vorzustellen.

Für die Partnerorganisationen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich

hat die KoFfF 2019 elf Netzwerktreffen organisiert.

Sie fanden an unterschiedlichen Orten (in Projekten)

und an abwechselnden Tagen immer zur Lunchzeit

statt und dienten als Austausch- und Informationsplattform.

Diese Treffen haben wir in Kooperation mit der evangelisch-reformierten

Kirche (Davide Maniscalco, ERK) und

NEUER DIENSTLEISTER: DIE KOFFF ZIEHT UM ZUM ROTEN KREUZ BASEL

Per 1.1.2020 übernahm das Rote Kreuz die KoFfF von

der OKE. Ein Rückblick und ein Abschied.

Die KoFfF wurde im Frühjahr/Sommer 2015 von Frank

Lorenz von der Offenen Kirche Elisabethen (OKE),

Renata Gäumann, Asylkoordinatorin BS, Walter Brack,

Merianstiftung, und Andreas Raess, Abt. Integration und

Diversität des Präsidialdepartements BS, erdacht und ins

Leben gerufen. Die vier Fachleute und Organisationen

antworteten mit dieser Idee auf den grossen zivilgesellschaftlichen

Hilfswillen zugunsten von Menschen, die in

Basel Schutz suchten und suchen. Im Oktober wurde die

KoFfF operativ und hat sich seitdem einen starken Stand

in der Basler Asyllandschaft erarbeitet. Sowohl im Namen

als auch im Konzept wurde sie Vorbild für andere Projekte

in der Region und auf dem Land.

Drei Projektmanagerinnen arbeiteten seitdem unter Projektleiter

Frank Lorenz zugunsten der Geflüchteten für

die Freiwilligen und Sozialarbeitenden: Simone Skelton

machte am Start-up mit, Sonja Schrago etablierte und

professionalisierte und Regine Fricker führte es zur Reife.

Das thematisch-personelle «Dreieck» Freiwillige-Sozialarbeitende-Geflüchtete

wurde zum festen Koordinatensystem,

in dem die KoFfF bis heute erfolgreich agiert.

Die Datenbank, die Freiwillige selbstständig mit ihren

Daten füllen, die Bedürfnisse, die Geflüchtete gemeinsam

mit ihren Sozialarbeitenden bestimmen und mit den Angeboten

der Freiwilligen matchen, sind ein einfaches und

effizientes Mittel, rasch und effektiv zu stützen und zu

helfen. Eine externe Evaluation der KoFfF im Jahr 2018

hat so fast durchwegs gute bis sehr gute «Noten» an die

OKE und «ihre» KoFfF vergeben, was uns sehr freute und

auch ein wenig stolz machte.

Die Situation rund um Flüchtlinge hat sich jedoch geändert:

Nicht nur die «Grosswetterlage», folgend die Zahlen

von Neuankommenden, sondern auch die Bedürfnisse

der Neuankömmlinge haben sich – besonders – in

Richtung Integration verschoben. Das macht auf der

Organisationsseite notwendig, dass ein Projekt, das auf

die Not der Zeit antwortete und darum bei einer Kirche

gut angesiedelt war, nun einer in der Freiwilligenarbeit

– noch – erfahreneren Organisation weitergegeben wird.

Synergien sind das Schlagwort der Stunde!

So hat der Kanton Basel-Stadt im letzten September entschieden,

die KoFfF dem Roten Kreuz Basel als neuem

Anbieter zu übertragen. Dieser Entscheid hat auch personelle

Änderungen zur Folge. Ab 1.1.2020 hat es eine

neue Koordinatorin und Ansprechperson für die KoFfF-

Freiwilligen gegeben.

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Gastfreundschaft ohne Grenzen

Gastfreundschaft ohne Grenzen

48

49

Unser Fest GASTFREUND-

SCHAFT OHNE GRENZEN

MANCHMAL BEGINNEN GUTE SACHEN UNSCHEINBAR, GROSSE DINGE MIT EINER

KLEINEN IDEE. SO WAR ES AUCH MIT DER FREUNDSCHAFT ZWISCHEN UNS

UND DEM RADISSON BLU, AN DER STEINEOTRSTRASSE, BEI UNS «UM DIE ECKE»:

Als im Anfang 2018 Nicolas Grupp, der neue Direktor des

Hotels, mit seiner jungen Familie aus Köln nach Basel kam,

begrüssten unsere beiden Leitenden den jungen Direktor

und boten ein gemeinsames Kaffeetrinken an. Aus dem

Kaffeetrinken wurden dann kleine Mittagessen und gegenseitiges

Interesse. Schon lange war die Catering-Abteilung

des Radisson eine gern gesehene Partnerin während und

für Vermietungen und Kunden: Durch Esther Müller, die

Leiterin des Catering, bestand eine hochwertige und vertrauensvolle

Zusammenarbeit.

Der junge Direktor jedoch brachte aus Köln nicht nur seinen

Schwung, seine Gastfreundschaft, seine Professionalität

und seine Familie mit, sondern auch ein gehöriges Interesse

an sozialen Themen, was sicher auch aus seiner sehr

positiven Erfahrung einer evangelischen Kirchengemeinde

in Köln herrührte. Als Nic vom Angebot der Flüchtlingsprojekte

bei uns hörte, bot er spontan an, hin und wieder

ein Abendessen zu sponsern. Das waren dann jeweils herzhafte

Eintöpfe oder lecker gefüllte Sandwiches. Abgeholt

wurde dies von den Zivildienstleistenden und von den

Geflüchteten wurde das Essen mit grossem Appetit und

viel Dankbarkeit verspeist. Umgekehrt feierten die Mitarbeitenden

des Radisson Blu jeweils ihre Sommerfeste im

lauschigen Gartenpärklein der Geschäftsstelle vor dem

Pfarrhaus.

Die Menschen und die Verantwortlichen der beiden Häuser

lernten sich gut und besser kennen, und es war nur noch

ein kleiner Schritt bis zu einem grösseren Projekt. Da das

Radisson im Rahmen seines Corporate Social Responsibility

Programms bereits mit den SOS-Kinderdörfer eine

internationale Partnerschaft hat, die regionalen Häuser jedoch

ermutigt wurden, auch regionale Partnerschaften mit

sozialen Projekten einzugehen, kam bald die Idee auf, mit

der Radisson Blu Region Schweiz-Österreich-Italien einen

sozialen Tag zu Gunsten von Geflüchteten zu machen. Die

ebenso frisch dazugestossene Regionalverantwortliche am

Platz Basel, Sonia Jennsen, die auch Event-Sales- und

Room- Divison-Managerin des lokalen Hauses ist, kannte

aus ihrer eigenen Biografie sehr gut die Sehnsucht nach

Heimat und hatte auch sonst das Herz am rechten Fleck.

Der nächste Glückfall war dann der sozial sehr aktive und

bewusste Küchenchef des Radissons, Michael Holz.

Diese sechs Menschen waren das Kernteam, das dann einen

wundervollen Event entwickelte: Ein Spätsommertag, bei

dem Geflüchtete in der professionellen Küche des Radisson

Blu Gerichte aus ihrer Heimat und solche, die der Küchenchef

das Radisson Blu zusammengestellt hatte, gemeinsam

kochten. Die Service- und Hotelleriemitarbeitenden der

Häuser aus Basel, Zürich, St. Gallen, Wien, Salzburg und

Mailand bauten Marktstände (gesponsert von der Agentur

Zeisch) und Festbankgarnituren neben der Elisabethenkirche

auf und deckten die Tische wunderschön ein. Es entstand

eine offene Tafel für die Menschen Basels, die nach

anfänglichem Zögern, dann immer mutiger, sich an den

Ständen bei dem wunderbaren Essen und Getränken bedienten

und gemeinsam mit den Geflüchteten einen Nachmittag

voller «Gastfreundschaft ohne Grenzen» verbrachten.

TEAM RADISSON: SARAH BÖHNER-SCHMIDLIN (RESERVIERUNSLEITUNG), REMO KÜHNI

(CHIEF ENGINEER), ESTHER MÜLLER, MICHAEL HOLZ, SONIA JENNSEN,

NIC GRUPP UND ANNE DUMONT (STELLVERTRETENDE EMPFANGSLEITUNG).

Irgendwann mischten sich alle miteinander und schliesslich

sprach auch noch die Nationalrätin Samira Marti ein

Grusswort. Schliesslich lud Sharif Hasrat aus Afghanistan

zu einer Multi-Kulti-Disco, und bis in die späten Abend

Stunden wurde getanzt, gelacht, gespeist und geredet.

Natürlich war ein solcher Event einmalig und wird in

diesem Umfang nicht wiederholt werden können. Jedoch

die Partnerschaft zwischen den beiden Häusern und den

Menschen bleibt bestehen: Vielleicht ergeben sich Stellenangebote

für Geflüchtete, die bereits die Arbeitsbewilligung

haben. Sicher geht das Sponsoring von Abendessen weiter.

Vielleicht entsteht auch noch mal ein kleineres Fest. Auf

jeden Fall aber sind Freundschaften entstanden. Denn beide

Häuser verbindet eines: der Wille zu einer professionellen

und auf die Menschen ausgerichteten Gastfreundschaft,

die wohltut und Heimat gibt, fernab der Heimat.

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Gebete

Gebete

50

51

Stadtgebete

JEDES JAHR ZUM EIDGENÖSSISCHEN DANK-,

BUSS- UND BETTAG NÄHT UNSERE MONIKA

MIT EINIGEN FLÜCHTLINGSFRAUEN GEBETS-

ZETTEL EINES GANZEN ZURÜCKLIEGENDEN

KALENDERJAHRES AUF SCHNÜRE HINTER-

EINANDER.

Danach bilden diese Gebetsschnüre zusammengeknüpft

zwei Gebetswände, die an beiden Seiten der Kirche unter

den Emporen aufgehängt werden. Eine katholische Variante

der tibetischen Gebetsfahnen. Wobei katholisch hier –

dem Wortsinn entsprechend – «welt umspannend» meint,

denn viele Betende kommen aus aller Welt, sie sind unsere

Kirchenbesuchenden. Die Gebete auf den Zetteln sind

Spiegel der Seelenlandschaft und der Weltsituation. Sie

stammen von Jung und Alt.

Wir lesen die Gebetszettel jeweils an unseren Stadtgebeten

vor und bringen sie so «zu Wort», lassen sie «vor Gott

erklingen». An Allerseelen haben wir 2017 mit unseren

Geflüchteten ein neues Ritual entwickelt: Wir lassen die

Gebete «zu Gott emporsteigen», indem wir sie in einem

Feuer zu Kohlenstoff und Lichtenergie werden lassen. So

wie es die Menschen sind und deren Seelen, die sich auf

den Zetteln verewigten.

Wir lassen Sie an einigen Gebeten teilhaben:

Lieber Gott: Ich danke Dir für den Frieden Gottes und für die Gesundheit in

unserer Familie. In Frieden und Dankbarkeit lasse ich für meine Familie alles

gut sein, so wie es ist, in Ruhe und in Freude. Amen, Danke.

Merci pour tout ce qu’on a! Nous ne voulons pas oublier

à penser et aussi agir pour nos prochaîns et les plus lointains!

Peace for the world!

Dear God, help me walk trough all my obstacles and find your

purpose for my life. Forgive me for all I may have hurt and

forgive those who are hurting. Bless my family, bless me, o God.

Ich wünsche mir gute Besserung und einen positiven Blick in die Zukunft.

Ausserdem mehr Ruhe und viel Kraft. Das wünsche ich mir von Dir, o Herr,

Amen. Nelson

Trata como quiera que te traten. Compartir es vivir.

Murcia ~ESPAÑA

Lieber Gott, danke für alles, für die Adventszeit, für die Lichter,

für die Kerzen, für die lieben Menschen auf dieser Welt.

Danke für diese Welt und dass Du da bist.

Durch meine Krankheit am Existenzminimum; nun noch Arbeit verloren;

Ich hoffe, es wird alles gut und ich habe die Kraft, es zu tragen.

Nonna und Nonno für immer in minere Erinnerig!

Ha eu ganz fescht lieb! Ruht in Frieden.

Danke für das Leben! Für diese Gefühle, für jeden Tag, für die Gesundheit!

Danke, für Sie in mein’ Leben bringen!

Thank you for everything. I pray for peace and joy for everyone,

and for all to live in harmony and accept each other, no matter what ~w~

I wish peace, harmony, health, happiness and lot and lots of love for everybody

for the new year. May God bless us all. Happy New Year.

Pray for Ryan … nothing’s wrong, he just needs it.

Dear God, please help to be good, caring, joyful; give us hope, health, faith,

understanding and forgive us, your sinners! Amen! Ana and Antonio

Spero in un anno migliore per tutti. Che mia nonna trovi la pace dopo

la perdita di mio nonno e che mia madre riesce a perdonarle.

Mi auguro di poter sempre migliorare e di riuscire a dare sempre di più

e tutte le persone che amo. Che la mia famiglia sia felice in ogni instante,

che raggiunge tutti gli obiettivi che si è posta. Un augurio a tutti.

Happy New Year! Let it be filled

with love and peace

w Warm hearts from Siberia

Ich wünsche allen Menschen auf dieser

Erde Liebe, Gesundheit und Glück sowie

ein friedliches Zuhause; dass jeder

einen Menschen an der Seite hat, der für

ihn die Erfüllung und ein Fundament

darstellt. Nichts ist stärker als die Liebe!

Ich wünsche mir deshalb eine Seelenverwandte.

Patrice Richter

Je te rends grâce, Seigneur, pour toutes

les belles choses vécues chez nous,

dans notre famille. Accord ta paix à toutes

les familles du monde!

Hilf den Kranken, Schwache, Suchenden

und lindere ihren Schmerz. Schenk ihnen

Hoffnung und Zuversicht und LIEBE.

Be humble and satisfied with the things

you have! Gib acht auf deine Mitmenschen

und deine Gesundheit.

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Frauenseiten

Frauenseiten

52

53

Frauenstreik-Jahr *

Vorgeschichte des Frauen*Kirchenstreiks

Der Frust und die Enttäuschung von Katholik*innen über

verschiedenste Geschehnisse in der römisch-katholischen

Amtskirche führten zum ersten Frauen*Kirchenstreik in

der Schweiz. Das Hauptgeschehnis war die Aufdeckung

der Machtmissbräuche und der sexualisierten Gewalt von

Priestern an Kindern und Ordensfrauen. Berichte über

derartigen Missbrauch gab es etliche in den letzten Jahrzehnten,

doch häuften sich die Meldungen in der zweiten

Hälfte des Jahres 2018. Dies führte in der Schweiz zu vielen

Kirchenaustritten.

Ein weiterer Auslöser für die Initiierung des Frauen*Kirchenstreiks

war der öffentliche Austritt von sechs bekannten

katholischen Schweizer Feministinnen im November

2018 aufgrund einer Aussage des Papstes, der Abtreibung

mit einem Auftragsmord gleichsetzte. Für sie und viele

andere Frauen war diese frauenverachtende Aussage der

berühmte letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen

brachte und sie zum Kirchenaustritt veranlasste.

Andere engagierte Katholikinnen wollten nicht austreten,

aber ebenfalls ihrer Empörung über die Allmachtstellung

von Männern in der katholischen Kirche, den prinzipiellen

Ausschluss der Frauen von der Weihe einzig aufgrund ihres

Geschlechts und die verkrusteten hierarchischen Strukturen

der römisch-katholischen Klerikerkirche öffentlich Ausdruck

geben. Als Reaktion auf den Kirchenaustritt der sechs

Feministinnen verfassten die katholischen Theologinnen

Monika Hungerbühler und Jacqueline Keune einen offenen

Brief, in dem sie mehr Gleichberechtigung forderten. Der

Brief wurde in wenigen Tagen von etwa 300 Theolog*innen

und Personen aus dem pastoralen Dienst unterzeichnet

und führte 2019 zur Aktion «Wir haben es satt».

Bereits seit vielen Jahren gibt es verschiedenste Kampagnen,

die mehr Gleichberechtigung in der katholischen Kirche

fordern. Darunter z.B. die Tagsatzung.ch, die Pfarrei-

Initiative, die Gleichstellungsinitiative beider Basel, die

Allianz «Es reicht!» und das Projekt «Für eine Kirche mit

den Frauen*». Seit Dezember 2018 kamen neue Aktionen

dazu, z.B. das Donnerstagsgebet der Priorin Irene vom

Kloster Fahr für ein wöchentliches Beten für eine Erneuerung

der Kirche. Auch in Deutschland und Österreich gibt

es viele Aktionen. Und international fordern Frauen der

Kampagne «Overcoming Silence» von Voices of Faith eine

gleichwertige Partizipation in allen Bereichen und Ämtern

der katholischen Kirche.

Der Frauen*Kirchenstreik

Im März 2019 wurde in einer von der IG Feministische

Theologinnen organisierten «Zukunftswerkstatt» erstmals

über Aktionen im Zusammenhang mit dem Frauen*streik

beraten. Die Theologinnen Monika Hungerbühler (Mitglied

der IG Feministische Theologinnen) und Moni Egger

(Redaktorin der feministisch-theologischen Zeitschrift

«FAMA») hatten die Idee aufgebracht, sich am nationalen

Frauen*streik vom 14. Juni als kirchliche Frauen sichtbar

zu beteiligen und zusätzlich am 15. und 16. Juni als Kirchenfrauen

eigene Aktionen zu machen. Die Idee eines

Frauen*Kirchenstreiks wurde sowohl vom Schweizerischen

Katholischen Frauenbund SKF als auch von Pfarreiseelsorgerinnen

u.v.a. aufgenommen und unterstützt. Den Lead

übernahm der SKF als grösster kirchlicher Frauenverband,

unterstützt von der IG Feministische Theologinnen und

der feministisch-theologischen Zeitschrift «FAMA» sowie

von den Evangelischen Frauen Schweiz. Das Motto des

kirchlichen Frauen*streiks lautete «Gleichberechtigung.

Punkt.Amen» und das Erkennungszeichen war ein grosser

pinker Punkt, auf dem das Motto stand.

Die Evangelischen Frauen Schweiz verfassten im Vorfeld

des Streiks sieben Thesen und Forderungen zur Gleichberechtigung

der Frauen in der reformierten Kirche. Die

Thesen fanden sowohl in der Deutschschweiz als auch in

der Romandie Verbreitung. Sie griffen die folgenden Themen

auf: die zum überwiegenden Teil von Frauen geleis tete

Freiwilligenarbeit in den Kirchen, die fehlende soziale Absicherung

bei Anstellungen in Kleinstpensen durch die

Kirchgemeinden, die spezifischen Schwierigkeiten bei der

Vereinbarkeit von Familie und Beruf in kirchennahen Berufen,

die Untervertretung der Frauen in den höheren

kirchlichen Gremien, die traditionellen Rollenbilder in Kirche,

Theologie und kirchlichem Unterricht, die fehlenden

weiblichen Ausdrucksweisen in der Spiritualität und das

dringend notwendige Engagement der Kirche und der

ganzen Gesellschaft für Frieden.

Der Frauen*Kirchenstreik vom 14., 15. und 16. Juni:

Vielfältige regionale Aktionen

An vielen Orten der Schweiz organisierten Kirchen* Frauen

bunte und vielfältige Aktionen. In Basel, Liestal, Aarau und

Luzern bastelten Katholikinnen gemeinsam pinke Mitren

(liturgische Kopfbedeckung von Bischöfen) und streikten

damit am 14. Juni, um zu zeigen: Auch Kirchenfrauen*

sind von Geschlechterdiskriminierung betroffen und gehen

für ihre Rechte auf die Strasse.

In Basel trafen sich Frauen am 14. Juni in der Tituskirche

zu einem stärkenden Gebet, u.a. gestaltet von Pfrn. Monika

Widmer. Anschliessend pilgerten die Frauen zum gesponserten

Mittagslunch ins Zwinglihaus und dann zur Heiliggeistkirche,

wo die Seelsorgerin Dorothee Becker zu einem

Pilger*innensegen lud. Der Kreis der Frauen wurde von

Station zu Station grösser, bis sich alle um 15 Uhr im Garten

der Offenen Kirche Elisabethen versammelten, um gemeinsam

zum Theaterplatz zu gehen und sich den Tausenden

von streikenden Frauen (und Männern) anzuschliessen.

In Bern gab es ökumenische «Mittagsteilete» mit Workshops

(u.a. Malen von Transparenten) sowie eine Versammlung

von über 500 Kirchenfrauen* und solidarischen Männern

für die nationale Frauendemo. In Aarau gab es einen Sitzstreik

auf dem Schlossplatz sowie ein Ahninnengedenken

in der Kirche und anschliessend ging es mit pinken Mitren

und pinken Gummistiefeln raus auf die Strasse zur nationalen

Demo. An einigen Orten wurden am 14. Juni ausserdem

pinke Luftballons oder pinke Fahnen mit dem Slogan

«Gleichberechtigung.Punkt.Amen» an kirchlichen Gebäuden

angebracht, Frauen trugen im Sonntagsgottesdienst

pinke und lilafarbene Kleider oder «bestreikten» Gottes -

dienste bzw. ersetzten sie durch alternative Gottesdienste,

die nur Frauen* gestalteten. An sehr vielen Orten in der

Schweiz läuteten am 14. Juni die Kirchenglocken (!) als

Zeichen der Solidarität mit den Anliegen des nationalen und

des kirchlichen Frauen*streiks. All diese Aktionen kamen

dank verschiedenen kirchlichen Frauennetzwerken zustande.

Einen Einblick in die Vielfalt der Aktionen rund um

den Frauen*Kirchenstreik gibt es auf www.frauenbund.ch

unter Gleichberechtigung.Punkt.Amen.

* Siehe: Frauen*Kirchenstreik vom 14. bis 16. Juni 2019. Autorinnen:

Edith Siegenthaler (Evangelische Frauen Schweiz, EFS), Doris Strahm (IG

Feministische Theologinnen), Regula Ott (Schweizerischer Katholischer

Frauenbund, SKF). www.theologinnen.ch und https://www.postbeijing.ch/

cms/upload/pdf/Rundbrief_19_NGO_Koord_FrauenKirchenStreik.pdf

Frauenkleider-Tauschbörse

ZWEIMAL PRO JAHR FINDET SIE STATT UND ES IST JEDES MAL EIN KLEINES WUNDER.

Etwa 25 Helferinnen machen es möglich, dass über 250

Frauen und Mädchen zum Kleidertausch kommen. Seit

2010 gibt es diese Börse, die mit einer zweijährigen Pause

2016/2017 mit grossem Erfolg stattfindet. Am Anfang

war das Basler Amt für Umwelt und Energie (AUE) Mitanstösser

und Mitveranstalter, dann war es die Offene

Kirche Elisabethen allein.

Frauen können Kleider bringen und andere mitnehmen

oder nur Kleider bringen und wieder nach Hause gehen

oder nur Kleider aussuchen und mitnehmen. Alles ist

möglich. Wer zwei und mehr Kleider gefunden hat, wird

um eine Spende von ungefähr zehn Franken gebeten. Eine

Spende geht jeweils an die Clean Clothes Campaign von

Public Eye.

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Frauenseiten

Frauenseiten

54

55

Politisches Frauen-

Orange the World

Nachtgebet am 20.11.2019

Liebe Frauen, liebe Männer

Am kommenden Montag beginnen die 16 Tage gegen Gewalt

mit dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen.

Es geschieht weltweit unendlich viel Leid an Männern,

Frauen und Kindern. Heute Abend schauen wir vor allem

auf die Frauen. Es ist ein riesengrosser See von Tränen.

Es sind glühende Lavaströme von Wut. Es sind grässliche

Untiefen der Ohnmacht.

Franziska Stier ist auf mich zugekommen und hat mir

gesagt: Jetzt müsst ihr Kirchenfrauen etwas tun. Und wir

tun heute etwas: ich, Monika Hungerbühler und Pfarrerin

Monika Widmer. Es ist winzig und es ist doch wichtig. Im

politischen Frauen-Nachtgebet informieren wir, wir beten

und klagen und wir entzünden Kerzen der Hoffnung, ja

und wir tanzen! Vor allem unsere Schwestern in Rojava

brauchen es, dass wir an sie denken, dass wir uns mit Herz

und Gedanken mit ihnen solidarisieren.

In Gedanken verbinden wir uns mit ihnen und klagen für sie,

schliessen sie in unser Gebet ein. Was in Rojava geschieht, ist

Zerstörung eines Lebensortes, für welchen sich Organisationen

und Menschen eingesetzt haben, um Frauen, Männern

und Kindern eine Lebensgrundlage zu ermöglichen. Wir

wollen mit unseren Informationen, unserem Klagen, Beten

und Hoffen gemeinsam für das Leben einstehen.

Kerzen der Hoffnung entzünden

Wir lassen uns nicht von Trauer, Wut, Ohnmacht und vom

Dunkeln besetzen. Wir stehen zusammen in Gemeinschaft.

Wir stehen gemeinsam ein für das Leben. Wir sind hier,

weil wir schon so oft die kleinen Schritte des Friedens, der

Hoffnung und der Gerechtigkeit gewagt haben und wissen,

wie angreifbar und gleichzeitig kostbar, wie zart und gleichzeitig

kraftvoll sie sind.

Deshalb zünden wir Kerzen der Hoffnung, des Friedens

und der Liebe an und verbinden uns über sie miteinander

und mit den Frauen, Männern und Kindern in Rojava und

mit Frauen, Männern und Kindern über den ganzen Globus,

denen Gewalt angetan wird, mit Menschen, die ihre

kleinen Schritte tun und darauf vertrauen, dass das Leben

lebendiger ist als Tod und Zerstörung.

Wir bilden dazu einen Kreis....

UNTER DEM MOTTO «GEWALT AN FRAUEN* IM ALTER» FAND DIE 2019 VOM CHRISTLICHEN

FRIEDENSDIENST (CFD) KOORDINIERTE KAMPAGNE «16 TAGE GEGEN GEWALT AN FRAUEN» STATT.

Welche Facetten und Formen von Gewalt an Frauen* im

Alter gibt es? Frauen* haben immer noch ein deutlich

kleineres Alterseinkommen als Männer* und sind deshalb

stärker von Altersarmut betroffen oder leben in finanzieller

Abhängigkeit. Stereotype Altersbilder reduzieren Frauen*

auf die Rollen der Hausfrau und Grossmutter. Die gesellschaftliche

Tabuisierung der Sexualität im Alter macht es

für betroffene Frauen* schwer, sich gegen sexuelle Übergriffe

zu wehren.

Als Zeichen der Sensibilisierung und der Solidarität machten

sich vom 25. November bis zum 10. Dezember wieder

über 80 Organisationen in der Öffentlichkeit stark gegen

geschlechtsspezifische Gewalt – unter ihnen der Frauenserviceclub

Zonta. Weltweit fanden die «16 Tage gegen

Gewalt an Frauen*» in 187 Ländern statt. Die Kampagne

in der Schweiz wird seit 2007 durch die feministische

Friedensorganisation cfd koordiniert.

Erstmalig wurde der Turm der Offenen Kirche Elisabethen

ab dem 25. November eine Woche lang orange beleuchtet.

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Kòpfladäärnli

Kòpfladäärnli

56

57

Seine grosse Sensibilität im Umgang mit dem Raum und

in Respekt vor dem Geist, der in ihm weht und gepflegt

wird, hat die erste – und leider wohl auch letzte – Ausgabe

dieser poetischen Revue mit sieben Bänken und sehr träfen

Rahmestiggli erst möglich gemacht. Was aber am meisten

überzeugte, war der Mensch Renato: ein Muster an Einsatz

und Menschenfreundlichkeit gepaart, mit hoher Professionalität

und einem Riesenengagement.

Die Rahmestiggli vom «Kòpfladäärnli» waren heiter und

gleichzeitig nachdenklich. Unsere Kirche und ihre Atmosphäre

waren jedoch ausnahmsweise nur das Bühnenbild,

denn Renato war es gelungen, ein vollkommen neues Vorfasnachtskonzept

zu kreieren: Eine fasnächtliche Revue im

Sakralraum. Zum Beispiel wurde unsere Orgel durch unsere

Hausorganistin als Instrument zum Vortrag bekannter

Märsche genutzt. Weiter waren die Piccobelli Gläbbli-

Akrobaaten mit Piccoli und verschiedenen Flöten zu hören.

Und dann Vital Jauslin mit einer Adaption des Klassikers

von Zarli Carigiet: «Mi Dach isch der Himmel vo Züri»,

natürlich auf Basel umgemünzt. Zum Heulen schön! Und

Renatos Trauerrede auf den Hinschied des gesunden

Menschenverstandes würde jeder Pfarrperson, auch in

dieser Kirche, zur Ehre gereichen! Dass an dieser Revue

Menschen lachen und heulen, Lebensfreude verspüren und

ihrem Leben Leichtigkeit und Tiefe geben konnten: Das ist

tatsächlich auch ein wenig «Kirche für alle».

Doch trotz allem: Renato gab im Spätsommer 2019 bekannt,

dass es 2020 keine Neuauflage des «Kòpfladäärnli» geben

Das «Kòpfladäärnli»

leuchtet kein zweites Mal

RENATO SALVI HAT UNS IM SOMMER 2018 DAVON ÜBERZEUGT, DASS UNSERE «ALTI TANTE»

ELISABETHEN 2019 AUCH AN DER FASNACHT MITMACHEN SOLLTE: SEIN KONZEPT FÜR

EINEN «HEERLIG SCHEENE FASNACHTSOOBE» UNTER DEM KIRCHENHIMMEL HAT UNS SEHR

GEFALLEN.

werde. Trotz einer Auslastung von über 80% hätten die

Einnahmen die Ausgaben nicht decken können: Aus der

Ausgabe 2019 habe ein fünfstelliger Verlust resultiert. Daher

mussten Renato und seine Frau Nicole die Notbremse

ziehen, insbesondere, da man «auf der Ausgabenseite keine

grossartigen Korrekturen in Aussicht hatte», wie sie in einem

Mail – unter anderem an uns – schrieben.

Lieber Renato, liebe Nicole, liebes «Kòpfladäärnli»-Team:

Ihr seid wundervolle Menschen, Profis und tolle Künstler-

Innen und hoffentlich auch Stehaufmenschen! Ihr seid jederzeit

wieder willkommen bei uns mit neuen Projekten.

KÒPFLADÄÄRNLI 2019

Mitwirkende

Raamestiggli: Bernadette Schtrittmatter, Sämi Moor,

Michael Hug, Renato Salvi

Schnitzelbängg: Dr Schwoobekäfer (Comité-Bängg),

Dr Blageeri (VSG), Echo vom Säntis (Wild und in

Ostschweizer Dialekt), Dr Hampe vo Kleihünige

(Wild), Schuumschleeger (Bängg fir Basel), S Källerdirrli

(Wild), Bajass und Omega (VSG)

Musig: Piccobelli (Piccolovirtuosen), Susanne Böke

(Organistin), Vital Jauslin (Gesang)

Texte: Renato Salvi und Frank Küster (Texter aus

Düsseldorf)

Hinter der Bühne/Catering: grandiose freiwillige Helfer

FRAGEN AN RENATO SALVI

Wie kamst du auf die Idee, in einer Kirche, bei uns,

dein «Kòpfladäärnli» machen zu wollen?

Nach elf Ausgaben des «Fasnachtskiechli» im «Scala Basel»

hatte ich irgendwie genug von «Bühne», von «Vorhang» und

von der «klassischen» Raumsituation, wie man sie in solchen

Theatern kennt. Natürlich kannte ich die OKE und die

offene Art von Frank Lorenz, auch mal Ungewöhn liches in

der Kirche stattfinden zu lassen. Und da Fragen bekanntlich

nichts kostet, richtete ich meine Anfrage an Frank und,

siehe da, er gab grünes Licht.

Wie waren deine Erfahrungen mit der Kirche und

der Crew, die sie administrativ-technisch betreut

und vermietet?

Ich bin ein Typ, der davor zurückschreckt im Nachhinein

alles schönreden zu wollen. Ich bin sehr kritisch dem gegenüber

was ich tue, aber auch bei dem, was andere tun. Man

kann es glauben oder nicht: Es gab in der ganzen Zusammenarbeit

nie nur eine Kleinigkeit, die ich hätte beanstanden

müssen oder die in mir irgendwie unangenehme Erinnerungen

zurückgelassen hätten. Das «Kòpfladäärnli» war eine

geniale Teamarbeit. Dazu gehörten auch alle aus dem Team

der OKE und alle anderen Mietmietenden.

Von einer Gugge erhielten wir den Vorwurf,

wir würden zensieren, da wir im Rahmen einer

anderen Veranstaltung die Bängge vorher lesen

wollten. Wie hast du unsere theologische Leitung

erlebt: zensierend-restriktiv oder offen für

Humor und Satire?

Ach, das Geklöne von «Zensur»! Das geht mir immer mehr

auf den Wecker. Ist es Zensur, wenn der Chef die Präsentation

der neuen Werbekampagne vor dem Kunden erst

einmal sehen will? Ist es Zensur, wenn man seinen kritischen

Facebook-Post vor dem Absenden nochmals 100-

mal durchliest und daran Veränderungen anbringt? Auch

ich traf mich mit Frank Lorenz und während gut einer

Stunde las und spielte ich ihm alle Nummern vor. Dabei

empfand ich dies überhaupt nicht als zensierend, sondern

eher als qualitätssteigernd. Frank gab ein paar hervorragende

Inputs, die ich auch gerne übernahm und die am

Ende auf der Bühne ein Gewinn waren. Auch die Schnitzelbänke

reichten ihre Verse vorher ein und in einem Fall

empfahl Frank, einen Vers lieber nicht zu singen. Der betroffene

Bank war dankbar dafür und er konnte jeden

Abend erfolgreich und unter tosendem Applaus die Bühne

verlassen. Ferner war es sehr entlastend, vor der Premiere

zu wissen, dass das Team um Frank Lorenz zu 100% hinter

dem, was wir da auf der Bühne machen, stand. Wenn das

jemand als «Zensur» empfindet, wird das eigentliche Problem

irgendwo anders liegen.

Wo lagen die Hauptgründe für den Misserfolg?

Hätten wir dir mehr helfen können? Welches Learning

müssen wir allfällig mitnehmen für eine nächste

und alle weiteren Fasnachtsveranstaltungen bei uns?

Die Gründe lagen weder bei der OKE noch am Interesse

der Gäste. Ich war das Problem! Ich war derart überzeugt

RENATO SALVI IN ACTION

davon – geradezu besessen –, dass das «Kòpfladäärnli» ein

Erfolg werden würde (was ja irgendwie auch eintraf), dass

ich alles Kritische, was im Laufe der letzten Vorbereitungsmonate

geschah, zur Seite schob. Als Beispiel: Ich wollte

unbedingt, dass Gäste im Rollstuhl die Veranstaltung sehen

können (was bei vielen anderen Produktionen nicht oder

nur sehr schwer möglich ist), und daher musste auch ein

behindertengerechtes WC hin. Obschon ich im Vorfeld alles

mit Offerten sicherte, liefen dann die Installationen und

«Schlauchbauten» und so weiter enorm aus dem Ruder.

Auch auf der technischen Seite vertraute ich zu sehr den

Aussagen der Profis und ein paar Tage vor der Vorstellung

kam dann einiges anders. Da muss man dann entscheiden:

Abbruch – was ein finanziell kleineres Fiasko gewesen wäre

– oder Durchziehen. Ich entschloss mich für Letzteres. Da

ich ein Bühnenmensch bin und seit 33 Jahren Theater

mache, wurde ich schon sehr oft regelrecht «ausgebeutet».

Das ist auch heute noch und immer mehr schon fast üblich

in diesem Beruf. Da ich immer grossen Wert darauf gelegt

habe, dass, wenn ich etwas organisiere, ich es nicht auf dem

«Buckel» der Mitwirkenden machen will, vereinbarte ich

mit allen eine gute – oft sehr gute – Gage. Das trieb die

Produktionskosten natürlich auch hoch, sodass wir mit einer

80%-Auslastung (was genial ist bei einer neuen Veranstaltung)

leider rote Zahlen geschrieben haben.

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Kòpfladäärnli

Geschenktauschaktion

58

59

Wie geht es dir heute, rückblickend auf das «Kòpfladäärnli»,

auf das Scheitern und auf die Reaktionen

darauf? Welche Erlebnisse hattest du, welche Gefühle

sind bei dir da?

Ein Jahr nach dem «Kòpfladäärnli» werde ich oft angesprochen.

Ich wohne in der Innenstadt und bin so natürlich oft

in dieser präsent. «Schade gibt’s das nicht mehr», höre ich

viel. Ich höre aber auch die anderen, die mich ärgern

wollen. Das sind aber Menschen, die selbst nie ein Risiko

eingehen würden und dann so tun, als ob sie das Erfolgskonzept

erfunden hätten. Die glauben: «Wer nichts wagt,

der gewinnt!» Ich glaube: «Wer nichts wagt, verpasst ganz

viel.» OK. Einiges hätte ich auch lieber verpasst. Seit einem

Jahr versuche ich, meine Schulden abzubauen. Das ist nicht

leicht. Alle Zulieferer (bis auf einen) sind alle bezahlt. Auch

die meisten der Mitwirkenden haben ihre Gagen erhalten.

Dabei habe ich darauf geachtet, dass die, welche davon

leben müssen oder finanziell nicht auf Rosen gebettet sind,

zuerst ihr Geld erhalten. Leider müssen da einige etwas

hintanstehen. Das tut mir sehr leid und belastet mich auch.

Da ich als freier Schauspieler und Theatermensch leider

kein fixes, regelmässiges Einkommen habe, ist das Abzahlen

nicht ganz so einfach. Ich habe dann «umgelagert» und

Steuern oder Versicherungsprämien hintangestellt. Das

führte dazu, dass mir viele Betreibungen ins Haus geflattert

sind. Je grösser die Firma, umso unerbittlicher sind sie gegenüber

ihren säumigen Kunden. Tatsächlich gibt es Tage,

an denen es mir nicht so gut geht. An diesen Tagen glaube

ich, mit dem «Kòpfladäärnli» einen meiner grössten Fehler

gemacht zu haben. Tatsächlich war es aber eine meiner

besten Produktionen (inhaltlich) und die beste Erfahrung

meines Lebens. In keiner Produktion der letzten 33 Jahre

war die Zusammenarbeit mit allen – aber wirklich mit

allen Beteiligten auf und hinter der Bühne – derart wertvoll.

Diese Erfahrung ist mehr wert als Geld.

Was würdest du anders machen, heute oder

bei einem nächsten Versuch?

Leider gibt es Kultur ohne Sponsoren nicht mehr. Das

finde ich persönlich enorm schade und «gefährlich». Sponsoren

ermöglichen heute nur noch Produktionen, welche

die Sponsoren als unterstützungswürdig erachten. Da geht

es leider nur noch um «Masse» und «Aufmerksamkeit». Der

Inhalt ist nicht mehr wichtig. Wer auf Inhalte setzt, muss

selbst schauen, wie er es finanziert bekommt. Eine Produktion

wie das «Kòpfladäärnli» wäre nur finanzierbar, wenn

niemand auf der Bühne eine Gage bekäme und alle Zulieferer

«Freundschaftsleistungen» vollbringen würden.

Wenn alle einen «Deal» eingehen würden, dass der Gewinn

am Schluss (mittels eines Schlüssels) unter allen gerecht

aufgeteilt würde, könnte ein «Kòpfladäärnli» durchgeführt

werden. Aber ehrlich? Warum soll man für die Kultur

kostenlos arbeiten? Wer eine Leistung vollbringt, soll dafür

was bekommen. Vorfasnacht ist keine «Tradition». Vorfasnacht

ist ein Geschäftsmodell.

Wie geht es mit dem Menschen Renato, den Menschen

Renato und Nicole, weiter:

Welche Zukunft, welche Projekte stehen an?

Tatsächlich habe ich die tollste Ehefrau im Umkreis von

40000 km. Sie hat mir immer den Rücken freigehalten und

finanziert unser Leben im Moment komplett allein. Das ist

nicht selbstverständlich. Das weiss ich. Ich bin auch bestrebt,

diese Situation zu ändern, und setze alles daran,

mich irgendwann mal angemessen zu revanchieren. Aus

diesem Grund habe ich den Entschluss gefasst, mit dem

Theaterleben abzuschliessen. Im Moment bin ich noch im

Auswahlverfahren zu einem sehr spannenden Job. Dafür

musste ich einige Tests bestehen. Die meisten davon habe

ich überwunden, stehe aber noch vor zwei «Hürden», die

ich jedoch eigentlich auch noch schaffen sollte. Dann wäre

ich ab dem 1. August zu 100% angestellt und würde die

nächsten 13 Jahre bis zur Pension was «Normales» arbeiten.

Damit würde ich in den nächsten Jahren schuldenfrei

werden und ich könnte noch etwas zur Seite legen, sodass

sich Nicole vielleicht mal etwas früher zur Ruhe setzen

könnte. Sollte sich tatsächlich dennoch jemand vom Theater

an einer Mitarbeit von mir interessieren, würde ich als

Texter (von Theaterstücken und Kabarettnummern) immer

noch zur Verfügung stehen. Dann einfach mit einer gnadenlosen

Gage (lacht), denn dann habe ich endlich nicht mehr

den Druck unter dem Motto: «Wenn ich zu teuer bin, dann

bekomme ich den Auftrag vielleicht nicht.» Dann ist mir

das so ziemlich egal.

Was wünschst du uns, der Offenen Kirche

Elisabethen?

Die OKE hätte ganz viel verdient. Das, was ihr da macht,

dem wird in der Öffentlichkeit irgendwie viel zu wenig Aufmerksamkeit

geschenkt. Ihr ermöglicht vielen Menschen

sehr viel und im Gegenzug ist niemand da, der euch finanziell

beisteht. Geld ist – das dürfte uns allen klar sein –

genug da. Es ist einfach hundsmiserabel schlecht verteilt.

Ich wünsche euch, dass ein paar superreiche Baslerinnen

und Basler (davon soll es ja einige geben) erkennen, was

wir an euch haben und was wir verlieren würden, wenn es

euch nicht mehr gäbe, weil das Gebäude Elisabethenkirche

zusammenkracht. Ich wünsche euch aber in jedem Falle

viel Glück und Durchhaltewillen. Es kommt immer alles,

wie es kommen muss. Und bitte bedenkt: Auch wenn es am

Schluss anders kommt als erhofft, gebt nicht euch oder

anderen die Schuld, denn die Zeit, in der wir gerade leben,

ist keine einfache.

Geschenktauschaktion:

22 Jahre anderes Schenken

IN DER VORWEIHNACHTSZEIT BESCHENKEN SICH KINDER IN DER ELISABETHEN-

KIRCHE GEGENSEITIG UND HELFEN DABEI FAMILIEN IN FINANZIELLER NOT:

EINE TAUSCHAKTION, VON DER AUCH DIE UMWELT PROFITIERT.

Das Konzept ist simpel: Kinder spenden zwei ihrer alten

Spielsachen und dürfen sich danach ein neues aussuchen.

So entsteht eine grosse Auswahl an Spielzeugen, aber auch

ein grosser Überschuss. Der Geldbeutel kann dabei getrost

zu Hause bleiben.

Wenn Kinder keinen Gefallen mehr am Baukasten finden

oder aus dem Prinzessinnenschloss herausgewachsen sind,

können sie es während der Geschenktauschaktion im Basler

Kindernäscht oder bei uns abgeben. Ob Ritterburg oder

Bilderbuch – Kinder erhalten für zwei Spielsachen einen

Bon, der sie zum Mitmachen an der Aktion berechtigt.

Kurz vor Weihnachten, 2019 wars am 17. Dezember, dürfen

sie diesen am grossen Geschenktauschtag bei uns in der

Kirche für ein neues gebrauchtes Spielzeug einlösen. Das

sind jedes Jahr rund 200 Kinder. Gegen 200 weitere Kinder

kommen so regelmässig in den Genuss eines vorweihnachtlichen

Geschenkes, ohne dass sie eines bringen. Denn das

zweite Spielzeug geht an ein Kind aus ärmeren Verhältnissen.

Die zum Schluss übrig gebliebenen Spielsachen

werden einer gemeinnützigen Organisation übergeben. So

kommen die Kinderküche oder das Trottinett garantiert

wieder in neue Kinderhände. Dreimal Weihnachten also.

Die Geschenktauschaktion fand 2019 zum 22. Mal statt.

Wie immer wurde sie vom Arbeitslosenkomitee Basel-Stadt,

von dem Amt für Umwelt und Energie Basel-Stadt (AUE),

dem Basler Kindernäscht und uns verantwortet, sowie von

vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern organisiert und

durchgeführt – mit grossem Engagement und geringem

finanziellem Aufwand:

Weihnachten, wie’s sein soll.

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



mimiko

Stadtsegen

60

61

MIMIKO FÜR ALLE!

Der Basler Stadtsegen

GUETE GOTT, MIR BITTE UM DI SÄÄGE:

BHIET UNSERI STADT

Gib den Häusern einen Grund, der trägt,

Gib Dächer, die schützen und Erde, die nährt

Gib einen Himmel, der weitet.

Zeig‘ den Schlaflosen die Sterne.

Birg‘ das Beisammensein der Liebenden.

Weck’ die Sehnsucht der Satten.

Umfange den Lärm mit Stille.

KONZERTGENUSS MITTWOCHS 12.15–12.45 UHR

mimiko 2019– Ausblick 2020

Die Zahl der BesucherInnen der Mittwoch-Mittags-Konzerte

in der Offenen Kirche Elisabethen (OKE) ist im Vergleich

zu den Vorjahren weiter steigend. Im Jahr 2019 hatte

mimiko mit rund 250 (2018: 230) auftretenden Musikerund

SängerInnen knapp 3000 BesucherInnen (2018: 2600)

bei jeweils rund 40 Konzerten. Das waren pro Konzert rund

75 Personen.

Die Konzertreihe hat sich in den letzten 3 Jahren vermehrt

von einer Auftrittsplattform von StudentInnen der Musikakademie

Basel hin zu Konzerten von jungen, professionellen

MusikerInnen aus der gesamten Region und dem

Ausland entwickelt. 2018 begann das Projektmanagement

damit, das Spektrum der Konzerte durch Kooperationen

mit andern Kulturinstitutionen zu erweitern. Dieser Prozess

wird auch 2020/2021 weiterverfolgt: beispielsweise

durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit kulturellen Institutionen

wie dem Schweizerischen Architekturmuseum

S AM, mit der Musikakademie Basel, der Fachhochschule

Nordwestschweiz und diversen Musikfestivals.

Erfreulich ist die Medien-Präsenz der Konzerte. In der

Basler Zeitung erschienen 2019 in jeder 2./3. Mittwochsausgabe

ein spezieller Tagestipp für das aktuelle Konzert.

Das wirkt sich auf eine höhere Bekanntheit der Konzerte

und positiv auf die Anzahl der BesucherInnen aus.

Im vergangenen Jahr wurde etwa die Hälfte der mimikos

vom Filmer Franz Bannwart auf Video aufgenommen: Sie

finden diese auf YouTube unter den Stichworten «mimiko»

und «Franz Bannwart».

Wie finanziert sich mimiko?

mimiko ist seit Januar 2019 ein Projekt der Offenen Kirche

Elisabethen (OKE). Die OKE ist eine wirtschaftlich selbstständige

Organisation, die wesentlich von der Vermietung

ihres Kirchenraumes lebt. Daher muss – auch wenn es eigene

Projekte sind – jeweils Raummiete budgetiert werden,

obwohl hier kein Geld fliesst.

Seit dem finanziellen Rückzug der Christoph Merian Stiftung

Ende 2016 aus diesem Projekt mussten neue Finanzmittel

gefunden werden. Trotz erheblich kleinerem Budget

für Projektmanagement und Werbung (Budgets 2016: CHF

35000.–; 2017 und folgende Jahre: je CHF 20000.–) wurde

die Qualität und Anzahl der Konzerte erheblich gesteigert.

Die Einnahmen 2020 finanziert sich mimiko im Wesentlichen

aus Beiträgen der Ernst Göhner Stiftung, der Bank für

Internationalen Zahlungsausgleich, der Basler Kantonalbank

und durch Beiträge des Kantons Basel-Stadt und

nicht zuletzt der OKE.

Zusätzliche Sponsoringbeiträge sind sehr willkommen, damit

der Fortbestand der Konzertreihe auch zukünftig gewährleistet

werden kann.

Ausblick Konzerte 2020/21

Die Programmierung des Jahres 2020 mit rund 40 Konzerten

ist bereits abgeschlossen, die Planung für das 1. Halbjahr

2021 läuft. Es wird spannende mimiko-Jahre geben mit

Solisten, Duos, kleineren und grösseren Ensembles bis zu

grossen Chören: die Stilrichtungen reichen von mittelalterlicher

Musik über die Klassik bis zur Moderne und neu auch

mit Jazz/Blues-Konzerten. Zudem wird das Programm bereichert

durch bestehende und weitere Kooperationen mit

anderen Kulturinstitutionen (z.B. Museen), Chören (Grosser

Chor der Fachhochschule Nordwestschweiz, Knabenkantorei),

Klassen der Musikakademie (PerkussionistInnen,

BläserInnen etc.), Musikstiftungen (z.B. Stiftung PIROL)

und Festivals (z.B. «frauenkomponiert», MIZMORIM).

Dieter Zimmer – Projektmanager mimiko

Nimm unter Deine Flügel die ganze Stadt und die ganze Region

Vom Gundeli bis Glaihünige.

Vom Birsköpfli bis zum EuroAirport.

Von den Langen Erlen bis zum Dreispitz

Von Mulhouse bis nach Kaiseraugst

Von Rheinfelden bis nach Mariastein

Von Zell im Wiesenthal bis zu den Jurahügeln

Von Efringen-Kirchen bis nach Waldenburg

Und von Pratteln bis nach St-Louis.

Kehr mit den Putzmännern die nächtlichen Büros,

sei in den Händen der Pflegenden

Schütze die Menschen unter dem Blaulicht bei ihrem Einsatz.

Leite die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft zu gerechten und guten Entscheiden.

Begleite die SchülerInnen auf dem Velo,

sitz beim Fährimaa auf der Bank und ermutige die alte Frau im Drämmli.

Allen Menschen, die auf ihren Wegen durch unsere Stadt Sinn und Nahrung suchen,

gib Begegnungen aus Hoffnung und Zuversicht, aus Freigiebigkeit und Grosszügigkeit.

Lindere Schmerzen, gib Antworten und zeig allen ein Stück Himmel.

Greif den Armutsbetroffenen in «dr Gassekuchi» unter die Arme.

Schenk uns Achtsamkeit für Heimatlose und Schutzsuchende.

Tröste und stärke jene, die traurig sind oder durch Demenz unsere Welt nicht mehr verstehen.

Und hilf auch uns loszulassen, wenn unser Atem zu Ende geht.

Segne unser Tun und Sein,

Mach unser Herz weit und warm.

Sei da im Lieben und Leiden,

im Schlafen und Schaffen.

Sei DU G’TT uns nah durch alle Heiligen,

mit Jesus, unserem Bruder und Herrn

in der Heiligen Geistkraft. AMEN

Unter Verwendung von Material des Zuger Stadtsegens

von Jacqueline Keune

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Finanzen

Finanzen

62

63

Finanzen 2019

Finanzbericht

Schön! Eine Punktlandung! Und das nach diesem Jahr, dem Jubiläumsjahr

mit seinen besonders hohen Aufwänden: rund 105000 CHF wendeten

wir für diese Woche auf und konnten gegen 40000 CHF refinanzieren

durch Verkauf von Pins, Jubiläumsspenden und anderes. Sie finden die

Aufwände in den Konten «Material- und Dienstleistungsaufwand», die

Erträge in den Gegenkonten der «Leistungen» bzw. «Dienstleistungen».

Weiter negativ zu Buche schlugen 2019 jene Abschreibungen, die wir

aufgrund des schlechten Geschäftsganges 2018 nicht vorgenommen

hatten, jetzt aber buchhalterisch, tätigen müssen. Drittens: die Personalkosten.

Drei Mitarbeitenden zahlten wir wegen Unfall oder Krankheit

die – durch unsere spät einsetzende KTG-Versicherung – drei Monate

Lohn, ohne dass wir dafür Leistung erhielten oder uns Ersatz hätten

leisten können.

Wir hätten also erneut rot abgeschlossen, wenn da nicht auch einiges

sehr gut gelaufen wäre:

· Das gesamte Team, insbesondere das Team der Haustechnik und Vermietung,

hat das Jubiläumsjahr, aber besonders das Vermietungsergebnis

der Kirche, hervorragend gestemmt. Zum ersten Mal schlossen

wir hier mit fast 200000 CHF ab. Ein grosses Lob an alle, die daran

mitwirkten!

· Im Gegensatz um letztjährigen Verlust auf den Finanzanlagen konnten

wir dieses Jahr einen Ertrag von knapp 20000 CHF verbuchen (Buchgewinn,

natürlich).

· Berührend und sehr positiv war aber die grosse Response auf unsere

Kampagne «SupportElisabethen»: Gerade im letzten Quartal steigerten

sich unsere Spendeneinnahmen nochmals deutlich und wir durften in

diesem Bereich – über das ganze Jahr verteilt – gut 110000 CHF mehr

als im Vorjahr entgegennehmen. Das spiegelt neben vielem anderen

sowohl unsere Glaubwürdigkeit in Basel als auch die Sensibilität wider,

die wir für uns bewirken konnten: «Es braucht die OKE in der Mitte der

Stadt.»

Abgenommen hat – mit den Projekten, die wir abgeben oder runterfahren

mussten – natürlich der Ertrag aus unseren Dienstleistungen wie

auf der Aufwandseite die Personalkosten.

Wieder danken wir unseren starken Partnerinnen aus dem öffentlichen

und dem privaten Sektor, die uns mit Projekten beauftragen wie «Basel

im Gespräch» (Abt. Kantons- und Stadtentwicklung des Präsidialdepartements,

Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt, BZ Basel) und

«DA-SEIN/FRAU-SEIN» (Christoph-Merian-Stiftung, Römisch-katholische

Kirche Basel-Stadt, Zontas, Soroptimistes). Und wir danken den

gut 120 Freiwilligen, die durchschnittlich 3 Wochenstunden während

jeder Kalenderwoche leisteten, was sich auf gut 18 000 Arbeitsstunden

aufsummiert.

Und wir sehen dem 26. Jahr unserer Tätigkeit, das im Mai 2019 bereits

begonnen hat, und den weiteren Jahren mit Spannung und Freude entgegen.

Wir sind ein «atmendes» Unternehmen, das mit den Herausforderungen

und den Zeichen der Zeit Aufgaben übernahm, Menschen

einstellte und Arbeit tat, also «einatmete». Derzeit atmen wir aus.

Frank Lorenz, MBA, Geschäftsführer

Erfolgsrechnung 2019 2018

Nettoertrag aus Leistungen 57 952.75 20 626.73

Nettoertrag aus Spenden/Beiträgen 332 470.20 225 086.86

Nettoertrag aus Dienstleistungen 545 956.59 682 489.10

Total Betriebsertrag 936 379.54 928 202.69

Materialaufwand –130 959.98 –23 374.22

Dienstleistungsaufwand –165 461.84 –197 179.56

Personalaufwand –475 800.95 –535 735.72

Raumaufwand –72 600.50 –68 001.90

Unterhalt, Reparaturen, Ersatz (URE) –30 358.23 –36 754.97

Sachversich., Abgaben, Gebühren, Patente –4 215.60 –3 908.75

Verwaltungsaufwand –41 131.60 –39 425.27

Werbeaufwand –79 082.82 –68 536.73

Abschreibungen –18 808.80 –125.40

Betriebsaufwand –1 018 420.32 –973 042.52

Betriebliches Ergebnis –82 040.78 –44 839.83

Finanzertrag 25 619.02 3 367.92

Finanzaufwand –6 155.81 –27 035.20

Ausserordentlicher Ertrag 0.00 2 486.81

Ausserordentlicher Aufwand –2 238.67 –607.11

Ergebnis vor Fondsveränderung –64 816.24 –66 627.41

Veränderung Fondskapital 64 885.50 0.00

Jahresgewinn (+)/Jahresverlust (–) 69.26 –66 627.41

Bilanz 2019 2018

Aktiven

Flüssige Mittel 123 766.51 102 848.61

Forderungen aus Lieferungen und

Leistungen

55 927.47 17 550.70

Übrige kurzfristige Forderungen 279.00 341.25

Aktive Rechnungsabgrenzungen 20 361.30 62 084.75

Umlaufvermögen 200 334.28 182 825.31

Finanzanlagen 217 570.57 250 864.20

Mobile Sachanlagen 52 300.00 64 650.00

Anlagevermögen 269 870.57 315 514.20

Total Aktiven 470 204.85 498 339.51

Passiven

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und

Leistungen

1 289.95 3 819.00

Übrige kurzfristige Verbindlichkeiten 0.00 879.92

Passive Rechnungsabgrenzungen 209 398.95 169 308.40

Kurzfristiges Fremdkapital 210 688.90 174 007.32

Langfristige Rückstellungen 0.00 0.00

Langfristiges Fremdkapital 0.00 0.00

Vereinskapital 152 054.29 218 681.70

Fondskapital 107 392.40 172 277.90

Gewinnvortrag

Jahresgewinn 69.26 –66 627.41

Eigenkapital 259 515.95 324 332.19

Total Passiven 470 204.85 498 339.51

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Vorstand

Team

64

65

Der Vorstand und das Mitarbeitenden-Team

in der Küche des DA-SEIN/FRAU-SEIN

VIELE KÖCHINNEN VERDERBEN IN UNSEREM FALL KEINEN BREI, SCHON GAR NICHT KOCHEN

SIE EINEN, SONDERN ZEIGEN SICH GESELLIG UND KREATIV, GESPRÄCHIG UND LEBENDIG,

SO WIE ES EINE KIRCHE FÜR ALLE SOLLTE.

DER VORSTAND ZEIGT VON RECHTS NACH LINKS.

DAS TEAM ZEIGT VON RECHTS NACH LINKS.

Stehend: Matthias Bieri, Historiker, Germanist, Lehrer;

Carla Sorato, Chemikerin, derzeit an der Schnittstelle zur

IT selbstständig unterwegs und Delegierte des Kirchenrates

der römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt; Brigitte

Heilbronner, Veterinärin und Delegierte der Kirchenrates

der Reformierten Kirche Basel-Stadt; Dominik Wunderlin,

Ethnologe, alt Kurator des Museums für Kulturen; Brigitta

Gerber, Ethologin, ruhende Grossrätin Basel-Stadt, Präsidentin

des Vorstandes; Susanne Batz, Marketingspezialistin

und Präsidentin des Fördervereins; Frank Lorenz.

Sitzend: Fränzi Burki, Familienfrau und Protokollantin des

Vorstandes; Thomas Zellmeyer, christkatholischer Theologe,

Pfarrer, Vizepräsident des Vorstandes mit dem Dossier

Personal; Remo Ley, Jurist und zuständig für unsere

Finanzen; Monika Hungerbühler und Niggi Ulrich, Lehrer,

Regisseur und Radiojournalist, Delegierter des Kirchenrates

der reformierten Kirche Baselland.

Stehend: Sabrina Balanquet Brönnimann, Allrounderin

zwischen Theologie, Sekretariat und Vermietungen; Frank

Lorenz; Subeer Ismail, Zivildienstleistender bis Januar

2020, seitdem ist das Moritz Schiller; Regine Fricker, Projektmanagerin

der (per 1.1.2020 an das Rote Kreuz abgetretenen)

Koordinationsstelle Freiwillige für Flüchtlinge

KoFfF; Marcin Warszawski, Haustechniker; Jürg Pardey,

Spendenadministrator; Dieter Zimmer, Projektmanager

«mimiko»; Olgu Umac, Sachbearbeiter Buchhaltung

Sitzend: Monika Hungerbühler; Jörn Schärer, Beizer Elisabethen-Café,

und Diana Krasnodembska, Mitarbeiterin

Hausdienst

Offene Kirche Elisabethen – 2019 Offene Kirche Elisabethen – 2019



Förderverein

Informationen

66

67

Förderverein

Vorstand (von rechts nach links)

Susanne Batz (Marketingspezialistin) Präsidentin

Andrea Ramisberger (Buchhalterin) Kassieren

Josefina Torró Eichenberger (Lehrerin) Aktuarin

SPENDENAUFRUF

Vielen Dank!

Die Offene Kirche Elisabethen wird in der Stadt und der

Region Basel von vielen Menschen geschätzt und unterstützt.

Damit die Arbeit weitergehen kann, braucht die Offene

Kirche auch finanzielle Mittel.

Helfen Sie mit Ihrer Spende mit, dass die Offene Kirche

offen bleiben kann: PC 40-7225-5

Wenn Sie die Offene Kirche über den Tod hinaus unterstützen

wollen, stellen wir Ihnen gerne die Broschüre

«Legate» zu.

Im Trauerfall haben Sie auch die Möglichkeit, anstelle von

Blumenspenden dem Verein «Offene Kirche Elisabethen»

einen Beitrag zukommen zu lassen. Auf Wunsch wird der

Trauerfamilie der Spendeneingang bekannt gegeben.

WWW.OFFENEKIRCHE.CH

Unsere Website freut sich auf Ihren Besuch!

DIE OFFENE KIRCHE ZUM MIETEN?!

Bitte das Heft drehen und von hinten lesen.

Spezial:

Heiraten

in dieser

Kirche!

JEDERZEIT TOPAKTUELL

Werden Sie Fan der OKE

oder ihrer Projekte

auf Facebook:

@offenekircheelisabethen

@baselimgespraech

WERDEN SIE MITGLIED DES FÖRDERVEREINS!

DER VORSTAND DES FÖRDERVEREINS (VON LINKS):

JOSEFINA TORRÓ EICHENBERGER, ANDREA RAMISBERGER,

SUSANNE BATZ

Der Förderverein unterstützt ideell die Ziele und finanziell die Aktivitäten der Offenen Kirche.

Die finanziellen Beiträge werden mit der Leitung und dem Vorstand des Vereins «Offene

Kirche Elisabethen» abgesprochen. Die Mitglieder des Fördervereins erhalten periodisch die

Programme und Veranstaltungseinladungen der Offenen Kirche Elisabethen zugestellt.

Your Venue

in Basel

Elisabethenkirche – Refektorium – Kapelle

E www.your-venue-basel.com

@projektdasein

@projektfrausein

@kofff.oke

FÖRDERVEREIN

Ich möchte Mitglied im Förderverein der Offenen Kirche Elisabethen, Basel, werden.

Bitte stellen Sie mir Informationsunterlagen, Anmeldeformular und Einzahlungsschein zu.

Die Offene Kirche Elisabethen wird unterstützt von

Name/Vorname

Strasse

PLZ/Ort

Sepix

Talon per Post an:

Sekretariat Offene Kirche Elisabethen, Förderverein, Elisabethenstrasse 10, 4051 Basel

Offene Kirche Elisabethen – 2019

Wir haben die Kirche für Sie täglich zwischen 10 und 19 Uhr offen (Sonntag ab 12 Uhr).

Offene Kirche Elisabethen · Elisabethenstrasse 10 · CH-4051 Basel · Tel +41 61 272 03 43 · info@oke-bs.ch · www.offenekirche.ch


Ähnliche Magazine